Indiana Tribüne, Volume 21, Number 298, Indianapolis, Marion County, 17 July 1898 — Page 7
per Privatdetektiv. Von Erich v. Wussov. (Sktn war der liebe Nachmittagsbesuch, eine gute, noch unverheiratete
Freundin von der Pensionszeit her ; hinausgerauscht, und die kleine Frau Anna saß wieder allein in ihrem reizend eingerichteten Schmuckkästchen von Boudoir. Draußen schien die helle, warme Maiensonne, und ihre Strahlen lugten neugierig durch die bunten Fensterscheiben und schienen sich hochlichst über das bekümmerte Besicht der hübschen eleganten Frau dort am Fn ster zu verwundern. Aber diese achtete nicht auf den warmen Sonnenschein draußen, nachdenklich hatte sie das rosige Gesichtchen in die Hand gestützt und dachte daran, wie doch alles so ganz anders gekommen war, als sie es Qnfcinglich geglaubt hatte. Ein halbes Jahr lang war sie nun mit dem Doctor Rudolf Herbert, Feuilleton - Redacteur' und TheaterKritiker einer größeren Berliner ZeZtung, verheirathet. Sie hatte ihn im vorigen Sommer in Heringsdorf kenen gelernt und hatte sich sterblich in die stattliche Erscheinung des damaliLzen freien Schriftstellers" verliebt. Gemeinschaftliche Partien und Ausflüge, die unvermeidlichen Reunions und sonstigen Vergnügungen hatten das ihrige dazu beigetragen, und als sie dann mit den Eltern nach Leipzig zurückgefahren war. erschien auch Dr. IHerbert auf der Bildfläche, machte seirten obligaten Besuch, der Verkehr mit dem munteren und interessanten Plauderer, der die ganze Welt schon umsegelt hatte, wurde fortgesetzt, und eines Tages erschien dieser im Frack und weißen Glacees, um mit Mama und Papa das bewußte ernste Wort zu sprechen. Die Mama war nicht abgeneigt, aber der praktische Papa, nebenbei gesagt, vermögender Großkaufmann, hatte die Bedingung gestellt, daß der Dr. Herberr sich erst eine feste Z;istenz suchen solle, ehe er ihm seine einzige Tochter anvertrauen und ihn als Schwiegersohn begrüßen würde. Dr. Herbert war em Glückspilz, denn kurze Zeit darauf wurde ihm besagte Redacteurstelle angeboten. Er zögerte uicht. sie .anzunehmen. Papa und Mama gaben ihren Segen, die Hochzeit wurde mit großem Aufgebot gefeiert, und das sunge Paar siedelte in eine elegante Villa nach einem Berliner Vororte über. Ein tttfer Seufzer quoll bei diesen Reminiscenzen aus Frau Annas bedrängter Brust. Ja die ersten Wochen hindurch war es schön gewesen, da hatten sie miteinander gescherzt und gelacht, da hatte ihr Rudi jedenWunsch von den Augen abgelesen, da hatte er sich in seiner freien Zeit ihr immer gewidmet. Aber setzt? O, dieser abscheuliche Dienst und die gräßlichen Äheater - Premieren, jeden Abend! Ja das Theater! In der ersten Zeit hatte ihr Rudi sie mitgenommen, aber das war dann nicht mehr gegangen, da ihr Mann am Schluß der Vorstellungen noch auf die Redaction mußte, um gleich die Theater - Kritiken zu schreiben. So saß die arme kleine Frau nun fast Zeden Abend allein zu Haus und hatte ? :t genug, um über die Schlech-tizk-der Welt im Allgemeinen und üb'.i ihr trauriges Loos im Besondexrct nachzugrübeln. Sie kam sich so Dtht unglücklich und verlassen vor. Up zu alledem war noch die liebe Freundin gekommen und hatte sie vor fce bösen Männern gewarnt. Die toi lt es ganz genau. Der Mann von de'.- Freundin eine? längst gestorbenen mte dritten Grades war auch Theatt: j Kritiker gewesen und hatte sich in eiii hübsche Schauspielerin verliebt in war mit ihr durchgegangen. Das h itit einen furchtbaren Skandal gegebOyWid die arme verlassene Frau war vor schmerz und Kummer fast wahnsmnig worden. Wenn es ihr Rudi nun auch so machte? Sicherlich, das toax es gewiß auch, was ihn so zerstreut machte, warum er sie nicht mehr in die Theater einnahm. Die blauen Augen der hübschen kleinen Frau füllten sich mit Thränen. Sie war eifersüchtig. wollte eifersüchtig sein, sie hatte ja genug Grund dazu. Aber nun erst Beweise haben! Sie mußte das herausbekommen, in wen sich ihr Mann verliebt hatte, um ihm dann die Wahrheit Zn's Gesicht zu schleudern und ihn zu ntlarven.Ihr Blick fiel auf eine Stelle in der Zeitung, in der sie schon ein ganzes Weilchen gedankenlos geblättert hatte. Da war es ja, was sie suchte. Eine Annonce unter den vermischten Anzelgen war es, die Frau Annas ganze Aufmerksamkeit auf einige Minuten in Anspruch nahm. Sie las dieselbe eifrig durch, überlegte noch einmal und ging dann, einem plötzlichen Impulse folgend. an denSchreibtisch. um auf einen zierlichen Briefbogen folgende Zeilen zu schreiben: Ersuche Sie, mich morgen Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr Zwecks persönlicher Rücksprache aufsuchen zu wollen dann folgte Namen und Wohnung, der Brief wurde zusammengefaltet und wanderte in ein Couvert, das die Aufschrift Diskret Postamt 9- bekam. Den wichtigen Brief irug Frau Anna selbst zum Briefkasten. Als der Gatte spat des Abends nach Hause kam, fand er die kleine Frau onscheinend im tiefsten Schlafe. Am andern Morgen erzählte er ihr von der gestrigen Theaterpremiere in einem kleinen Theater des Nordens, wo ine junge Schauspielerin in ihrem ersten Tebut einen riesigen Erfolg erzielt habe. Fräulein Brentano habe so ausgezeichnet, mit solcher Wärme und Natürlichkeit gespielt, daß sie entschieden würdig sei. an sinem größeren Theater mit ihrem ungewöhnlichen Qalente zu glänzen. Alsdann ging der Doctor in sein Arbeitszimmer, um zu arbeiten. v Frau Anna war surchtbar aufge-
regt. Sie hatte wegen ihres Borgehens ein schlechtes Gewissen und hatte, um sich nur ja nicht zu verrathen, ein recht freundliches Gesicht gemacht und ihrem Gatten mit großem Interesse zugehört. Jetzt, als sie allein war, dachte sie über das eben Gesagte nach. Was veranlaßte ihren Mann, mit so viel Wärme von der Schauspielerin zu sprechen? Sollte es diese Brentano sein, der zu Liebe Rudolf sie selbst vernachlässigte? Doch sie würde ja bald, sehr bald Gewißheit haben. Nach dem Essen ging der Doctor,
nachdem er sich von seiner kleinen Frau wie immer herzlich verabschiedet hatte, ! fort, um nach der Stadt, in die Nedaction zu fahren. Frau Annas Herz klopfte stürmisch, sie sah alle Augenblicke nach der Uhr. es war jetzt ein halb vier Uhr. Noch eine halbe Stunde dann mußte der Bestellte kommen. Sie sagte demMädchen draußen Bescheid, daß ein Geschäftsmann, mit dem sie wegen einer Geburtstagsüberraschung für den Herrn" zu verhandeln habe, kommen würde, derselbe solle sofort ingelassen werden. Es schlug 4 Uhr. Frau Anna zwang sich zur Ruhe. Nur keine Aufregung zeigen! Jetzt klingelte es! Sie hörte draußen die Stimme ihres Mädchens und eine männliche, die nach der gnädigen Frau fragte. Dann wurde die Wohnzimmerthür geöffnet, es klopfte und gleich darauf stand die mit schäbiger Eleganz gekleidete Gestalt eines Mannes auf der Schwelle. Gnädigste Frau waren so gütig, mich hierher zu bestellen, um eventuell meine bescheidenen Dienste in Anspruch zu' nehmen gnädige Frau können sich mir in jeder Beziehung anvertrauen." Frau Anna hatte ihren Plan gründlich überlegt. Sie wies mit der Hand auf einen Stuhl, auf den sich der Mann, der eben mit großer Gewandtheit, etwas näselnden Tones gesprochen, geräuschlos die Thür geschlossen und sich noch einmal verbeugt hatte, setzte. Ich habe einen Bekannten, den ich gern zu beobachten wünsche, die näheren Details sind wohl überflüssig. Der Herr besucht viel die Berliner Theater, besonders die Premieren. Der Herr wird heute Abend im Neuen Theatersein, auf welchem Platz kann ich leider nicht sagen. Der Privaidetectiv verbeugte sich leicht lächelnd: Gnädigste Frau wollen so gütig sein, mir ine Photographie des betreffenden Herrn zu geben, damit ich mir die Gesichtszüge desselben genau einprägen kann. Es wäre mir sogar lieb, wenn ich die Photographie, um ganz sicher zu sein, so lange behalren dürfte, als gnädige Frau meiner Dienste bedürfen - ffrau Anna holte das gewünschte Bild herbei. Sie warf einen Blick auf die wohlgelungene Photographie ihres Mannes, der sie mit den klugen Augen spöttisch anzulächeln schien. Nur widerstrebend reichte sie dem Besucher das Bild, der dasselbe mit der beHandschuhten Rechten ergriff und es ein Weilchen aufmerksam betrachtete. Ich hoffe, gnädige Frau werden mit meiner Arbeit zufrieden sein. Ich werde jeden Tag Bericht erstatten. Soll dasselbe schriftlich oder mündlich geschehen, wenn ich fragen darf?" Es wurde vereinbart, daß der Privatdetectiv postlagernd schreiben sollte, Frau Anna würde sich die Briefe vom Postamt abholen. Der Besucher schien noch auf etwas zu warten. Die junge -Frau sah ihn fragend an. Gnädigste Frau werden verzeihen, wenn ich für meine Bemühungen und die unausbleiblichen Auslagen einen kleinen Vorschuß liquidire?" Bitte, bitte!- drängte die junge Frau, die ob des ziemlich ausgedehnten Besuches schon ungeduldig geworden war. Der Privaidetectiv verbeugte sich leicht, warf noch einen scharf musternden Blick auf die junge elegante Frau und die vornehme Zimmereinrichtung. Dann entnahm er seiner Brieftasche einen Zettel, schrieb einige Zeilen auf denselben und überreichte ihn, sich gleicher Zeit von seinem Stuhl erhebend. Frau Anna. Hundert Mark empfangen zu haben" etc. Das schien Frau Anna nun zwar ein bischen unverschämt, doch sie verlor kein Wort und entnahm ihrer Privatschatulle einen blauen Schein, den sie dem Manne darreichte. Noch einige Verbeugungen seinerseits, die Versicherung, daß die gnädige Frau mit seinen Diensten zufrieden sein werde, und die Thür schloß sich lautlos hinter dem Besucher. Frau Anna war wieder allein. Was hatte sie gethan?- Ihren Mann diesem nicht gerade Vertrauens würdig ausschauenden Menschen zu überliefern! Doch der Zweck war ja ein guter; sie wollte und mußte Gewißheit haben und darum durfte sie auch vor diesem Mittel nicht zurückschrecken! Nun vergingen Tage voller Spannung und Aufregung für die junge Frau. Die Nachrichten des Privatdetectiv trafen nur spärlich ein; ein bestimmtes Resultat war noch nicht zu verzeichnen. Frau Anna verbarg ihrem Manne gegenüber das böse Gewissen nach wie vor hinter der größten Liebenswürdigkeit und der freundlichsten Miene, so daß dieser von dem, was hinter seinem Rücken geschah, keine Ahnung hatte. Eines Tages holte Frau Anna wieder einen der bewußten Briefe von der Post. Das Schreiben enthielt nur die wenigen, aber desto inhaltsschwereren Worte: Der betreffende Herr scheint sich sehr für eine Schauspielerin, Namens Brentano, zu interessiren. Werde diese Spur genau verfolgen. Erbitte unter bekannter Chiffre bis morgen 100 Mark." In Frau Anna kämpften zwei Gefühle. Sie fand es empörend, daß ,der Kerl" nach kaum einer Woche, in
der nichts erreicht war, schon wieder 100 Mark verlangte; doch andererseits schien die Nachricht von heute wirklich wichtig zu sein. Eine Schauspielerin Brentano?! Wo hatte sie diesen Namen doch kürzlich gehört? Richtig ihr Mann hatte dieselbe ja so gelobt und als einen Stern erster Größe bezeichnet. Wie konnte er so viel Interesse fürsie haben, wenn ihn nicht ein anderes Gefühl dafür bewog? Da klingelte es. Es schien Niemand zu öffnen. Die junge Frau ging daher selb'st hinaus und stand, als sie die Corridorthür aufgemacht hatte, vor einem jungen, einfach aber geschmack-
voll gekleideten hübschen Madchen. Habe ich die Ehre, Frau Dr. Herbert zu sprechen?" Frau Anna nickte zustimmend. Verzeihen Sie, bitte, die Störung, gnädige Frau. Mein Name ist Ella Brentano, ich bin Schauspielerin. Ich war heute in der Redaction des Herrn Doctor, fand denselben aber nicht dort, und bin nun hierher gekommen, um dem Herrn Doctor meinen herzlichsten Dank für die außerordentlich lobende Kritik über mein Ziel auszusprechen." Frau Anna war sprachlos. Das überstieg denn doch alle Grenzen, daß die Person sogar hierher in die Wohnunq zu kommen wagte. Haben Sie vielleicht sonst noch etwas auszurichten, was ich meinem j Manne bestellen konnte?" fragte t spitz. Ich danke Ihnen, gnädige Frau, Sie sind sehr liebenswürdig," entgegnete die Schauspielerin und wandte sich nach einem anmuthigen Neigen des Kopfes zum Gehen. Frau Anna schloß die Korridorthür und ging in ihr Zimmer zurück. Sie ärgerte sich darüber, daß sie die Schauspielerin nicht genöthigt hatte, einzutreten. Ihr Mann mußte ja heute zeitiger wie sonst nach Haus kommen. Sie hätte dann das Mienenspiel der Beiden beobachten können und hätte vielleicht Gewißheit gehabt. Dann fiel ihr wieder der Brief des Detectiv ein. Sie ging zum Schreibtisch, packte einen Hundertmarkschein, es war der letzte, den sie hatte, in einCouvert und sandte dasselbe an die gewohnte Adresse. Sie war kaum von ihrem kurzen Gange zurückgekehrt, als ihr Gatte mit einem anderen Herrn ankam. Sie hörte die beiden Stimmen, die ihres Rudolf und eines Fremden, auf dem Corridor. Bald darauf traten Beide ein. Liebes Frauchen," sagte Dr. Herbert. ich bringe Dir heute einen lieben Gast mit. meinen guten Freund und Reisebegleiter von meiner Weltumsegelei, Herrn Dr. med. Walden. der damals Schiffsarzt war und mich von meiner scheußlichen Seekrankheit mit einem guten Rum curirte." Der Fremde verbeugte sich: Verzeihen Sie, meine gnädige Frau, daß ich Sie so überfallen wage, aber Ihr Gatte, den ich heute in der Redaction aufsuchte, ließ mich nicht wieder fort." Das wäre auch noch schöner,- warf dieser munteren Tones ein, heute kommst Du von Deiner fünfjährigen Reise zum ersten Mal wieder nach Berlin. da wirst Du hübsch bei Deinem alten Freunde bleiben und ihm erzählen. wie es Dir ergangen ist. Was führt Dich eigentlich hierher?" Ach, das ist eine lange Geschichte. Ich bin nämlich auf der Suche nach Jemand und, wie ich hoffe, hier auf der richtigen Fährte." . Das ist ja sehr interessant." warf die kleine Frau ein, um auch etwas zu sagen, übrigens," wandte sie sich an ihren Mann, war eben ein Fräulein Brentano hier, ein Schauspielerin, um Dir für eine gute Kritik oder, was weiß ich, persönlich zu danken." Was sagten Sie. gnädige Frau," kam der Gast ihrem Rudolf mit der Antwort aufgeregt zuvor, ein Fräulein Brentano? Und die war eben hier? Und Schauspielerin ist sie? Sie ist es ja, die ich suche!" In die sind wohl sämmtliche Männer verliebt, dachte Frau Anna etwas spöttisch, aber ein Blick auf den geradezu fassungslosen Dr. Walden belehrte sie, daß die Sache doch etwas ernster hier zu sein scheine. Verzeihen Sie meine Aufregung, gnädige Frau," sagte dieser, doch ste ist wohl begreiflich, wenn man fo plötzlich von einem Menschen hört, den man über alles geliebt hat und noch liebt. Ella Brentano heißt mit ihrem richtigen Namen Bremer. Ihr Vater war Justizrath. Ich war damals Student und grenzenlos in Ella verliebt. Als ich zum Doctor promovirte, hielt ich um Ella an, erhielt aber von der Mutter einen rundweg ablehnenden Besckeid. Ella und ich waren sehr unglücklich. Die Mutter wollte mit der Tochter höher hinaus. Da nahm ich Abschied und wurde Schiffsarzt, um draußen . in dem. wildbewegten Leben einen Trost für meinen Kummer zu suchen. Nach langer Zeit hörte ich, daß der Vater Ellas plötzlich gestorben war und Ella und die Mutter fast mittellos zurückgelassen hatte, daß Ella von dem wenigen Uebrigen sich hatte ausbilden lassen und, um sich selbst und die Mutter zu ernähren, Schauspielerin geworden war. Ich stand mit Ella längere Zeit in Correspondenz und da hatte sie mir geschrieben, daß sie unter dem Namen Brentano auftreten würde. Seit Monaten haben mich jedoch keine Briefe mehr erreicht, so daß ich den augenblicklichen Aufenthalt meiner Braut, denn als solche betrachte ich sie. nicht wußte. Sie werden meine Aufregung verstehen, gnädige Frau?" Frau Anna hatte sprachlos bald den Erzähler, bald ihren Gatten angesehen. Rudolf machte ebenfalls ein sehr überraschtes Gesicht, setzte aber durchaus nicht die Miene eines Nebenbuhlers auf. Da kann ich Dir ja herzlichst gratuliren, lieber Freund." sagte er zu Dr. Walden, und streckte diesem die Hand entgegen. Du wirst nun wohl
auch in den Stand der heiligen Eh: eintreten, wozu ich Dir und Deinem Fräulein Brentano alias Bremer aufrichtig Glück wünsche. Es ist ja recht schade, daß Du voraussichtlich der Kunst eine ausgezeichnete Schauspielerin raubst, aber das Verheirathetsein ist doch schöner. Ich kann aus Ersahrung sprechen, nicht wahr, Annie? Wer ist wohl so glücklich wie wir zwei Beiden?" In Frau Annas Augin traten Thränen. Sie nickte stumm. Wie hatte sie an der Treue ihres Rudi auch nur einen Augenblick zweifeln können? Der Gast empfahl sich bald. Er wollt: das Glück des heutigen Tages ausnutzen. Die beiden Ehegatten waren wieder allein. Frau Anna schwieg noch immer von den Mitteln, die sie in's Werk gesetzt hatte, und Rudolf plauderte von seinem Freunde, den er auf den gemeinschaftlichen Reisen oft aus seiner trüben Stimmung hatte herausreißen müssen. Der Vormittag des nächsten Tages brachte wieder einen Brief deZ Detectivs, in dem dieser bat, die gnädige Frau zwecks persönlicher Rücksprache aussuchen zu dürfen. Rudolf war kaum am Nachmittag g'gang n, als ter Mann sich melden liefe. Er hielt Frau Anna eine große Rede, daß er jetzt auf
der richtigen Fahrte sei, daß er aber dringend deswegen eines neuen Borschusses benöthige. Frau Anna erklärte dem gegenüber, daß davon nicht die Rede sein könne, da sie beabsichtige, die Beobachtung einstellen zu lassen. Wie gnädigste Frau befehlen, ich darf dann wohl die Rechnung für meine Bemühungen, die ich gewiß sonst noch mit Erfolg gekrönt gesehen hätte, nach Abzug der gütigst gezahlten Vorschüsse von zusammen 200Mark, liquiViren?" Der kleinen Frau wurde es ganz schwarz vor den Augen. Wieviel bekommen Sie denn noch?" preßte sie mühsam heraus. Ich berechne jede Observation.Alles in Allem, mit der Kleinigkeit von 600 Mark, gnädige Frau, und darf daher wohl um die noch zu zahlenden 300 Mark bitten." Ich werde Ihnen dieselben in diesen Tagen schicken, da ich augenblicklich nicht so viel im Hause habe, wollen Sie mir bitte das Bild zurückgeben? Verzeihen Sie, gnädige Frau. Das Bild werde ich Ihnen sofort nach Em pfang der genannt-: Summ: zusenden. Empfehle Mich gehorsamst. Frau Anna sank, als sie allein war, ganz gebrochen aus einen Stuhl. Wo sollt: sie denn bis morgen, spätestens bis übermorgen die Summe von 300 Mark hernehmen, ohne ihrem Manne etwas davon zu sagen? Ihrem Vater telegraphlren? Das gmg unmog lich. der war viel zu penibel in Geldangelegenheiten. Frau Anna wußte sich keinen Rath. Als Rudolf des Abends nach Hause kam, fand er die kleme Frau noch wach. Denke Dir, was mit passirt ist. sagte er, nachdem er sie begrüßt hatte, heute Abend war im Theater em ungeheures Gedränge in den Gängen, da ist mir meine goldene Uhr mit Kette gestohlen worden. Ich habe auf einen Kerl Verdacht, der schon seit nehreren Tagen mich m einer ganz unverscham ten Weise beobachtet hat, und der sich auch heute Abend dicht an mich herandrängte. Ich habe den Fall natürlich gleich bei der Polizei zur Anzeige ge bracht und hoffe, das Gestohlene wie der zu bekommen." In Frau Annas kleinem Kopfe stieg em fürchterlicher Verdacht aus. Sie ahnte irgend etwas sehr Schlimmes. Am andern Morgen wurde Rudolf gebeten, auf em Ponzeibureau zu kom men. Nach einigen Stunden, die Frau Anna mit immer wachsender, ihr nicht erklärbarer Aufregung verlebte, kam Rudolf zurück, glückstrahlend und die goldene Uhr schon von Weitem schwen kend. Denke Dir, was mir der Kerl noch fortgenommen hat. Er muß entschieden ein großes Interesse für mich gehabt haben, denn er hat mir auch meine Photographie, die ich wahrscheinlich in der Tasche trug, gestohlen. Hier ist sie," und Doctor Herbert hielt der leichenblaß gewordenen Frau .das corpus delicti vor die Augen. Das war sie wirklich, die Photographie. die sie dem Detectiv zur Beobachtung ihres Mannes gegeben hatte. Was ist Dir denn aber, wie siehst Du denn aus. Annie?" rief Rudolf bei dem Anblick seiner kleinen Frau. Ach, ich bin so grundschlecht, verabscheuungswürdig. elend!" Frau Anna brach in leidenschaftliches, nicht endenwollendes Weinen aus. Der Doctor suchte sie zu beruhigen, endlich gelang das, und nun erzählte die kleine Frau mit stockender Stimme die ganze lange Geschichte und wälzte sich die große Suld von ihrem gequälten Herzen herunter. Als sie zu Ende war und ihren Mann fragend ansah, brach dieser in in herzliches Lachen aus. Er faßte die ganze Geschichte als einen köstlichen Spaß auf und bedauerte die kleine Frau nur wegen der 200 Mark, die sie so verschwendet, und wegen der Angst und Sorge, die sie ausgestanden hatte. Doctor Herbert hatte ein viel zu reines Gewissen, um Frau Anna, die er über Alles liebte und der gegenüber er sich nicht der geringst! Untreu: b'wußt war, auch nur eine Minute zu zürnen. Die Geschichte mit dem Privaidetectiv. der sich zugleich als Spitzbube entpuppt hatte, blieb aber Geheimniß zwischen den drei daran Betheiligten. Frau Anna bat flehentlich, die Sache nicht an die große Glocke zu hängen, und ihr Mann willigte lachend ein. .; Die 300 Mark hat der Schwindl nie bekommen, dafür machte das glückliche Ehepaar während der Pfingsttgge eine Wunderhübsche kleine Rheinreife.
Die Whle. Nach dem Französischen des Jean Nameua. Karl war fünfunddreißig Jahre alt und Klara dreißig. Sie wohnten in Paris und waren kinderlos. Karl war Beamter des Crddit foncier, Klara arbeitete bei der Banque de France und beider Gehalt betrug zusammen 400 Franken, wovon sie sich so manchen Luxus erlauben konnten: einen Theaterbesuch in Botognelles, ein Rennen in Samt Queen oder einen Ausflug nach Auteuil. Eines Abends, als sie von den Höhen des Montmartre die Hügel der Buttes Chaumont betrachteten, feufzte Klara: Ach wie fchön muß es im Gebirge sein. Weißt Du was. besuchen wir einmal die Pyrenäen. Deine Familie stammt ja von dort her, und wenn ich nicht irre, hast Du sogar eine Tante in Pau." Ja wahrhaftig!" Karl erinnerte sich sogar ihres Namens. Tags darauf schrieben sie der Tante, daß sie ihre nächsten Ferien in Pau verleben wollten. Natürlich mußten sie, um die Reisekosten zu erschwingen, auf ihre bisherigen Zerstreuungen v:rzichten. Aber die Pyrenäen! Endlich nahte der August. Am Sonnabend reisten sie ab und 24 Stunden später waren sie in Pau. Die Tante aufzufinden war ein leichtes. denn sie handelte knapp vor dem Thor des Schlosses mit Zuckerwerk. Sie wies ihnen ein gutes Hotel an, da es aber regnete, bekamen sie von den Bergen nichts zu sehen. Tags darauf war der Himmel ebenfalls bewölkt, und die Berge versteckten sich beharrlich. Komm, wir wollen das Gebirge aufsuchen sagte Karl. Zu ihrem Glück aber schlugen sie eine falsche Richtung ein und statt sich den Pyrenäen zuzuwenden, gingen sie nach de: Seite der Ebene. Der Himmel heiterte sich auf, und plötzlich erblickten sie links eine Hügelreihe. Da sind die Berge," jauchzte Karl auf, und seine trunkenen. Blicke suchten den ewigen Schnee. Glaubst Du?" sagte Klara. Freilich! freilich!" Die Wolkenschleier zerflatterten. und der tiefblaue Himmel schimmerte lachend hervor. Bald strahlte auch die Sonne empor, und die feuchten Dämpfe zerflatterten vor den siegreichen Pfeilen gleich in die Flucht geschlagenen Armeen. Die beiden Städter setzten kopfschüttelnd ihren Weg fort. Da plötzlich blieb ihr Blick an einer Windmühle haften. Wie, also giebt's auf den Berggipfeln auch Windmühlen? Ei! Ei! Weißt Du was, Karl? Mit Deinen Pyrenäen ist auch nicht viel los." Aber sie setzten dennoch unentwegt ihre Wanderung fort, bis sie endlich ermüdet stehen blieben und sich umwandten. Karl!" Klara!" Ein Schrei des Entzückens rang sich von ihren Lippen. Denn in weiter Ferne schauten in gigantischen Ketten die Riesenkronen der Pyrenäen empor. Und die höchsten Firnen ragten schlank und stolz in den Himmel empor, als böten sie der Sonne die Eisblumm ihrer Gipfel dar. Ah, wie wunderschön," flüsterten sie beide, einander selig mit feucht-
schimmernden Augen sich zulächelnd. O diese zackigen Felsen, diese spltzigen Gipfel, diese märchenzauberumwobenen Gletscher, diese welligen Linien. diese schimmernde Farbenskala der Lufttöne, dieser goldige, strahlende Nebeldunst, der das Thal durchwogt! Tag um Tag kehrten sie hierher zurück. Ach nur einmal diese Berge aus der Nähe betrachten zu dürfen. Aber dazu langte das bescheidene Reisegeld nicht. Ein andermal! Ein andermal! Sie kauften Photographien und Landkarten, lernten die Namen aller Gipfel auswendig und weinten bei dem Gedanken' an'sScheiden. Ach wären wir doch hier geboren l Welche Wonne, hier im Freien, angesicbts jener hehren Berge zu leben! O welche -Seligkeit, ein Landmann 'zN sein und Gottes Erde zu bebauen, anstatt in dumpfer Schreibstube Ziffern an Ziffern zu reihen. Am Tag der Abreise, als sie von den Pyrenäen Abschied nahmen, trat der Müller auf die Schwelle feines Hauses. ' Grüß Gott, Herr!" Gott zum Gruß. Freund! Wessen ist die Mühle?" Mein eigen. Herr!" Haben Sie auch Felder?" Ja, vier Hektar." Ist auch 'das Besitzthum feil?" Hm! Ja, das hängt von den Umstanden ab", erwiderte der schlaue Bearner. den Fremden musternd. Was verlangen Sie dafür?", Fünfzehntausend Franken." Ach. was denn nicht. Aber hergeben würden Sie's auch für zehntausend?" Nie. zwölftausend ist der äußerste Preis." Damit wandte er sich zum Gehen, als Beweis dessen, daß er zu weiteren Conzessionen nicht zu haben. Da er aber sah. daß auch die Fremden sich entfernten, lief er ihnen nach. Sagen Sie mir Ihre Adresse. Herr. Es kommt manchmal vor, daß man Geld braucht und da könnt' es wohl möglich sein " Karl gab ihm seine Adresse und setzte seinen Weg fort. Aber Karl, bist Du toll," begann endlich Klara. Warum?Du willst diese Mühle kaufen?" I.. ich!" .Und das Geld?" . Wird auch da lein. Wir Werden
Taa und Nacht arbeiten und sparen. In vier Jahren haben wir die Summe beisammen. Anfangs werden wir sie verpachten, aber wenn wir pensionsfähig sein werden, ziehen wir uns zurück und werden auf unsere alten
Tage Mullersleute. Und werden je den Tag die Berge vor Augen haben. Gelt,' Frau Müllerin. Gieb mir einen Kuß." Und er streckte die Arme aus. als wolle er sammt seiner Frau auch die ganzen Pyrenäen an die Brust drücken." In's alte Joch geschmiedet, arbeiteten sie voll Begeisterung. Natürlich mußte nun gespart werden, um den schönen Traum zu verwirklichen. Adieu' Forellen! Adieu Theater und Ausflüge! Sie suchten Nebenbeschäftigung für die Mußestunden. Klara schrieb Adreßschleifen und Karl führte einem Kleinhändler die Bücher. Am Jahresschluß zeigte er ihr ein Packchen Banknoten: Das ist der erste Windmllhlenflügel," Frau Müllerin. Im zweiten Jahre arbeitete sie noch fieberhafter. Nur Abends, wenn ihnen die Feder aus der Hand fiel, holten sie ihre Landkarten und Photographien hervor und versenkten sich in den Anblick ihrer Berge. Blieb ihnen im Amt ein Augenblick Zeit, so zeichneten sie auf jeden Papierstreifen die Gipfel der Pyrenäen. Klara wußte den Gabuos naturgetreu zu entwerfen, Karl den Zinken des Midi d'Ossan. Sie zeigten den Collegen die Zeichnungen, schilderten das Panorama, und luden sie ein, später einmal ?ie Ferien bei ihnen zu verleben. . Frau Müllerin, der zweite Windmühlenslügel," frohlockte Karl am Sylvesterabend, wieder ein Päckchen Banknoten vorweisend. Beide waren etwas abgemagert, Karl ging augenscheinlich gebückt und Klara hüstelte eigenthümlich. Aber all' ihre Gedanken galten der Mühle, all' ihr Sehnen ging nach den Pyrenäen. Am Sonntag schmiedeten sie Pläne; hier wurde ein Zubau aufgeführt, links ein Obstgarten angelegt, rechts ein Weingarten gepflanzt. Dann besprachen sie die Möbel und stritten über die Einrichtuno. Schon war die Summe nahezu vollzählig. Da erkrankte Klara und der Arzt erklärte, sie sei lungenkrank und dürfe nicht in's Bureau gehen. O ich Elender," jammerte Karl verzweifelt, ich bin daran Schuld. Sie hat zu viel gearbeitet und sich zu schlecht genährt. Gott hat meinen Hochmuth gestraft." Wie, seine Frau Müllerin sollte sterben? Sterben, ohne die Mühle zu besitzen. Nein, nein, unmöglich." Auf alles wollte er verzichten, nur seine Klara, seine Frau nicht sterben ach, nur nicht sterben! Du wirst nach Pau reisen, das südliche Klima wird dir Genesung bringen, der Anblick der Berge wird Dich heilen. Du bleibst über den Winter in Pau. Freilich wird ein Windmühlenflügel draufgehen.' Doch was thut das. Werde nur gesund, Frau Müllerin." Klara weigerte sich anfangs. Nein, nur nicht das schwer erworbene Geld vergeuden; man kann auch in Paris, im Nebel und in der Kälte gesund werden." Sie flüsterte dies mit kaum vernehmbarer Stimme, aber Karl zwang sie, zu reisen, begleitete sie nach Pau, miethete eine Wohnung und blieb acht Tage bei ihr. Die Mühle besuchten sie nicht. Wozu? Dann reiste Karl, ab und Klara blieb allein. Jbr Mann schickte ihr monatlich dreihundert Franken und sie schrieb ihm wöchentlich zwei mtt, in den sie ihn ob dieser Berschwendung auszankte. Wenn er das Geld in die Sparkasse trüge,' so könnte man die Mühle schon ankaufen. Im Mai erhielt er ein Telegramm. Komme sofort!" Zu Tode erschrocken reiste er mit dem nächsten Zuge nach Pau. Am Bahnhof erwartete ihn Klara, zur Unkenntlichkeit abgemagert. Schluchzend umarmte er sie. Oh Klara, fo hast Du mich also getäuscht. Dir ist nicht wohler." O ja." slüsterte sie, viel wohler, freilich bin ich nicht stark und auch etwas mager. Aber jetzt wird alles gut werden. O Karl, sie ist unser unser! .Unser? Wer? Was?" Die Mühle." WaS redest Du?" Schau her, da ist das Geld, welches Du mir geschickt hast. Zweitausend siebenhundert Franken. Und da ist das Uebrige" fuhr sie schwerathmend fort, eine Handvoll Goldstücke aus der Tasche lanaend. Ich wollte Dich damit überraschen. Siehst Du. ich bm nicht m dem theuren Hotel geblieben, wozu auch? Anstatt dessen babe ich bei einer englischen Familie einen Posten als französische Lehrerin genommen, so daß mich mein Aufenthalt im Süden nicht nur nichts aekostet. sondern mir noch Geld eingebracht hat. Und jetzt kannst Du die Müble kaufen. So küsse mich doch. Karl, küsse mich, küsse r?ich. Und ohnmächtig sank sie in, seine lrme. Als sie wieder das Bewußtsein erlangte, konnte sie sich kaum mehr aufrecht halten. Bin ich wirklich ernstlich krank?" flüsterte sie verwundert. Trotz der aufopferndsten ärztlichen Pflege ward sie täglich schwächer, und eines Tages fühlte sie das' Nahen des Todes. Karl-, flüsterte sie. Karl, lebe wohl. Weine nicht. Ich wäre ja so auch gestorben. Du weißt ja, Lungenkranke gesunden nicht. Weine nicht, Geliebter. Siehst Du dort die Berge. Wie schon ' sie sind. Rücke meinen
Sessel an's Fenster! So! Nicht wahr, Du wirst mich hier be--graben? Bon meinem Grabhügel wird man die Pyrenäen sehen Und Du kaufst auch die Mühle und wirst jeden Abend die Berge betrachten und Dich meiner er innern. Nicht wahr, Geliebter Und Klara hauchte ihren letzten Seufzer aus, indeß die fernen Felsengipsel im Glänze der sinkenden Sonne zu wachsen schienen, als böten sie dem Himmel den rosigen Schnee ihrer Zinken dar. ZNiszlungenc List. Ecne sachsscheGesch'chie. Da macht'ch Se ncilich mit meinem
Frcindc Bommrich ünnc Spritzparthie nach Tharandt. 's war ü wunderscheencr Tag und außer uns ztrcc Bccdcn waren noch Tausende von Luft schnappcrn uft d'n Beencn. Un'rn Bcbm'schcn Bahnhöfe angekomm'n, wies uns d'r Schaffner ä leeres Coupcedritter Eite" an, m das n r sofort llettcrten. Tu. häre, Edcward, ich wlnschte. 's käme weiter Niemand mehr in unscr Coupee chcn." mcente ich. Na das wer n m r schun machen," erwiderte Bcmmrich - Edcward, z'.ch" norr gefälligst ämal d: Thire 'rum, laß's (loupcefcnster 'runter und stell'' D'ch mit Deiner wohlbeleibten Perscen lichkcet d'rvor. Das Ankcrc wär' iH besorgen." Ich that, wie mei Fremd mir cje heeßen batte, währenddem daß dieser sich im Hintergrunde des Wagens ver borgen hielt. r Der Andrang zum Zuge war a ganz, bedcitender, und eenige Male war d'r Schaffner nahe d'ran, uns'rc Ccupee thiere ze öffnen und Paffagiere 'reinze laffen. Jedesmal aber schicn'ch dorch meine imponirende Persccnlichkcet das Uebel abzuwenden. Uff cemal kam änne ganze Gesellschaft Hcrr'n und Da--men d'u Bahnsteig entlang und suchte Pläke. Und wen sah'ch dadiunter?' Mein'n Nachbar Knusicke. Ich wolltemich verstecken, aber Knusicke hatte mich schun gcsch'n. denn Klccßchcn, Nachtbar Kleeßchcn, haben Se for uns noch' a PläZel?" schricch'r aus Leibeskräften.. Da härt'ch plötzlich ä ganz märder-" liches Kindcrgcschni hinter mir. Er--schrocken guckt'ch mich um, wußt'ch doch, daß außer mir und Bommrichen keeneMenschensccle weiter im Coupee war.. Und was sahk'ch? Mei Freind Edewardsaß gemiedlich uff d'r Bank und heilte,. schrie und quäkte mit änner jammervollen Fistelstimme so natirlich, daß'ch'' vor'n ärschten Oogenblick ganz Perplex, war. Nee, Klecßchcn, in solche Gcsill--schaft begähm m'r uns mÜ" schrie da, mei Nachbar Knusicke, der de schun mit ' cenem Fuße uff'm Trittbrette stand,, woruff'r umkehrte und mit seiner gan zen Sippschaft nach än andern Wagen: gondelte. Noch eenige Mal versuchten Leite, irr unser'm Scperatcoupccchen ä Plätzchen ze finden, jedesmal aber machten se rechts mnkehrt, wenn se das kläglichcKindcrge schrei meines Fremdes Bommrich härtm. Mirhuppte das Herze im Leibe vor Lachen, und beinahe vicreck'g freit'ch nlich. wenn'ch sah, wie uns uns're tlccne List: so hibsch glickte. De Hauptgefahr war ibrigcnds voriber, denn es fehlte kaum noch änne Minute bis zum Abgange des Zuges und norr dann und wann kam noch ä Spätling mit hochrothem Gesichte angehetzt,- um noch mit fort--zekommen. Bommrich schmunzelte vorBergnigen und belohnte seine Kunft sertigkcit im Kinderstimmen-Nachahmen dad'rmit, daß'r sich ccne von seinen de richtigten Fimspscnnigcigarren ansteckte. Da kommt uff eemal, g'rade noch-, vor'm Abschnappen, änne dicke. läntlich gekleidete Frau, in jedem Arme ifc kleenes schreiendes Kind, wie änne iberheezte Dampfstraßenwalze angckeicht D'r Zugfihrer hatte schun sei Pfeifchen zwischen d'n Lippen. Schaffner, he Herr Schaffner nehm'n Se mich norr noch mit!" schri die wohlbeleibte Maruschel schun voir ferne. Der Schaffner guckte hin und her, denn seine Wagen waren schun alle voll. Die Frau kam in uns're Nähe. ,, Bommrich, um's Himmels willen, schreie so laut und jämmerlich als De kannst, 's iö Gefahr im Ber zuge!" kommandirte ich und lehntemich wie ä schitzender Engel an's Fcn ster. In demselben Oogenblicke heilteeS wieder in den herzbrechendsten Tecnm hinter mir, so daß'ch mit aller Gewalt 's Lachen verbeißen mußte. ..Sie, Schaffner, machen Se norr hort'g und geschwinde hier uff!" äsch perte die Frau und stand im nächsten. Oogenblicke an uns'rer Thire. Hier blält schun Eens, da fallen meine beeden Schreihälse am wenigsten uff!' D'r Schaffner riß unsern Wagenschlag, uff und schob die umfangreiche Doppel muttcr mit ihren beedcn kimft'gm Opernsängern in unser Coupee. Gleich druff pfiff de Lukemative und fort ging de Fuhre. Bommrich und ich warm von der Affaire wie vor'n Kopp geschlagen und llce laut zog'ch mich von mein'm treibewachten Fenster zerick und ließ de Ohren häng'n. Uns're mitterliche Reesegeführtin machte sich's bequem und suchte durch allerhand Faxm die tlecnen tobenden Sprößlinge ze beruhigen, was ihr aber norr sehr unvollkommen gelang. Große Oogen jedoch machte se, als se sich in unser'm Wagen umsaht und norr zwee eenzelne Herr'n, aber kee schreiende Kind bemerkte. Daß ich und Bommrich'Cde mit dein Erfolge unser's listigen Unternehmens hccchst unzefrieden waren, läßt s ch den ken, und froh war'n m'r, als m'r end Zich in Tharandt aussteigen konnten. Richtig gestellt. .Dertor Freundlich soll ja, trotzdem er Junggeselle ist. die Kinder sehr lieben?" O gewiß! Alle die, bei dereru Eltern i Hausarzt ist.-
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