Indiana Tribüne, Volume 21, Number 284, Indianapolis, Marion County, 3 July 1898 — Page 7
Iuo,HrioundAuo. Von Anna Croissant'Rust. ' Draußen vor der Stadt, hinter dem Wall mit seinen hohen Linden- und Akazienbäumen stand das kleine Haus, las ihr der Selige hinterlassen. Er war nicht allzulange zwischen den buchsumfaßten Bieten gewandelr, angethan mit seinem geblümten Schlafrock, den Fez auf dem haarlosen Kopf; der Tod hatte ihm nicht vergönnt, sich seines neuen kleinen Beschthums zu erfreuen. Frau Christiane, die Chrischtine", wie sie die alten Rebberger imrner noch nannten, betrauerte ihn wie's schicklich war; seh? tief ging der Schmerz nicht, denn er hatte sich in den letzten Jahren ihrer Ehe besonders zänkisch und nörgelnd gezeigt und die ursprüngliche Rohheit seines Charakters nicht mehr verbergen können. Der Selige hatte sich nämlich vom Metzger zum Hotelier emporgeschwungen und lebte er in seinen alten Tagen, als er die Chrischtine" geheirathet, von seinen Renten, beneidet von allen Rebdergern. Jrau Christiane war nicht gern an den Lebensgang des Gatten erinnert, bei ihrer Verlobung war er Rentier, trat mit großem Selbstbewußtsein auf und zeigte gute, wenn auch etwas knappe Manieren, er hatte sich seinen Schliff in England geholt und ließ daS auch im Umgang deutlich merken. Sie dagegen war durch lange Jahre in Frankreich gewesen und kannte nichts öheres als Paris, und sprach fast von nichts QlS von Paris. Bei einem ihrer seltenen Besuche in Rebberg hatte sie den alten Ehrhardr getroffen und er, geblendet von ihrem Witz, von Zhrer Bildung, ihrer Eleganz und ih?en guten, etwas gezierten Umgangsformen, hatte alles drangesetzt, sie zu seiner Frau zu bekornmen, was ihm denn auch gelang. Unglücklich wurde die Ehe gerade nicht. Frau Christine schickte sich in die gelegentlichen Derbheiten des -Gat-ten, wie sie sich in die Launen der Herrschaften geschickt hatte, unterdrückte üitl von dem, was ihr am Herzen und auf der Seele lag, und hatte eine .wirkliche Fremde an ihrem Reichthum. Aber in der kleinen, zierlichen Frau Christiane regte sich ein unbändiger Eigenwille, der sich von Zeit zu Zeit zu des Alten Erstaunen nanz
Plclich und zwar sehr bemerkbar machte. Besonders, nachdem er das kleine Haus vor der Stadt Zekauft, und daran gehen sollte, den Karten umzuwandeln. Er Wollte den Garten nglisch, sie wollte den Garten französisch. Und wie er mich wetterte imb fluchte, sie blieb urschütterlich. Ich will mei Quartorze-Gärtche harowe." Und sie stampfte dabei mit dem Fuße, sie d!e Stille. Sanfte, Bescheidene! Sie schalt seinen Geschmack plebejisch, sie verlachte iljn, zuletzt schmiß tx irrn ihend seinen Fez in die Ecke und unterlag ihrer französischen Bildung. 1 Und das Quatorze-Gärtche" Zam. ' Puppenwirthschaft!" fluchte er, roenn -er, schwer und ungeschlacht, auf den weißen Kieswegen hin- und hertrabte. Frau Christianens zweite Schrulle toax die Aufstellung eines weißen. Äotterburs an dem kleinen ??ich, der ln dem geschorenen Rasen ruhte. Im Princip war er ja einverstanden, besonders nachdem sie ihm kurz erklärte: Jch will mei' Statue hawwe." Den Ton kannte er nun und fügte sich diesmal gleich, aber als die stifte aus der Residenz anlangte, die Emballage fiel, und er sah. was seine Frau gekauft, erlitt er fast emen Ohnmachtsanfall. Das für ihren Garten, das für Rebbergs keusche Augen und schnelle Zungen! Seine ganze englische Bildung empörte sich der weiße Gott hatte nämlich nichts gar nichts an! Es war einfach skandalös! Und der ehemalige Hotelier wurde kirschroth im Gesicht und brüllte wie ein Stallknecht. Damals fiel von ihren Lippen ihren gebildeten Lippen! ein Wort, das er ihr bis zu seinem Tode nicht verzieh: Uncultivirter Beefsteakfresser!- Das war also ihre wahre Meinung über ihn! . Nach heftigem Hader wanderte der arme Apoll wieder in die Residenz zurück. Frau Christinens dritte Schrulle war in seinen Augen die bedenklichste von allen und hatte ihm oft Anlaß gegeben, die brutalsten und rohesten Eigenschaften seines Charakters zu zeigen und gerade ihre feinsten und delikatesten zu verletzen. Ohne Arg hatte er die Besuche eines Collegen, eines ehemaltgen Hoteliers, angenommen. Er!! empörte sich zwar immer aeaen den at schniegelten, gebügelten, alten Gecken der ihm gegenüber gern den Franzosen ' heraushängte, weil er die meiste Zeit in Paris gewesen war, aber sie hatten gemeinsame Erinnerungen aus gemeinsamer Jugendzeit, auch wußte Lampert Haas ein gutes Menu und einen guten Tropfen zu würdigen, unbeschadet aller Aesthetik und aller idealen Anwandlungen. Diese Schlange! Kaum war er ein paarmal in seinem Hause gewesen, begann er ritterlich scheu sich seiner Frau zu nähern und wurde Partei gegen ihn, Partei gegen England, Partei für Frankreich. Bei ledern Disput stand er mit zartester Rücksicht auf ihrer Seite; so war's schon in der Anlage des Gartens, so war's in der denkwürdigen StatuenAffaire (selbst hier entblödete sie sich nicht, sein Urtheil zu begehren!) und so blieb's. Machte er ihr Vorwürfe, so wagte sie, ihm ernst und bestimmt zu sagen: Ich will mein' Courmacher hawwe!" Gerade wie das QuatorzeGärtche und den Apoll. Aber Lampert Haas ließ sich nicht verschicken, wie der unglückselige Griechengott; er saß fest. Mit Lampert Haas sprach sie nämlich nur im gemüthlichsten Französisch, iir.ö tz sollte stillsitzen dabei, er. der
keine Ahnung von dieser gottverdamm-1 ten Sprache hatte!
Und je öfter dieser alte gezierte, par. sümirte Franzose kam, desto inniger wurde die Freundschaft, natürlich m den besten Formen, aber er hatte auch nur was sehen sollen! Sie knixten und machten Complimente und errothekn, rhm ß die Geduld und er verbot ihr wuthschnaubend den Umgang mitLampert Haas. Sie wurde trotzig, fast Ware es bis zumFußstampfen gekommen: Ich will mein' Courmacher hawwe!" Nun packte es der Englandverehrer anders an. Zuerst verblümt-, dann deutlicher machte er dem Collegen seine Unerwünschtheit klar; das wirkte, der zartbesaitete Französling verschwand von der Bildfläche. Aon nun an aber wandelte sein Gespenst zwischen den beiden Ehegatten, wenn auch sein Name nie genannt wurde. Frau Christiane besonders erwähnte ihn nie, aber jede Laune, jedes herbe Wort, jede Unfreundlichkeit, jeder vorwurfsvolle Blick, jede Thräne, jeder Seufzer hieß Lampert Haas. Er bemerkte den Umschwung nur zu wohl, keinen freundlichen Blick bekam er mehr, ihr ganzer Witz war zum Kuckuck, oh, und das Uebergewicht ihrer Bildung ließ sie ihn fühlen! Der geplagte Hotelier hätte beinahe den Freund wieder hergebracht, wenn ihn nicht sein Stolz abgehalten hätte. Also blieb Lampert für das Haus Ehrhard! verschwunden. Erst das letzte Geleit gab er dem alten Karneraden in tadellosem Traueranzug und in tadelloser Rührung. Tadellos war auch sein Condolenzbesuch, ganz in den Formen der Etikette; nur beim Abschiednehmen, als Fran Wittwe Ehrhardt noch einige Thränen wischte und dann seine beiden Hände in alter, warmer Herzlichkeit drückte, beugte er sich nieder auf ihre ringgeschmückte Hand und küßte sie. Madame!" Ein Klang aus früherer Zeit! Die Thränen schössen ihr nur so über die Wangen und sie schluchzte im reinsten, unverfälschtesten Pfälzisch: Ach, kummen Se Widder, kummen Se Widder, recht oft, ich fcm so alleen,, Sie glaaben's gar nit. Monsieur Lampert!" Und Monsieur Lampert kam. Seitener Anfangs und nur zu kurzen Besuchen, dann auf ihre Aufforderung hin öfter, wenn auch mit merklicher Zurückhaltung. WaS hawwe Se dann?" fragte sie ihn endlich und schaute ihn verwundert un. Monsieur Lampert aber schlug die Augen nieder, wurde unsicher, stotterte er sei doch Junggeselle und sie jetzt Wittwe, und die Rebberger eine Welle standen sich die beiden alten Leutchen blutübergössen und rathlos gegenüber, und konnten keine Worte finden. Endlich ermannte sich Madame, als der weib liche und beweglichere Theil und nlZ fixe Nhelnländnrn; sie lmHelte. lachte, sie platzte endlich heraus: Losse Se se gehn!" Von nun an kam der alte Franzose jeden Tag zu seiner Freundin herausgewandert. Da saß das ztit Pärchen nun rn dem zierlichen Duodezgarten und plauderte. Ueber das alte, wehmüthige, begeisterte, unerschöpfliche Thema: Paris. Es zauberte sich gleich einer Fata Morgana über die runden Wipfel der Lorbeerbäume, es stand über dem wnfjen, heißen Kies der Wege, es dehnte sich aus bis zu den Kuppen der Pfälzer Berge,' ihr einziges, ihr heißgeliebtes, ihr bezauberndes, ihr göttliches Paris! Die Wangen der alten Dame brannten dann in Hellem Feuer, und Monsieur Lampert's Augen flackerten m dem gutconserdirten rosigen Greisengesicht. Und dann kamen die Sommernachte, mit ihrem schweren Akazienduft und der Garten dehnte sich weit, weit und da fingen sie ganz leis, ganz zag, wie die Vögel am Morgen zwitschern, von ihrer Jugend, von ihrer Liebe zu erzählen an. Und Monsieur Lampert sah wie eine Vision seine geliebte Braut, die kleine Dorette vor sich, und Madame ihren einzigen, süßen Freund, Charles, die sie beide verloren. Und sie bebten, wie damals an den Abenden bei den verstohlenen Rendezvous .an Straßenecken, wenn der Herbstwind um die Ecken pfiff, sie fühlten die langen Küsse im nächtlichen Dunkel, wo sie zitternd vor Liebe an den Brückenpfeilern lehnten, während das große Paris schlief und das Wasser drunten rauschte, sie jauchzten in den hellen Frühlingssonntag hinein, !vo sie auf d:m bewlmp'lten Schiff fuh ren mit fröhlichem Volk in'S Grüne, kn's Blühen ihre ganze Jugend wurde wach, Vergangenes, Verlorenes, vergessenes. Vergrabenes stieg herauf und schluchzend sanken sie sich plötzlich in die Arme und küßten sich, küßten sich wie sie als junges Volk geküßt und hatten nur den einen Wunsch, sich immerfort so in den Armen zu halten, den süßen Zauber nicht zu scheuchen. Thrä nen liefen über ihre Wangen, Thränen des Glückes und der Sehnsucht und bebend kam's von ihren Lippen: Ich liebe Dich, ich liebe Dich!" Revanche. Bräutigam der Schwester: Karlchen, sag' doch Deiner Schwester, daß ich schon seit einer halden Stunde auf sie warte.- (Fünf Minuten später.) Bräutigam: Na, was hat sie gesagt?" Karlchen: Sie meint, das schadet nichts; sie hatte auf Sie über ein halbes Jahr gewartet!" Aus der Kinderstube. Mama: Warum weinst Du, Kind?" Die kleine Else: AchMama, Fritz hat mich vorhin geheirathet und gibt jetzt schon Nachbars Klara die besten Bonbons." Fritz: Nicht wahr, Mama, daran muß sie sich gewöhnend t Modern. Frau (zur Freunbin): Ich bin mit meinem Mann wenig beisammen; im Winter reist er geschäftlich und im Sommer bin ich in den Bädern!- Ha, da müssen Sie aber glücklich leben!-
per ZZucherschrauk. Humoreske von L. I. ' Ich habe gottlob eine recht liebe, gute Frau, die ich in jeder Beziehung als das Muster einer Hausfrau und Mutter hinstellen kann. Sie versteht mir das Eheleben so recht gemüthlich und angenehm zu gestalten, so daß ich nur selten Anlaß habe, meine Stammkneipe aufzusuchen, und für solche Junggesellen, die sich als Wirthshausinventar auf ihre Art glücklich fühlen und wie der Blinde von der Farbe über Ehejoch" und Ehefesseln- reden zu können vermeinen, nur in mitleidiges Lächeln habe. Dabei ist meine liebe Frau die personificirte Sparsamkeit; sie kommt mit einem denkbar minimalenWirthschaftsgeld aus und versteht jeden Pfennig direct und indirect auszunutzen. Zu diesem indirekten Ausnutzen gehört auch, daß sie des Abends nach geschehenem Tagewerk die von mir gehaltene Zeitung genau durchliest, das heißt.nur das Feuilleton und den Annoncentheil, während die politischen Leitartikel, die auswärtigen . Angelegenheiten und so weiter sie vollständig kalt lassen, denn zu den Emanzipirten" gehört sie ja, gottlob nicht. Sitzen wir denn also eires Abends ganz harmlos und lesen die Zeituny. Plötzlich sagt meine bessere Hälfte, die in den Verkäufen" vermuthlich gerade nach einem billigen, aber noch gut erhaltenen Kinderwagen- Umschau hielt: Du. Männe, hier ist für nur vierzig Mark ein fast neuer, nußbaumpolirter Bücherschrank ausgeboten; den solltest Du Dir wirklich einmal ansehen, denn Dein schöner Brockhaus verstäubt und verkommt ganz so ohneUmhüllung auf dem Schreibtisch." Hm! Recht hat mekne liebe Frau immer, aber in diesem Fall traf sie doch mal ganz besonders den Nagel auf den Kopf und kam einem meiner geheimsten Herzenswünsche urplötzlich entgeZen, den ich bisher nur nicht zu äußern gewagt hatte, weil ... doch das gehört ja hier nicht her. Ich sagte also nur, um die mir gebotene Chance nicht durch ein übereiltes Wort zu verderben, so harmlos als möglich: Das wär'," meiner lieben Frau weUere Präliminarien zur Herbeiführung einer einheitli chen Meinung über diese Sache über lassend, die auch alsbald erfolgten. Gewiß-, sagte sie. das ist ganz lntschieden etwas für Dich. Nußbaumjjßlirt paßt gerade zu unsern Mobilien, außerdem wird er hier am Fenster die
leere Ecke wunderschön ausfüllen, auch habe ich dann endlich einen passenden Raum, wo ich meine Flick- und Stopffachen, das große Album, die besseren Spielsachen der KrNder, die ausgelesenenSeiiungkN, da Dambrtt, die Lese knappe und manches andre, schön unterbringen kann. Gleich rnorgen früh aus dem Weg ins Bureau gehst Du wegen der Adresse m der Erpedition vor ; dann kannst Du Dich nach dem Frühftückessen eine halbe Stunde frei machen und ihn besehen. Aui Abend wirst Du ihn mir beschreiben, und gefällt er mir dQNN auch, so ist er übermorgen der unsre. Natürlich mußt Du noch ersuchen, fünfMark abzuhandeln; doch darin seid ihr Männer ja leider alle gleich zurückhaltend; was einer fordert, bezahlt ihr ohne Murren, während eure Frauen euch auf diese Weise so manchen Groschen ersparen." Nachdem meiner lieben Frau ucdh dieser ziemlich langen Suade derAthem vorläufig ausgegangen war, gab ich denn, um die Debatte nicht in eine ode Länge zu ziehen, zu allen vorgeschlage nen Punkten en bloc meine volle Zustimmung; wenn auch meine Freude ebenso schnell, wie sie emporgeschnellt war, wieder erheblich gesunken war, nachdem ich von der verschiedenartigsten Einquartierung erfahren, die meinem zukünftigen stolzen Möbelstück bevorstand, und von der ich noch nie gehört hatte, daß man solche Raritäten alle in einem Bücherschrank unterzubringen pflege.. Na. fei dem, wie ihm wolle. Ein kleines Plätzchen würde in ihm für mem Lexikon, meinen Fritz Reuter, die Kochbücher meiner Frau die sie bei der Aufzählung der von ihrer Seite im Schrank unterzubringenden Gegenstände sonderbarerweise vergessen hatte und die mannigfaltigen sonstigen Schmöker, die ich mir im Lause derZeit herangehandelt hatte, ja am Ende noch bleiben. Ich ging also am andernMorgen programmmäßig los: kam, sah (handelte) und kaufte ohne den vorherigen Vortrag bei meiner liebenFrau, denn Fortuna schien mir in diesem Spezialfall (was ich sonst nicht gerade von mir sagen kann) wirklich einmal gewogen zu sein, weil der Schrank in jeder Beziehung auf mein harmloses Gemüth einen soliden Eindruck machte, so daß ich im Punkte des Handels insofern Glück hatte, als die sonst ziemlich resolute Verkäuferin eine ältere Wi tib, wie sie mir wehleidig klagte , die übrigens berufsmäßig mit alten und gebrauchten- Mobilien handelte, bereit war, auf eine Theilung- der strittigen fünf Mark einzugehen, so daß ich also netto siebenunddreißig Mark sünfzig Pfennig zu erlegen hatte. Natürlich mußte ich den Schrank auf eigne Kosten abholen lassen, wofür zwei biedere Dienstmänner, da ich diesmal leider nicht an ein Handeln beziehungsweise vorheriges Preisbestimmen gedacht hatte, mir fünf Mark abknöpften. Unglücklicherweise stellte sich beim Abladen noch heraus, daß ein Bein unterwegs verloren gegangen sei. Zwar verlangte ich zuerst energisch von den Ueberbringern Schadloshaltuna doch meinten sie, daß sie bei so'n ollen verfaulten Kram" eme Garantie dafür daß unterwegs nichts abfalle, nicht übernehmen könnten. Nun, welcher gebildete Mensch streitet sich wohl mit Dienstmännern lange herum; ich lohnte sie also für Ueberbringung des dreibeinien Schrankes ab und holte mir meinen Nachbar, Tischlermeister Bornemever. um ihm
einerseits meinen billigen Gelegenheitskauf zu zeigen und dann auch Auftrag zur Anfertigung emes passenden Beines zu ertheilen. Bornemeyer kam denn auch, besah sich meinen Stolz stillschweigend und meinte dann trocken, daß der Schrank ja sonst nicht schlecht sei, nur daß er an eminenter Altersschwäche leide, auch wohl früher schon mal eine feuchte Wohnung innegehabt haben müsse, infolgedessen er in den unteren Eztremitäten fo morsch sei. daß er ein neues Bein nicht anzubringen vermöge; indessen wolle er mir gern einen Klotz" zur Verfügung stellen, den ich anStelle des fehlenden Beins unter den Schrank legen könne. . Die Blicke, die mir meint liebe Frau bei diesen unliebsamen Enthüllungen zuwarf, kann ich zwar nicht beschreiben, doch hatten sie mit einem lieblichen Lächeln- nichts gemein, auch glaube ich eine bedeutend beschleunigte Herzthätigkeit und plötzlichen Blutandrang nach dem Kopf hiermit in Verbindung bringen zu müssen, so daß der verehrliche Leser sich vielleicht eine Vorstellung von denselben machen kann. Es ist aber auch nicht ausgeschlossm, daß das eigne Gewissen zu dem Umstand, der diese Erscheinungen zeitigte, mit beitrug, denn Beine und Boden des Unglücksschrankes hatte ich in dem engen, dunkeln Verkaufslokal natürlich nicht untersucht, zumal er mir als neu und wenig gebraucht- aufgeschwatzt war. Bei objectiver Betrachtung sah er obenwärts übrigens auch im hellen Tageslicht noch ganz leidlich, wenn auch etwas derangirt aus, denn er hatte auf feinem bisherigen Lebensweg bei dem wahrscheinlichen öfteren Wechsel seines Herrn und seines Domizils manche Schramme davongetragen und war seit seiner vielleicht doch schon recht weit zurückliegenden Entstehungszeit wohl noch nicht wieder mit Politur in Berührung gekommen. Indeß, Nachbar Bornemeyer, der generöse Klotzspender, war bereit, diesen Defect gegen ein Aequivalent von zwölf Mark zu beseitigcn und ihn wie neu" aufzupoliren, welchen Vertrag ich denn auch seufzend mit ihm abschloß. Nachdem meinSchrank also noch acht Tage bei Bornemeyer eine Verschöne-
runaskur durchaemackt hatte, konnte ich mich seines Besitzes, der mir nun mittlerweile über fünfzig Mark zu steben tan, erfreuen. Zwar ergab sich beim definitiven Ausstellen in ta von meiner Frau designirten Ecke, daß selbe viel zu klein beziehungsweise der Schrank viel zu groß für dieselbe war und letzterer eine Hand onü dos Fenster verdeckte; allem das tonnte meine Frau ja vorher doch auch nicht wissen, und so sahen wir denn ber diesen Schönheitsfehler hinweg Md zogen, nachdem wir uns den Raum ehrlich getheilt hatten, mit unfern Sachen ein. Als ich am andern Tag aus dem Bureau komme, kommt meine liebe Frau mir schon aus der Treppe weinend entgegen mit der Trauerbotschaft: Denke Dir' Willi (mein Jüngster) ist mit dem Kinderstuhl in eine Scheibe Deines Bücherschrankes gefahren.- Na. fo was fehlte denn auch gerade noch. Zornbebend will ich mich schon auf den Bengel ftürzm, um ihn handgreiflich zu belehren, wie man sich den Scheibe seines väterlichen Bücherschrankes gegenüber zu verhalten hat, als mir meine Frau noch rechtzeitig in die Arme fällt und mir auseinandersetzt, daß das arme Kmd doch auch nichts dasür könne, weil es an ein solch neues MLbelstllck nicht gewöhnt sei und vor allem dessen schwache Seiten nicht kenne. Meine liebe Frau hat wie schon gesagt immer recht, also auch in diesem Falle; ich bin entwaffnet, und Willi hat seine Prügel gespart. Resignirt schicke ich zum Glaser. Der Biedcrmann kommt auch, erklärt mir aber, daß Scheiben mit so altmodischen Mustern jetzt nicht mehr fabricirt würden, ich also kein Pendant zu der noch heilen bekommen könne. Wohl oder übel mußte ich also zwei neue modernedoppeltgeätzte Scheiben einsetzen lassen, eine Verschönerung, die mich bare sechzehn Mark kostete. Verstimmt über diese unvermuthete Neubelastung meines schmalen Einkommens und ohne jede Formel zurBerechnung der Wahrscheinlichkeit dafür, wie oft mein Herr Sohn sich beziehungsweise mir diesen . Scheibenzerbrechluzus wohl' in Zukunft leisten könne, lege ich mich mißmuthig ins Bett, schlafe aber schließlich über meinen Grübeleien doch ein, um mich im Traume weiter mit Tischlern und Glasern abzuplagen. Kaum von Morpheus' Armen sanft umschlungen, fühle ich ein heftiges Schütteln am Arm und höre gleichzeitig die flüsterndeStimme meines lieben Weibes: Mann, hörst Du nichts?Natllrlich hörte ich nichts als das derhallende Rollen einer Nachtdroschke. Aergerlich über diese Störung, drehe ich mich auf die andere Seite, nm mich wieder zu meinen Handwerkern zu begeben; doch hatte ich die Rechnung abermals ohne meine liebe Frau gemacht, 'welche meine Höro'rgane durch gesteigertes Rütteln in Funktion zu brinon luckte. Hör- doch, bitte, lieder Mann; das müssen Mäuse sein", flüstzrt meine Frau eindringlich in siehendem Ton, der mich denn doch rührte und munter machte. Meine Frau hat nämlich weder vor dem leibhaftigen Höllenfürsten oder sonst irgend einer Creatur auf, in oder unter der Erde irgend welche Furcht, mit einziger .und alleiniger Ausnahme dieses harmlosen Nagethiers. . Nachdem ich denn also eine Weile lauschend im Bett gesessen und mich vergeblich angestrengt hatte, in meiner sonst durch vorzügliche Akustik sich auszeichnenden Wohnung irgend einen Ton zu vernehmen, höre ich schließlich doch ein Geräusch, etwa als ob jemand in der Nähe meines .Bücherschrankes seine Taschenuhr aufzöge, dabei aber die Kette abgedreht hätte, so daß das
regelmäßige Knarr - Knarr- kein ! Ende nimmt. Na-, sagte ich beruhigend zu meiner Frau, ängstige Dich nicht, liebes Kind; Mäuse sind es jedenfalls nicht-, obgleich ich momentan selbst nicht ahnte, was es denn wohl eigentlich sein könnte. Da! Heiliger Bimbam! Wie Schuppen fiel's mir von den Augen: In meinem theuern- Bücherschrank rumorte der Holzwurm. Mein armer Schrank, also auch diesen Schmerz mußtest du mir bereiten! Und wer konnte nach den bisherigen Ersahrungen voraussetzen, ob dies der letzte sein werde! Als meine liebe Frau sich von der befürchteten Mäuseplage befreit sah, bekam sie denn auch sogleich wieder Muth, indem sie einerseits behauptete, vor dem infamen Gebohr nicht schlafen zu können, und mir andrerseits schwere Vorwürfe machte, daß ich diese Viehcher beimAnkauf nicht gesehen habe. Ich erklärte meiner lieben Frau, um sie endlich wieder zu besänftigen, daß sich dieser unbedeutende" Uebelstand morgen schon mit leichter Mühe abstellen lassen werde, ohne selbst zu ahnen: wie, und so schliefen wir denn schließlich beruhigt wieder ein. Um in dieser fatalen Sache etwas zu thun, bat ich am andern Morgen den Brieskastenonkel meines Blattes ein Mann, der ja bekanntlich alles weiß um Rath, während die Würmer mit einer Ausdauer, die einer bessermSache würdig war. weiterbohrten. Abends setzte ich mich im Vollgefühl des Genusses, einen Bücherschrank wenn auch einen ziemlich theuern und dabei nicht ganz einwandfreien mein eigen zu nennen, zu meiner lieben Frau an den Tisch, um womöglich neben dem noch nicht bekannten Mittel des Zeitungsonkels im Brockhaus noch ein weiteres Mittel gegen Holzwürmer zu entdecken. Doch was ich im Brockhaus entdeckte, war etwas andres, ein Mittel gegen Holzwürmer war es nicht, da es mit diesen anscheinend in friedlichster Wohnungsgemeinschaft lebte. Es war in rundliches Etwas, etwa von der Größe und der Farbe einer Linse,
das aber vermöge unsichtbarer Beine schleunigst aus meinem Bereich zu kommen bestrebt war. Für meine Frau war das Erblicken dieses schüchternen Thierchens denn dem Thierreich gehörte es nach der Fähigkeit, sich zu bewegen, an , Aufschreien und Wie-leblos-zurücksinken eins. Bei dieser verblüffendenKundaebunq dämmerte auch mir, daß dieses Etwas wohl nicht so ganz harmlos sein tonne, und wie einem im Moment der Wchsten Gefahr urplötzlich die Er kennung driselben offenbar, wird, so sagte ich ran:: Das ist eine Wanze! Ob dieser schauderhaften Entdeckung war auch ich mit meinem Latein ob gleich ich zwar nicht in Ohnmacht fiel am Ende; nur stöhnend konnte ich noch mit Schiller sagen: Des Lebens 1 ungemischte Freude ward fernem Ir 1 -v: r-x; i-c-:r 41 U;Cll gtt UJClt. Meine IkbeFrau. die inzwischen wieHer zu sich gekommen war, begann jetzt mit einer Gründlichkeit, die sie wer tteiß wo erworben haben mochte, mir einen haarsträubenden Vortrag über das Wesen der Wanzen im allgemeinen und deren Nmgangsformen mit dem Menschen nn speziellen zu halten, dessen Neberzeugungskraft sich bald genug äußern follte. Kaum hatten wir uns nämlich nach der letzten betrübenden Entdeckung der neuesten Bewohner unsers Bücherschranks zum Abendbrot niedergesetzt, als auch schon unserErni, der ein Pfefferkorn durchgebissen hatte, entsetz! aufschrie: Au, Mama, eben hat mich eme Wanze m die Zunge ge bissen!Ich hielt es für angezeigt, für den Rest des Abends meine Stammkneipe aufzusuchen; der Bücherschrank wurde mir etwas unheimlich, ich konnte der Befürchtung nicht Herr werden, daß er auch noch Molche, Kröten und so weiter von sich geben möchte. Am andern Tag aber ging ich, bevor ich mich ins Bureau begab, in die Expedition meiner Zeitung und gab folgende Annonce auf: Ein gebrauchter, nußbaumpolirter Bücherschrank ist für jeden Preis sofort zu verkaufen. Offerten untcx Gemüthlichkeit 11". Der ZNoskitosumpf. Ein Erlebniß in Vermont, von R. I. Es können etwa -ehn Jahre her sein," so erzählte einer meiner Freunde, als ich in Vermont tWtt Fußtour nach dem Städchcn Eonaan, in der nord westlichen Ecke jenes Staates, gelegen, unternehmen wollte. Nach einem guten Tagemarsch erreichte ich, gerade als die Sonne unterging, einen Hügel, von welchem aus ich die weißen Häuser von Eanaan in der fferne sehen konnte. Ich fragte einen mir begegnenden Farmer, ob der vor mir liegende Weg der richtige sei. Der richtige und der kürzeste. Fremder," erwiderte der Mann, indem er sich auf seine Art stufte: aber Ihr könnt ihn nicht Passiren, denn er führt durch den MoZkitosumps. und es wird bald dämmern." So? Ist der Weg nicht breit und gut?" Tas ist er, die ganze Länge; auch könnt Ihr ihn gar nicht verfehlen. Aber Ihr werdet nicht lebend durch den Sumpf kommen!" Mein Himmel, was meint Ihr? Sind dort Mörder?" Ja, zu Millionen. Beim Abenddunkel jchwärmen die Moskitos, da wird der Weg unpassirbar." Ich lachte herzlich. Ein Moskito ist nicht größer als eine recht dicke fette Mücke. Dank' Euch," sagte ich und wollte fürbaß schreiten. Halt!" schrie der Landmann. Seid Ihr besessen? Ich sage Euch. Ihr kommt nicht lebend hindurch. Horcht einmal scharf hin!" Ich lauschte; in der Ferne erhob sich ein leichtes Schwirren, ähnlich dem Bienengesumme, ein eigenthümliches
Geräusch. Ich glaubte, der Farmer
wollte mich in s Bockshorn jagen, um einen Gast für den Abend zu haben, der ihm Neuigkeiten erzählen sollte. Flott zog ich also den Weg entlana, nachdem ich dem Manne die Hand ge schüttelt: die breite, eingehegte-Straße war gar nicht zu verfehlen. Ungefähr ein Drittel der Straße hatte ich zurück gelegt, als mir einige Mücken lästig zu werden anfingen. Um so schneller schritt ich weiter. In der Mitte des Sumpfes aber ward's arg. Ich ward tüchtig zerstochen, und der Mann hatte recht, es mußten Millionen' Moskitos hier ihren Wohnst haben. Bald war es so schlimm, daß ich mit jeder Handbewcqung. welche die Blutsauger vom Gesicht entfernen sollte. Dutzende der Thierchen tödtete. Aber Hunderte stürzten sich auf mich, und den Hunderten folgten ungezählte Tausende. Ich ging jetzt noch rascher, und den Lausschritt annehmend stürmte ich bald vorwärts wie ein Rasender. Es war mir schrecklich klar, ich mußte verzweiseit rennen, wenn ich mein Leben retten wollte. Mit einem Baumzweige, den ich rasch abgerissen hatte, schlug ich wüthend um mich, aber es half 'fast nichts, die Luft war schwarz von den Quälgeistern, die sich mit Blutgier auf mich stürzten. Sie verdunkelten den Himmel. Ter schrille Ton ihres Summens übertönte selbst den Schall meiner Laufschritte. Ich warf den Baumzweig fort und rannte mit Aufbietung aller Kraft fort, vorwärts, immer vorwärts zum Umkehren war es zu spät. Die Moskitos kamen mir in die Augen, in die Nasenhöhlen, in die Ohren, den Mund, kaum konnte ich mit den gleichfalls arg zerstochenen Händen es möglich machen, daß ich noch Athem zu holen vermockite. Meine Finger trieften von Blut. Ich fühlte, daß ich in diesem furchtbaren Kampf zu erlahmen begann, ein unbeschreiblicher Schauer überlief mich, ich schrie vor Angst und Entsetzen, mir grauste vor dem Tode in dieser elenden Gestalt. Ter letzten fünf Minuten dieses schrecklichen Lause kann ich mich nicht mehr geuau erinnern; ich befand mich in einem wilden Taumel, dem Wahn imn naye. unouo) ericyianten meine Beine, ich stolperte und fiel gegen die Umzäumung eines der ersten Häuser in Eanaan. Der Fall brachte mich wieder etwas zur Besinnung, aber ich war fast bims, hatte nur emcn schwachen Schim mer vor den Augen, der mir ermöglichte. mich zur Thür zu schleppen und schwach mahnte zu rusen. yur ging auf. mehrere Stimmen schrieen vor Entsetzen. Ich hörte noch den Ruf: Gütiger Gott, er hat den Mosküo sunipf pafsirt!" Tann vergingen mir die Sinne. n i v . tzru nacu orei aatn erwaaile im aus Fieberphantasien, nur meine sehr kräf tlge Natur errettete mich vom Tode. Mehrere Wochen mußte isl) auf dem SWnkenlaaer zubrinaen. Die Narben as diesem Kampfe, ein fürchterlich zcisetztes Gesicht, trug q noch jähre lang. Katheocrblüthcn. Wenn wir auf den Baum der Er kenutniß klettern, so müssen wir den Baum der Erkenntniß als eine Erhöhung des Menschengeschlechts bctrachUn. Eiu unterirdisches Kabel vermittelt jetzt eine blitzschnelle Unterhaltung zwischen der alten Welt und dem durch das Ei des Eolumbus entdeckten Amerika. Schliemann hat sich derart um die Ausgrabung von Kunstwerken verdient gemacht, daß wir ihn den Vater derselden nennen können, wenn sie auch von Anderen verfertigt sind. . Ter Eselskinnbacken war in Simsons Hand, was heute eine Krupp'sche Riesenkanone ist. Sie pflegen auf offener Straße hin ter jungen Damen herzugehen. Ich verbitte mir ein solches, dem Rufe unserer Anstalt nicht entsprechendes Benehmen für die Folge, zumal wenn diese meine Frau ist. 5 Wenn man einer Dame auf der Straße begegnet, so muß man ihr nicht in d e Augen sehen, sondern auf die Knopflöcher. 4 ' Methode ist der Lehrer selbst. Sie werden auch in die Methode hinein schauen und werden sagen: Ach, was hat die Methode für ein schiefes Gesicht!" Ter Torf aus dem Kreise Jnowrazlaw ist nicht etwa ein Torf wie der gewöhnliche Torf, der, wenn ich mich recht ausdrücken soll, in der Hand zerdrückt, zu Asche wird. Es ist vielmehr ein Torf, der sich schneiden läßt wie Speckschwarte, hart wie Eisen und so gut wie Steinkohle ist. Die Bombe ist etwas, welches, wenn es wohin fällt, kein Gras mehr wachsen läßt. Polynesien ist verwandt mit Polonaise, Rundtanz, und bedeutet so viel wie die im Kreise herumliegenden Inseln. Aus derZeit. ,;v All' die allerliebsten Mädeln Mit den strumpfbcdeckten Wadeln Sind im stand wohl, selbst im Radtw Eine Heirath einzufädeln. Ein ehrgeiziger Gauner. Richter (zum Einbrecher): Sie haben bei Ihrem Einbrüche fo viel Unnöthiges gethan! Das hatte doch jedenfalls nur den Zweck, die BeHorde bei der Untersuchung irrezuführen!" Einbrecher: O nein, Herr Richter!' Ich mach' nur immer gern ' meine Fäll' a' bissel int'ressant!"
. SiePsttht. Was auch das Glück in freundlicher Laune den Menschen in den Schooh wirft, es flieht unaufhaltsam dahin, wenn nicht die ernste, gebietende Pflicht um die Erhaltung der Glücksgaben sic stetig bemüht; die Pflichtvergessenheit wird nicht nur das Glück vertreiben, fondern dem Unglück Thür und Thor öffnen. Im öffentlichen Verkehr und im Betrieb hat oft eine nur kleine, un terlassene Pflicht schwere Eatastrophen herbeigeführt, und wie im öffentlichen, fo wird auch im Familienleben dieVer letzung der Pflicht, Leben, Gesundheit und Glück der einzelnen Famifemit glieder gefährden. Der Begriff Pflicht" muß daher den Kindern von früher Jugend an fest eingeprägt werden. Es soll und darf allerdings nichts von ihnen verlangt werden, was übe? ihre Kräfte und ihr Verständnis hinausgeht, aber zu der Erfüllung kleiner, leichter Pflichten fallen auch schon die Kleinen angehalten werden. Das Kind muß z. B., wenn es sich ein Lieblingsthier halten darf, dafür Sorge tragen, daß dasselbe zur rechten Zeit fein gt nügendcs Futter erhält und Käfig oder Stall stets sauber ist. Sind es mehrereGeschwister, so sorgen sie abwechselnd für Ordnung im gemeinsamenSchrank für Schulutensilien, ebenso achten ur darauf, daß ihre Spielsachen stets ixt Ort und Stelle zurückgelegt werden damit nicht ein Stück hier und das andere dort gesucht wird. Aeltere Geschwister müssen jüngere auf die Anfertigung der Schularbeiten hin controlliren, dabei muß ihnen eingeprägt werden: Was Du von anderen verlangst, mußt Du in erster Linie selbg leisten, sonst wird Dir Dein Vertrauensposten entzogen". Auch zu kleinern Diensten, erwachsenen Familienmit--gliedern und Gästen gegenüber sollen ' die Kinder herangezogen werden. So legt ein Kind dem Vater zu einer bestimmten Zeit die Zeitung zurecht sorgt, daß der Aschbecher zur Hand sieht und der Zündholzbehälter gefüllt ist. und die am Mittag aus der Schuler heimkehrende Tochter geht der Mutter zur Hand, indem sie den Tisch deckt.. Ein anderes wieder versorgt das Nadelkissen mit eingefädelten Nähnadeln wickelt Wolle oder Garn auf. So findet sich für die kleine Welt fortwährend Gelegenheit. Pflichten zu erMerrund solche zu üben. Die Hausfrau einer zahlreichen Familie kann sichh so manche Erleichterung und Zeiterspar--niß durch Uebertragung kleiner Arbeiten an ihre Kinder verschaffen-. Datz in manchen Haushaltungen alles: wie am Schnürchen geht, liegt daran,'. daß Große und Kleine je nach ihren Kräften zusammenwirken. Beschäftigte Kinder sind auch mehr vor Langeweile: geschützt. Doch auch noch andere? zuts: Eigenschaften werdcn durch dieses'Erzhungsmittel gefördert nid gepflegt.. Die Sorge für die Tkiece macht die: kleinen Herzen mitfühlend, die kleinen? Dienstleistungen für Erwachsene erziehen allmälig zu liebevoller Nücksichts nähme, Gefälligkeit und Hilfsbereite schaft, auch zur Pietät gegen das Al--ter. und die Ausübung leichter Geschäfte im Hauswesm wecken häuslichen: Sinn. Ordnung und Pünktlichkeit. Die Pflichten der Kleinen erscheinen auf den ersten Blick belanglos und doch, welch großen, nachhaltigen Segen tragen sie in sich! Ein großer Fehler vieler Mütter ist der, daß sie häufigsehr bald die Geduld verlieren und so ein kleines hilfsbereites Wesen mit den Worten zurückweisen: Ach geh' nur. Du machst doch nur alles verkehrt, und ich habe dadurch nur noch mehr Mühe. Mög sie doch lieber ein paarmal die Sache verkehrt anfangen, als unprak-"
tische und unselbständige Menschen zu, werden. Viel richtiger ist es, die Kinder in dem Glauben zu erhalten, daß ihre Hilfe von großem Werth sei, denn dieSchätzung ihrer kleinen Dienste trag viel zur Förderung der Arbeitslust bei und macht den Kle'n'.n ihre Pflicht lieb Kleine Ballade. Harmlos sa.ß ein Spätzele Vor Herrn Meyers Kammer!, Klagte seinem Schätzele Laut sein Liebesjammerl, Sang von Nest und Eierchen Ihm ein Lied in's Oehrchen, Aber da kam Meyerchen Mit dn Pusteröhrchen. I Weibele und Mannele Sanken todt in's Gärtchen, Und sogleich kam Hannele Aus dem Küchenpförtchen, Wusch sie aus im Wannele, Pustete in's Ascherl. Briet sie dann im Pfannele, Arme kleine Hascherl. Mittags sprach dann Meyerchen: So, das war das Sträfchen, Weil mich die zwei Schreierchen Heut' gestört beim Schläfchen." Und er schloß die Aeugelein Horch, da schrie ein Piepchen: Saßen halt im Zweigelein . Schon zwei neue Liebchen! Elsässcr Namen. Seltsame elsässische Familiennamen hat sich ein Freund humoristischer Sia tistik kürzlich in der Straßburger Vfl sicherungs - Anstalt zusammengestellt. Eine kleine Auslese zeige die germanische Urwüchsigkeit, die auf diesem Ge biete noch im Elsaß herrscht. Unter den Namen finden sich: Esel, Jagdenfuchs. Schlagdenhaufen. Aufdermauer. Ehrenspeck, Schuft, Streckdenfinger, Hun dertpfund, Krautwurst, Käsebier, Fal kengesäß, Haßdenteufel, FauNüme Hundgeburth. Hasenfratz, Schweres haut, Hühnerfürst, Dürrschnabel, Tau kennest, Mondloch.Bleikasten.Umbden stock, Hundertmark und Tausendmark. Der Optimist hat einen große Fehler: daß er nämlich auch sich für viel besser hält, als er ist.
