Indiana Tribüne, Volume 21, Number 284, Indianapolis, Marion County, 3 July 1898 — Page 6

MdHenseele. Von Köthe Stellmacher. ES war unbegreiflich, unbegreiflich. Warum sprach er nicht? Warum ließ tx Tag für Tag, bis zum letzten hinehen, ohne das entscheidende Wort zu Lagen? Er war ein großer starker,, stattlicher Aursche und garnicht mehr so jung! Mes, was er sonst im Leben that, Hatte Hand und Fuß, zeigte von Ver--nunft und Energie. Und dann war er so ehrlich! Kein Gedanke daran, daß er in Mädchen mit liebevollen Blicken betrachtete, ohne es ernst zu meinen. Vielleicht hätte sie ihm unerreichbar vorkommen können. Aber das ließ sich Trier): annehmen. Lebhafter, flinker, in, manchen Stücken begabter war sie wohl. Dafür hatte er in andern Dinzen das Uebergewicht. Alles war ausgeglichen, grade wie es fein soll. Außerdem hatte sie ihn lieb; und wenn er nicht immer die Augen am Boden und den Kopf voll allerlei Befanoenheit gehabt hätte, so hätte er es wohl sehen können. Sie zeigte es ihm, so gut es ging. freilich sehr gut ging es gerade Glicht. Sie war doch das Mädchen, und einen kleinen Trotzkopf hatte sie auch. Wenn er nun durchaus schwieg, wähxend dieGelegenheit zu sprechen da war, und durchaus redete, während schweigen viel beredter gewesen wäre was sollte sie machen? Schüchternheit, VerIcgenheii mein Gott, ja. sie wußte, daß nichts als diese zwei schuld daran waren. Aber wie konnte sie ihm da herushelfen? Er war doch der Mann. An ihm war es doch nun einmal, die Initiative zu ergreifen! So hatte die Natur es inaerichtet. So sagten die Leute, die guten Bücher, überhaupt alles, was ihr im Leben vorgekommen war. Es schien auch so natürlich! Wie er da stattlich, männlich, kraftvoll neben ihr Ijerfchriti unbegreiflich, daß diese starke Hand, die mit einer Fingerspitze ihr winziges Köpfchen hätte zu sich Hinüberziehen können, unbegreiflich, daß sie unbeweglich blieb, während -ihre eigene kleine Rechte verstohlen zuckte, als wäre es an ihr, sie auszustrecken und über sehe gesenkte Stirn .zu streichen: Sieh doch auf! Wollen wir nicht glücklich sein?" Sie that es nicht. Wie hätte sie es können oder sollen! Sie verbrachten die beiderseitigen .erientage in einem Badeort, in den 'der Zufall sie geführt hatte. Dort -rauschte das Meer. Die Eichen standen wie Riesen, und der laue Frühlingswind wehte darüber. Erst wenn der Wind die Bäume küßte, schlössen sie die jungen Blätter auf. Nicht früher. Sie warteten, mußUn auf den schwachen Hauch des Windes warten, obgleich ihre Aeste stark wie Männerarme waren. Wenn eine Seele in den Bäumen loar, mußte es eine Mädchenseele sein oder was wir so nennen: die Seele, die nicht aus sich herauskann ohne Zuthun .... Manchmal, wenn sie ihn betrachtete, kam er ihr anders als andre Männer vor. ganz abgesehen von den Unterschieden, die ihre Liebe an ihm sah. In all seiner Kraft und Männlichkeit schien er ihr wie hilflos. Wenn seine guten, weichen Augen die ihren suchten, war ihr. als warte auch er auf e!was und als sähe sie verstand es -nicht auszudrücken; es lag nur im Geffühl, aber wenn sie ihm hätte Worte geHen können, würde sie gesagt haben : lls sähe sie in Mädchenaugen. Das alÜes machte ihr Schmerz. Und doch zu--gleich Freude! Sie liebte ihn grade, wie 4tt war. In ihr selbst, hinter der sanften, 'kleinen Stirn lag etwas Entschlossenes, allezeit zum Handeln Bereites nur, daß es in diesem Fall nicht herauskonnte. Sie liebte grade das Gegen--theil in ihm. Ach, wie sehr sie ihn siebte! Nun kam der letzte Tag. Morgen sollten sie Abschied nehmen. Sicherlich für immer! Er hatte eine weite Reise -nach Süden, übermorgen trat sie die ihre nach Norden an. Keine Aussicht, daß sie sich je wieder trafen; und wenn dann wie? Sie war nicht abergläudisch genug, an ein Schicksal zu glauden, das trotz allem" sie zusammenführen würde, wenn; es sein sollte" -nicht l?ichtherzig yenug.sich einzubilden, daß das Liebesflämmchen über Zeit -und Raum hinweg ..ewig" brennen werde, wenn es nur das rechte" sei. Sie war keine Träumerin; sie dachte an die unerbittliche Folge von Ursache und Wirkung, dachte an den Sand der 5Oüne, der die jungen Pflanzen verschüttet, und an die Zeit, die so viele Gefühle begraben hat für immer. Es war nicht auszudenken . . . Elntn Menschen verlieren durch Tod. Schicksal. Nothwendigkeit das ist hart, furchtbar! Aber das Glück versinken lassen müssen um einer Schwachheit. eines unausgesprochenen Wortes willen war es nicht Wahnsinn? Die Nacht kam die letzte Nacht vor dem letzten Tage, die schlaflose Einsam- , keit. Es ist nickt wahr, daß Nacht und Einsamkeit furchtsam machen. Der Verzweiflung geben sie Muth. Sie wollte es ihm sagen. Nein, sagen nicht. Es gab ja noch eine andern Weg, der leichter, einfacher war. Ja. vernünftig! Was lag denn schließlich daran, wer das Wort aussprach? Wer fragte, wer antwortete? 5s war ja alles Thorheit, was sie da beten von Mädchenbestimmung und 'Zännerrecht wenn es sich doch um dQs Glück zweier Menschen handelte! Sie nahm die Feder und schrieb. Es war ein einfacher, kleiner Brief, so einfach, so frei von aller anerzogenen Unnatur Er lautete: Ich habe Sie lieb. Sagen Sie mir. ob Sie auch mich lieb haben! Kann es nicht sein, so ,'.st es doch besser, daß die Wahrheit uns frvmt als Xaz Zweifel. Oh Sie fort-

bleiben oder wiederkommen Sott mit Ihnen überall!" Am Morgen kam er sehr blaß auS seinem Zimmer. Es war ganz gewiß, daß er litt. Und es war ganz gewiß, daß ihm hundertmal das Wort auf den Lippen schwebte und nicht herunter konnte. Warum nicht? Der Himmel weiß, was für Mächte jene Eigenschaften, die an und für sich weder gut noch böse sind, zum Unglück in die Form legen, in der der Mensch nicht gewohnt ist oder sich nicht gewöhnen will, sie zu suchen und zu begreifen. Das Dampfboot pfiff. Es glitt und trug ihn fort, weit fort. Das Wort blieb ungesprochen . . . Des jungen Mannes Freunde und viele andre, wenn sie die unselige, kleine Comödie verfolgt hätten, würden gesagt haben, daß er nicht wisse, was er wolle, daß er ein Feigling, ein Thor oder Aehnliches sei. Aber cs war nicht das. Es war nur, daß er die JungeMädchenseele bekommen hatte, oder was wir so nennen: die Seele, die nicht aus sich herauskann ohne Zuthun. Und sie? Sie hatte wohl etwas von der Kraft des Frühlingshauches, der die Blätter erschließen kann, so weich und schwach er ist. Aber . . . Der arme, kleine Brief! Die arme, zitternde, kleine Hand, die ihn in der Tasche zerdrückte! Da steckte er ungelesen, ungegeben. Sie hatte es nicht fertig bekommen. Sie würde es niemals fertig bekommen. Denn nicht die Nacht, nicht die Einsamkeit machen uns bange. Der grelle Tag thut es, wenn er unser neugebackenes Stückchen Heldenhaftigkeit belächelt. Und wenn erst die Menschen kommen und mit ihren neugierigen Augen fragen: Du gottverlassener, junger Wich, du willst an der alten, schönen Weltordnung rühren?" dann gucken wir unter uns.wenn auch das Herz bricht, und thun doch wieder, ws die Leute sagen und die guten, alten Bücher und alles, was uns bis dahin im Leben vorgekommen ist. (5r raucht!

Der zu Anfang des vorigen JahrHunderts an der Kreuzkirche in Hannover angestellte und als tüchtiger Kanzelredner bekannte Pastor Flügge hatte eben sein Examen bestanden, als er auf Bitten der Kreuzkirchengemeinde eine Gastpredigt hielt, die so sehr gefiel, daß man ihn zum Prediger wünschte. Indessen glaubte man von ihm, er sei Pietist, was man für etwas sehr Gefährliches hielt. Nun behauptete der damalige Abt zu Loecum, der berühmte Molanus, ein echter Pietist rauche nie Tabak, und so kam es darauf an, zu erfahren, ob Flügge Tabak rauche; war dies der Fall, so war er kein Pietist. Der Wirth, bei dem Flügge wohnte, versicherte zwar. Flügge sei echter Orthodozer, weil er stets nach Tische ganz ungenirt seine Pfeife rauche, eine Aussage, die man jedoch nicht für hinreichend hielt, zumal der Ruf nun einmal gegen Flügge war. Man wollte sich selbst durch den Augensch?m überzeugen. Und das machte man also: Abends strömten Vornehme und Geringe vor das Haus, wo Flügge wohnte. Allein die Fensterladen seines im Erdgeschoß nach vorn heraus gelegenen Zimmers waren verschlossen und man konnte nur durch die herzförmig ausgeschnittenen Lichtlöcher sehen. Es wurden Tische und Bänke herbeigeschleppt und man sah, daß Flügge im Zimmer auf und ab ging und seine Pfeife rauchte. Dies war eine große Freude für die Lauscher, die seine Probepredigt mit Erbauung angehört hatten. Wer nur konntet hängte sich an die Laden. Aber die Riegel rissen los und das ganze Gerüst mit allen seinen Zuschauern stürzte polternd zusammen. Flügge erschrak nicht wenig und glaubte, man stürme das Hau Als er daraufhin an das Fenster trat, sah ihn die ganze versammelte Menge, die in den Jubelruf Gottlob, er raucht Tabak!" ausbrach. Fröhlich eilte Jeder nach Haufe und Tags darauf wurde Flügge einstimmig zum Pastor an der Kreuzkirche gewählt. Wer den Kessel bekam. Eine hübsche Anekdote, auf die man mit Fug und Recht das bekannte wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden" anwenden kann, circulirt in Wolverhampton, England, auf Kosten des Bischofs von Lichfäld. Der Bischof traf auf einem seiner Spaziergänge eine Gruppe von Kohlengräbern, die auf seine Frage, womit sie sich beschäftigten, die kecke Antwort gaben: Mit Lügen.", Sie hatten nämlich einen kupfernen Kessel gefunden und einmüthig beschlossen, ihn demjenigen als Eigenthum zuzusprechen, welcher die größte Lüge vorzubringen im Stande wäre. Aufs Höchste entrüstet, stellte ihnen darauf der Bischof vor, wie das Lügen doch ein so hassenswertes Laster sei, und wie er selbst eine so große Abneigung dagegen empfinde, daß er, wie einer der bedeutendstenMänner des Alterthums, der Thebaner,Epaminondas, nicht einmal im Scherze lüge. Kaum hatte er seine eindringliche Rede beendigt, als einer der Arbeiter, der bis dahin schweigend zugehört hatte, lebhaft ausrief: Gebt dem Alten den Kessel! Er ist uns allen über.". Der Bischof soll sich auf Grund dieser betrüblichen Erfahrung fest Vorgenommen haben, in Zukunft seine Neugierde zu zügeln. Vorsorglich. Student (einen schlafenden Nachtwächter weckend) : Wach' auf. Du Pflichtvergess'ner ! Wer soll mich denn später Heimgele:ren ?" : ' S chrecklicher Gedanke. Gr.'f: . . . Hm! Wie muß Adam und Eva ohne Ahnen zu Muthe gewesen feml"

ImSüd-Karz. Viele Tausende besuchen alljährlich den Harz, aber die große Mehrzahl von ihnen lernt nur einen verhältnißmäßig kleinen Theil dieses Gebirges, den Abschnitt, der zwischen Thale und Harzbürg liegt, kennen. Dieser Theil ist wohl auch der hübscheste und jedenfalls der eigenartigste. Die meisten Besucher des Harzes kennen das Hochgebirge nicht und lernen im schroff abfallenden Bodethal, dem Steingeröll der Steinernen Renne" und den Mooren des Brockens zum erstenmal etwas von seiner Wildheit kennen. Dazu kommen die herrlichen Nadelwälder, die die Fürsten von Stolberg - Wernigerode und die braunschweigische Regierung den Wanderern fast rückhaltlos offnen. Auch ist hier in den Städten schon den großstädtischen Bedürfnissen Rechnung getragen, und auch der Verwöhnte braucht in den großen Hotels nichts zu entbehren.

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Daö Ritterthor in Stolb e r g. Das alles spricht für das Stückchen Harz, das der Norddeutsche meint, wenn er vom Harz als solchem redet. Wer aber die Buche mehr liebt als die Tanne; wer lieber in einem WirthsHaus einkehrt als in einem Hotel; wem der muntere Thüringer sympathischer ist als der verschlossene Harzer der soll den Südharz besuchen. Für eine Wanderung durch denSüdharz ist Stolberg zum Ausgangspunkt zu wählen. Es ist ein echtes, rechtes Harzstädtchen mit uralten Holzhäusern, das sich in vier Thäler erstreckt. Die Häuser schmiegen sich eng an die Bergwände, alles ist überaus bescheiden, aber das Städtchen hat einen ganz eigenen Reiz, und um seine rothen Dächer liegt ein romantischer Duft. Es entstand in Anlehnung an das Schloß, das es noch heute überragt, und in seinen Anfängen wohl zugleich mit diesem. Der Harz war in der Sachsenzeit eine unbewohnte Wildniß, in der der Jäger hin und wieder dem Wisent, dem Bär und dem Wolf die Herrschaft streitlg machte. Nur an seinem Rande gab ß auf einzelnen Bergen Wallburgen, Häuser von Stoiber g. in die sich die Bewohner der in der Ebene liegenden Dörfer mit ibrer fabrenden Habe und ihrem Vieh zurückzogen, wenn em übermächtiger Femd das Land verheerte. Als auch diese Landschaften sich der Cultur erschlossen, unter den sächsischen Kaisern, nahmen diese den Urwald für sich in Besitz. Er blieb auch später noch durch Jahrhunderte der Bannforst der Könige. Wer in demselben Wild fängt", heißt es noch im Sachsenspiegel, der soll als Strafe zahlen des Königs Bann. Das sind sechzig Schillinge.- Auch die fränkischen Kaiser jagten mit Vorliebe im Harz und hielten sich zum Theil aus diesem Grunde so gern in der Pfalz zu Goslar auf. Die Kämpfe unter Heinrich VI. bewirkten, daß sich in Sachsen jeder Gutshof in eine Burg umwandelte. Wie Pilze nach einem warmen Regen schössen diese in der zweiten Hälfte des XI. und im XII. Jahrhundert rings um das Gebirge hervor. Um 1200 .;erum erbaute em Graf von Hohnstein die Burg Stolberz Am Thor in Neustadt. und nannte sich nach ihr. Er ist der Stammvater, des alten Geschlechtes, das noch heute, in drei Linien: Stolberg - Wernioerode, Stolberg - Stolberg und Stolbera - Roßla getheilt, einen großen Theil des Harzes besitzt. Vom Schloß aus sieht man in ein Meer von Wald. Es sind Buchen, Eichen. Tannen, eine Pracht ohnegleichen. Und das alles ist hier, wie überall im Harz, auf den bequemsten Pfaden leicht zu erreichen. So behaglich es aber auch in Stolberg ist, die Natur lockt uns weiter zu wandern. Zunächst Neustadt. Neustadt, das man natürlich auch wieder durch ein Thor betritt alle diese Städtchen waren ja einst kleine Festungen ist noch viel kleiner als das zweitausend Einwohner zählende Stolberg. Es hat ihrer nur neunhundert, aber es hat seine Rolandssäule und ein Kurhaus und ein Badehaus. Trotz aller dieser Vorzüge ist das Beste an Neustadt unter dem Hohnstein" die alte Ruine des Schlosses Hohnstein. Sie ist eine der größten Ruinen des Harzes, wie ja

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auch die Ahnherren der Stolberge, dle auf ihr siedelten, ein mächtiges Geschlecht waren. Die Burg wurde 1380 von den Landgrafen von Thüringen, 1412 von Friedrich von Heldrungen erobert. Aber erst der dreißigjährige Krieg brachte ihr, wie so vielen deutschen Schlössern, den Untergang. Der sächsische Feldobrist Vitzthum von Eickstedt nahm sie 1636 im Sturm und ließ sie in Flammen aufgehen. Die Grafen von Hohenstein waren ursprünglich Jlfelder, und Graf Elger und seine Gemahlin Lutr'ude sind auch in Jlfeld begraben. Der ihnen errichtete Gedenkstein ist noch heute in der Krypta der Klosterschule zu sehen. Von Jlfeld wandert man in vier Stunden über Berg und Thal nach Walkenried. Walkenried war einst ein berühmtes Cistercienserkloster und wurde 1127 von der Gräfin Adelheid von Klettenberg begründet. Die Mönche gelangten zu großem Wohlstand und wandten diesen dazu an, um sich die Herrliche Kirche zu erbauen (12900, deren Ruine noch heute die Bewunderung der Beschauer erregt. Von der einst dreischiffigen Kirche stehen nur noch Theile der Äußenmauern aufrecht, dagegen ist der ungemein stimmungsvolle doppelte Kreuzgang noch ganz erhalten. JedeSäule hat hier ein anderes Kapitäl, und das Ganze zeigt noch eine röthliche Färbung, die wie Abendsonnenschein wirkt. Der ehemalige Kapitelsaal dient jetzt als Kirche und enthält noch mancherlei Erinnerungen an die Mönche, die einst, in ihrer guten Zeit, hier so segensreich wirkten. An sie erinnern auch noch die Teiche, an denen man vorüber kommt, wenn man durch einen schönen Eichenwald nach dem nahen Sachsa wandert.

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Klosterruine Walkenried. Sachsa, ein eintausendachthundert Einwohner zählendes preußischesLandstädtchen, ist in den letzten Jahren ein sehr beliebter Sommerausenthalt geworden und hat in der That eine sehr anmuthige Lage. Wandert man durch das Osterthal zum Katzenstein, so hat man einen herrlichen Blick auf die Goldene Aue" und den Kyffhäuser im Hintergrunde. Noch schöner ist dieser von Ravensburg, der wie ein Borgebirge in die Ebene hineinragt, zugleich aber auch nach Norden hin eine entzückende Aussicht auf den Harz bis zum Brocken und seine unvergleichliche Waldespracht bietet. Der Wald wirkt hier so verlockend, daß, wer nur irgend die Zeit dazu sindet, von Ravensberg aus über den alten Kaiserweg", der jetzt eine breite Trift ist, nach Stöberhai wandert, einem in tiefster Waldeinsamkeit liegenden Wirthshaus. Vom Aussichtsthurm aus blickt man auf ein Meer von Wald. Der Wald bedeckt hier noch die Thäler, steigt an den Halden empor, breitet sich über alle Berggipfel aus. Einen ähnlichen Anblick hat man selbst im waldreichen Deutschland nur selten. Ruine Scharzfels. Der Harz ist bekanntlich sehr arm an Wasser. Der größte Theil der reichlichen Niederschläge findet seinen Absluß in unterirdischen Gewässern, die Flüsse sind im Sommer meist nur spärliche Bächlein. Da wirkt denn eine große Wasserfläche, wie sie der Wiesenbecker Teich" zeigt, doppelt erfrischend. Der Wiesenbecker Teich, der von Lauterberg in etwa dreiviertel Stunden erreicht wird, ist ja nur ein durch Stauung entstandener kleiner Sce, abir er ist so in die von Wald bedecktenBerge eingebettet, daß er höchst malerisch wirkt. Von Lauterberg zieht der Wanderer weiter zur Steinkirche und zur Ruine der Burg von Scharzfels. Die Steinkirche war ursprünglich eine natürliche Höhle und mag wohl schon von den heidnischen Deutschen dieser Gegend als Cultusstätte benutzt worden sein. Scharzfels war einst eine dr merkwürdigsten FelsenburgenDeutschlands. Die Burg wurde ursprünglich von den Erzbischöfen von Magdeburg erbaut, um der berühmten Abtei Pöhlde als Schutz zu dienen. Später kam dieBurg an die Hohnsteiner und nach ihrem Aussterben an Braunschweig. Die Herzoge von Braunschweig bauten sie zu einer kleinen Festung in der Art des Hohentwiel und des Königssteins aus, und das Gemäuer von MenschenHand verwuchs mit dem Felsen zu einem untrennbaren Ganzen, das, solange die Feuergeschosse noch einen primitiven Character trugen, in derThat unbezwingbar war. Nur Hunger oder Verrath konnten den Fall dieser kleinen Festung herbeiführen. Der letztere spielte denn 'auch seine traurige Rolle, als während des siebenjährigen Krieges im Jahre 1761 11.000 Franzosen Scharzfels belagerten. Die -Fe-stung befand sich im kläglichsten Zu-' stände, und ihre Besatzung bestand nur aus zweihundertundfünfzig Invaliden

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un5 vierzig Artilleristen. Trotzdem hätten die Franzosen ihr nichts anhaben können, wenn sicb nlcht endlich ein Verräther gefunden hätte. Nach der Einnahme sprengten sie die Festung, soweit das möglich war, in die Luft und schufen damit auch hier im Norden eines jener Wahrzeichen ihrer Barbarei, an denen Südwestdeutschland so überreich ist. Heute hat man von der Oberburg aus einen entzückenden Rundblick über den Harz, die Hainleite und das Eichs-feld.

Auf den Pbilippincn. Trotz ihrer großsprecherischen Junta und ihrer glänzenden Siegesberichte machen die kubanischen Insurgenten unter ihrem Häuptling Gomez dem General-Capitän Vlanco in Havanna jedenfalls 7oeniger Sorgen als der Insurgentenführer Aguinaldo dem Gene-ral-Gouverneur der Philippinen, Don Basilio Augustin in Manila. Während unsere wackeren boys in blue" auf der Perle der Antillen die KastaDon Augustin. nien aus dem Feuer holen müssen, kann Admiral Dewey dem General Aguinaldo nur wenig helfen und letzterer ist auf seine eigene Kraft angewiefen. Trotzdem aber macht Aguinaldo den Spaniern den Boden gehörig heiß und beim Eintreffen unserer Occupationstruppen in Manila dürfte er bereits vollständig Herr der Situation sein. General Aguinaldo's ZukunftsProgramm für die Philippinen umsaßt die Einrichtung einer selbstständigen Regierung, ' deren innere Verwaltung unter Controlle amerikanischer und europäischer Beiräthe stehen soll. Ein temporäres amerikanisches Protectvrat würde wünschenswerth sein. Die Handelshäfen in den Philippinen sollen Freihäfen fein. Für die innere Verwaltung sind in Aussicht gestellt: A g u i n a l o. - Umgestaltung des jetzigen corrupten Justizwesens unter erfahrenen europäischen Beamten; Schutzvorkehrungen gegen die Chineseneinwanderung; völlige Preßfreiheit und das Recht der öffentlichen Versammlung; Abschaffung und Austreibung der religiösen Orden; Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen und Reichthümer des Landes; Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, sowie Verhütung von Vergeltungsmaßnahmen gegen die Spanier. Das ist sehr hochtönende Zukunftsmusik". Für die Helden der Feder. In Anerkennung und Würdigung der hohen Bedeutung und des großen Einflusses der Presse hat die Verwaltung der Trans - Mississippi - AusPreßpavillon. stellung in Omaha den Helden der Feder einen eigenen Pavillon eingerichtet. Derselbe ist nicht blos mit allen Facilitäten und Hilfsmaterialien für die Berichterstattung versehen, fondern enthält auch mancherlei Attractionen für das große Publikum. Schlagfertig. Vater (eintretend, als Braut und Bräutigam sich zanken): Ja, was geht denn hier vor?" Bräutigam: Zurück geht etwas!" Boshaft. Herr (zu einer zanksüchtigen alten Jungfer): Ich wüßte einen passenden Mann für Sie." Fraulein: So? Was ist er denn?" Herr: Schlangenbändiger!" Ein schwieriger Fall. Dr. Beiling sitzt Abends bei seine: Frau im Familienzimmer, als ihm das Dienstmädchen eine Karte überreicht. Dr.Beiling (leise für sich lesend): Lieder College, komm gleich herum ins Cafe an der Ecke. Dr. Scholler und ich warten auf einen dritten Mann zum Skat." (Laut.) Hm, hm! Liedes Kind, Du mußt entschuldigen, daß ich Dich allein lasse. Ein sehr schwerer Fall jedenfalls ti sind schon zwei College da!"

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Santiago de ßuöa. Aller Augen waren beim AuZbruch der Feindseligkeiten auf Havana gerichtet, in der Erwartung, daß dort die erstcn blutigen Zusammenstöße stattfinden würden, alkein diese Annahme hat sich nicht verwirklicht und durch die Entwickelung der kriegerischen Ereignisse ist Santiago de Cuba in den Vordergrund des allgemeinen Interesses gebracht worden. In der Bucht von Santiago hat der Admiral Cervera mit seinem fliegenden" Geschwader eine Zufluchtsstätte gefunden und die erste amerikanische Jnvasionsarmee ist gegen diesen Platz gerichtet. Santiago de Cuba, die Hauptstadt der östlichen Provinz gleichen Namens, liegt an der Südküste der Insel, von dieser durch die Bergkette Sierra Maestra übrigens ganz abgeschlossen und mit ihr nur durch Saumpfade verbunden. Die Stadt zählt gegen 65.000 Einwohner.

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Villa. Die Bucht, von bewaldeten Bergen L sr. fWk . . . . ver Sierra Maejtra umgeben, schneidet fünf Seemeilen weit in's Land hinein; mit dem offenen Meere ist sie durch einen beinahe eine , Seemeile langen natürlichen Canal verbunden, der sich an seiner schmalsten Stelle bis auf kaum 500 Fuß verengert. Die- Wassektiefe der Bucht reicht für die größten Schiffe aus. Dockgelegenheiten, Maschinenfabriken und' Eisengießereien sind in der Nähe der an dem Ostufer der Bai erbauten Stadt vorhanden und von großem Werth für die den Hafen anlaufenden Schiffe. Auch große Vorrathe an Kohlen und Material aller Art sind in den dortigen Lagern aufbewahrt. Die Bucht von Santiago ist ebenso leicht zu vertheidigen, wie schwer zu Verlässen, wenn draußen ein starker und kühner Feind lauert. Die Einfahrt in Hütten der Eingeborenen. den Hafen ist durch eine Anzahl theils ganz neuzeitlicher Feftungsanlazen geschützt. Das Castell Morro am äußersten Ende des Einfahrtscanals ist die älteste Befestigung, aber durch moderne Neubauten ergänzt. Weiter nach innen zu liegen eine Anzahl Batterien, unter denen die Estrella - Batterie die stärkste ist. Nördlich von derselben liegt das Catalina - Fort und dicht bei der Stadt, ganz im Innern der Bucht, die Bianca - Batterie. Die enge Einfahrt ist leicht durch Minen zu sperren. Von allen Städten auf der Perle der Antillen" ist Santiago ohne Zweisei die interessanteste. Viele Jahre älter als St. Augustine, macht die Stadt mit ihren engen Straßen einen mittelalterlichen Eindruck. Der häufigen Erdbeben wegen sind die Häuser . Wachtthurm. einstöckig und fast sämmtlich um einen Hof, Patio, gebaut, der, mit Palmen, Ziersträuchern und Blumen geschmückt, den Hauptsammelplatz der Bewohner bildet. In der Umgegend der Stadt haben die reichen Bürger prächtige Villen, die meist höchst luxuriös eingerichtet sind, während die Hütten der Eingeborenen anPrimitivität nichts zu wünschen übrig lassen. Wie überall in tropischen und subtropischen Ländern, bewirkt die große Hitze auch in Santiago, daß Jedermann süßes Nichtsthun anstrengender Arbeit vorzieht. Die improvisirte Hängematte. Dame : Warum arbeiten Sie denn nicht? Bettler: Ja, wissen Sie, Madameken, ich habe vor zwanzigJahren ein feierliches Gelübde gethan, nicht eher eine Hand zu rühren, als bis die Frauen eben so gut bezahlt erden, wie die Männer.

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