Indiana Tribüne, Volume 21, Number 312, Indianapolis, Marion County, 31 July 1898 — Page 3

TMWBSl

Ver Toöts von Korror- Is5crnö. Roman von Harry Fhcff. (15. Fortsetzung.) Doch Gott sti Dank so- freit brauchte es nicht zu kommen, es -gc:b ja in Mittel, das Schlimmste abzuwen'den. Das Geld konnte den rollenden Fel -für des Verderbens aushalten, Aber die Smnme war eine enge'heure. Zehntausend Mark wenigstens war es nicht so? zehntausend Mark mußten morgen in daarem Gelde gezahlt werden! Ja, so hatte der erbarmungslose Unbekannte, der sie heuchle?isch noch unausgesetzt seiner Freundschast versicherte, es gefordert. Und morgen schon, eine wie ku'.ze Spanne Zeit blieb ihr da nur! Morgen? Sie entzündete ein Streichholz und warf einen flüchtigen Blick auf die kleine Uhr auf ihrem Nachttisch. Fünf Uhr! Nicht morgen also, heute mußte gehandelt werden! Es litt sie nicht mehr auf ihrem Lacher. Sie erhob sich geräuschlos, kleidete sich nothdürftig im Finstern on und warf einen Morgenrock über. Dann tastete sie vorsichtig zur Thür, welche sie behutsam hinter sich schloß. Sie lauschte. Alles blieb ruhig im Schlafzimmer. Eberhard war nicht erwacht. Durch das Speisezimmer flüchtete -sie in ihr Boudoir. Sie flüchtete, denn sie suchte dem Dunkel zu entkommen und suchte das Licht, welches beruhigt und die Quälgeister des wachen Trauems in die Flucht schlägt. Mit einem Seufzer der Erleichterung sank die unglückliche Frau, nachdem sie mehrere Flammen der Gaskrone entzündet, in einen Sessel nieder. Ihre müden Blicke irrten über die Gegenstände des kleinen, lauschigen Gemaches, über Möbel, Vorhänge, Stickereien, Nippes und die hundert, mehr oder weniger kostbaren und ihr so lieben Kleinigkeiten hinweg, mit denen ihr Heim geschmückt war. Wie alles ihr am Herzen lag, wie alles ihr so theuer war! Seltsam, ihr war plötzlich zu Muth, ls müsse sie bald von diesem trauliehen Raum Abschied nehmen, als würde dann alles verlassen, verödet stehen. Konnte es wirklich so weit kommen? konnte der furchtbare Mensch recht behalten mit seiner düsteren Prophezeiirna von Prozeß, Verurtheilung, Kerkerstrafe? Beate schloß die Augen. Ein kalter -Schauer überflog ihren Leib. Dann rasfte sie sich auf und begann zu überlegen, zu rechnen, zu grübeln, wie die Summe von zehntausendMa:k zusammenzubringen sei. Sie konnte ihren Schmuck verkaufen. Welch häßliches Geschäft und wie gesährlich dazu! Wenn man sie auf die fem Gange träfe! Und dann, sie war niemals eine Freundin von Brillanten oder goldenem Geschmeide .gewesen, hatte ihrem Gatten gewehrt, wenn er sie mit Kostbarkeiten beschenken wollte alles, was sie besaß, und was sie, ohne daß es zu sehr auffiel, hingeben konnte, würde ihr tausend, im höchsten Falle zwölfhundert Mark eintragen. Sie mußte ja darauf vorbereitet sein, daß man ihr nur etwa den achten Äheil des wirklichen Werthes zahlte. Und der Rest? War es möglich, ihn bei Freunden unter irgend einem Äorwand zu leihen? Welch Zncn Dornenweg mußte sie da wandeln, wie zahllosen Demüthigungen sich aussetzen! Und wie leicht konnte durch ine einzige Indiskretion, durch einen Zufall alles verrathen werden! Doch es mußte ja sein, und obwohl Beate sich nicht der Hoffnung hingab, daß ihr die Herbeischaffung einer so bedeutenden Summe auf diesem Wege gelingen werde, nahm sie doch vor ihrem zierlichen Schreibtisch Platz, um eine Liste der Personen zu entwerfen, bei denen sie im Laufe des TageS in der so peinlichen Angelegenheit vsrsprechen wollte. - . Sie notirte einige Namen, strich die meisten wieder aus. schrieb andere bin und warf schließlich weinend den Bleistift auf das Papier nieder. Ach. es war so schwer, unter der großen Zahl. derer, die sich ihreFreunde nannten, auch nur wenige herauszusondern, von denen sie ein Opfer erwarten durfte. - In Gedanken versun-ken.-drückte sie zufällig auf einen . Knopf, die Spiegelscheibe verschob sich, und das Geheimfach lag geöffnet vor ihr. Banknoten und Goldstücke in großer Zahl lagen vor ihr, fast der ganze Bcden des Faches war von ihnen bedeckt, und Gold wie Papiergeld häuften sich zu stattlichen- Haufen. Mit einem leichten Aufschrei fuhr Beate zurück. Ein verabscheuungswürdiger Gedanke ergriff für einen Augenblick von ihrer Seele Besitz, doch ebenso schnell hatte sie ihn von sich abgeschüttelt. - Diese Summe, welche hier vor mir liegt, deren Du Dich bemächtigen'könntest, wenn Du nur die Finder danach ausstrecktest sie würde Dich retten, aller Sorge, aller' Demüthigungen, aller Gefahren überheben" das war der Inhalt dieses nichtswürdigen Gcdankens. Schnell wollte Beate das Geheimfach schließen, um durch den Anblick des Geldes gar nicht mehr zu thörichien Erwägungen veranlaßt zu weroen, doch fiel es ihr ein, daß sie eigentlich das für die Eintrittskarten zum Maskenball im Interesse des Vereins vereinnahmte Geld zählen müsse; jetzt war sie gerade ungestört, sie machte sich an die Arbeit. Es warm über vierzehntausend Mark, welche in dem geheimen Ge vahrsam lagen. Vierzehntausend Mark! Und sie brauchte nur zehntau

send, um sich zu retten. Langsam, mit

ut veoenver Hano schloß sie vas Fach. Der Spiegel schob sich wieder vor die Holzplatte, und sein geschliffenes Glas zeigte Beatens blasses Gesicht. - Sie wendete sich ab. Merkwürdig, sie glaubte m ihrem Antlitz einen sxemden, niemals vorher wahrgenommenen Zug bemerkt zu haben! Dann begann sie das Zimmer zu durchwandern; ihre Lippen bewegten sich, sie sprach mit sich selbst. Es war ein langes, seltsames Selbstgespräch. Antwort und Frage wechselten m rascher Folge, und der Einwand wurde von der Beschwichtigung überholt. ' Ist es eine Sünde, die ich beaehen will? Gewiß, das Geld ist ja nicht mem Eigenthum. Aber ich nehm: es nicht, ich leihe es nur! Leihe es, um eö zurückzustatten, noch ehe es von mir gefordert wird. Wird mir das aber auch möglich sein? Kein Zweifel, ist mir nur Zeit gegeben, so wird es mir verhältnißmäßig leicht gelingen. Im Grunde, was thue ich denn Arges? Sind die Damen des Vereins mir nicht eng befreundet? Und dieses Geld, mit welchem ich den Stein des Anstoßes aus meinem Leben fortschaffen will, es gehört doch in der That den Damen des Vereins, mithin Nein, nein, es kann, es darf nicht sein man vertraute mir das Geld an, und es ist ein Bruch des Vertrauens, es ist " Beate vollendete nicht, aber sie schlug die Hände vor das Gesicht und rief schluchzend aus: Ach, ich werde wahnsinnig, ich fühle es wahnsinnig bei dem Gedanken, die Rettung so nahe zu haben und doch verloren zu sein!" ' Sie sank in eine Ecke des Sofas nieder und verharrte hier dumpf brütend und das Gehirn nach einem Ausweg bis zur Erschöpfung zermarternd fast eine Stunde lang. Dann schlief sie, von der Müdigkeit überwältigt ein. Als sie erwachte, war es heller Morgen. Eberhard stand vor ihr, liebkoste ihr Haupt mit seiner Hand und schalt sie sanft aus, daß sie das Lager vorzeitig verlassen.

Es war gegen vier Uhr Abends. Auf dem Alezanderplatz, dem MittelPunkt des alten" Berlins, herrschte um diese Zeit stets jener geschäftige Verkehr, welcher den bevorstehenden Geschäftsschluß anzukündigen pflegt. Am heutigen aber, dem Heiligen Abend, flutete eine unübersehbare Menschenmenge über den Platz und durch seine Nachbarstraßen. Auf jedem Gesteht lag die stille Erwartung des Kommenden, jeder Schritt war beschleunigt jedes Gespräch den bevorstehenden Feiertagsfreuden gewidmet. Mit großen Paketen beladen, doch immer noch . die reich ausgestatteten Schaufenster für neue Einkäufe musternd, eilen die Glücklicheren dahin, die Stiefkinder des Glückes aber, denen es nicht vergönnt ist, sich selbst und anderen an diesem Abend Freude zu schaffen, belagern wenigstens die Schaukästen von außen und laben sich in Gedanken an den Herrlichkeiten. Doch das sind nur wenige; selbst der Arme, welcher darben und noch so ängstlich mit seinen Groschen haushalten muß. er opsert heute sein Scherflein der Freude; er trägt sein Tannenbäumchen nach Hause, schmückt es, so gut er es vermag, legt die bescheidenen Gaben darunter, entzündet die Kerzen und freut sich des herzerhebenden Festes. Auf dem Alexanderplatz selbst erhebt sich eine Kleinstadt aus Holzbuden ; hier ist das Gedränge am stärksten: Händler und Haustrer, Käufer undBeschauer, Erwachsene und Kinder ein buntes Durcheinander, aus dem sich ein wahrer Höllenlärm erhebt, in der Hauptsache durch jene kleinen Marterinstrumente ruhegewohnter Ohren hervorgebracht, d als billiges Spielzeug auf dem Berliner Weihnachtsmarkt nicht fehlen dürfen. Dazu ein alles durchziehender Duft von Tannengrün, Pfefferkuchen, frischem Gebäck und Marzipan und ein prächtiger, starrer Frost, der die Gesichter röthet und die Lebensgeister erfrischt das ist WeihNachtsstimmung, das ist Festesfreude! Doch von dieser beseligenden, erhebenden Festesfreude war im Gestcht jener Dame nichts zu lesen, welche langsam an den Mauern der Häuser der Alexanderstraße entlang schlich und von Zeit zu.Zeit mit verstörten Mcken sich umschaute, als ob sie sich versichern wolle, daß man ihr nicht folge, sie nicht beobachte. Ihr Gesicht zeigte auffallende Blässe und krankhaste Müdigkeit, doch in den Augen hinter dem dichten Schleier glühte es in fiebernder Erregung. Der Anzug der Dame war einfach und elegant; ein bis auf die Füße fast herabfallender Pelz umhüllte ihre Gestalt, doch schien auch diese warme Hülle sie kaum vor dem Frost zu schützen, denn die Dame zitterte und zog den Priz' mit bebenden Händen fester um sich, als sie vor einem Hause, in dem sich eine kleine Conditorei besand, stehen blieb. Sie schien unentschlossen zu sein, ob sie eintreten solle oder nicht, denn sie zögerte nige Minuten; endlich überwand sie sich und öffnete die Thür, um hinter der zum Schutz gegen die Kälte vorgehängten Friesportiere zu verschwinden. Angenehme Wärme und der Geruch von frischem Kaffee und Backwaaren empfinq sie in dem nach der bekannten Schablone alter Berliner Conditoreien eingerichteten Laden. An einigen Marmodischen saßen eifrige Zcitungsleser, ein alter und ein jüngerer Herr spielten Schach, und auf dem kleinen Sofa am Fenster kicherten ein paar Backfische und gaben sich dem Genuß von Windbeuteln mit Schlagsahne hin. Unentschlossen schaute sich die Dame um, aber der Conditor hinter dem Ladentisch winkte ihr zu und flüsterte mit verständnißinnigem Lächeln: .Der Herr wartet im Hinterz,mmer. dort eue Thür. Was darf ich bringen?"

.Eine Tasse Kaffee Lat die Dame mit leise? Stimme, dann zog sie den Schleier noch tiefer herab und trat in das bezeichnete Gemach. Der Hofrath kam ihr entgegen und grüßte ehrerbietig. -Habe ich die Ehre, Frau Geheimrath Busch vor mir zu sehen?" fragte er als wäre er Beaten vorher noch niemals begegnet. Ein Freund bat mich, eine Zahlung von Ihnen entgegenzunehmen ich weiß nicht, um was es sich im übrigen handelt Schon gut", stieß Beate matt hervor; nehmen Sie das Geld machen wir unser Geschäft ab." Sie sank auf einen Stuhl nieder. In diesem Augenblick kam der Conditor und brachte den dampfenden Kaffee, um sich dann gleich darauf wieder zurückzuziehen.

Hier, mein Herr zählen Sie es müssen zehntausend Mark sem." Schaller empfing ein Packet Banknoten und' einige Goldrollen. Auch er schien es eilig zu haben, das Zusammensein mit Beate zu beenden: er zählte nur flüchtig und ließ das Geld hastig in die weiten Taschen seines Mantels verschwinden. Verzeihen Sie eine Frage, qnädiae Frau. Man hat mir sie aufgetragen.' Haben Sie be: der Besorgung des Geldes auch die nöthige Vorsicht walten lassen, damit aber um Gottes willen, so nehmen Sie sich doch zusammen sind Sie unwohl?" Beate schüttelte schwach das Haupt. Sie war auf die Lehne des Stuhles zurückgesunken, ihre Augen waren geschlössen, sie athmete schwer. Es ist nichts", hauchte sie nach einigen Minuten, fahren wir fort. Und wegen des Geldes es ist alles in Ordnung." Um so besser, dann, bitte, unterzeichnen Sie diese Wechsel, jeden zu fünftausend Mark, der eine in drei, der andere in vier Monaten von heute ab fällig." Ohne die Handschuhe abzulegen, schrieb Beate ihren Namen auf die ihr angegebenen Stellen der Papiere, dann warf sie die Feder von sich, als trüge selbst diese eine Mitschuld, und erhob sich. Das Bild und die Locke", slüsterte sie gebieterisch. Ich habe nur den Austrag, Ihnen dieses Couvert mit der Locke einzuhändigen das Bild wird Ihnen verabfolgt nach Einlösung des zweiten Wechsels." Beate nahm das Couvert entgegen und verbarg es in ihren Muff. Dann wandte sie sich, ohne auch nur noch ein ferneres Wort an Schaller zu verlieren, ab und verließ das Zimmer. Noch sehr stolz und trotzig," dachte der Hofrath; nur Geduld, dein Haupt wird schon noch tiefer herabkommen nur Geduld!" Zwanzig Minuten später fuhrBeate in einer Droschke vor ihrem Hause vor. Sie schleppte sich die Treppen hinauf und trat angekleidet, wie sie von ihrem Ausgang zurückkehrte, in ihr Boudoir. Als sie vor dem Spiegel den Schleier zurückschlug,. schrak sie zurück; ein gelbes, eingefallenes, vergrämtes Gesicht icyauie lyr enigegen. Mir liegt eine schwere Krankheit in den Gliedern," stöhnte sie auf. Doch ich darf nicht krank werden ich darf nicht!" Man pochte leise an die Thür. Der Diener Franz trat ein. Was wünschen Sie?" fragte Beate heftig und unfreundlich. Dieser Mensch schlich immer so leise heran und kam immer unerwünscht. Der Herr Geheimrath haben mich beauftragt, der Frau Geheimräthin mitzutheilen, daß die Consultationszeit heute um eine Stunde abgekürzt wird. Der Herr Geheimrath werden sich gegen sieben Uhr zur Weihnachtsfeier einfinden." Es ist gut. Was wünschen Sie noch?" Dieser Brief ist soeben sür dieFrau Geheimräthin abgegeben worden." Gut. geben Sie her!" Bartels verließ lautlos das Zimmer. Beate riß den Umschlag ab und entfaltete das Schreiben. . Von Hedwz, rang es sich m hochster Bestürzung von ihren Lippen, von der Cassirerin des Vereins! Allmächtiger Gott!" Dann las sie mit zuckenden Kippen und irrenden Augen: Meine liebe Beate! Heute nur wenige Zeilen in amtlicher" Eigenschaft! Denke Dir, ich armes Wurm werde von allen Seiten mit Rechnungen bestürmt,. welche hohe Beträge für Auslagen, unseren Ball betreffend, enthalten. Apropos, er ist doch Dir und Deinem Gatten gut bekommen, unser Ball? Er war reizend, nicht wahr, ein wirklicher Erfolg! Aber nun kommt der hinkende Bote nach: wir müssen sofort bezahlen, und da unser verehrter Casscnrevisor, Herr Consul Griebe, unsere Fonds theils in preußischen Consols angelegt hat und letztere Papiere nicht verkaufen will, so hat er mich angewiesen, mir von Dir zehntausend Mark aus den eingegangenen Billetbeträgen auszahlen zu lassen. Ich werde daher morgen gegen Mittag auf ein halbes Stündchen zu dir hereinfliegen und das Geld entgegennehmen. ES verlangt mich auch gewaltig, mit Dir über unseren Ball zu plaudern. Mit besten Grüßen von.HauS , zu Haus Deine ' Hedwig v. Pache." Wortlos, thränenlos starrte Beate auf den zierlichen Briefbogen Nieder. Endlich faltete sie ihn zusammen uno steckte ihn ein. Sie trat an ihren Schreibtisch und legte sich Papier, Feder und Tinte zum Schreiben zurecht. Mit ruhiger, fester Hand warf sie einiae teilen auf den Bogen, überlas sie noch einmal und couvertirte sie dann, r r . c tvr IT. C V!. Cft-I.C woraus sie oie noree aus oic hülle schrieb. Dann nahm sie auch dieses Schreiben an sich. Wahrend all dieser Verrichtungen, und während sie jetzt der - Thür des

Zimmers zuschritt, lag ekn starrer, todter Ausdruck auf ihrem marmor

blassen Antlitz, ein mes Lächeln um fpielte ihre Lippen. An der Thür aber blieb sie stehen, wandte sich um und schaute zu dem großen, prachtvoll eingerahmten Oelbild des Geheimraths, ihresMannes, empor, welches über dem Schreibtisch hing. Ihre Lippen bewegten sich. ' So dachte ich nicht von dir zu scheiden so nicht! Du gutes, liebes, treues Gesicht, ich werde dich niemals mehr wiedersehen nie wieder!" Zwei große Thränen rollten über ihre Wangen. Dann ging sie hinaus; ohne sich nur einmal, umzublicken, erreichte sie die Straße und wanderte weiter, planlos in das Menschengewühl hinein. Und hinter den Fenstern rechts und links vom Wege, im untersten und obersten Stockwerk der Häuser flammten die Weihnachtskerzen auf in mildem Glanz, und süße, frohlockende Kinderstimmen sangen: . Stille Nacht heilige Nacht!"' Von sechs bis acht Uhr hatte Geheimrath Eberhard Busch mit wachsender Unruhe die Zinuner durchschritten und sich das Austreiben seiner Frau am heutigen Abend mit mehr oder weniger plausiblen Gründen zu erklären gesucht. In der Dienstbotenstube steckten die. Köchin, der Diener und die Zofe die Köpfe zusammen und schalten flüsternd über die Verzögerung der Bescheeruug.'Nur der gutmüthige, wohlbeleibte Kutscher wärmte sich am Herdfeuer und sagte nichts. Um achteinhalb Uhr erscholl die Glocke, und ein Dienstmann brachte einen Brief für den Herrn Geheimrath. Bezahlt sei er schon. Damit entfernte er sich schnell. Franz trug dem Herrn den Brief in das Speisezimmer. Eberhard erkannte mit Schrecken- an der Adresse schon die Handschrift seiner Frau. Was hatte sie ihm schriftlich mitzutheilen, und wo weilte sie? Er las erbleichend die wenigen Zeilen: Leb' wohl, einzig geliebter Mann! Eine Unwürdige reißt sich von Dir los mit blutendem Herzen, doch klarem Wollen. Sie geht in den Tod, damit Dein Name rein bleibe und ihre Schande mit ihr sterbe. Vergiß sie, betrauere sie nicht! Sei glücklich! Beate." '18. Capitel. Bureauvorsteher Reinhard hatte um vier Uhr Nachmittags schon seine Untergebenen entlassen, nachdem er jedem von ihnen im Auftrage des Justizraihs Gallus ein kleines Geldgeschenk überreicht hatte. Dann gab es einen stürmischen, fröhlichen Aufbruch, Vergnügte Feiertage!" Frohes Fest!" Glückliche Weihnachten!" erklang es von den Lippen der Enteilenden. Den armen Burschen lst ihre Festfreude von Herzen.zu gönnen," wandte ich Reinhard schmunzelnd an Su'anne, welche, das Haupt tief über ihre Arbeit gebeugt, noch an ihrem Tischchen saß; müssen sich die Finger krumm schreiben das ganze Jahr hmdurch, und nun haben sie doch dieAussicht, zwei Tage lang ausruhen zu dürsen oder ein wenig frische Lust zu schnappen. Und ein paar Thaler hat auch jeder durch die Güte des Doctors m der Tasche za, der Doctor Gallus, ein vortrefflicher, herzensguter Mensch, wie reich er uns alle Zum Fest beschenkt hat! das thut kaum ein zweiter Anwalt in Berlin. Mich hat er ganz besonders freigebig bedacht, weil er weiß, daß ich eine kranke Frau daheim habe, und für Sie, Fräulein Susanne, hat er mir diesen Brief hier übergeben, den ich Ihnen mit einem schönen Gruß und vielen guten Wünschen überreichen soll. Susanne zuckte zusammen. Schon die Aufschrift des Couverts: Meinem lieben, treuen Hausgeist. Fräulein Susänne Strohbach! versetzte ihr emen Stich ins Herz. Treuer Hausgeist! Und sie hatte aus selbststischer, Furcht darüber geschwiegen. daß man den Mann, der ihr sem Vertrauen geschenkt, beraubt hatte! Die Ereignisse der vorigen Nacht lagen ihr wie Blei in den Gliedern, es schüttelte sie wie Fieberfrost, wenn sie nur daran dachte. ' Susanne öffnete den Brief des Justizratbes nicht, bis auch Reinhard sich mit besten Wüttschen'entfernt hatte und sie allein war. Dann stellte sie ihre Arbeit ein, säuberte sich und legte ein besseres. Kleid an; hierauf nahm sie im SprechzimmerPlatz, indem sie halblaut zu sich selbst sagte: Das wird ein einsamer Heiliger Abend, der einsamste, den ?ch bisher erlebt. Sonst war ich doch wenigstens mit Mutter Strohbach, zusammen, freute mich in ihrer Gesellschast an dem bißchen Tannengrün und Kerzenglanz, aber heute ist es mir Nicht möglich, die Mutter aufzusuchen, so sehr mein Herz mich auch zu ihr zieht. Ich könnte es nicht ertragen, dem Elenden zu begegnen, der so tief gesunken ist und mich mit sich in den Abgrund hinabzieht." . Dann öffnete sie den Brief. Ein reiches Geldgeschenk fiel ihr in zwei Banknoten entgegen, und ein reizender, warm empfundener humoristischer und doch der Bedeutung des Tages Rechnung tragender Brief begleitete es. Ihr brüderlicher Freund, der es in jeder Lage des Leben verstehen Sie recht, Fräulein Susanne, in jeder bleiben wird," so schloß die liebenswürdige Epistel. Das junge Mädchen bedeckte dieAugen mit der Hand. Wie er mich roohl verachten würde, wenn er wüßte ach, er muß es ja wissen, er muß es ersahren, sobald er zurückkehrt. Und er soll es erfahren! Gallus selbst, Aug' in Auge mit ihm, werde ich die volle Wahrheit gestehen, und er wird glauben! Dann mag mit dem erbarmlichen Menschen, den ich nach den Ge

setzen der Dankbarkeit meinen Brud?r nennen muß, geschehen, was Gallus in seiner scharfblickenden und niemals den rechten Weg fehlenden Einsicht für ge eignet halten wird." Endlich also hatte sie sich zu einem Entschluß durchgerungen, ihre urgesunde Natur, ihre klare Urtheilskraft hatten alle kleinlichen und egoistischen Bedenken besiegt. Mochte der Elende auch drohen, sie der Mitschuld zu zeihen, mochte er auch das Gift der Verleumdung gegen sie ausspritzen, mochte sogar der Schein gegen sie entscheiden, was that das, wenn sie nur vom Wege der Pflicht nicht abwich und mit rückhaltlosem Vertrauen dem Justizrath alles enthüllte, was sich zugetragen. Isnd dazu war sie entschlossen! Das Bewußtsein, einer gefährlichen Schwäche Herr geworden zu sein, erfrischte sie, das Blut rollte wieder freier, lebensfeuriger durch ihre Adern; sie erhob sich und trat an das Fenster, öffnete es und gewährte der kalten, erfrischenden Luft Zutritt. Der Frosthauch that ihr wohl. Schellengeläute schlug an Susannes Ohr. Ein von zwei dampfenden Braunen gezogener Schlitten bog um die Ecke; zwei Herren , saßen, in reiche Pelze gehüllt, von dem weisen Bärenfell bedeckt, darin, und hinter . ihnen thronte in gewaltigem schwarzem Skunkskragen der . Kutscher. Lustig und hell klangen die Schellen, und die Pferde hoben stolz die Köpfe mit den buntfarbigen Federstutzen. Rheden!" rief Susanne und schloß in bebender Erregung das Fenster. Die Hände auf das unruhig pochende Herz gepreßt, stand sie da und lauschte. Der Schlitten hielt vor dem Hause; sie vernahm das Schnauben der Rosse, das Ersterben des Geläutes, dann das Oeffnen und Zufallen der Hausthür sie kamen, die beiden Herren, keinZweifel, sie befanden sich bereits auf der Treppe. Susanne dachte an Flucht, an ein Ausweichen, da gellte die Glocke durch die Wohnung und sie ging, um die Thür zu öffnen. Du böses, böses Mädchen," rief Rheden und zog die Erglühende in das nächste Zimer hinein, während Oberländer bedächtig, vielleicht sogar allzu bedächtig, die Corridorthür schloß, warum hast Du die glücklichsten Stunden meines Lebens so verkürzt und hast Dich hinweggestohlen? So getreu solltest Du Deine Aschenbrödelrolle nicht spielen." " Ich hatte lange genug meine Pflicht verletzt." erwiderte Susanne mit niedergeschlagenen Augen, und es 'war hohe Zeit, daß ich nach Hause kam!" Hans hatte ihre beiden Hände in die seinigen genommen; sie entzog sie ihm nicht und tauchte ihre Blicke gluckstrunken in die des geliebten Mannes. Lassen wir diese - Entschuldigung gelten", sagte Rheden; doch verlange ich eine Entschädigung eine Gabe zum Christabend. Willst Du sie mir geben?" ' Ich will Dir alles geben, was ich zu geben vermag," flüsterte Susanne in überströmendem Gefühl, mein Leben, wenn es Dir nützen kann." Ich fordere auch Dein Leben, um

es dem meinigen unauflöslich zu verbinden sür heute aber ein paar Stunden zu einer weibnacbtlicken Schlittenfahrt." Schlagen Sre ein. 5?räulern Susänne," bat auch Oberländer; ich fahre als Ebrendame" mit. und im übrigen verspreche ich Ihnen eine so stimmungsvolle Fahrt, eme so würdige Feier des Heiligen Abends, daß ich sicher bin. Sie werden noch oft mit dielern Vergnügen an diese Schlittenparue oenien. Ich nebme an saate Susanne einfach. Die Herren brauchten' nur ganz kurze Zeit zu warten, dann kehrte sie zur Fahrt angekleidet zurück. Das kurze, mit Pelz besetzte Jackett hob ihre, schlanke, stattliche Figur in ihren zarten Formen noch vortheilhafter yervor, und die Pelzmutze ' aus dem rothaoldenen Haar verlieb ibrem Gesicht einen kühnen, eigenartigen Ausdruck. Indem sie die wildledernen Handschuhe anleate. wandte sie sich an die Herren: Ich bin bereit lassen Sie uns gehen! Im Schlitten ordnete man sich so, daß Susanne und Oberländer nebeneinander auf dem bequemen, gepolsterten Sitz saßen, wahrend Rheden ihnen aeaenüber einen weniger beauemen einnahm. Der Baron büllte das iunae Mädchen fürsorglich in Plaids und Pelze ein und bestand daraus, daß sie auch den Oberkörper in einem mitgenommenen Pelzkragen wohl verwahre. Bann begann die Fahrt, welche Oberländer ohne" jede Uebertreibung eine stimmungsvolle genannt hatte. Ueber die fest aefrorene Schneedecke hinweg sauste der Schlitten, durch den schweigenden Thiergarten m den Grur.ewald hinein. Die schneebedeckten Givfel der Bäume leuckteten durck das ' Dunkel, und in magischem Schein ließ sie das voll hernlederslutende Mondlicht erstrahlen. Millionen Sternengebilde waren am klaren, wolkenlosen Himmelszelt ausgestreut. An kleinen, baumgekronten Anyohen, an moosbedeckten Thälern sauste der Scblitten vorüber, dickt vorbei an zugefrorenen Äächen, auf deren spiegel-:c-pj evfvjc. rrjc gianc, monoociajicncnc tfiacqc jiaj i i er immnen oic .uauciwciucu ucigicn, in studiern Galovv aina es vorüber an winzigen, waldverlorenen Häusern, , m v r y an erieucyleien niuen, an eingeqnelten Wirthschaften, und dann eine Stunde lang kein Haus, keine Hütte, nur der Wald, der winterlich einsame, trotzig ragende Wald mit den scheu über den Weg fliehenden Rehen und den Nachtvögeln, die dS Kutsche übermüthiger Peitschenknall vom schutzenden Ast aufschreckt und mit weit ausgespannten Flügeln ties in den Forst hineinschwebm labt.

- - Drüben, wo die Lichtung den Aus blick gestattet, zieht eine seurige Schlange pfeilschnell durch das Dunkel an den Fahrenden vorüber es ist ein Schneflzug, der den Bahndamm passirt, der Dampf z Locomotive schwebt in langgezogenen Wolken über die Wipfel der Bäume hin. Die Signallichter auf dem Schienenweg verblassen , Weihnachten im Walde! , Suschen ward das Herz weit, sie fühlte die Majestät' der Waldeinsamkeit, und ein wohliges Empfinden erfüllte sie. 'hervorgerufen durch das Bewußtsein, dem geliebten Manne, so nahe zu sein, mit ihm gemeinsam diese erhebende, bisher ungekannte Weihnachtsfeier zu gerneßen. Plötzlich fühlte sie, wie ihre Hände von zwei anderen umschlungen wurden, und sie erwiderte den innigen, alles aussprechenden Druck. Das ist in Wahrheit eine stille, eine heilige Nacht," unterbrach Oberländer die von den drei Theilnehmern der .Partie so lang beobachtete feierliche Stille. Tausende von Weihnachtsbäumen umgeben uns, und am 'Himmel sind uns unzählige Kerzen entzündet. Es ist wahr: im Walde betet der Mensch, selbst ohne es zu wollen -r-jedes Gefühl der Bewunderung vor Gottes Schöpfermacht ist ein Gebet." Und ich denke, wir haben Veranlassung, der Vorsehung zu danken," meinte Rheden, sie hat alles zum besten gefügt nicht wahr, Susanne?" Und doch müssen wir noch manches von ihr erbitten," erwiderte die Gefragte mit einem leichten Seufzer; aber seht nur. da schimmert ein Licht am Waldesrand; ist da ein Haus, wohnen dort Menschen?" Menschen, die uns sehr bald willkommenheißen und uns gastlich aufnehmen, werden."' erwiderte Oberlander, lustig seine beiden Schllttengefährten anlachend. -Ja. Kinder, jetzt kommt eine kleine Ueberraschung,. die: ich mir für den heutigen Abend vorbei halten habe. Begehen wir unseren- Heiligen Abend schon einmal im Wald?', so soll es ganz und gar geschehen. Nach; der Fahrt durch den winterlichenWald.. durch Kälte und Eis wird uns - einflackerndes Herdfeuer und ein gut' zubereitetes Mahl trefflich munden." Aber, alter Freund," fagte Rhed?r soviel ich aus der Entfernung unterscheiden kann, ist das Häuschen dort drüben die Behausung-eines Vahnwarters. Wenn ich daher auch an vas Herdfeuer glauben will was dieMahlzeit anbelangt,, hege- ich g?oße Zweifel." Ungerechte, mein Jung?'., völlig unbegründete Zweifel. Das Haus eines Bahnwärters ist es allerdings, in welches wir einkehren werden,, aber- mit: dem Mann hat es seine eigene Bewandtniß. Er und seine Frau sind liebealte Leute, bei denen ich seit langenJahren während des Sommers manchen stillen, angenehmen Abend verlebte. Die köstliche Waldeseinscnnkeit,. die ihr Häuschen umgiebt, unw die: ebenso köstliche Schlichtheit der beidenMenschen haben mir immer wohlgethan. Nun, ihr sollt sie bald selbst, be urtheilen." Und Rheden sowohl, wie-Susanne, mußten Oberländer rechtgeben.. Der alte, weißhaarige Ambrosius. und, seinekleine, trotz ihrer siebzig- Jahre, flinke. und lebensfrohe Frau boten in ihrem Waldhäuschen das Bild von- Philemonund Baukis, dem glückseligen Greisenpaar. Mit aufrichtiger Freude führten sie ihre Gäste in ihr bescheidenes Heinr,, wo der Tisch weiß und- sauber gedeckt: war. Oberländer hatte mit. den Speisen und Weinen, die? er am Vormittag herausgesandt, auch gleichzeitig für. Porzellan und Gläser, fü Tischzeug und ein paar Blumen gesorgt,, und so, fehlte nichts, was selbst ein verwöhnter Geschmack an einem angenehmenMahlehätte vermissen können.. Doch auch die alte Frau hatte das ihrige- gethan. Einlieblicher Bratendufd durchwehte den Raum; er kam aus der nebenliegenden Küche, in welcher sie eifrig schaltete, und waltete. Auch an einem. Weihnachts bäumchen fehlte es. nichtr es stand anr Fenster und strahlte in die Nacht: hinaus. Der Kutscher erhielt den Auftrags die Pferde nach einem Gasthaus zu bringen, welches nur eine Viertelstunde entfernt lag. und sie dort einzustellen, bis er nach drei Stunden etwa wieder vorfahren solle. Wie heimisch wie traulich es hier ist!" rief Susanne, fröhlich um sich schauend; hier wohnen glückliche Mai schen, das sieht man sogleich." ' Ja, Gott sei Dank, glücklich sind wir, Fräulemchen", erwiderte Ambrrsius, denn wir sind gesund und rüstig und können noch unsere Arbeit thun. Meine Alte und ich. wir Hausen jetzt schon an die zwanzig Jahre hier im Walde, und. weiß Gott, wie es zugehen mag, wil haben unser Häuschen mit jedemJahre lieber. Manchen haben wir gekannt, der drinnen in det Stadt ein großes, prächtiges HauS bewohnt hat, und der nicht begreifen konnte, wie wir uns hier in unserer Einöde so wohl fühlten konnten. Na. die drinnen im großen Berlin haben nur zu oft ihre Paläste verloren und sind, wenn man's so nennen darf, heimathlos geworden, wir aber haben unsere Hütte behalten und werden, so Gott will, einmal unter diesem Dach die Augen schließen." Damit hat es noch hübsch Zeit", sagte Rheden. (Fortsetzung folgt.)

Zweierlei Noten. Herr Commerzienrath sehen ja so abgespannt auN" ,Ja. mein Lieber, .habe auch mehr zu arbeiten, als ein Pianist!" O, Sie scherzen wohl?!" Durchaus nicht. Sie verdienen ja daö Geld spielend!" Ich wollte 'nur, ich hatte Ihre Noten dazu!" . . -

Für die Mche. Suvpe von Blumenkohlabfallen. Die von zwei jungen Rosen weggeputzten Stiel- und Stengeltheile werden geschält, soweit sie zart sind, hierauf mit einer Lauchzwiebel und frischer Petersilie rein verwiegt. Nun ikr einem Stück Butter oder gutem Abschöpffett durchdünstet mit 2 Kochlöffeln Mehl minutenlang geröstet, mit siedendem Wasser oder leichter Fleischbrühe aufgefüllt und. mit Salz und etwas Pfeffer gewürzt, gut ausgekocht. Dann gießt man die fertige Suppe über in Butter geröstete Sem melwürfelchen in die Terrine. Grüne Bohnen. Wenn die Bohnen geputzt sind, sie mögen mit oder ohne Körner sein, werden sie in der Mitte abgebrochen, gewaschen und mit Salz und Bohnenkraut gekocht; wenn sie weich sind, gießt man das Wasser davon ab, röstet 2 Kochlöffel voll Mehl in Butter gelb, dämpft Zwiebeln und Petersilie darin und löscht es mit Wasser oder kalterFleischbrühe ab. Wenn man heiße Fleischbrühe daran gethan, so legt man die Bohnen mit etwas Pfeffer und Muskatnuß hinein und läßt sie nicht gar zu d'ick einkochen. . Saures Kalbfleisch. Das Kalbfleisch wird vom Schlegel. Bug oder Grat genommen, gewaschen, in beliebige Stücke geschnitten, gesalzen und mit Wurzelwerk,, gelbe Rüöen, Zwiebeln, Lorbeerblatt ein biZ zwei Nelken, zwei bis drei Wachholderbeeren, ganzem Pftffer und noch ein wenig Salz zwei bis drei Tage in Essig gelegt; dann mit halb Wasser oderFleischbrühe und halb Essig, sowie mit sämmtlichen Zuthaten in einem Topf aus das Feuer gesetzt, weich gekocht und mit der Brühe aufgetragen. Am besten eignen sich als Zugabe geröstete Kartoffeln. Verlorene Eitr nr.it pi tanter Sauce. Ein Quart Wasser kocht man mit einer Tasse Essig und einem Löffel Salz auf und schlägt immer drei Eier zu gleicher. Zeit hinein, über die man das Eiweiß rasch mit einem Löffel zusammenzieht. Sobald das Eiweiß fest geworden, werden die Eier vorsichtig herausgenommen, einen Moment in kaltes Wasser gelegt und glatt geschnitten. Man fährt sa weit fort, bis man genügend Eier hat. Gleichzeitig Hai man eine Sauce aus feingewiegten Kräutern wie Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Estragon, Pimpinelle, Borasch etc. bereitet,, die man iir Olivenöl durchschwitzt und nun mit geriebener Semmel, einem Glas' Weiß wein. Cltronensaft, Pfeffer, Salz, etwas Fleischbrühe und Krebs-- oder Sardellenbutter vermischt. Die-Sauce muß aufkochen und wird nun über die verlorenen Eier gegossen. Man hat alle Zuthaten vorzurichten, ehe man die Eier kocht, damit die Eier nicht lange zu stehen brauchen. Kalt kann man

, die verlorenen Eier anrichten, wenn man si auf zungen Kopfsalat-legt und mit Remouladensauce begießt.. Kwhlpudding. Wirsing--oder Weiß5ohlblätter werden von den: Rippen befreit und darauf in Salzwasser kurze Zeit gekocht. Währenddem macht man einen Teig wie zu Fleischbrödchen ans. gehacktem Schweinefleisch, in Milch erweichter Semmel,. einem Ei, Pfefs, Salz und ein wenig gehackter Zwiebel. Eine gut mit Butter ausge- ' strichene Puddingform belegt man nun mit emlgen der sorgfältig vonr Wasser befreiten Kohlblätter, gibt' eine Lage des scrcirten Fleisches, einige Körnchen Kümmel und dann wieder-KohlblAter darauf, bis die Form gefüllt ist. Ei-ni'ge-obenaufgelegte Buttersiückchen heben den Wohlgeschmack noch mehr. Fest verschlossen, kocht . man die- Form zwei Stunden lang im Wasserbade; richtet dann eine Einbrenne her-und vergießt diesesbe mit der kräftigen Kohlörühe, welche sich in der Fornn gebildet hat. Gestürzt, wird der PudÄirg- mit etwas Saure Übergossen, die übrige reicht man zu Salzkartoffeltr itr einer Schale herum. Eiskaffee. .Dcrzu- wird sehr starker schwarzer Kasfee gekocht, mit gekochtem Rahm vermengt und ungefähr ein Quart vom- gemischten Kaffee mit sechs Eidottern und 5 Unzen fein gestoßenem Zucker verrührt. Die Masse wird nun in eine Gesri'erbuchse gefüllt und in gesalzenem- Eis eingegraben. Ehe man den Kassie- zu- Tische geben will, schlägt mair ein halbes Quart -Schlagsahne zuSchanm. füllt ungefähr

dreiviertel der hohen Glaser mit dem Eiskaffee, den Rest aber mit dem'vorher noch wenig gezuckerten Schaum und reicht Waffeln, Hohlhippen und mürbe Bretzeln dazu. Wenn kein Gefrierbüchse vorhanden, genügt auch ein Thontopf, doch muß die Masse fleißig gerührt werden. ' Setzeier mit Unterlage. Schinken. Wurstscheiben, Bücklinge oder Krabben werden erst etwas in der Butter geschwitzt, ehe man die Eier neben einander hineinschlägt. Sind die Eier angebraten, fo läßt man dieMasse aus der Pfanne auf eine Anrichteschüssel gleiten und stellt das Gericht kurze Zeit in einen Heißen Ofen, damit das Dotter sich etwas verdickt. Man streue Salz und Pfeffer darüber. Als Unterläge von Setzeiern kann man auch an gebratene Semmelscheiben nehmen, legedie gebackenen Setzeier darauf und gar--nire sie mit Anchovisstreisen. Kalbsschnitzel. Vom Kalb5. schlegel schöne Stücke schneiden, psrn ren, backen und dann verzieren nnt Spiegelei, 2 Sardellen, feingeschnrttenen Essiggurken, rothen Rüben und grünem Kopfsalat. Undankbare Kinder. Frau von Feitel: Die ganze Welt sagt. Moriz. daß unsere Malvine ihre gan Schönheit von mir hat. Herr von Fe: sei: Das 's doch dr Undankbarkeit von de heiligen Kinder. Ae bissel von d Schönheit hätt' se Dir aus Chr:. i rücklassen cekoanr. .