Indiana Tribüne, Volume 21, Number 319, Indianapolis, Marion County, 7 August 1898 — Page 7
Aeöcrleöt. GuS 'dem Leben einer Fregatte von Christian Benkard. ' Schiffstaufe! Auf der sonst nur von emsig schafsenden Handwerkern belebten, von schmucklosen Lag:rhäusern umsäumten Werft flattern heute Hunderte von Flaggen im Morgenwind, unter ihnen drängt sich ein ftstlich gekleidete Menge um den Riesenleib einer noch uf der Helling stehenden Fregatte. Ringsum blinkende Wafsen und Ordenssterne, blitzende Frauenaugen, duftige helle Seidengewänder, wehende Schleier und wedelnde Fächer; über dem ganzen Bilde der sonnigblaue Himmel des Südens. Trompetenfanfaren gebieten Ruhe, eine Prinzessin aus königlichem Geblüt tritt unter den vorspringenden Bug des Schiffes, dem Täufling Glückwunsch und Segen zu spenden. Sie erfaßt die QN gelbrothem Seidenbande vom Bugspriet heiQbhängende Flasche edelsten Schaumweins, holt zum Schleuderwürfe aus und klirrend zersplittert das Glasgefß, mit seinem köstlichen Inhalt die Eichenplanken netzend. Gleichzeitig bricht ein tausendstimmiger Jubel los, und während sich unter dem Donne? der Geschütze die Flaggen zum Gruße senken, träumt die begeisterte Menge von der neuen Fregatte Glück und Kriegsruhm. Stapellauf und Probefahrt verlanseit glücklich, und trefflich ausgerüstet beginnt das schöne Schiff unterDampf seine erste Reise. Unter Dampf! Noch czelten die rauch- und funkenspeienden, von Strömung und Wind fast mxab gängigen neuen Schiffe als wahre Mecrwunder; wer vermag einem sol&,m Ungethüm zu roiderstehen? Aus den dunklen Stückpforten drohen vierzig blinkende Kano-nenrohre, ein ganzer Eichwald mußte sein Holz hergeben zu ttm festen, schier unverwüstlichen Bau. Die Besatzung ist auf ihr Schiff ebenso stolz wie auf ihre Vorfahren, die im
weiten Ocean neue Welten entdeckt -und erobert haben, so ein Reich gründend, in dem die Sonne nimmer -untergeht. Keine? aber ist stolzer als Don Miguel, in kaum den Knabenschuhen entwachsener Kadett altadligen Geschlechts, der hochgemuth zu der Nationalflagge aufblickt, die von ier Gaffel weht und der begeisterungstrrmken schwört, sie dereinst zum Siege zu führen oder ehrenvoll mit ihr unterzugehen. Zehn Iahre später. Don Miguel hat als Batterie Officier .der Fregatte einen heißen Tag gehabt, aber auch saubere Arbeit geliefert. Die an rro pischem Jnselstrand idyllisch gelegene Hafenstadt ist bis auf wenige Häuser vom Erdboden weggefegt, in Grund und Boden geschossen. Schade darum, allein Befehl ist Befehl und schließlich war es ja such inrr .ein altes Negernest gewesen. Die Insulaner 'hatten nicht zahlen wollen oder nicht zahlen können, wie sie sagten. Dfc Abgaben waren schier unerschwinglich, aber das Mutterland brauchte Geld, und die Flotte mußte es, wenn es nicht mit Güte gelang, gemaltsam beschaffen. Und Gewalt ist 'heute allerdings gebraucht worden, man siehts an den geknickten Kokospalmen am Strande und cm den zwischen den Gebüschen aufsteigenden blauweißen Wölkchen. Dicken schwarzen Ranch und lodernde Flammen hat man nur während und gleich nach der Beschießung beobachten können, die von der Sonnenhitze ausgedörrten Bambusstäbe und Palmblattdächer flackern schneller weg, als ein Strohhanfen. Nun ist's geschehen, und nachdem der -an den äußeren Schiffswänden herab--geströmte Pulverschleim weggewaschen und der die dunkle Oelfarbe von der blitzblanken Kupferung trennende weiße Streifen gescheuert ist, entdeckt Niemand mehr m der Fregatte eine Kampfspur. Gänzlich unverletzt strebt die schlanke Takelage zum Himmel, es ist weder ein Tau zerschossen noch eine Raa aus der Richtung gebracht. Kein Wunde? auch! Die Farbigen hatten ben zu ihrer Vertheidigung nur alte teinschloßflinten, und als die schweren Schiffsgeschütze Kartätschen spieen, sind selbst die Muthigsien, an dem Erfolg einer Gegenwehr verzweifelnd, in den Busch gelaufen, sofern sie noch heile Glieder hatten. An Bord gehts hoch her, und um ernsic Gesichter zu sehen, muß man schon bis tief unter die Wasserlinie lzinabsteigen, wo in käfigartigen Dunkelräumen die Gefangenen schmachten, einige Häuptlinge, die man unter Versprechungen auf's Schiff gelockt und die standhast ihre Wollköpfe schütteln, wenn man sie fragt, wo ihre Stamrnesgenossen ihre Schätze vergruben. Vor Zeiten machte man aus derart störrischen Gesellen lebende Fackeln, beute muß ihnen der Durst die Zunge Kfen. Sollten die vvrhandenenSchätze, wie die Schwarzen behaupten, amEnde gar nicht vorhanden sein was liegt daran? Mögen auch einmal ein paar Unschuldige in der Stickluft da unten zu Gründe gen. Sow:it denken indessen wohl kaum die Sieart: .i bestehen ja nur auf ihren er??b!en Rechten. Was von dem großen Weltreiche dem .Mutterlande noch geblieben, das halten sie fest und dort wollen sie als Herren unbeschränkt schalten und walten. Als die Nacht beginnt , lehnt der Batterie - Officier an dem Geländer der über das Heck hinausragenden Kampagne und blickt aufmerksam nach dem Strande hinüber. Alles dunkel da drüben, nur der weiße Korallenfand leuchtet noch ein wenig. Wer sollte auch Lichter entzünden, da die Einwohner entflohen, ihre Häuser vom Erdboden verschwunden sind? Nach einer Weile blinzelt aus einer abseits gelegenen Zuckerrohrpflanzung dennoch ein Lichtchen herüber. Dorthin durften keine todtbringenden GeZHosse versendet welden, darum er-
freuen sich die das Pflanzerhaus beschattenden Palmen noch ihres Lebens und die wildschöne gluthäugige KreoIm Carmencita!- flüstert der Mann auf der Kampagne halblaut. Dann schwingt er sich gewundt über das Geländcr. holt die hinter dem Heck Uegende Jolle auf und gleitet an der Fangleine in's Boot hinab, mit dem er leise an Land rudert. Die Posten sehen es nicht oder sie wollen es nicht sehen; schleicht ein ritterlicher Seemann des Abends zum Liebchen, so kann man ihm nur Glück wünschen. Ist in diesem Falle freilich nicht nothwendig, denn verfängt hier nicht schon sein ur alter Name oder weist man ihm die fast noch dampfenden Blutlachen, so wird er durch seine Lieder siegen, als ein echter Sohn des romantischen Landes der Dichtung, der Frauen und der Liebe.
Die Schiffe altern schneller, als die Menschen; keines begeht seinen vierzigsten Geburtstag in ungeschwächter Lebenskraft". Die Fregatte schwimmt sogar schon seit einem halben Jahrhundert und sie muß heute noch als Schlachtschiff gelten. Aeußerlich nimmt sie sich auch noch ganz stattlich aus meint Don Miguel, b Weitem schöner, als die graugestrichenen, steiflinigen modernen Panzerschiffe; Cementfabriken nennt sie der Matrosenwitz. Aber innen! Bor Iah? und Taa schon habe ich der Admiralität gemeldet, die Spanten und Planken seien vermorscht, man möge das wracke Fahrzeug ausrangiren und mich ebenfalls. Aber wir mußten weiterdienen; es fehlt dem Staat an den Mitteln. Ersatz zu beschaffen, denn das Land ist arm.Der Alte streichelt kopfschüttelnd sein gichtkrankes Bein rrnd lauscht dem melancholischenGesange ber OberdecksPosten, die halbstündlich in langgezogeneu Tönen verficht, baß Alles wohl" sei. Das klingt so wehmüthig, so gar nicht nach zuversichtlicher Kampfesfreude. Und doch ist eine feindliche Flotte im Anzüge; morgen schon kann es zur Schlacht kommen. Der Führer einer vom Kundschaften zurückkommenden Dampfpinaß macht eine Meldung, dann ist der Commodore wieder allein mit seinen Gedanken. Seine Augen ruhen auf dem an der Heckwand hängenden Bilde der schonen Kreolin, die sich damals, als sie sich verrathen glaubte, den Dolch in die junge Brust gestoßen; aber seiner Seele schweben die dunklen Silhouetten der feindlichen Panzerschiffe vor. Richt als ob ihm vor ihnen bangte, nein, er empfindet ihnen gegenüber nur Abscheu und Widerwillen. Sonst war cm Kriegsschiff ein schwimmendes Schloß, .heute ist s ein Elsenkaflg; von emem offenen, ehrlichen Kampfe Schiff ge gen Schiff und Mann gegen Mann ist kaum mehr die Rede, dagegen fuhrt neben den weittragenden Schnellfenergeschützen der unter Wasser versteckte Rammsporn die Entscheidung herbei oder der heimtückische, von iedem chten Seemanne aus tiefster Seele gehaßte Torpedo. Und wie steht es mit der Menschlichkeit und Nächstenliebe. Zn deren Namen ihre Fuhrer der alten Oronung der Dinge zu Leibe gehen? Waren die in den Dunkelräumen der Fregatte schmachtenden Gefangenen etwa schlechter daran, als die vor den Feuern stehenden Heizer eines Torpedo bootes? Im Gegentheil! Aber mögen jene Aermsten in dem Höllenrachen da unten auch wahnsinnig werden vor Lärm, Rauch und Hitze, ihre Befehlsbaber vrablen imtf toi vor weiter mit .Freiheit" undHFortschritt". Und bei Licht besehen sind diese Freiheitsapostel doch weiter nichts als Mammonsknechte und Krämerseelen, denen selbst die Ehre feil ist für Geld. Ob sie auch ritterlich zu fechten, und wenn es sein rnuß, zu sterben wissen, haben sie erst noch zu zeigen. Ein Knarren geht durch das Schiff; es ist, als ob die mit der umsetzenden Fluth vor ihrem Anker schwingende Fregatte im Schlafe schnarchte; der Seewind sinat. langsam durch das Tauwerk streichend, das Schlummer lied dazu. Bei einem Ruck der Ankerkette löst sich am Vordersteven einStück verfaulten Holzes los und wird von den daran sitzenden Langhalsen" m die Tiefe gezogen; die Korallen am Grunde hatten schon lange die Arme nach den Schmarotzer - Muschelthieren ausgestreckt, die auf dem schlechtqekup ferten Schiffsboden so üppig gediehen. Da die kurze Tropendammerung beginnt gerade rollt ein Alarmschuß über die'Fluth; eine kurze Stille folgt. dann schmettern die Hörner und rasseln die Trommeln den Generalmarsch. Während die durch den Ueberfall jäh aus dem Schlafe aufgeschreckten Osfl ciere und Mannschaften halbbekleidet an ihre Gefechtsposten eilen, kommt auch schon die erste feindliche Breitseite heranqesaust. Gut gezielt! Die Gra naten schlagen in den Bug der Fregatte und nehmen ihren verheerenden Weg durch die ganze Länge des Schiffes; die ersten Opfer sind gefallen. D Kanonen der Fregatte bleiben die Antwort nicht schuldla. allein ihre Geschosse prallen an dem Stahlpanzer der feindlichen Schiffe machtlos ab. wogegen die Granaten der angreifenden Schnellfeueraeschutze an den alten Holzplanken ein leicht zerstörbares Ziel finden. Wo Splitter stecken bleiben. werden sie mit Aexten aus dem Holze herausgehauen, der Geschoßhagel wird aber dichter und dichter und bald verkündet eine aus der Vorderluke aufsteigende Rauchsaule: Feuer im Schiff Umzischt von Kug:ln und Mastspl'.ttern leitet der Kommodore von der Brücke aus das Gefecht. Kein Zucken r ' - ri.r jtls , "ic . -i leines sencyis o?lraiy, was er empfindet. als er die Takelage zerfetzt, die Geschützmannschaften blutend, sein Schiff dem Untergange geweiht sieht. Er zeigt erst dann, was er denkt und fühlt, als in einer Gesechtspause ein
fe'mrtnl htZ ftnM?An Wfemtrölf Ais feS
q mm w w j l ihn auffordert, die Flagge zu streichen. Ein verächtliches Lachen ist seine Antinnri. llnh nformnls entbrennt der VW V W v'" w - - - Kampf, bis die alte Fregatte sich todes- . i , i wuno zur ene neigt, um im Scheine der aufgehenden Sonne mit . . . v. - w m r wyenoer agge i mt .tt zu tag ren. aus der sich die weißen Korallenarme sehnsüchtig ihr entgegenstrecken. Immer derselbe. Der Herr Professor Alpha hat im Verein mit seiner Gattin Einladungen zu einem Diner ergehen lassen. Ausnahmsweise ist er schon eine halbe Stunde vor der angesagten Zeit fertig geworden und weiß nun nichts anzufangen, als gemessenen Schrittes die lange Tafel zu umkreisen. An den Platz, den seine Gattin für ihn bestimmt, hat er seine schöne goldene Dose neben das Eouvert gelegt, um in dem späteren Trubel sich sofort zurecht zu finden. Als leidenschaftlicher Schnupfer benützte er diese Gelegenheit weidlich; so oft er an besagten Platz kommt, nimmt er aus der offenen Dose eine tüchtige Prise. Bald in tiefes Nachdenken versunken, merkt er es nicht, daß der Tafeldecker das Tischarrangement nochmals revidirt und dabei die Dose um ein paar Hände breit zur Seite schiebt und der Herr Professor, der beim nächsten Rundgang ganz mit seinen Gedanken beschäftigt abermals die Finger ach der bekannten Labung ausstreckt, geräth mit den Fingern in ein Pfefferfaß, das die Stelle der Dose eingenommen hat. Die Prise beißt zwar, aber die Rase eines alten Schnupfers kann schon etwas! ertragen und das Pfefferfaß wird weiter benützt. Als die Frau Professor kommt und den Tisch musternd umkreist, bemerkt sie die Unordnung bei dem Couverte ihres Gemahls und stellt ihn deshalb zur Rede. Lange blickt er sinnend ouf die Tafel, auf den verstreuten Pfeffer und den Inhalt des Pfefferfasses selbst, der deutlich Fingereindrücke zeigt. Phylomene," spricht er endlich, ich habe in meiner Zerstreutheit das Pfefferfaß statt der Dose benützt ... entschuldige!" Was wollte die Frau Professor machen? Sie entschied, daß die Dose eingesteckt werde und daß Rikodemus zur Strafe das Pfefferfaß sellst füllen - gehen solle. Rikodemus ging. Es ist eine halbe Stunde später, man sitzt beim Mahl. Da auf einmal Niemand kann es sich erklären und alles ist stumm vor Schreck, stößt der Nachbar unseres Professors,, der kurzsichtige Herr Professor Gamma einen furchtbaren Schrei aus und fingert sich wie wahnsinnig an der Gurgcl herum. Die Frau Professor Alpha ahnt nichts Gutes, sie wirft ihrem Gemahl einen ganz entsetzten Blick zu. der aber auch so fragend ist, daß der Gemahl ganz klemlaut den Kops sinken laßt und in die Stille, welche nur das Wimmern des College Gamma unterbricht, hineinspricht. Phylomene sagt er, Du weißt ja meine Zerstreutheit! Ich glaube. ich habe zenes Psesserfaß mit Schnupf tabak gefüllt ... entschuldige!" Tagesanbruch. Von Gustav Falke. Aus dichten Nebeln steigen Die Bäume schwarz herauf, Die dunklen Finger zeigen Zum blassen Himmel auf. Noch schweigt's in allen Gründen. Nur manchmal, hörbar kaum, Sirrt schon ein Tagverkünden Nestheimlich, wie im Baum. Jetzt wehen da und dorten Die Schleier sachte auf. Und durch die grauen Pforten . Steigt eine Lerche auf. Der Fluß mit leisem Klingen, Er schlief nicht in der Nacht, Begrüßt das erste Singen,, Das über ihm erwacht. Bald spiegeln seine Wellen Ein morgenfroh Gesicht. Und seine Fische schnellen Sich in das warme Licht. 'Gedankensplitter eines Cselö. Heute ritt ein Mensch auf mir durch eine Gegend, die er einen entzuckend schonen Garten nannte. Un sinn! Nicht eine Distel war darin zu smden! Die Menschen gebrauchen uns als Lastthier und als Schimpfwort, und wir Esel lassen uns das ruhig ge fallen. Ein Ochs sagte mir, er wäre viel nützlicher als ich nach seinem Tode noch diene er den Menschen mit seinem Fleische. Deshalb wird der Ochse auch geschlachtet. Die Eselin unseres Nachbarn gab mir deutlich zu verstehen, dak sie mir wohl gezeigt sei. Ich lief aber davon. Es gibt auch kluge Esel. Als ich neulich unter der mir aufgebürdeten Last zusammenbrach und nicht weiter konnte, schlug mein Herr mich mit einem schweren Knittel. Ein Mann, der das sah, nannte es unmenschlich. Wir nennen es menschlich. Die Menschen erzählen, es hätte sich em Esel m eme Löwenhaut gesteckt, um sie zu erschrecken. Die Geschichte glaub ich nicht. So einen Esel gibt es gar nicht. ' Frauenfreundschaft Er: Wohin gehst Du denn, Emma?" Sie: Ich besuche meine Freundin. Ach. wenn ich sie nur nicht zu Hause treuen wurde!"
Radfahrer Typen. Von Heinrich Lee (Berlin). Seit der Radsport sich zu einer
rnenschlichen Allgemeingewohnheit entv r rw . wlaeil yat, lauen sicy seine nnyanger in ganz bestimmte Kategorien eintheilen. Wir verzeichnen davon, ohne lnen Anspruch auf Vollständigkeit zu machen, nur die folgenden: Der Kllometerfresser. Wer mochte ihm sein Mitleid versagen? Wenn der Frühling kommt, wenn Imls und rechts von der Chaussee sich seine Wunder aufthun, die Wälder lustig grünen, die Gärten blühend stehn, wie es im Liede heißt der Kilometerfresser sieht es nicht. Denn er hat dazu keine Zeit. Nicht rechts, nicht links, nur geradeaus heißt bei ihm die Devise. Wo will. wo muß er hin? Treiben finstere Mächte hinter ihm her. denen er vielleicht zu entrinnen sucht? Wie war es ihm nur möglich, in diesem Erdenleben auszukommen, als er sich noch in der alten vergangenen Zeit zur Fortbesörderung gewöhnlicher Pferdebahnwaa.cn und Omnibusse bedienen mußte? Eine schreckliche Strafe in den englischen Gefängnissen besteht darin, daß der H'ästling gezwungen wird, fortwährend durch Treten eine große Kurbel in Bewegung zu erhalten, was der Volksmund Tretmühle" nennt. Wird es dem englischen Häftling nicht ein Trost sein, zu erfahren, daß, was seinenRichtern als ein Strasmittel erscheint, für eine ganze Klasse von anderen Menschen als ein so großes Vergnügen gilt, daß sie ihre Feierstunden und ihren Sonntag damit ausfüllen? Auf einem antiquirten Gemälde in der Berliner Nationalgallerie von einem gewissen Henneberg ist ein über Klüfte und Leichen dahinrasender Reiter zu sehen, der die Hand ausstreckt nach einem Ziel, ohne es aber jemals zu erreichen. Wenn die Museums-Direktion auf den Pulsschlag ihrer Zeit lauscht, so wird sie in diesem Bilde die Gestalt des Reiters durch eine andere ersetzen lassen, durch diejenige des Kilometerfressers. Der Jongleur. Furchtsamen Sportgenossen verursacht er. wo er auch auftaucht, eine Gänsehaut. Im morderischesten Straßengewühl, wo sich Droschken. Equipzgin. Omnibusse. Pferdebahnen. Post-. Mörtel-, Möbel-, Roll- und Handwagen, Kremser. Rei ter, Truppenzüge. berittene Schutzmänner und Fußganger zu unkenntlichen Massen ballen, gleitet er wie auf lcichtem Zaubermantel, ungefährdet, em Wesen aus einer anderen Welt, hindurch. Nicht selten ist er Angestellter in einem Fahrradgeschäft, dann zieht er ein zweites Rad noch hinter sich her, ein drittes hat 'er über den Oberkorper gehängt und nur die beschränkte Zahl der menschlichen Gliedmassen ist daran schuld, daß er nicht irgendwie noch in viertes daran unterbringen kann. Stößt er bei einer Tour auf eine am Wege stehende Warnungstafel mit der Aufschrift: Abhang! Absteigen!", so ist er gerade der Mann der sich nicht verblüffen läßt. DieFüße von den Pedalen nehmend, gleitet er auf schiefer Bahn hinab, wobei er, wenn Zeugen anwesend sind, mehrere Male außerdem noch ausruft: Wo ist denn der Abhang, wo ist er denn?" Seine Lieblingspositur ist so bekannt, daß es banal ist, sie hier zu erwähnen. Sie besteht darin, die Hände an jeden anderen Ort, nur nicht an die Lenkstange zu legen. Um diese Positur nicht etwa als Bravourstück, sondern als eine sich ganz von selbst ergebende Bequemlichkeit erscheinen zu lassen, txtotdt er den Eindruck, als hätte er mit seinen beiden Händen gerade eben etwas Wichtigeres zu thun er schnaubt sich rationell die Nase oder er rückt seine Kleider zurecht. Der Officielle. Kenntlich schon !n seiner äußeren Erscheinung ist der Officielle daran, daß er Clubanzug und Clubmedaillen trägt und daß er nicht einzeln, sondern in Nudeln, eben in Gesellschaft seiner Clubgenossen, auftritt. Den Officiellen nennen wir ihn, weil er sich im Grunde nur allein als den befugten Ausüber und Vertreter des Radsports betrachtet, das d:ißt sich, seinen Club und überhaupt die Clubs im Allgemeinen, während er alle anderen sich zufällig des Rades bedienenden Individuen, die außerhalb des Clubwesens stehen, nicht weiter ernst nimmt es sind dies Dilettanten. Noch besser gesagt, es sind dies dieProfanen, während er der Priester ist. So steht er ganz im Dienst des Cultus. Wie er seine Ausflüge nie allein, sondern immer mit den Kameraden macht, so ist für ihn auch niemals, was Touren. Wege und Ziele betrifft, eine persönliche Geschmäcksregung, sondern ausschließlich der Club-Beschluß maßgebend. Schiller's Mahnung für Jeden, der selbst kein Ganzes werden kann, als dienendes Glied an ein Ganzes sich anzuschließen, wird von ihnen nach dem Vorbilde, wie es ihm in Verlin die literarischen Gemeinden. Vereinigungen und gegenseitigen Schutz) und Trutzbündnisse bieten, in musterhafter Art befolgt. Der Fanatiker. Man hat zwischen dem akuten und dem chronischen ,'Fanatiker zu unterscheiden. Die akute Form beschränkt sich auf die ersten Wochen nach der Lehrzeit, ist die entschieden häufigere und wird bei Menschen ohne Unterschied beobachtet. Die chronische ergreift vorzugsweise Individuen, denen körperlicher Sport und Aufenthalt im Freien vorher etwas absolut Fremdes waren, wie zum Beispiel Gelehrte, Privatdocenten. Redacteure, höhere Beamten, sodaß bei ihnen die Ansteckung einer geringeren Immunität begegnet und scblk?klich in Monomanie ausartet. Der Fanatiker vernachlässigt sein Gefchäft und seinen Broderwerb. Ist er verheirathet. so spricht er mit dem Grenadier ausFrankreich: Was schecrt mich Weib, was scheert mich Kind!" Er läßt sie Beide zu Hause und es entstehen Familienkatastrophen. Erhebt er sich am Morgen aus dem Bett, so wünscht er sich sein Rad zur Hand,
schon um die Sirecke bis zum Wasch-! tisch damit zurückzulegen. Unter seine noch nicht radelnden Freunde tritt er wie Samiel dem Dämon, der ihn beherrscht, immer neue Seelen zu werben. Da ihm jeder Leser schon begegnet ist, so sind weitere Bemerkungen über ihn nicht nöthig. Der Sportsman. Er stellt sich in einen bewußten und gelegentlich von ihm auch scharf betonten Gegensatz zum Tourenfahrer. Für ihn ist der Radsport das. was eben sein Name sagt ein Sport. - Leute, die das Rad zu Dingen, wie es Touren . und Ausflüge sind, gemacht glauben, stehen für ihn außer Belang. Unter Sport versteht er, wenn daran noch ein Zweifel sein sollte, ausschließlich die Thätigkeit auf der Rennbahn, wo er Abonnent ist und seine ganze Mußezeit verbringt, während er die Freuden der Chaussee den Andern überläßt. Nur im Frühjahr vor Ostern, wenn die Rennfahrer sie noch zu ihrem ersten Training benutzen, gewinnt sie für ihn Existenzberechtigung. Der MittelPunkt seines Denkens wird von einem einzigen Begriff beherrscht, dieser heißt Rekord. Auf der Straße ist er dadurch kenntlich, daß wie beim Rennfahrer seine Pedale vorn für die Fußspitzen Haken haben, daß seine Nase, wenn er auf dem Rade sitzt, die Lenkstange berührt und daß er heftig den Kopf hin und her bewegt, wobei sein Vorbild aber nicht U Eisbär im Zoologischen Garten, sofern der in den Zeitungen noch immer so bezeichnete Altmeister" Lehr ist. An einem Fin. ger trägt er einen schlichten goldenen oder wenigstens vergoldeten Ring mit inwendig eingravirter Widmung und Datum, den Ehrenpreis aus einem Jugendrennen, oder einem Rennen in der Provinz. Denn jung ist er noch und demzufolge auch ganz Ehrgeiz. Sein großes Ideal ist Willy Arent. wie Ger-' hart Hauptmann das der jungen Dichter ist, und der Unterschied zwischen beiden ist nicht groß, es kommt nur. mit Respekt 'zu sagen, auf die genügende Gelenkigkeit an. Der Mechaniker. Auf dem Rade sieht man ihn nur selten, um so häufiger am Chausseerande oder in einem Gartenlokal, wo er jedesmal mit Reparaturen beschäftigt ist. Entweder läßt er aus einem Reifen die Luft au5, um nach einem muthmaßlichen Defekt zu forschen, oder er nimmt etwas aus-
einander, besonders gern die Pedale. Jln diesem Zweige der Mechanik, dem Ausemandernehmen, fordert er Lei stungen zu Tage, die denjenigen und zwar leider so zahlreichen Fahrern, welche den complizirten Organismus eines Zweirads nie begreifen, geschweige gar ergründen würden, Staunen und Bewunderung abringen. Ein schoer menschlicher Zug bei ihm ist seine stete collegialische Hilfsbereitschaft. auch gegen Sportsgenossen, die ihm sonst ganz fremd sind. Unterstützt durch alle nur erdenklichen Werkzeuge. die er in seiner Satteltasche mit sich führt, nimmt er sich sofort jedes Scha 5ens an. Halbe Stunden lang, im Schweiße seines Angesichts, seine eigenen Interessen opfernd, bemüht er sich so. an dem Rade des Collegen zu forschen, zu drehen, zu schrauben, zu bäm mern, nnr seiner Leidenschaft ergeben, wahrend der Besitzer des Rades, iNvem er thatenlos dabei steht, sich nur angelegen fein läßt, eine teilnehmende Miene zu zeigen oder, falls der SchauPlatz ein Restaurationsgarten ist, sogar I l rn..t . r srn on i ... in fiuui viuqc jnn vzuas icr sazu trinkt. So ist der Mechaniker auch Samariter. Oft wird seine Güte mißbraucht, denn es gibt Fahrer, die, weil es sie belästigt, grundsätzlich keineLuftpumpe, keinen Schraubenschlüssel mitnehmen und sich damit beruhigen, daß gewiß schon jemand Anderes, falls es noththut, das für sie besorgen werde. Der Gesundheitsfahrer. Seit das Rad, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gegen alle Krankheiten verordnet wird, ist das Rad des Gesundheitsfahrers, um eine Redensart mit vollem Recht hier zu gebrauchen, in großen Schwung gekommen. Bleichsüchtige und Vollblütige, Magere und Corpulente u. s. w. sie Alle wenden es auf den Rath des Arztes mit der gleichen Hoffnung an. Niemand könnte überrascht sein, wenn es auch als ein HeilMittel gegen Kahlköpfigkeit, die Mafern und Altersschwäche empfohlen werden würde. Verrätherisch Zn seiner äußeren Erscheinung ist der Gesundheitsfahrer insofern, als er bedachtsam und mit einem gewissen Pflichtausdruck in seinem Gesicht fährt. Im Lokal genießt er Selters oder Milch und sieht dabei auf die Uhr, um festzustellen, wie viel Zeit er noch vor sich, hat, um das ihm von seinem Arzte vorgeschrieben Quantum abzufahren, oder er hat. falls ihm der Arzt das Quantum in Entfernungen angegeben, am Rade einen Kilometerzähler. Sofort von der ersten Ausfahrt an fpürt er eine merkwürdige Besserung. Ist er zufällig Commerzienrath. so gibt er Sportsgenossen, die ihn vielleicht wie ihres Gleichen ansehen möchten, ausdrllölich zu verstehen, daß er es eigent lich nicht nöthig hat. Rad zu fahren, weil er Pferde und Equipage besitzt. Eine Specialität unter den Gesundbeitsfabrern sind dieieniaen Damen, denen bisher der Arzt, wenn er nicht leichtsinnig seinerPatientinnen sich entäußern wollte, für ihre Beschwerden ein bestimmtes angenehmes Bad verschreiben mußte. Der Sonntagsfahrer. Wochentags ist er bis zehn Uhr Abends hinter der Ladenthür zu sehen. Nur der Sonntag Nachmittag gehört ihm. Umso eifriger nimmt er sich vor. diese Frist energisch auszunützen. Strömt dann der Regen vom Himmel, saust dann am Fenster deö ruhigen Bürgers, als . einziges menschliches Wesen auf 'der ganzen Straße, eine Gestalt auf dem Zweirad vorbei es ist der Sonntagsfahrer. .Nach Königs - Wusterhausen!" lautet seine heutige Parole, er hat sie beschworen. Seine Rastzeiten wahrend
der Fahrt bemißt er auf das allernothwendigste Minimum, denn auf dem Stuhle sitzen, das kann er am Wochentage haben. Erst wenn er Nachts um Zwei nach zwölfstündiger Fahrt und womöglich so, daß er seine Glieder nicht mehr fühlt, zurückkommis dann erst ist ihm wohl und noch in den Traum begleitet ihn das beseligende Bewußtsein, wirklich Zn Königs-Wu-sterhausen gewesen zu sein, wenn er von diesem geschichtlich berühmten Ort wegen knapp bemessener Zeit auch nur das auf der Chaussee zuerst stehende Haus, ein Restaurationslokal, sowie einige Bäume und Prellsteine davor, in Augenschein hat nehmen können. . Man könnte wohl zum Schluß auch noch von einer letzten Spielart reden, wenn diese nicht im Aussterben begriffen wäre. Sie besteht aus Sonderlingsnaturen. Menschen, die nur deshalb Rad fahren, um ihr schlichtes, aufrichtiges, unverkümmertes Vergnügen dabei zu haben.
Es brennt. Humoreske von T. Resa. Drachenberg war t.nt sehr kleine Stadt, und die Zustände darin waren noch etwas idyllisch. Doch begann man in letzter Zeit sich zu regen. Die Straßen bekamen neues Pflaster, eine Wasserleitung war in Aussicht genommen, und es bildete sich eine freiwillige Feuerwehr. Zum Hauptmann und Branddirektor" wählte man Herrn Philipp Seibt, den Besitzer der größten Materialwaarenhandlung der Stadt. Es war ein stolzer Tag in Philipp Scibt's Leben, als ihm diese Wahl mitgetheilt wurde, und der Wunsch, sie zu' rechtfertigen, sich auszuzeichnen auf diesem EhrenPosten, erfüllte fortan sein ganzes Sinnen und Denken. Sein Erstes war natürlich, die Uniform anzuschaffen. Wie oft er sie anprobirte, den Helm aussetzte, und vor dem Spiegel stehend schneidige Kommandos einübte, das war nicht zu zählen. Dann kamen die Spritzenproben und das Einüben der Mannscbaven". Das nahm viel Zeit in Anspruch und füllte alle freie Zeit, 'die Seibt irgend erübrigen konnte, aus. Aber endlich war alles im besten Gange. Und nun ja, nun hatte es eben einmal brennen sollen. Da hätten die Leute wohl gesehen, was sie an ihm besagen, welcher Held im schlichtenBürgerkleid unter ihnen lebte. r f ii. f -f-. tt . el0i yanc eine cgroqicr. dz. auu, in Drachenberg wohnte und mit einem Schneidermeister Schmitt verheiratbet war. Auch Frau Annette hatte eine brennende" Frage, die ihr viel Kopfzerbrechen und Aerger verursachte Sie hatte sich nämlich einen Grudenbeerd" bauen lassen, der ihr von praktischen Hausfrauen als das non Plus Ultra" von Sauberkeit, Bequemlichkeit und Billigk-it empfohlen worden war. Ein Grudenheerd ist ein Ofen, 'der alle Speisen fast ohne Aufsicht und ganz langsam und stetig kocht. Ein viereckiger Steinkasten mit einer Füllung von bestimmten Cores em Rost darin, auf den die Töpfe gestellt werden, und schttefzlich ein luftdicht schließen'der Deckel, 'der erst geschlossen wird. wenn alles kocht und 'dann alle Wärme zurückhält. Der Grudenheerd stand nur hatte er einen kleinen Fehlerer brannte nämlich nicht. Bruder ur?d Schwester saßen beim Kasfee Seibt hatte die Zeitung, las und litt dabei sichtlich. Er sah aus wie eine gereizte Hummel. Höre!" rief er jetzt erbost da ist in Friedberg ein großartiger Brand gewesen. Eine Wollspinnerei. Branddirektor Born rettete mit eigener Lebensgefahr eine lahme Arbeiterin aus den Flammen," horst Du, Annette? In Friedberg, siehst Du. da passirt so etwas! Hier brennt es überHaupt nie! nie! nie!" Frau Annette hatte natürlich nicht aufgepaßt. ' Nur die letzten Worte, die ein schmerzliches Echo rn ihrer Brust weckten, verstand sie. Nein es brennt einmal nicht da hast Du ganz rechi, klagte sie. Sag' ob man es einmal mit Pctroleum versucht, oder mit Bcnzin? Da müßte es doch! Neulich las ich, man solle einen Plättbolzen weißglühend machen und den auf den Cokes legen und Cokes drüber streuen. Da brennt es ganz sicher. Soll ich das einmal versuchen?" Philipp Seibt starrte seine Schwesie? sprachlos an. Wie? und das wärest Du im Stande ?Zur Verbrecherin. zur Brandstifterin wolltest Du werden, aus Schwesterliebe? Nein, Annette," sagte er tief gerührt -so weit darf eS nicht kommen, da verzichte ich lieber auf Ehre und Ruhm!" Annette starrte jetzt ihren Bruder eben so fassungslos an. lieber Gvtt, Philipp, wozu hab' ich mir denn aber den Grudenheerd bauen lassen, wenn er durchaus nicht brennt?" Seibt sank tief ernüchtert in stch zusammen. Ach so!" sagte er empört, Du sprichst einmal wieder von Deinem al bernen Grudenheerd. . Du wirst noch überschnappen damit." . Ein unheimliches Gerücht verbreitete sich einige Tage später in Drachenberg. In der südlichen Vorstadt hatte man einen sogenannten Brandbrief" gefunden. Tarin stand in einem schauer lichcn Knüppclvers angezeigt, daß es binnen acht Tagen" einen großen Brand geben solle. Athemlos vor Eifer und Aufregung durchstreifte Seibt die Stadt. Ueberall war er mit Worten und Gesten beschwichtigend und beruhigend. Nur keine, Angst solle man haben. Wozu wäre denn die brave Feuerwehr da Ein dunkler Novemberabend lag über Drachenberg, da trat ein Feuerwehr mann in den Seibt'schen Laden und berichtete, in der östlichen Vorstadt sei abermals ein Brandb?ief gesunden worden, in der Lanaaasse. .
Seibt fieberte. .Ich komme!" nef
er die eute werden rumg werden wenn sie mich sehen!" und hinaus eilteer, der Langgasse zu. Da fühlte er siH plötzlich heftig am Rockschoß gerijzen. Der kleine Sohn seiner Schwester war es. Onkel!" rief er, sollst schnell kommen bei uns brennt es ist alles eine Glrnh!" Um Gottes willen! Wie ist es auSgekommen? warte doch, Schlingel!" Schmitt jun. aber wartete nicht. Er schrie im Weglaufen: Mutter hat Bcnzin genommen es brennt lichterloh " Philipp Seibt wurde einen Augenblick weiß wie Kalk. Die Unglück selige!" murmelte er sie wird sid nicht schnell schnell zu Hilse!" Und er machte kehrt und rannte in wilder Eile nach dem Spritzenhaus. In der Schmitt'schen Küche warm alle Hausgenossen versammelt und be trachieten mit glühendem Interesse den Grudenheerd. Er brannte, er brannte wirklich, ruhig, stätig, einen warmen, rosigen Gluthschein gegen die dunklen Wände werfend. Ter gute Schneidermeister Schmitd rieb sich die Hände. Frau Annettestand mit stolzem Hochgefühl oa, undHerr uud Frau Fischer aus dem Par terre und Frau Liesegang aus den Mansarden, sowie zwei kleine Schmitts sie alle konnten den Grudenheerd nicht genug bewundern. ,,So' was Schcenes!" meinte Frau Liescgang, ich dacht' mer's gleich, cfö ich vorhin Über de Straße kam wenn mer nuff sieht ma ment grad s'brennt bei eich so schen helle is Ja, nu haben wir ihn in Ord nung", schmunzelte Frau Annette horch! was ist das für ein Lärm? Was tuten sie denn?" meinte Mei ster Schmitt das kommt ja immer näher! mach's Fenster auf, Mutter da muß was passirt sein!" Herrjemerschnee! s'wern doch kene Reiber sein?" kreischte die stets schreckerfüllte Frau Liesegang. Das Fenster flog mit einem KraH auf drei Köpfe fuhren zugleich hinaus, um zu sehen, was draußen vor--ging. In demselben Augenblick fuhren sie.aber auch entsetzt zurück. Ein breiter, eiskalter Wasserstrahl fuhr über sie hin? platschte den aufkreischenden Wer bern in's Gesicht und senkte sich dann: in schönem Bogen herab auf den Grudenheerd, wo er zischend, und eine: Wolke übelriechenden, aschedurchsetzten Qualmes aufjagend, erstarb. Ein siebensacher wilder Emvorungs schrei gellte. Da stand der eden.no so herrlich glühende, mit so ,heißenr Bemühen" entzündete Grudenheerd. Stinkend, qualmend schnurgelnd und triesend, naß wie eine Wasserratte.. Und schon zischte durch's Fenstern ein: neuer Wasserstrahl und weichte die Da men ein. Aus den bewegten Wassern taucht oder tauchten zwar drei. feuchte Weiber hervor aber zuur sprechen uud singen" schienen sie nichr. aufgelegt, wie dereinst das von Altmeister Goethe. Die Treppe erdröhnte von schwerer! Schritten. Gefolgt von seiner tapferen Schaar hochroth blitzenden Auge5 in einer Hand den Rettungssao? nachschleifend naije Tücher über den Schultern, stand Philipp Seibt vor der tropfenden Gesellschaft jeder Zoll ein Sieger! Einen Augenblick nur warf er auf die drei 'Megären einen zweiten au den Grudenheerd. Tann hielt er dir nassen Tücher vor sich uno :n:!i?h gellend ftlgtin ihm die Klagen nndVer. iwünsch'.'ngln der Sieben. Philipp Seibt fuhr noch mit deut Nachtzug nach Breslau. Ei.r oaar Tage wollte er vergehen lassen, dann hatten sich'die Drachenberger Wohl beruhigt, und über seine Blamage wuchs Gras. Ein Tag war ihm mühsam ver gangen. Er saß im Hotel beim Kaf fee und laß die Zeitung. Plötzlich er--wetterten sich seine Augen. War eSein Traum war es Wahrheit bc stand es: Drachenberg, 17. November. Nach dem unsere Stadt seit Tagen schere durch Brandbriefe beunruhigt wordur. war, ist in der Nacht vom 16. bis 17 November trotz aller Wachsamkeit die Langgasse von vierStellen aus zugleich angezündet und fast ganz ein Raud der Flammen geworden. Der Aufopfe--runa und Riesenarbeit unserer wacke--ren Feuerwehr unter der kühnen und? umsichtigen Leitung deö Herrn Anton Schulz (hier seufzte Seibt herzbrechend) ist es allein zu donken, daß die angrenzendenStraßen verschont geblie ben." Philipp Seibt sank in seinen Stuhl zusammen. Die Cigarre entfiel sei-" ner zitternden Hand und rollte unter den Tisch. Diensteifrig sprang ein Kellner her zu und hob sie auf es brennt nicht mehr!" sagte er. Ahnungslos, wie hohnvoll, seine Worte dem armen Seibt erschienen. I st Ihnen -viel leicht neues Feuer gefällig?" Tpaniers Klage. Ist der holde Lenz erschienen. Nimmt man mir die Philippinen. Ist der Sommer dann gekommen. Wird mir Cuba auch genommen. Und im Herbste, welch' Geschick, o l Raubt man mir noch Porto Rico ! Kommt der Winter dann, der grause Geh' ich völlig blank nach H??:se. Die menschliche Laufb hn gleicht einer Eisbahn; je ängstlicher man auf tiitt, desto schwerer kommt man vorwärts. untinitrnr UtcDt. Nestt?, liebst Du mich auch?" J'moan schon, denn so oft ich Dich jttzt seh. hab' ich s ' . ' i tt,fr.M!
a cutti vm
