Indiana Tribüne, Volume 21, Number 319, Indianapolis, Marion County, 7 August 1898 — Page 3

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Der Uoöts von Korror-Island.

Roman von Harry heg. (16. Fortsetzung.) Mit es sein soll, so wird tl sein. Wenn der da droben einmal das Signallicht für mich aufzieht und meinZug yerangerollt kommt, um mich mit fortzunehmen, dann ziehe ich auch mein Signal auf, das grüne, welches heißt: Alles in Ordnung Strecke frei!" und dann, na, dann kann's in Gottes Namen losgehen. Entschuldigen Sie. der Neun - Uhr - Zug kommt, ich muß auf den Posten." Der Greis nahm die zusammengerollte Fahne und ging hinaus. Das Essen verlief in heitersterStimmung. Susanne und Rheden hatten die Ehrenplätze auf dem altmodischen Sofa inne, Oberländer präsidirte an der einen Schmalseite des Tisches, an der anderen saß Ambrosius, der freilich zu roiedciholtenmalen nach seinem Dienst sehen mußte, und seine kleine, flinke Frau lief hin und her und sorgte dafür. daß es ihren Gästen an nichts fehlte. Auch an einem hübschen Trinkspruch mangelte es nicht. Oberländer ließ cs sich nehmen, ihn ausbringen, und zwar galt er allen Menschen, die sich in treuer Liebe zugethan sind". Das war ein Wort zu rechter Zeit, alle Theilnehmer des Mahles fühlten dabei ihre Herzen wärmer werden. Rheden blickte Susanne innig an, und seine Blicke fanden die zärtlichste Erwiderung. Oberländer schaute bewegt und Väterlich liebevoll auf beide, und der alte Bahnwärtr stieß kräftig mit seiner Frau an. Ohne eine feierliche Ueberleitung zu seinem Entschluß, nur einem Impuls, einer Wallung folgend, . zog plötzlich Rheden einen mit funkelnden Brillanten geschmückten goldenen Reif vom Finger und steckte ihn .Susanne, trotz ihres Sträubens an. Meine Weihnachtsgabe", flüsterte er ihr zu; es ist der Ring, den meine selige Mutter trug; ich weiß, daß ich ihn nur einer Würdigen geben darf, und darum gebe ich ihn Dir." Dann küßte er die feine, ringgeschmückte Hand. Und ich bin so arm!" sagte Susänne tief bewegt; ich kann Dir nichts geben als das Versprechen, dieses theuren Kleinods mich stets würdig zu zeigen." Da wir gerade 'mal beim Schenken sind," ließ sich Oberländer vernehmen, so will ich Euch auch etwas bescheren. Es ist zwar nicht von Gold, aber goldeswerth. Rheden. mein Junge was wir so lange angestrebt haben wir werden es erreichen!" Der Baron sprang auf. EinScherz kann das nicht sein," stieß er hastig hervor. Sehr richtig, mein Sohn; ich habe Mittheilungen erhalten oder, richtiger, ich werde sie in einigen Tagen gegen Bezahlung kaufen gehen Sie wieder hinaus, Ambrosius?" Der Alte nickte. Der Schnellzug Berlin Köln muß gleich kommen," sagte er, da heißt's aufpassen." Er nahm Laterne und Fahne und derschwand. Wer will diese Mittheilungen derkaufen?" Den Namen nenne ich nicht, weil ich mir alles damit verderben könnte." Und was sollen wir erfahren?" Wo die Frau des Todten von jener Insel des Schreckens zu finden ist." So lebt sie allmächtiger Gott, so lebt sie?" . Lebt so wahr Gott über uns ist!" Ein langgezogener, gellender Schrei durchbrach in diesem Augenblick die Stille der Nacht, ein Schrei, so erfüllt von wahnsinniger Angst, von Verzweiflung und Entsetzen, daß den drei Menschen an dem Tisch die Worte auf den Lippen ersiarben und sie dann aufsprangen und wie auf Verabredung zur Thür hinausstürzten. Ein zweiter Schrei folgte dem ersten, nicht minder schreckensvoll, und dann hörte man die Stimme des Bahnwärters in dem Ruf: Ein Weib auf den Schienen zu Hilfe! der Schnellzug ist da!" Susanna flog ihren männlichen Begleitern voraus eine unerklärliche Angst, ein. unbeschreibliches Gefühl trieb sie vorwärts und beflügelte ihre Schritte. Laufen Sie dem Zug entgegen!" schrie sie dem Alten zu. Dieser entfaltete die Fahne, und die Laterne schwenkend, stürmte er den großen glotzenden Augen, den Lichtern der Locomotive entgegen. Sie war nur noch eine kurze Strecke von dem Wärterhaufe entfernt und nicht viel weiter von einem dunklen Körper, der quer über dem Bahngeleis lag. Susanne sprang auf ihn zu und riß ihn mit empor. Laßt mich ich muß sterben!" stöhnte ein blaffzZ Weib und kämpfe wild gegen ihre Rettung an. Nein , nein!" gellte es von Susannes Lippen, und die Unglückliche fest umklammernd, warf sie sich mit ihr zurück. Rheden und Oberländer fingen die beiden Frauen in ihren Armen auf. Der Schnellzug brauste in diesem Augenblick über die Stelle, auf welcher einige Sekunden zuvor Susanne mit der Fremden gerungen hatte. 19. Capitel. Ein fast undurchdringlicher Nebel lagerte über der Themsestadt. Wie gewöhnlich hatte er die Bewohner Londons ganz unangemeldet und unverrnuthet überfallen, denn bis zum Spätnachmittag war das Wetter bei weichender Kälte heiter und schön gewesen. Denn aber war die Sonne mit

fahlgelbem Schein hinter grauen Wolkengebildcn verschwunden, und nach Verlauf einer Viertelstunde tasteten die durch die Straßen eilenden Menschen, vonNebelschleiern eingehüllt, mit größter Vorsicht vorwärts und mußten ihre ganze, dem Londoner Straßengänger freilich gewohnte Kunst aufbieten, nicht in das Gewirr desWagenverkehrs hineingerathen. Auf der London Bridge", dem stolzen. gewaltigen Brückenbau, welcher die Themseufer verbindet und den Verkehr ins Herz der City" hinein erschließt, war das Getümmel, das Schieben, Drängen und Tasten bei weitem am siärksten.Das fortwährende Herüber- und Hinüberfluthen ungeheurer Menschenmengen und einer ununterbrochenen vierfachen Wagenlinie wuchs hier zu einer thatsächlichen Gefahr an. Daß sie nicht mehr Opfer an Menschenleben und rollendem Eigenthum zu fordern Pflegt, ist zwei Umständen zu danken: erstens der bewunderungswürdiaen Geschicklichkeit der Londoner Rosselenker, welche, gleichviel, ob sie auf dem Bock eines riesigen, hausähnlichen Ozibus oder auf dem Rücksitz eines zweiräderigen Cabs thronen, ob sie einen mit Hunderten von Zentnern belasteten Frachtwagen oder eine leichte, elegante Equipage lenken, immer die gleiche Tüchtigkeit in ihrem Fach an den Tag legen, und zweitens der Umsicht und Wachsamkeit der englischen Straßenpolizei, die den riesigen Verkehr mit staunenswerther Gewandtheit und Ausdauer überwacht. Auch heute hatten die Polizisten alle Hände voll zu thun, besonders an dem Ausläufer der Brücke, der in die City hineinführt; hier lösten sich die geordneten Wagenreihen in ein gefährliches Gewimmel von Fuhrwerken auf. und der Fußgänger mußte die Augen aufhalten, um glücklich an dem gegenüberliegenden Straßenbord zu landen. Da schwebte denn oft genug der Polizeischutzgeist heran, ergriff einen Gefährdeten am Arm und brachte ihn glücklich ans rettende Ufer. Diesen Liebesdienst erwies am 24. December ein riesiger schottischer Policeman einem gutgekleideten alten Herrn, der nicht recht vorwärtskommen konnte. Besten Dank. Mr. Policeman!" sagte er. als er sich dank der Fürsorge des Beamten in Sicherheit befand. Schauderhafter Nebel das kann jenseits der großen Heringspfütze gar nicht vorkommen." Sie sind Amerikaner. Sir?" antwartete der Diener des Gesetzes dem weißhaarigen Alten. Wünschen Sie irgend einen Weg zu erfahren, oder finden Sie sich zurecht?Danke, mein Weg ist dort drüben schon beendet da, wo das Restaurant sich befinden muß, denn zu sehen ist ja nicht die Hand vor den Augen." Damit nickte der Greis dem Polizisten freundlich zu und humpelte weiter. Vor dem Schaufenster eines hell erleuchteten Speisehauses blieb er stehen und betrachtete die hinter den blanken Scheiben ausgestellten Speisen; die Steaks und Lammcoteletten, die sich bräunenden Kartoffeln, die in zerlassener Butter schwitzenden Zwiebeln, das frische Gebäck alles wurde vor den Augen des Publikums in zierlichen vernickelten Gefäßen über Gasfeuer zubereitet und gewährte einen appetitlichen Anblick. ' Auch der weißhaarige Herr schmunzelte und schien so ganz in die Musterung der lukullischen Genüsse vertieft, daß er gar nicht bemerkte, wie ein noch junger Mann in einem langen Mantel und mit braunem Filzhut dicht neben ihn trat. Mr. Thornton," flüsterte der junge Mann, ich bin es Bob Jnoersoll." Habe Dich längst bemerkt, Bob." ab der Alte mit einer Stimme zurück.

'deren Frische mit seinem weißen Haar sonderbar contrastirte. Bist Du sicher, daß man Dich nicht beobachtet, daß man Dir nicht nachgegangen ist?" Ich hab: einen tüchtigen Umweg gemacht und meine Verfolger, falls ich wirklich welche hatte, irregeführt. Aber ich bin sicher, daß Newport noch keinen Argwohn gegen mich hegt." Um so besser. Ist unser Mann drinnen im Restaurant?" Kein Zweifel! Da er weiß, daß es zu essen giebt, ohne daß er zu bezahlen braucht, so hat sich Mr. Bonetti so sicher eingefunden, wie dieser abscheuliche Nebel mich noch unter die Erde bringen wird, wenn Sie mir nicht bald die Erlaubniß geben, nach unserem geliebten New York zurückzukehren. Ich habe schweren Dienst geleistet seit fast zwei Jahren. Mr. Davis." Bist auch schon ein passabler Detective, Bob", flüstert: ihm der Amerikaner zu. Daß Du das Telegramm aus Berlin abgefangen und mir gebracht hast, die Abschrift wenigstens, das war ein Meisterstreich. Freilich noch smarter" hättest Du gehandelt, wenn Du das Original erwischt hättest. So wissen die Burschen jetzt, mit wem sie es zu thun haben, wo ihr Feind ist. und sind auch schon davon unterrichtet, daß dieser deutsche Advokat, auf dessen Mittheilungen ich so große Hoffnungen setze, heute um neun auf dem Victoriabahnhof eintrifft Das Telegramm ganz zu unterschlagen, wagte ich nicht," entgegnete Bob Jngersoll; wußte ich denn, ob Newport es erwartete oder nicht? Ich darf nicht zu kühn werden, Mr. Davis, sonst würde der grauhaarige Halunke am Ende merken, wen er seit zwei Jahren als Schreiber beschäftigt. Daß Sie mich bei ihm eingeschmuggelt haben, Mr. Davis das war die größte Leistung, die jemals ein Detective fertigbekommen hat, und bricht sogar Jhren eigenen Record!" War auch ein schweres Stück ArUM," brummte Davis, aber keine viel leichtere Aufgabe war mir heute zugelallen. Die Schufte, die Helfershelfer dieses würdigen Herrn Newport, bela-

gerten förmlich mein Haus und wollten beobachten, wer zu mir hineingehe, und wohin ich im Laufe desTages mich begeben würde. Aier ich habe sie gefizt", Bob. Von meinem Fenster aus beobachtete ich die Burschen und freute mich, wie sie da unten harren. Gegen elf Uhr Mittags kam der alte Mr. Cooper zu mir, ein Veteran aus den Bürgerkriegen, der seine Pension hier in London verzehrt und mich ab und zu besucht, um Neuigkeiten aus Am:rika zu hören und auf billige Art eine New Aorker Zeitung zu lesen. So willkommen war mir Cooper noch niemals gewesen wie heute. Ich bat den alten Herrn, der ja alle Tage Feiertag hat, sich bis auf weiteres bei mir häuslich niederzulassen. Kalte Speisen, Wein und Cigarren sowie einen ganzen Stoß neu angekommener Zeitungen setzte ich ihm vor und erbat mir dagegen seine Kleider. Cooper kennt meinen Beruf und wußte sofort, worauf ich hinaus wollte. Er überließ mir seine Garderobe und hüllte sich dafür in die meinige. Dann wählte ich unter meinen Perücken die passendste aus. versah mich mit dem weißen Backenbart, der mich dem Veteranen ganz und gar ähnlich machte, und verließ, auf des Alten Stock gestützt, seinen Hut auf demKopf. gegen ein Uhr mein Haus, ohne daß einer von Newports Spionen mich erkannte. Sie sahen eben nur den alten Herrn aus dem Hause herausgehen, der zwei Stunden vorher hineingehumpelt war. Dem Alten habe ich natürlich eingeschärft, sich weder am Fenster zu zeigen noch die Hausthür zu öffnen, und wenn die Klingel abgerissen werden sollte." ..Meisterlich", rief Bob in aufrichtiger Bewunderung seines Chefs. Wenn ich nur wüßte." fuhr dieser fort, wer dem Berliner Agenten meine Mittheilungen an Justizrath 'Gallus verrathen hat. Diese: selbst ist mir als ein überaus tüchtiger, umsichtiger Mann geschildert worden da muß eine ganz sonderbare Teufelei vorgefallen sein. Doch gleichviel. Gallus wird in wenigen Stunden in London eintreffen, und Hand in Hand mit ihm soll.es mir nicht schwer werden, diese internationale Gaunergesellschaft dingfest zu machen. Die Hauptsache ist, daß ich zur rechten Zeit auf dem Viktoriabahnhof bin,, um den deutschen Herrn in Empfang zu nehmen, denn da die Halunken über sein Eintreffen unterrichtet sind, dürften auch sie erfcheinen, um ihn willkommen zu heißen und ihm eine Falle zu stellen. Hast du darüber nichts verlauten hören, Bob?" Nein, Sir, Dinge von Wichtigkeit verhandelt Newport mit seinen Vertrauten immer nur in seinem Cabinet be! verschlossenen Thüren. Das Telegramm fing ich zufällig auf. weil ich heute schon um sieben Uhr früh im Bureau war und mich ganz allein befand, als der Bote es brachte. Ich öffnete es über heißen Wasserdämpfen, fchrieb eS mir ab und schloß es wieder vorsichtig. Doch jetzt lassen Sie uns eintreten, Mr. Davis. Unser Mann, der Schauspieler, wird schon ungeduldig geworden sein, und überdies stehen wir schon so lange vor diesen Speisen, daß man glauben könnte, wir wollten uns am bloßen Anblick sättigen." Well, laß uns eintreten. Doch wohlgemerkt, für den da drin heiße ich Edgar Gilsey und bin Theateragent." Gut, also Edgar Gilsey. Aber wissen möcht' ich doch, Mr. Davis, der wievielte Name das ist, unter welchem Sie segeln." Ich feiere nächstens das Jubiläum des zweihundertsten." entgegnete der Detektive lachend und öffnete die Thür des Restaurants. Sie steuerten aus einen Tisch zu, der ziemlich isolirt in einer Ecke des überheizten, qualmersllllten Zimmers stand. Das Speisehaus war keines ersten und auch nicht zweiten Ranges. Kleine Leute, deren Einkommen ein geringes war, Arbeiter, ärmere Kaufleute besuchten es und nahmen für billiges Geld hier ihre Mahlzeiten ein. Da es bereits sieben Uhr war, so hatte sich der Hauptstrom der ihr Abendessen einnehmenden Gäste schon verlaufen, und nur eine geringere Anzahl labte sich noch an Speise und Trank. An dem Tisch in der Ecke saß nur ein Herr. Er trug einen verdächtig glänzenden Prince Albert.- Rock, eine große helle Kravatte und einen arg mitgenommenen Cylinderhut. Sein Gesicht war glatt rasirt, und. als er sich jetzt erhob, um Bob Jngersoll mit Handschlag zu begrüßen, zeigte es sich, daß er ine ungewöhnlich hohe, schlanke Gestalt befaß. Sie sehen, Mr. Bonetti." wandte sich Bob an denKünstler, daß ich mein Versprechen halte. Hier ist der Herr, von dem ich Ihnen erzählte, daß er ein vielvermögender Theateragent mein Freund Bonetti, em Stern der Varictätenbühne." Die Herren nahmen Platz, und der angebliche Theateragent bestellte Essen und Porter mit Ale. 'Das Gespräch wurde sehr bald lebhast; der Künstler, welcher übrigens seine Jugendblüthe längst hinter sich gelassen, wurde immer gesprächiger und gab sich Mühe, dem Theateragenten die beste Meinung über sich beizubringen. Dieser Herr." sagte er, auf Bob weisend, den ich gelegentlich einiger Geschäftsbesuche bei der Firma NewPort & Company kennen zu lernen das Vergnügen hatte, nannte mich vorhin in liebenswürdiger Weise einen Stern der Varietätenbühne. Nun, ich war es in der That, ich wäre es noch wenn doch das hat seine eigene Bewandtniß sprechen wir nicht davon. Es gibt Menschen, welche ein Uebermaß von Glück nicht vertragen können zu diesen gehöre ich!" Der Künstler steckte wie zur Bestattgung seiner Behauptung die Hälfte von einem saftigen Lammsteak in den Mund.. - . . Was arbeiten Sie denn auf der Bühne?- forschte Davis - Oilsey.

Ich bin Jnrpersonator. Als Fachmann wissen Sie, was das ist. Ich trete vor das Publikum, und nachdem ich eine kleine Ansprache gehalten, verwandle ich mich lediglich' durch Benu tzung von Perücken und Bärten ' in zwanzig andere Menschen, natürlich berühmte Zeitgenossen, welche Jedermann kennt. Jetzt bin ich noch Herr Bonetti, nicht wahr? Doch jetzt Sie müssen sich natürlich Perücke und Bart hinzudenken jetzt sehen Sie Gladstone vor sich." Ausgezeichnet," riefen die beiden Amerikaner, obwohl sie sich zusammennehmen mußten, um über die komischen Gesichtsverzerrungen des Jmpersonators" nicht zu lachen. Und jetzt Bismarck. He, was sagen Sie großartig?" Großartig!" bestätigte der Theateragent. Und Napoleon was sage ich Napoleon die beiden Napoleoniden, sehen Sie her: das ist der erste" er streckte das Kinn heraus und kniff die Augen zusammen und hier sehen Sie den dritten!" Diesmal zog er das Kinn ein und riß die Augen auf. Sehen Sie. das ist Kunst!" Das will ich meinen," bestätigte Davis. Wie ist es möglich, daß ein solcher Künstler ohne Engagement dasitzt und schon so lange?" Ja. schon viele Jahre." seufzte Bonetti, denn die elenden Spelunken, in denen ich jetzt ab und zu einmal auftrete, berücksichtige ich natürlich nicht. Wenn nicht Herr Newport wäre, der mich hm und wieder unterstützt bei Gott, ich könnte nicht mein Leben fristen, von den paar Schillingen, welche mir meine Kunst noch einträgt, gewiß nicht. Und doch, meine Herren, gab es eine Zeit, da Jacopo Bonetti an den besten Spezialitätenbühnen willkommen war, wo er bedeutende Gagen bezog, wo man sich um seine Gesellschaft riß vornehme Leute thaten es Leute, welche " Der Künstler zog ein fadenscheiniges Taschentuch hervor und wischte sich die Thränen von den Wangen, die heißen Thränen, welche er dem vergangenen Ruhm nachweinte. Die Flügel seiner leichtgerötheten Nase zitterten dabei, und auch die Adern des mageren Halses vibrirten. Der Arme konnte die thränenselige Weichheit, die ihn überkommen, gar nicht mehr los werden. Der Mann ist ein Trinker," sagte sich Davis. dessen vielseitige Menschenkenntniß ihn zu schnellen und gewöhnlich richtigen Urtheilen befähigte. Und nachdem der Detektive zu dieser Einsieht gelangt war, bestellte er noch mehr trinkbaren Stoff" und veranlaßte Bonetti, wacker zu zechen. Lieber Freund." sagte er theilnehmend, es wäre vielleicht nicht unmöglich, daß ich Ihnen einen großenDienst leisten könnte. Aber bitte, fassen Sie sich Ihr Schmerz erregt hier allgemeine Aufmerksamkeit." O, ich könnte wahnsinnig werden bei dem Gedanken, was aus mir geworden ist!" Und was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen ein gutes ehrenvolles Engagement verschaffte?" Ein Engagement ein gutes noch dazu? Ach. lieber Herr, ich bitte Sie, scherzen Sie nicht mit mir ich kann gar nicht mehr daran glauben, daß die schöne Zeit wiederkommen sollte." Ich bin dcrmit beauftragt, für einen amerikanischen Impresario eine Spezialitäten - Gesellschaft zusammenzustellen. Die Gagen sind gut und sicher. Ich denke, ich könnte Sie bei dieser Gesellschaft anbringen, wenn " Wenn?" wiederholte der Künstler wehmüthig. .Er kannte dieses Wenn" zur Genüge, dieses Wenn", welches in einem Augenblick alle Hoffnungen des Vordersatzes zu vernichten pflegte. Sagen Sie mir aufrichtig. lieberHerr, welche Hindernisse Sie befürchten." Nun. offen gestanden: ich weiß nicht, wie ich dem Impresario Ihre lange Engagementslosigkeit erklären soll. Sie selbst wollen nicht recht mit der Sprache heraus, und ich fürchte, daran scheitert mein Vorhaben." Mein Gott, ich möchte Ihnen ja gern' alles sagen, aber ich kann nicht ich kann nicht, mein Wort bindet mich, und dann, wenn Mr. Newport es erfübre ich wäre verloren, denn er würde mir nicht mehr einen einzig: Schilling zahlen." Davis und Jngersoll wechselt? einen schnellen, aber bedeutungsvollen Blick. Mr. Bonetti." nahm dann der vermeintliche Theateragent das Wort, Sie kennen mich noch nicht, aber ich kann Ihnen unvergleichlich mehr nützen als dieser Mr. Newport, von welchem Sie da so viel sprechen, den zu kennen ich jedoch nicht die Ehre habe. Dieser Mr. Newport zahlt Ihnen vielleicht hin und wieder eine Kleinigkeit, aber die Engagements, welche ich Ihnen besorgen werde, dürften Sie in einigen Iahren wohlhabend machen. Und falls Sie eines Vorschusses bedürfen" Davis zog eine wohlgefüllte Brieftasche und ließ den armen Künstler einen flüchtigen Blick in das Innere thun auf zwanzig,, dreißig Pfund .kommt es mir nicht an. Ich werde ja auch durch Sie Geld verdienen, wenn ich Sie erst ins Engagement gebracht hab." Auf dem vorher so blassen Gesicht des Jmpersonators glühten zwei rothe Flecke der Erregung auf. Scheu blickte er sich in dem Restaurant um, dann sagte er: Sie sollen alles erfahren! Lange genug habe ich geschwiegen und mich von Newport an der Nase herumführen lassen der . unbarmherzige Mensch läßt mich beinahe verhungern. Sie, Mr. Jngersoll, haben wohl bemerkt, wie kurz er mich im Vorzimmer abzuspeisen pflegt, wenn ich bei ihm vorfpreche, und wie er dann mir ein paar Schillinge verächtlich hinwirft, wenn er merkt, daß er mich nicht anders los wird." ,3, das ist mir sehr unangenehm

aufgefallen bestätigte Bob; dieser Mr. Newport behandelt Sie nicht wie einen Getttleman. und hinter Ihrem Rücken erst, sobald Sie die Thür geschlössen haben aber ich will Sie nicht gegen ihn aufbringen trinken wir lieber." Nein, ich will wissen, was Newport gegen mich sagt," rief Bonetti, dem der Porter schon tüchtig eingeheizt hatte. Nun, wenn Sie es zu hören wünschen er meinte, Sie seien einTrunkenbold und ein Erpresser dazu, dem er von Rechts wegen nicht einen Penny geben sollte." Was?" stieß der Künstler hervor und schlug mit der Faust auf denTisch. daß die Gläser klirrten. Das wagt er zu behaupten, dieser Mann, der mich ins Unglück gestürzt hat, dem ich meinen Ruin, mein verfehltes Leben verdanke? Oho, meine Herren, Sie sollen selbst entscheiden, ob dieser NewPort ntir verpflichtet ist, ob er nicht für mich sorgen muß muß, habe ich gesagt, und ich werde ihn verklagen ich werde ihn verklagen verklagen!" Erzählen Sie uns ruhig und sachgemäß die ganze Geschichte," beruhigte Davis den Aufgeregten; doch zuvor, Bob, laß uns ein paar Flaschen guten Portwein entkorken ich mag: nicht länger Porter trinken." Nachdem der Wein gebracht war und Bonetti mehrere Gläser hastig geleert hatte, fuhr er sich mit der Hand über die Augen, als müsse er feine Gedanken sammeln, und wandte sich an den. Thcateragenten": .Mr. Gilsey, Sie haben gehört: Newport behauptet, ich sei ein Trinker. Ich leugne es nicht es ist wahr. Ja, es gibt Augenblicke in meinem Leben, in denen ich mich diesem Laster hingebe; aber weshalb geschieht es weshalb? Weil ich mein Gewissen betäuben will, weil ich gewisse Dinge vergessen muß, über eine Erinnerung hinwegkommen möchte doch hören Sie, Sie sollen erfahren, wie es dieser Schuft Newport dieser SchuftNewPort, habe ich gesagt, und ich nehme das Wort nicht zurück, Mr. Jngersoll, auch wenn Sie es ihm wiedersagen , wie der Schuft Newport es angefangn hat, aus einem ehrlichenKerl einen Sa lunken, aus einem glücklichen Künstler einen mittellosen Tagedieb zu machen!" Davis lehnte sich in den Sessel zurück; er schloß die Augen und schien den Mittheilungen des Künstlers nur oberflächliches Interesse zu schenken, in der That aber war jeder Nerv und jede Faser in ihm gespannt. Der Detektive ahnte, daß er jetzt die Waffe in die Hand bekommen werde, mit welcher er nach mehrjährigem Kampf den entscheidenden Streich gegen das Haupt seines Gegners führen könne. Das ganze Material, welches er bisher unter außerordentlicher Anstrengung und Mühe gegen die internationale Erpresserbande gesammelt, erschien ihm nicht so werthvoll als jene Mittheilung, die er in diesem Augenblick ans dem Muiu de des heruntergekommenen Trinkers erwartete. Dieses Werkzeug, welches Newport benutzt und dann offenbar thöricht vernachlässigt hatte, konnte die Lösung des Räthsels bringen, die Davis so lange 'vergeblich gesucht hatte: welchen Betrug nämlich die verbündeten Gauner von London. Paris, Berlin und New York seiner Zeit gegen den Grafen v. Fels und dessen Erben ausgeführt hatten! Obwohl ich in Deutschland geboren und erzogen wurde," nahmBonetti das Wort, so habe ich doch seit fast zwanzig Jahren in London gelebt. Als ich hierherkam, arbeitete ich zuerst als Friseur in guten Geschäften dieses Faches, später widmete ich mich der Kunst. Ich gefiel, verdiente Geld und war niemals um Engagements in Verlegenheit. Eines Tages es mag vor etwa fünfzehn Jahren gewesen sein, ich arbeitete damals in einer beliebten SingspielHalle im Westend besuchte mich ein elegant gekleideter Herr hinter den Coulissen, überhäufte mich mitSchmeicheleien über meine Kunstfertigkeit und die Fähigkeit, die Gesichtszüge irgend einer Person nachzuahmen, und lud mich schließlich ein, mit ihm ein Mahl in einem feinen Restaurant der Regentstreet einzunehmen." War dieser Herr Mr. Newport?" fragte Davis. Er nannte sich damals Mr. Wood, aber später, als mich sein richtiger Name interesstrte, spürte ich ihm nach und ermittelte, daß er Mr. Newport sei. Die Einladung des fremden Herrn hatte nichts Auffälliges, es ereignete sich öfter, daß wir Künstler von Bewunderern eingeladen wurden. Ich ging mit ihm. und wir aßen und tranken gut, um uns in später Stunde erst von einander zu trennen. Zwei Tage später kam der Herr wieder, und ich war abermals sein Gast. Das ging so noch einigemal, bis der angebliche Mr. Wood endlich mit der Sprache herauskam." Und was wollte er von Ihnen?" Er fragte mich, ob ich Lust hätte, dreihundert Pfund zu verdienen. Ich könnte es mit leichter Mühe. Er wolle mir einigemal einen Herrn zeigen, dessen Aeußeres ich sorgfältig studiren müsse, um es täuschend ähnlich nachzumachen. Dann hätte ich nichts anderes mehr zu Insten, als mich in der Maske dieses Herrn mit einer hübschen jungen Dame in einer dem englischen Gesetz entsprechenden Weise trauen zu lassen natürlich auch auf den Namen dieses Herrn." Das war wohl die Hauptsache." warf Davis ein. Hätte ich mich niemals zu diesem Bubenstreich hergegeben!" seufzte Bonetti, ich wäre jetzt gewiß noch ein glücklicher Mann! Aber dreihundert Pfund das reizte mich ich wurde dafür zum Schuft!" Er trocknete sich die großen Schweißtropfen ab, die ihm auf der Stirn standen und Zeichen seiner großen Irregung waren, dann fuhr er fort: NewPort fühlt: mich ins RoyalhoM, wo

ich drei Abende lang denjenigen im Speisesaal beobachtete, den ich copiren sollte. Es war ein vornehmer alter Herr, ein deutscher Graf v. Fels. Seine Begleiterin war ein schönes Weib; man machte mich heimlich mit ihr bekannt Natalie v. Krakowska war ihr Name. Natürlich durchschaute ich den Schwindel, zu dem man mich brauchte. In der Maske des Grafen, mit einer Perücke, die sein gescheiteltes graues Haar wiedergab, mit einem langen grauen Vollbart, wie er ihn trug, in einem Anzug, der auf das genaueste dem seinen nachgebildet war, fuhr ich eines Tages mit der Dame und zwei mir fremden Herren Kreaturen des Herrn Newport natürlich nach dem Bureau der obersten Kirchenbehörde Londons. Dort erwirkten wir eine besondere Heirathserlaubniß. welche jeden Geistlichen Londons anwies, uns auf unser Verlanqen bis zwölf Uhr Mittags zu trauen. Wir wurden nicht nach Papieren gefragt das englische Gesetz glaubt dem Schwur und ich schwur, daß ich der Graf Hermann Adolf v. Fels und Wittwer. mithin frei zur Eingehung einer zweiten Ehe sei. Auch meine Gefährtin legte den Eid ab, daß keine anderweitige eheliche Verpflichtung sie binde." Davis stellte das aufgehobene Weinglas auf den Tisch und zwar mit so starkem Druck, daß es zerbrach; er vermochte kaum noch seiner ErregungHerr zu werden. Die Fäden der Intrigue jetzt lagen sie entwirrt vor ihm! Eine halbe Stunde später." fuhr der Künstler fort, wurden wir in St. Stephen's Church Sie kennen sie wohl, sie liegt in der City getraut. Die Dame erhielt,, wie üblich, den Trauschein, dessen genaue Copie im Kirchenbuch zurückblieb, und ich ich hatte dreihundert Pfund verdient und war elend geworden, denn ich schwöre es Jhnen Herr, von dieser Minute ab wurde ich ein anderer Mensche Das Judasgeld, welches Newport mir zahlte, indem er teuflisch lächelnd mir bewies, daß ich, schweigen müsse, wenn ich mich nicht selbst unglücklich machen wolle, benutzte ich dazu, die. Regungen meines Gewissen in Wein. Bier und Brandy zu ertränken. Damals kam ich aus dem Rausch Monate hindurch kaum heraus die Lust zur Arbeit, zum regelmäßigen Erwerb war dahin, ich wurde das, was ich jetzt bin." Hat Ihnen Newport denn nicht später noch eine größere Summe gezahlt?" fragte Davis nach einer kleinen Pause, während welcher Bonetti wie geistesabwesend vor sich hingestarrt hatte. ' Nur dürftige Almosen ließ er mir zukommen der Schurke. Aber ich rechne noch mit ihm ab ich bin noch nicht fertig mit ihm!" Haben Sie von der Ihnen so sonderbar angetrauten Dame nichts wieder gehört? Was ist aus ihr geworden?" Ich habe sie nie wiedergesehen; wahrscheinlich ist sie jetzt eine reiche Frau, wenn Newport sie nicht auch nur benutzt und dann abgeschüttelt hat." Also hören Sie, Mr. Bonetti ich werde etwas für Sie thün; nehmenSie indessen diese fünf Pfund als einen kleinen Vorschuß entgegen." Der Künstler war von dieser Groß-

muth tief gerührt, während er die ihm von Davis gereichten Banknoten einsteckte. Und nun geben Sie mir schnell Ihre Adresse Bob, notiere sie!" Jngersoll that.wie ihm geheißen.Davis berichtigte inzwischen die Rechnung. Dabei fiel sein Blick auf die' über dem. Büffett angebrachte runde Uhr. Der Detektive prallte zurück und er--bleichte. Zwanzrg Minuten über acht! Und er bedürfte einer Stunde für die Fahrt nach dem Viktoriabahnhof. Und wenn er dort zu fpät zum Empfange des deutschen Advokaten eintraf, konnten Newport und seine Spießgesellen Gallus bereits in Empfang genommen und in eine Falle gelockt haben-. Hier war keine Zeit zu- verlieren. Davis ergriff Stock. Hut und Mantel und eilte nach kurzen Abschied von seinen Tischgenossen davon auf die Straße. Er warf sich in ein vorüberfahrendes Cab und versprach dem Kutscher eine gute Belohnung, wenn er um neun Uhr dar denr Viktoriabahnhofe halten würde. Der Mann zuckte die Achseln, aber er schlug auf das Pferd ein und fuhr wie toll darauf los. Aber für Davis Ungeduld ging es noch zu langsam vorwärts. Er saß mit der Uhr'in der Hand und verfolgte das Fortschreiten der Zeit. Noch fünf Minuten bis neun, rid der Weg war noch weit. Er verdoppelte die versprochene Belohnung. Glücklicherweise hatte sich der Nebel fast ganz verzogen, sonst wäre das mit fabelhafter Schnelligkeit vorwärtsrollende Cab eine kaum zu vermeidende Gefahr für entgegenkommende Wagen oder für die Passanten der Straßenübergänge geWesen. Fünf Minuten nach neun! Mit einem Fluch steckte der Detektive seine Uhr in die Tasche. Jetzt hoffte er nur noch auf eine Verspätung des Zuges. Aber als er ein Viertel nach neun vor dem Riesenportal des Bahnhofes vorfuhr, erfuhr er. daß der Zug, mit dem Gallus gekommen sein mußte, vor zehn Minuten angekommen sei. Er war zu spät eingetroffen, um den deutschen Justizrath vor den Nachstellungen der Londoner Gaunerbande zu warnen und zu schützen. . ' (Fortsetzung folgt.) Aba ! Gast: Kellner, daö Huhn ist das zäheste Essen, was mir je vorgesetzt wurde." Kellner (halblaut): Ach, mein Herr, dann haben Sie noch nie ein Beefsteak bei uns gegessen." A rn M 1 1 r. Aaron. siehst De, wie mich die Welle umkost!?" Js ja bekannt, daß 's Meerwasser hat 'n schlechten Geschmaai"

Mr die Küche. GemusegerZcht. Man braucht einen großen Kopf Blumenkohl, dreißig junge geschnittene Bohnen, dreißig Stück junge unzertheilte gereinigte Karotten, einen Teller voll junger Erbsen und 6 Unzen Maccaroni. Jedes dieser Gemüse wird für sich weich gekocht und dann wie folgt angerichtet: Der Blumenkohl muß ganz bleiben, wird mit gerösteter Semmel und etwas Parmesankäse bestreut, mit Sahnenbutter beträufelt und dann in die Mitte einer Schüssel gestellt. Von den Karotten, die nicht zu weich gekocht sein dürfen, schneidet man die dicken Enden ab, höhlt diese vorsichtig zu dünnen Hüllen aus und füllt sie mit den in etwas Butter geschwenkten Erbsen. Die Schnittbohnen werden in wenig Bouillon aus Fleischextrakt mit Butter und Petersilie geschwenkt, und die weichen Maccaroni mit Butter, Muscatnuß und geriebenem Parmesankäse heiß gerührt. Die Schnittbohnen legt man als Kranz um den Blumenkohl, stellt um diese die gefüllten Karotten und legt als Abschluß die Maccaroni um das Ganze. Gebackener Schinken, Rippchen oder Röstschnitten von Rindslend5 gibt man auf einer Schüsfel für sich zu dem Gemüsegericht. Gericht aus Suppenfleisch. Wenn das Fleisch aus der Suppe genommen ist, hackt man es sofort mit drei' Löffeln voll vorher weich gedünsteter Champignons und einer geriebenen Zwiebel fein. Auch 5 Unzen Reis für ein Pfund fettdurchwachsenes Suppenfleisch gerechnet kocht man vorher in Salzwasser mit einem Eidick Butter und einer Messerspitze Fleischeztrakt weich, mengt unter diesen Reis einige Löffel Sahne und ein Ei, mischt das gehackte Fleisch. Pfeffer und etwas Muscatnuß darunter und füllt diese Mischung in eine flache, gut vorgerichtete Tortenform. Die Oberfläche belegt man mit Buttersiückchen. bestreut sie dick mit geriebenem Käse und bäckt das Gericht 20 Minuten. In dieser Zeit bereitet man eine Tomatensauce, zu der man eine braune Mehlschwitze mit Tomatenbrei und Fleischbrühe, und sämiger Beschaffenheit kocht. Im Verein mit der aus dem Rindfleisch gekocht:n Fleischbrühe, welche am besten eine Einlage aus Sommergemüsen erhält, gibt das Rindfleischgericht mit der Tomatensauce ein treffliches Mahl. Gebratene Ente aufWiener Art. Zwei Weißbrode reib: man ab und lasse sie in kalter Milch weich werden, presse sie aus und lege sie in eine Schüssel. Nun dünste man ein: feingeschnittene Zwiebel und feinzewiegte Peterstlie in einem Stückchen Butter, gieße beides über die Semmeln und füge dann ein halbes Pfund mageres, feingehacktes Schweinefleisch, sowie Leber. Magen und Herz der Ente, ebenfalls gehackt, nebst Salz und zwei Eiern bei, mische Alles tüchtig durcheinander und füll: damit die außen und innen mit Salz und Pfeffer eingeriebene Ente und lasse sie langsam, unter fleißigem Begießen mit dem eigenen Fett, zwei Stunden braten. Rindsfilet mit Meerrett i q. Man reibe das Filet mit Salz

und Pfeffer gut ein und lasse es so eine Stunde lang liegen. Belege dann eine flache Kasserolle mit Speck. Wurzelwerk und Zwiebeln, gebe den- Braten darauf, decke ihn zu und dämpfe ihn so, während man öfters Rothwein ur Bouillon daran thut, damit er immer im Saft bleibe, und wenn er nun gar und schön braun ist, so nehme man ihn heraus, gieße die Sauce durch ein Sieb und füge eine Hand voll Zucker hinzu, womit man sie, auf mäßigem Feuer, aufkochen läßt, absetzt und mit einer Handvoll geriebenem Meerrettich ver-mischt-, dann über den; angerichteten Braten gibt. K a l b s z u n ge n lä tartarc Die von der Haut befreiten Kalbszungen werden der Länge nach in Hälften geschnitten, mit Salz und Pfeffer, bestreut, mit Ei und geriebener Semmel panirt, irr Butter gebraten oder in Backbutter zu schöner goldgelber Farbe ausgebacken, zierlich angerichtet, mit gebackener. Petersilie- garnirt und mit einer Sauce tartare- aufgetischt. Die Sauce tariern besieht aus einer Ver Mischung von etwas MajonnaisenSauce mit grobkörnig gehackten Pfeffergurken, geharkten Kapern, feinem Mostrich und feingehackter Petersilie. Um die Sauce recht pikant zu machen, mischt man auch ein wenig CeyennePseffer hinzu. Reis -Ei s. In zwei Quart Wasser gibt man 6 Unzen feinen Reis und laßt ihn 1 11 Stunde kochen. Dann wird die Brühe durch ein Haarsieb geseiht und dem Reiswasser wird Folgendes beigefügt: 7 Unzen gestoßener Zucker. 4 Löffel Arak, die abgeriebene Schale einer Citrone, der ansgepreßte Saft einer solchen und eine Messerspitze voll Salz. ' Dies Alles verrührt man. läßt es tüchtig durchkochen, gibt die Masse dann in eine Form und läßt sie einen Tag und eine Nacht stehen, denn sie braucht so lange, bis sie steif wird. Man servirt die Speise mit Fruchtsaft. E i s t h e e. Zwei Theelöffel voll feinsten schwarzen Thee's werden mit einem Quart Wasser angebruht und 5 Minuten stehen gelassen; nachdem er abgeseiht, werden sechs Eidotter, eine Tasse feingestoßener Zucker, etwas Vanille - Extrakt oder Arrac beigefügt, die Masse in eine Gefrierbüchse gefüllt und in gesalzenem Eis eingegraben, im übrigen verfahren, wie beim Eiskaffee, mit oder ohne Schlagrahm ferviren. Ein Gewissenhafter. Lehrer (seinen Schülern vorlesend): Ueb immer Treu und Redlichkeit Bis an Dein kühles Grab" Nun. Moritz, was willst Du sagen?- Der kleine Moritz (schüchtern): Ja. Herr Lehrer, wenn nun aber ttnw in Ootha verbrannt öltdi"