Indiana Tribüne, Volume 21, Number 326, Indianapolis, Marion County, 14 August 1898 — Page 6
Hoch jung!
Eine Studie von Sophie v. Khuenberg. Sie saß in ihrem hübschen, kleinen Salon, stützte den Kopf in die Hand hxnd 'dachte nach. Es war ein ungeHeuer heikles Thema, über das sie nachMachte, ein Thema, das ihr zugleich heiß und kalt machte, süße Erinnerun- . gen weckte und einen wehmüthig dunkUn Schatten auf die Zukunft warf. Sie dachte nämlich über ihr Alter nach. Das Alter einer Frau ist immer etwas sehr Merkwürdiges, etwas, das man mit zarten Fingern, oder lieber jar nicht anfassen sollte. Nicht einmal sie selbst wagt sich ehrlich und offen da--ran, sie umschleicht mit zierlicher Grazie jeden ihrer (p.burtstage und dersichtet eher auf Blumen und Glückwünsche, als daß sie zugibt: Auch ich Hin geboren. Dieser denkwürdige Tag. rn dem sie das Licht der Welt erblickt hat, bleibt ewig ein verschleiertes Bild von Sais für alle ihre Bekannten und wehe dem wissensdurstigen, taktlosen Jüngling, der es zu lüften versuchte! Aber zuweilen, wenn sie allein ist im dämmerigen oder mattbeleuchteten Gemach, wenn irgend ein Brief, ein Buch, eine Begegnung sie melancholisch ge--stimmt hat, dann fängt sie, an, ihre Jahre zu zählen. Nicht hörbar, nicht inmal leise, nein, sie denkt nur'an gewisse Ereignisse in ihrem Leben: An ßtoße Schmerzen, denen sie zu unterliegen gemeint, und die sie dennoch znuthig ertragen hat, an süße AugenDlicke der Freude, die sie gerne fortgespönnen hätte zu einem langen rotn Jaden der Glückseligkeit und die plötzlich zerfasert in alle Lüfte flogen. Sie denkt an ein paar duftige Liebeleien, an die Zeit, da ihr großer Junge rrch im Deckchen lag, mit Himmelblauen Maschen geschmückt, an ihren Hochzeitstag, der so lächerlich sonnig war, daß die alten Weiber meinten, Zzas bedeute sicherlich mchtsGutes. Und dann denkt sie ganz weit zurück, an die 'Tage der Kinderzeit, als ihre Mutter zioch blonde Haare hatte, an dieAbendGesellschaften im Hause ihrer Freundin, der zierlichen, blassen Comtesse, Hei denen es immer Schaumtorte gab und Orangenschnitten dick in Zucker gebettet. Und auch an den ersten Ball denkt sie: sie war noch so mager und unbeholfen in ihrem rosa Kleid, aber ein braver, stiller Brackenburg war dabei und schwärmte sie an, indessen sie znuthwillig über ihn lachte und nur darauf bedacht war, ihn zu quälen. Ach! wie köstlich das war! Sie ixrsinkt in fromme Betrachtung all' dieser kleinen und großen Ereignisse. Aber plötzlich merkt sie, wie lange es her ist, daß sie das Alles erlebt hat. Fühlbar, greifbar fast, dehnt ÜÄ die Zeit zwischen den einzelnen Begebenheiten. Sie zählt nicht nach Iahren, sie zählt nach Erinnerungen! Und sie frägt sich mit einem schmerzlichen Seufzer: Bin ich denn schon so alt so alt?! Das Wort thut weh, obgleich es Nie--rnand gehört hat. Sie steht auf und tritt an den Spiegel, - dessen große, glänzende Fläche ihre ganze Gestalt wiedergibt. Prüfend betrachtet sie sich, von den reichen, dunklen Haar an bis hinab zu den kleinen, schmalen Füßen. Sie ist allein und sie will sich selbst inmal die Wahrheit sagen, ganz ofsen heraus, ohne schmeichelnde Schonung. .Das helle Sommerkleid schmiegt sich wilch an die schlanken, kräftigen Formen, das Haar bauscht sich gefällig über der klugen Stirne, die Augen dlicken ernst und träumend: nur der kleine Mund lächelt ein wenig, als wenn er die Grübeleien hinter den dunklen Stirnlocken recht spaßhaft sände. Aber er hat Unrecht zu lächeln denn da, mitten durch die dunklen Haarwellen fließt ein weißer Faden! Wie ein Federzug des Grams sieht er lus, eine leise, zitternde Spur von vergangenen Kämpfen. Und um die träumenden Augen in paar kleine, dünne Schatten eirfe Falte ist's nicht, aber ein Fältchen. Ach, es ist also wirklich wahr sie beginnt alt zu werden! Ja, wenn man Primaner zu Söhnen hat, was kann man anders thun Qls so allmälig, wunschlos und klaglos eingehen in die trostlose Oede des Alters. Die Farben der Kleider müssen dunkler werden von Jahr zu Jahr, die Hüte immer unauffälliger; die Hauswirthschaft dominirt, alles Uebrige sttrbt langsam ab. Die Herren hören' auf galant m sein, die jungen Mäd chen werden immer respektvoller. Nieinand wendet mehr den Kopf nach ihr um, wenn sie vorübergeht und wenn von schönen Frauen die Rede ist, darf sie nicht mehr getroffen fühlen. Es paßt auch nicht mehr recht, daß sie so fröhlich auflacht, wie ihr's zuweilen iim's Herz ist, oder daß sie Schmeichelden als etwas ganz Selbstverständlrches hinnimmt. Sie muß dann gesetzt erscheinen, anspruchslos und ruh!g. Aus ist's mit allem Scherz und Flirt, Alles stumm, Alles verblaßt und sie wird unsäglich traurig sein über sich selbst. Oh, nur nicht alt werden, nur das nicht es ist für jede hübsche Frau der Tod bei lebendigem Leibe!.... Frau Adele seufzt tief auf und wendet sich von.dem bösen Spiegel ab. der so indiskret Dinge ausplaudert. Dann zieht sie ihr elegantes Straßencostüm an. setzt ihr blumengeschmücktes Hütchen auf und schickt sich an, einen längst geplanten Besuch zu machen. Sie ist heute nicht fähiq, zu lesen, oder mit ihren Junqens Latein zu üben, der stumme Monolog von vorhin klingt noch wehmüthig in ihrer Seele fort. S muß hinaus in die Sonne, unter Menschen, um diese beklemmendeStimirrnrig wieder los zu werden. Ehe sie eht, wirft sie noch einen Blick in daS :i::r Soin:. küßt die blondeu
Köpfe, die so emsig über die Bücher geneigt sind. Wir sind bald fertig, Mama sagte der Eine. Das ist recht-, erwidert sie lä chelnd,'dann tollt Euch aber auch gründlich rus im Garten und laßt Euch von Helene' die Erdbeeren geben, die im Büffet stehen." ' Bier leuchtende Augen sahen zu ihr empor, dann senken sich die blonden Köpfe wieder auf die geöffneten Bücher herab und Frau Adele schreitet zur Thür hinaus. Der Besuch war erledigt, ohne sie besonders erheitert zu haben. Nun lockte sie der sluthende Frühlingssonnenschein in den naben Park, und sich ganz der süßen Müdigkeit überlassend, die sie erfüllt, geht sie langsam, in unbestimmten Gedanken durch die grünen Laubgänge dahin, setzt sich endlich auf eine einsame Bank und sieht träumend auf das satte Farbenspiel der blumengeschmückten Rasenflächen, über die die leise bewegten Baumkronen zitternde Schatten streuen. Auf einer Tannenspitze sitzt eine Amsel und singt. Frau Adele seuszt, wie vorhin in ihrem Zimmer. Der Frühling stimmt imer traurig, wenn man selbst nicht mehr Frühling ist. Es ist wie ein Mißklang der Eifersucht zwischen dem Menschen und der Natur zu solch:?. Zeit. Die Natur verschönert sich immer wieder im Jungbrunnen des Lenzes, derMensch aber'altert; altert hoffnungslos. Und wenn dieser Mensch nun vollends das Unglück hat,' eine etwas eitle Frau zu sein oh, dieser herrliche Maitag, er sprach um kein Haar trostreicher, als der Spiegel in Frau Adelens Zimmer! Gnädige Fräulein gestatten," klang eine helle Baritonstimme mit fremden Accent plötzlich an Frau Adelens Seite. Sie wandte überrascht den Kopf und fah einen hübschen, stattlichen Mann in gutsitzendem, englischem Ueberrock, der neben ihr Platz nahm. Bitte," sagte sie mechanisch und guckte' ihn unter dem aufgespannten Sonnenschirm hervor genauer an. Er hatte ein sympathisches Gesicht, einen gut gepflegten Spitzbart; Kragen und Kravatte waren tadellos. Dann als sie zu bemerken glaubte, daß er seine schwarzen Augen auf ihr ruhen ließ, senkte sie den Schirm ein wenig und sah geradeWegs in's flimmernde Rasengrün hinaus. Da klang von Neuem die Stimme neben ihr: Werden verzeihen, gnädige Fräulein, aber ik haben schon einmal das Vergnügen gehabt, in die Oper neulich, in Siegfried". Ik sein gesessen in die Fremdenloge und haben gar nix gehört von die Musik, die sehr unmelodiös sein; ik haben nur geschaut auf Ihre Platz im Parket und ik sein wie sagt man sehr sehnsüchtik gewesen, Fräulein kennen zu lernen Frau Adele wandte ihm überrascht, mit einem lächelnden Ausdruck, ihr Gesicht zu. Aber das war sehr schade," sagte sie heiter. Siegfried ist so schön und ich ich bin längst verheisathet." Berheirathet?" wiederholte der Fremde betrübt. Das thut mir wirklik sel,r groß leid! Ik hätten selbst wollen heirathen die Dame! Ik sein sehr gut situirt und ik haben große Borliebe für Ihre Erscheinung " Ja, sehen Sie," lächelte Frau Adele, da läßt sich nun nichts machen!" Und in ihren Augen blitzte es schalkhaft. Vielleicht, wenn der Zufall uns vor Jahren zusammengeführt hätte " Ah!" machte der Fremde mit einer bedauernden Handbewegung. Dann sagte er in naiverBeharrlichkeit: Aber möglik, daß gnädige Frau nit glllcklik sein, ik kennen viller solcher Ehen und möglik, daß Sie sein vereinsamt und haben Sehnsucht nach Liebe?" Er drehte sich herum auf der Bank und blickte sie fragend an. Frau Adele hatte die deutliche Empfindung in diesem Augenblick, daß sie empört ausstehen, ihm einen vernichtenden Blick zuwerfen und sich hoheitsvoll von ihm abwenden solle aber sie konnte nicht, sie mußte wider Willen lächeln, ja beinahe fröhlich auflachen über diese Dreistigkeit. Es war etwas so Erfrifchendes. Heiteres, diese ungeschminkte Erklärung im frühlingsgrünen Park. Wie ein lustiger Sprühregen müde Blumenhäupter aufrichtet, so wirkte die kleine Scene auf ihre gedrückte 'Stirnmung. Und so neigte sie nun mit graciösem Spott den Kopf gegen ihn hin und sagte, indem sie sich erhob: Es thut mir wirklich leiv, mein Herr, daß ich nicht unglücklich bin, nicht so unglücklich, als es Ihnen vielleicht wünschenswerth erscheinen möchte. Mit der Liebe ist es also nichts, aber ich danke Ihnen für diesen kleinen Scherz, er war originell, und man erlebt so wenig Originelles heutzutage! Adieu, mein Herr " Und während der fremde .Schwerenöther etwas verlegen seinen tadellosen Hut lüftete und mit sehr gemischten Empfindungen der sich langsam Entfernenden nachblickte, schwebte Frau Adele über die Pcrkwege dahin, als wenn sie Flügel hiltte. Was das nur sein mochte, daß dieser weiche Frühlingstag ihr nun mit einem Male so wohl that in innerster Seele?! 'Die Sonne leuchtete und wärmte, die Vögel sangen inniger als zuvor, die Menschen, die an ihr vorübergingen, schienen ihr sympathischer als sonst zu sein. Sie fühlte ordentlich. wie hübsch sie aussah in ihrem hellen, eleganten Costüm,' Alles um her grüßte, lächelte, kurz, sie war in freier, glücklicher Stimmung was das nur sein mochte?! - ' Ach, es war ganz einfach dies: das schlummernde Bewußtsein ihrer sieghaften Weiblichkeit war- aufgewacht', dehnte sich wohlig in dem eitlen Frauenherzen wie eine schimmernde Lacerte im Sonnenschein und rief mit einem feinen Märchenstimmlein immerzu: Du bist noch jung noch jung!"
Amsterdam und der Kaag. Als am 13. Ncvcmber 1890 d:r König der Niederlande Wilhelm HI. starb, erlosch mit ihm der Manresstamm des Hauses Nassau-Oranien, und seine Tochter Wilhelmine.' ein zehnjähriges Kind, wurde Königin von Holland. Für die Minderjährige übernahm . ihre Mutter die Regentschaft. Die Wittwe Wilhelms III. ist eine deutsche Prinzessin, Emma von Waldeck, mit der der König sich 1879 in zweiter Ehe vermählte. Seine erste Gemahlin war ebenfalls eine deutsche Fürstin, nämlich Sophie von Württemberg. Nun, da Wilhelmine von Oranien am 31. August dieses Jahres achtzehn Jahre, alt wird, tritt sie statt ihrer Mutter die Regentschaft an: sie - wird am 6. September in der Nieuwe Kerk (Neuen Kirche) von Amsterdam feierlich zur Königin gekrönt. Die Ceremonie findet, einer Bestimmung der Verfassung gemäß, in der Hauptstadt Hollands, Amsterdam, statt, nicht, in der Residenzstadt, dem Haag.., Die beiden Städte Amsterdam und Haag bieten, obgleich sie beide durchaus den holländischen Charakter tragen, dennoch ein ganz verschiedenes Bild. In Amsterdam pulsirt warmes, und lautes Leben. Es ist der MittelPunkt des weitverzweigten, holländischen Handels, ein lärmender Hafenort, der durch die regen Beziehunaen mit den überseeischen Colonien oer Niederlande, durch den Dampfschiffverkehr nach allen bedeutenden Handelsplätzen der Erde einen ungemein wechselvollen Eindruck maHt.. Allein nicht nur der Verkehr ist interessant, sondern auch die Lage und Bauart der Stadt. Amsterdam liegt am Ausfluß der schönen, breiten Amstcl, am großen Binnenwasser des Zuiderzee' der den besten natürlichen Hafen bildet. Die
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Königin W i l h e l m i n e. ganze Stadt ist ein Pfahlbauort, auf Sumpfboden errichtet und durch Dämme gegen die Fluthen der nahen Nordsee geschützt. Schon der Name, Damm an der Amstel, deutet, auf die Eigenthümlichkeit der Lage hin. Fast alle Straßen der Stadt sind von Kanälen (Grachten) durchzogen, deren dunkles Wasser von Hunderten kleiner, malerischer Brücken überspannt wird. Rechts und links von den Grachten befinden sich Fahrstraßen; doch auch der Kanal selbst ist jederzeit von Flößen und Kähnen belebt, die in der Stadt den Transport des Gemüses, des Obstes, des Brennmaterials u. a. m. verMitteln. Die Häuser, fast ausschließlich drelfenstriqe, schmale Giebelhäuser. prangen in kräftigen Farben und recken wunderlich geformte, originelle, spitze Giebel in die weiche, wasserdurchtränkte Luft. So bieten' die Straßen,, deren Bauart an die alten Gassen unserer Hansastädte erinnert, außerordentlich malerische Bilder, die sich bei. jeder Biegung des Weges, bei jedem neuen Brückchen verändern. Besonders romantisch und pittoresk werden die Stadtveduten dort, wo Kanäle sich kreuzen und man von einer hochgewölbten Brücke auf flimmerndes' Wasser hinabschaut, in dem die Bäume und Häuser der Grachten sich tanzend wiederspiegeln. Amsterdam ist der Wohnort der holländischen Kaufmannsfürsten, die an der vornehmen Heerengrccht und an der Keizersgracht ihre äußerlich unscheinbaren, innerlich mit ' rasfinirter Behaglichkeit ausgestatteten Wohnsitze haben. Tag und Nacht hastet man hier dem Erwerb und dem Vergnügen nach; die Losung des ganzen Ortes ist Gold, Reichthum. Ganz anders der Haag, den der Holländer s'Gravenhage nennt. Er ist eine freundliche Stadt, die in ihrer Regent in Emma. Frische und Sauberkeit besonders aufsällt. Sie ist still und ein wenig langweilig. Man versenkt sich hier beschaulich in den Genuß der Kunstschätze und der Natur. Unmittelbar an die Stadt schließt sich der 'Haagsche Busch M bosch" ein parkartl.ger, schöner Laubwald. In ihm befmdet sich der königliche Landsitz Haus 'im Busch- (Huis ten Bosch). An der andern Seite, nach Nordwesten zu, erstreckt sich der Scheveninger Busch, ebenfalls ein herrlicher Laubwald. Da die holländische Landschaft im allgemeinen nur kanaldurchzogenen, mit Windmühlen bestandenen Wiesengründ zeigt, wird dieser Wald als ein seltenes Kleinod betrachtet. Er zieht sich vom Haag bis zur nahen Nordsee, bis zum Strand von Scheveninaen
D!eZ "el:oän!e " ::rd v??'r.e?me Se:bad. das einen wt:rratlLnclen Ruf genießt, erreicht man vom Haag aus in achtzehn Minuten bis zu einer halben Stunde mit der Eisenbahn, der elektrischen Bahn oder Pferdebahn. . Die junge Königin Wilhelmine hat sich bis jetzt mit Vorliebe im Haag aufgehalten,' wenn sie sich nicht in einem ihrer auf dem Lande gelegenen Schlösser befand. Sie bewohnt im Haag den Palast, den unsere AbbilDer Dam" in Amsterdam. dung zeigt.' Das Paleis- liegt in einer Straße, die man Noordeinde (Nordende) nennt; es bietet nur durch einige Familienbilder Interesse. Vor dem Schlosse steht das Reiterstandbild des Prinzen Wilhelm I. von Oranien, das König Wilhelm II. 1845 nach dem Modell des Grafen Nieuwerkerke in Erz gießen ließ; das Piedestal des Monuments zieren die Wappen. der sieben Provinzen von Holland. Einem alten Brauch gemäß. , verweilt die Königin in jedem Jahr fünf Tage .in der Landeshauptstadt Amsterdam. Dort residirt sie in dem Pa-leis-, ..das im Herzen der Stadt, im Mittelpunkt des Verkehrs liegt. Das königliche Schloß in Amsterdam war bis zum Anfang dieses JahrHunderts Rathhaus, und das erklärt seine eigenthümliche, wenig zur Restoenz eines Fürsten passende Erscheinung und Lage. Es ist ein düsterer Quaderbau, dessen kleiner Thurm mit der mächtigen Masse des- Unterbaus nicht recht im Verhältniß steht. Das Rathhaus wurde 1648, bald nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges, unter dem Bürgermeister Tulp begonnen und 1655 vollendet; die Kosten des großen öffentlichen Baus beliefen sich auf acht Millionen Gulden. Das Palais befindet sich, wie erwähnt, im Mittelpunkt des Verkehrs, an dem belebtesten Platz Amsterdams, dem Damrak-, gewöhnlich nur Dam- genannt. Hier ist der Ausgangspunkt aller Pferdebahn- und Omnibuslinien hier sehen wir die Börse und Handelsagenturen aller Art. ' Die Nieuwe Kerk, in der Wilhel-, mine von Oranien am 6. September dieses Jahres zur Königin gekrönt wird, erhebt sich ebenfalls auf diesem Platz. Die Kirche ist 1408 im spätgothischen Stil erbaut und 1645 nach einem Brand wiederhergestellt. Das Aeußere bietet weniger Interesse als Das SchloßimHaag. - das Innere. Es ist eine kreuzförmige Basilika mit Chorumgang und Kapellenkranz. An Stelle des Hochaltars befindet sich ein Denkmal für Hollands größten Seehelden, den Admiral de Ruyter. der 1676 starb. Eine Tafel in der Kirche ist auch dem Andenken des bedeutendsten niederländischen Dramatikers Joost van den Vondel (1587 bis 1679) gewidmet. Die übrigen Denkmäler halten die Erinnerung an andere hervorragende Männer wach. : Wilhelmine leistet vor versammelten Generalstaaten,., ..den , gesetzgebenden Körperschaften,- folgenden Eid: Ich schwöre, dem niederländischen Volke, immer die bestehende Verfassung zu beobachten und aufrecht zu erhalten. Ich schwöre, zu vertheidigen Und 'zu bewahren mit meiner ganzen Macht die Unabhängigkeit und das 'Gebiet des Königreichs. Ich schwöre,. die ösfentliche wie die persönliche Freiheit und die 'Rechte, meiner, Unterthanen zu schützen und für die Bewahrung und die Zunahme des allgemeinen, und "des besonderen Gedeihens alle -Mittel anzuwenden, welche die Gesetze mir zur Verfügung stellen so, wie es eine gute Königin zu thun, schuldig ist. So wahr mir Gott helfe!- Darauf leisten sämmtliche Abgeordnete , des. Landes den Huldigungseid. . Ein guter Mensch. Bankiersgattin (zum Gatten, der geadelt wurde): Du. bist ttun Baron und ich Baronin. Sag'Aron, wie sollen wir uns jetzt benehmen gegen unsere Bekannten, die nicht sein von Adel?-' .Herablassend, Sarahleben, herablassend.- :' Z u f l e i ß i g. Haben Sie eine fleißige Frau! Die ist wohl früh und pät thätig?- Was meinen. Sie. ie schneidet mir die Knöpfe von den Sachen, blos, um sie wieder' annähen zu können." ' Höchste Realistik. Direktor (zur Debütantin): Mir kommt es besonders darauf, an,, daß Sie die Ophelia gut darstellen !-. Schauspielerin: O. dafür garantire ich, 5ch war schon mal wahnsinnig!- -" . ' Kindermund. Kurt, Du sollst mich nicht. Fräulein nennen, sondern Fräulein Meyer! Haben Dir Deine lieben Schwestern nie gesagt, wer ich bin?- Nee. Papa nennt Sie nur 'ne verdrehte Schachtel!- -,, i Die Haupt fache. Pianofortefabrikant: Was foll es für ein Instrument sein, welches Sie für Ihre Tochter kaufen wollen?- Herr: Davon, verstehe ich nichts; 'aber es, muß aut verschließbar sein.- .. , i..J.-. . " ; ',!'
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Jas oöcre HaiNyak, . Von Oberdrauburg im Drauthal (Kärnten) führt eine' gute Fahrstraße über den nur 970 Meter hohen Gailbergsattel ins Obere Gailthal. Nach Ljstündiger 'Wanderung erreicht man den von Oberdrauburg etwa 15 Kilometer entfernten Hauptort des Obern Gailthals KöZschach, . gleich der nur eine halbe Stunde jenseit der Gail gelegenen Mauthen eine freundliche und liebliche Heimstätte echt kärntnerischer Art. Bis vor Kurzem gehörte das mit gesegneten Culturen reichbedachte, von schönen, wenn auch nicht gerade stolzen Bergen im Norden, und Stzden flankirte Thal zu j?nen stillen,' traulichen Winkeln der Alpenländer. rn die nur leichte Fluthwellen des Fremdenderkehrs heranspülten. Das hatte wohl lediglich seinen Grund darin, daß die Schienenstränge, diese mächtigen Träger und Leiter der sogen. Fremdencultur und Fremdenindustrie. noch keinen Eingang in unser Thal gefunden hatten. Im Norden und im Süden vom Gailthal ziehen in den Parallelthälern, dem Drauthal und dem' Kanalthal, schon seit Jahrzehnten diese ehernen Vermittler der 0 ultur und Civilisation, die der heutigem Zeit d:n Stempel aufgedrückt baben. entlang; ' doch vom Gailthal hielt sich oie Eisenstraße lange fern, endlich aber hallt der Pfiff der Locomotive auch in diesem stillen Alpenthal, wenigstens im UnternGailthal, wieder. ,
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rj. - ! ügVX "v . . 5 t mtez. Arnoldstein. Südlich von Villach, am Fuß der aussichtsreichen, vielbesuchten Villacher Alpe, mehr bekannt noch unter dem Namen Dobratsch, .tritt ras Gailthal in das breite, mächtige Drauthal aus und ergießt die Gail ihre Wasser in die Drau. . Hier zieht die Oesterreichische Staatsbahn von Villach nach. Tarvis u. s. w. und bei der 17 Kilometer von Villach entfernten Staatsbahnstation Arnoldstein zweigt eine Lokalbahn ins Gailthal ab. Am Ostende des Ortes Arnoldstein sieht, ziemlich isolirt, die alte, mit Fresken verzierte Kreuzkapelle, die eigentlich aus drei miteinander zusammenhängenden kleinern Ka.pellen besteht. Im Ort selbst befindet sich, auf emem oblongen Kalkfelsgebllde aufgebaut, das stattliche alte, ehe mallge Benediktmerkloster Arnoldstem, das nahezu zur Ruine verfallen ist. Das Gailthal, hier fehr breit, mit üppigen Culturen bedeckt und mit zahlreichen ansehnlichen Ortschaften bevölkert, zieht in westnordwestlicher Richtung, kaum merklich steigend, flußauf; im Norden ist es von den GailthalerÄlpen slankirt, deren letzterAusläufer gegen Osten der vorerwähnte, mit einer deutschen und einer slovenischen kleinen Kirche 'sowie gutem Wirthshaus auf seiner breiten Kuppe versehene Dobratsch (2167 Meter) bildet. Der Culminationspunkt dieses Höhenzus, der Reißkosel (2369 Meter), befindet sich im Westen, im Obern Gailthal, das bis jetzt noch von keiner Sahn durchzogen wird, da dieGailthaler Lokalbahn jetzt noch in Hermagor, dem Hauptort des Untern Gailthals, endet. ' Von Arnoldstein bis hierher sind 31 Kilometer, die mit der Äokalbahnnn anderthalb Stunden zurückgelegt werden. Hermago:. , ., Hermagor ist ein stattlicher, freundlich gelegener Marktflecken, der dem Reisenden in altväterlich ,iutgeführten Gasthäusern treffliche Unterkunft und Verpflegung bietet. Ein allerliebster, reizvoller Blick entfaltet sich von der inmitten des Marktes, oberhalb des Hauptplatzes auf einem Felshügel aufgebauten, von prächtigen alten Baumen beschatteten, im spätgothischen Stil errichteten Pfarrkirche St. Hermagoras und Fortunatus. Eine Viertelstunde Bahnfabrt Mab breitet sich der niedliche Presseker See aus. Größer und bevölkerter als der Hauptort des Untern Gailthals Hermagor ist der gegen den Ausgang d Thales unweit der Station Nötsch am Dobratsch auf dem rechten Gailufer gelegene Ort Feistritz an der Gail. Von Interesse für den Fremden, insbesondere für den Liebhaber unvekfälscht Gebirgstrachten ist eS, Feistritz an einem Sonntag, womöglich an r einem - - Feiertag - aufzusuchen. Frauen und Mädchen, letztere .wohl ausnahmslos,, legen an diesen Tagen ihre höchst originelle Tracht an,, die freilich einen schönen Wuchs erfordert, diesen dann aber auch zu voller Geltung bringt. Die Bevölkerung in diesem Theil ist fast ausschließlich slovenisch und ein schöner, kräftig gebauter Menschenschlag. Drei bis vierthalö Stunden westsüdwestlich, von Feistritz an der Gail liegt in einem lauschigen Bergwinkel das Feistritzer Alpenhaus mit Achatz' Kuranstalt in 1720 Meter Seehöhe, ein gut besuchter kleiner HLUnlult. Curort in . den Karnttcben - . i-'il'-
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Alpen, welcher ansehnliche Hohenzug die südlich Umrandung des Gailthals abgibt und zugleich dieses vom
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Thurnhof bei H e r m ag o r. Kanalthal (Tarvis - Pontafel) scheidet, wie die Gailthaler Alpen im Norden unseres Thals dieses vom Drauthal (Villach - Oberdrauburg) irennen. Die von Jnnichen im Pusierthal bis Tarvis streichenden Karnischen Alpen finden ihren Culminationspunkt in dem wilden' Felsmassiv der Kellerwandspitze. 2810 Meter, die sich oberhalb Mauthen im ObernGailthal aufbaut. In dem erheblich abfallenden, das Untere Gailthal flankirendmZuge der Karnischen Alpen sehen wir den Gartnerkofel (2198 Meter) oberhalb Hermagor und den Osternig (2033 Meter) bei der Station St. StephanNorderberg, der aber am leichtesten von dem vorerwähnten Feistritzer Alpenhaus (in dreiviertel bis einer Stunde) erstiegen wird, und der ebenso wie die Felstrih. von Hermagor in fünfundeinehalbe bis sechs Stunden zu erreickenden Gartnerkofel (2198 Meter) .und Poludnig (2002 Meter) schöne Aussicht gewährt. Ein sehenswerthesSchaustück im Gailthal ist auch die fünfviertel Stunden von Hermagor entfernte wildromantische, jetzt gut zugänglich gemachteGarnitzenklamm. Arge Enttäuschung. MI Buchhalter: Herr Chef, morgen werden es 25 Jahre, daß ich in Ihr Geschäft eingetreten !" Chef: Na, hoffentlich werden Sie doch ein Jubiläumsmahl geben und mich dazu einladen?!" Bauern-Spekulation. my. "i. . m V V ß'Zi w V 1 ' Dees is a' verbotener Weg da muß der Herr fünf . Mark Straf' zahl'n!Ja, warum bringt man da .keine Warnungstafel an?War ja eme da aber da is uns , kein Mensch 'nein'ganga!Die Hausfrau im Muse.-lm. Kastellan: Dieses Porzellan ist über 200 Jahre alt!" Dame: Da schau'n Sie her, Kathi. und bei Ihnen hält das Geschirr keine -14 Tage! Protzig.. , Besucher: Da im Buch steckt ja ein Tausendmarkschein!- . Bankier (nachlässig): Lesezeichen von meiner Frau!" Bedenklicher Nachsatz. Schauspieler: . , . Als ich in Amerika war, warf man mir an jedem Abend Riesen - Kränze! Das Haus wurde von Beifall erschüttert, die Pferde wurden mir alle Abend ausgespannt Dame: Welch' angenehme Erinnerungen müssen das fern!" Schauspieler: O, ich danke! Mein Impresario hat mir nachher Alles auf die Recknuna s:fct!"
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Vj '.' I J X . --e-v v Vi r Wenn i'V Vogerl waar'. Wenn i' zwoa Flügerl bätt', Flug i' davo'; Weil's aba ne! ko' sei'. Weil's aba net ko' sei'. Bleib i' Dei' Mo'! Aus der Kaserne. Sagen Sie -'mal. Huber: ist bai bei Ihnen Alles echte Dummheit, oder sind Sie nur Amateur - Dummkopfs Väterliche Ermahnung. t'iftWm.tl I u i - Höre 'mal. Edgar, wenn Du ss verschwenderisch lebst, dann trägst Du selbst die Schuld, daß Du schon al5 Sekondelieutenant heirathen mußU Sonderbare Beschwerde. S' Herr Expedit, geb'n S' mir g'schwind 's Beschwerdebuch!- , Hier was c.Zbt's denn?" So sakrisch Bauchweh' hab' iT .' Fatale Beruhigung. ' Frau Majorin (die im Begriffe ist. nach einem andern Ort überzusiedeln): Wenn ich fort bin, wird man hier im Kränzchen gewiß recht über mich' los ziehen!Frau Jnspector: Aber ich itt' Sie. Frau Majorin! Wenn . Sie zwei Tage weg sind, denkt ja sein Mensch mehr an Sie!- yVeruhigendeAuskunft. Ei, ei, Lina, .die größte Blutwurst aus der Kammer auf dem Tische und 5 !.V.1III . . ' oaneoen ein oioai: Madam', der steht blos Wache bei der Wurst !- O, dies e Kin der. Mut. ter: Kinder, ihr habt doch die Aepfel hoffentlich vor dem Essen erst geschält? Kinder: Ja.- MamaZ - Mutter: Wa hat ihr denn mit den Schalen gemachi? Kinder: Die haben wir nachtr tfztl ItSL ; . . , . , i
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