Indiana Tribüne, Volume 21, Number 333, Indianapolis, Marion County, 21 August 1898 — Page 6
Aie Krauen in ßyina. Göret die grauen! sie flechten und weben Himmlische Rosen in's irdische Leben." find Worte, die auf dem Antlitz de Lohnes des Reichs der Mitte ein sarkastisches Lächeln hervorrufen würden. 'Denn in China nimmt die Frau eine gänzlich verschiedene Stellung, vom Manne ein. eine Sphäre, die, obgfcttf sie die des Mannes an gewissen chunkten nothwendigerweise berühren muß. doch so weit als möglich von einndzr getrennt gehalten werden sollte. Der Gewohnheit der alten Chinesen zu 'Folge durften Knaben und Mädchen von ihrem siebenten Lebensjahre an nicht zusammen essen oder verkehren, und diese Absonderung wird auch noch heutigen Tags so weit getrieben, daß iie Kleider einer Frau nicht an demselben Nagel hängen sollen, an welchem "ber Mann die seinigen aufgehängt hat; ntch sollte sie nicht dieselbe Badewanne wie ihr Mann benutzen, ja, es ist selbst -nicht schicklich für eine Frau, mit ihrem Manne zusammen zu essen. Unter den nntercnKlassen befolgt man glücklicheriveise diese Verordnungen nicht immer gmau, und cs ist ein wohlthuender Anblick, einen Arbeiter mit seiner Frau -eine frugale Mahlzeit einnehmen zu sehen. Der Ansicht des Chinesen nach wird die Frau geboren, um ihm als S!lavin zu dienen, und die Leibeigenschast ist oft eine bittere: ein Leben der Unlerthänigkcit ihren Schwiegereltern ge--genüber nach der Hochzeit; aber das -Leben einer Leibeigenen ihres Mannes steht ihr auch in der nächsten Welt bevor, denn sie gehört ihm dort ebenfalls m: es ist ihr nicht erlaubt, nach seiitem Tode an einen anderen Mann sich zu verheirathen, ein solcher Schritt ttürd: wenigstens gegen dieGefühlsem)findungen des Volkes verstoßen. Falls sie ihrem Manne einen Sohn schenkt, so wird ihre niedrige Stellung dem Manne gegenüber etwas gehoben, d. h. nur innerhalb ihres Hauses. Alle diese einschränkenden Gebräuche gründen sich .auf der Idee, daß die Frau von Natur !
einen rnedngeren Platz als der Mann -einnimmt; er ist der Hochstehende, sie die Untergebene: wie sich der Himmel .zur Erde verhält, sagt das chinesische Sprüchwort, so verhält sick auch der Mann zur Frau. Ihre ganze ErzieHung ist dahin gerichtet, sie vollstäntige Unterthätigkeit ihrem Manne ge'genüber zu lehren; denn sie sollte nicht iihren eigenen Willen haben, derselbe inuß dem ihres Gatten vollständig -untergeben sein. Falls derselbe FreunZ?e zu sich ins Haus ladet, wird sie im4 Achtbar, und der Mann würde es für eine Beleidigung erachten, falls ein -Gast sich nach dem Befinden der Gatiin seines Gastgebers erkundigen sollte. Und so wenig hält man von dem weiblichen Geschlechte in China, daß ein Water, falls man ihn nach der Anzahl seiner Kinder fragt, höchstwahrscheinlieb in seiner Berechnung die Mädchen auslassen wird oder, sollte er keine Knaben haben, so wird seine Antwort, die er mit einem schweren Seufzer begleitet, sein: nur ein Mädhen". In der überwiegend qroßen MehrZahl von Fällen lehrt man die Mäddjen weder Lesen noch Schreiben, und .Zwar dies aus dem einfachen Grunde, 'weil man es für unnöthig hält, daß sie in diesen Elementar - Kenntnissen bewandert sind. Stickereien. Nähen, das Arbeiten von kleinen Schuhen für ihre verkrüppelten sogenannten goldnen Lilien", und das endlose Klatschen "füllen das Leben der mandeläugigen Dame aus, das nicht einmal durch das .Vergnügen eines täglichen Spazierganges unterbrochen wird, denn sie Lnuß in einer Sänfte eingeschlossen -sein, falls sie einen Besuch abstatten .will. Die Ritterlichkeit, die sich in den Ländern des Westens dem schwächeren Geschlecht gegenüber kundgiebt, ist in China vollständig unbekannt. Findet man auch mitunter in den Ländern des Westens, daß die Eltern, ohne die natürliche Neigung ihrerTochter zu berücksichtigen, dieselbe bei einer Verheiratung der socialen Stellung oder dem Reichthum opfern, so kann inan in China doch in fast jeder Familie auf ein Gegenstück hierzu stoßen: die Gefühlsempfindunen der Tochter werden bei der Wahl emes Gatten nie in Betracht gezogen. Eingeschlossen in ihre Gemächer hat das junge Mädchen, sobald sie zu? Jungfrau 'herangereift ist, nur wenig oder gar keine GelegenIjett, ihren zukünftigen Gatten zu sel)tn: sie muß sich mit der Wahl, die von ihren Eltern oder Verwandten getroffen wird.zufriedengeben, derWunsch derselben ist unumstößliches Gebot. Die menschliche Natur ist auf der ganLcn weiten Welt dieselbe, und die Her zen der chinesischen Knaben und Mäddjen sind in dieselbe Form wie die des Westens gegossen; aber unglücklicherweise sind die Herzen der Mädchen im Äeiche der Mitte, ähnlich wie ihre Fü--fce, so eingezwängt und verunstaltet, 'daß man ihre ursprüngliche Form Zaum wieder erkennen kann. Jede Liebesneigung zwischen Mann und Weib wird für unmoralisch gehalten und rnuß daher unterdrückt werden, und da sie ihre natürliche Richtung nicht derfolgen kann, so schlägt sie eine unnaürliche ein; denn manches Mädchen in China muß mit der Stellung eines Nebenweibes zufrieden sein, ihr Gatte darf, nachdem er seine erste und gesetzliche Frau aus FamilienrücksichUn geheirathet hat, seine zweite Frau oder die noch darauf folgenden NebenWeiber aus reiner Zuneigung heirathen. Frauen werden durch eine solche Maßnahme häufig vor einem unmoraZischen Leb;n gerettet und in einen Hausstand eingeführt; doch ein Haus, in dem mehrere Frauen den Platz sich zutheilen, der für eine hätte vorbehalten sein sollen, ist etwas, was mit den LZearisfen, die wir Occidentalen über
den Familienkreis haben, ganz und gar nicht übereinstimmt. Gleichviel wie tief die Zuneigung t ner Tochter ist, die sie ihren Eltern ent-
gegenbnngt, sie muß nach ihrer Verheirathung einen großen Rückschlag er- ' halten, denn nach jenem wichtigen Ereigniß geht sie für ihre nächsten Bluts verwandten fast völlig verloren ; sie wird in den Familienkreis ihres 3aU ten versetzt. Mit der Verheiratung reißen demnach alle Bande, die sie bislang an ihr Elternhaus knüpften, alle Töchter werden aus dem Familienregister gestrichen, denn sie werden nicht mehr als die Töchter betrachtet, sondern als die Schwiegertöchter Anderer. Sie mag ihre Eltern nach der Hochzeit dann und wann besuchen, doch sich nie lange bei denselben aufhalten; ja nichts würde mehr gegen den guten Ton verstoßen, als wenn sie in dem Hause ihrer Eltern ihren Mann mit einem Kinde beschenken sollte: alle ihre Kinder müssen in dem Hause des Vaters geboren werden, eine Regel, an der auf das strikteste festgehalten wird. Man geht sogar soweit, daß man es, sollte ihr Verlobter vor der Hochzeit sterben, für eine tugendhaste Handlung ansieht, daß sie ihren Familienkreis verläßt und sich dem des Verstorbenen anschließt, um dort in Untergebenheit der Mutter desselben zu dienen, bis der Tod das Paar vereinigt, welches daS Schicksal auf Erden getrennt hatte. Eine Frau kann nie zweimal heirathen, d. h. gesetzlich; 'ein Mann, der sich in eine Wittwe verliebt, kann sie aber als Nebenfrau nehmen. Eine Frau w'rd nur einmal in der rothen Brautsänfte zum Hause ihres zukünftigen Gatten getragen, und selbst nur dann, wenn sie ihn als seine gesetzliche, d. h. erste Frau heirathet. In manchen Gegenden Chinas gilt es als eine tugendhafte Handlung für eine Frau, Selbstmord zu begehen, falls ihr Gatte oder Verlobter sterben sollte; in manchen Fällen wird sie von den Verwandten hierzu gezwungen, in der Hoffnung, daß ihr ein steinernes Ehrenportal aus Ersuchen bei der Regierung errichtet werden wird. Man darf sich daher nicht wundern, daß in manchen Plätzen die jungm Mädchen sich vereinigen und gegenseitig das Gelübde ablegen, nie zu heirathen, und sollte man sie dazu zu zwingen versuchen, Selbstmord zu begehen. Die unteren Volksklassen haben in mancher Hinsicht mehr Freiheit; sie sind nicht an ihr Haus gebunden, sondern bewegen sich, da es die Bedürfnisse ihres Lebens erfordern, in der Oeffentlichkeit, um ihren Geschäften nachzugehen: die Frau und Töchter eines Bauern sind bei der Bearbeitung des Feldes behilflich. Dienerinnen machen auf der Straße Einkäufe und besorgenAufträge, die große Bootbevölkerung Chinas lebt vermischt zusammen u. s. ,w. Die allgemeine Unwissenheit, in der die Frauen aufgezogen werden, die Subordination. das Bestehen der Vielweiberei. dieses Alles sind Faktoren, welche dem Manne keine Achtung vor FraUen einflößen können. .Aus den volksthümlichen Redensarten der Chinesen kann man aber bereits ersehen, was für Ansichten dieselben in Bezug auf die Frauenwelt tm Allgemeinen hegen. Sie wird als von Natur niedrig, kurzsichtig und unzuverlässig dargestellt, als eine Fleischwerdung der Eifersucht, es ist unmöglich eifersüchtiger und giftiger zu sein als eine Frau," sagt das chinesische Sprichwort. Die Stellung der Frauen in China, und namentlich die der Gattinen, ist die schließliche Folge und die am meisten charakteristische Frucht des confudänischen Lehr-Systems. Diese Doctrine hat nichts in Betreff der Söhne. Durch den Zufall des Geschlechts wird das Kind zur Familiengottheit; durch den Zufall des Geschlechts wird es eine gefürchtete Last, .deren man sich möglicherweise durch Aussetzen erledigt, die man aber sicherlich verachtet. Der Confucianismus verlangt, daß ein Mann sich an seine Eltern hängt, und er zwingt seine Gattin, ein Gleiches zu thun. Die sieben Todsünden des Confucianismus gegen das weibliche Geschlecht sind: 1) Er versorgt dasselbe mit keiner Erziehung; 2) Er billigt den Verkauf von Gattinnen und Töchtern; 3) Er zwingt zu früher und allgemeiner Heirath; 4) Der Mord von weiblicheni Kindern muß auf ihn zurüögeführt werden; 5) Er nöthigt den Mann, sich Nebenfrauen anzuschaffen, falls die erste Frau ihm keine männlichen Sprößlinge zur Welt gebracht hat, die nach seinem Tode die Ahnenanbetung verrichten können; 6) Der Selbstmord von Frauen und Töchtern ein allgemeines Vorkommniß in China, ist ebenfalls auf ihn zurückzuführen; denn sie werden nie um ihre Ansicht gefragt- falls es sich um ihr Verheirathen handelt; 7) Die Uebervölkerung des Landes; die ganze chinesische Rasse strebt danach, sich einer Nachkommenschaft, d. h. einer männlichen, zu vergewissern, und für die Väter das zu thun, was die Väter für ihre Großväter gethan haben. Spruch. Sein Schicksal schafft sich selb'', der Mann; Soweit es die Frau nicht anders ersann. Ein Schwereyöther. Huber," sagt der Herr Assessor mitleidig zu einem alten, ehrlichen, arbeitsuchenden Individuum, gehen Sie nach meiner Wohnung, melden Sie sich bei meiner Frau, auf dem Hofe Hinter meinem Hause sieht es wüst und unordentlich aus, den können Sie derweile anständig und sauber machen." Gnä' Frau." sagt Huber nachher schmunzelnd, der Herr schickt mich, ich soll Ihnen derweil den Hof machen!"
Ake Wiener Ausstessung. . Unter den festlichen Veranstaltung gen, welche aus Anlaß des öOjährigen Regierungsjubiläums des österreichischen Kaisers Franz Joseph in Wien in's Leben qerufen sind, nimmt die Jubiläums-Ausstellung den ersten Platz ein. Weit über die Marken des Reiches ragt die Bedeutung dieser Jubiläums-
Ausstellung hinaus, die infolge ihrer von der hergebrachten Schablone abweichenden Anordnung als eine Generalprobe zur Bethätigung Oesterreichs an der Pariser Weltausstellung angesehen wird und einen werthvollen Beitrag zur Geschichte seines Gewerbeflei'ßes bildet. Der Schauplatz ist wieder die gewaltige Rotunde im Prater, die seit fünfundzwanzig Jahren wohl schon ein Dutzend Ausstellungen beherbergt hat, jetzt aber durch den vergrößerten Park mit den zahlreichen schmucken Bauten alle früheren an räumlicher Ausdehnung weit übertrifft. Die Ausstellung besteht aus folgenden Gruppen: Gewerbe-Ausstellung, Land- und Forstwissenschaftliche Aussiellung, Bückeni-Special-Ausstellung, Urania", Sport und Sportindustrie, Luftschiffahrts-Ausstellung. AbgesePavillon der Stadt W.-en. hen von diesen großen Veranstaltungen sind noch als ganz besonders interessant und sehenswürdig hervorzuheben: Ausstellung der bosnischen Landesregierung, Pavillon det Stadt Wien und die Wohlfahrts-Ausstel-lung. ' Wir betreten die Rotunde durch das Kaiserzelt, woselbst Kaiser Franz Joscph die feierliche Eröffnung vornahm, und finden unter dem Riesendach eine Fülle der zumeist für diese JubiläumsAusstellung angefertigten gewerblichen Meisterstücke. Hier sind die Gruppen Wohnung", Verkehr" und Kleidrnig" untergebracht, während in den Seitengalerien dem Publikum Gelegenheit geboten ist, ganze Musterwerkstätten in Betrieb zu sehen und zu beobachten, wie aus den rohen Materialien, Holz, Metall, Leder, der Gespinstfaser und so weiter, die fertigen Gebrauchsgegenstände entstehen. Im Seidenhof", einem schönen Portalbau mit korinthischen Säulen, haben die Seidenindustriellen ihre kostbaren Tücher, farbenglänzenden Stoffe und Bänder überaus geschmackvoll vorn führt. - Bosnien un d Her z e g o w Z na. Verlassen wir die Rotunde durch den Silberhof", der die kostbaren Arbeiten der Juweliere Gold und Silberschmiede enthält, ' so öffnet sich uns beim Westportal ein überraschender Blick auf die aus mehr als 150 kleineren und größeren Bauten bestehende Jubiläumsstadt" im grünen Prater. Zwei breite Avenuen durchschneiden den Ausstellungspark. An der südlichen Avenue liegen die interessantesten Pavillons, während die nördliche, die Avenue der Ernährung", Wein- und Vierkosthallen in ungezählter Menge aufweist. Unmittelbar vor der Rotunde, an der hohen Kuppel kenntlich, erhebt sich der Pavillon der Stadt Wien mit dem großen Friedlsoen Reliefbild: Vindobona, dem Kaiser huldigend". Hier sowohl wie im benachbarten Pavillon des Stadterweiterungsfonds, der DonauregulirungsCommission und des Hofbau-Comites lassen sich am besten, die Veränderungen ermessen, die das Stadtbild in den fünfzig Regierungsjahren des Monarchen erfahren hat. Wohlfahrtsaus pellung. Angenehm überrascht ist Jedermann von dem neuen, von der bish'rigen Tradition so ganz abweichenden Baustil sämmtlicher Pavillons. Es ist mehr als ein Tropfen Secession mit untergelaufen. Ganz fremdartig muthet der im orientalischen Stil gehaltene Regierungsbau Bosniens und der Herzegowina an, jener Reichslanve, in denen Oesterreich-Ungarn während zweier Decennien ein so gewaltiges Stück Culturarbeit verrichtet hat. In den als Werkstätten dienenden offenen Bazaren sehen tox: die in den Stoatsateliers ausgebildeten jungen bosnischen Kunsthandwerker schone Jntarsien und Jnkrustierarbeiten ausführen, während bosnische Frauen orientalische Teppiche knüpfen. Auf der andern Seite der Hauptall, dem Stadtpavillon gegenüber, erhebt sich der große Bau der österreichischen Wohlfahrtsausstellung. ein Werk ehrjähriaer Vorarbeiten und vielleicht
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der lehrreichste Tbeil des Ganzen. 5km
Jahre 1843 zählte Oesterreich noch 43 Prozent der Bevölkerung Analphabeten, welche erschreckend hohe Ziffer, sich in Cisleithanien bis zum Jahre 1896 fast auf die Hälfte, das heißt auf 23 Prozent, ermäßigt hat. ' Welche Fortschritte nöthig waren, um ein solches Ergebniß zu erzielen, lehrt diese' Sonderausstellung. Sie zeigt uns Un gewältigen Abstand zwischen einst und jetzt auch in der öffentlichen Gesundheitsplege und führt uns die Zunähme der Anstalten für Wohlthätigkeitszwecke und Krankenpflege, d'.eEntWicklung der wirthschaftlichen und Verkehrsverhältnisse deutlich vor Augen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Darstellung aller jener Einrichtungen verwendet, die der Fürsorge für die arbeitenden Volksklassen diernn. Ganz neu dürfte die Polizei als Aussteller sein. Um diesen Zweig der öffentlichen Wohlfahrt uns sozusagen menschlich näher zu bringen, gewährt die Wiener Polizeidirektion einen Einblick in das Getriebe des ganzen Sicherheitsdienstes der Residenz. Die Befehle des Unterrichts, wie Bücher, Landkarten, Phetograpbien, wissenschaftliche, und Musikinstrumente, sind im großen Pavillon Bildung" neben dem mit Flaggen geschmückten Parkeingang untergebracht, und in der am andern Ende des Parkes gelegenen Jugendhalle" werden von den Zöglingen Wiener Schulen Jugendspiele vorgeführt und den Kindern lehrreiche Skioptikonbildel geZeigt. Den wirkungsvollen Abschluß der Südavenue bildet das UraniaJnstitut mit einem hoc,strebenden Mittelbau, der den Theatersaal enthält, und Urania - Theater. zwei ovalen, einen großen Vorhof umschließenden Arkadenslügeln. Dieses Unternehmen ist der Popularisierung der Naturwissenschaften gewidmet. In den Sälen der Seitengalerien ist den Besuchern Gelegenheit geboten, unter Anleitung chemische, physikalische elekirische Experimente auszuführen, mikroskopische Präparate zu besichtigen, sowie am Abend astronomische Beobachtungen anzustellen. Aber auch der eifrigste Besucher wird früher noch als der bekanntlick stets geneigte" Leser des trockenen Tcnes" satt, und er sehnt sich hinaus aas der Straßen quetschender Enge", uu sich im ; Freien zu ergehen und sich mit Tausenden von Gesinnungsge?,ossen des herrlichen Licht- und Farben! ildes zu erfreuen, das der AussteUungLpark und, das fröhlich auf und ab fluthende Puhlikum bieten. Und diese gegenseitige Selbstausstellung ist ein wichtiger Theil jeder Ausstellung. Die ungemein große Zahl dererwelche die Ausstellung erst nach des Tages Last und Mühen besuchen können, macht keine langen Umwege, sondern sucht auf dem nächsten Weg die Avenue der Ernärung" auf, wo es Atzung in tausend lockenden Gestalten gibt. Wäbrend sich die Südavenue, die Avenue der Be-Bäckerei-Ausstellung. lehrung, zu einem eleganten Korsc gestaltet, hat die Avenue der Ernährung" ein sehr wißbegieriges Publikum, das den einzelnen Objekten, wie Wiener Brauherrenverein". Piljener Weinkosthalle - und Kleinoscheggs Champagnerpavillon, dem Riesenfaß und! wie die freundlichen Oasen - alle heißen mögen, die gründlichste Brachtung schenkt. I m m a 'Von dn Schmiere. Herr Director, ich möchte Sie um 60 Pfennig Vorschuß bitten!" Wenn Sie immer Vorschuß wollen, so laß' ich Sie keinen Grafen" mehr' spielen Sie übermüthiger Mensch!? ;, . 1. Glänzendes Resultat. Nach der jüngsten Vertheidigungsrede des Rechtsanwalts Pfiffig hat sogar der Staatsanwalt den Angeklagten mit iH err" angeredet. Die kluge Mutter. Backfisch (im Theater): Mama, der Lieutenant da drüben sieht mich fortwährend an!" Mutter: So sieh' weg, aber recht freundlich!" Durchschaut. Junge Frau (beim Mittagstisch):- Ich habe heute Deine Lieblingsspeise bereitet,- liebes Männchen!" Mann:' Aha der Weg zur Modistin geht durch den Maaenl" ' - i ,'. , . ;: : .
Kolmar. Unker den in historischer Beziehung knteressantenStädten des Elsaß nimmt Kolmer mit den ersten Rang ein. In seinen Häuserbauten bietet es eine reichhaltige Sammlung von alterthümlichen Stilarten, wie sie sick wobl
i nur in wenigen Städten des Reiches lo unverfälscht erhalten haben. Hier lebt ein zwar untersetzter, aber kräftiger Menschenschlag mit etwas urwüchsigen Sitten und den rauhen -Kehl-tönen des Sundgaues; der in unendlichen Mengen in der Umgegend wachsnde vortreffliche Wein sorgt für einen zuweilen zwar etwas übersprudelnden Humor, eine Lebhaftigkeit des Volksgeistes, der in verschiedener Beziehung, auch in politischer, stets von sich reden macht. Nun. das sind eben die Folgen einer eigenthümlichen geschichtlichen Entwickelung, bei der die guten Kolmarer mehr der geschobene als der treibende Theil waren, wenn sie sich auch mit ihren breiten Schultern und hervorragend harten Köpfen so ziemKopfhaus. lich gegen jede Umwälzung und Aufrüttelung aus den Verhältnissen sträubten. Die Stadt liegt hart am Fuße der hier steil aufsteigenden Vogesen, gerade der Mündung des malerischen Münsterthales vorgelagert, in einer fruchtbaren und reichbewässcrten Ebene an dem Hauptschienenwege, der von Norden nach Süden das Elsaß durchzieht und einen großen internationalen Verkehr vermittelt. Das Münsterthal ist aber eine uralte Verkehrsstraße von Welschland nach Deuffchland, und damit war hier schon in altersgrauen Zeiten ein Platz zur Ansiedelung gegeben. Die Kolmarer behaupten allen Ernstes, daß ihre Stadt von Herkules erbaut worden sei. und wenn man dieser Angabe phantasievoller Chronisten auch keinen Glauben schenkt, da der einzige Beweis dafür die im StadtWappen glänzende Keule ist, so steht doch immerhin fest, daß hier schon in fränkischer Zeit ein Hofgut lag, aus dem sich bis Ende des neunten JahrHunderts die Stadt Columbarium entwickelte. Der Landvogt der Hohenstaufen. Wölfelin, umgab 1220 die Stadt mit Mauern, und sechs Jahre später erhob sie Friedrich II. zur kaiserlichen Stadt, die dann auch in kriegerischen Händeln, dem etwas rauhhaarigen Wesen ihrer Bewohner gel Pfister - Haus. freu, ihrem Wappen alle Ehre machte. Aber sie war damals auch ihrem Herrn getreu. Johann Rösselmann, der heute noch im Volksmunde lebende Schultheiß, siel im Kampfe gegen den antikaiserlichen Bischof von Straßbürg, was aber nicht hinderte, daß sein Sohn später gegen den Kaiser die Waffen führte. Von Kaiser Adolf gefangen, endete er sein Leben im Verließ der Schwarzenburg deren Ruine, 16 Kilometer weiter in die Vogesen hinein, in's Münsterthal herunterblickt. Im 14. Jahrhundert trat Kolmar in den Bund der zehn freien Reichsstädte. Als Frankreich feine Interessensphäre immer weiter östlich zog, widerstand das feste Kolmar lange Zeit hartnäckig den Versuchen der Unterjochung, aber wie überall im Lande, mußte auch hier die Reichsfreiheit endlich in die Brüche gehen. Nach dem Frieden von Ryswyk wurde der oberste Gerichtshof der französisch gewordenen Provinz hier aufgeschlagen (Conseil flou verain de l'Alsaco). und unter dem Titel Oberlandesgericht" bewahrt die Stadt diesen Gerichtshof noch heute, ehrt sia) übrigens gerade jetzt gegen centrallsirende Bestrebungen, die ihn nach Straßburg verlegen wollen. Bei der bewährten Energie, mit der die Kolmarer stets m allem Thun zu Werke gehen, darf man aber annehmen, daß sie das Jhrrge festhalten werden. Nach der neuen Eintheilung.,die der Revolution folgte, wurde Kolmar Departementalort (Haut Rhin) und erhielt einen der zwölf . Kassationshöfe Frankreichs. Eines der drei Bezirkspräsidien des Reichslandes hält es ebenso fest wie sein Gericht, obgleich' ihm in diese? Hinsicht in Mühlhausen ein mächtiger Nebenbuhler erstanden ist, das mit 86.000 Einwohnern fast dreimal so groß ist als Kolmar (34.000.) Die Kolmarer waren aber nicht nur ein streitbares Geschlecht, sondern pflegten auch von jeher höhere Kultur. Diesen Eindruck giebt uns schon d:e Arckitektur der Stadt, die neben schö-
nen Kirchen auch zahlreichen andere Perlen mittelalterlicher Baukunst auf-
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Kaufhaus. weist. Man betrachte zum Beispiel das sogenannte Kopfhaus," mit seinem schönen Portal, dem reich in Sandstein skulptirten dreietagigen Erker, dem Frontgiebel. Dann das Pfister - Haus", eines der interessantesten des Elsaß, mit seinem stilvollen Holzschnitzwerk und den kunstvollen Wandgemälden. Hier holt sich mancher Baumeister, dem jetzigen Zeitgeschmack dienend, werthvolle Motive. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Kaufhaus" (Börse und Magazin der alten Kolmarer Handelsherren), dann das ehemalige Hotel von Westhaus, die Johanniter - Komthurei und viele andere. Das Haus zum Schwarzen Berge, in dem der Große Kurfürst, später General Horn und 1675 Turenne wohnten, ist 1880 leider niedergebrannt. Auf dem Glacis vor den längst geschleiften Wällen bis zum Bahnhof hin hat sich aus ExercierPlätzen und Parkanlagen ein landschaftlich sehr schön gelegner, moderner Stadttheil entwickelt, in dem neben reichen Fabrikanten hauptsächlich die oberen Beamten und Offiziere wohnen. denn Kolmar birgt 'auch eine starke Garnison. Staute aus. Seltene Kunstschätze aus alter Zeit finden wir in der im 13. Jahrhundert erbauten St. Martinskircke, einer kreuzförmig dreischiffigen Basilika mit stark verlängertem, von einem Kapellenkranz umschlossenem Chor. In der Sakristei finden wir eine Perle altdeutscher Malerei, nämlich ein Gemälde des Kolmarer Meisters Martin Schongauer Madonna im RosenHag" (datirt 1473.) Im Kloster Unterlinden haben wir neben einem reichbaltigen archäologischen Museum im ehemaligen Kirchenschiff eine Gemäldesammlung, in der Schongauer ebenfalls vielfach vertreten ist, dann sieben Altarflügel von Konrad Jsenmann (1462). Neuere Gemälde rühren namentlich von elsässischen Künstlern her, Angehörigen der modernen französischen Schule. Im Langhause des Klosters finden wir einen bei Berabeim aufgefundenen römischen Mosaikboden. reichen antiken Goldschmuck, sowie römisch - germanische und ethnographische Sammlungen, im Kupferstichcabinet eine Sammlung Schongauer'scher Stiche. Kolmar ist auch derHeimathsort des bekannten Dichters Konrad Gottlieb Pfeffel. eines Mannes von merkwür digen Schicksalen (geb. 1736, gestorben 1809). Er wollte Rechtsgelehrter werden, erblindete aber mit zwanzig Jahren infolge' emer ungeschickten Augcnoperation. Um sich trotzdem weiter nützlich zu machen, gründete er 1773 eine Kriegsakademie, in der er die Söhne des elsässischen Adels zu Offizieren für die französischen Könige ausbildete. Die Revolution schloß seine Anstalt. .So ist Kolmar und seine Geschichte auf Schritt und Tritt interessant und heute ein Gemeinwesen, in dem Handel und Wandel blühen und die Stadt mächtig emporstreben lassen. Dernecki sche Akrobat. Parkwächter: Das Betreten der Rasenftächen ist . bei Strafe verboten ja. hat jcht dieser Malefizkerl dn Rasen eigentlich bire!en oder nicht?" Blau Blut. Commerzieirath (frisch geadelt, der einen Spryßling bekam): Rosa, sollten wir tms nichtlnschaffen ä a d e l i g e Amme?" Er will noch was. Max: Nun, Klara, hast Du mit Deinem Vater wegen unserer Verlobung gesprochen? Klara: Ja er giebt seine Zustimmung. Max: Weiter nichts? Vorsicht. Schmierendirektor Und was ich Eich noch sagen wollte. Kindersch, rht mer ja nich zu realistisch in der großen Kampfszene vor, das hiesigeBubllkum ist sehre ämpsänglich und schmeißt sonstens am Aende aar oock mit!".' , ,
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Aus der guten altenZeik.
Hauptmann: Seppel. Du hascht Dei Flint nit butzet." Seppel: Herr Huptme, i hebb se butzet." Hauptmann: I sag. Du hascht se nit butzet." . Seppel: JLn i sag, i hebb se wohl butzet." Hauptmann: Un i sag. Du hascht se nit butzet." Seppel: Herr Huptme, der Geschidscht gebt noch." . Die Büste. i mm Jjaal'che, hast De schon gesehen de Büste, die ich D'r schenk' zu Deinem Geburtstag'?" Wie haißt die Biste?! ErschtenS heißt's nicht die bist De. sondern das bist De. und zweitens amol bist De's gar nicht!" Preiswürdig. A.: Ein prächtiger Mann. Her? Commerzienrath, Ihr zukünftiger Schwiegersohn, der Herr Graf! Sa schön, so edel, so fein!" Commerzienrath: Schon wahr mer hat was an ihm for sei' Geld!" Schneider: Ich wollte mich einmal über den Komiker Maier erkundigen, der bei Ihnen gewohnt hat!" Zimmervermietherin: Um Gotteswillen, mit dem schlechten Menschen lassen Sie sich nur ja nicht ein!" Schneider: Er will nämlich meine. Tochter heirathen!" Zimmervermietherin: Ja. das ist natürlich etwas anderes ich dachte, Sie hätten ihm einen Anzug machen wollen!" S t L ß e d e r H a u s f r a u. m Mih m i X? i iM ' --V..v. i' mm n - V .,.'. .. Nachbarsköchin: Wer ist denn diese kleine Person, die Euch jetzt immer beim Kochen hilft?" Köchin: Das ist das Stutzer! der Hausfrau!" Auskunft. Herr: Ja. ausschließlich wegen Geld möcht' ich nicht heirathen." Vermittler: O, ich werd' Ihnen da eine empfehlen, wenn die auch noch so diel Geld hat, gehört doch auch nochLiebedazu, sie zu nehmen.- . -
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