Indiana Tribüne, Volume 21, Number 284, Indianapolis, Marion County, 3 July 1898 — Page 4
Fndiana Tribüne.
Erschctut Täglich und SoMz Die tZgltcke.Trtbäne- kostet durch den Trlg 1 deut prt Joch, die SonntagS,Triba-e ttnts per Woche. Beide ,usae'e 15 entb b, f5 Sentl pe, Vtr Poft ußerhalb bei VUb gkschiikt 1 V,ra5dihln V p7 Jahr. . Dffw 18 KV labama traft. Indianapolis, 3nd., 3 Juli 1898 Soitap - piiteci. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, daß die Beamten der Garden BaptistKirche und der Pastor derselben derurtheilt wurden, der Frau Louise Smock $5,000 Schadenersatz für Verleumdung zu zahlen. Die Iran war nämlich von der Kirche ausgeschlossen worden und zwar deshalb, wie sie behauptete, weil der Pastor sie nicht habe leiden könne und die Mitglieder der Gemeinde gegen sie aufgehetzt habe. Der Form nach erfolgte der Ausschluß, weil der Pastor sie angeklagt hatte, Streitigkeiten unter den Mitgliedern durch Schwätzereien hervorzurufen, den Anordnungen deS PastoreS nicht Folge zu leisten, aufsässig und bösartig gegen die Beamten zu sein usw. Man darf wohl annehmen, daß die Bösartigkeit auf Seiten deö Herrn Pastor war, denn sonst hätten die Geschworenen der -rau wohl schwerlich $5,000 zugesprochen. Ich bin im Allgemeinen nicht schadenfroh. Bonden betreffenden Personen kenne ich keine und die Frau Smock ist mir ebenso gleichgiltig wie der Pastor Berry und die ganze Kirchengemeinschaft und doch macht mir die Sache Spaß. Denn die Geschichte sing mit einem kleinen unbedeutenden Klatsch an, der daraus entstand, daß eine Frau der Frau Smock ein etwas sehr unhöfliches Valentine" zugeschickt hatte. Die Sache wäre harmlos derlaufen, hätte nicht der Herr Pastor seine Nase hineingesteckt. Frau Smock sollte erklären, daß eine gewisse andere Frau nicht die Absenderin desselben sei und daS that sie nicht. Von da an hatte sie den Pastor als Feind. Nesultat : fünf tausend Dollar Dämätich. 'S". Die Summe scheint mir etwaS hoch und ich Will es dahingestellt sein lassen, ob die Ehre der Frau und daS Gefühl derselben durch den Ausschluß wirklich um so viel gedämätscht" war, aber die Höhe der Summe scheint mir zu beweisen, daß die Jury der Ansicht war, daß eS sich auf Seiten des PastorS um eine ganz grundlose Verfolgung handelte. Und da mir nichts auf der Welt, nicht einmal die Demuth, so zuwider ist, wie der Hochmuth, so freut mich's, daß psüssischer Hochmuth hi,r einmal seine Strafe fand. Joseph Altzznder Seebaum, auch bekannt als Laketree", giebt in Chicago eine Vierteljahröschrift heraus, welche den Titel Tam-Tam" trägt Laketree" ist Humorist und Musikkritiker. , In der letzten Nummer seiner Schrift finde ich Folgendes: Karl Busch, der Symphonieorchesterleiter in Indianapolis, welcher während dieses Sommers in Leipzig weilt, hat dort eine Aufführung, deren Spielplan nur auö seinen Werken bestand, nach der Zeitschrift für Musik" zu urtheilen, mit Erfolg veranstaltet. DaS ist erfreulich. Die Deutschen sollen nicht nur immer von einem prahlerischen Bier-Busch, nicht nur immer etwaS Anheuser- sondern etwas Tannhauserlicheö hören." So so ? Ich sehe schon, man muß Vi?rteljahröschris!en lesen, um von Indisnpulijer Musikern etwaS zu hören. Wer nur der Kar! Busch sein mag ? Ein Karl ist zwar Leiter deö Symphonieorchesters, aber er heißt nicht Busch, sondern Schneider, er ist auch nicht während diese? SommerS in Leipzig, sondern piknikt heute mit unsererDramatischen Sektion und,waS seine Werke betrifft na, die find natürlich großartig, aber er hat unö Jndianapolisern noch nicht daö Vergnügen gemacht, sie aufzuführen. Ich fürchte, sehr, der Bier-Busch. Witz ist umsonst gemacht worden und der Witz Avheu-ser-Tannhäuser unponirt mir nicht. Dagegen mache ich Laketree" mein Compliment zu Folgenden : Göthe schrieb einst den ost angesührten Spruch: , vieles bringt, wird manchem et.saS bringen." Diesen Scheuch dertamtame" ich, meiner Anficht entsprechend, folgendermaßen: Wer Vielen- bringt, wird Manchem wenig bringen. -Wenn ich aber die unermeßliche gar in die Hunderttausende reichende Verbreitung eine? Zeitschrist d'rnehme, dann muß ich unwillkürlich an daS alte Sprüchwort denken: Gott, wie groß ist Dein Thiergar-ten."
Je weniger ein Leiter der Masse Rechnung tragt, je mehr er den Routinier" abstreift, den Windmantel von sich wirft, daS Chamäleonartige verabscheut, kurz ein klardenkender, zweck-, und zielbewußter Mann mit fester Ueberzeugung ist, desto auserlesener wird sein zahlender Leserkreis werden. Mit anderen kernigeren Worten : Während der Leiter einer Zeitschrift mit einer Massenverbreitung aus eine u nbeschränkte Zahl von B eschränkten rechnet, strebt der Andere nach einer beschränkten Zahl von U n b e s ch r ä n k t e n." DaS ist sehr gut und sehr witzig. Aber warum Sprüchwort, lieber Laketree ? Warum nicht Sprichwort ? Wäre nicht selbst Sprechwort und Spruchwort besser als Sprüchwort ? Der Plauderer. m ,,, m Der Kniephof. Von Hermann Heiberg. Unter den alten Patrizierhäusern in W. nar der Kniephof das schönste: ein dickleibiger, den Jahrhundertm trotzender, zugleich in anmuthigen Formm emporsteigender Bau, vornehm in einem parkartigen Garten und .doch hart an der verkehrsreichen Hauptstraße der Stadt belegen. Vorn zur Linken des hallenartigen, hohen Flurs, von dem die Doppeltreppen zu den Gesellschaftszimmern führ ten, befanden sich die Kanzlei und zur Rechten die Schreiberzimmer, sowie das Archiv des Amtmanns Baron von Finsterode. An einem Frühjahrstage mit kaltem, unfreundlichem Wetter war's, als der alte weißhaarige Diener Membran in seiner brandrothen, goldbordirten Livree dem mächtigen Kaminfeuer im Arbeitsgemach des Gestrengen aufhalf und sich die durch den ins Gemach schlagenden Holzrauch bei ihm einstellenden Thränlein aus den alten Augen wischte. Und nebenbei, in der Kanzlei, horte der Kanzleivorsteher Phillppo den Membran Hantiren, öffnete die geschweifte, schneeweiß gestrichene Thür mit der messingblitzenden Klinke und stieß, seiner spitzen Nase eine Prise aus der mit einem Rokokobilde geschmückten Dose zuführend, heraus: Wie ist's heute, Membran? Stimmung gut?" Der Alte zog die dicken Lippen und schüttelte den Kopf. Ach. nein im Gegentheil, miserabel " Philipps zog den hageren Körper mit enttäuschter Miene zusammen. Was ist denn?6? hat flüsterte Membran gestern Abend wieder beim Grafen Wels über tausend Dukaten verloren. Ich hörte davon, wie sie beim Frühstück saßen " So, also wieder!? Stets verliert er neuerdings! Nun muß Bär wieder herhalten. Sollten Sie ihn nicht bestellen?" Philipps sprach's hämisch. Er strich sich mit den langen blassen Comtoirfingern über das haarlose Kinn. Man sah's ihm an, wie sehr ihn vie Schadenfreude durchzuckte, daß der alte, verhaßte Amtmann sich vielleicht vor Bär bücken mußte. Membran aber entgegnete hierauf nichts. Doch legte er zum Zeichen deS Schweigens die Finger an die Lippen und mahnte rauh: Nun raunt's nur nicht in alle Winde, was ich Euch erzählte ! Hausqeheimniß! Hören Sie, Philippo?" Der aber wies die schulmeisternden Worte mit auslehnender Miene zurück und sagte: Ist Nachricht da von Flugsande, von Excellenz Finsterode? Ist er noch immer nicht bei den Seligen? Wollen's wünschen für uns Alle! Dann giebt's ein Paar Millionen Species Erbe." Wie? So. viel?Das mit den ernst verschlossenen Zügen bisher herabgebeugte Haupt hob sich, ein Ausdruck von lebhafter Span nung erschien darin. Philipps nickte überlegen. Ich kenne die Verhältnisse desAmtmanns wie die Ecken in meiner Hosenrasche. Unser Gestrenger erbt mindestens zwei " Na. dann hat's ja auch noch nichts auf sich." warf Membran mit gehobener Miene hin, wandte sich zum Kamin und warf noch ein riesiges Holzscheit in die Gluth. Flammen züngelten empor, ein Heller Feuerschein beleuchtete die Wände mit den vergolde ten Rokoko-Tapeten, die großen Familienbilder in den ovalen Rahmen, die prachtvollen Möbel und den mächtigen Schreibtisch mit seinem kostbarmAllerlei. Und dann hörten Beide hinter der Der Feind Ist Besiegt. Die Grippe hinterläßt in der Regel den Patienten in sehr schwacher Gesundhcit und oft mit einem anhaltenden Husten und angegriffenen Lungen. Für solche Fälle ist Dr. Bull'6 Husten Syrup das allerbeste Mittel, welches, wenn sofort angewandt, die Gefahr der Schwindsucht beseitigt. Frau Maggie Tulga, Jronton, Ohio, sagt: "Es macht mir viel Vergnügen mit in dem Lobe für Dr. BuÜ's Husten Svrup einzustimmen. Ich litt längere Zett an der Grippe, aber nachdem ich eine Flasche von Dr. Bull's Husten Syrup gebraucht hatte war ich vollkommen kun'rt und ich wurde den schrecklichen Husten los. Ich empfehle allen Leidenden 'diese vorzügliche Medizin zu gebrauchen." Dr. Bull'6 Hustm Svrup kostet nur 25 Cents.
apelemyur. d m ernen geyeimen Gang neben der Treppe mündete, ein Geräusch, schraken zusammen und slogen auseinander. ' Der Amtmann war's. Er war groß, von 'mächtiger Statur; er alic in seiner Erscheinung einem Feldmarschall. Das Genx-7.d war aus kostbarer Seide gefertigt, ebenso die schwarzen Strümpfe. Er schnupfte aus einer goldenen .Dose. l?-ß sich nieder am Schreibtisch, sah varch. was Philipps ihm an Akten aufgehäuft, und gab endlich mir izr kunstreich cisettrtcn, silbernen Klingel das Zeichen zum Erscheinen. ' Sind die Kerls da? Laßt sie herein!" herrschte er kurz befehlend. Philipps dienerte katzbuckelig und flog davon. Kommt heran, einzeln, Ihr Mistdauern!" rausperte sich der Gewaltige, drehte, nachdem er vie zaghaft Eingetreiben vier Landleute in groben Stoffanzügen vorläufig unbeachtet hatte stehen iasien, den mächtigen Körper in seinem geschweiften, goldgeränderten' Stuhl herum und rümpfte hochmüthig die Nase. Nun näherte sich erst ein alter, schneehäüptiger Bauer und wurde mit parfümirtem Wasser, das sich in einem hohen, gold'slimmernden Glasflacon befand, rücksichtslos bespritzt. Und d&nn traten die andern vor und empfingen dasselbe, üble Gerüche absorbirende Bad, also, daß ihnen die Augen thränten. Donach erst griff der Amimann nach den Akten und ließ di Kerle" reden und gab kurz.schnarrenv, keinen Widerspruch duldend, zum Schluß seine Meinung ab. . Also, so wird's Euch zugefertigt werden! Und nun macht daß Ihr wieder nach Haus kommt. Ihr filzigen Streithammel, und zahlt die Kosten auf die Stunde, damit Ihr nicht in doppelte Brüche verfallt. Vorwärts! Abgehen! Philipps. Bescheid sagen!" Einige Stunden ging's so fort. Leute kamen, brachten vor, was sie zu sagen hatten und entfernten sich wieder. Und schwerfällig, gewichtig, aber im Sinne kurz refolvirt, arbeitete die Feder des Gestrenge am Schreibtisch, erledigte er die Tagesarbeit, scharsstn' nig aber gerecht. Und dann ward die Tapetenthür geöffnet, und ein wunderschönes, stolzes, junges Mädchen, in einer wundervollen kostbaren Rokokotoilette, umschwebt von reizvollen Düften Und von S3om nehmheit, erschien und sprach auf den Amtmann süß und schmeichelnd ein. Gehe doch morgen mit zu UlserZ zum Ball! Graf Kay von Hagen ist zum Besuch hier, Papa. Er ist dabei Du weißt, Papa " 5o so so so so, Graf Hagcnl? Ja, da darf ich wohl nicht destiren, rna clidre Jsabella." Der Amtmann sprach's aufgeräumt, er war voll Zärtlichkeit gegen seine wunderschöne Jsabella. - Und am ; Spätnachmittag, nach Frühstück, Schlaf und Promenade, gab die Baronin ein prunkvolles Diner oben im Hause. Die Tische brachen, schier unter der Last der Speisen und edlen Weine. Fast bis 'an den Morgen spielten die Spielleute den Tangenden auf, und in den Nebensälen saßen die alten Herren und machten hohe Spiele, und' der Amtmann gewann an diesem Abend 4500 Louisd'ore von den beiden Grafen Ulkebüll und Gieödorf. Aber die Laune war während der folgenden Tage doch sehr mäßig. Der Amtmann saß stundenlang grübelnd da. Wenn sein Bruder. Excellenz von Finsterode, nicht bald starb, war's aus, völlig aus. Zu furchtbar hatten die letzten zwölf Monate in seinen Schatullen gewüthet. 40.000 Dukaten hatte er im Spiel verloren ! Endlich gegen Schluß der Woche kam die Nachricht. Excellenz war eingegangen zum ewigen Frieden, und fast zwei Millionen Speciesthaler und die Güter dazu waren dem Amtmann zugefallen. Welche Feste wurden fortan im Kniephofe gefeiert! Wie floß der Wein, wie rollten die Friedrichsd'ore in den Spielgemächern! Was vollzog sich alles in den tiefen Nischen hinter den Gardinen an Karessen und heimlichem Flüstern, und wie rauschte die Musik durch die bei Tanz und Spiel verbrachten Nächte! ' Welche Pracht wurde bei der Hochzeit .Jsabella's mit dem Grafen von - Hagen entfaltet! Welche Gewänder m SeUde und Sammet! Wie blitzten die Geschmeide und Diamanten, und wie' strahlten alle die Prunkgemächer, in denen die Baronin von Finsterode wie eine Königin schaltete!. Und was wurde in den Wirthschaftsräumen alles pon der Dienerschaft beiseite gebracht! Das Gaunervoll stahl unverschämt. Ganz unverschämt!" näselte der Amtmann. 120 Jahre später! Ja, mein theures Kind! Wenn Du die Stelle im Mädchen-Seminar erhalten konntest! Dann vermöchten wir wieder aufathmen. Lass' uns hosfen!" Die Greisin in dem hohen, alten Lehnstuhl mit dem verschossenen Bezuge sprach's, hüstelte schwer und legte die magere, durchsichtige Hand auf die kranke, durch ' knappe Nahrung noch mehr geschwachke Brust. Und Diejenige, zu der sie aesprochen. ein Mädchen über die Helrathsjähre hinaus, , mit einem feinen, blas sen,. stark abgehärmten Angesichtaber mit entschlossenen Bewegungen und einem Ausdruck von ruhigem Selbstge-' fühl, holte aus dem Nebengemach der kleinen Wohnung mit den langen, schmalen Zimmrn ihren Frühjahrs-
mhm
manket yeraus. nectte lyre Zeugnisse zu sich und nahm den Weg nach dem Kniephof. Um jetzt der Stadt gehörtaen. als Scmwar eingerichteten, einstiaen Batizierause. : - vra von Hmnerooe mußte sehr lange unten links neben der Halle im Wartezimmer harren. Sie hörte drinnen sprechen. Es waren Andere bor ihr abzufertigen. - . Dann mard die Thür geöffnet. Ein Mann mit jenem Ausdruck von Pflicht?, der mehr Respekt einflößt als erwa-nt. ?lchien. machte eine linkische. seine ungenügende, äußere Erziehur.g bekundende Verbeugung, nöth'cgfe die Dame in sein Arbeitsgemach und fragte, was sie wünsche. Er war der direkte Nachkomme des alten Bauern, der vor 120 Jahren hier in diesem Raume, in dem er selbst jetzt als Herrscher waltete, die entwürdigende Taufe erhalten hatte, durch die sich der Herr Amtmann den Geruch der Mistbauern" abgewehrt. ES wird nächstens die Stelle für die Sprachlehrerin frei Fräulein Meyer geht nach Hamburg, wie ich höre. Ich wollte mir erlauben, mich um die Vakanz zu bewerben, Herr Direktor. Darf ich Ihnen meine Zeug-nisse--.-' Fraulein von Finsterode ich glaube, ich hatte schon einmal das Vu. gnügen im Kirchenchor?" Jawohl, jawohl, ich erinnere mich Herr Direktor " Doch machte der Sprechend eine ad lehnende Bewegung, da sie ihm die Zeugnisse hmhielt. Ick bedaure sehr, Ihnen keinerlei Aussichten machen zu können, mein Fräulein. Eben habe ich halbwegs schon mit emer anderen Dame abgeschlössen. Sie war lange in Paris und London! Das ist erforderlich Der Schulrath besteht unbedingt aus Berücksichtigung gerade solcher Persön lichkeiten." Ein Ausdruck ungeheurer Enttäu schung trat in die Züge der Supplikantln. Und in diesem Augenblick schlüpfte durch die einstige Tapetenthür ein allerliebstes, pausbackiges Mädchen herein, machte eine entschuldigende Ge ste gegen Fräulein von Finsterode und flüsterte dem Manne etwas bittend ms Ohr. Und er, der so streng gemessen, wie ein dunkles Kirchenbuch, dreingeschaut, sah sein Kind mit stolz strahlendem Ausdruck an und gewährte ihm, worum es bat. Dann folgten einige Schlußworte und eine Verneigung zwischen dem Direktor und Fräulein von Finsterode. AV Letztere auf den Flur trat, stürmten wohl sechzig Seminaristinnen laut sprechend die Treppe hinab. Es war em Geschwirr und Lärmen, als Wenn Spatzen im Epheu sitzen. Oben befanden sich die Schulzimmer. Eben war der Unterricht beendet. In des Mädchens Innerem brach et waö auf, das wie Feuer und Sturm wind durcheinander raste. Sie zitterte vor Erregung, wahrend sie die Straße hinabschritt; ihreAugen füllten sich mit Thränen, und ihre Gedanken gingen voll Bitterkeit in die Vergangenheit zurück. Sie wußte, wem einst das Haus ge hört, sie wußte, wie ihre Vorfahren mit ihren Gutern und ihrem Vermogen strafwürdig leichtfertig verfahren waren; sie wußte, an welchem Tage der Kniephof, von Hand zu Hand gegangen, nun wieder unter den Hammer gekommen war; sie wußte, daß ihre Mama, als Wittwe des Hardesvoigt von Finsterode. eine Pension bezog die zum Verhungern geeigneter war .als zum Leben. . ' Eines Torfbauern Nachkomme . re gierte jetzt im Kniephof als Herr und Gebieter. Er theilte Stellen aus. Die Tochter des Adels wurden Schülerm nen, um Lehrerinnen zu werden, und wenn er die Stirn m Falten zog. wie's in seinem starken Selbstgefühl oft geschah, flogen sie furchtsam zusammen. Und doch war er ein Mann, vor dem man den Hut lüften mußte! Und die Zeit wanderte vorwärts, aus Tagen wurden Wochen und aus Wochen Monate, und als . dann der Herbst ins Land zog, da war das junge Madchm nach grenzenlosem Herzeleid und nach vielen Nachtwachen eineWaise aeworden. Trostlos, psrrte die Welt, die Zukunft sie an. Und was dann wurde aus der letzten Finsterode? Das verkündeten, mit ei. ner Deutlichkeit, die beredter sprach als bändereiche Bücher, ein Paar unschembare Annoncen in dem W.-Ta-geblatt-:' Die Aktion über den Nachlaß der verstorbenen Frau Hardesvoigt von Finsterode findet' am Montag, den 16. September, im Gasthof Zur Yliegestatt. Auf mehrere alte Gegenstände: Schnupftabakdosen, Möbel, Meißener Porzellan und Rokoko-Nippes. werden Kenner aufmerksam gemacht. Und an anderer Stelle: Unterricht in feiner Näharbeit ertheilt täglich E. von Finsterode, Hinterhyfstraße 18, im Nebengebäude m.r. ermuthung. Sachse (dem sehr magere Bouillon vorgesetzt wird): Her'n S, mein Kudester, das ist wohl Bliemchenbouillon?!" Stoßseufzer. A.: Sind Sie denn nun glücklich in den Hafen der Ehe eingelaufen?" B.: Schon lange, denke bereits daran, balo wieder auszulaufen." ! Lebensführung Zuerst führte meinBräutigam mich aus, dann führte er mich in die Kunst ein " Na, hat er Dich dann auch heimgeführt?" Nein, nasaefübrt
Im Reiche der ZNode. Besetzte Röcke' schreibt die heutige Mode vor. Den leichten, durchschimmernden Geweben, deren es eine große Auswahl gibt, entsprechend, werden auch die gegenwärtig verwendeten Besätze von zartestem Gefüge sein, wie durchschimmernde Spitzen, leichte Stickereien, schmale Bändchen oder Rüschen und Volants vom Stoff deS Kleides u. A. m. Doch auch die leichtesten Gewebe in geschmackloser Fülle können zur Last werden, und es läßt sich schwer begreifen, daß viele Damen selbst in heißen Sommertagen an den vollen Halsrüschen, den hohen Steh kragen Gefallen finden können, und warum? Nur weil man solche inModeMagazinen und Modezeitungen angepriesen findet? Nun. dieselben Magazine und Zeitungen bringen auch reizende Sommeranzüge, die den Hals frei lassen, und die Auswahl, die uns geboten wird, ist so groß und schön, daß man für alle lächerlichen Thorheiten vielleicht weniger die Modejournale verantwortlich machen kann, als Diejenigen, welche . durch ihre Unterstützung zur Verbreitung solcher Thorheiten beitragen. Denn die Modezeitungen müssen auch mit den Wünschen ihrer thörichten und geschmacklosen Abonnenten rechnen. Man trägt unendlich viel Waschstoffe, vom wohlfeilen Eattun aufwärts, Zephyr. Vattist bis zum schleierdünnen Organdi mit färben-
schimmernden großen Blumenmustern, die im Entwurf der Hand einesKünstlers entstammen und einer Handmalerei fast gleichkommen. Das Quergestreifte herrscht immer noch vor, doch besteht das Charakteristische der modernen Stoffe darin, daß der Grund selten ganA glatt ist, sondern von streifen, Carreaus u. s. w. m dersel ben, seltener in abstechender Farbe, durchzogen ist, und daß das aufge druckte Muster darüber hinweggeht. tvolei durch die verschiedene Anordnung eme so große Relchkaltlakeit der Mu ster entsteht. Bei einem brochirtenMull Wirkte die Webeart mehr vor, da das farbige Muster der Rückseite des Stof fes aufgedruckt war und in zarten Tönen durchschimmerte. Man trägt viel quergestreiften Barge, ebenso fein carnrte in emer oder m zwei Farben, quergestreifte Voile mit spitzenartigem Muster oder mit plissirten Saumchen, vor Allem aber Foulards, deren Schönheit sich weit über die ehemals nur blau und weiß gemusterten erhebt. Sie sind m allen Farben zu haben, mit gestreiftem, carrirtem oder ramagirtem Grund und mit farbigen Mustern überstreut. Sehr beliebt sind auch ebenso in anderen Geweben . die Bayadörenmuster; gerade Streifen, oder solche in Wellenlinien, die querlaufend, unten breit, sich nach und nach verjüngen, und bei denen die Stoffbreite gerade die Rockhöhe ergiebt. Dielfach wiederholen sich die verschiedenartigen Muster, die dem Stoff, in schmaler Litze ausgenäht zu sein scheinen. Gleichen Beifall genieizl immer noch , die sich durch ihren weichen Fall auszeichnende Liberty - Seide und besonders hübsch ist der Rongeant, der in verschiedenen Farben schillert, da er von jeder Seite anders bedruckt und mit ausgebeiztem Muster geziert ist. . Schwarze Stoffe werden stets viel getragen, aber neuerdings sind sie ganz besonders begünstigt, um so mehr, da man Schwarz auch gern auf weißen oder farbigen Anzügen anbringt. Schwarze. Besätze, schwärze .breite Gazeschärpen mit langen, wehenden Enden sieht man häufig auf hellen Kleidern. Augenblicklich werden alle durchsichtigm Gaze- und Grenadinegewebe bevorzugt mit seidenen Streifen durchwebt, creponartig. quer Plissirt u. s. w.; man hat eine reizende Pliss6gaze für Blusm und fpinnewebezarte Seidengaze mit reichen brochirtenMufiern. über schwarzem oder farbigem -seidenen Untnkleide zu tragen. Die illpakkagewebe, welche man schon u? vorigen Jahre, abgethan glaubte, werden in Schwarz mit brochirten 'Mustern, namentlich solchen, 'die den Moirsstoff nachahmen, noch sehr begehrt. Wollgrenadine mit Mohaireffecten sieht fester aus, ist indeß von bewunyrswertker Leicbtiakeit.
&
tStimitiJO TTs tnmW.mm
Unsere erste Jllusiration ve'ranschckllicht eine Toilette aus carrirtem. halbseidenem Leinenstoff und Gaze mit Perlenstickerei. Sehr geschmackvoll und elegant ist diese auf weißer Seide gearbeitete Toilette aus halbseidenem. cm - farbenem, etamineartig gewirktem Leinenstoff, welcher durch schwarz und weiße Seidenstreifen carrirt wird. Eine außerordentlich duftige Wirkung erzielt die Garnitur aus schwarzer Seidengaze, die an der Taille noch durch schöne Perl- und Jettstickerei erhöht wird. Gazefrisuren imitiren auf dem Rock eine Schürzentunika, garniren ihn am untern Rande und bilden die Begrenzung der beiden hintern, Schärpenenden aus gleicher Gaze, die hinten am Taillenabschluß unter einer gleichen, mit schöner Jettagraffe zusammengehaltenen Schleife enden. Die hinten und vorn gleichartig gearbeitete Taille hat eine bis zum Taillenabschluß verlängerte Passe aus Gaze, durch welche das wcigeSe'denfutter hindurchschimmert und die mit großen, durch Perlreihen verbundene Jettsterne bestickt ist. Auf der vordern Passe ruhen, in der Mitte auf Gazerosetten zwei größereSterne, von deren unterm lange Grelots herabhängen. Den Abschluß der kurzen, eckigen Blusentheile bildet breites Sammetband, welches auch zu dem Gürtel und dem Stehkragen verwendet ist, dem außerdem schmale Gazerüschen eingeheftet sind. Diese zieren auch die kleinen Sammetpatten, die unten die Garnitur der oben mit vollen Gazefrisuren ausgestatteten Aermel bilden. Aeußerst fein und eine in Form und Farbenwahl ist die mit gleichfarvlgem passet unterlegte Toilette (Figur 2) aus lufarbener, gazeartig wirkender Etamine, deren Rock mit einem Volant gearbeitet ist. der sich vorn bis zum obern Rand fortsetzt; dem Volanttheil sind zwei glatte Garniturtheile untergesetzt, die wie der Volant weiß g?papelt sind. W-ißsei'e?e Passementerreknopschen m drei verschiedenen Größen schmücken vorn den Rock, der mit emem an der linken Seite unter flotter Schleife geschlossenen Gürtel von ziegelrothem Spiegelsammet begrenzt ist. Die hinten glatt überspannte Taille ist vorn seitlich zu schließen und am Rande des übertretenden, leicht bauschenden Blusentheils mit Knöpfchen garnilt. Dreifache, weißgepaspelte und nach der hintern Mitte und vorn zugespikte Kraqenthette umgeben den Ausschnitt der Taille, den eine Passe aus weißem AtlaZ füllt; diese deckt ein aus weißen Gazestreifen, 'Durchbruchbörtchen und Valenciennesspitze zusammengesetzter Theil, der sich vorn als loser Bausch fortsetzt. Den ebenso gefertiqten Stehkragen ziert ein Ueberfalltheil aus Sammet. . Doppelte, kleine, weißgepaspelte Epauletten liegen dem puffia gerafften Then' der bis zum Ellenbogen faltigen Aermel auf, denen sich geschlitzte, mit Knöpfchen verzierte und mit weißcm A las gefütterte Manfchetten anschließen. Je ein Perlmutterknopf ziert den vordern Schluß der Kragentheile und die Gürtelschleife. ' Die hübsche, kleidsame Bluse aus hellblauem Taffet Glac6 (Figur 3) ist mit einem carreau - artig in Säumchen genähtem Latz, sowie mit Umlegekragen undAermelaufschlägen von weißem Taffet ausgestattet. Die kurzen Blusentheile, deren rechter dem linken unter einer vollen Schleife übergehakt wird, sind mit schmalemStickereieinsatz verziert und verschwinden, wie auch der Hintere Vlusentheil. unter der gürtelartigen Bekleidung, die aus Einsätzen und in Falten gelegten Taffetstreifen besteht; der Hintere Blusenthcil ist in zwei nach der Mitte gekehrte Falten gelegt, während die vorderen Theile unten nur eingereiht sind. Dem Latztheil schließt sich ein aus weißcm Taffet gefertigt Stehkragen an. der durch den breitenUmlegekragen fast verdeckt wird. Flotte, durch Agraffen zusammencehaltene Schleifen, die aus abgefchragten, mit Einsatz verzierten blauen Taffetenden und kurzen Schlingen bestehen, sind am Schluß des Gürtels und ärnrechten Blusentheil angebracht. Sehr apart und hübsch ist das Kleid aus altrosa Piqu6, Figur 4, das aus einem glatten Rock und einer Bluse besteht, die ihrer losen Form wegen sich auch sehr gut für Sportzwecke eignet.! Die Garnitur des Kleides bildet weiße Tresse, ine den Rock mebrmqls umasebj ,
und au? der Bluse, wie ersichtlich, an- - -f (i n t.. c . .-rje-fr .
georaazi tu. ueoer Die vorn gqcgiouuic bauschige, mit geschlitztem Schooß versehene Bluse legt sich ein unten spitz ausgeschnittener Jäckchentheil, der nach der linken Seite übergehakt wird und mit Perlmutterknöpfen und imitirten Knopflöchern aus weißenSchnurschlin-. gen verziert ist. Die Bluse umspannt ein Heller Ledergürtel. Eine flotteCraWatte aus weißem, schwarz gepunktetem Surah und ein Kragen aus demselben Stoff bilden die kleidsame Ausschmückung der jugendlich wirkenden Bluse. , Aus tabakfarbenem Kaschmir besteht das hübsche Costüm; Figur 8, dessen aus mehreren Theilen zusammengesetz ter Volantrock, wie die Abb. zeigt, am Ansatz der Volanttheile mit einem schmalen Stoffröllchen und am untern Rande mit zwei breiteren Stossblenden verziert ist. Das kurze Jäckchen, dessen Vordertheile sich pattenartig verlängern, läßt eine Weste von weißem Piquö sichtbar werden, über welcher die Lordertheile nur durch zwei große, mit einem Kettchen verbundene Perlmutterknöpfe zusammengehalten werden. An die mit weißem Piqu6 bekleideten Aufschlüge der Vordertheile schließt sich em Umlegekragen aus tabakfarbenem Kaschmir an. Ein Schrägstreifen von gleichem Stoff bildet die Umrandung der Ausschläge und setzt sich von diesen aus um den vordern und untern Rand des Jäckchens fort, dessen Aermel am Handgelenk, sowie oben kleine Epauletten markirend, mit schmalenStoffstrelfen befetzt sind. Um den mit abgesteppten Ecken verzierten, glatten Stehkra gen von weißem Piquö schlingt sich eine volle, duftige Crawatte von weißer Seidengaze. . Das Hütchen aus tabakfarbenem Bastgeflecht ist saltig mit weißer Seidengaze garnirt, in die sich an der rechten Seite zwei volle, schön schattirte Veilchentuffe schm'hgen. An der linken Seite schmückt den Hut frischgrünes Laub, während unterhalb der aufgeschlagenen Krempe weißseidene Gazerosetten undVeilchentuffe befestigt sind. Nachtpraxiö. Zu den unangenehmsten .Pflichten einesAnstaltsarztes gehören die Nachtwachen. Selbst dem Geduldigsten entfährt wohl ein. heftiger Fluch, wenn er wegen eines geringfügigen Leidens, wegen einer ganz oberflächlichen Schramme aus dem besten Schlaf geweckt wird. Indeß manchmal kann aber doch bei diesen höchst unerwünschten Störungen die Komik der Situation überwiegen. So erzählt Dr. I. P. zum Busch in der Deutschen Med. Wochenschrift" folgendes erheiternde Vorkommniß aus dem deutschen Hospital in London. Bringen da eines Nachts zwei Männer ' einen drittin ganz betrunkenen um j12 Uhr an mit mit der Angabe, er habe in den frühen Morgenstunden einen Schilling verschluckt. Gefragt, warum sie denn jetzt ankämen, erzählten sie ganz treuherzig, daß in einer Stunde die Schänken geschlossen würden und daß sie. da ihnen das Geld ausgegangen sei, noch schleunigst den verschluckten Schilling haben möchten, um noch eiTxin weiteren Sin genehmigen zu können. Daß derartige . tragikomische" Erfahrungen auch in Berliner Krankenhäufern gemacht werden, bedarf bei dem bekannten Mutterwitz des Berliner Arbeiters, zumal wenn er angefäuselt ist. keiner ausdrücklichen Versicherung. Als ein immerhin etwas außergewöhnliches ärztliches Erlebniß erzählt Dr. Julius Schwalbi folgnden Vorfall: Um 4 Uhr Morgens wird im Krankenhause Friedrichshain der Dujour - Arzt herausgeklingelt. Im Aufnahmezimmer findet er einen schwankenden, wankenden Stromer". Auf die Frage, was ihm fehle, antwortet der Kranke" in kläglichem Tone, daß ihm seit drei Wochen die Haare ausgingen! . . Zerstreut. EhemaligeSchi! ler (zu seinem alten Professor): Und hiermit erlaube ich mir auch meine Frau vorzustellen!" Professor: Aha wird wieder 'mal eine Cousine sein!" Aus der G e og r a p h i eStunde eines Prinzen. Leh rer: Wie nennt man das Meer zw schen Ostaüen und dem westlicken Amerika?" . lVrin, scbweiat. Lehrer: Durchlaucht deuten ganz ricytig an: m ist der stille Ocean!" In der Verwirruna. Bürgermeister (eines Landstädtchens, die Gemahlin des regierenden Fürsten begrüßend): Durchlauchtigste LundeZ. matter Mandeslutter LündaZmetter Menduslatter LendeZmattur Landesmutter!" - - Fatale Zerstreutheit. Warum bat der Vrokessor Dusszldorf denn die Jägerei ganz ' aufgegeben?" Er wurde zu viel ausgelacht, weil er in seiner5ierstreutbe!t tfoelmrifeta fes m auf dem Hinwege zur Jagd einen Haim aus vem Wllopretladen mitnahm.
L L ;k K f-;jrfl--
