Indiana Tribüne, Volume 21, Number 257, Indianapolis, Marion County, 5 June 1898 — Page 7

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Auf Euva gefallen. .LirfL Von R. Cuervo. ' Was schleicht der Mulatte da unter meinen Fenstern entlang? Er steht unbeweglich und schaut herauf, als warte er, daß ich hinunterkomme ich habe mehr zu thun in diesen kriegerischen Tagen d'L Aufstandes , er steht vermummt und verdächtig aus und trägt einen Arm in der Binde, als sei er im Aufstande verwundet. Er wird fortgehen. Ananas- und Bananenverkäufer auf Eseln reiten vorbei, Maulthiertreiber mit Körben von Mangos und Apfelsinen ziehen vorüber, dahinfix ein großer Schwärm lachender, schwatzender Heger, jeder an einem Stück Zuckerrohr kauend. Der Mulatte steht noch immer und streit herauf da Trommeln, die spanische Ronde naht ein wilder Sprung trägt den Mann dicht vor's Haus, das Fenster klirrt, ein Stein fliegt an meinem Haupte vorbei in's Zimmer der Mann ist fort wie weit ich jetzt spähe, als hätte ihn der Boden verschlungen. Ich trete zurück end betrachte das zertrümmerte Fenster und den Stein; staunend hebe ich ihn auf. Ein Vananenblatt ist darum gewunden. ich löse die Hanfschnur einige tteifce Blätter, eng beschriebe?:, fallen in ix entgegen. Es sind anscheinend Ta?;ebuchbläticr, ich kenne die Schrift, aber aus dem letzten Blatte. woraus mein Auge fällt, lese ich, von fremder Hand geschrieben: Am dritten Januar ifc er für die Freiheit seines Vaterlandes gefallen. tätyt seinem Andenken. Der Obst - Commandirende Gomez.Ich verstand jetzt, er Zvar todt, lallen, der Stein durch'k Fenster wer die Post der Insurgenten, sie brachte mir sein Testament. Er war also todt, miein Fremid Ipaolo Kerner mein alter Paul seit langen Wochen harrte ich unruhig uf Kunde on dem plötzlich Äerschwnndennl,' jetzt wutzie ich's, a war todt, aefallen im Kampfe gegen i spanische Regierung mir foatdxng um's Herz und ein heißes Weh stieg in rnir auf, ich .griff den Strohhut und trug die Blatter in's ? reie ich konnte s:e hier nicht lesen. enge, steile Straße zumafen girg ich hinauf, an den einstöckigen Häusern vorbei, an denen das Erdbeben gerüttelt; zornig hörte ich die 'spanische Trommel, die die Truppen zu: Revue mf denPraÄocnef. Je höher ich die Straßen der cnnGc dirgshange gebauten Stadt hochstieg, desto elender wurden r ie Häuser.; neckte Negerkindeiallerteniber den steinigen Weg. Auf der Hohe der-Lorberge emyf.ng mich Palmenschatten und ich sah 'ulm mich. DiesUvar dieussicht, die.: so sehr geliebt, xnc leuchtende runde i3at von Sailtlluw de Cuba, von dem ru nen Vorbercze iind nochmals vom iod ten Kranze blauer wilder Gebirge -.umkränzt, dort anten iie bunte Stadt .mlt den flachen Dächern, Tingsum travische Natur in .blühend Fülle Äes Land hatte d'r thatkräftige, arbeitälustige, ernste deutsche Areund so heiß.geNebt, für die Land Zwar er gestorken, mir zitterte die Hand, die das Geheimniß hielt. laß sehen die Blätter. Sie hat mich erhört Glückseligkeit! Ich will nüchtern sein, trotz Allem! Wäre der Zuckerpieis nicht so niedreg gewesen, der stelze Pflanzer wäre lieber gestorben, als dafc er heute den deutschen Ingenieur als Theilhaber und zugleich als Schwiegsöhn annahm, aber tz konnte meine Patente, meine verbesserten Maschinen nicht entbehren. So habe ich Josefite rrungen mit fttUki und Schrauben, mit Zeichnen, Rechnen und Erfinfcai und durch die große Liebe meines Herzens! Wie ich hier von meinem Balisn aus im Vollmondlicht die kleine Villa da drüben im Kokosnußhain erblicken kann wie viele Abende habe ich hinübergeschaut, sehnsuchtsvoll, fast hoffnungslos, und bin wieder hineingeschritten in's Zimmer und habe gearbeitet an meiner Zeichnung und bin wieder hinausgeschritten und habe hinübergestarrt, bis mir die Augen weh thaten. Als sie heute Abend von mir Abschied nahm im Palmengang, da lächelten die schönen dunklen Augensterne und ich las, daß sie mir ihre ganze Seele gegeben um ihre Seele hatte ich geworben, ich will ihr Sein herüberziehen in meine Ausfassung, auf meinen Händen will ich sie tragen! Ist sie nicht rein, hold und klug, warum soll sie nicht deutsch werden, echt deutsch und innig und eine selbstständig denkende Frau? Habe ich ihr nicht schon oft erzählt vom deutschen Wesen? Von meinem alten Mütterchen sprach ich ihr heute und von Goslar, meiner Vaterstadt, und ich malte ihr auf ein Stück Papier in der palmblattgefügten Villa das alte deutsche quadernstarke Kaiserhaus auf und erzählte ihr von den grünen Harzwäldern, mit Erstaunen und mit fragendem Blick hörte sie vom Schnee, der in weißen Flocken herabfällt, und vom Eis das die Flüsse und Teiche in Fesseln schlägt und hart macht wie Krystall. Mit Sehnsucht sah sie über die palmenbekränzte Bai, über der Nachts das Kreuz des Südens sieht, und malte mir lächelnd aus, wie es wohl sein müßte, dort oben in dem kalten Lande, wenn sie auf solchem Eis auf Stahlsckuhen glitte mit mir! Winterpracht auf dem Berge, Rauhreif im Tannenwald, Gosethal, o, ich bringe lieft von den Palmen meine Braut, mein Weib hinauf zum Besuche, daß sie euch kennen lerne in eurer Herrlichkeit! Heut' nahm ich Abschied von ihr als meiner Braut und jauchzend fubr ich am Strande der . Bai entlang, jauchzend sprang ich in's Bsot, um nach Hause zu fahren. In ganz Westindien ist die Bai von Santiago de Cuba berühmt, daß sie in silbernem Glänze aufleuchtet wie Phos-

phor, wenn sie ein Fisch durchzieht, wenn sie ein Kiel durchfurcht ich

taucht meinen ktock rn die Fluth, daß die Wasserperlen leuchtend daran herrnederuefen gleich grünlich leuchtenden Funken, und in das Wasser schrieb ich den lieben Namen, und der Mulatte drehte grinsend die Ruder ho, Josefita ist meine Braut, heut' habe ich sie gewonnen! Ich habe wieder einmal recht gehabt meinem zukünftigen Herrn Schwiegerpapa gegenüber. - Wann wird er durch Schaden klug werden? Wie oft habe ich ihn davon abgehalten, so voreilig und billig seine angefangenen Minen im Gebirge an die amerikanische Gesellschaft zu verkaufen! So weni ergiebig der Anfang war, so fest war ich nach meinen Prüfungen überzeugt, daß bei uns Schätze in der Erde steckten, die bei etwas Wagemuth zu heben waren. Der amerikanische Mineningenieur ist ein tüchtige? Mann jetzt, wo ich ihm nicht mehr im Wege stehe, wird er vertraulich, nennt den eher papa" einen old fool", lobt mich für meinen Widerstand und mein besseres Wissen und will mich in den Dienst seiner Gesellschaft ziehen, glaub's schon, daß sie mich brauchen tonnen, denn meine Arbeit hat mich hier in diesen zehn Jahren bekannt gemacht, und man achtet auf das, was ich .sage, außer dem eher papa". Heute Abend zeigte ich ihm die ErzProben, 'die die neuen amerikanischen Bohrer gefördert? jetzt" flucht er und Josefita hatte trübe Augen. Der grauende Sonntagmorgen fand mich schor im Gebirge ach ging an un seien .jetzt nicht mehr unseren Minen dnrbei, auf die ich so viele Ho.ff nungen gesetzt, die Amerikaner gehen tüchtjg darin vor. hätte ich doch einen Ml ihrer Betriebsmittel lphabt! Weiter! Der Wald m.ftng mich und mühsam drang ich durch die dichten Mahagonistämme und &as Gebüsch don Kakteen rnd Lianen. An einem erloschenen Krater führte .mich mein steiler Weg vorbei, in wilderFülle sproßten Palmen av. -dem guöllbedeckten weiten Kessel des vulkanischen Gipfels. Ich klonM um dem .felsigen Rande. entlang, da riß der Wald aus einander, er konnte r.icht Fuß fassennL dem jöhen Abgrunde, den .ich .erreicht steil siel der Felc n unter Mir Tausende Son Fuß tief , hinab, rechts und links umschlossen ;den Abschluß die Waldroulissen und t:ar. mir breitete sich t . r , i IN izione vie welle, nendiicyeee aus. der vtf Sonne lachend .entstieg. Serkrecht stand der Felsen über der See, ich sah gerade rnter mir die mäch- ! r m i - . "ge n.'lye ranonng oer s an seinem Fuße zerstäuben. .Hier auf dem Gipfel sah ich es rvlx, ihren Donner konnte ich in der Höhe nicht mehr vernehme?'.. In purpurner Gluth erhob sich du Sonne, die Strahlendes Morgenrochs machten die See erglei ßen und der Fels, auf dem ich faß, erglomm in der Loye. die lyn traf. Das ist der ' j- L er.;, i , . r v unciraajoare neiz uci rropi.uyen Natur, daß sie so reich .und xtin und ur sprünglich daliegt, als entränge sie sich eben erst der Hand ' des Schöpfers. (Kl! i r ' A. . yuigciuas aynr man rn ißicrjer xano fchaft fchon des Menschen Kunst und Nähe, jungfräulich i die Natur, vom Tau des Morgen! eiciuickt. Die Sonne begrüßte ibre Erde allen?. Ein zufälliger Zeuge dieses schimmernden Weltengrußes ist ein kleinesWesen, das da oben zwischen Felsen hockt 'im Urwaldzauber. Ich hatte mix den Faust" in die Tasche gesteckt, tz gab mir den Tezt zu meiner Äetrachiung. Und die Ntur, dies Land soll ich nicht lieben, es nicht in mein Herz schließen, als eine schöne zweite selbstgewahlte Hcimath? Hat sie mir nicht auch Josefita geschenkt? Langsam ging ich zurück über die Borberge und stieg endlich die peilen Straßen Santiago's hinab bis zum Marktplatze. 'Die letzten Kirchgänger eilten in die Frühmesse, die schon begönnen hatte. Ich folgte ihnen in die alte Kathedrale und trat hinter einen Pfeiler, um Josefita zu sehen. Die Responsorien rollten durch die Hallen, gebrochen fiel das Licht durch die bunten Fenster, Murillo's Madonnen grüßten von den Wänden herab, der Ort war mir heilig, Josefita betete hier. Der Gottesdienst war vorüber, sie trat heraus und begrüßte mich mit holdem Lächeln in der KirchenPforte. Wir gingen zusammen an der Bai entlang zur Villa felig zwei Kinder. Es war lebhaft bei Tische, zwei spanische Ossiciere waren anwesend, ein älterer und ein jüngerer, beide Vettern Josefita's und gestern mit dem Kriegsschisse gekommen. Mein Schwiegerpapa schimpfte wacker auf die Jnsurgenten, um seine Loyalität gehörig darzuthun, die beiden Officier: wollten die aufständischen Führer zum Frühstück verspeisen und waren sehr tapfer, ich hielt an mich und schwieg, denn ich kannte den spanischen Steuerdruck, die Habgier der Beamten, die Hemmnisse in Handel und Industrie und gönnte dem Lande die Unabhängigkeit. Gegen Abend gingen wir an der Bai spazieren, der ältere Officier fragte mich wegen meiner Meinung über den Ausgang des Aufstandes. Ich enthielt ihm meine Meinung nicht vor, daß ich die Lage für die spanische Regierung für sehr kritisch halte angesichts der starken Streitkräste der Insurgenten und deren günstiger Stellung in den Gebirgen, machte ihn aufmerksam auf die hohen militärischen Fähiakeiten der Führer, die drohende Haltung der Ver. Staaten aber Alles prallte ab an der unerschütterlichen Zuversicht dieses Spaniers, der, wie fast alle .seiner Landsleute, auf die Unerschlltterlichkeit der Thürme von Kastilien schwört; er dankte sehr hoflich und blieb bei seiner Absicht. Sollte ich ihm von der Berechtigung der ausständischen Bewegung etwas sagen? Er war Kastilier, und Kastilien ist das erste Land der

Äek. WaS wußte er davon, daß Spanien längst eine entthronte Königin der

Geschichte ist? Josefita hatte lerne schweren Fragen zu beantworten gehabt; der Lieutenant und Vetter hatte sie unterwegs gut unterhalten, ein bischen Verwandtschaft ist fo gut wie zehn Jahre Bekanntschast. hier wie überall. Heute war viel zu thun aus der Zuckerfabrik; der Schwiegerpapa kam mit den beiden Ofsicieren herangentten und war sehr heiter und guten Muthes. Freilich, die beiden Herren waren ihm hebere Gefährten. So eben erfahre ich das Geheimniß der guten Stimmung des eher papa, der jüngere Vetter hat ihm ein großes Eapital zur Verfügung gestellt. Freilich, mehr Geld wurde manche Sorge m unferem Geschäftsbetrieb erleichtern, aber eine so große Summe ist unnöthig, und wir wären in einigen Jahren bei tüchtiger Arbeit überhaupt ohne fremde Hilfe hochgekommen, meine Maschinen arbeiten vorzüglich, und die benachbarten Pflanzer fangen an, sie zu bestellen. Dieses Durchringen durch schwierige Geschäftsverhältnisse mit Hilfe und Sorgfalt, Thätigkeit und Fleiß ist wohl auch eine besondere deutsche Eigenschaft. Ich aber lobe diesen Kampf trotz Mühe und Sorge, er verleiht Selbstständigkeit, Unabhänaigkeit von Anderen und Vertrauen zur igenen, Kraft.' wir hätten dies Capital mcht gebraucht! Was soll ich es verheimlichen? Er stört mich der reiche Vetter ist der MittelpunL geworden, und der eher papa ist kühler als je, auch Josefita stimmt ein in dm Hymrus auf den Ankömmling, sie fyii noch wenig eigene Meinung und stimmt kmch bergebrach ter Art mit Vater und Mutter. Wochen sind entschwunden und ich s)abe diesen Blättern, dies fluchtigen Notizen eines rasch gleiten den Menschenlebens nichts anvertraut. denn was meinen Sinn wild bewegte, mochte ich mir nicht inmal vor die Seele stellen, die Klarheit schmerzte mich, viel weniger war ich im Stande, es niederzuschreiben, denn der traurige Tag ging hin unter Hoffnung auf frohere, zufriedenere Stunden, und kamen frohere Stunden, und glaubte ich, daß alles Andere schwarze Tauschung qe wesen, so warf mich. doch wieder trübe Stimmung :n s Elend zurück, und im wußte nicht, was von Beiden eigentlich die Wirklichkeit war. Eigentlich war ia Alles vie sonst und doch Alles an ders. Zehn Jahre .lebte ich schon in Santiago und war stets mit allen Leuten gut ausgekommen jetzt erst, wo ich als Sohn in eine Familie eintreten. alle ihre tZmPslndunaen und Meinnn gen als die meinigen betrachten soll, merke ichenZwiespalt ganz, der meine Art von .ihrer trennt. Auch zwischen mlch und nelne Braut hat es sich ae schoben wehe, daß ich es schreiben muß, mune Art, zu sern, macht sie ängstlich und traurig, '.Alles, was ich sage, ist ihr neu und lungewohnt, aus eigenem Denken entstcmden, und sie ist l i ev r I cMuacn inaauici tamiion, oic lic mir I Ebriurckit betracktet. und es araut !br davor, diese gleich mir auf Gehalt und Emtoeit zu Drusen. Ich muß das '.Denken, daS .Fragen, das Zweifeln verüernen, wenn ich sie lieben, sie glücklich machen will ich will es ja thun, JoZefita, oh, schaue mich an und vergib mir und lache wieder Dein holdes Kinderlachen ich habe Dich ja so lieb, so lieb Wenn sie mich so ansieht, ängstlich, uu)) doch nichts zu sagen wagt, und ich sie liebe, heiß liebe Zweifel, wilde Zweifel zerreißen mich, ist ihr meine Liebe auch eine Wohlthat, zerreißt meine Persönlichkeit nicht vielleicht ihre am Alten hängende Natur, verwickelt sie in Zwiespalt blutet daran ihr Herz, wenn ich sie ftill weinen sehe? Sie ist krank für mich nicht zu sehen ihre Mutter hat es heut' schonungslos gesagt ich stehe ja auf der Seite der Insurgenten wie anders sei doch Antonio, ihr Vetter, wie schade, daß er nicht eher gekommen sei mir steigt das Blut in den Kopf, dies letzte Gift kam aus dem alten Weibe, ihr Herzenswunsch, dem ich im Wege stand schweigend, ohne Gruß ging ich hinaus. In die Berge bin ich geflüchtet und habe mich niedergeworfen; wie heiß kämpft und ringt solch' ein Menschenherz für feine Liebe gegen den Verstand, der ihm zuruft, ob die Liebe auch gut sei für den, den es liebt, aber das Herz begehrt sein Recht, es kann nicht von ihr lassen! Im Lager der Jnsurgenten. Das war kein Heldenstück. Antonio. Als ich vorgestern in die Stadt gehen will, kommt mir auf keuchendem Roß mein Diener ntgegengesprengt mein Haus sei umstellt, durchsucht von spanischen Soldaten ein Verhaftsbefehl sei gegen mich heraus wegen Verdachts der Begünstigung der Jnsurrection er hat mein Geld aufgerafft, der treue Bursche, und mein Gewehr und trug zwei Briefe aus Deutschland mit schwarzem Rand die Mutter todt von Josefita krank durch mich Ring zurück Ich habe bor Gomez gestanden und den Besehl über einen Trupp wackerer Buricken erhalten, starke, sehnige Jungen. Enterbte der Fortuna, Schiffbrü chige des Lebens. Desperados gleich mir, froh, durch einen ehrlichen Tod aus der Welt zu kommen, freut Euch, ein schönes Loos ist uns gefallen, wir wollen sterben für dieses schöne Land die Freiheit. Morgen treffen wir auf die spanischen Truppen, das neue Regiment aus Santiago, wir wollen die Ersten sein beim Sturm, Burschenk Hier endeten die Aufzeichnungen, des anderen TageL war er gefallen, nachdem er den Sieg noch gefeben, den er erkämpfen hals! Die Waffengefährten begruben ihn. das heiße Herz ruht still in kubanischer Erde.

Vie beschichte des Räthsels.

IS, ! Bis in die Sagenwelt hinein reicht die Geschichte des Räthsels und ben r r "l.n. O .! 1 iveiir 10, oay in cai uiauqtcu eucn die Menschen i.qon Freuve an mein Spielen des Geistes hatten. Räthsel, so meint schon Wieland, haben gar keine Apologie von Rothen. Machten sich nicht ron Alters her die Könige und Weiftn der gebildetsten Völker ein Geschäft doraus, Räthsel zu erfinden und zu lösen? Kam nicht die Königin von Saba mit großem Pomp nach Jerusalem. um den Scharfsinn und die Gelehrsamkeit des jungen Salomo, wovon der Ruhm sich schon in allen Ländern verbreitet hatte, durch Räthsel auf die Probe zu stellen? Rettete Oedipus nicht das ganze thebanische Land vomUntergang, indem er das berühmte Räthsel der Sphinx errieth? Auch die griechischen Dichter haben ihre Aufmerksamkeit dem Räthsel geschenkt; die Lyriker mischten nicht selten Räthselartiges in ihre Gedichte ein. z. B. Archilochus,. Stesichorus, Simonides. Auch die Tragiker und Komiker legten Räthsel in ihre Dichtungen ein, sowie auch die Dichter der mittelalterlichen und neueren Komödie. Die hebräischen, türkischen, persischen, arabischen Dichter ersten Ranges haben Räthsel verfaßt; die Edda, die trefflichen Makamen des Hariri stnd voll von Räthseln, und namhafte deutsche und ausländische Dichter neuerer Zeit haben sinnige Räthsel gedichtet. Von deutschen Dichtern seien hier nur erwähnt: Bürgn. Tiedge, Langbem, Körner, ja sogar Schiller. Dies alles mag Otto Bauck nicht bedacht haben, als er seinen Spvttvers: Vergleichen, Wetten und Räthselrathen Ist kleiner Geister Schweinebraten.veröffentlichte. Zunächst in Mal: Was ist ein Räthsel?" I. B. Friedreich, der Verfasser einer Symbolik und Mythologie der Natur, giebt darauf die Antwort: Das Räth sei ist die umschreibende Darstellung eines nicht genannten Gegenstandes, um das Nachdenken des Lesers oder Hörers zum Auffinden desselben anzu regen." Ein Räthsel ist, wie ein ande icx Erklärer sagt, wesentlich ein freies Siri des Geistes, nnbe? es auf Wik und Geistesgegenwart ankommt und nur auf geistreiche Unterhaltung, auf gegenseitiges Messen des Scharfsinnes nnd btx Erfindungsgabe abgesehen ist. Q. 33. Wolff, der bekannte Verfasser des Poetischen Hausschatzes, hat folgertde Definition desMäthsels gegeben: ,Qas Räthsel ist ein Spiel des Verstandes, der sich bemuht, inen Gegen stand so darzustellen, daß ralleMerkmale -und Eigenschaften desselben schildert, so widersprechend dieselben an nnd ?ür sich betrachtet auch sein mögen, Dhne jedoch den Gegenstand selbst zu nennen. Das Gcheimnikvolle. das in der Darstellung liegt, und das den Verstand zur Losung zener Widersprüche durch Auffindung des Namens reizt, bildet das eigentliche Interesse tos Räthsels, welches seine höhere BeZiehung irarin hat. daß im Universum lgleichsaus wie rn jedem einzelnen abgeschlossenen Wesen die scheinbar einander vernichtenden Widersprüche dazu bertragen müssen, ein harmonisches Ganze zu bilden.- Und daß dem Räthsel ein? poetische Bedeutung und Berechtigung nicht abgesprochen werden kann, bekräftigt auch Waaernagel, wenn er sagt: Versinnlichung des Geistigen, Vergeistigung des Sinnlichen, verschonende Erhebuna dessen. was alltäglich vor uns liegt, alles das gehört zum Wesen des Räthsels, wie es zum Wesen und den Mitteln der Poesie gehört.Es mögen hier nun folgende Arten Räthsel zunächst bezeichnet werden: 1. die Räthsel - Frage, 2. das WortRäthsel. 3. das Silben - Räthsel, 4. das Buchstaben - Räthsel. 5. das Schreibzeichen Räthsel, 6. das Bilder - Räthsel, 7. das complicirte Rath sel und 8. das Ziffer - Räthsel. Die erste und einfachste Form, wohl auch d älteste, besteht in einer Frage, welche zur Beantwortung voraeleat wird. Man kann diese Form wohl die m"itr.r x r-K r yiaxjci - tfiagc nennen, vleen ragen liegt meist ein Wortspiet oder ein Witz zu Grunde, z. B.: Wer hat so viel Augen, als Tage im Jahre sind?" Antwort: Der am 2. Januar Geborene." Warum kann der beste Thiermaler keinen freundlichen Hund maIt?" Antwort: Weil ein freundlieher Hund mit dem Schweife wedelt." Welche Aehnlichkeit ist zwischen eine? Cigarre und der Liebe?" Je länger sie brennen, desto weniger bleibt davon übrig. Wenn ein ganzes Wort oder auch em paar Worte miteinander m Ber bindung zum Errathen aufgegeben werden, so heißt dieses m Wort-Räty-sel. Man unterscheidet aber das einfache Wort - Räthsel von seinen verschiedenen Varianten. Ungemein schöne poetische Beispiele des ersteren lieferte Schiller in den bekannten Scenen seiner Turandot". Die letzteren sind folgende: Das Wort-Näthfel mit verschieden Bedeutung des Wortes, d. h. also, es wird ein Wort zum Errathen ausgegeben, welches mancherlei Bedeu tung hat. Das sind die sogenannten Homonym. Ein Beispiel rnervon ae nüge: Himmlische Tugend, teuflischer Mord. Fehler beim Kartenspiel, alles ein Wort" (Vergeben). Ferner. eS werden ein oder zwei Buchstaben am Anfang, in der Mitte oder am Ende emes Wortes verändert: das Wort Räthsel mit Buchstaben,- Verände rung. z. B.: Hast du vom Drucke durch a mit i dich glücklich befreiet, So genieße mit u, was dir die Freiheit bescheert" (Last, List, Luft); oder es wird von den Worten am Anfang, in der Mitte oder am Ende ein oder der an dere Buchstabe weggelassen, das Wort Räthsel mit Elision, z. B.: Fünf Zeichen-hat mein Kopf;, der Kopf.ist Ali und arauder seinen Namen träkt.

Ein Zeichen von der Spitze des Wortes hinweg, so wird's die Frucht der größten Hitze; noch eins hinweg, so gibt's, was kälter ist als kalt- (Greis. Reis, Eis); oder umgekehrt' es werden dem Worte am Anfang, in der Mitte oder am Ende ein oder wenige Buchstaben hinzugesetzt: das Wort - Räthsel mit

Zusatz, z. B.: In das Herz des größten Weltbezwingers setz' ein du" hinein, Und des Leidens höchster Ueberwinder wird gefunden sein (Geld.Geduld); oder die Buchstaben des Wortes werden auf verschiedene Weise versetzt: das Wort - Räthsel mit VrstabenVersetzung, der Logogryph. z. B.: Ich ziere den wirkenden Mann und den reifenden Jüngling, versetzt zier' ich denMantel dn finsteren Nacht" (Ernst, Stern); oder das Wort soll vor- und rückwärts gelesen werden: das WortRäthsel mit verschiedener Lesung, das Anagramm, z. B.: Liebliche Gaben bring' ich dir, Nahst du dich von vorne mir, Aber wenn von hinten gelesen. Bin ich ein wildes Wesen, Erst getödtet zu gebrauchen. Wenn die Schusseln von mir rauchen" (Rebe, Eber); oder es wird auf den Ton des Wortes Rücksicht genommen: das Wort - Räthsel nach Betonung, das Accent - Räthsel, z. B.: Ich bin auf dunklem Weg den Reisenden ein Führer, Sprichst du mich anders aus, so thut's der TapeziererPolstern); oder endlich dasWort wird ein Mal im ganzen und dann jede der einzelnen Silben genannt, das Worttheilungs - Räthsel, z. B.: Vereint abscheulich. Getrennt mir heilig" (Meineid, Mein Eid). Man sieht also, daß die zweite Räthselform, die des Wort - Räthsels, ungemein vielseitig zu varüren ist. Bei der dritten Räthsel - Form, der des Sllben - Räthsels oder der Cha rade wird das Wort, das man errathen soll, in seine einzelnen Silben zertheilt, diese nach einzelnen Merkmalen charakterisirt und zuletzt in eins zusammengefaßt. Sie sind also gewissermaßen ein mehrfach zusammengeschtes Räthsel. Die Charaden sind wohl lange Zeit die beliebteste Räthsel form gewesen. Hier ein Beispiel: .Die ersten lenken die rüstige Fahrt, Die letzte schmückt- sich mit stattlichem Bart, And geht's in hk Brandung des Le bens hinein. So mag die Liele das Ganze sein." Die Auflösung ist: Der Steuer znann. Wenn nur e5n einzelner Buchstabe Objekt der Aufgabe ist. so entsteht die vierte Räthselfrm, das BuchstabenNäthsel. Zum Beispiel: Bei Vater. Mutter, Großpapa, Bin ich zu allen Zeiten. Doch Onkel, Tante, Stiefmama, Die kann ich gar nicht leiden. Qin jedes Räthsel fang ich anUnd jeden guten Rath; Ja. leider bin ich stets beim Wort. Und Niemals in der That Das Schreibzeichen - Räthsel entPeht. wenn die verschiedenen Schreib zeichen. Interpunktionen u. s. w. zum Gegenstande des Rathens gemacht wer den, z. B.: Katl schrieb an du Wand Hermann löschte es aber sogleich wieder aus; und doch war Karl nur ganz allem in der Swoe. Wie ist das zu er klären?- (Karl schrieb an die Wand das Wort Hermann-, löschte es aber sogleich wieder aus.) Sechstens, das Bilder - Räthsel, ist zene Art, wo nicht durch Buchstaben und Worte, sondern durch Zeichen und Bilder eme Sentenz oder em Spruch wort ausgedrückt wird. Daher der jetzt übliche Name Rebus, weil mit Dingen statt mit Worten die Aufgabe gestellt wird. Die erste Analogie zu dieser Räthselbildnerei mag wohl in den sogenannten metallenen Räthseln der Alten zu finden sein. Man hatte nämlich auf Münzen bildliche Zeichen als Andeutung der Aehnlichkeit mit dem Namen der Stadt, der die Münze gehörte, geprägt. So hatte z. B. die Stadt Aege in Macedonien auf ihren Münzen eine Ziege, weil das der Namc dieses Thieres im Griechischen ist. Auch die alt-egyptische Hieroglyphenschrift ist ja zum Theil eine Bilderschrift gewesen. Uesere jetzige RebusArt soll zuerst in Italien aufgetaucht sein, sich von da über England, Frankreich und dann nach Deutschland verbreitet haben. -Als Beispiel eines Rebus vergegenwärtige man sich eine Anzahl Köpfe verschiedener Art und daneben eine gleiche Anzahl von verschiedenartigen ß, die sämmtlich in ein E hineingezeichnet sind. (So viel Kopfe, so viel Sinne.) Die siebente Räthselform erklärt sich leicht von selbst. Es ist die Combination von zwei oder mehreren Arten der erwähnten Räthselformen, also z. B. ein Worth - Räthsel mit Elision und Homonyne, Charade und Homonyme u. s. w. Die achte Form endlich, das Zahlen - Räthsel, entsteht, wenn die Aufgabe des Räthsels auf Form und Stellung von Ziffern sich bezieht; z. B.: Wie ist das möglich, daß wenn man Eins von Neunzehn nimmt, Zwanzig übrig bleibt?- (Man schreibt Neunzehn so: XIX. nimmt nun I heraus. so bleib! XX übrig.) Das sind die Grundformen aller Räthselsorten, in die alle sich einreihen lassen, so viel Variationen dieser alten Formen auch entstanden sind, z. B. Kapsel - Räthsel, Quadrat Räthsel, Rösselsprünge ü. s. w. Da sind auch ferner z. B. räthselhafte Ausammensetzungen einzelner Buchstaben durch Neben- und Uebereinanderstellung zu ganzen Worten und Sätzen, eigentlich also Bilderräthsel, wobei' die Buchstaben die Bilder ersetzen, z. B.: A TC Auflosung (zwischen ac t). Hinsichtlich der Verwandtschaft und Beziehung des Räthsels zu Dichtungen anderer Art kommen in Betracht: die Gnome, das Epigramm, die Anekdote und daS Märchen, das Spruch j wort, das Symbol, das Lehrgedicht, die. Ballade zuweilen und . auch sogar

das Lustspiel. Daß die Gnomen der

Alten im Allgemeinen den Räthseln beigezahlt werden können, braucht nicht erst weiter dargethan zu werden. Mit dem Epigramm hat das Räthsel eine sehr in die Augen springende Aehnlichkeit, denn beide sind eigentlich nichts anderes, als Inschriften auf bestimmte Gegenstände; oft liest sich das Epigramm wie ein Räthsel, und dieses wie zenes. Zur Anekdote und zum Märchen steht das Räthsel insofern in einer gewissen Beziehung, als beide erstere besonders geeignet sind, in Form eines Räthsels gegeben zu werden, wie ja z. B. auch das tragi-komi-sche Märchen Turandot von Schiller, nach Gozzi bearbeitet, auf Aufgaben und Lösen von Räthseln begründet ist. Daß Sprüchwörter inForm von Räthseln gegeben werden und Räthsel als Spruchworter, kommt eben nicht selten vor. Am meisten Verwandtschaft hat das Räthsel seinem Wesen nach mit der symbolischen Dichtung, wie z. V. der im 17. Kapitel des Propheten Ezechiel enthaltenen. In einem Lehrgedicht eingewebt findet sich das Rathsei in dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden: König Tyro von Schotten und Fridebrant sem Sohn. Auch die alt-englischen Balladen von Thomas Percy k.ing John and tue Abbot of Canterbury- Hat zum Hauptthema eine Aufgabe von Rathfeln. Burger hat die Ballade bekanntlich im Kaiser und Abt- benutzt. Als Thema eines Lustspiels endlich hat der einst sehr bekannte, jetzt aber längst der Vergessenheit anheimgefallene deutsche Lustspiel - Dichter Contessa das Räthsel benutzt in einem Lustspiel, das im Jahre 1803 unter dem Titel Das Räthsel" erschien. Betrachten wir die geistige Richtung des Räthsels, so setzen Aufgaben und Lösen von Räthseln' Verstand und Scharfsinn voraus, so daß das Räthsel in der griechischen Mythe von der Sphinx als Sinnbild der Weisheit überhaupt erschien. Das Räthsel soll belehren, es hat somit didaktischen Zweck, oder es dient dazu, die geistigen Fähigkeiten eines anderen zu prüfen. Hierher gehören die Sage vom König Salomo und der Königin von Saba, die Prüfung des persischen Helden Sal, die Saae vom König Hejdrik und dem blinden Gerster, Vafthrudhnismal oder das Lred vom Gotte Odm und dem Jotm Vafthrudnir, das Alviß mal oder Das Lied vom Gotte Thor und dem Äwerge Alvls, de? Sanger krieg ans der Wartburg, wo Klringsohi und Wolfram von Eschenbach sich Räthsel ufgeben, sowie das Trage muntsNtd aus dem 14. Jahrhnndert, wo, wer von Meister Tragemnnt auf der Wa?üerschaft bewirthet fern wollte. Räthsel zum Lösen auferhielt, um zu zeigen, vb er zur Ehre des Gastgebers antwortrn könne. Nebst dieser er wähnten ernsten Bedeutung komm dem Räthsel aber durch seinen Wlfc und seine Laune auch eine erheiternde. fröhliche, scherzende zu, und das ist es, wodurch es sich im geselligen Leben seine besondere Geltung verschafft hat. Schon bei den alten Griechen war daS Ratyfelaufgeben bei Gastmahlen gebräuchlich, wie z. B. Plutarch in feinem Gastmahl der sieben Welien zeigt. Wie der Heiterkeit der Tafel dient das Räthsel ferner dem Frohsinn der Liebe m den erothischen Räthsel Liedern. In einem alten deutschen Liede, das Simrock in seinem DeutschenRäthselbuch mitgetheilt, verspricht der Junglmg das Madchen zu eheli chen, wenn es seine ihm aufgegebenen Räthselfragen beantwortet. Aehnliche Räthsel - Lieder kommen vielfach in Volksliedern vor. Der Fröhlichkeit besonders aber entsprechend erscheint das eigens für Scherz und Muthwillen geschaffene Neckräthsel oder Vexir - Räthsel, das insbesondere in Volkskreisen sehr verbreitet ist und von Alters her Volksthümlich gewesen zu sein scheint. Es wird dabei der, dem es vorgelegt wird, auf mancherlei Weise geneckt, entweder dadurch, daß die Aufgabe so gestellt wird, daß man entweder glaubt, das zu errathende Wort fei schon im Räthsel selbst gesagt, es aber ein ganz anderes Wort ist. welches die RäthselAufgabe meint, oder daß die Auflösung im Räthsel selbst gegeben wird, jedoch so, daß sie der andere nicht merkt, oder daß das Räthsel absichtlich auf etwas ganz anderes hinlenkt, als das eigentlich zu Errathende ist, oder endlich, daß die Aufgabe selbst als ein Unsinn erscheint, jedoch durch einen nicht leicht zu errathenden Witz gelöst werden kann. Zum Beispiel: Ich bin nicht, ich war nicht, ich werde nicht sein; Du meinest, ich scherze, ich sage dir, nein; Ich stehe ja sichtbar vor deinem Gesicht, Sagst du meinen Namen, so nennst du mich nicht." (Auflösung: Nicht.) Vorwärts bin ich ein doch yalt, ich hab' mich verrathen; Rückw'ärts suche mich nur, wahrlich, du sindest mich nie." (Auflösung: Ein. nie.) Er kommt dir entgegen mit Weinen, Und ist doch ganz wohlgemuth; Er möchte dir etwas schenken, Und läßt sich's doch zahlen gut." (Auflosung: Der Weinwirth.) Im Gegensatz zu dem Zwecke, bei Gastmahlen und in fröhlichen Gesellschaften oder bei Liebes - Anträgen sich gegenseitig zu vergnügen, steht aber jener, wo das Aufgeben des Räthsels als Tendenz hervortritt, eine Veranlassung zumStreite zu finden. In diese Kategorie gehört das Räthsel, welches in der Bibel Simson bei seiner Hochzeit den Philistern aufgibt. Alle Völker haben Räthsel und jedes Volk befitzt eine nationale Literatur des Räthsels. Bei den alten Hebräern muß bei ihrer bekannten Neigung zur allegorischen und parabolischen Redeweise, die sie mit den übrigen orientalischen Völkern gemein hatten, die Unterhaltung mit Räthseln sehr ausgebildet gewesen sein; aber es ist uns verhältnißmäßig wenig von ihnen erhalten geblieben. Nächst dem schon zrwahnt(n Räthselspiel Sslomos mit

der Königin von Saba ist noch Sa-

lomos Rathsei - Eorrespondenz mit dem König Hiram zu nennen. Aua von Abul Hassan Juda Ha - Levi. einem der größten neuhebräischen Dichter, geboren rn Eastillen um 1080, sowie von dem in der ersten SS'dlHt des 13. Jahrhunderts lebenden Juda Bei, alomcn Alcyarljl smo verschiedene Räthsel vorhanden. Unter den Türken war Ali, ein herumziehender Latwer gen - Verkäufer, unter dem Beinamen Mamaji. d. i. der Räthselhaste. bekannt wegen seiner Stärke im Aufgeben und Lösen von Räthseln, ebenso der Derwisch Mabommed Ben Osman Ben Ali Nakkasch genannt Lamii, der Glänzende (gestorben 938). Bei den Persern sind besonders ihre Logogryphen bemerkenswerth. Sie übertreffen die unseligen bei Weitem an Schwiengkett. Es ist nicht genug an der Verseßuna der Buchstaben, um mittelst derselben ein oder mehrere Wörter zu errathen, sondern nit den Buchstaben selbst müssen allerhand Künste derVunktiruna und Nicktvunktiruna. der Ümkehrung und Verwandlung vorgenommen werden, bis das Wort, welÄes der Loaoarvvbensckmied im Sinne hatte, herausgefunden wird. In Firdust s Schahname (Konigsbuch) flndcrr sich Rätbsel. die dem Selben Sal aufgegeben worden, wie bereits erwähnt ist. Außerdem brachten die Dlchtungsart der Räthsel unter den Persern besonders Rast, auch Abul - Mefachir genannt, serner Emir Chansade.Mewtana Nlsan u. A. zu Ansehen. Bei den Arabern waren ganz besonders Sinn- und Räthselsprüche von größter Geltung, und Arabien kann eiaentlich als das Vaterland der Räthsel angesehen werden. Von den Arabern ist vor Allen Harm zu erwähnen, iit dessen Makamen sich mehrere Räthsel finden. Arabische Volksräthsel sind vielfach in die gesammte internationale Räthsel-Literatur aufgenommen worden. Bei den Griechen können die-. Räthsel bis in die älteste Zeit zurückgeführt werden, und zu den ältester derselben gehört wohl jenes, welches,. Wie Herodot berichtet. Fischerknaben-, dem Homer aufgegeben haben sollen:. Ohne Zweifel schllißen sich die alten griechischen Räthsel an die Orakel-, sprüche an. welche, wie die Räthsel, einProblem enthielten.das erst gelöst wenden mußte. Wir besitzen noch Räthsel! don dem Fabeldichter Aesop. vomDra- -matiker Antiphanos, von den? Gtamrnatiker Diomedes und von anderen. Die alten Römer waren zu ernst ' und? gingen zu sehr im politischen Leben auf, als daß sie an dem leichten Spielr. der Räthsel einen besonderen Gefallen , hätten haben sollen. Apulejos soll ein Liter ludicrorum et gryphorum"''geschrieben haben, das aber verloren -gegangen ist. Reichhaltiger an Räthseln.i ist indessen die Literatur der späteren-! Lateiner, in der als besonders frucht.' -- bare nnd berühmte Räthsel - Dichter-.' Symposius und Aldhelmus zu ncrmeni sind. Bei allen modernen Völkern sind alle Volksräthsel bekannt. Sie finden sich ebenso in den slavischen Volksliedern, wie in den lithauischen Märchen und in den alten englischen und schottischen Volksbüchern. Die ältere französische. spanische, italienisch: Literatur. ja auch diejenige der nordischen Völker, weist Räthsel auf. Am reichhaltigsten aber ist wohl die deutsche Räthsel - Literatur. Eine alte deutsche Sammlung von mehreren hundert Räthseln ist Anfangs des 16. Jahryunverts zu Ausourg gedruckt worden. Weiter ist zu nennen das Rathbüchlein mit allerhand weit- und geistlichen Fragen sammt deren Beantwortungen Köln und Nürnberg, ohne Jahreszahl. Die Zahl der Räthsel aber, die von neueren Dichtern, im achtzehnten und. neunzehnten Jahrhundert, verfaßt' wurden, ist Legion. Die namhaftestem Räthseldichter neuerer Zeit sind bereits, im Eingange unserer Betrachtung erwähnt worden. Der epukgeist. Von G. Ctorff. Der alte Raubgraf war ein Schuft, Er stak so tief in Sünden, Daß er in seiner Väter Grust Nicht Ruhe konnte finden. Er spukt umher im ganzen Schloß Des Nachts in allen Ecken. Die Herrschast und der Dienertros Vergingen schies vor Schrecken. Da hat sich Einer aufgemacht, ' Ein Knappe, keck und munter; Der stieg beherzt vor Mitternacht In's Gruftgewölb hinunter, Und stellte einen Spucknapf hin' Da endete das Grausen: Der Raubgraf blieb von jetzt ab d'rin. Und fpukte nicht mehr draußen. Der Zug des Herzens. Tochter: Mama, ich glaube. Herr Kroner wird mir nächstens einen Antrag machen." Mutter: .Glaubst Du?" Tochter: Ja. und was soll ich thun?Mutter: Laß Dich nur von Deinem Herzen leiten. Vergiß nicht, daß Herr Kroner 100,000 Dollars besitzt und Du alle Jahre eine Badereise machen kannst. Es wäre eine brillante Parthie sür Dich; aber ich will Dich nicht beeinflussen. WaS fagt denn Dein Herz?" Tochter: Mama, hat er wirklich 100.000 Dollars im Vermogen?" Mutter: Ganz sichert Tochter: Dann sagt mein Herz ja!" Mut-, ter Ach. mein Kind, wie freut es mich, öaß Du den Mann heirathest, den Du liebst!" Dichterische Drohung. Dichterlinz (ein Sachse und gequälter Ehemann zu seiner endlos keifenden Gattin): Ums Himmelswillen. Hilde aarde, nu hör' doch ämal auf mit dern öwigen Gezänke, sonst bei Gott schreib' ich se noch 5 forchtbare Drachödie" öicr FÄ'." . .