Indiana Tribüne, Volume 21, Number 333, Indianapolis, Marion County, 21 August 1898 — Page 2

Hcöcr das Srav Hinaus!

Von K. Voigt. Wir hatten zusammen auf emer Schulbank gesessen, mein Freund Wer, uer R. und ich, und waren nach gemcinsam bestanden Prüfung auch derselben studentischen Verbindung bei getreten. Werner wurde Medicinen während ich das Rechtsstudium er griff. Während ich dann noch unbesoldeter Referendar in Berlm war, machte er bereits ferne Doctar und ging darauf als Assistuizarzt nach der norddeutschen Universitätsstadt K., von Too a ls er mich nach einiger Zeit zum Vesuce -einlud. Dr: kaum sechsmrdzwanziglährZge Mann Hatte sich inzwischen verheiraihet und ein sechszehzijähriges Mädchen ls Gattin gewählt, das er, wie er mir später einmal lachend erzählte, eigentlich unmittelbar don seinen Puppen zum Traualtar geführt hatte. Damals habe seine Frau noch halblange Kleider und einen dicken, auf den Rücken herabhängenden Zopf getragen. Ein wenig mochte mein alter Freund wohl mit jener Schilderung übertrieben haden, aber ein süßes, anmuthiges Kind war sie im Grunde noch, diese kleine Frau Doctor, das fand auch ich, als ich zum ersten Mal in ihr weiches, rundes Gesichtchen sah, das von dem nun freilich aufgesteckten, goldblonden Zopf umkränzt wurde, und aus dem die großen, tiefdunklen Augensterne so treuherzig in die Welt hinein schauten. Natürlich hatte mein Freund dieses Geschöpfchen auZ Liebe geheirathet. Reich waren :sie Beide nicht, doch ,genügte Werners Heines Vermögen und das Einkommen, das er als Assistent an der Klinik in K. bezog, um ihr Leden, wenn auch bescheiden, so doch völlig sorgenfrei zu gestalten Ich habe niemals in meinem Leben ein glücklicheres Paar gesehen. Voll aufrichtiger Verehrung schaute die liebliche junge Frau zu ihrem Zehn Jahre älteren, klugen Mann empor, ohne damit Scheu zu verbinden. Sie hing an ihm wie ein zutrauliches, dankbares Vögelchen an seinem Beschütze?. Er hatte sie aus trauriger und abhängiger Lage befreit. Nach dem Tode ihrer Eltern war Flora so hieß die Frau meines Freundes zu einer sehr strengen alten Tante gekommen, bei der sie es nicht gut gehabt hatte. Als sie eben erwachsen war, lernte sie an einem Vortragsabend in Sl. zufällig ihren zukünftigen Gatten kennen, der, von ihrer Anmuth bezaudert, kurze Zeit darauf ihre Hand begehrte. Aus dem düsteren Haus der Alten führte er sie in sein bescheidenes, aber freundliches Heim, in dem sie, gehegt von seiner Liebe, bald ihre freudlose Kindheit vergaß. Und von der Stunde an ging das ganze Sein und Denken dieses jungen Wesens in dem Manne auf, der sie durch seine treue, ehrliche Liebe von dem Druck ihres Daseins erlöst hatte Ein Pessimist würde beim Anschauen der Buden sicherlich an den bekannten Spruch von dem Neid der Götter gedacht haben, und daß ihr Glück zu groß für eine Dauer war. Als ich nach mehrtägigem Besuch wieder abreiste, hatte ich die Empfindung, daß ich bereits anfing, überflüssig zu werden, so nahe Werner und ich uns auch standen. Solch' blutjunges Eheglück sucht immer die Einsamkeit zu Zweien. Ich beschloß daher, sie erst wieder als gesetzte, mindestens zehnjährige Eheleute in ihrem Nestchen aufzustöbern. Das Schicksal kam mir hierbei insofern entgegen, daß es mich nach glücklich bestandener Prüfung an einen Posten im Auslande rief, wo ich Jahre hindurch nichts von meinem alten Studienfreunde erfuhr, denn vom Wriefschreiben hielten wir Beide nichts. Wie ich nun endlich von Neuem heiinathlichen Boden betrat, hatte ich schon ordentliche Sehnsucht nach den beiden lieben, frohen Gesichtern bekominen. Ich verweilte aus dem Grunde in Berlin zunächst nur kurze Zeit und reiste bald nach K. weiter, wo ich das junge Paar vor etwa neun Jahren im Sonnenschein seines Glücks verlassen hatte. In dem Hause, in dem mein Freund Werner damals wohnte, fand ich ihn nicht mehr. Auf meine Frage nach dem Doctor R. entgegnete man mir: .Sie meinen wohl den Professor 9L, den Leiter der hiesigen Frauenklinik? Der wohnt draußen vor der Stadt nu ben seiner Klinik." Mit einem gewissm Erstaunen üb die glänzende Laufbahn, die Werner in einer verhaltnißmaßig so kurzen Zeit gemacht hatte, begab ich mich auf den Weg nach der Klinik Sie lag vor dem Thore, von grünen Bäumen umgeben, und gewährte einen stattlichen Anblick. Neben ihr befand sich eine kleine, im Schweizerstil erbaute Villa. Ein Dienstmädchen, das in dem Garien arbeitete, sagte mir, daß der Herr Professor in der Klinik sei. Ich ließ ihn dann herausrufen. Er kam mir mit der zerstreuten und löslich kalten Miene eines viel leschäftigten Arztes entgegen, der private Störungen seines Qerufslebens nicht gerne sieht. Erst nachdem er mich erkannt hatte, veränderte sich der Ausdruck seines um Wieles ernster und älter gewordenen Geslchts und machte dem einer aufrichtigen Freude Platz. Doch bevor er mit mir ging, kehrte er noch in das Operationszimmer zurück, um seinen Hilfsarzten und den Schwestern einige AnWeisungen M geben. Hierauf führte er mich in seine Villa. Während ich nun an seiner Seite in ein äußerst elegant und behaglich ausge stattetes Studirzimmer trat, konnte ich nicht umhin, zwischen seiner früh-ren bescheidenen Wohnung und der jetzigen im Stillen Vergleiche zu ziehen. Ueber dem großen, mit reichem Schnitzwerk versehenen Schreibtisch hing in drei iem, schwarzem Rahmen eine KreideZeichnung,, die Flora als sechszehnjäh-

rigeö Mädchen darstellte. Auf einer Eonsole , darunter stand in einer kostbaren venetianischen Vase ein Strauß herrlicher Marechal Niel Rosen, die, wie ich mich erinnerte, zu den Lieblingsblumen der jungen Frau gehörten. Ich wollte soeben hierüber eine Bemerkung machen, da trat das Mädchen herein, das ich vorher im Garten der Villa gesehen hatte, und brachte auf einem Teller eine Flasche Sect und zwei hohe Kelchgläser. Es fiel mir auf, daß statt ihrer nicht die Zunge Gattin meines Freundes erschien. Als die Dienerin wieder fort war, drängte sich mir unwillkürlich die Frage auf die Lippen: Wo ist denn Flora, Werner? Darf ich sie nicht auch begrüßen, oder ist sie am Ende verreist?" Er war gerade dabei, die Sectflasche zu entkorken, nun hielt er plötzlich in seiner Beschäftigung inne, während seine offenen Züge von einem so großen Seelenschmerz verdunkelt wurden, daß ich meine Frage noch in derselben Minute bereute. So weißt Du gar nicht, daß meine Frau todt ist? Hast Du denn nicht die Anzeige bekommen?" Nein, ich habe nie einen Brief von Dir im Auslande bekommen sagte ich auf's Höchste erschreckt, und ich verdachte Dir das nicht, weil ich Dich glücklich wähnte. O, es thut mir unendlich leid, mein armer, alter Junge - In diesem Augenblick knallte der Champagnerpfropfen, und mit leicht bebender Hand goß jetzt mein Freund den perlenden Schaumwein in mein Kelchglas. Dann holte er noch Cigaretten für mich, und erst, als die blauen Rauchwolken sich mit dem köstlichen Dust der Marechal - Niel - Rosen vermengten, kam er auf unser trauriges Gespräch zurück. Im künftigen Monat ist schon ihr zweiter Todestag. Aber noch immer stürmt mein armer Zwergenverstand gegen die eiserne Nothwendigkeit an, rennt sich den Kopf blutig an der starren Grenzmauer des Unfaßbaren Darüber sind nun bald zwei Jahre verflössen, und wie viele bange Tage, wie viele einsame, ruhelose Nächte, wie viele zerqu'älte Stunden -m Und Deine Arbeit als Arzt un. terbrach ich ihn, Deine so ehrenvolle Stellung an der hiesigen Klinik? Kann Dir dies nicht wenigstens etwas Ve friedigung geben und Dich von Deinem Schmerz ablenken?" So lange ich draußen in der Klinik in meinem Berufe thätig bin ja! Dann bin ich Arzt mit jeder Fiber, jedem Athemzuge und denke nur an meine Kranken. Sobald ich indeß hier wieder eintrete, wo mir die Erinnerurgen schon auf der Schwelle entgegenkommen, bin ich nichts als der verzweifelte Gatte meines todten Weibes. Doch laß mich Dir im Zusammenhang von ihr erzählen, lieber Freund! Du weißt ja selbst, wie glücklich sie mich gemacht hat! Dies Glück, das sie mir durch ihre Liebe gewährte, hat selbst in der Zeit ihres körperlichen Gebundenseins nie die geringste Wandlung oder Trübung erlitten bis zu dem Tage, an dem es mir durch ein unerforschliches Schicksal auf immer geraubt wurde. Im Anfange unserer Ehe, ungefähr in dem ersten Jahre, war Flora anscheinend völlig gesund, aber der Keim des unheilvollen Leidens, das ihren keuschen, jungen Leib in seiner Blüthe hinraffte, muß bereits damals in ihr gelegen haben. Wie sie mir später gestand, hat sie mich erst über ihr Befinden zu täuschen gesucht, um mich nicht zu beunruhigen und zu betrüben, bis ich dann endlich die traurige Entdeckung machte. An einem Abend kehrte ich aus der Klinik heim. Da sah ich zu meinem namenlosen Schrecken mein Weib in fast todtenähnlichem Zustande auf dem Sofa liegen. Ihre sonst so rosigen Züge hatten jetzt eine bläulich - graue Färbung bekommen, ihre Augen waren geschlossen, ihre Hände eiskalt. Das Mädchen, das sie mit Kölnischem Wasser rieb, um sie zu erwecken, aestand mir auf mein Befragen, daß die gnädige Frau schon einmal einen ähnlichen Anfall gehabt, ihr damals aber ausdrücklich untersagt habe, mir etwas davon mitzutheilen. Unter den belebenden Mittün, die ich sofort in Anwendung brachte, erholte sich meine süße Frau allmälig wieder und schlug die Augen auf. Es lag ein so rührendes Flehen auf ihrem lieben Gesicht, daß es mir unmöglich war, ihr wegen der Verheimlichung zu zürnen, sondern ich sie nur in meine Arme nahm und schweigend liebkoste. Doch empfand icb in dem Augenblick schon ein dumpfes Vorgefühl kommenden Unglücks, das ich vergeblich abzuschütteln suchte. Ich machte nun alsbald meine strengen ärztlichen Maßregeln geltend, denen sich Flora bedingungslos unterwerfen mußte: Völlige Schonung der Kräfte, Vermeidung ' jeglicher Aufregung. täglicher Aufenthalt in der frifchen Luft und eine besondere, von mir vorgeschriebene Diät. Da die Anfälle in der ersten Zeit noch nicht häufig kamen und meine Frau, nachdem sie überstanden waren, von der alten Frische und Munterkeit sein konnte, begann ich nach und nach wieder zu hoffen und ihren ganzen Zustand für eine leichtere Nervenkrankheit zu halten. Ich ging deshalb im Sommer mit ihr in ein berühmtes Bad für Nervenleidende. Aber statt daß sie'die ersehnte Stärkung und Genesung dort fand, stellten sich die Anfälle im Winter darauf häufiger ein, und jeder neue nahm meinem Liebling einen neuen Tbeil feiner Kraft mit fort. Sobald sich ihr Vefinden verschlimmerte, ohne daß ich die Ursachen davon ergründen konnte, zog ich einige berühmte, auswärtige Berufsgenossen zu. die nach einer langeren Untersuchung meines armen junaen Weibes unaefäbr dasselbe verord-

neten wie kch.: doch gleich mir den tU gentlichen Sitz des Leidens nicht zu entdecken vermochten. Flora selbst ertrug die Krankheit mit einer bewunderungswürdigen Geduld und Ergebung, die bei ihrer großen Jugend etwas um so Ergreifenderes hatte. Beim Beginn ihres für mich damals völlig räthselhasten Leidens war sie wenigstens, so lange sie von den Anfällen verschont blieb, inigermaßen gesund gewesen. Dies hörte zuletzt ganz auf. Sie wurde still und matt und bracht? das letzte'halbe Jahr vor ihrem Tode nur noch auf dem Sofa meines Studirzimmers oder einem Ruhebett auf unserer Veranda zu. Sie war so durchsichtig und schmal geworden, daß ihre Augen fast zu dunkel und groß in ihrem bleichen Gesichtchen erschienen, und ihr Körper war fo schmächtig und leicht wie der eines Kindes. Wenn ich sie auf meinen Armen auf die Veranda trug, fühlte ich diese Last kaum noch, so leicht war sie. Und dann kam die furchtbarste Stunde meines Lebens, in der ich mir nicht länger verhehlen konnte, daß der Tod meine arme Frau gezeichnet hatte und daß sie an meiner Seite dahin siechte, ohne daß ich, obgleich ihr Gatte und Arzt, es zu hindern vermochte." Er hielt ein paar Augenblicke inne und starrte düster und kummervoll vor sich nieder; dann fuhr er fort: An einem Sommernachmittag, als ich nach Hause kam und zu ihr auf die Veranda trat, wo sie, den Blick in die grünen Blätterkronen der Bäume geheftet, stundenlang still und träumelisch zu liegen pflegte, sagte sie, daß sie eine Bitte an mich habe. Bevor sie diese aber aus spreche, sollte ich ihr die Erfüllung mit meinem Ehrenwort zusichern. Ich gab dieses natürlich sofort, weil ich der über Alles geliebten Kranken nichts abschlagen konnte. Und dann, während ihre großen dunklen Augen in die blutrothe Scheibe der Sonne starrten, die gerade über den Dächern der gegenüberliegenden Häuser schwebte ich sehe dies Alles noch so deutlich vor mir, als wäre es erst gestern geschehen da hat sie mir ihren letzten Wunsch gesagt! Weißt Du, worin der bestand? Daß ich im Falle ihres Todes ihren Leib nicht eher der Erde übergeben sollte, als bis ich ihn sccirt hätte, um hierdurch jenem geheimnißvollen Leiden auf die Spur zu kommen, dessen Opfer sie geworden war, und das zu ihren Lebzeiten von keinem Arzt ergründet werden konnte. So gewiß, wie sie fühlte, daß es für sie selbst nun keine Hoffnung mehr gebe, so gewiß glaubte sie, daß ich dann nicht nur die Art ihrer Krankheit sowie ihre Ursache erkennen, sondern gleichzeitig auch im Stande sein würde, sie von dem Zeitpunkte an bei anderen Frauen richtig zu behandeln und womöglich im Keime, zu ersticken. Dies Alles sagte sie mit der übernatürlichen Reife und Klarheit der Empfindung, die Schwerkranken oftmals eigen ist und die sie über ihr bisheriges Denken und Fühlen dann gleichsam emporhebt. Meine Frau hatte in dieser Stunde jede Spur von Kindlichkeit abgestreift, und ihre Sprache, ihre ganze Ausdrucksweise war so wunderbar geklärt, fast unirdisch, daß es schien, als hätte ihre Seele bereits ihre zarte, gebrechliche Hülle verlassen und unterhielte sich nun aus einer fernen Welt mit mir, in der ihr Alles offenbar geworden war, auch das Künftige. Ich aber empfand bei ihren Worten zunächst weiter nichts, als eine unendliche Qual. Die bloße Vorstellung, mein angebetetes Weib in absehbarer Zeit auf dem Secirtisch liegen zu fehen, den reinen, schönen Leib meinen Instrumenten preisgegeben, dünkte mich im ersten Augenblick so ungeheuerlich, daß ich mich unwillkürlich auf's Knie neben ihrem Ruhebett niederwarf, ihre abgezehrten kleinen Hände mit meinen Küssen und Thränen bedeckte und sie beschwor, von diesem Wunsche zurückzustehen. Doch vergebens bat und flehte ich, mich meines geleisteten Schwurs wieder zu entbinden und das nicht von mir zu verlangen. Sie, die sonst so Sanfte, Nachgiebige, blieb bei ihrem einmal geäußerten Wunsche, den freilich nur die selbstloseste, heldenmüthigste Liebe ihr in das kleine Herz gelegt hatte, und ich mußte mich fügen, so unsagbar schwer es mir wurde, da ich nicht zum Wortbrüchigen werden durfte. Und als mein armes, süßes Kind einen Monat nach jenem Gespräch mit ihren erschlafften Kräften einem furchtbaren Anfall erlag, habe ich mein Versprechen gehalten und ihren letzten Wunsch erfüllt. Nur. weil sie S so wollte." Diese Worte könnte ich als Motto für das Ende meiner Erzählung wählen, als Motto zugleich auch sür das Leben, das ich fortan geführt habe ohne sie! Denn nur, weil sie es so wollte, bin ich der Mann geworden, als ren Du, mein Freund, mich nun nach. Jahren wiedersiehst, ein in unabhängiger, fast glänzender Stellung Lebender, der geachtete Leiter der hiesigen Frauenklinik, eine Autorität in ärztlicher Beziehung, ein Schriftsteller sogar, und das Alles nur, weil die Liebe dieses Kindes es so gewollt hat. Die Secirung, die ich ihrem Wunsche gemäß an ihrem Leibe vornehmen mußte sie war eine entsetzliche Qual sür mich, das kannst Du glauben fllbrte mich nämlich zu der Entdeckung eines in medicinischer Hinsicht merkwürdigen Frauenleidens; nebenbei gelang es mir, wie meine Frau in ihrem visionären Zustande bereits vorhergesagt hatte, ein Mittel zu finden, das die Krankheit in einem noch nicht vorgeschrittenen Stadium zu heilen vermag. Ein halbes Jahr nach ihrem Tode veröffentlichte ich eine Vroschüre hierüber, die meinen Namen in wissenschaftlichen Kreisen, schnell bekannt werden ließ und mir außerdem die ehrenvolle, äußerst günstige Stelle

'als Professor an-der hiesigen Frauen--klinik verschaffte, da ihr bisheriger Leiter gerade zu der Zeit gestorben war.. Allerdings habe ich bis jetzt erst sehr selten einen derartigen Fall, wie den meiner verstorbenen Gattin, behandelt, dann aber stets mit Erfolg. Es liegt eine ergreifende Tragik für mich in der letzten Thatsache, und jedesmal mpfinde ich einen fast körperlichen Schmerz bei dem Danke einer von dieser Krankheit durch mich Geheilten, wenn ich dabei an das theure Leben denke, das ich trotz aller Liebe nicht zu retten vermochte. Viele unter meinen Collegen mögen mich um meine schnelle Laufbahn, meinen plötzlichen Ruhm und meine bevorzugte Stellung beneiden, was ich Alles ihr, meinem süßen, todten Liebling, zu verdanken habe, doch nichts davon kann sie mir ja in's Leben zurückrufen, und das große, persönliche Glück, das mit ihr für immer von meiner Seite geschieden . ist, auch nur im Entferntesten ersetzen!Auf dem Grabe der jungen Frau, das ich noch am selben Abend mit meinem Freunde Werner besuchte, erhebt sich eine geborstene Säule, und davor befindet sich ein Rosenstrauch, der jetzt in üppigster Blüthe stand. Auf der Säule stehen die herrliche! Worte aus dem ersten Korintherbrufe, Cap. 13, Vers 13: Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen."

Icr Einleger.

Eine Torfgeschichte, von Joseph Richter. Der Bürgermeister einer kleinen steirischen Ortjchast aiirte in seiner geräumigen Stube, die abwechselnd als Kanzlei und Futterkammer verwendet wurde. Die untergehende Sonne schien durch das Fenster und beleuchtete das kugelrunde, kupferrothe Gesicht des Dorfgewaltigen, der mit aufgestreckten Hemdärmeln vor dem mit Schriftsachen bedeckten Eichentische saß und ab und zu einen kräftigen Schluck aus einem Steinkruge nahm. In respeltvoller Entfernung stand ein bejahrter Mann in defecter städtischer Kleidung. Die eingefallenen, bleichen Wangen verriethen die Noth und die Entbehrungen, mit denen der Fremde zu kämpfen gehabt, und die leicht gekrümmte Gestalt deutete darauf hin, daß sie den schweren Schicksalsstürmen nicht mehr lange Stand gehalten hätte und alsbald zusammengebrochen wäre. Na alsdann, weil wir davon reden." hub der Bürgermeister an, Oes seid's der Huber Christian, der Sohn der gottseligen Grabenbäuerin, und wollt's, daß Eng die Gmoan versorgen soll. Wird sich hart macha lassen, san koane reichen Leut' da, die fllr's BettelVolk was Uebrig's hätt'n. Das Gesetz verlangt's aber, daß m'r dös zuständige G'lumpert derhalt, und i bin de: Hüater des G'setzes. Sakra h'nein, z'wegen was seid's denn als gemachter Mann vor zwanzig Jahren in d' Stadt eini, habt's die Keuschen verkauft und seid's in d' Fabrik 'gangen, wir's ganze Gerstel verthan war? Sitzen bleiben hätt's sollen dahoam, heirathen, wie sich's sür ein' ordentlichen Menschen g'h'ört, net umstrabanzen in der Welt und erst, wenn Enk 's Wasser in's Maul rinnt, auf d' alten Tag" der Gmoan zur Last fallen.Herr Bürgermeister," entgegnete anscheinend ruhig und gelassen der Angesprochene, ich bin damals fort aus dem Ort wegen einer Heirathsg'schicht. Die Dirn' von ein' reichen Bauer, die ihr Bräutigam sitzen lassen hat, die hätt' ich nehmen sollen, und damit ich a Ruh' hab', bin ich lieber auf und davon. In Wien hab' ich mir in einer Maschinenfabrik mein ehrliches Stück Brod verdient, bis mir vor Kurzem das Malheur passirt ist und mir das Rad den rechten Arm wegg'rissen hat. Da war's dann freilich aus mit mein' Verdienst und die Polizei hat mich per Schub in meine Heimathsgemeinde ex pedirt. Was weiter mit mir g'schehen soll, das weiß ich nicht.Was wird denn g'schehen." fiel der Bürgermeister ihm in's Wort, als Einleger werd'ts halt von Haus zu HauS inquartirt, jeder Bauer muaß Enk a Wochen lang erhalten und so wandert's nachher wie im Ringelg'spiel umeinander, bis' auS is und die Leut' erlöst san von Enk. Heut' bleibt's da über d' Nacht und schlaft's im Arrest, morgen Früh gebt's mit dem Zettel, den i Enk da ausstell', zur Steinhofbäuerin hin und meld'ts Enk bei ihr als Einleger. Die Bäuerin, d' Zauner Rest, is a riegelsame Wittfrau, wegen derer seid's Oes amal, wie's no' a ledig'sMadel war, auf und davon. Ehnder habt's sie net mögen, heut', als einhandleter Einleger, war dös Weib a fetter Bissen für Enk. und eppa hat's noch a Aug' auf Enk, d' Resie, dann packt's sie z'samm' und aus'm Bettelflanken wird z'letzt gar. no' der reiche Steinhofbauer." Wär's denn nicht möglich, daß ich in einem anderen Bauernhofe zuerst meine Unterkunft fände? Es ist mir peinlich, gerade von der Person, die mich gewiß aus tiefster Seele haßt, mein Brod erbitten zu müssen." Huber wurde vom Bürgermeister mit seiner Bitte kurz abgewiesen und mit dem Befehle entlassen: Stad sein, i bin der Hüater des G'setzes und was i anordne, das g'schieht. Vorwärts in's Spritzenhäusel, will sagen in den Arrest is eh's Nämliche, aber in der Amtssprache macht sich's besser, wanns lautet Arrest! Alsdann morgen Früh zur Zaunerin. G'red't hab' i, aus ist. Sakra, folgen heißt's. Bettelg'sindel, die Obrigkeit is fertig, Strasand d'rauf." Am nächsten Morgen erschien der huber Christian auf dem Steinhof und meldete sich bei der Bäuerin, die eben mit ihrem zwölfjährigen Töchterchen, der kleinen Anna, den Frübstückskaklee ,

trank. Die Bäuerin las den Anweisezettel des GemeindevorstandeV, musterte den Ankömmling und fragte in spöttischem Tone: Soll i mei'n Augen trau'n, der Christel sucht mi wirkli hoam, der, eh'malige stolze Bua find't gar mein' Hof wieder nach so langer Zeit? Geh' Annerl. schlag' den Kachelofen ein vor Freud' über den raren B'such. Als Einleger beehrt mi der Huber a Wochen lang', schneid' ihm a Scherze! Brob ab, dem armen Krüppel, damit er uns net verhungert." Bäuerin," antwortete Huber, mühsam seine Aufregung niederkämpfend, ich will Dir die Last, die man Dir durch mich auferlegt hat, möglichst leicht machen. Schaff' mir eine Arbeit, die ich als Krüppel, wie Du ria tig bemerkt hast, leisten kann, und ich will mir das Brod, das mir Dein Töchter! reicht, erst verdienen, bevor ich's ess'." Wird der Müh' werth sein, wann Du was anpackst," lachte die Bäuerin auf, aber weil Du 's Maul so doll nimmst mit Dein' Fleiß, mag i Dich net zum Müßiggang verleiten. Spann die Bräunln ein und fahr' mit derDirn und der Annerl auf d' Hauswiesen aussi und hol's Heu hoam. Aber rühr'n mußt Dich schon a wengerl, ehvor der Regen kommt, müßt's va sein. Dort drüben beim Nicolaiberg steigen schwarze Wetterwolken auf, die bedeuten nix Gut's, da geht's heut' no' tüchtig nieder." Der Einleger vollführte den Auftrag, fuhr hinaus auf die Wiese und kehrte so rasch wieder heim, daß .die Bäuerin, als sie seiner ansichtig wurde, ausrief: Der is flinker bei der Arbeit mit der ein'n Hand als meine Knecht, wenn Jeder a viere hätt'." Dann kam die Annerl hin zum Pfründner, der im Schuppen Rast hielt, und bracht hm eine Schüssel voll Milch und ein Stück Brod. Hab' die beste Milch für Dich abg'schöpft," fagte die Kleine und schaute dem Manne treuherzig in's Gesicht, d' Mutter möcht' mi schelten dafür, aber Du hast's verdient. Schau her da. was i Dir noch bracht hab' und kauf' Dir was Gut's drum. Das Geld darst schon nehmen, 's ehrlich mein, i hab's aus meiner Sparkasse g'nommen." Und als der Huber sich weigerte, das Geschenk zu nehmen, steckte ihm das Mädchen den Gulden flugs in die Rocktasche und lief davon mit den Worten: Thu's jagern für Dich, b'hüt Dich Gott, i schau zur Arbeit." Das Gewitter war herangezogen. Die dunklen Wolken verfinsterten die Sonne, die Blitze zuckten und der Donner rollte. Plötzlich erhellte ein greller, bläulicher Schem den Hof, ein furchtbarer Schlag erschütterte die Luft, der Blitz war in das Dach gefahren. Im nächsten Augenblicke züngelten die Flammen aus dem Heuboden und gleich darauf brannte der ganze Tract. Alles rannte herbei, um zu löschen, aber das Feuer fand zu viel Nahrung und war nicht zu dämpfen. Die Steinhofbäuerin stürzte aus dem Wohnraume und schrie: Jesus Maria, i find' die Anna net. sie is am brennenden Heuboden drohen! Helft's Leut'. um Gotteswillen helft's, wann's net schon zu spät is!" Die Männer ringsum bedeuteten der Frau, die sich gleich einer Wahnsinn!gen geberdete, daß nicht daran zu denken sei, auf den Boden zu gelangen und sich in das Feuermeer hinein zu wagen. Zum Entsetzen der 'Leute lehnte Huber die Leiter an das glimmende Gebälke, stieg empor und verschwand in dem dichten Qualm. Eine Minute aufregender Erwartung verstrich und der tollkühne Retter erschien wieder, die ohnmächtige Anna mit der Linken an die Brust gepreßt. Er setzte den Fuß auf die Leitersprossen, eben wollteer abspringen da fiel ein schwerer Balken herab und traf ihn auf den Kopf. Der Mann stürzte mit dem Kinde in die Tiefe. Die Kleine blieb unverletzt, sie wurde bald zum Bewußtsein gebracht, aber der Huber lag da und regte sich nicht, mehr. Die Steinhofbäuerin kniete vor ihm und Uttlt ein Vaterunser für den todten Einleger.

Sprüche. Won A. Stier. Unklare Gefühle Lerne lichten. Unklare Gedanken Ordnen und sichten! Alles Verwirrende Suche zu schlichten. Alles Irrende In dir zu richten Denn nur bei Klarheit und Ordnung allein Kann der innere Mensch gedeihn. Vom Ueberfluß geoen: Kinderspiel! Und vom Genug Nicht alluzuviel. Doch was die Armuth vom Wenig beut. Die Engel Gottes im Himmel freut. Allem Wachsenden schafft Der Regen den Saft, . Der Surm die Kraft Und die ' Sonne Feuer und Leidenschaft. Prompte Äuskunfi. Alte Tante: Weißt Du auch EllicheTl. wie oft der Mensch Zähne bekommt?" Kleine Elli: Zweimal Zähne und zuletzt ein G e b i ß." Unter Dienern. Nun, wie ist Deine neue Gnädige?" Nobel, sie sagte heute zu mir, SchafsHaupt." Ueberlegt. A.: Halten Sie denn Ihrer Frau gar kein Modejournal?" B.: I bewahre, werde ich ihr den Mund wässerig machen!"

Allrch's Fenster.

Humoreske von Rudolf Braune. Warum ich heute Abend so brummig bin? Sache! Soll man nicht brummig sein, wenn man so 'was Fürchterliches erlebt hat, wie ich? Gehe ich da gestern Abend von Fegebeutels Geburtstag heim. Es war schon stark nach Mitternacht, ziemlich finster und sehr heiß. Aber schön war's gewesen. Ich gehe also so hin in Gedanken, die ich nicht habe. Da fällt mein Blick auf meine Rockärmel und ich fage: Himmelkreuzdonnerwetter, da hast Du ja einen fremden Ueberzieher an! Deiner ist ja gar nicht grau und so blödsinnig gestreift. Deiner ist ja blau. Na, die Alte wird schön spucken, wenn Du so spät heim kommst. Aber hilft nichts, ich muß wieder in die Krone" und den Ueberzieher umtauschen. Ich kann doch nicht einen fremden Ueberzieher 24 Stunden auf dem Leibe tragen! Wie ich zurück in die Krone" komme, klebt noch der Fegebeutel und der Zuckermantel und wer klebte denn noch? Es waren ihrer Drei. Die springen wie die verliebten Paviane auf mich zu und heulen vor Freude. Wem gehört der Ueberzieher da, den ich anhabe?" frage ich. Da starren mich die Drei an, als wäre ich der Mann vom Monde, und brüllen vor Lachen. Na," sage ich, was soll denn das heißen? Seid Ihr verrückt geworden?" Aber," schreien sie, Du hast ja gar keinen Ueberzieher an! Bei dieser Hitze 'n Ueberzieher! Das ist doch Dein graues Sommerjacket!" So, das war mein graues Sommerjacket! Wie lange ich noch in der Krone" gewesen? Na. so ein Stündchen! Wie ich endlich vor meinem Hause stehe, ei Paraplllie, habe ich keinen Hausschlüssel. Ja. was nun thun? Das habe ich nicht nöthig, wie ein toll gewordener Bierzapfer an der Hausthür zu klopfen, bis die ganze Nachbarschaft wach wird und ' diverse Hunde auf mick los läßt. Ich bin schön modern eingerichtet und habe elektrische Klingel. Hm, damit Einem die liebe Frau dann drei Tage lang vornehlt: Um Dreie biste heim gekommen! Um Drei biste heim gekommen!" Ne, könnte mir passen! Ich bin doch kein Pantoffelheld! Ich werde mir selbst helfen! Das eiserne Gitter des kleinen Vorgartens ist trotz der Corpulenz noch leicht überstiegen, aber wie nun in's Haus kommen? Die Thür ist von Eiche und würde sechs Raubmördern widerstehen. Neben der Thür sind zwei hohe, schmale Fenster so elende, moderne Dinger. Das eine steht offen, der Fensterflüzel ist augenscheinlich der schwülen Luft wegen ausgehängt. Hinauf käme man fchon. Aber hinein? Hm, wenn es nicht so schmal wäre und man nicht so niederträchtig dick. Aber versucht muß es doch werden. Ich konnte ja um das Haus herum gehen und bei Elsen, der Köchin, an's Fenster pochen. Aber lieber nicht. Elfe ist ziemlich hübsch und meine Frau eifersüchtig. Also durch's Fenster! Ich nehme einen kleinen Anlauf und hupps! bin ich oben. Eine Minute verpustete ich, dann vollführte ich einen Vorstoß ich ächze es kracht etwas und ich stehe im Hausflur. Das Krachen, das war gewiß der Rock. Und nun die Treppe hinauf, ganz leise. Merkwürdig, das will gar nicht so gut gehen. Die Beine zittern und Luft kriege ich auch nicht. Ich denke nicht anders, als ich kriege einen Schlaganfall. Ich nehme mir aber auch fest vor, ich will noch mehr nach der Gesundheit leben und das Trinken will ich lassen. Endlich bin ich im Zimmer. Ausziehen? Gott bewahre, überflüssige Mühe. Ich krabbele mich in's Bett und ziehe die Decke über mich, schon vorher den Schlaf des Gerechten im Auge. Bald darauf wacht meine Frau auf. Ich werfe mich im Bette hin und her und Gott," denkt sie, sägt der Joseph aber an einem Aste!" Sie kann gar nicht wieder einschlafen. Ich werfe mich immer wilder herum. das Schnarchen geht in Aechzen, Stöhnen und lautes Jammern über. Sie springt entsetzt aus dem Bette und ruft: Aber Joseph, um aller Heiligen willen " Schnell einen Arzt," seufze ich. das ist das Letzte, jetzt geht's an's Sterben." Sie wirft ein Kleid über und läuft fort drei Häuser entfernt wohnt der Doctor Neubauer. Der kommt gleich mit. Jetzt erst fällt es meiner Frau ein. daß sie Licht machen muß. Der 'Doctor nimmt das Licht in die Hand und tritt an's Bett. Ui je. da liege ich, schon ganz blau im Gesicht, und verdrehe die Augen. Arme Frau," denkt er, noch keine Viertelstunde dauert's mehr. Aber willst mal sehen, vielleicht kannst Du ihm etwas Linderung verschaffn. Er schlägt die Bettdecke zurück, stutzt, stutzt und lacht laut auf. Frau Nachbarin." ruft er. da hilft keine Arznei und kein Gebet. nur eine Säge schnell eine Säge!" Herrgott, liege ich da mit dem hölzernen Fensterrahmen um den Leib und der hat schon tief in das Fett eingeschnitten und das hat mir die Luft genommen. Da habe ich geschworen, mir das Trinken abzugewöhnen. He, Fritz, noch einen Schoppen! Variante. Mei' Schatz is a' Radler, A' Radler muaß 's sein! , 's Rad g'h'ört den Gläub'gern, Doch der Radler g'hört mein! Zarte Seele. Elli: -Ach Gott. Jda. wie läßt der Lut-nant v. G. das Monkcle s e e ! e n v o l l laUwS"

StS Frühlings Scheiden.

Bon Hedttig Gräsin Rittberg. Heimlich ist der Lenz entwichen, Dorn und Flieder sind verblüht In den dichtbelaubten Zweigen Herrscht ein lautlos müdes Schweigen, äio sonst tausend Vöglein sangen. Klingt kaum ein vereinzelt LiedMit dem Frühling sind entschlafen. Die mit ihm vom' Schlaf erwacht; All die holden Vogelkehlen, All die süßen Blumenscelcn Haben ihre besten Gaben Ihm allein nur dargebracht. Ach, es ist des Lenzes Wonne Allzu kurz und leicht beschwingt! Sehnsucht weckt ihr Fliehn, und Trau ern Denn mit ihren Vlüthenschauern Geht ein Duft, ein Traum verloren. Den kein Sommer wiederbringt. Wie man früher reiste. Die Reise- und Marschgeschwindigkeit im 12. und 13. Jahrhundert ist nach Glaser's Annalen von Friedrich Ludwig zum Gegenstand einer interessanten Untersuchung gemacht worden. Nachdem die schönen, dauerhaften Straßen der Römer gänzlich in Verfall gerathen waren, schleppte man sich das ganze Mittclalter hindurch mühselig auf schlechten, theilweise ungebahnten Wegen fort. Auch die neuere Zeit hat daran wenig geändert, bis Napoleon der Schöpser eines musterhaften Straßennetzes in Mittel - Europa wurde. Bezüglich der Schnelligkeit würde es also keinen nennenswerthen Unterschied gemacht haben, ob der angegebene oder ein späterer Zeitabschnitt der Untersuchung zu Grunde gelegt worden wä:e, allein das 12. und 13. Jahrhundert empfahl sich wegen des leicht zu übersehenden und in vortrefflicher Bearbeitung zugänglich gemachten QuellenMaterials. Auch fällt in diese Periode der größte Theil der Kreuzzüge. die zum ersten Mal im Abendlande eine die Lösung der Aufgabe fördernde Reiseliteratur hervorgerufen haben. Aus Ludwig's Zusammenstellungen ergeben sich 20 bis 30 Kilometer als durchschnittliche Marschgeschwindigkeit für den Tag. die allerdings in einzelnen Fällen bedeutend höher war. So weist z. V. das Jtinerar Friedrich Barbarassa's für Reisen in Deutschland 90 Kilometer in 1J 2 Tagen als Ochste Leistung auf. 17 Kilometer als Mindestdurchschnitt für eine halbjährige, ununterbrochene Reise; für die AlpenÜbergänge nach Italien sind 2028 Kilom., in umgekehrter Richtung 33 Kilom. nacbgewiesen; bei den zahlreichen Märschen in Italien wurden durchschnittlich 2530 Kilom. zurück-, gelegt. Nicht wesentlich verschieden hiervon waren die aus den Jtineraren der französischenKLnige und der Päpste festgestellten Ergebnisse. Die Marschleistungen der Kreuzfahrer sind meist erheblich niedriger, weil den Führern das Land völlig unbekannt und die Wege noch schlechter waren, als in der Heimath. Bei Reisen hochgestellter Geistlichen, die in der Regel mit einem größeren Gefolge geritten oder gefahren sind, wurden 40 bis 43 Kilom. als normale Tagesleistung ermittelt, die häufig 5, 10, ja 20 Kilom. mehr betrug. Für die Seefahrten jener Zeit ließ sich ein mittlerer Durchschnitt nicht geben. Da sie vorwiegend aus Küstenfahrten bestanden, so fehlt jede Angabe: darüber, in welchem Umfange man der Küste folgte oder die Einbuchtungen durch eine gerade Linie abschnitt; sodann übten hier die WitterungsverHältnisse. Windrichtung, Seegang etc. einen nicht mehr nachweisbaren Einfluß auf die Fahrgeschwindigkeit aus. So legte Kaiser Friedrich II. an den Küsten Italiens durchschnittlich nur 35 3 Kilom. zurück, während auf seinem Kreuzzüge der mittlere Durchschnitt 79 Kilom. beträgt. Bei Papst Alexander III. beträgt der Durchschnitt für längere Strecken 40 50 Kilom. Das Jtinerar des Abtes Nikolaus von Thingayrar, der 11511154 eine Wallfahrt von Island nach dem heiligen Lande unternahm. ergib' 115150 Kilor-ter täglich für die Fahrt auf hoher See. 190 Kilometer für die Fahrt um Island und von Island nach Nor. wegen. Größere Stetigkeit zeigen die Flußfahrten. Papst Jnnoccnz IV. brauchte im November 1244 für eine Strecke von 100 'Kilometer rhoneaufwärts bis Lyon drei Tage und der Abt Bernhard von Clairvaux im December 1146 für Zurückltgung der Fahrt von Straßburg bis Speier (103 Kilom.) die nämliche Zeit. Mit ungcwöhnlieher Schnelligkeit reiste Friedrich Barbarossa. als er sich nach seiner Wahl von Frankfurt nach Aachen zur Krönung begab. Am 6. März 1152 von Frankfurt , aufbrechend, fuhr er zu Scbiff main - rheinabwärts bis Sinzig (135 Kilom.) und ritt von da nach Aachen (90 Kilom.). wo er am 8. ankam: er kann also kaum mehr als 1 Tage für die Flußfahrt von Frankfurt bis Sinzia aebrauckt baben. Friede. Es ist so schön, zu wandern. Wenn still der Tag entflieht. Und wenn das müde' Auge Die milde Dämm'rung sieht. Es ist so schön, zu träumen, Wenn ringsum alles schweigt. Wenn hinter Busch und Bäumen Das Abendroth sich neigt. ' . Und schön ist's zu vergessen, Was uns der Tag gebracht, , Wenn lind auf sanften Schwingen Erlösend naht die Nacht. ! Bald, bald! Hausfrau: Ma rie. wir wollen jetzt auf dem Markte einkaufen! Dienstmädchen: .Per Tandem, gnädig Frau?- .