Indiana Tribüne, Volume 21, Number 319, Indianapolis, Marion County, 7 August 1898 — Page 6
(befangene im Lager. ' Auf den idyllischen Inseln, welche srch an unserer atlantischen Nordküste längs des Festlandes hinziehen, ist es im Sommer gut sein, denn die frischen Dceanwinde mildern die Hitze und die kühle Salzfluth stärkt die erschlaffenZcn Glieder. So kann es nicht fehlen, fcasj alljährlich viele Tausende, welche Tiber die nöthigen Mittel verfügen, während der heißen Sommermonate cri ein buen retiro" suchen und finden. In dieser Saison hat auch Zirkel Sam ein starkes Contingent von Gä'ten dorthin gesandt. Freilich habm' diese mit den gewöhnlichen Besufcem nicht das Geringste gemein, ja ihr Aufenthalt ist nicht einmal freiwillig, sondern gezwungen. Es ist der größere Hfjeil der spanischen Seeleute, welche nach Vernichtung von Cervera's Flotte durch Commodorc Schley als Kriegsgefangene sich ergaben; dieselben sind in einem Lager auf Seavey's Island, Z)as zur Markestation von Portsznouth, N. H., gehört, untergebracht.
jjg-ags0 'VilÄÄ'
?vm mtzgz !in 1 1 i u? . -3,1 1 V-tiÄ I J ! I I Lag erbarracken. Geographisch liegt die Insel im Staate Maine. aber in allen osficiellen DokuTnenten wird sie als Theil der genannUn Station zum Staate New Hampshire gehörig betrachtet. 692 Gefanzene wurden an Bord der St. Louis" nach Seavey's Island gebracht und 'dort werden sie voraussichtlich bis zum Frieden bleiben. Zur Aufnahme der friegsgefangenen Seeleute wurde in 2ller Eile ein Barrackenlager aufgeschlagen, das unter dem -Befehl des Col. Forney steht und von einem Detachement von e:wa 200 Mann bewacht wird. Als die Kriegsgefangenen auf Seavey's Island eintrafen, boten sie im Bild des größten Jammers dar. Die aufreibenden Strapazen und die furchtbaren Entsprungen, w'lche sie zu trag:n gehabt, hatten die bedauernswerthen Schelme entsetzlich herunterge. .bracht. Ohne Ausnahme waren sie lbarhäuptig sowie barfüßig und nur mit wenigen zerrissenen Lumpen be'.deckt: stachelige Bärte und dicke Schmutzkrusten verliehen den Spuren von Hunger und Krankheiten zeigenden JmLazaretb. Gesichtern einen wilden, thierischen Ausdruck. Auf Befehl des Col. Fornei? ließ der gefangene Capitän Moreu :von dem Kreuzer Cristobal Colon" die Lute nach Schissscompagnien anKreter;, allein diese einfache Ordre war m'icht auszuführen, da die Aermsten, 'durch Krankheiten und Entbehrungen schöpft, zu Dutzenden kraftlos zu Boden Zanken. Die Marine - Aerzte ließen die schwer Kranken in das Lazareth und die anderen nach den Barnacken tragen, wohin auch die Gesun'den unter Bedeckung zu marschiren 'chatten. Allen wurde die beste Pflege zu Theil und nachdem sie von dem furchtbaren Schmutze gesäubert waren, hielten sie aus dem Marinedepot reine Wäsche und Kleider, solche, wie unsere Matrosen bekommen. Nach 24 Stunden war mit der Mehrzahl der ?efangenen. soweit sie eben nicht krank oder verwundet waren, eine wunderbare Veränderung vor sich gegangen. Line volle Tagesration von frischem Fleisch. Brot und Kaffee hatten die Ausgehungerten auf ein Mal verschlungen, worauf sie in 5ängematten und auf Matratzen sich einer mehrstünAuf Wache. Ziigen Ruh: hingeben durften. Nach derselben wurden ihnen abermalsNahxungsmitte! geliefert, auch erfolgte die Ausgabe weiterer Kleider. Decken u. s. w. Offenbar kam die überaus huinane Behandlung den Gefangenen unerwartet, denn sie wußten sich vor Staunen vor dem Ueberfluß kaum zu fassen. Ihre Dankbarkeit gaben viele Dadurch Ausdruck, daß si: sich freiwillig zum Arbeiten erboten. Außer den schwer Kranken befinden slch Zur Zeit drei verwundete Spanier im Hospital. Zwei von den letzteren sind von kubanischen Insurgenten mit Machetehieben furchtbar zugerichtet kvorden, als sie sich nach dem Untergang ihrer Schiffe an's Land retteten. Mit einer ansteckenden Krankheit ist Zein einziger der Gefangenen behaftet, tcohl aber leiden die meisten am Accliinatisationsfieber und dasselbe wird jeder, der nicht acclimatisirt istbekomrotti. Dasselbe tritt unter heftigen Frost- sowie Krampferscheinungen auf, verursacht bedeutende Schmerzen, geht .aber gewöhnlich in fünf Tagen vorüber. Die Reconvalescenten werden
ifer i- WU wmk x WWU. M
-Ä r0
nach dem Barrackenlager gebracht, wo ein großes Gebäude für sie eingerichtet ist. Außer dem Capt. Moreu befinden sich unter den Gefangenen 5 Lieutenants. 2 Capläne. 2 Aerzte und ein Apothikergehilfe, welche ebenfalls in einer eigenen Barracks untergebracht sind. Selbstverständlich wird das Barrackenlager militärisch bewacht und die Wache ist sogar mit einer Gatling-Ka-none ausgerüstet. Aber diese Bewachung geschieht wohl nur, um den militärischen Instruktionen zu genügen. Warum sollte wohl ein gefangener Spanier das Lager, in dem er gut genährt und gekleidet wird, verlassen, um in einem fremden Lande elend zu verkommen? Damit die Gefangenen nicht von Leuten belästigt werden, die ihre krankhafte Neugier durch deren Anblick befriedigen wollen, hat Admiral Carpenter, unter dessen Befehl die Marineftaiion zur Zeit steht, Seavey Island für alle Besucher gesperrt; die Wache dient also mehr zum Fernhalten des souveränen Publikums, als zum Behüten der gefangenen Seeleute. Proucte des Südens. Von den erfreulichen Fortschritten, welche unsere Slldstaaten nach dem Bruderkriege auf allen Gebieten des Erwerbslebens gemacht haben, legen die überaus reichhaltigen Collectionen südlicher Producte auf der Ausstellung
'WW
Gebäude des Staates G e o r g i a. in Omaha beredtes Zeugniß ab. Wer das vom Staate Georgia dortselbst errichtete schmucke Gebäude besucht, kann sich durch eigenen Augenschein davon Ueberzeugung verschaffen. Herzlicher Empfang. Juchhe, die Tante ist da!" Individuelle Anschauung. .0 0 0 Fremder: Verzeihung, können Sie mir wohl sagen, wo hier das Rathhaus ist?" Studiosus: Das Rathhaus? Ja, das wird sich sehr wahrscheinlich über'm Rathskeller befinden!" Sonderbare Anschauung. Bäuerin: Geh', Michel, frag' unser'n Stadtherrn amal. ob ihm der Aufenthalt bei uns gut bekommt!" Bauer (zum. Sommerfrischler): Sagen S', gnä' Herr, san Jhna d' Nerven jetzt' bald verganga?" . Kritik. Hat's gut geschmeckt?" Ich danke meinem Schöpfer, daß er uns Menschen nicht als Wiederkäuer geschasfen hat." Ein fleißiger Dichter. A.: Ihr Herr Gemahl dichtet wohl sehr viel?" Frau des Dichters: O ja! Einen Bleistift verdichtet er durch schnittlich jeden Tag!" Gemüthlich. Münchner (sich von seinem, an einer Nordpol - Expedition theiln hmenden Sohn v a bsch'.edend): Und balst moanst.es geht mm mer weiter aufi, nacha trinkst D' einfach Dein Bier aus und fahrst wieder heim!"
, , Mn,,, i " I
t; . y II' Wi SäSp'
Kaussegen-Zttdujlrie.
Die gestickten SegenZsprllche auf Canevas, Haussegen, werden in Deutschland in allen Sprachen angkfertigt und nach Oesterreich, England, Italien, Amerika und vielen anderen Ländern exportirt. Nach Rußland dürfen nur Bilder ohne Spruch eingeführt werden. Am größten ist der Bedarf an Haussegen in Deutschland selbst. Die Frau des armen Berg manns in den Grubendistricten maa nicht die Zeit, noch weniger wohl auch das Geschick haben, einen so schönen Bergmannssegen" anzufertigen, wie sie ihn für wenige Groschen jetzt beim Händler erhält. Da lesen wir - in schwarzem Rahmen, umgeben vonFar renkraut und Edelweiß, den schönen Spruch: Glück auf, so tönt des Bergmanns Ruf, Fährt er zum tiefen, dunklen Schacht, Er weiß. Gott, der die Berge fchuf. Hoch über ihm im Himmel wacht." Der Händler in dem kleinen Bergstädtchen erhält jetzt zumeist Haussegen, welche in einem Berliner Vorort fabrikgemäß angefertigt werden. In dem Vororte Niederschönhausen ist eine Hausindustrie entstanden, in der sowohl Bibelsprüche auf Canevas gestickt werden, als auch eingerahmte Sprüche für jeden Beruf, für die verschiedensten Entwerfen. religiösen Bedürfnisse, von den ein fachsten Sorten bis zu den 16 bis 24 Zoll hohen Neuheiten und den künstlerisch ausgeführten, mit Malereien und Photographien oft politischen Charakters, vollständig fabrikmäßig hergestellt und durch Agenten aui dem Weltmarkt vertrieben werden. Die Kunst anstalt des Herrn Vram6, dessen Vater diese Hausindustrie in's Leben gerufen hat, liegt einige Hundert Schritte von dem herrlichen Schönhausener Schloßpark. Da die Ablieferung der fertigen Haussegen zu jeder Tageszeit erfolg!, geht es in dem vorderen Theile der Fabrik von früh Morgens bis zum Abend wie in einem Taubenschlage zu. Mehrere Damen mit braunen Mappen Andere benutzen ihre Musikmappe zur Umhüllung packen die mitgebrachten fertigen' Stickereien aus. Drei Frauen sind hinter einer Barre mit der strengen kritischen Musterung der eingelieferten Arbeiten beschäftig:. Wir begeben uns zuerst in einen besonderen Raum am unteren Ende des Saales. Hier entwirft ein Maler mit Bleistift die Skizzen der Entwürfe, wo bei namentlich auf die Ausführung der Initialen der Schrift, auf die etwaigen Bilder, auf die spätere Garnirüng sowie die künstlerische Gruppirung und den Stil des Ganzen Rücksicht genommen wird. Ist der Entwurf endgiltig gemigt, o wiro er aus den Stem G a r n i r e n. übertragen und dann findet der Druck auf Canevas statt. Es sind hier bereits etwa 500 Muster hergestellt, über die ein Katalog Auskunft gibt, von einzelnen Mustern sind bis 10.000 Stück angefertigt worden. - Der Geschmack der Abnehmer ist naturgemäß sehr verschieden, der Städter liebt ein fache schwarze Schrift, den Spruch mit oder ohne Bild, für katholische Ge genden sind Carlo Dolci und Correggio, sowie die Siztinische Madonna bevorzugt, jedoch ohne bunte Blu men, nur mit Pampas, Farrenkrau! oder Edelweiß garnirt. Auf dem Lande bevorzua! man grelle Farben im Text, die Buchstaben der Schrift in verschiedenem Colorit mit bunter Seidenchenille, von beiden Seiten mit Metallfäden umgeben. Für die Bramö'sche Kunstanstalt arbeiten etwa 400 Personen und zwar zu Hause; ihre Aufgabe ist es, die auf dem Canevas vorgedruckie Schrift möglichst gleichmäßig mit Patentgarn, einem seidenähnlichen, von der Fabrik aus englischen Spinnereien bezogenen Zwirn, auszufüllen und dann mit allerhand Metallgespinnst, Cantille, die Buchstaben zu besetzen. Aus Nürnberg werden hierzu jährlich etwa 2000 Pfd. Cantille geliefert, eine gleiche Meng Goldgespinnst und eine Berliner Fabrik stellt die Seidenchenille her. Mit der Anfertigung von Haussegen beschäftigen sich in der Umgebung Ber lins im Winter ganze Familien, denn auch Männer erlernen leicht die bei einfacheren Haussegen nur im Durchziehen von Fäden oder im Umnähen der Buchstaben mit Metallfäden beste hende Technik. Die Arbeitslöhne sind infolge steigertet Concurrenz. da tue Preise der Haussegen gefallen sind, ge ring, der durchschnittliche Wochenver-
K,
dienst beläuft sich auf 810 M., Garnirerinnen verdienen bis 20 M. die Woche. Das Trocknen, Einlegen und Pres sen des zum Garniren verwandten Farrenkrauts wird in der Fabrik selbst von zwei Arbeitern ständig besorgt. Diese Farrenkräuter werden in der Umgebung Berlins von Mai bis Mitte December gesammelt. Neben Pampas, Gräsern und Sammetblumen, sowie Celluloid und Filigranarbeiten aller Art dient zum Garniren auch das Edelweiß. Letzteres kommt aus Breth in Dalmatien, welcher Ort jährlich bis drei Millionen Edelweiß - Blumen liefert. 800 bis 1000 Blüthen für etwa 60 bis 80 Kreuzer. ' Das Garniren erfordert großes Geschick und künstlerischen Geschmack, auch der Inhalt der Sprüche, der Zweck der einzelnen Haussegenmuster zu Jubiläen, silbernen Hochzeiten etc. muß berücksichtigt werden. Anläßlich der Ausstellung des heiligen Rockes in Trier wurden von dort besondere Haussegen mit dem heiligen Rock verlangt und hergestellt. Bei seinem 50''kisL 0 Ablieferung. jährigen Priesterjubiläum hat der jetzige Papst ein Bild der heiligen Fomilie besonders geweiht. Der hierfür gefertigte Haussegen, welcher nach katholischen Gegenden viel verlangt wird, zeigt die Unterschrift: Jesus, Maria. Joseph. Euch schenke ich mein Herz un) meine Seele. 300 Tage Ablaß jedesmal." Besonders zur Zeit der Wahlen werden von socialistischen Comites eigenartige Haussegen bestellt mit den Bildern von Lassalle. Marx. Bebel. Liebknecht, und darunter befinden sich Sprüche wie: Wissen ist Macht. Macht ist Wissen." Ein Haussegen" mit dem Bilde Bebel's ist mit rotben Blumen und einem Paar rothen Fahnen garnirt und enthält den Spruch: Nicht betteln nicht bitten. Nur muthig gestritten. Nie kämpft es sich schlecht Für Freiheit und Recht!" Für alle Berufe und Stände führt die Fabrik Muster aus, die Anregungen gehen oft von Vereinen und Jnteressenten selbst aus. m m m Der Geldmensch. Herr Commissionsrath sollen ja Ihrer Frau Gemahlin wieder Prachtvolle Schmucksachen geschenkt haben!" Ich sag' Jhne', schon allein das Preisverzeichniß davon is e' SehensWürdigkeit!" Naturwissenschaftlich gebildet. "irii: -v ,s:i Höhere Tochter (welche sieht, wie die Köchin Kotelettes klopft): Nicht wahr, Mama, da werden erst die Ba cillen getödtet?!" Kurze Erklärung. Warum kommst Du nicht mehr in die Kneipe?" Bemoostes Haupt: Befinde mich in Bank Nöten!" ' Verkannt. A.: Was haben Sie denn nur gegen den Herrn Müller: B.: Ein fader Kerl! Jedesmal, wenn ich ihn um etwas anspreche, hat er sein Portemonnaie vergessen!" Selbstbeherrschung. Richter: Der Zeuge gab Ihnen also eine schallende Ohrfeige daraufhin schlugen Sie ihn nieder?!" Angeklagter (Gebirgsführer): Nicht gleich; erst wie ich zum dritten Mal daö Echo aehört hab'!"
Sticken.
' z ! V i 'r-
I
Aus Hrotz in Sast. Unter de? großen Armee der Schelme, welche, der Noth gehorchend nicht dem eigenen Trieb, in vieses irdische Jammerthal nur durch ein Gefängnißgitter blicken dürfen, ' gibt es wohl manchen hirnverbrannten Gesellen, allein sicherlich keinen größeren Querköpf als den Millionär Josiah I. White in Brovklyn. In feinem Palast auf den Vrooklyn Heights könnte dieser Mann sich alle nur denkbaren GeNüsse verschaffen, statt dessen aber ist er ein Bewohner des Gefängnisses in der Raymond Sraße zu Brooklyn, weil er sich beharrlich weigert, einem Gerichtsbeschluß gemäß über das Vermögen seines eigenenSohnes Rechnung abzulegen. White hat sich in den Kops gesetzt, daß das Gericht sich ihm gegenüber im Unrecht befinde, und deshalb glaubt er als ein Opfer der Justiz alle nur erdenklichen Mittel in Anwendung bringen zu dürfen, um seine Hüter zur Verzweiflung zu treiben. Die Borgeschichte dieses merkwürdigen Falles ist überaus einfach, was sein Ende sein wird, mag der Himmel wissen. Ein Jankee aus Connecticut von Geburt, verheirathete White sich vor einer Reihe von Jahren in seinem Heimathsstaate mit einem reichen Fräulein Trowbridge. Da vor der Hochzeit böse Zungen der jungen Dame zugeflüstert hatten, daß ihr Bewerber es nur auf ihr Vermögen abgesehen hätte, entsagte White für immer allen Ansprüchen an dasselbe. Die jungen Eheleute verließen bald ihre Heimath und richteten sich in No. 136 Columbia Heights. Brooklyn, ein überaus kosiges Nest ein. White verdiente als Makler viel Geld und' die Familie führte ein Leben, herrlich und in Freuden, bis Frau White sich eines schönen Tages hinlegte und starb. Aus der White's Palast. Ehe waren drei Kinder hervorgegangen, von denen nur ein 14 Jahre alter Knabe Namens Frederick am Leben ist. Dieser war in Folge seines Vaters Verzichtleistung der Universalerbe seiner Mutter, doch führte sein Vater die Vormundschaft und Vermögensvetwaltung. Nun gab White vr Gericht an, daß Frederick von seiner Mutter nur 30.000 geerbt hätte, allein es wurde durch eine amtlicheUntersuchunz festgestellt, daß die Hinterlassenschaft sich mindestens auf Z150.000 belief. Daraufhin wurde der Vater als Vor mund abgesetzt und die Vormundschaft der Long Island Loan & Trust Co. übertragen, die sofort gegen White ein gerichtliches Verfahren behufs Erlangung einer Rechenschaftsablage anstrengte. White wollte sich dazu nicht verstehen und nach schier endlosen VerHandlungen erfolgte auch seine Absetzung als Vermögens - Verwalter; fein Nachfolger wurde der öffentliche Administrator W. V. Davcnport. Auch, diesem weigerte sich White die Werthpapiere u. s. w. auszufolgen und deshalb ließ ihn das Gericht in's Gefängniß stecken. Dort sitzt und sinnt nun der Millionen reiche Jankee darauf, wie er seinen Hütern durch allerlei Hinter dm Gitter. Teufeleien das Leben zur Last machen kann. Zur Nachtzeit pflegt er plötzlich wie ein Tobsüchtiger zu schreien und zu rasen, so daß man ihn in der ganzen Nachbarschaft hört und Niemand ein Au?e schließen kann. Silfe! Mörder!" schallt es in seiner-Zelle und dann bricht der Teufel los. Eines schönen Tages ließ er sich an einem Strick von dem 60 Fuß hohen Dach des Gefängnisses auf die Straße nieder und entfloh nach. Connecticut, allein der Sheriff setzte ihm nach und transportirte ihn gefesselt nach Brooklyn zurück. In seinen Wuthparorismen attackirt White auch andere Gefangene und dafür ist ihm von diesen schon wiederholt sehr übel mitgespielt worden. Die besten Advokaten läßt er vor sich citiren, um seine Freiheit zu erlangen; wenn diese ihm aber den Rath ertheilen, den Gerichtsbeschluß zu befolgen und unter Ausfolgung der Werthpapiere Rechnung . über seines Sohnes Vermögen abzulegen, dann geräth White in furchtbare Wuth und überhäuft sie mit Fluthen von Schmä-' hungert. GeeigneterBeruf. Was willst Du denn Deinen Sohn werden lassen?" Polizist." Ah! Hat er denn spezielle Anlagen für diesen Beruf?" Das glaub' ich. Man weiß nke, wo er zu treffen' ist, wenn man ihn braucht."
Manmußsichzuhelfenwks-sen.
Der regierende Fürst eines kleinen Staates wohnt & der Universitätsstadt der feierlichen Einweihung eines ihm zu seinem Regierungs - Jubiläum von den städtischen Behörden gestifteten Monumental - Brunnens bei. Nach der Weiherede des Bürgermeisters fällt die Hülle aber, zum Entsetzen des Fest - Comites, kommt kein Tropfen Wasser. Wie-geht das zu?" frägt staunend Serenissimus, bleibt aber einige bange Minuten ohne Bescheid, bis ein dem Comite ungehöriger biederer Brauereibesitzer vortritt und. auf die fpalierbildenden akademischen Corporationen deutend, die Entschuldigung stammelt: Durchlaucht entschuldigen, er genirt sich vor den Studenten!" Praktisch. Wie es der Oekonom Wamverl anstellt, seine Mittagsruhe zu halten und doch dabei die Arbeit am Maierhofe rechts und links beobachten zu können. Bitter. ' . ' .Donnerwetter, reizende Oelcousine da in Ihrer Nähe was?" Da muß ich bitten! Schon mehr Terpentintante!" Schlau. Frau (vor einem Juwelierladen): Nicht wahr, den Ring kaufst Du mir, Männchen? . . . Ich verzichte dann auf den schönen Hut, den ich Dir glcich zeigen werde!" Fatale Ähnlichkeit. k-ft-iH"? ,Tnn Papa, schau' nur, der Elephant macht Dich nach!" Abgewinkt. Aelterer Herr (Glatzkopf, der eim junge Schone mit seinen Liebesanträgen belästigt): Empfinden Sie wenigstens, wenn ich fern bin. eine gewisse Sehnsucht nach mir?" Fräulein: Wo denken Sie hin. ich bin nicht mondsüchtig!"
r!Ve A
?wtge Iugcno. . Als eine der schönsten Frauen aller Zeiten gilt Diane von Poitiers, die von ihrem Herzensfreunde, König Heinrich 2. von Frankreich, vor 350 Jahren zur Herzogin von Valentinois erhobene Schönheit. Noch ' in ihrem
bd. Jahre soll sie etwas Mädchenhaftes an si gehabt und herrlich zu Pferde gesessen haben. Vor Allem bewunderte man an ihr noch ihm hohen Alter die Glätte der Haut. Die Zeitgenossen sagten von ihr. sie besitze das Geheimniß complizirter SchönheitsMittel. Abergläubige oder Neiderinnen beschuldigten sie sogar eines Bündnisses mit dem Teufel, der für die wundergleiche Bewahrung ihrerSchönheit einst ihre Seele in Empfang nehmen werde. Welches war nun ihr Ge-' heimniß? Niemand erfuhr es aus ihrem Munde. Ihr Parfümeur. der Apotheker Quadrad. wußte es. aber bei ihren Lebzeiten hielt er reinen Mund. Erst nach ihrem Tode gäbe Quadard folgende Erklärung: Ich. Quadard. Apotheker. Mundarzt und Parfümeur, erkläre hiermit auf Ehre und Gewissen und in treuer Erinnerung an meine ge- ' n.tl. TJ rrn v. , uzok eoicieiln, Maoame lane von Poitiers, Herzogin von Valentinois. daß das einzige Geheimmittel, welches sie anwendete, um sich vollkommeneGesundheit, Jugend und Schönheit bis in ihr zweiundsiebenzigstes Jahr zu erhalten. Regenwasser war. In Wahrheit versicherte sie. daß es in der ganzen Welt kein Mittel gibt, dessen fortwährender Gebrauch zumWaschen und Baden die Haut weicher und geschmeidiger und die Farbe frischer, die Poren reiner und die Schönheit vollkommener zu erhalten geeignet wäre, als Regenwasser." Darin liegt ein Wink für unsere Damen, denen an Bewahrung ihrer Schönheit gelegen ist. Complizirter freilich, aber, wie alle Damen versichern, die es gebraucht, überraschend wirksam ist das Hautglätte- und Run-zelbeseitigungs-Mittel der Katharina von Medici, dessen Verbesserung man dem bekannten Schriftsteller O. v. Corvin verdankt. Corvin, der bis in sein hohes Alter sich durch einen wunderbar schönen Teint auszeichnete, berichtet über dieses Mittel folgendermaßen: Man thue in eine Porzellanschale das Weiße von mehreren Eiern. Dazu schütte man ganz fein gepulverten Alaun, für jedes Ei etwa einen nicht zu großen Theelöffel voll, glatt gestrichen. Nachdem man dieZ wohl g:mischt hat mit einem Hölzchen oder Hölzernen Löffel setze man die Schale auf eine mäßige Spiritüsflamme oder auf Kohlenfcucr. Man rühre fortwährend, bis das Eiweiß zusammenläuft, während wässerige Theile . verdampfen. Man lasse es indessen nicht zu hart werden. Erfahrung wird bald lehren, wenn man aufhören muß. Die Masse thue man in einen porzellanenen Apo-theker-Mörser und reibe sie mit dem Stößel so lange, bis ein feiner Brei entsteht, der sich zwischen den Fingern ganz sanft anfühlt. Während des Rei i bens thue man dazu eine Kleinigkeit von Benzoe-Tinktur, ferner etwas von allerbestem Olivenöl. Schließlich kann man noch einige Tropfen Rosenöl oder lZittermandelöl oder von irgend einem beliebigen Parfümerie hinzufügen. Diese Salbe sieht außerordentlich appetitlich aus und muß sich sehr sanft anfühlen. Man bewahre sie in einem verschlossenen Töpfchen auf, da sie sich an derLuft leicht verhärtet. Diese Salbe reibe oder streiche man auf Gesicht oder Hände ziemlich dick und lasse sie einigermaßen trocken werden. Dann reibe man die Salbe mit den Fingerspitzen von der Haut ab, die dadurch außerordentlich rein, angenehm weig und zart wie Sammet erscheint. Man kann sich die Salbe auch Abends einreiben, wenn man die durch das Trocknen entstehende Spannung nicht lästig findet. Am Morgen wäscht sich die trockene Salbe leicht mit Wasser ab. Will eine Dame dieses Mittel gegen Runzeln zum Beispiel auf der Stirn gebrauchen, fo muß man die Salbe ohne viel Oel bereiten, sie am Abend ziemlich dick auftragen und sich duich die dadurch erzeugte Spannung nicht beirren lassen, denn diese ist eben zur Glättung der Runzeln nöthig. Aber Mündlicher Mißbrauch" das heißt fortwährender, zu häufiger Gebrauch hat zur Folge, daß er die Haut zu sehr austrocknet." Malgun. Uei den australischen' Eingeborenen der Gesellschaftinseln weisen . fast sämmtliche Frauen eine höchst eigenthümliche ' Verstümmelung auf. Es fehlen ihnen nämlich am kleinen Finger der linken Hand die beiden Gelenke. Die Bevölkerung glaubt allgemein, daß das Vorhandensein dieser beiden Gelenke die Frauen am Halten der Angelruthe hindern würde; deshalb unterbindet man das. obere Gelenk des kleinen Fingers bei den kleinen Kindern weiblichen Geschlechts mit einem starken Haar, hemmt dadurch den Blutumlauf gänzlich und läßt so die beiden vorderen Gelenke abfaulen. .Malgun" heißt diese Verrichtung. Dieser Verstümmelung entgehen nur sehr wenige Mädchen, und die, welche ihr auszuweichen verstanden haben, werden später mit Verachtung behandelt. Käseladengalanterie. Käufer: Fräulein Lina, sind Sie heut wieder furchtbar nett, und der Prachtvolle Schweizerkäse da weiß man wirklich nicht, soll mar Ihnen oder dem Schweizerkäse lieber in die Augen sehen! Mahnung. Frau Commercienrath Blüteles (zu einem berühmten Schriftsteller) : Freut mich, daß Se gefolgt sind unserer Einladung nu sind Se aber auch recht. geZgreich! -
c v
9
