Indiana Tribüne, Volume 21, Number 284, Indianapolis, Marion County, 3 July 1898 — Page 3

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Zer Uoöts 01

Korror-Is5clnd. Roman von Harry Shcff. (11. Fortsttzung.) lZdapittl Zfrcm Gehimrath Busch war in diesen Tagen außerordentlich beschäftigt. 2r Verein für Krankenpflege armer grauen und Mädchen Berlins-, dessen Präsidentin sie war, veranstaltete an? 23. December einen großen WeihNachtsmaskenball, welcher alljährlich mit besonderem Glänze und, was den Veranstalterinnen die Hauptsache war, mit bedeutendem finanziellem Erfolg von statten zu gehen pflegte. Der gre He, herrlich ausgestattete Saal der Philharmonie war wiederum gemiethet worden, und nun galt es, die ihcuren Eintrittskarten zu verkaufen, was sämmtliche Damen des Vereins mit wahrem Feuereifer besorgten. D:e Damen des Vorstandes ad:r hatten vollends alle Hände voll zu thun. (Sine Sitzung folgte der anderen, die Beraihungen wollten gar kein Enöe :ihmen, und die Präsidentin hatte natürlich in ster Reihe die Pflicht, jeder Zusammenkunft beizuwohnen und ihr Urtheil über die Arrangements abzugeben. , Beate war diese Art der Vereinsthäiigkeit höchst fatal, sie hatte sich am liebsten von jzi Theilnahme an dem öffentlichen Fest zurückgezogen, aber das ging nicht an. Die Stellung ihres Gatten schon bedingte ihreMitwirkung. und dann bedachte sie seh: wohl, daß der Ball ja eben nur ein Mittel zum Zweck sei, und daß ihre armen kranken kaum so wirksam unterstützt werden könnten, wenn den Reichen nicht auf dem Umwege eines ihnen gebotenen Amüsements die nöthigen Mittel dazu abgefordert würden.. Aber der Geheimrath selbst war areerlich über die Geschichte. Seine Frau muthete sich entschieden zu viel zu. Er sah sie ja kaum noch außer beim Frühstück, welches die Ehegatten stets gemeinsam einnahmen ; die Frühstückszeit bildete ihr liebstes Plauderstündchen. Sonst war sie fast immer auswärts oder doch von ihrem Stäbe" umgeben, fünf oder sechs Damen der Gesellschaft, die beständig kamen oder gingen und das Zimmer oe Geheimräthin als das Hauptquartier betrachieten. Sie hatten soeben wieder der Präsidentin ihre Berichte abgestattet und sich, mit neuen Anordnungen versehen, geräuschvoll verabschieoet, als Busch, zur Ausfahrt gerüst.'t, in Beares Zimmer trat. Nun. sind die tanzlustigen SamariIrinnen fort?" fragte er lächelnd, um dann das Haupt seiner Frau sanft am Kinn emporzuheben und sie kopfschütielnd zu betrachten. Wie blaß Du aussiehst!" setzte er hinzu; weißt Du. s ist hohe Zeit, daß diese Hetzjagd eniet. sonst kannstDu die erste Hilfe Deines Vereins selbst in Anspruch nehmen. Doch ohne Scherz, Beate. Du bist überangestrengt, und eine Ausfahrt in der herrlichen, reinen Winterluft thäte Dir wohl. Wie wär's, wenn Du mich wieder einmal auf meiner Rundreise begleitetest?" Das ist unmöglich, und ich möchte es doch so gern. Aber ich erwarte noch eine Menge Leute, mit denen ich Abmachungen zu treffen habe, und dann fahre ich aus, um einigen bekannten Familien Karten zu bringen. Ich habe noch erschreckend wenig verkauft, während andere schon kleine Vermögen abgeliefert haben." Du bist am Ende gar auch noch die Hüterin der Schätze, um das Maß der Arbeit und Verantwortlichkeit voll zu machen?" forschte Busch. Ich übernehme den Erlös für die Eintrittskarten und führe die ganze Summe, wenn alle ausstehenden &tU der eingekommen sind, an die Vereinskassirerin ab. Das kann .immerhin bis einige Wochen nach dem Balle währen; es giebt Mitglieder, die gar zu säumig mit der Abrechnung sind." Rechnet ihr auf eine gute Einnähme?" Im Vorjahre verzeichneten wir eine Gesammteinnahme von zwanzigiausendMark, und weit über die Hälfte blieb uns für unsere Armen. In diesem Jahre, denke ich. wird es noch besser sieh doch nur, Schatz, welche Masse Geld ich schon eingenommen habe." Beate öffnete ihren zierlich geschnitzten Schreibtisch uns drückte dann auf eine Feder, wodurch ein wundervoll geschliffenes Spiegelglas sich verschob und ein Geheimfach freigelegt wurde. Darin erblickte Busch einen Haufen Banknoten und Goldstücke. Es giebt doch wirklich noch gute und hilfsbereite Menschen." sagteer, das Geld betrachtend. Sie betheiligen sich gern an einem Werk der Rächstenliebe wenn ihnen nur eine lustige Nacht dafür garantirt wird. Doch tv'dxc es nicht besser. Du trügest dieses Capital auf eine Bank, bis es zur AbUeferung Zeit ist? Dein Schreibtisch ist N?ahrhaftig weder feuer- oder diebessicher." Es ahnt ja niemand seinen kostbaren Inhalt. Der Verkehr mit Banken ist mir fremd und macht Umstände." Der Geheimrath, der in Geldangelegenheiten selbst nicht sehr praktisch oder erfahren war. gab sich mit dieser Erklärung zusried?.n. Es war auch hohe Zeit, daß er an seine Kranken dachte. Nachdem er Beate noch einmal gebeten, sich zu schonen und ein bißchen von sich auch für ihn aufzuheben", küßte er sie zärtlich und verließ sie.. Beate schauje ihm hinter dem Vorhang des Fensters nach, wie er in den harrenden Wagen stieg und davonfuhr. Auf ihrem Gesicht prägte sich dabei die innige Liebe und Zärtlichkeit aus, mit welcher sie an diesem Manne hing.

Und doch kaum begriff sie jetzt, daß es möglich sei hatte sie einst an einem anderen Manne mit gleich

großer, gleich hingebender Liebe ge hangen! Beate strich mit der Hand über die Stirn, als wolle sie die bösen Gedan ken bannen, die sich plötzlich in ihr regten Schlangen gleich, die aus dunklem Abgrund langsam emporkriechen. Sie sank in einen Sessel am Tisch und stützte das Haupt in die Hand. Ich gehöre ihm," sprach sie halblaut zu sich selbst, und ich habe ein Recht, ihm zu gehören. Eldor ist todt, und das Kind ach, das Kind, es ist dem Vater gefolgt. Ich werde sie beide auf dieser Eid nicht mehr wiedersehen. Ein Nebschleier Mi jene Zeit für mich. Ich muß krank, sehr krank gewesen sein, als mir Mann und Kind plötzlich entrissen wurden. Wie sehr ich mein Gehirn auch anstrenge, um mir über die damaligen Vorgänge klar zu werden, ich vermag es nicht. Habe ich Eldor und das Kind, meine süße kleine Susanne, in ihrer letzten Krankheit gepflegt? Hielt ich ihre Hände, als sie von mir schieden? Stand ich an ihrem Grabe, als man sie hinabsenkte in die kalte Erde? O Gott, mein Gott, sende mir doch eine Erleuchtung dunkel, alles dunkel ich habe keine Erinnerung!" Beate sprang auf und durchmaß das Zimmer in großer Erregung. Schweißtropfen perlten auf ihrer Stirn, und die Hände, welche sie bebend an die Wangen preßte, waren eiskalt. Wie ein Traum, den man amMorgen nicht entwirren kann, liegt's hinter mir ein Friedhof, über den die Nebel gespenstisch wallen. Todt sind sie das ist gewiß, gewiß! Aber wo wo schlumern sie? Nichts! Keine Gewißheit! Alles, was ich Busch darüber sagt es war es war erlogen. Allmächtiger im Himmel, Du wirst mich nicht strafen für diese Lüge, die einzige, mit der ich jemals dem geliebten Mann unter die Augen zu treten wagte. Und mußte ich sie nicht brauchen, jene Unwahrheit, mußte ich ihm nicht sagen: sie sind todt, und ich habe ihnen die Augen zugedrückt?" Sie schlug beide Hände vor das Gesicht und blieb regungslos stehen; nur die tiefen, ringenden Athemzüge kündeten die Qualen ihres Inneren. Nach Minuten erst wurde sie ruhiger. Wie oft habe ich mich schon so gequält und bin mit mir selbst in'? Gericht gegangen! Nein, nein, ich jctit nicht nöthig, zu zittern ich bin mit gutem Recht glücklich und ruhig an der Seite des besten Mannes von der Welt." Beate trat an ihren Schreibtisch, der noch unverschlossen war, und holte das Versäumte nach. Dann nahm sie ein Buch und setzte sich nieder, um zu lesen, aber sie schien nicht die nöthige Sammlung undRuhe für das Buch zu haben, schon nach wenigen Minuten legte sie es bei Seite. Doch sie wünschte Zerstreuung, Ableitung ihrer Gedanken gleichviel wodurch. Sie griff in die tiefe silberne Schale, welche zahlreiche Visitenkarten enthielt, m der Absicht, die zierlichen Karten und Kärtchen Revue Passiren zu lassen. Sie nahm am Kamin Platz, warf noch einige Scheite Holz in das lodernde Feuer und begann dann, die Schale in ihrem Schoß bergend, mit ihrer harmlosen Zerstreuung. Doch kaum hatte Beate einige Karten gemustert, als ihr ein kleines geschlossenes Couvert in die Hände fiel, welches in kräftigen Schriftzügen ihren Namen und ihre Adresse trug. Es hatte offenbar obenauf gelegen. Nicht geöffnet? Wie war es möglich gewesen, daß sie einen Brief hatte übersehen können? Sie riß die Umhüllung auf. Wenige Zeilen nur waren es, welche ein einfacher weißer Briefbogen enthielt; aber diese wenigen Zeilen mußten eine furchtbare, niederschmetternde Mittheilung für diejenige' enthalten, an welche sie gerichtet waren. Mit einem Aufschrei sprang Beate empor; die metallene Schale fiel klirrend auf den Teppich nieder, und die Karten flogen wie Schneeflocken durch das Zimmer. Dann starrte die Frau des Geheimraths noch einmal auf das verhängnißvoll: Billet nieder, und ihre blossen Lippen murmelten das, was ihr Geist offenbar nicht fassen, nicht begreifen konnte. Namenlose Angst, tödtliche Bestürzung malte sich in ihren Zügen. Es ist gelogen," stöhnte sie mit gebrochener Stimme, es ist Wahnsinn! Aber wer wer ist es. der es behauptet. Wer? Ah in's Feuer fort in die Flammen!" In der nächsten Sekunde hatte daS Feuer des Kamins den kleinen Papierbogen verzehrt. Beate vermochte sich kaum von dem Anblick dieser Vernich.tung loszureißen. Fort!" wiederholte sie wie geistesabwesend, fort! Es war nichts ich weiß nichts!" Dann schleppte sie sich schwankenden Schrittes zur elektrischen Klingel, deren Knopf sie drückte, bis die Thür aufgerissen wurde, und eines der Mädchen erschreckt hineinstürzte. Gnädige Frau was befehlen Sie um Gottes willen, wie sehen die gnädige Frau aus was ist geschehen?" Nichts! Bitte ein Glas Was. ser." Das Mädchen eilte hinaus, um das Verlangte zu holen. Als sie' zurückkam, fand sie ihre Herrin ausgestreckt auf dem Teppich. Ihr Bewußtsein war entflohen. Als am Abend der Geheimrath.nach Beendigung seiner Sprechstunden an das Bett seiner Frau trat, fand er sie schon ziemlich erholt, nur noch recht blaß und nkdergkschlagen. Er nahm

ihre Hände und sagte: Du siehst, daß Du Dir zu viel zugemuthet hast, mein Lieb es war nichts als die Ueberanstrengung. Jetzt geht Dein Puls ncrmal, und Du fühlst Dich wohl auch kräftiger?" Ich danke Dir. Es war, wie Du sagst, nur eine Schwäche, die mich nicht mehr so leicht überwinden soll." An demselben Abend, wanderte Franz Bartelö, der Diener des GeHeimraths, nach der Brückenstraße hinaus und stattete dem Hofrath Schaller einen kurzen Besuch ab. Die Empfeh lung, welche die Gräfin ihm an diesen gegeben, hatte schon gute Früchte für ihn getragen. Zwar, waö b'er Hofrath von ihm verlangte, schien ihm einigermaßen sonderbar und seltsam; aber Bartels war nicht der Mann, sich Skrupel zu machen oder aus Gewissensrllcksichten die schönen goldenen Zehn- und Zwanzigmarkstücke des Hofraths zu verschmähen. Auch heute klang in seiner Tasche unter anderen kleinen Münzen ein Goldfuch, den ihm Schaller eingehändigt hatte nur für einen kleinen Dienst, den Bartels ihm erwiesen, und der darin bestanden hatte, ein kleines Briefchen in das Zimmer der Frau Geheimrath einzuschmuggeln. Und es war dem guten Burschen von dem freundlichen Herrn Hofrath dersichert worden, daß das Goldstück noch manchen Nachfolger erhalten solle, wenn er nur künftig dienstbereit, geschickt und verschwiegen sei. 13. C a p i t e l. Es war am 23. Dezember um sechs Uhr Abends; die Schreiber und der Vureauvorsteher des Justizraths Gallus hatten heute ein wenig früher als sonst Feierabend gemacht, da die veihnachtliche Stimmung ihnen schon allm in den Gliedern lag und der eine oder andere wohl noch kleine Einkäufe für den anderen Abend zu besorgen hatte. Auch Susanne beeilte sich, ihre Arbeit an der Schreibmaschine zu beenden, damit sie rechtzeitig nach Hause käme, wo sie noch an einer fürMutter Strohbach bestimmten Handarbeit thätig sein wollte. Sie hatte sich vorgenommen, am Heiligabend die Pflegemutter aufzusuchen und sie zu bescheeren; in

ihrem Stübchen daheim stand schon cin Korb mit allerlei guten Dingen, welche sie für die alte Frau eingekauft; nur die Morgenschuhe fehlten noch, an denen hatte Susanne noch zu erbetten. Draußen fiel der Schnee in leisen Flocken und blieb auf dem glattgefrorenen Straßenpflaster liegen, um einen prächtigen weißen Weinachtsteppich für das festlich bewegte Berlin zu bilden. Hoffentlich," dachte Susanne, schlägt das Wetter nicht bis morgen um; wenn es so bliebe, das aäbe herrliche Weihnachten!" Weihnachten! Wer das holde Fest so traulich im Kreise der Seinen vcrlebte, wer von der Liebe der Eltern. der Geschwister, von guten Verwandten die Gaben empfing wem die Kerzen des Baumes im Vaterhaus strahlten ach. wie glucklich und zugleich 'wie dankbar dem gütigen Geschick mußte doch der Mensch sem! Susanne schaute über die Arbeit hinweg nachdenklich in das Schneetreiben. Elternliebe! Nur ein schwacher Abglänz der Himmelsgabe, welche dieses Wort bezeichnete, war in ihr Leben gcfallen. Dieienigen, denen sie ihr Leden verdankte, waren ihr verloren geWesen, noch ehe ihr die Fähigkeit beschieden gewesen war. die lieben Züge in der Erinnerung festzuhalten. Waren ihre Eltern todt? O gewiß kein Zweifel daran. Es that ihrem Herzen sogar wohl, daran Nicht schwanken zu müssen; denn wie hatte es wohl ein Mutterherz ertragen könt . i V nen, oen veriorenen meoirng nicur zu erforschen? Und niemals war bei der Familie Strohbach, seit der Vater sie in New Aork auf der Straße gefunden und das unbeschützte, weinende Kind mit sich nach m seiner Farm in Maryland genommen hatte, auch nur die leifeste Nachfrage, eingelaufen. Das Strohbach'sche Ehepaar hatte sie wie das eigene Kind im Hause oehalten, hatte den kleinen Findling mit Liebe und wahrhaft elterlicher Gute erzogen, und doch als Susanne c'st begriff, daß zwischen William, dem Sohne der guten Leute, und ihr immerhin ein Unterschied des Rechtes uuf die Herzen der Alten bestünde, seitdem hatte sie oft heimlich in ihrer Kammer Gott auf den Knieen angefleht, .hr die wahren Eltern zuzuführen, wenn es noch möglich sei. Der Lenker der Dinge hatte ihr dieses Gebet nicht erfüllen können. Fräulein Susanne." ließ sich die Stimme des Justizraths hinter der Träumenden vernehmen. Susanne erhob sich betroffen m o wandte ihr Ccsicht dem väterlichen Freunde zu. In ihren langen dunklen Wimpern hmgen Thranenperlen. . Das ist die Feststliimung der Einsamen," sagte Gallus, der Menschenkenner. weich. Auch mir ist sie frü--her nichtfremd gewesen, früher ehe mich das Leben hart gemacht, gestählt in der großen Werkstatt der Erfahrun-. gen. Ich war so eine verlorene Auster." fügte er halb scherzend hinzu die der Sturm von ihrer Bank losgerissen hatte und in's Meer hineingetrieben. Aber sehen Sie, Fraulein Susanne, auch das war zum Guten. Meine Gefährten von der Austernbank sind längst von Feinschmeckern zerkümmert und verspeist, aber ich gelangte an einen Strand, wo ich mein Muschelthierdasein behaglich weiter führe und sogar schon manche Perle womit ich eine Lebensfreude meine eingeschluckt habe." Welch ein drolliges Bild, HerrDoctor!" laüelte Susanne. . . s

Ein vortreffliches Bild, denn es hat Ihr Gesicht wieder freundlich erhellt. Lachen Sie nur, Kind, lachen Sie! Sie haben erst ein paar Schritte in's Leben hineingethan, und das Schicksal hatSie für den großen Feldzug recht zufriedenstellend ausgerüstet. Sie werden oft siegen und Vortheile erringen, wenn auch freilich kleine Schlappen nicht ausbleiben können." .Daß ich Ihr Wohlwollen und Ihre Achtung errungen habe. Herr Doctor," sagte das Mädchen schlicht und ernst, das ist in meinen Augen schon ein guter Sieg." Die Achtung eines anständigen Kerls ist immer etwas werth! Wissen Sie übrigens, Suschen, weshalb ich Sie gleich im ersten Augenblick lieb gewann? Denn daß ich Sie lieb habe, das wissen Sie doch? Nun, Sie brauchen nicht zu erschrecken und zu fürchten, daß Friedrich Gallus Ihnen einen Antrag- machen könnte. Ich liebe Sie, Suschen, wie ein Bruder seine Schwester nicht wahr, Sie verÜbeln es mir nicht, daß ich nicht gesagt habe, wie ein Vater sein Kind? Ich fühle nämlich trotz meines grauen Spitzbartes doch gar nicht väterlich." "Ich bin ja auch mit dem Bruder ganz einverstanden und namenlos stolz auf ihn." Ja, ich bin nun einmal ein Mensch, der es mit. dem ersten Eindruck hält." fuhr Gallus fort. Und wie Sie das erste Mal vor mich hintraten, da hat eine ganz zufällige Aehnlichkeit mich sofort für Sie Znteressirt." Eine Aehnlichkeit?" rief Susanne überrascht, und sie mußte unwillkürlich dqran denken, daß ja auch ihre Bekanntschaft mit Rheden durch eine Aehnlichkeit, die er mit gewissen Zügen einer anderen Person gefunden heben wollte, vermittelt wurde. Eine Aehnlichkeit und noch dazu mit einem Manne, an dessen Jünglingsgesicht mich das Ihre gemahnte. Diesen jungenMann habe ich sehr enn gehabt, und ich betrauere ihn noch beute aufrichtig und schmerzlich." So ist er gestorben?" Gestorben verdorben! Es ist jener unglückliche Eldor v. Fels, dessen Angelegenheit Sie ja so oft von mir erwähnen hörten, die mich auch gegenwärtig wieder beschäftigt und zu meiner heute noch bevorstehenden Abreise nach London veranlaßt. Ich habe immer nur Andeutungen bezüglich des Fels'schcn Erbschaftsprozesses gehört," antwortete Susanne. Es würde zu weit führen, Ihnen jetzt diesen seltsamen Prozeß auseinanderzusetzen. Im Augenblick ezistirt gar kein Prozeß, aber ich hoffe, ihn bald wieder aufnehmen zu können, damit den Schurken ihre fette Beute, welche sie fchon in Sicherheit wähnen, entrissen werden kann. Doch nun eine Frage, Fräulein Suschen. Wollen Sie persönlich auch ein wenig dazu beitragen, daß dem armen Eldor v. Fels und seinen Erben ihr Recht wird?" Ich? Wie wäre das nur n.öglich?" Indem Sie mir eine Gefälligkeit erweisen, für welche ich Ihnen zu Dank verpflichtet wäre. Bitte. Fräulem, treten Sie einen Augenblick in mein Zimmer." Susanne folgte dem voranschreiten den Juristen in das Sprechzimmer, welches wie der andere Arbeits räum durch Gasflammen hell erleuchtet war. Gallus zeigte auf einen eleganten Wandschrank, dessen Thür durch Brandmalerei geschmückt war. SU wissen, daß ich in diesem Behältniß die wichtigsten Akten und Dokumente aufbewahre; ich vertraute Ihnen den zweiten Schlüssel an, damit auch Sie im Falle einer Feuersgefahr stets in der Lage seien, diese wichtigen Papiere zu retten." Ich trage den Schlüssel stets bei mir und hüte ihn." Gut, ich weiß, daß ich mich auf Sie verlassen kann. Und doch reise ich mit schwerem Herzen, denn Niemand wild in diesen Räumen während der Nacht verweilen, wenn ich fern bin. Ich habe aber seit langem das Gefühl, daß die braune Kiste mit den Fels'schen Papieren, die sich in diesem Wandschrank befindet, gewissen Leuten sehr Willkomm wäre, Leuten, die sich auch nicht scheuen würden, sie mit Gewalt an sich zu bringen. Ich scheue mich, irgend eine fremde männliche Perjönlichkeit mit der Obhut dieses Zimmers zu betrauen, selbst auf den Bureauvorsteher bezieht sich das. Beruhigt würde ich einzig und allein abreisen, wenn Sie, Fräulein, sich entschließen könnten, für die Zeit meiner Abwesenheit hier in- meiner Wohnung Ihr Heim aufzuschlagen." . Wenn. Sie glauben, Herr Doctor, auf mich rechnen zu müssen, bin ich stets bereit," erklärte Susanne. Sie werden überdies sich ganz beimisch hier fühlen. In dem anstoßenden Zimmer.befindet sich ein Bett, welches für den Fall, daß ich einmal Jemand über Nacht beherbergen will, stets bereit ist. Am Morgen kommt die Aufwärterin und bringt Ihnen das Frühstück. Sollte etwas während der Nacht passiren, was Ihren Verdacht erregt, so können Sie im Augenblick Hilfe herbeirufen. Sehen Sie hicr hinter diesem Abreißkalender neben dem Geldschranke die kleine metallene Kurbel an der Wand? Sobald Sie diese umdrehen, läutete eine Glocke im Hinterhause und ruft den Portier herbei. Ich habe mir vor einigen Jahren die Leitung legen lassen, weil ich der Mündel- und Nachlaßgloer wegen, die ich oft beherberge, besser gesichert sein wollte." Susanne brachte es nicht über's Herz, die dringende Bitte des Justizrathes abzuschlagen. Sie bat ihn nur, sogleich nach Hause fahren und einige Wäschestücke und Toilettenartisei holen zu dürfen, und Gallus entließ sie mit herzlichem Händedruck.

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.Um zehn Uhr geht mein Zug," rief

er Susanne noch nach; bitte, kshren Sie Nicht zu spat zurück. Es hätte dieser Mahnung nicht e:st bedurft, um Susanne zur Elle anzu spornen; sie hatte noch mancherlei zu Hause zu thun, ehe sie in das Bureau zurückkehren konnte. Die Bitte dcS Doctors war ihr, je mehr sie darüber nachdachte, nicht sehr angenehm. , Ein Mann hätte für diesen Wachtposten viel besser gepaßt. Aber sie kannte Gallus. Seitdem er seinen langjährigen Bureauvorsteher Hähnchen auf Abwegen betroffen hatte und ihn schimpflich zu entlassen gezwungen war, hatte sein Vertrauen einen argen Stoß erhalten, und nur sie, Susanne, hielt er für unwandelbar zuverlässig und ergeben kein Wunder also, daß er nur ihr sein Haus überantworten wollte. . Das wird also morgen ein ganz ausnahmsweis einsamer Heiligabend werden," seufzte Susanne; ich wollte wenigstens die Mutter besuchen und den Rest des Abends in der Grün'schen Familie verleben, aber daraus wird nun nichts nun. das kann .lichls nützen: erst das Geschäft, dann das Vergnügen." Sie hatte den Omnibus genommen, der sie bis vor ihr Haus nach der Prenzlauer Allee brachte. Es war Nacht geworden, und die Schneehülle. Welche über die Straßen und Plätze ausgebreitet lag, leuchtete durch das Dunkel, wirksamer jedenfalls, als Ixt hier sparsam aufgestellten Gaslaternen dieses Geschäft besorgten. Als Susanne den Omnibus verlassen hatte und leichtfüßig dem Hauseingang zueilte, bemerkte sie schon von weitem eine Männergestalt, die sich unter dem Thorbogen auf und ab U wegte. Sobald das junge Mädchen sich näherte, verließ auch der Mann seinen gegen den Schneefall schützenden Platz und kam mit langsamen Schritten auf sie zu. William!" rief Susanne halblaut in besorgtem Ton, nachdem sie im Schein der nahen Laterne ihren Pflegebruder erkannt hatte. Du bicr? Um Gotes willen, die Mutter ist 'dtch nicht erkrankt?" Na, gut geht es ihr gerade nicht," erwiderte der Lithograph, der in seinem kurzen abgetragenen Jacket, einem großen Filzhut und einem dreifach um den Hals gewickelten dunkelrolhen Wollshawl keinen fehr reputirlichen Eindruck machte, es ist mit der Mutter noch beim alten. Ich soll auch einen schönen Gruß ausrichten, und sie läßt Dich fragen, ob Du heute Abend zu Hause seiest. Sie möchte Dich nämlich heute besuchen und Dir was Selbstgestricktes bescheeren, indem sie morgen denWeihnachtsabend zu Hause bei meiner Frau und mir verleben will." Susanne schlug bedauernd dieH'ände zusammen. Das trifft sich aber nn glücklich!" rief sie; die Mutter will mich besuchen, und ich muß gerade heute Abend und die nächsten Tage nicht in meiner Wohnung fein, ich schlafe sogar nicht einmal zu Hause." So?" kam es gedehnt von den Lippen William Strohbachs. Du schläfst nicht 'mal in Deiner Wohnung wo legst Du denn Dein Haupt zur Ruhe, Kleine?" Ich schlafe in dem Bureau, in welchem ich tagsüber arbeite, da mein Chef eine längere Reise antritt und sein Eigenthum nicht unbewacht lassen möchte." Zu Susannes größtem Erstaunen antwortete ihr der Lithograph: Na, dazu könnte sich der Justizrath GalluS auch lieber männliche Hilfe engagiren; aber das ist eben das große Unglück in der heutigen Welt die arbeitenden Frauen verdrängen die Männer aus allen Stellungen und nehmen unsereinem das bischen Brot vor der Nase weg." Was weißt Du vom Justizrath Gallus." sagte Susanne, sehr betroffen darüber, daß der Müßiggänger nun doch ihren Arbeitsplatz erfahren hatte. Wer hat Dir gesagt, daß ich bei Gallus angestellt bin, und wem vcrdankst Du überhaupt die Kenntniß meiner Privatadresse?" Strohbach schlug die Arme taktmäßig über der Brust zusammen und stampfte mit den Füßen die schn:eige Straße. Verteufelt kalt!" brummte er; man kriegt Lust zu 'was Warmem. Wer mir Deine Adresse gegeben hat, Rothkäppchen? Na, wer wird's denn sein kannst es Dir nicht denken wer hat mich denn hereschickt wer?" Also die Mutter?" Natürlich die Mutter. Mit ihrem Besuch bei Dir ist es also nichts; ich will's bestellen." Sag' ihr, ich käme so bald als möglich zu ihr, und meine Weihnachtsgaben für sie kannst Du sogleich mitnehmen doch nein, laß nur, ich wlll Dich nicht belästigen, ich schicke sie schon zur Zeit." Willst sie mir wohl nicht anvertrauen?" fragte William, der den Gedankengang seiner Schwester thaUächlich errieth. Nun, ich habe Dir noch nichts gestohlen. Uebrigens. Kleine, wie wär's mit einem Thaler als Wzihnächtsspende? Ich möchte Maggie auch gern 'ne kleine Freude mach:n; und wenn Du mich 'rumdrehst und ausschüttelst, sällt kein rother Pfennig aus meiner Tasche." Susanne gab ihm ohne weiteres das Verlangte. Hier." sagte sie. und ich wünsche Dir das Beste zum Fest!" Danke schön; ich wünsch' Dir auch vergnügte Feiertage! Und was mch anbelangt, weiß der Teufel, mir steckt es so in den Gliedern, als sntfi' mir ein hübsches Präsent bescheert werden so was ganz Werthvolles, was mich endlich aus .dem Pech herausreißen konnte. Wollen sehen. Gute Nacht, Kleine frohe Weihnachten!" Gute Nacht und ticlc Grüße für

die Mutter!" rief ihm daö Mädchen nach, als er in Dunkel und Schncegestööer verschwand. Nachdenklich schritt Susanne die Treppe empor. Sie mußte sich doch über dieMutter wundern; hatte sie ihr nicht versprochen, dem Lithographen und seiner Frau ihre Adresse zu verschweigen? Wenn nur diese rohen Menschen der alten Frau nicht auf gewaltthätige Weise ihr Geheimniß et rissen hatten! Fräulein Strohbach! Pst, Fräulein Strohbach!" flüsterte eine bekannte Stimme wenige Treppenstufen über ihr. Was gibt es, Herr Grün?" . Susannes Wirth, der kleine Schneidermeister Grün, sprang die Stufen herab. Die braunen Kinderaugen in seinem gelblichen, fchwarzbärtigen Gesicht funkelten in dem Vergnügen, welches dem Schneiderlein die Mitth-i-lung einer Neuigkeit verschaffte. Sie haben Besuch, Fräulein." flüsterte er Susanne in's Ohr seinen Besuch." Susanne schrak zusammen. Rheden! war ihr erster Gedanke. Nicht der junge Baron,- setzte Grün auseinander, den hätte 6 m&t in Ihr Zimmer hineingelassen diesmal ist's ein alter Herr." Gleichviel, Herr Grün, Sie wisscn, ich empfange keine Besuche." Aber er hat so 'ine Art, der alte Herr, daß man ihm nichts abschlagen kann so halb freundlich und halb das will ich, und damit basta. Fräulein Strohbach, der ist, ein Schentelmann, wie Sie manchmal auf amerikanisch sagen." Susanne lachte und beschleunigte ihre Schritte, um den Schentelmann" doch auch so schnell als möglich km nen zu lernen. Da ist das Fräulein." rief der kleine Schneider, die Thür de3 Zimmers mit devotester Verbeugung offnend. Dann verschwand er blitzschnell hinter der gegenüberliegmden Tl'ür in seine Werkstatt. Susanne fand in ihrem traulich durchwärmten und behaglich ersuchteten Zimmer einen staitlichen alten Herrn, der es sich in cin:m Lehn stuhl bequem gemacht hatte und bei ihrem Eintreten ein Zeitungsblatt beiseitelegte, in dem er gelesen. Zürnen Sie dem Elndr'ngling nicht gar zu sehr, liebes Fräulein," sagte er, sich verbeugend. Ich heiße Oberländer und bin, wie Ihnen die verschiedensten Menschen in Berlin von mir versichern können, cin anständiger Mensch. Ein Auskunftsbureau würde Ihnen über mich schreiben, daß ich einen mäßigen Credit erhalten könnte. Und darum ist es mir gegenwärtig Ihnen gegenüber zu :hun. Ich bitte sie um Credit jaZ heißt um Vertrauen, um Glauben. Ich darf Ihnen wohl beim Ablegen Ihres Mantels behilflich sein. Sie. mein Fräulein, sind mir l'inlanglich bekannt." fuhr Oberländer in seinem jovialen Tone fort; man Hai Sie mir als einen Engel geschildert, aber ich darf Ihnen wohl offen herauV sagen, daß Sie nur ein liebes, reizendes Menschenkind sind und das ist mehr." Sind Sie nur gekommen, um mir Schmeicheleien zu sagen?" fragte Susänne. Ich hatte erwartet, daß eine. Angelegenheit von Wichtigkeit Sie hierhergeführt sonst wäre Ihr Besuch kaum zu rechtfertigen." So hat man mir Sie geschildert," lächelte Oberländer, ein wenig empfindlich, leicht abweisend und leider gar sehr mißtrauisch. Haben Ihre Erfahrungen Ihnen denn wirtlich ein Recht gegeben, in jedem Manne, der sich Ihnen naht, einen Verräther zu erblicken?" Meine Erfahrungen sind gering doch ich stehe allein in dir W:!t.Ganz allein? Das ist traurig gcnug. Keinen Vater, keinen Bruder, der Sie schützen könnte?Jch schütze mich schon selbst. Sie glauben gar nicht, wie vorsichtig ich sein kann selbst älteren Herren gegenüber, die so ganz diplomatisch auf Umwegen meine Verhältnisse erfahren möchten und dabei gar nicht auf den Hauptpunkt zu sprechen kommen den Grund, der Sie zu mir geführt." Da hab' ich's nun weg." lachte der alte Herr, mit den diplomatischen Schachzügen ist es also nichts ' darum nur tapfer mit der Thür in'Z Haus gefallen! Ich bin hier, um eine schwere Anklage gegen Sie zu erbeben." Eine Anklage?" Ja, und ich formulire diese Anklage auf schwere Seelenverl.'yung, verübt mittels des gefährlichenJnstru ments leicht hingeworfener Bemerkun gen, versteckter Beschuldigungen." Und wer soll mein Ovfer sein, mein Herr Richter?" Ein Mann," entzgnete Obrionder. plötzlich sehr ernst werdend, der es nicht verdient, daß ihm auch nur der leiseste Hauch eines Unrechts zugefügt wird ein Mensch, der in sechsunddreißig Jahren seines Lebens bewußt noch niemals irgend Jemand ein Leid zugefügt hat, dem alle, die ihn kennen und ihm nahestehen, in Liebe und Achtung zugethan sind, ein Reicher, der seinen Reichthum redlich mit seinen ärmeren Brüdern theilt, ein Vornehmer, vornehm in Gesinnung und Gefühl, ein Glücklicher, der es nur ist. wenn er andere glücklich Nullen kann." So spricht vielleicht cin Vater, der in dem geliebten Sohn ein Ideal zu sehen meint," sagte Susanne mii-lei-ser Stimme; ahnte sie dzch, wer ihr soeben geschildert worden war. Nein, so spricht ein Freund rcn dem Freunde, und nicht er allem, alle Welt spricht so von Baron Hans t Rhlden." (Fortsetzung folat.)

Für die Lücge. Dohrener Spargelsuppe Aus zwei jungen Suppenhühnern, drei Pfund Rindfleisch, ebenso viel Kalbfleisch und einem halben Pfund rohen, Schinken wird eine klareKraftbrühe ge kocht, die man durchseiht und heiß stellt, nachdem man ein Pint Bouillon davon genommen hat. In dieser kocht man ein Viertel Pfund besten Sago mit 1Z Unze Sahncnbutter und wenig Muskätnuß etwa eine Viertelstunde ganz dick, mischt unter den Sago drei Eigelb und füllt dann kleine, butterge strichene Förmchen damit zu drei Vier teln vc.ll. Das Brustfleisch des einen Suppenhuhns nebst etwas Zunge schneidet man ganz fein würfelig, bereitet aus Heller Mehlschwitze, Spargel. Wasser, Fleischextract und etwas süßer Sihne eine dicke Sauce und mischt da mit die Fleischwürse.l. Mit einer rund zurecht geschnittenen. gelbenRübe drückt man jetzt in die Mitte des eingefüllten Sagos eine Oeffnung und füll! diese mit dem Hühnerfleisch. Die Förmchen werden 20 Minuten in heißes Wasser gestellt, dann behutsam auf etwas vertieft?rSchüssel gestürzt, mit einem dichten Kranz weißer, für sich weichgekochter Spargelköpfe umgeben und diese ungemein wohlschmeckende Einlage zu der guten, klagen Kraftbrühe servirt. Rahmtorte mit Erdbee ren. Auf bekannte Weise wird ein guter Mürbeteig bereitet, dünn au5gerollt und in einer bebutterten Torten form davon ein Boden gelebt und danach ein etwa ein Zoll hoher Rand von Mürbeteig darauf gesetzt. Von sechs ganzen Eiern, 3z Unzen Mehl, einem Viertel Pfund Butter, ebenso vi-l Zucker, ein Drittel Quart Sahne, etwas gestoßener Vanille und einer Prise Salz wird eine glatte Cröme über gelindem Feuer gerührt, die man. wenn sie fertig ist, mit vier bis fünf gestoßenen Makronen vermischt. Man streicht zwei Drittel dieser Cr6me auf den Teig, belegt ihn nun dicht mit leicht ge zuckerten Erdbeeren und gibt den Rest der Cröme darüber. Die Torte muß 25 Minuten backen und erhält dann einen Ueberzug aus festem, mit Vanillezucker gewürztem Eiweißschnee. Wenn dieses goldgelb gebacken ist, nimmt man die Torte heraus und läßt sie erkalten, ehe man sie servirt. Geflügelwürstchen. Vorerst bereitet man eine dicke, braune Sauce, zu der man Brühe aus -allerhand Fleischabfällen sehr gut benutzen kann, würzt diese Sauce nur mit Cayenne und versetzt sie zuletzt mit einem GlaZ guten Madeiras Mit dieser Sauce, die sehr dick gehalten sein muß, mischt man sechsLöffel feinwürfelig geschnittene Champignons und Trüffeln und läßt nun diese Sachen recht kalt werden. Die Reste des Suppenhühnerfleisches werden behutsam abgelöst und fein gewiegt und daraus mit etwas Sahne, Eiern, Salz, geweichtem Mundbrot, Pfeffer und dem Eiweißschnee eine gute Geflügelfarce bereitet, die von soleher Beschaffenheit fein muß. daß. man längliche Klößchen formen kann. Man nimmt dazu etwas Farce auf . einen Löffel, streicht sie oben mit einem ande ren Löffel glatt, taucht nun den Zeigefinger in Eiweiß und drückt ein kleines Loch mitten in die Farce, in das man nun ein wenig von dem kaltgestellten Pilzgemisch füllt. Man streicht dann wieder Farce darüber und formt sie so. daß man Klöße in Eiform erhält, die man in eine mit Butter bestricheneSautierpfanne gleiten läßt und darin, mit

Bouillon überfüllt, gar dünstet. Dann. laßt man die Kloßchen abtropfen, wen det sie zweimal in gequirltem Ei und geriebener Semmel und bäckt sie nun in Vackfett aus. Sie werden erhaben an gerichtet und mit ausgebackener Peter silie garnirt. Spargel an gratin Guter Stangenspargel wird geputzt, gewaschen, in Bündel zusammengebunden, in siedendem, gesalzenem Wasser 13 bis 20 Minuten gekocht, herausgenommen und zum Abtropfen auf ein Sieb ge legt. Inzwischen, hat maireine kräftige Bechamel - Same, bereitet und dicklich eingekocht; mit dieier bestrelcht man den Boden einer etwas vertieften, runden, die Ofenhitze vertragenden Schüssel, legt dann eine Schicht Spargel darauf, die man wieder mit Sauce bedeckt, und fährt mit, solchen abwechselnden Schichten von Spargel und Sauce fort, biS, Beides verbraucbt ist. Die oberste Schicht Spargel bestreut man dicht mit feingeriebenem Brötchen, träufelt reichlich hellbraun gemachte Butter darüber und stellt die Schüssel auf einen Dreifuß m den. Ofen, der mehr Ober- azZ Unterhitze haben muß. Der Spargel, welcher auf diese Art schnell mit einer bräunlichen Kruste überzogen wird, gibt so ein sehr feines, schmackhaftes Gericht, welches mail mit oder ohne Fleisch servirt. Srlat & la Pompadour. Man' braucht zu diesem Salat junge. in schräge Vierecke geschnittene Bohnen, würfelig geschnittene Möhren, Blumenkohlroschcn, Spargelkopfe, junge Wemrebenzweige und Hopsenkeimchen. Alle diese Gemüse werden in Salzwasser gar, aber nicht u weich gekocht, gut abgetropft und eine Stunde in Oel und Kräuteressig marinirt. Die Sauce wird aus drei hartczekochten, durchgestrichenen Eigelb, Essig, Oel, Salz, Pfeffer und etwas gebackenem Estragon bereitet. Man legt aus kleinen Kopfsalatherzen einen Kopfsalat in die Mitte der Salatschüssel, legt die abgetropften, marinirten Gemüse kranzförmig herum, garnirt die Sachen mit harten Eiervierteln und füllt zuletz.i die Sauce über den Salat. , Um zähes Fleisch bald weich zu kochen, gie man nach' dem Abschäumen des Fleisches etwas Rum (auf 2 Pfund knapp einen Theelöffel voll) hinzu; das härteste Fleisch wird hierdurch weich, ohne txCfoftm. n-ch Nun zu