Indiana Tribüne, Volume 21, Number 291, Indianapolis, Marion County, 10 July 1898 — Page 6
Aas neue Wciö. Von ff. v. Kavff'Essenther. ' Ihre Leiche war nicht gefunden tzot ttn. Ottilie mochte noch leben. Ganz bestimmt hatte sie dem Unseligen, der für immer von ihr Abschied nahm, vorausgesagt, daß sie sterben würde, sterben müsse, denn sie, gerade sie, käme nicht darüberhinweg, einen Unwürdi&trt geliebt zu haben. Wie eine Wahnsinnige war sie damals davon gestürzt in der Richtung des Stromes. Er ihr nach, selbstverständlich! Doch er konnte keine Spur von ihr finden, nicht n jenem stürmischen Abend und auch später nicht. Bald darauf hatte er seine überseeische Reise angetreten, sich derheirathet, sorglos und schnöde die rste Jugendliebe ihrem Schicksal überlassen. Dennoch hatte er sie geliebt, geliebt bis zur Verrücktheit. Sie, die Gouvernante seiner kleinen Nichten, er, der jüngere Bruder des kaltherzigen, Izerrschsüchtigen Majoratsherrn! Beide litten sie unter diesem Herrn: Herbert noch viel mehr als Ottilie, das abhängige, dienende Wesen. Herbert, stet über seine Verhältnisse lebend, hing von dem verhaßten Bruder ab. Wer sollte seine Schulden bezahlen? Seine Lage war unerträglich ge.worden! Da winkte Erlösung. Er hatte das Wohlgefallen eines reichen Mädchens erweckt, der Tochter eines in Südamerika lebenden Großhändlers. In Aruguay sollte freie Bah sein für tüchtige Landwirthe und Herbert hatte eine sehr aristokratische, landwirthschaftliche Akademie besucht. Sein künftiger Schwiegervater handelte mit Bodenprodukten. Es stimmte alles prächtig, eine Chance, wie sie sich einem bedrängten Sterblichen nur selten bietet. Ss erfüllte sich Ottiliens Schicksal. Sie mußte entsagen. Acht Jahre nach jenem finsteren Abend, da er laut schluchzend ihren Namen an dem weidenumbuschten Ufer des Flusses gerufen, kchrte Herbert nach der Heimath zurück. Seine Hoffnungen hatten sich nur zum kleinsten Theil erfüllt. Die spekulative Thätigkeit in dem fremden Erdtheil sagte ihm wenig au. Die träge Kreolin, seine Frau, fiaiU ihm weder eine Stunde des Glückes noch eine ernstereEnttäuschung gebracht. Die Kinder, die aus dieser gleichgiltigen Ehe entsprossen, waren früh gestorben, die letzte Entbindung hatte der Mutter WZ Leben gekostet. Herbert reiste mit einem mäßigen vermögen, das er selbst erworben, nach der Heimath zurück, um endlich den furchtbaren Schatten zu bannen, der über seinem Leben lag. Ottilie! Älle Anfragen nach ihr waren erfolglos geblieben. Er wußte nichts, als daß man damals ihre Effekten an eine 'Verwandte in Berlin geschickt hatte, mit welcher das Mädchen vielfach verkehrte. Jene Frau sollte auch ihre Äusbildung bestritten haben. Und an sie dachte Herbert zunächst, als e; in der Heimath ankam. Sie mußte von Ottiliens Geschick unterrichtet sein, freilich, es war ein schwerer Gang zu ihr. Jenes Weib. Ottiliens Cousine, war mit einem Zahnarzt, einem American Dentist", verheirathet, der zu Vermögen gekommen. Er fand den Tramen im Adreßbuch: Zahnärztliches Atelier." Da war es ja sehr .leicht, sich einzuführen. Er schellte. Ein livrirter Diener 'öffnete. Das Atelier war bereits geschlössen. Doch die Gnädige" würde -.noch zu sprechen sein, wenn es sich um 'eine wichtige Sache handelte. Die falschen Zähne unten und das Milieu .oben hatten ihn ernüchtert. Ganz -rahis erwartete er nun. iDa kam sie, eine hohe, fast junonische Gestalt mit 'dunkel glühenden Augen, Ottilie. Sie 'selbst war es. Sie reichte ihm die .Hand, schien kaum überrascht, denn sie 'l)atte Nachrichten aus seiner Heimath "und wußte von seiner Rückkehr. Und -er? Verwirrt griff er nach ihrer Hand und ließ sie wieder los. Seine 'Fassung verließ ihn. An ihren Tod Izatte er nicht geglaubt, aber daß sie kzier war als Repräsentantin", gerade "daran hatte er nicht geglaubt. Und so etwas ähnliches sagte er kühl, troden, gänzlich ernüchtert. War sie doch versorgt zwischen den falschen GeÄissen. die so nützlich sind und doch so abscheulich aussehen unten in der menschenwimmelnden Straße. Sie condolirte ihm zum Tode seiner Frau, er wunderte sich nochmals, sie hier als .Etrnius loci" zu finden. Ich bitt Glicht nur zu Hause hier, sondern Herzm,m versetzte sie nun, es ist mein Gefchäft und es geht gut!" Da rasfte er sich denn zusammen -und sagte: Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, daß ich Ihnen zu Ihrer Laufbahn -noch nicht Glück gewünscht habe. Es ist mir ja alles schwer begreiflich." Da ist ja kaum anders denkbar." versetzte sie, und diesmal glaubte er ein leichtes Zittern in ihrer Stimme zu "Zjoztn. Sie haben wahrscheinlich inzwischen von mir nichts erfahren." Er schüttelte stumm den Kopf. Sie fuhr ruhiger fort: Meine Cousine war an einen Zahnarzt verheirathet. Ich floh damals zu ihr, weil ich keinen anderenAusweg wußte, obgleich ich meine Verwandten nicht liebte. Sie entsinran sich?" Wieder nickte er mit dem Kopfe, er fand ihrer Ruhe gegenüber nur schwer ein Wort. Sie sprach nach einer kleinen Pause: Mein Vater rieth mir. die ZahnTechnik zu erlernen. Man sehe Damen in diesem Berufe überall gerne. Ich willigt ein. weil mir im Grunde alles andere ebenso gleichgiltig schien. Ich erwies mich als geschickt, umsichtig, energisch, lernte es, mit den Patientinneu umzugehen, genug, ich wurde bin nen kurzer Zeit die Seele des Geschäfts. Auch ein Examen habe ich mit großem Erfolge bestanden. Vor zwei fahren zogen sich meine Verwandten
dm Geschäfte zurück, überließen mir die Leitung. Neben mir ordinirt ein eingestellter Arzt. Ich führe das Atelier auf eigene Rechnung, verdiene diel mehr als ich verbrauche und zahle in Raten eine Ablösungssumme cm meine Verwandten, die in absehbarer Zeit abgetragen sein wird." Bei diesen Worten erhob sie sich, als se! die Audienz zu Ende. Verzeihen Sie mein Eindringen," entgegnete er, seine Haltung wiedergewinnend, Sie haben sich gerettet aus eigener Kraft." Gerettet," unterbrach sie ihn. Wieder ein falsch angebrachtes Romanwort! Wenn eine neunzehnjährige Gouvernante sich in einen jungen, verschuldeten Aristvkraten verliebt, so kann es kaum anders kommen als es kam. Geht sie daran zu Grunde, ist kein schade um sie. Ich im Gegentheil ich bin stark geworden durch jenes Jugenderlebniß." Sie sprechen, Ottilie, als wären Sie nicht mehr jung." Das scheint Ihnen nur so, weil ich Vernünftiges spreche, ich fühle mich noch ganz jung. Auf ihr dringendes Befragen erzählte er noch etwas von sich selbst. Sie machte, ihm den Vorschlag, freundschaftlich miteinander zu verkehren. Er nahm den Vorschlag anscheinend dankbar an. doch mit dem stillen Vorbehalt, davon keinen Gebrauch zu machen, denn er fühlte sich zu wenig Herr der Situation. Jedoch, er hielt sich selbst nicht Wort. Die Leere und Vereinsamung in und um ihn erschütterte seine Entschlüsse; er überwand seinen Ekel vor dem Schaukasten mit den falschen Gebissen und suchte Ottilie wieder und wieder auf. Eines Tages fühlte er, daß die alte Liebe wieder erwacht war, und er fand den Muth, dies zu gestehen. Und sie gestand ebenso freimüthig, daß ihr ähnlich um's Herz fei. Aber wir müssen daS bekämpfen." sagte sie. hätten Sie damals die arme Gouvernante eheirathet, so wäre das eine Dummheit, aber zugleich ein Heroismus gewesen, denn Sie hängen an dem alten Frauenideale. Eine Zahntechnikerin, wenn sie auch das Einkommen eines Obersten hat, das ist unästhetisch, darüber kommen Sie nicht hinaus. Ich werde Ihnen sagen: Lassen Sie sich von mir Ihre Zähne Plombiren! daß wir uns beide heilen. Wir werden uns nicht mehr als Mann und Weib gegeneinander fühlen." Sie plombirte seine Zäl,ne, die es recht nöthig hatten. Aber es half nichts. Nicht einmal d'.r Schaukasten schreckte ihn mehr. Langsam, aber sicher sahen sie das Geschick sich erfüllen. Sie werden eines Tages heirathen und recht glücklich werden, obgleich er einmal ihre Leiche im weideumbuschten Wasser suchte, obgleich sie jetzt falsche Zähne nach amerikanischer Mode verfertigt und einsetzt. Die Viclscitigkcit des Kusseö.
Ein ausgeruhter Kopf", wie der Berliner sagen würde, scheint die englischenSchriftsteller von einem ganz besonderen Standpunkt gelesen zu haben. Er hat aus einem der bedeutendsten novellistischen Werke emes viel gelesenen englischen Autors einen Auszug , tt . ...ry n. i t c auer igenjcyasiLworier gemacyl, 01c den Kuß" nä'ber bezeichnen. Auf diese Weise ist es ihm gelungen, eine ansehnnche Liste der widersprechendsten Attribute des Kusses zusammenzustellen, die manchen mit weniger Fantasie begabten Schriftstellern von nicht zu unterschatzendem Nutzen sein dürfte und ihnen daher nicht vorenthalten werden soll. Die Temperatur eines Kusses gelanat durck folaende Worte zum Ausdruck: kalt, warm, eisig, brennend, frostiq, olühend, hein, lau, sengend, erstarrmd und feurig. Die Darer bezeichnet der Verfasser metstentheüs durch: lang, fluchtig, ewlgdauernd, hastig, nimmerendend und kurz. Um das Wesen eines Ztusses nur annähernd zu charakterisiren, werden Worte aus allen Gebieten herangezogen. Balsamisch, duftend, aromatisch, thaufrisch, berauschend, kich, feuerathmend, göttlich, leidenschaftlich, sanft fromm, heilig, teuflisch, überirdisch, fanatisch, gleichgiltig, toll, sorglos, harmlos, unschulbig, naiv, süß, schmerzlich, sehnsüchtig, saugend, wahnsinnia, verlangend, sieverhaft, verrückt, paradiesisch, melancholisch, narkotisch bezaubernd, zornig, rasend, übermüthig, gelangweilt, erschauernd, zitternd, schüchtern, dreist, muthig, scheu, inbrünstig, nachlässig, todestraurig, zart, liebend, zurückhaltend, rücksichtslos kann ein Kuß sein, und noch lange nicht ist der Reichthum an Bezeichnungen erschöpft, obwohl wir es bei dieser Blüthenlese bewenden lassen wollen. Vielleicht finden sich auch bei uns Leute, die über Langeweile zu klagen haben und denen es ein Vergnügen bereiten würde, einmal einen modernen deutschen Roman auf diesen Inhalt hin zu prüfen und das Ergebniß bekannt zu geben. Kasernenhofblüthen. Sergeant: Schämen Sie sich, Sie . .'. Sie Conglomerat von Dummheit und Schmutz!" Rittmeister: Kerl, wie sitzen Sie wieder im Sattel Sie deplacirter Infanterist!" Unteroffizier: Kerls, ich wunderte mich gar nicht, wenn Ihr auf die LL-wen-und Tigerjagd nur mit Jnjektenpulver ausgerüstet gingt!" Sergeant (zu einem jungen Schriftsteller): Einjähriger, Sie bewegen noch den rechten Arm. Merken Sie sich: nach stillgestanden" werden keine Feuilletons mehr aus dem Aermel ce schüttelt!"
'Die Sahachtyar-Vaßn. Unter den zahlreichen Lokalbahnen, die während der letzten Jahre in Bayern entstanden sind, ist die jüngste derselben diejenige, die in einer Länge von 77 Kilometer die Station Freilassing der Hauptlinie München - Salzburg mit der Linie München - Simbach verbindet, sich längs der Salzach. einer Tochter der Gletscher, hinzieht, einen bisher stillen, friedlichen Erdenwinke! dem Weltverkehr öffnet und sowohl in Bezug auf landschaftliche Schönheit als auch dadurch interessant erscheint, daß sie historisch denkwürdige Gefilde berührt. Die Gegend trägt zwar nicht wildromantischen Hochgebirgs - Charakter, sondern nur die Merkmale ländlicher Idylle; doch grüßen aus der Ferne die Alpen des Salzkammerguts herein. Während von Feilassing ein kurzer Schienenstrang nach dem berühmten Bade- und Lustkurort Reichenhall und nach dem unvergleichlichen Berchtesgaden führt, wendet sich die neue Lolalbahn in entgegengesetzter Richtung dem heitern, von bebuschten Höhenzügen eingerahmten Salzachthal, der Grenze zwischen Bayern und Oesterreich, zu, bewegt sich dabei' meist' auf coupirtem Terrain, durchschneidet lichte Waldpar
Lauf e'n. cellen, wiesenreiche Gründe, blumige Triften und wogendeSaatfelder, kreuzt Bäche und Schluchten, eilt an freundlichen Dörfern und einsamen Gehoftcn vorübe: und erreicht nach Beruhrung einiger kleiner Stationen das zwei Stunden unterhalb der Vielthürmigen Bischofsstadt Salzburg malerisch auf einem von den Wellen der Salzach umrauschten Felsplateau gelegene alterthümliche Städtchen Laufen. Laufen, bereits 750 von dem Bischof Virgilius für das Erzstift St. Ruperts erworben und im 11 Jahrhundert officiell urbs" genannt, gehörte ununterbrochen zu Salzburg, bis es 1816 an Bayern abgetreten ward; die beiden volkreichen Vorstädte Oberndorf und Altach jenseit der Salzach kamen jedoch zu Oesterreich, und durch die Errichtung von Zollschranken auf der Brücke wurde für Laufen die Hauptader des Verkehrs unterbunden und die Stadt schwer geschädigt. Sie trägt aber immer noch, obwohl eigentlich nur aus einer Straßenzeile mit Marktplatz bestehend, den Charakter einer altehrwürdigen, massig gruppirten, ehemals bedeutenden Stadt; die Spitzbogengewölbe, Rippen und Gurten, die gothischen Portale der hohen Gebäude und die breiten Faaden an ihren Giebelfronten weisen auf die Zeit ihrer Erbauung, die Art der Anlage und die weitgedehnten Räume auf den Wohlstand der ehemaligen Patricier hin. Zweifellos war daS Städtchen schon im grauen Alterthum Stapelplatz, da bekanntlich sowohl die Kelten wie die Römer die Salzwerke von Reichenhall T i t t m o n i n g. und am Dürnberg bei Hallein ausbeuteten. Die letztern schützten ihn durch ein Castell an der Stätte des spätern Schlosses, in dessen Ostfront ein Gedächtnißstein eingemauert ist, den der Procurator Marius Martialis und dessen Gattin Cavia Justina zum Andenken an ihren Sohn errichteten. Später zogen die ritterlichen Geschlechter der Gegend von ihren Burgen herab in die Stadt, um hinter deren Mauern durch Schifffahrt und Handel zu hohem Reichthum zu gelangen. Nach Verlassen der Station Laufen umkreist die Bahn in großer Curve das tief eingeschnittene Flußthal. Jenseit desselben blickt die weithin sichtbare, zierliche, doppelthürmige Wallfahrtskirche Maria Bichl von grünem, sonnigem Wiesenhang herab, und zur Linken schlummert der reizende Waginger See, an dessen Ufer die Reihengräber der ersten germanischen Ansiedler bloßgelegt wurden. Bei Station Fridolfinz durchschneidet die Bahn das sogen. Beinfeld" mit römischen Denksteinen und Säulen, das ebenso wie die dortigen Flurnamen Str:itwiese" und Dietwiese" die Erinnerung an WalPlätze inmitten eines Gebietes urältester Cultur verewigt. Die Pfarrkirche steht auf der Stätte einer römischen Niederlassung, und in deren Nähe ist kürzlich ein mehrere tausend Leichname bergendes Grabfeld aus der Merovin-ger-Zeit entdeckt worden. Oberhalb des Flußufers zeigen sich die Trümmer der Burg des einst mächtigen Grafengeschlechtes Lebrun. Schon von weitem her grüßt nun von hohem Hügel herab das malerische Gemäuer des alten Schlosses der Station Tittmoning, ein kleines, freundlichcs Städtchen, auf dessen Alter heute noch zerbröckelte Ringmauern und düstere.. behäbige Thore hindeuten. Titamanninga Villula" gehörte zu den ältesten Besitzungen des salzburger Stuhls als eine Schenkung Herzog Theodebert's zu Anfang des 8. JahrHunderts ; es verdankte gleich Lausen
sesne Blüthe dem Salzhandel. DaS bedeutendste Gebäude der schmucken Stadt ist die Stiftskirche, ein herrlicher, gothischer Bau. 'DaS frühere Kloster ist jetzt von Barmherzigen Schwestern bevölkert. Von hoher, jäh abfallenderFelfenterrasse schaut das mittelalterliche, imposante Schloß auf die Häusergruppe herab. Es diente einst den Fürstbischöfen von Salzburg als Jagdschloß, nachdem es vorher Sitz eines Dienstmannsgeschlechts gewesen war. Heute hat sich hier unterm Blätterdach stattlicher Eichen und Buchen eme gastliche Herberge aufgethan. Unterhalb Tittmoning liegt unter hohen Bäumen das anheimelnde Dörfchen Nunreit, von dem aus sich ein bezauberndes Bild vom Salzachthal mit Tittmoning bietet, im Hintergrund von dem Gebirgszug begrenzt, in dem besonders der Untersberg und die schroffen Rücken des Tännengebirges hervorragen. Unfern erhebt sich an der in tiefer Schlucht brausenden Salzach in lieblicher Umgebung, die ehemalige, dem 8.' Jahrhundert entstammende ansehnliche Cistercienserabtei Raitenhaslach, ein stattlicher Bau mit Kuppelthurm und hohen Giebeln, theils noch von Kapuzinern bewohnt, theils zum Brauhaus umgewandelt. Sehenswerth sind der in luxuriösem Rococostil gehaltene Prunksaal. die Prälatenwohnung und die prächtige Stiftskirche mit phantastischem Schmuck. Weiterhin zeigt sich in reizvoller, von den grünen Fluthen der Salzach durchströmter Landschaft das pittoreske Städtchen Burghausen, lange vor München gegründet, im 11. Jahrhundert Sitz der Grafen von Burghausen und später jahrhundertelang Residenz der Herzoge von Baiern-Landshut; der eine Theil ist dem Schloßberg angeschmiegt, der andere am Salzachufer langgestreckt hingebaut. Mit den mei-
.sten Jnn- und Salzachstädten hat es die flachen Dacher und die bemalten Frontmauern, stlxkhoch darüber hini ausragend, gemein. Das Ganze macht einen anheimelnden, behaglichen Eindruck. Sehr nett präsentirt sich der altdeutsch anmuthende Marktplatz; an ihm, den frühern Amtsgebäuden, stattrjn X5k Schloß Burghausen. lichen Gasthöfen, soliden, ehrenfesten Bürgerhäusern und wehrhaften Thoren bemerkt man so recht, daß BurgHausen wenigstens eine Vergangenheit hatte, wenn es auch leider mit der Gegenwart schlecht bestellt ist. Ueber den untern Stadttheil erhebt sich gleich 'einem Felsenhorst stolz die Burg, eine langgedehnte Reihe von Wällen, Zinnen, Gräben, Thoren, Brücken und Mauern, die der Stadt ein ritterliches, romantisches Gepräge verleihen. Die Burg zerfällt in drei Abschnitte, deren jeder durch einen tie fen, in den Felsengrat eingeschnittenen Graben und durch ein festes, mit Zugbrücke versehenes Thor gesichert war. Den hervorragendsten Theil bildet das eigentliche Schloß, die frühere Restdenz; es liegt am südlichen. Ende der Anhöhe, die hier steil zum Flusse abfällt, und ist mit ihren Spitzthürmen und hohen Giebeln der dominirende Punkt der ganzen Gegend. Daneben hebt sich der plumpe, von schaurigen Sagen umschwebte Pulverthurm heraus. Von der alten Herrlichkeit des Fllrstensitzes ist freilich wenig mehr übriggeblieben; die Schloßgebäude dienten in den letzten Jahrhunderten zu Amtsstuben und Kasernen. ThoroonBurghausen. Vor Zeiten stand noch viel Land jenseit derSalzach unter dem weiß-blauen Rautenbanner. Die Stadt sah damals glückliche Tage und hatte als Sitz der Regierung eine Menge von Behörden in ihren Mauern. Als jedoch Jnnund Hansruckviertel kaiserlich" wurden, ging es mit Burghausen immermehr abwärts. Hinter der Stadt passirt die Bahn einen Viaduct, dann die Hochebene von Pirach und erreicht bald die Station Alttötting, in deren Wallfahrtskirche die Gebeine Tilly's und die Herzen der baierischen Herrscher beigesetzt wurden. Auf hoher, eiserner Brücke den Jnn überschreitend, endigt die Bahn in der Station Mühldorf der Linie München - Simbach - Wien. Höchste Naivität. Junge Erbin: Mein Verehrer muß mich doch recht lieb haben. Denn ich besitze eine halbe Million, er hat gar nichts und trotz dieser unserer Verschiedenheit will er mich doch heirathen!" Traumdeutung. Sag' mir, Leni, Du kannst ja so gut Träume deuten; mir träumt: Die Thür öffnete sich und herein schritt gravitätisch unser Gänserich. 'Was bedeutet denn das?" (5i, das ist ja ganz klar das bedeutet, daß nachstens ein Freier zu Ihnen kommt, gnädwS Fräulein!-
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Das nach dem Namen seines Erbauers benannte unterseeische Torpedo boot Holland", das die Aufmerksamkeit von Fachmännern rote Lun mit Recht auf sich gelenkt hat, scheint in dem gegenwärtigen Kriege nun doch Verwendung finden zu soll:n. Zahlreiche Probefahrten haben den Beweis geliefert, daß das Boot fowohl auf der Oberfläche wie unter derselben vlrwendbar ist und in dieser Hinsicht allen Verheißungen seines Erbaueis entspricht; nun soll noch die Fähigkeit des unheimlichen Fahrzeuges. Torpcdos abzufeuern, durch eingehende DasBootaufderOberfläche. suche festgestellt werden, ehe es in den Besitz der Bundes - Regierung übergeht. Das Holland - Boot hat eine Länge von 53 Fuß und ?ine Wasser Verdrängung von 75 Tonnen. Es bat die herkömmliche Cigarrenfocm und erinnert wegen des stumpfen Vordertheils an einen Whitehead - Torpedo. Wenn das Boot über Wasser treiben soll, wird eine Gasmaschine. Wut. cs unterseeisch fährt, werden Accumulatorbatterien benutzt; letztere sind sehr schwer und befinden sich in der Mitte des Schiffes unter dessen Achse. Ueber den Batterien auf jeder Seite des Schiffes liegen Behälter für gepreßie Luft, die der Bemannung beim Tauchen Luft zuführen. Der Gasmotor ist vor der Maschine angzöracht; er dient auch dazu, die nöthige Elcktricität zum Aufspeichern zu erzeugen. In dem Kielraum wird flüjstger Brennstoff eingenommen, daneben bcfinden sich BeHalter, die beim Ta.lchen Wasser als Ballast einnehmen. Sind diese Behälter gefüllt, ist die mannung vollzählig, so bleibt lach ein Ueberschuß von Schwimmfähigkeit von 225 Pfund, und das Untersinken wird durch Niederlassen der 'vaj'.recht licgenden Tauchruder bewirkt, wobei die Vorwärtsbewegung' des Schiffes mit zum Niederdrücken benutzt, wird. Das Boot wird durch einen feinen Apparat ähnlich dem der selbsttreibenden Torpedos, in der gewünschten Tiefe gehalten. Am Steven ist eine Kanone für White - Torpedos angebracht, deren mehrere in einer besonders eingerichieQuerschnitt deö Bootes. ten Kammer mitgeführt werben; sie sind natürlich selbstthätig, haben ihre' eigenen Räume für gepreßte Luft und einen Apparat fürFortbewzgung durch solche. Sie werden mittels eine? kleinen Ladung Schießpuldcrs abgcschossen; beim Durchgang durch dieSchießröhre wird ein Hebel gelöst, der den kleinenMechanismus und die Schraube in Thätigkeit setzt, worauf das Geschoß mit der Schnelligkeit des schnellsten Torpedobootes auf eine Entfernung von 500900 Yards vordringt. Ein selbstthätiger Steuerapparat hält den Torpedo in einem ganz genauen Curs. Außer den Torpedoröhren hat die Holland zwei Röhren zum Abfeuern von Geschossen mit Schießbaumwolle; diese Röhren sind aufwärts, eine nach vorn, die andere nach hinten, gerichtet und münden an den Enden einer Art gepanzerten Oberdecks, das sich über dem chlindrischen Theile des Bootes befindet und in der Mitte ein Thürmchen in der Form eines oben erweiterten Flaschenhalses trägt. Die Mündung der Röhren wird durch einen gleitenden Schieber bedeckt, der mittelst einer Schraube und Stangen aus dem Schiffsinnern bewegt wird. Der in der zweiten Abbildung dargestellte Querschnitt des Bootes gibt ein übersichtliches Bild von dem Arrangement EZnführenernesTorpedos. desselben und zwar bezeichnet den Raum der Kanoniere, B den Apparat zum Umschalten von Gas zum elektrischen Betrieb, G Dynamo. D Gasmaschine. E Beobacktungsthurm. F Pneu, matische Geschütze, ii Torpedoröhre. H Steuerapparat. I Propeller. K Ballastraum. L Wasserbehälter. M Vorrath:batterie. X Trimming Tank, 0 Oelbehälter. Wenn das Boot auf der Oberfläche schwimmt, dienen Luken an dem Thürmchen zur Beobachtung beim Steuern. Beim Tauchen wird durch
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eTnen schiefen Spiegel oder ein Prisma und eine kleine Röhre wie in einer Oamera lacida ein Bild der WasserUmgebung auf eine Tafel im Thürmchen geworfen. Das Boot führt einen Compaß und einen selbstthätigen Tiefenmesser. Beim Angriff auf ein Schiff geht die Holland so vor, daß nur ihr Thürmchen sichtbar ist. Gleich nach dem Abfeuern des SchießbaumWollgeschosses sinkt sie unter, um sich feindlichen Geschossen zu entziehen. Im Augenblick der Entladung wird durch eine bemerkenswerthe Vorrichtung eine das Gewicht des Geschosses ausgleichende Wassermenge in den Kielbehälter aufgenommen.
Eine Flotte im Embryo. Die Republik Cuba" hat nun auch ihre Flotte. Groß ist sie allerdings nicht, diese Flotte, denn sie besteht aus nur einem Fahrzeuge, Namens Alfredo", das 50 Fuß lang, 12 Fuß breit ist und einen Tiefgang von 11 ffuß hat, überdies nicht einmal zur Klasse der Dampfer gehört, sondern lediglich eine Segelyacht ist, wenn es auch mit einem Petroleummotor als Hilfsmaschine versehen wurde. Dafür hat aber diese Flotte in der Person des Capitäns O'Brien, genannt Dynamite Johnnie", einen Admiral" und in den sieben Mann seiner Besatzung liegt Zweifellos der' Kern zur künftigen achtunggebietenden Flotte Cubas. Mit der Armirung des Schiffes ist es freilich nicht weit her. Zwei Einpfünder und zwei Dutzend Handfeuerwaffen bilden das ganze Arsenal des Alfredo", für seine Zwecke als Depeschenboot dürfte diese Bewaffnung aber hinreichend formidabel sein. Die Yacht Alfredo". Unter welcher Flagge das Schiff segeln wird, ist noch nicht bestimmt. Jedenfalls wird es amerikanisches Register erhalten, in kubanischen Gewässern aber wahrscheinlich die kubanische Flagge entfalten, obgleich die Republik Cuba bekanntlich noch nicht anerkannt ist. Man behauptet, die albanische Junta wolle vermittelst der Alfrede" die Anerkennung der Republik durch unsere Regierung in der Weise erlangen, daß das Schiff eine? schönen Tages unter kubanischer Flagge einen Hafen der Ver. Staaten anläuft. Erkennt die Hafenbehörde dasBoot an, so wird der Regierung wohl nichts übrig bleiben, als ihre Einwilligung zu geben. Matrosen mit Hiebwaffen. In früheren Jahren, als die Kriegsschiffe noch nicht schwimmende Panzerforts von Stahl waren und die Entscheidung einer Seeschlacht nicht selten durch Entern herbeigeführt wurde, waren die Matrosen im Kampfe bis an die Zähne bewaffnet mit Pistolen, Entermessern und Säbeln. Heute ist die Kampfesweise anders und das Geschick der Kämpfer wird durch die Riesengeschütze entschieden. Trotzdem Säbelfechten. müssen die Matrosen in dem Gebrauch von Hiebwaffen wohl geübt sein, und bei Landungsversuchcn werden sie wohl oft Gelegenheit haben, sich derselben zu bedienen. Dem Säbelfechten wird deshalb auf unseren Kriegsschiffen große Aufmerksamkeit geschenkt, und dies umsomehr, da gerade diese Uebungen zur best:n körperlichen Ausbildung der Leute in hohem Grade beitragen. Wohlthätigkeitszweck. Fremder: Heute Abend ist hier ein Wohlthätigkeits - Cvncert und Theatervorstellung, Herr Wirth? Zu welchem Zweck denn?" Wirth: Ach, wissen S', das is halt alle Jahr so bei uns. Es kommen immer ein paar Verlobungen dabei raus!" EineandereSache. Mann (entrüstet): Wtt kann man den ganzen Morgen so schmutzig und ungekämmt umherlaufen sieh mal Deine Nachbarin an!" Frau: Ja. das glaub' ich die steht auch zwei Stunden früher auf als ich!" Protzen - Dunkelkammer. Ihr Herr Sohn ist also leidenschaftlicher Amateur - Photograph: wo weilt der junge Herr augenblicklich?" Parvenugattin: In seinem Dunkelsalon!" Boshaft. Hotelwirth : Rath Watzler geht mit zur Jagd? Der kann doch noch keine Katze vom Hasen unterscheiden!" Gast: Er ist allerdings langiäbriger Abonnent an Ihre? Table d'hotel'.... .' ...
Watanzas. Von Havana, der Hauptstadt der Insel Cuba, ist die alte, ebenfalls an der Nordküste liegende Stadt Matanzas durch ein dreißig Meilen langes, gebirgiges und größtentheils sehr fruchtbares Gefilde getrennt. Der von Havana kommende Reisende gewinnt auf der langsamen Eisenbahnfahrt nach Matanzas einen guten Ueberblick über die Vegetation, die Terrainformation und die Erzeugnisse der Insel. Gutgehaltene, schwerblätterige Tabakspflanzungen der edelsten Lagen wechseln ab mit weiten Feldern, die von Mais oder den langen Halmen schilfigen Zuckerrohrs bedeckt sind. Nie entbehren diese Felder reizroller Gruppen von uralten, schattigen Vaumwollbäumen (Ceidas) und schlanken, graziösen Palmen, die sich oft zu einem breiten, weißstämmigen Hain verdichten. Im Thale folgt dann ein Stück dichtverfilzten Urwaldes auf Sumpfboden. Bon Lianen umklammert, ausgesogen und erstickt, liegen hier, umwuchert und überwachsen von unpassirbarem Unterholz, von Kakteen und Dornen, gewaltige Baumriesen amBoden, und ein neues junges, kräftiges Waldgeschlecht wächst um sie heran, das aus den kostbarsten Holzarten: Eisenholz, Mahagoni, Ebenholz, auch Farbholzstämmen besteht. Die ganze Ueppigkeit der tropischen Natur entfaltet sich, um die verschiedenartigsten Pflanzenformen hervor zu bringen.
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Kathedrale. aber Sumpf und Wald vereinigen sich, dem Menschen den Zutritt zu ihnen zu wehren. Hebt sich der Boden wieder, so öffnen sich breite Grastriften, auf denen zahlreiche Heerden brauner Büffel weiden. Auch an Pferdeheerden, die von berittenen Wächtern bewacht werden, fehlt es nicht. Die schwarzen Feldarbciter erbauen ihre einfachen Schilfhütten gern am Rande der Zuckerrohrfelder unter dem Schatten hoher, schön geformter alter Mangobäume. Die Familie hockt vor ihnen, und Kinder, Hunde und schwarze Schweine veranstalten oft ein erfolgreiches Wettrennen mit dem Zuge. Matanzas liegt an einem schmalen Meerbusen, der zwischen Hügeln in das Land eindringt. Da die Umgebung ungemein .reich und fruchtbar ist und viele Zuckerfabriken in der Nähe liegen, wird der größere Theil des Rohzuckers der Insel von hier aus verschickt. Auch viel Farbholz und andere edle Hölzer, wie Mahagoni und Ebenholz, kommen von Matanzas aus in den Handel und gehen größtentheils nach den Ver. Staaten.' Der alte Theil der auf einer Anhöhe gelegenen Stadt, die sich zum jT 3 5. 'n I "-535? sfrLL .-XgvWgr ' Villa. Hafen herabsenkt, ist von der farbigen Bevölkerung bewohnt. Die einstöckigen Häuser sind schmutzig und zerfallen; die felsigen Gassen gleichen ausgetro5neten Gebirgsbächen, scharfe Dünsie dringen aus den offenen Hausthüren, und nackte Negerkinder kollern über den Weg. Moderner ist der Stadttyeil an der Kathedrale. Der Weq längs der Bai führt an herrlichen Vill inmitten reicher, blühender Gärten vorbei. Die Schönheit der Lage der Stadt würdigt man am besten von der Höhe, des Berg rllckens, auf dem einsam die Kirche Hermita de Montserrate liegt. Blickt der Wanderer über die kleine Mauer, die links die Kirche umschließt, so sieht er tief unter sich das Thal von Matan zas mit der bunten, malerischen Stadt, ihre Palmenhaine und Gärten, den me tallisch grünlich schimmernden Hafen mit den Schiffen und das tiefblaue Meer. Schaut er nach rechts, so gewahrt er eine breite, meilenlange, vom San Juanfluß in malerischen Krümmungen durchflossene Thalmulde, die sich zum Meer herabsenkt, dasJumuriThal. Palmenhaine steigen von der Kirche in's Thal hinunter, große Heer den von Büffeln weiden auf den Wiesen am Fluß, Pflanzung reiht sich an Pflanzung, und weiße Haciendas schimmern aus ihren Gärten und Parks hervor. Bitteres Urtheil. Junger Componist: Nun, Herr Professor, was sagenSie zu meiner neuen Oper?" Kritiker: Ich weiß nicht, wie ich Ihnen meine Bewunderung ausdrücken soll! Solch junger Mensch und schon so alte Melodien!" Unbedacht. Fräulein: Sie hatten doch so bestimmt versprochen, mir für heute ein Paar Schweinsohren zu reserviren!" Schlächter (grob): .Was ncht g?ht, geht nicht ich kann sie mir doch nicht selbst vom Kcpfe schneidcn!" "
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