Indiana Tribüne, Volume 21, Number 298, Indianapolis, Marion County, 17 July 1898 — Page 2

Welche? Won T. Leomar. ' Draußen regnete es in Strömen, bic !Straßen waren menschenleer und tödtliche Langeweile lag auf den Gesichtern, die man hier und da an denFen-ste-rn sah. Wie groß war daher meine Freude, ls ich meinen Freund Arthur im Caf6 Zum alten Türken" antraf; wir plauwerten und vergnügten uns später damit, die Vorübergehenden zu betrachten, welche jetzt, da der Regen aufgehört, die breite Straße vor dem Fenster als Corso benutzten. Daß Arthur sein Augenmerk nur uf hübsche junge Damen richtete, war ich an ihm, den man im Bureau den Lilienknicker" nannte, gewöhnt und war daher gar nicht überrascht, als er mich plötzlich frug, wer die schlanke Brünette, die eben vo.rbeischritt, sei. Ich konnte ihm leider die gewünschte Auskunft nicht geben. llebrigenä", fuhr ich fort, bekenn: einmal offen und ehrlich, warum heirathest Du nicht? Du wirst gewiß ein guter Ehemann werden und fühlst Dich doch jetzt gar nicht zufrieden. Also beichte, warum heirathest Du nichts Arthur entgegnete mitPathos: Warum wollte sie nicht? Ich wäre dann bereits sechs Jahre verheirathet!" Oho, das ist mir ja ganz neu. Du hast also schon einmal " Einen Korb erhalten", ergänzte er, ja, mein Lieber, hat mir damals recht weh gethan." Aber heute nicht mehr", beZnerkte ich. .sechs Jahre, diese Wunde ist längst vernarbt." Arthur lächelte. Du hast recht, dies Wunde giebt kein Blut und übrigens -ist es gut, daß es so ausgefallen Ich glaube, der Hauptgrund meines cölibatären Lebenswandels ist Ueberfluß an Damenbekannten; di?s: gefällt mir, jene aber auch; die Wahl lieber Freund, znacht mir Qual. Ich weiß nicht welche?" Allerdings ein bofer Fall", erwiderte ich nach einer Pause, aber lasse mich einmal Deine Liste hören; Namen braucht's ja nicht dazu." Nun also", lachte er, da ist z. B. No. 1. Sehr hübsche 22 - jährigeWittwe. kinderlos mit viel Vermögen, Zurzum, Partie corame il saut. Allerdings sehr temperamentvoll, etwas .reizbar, ein Gemisch von Launen und Stimmungen, dabei kann sie mich sehr gut leiden, aber es wäre eine Lüge, wenn ich ihr sagen würde: Gnädige Frau, kch liebe Sie". Mit einem Worte: Geldheirath ohne Liebe brr".

No. 2. Junges hübsches Mädchen, gediegene Erziehung, sehr häuslich, gemüthvoll, aber leider ohne Vermögen." Das Ware kein Hinderniß", meinte rch. Nein", meinte Arthur, es wäre eine Liebesheirath aber ich bin nicht verliebt." No. 3. Siehe No. 2, vielleicht weTiiger häuslich und weniger hübsch, kein Vermögen, aber Lehrerin, verdient 100 Gulden monatlich und ich hätte eine Riesen - Protection. Facit: Vernunft - Ehe.Und der Pulsschlag, wenn Du bei ihr bist", frug ich. Matt. Jetzt kommt No. 4: Sehr hübsch, auffallend sogar, aber sie weiß es; jung, nicht sehr häuslich, dafür aber kein Vermögen. Fesselt jeden Mann, der ihr in die Nähe kommt und ist trotz ihrer 26 Jahre noch ledig, es geht bei Keinem tief. Wenn ich bei ihr bin, verliebt wie ein Gymnasiast, geh' ich weg Feuer auch weg." Verstehe", lachte ich, also auch nichts. Aber weißt Du, was ich an Deiner Stelle thäte?" Habe keine Ahnung." Allen würde ich den Hof machen. Entweder spricht Dein Herz nach einer gewissen Zeit oder " Ich bin dort, wo ich heute bin", spottete Arthur. Aber wenn ich mich in alle drei verliebte, was dann?" Dann", gab ich lackend zur Antwort, heirathe die Wittwe." Gut, ich will Deinen Rath befolgen." Monate vergingen, ohne das wir uns sahen; ich und er waren durch Reisen verhindert uns zu treffen ; umsomehr war ich erfreut als ich eines Tages. seine Verlobungsanzeige erhielt. Nun", dachte ich, er scheint mir doch gefolgt zu sein. Doch welche ist es?" Ein beigeschlossener Brief klärte mich darüber auf: Lieber Freund'. Wie Du siehst, bin ich Deinem weisen Rathe gefolgt und habe mich in Hymens Fesseln schlagen lassen, und wenn Du nun frägst .welche" so wisse: Keine von jenen, aber eine, die besser, schöner und reicher ist als sie lle; ihr Herz allein, welches mir gehört, ist unbezahlbar. Zur 'Hochzeit mußt Du bestimmt kommen! Dein glücklicher Arthur.i Der Galanteriedegen. Minna: Du, Ricke, warum tragen denn die Soldaten den Säbel allemal links?" Äieke: Na, weil doch rechts immer wir Damens gehen." U n v e r d a u l ich e K o st. Redakteur: Um Gotteswillen. Johann, was ist Ihnen, haben Sie Gift genommen?" Johann: Ach nein, Herr Doctor, aber ich habe den ganzen Inhalt vom Papierkorb gelesm." D i e Radlerin. Haben Sie keine Angst, wenn Sie Rad sahien. meine Gnädige?" Ich nicht, aber die Leute, die nh in Un Weg kommen." Auf der Wrautschau. Heirathscandidat (zur Frau des Hauses): Gnädigste Frau, mein Eomplinient! So gut habe ich schon lange kiicht gegessen." Der kleine Fritz: Wtt auch mfyr v 9

Iie gute alte Zeit. Von E. H. Wir hatten. Frauen und Männer, die Sitzung eines Vereins abgehalten, der sich zur Aufgabe stellt, dem Wohle der schulentlassenen Jugend zu dienen. Nach geschehener Arbeit saßen wir noch bei einem Glase Wein plaudernd zu-

sammen und suchten ein Uebrlges zu thun, im Anschluß an unsere Fürsorge für die Jugend die soziale Frage auch auf etwas weiterem Gebiete zu lösen. Wie ein Wort das andere gab, blickten wir nicht nur in die Zukunft, fondern auch in die Vergangenheit und die oft gehörte Behauptung wurde wieder laut, daß solche Zustände früher nicht vorgekommen seien, daß eine solche Verwahrlosung, Liederlichkeit, Unzuverlässigkeit, wie sie heutzutage die ärmeren Klassen erfülle, nahezu unerträglich sei. Mit einem Wort, es wurde die gute alte Zeit gelobt. Ich habe dergleichen Erörterungen so oft angehört und so oft vergeblich gegen diese Anschauung anzukämpfen gesucht, daß ich mich fast grundsätzlich m derartigen Debatten nicht betheilige. Diesmal war eS eine Dame, der eine sehr offene Hand nachzurühmen ist, die mich durch ihre naiven und gleichzeitig etwas anspruchsvollen Behauptungen über die gute alte Zeit reizte, aus meiner Zurückhaltung heruszutreten und ihr zu sagen, daß all die Mängel, die sie eben in Ansehung der Gegenwart beklagt hätte, in ebenso hohem, wenn nicht in höherem Maß in den allerverschiedensten älteren Zeiten in ganz gleicher Art beobachtet worden seien. Wo immer prüfungsloses Almosengeben vorherrschte, wo die öffentlichen BeHorden m den Bedürftigen nur schädliche oder unnütze Glieder der Gesellschaft erblickten, wo äußere Motive an die Stelle der inneren, der Nächstenliebe, getreten seien, fänden sich ebenso viel Klagen über unverschämte Bettler. uberVerwuderung und Zuchtlosiqkeit der unterenKlassen, über VerWahrlosung u. s. w. Ja, man könne die ganz überraschende Wahrnehmung machen, daß das Zeltalter fast ohne Einfluk auf die Verhältnisse der Menschen zu einander bleibe. Immer verweist die lebende Generation auf die vorangegangene, in der so etwas nicht möglich war, und immer zeigt sich, daß wenn man im Uebrigen die Sitten und Gewohnheiten eines Zeitalters in Rechnung bringt die Men schcn überall innerlich dieselben geblie ben sind. Ich behaupte sogar, daß keine Zeit planvoller, innerlich eindrin. l gender Fürsorgethätigkeit, an BereitWilligkeit zu persönlichen und finani ziellen Opfern für die Bedürftigen rei cher gewesen ist als unsere Zeit. Da steht denn Behauptung gegen Behauptung," erwiderte die Dame, Sie könneu es ebensowenig beweisen wie ich." Ich bitte sehr um Entschuld!gung," erwiderte ich, ich kann es beweisen. Wollen Sie mit mir eine Wette eingehen?" Ja, dann werden Sie sich hinter Ihre gelehrten Bücher setzen und mir nach einigen Monaten eine Abhandlung präsentiren, in der Sie alles zusammengestellt haben, was sich Uebles von alten Zeiten nur sagen läßt." So langer Zeit bedarf ich durch" aus nicht, gnädige Frau. Ich bin bereit, Ihnen binnen einer Stunde den Nachweis zu liefern, ohne vieles Studium, lediglich durch Auszüge auS Büchlein, die mir zufällig zur Hand sind." Die übrige Gesellschaft hörte unseren Erörterungen aufmerksam zu, bis einer von ihnen den Gedanken aussprach, es wäre doch ganz hübsch, wenn dieser Streit dadurch beendet würde, daß die Dame sich zu einer Gabe für den Verein verpflichtete, sofern ich den Nachweis in so kurzer Zeit zu führen im Stande wäre. Ich verpflichtete mich darauf feierlich auf Mannesehre, daß ich nicht mehr als eine Stunde auf die Arbeit verwenden und sie am nächsten Tage der Dame überreichen wolle. Am nächsten Tage griff ich aus's Gerathewohl einige Werke über Armenwesen heraus, in denen ich auf Ausbeute hoffen konnte, doch überraschte eS mich selbst, wie leicht ich der Aufgabe genügen konnte und wie zahlreiche Zeugnisse schon bei flüchtigstem Durchsehen sich mir zur Verfügung stellten. Auch für weitere Kreise werden diese Aeußerungen von Interesse sein. Ich gehe dabei in absteigender Folge von unserem Jahrhundert aus. So schreibt Beisler in seinen Betrachtungen über Gemeindeverfassung und Gewerbewesen 1631: Dahin gehören die Klagen in allen Ständen über zunehmende Nahrungslosigkeit, ein stets wachsender Andrang unbeschäftigter Handwerksgesellen, ohngeachtet so viele unter dem Schutze der neueren Gesetze zur Ansässigmachung gelangt sind, ein alle ErwerbsMittel weit überschreitender Luxus in den mittleren und unteren Klassen des Volkes, eine unglaubliche Sittenlosigkeit der unterm Klassen des Volkes, namentlich des Gesindes, eine bedeutende Zunahme der Bettler und Landstreiche?, eine beunruhigende Vermehrung der Holizeillbertretungen, der Vergehen und der Verbrechen, ohngeachtet überall eine wohl vrganisirte Gendarmerie oder anders benannte, zu demselben Zwecke errichtete Corps ohne Vergleich mehr die öffentliche Sicherheit leisten, als die früheren EinAchtungen; endlich ein allgemeines Unbehagen, eine laute Unzufriedenheit der Völker, die nahe daran sind, an Allem irre zu werden und an jeder Wendung zum Besseren zu verznxisein. Diese Erscheinungen sind nicht neu. ihre Entstehung geht auf 20 bU 30 Iahte zurück, aber sie treten täglich entschiedener hervor und die Frage wird immer dringender: Was hat man gethan unb waö ist zu thun bei I

diesen geschichtlich beglaubigtenSymptomen der Staatenaüflösung?" Glaubt man nicht ein Buch von heute zu lesen? Würde sich einSchriftsteller unserer Tage anders ausdrücken? Und doch gab es damals noch keine Eisenbahnen, die große Mengen von Arbeitern vom äußersten Osten zum äußersten Westen in ebensoviel Stunden befördern, als früher Tage und Wochen dazu nöthig waren; und doch war die Industrie noch weit entfernt davon, Großindustrie im heutigen Sinne zu sein. Ebers bemerkt in seinem Buch über das Breslauer Armenwesen 1823: In den neuesten Zeiten hat man besonders darüber geklagt, daß die Neigung zum Trunk und zu verwandten Genüssen, zum Tanz und zu anderen, öffentlichen Lustbarkeiten bedeutend zugenommen habe. Die Klagen über schlechtes Gesinde hört man allgemein und immer die alten: Mangel an Anhänglichkeit an die Herrschaft, Untreue. Arbeitsscheu und Lüderlichkeit. Man bemerkt auch bei uns, wie jetzt in der Welt überhaupt, einen Geist des Egoismus und der Genußsucht ein Streben, um die eigene selbstische Existenz festzustellen und eine daher rührende Theinahmlosi.zkeit gegen das Wohl Anderer und selbst gegen öffentliche Verhältnisse, welche zu vielen Klagen Anlaß geben und das Gute und Sittliche mannigfach hemmen." Im 18. Jahrhundert läßt sich ein Berichterstatter über die Verhältnisse in der Schweiz dahin aus: Auch die Dienstboten machen sehr große Ansprüche, die der Meister befriedigen muß. sonst laufen sie fort und wenden sich der Spinnerei und Weberei zu."

Also auch schon damals die jetzt beobachtete und mit Recht als ein schwerer Mißstand betrachtete Neigung der Mädchen, die mit völliger Freiheit verbundene Thätigkeit als Fabrikarbeiterin einem Dienst vorzuziehen. Geht man noch ein Jahrhundert zurück, so smdet man belsplelsweise m der Gei ser'schen Geschichte des bernischen Ar menwesens eine große Anzahl von Nachrichten aus der Zeit nach dem dreißigjährigen Kriege ähnlicher Art. 1631 ließ der bernische Rath ein schreiben verlesen, m dessen Emler tung es heißt: Es ist menklichem bekannt und wird durch die die tegliche Erfahrung - " -. i t . r r x. c . . . . oczugei, oan nunmeor em eoer zu Stadt und Land sich des Müßiggangs und Bättels behelfen will, obwohl er Lybssterke und Gfundheit halber sich und die Synen mit ehrlicher Handarbeit und dem Schweiß seines Angesichts nach dem Wort und Befehl Gottes wohl fürbringen und ernehren könnte. Aus demselben, als dem Ruheküssi des Tüfels fließen allerlei böse Frücht. als Raub, Mord, Diebstal und Brand, Ueppigkeiten und Anderes mehr", was schwere Strafen Gottes nach sich ziehe. In der Chronik des Bauers von Vrecherssäusern wird darüber geklagt, daß man je länger je mehr von der alten Einfachheit abgekommen sei und das Geld mit unnützen Dingen vergeude. Man gat mehrenteils von Wyns wegen gan Burgdorf, etliche noch gan Langenthal und davon haben unsere Väter wenig gewußt: sie sind ehe dafür daheim blieben und haben Weib und Kindern Hosen und Schuh geblätzt, öder neu Wässerigen und Weyer gemacht, selbst die Hand an den Pflug gelegt, mit Säyen und Mäyen umgangen. Sind sie wyt gereiset, so haben sie Spys zu sich genommen und das Geld gesparet." In der Salzburger Chronik von Steinhausen vom Jahre 1587 findet sich folgende Stelle: Der Bauer hiesigen Landes thut was er will sitzt Tag und Nacht beim Wein, singt, kartet und spielt mag Wehren, Spieß und lange Messer tragen hat seine Lust an köstlichen überflüssigen MahlZeiten absonderlich bei Todtenmetten und Kirchweih etc. Das gemeine Volk ist ziemlich hoffärtig. trägt gern köstliche Kleider mit Gold. Silber und Seiden geziert. So oft eine neue Manier in Kleidung oder sonst aufkommt, so meint Jeder, er muß sie zuerst haben; das BauernVolk. Weib und Mann, Junggesellt und Dirne kleidet sich in Sammt und Seide, wie solche vorher in der alten Welt für Ritter und Frauen genugsam gewesen. Die Leute hiesigen Landes sind grimmig und unverträglich die Bauern noch mehr denn die Städter dem Trunk gar sehr ergeben wird kein Handel ohne Wein geschlossen, da sie sich denn vollsaufen. Gottes vergessen, seinen heiligen Namen unehren und zuletzt Händel und Streit anfangen." Und derReformator Zwingli spricht aus. indem er an die Zeit der VorVäter erinnert: Sie haben sich mit saurer Arbeit ernäbrt; es will jetzt Niemand thun und man läßt das Land verwildern und wüst liegen, weil man keineArbeiter hat. wiewohl Volks genug und das Erdreich gut ist. Aber der Eigennutz führt euch zum Müßiggan und ist doch die Arbeit ein gutes göttliches Ding, daß sie vor Laster schützt und die Krankheiten des Leibes verzehrt und ihr die Frucht . immer noch gut ist." Und wiederum ein Jahrhundert früher enthält die Schilderung der Wiener Zustände am Ende des 16. Jahrhunderts von einem Zeitgenossen folgenden Passus: ' Das Volk ist ganz fleischlichen Lüsten. ergeben und waS die Woche über mit schwerer Arbeit verdient ist. daS wird am Feiertag alles verzehret und ist ein verschlemmtcs wüstes Wesen. Liederlrchen Dirnen ist eine große Schar, und eine Frau hat selten an einem Manne genug. Kcmmen die Ekeln zu den Bürgern, so bringen diese ihre Frauen zu ihnen in Heimlichkeit; haben sie den Wein aufgetragen, so gehen die Bürger aus dem

Hause und weichen den Edlen. Viele Töchter nehmen Männer ohne Wissen ihrer Väter, und die Wittwen verheirathen sich nach ihren Lüsten während des Trauerjahres. In der Stadt sind wenig Leute, von deren Urgroßvater die Nachbarschaft etwas weiß; alte Geschl-'-chter sind sehr selten. Die reichen Kaufleute, wenn sie alt geworden, nehmen ihre Mägde zu Frauen, die sie dann bald als Wittwen hinterlassen, diese heirathen dann ihre Hausknechte, mit denen sie fchon vorher Ehebruch getrieben, so daß, wer gestern arm war, heute reich wird und es dann bald ebenso macht. Man sagt auch, daß viele Frauen ihre Männer, wenn sie ihrer überdrüssig geworden, mit Gift aus dem Wege räumen. Auch ist bekannt, daß viele Bürger auf Anstiften ihrer Frauen von Edeln erschlagen werden, mit denen sie bei Hofe gebuhlt." Ich hatte die vorstehenden Stellen säuberlich abgeschrieben und zum Trost noch zwei Aeußerungen hinzugefügt, die Ebers und Huber an Stellen, wo sie über diese Dinge berichten, aussprechen. Der gemüthvolle Ebers sagt in der eben erwähnten Arbeit im Jahre 1823: Der Irrthum also, in seiner Zeit die moralischen Uebel vollkommen entwickelt und ausgebildet, in der Vergangenheit aber mit dem sanften und mildernden Dämmerlichte der verstrichenen Zeit zu erblicken, liegt ebenso in der Natur des menschlichen Geistes, als in ihm der Keim der Hoffnung für ein besseres Leben fest begründet erscheint." Und der treffe liche Huber bemerkt in einem sehr lesenswerthen Aufsatz, den er Die gute alte Zeit" überschrieben hat: So

sehr entbehrt in der That jener ruawärts gewendete Optimismus in seiner allgemeineren und trivialeren Form und Haltung jeder historischen Begründung, daß es nicht vefremoen kann, wenn man in den geistig und wissenschaftlich höheren Regionen sich um eine andere vaiiung unv oeren bessere Bearünduna bemüht zeigt." So ausgerüstet, begab ich mich zu der befreundeten Dame, die stet nunmehr als besiegt erklärte. Aonnc. Von Theodor Artope. Durch die kleinen Fenster des Kell,?n,sckosses üebt ein blasses, mageres Kindergelicht mit großen, weiten Augen hinaus aus den Hos. .hol Mauern ringsum. Grau, düster steigen sie aus der Tagesdämmerung. die an ihrem une zivilen ibnen sick ausbreitet, auf. h'.nauf, schier bis in den blauen, t sonnigen Himmel hinein. In stiller, yeinereonsucht haftet der Blick des Kindes an den Sonnenfunken, die an der Dachrinne blitzen, und wandert hinauf nach dem kleinen Stück klaren, blauen Himmels. der wie ein fernes Paradies, unerreichbar hoch, über. dem düsteren Hofe lacht Eine schwere Krankheit lag hinter dem Kinde, einem Mädchen von etwa zwölf Jahren. Mit Mühe war es dem Tode entronnen. Das Kind muß hinaus in frische Luft, in die Sonne," hatte der Doktor gestern zur Mutter gesagt. Die Krankheit hat es überstanden, aber gesund kann es hier nicht werden." Ach Gott, ja!" erwiderte die Mutter. Wenn wir nur fort könnten! Der Vater ist die ganze Woche in der Fabrik, und ich hab' hier die Kinder zu versorgen." Ach. mein Gott, ja! . . ." Und die Mutter hatte mit der harten, schwieligen Hand zärtlich die blassen, eingefallenen Wangen der Kleinen gestreichelt. Es hat mir schon so brav helfen können in der Arbeit, das Mariannchen!" Dann hatte sie den Zipfel der blauen Schürze an die Lippen geführt und still vor sich hingeschluchzt. Haben Sie schon den Versuch gemacht, ob es unter die kleinen Feriencolonisten aufgenommen werken könnte?" meinte der Doktor. Mein Mann ist selber beim Lchrer gewesen, aber es hieß, weil voriges Jahr hier unser Wilhelm mitdurfte, wird's nichts sein . . ." Traurig!" Und damit war -der Arzt gegangen. Draußen vor der Stadt, inmitten eines großen, herrlichen Gartens lag die Villa eines reichen Mannes. Aus einem der großen, hohen Zimmer, die zu ebener Erde lagen, konnte man durch eine Thür direkt ins Freie treten. Die Flügelthüren waren weit geöffnet, so daß die warme, sonnige Luft in mächtigen Wogen hereinfluthete in das Gemach. Drinnen saß in halbliegender Stellung auf einem Divan ein Kind, ein Mädchen. Auf der weichen, kostbaren Decke, welche die zarte Gestalt leicht bedeckte, lagen die Arme, müde ausgestreckt, an den kleinen, blassen Händen schimmerten die blauen Adern. Dte Augen waren hinausgerichtet durch die offenen Thüren auf die blühendenBlumenbeete, auf den leise plätschernden Springbrunnen, und sie schweiften hinüber bis zu den hohen Platanen an: Rande des smaraz"':chtenc'i' Na sens. Neben dem Ruhelager saß auf einem chinesischen Gartenstuhl eine Dame, die Mutter des Kindes. Mit zärtlicher Freude ruhte ihr Blick auf dem Kinde. Ach, manche Thräne hatte sie vergossen in den vergangenen Tagen und Wochen, mancher Seufzer, manches stille Gebet war dem angstvollen Mutterherzen entstiegen; denn ihrLiebling war krank gewesen, schwerkrank! Gnädige Frau, der Herr Doktor!" meldete ein Diener. Ich lasse bitten!" Der Arzt trat ein. Die Frau des Haujes erhob sich und reichte ihm die Hand. Man merkte es den Beiden an, daß sie gemeinsame

Sorae und Müde aetraaen: äii& das

Maddxn wandte mit müdem Läckeln ihren feinen Kopf nach dem Arzte hin, welcher einen raschen, prüfenden BN6 uver das Gestcht warf, aus dem eine feine Nöthe sich ausgebreitet hatte. Er nickte befriedigt und sagte: Alles gut!" In die offene Thür tretend und trnf ttrrn Vnnftfxi? rtsft V. ill VttlVttl VVt.ll)(. UUlVil jliu llil grüne, kleine Paradies draußen überfliegend, fuhr er fort: Das ist noch die einziae Meduin. die ick zu derschreiben habe, gnädigste Frau, wirklich eine berrlicke. vräcktiae Luft!" Ein tiefer Athemzug hob seineBrust. .h?r3fm Tta VnrVin irZis S? ff0 vtvgvt bUllt VII viv vttt nacy oem eeoao antreten :onnen!" Die Mutter warf einen Blick von stillem Glück hinüber ?.u dem Kinde. Ich ... ich bin so glücklich nach diesen Wochen der Angst." sagte sie dann, ich möchte meine Dankbarkeit in ir1nh ?nT frntf flinVfrr h?rstrfi )V.r UVIV tUllVVtl) VlVUltU. helfen Sie mir?" Von Herzen gern, meine gnädig Frau," fiel rasch der Arzt ein. und ich bin in der Lage Ihnen sofort einen Vorschlag machen zu können. Ich habe eine kleine Patientin in dem Alter Jhrer Hertha, ein Kind armer, braver Leute. Es ist mir gelungen, die Kleine durchzubringen, mit vieler Mühe, ob aber für immer? Denken Sie sich eine kleine, sonnenlose Kellerwohnung! Auf der staubigen, belebten Straße und in dem düsteren Hofe, in dem der Ruß aus den Schornsteinen der nahen Fabriken unaufhörlich niederstäubt Ja, das ist keine Luft, in der sich die Reconvalescentin kräftigen könnte. Wenn das Kind auf einige Wochen einmal auf's tzand gehen könnte, vielleicht mit den Feriencolonisten, dann wäre es gerettet." Das Kind fsll reisen, lieber Herr Doktor," erwiederte die Dame. Ich freue micy, helfen zu können! Mir ist, als müßte ich nun an der Wiedergeneung meines ZUnves doppelte Fr?ue cinz.flNl'en. Noch immer schlief das Kind em Fenster seiner dunklen Stube, als re? menschenfreundliche Arzt eintrat. Le?fz kam er näher und blickte die Schlasenoe an; aus dem Gestcht der Kopf lag auf einem der Aermcken alümte der Wiederschein eines heimlichen 2)iucres. Marianne!" rief er leiie. . Jäh, erschreckt richtete sich das Kind auf, mit weiten Augen blickte es um . T)it sin ff VrrtTiT f&'An ai'A, -w V.. vvv lUUUlill i fragte der Arzt. Da senkte es sick wie eine Wolke i'fcer die Züge. Ein sehnsüchtiger Schmerz griff ihr an das kleineHerz. schluchzend stieß sie hervor: Ab. so ickön. ij schön! . . . Von einer grünen Wiese . . . uno lumen . . . und dem Walde . . ." Närrisches, kleines Ding!" schalt ver oiior. as oüt Du alles haoen: Die Mutter trat ein. und nun erzählte der Arzt, was ihn heute herführe. Da flössen Freudenthränen, und Dankesworte wurden laut, von kleinen, stammelnden Lippen. Und als er sieh entfernt hatte, blieb im (StiM n in den Herzen goldener Sonnenschein guiuu. ZmVcrrmcrAmncn-Eru0 (Auf dem Valcon vor dem Rauchzimmer. Englische Lackmöbel. Frau rf - r - - , - . Agnes, qiam, vlond, blaue Augen, etwa 28 Jahre, spielt mit Frau Meta Ecart6. Frau Meta 30 5abre alt. sebr brünett, unruhige schwarze Augen, neroos. u uyr Abends.) Meta: Je marque le roi ä propos, wissen Sie keine gute Kvchin? Meine geht zum Ersten." . - Agnes: Nein, meine Liebe. Darum kümmert sich mein Mann. Ich verstehe nichts vom Kochen. Ich habe. Gott sei Dank, andere Interessen . . Me konnten Sie das Spiel ohne Atout riskiren. 2 Points für mich . . ." Meta: Sie Glückliche! Denken Sie ich muß sogar das Menu machen. acyerllcy! Was sich heute trotz aller Schriften und Artikel manche Männer immer noch unter dem Begriff Ehe" vorstellen, das ist komisch. Denken Sie sich, neulich hat Fritz von seiner Frau verlangt, datz sie lyre Kleine selber baden sollte!" (Beide brechen in ein herzliches Lachen aus.) Agnes: Und was hat sie darauf geantwortet?" Meta: Sie hat ihm am nächsten Tage ein Exemplar von Ibsen's Nora" auf den Nachttisch gelegt und den Schluß blau angestrichen das hat gewirkt . . . Je propose. Agnes: Jouez, s'il vous plait... Gewonnen ich bekomme 20 Mark Meta: Bitte, hier! Haben Sie immer solches Glück?" Agnes: Sehr selten. Mich verfolgt das Pech im Spiel. Neulich habe ich mich mit 300 Mark angeschlossen. Sie geben . Meta: Die Cigaretten taugen nichts. Viel zu leicht. (Sie läßt den Rauch durch das Näschen ziehen.) Ich muß m:r doch meine eigenen mübnngen. (Eine Clubdienerin überreicht ihr einen Brief.) Von meinem Mann! Er war im Theater und erwartet mich bei Hiller. (Sie wendet sich zur Clubdienerln.) Sagcn Sie dem Botn, ich würde in einer halben Stunde dort sein. (Zu Agnes). Also, wenn Sie wollen. die letzten fünf Partien." Agnes: Gern. Ich habe noch ein Stündchen Zeit. Mein Gatte ist mit memen Brüdern ,m Wintergarten. Meta: Also unter Aufsicht!" AgneZ: Nie o$e dieses! Jetzt, wo wir den Club haben., ist doppelte Beaufsichtigung am Platze. Die Männer schlagen zu leicht über die Stränge, wenn man die Kandare nicht fest in der Hand behält. Der König! Aus!". Meta (gereizt): Das mit dem KL-

nig umdrehen" scheinen Sie aber wirklieh geübt zu haben." Agnes Was wollen Sie damit sa. gen? Glauben Sie vielleicht, daß ich...." Meta (besänftigend): Gar nichts, gar nichts glaube ich; aber mein Pech schreit zum Himmel. Wollen wir die nächste Partie doppelt spielen?" Agnes: Ich denke gar nicht daran! Ich bin ja keine Spielerin. Nur immer solide. Wir wollen hier kein wüstes Jeu einführen. Das widerspricht den edlen Zielen der Frauenbewegung. Solche Sachen wie mit Frau Doctor Bertha dürfen nicht wieder vorkommen." Meta: Was ist denn passirt?" Agnes: Sie ist einfach ausgeblieben und hat nicht bezahlt. Jetzt hängt sie im Conferenzzimmer am fchwarzen Brett. Morgen ist Sitzung des Ehrenraths." Meta: Ahnen Sie, wie das Urtbcil ausfallen wird?" Agnes: Voraussichtlich wird sie in Anbetracht ihrer Jugend und Unerfahrenheit sie ist erst 21 Jahre alt auf 6 Monate vom Rauchzimmer ausgeschlossen werden." Meta: Armes Ding!" Agnes (streng): Ihr Mitleid ist nicht am Plahe. Wir müssen gerade jetzt, wo wir noch für dieEmancipation der Frau kämpfen, jede Verirrung doppelt streng ahnen .... Jouz s'il vous plait . . . . drei Points für mich Meta (sieht nach der Uhr): Eigentlich muß ich aufhören. Mein Mann wartet ..." Agnes: Lassen Sie ihn warten. Haben Sie nicht oft genug auf ihn gewartet? Darin liegt ja a u ch eine erzieherische Seite unseres Unternehmens ..." Meta: Wie sind Sie übrigens mit der neuen Gouvernante Ihrer Kinder

zufneden? Agnes: Danke eine ausgezeichnete Person! Sie spielt Poker wie eine Amerikanerin und ist eine abgesagte Feindin von Stickereien und Handarbeiten. Kuchen und Süßigkeiten behandelt sie mit souveräner Verachtung und in ihren Mußestunden raucht sie englische Thonpfeife!" Meta: Das ist auch sehr gesund. Ich kann leider nur Cigaretten vertragen. . ." Agnes: Ja, wir haben leider zu spät angefangen, unsere Lebensweise in zeitgemäßer Weise umzugestalten. Aber unsern Kindern werden alle Segnungen zu Theil werden." (Die Clubdienerin erscheint wieder und meldet, daß der Portier von Hiller bitten läßt, Frau Mela möchte gleich hinüberkommen, das Souper sei servirt.) Meta (seufzend): Ja, meine Liebe, 71 ist für mich heute an Herauskommen nicht mehr zu denken. (Sie zahlt 80 Mark.) Ehe hat eben auch ihre Pflichten. Adieu!" Agnes: Adieu! . . . (Sie zündet sich eine frische Cigarette an.) Es ist elf Uhr vorbei. Der Wintergarten muß längst aus sein. Mein Mann wollte mich doch abholen . . . Alle.di.gs versprach er dies in etwas zögernder Weise Sollte er etwa? Lächerlich! Eifersucht? Pfui, Agnes, schäme Dich, wie unmodern man doch manchmal sein kann. Am besten ist es ich warte noch ein halbes Stundcyen. und ist er dann nicht hier so fahre ich eben nach Hause. (Sie klingelt, die Clubdienerin fragt nach ihren Befehlen.) Bitte einen Cognac". Ich werde ja hinter seine Schliche kommen. Dahinter steckt etwas wie Männertrotz, er ist ein entschiedener Gegner des Damen - Clubs, und will vielleickt seine frivole Denkweise in Thaten umsetzen? Gestern nach dem Essen hat er heimlich mit memen Brudern getuschelt. Jetzt wird mir Alles klar! .... Es soll am Ende eine Männerbewegung" in's Leben gerufen werden, um unsere heilige Sache zu bekämpfen. Sommerlied. Von Paul Kaiser. Run steigt in voller Herrlichkeit Der Sommer auf den Thron. Da wird das Herz des Menschen weit Zu neuem Jubelton. Auf blauer See und grünem Feld Liegt goldner Sonnenglanz, Es steht geschmückt die heit're Welt Im vollen Rosenkranz. Schon lange bläst der Alpenhirt Vom Berge die Schalmei, Weil's auf der Alpe Sommer wird, Ihr Städter, kommt herbei! Schon lange weht mit starker Kraft Der Sommerwind am Meer. Die Ihr Euch müde Ha5t geschafft. Wohlan, kommt her, kommt her! Schon lange b'üht's, bergauf, bergab. Es singt und klingt im Ried, Nehmt in die Hand den Wanderstao, Nehmt in den Mund ein Lied! Und singt im Wald und Sonnenstrahl Und singt am Berg und Meer, Auf Blumenflor und Wiesenthal Dem Höcksten Lob und Ehr'! Vorsichtig. Mutter: Wie, soweit hast Du Dich schon mit dem jungen Mann eingelassen, daß Ihr zusammen Euren Namen in den Baum cingeschnitten habt?" Tochter: Beruhige Dich, Mama, es ist ja der alte Baum, den Papa diesen Herbst umhauen lassen will! DerkleineScklaukopf. Mäxchen: Mama, wenn Carl Zahnschmerzen hat, gehst Du doch zum Zahnarzt mit ihm und läßt den Zahn füllen?" Mama: Jawohl, Märchen." Manchen: Ich habe jetzt Magenweh.' Mama; wollen wir nicht zum

Conditor gehen?"

Eine Halbe. Es war ein herrlicher Sommertag. Ein wolkenfreier, blauer Himmel wölbte sich über die bayrische Kreishauptstadt; die Sonne hatte bereits ihren Kulminationspunkt überschritten, die Thurmspitzen und Fenster der Stadt schimmerten in feuerähnlichem Glänze. Draußen, außerhalb der Stadtmauern lag der Rangierbahnh?f; dort wurde eb:n, wie das Bahnpersonal sich auszudrücken pflegt. manövmtV Die blanken SchienensträTige blitzten im Sonnenstrahle, zischend rollten die Lokomotiven über dieselben dahin. Auf dem einen Geleise standen sporadisch einige weiße Bierwägen mit ihren markanten Brauereisymbolen, auf dem anderen wieder in langcr Kette die feinsten Speise- und Schlafwaggons; bald holte die Maschine einen Perso. nenwagen, bald stieß sie wieder einen Holzwagen, hier reihte , diese einen Viehwagen an, dort faßte eine andere Wasser und so ging's in regem Treiben weiter. Das Dienstpersonal hatte eben vollauf zu thun und zu laufen, damit alles klappt", zumal der Herr Stationsmeister ein gar strenger Herr sein mußte. , Schauen wir diesem Spiele noch wenige Augenblicke zu! Gerade hat die Maschine einen Vierwagen, ich glaube er ist vom Spaten" anzuhängen für den nächstabZebenven Güterzug 2603. Der Wagenwärter steht bereits zwischen den Puffern und hält das schwere Kettenglied der herannahenden Maschine entgegen. Als dies? auf ungefähr zwei Wagenlängen naheist und langsam anfährt, da beginnt der Stationsdiener in bekanntem, langgedehntem Rufe zu zählen Zwei! (Wagcnlängen nämlich, als übliches Maß der Abstände), eine! a. halbe! Klumm!! stieß der Tender auf und ächzend federten die Puffer gegeneinander. Ausgehängt in'S Rampengeleise!" ruft der Stationsmeiste?; ein Pfiff und sausend und brausend passirt die Maschine den Wechsel, rnn im nächsten Geleise das gleiche Speil von neuem zu beginnen. In schroffem Gegensatz zu diesem lärmenden Treiben lag in unmittelbarer Nähe ein großer, stiller Acker mit zahlreichen Hügeln, umzäumt von einer rothen, umfangreichen Mauer. es war der Gottesacker. Die Glocken des Friedhofes begannen soeben in düsterem Mollklange zu läuten und ein schwarzer Leichenzug bewegte sich ernsten Schrittes einem frischgehöhlten Grabe zu. Die große Menge Leidtragender schaarte sich um dasselbe, um einen ehrenwerthen Mann in die letzte Ruhestätte, die schwarze kalte Erde zu betten. Der Geistliche führte den trauernden Anwesenden in einer tröstenden Rede mit empfindungswarmen Worten noch den kurzen Lebensabriß des theuren Verblichenen vor. Feierliches Schweigen herrschte, alles horchte andachtsvoll in stiller Trauer, nur der schrille Pfiff der Maschine vom Rangierbahnhof herüber, der jede halbe Minute erfolgte und welchen die kahl5 Friedhofmauer jedesmal im Echo zurückgab, übertönte so manches schöne Wort des Redners. Dieser sprach gerade von den trefflichen Manneseigenschaften des dahingeschiedenen Ehrenbürgers: Er war ein likb:voll:r Gatte, seinen Kindern ein fürsorglicher Vater, seinen Mitbürgern ein Vorbild in Rath und That, eine hilfreiche Stütze den Armen; er zeigte warmes Inte resse und förderlichen Sinn für alles Schöne und Erhabene; das liebste aber in seinem Leben, das war ihm stets a Halbe!!" tönte es vom Rangirbahnhof herüber. Die Rache dcö Patienten.

Herr Meier hat von seinem Arzte für achtwöchentliche Behandlung eine fehr gepfefferte Rechnung bekommen, für deren Uebersendung er sich zu rächen beschließt. Um ein Uhr Nachts Wird der Doktor, der ein großer Feind gestörter Nachtruhe ist. zu dem plötzlich erkrankten Herrn Meier gerufen. Wüthend über die Störung begibt er sich in schlechter Laune dorthin und findet Herrn Meier schwerathmend in seinem Bett. Nun. wo fehlt's denn schon wieder?" fragt er mit dem Aufwand aller ihm zu Gebote siehenden LiebensWürdigkeit. Ach, Herr Doktor, ich hatte schon den ganzen Tag über starkes Herzklopfen, und da legte ich mir, als ich zu Bett ging, ein Senfpflaster auf die Herzgrube, aber jetzt ist das Uebel geradezu unerträglich geworden; es liegt mir förmlich centnerschwer auf der Brust." DerArzt befiehlt demStöhnenden das Senfpflaster zu entfernen und ruft beim Anblick desselben aus: Aber das ist ja ein einfaches Papier!" Seltsame Verwechslung!" murmelt Herr 'Meier, und ruft dann plötzlich freudestrahlend: Jetzt ist mir -Alles klar, ich babe mich im Dunkeln vergriffen und statt des Pflasters Ihre mir heute zugegangene Rechnung auf die Brust gelegt; dabei kann einer allerdinqs Albdrücken bekommen!" Der Herr Sanitätsrath soll den Rest der Nacht nicht sehr gut geschlafen haben! Besorgniß. Frau i'zum Spaziergang fertig): Wo ist die Zofe, sie muß mir noch einen Augenblick behilflich sein!"' Mann: Um Gotteswillen. Du willst Dich doch n!cht erst noch einmal auseinandernehmen las sen?!" Ein Erfolg. Herr Beige les, Sie haben also Privatstundcn im Französischen genommen, mit Erfolg?" Heißt e.Frag'. wo ich hab' dem Lehrer abgehandelt die Halste vom Honorar." 5V n der ÜRetoundmiTm ,?n?s ?a. w V V W 9 ßen Mannes liegt oft etwas von t&

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