Indiana Tribüne, Volume 21, Number 291, Indianapolis, Marion County, 10 July 1898 — Page 3
Jer Todte von $&ovvovz IsLcrnd.
Roman von Harry Shcff. (12. Fortsetzung.) Susanne stand langsam au?: mit großen, glänzenden Augen, in denen sich ihre tiefe Erregung :oiderspiegelte, schaute sie den alten Mann an. Und Sie klagen mich an. dem Baron wehgethan zu haben?" So weh. wie Sie es nkcht ahnen können." ' Nun denn, ich hatte ein Recht iazu," stieß Susanne hervor, denn er er war der erste Mensch in der Welt, der mich meine Armuth und Unbeschütztheit bitter hat empfinden lassen, der durch einen gebrandmarkten Betrüger meinen Stolz demüthigte und mich ärmer machte, als Ich es vorher gewesen, da mir ein schöner lause grausam zertrümmert wurde." Halten Sie ein," rief Oberländer, die Hand erhebend. Sprachen Sie nicht eben von einem gebrandmarkten Betrüger? Wenn Ihnen dieser Mensch als ein Betrüger bekannt war, warum glaubten Sie ihm, warum sprach in Ihrem Inneren nicht :ine Stimme zu Gunsten eines unbescholtenen Mannes, und warum sagten S'.: sich nicht einfach: der Betrüger betrügt?" Aber er gab mir Beweise; ich mußte ihm glauben, daß der Varon ihm Vertrauen geschenkt habe." Alles nur Blen0:v;rk, olles Schein! Baron Rhcd:n vertraut keinem Unwürdigen. Schnell, thun Sie den ersten Schritt, Jhc Unrecht gutzumachen nennen Sie den Nam:n des Schurken." Hähnchen! ein Mann, den Tccioz Gallus aus dem Hause gejagt." Oberländer war aufgesprungen. Als der Name von Susannes Lippen kam, wurden seine Blicke düsterer, und seine Braum zogen sich zusammen. ,Jch habe Rheden genug gewarnt," murmelte er, denn ich !raute dem Menschen nie aber jetzt, Fläulcm der Sack ist einmal geöffnet, schütten Sie ihn aus, und mögen die Schlangen herauskriechen wir haben sie nicht zu fürchten, wir zertr:t:n dem Gewürm den Kopf. Erzählen Sie alles!" Und Susanne, der es plülich zu Muthe war, als fielen ihr Lichtstrc-H-len in die Augen, erzählte in fliegender Eile, was Hähnchen ihr mitgetheilt, und wie sie durch seine Kenntniß ihrer Begegnung mit dem Baron halte onnehmen müssen, daß er '.?ir!''.ch ein Abgesandter Rhedens sei. Als sie geendet, nahm der alte Herr ihre Hände in die seinigen und schaute ihr treuherzig in die Augen. Mein liebes Kind," sagte er bewegt, wenn Sie heute Nacht zu: Ruhe gehen, dann fügen Sie Ihrem Nachtgebet einen kurzen Spruch hinzu, wclcher lautet: Lieber Gott, ich danke Dir, daß Du mich rechtzeitig ein begangenes Unrecht wieder gutmachen ließest." Denn Sie waren" nahe daran. Fräulein, ein köstliches Gut zu verlieren, welches Sie, ohne u zu wissen, gewissermaßen cmf der Straße gefunden hatten, ein Juwel, um dessen Besitz Sie taufende und ab:rtausenne Ihres Geschlechts beneiden werden." Ich verstehe Sie nicht." flüsterte Susanne. Sie wußte selbst nicht, warum, aber die Thränen waren ihr mit heißem Weh bis zum Halse emporgestiegen. und sie hatte Müye, ihrer Herr zu werden. Sie verstehen mich nicht?" antworiete Oberländer. Ich glaube es Ihnen, aber ich habe kein Recht, es Zhnen zu erklären, das wird zuverlässig ein anderer thun. Doch nun lassen Sie sich vor allem auseinandersetzen, wie der würdige Herr Hähnchen LU seiner ganzen Wissenschzst kam." Und er erzählte ihr, wie Hans, von fcem Wunsch geleitet, ihren wahren "Namen zu erfahren, sich än.den Dekciiv wandte und ihm. natürlich nur zr? besseren Information, schildert?, auf roelche Weise er Susanne zum erstenmal gesehen. Diese vertraulichen Mitthv'ilungen," schloß Oberländer seinen Bericht, jhai sich dieser Halunke, der Häynchen, dann zu nutze gemacht. Und S'e konnten wirklich die elenden, niedrigen Absichten und Gedanken des Burschen meinem armen Rheden in die Eel: schreiben? Damit haben Si: ikrr. eine Kränkung zugefügt, welche Sie nicht schnell genug gutmachen können hören Sie: nicht schnell genug!" Susanne war in die Fensternische getreten. Sie schob den Vorhang ein wenig zurück und starrte trauwverloren in die Nacht hinaus. Oberländer beschäftigte sich angllegentlich mit dem Zusammenfalten feines Zeitungsblattes nnd schien gar nicht damit fertig werden zu tonnen. Er fc? Menschenkenner und gewährte dem jungen Mädchen am Fenster gern die Zeit, deren es bedürfte, um sich mit den widerstreitenden Gedanken rnd Empfindungen abzufinden no sich durch das Chaos oon Zweifeln und Hoffnungen zur Klarheit durchzuringen. Einige Minuten waren vergangen. In dem kleinen, in Sauberkeit erstrahsenden Raum war aichs hörbar gewesen als das Ticken der kleinen Weckuhr, die auf dem wohlz:flillt:n Bücherschrank stand. Da fühlte der ölte Herr plötzlich eine weiche Hand auf sei ner Schulter. Nicht wahr, ich darf Si: rieinen freund nennen?" fragte Susannes sanfte Stimme hinter ihm. Das dürfen Sie, und ,ch Hesse, daß unsere Freundschaft, welche in dieser Stunde geschlossen wird, uns beiden noch viel innige Freude gewähren &frd." ' t Wenn Sie also mein Freund sind,
dann beweisen Sie es auf der Stelle. indem Sie mir den Weg zeigen, mein Unrecht gutzumachen Fühlen Sie nicht selbst, mein Kind, daß es dafür nur ein Mittel giebt: eine offene Aussprache von Angesicht zu Angesicht und ein reuevolles Geständniß, das man Ihnen, oafü? lern ich bürgen, nicht zu schwer machen wird?" Es sei," sagte Susanne einfach. Wo kann ich wo denken Sie, daß der Herr Baron v. Rhed.'n morgen meine Ab- seine Rechtfertigung entgegennehmen will?" Nicht morgen," rief Oberländer mit großer Entschiedenheit, nein. Sie dürfen es nicht auf morg:n vecschieden. Wollen Sie .roch eine ganze Nacht Ihr Unrecht auf Ihrer Stele und den drückenden Gräm auf der seinigen lasten lassen? Nein, nur das nicht. In einer einzigen Nacht fallm unendlich viele Sterne, und mit jedem von ihnen vergeht eine ganze Welt. Nein, was geschehen soll, muß heute noch geschehen heute Abend." Heute Abend? Unmöglich." Nichts ist unmöglich, man brauch! nur zu wollen. Und Ihr neuerFreund, mein Fräulein, hat bereits einen allerliebsten Plan. Darf ich 'ihn vortragen?" Stumm gab Susanne die Erlaubniß, und Oberländer setzte ihr mit schalkhaftem Lächeln eine Idee anseinander, welche so abenteuerlich und seit sam schien, daß das junge Mädchen zuerst gar nichts davon hören wollte. Aber der alte Herr besaß eine gehörige Portion Ausdauer, Scharfsinn und Beredsamkeit. Er ilbeiwrnd alle Bedenken nach und nach siegreich, überzeugte das immer schwächer protöstirende Mädchen vollkommen von dcr Zweckmäßigkeit seines Aorbabens i.nd erlebte schließlich die Genugthuung, daß Susanne ausrief: O wie gut ist a, daß Sie die Menschen nur zu Gute überreden wollen, Sie brächten eZ sonst fertig, allerlei Unheil in der W:lt anzurichten mit Ihrer Beredsamkeit. Mich haben Sie besiegt, und wenn ich heute dm ersten dummen Streich begehe, seit ich denken kann Sie sind mein Mitschuldiger!" 14. Capitel. In den elegantenRäumen der PbilHarmonie herrschte das fröhliche, farbengläuzende Treiben eines MaöktNballs. Die Lichter strahlten ein Meer von Helle aus. und die Wogen dieses Meeres umschmeichelten )ie in kosttare buntfarbige Stoffe, in Seid?. Sai.'.met und Damast gehüllten Gestalten der Tanzenden, die unter c;: Seidenlarve lusterglühten Gesichter; diese' huschenden, zitternden Lichtwogen verschwamme mit dem funkelnden Strahlenglanz der Brillanten, der buntfarbigen Edelsteine, der goldenen und silbernen Verzierungen, mit denen die Kostüme früherer Zeiten geschmückt waren, in feenhaften, das Auge blendenden Märchenzauber. Das rauschende. fascinirendeTrompetengeschmetter der Potsdamer Husaren. deren Musikkapelle vollzählig für das Fest gewonnen worden, wechselte zeitweise ab mit den sanfteren, doch nicht minder lockend zum Tanz auffordernden Klängen eines Streichorchesters. Und in diese Tonfülle hinein ertönten fröhliches Lachen, vertrautes Scherzen und ab und zu aus den Nebenräumen. in denen sich das Büffet und eine Menge kleiner, zur Rast einladender Tische befanden, der dumpfe Knall des entfesselten Champagners. Die Gesellschaft" von Berlin hatte sich zu einem Werk der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit versammelt, und wenn die meisten der Erschienenen auch nur ehren- und anstandshalber ihre Goldstücke in den ihnen in's Haus getragenen Opferstock hineingethan hatten jetzt war man einmal dabei und wollte auch neben der Genugthuung, zu den wohlthätigen Opferfreudigen zu gehören. sich bestens unterhalten.
Bist Du die Königin der Rosen, schöne Maske?" fragte ein Bettelmönch mit verstellter Stimme eine junonische Frauengestalt, deren mit natürlichen Marschall Niel - Rosen übersäetes mattgelbes Atlaskostüm allgemeine Bewunderung erregt hatte. Siehst Du das nicht an dem Diadem in meinem Haar, frommer Bruder?" Und wo blühen Deine schönsten Rosen?" An den Ufern der Seine," lautete die hastig geflüsterte Antwort. Gräfin Natalie, Sie sind es?" Und Sie, Hofrath Schaller ich habe Sie längst erwartet." Reichen Sie mir den Arm, .wenn ich bitten darf; wir promeniren ein wenig durch den Saal ich habe Ihnen eine Mittheilung zu machen." Die Rosenkönigin legte ihren Arm m den des Bettelmönchens. der seine für fromme Gaben bestimmte Tasche aus Sackleinen über die Schulter warf. Das sonderbare, so ungleiche Paar durchschritt langsam den Saal. Lassen Sie uns französisch sprechen," bat der Hofrath, es sichert uns doch in wenig vor den Lauschern. Ich habe heute über Paris einen Vericht aus London empfangen." Von Newport & Comp.?" Jawohl. Eine überraschende und uns nicht günstige Mittheilung." Aus London? Wie wäre dies möglich?" Unser Londoner Freund theilt dem Pariser Hauptbureau mit, daß seit einiger Zeit auffallend energische Nachforschungen über die Geschäfte unserer Gesellschaft im allgemeinen wie über die unserer Vertreter an der Themse im besonderen im Gange sind." Feindselige Nachforschungen?" Natürlich. Trotz umfassender Recherchen. - welche mit der Newport & Comp. stets auszeichnenden Vorsicht
betrieben wurden, ist es bis jetzt nicht gelungen, die Persönlichkeit unseres Feindes zu ermitteln. Das erhöht natürlich die Gefahr, in der wir olle schweben. Dagegen sind unsere Londoner Freunde zu ihrem und unserem Erstaunen hinter einen Umstand gekommen, der Sie. Frau Gräfin, ganz besonders anaehr." Mich?" stieß die Rosenkönigin überlaut hervor. Mich?" Nehmen Sie sich in acht; Ihre Bewegungen verrathen, daß unsere Unterhaltung über den Rahmen eines flüchtigen Ballgesprächs hinausgeht. Man beobachtet uns, wie ich glaube, bereits." Wer sollte das thun? Wer sollte uns kennen?" Schauen Sie sich nicht zu auffällig um ich beobachte schon seit einigen Minuten, daß jener Troubadour uns folgt und uns nicht aus den Augen läßt." Ein Troubadour? Sind seine Farben Blau und Weiß?" Blau und Weiß, ganz richtig." Es ist Gerfaut," flüsterte die Gräsin; wir müssen uns vor ihm hüten." Das ist es ja.was ich Ihnen immer predigte. Doch hören Sie zu Ende. Newports in London haben die Beweise, daß jener geheimnißvolle Verfolger eifrig damit beschäftigt ist, Ihre Trauuntzsaffaire zu ermitteln." Es gereichte der geheimen Unterhaltung zwischen Natalie und Schaller zum Vortheil, daß die Husaren gerade einen schmetternden Marsch bliesen, sonst wäre der Aufschrei, den die Nosenkönigin dieser Mittheilung folgen ließ, unfehlbar von den vorüberwandelnden Paaren vernommen worden. Der Bettelmönch drückte den Arm seiner Begleiterin fest an sich. Was thun Sie?" raunte er ihr zu. Wollen Sie sich verrathen?" ' Aber das ist ja entsetzlich, was Sie mir soeben mitgetheilt haben. Was soll ich thun? Ich bin verloren, wenn alles entdeckt wird. Und ich weiß, man würde mich im Stich lassen und opfern, um sich selbst zu retten." Sprechen Sie nicht so thöricht. Man wird Sie schützen und in Sicherheit bringen, selbst wenn der schlimmste Fall einträte. Ich habe Sie nur warnen wollen, damit Sie diesem Gersaut gegenüber noch vorsichtiger werden. denn ich traue dem Franzosen das Schlechteste zu. Wie stehen Sie jetzt mit ihm?" Die Gräfin zögerte einen Augenblick mit der Antwort. Wir finden uns in fortwährendem Kriegszustande. Andrö verlangt, daß ich ihn h:irathe, was ja allerdings auch meine Absicht war." Nicht übel, er würde dann die Verwaltung Ihres Vermögens in die Hände bekommen wollen." Ihre Vermuthungen haben mich mißtrauisch gemacht, und so gab ich ihm einen ausweichenden, hinhaltenden Bescheid. Seitdem ist er launenhaft, ja sogar brutal." Dann weisen Sie ihm einfach die Thür ich werde es in Paris derantWorten. Bah. dieser Gerfaut vermag uns nicht gefährlich zu werden es kostet uns ein Wort, und das Messer der Guillotine macht ihn verstummen. Warum schütteln Sie den lästigen Menschen nicht ab?" Ich kann es nicht," kam es leise von Nataliens Lippen, ich nun, ich gestehe es Ihnen , ich habe eine gewisse Schwäche für Andrö." Sie sind wirklich vernarrt in ihn? Das ist eine gefährliche Leidenschaft, der Sie sich da hingeben, Frau Gräfin, nicht nur gefährlich für Sie ..ein, für uns alle." Sie mögen recht haben. Aber es ist seltsam ich hasse den Mann, und doch ist mir seine Gesellschaft uncl.tbehrlich; ich zittere bei dem Gedanken, ihn aufgeben zu sollen. O. verzeihen Sie, Hofrath ich sehe. Andr6 giebt mir ein Zeichen, daß er mich zu sprechen wünscht, ich muß zu ihm. Wir sprechen uns noch am heutigen Abend auf Wiedersehen!" Die Rosenkönigin entzog dem Bettelmönch ihren Arm und eilte zu dem schlanken Troubadour hinüber, der scheinbar nachlässig an einer mit Tannengrün und Silbergaze umwundenen Säule lehnte. Dieser Gerfaut muß beseitigt werden." murmelte der Hofrath zornig, unter seiner Kapuze zu dem Paar l,!n-
überblickend; er muß verschwinden,. ehe er noch mit Hufe des verliebten Weibes, das sich von ihm beherrschen laßt, Unheil anrichten kann. He, Du Biedermann von einem holländischen Bauern, was willst Du von dem armen Vettelmönch? Spend? mir lieber einen Silberthaler von Deiner Jacke!" Endlich gefunden das hat Mühe genug gekostet." flüsterte der Holländer. dem die Worte des Hofraths gegölten. Sind Sie es. Hähnchen?" Ich bin's, und es war ein Glück, daß Sie mich mit einer Einlaßkarte versahen, sonst hätte ich Ihnen keine Nachricht bringen können." Was giebt's? Ist etwas vorgefallen?" Ja und nein, wie man's nehmen will. Zuerst sagen Sie mir bestimmt: sollen wir es heute wirklich unternehmen?" Unbedingt. Gallus ist abgereist. Mein Beobachter, den ich ihm seit acht Tagen auf die Fersen setzte, hat es mir gemeldet. Wie spät ist es jetzt?" Gegen elf Uhr." Um neun Uhr ist Gallus nach dem Bahnhof Friedrichstraße gefahren, das ist die letzte Meldung, welche ich erhielt, kurz bevor ich dieses HauS betrat. Die Wohnung des Justizraths ist heute Nacht ohne Aufsicht." Doch nicht so ganz." sagte Hahnchen so leise wie möglich, ich bringe frischere und genauere Nachrichten. GalluS ist abgereist, das stimmt, aber
er hat seine Stenographin, die Schwester des Lithographen, zur Bewachung seiner Schätze zurückgelassen." Das Mädchen das ist ja vortrefflich! Mit der werdet Jbr doch fertig werden. Nehmt ihr die Schlüssel. die ihr braucht, mit Gewalt.Das wäre schon recht." meinte der holländische Bauer, seine Larve, die sich ein wenig gelockert hatte, sorgsam befestigend. Das war natürlich auch meine Absicht mit dem schwachen Mädchen würden wir schon fertig werden so oder so; aber es hat sich da soeben etwas ganz Eigenthümliches er;ignet etwas so Unerwartetes und Auffälliges, daß ich Ihren Rath einholen wollte, wie ich mich jetzt verhalten soll." Treten Sie mit in jene Ecke, und erzählen Sie." Der Holländer und der Bettelmönch zogen sich in eine Ecke zurück. Der Lithoaraph war es," nahm
hier Hähnchen mit der nöthigen Vor-' sicht das Gesprach wieder aus. der mir heute Abend die Nachricht brachte, daß seine Schwester in der Abwesenheit des alten Buckligen" Hähnchens Haß beehrte Gallus mit derartigen Bezeichnungen dort logiren sollte. Aha, dachte ich, jetzt heißt es aufpassen. Ich fuhr mit einem Freunde,' auf den ich mich unbedingt verlassen kann, noch der Kronenstraße, und wir gingen unaufhörlich dem Hause des Justizraths gegenüber auf und nieder. Um neun Uhr sahen wir den Alten mit 'inem kleinen Koffer, einer Reisetasche und seinem Pelz in einer Droschke vom Hause wegfahren vermuthlich zum Bahnhof. Oben, in seinem prechzimmer. dessen Fenster auf die Kronenstraße hinausgehen, war Licht; wir sahen auch an. einem Fenster die Gestalt eines jungen Mädchens Strohbachs Schwester war also auf ihrem Posten. Kurz vor zehn Uhr bog ein Dienstmann von der Frievrichstraße in die Kronenstraße ein. Der Mann trug ein sorgsam eingeschlagenes Bündel und steuerte gerade auf das Haus des Justizraths zu. Nach vielleicht fünf Minuten kam er ohne Bündel wieder aus dem Hause beraus. Die Geschichte fiel mir auf; ich machte mich an den Mann heran, und mit Hilfe einiger Cigarren gelang es mir, ihn auszuforschen. Er hatte das Bündel richtig an die junge Dame bei Justizraths" abgeliefert." Und wer hatte eS ihm übergeben?" forschte Schaller eifrig. Der Dienstmann hatte von einem alten, elegant gekleideten Herrn den Auftrag erhalten, aus einer der bckanntesten Maskenverleihanstalten das bestellte Aschenbrödelkostüm zu holen und nebst einem Brief an das Fräulein abzuliefern. Aha," dachte ick. . der Vogel will auf Abenteuer ausfliezm." Und richtig! Vor etwa einer halben Stunde wurde die inzwischen durch den Wächter geschlossene Hausthür ron innen geöffnet, und das Fräulein, des Lithographen Schwester, schlüpfte hinaus. Sei hatte einen Mantel über den Maskenanzug geworfen und ein Tuch um den Kopf gebunden. Oben hatte das fchlaue Dämchen das Licht brennen lassen, wahrscheinlich, um den Anschein zu erwecken, es sei Jemand in der Wohnung. Und nun kommt das Ueberraschendste! Die Schwester des Trunkenboldes, des Lithographen, ging zu Fuß bis zur Friedrichstraße; hier aber bestieg sie eine feine Eauipage. welche offenbar bereits auf sie wartete, und fuhr hierher, zum Maskenball der Berliner feinsten Gesellschaft!" Der Hofroth konnte sich einer flllchtigen Bewegung des Staunens nicht enthalten. Das ist ja kaum glaublich!" rief er aus. Woher :oissen Sie. daß das Mädchen hierherfuhr?" Mein Freund schwang sich hinten auf den Wagen und kam dann blitzschnell mit dem Bericht zurück. Da verlor ich keine Zeit. Mein Maskenanzug lag schon bei einem befreundeten Restaurateur in der Nähe; ich kleidete mich an und fuhr ebenfalls hierher." Sie haben klug daran .gethan, Hähnchen. Die Sache an dem Mädchen hat an sich nicht viel zu sagen. Das junge Ding hat hier wahrscheinlich einen Verehrer, mit dem sie ein paar lustige Stunden verleben will." Aber das ist ja das Fatale," eiferte sich der Holländer; das Frauenzimmer hat vermuthlich die Schlüssel, die wir brauchen, in der Tasche, und wern sie erst am Morgen nach Hause kommt, haben wir die Nacht verloren, z.nd die gute Gelegenheit ist vorbei." Das wird- nicht geschehen!" erklärte der Hofrath mit der ihm eigenen Bestimmtheit. Das Mädchen wird spätestens um ein Uhr zu Hause sein." Wer wird sie dazu zwingen?" .Ich! Sie trägt, sagten Sie, ein Aschenbrödelkleid?" Ja, Herr; aber ich begreife nicht " Das ist auch gar nicht Ihre Sache. Gehen Sie jetzt Hähnchen; ich sehe da eine Person, mit der ich einige Wc:te sprechen muß. Sie finden mich von drei Uhr ab an dem verabredeten Ort, vielleicht bin ich aber auch schon früher dort." Dann also: Auf Wieders-hen! und heute Nacht soll alles geordnet werden. Aber gutwillig wird uns das Mädel die Schlüssel nicht geben es wird scharf hergehen müssen." Thut, was ihr müßt nur Blut darf nicht fließen, das würde uns die Polizei gar zu sehr auf den Hals hetzen auf Wiedersehen!" Der Hofrath stürzte sich in das Maskengewühl und folgte so schnell, wie der gesellschaftliche Anstand es ihm erlaubte, einem Wallensteiner", den er bereits vor einigen Minuten mit scharfem Auge am anderen Ende des Saales erspäht hatte. Er erreichte ihn gerade in dem Augenblick, als der schmucke Soldat in
einen der Nebenräume entschlüpfen wollte. Ohne weiteres hielt ihnSchaller an der Hand zurück. Nun, Georg, hast Du meinen Auftrag ausgeführt?" fragte er. Doctor Neumüller, der sich unter dem Wallensteiner". verbarg, nieste bejahenp. Ich habe der Geheimräthin Dein Brieflein zugesteckt. Es war ein Kunststück, sage ich Dir, OnUl. aber ich habe es geschickt genug ausgeführt. Ich denke, Du kannst mit mir zufrieden sein." Wie hast Du es angefangen?" Direkt in die Hand hinein habe Zch's ihr gesteckt, als in der Pause sich alles nach dem Büffett drängte. Sie ging am Arm ihres Mannes, ich, ohne daß sie mich kannte denn sie hat keine Abnung. in welcher Maske ich mich hier befinde , unmittelbar hinter ihr." Hat sie den Brief behalten oder fortgeworfen?" Sie zuckte zusammen, als sie das Papier in ihrer Hand spürte, aber sie behielt es. Ich sah sogar, daß sie es in ihre Tasche gleiten ließ. Und sie wandte sich nicht um. um zu ermitteln, wer ihr den Brief zugesteckt habe?" Sie that es; aber außer mir befanden sich noch sechs andere Menschen hinter ihr. ein Chinese zum Beispiel und ein Zigeuner, der eine Meerjungfrau am Arme führte wie hätte sie da auf mich ihren besonderen Argwohn richten sollen?" Du bist ein geschickter Junge." lobte der Hofrath seinen Neffen; nun halte aber auch Dein Versprechen und verliere nicht eine Silbe über den kleinen Scherz, den ich mir mit der Geheimräthin erlaubt. Und jetzt verläßt Du. wie ausgemacht, augenblicklich den Ball." Das kostet mich kein großes Opfer, Onkel, ich langweile mich ohnehin schauderhaft." War meine Vermuthung richtig, trägt Frau Dvctor Busch einen braunen Domino?" Ganz richtig. Sag 'mal, Onkelchen, von wannen kam Dir Deine Wissenschaft?" Lieber Junge, das Fragen mußt Du Dir abgewöhnen und nun mach, daß Du fortkommst." Neumüller wandte sich, aber kehrte sofort wieder um. Onkel." sagte er, interessirst Du Dich noch für den Varon v. Rheden?" Natürlich; hast Du ihn kennen gelernt?" Erst heute Abend hier im Saale. Der alte Oberländer, der sich so besorgt um ihn zeigte, stellte ihn mir vor. Der Baron ist als Faust, Oberländer als Mephisto auf dem Balle. Wir haben uns längere Zeit unterhalten." Nun, wie hast Du den Baron gefunden?" So vernünftig und liebenswürdig wie selten einen Menschen. Der alte Herr hat auch schon wieder abgewinkt. Er nahm mich beiseite und flüsterte mir zu: Der hat keinen Arzt mehr nöthig, der hat einen gefunden, der ihn im Handumdrehen kuriren wird. Aber Ihre Bemühung soll deshalb nach Gebühr gewürdigt werden. Doctor." Gute Nacht, Onkel ich gehe, um mich besser zu amüsiren, als es hier unter diesen Wohlthätigkeitssimpeln möglich ist. Wetter, das ist eine reizende Erscheinung Rothkäppchen, Dornröschen, Aschenbrödel oder sonst so 'was Märchenhaftes!" Dieser Ausruf des jungen Arztes galt einer weiblichen Maske, welche mit fchnellen elastischen Schritten on den beiden Herren dicht vorüberging. Ein kurzer grauer Domino, welcher vorn geöffnet war. ließ ein silberweißes, nach altdeutscher Art gearbeitetes Atlaskleid sehen; weiße Schuhe, gleich dem Gewände mit Perlen reich gestickt, umschlossen Füßchen von entzückender Kleinheit und Formenschöne. Das reiche, röthlich schimmernde Haar war in zwei starke, lang herabhängende Zöpfe geflochten und das Haupt mit einem kleinen altdeutschen Häubchen geziert. Um die Maske jedoch schärfer zu charakterisieren, ruhten auf der linken Schulter ihrer Trägerin zwei ausgestopfte, schneeweiße schnäbelnde Tauben die Tauben Aschenbrödels, welche ihr beim Auslesen der Erbsen behilflich waren und die guten in's Topfchen, die schlechten in's Kröpfchen" steckten. So sieh doch Onkel, dieses entzückende Geschöpf!" rief Doctor Neumüller enthusiastisch, bemerkte aber in demselben Augenblick, daß der Hofrath von seiner Seite verschwunden war. Onkel Onkel! Wahrhaftig, er geht dem reizenden Aschenbrödel nach. Verlorene Liebesmüh. Onkel Hofrath, an Dich wird die ihren Pantofsel gewiß nicht verlieren. Und mich schickt der alte Sünder nach Hause! Aber -ich muß wohl gehen er hat mein Wort. Schade, jetzt wär's vielleicht weniger langweilig geworden!" Und achselzuckend verließ der Wallensteiner den Saal.
15. C a p i t e l. Geheimrath Busch, der über seinem Frackanzug nur einen schwarzen Domino trug, war fortgesetzt von Freunden und Bekannten umgeben,, welche die seltene Gelegenheit, den berühmten Arzt einmal außerhalb des Gebietes seiner Berufsthätigkeit zu begrüßen, freudig wahrnahmen. Liebenswürdig und weltgewandt, wie immer, beschäftigte sich Busch mit einzelnen Persönlichkeiten eingehender, während er für andere wenigstens ein freundliches, Interesse verrathendes Wort, eine scherzhafte Bemerkung hatte. Beate war bisher fast unausgesetzt an seiner Seite geblieben. An Eberhards Arm hatte sie die Polonaise getanzt, an seinem Arm später das Büffett ufgesucht, wo das Paar eine kleine Erfrischung genommen hatte. Zu Beginn des Balles war sie ein
wenig munterer und froher, etwas lebenslustiger gewesen als während der ganzen letzten acht Tage. Seit die Gattin desGeheimraths infolge Ueberanstrengung. wie Doctor Busch meinte. jenen Ohr.machtsfall erlitten, hatte sie sich so recht noch nicht erholt, und ob sie auch am nächsten Tage schon wi:d:? das Bett verlassen und sogar ihre Veeinsthä'tigkeit im vollen Umfange wieder aufgenommen hatte, so war doch eine tiefe Verstimmung 'in ihr zurücke geblieben. Es schien eine eigenartige Form der Nervenabspannung zu sein, welche sich in Schlaflosigkeit, jähem, durch geringfügige Anlässe hervorgerufenem Erschrecken, Reizbarkeit und Mißtrauen dem Hauspersonal gegenüber und einer Melancholie äußerte, welche Beate hin und wieder durch erzwungene Lustigkeit nur mangelhaft verdeckte. Busch waren diese beängstigenden Erscheinungen natürlich nicht entgangen, und er hatte sich ernstlich vorgenommen, diesem Zustande , möglichst schnell nach dem Balle ein Ende zu machen. Er hatte seiner Gattin auch bereits einen Vorschlag gemacht, der seiner Ansicht nach am besten geeignet war. Wandlung zu schaffen. LuftVeränderung mußte der nervösen Frau unbedingt gutthun, zumal wenn diese mit nervenstärkender Zurückgezogenheit verbunden war. Busch wollte, obwohl ihm eine längere Abwesenheit von Berlin nur unter großen Opfern möglich war, sein geliebtes Weib auf zwei Wochen an die Riviera führen, und es war zwischen ihm und Beate abgemacht worden, daß diese Reise sogleich nach dem Beginn des neuen Iahres. am dritten oder vierten Januar,, stattfinden sollte. Eberhard glaubte, daß es diese hübsche Reiseaussicht sei, welche Beate heute weit munterer gestimmt erscheinen ließ, und er hatte sich innerlich schon zu seiner vortrefflichen Idee selbst beglückwünscht, als ' plötzlich er war eben mit seiner Frau an das Büffett getreten eine auffallende Veränderung in Beate's Stimmung vorging. Eberhard fühlte, daß ihr Arm in dem seinigen zittere, daß ihr Schritt unsicher werde, und eine tiefe Niedergeschlagenheit sich ihrer bemächtigt habe. Sie betheittgte sich nicht mehr an den Gesprächen, antwortete auf Fragen, die ihr Gatte oder andere an sie richteten, zerstreut oder kurz, eine Fortsetzung der Unterhaltung abweisend. Die Besorgnisse des GeHeimraths hätten sich jedoch um ein Beträchtliches gesteigert, wenn er einen Blick hinter die Seidenlarve in das Antlitz seiner Frau hätte thun können. Nicht bleich war die Farbe dieses sonst so liebreizenden, sanften Gesichtes, sondern aschfahl, die Lippen entfärbt, der Ausdruck der Züge entgeistert, und nur die großen dunklen Augen glühten im Fieber. Trinke noch ein Glas Sekt, mein Kind," bat der Geheimrath, er wird Dick beleben und erfrischen." Beate setzte den Kelch an ihre Lippen und leerte ihn in wenigen Zügen. Ihr Gatte hatte recht, der Champagner that ihr wohl und gab ihr Muth, flößte ihr Kraft ein, deren sie für die nächste Viertelstunde bedürfte. Ich will mich ein wenig zurückziehen," flüsterte sie Eberhard zu. Ich fühle,.daß ich eine halbe Stunde der Ruhe bedarf. Ich finde Dich doch wieder hier am Büffett?" Ich werde mit Professor Wandel an einem dieser Tische Platz nehmen und erwarte Dich hier aber wäre es nicht besser, ich begleitete Dich, oder wir verließen überhaupt den Ball?" Das letztere ist vorläufig unmöglich; man würde es mir verargen, wenn ich als Präsidentin fo zeitig cufbrechen wollte, und was Deine Begleitung anbelangt nein, es ist besser, ich suche in einem der Damenzimmer absolute Ruhe. Auf Wiedersehen, Eberhard auf Wiedersehen!" Beate enteilte mit auffallender Hast, aber auf der Schwelle des Raumes, den sie zu verlassen im Begriff war, blieb sie einen Augenblick stehen zögernd, mit einem Entschluß kämpsend. Fest preßte sie die Hand auf das laut und mit besorgnißerregender Eile pochende Herz. Nein nur das nicht," flüsterte sie unhörbar, er darf niemals niemal auch nur das Geringste davon ahnen. Ich kann ich darf mich ihm nicht entdecken. Lieber das Schlimmste ertragen das Schlimmste!" Und sie eilte durch mehrere Nebensale, in denen heitere, schwatzende, lachende Menschen beim Becher saßen, und schlüpfte in eines der kleinen Gemächer, deren mehrere für die weiblichen Ballgäste reservirt waren, um ihnen Gelegenheit zur flüchtigen Erholung und Sammlung, vielleicht auch zur' schnellen Anwendung von Puder, Schminke und Parfüm zu gewähren. Der kleine Raum war elegant eingerichtet und wurde von einer mattrothm Ampel gedämpft leuchtet. Beate hatte kaum auf einem kleinen Diwan Platz genommen, als sich die Thür wiederum bewegte, und der Bettelmönch eintrat. Er schloß die Thür nicht hinter sich, sondern ließ sie absichtlich offenstehen. Beate drückte die violette Seidenlarve fester vor dasAntlitz; ein Schauder überlief ihren Körper, und sie hatte es nicht verhindern können, daß sich ihrer Brust ein leiser Seufzer entrang. Ein wenig beruhigter schien sie zu werden. nachdem sie bemerkte, daß der Bettelmönch respektvoll einige Schritte von dem Diwan entfernt stehen blieb. Ich bitte um Verzeihung. Madame." nahm der Mönch das Wort, daß ich gezwungen war, Sie für einige Minuten den Freuden des Balles zu entziehen. Indem Sie der Weisung meines Briefes folgten und sich hierherbegaben, erwiesen Sie sich selbst einen großen Dienst!" (Fortsetzung folgt.)
Aürdke Küche. Brodfuppe. Schwarzbrod wird in Wasser zerkocht, durch ein Haarsieb gerührt und Milch dazu gethan; sowie diese kocht, rührt man etwas Chocolade daran, Salz, Zucker nach Geschmack. Zum Schluß thut man einige geschnit tene Mandeln hinein, und die schmackhafte Suppe ist fertig; man kann sie auch mit einem Eidotter abrühren. Kohlrabi Man schält die Knollen gut ab, entfernt die harten Stellen, schneidet sie in Scheiben und kocht sie in Salzwasser gar. Nun dämpft man in einem irdenen Topf Butter mit einem Theelöffel Mehl, rührt dies mit?leischbrühe glatt, würzte giebt etwas feingehackte Kräuter daran und schwenkt die Kohlrabi vorsichtig darin, daß sie sich nicht zerrühren. Paßt zu Schweinsoder Hammelscoletten, auch Würstchen und so weiter. E r o q u e t t e n. Man kocht eine dicke Ragoutsauce, erhitzt gehackte Fleischreste jeglicher Art in derselben, läßt sie auskühlen, vermischt sie mit vier Eidottern. Salz. Pfeffer und oewiegter Petersilie. Auf ein mit Mehl bestreutes Brett streicht man dieseMasse aus, und sobald sie erstarrt ist. formt, man kleine Brödchcn von derselben, panirt sie in dem Eiweiß und bäckt sie irr Schmalzbutter- lichtbraun.. Schmeckt vortrefflich zu Kopfsalat.. Hammelrippchen.. Von einenr Rippenstück hackt man das' Rückgrat weg, damit die Rippen' sich gut. durchschneiden lassen, legt das Fleisch in eine Casserole, in welcher Butter heiß gemacht wurde und brät das Fleisch darin hellbraun. Nun' fügt man eine Tasse Wasser oder Fleischbrühe. Zwiebeln, Pfefferkörner, Gurkenstückchew, Estragon, ein Lorbeerblatt und Salz hinzu, und läßt das Fleisch in dieser Brühe weich dünsten. Man gießt öfter Wasser oder Rothwein nach, damit der Satz nicht zu braun wird. Die' gefüllten Zwiebeln, die man erst in Salzwas, ser einige Minuten kocht, werden mir Bratwurstfülle oder einer sonstigen guten Fülle vorbereitet, mit Butter undFleischbrühe weich geschmort (ungefähr eine halbe Stunde lang), hieraus herausgenommen und kranzförmig um. das Rippenstück angerichtet. GefüllteKalbskeule. Aus emer mittelgroßenKeule läßt man vom. Metzger alle Knochen lösen. Sodann wiegt man die Abfälle der Keule, frisches Kalb- und etwas Schweinefleisch sehr fein, vermischt es mit Eiern, Salz,. feinen Kräutern, gehackten Trüffeln und etwas Weißbrot (letzteres inge weicht und fest ausgedrückt) zu einer pikanten Fülle. In die Höhlung der Keule wird diese Farce gefüllt und die Oeffnung gut zugenäht. Dann spickt man die Keule, salzt sie und brät sie im Ofen in reichlicher Butter glänzendbraun. Nachdem die Sauce entfettet ist., kann man einen halben Theelöffel. Fleischextrakt beigebeT?. und wenn man es liebt, etwas K, : . 'sfelmehl zum sämig machen. Zuln rührt man noch eine Tasse dicken, i ,uren Rahm dazu. Gebratene Hühner auf französische Art. Die Tags vor dem Gebrauch geschlachteten jungen Hühner werden gerupft, ausge nommen, mit einem Tuche sauber abgewischt, dressirt, wenn möglich mit einigen Trüffeln gefüllt, mit Salz bestreut, mitSpeckscheiben umbunden und unter fleißigem Bcgießen in Butter saftig gar gebraten. Vor dem Anrichten nimmt man die Speckscheiben ab, läßt das Geflügel sich bräunen, giebt dem Bratenfond einen kleinen- Zusatz von aus Fleisch - Extrakt bereiteter kräftiger Bouillon, in der etwas Kraftmehl und einige Eßlöffel gute sanre- Sahne verrührt wurden, achtet darauf, daß sich die Sauce gut binde, tranchirt die Hühner und garnirt- sie mit Brunnen--kresse, die mit Oel, Essig und Salz angemacht wurde. Mayonnaise-n-Sauee. Man. quirlt vier ganze Eier in einem irdenen Topf, gießt zu jed'em Meinen Lös-, fel voll Provence? Oel und einen Löffel Essig, dazu Salz. Tüchtig geschlagen setzt man den Topf in kochendes Was--fer, welches so weit reichen muß wie die Masse im Topf, rührt es fo lange bis. es dicklick ist. dann thut man erkaltet einen Tbeelöffel Senf, ganz wenig geriebene Zwiebel und ein bischen Zucker hinzu und gießt es über den in Stücke geschnittenen Fisch. Huhn oder Hummer. Flerfchschnkttchen. Uebriges kaltes Fleisch, Kalbs- oder Schweinebraten, wird fein gewiegt; sodann rührt man zwei bis drei hartgekochte Eier mit etwas Butter einem Brei. in welchen man nach und nach Oel, Essig, Senf, etwas Pfeffer, Schnittlauch. auch feingewiegte Zwiebel oder Petersilie einrührt. Ist diese Sauce gut vermengt und dick, so thut man das feingehackte Fleisch darunter und mischt gut. Nun stellt man dieselbe kslt, auf Eis oder in einen kalten Keller, und sireicht vor dem Gebrauch geröstete Semmelscheiben ziemlich dick mit derselben. Kirschenfpeise. Zwei Pfund süße Kirschen entkernt man und kocht sie mit einer Tasse Wein und einem Viertel Pfund Zucker weich, doch sollte man sie nicht zerfallen lassen. Vier Ei gelb werden fodann mit einem Pint süßem Rahm und 2 Eßlöffel Mehl zer.--quirlt, die Kirschsauce wird kochem, dazu gerührt, dann läßt man die Flüssigkeit auskochen und gießt sie über die mittlerweile in eine Llasschüssel gefüllten Kirschen. Nachdem man alles vorsichtig vermischt hat. stellt man die Speise auf Eis und gibt vor dem Serviren steife Schlagsahne darauf. N a n a ! Gnädige Frau: .Daß Johann Sie küßte, Julie, finde ich verzeihlich, aber daß Sie wieoer küßten, finde ich unverzeihlich'" Zofe: Ach. gnädige Frau, ich hatte bei seiner Unverschämtheit ganz den' Kopj verloren." . y
