Indiana Tribüne, Volume 21, Number 257, Indianapolis, Marion County, 5 June 1898 — Page 3

3

Ver Goöte von Sorror- Island.

Roman von Harry Shcff. (7. Fortsetzung.) wDer Hund!" kam es dunipf von den Lippen der Frau, der elende Verräther. Er ist an meinem Unglück schuld. Aber wir sehen uns wieder. Andre Gerfaut, wir sehen uns wieder und oann rechnen wir miteinander ab. Während der letzten Worte war ihre Stimme unsicher geworden, und plötzlich brach sie in lautes Schluchzen aus. Heul nicht," herrschte sie ihr Mann an, der wird sich hüten und Dir in den Weg kommen. Der Gauner hat Dich die Kastanien aus dem Feuer holen lassen und verspeist sie allein. Hast für ihn gestohlen und geraubt, und er hat die Früchte eingeheimst. Ja. so müssen die Frauenzimmer behandelt werden, das ist der Weg, sie kirre zu machen Schläge für die Arbeit, die sie leisten Schläge. Hörst Du noch nicht auf, zu plärren?" Gieb mir Whisky. William, gieb mir Whisky." schluchzte das Weib, ich muti trinken ich muß lieber, guter William Whisky!" Das Schluchzen ging in convulsivisches Schreien über. Der Lithograph kannte wohl diese Anfälle seiner besse?en Hälfte, er ermähnte sie noch einigemal. ruhiz zu fein und die Nachbarn nicht zu alarmiren, und als die schöne Maggie" sich nicht von ihrem stürmischen Verlangen nach Alkohol abbringen ließ, stand er auf und schleppte sie gewaltsam nach der Bettstatt, auf welche er sie ziemlich unsanft niederfallen ließ. Da lieg' und denk' an den Andre." brummte er dabei. Das Weib wimmerte leise und leiser und schien langsam einzuschlafen. William Strohbach schürt einigemal in der Stube auf und nieder und sprach dabei halblaut vor sich hin. Plötzlich wandte er sich der Thür zu, binter welcher seine alte Mutter mit zitternder Hand die Nadel führte. Lffnete und blieb auf der Schwelle stehen. Alte, hast Du Geld?" fragte er mit heiserer Stimme. Nur wenig," erwiderte die Greisin aufschauend. Gieb her, was Du hast wenig oder viel ich brauch es!" Lieber William, ich bitte Dich, nimm mir das Geld nicht ab. Der Erste steht vor der Thür, und der Wirth fordert seine Miethe, ich hatte mir die paar Mark dafür zurückgelegt, damit wir nicht wieder auf die Straße geworfen werden." Unsinn," stieß William hervor und fuhr mit. seiner langen, abgezehrten Hand durch das übervolle, lockige, blonde Haupthaar, das ebensowenig von Kamm und Bürste berührt zu fein schien, wie der kurze Bart. Unsinn, bis zum Ersten sind noch volle zehn Tage, und bis dahin können wir schon Geld haben, viel Geld!" Willst Du arbeiten?" fragte die Mutter erfreut und setzte seufzend hinzu: Ach. wenn Du es doch thätest! Du bist ein so geschickter Lithograph, denk' nur, was Du in Amerika für schönes Geld verdient hast ehe Du die da drinnen kanntest. Ach, Willy, Willy wenn der Vater uns jetzt sehen könnte er würde es nicht für möglich halten, daß feine Familie, für die er stets fo gut und treu gesorgt hat, in solches Elend gerathen sei." Sie hielt einen Augenblick inne, als erwarte sie eine Antwoit, aber ihr Sohn schaute nur düster zu Boden und Aagte an seiner Unterlippe. Und wenn's das nur wäre," fuhr Frau Strohbach fort, wär' es nur Armuth und Entbehrung Gott ist mein Zeuge, ich würde niemals mur?en, treu zu Euch halten und das bischen Arbeit, das meine alten Hände überhaupt noch verrichten können, vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein thun, aber Zank und Streit und und das entsetzliche Trinken ach, Willy, mein armer, verführter Junge, wir alls gehen daran zu Grunde und Dein junges Leben wird zerstört und verwüstet." Heiße Thränen entströmten den Augen der Mutter und fielen auf den Strumpf nieder, den sie noch immer in der Hand hielt. Was soll ich thun?" fragte der Lithograph achselzuckend, sie ist doch nun einmal meine Frau soll ich sie iodtschlagen?" Gott verhüte die Sünde! Sie ist Deine Frau, ja, das ist sie. Du hast es nicht anders gewollt, obwohl ich. Deine Mutter, auf den Knieen vor 'Dir gelegen und Dich beim Andenken an Deinen kurz vorher verstorbenen Vater angefleht und beschworen habe, das Weib, das Deiner unwürdig ist, nicht unter unser Dach zu bringen. Fahr nicht auf, Willy, werde nicht böse ich mache Dir ja keinen Vorwurf, geschehen ist leider geschehen, aber es gibt ja viele unglückliche Eben Mann und Frau passen nicht zu einander nun, da meine ich, ist es doch das beste sie geht rechts und Du links eine Scheidung ist unter diesen Umständen schnell erlangt und dann Willy, mehr Sohn, mein einziger Sohn, dann kann alles wieder gut werden. Du wirst wieder arbeiten und ein geachteter Mensch werden, ich führe den Haushalt und stricke und stopfe auch noch für fremde Leute und dann" ein Schimmer fröhlicher Hoffnung glitt über das eingefallene runzelige Gesicht dann wurde auch unsere Susanne wieder zu uns fom men " Der Affe!" unterbrach William sie rauh. Warum ist sie denn aus dem Hause gelaufen? Pah, das ist daS rdle Herz, das gute, liebe Kind. Weil

sie jetzt Geld verdien!. 58 Fraulein Suse, und es nicht mit uns theilen will darum läßt sie sich nicht mehr sehen ein nettes Musterkind!" William, Du lügst!" rief die Greisin, Du weißt es besser." Aber das ist der Dank." schrie der Lithograph, ohne den Einwurf der Mutter zu beachten, das ist der Dank, daß der Vater sie von derStraße heimgebracht, daß Du sie erzogen hast, als wenn sie Dein eigenes Kind wäre Suschen vorn und Suschen hinten, und das Beste war nicht gut genug für den Rothkopf. Na. das ist jetzt der Dank Flügel hab' ich ich fliege, und das Gefieder ist ja auch hübsch und bunt genug für so etwas gibt's genug Liebhaber in Berlin!" Der Alten war ihre Arbeit entsunken, mit zitternder Hand hatte sie ihren Stock ergriffen, und sich schwer auf ihn stützend, hinkte sie bis dicht vor den roh und höhnisch lachenden Mann hin. Die sonst so gütig blickenden Augen der Greisin ruhten zornerfüllt auf dem Gesicht ihres Sohnes, und ihre Stimme klang hart und scharf, als sie ausrief: Du .schlechter, verlogener Mensch! Du besudelst das Andenken an Deinen Vater und trittst seinen letzten Willen mit Düften. Hat er Dir nicht auf seinem Sterbelager das arme Kind an die Brust gelegt und Dich ermahnt, es zu beschützen und zu lieben wie ein Bruder? Und jetzt wagst Du es, das brave, unschuldige Kind zu beleidigen und in den Schmutz zu ziehen, in dem Du mit Deinem Weibe Dich wohl fühlst? Nun, jetzt will ich Dir sagen, weshalb Susanne sich und mir das Opfer gebracht hat, sich von uns loszureißen und ihre eigenen Weae zu gehen, weshalb ich sie in schlaflosen Nächten, die wir zusammen durchweint haben, hundertmal beschworen habe, es zu thun. Susanne durfte nicht vergiftet werden durch das Gift, das sie in Eurer Nähe 'mit jedem Athemzug in sich aufnehmen mußte sie sollte das ruinirende Beispiel Deines gesunkenen, elenden Weibes nicht beständig vor sich haben. Das, das war's, was sie forttrieb, und wenn ich auch unter der Qual dieser Trennung zu Grunde gehen muß ich segne die Stunde, da das reine, unverdorbene Geschöpf diese Hölle zum letztenmal gesehen hat." Gellendes, hohnvolles Lachen ertönte aus dem Ncbenraum, und im nächsten Moment tauchte die Gestalt der irischen Maggie vor der betroffen zurückweichenden Greisin auf. Da haben wir sie doch endlich einmal erwischt, die alte Hexe, die immer so fromm und still thut," schrie das Weib. Verleumdung! Das ist es, was sie treibt unsere Ehe will sie zerstören, und ich wette, sie bringt es noch fertig." Unsinn. Maggie sie hat es nicht so gemeint." Nicht so gemeint! Hab' ich's nicht mit diesen Ohren gehört, wie sie Dir den Rath gab. Dich von mir scheiden zu lassen, mich aus dem Hause zu jagen? Und jetzt erzählt sie Dir, ich wäre ein gesunkenes, elendes Weib, das andere schon durch ihre Nähe vergiftete." Ja, das habe ich gesagt." rief die Greisin mit Nachdruck und Festigkeit. Damned! Und das läßt Du Dei, ner Frau sagen. Du Feigling, Schwächling! Pfui. Du bist kein Gentleman der würde so ta altes Weib ?uf die Straße stoßen, wenn sie seine Frau, eine Lady, beleidigt!" Ja, Mutter, Du kümmerst Dich auch um Dinge, die Dich nichts angehen." polterte der elende Sohn heraus, ich habe mit Maggie zu leben, und mir gefällt sie so wie sie ist verstanden? Mir gefällt sie!" Dann lebe mit ihr." preßte Frau Strohbach dumpf hervor, bis Du im Zuchthaus endest!" Das Ehepaar wechselte einen schnellen Blick, das letzte Wort mußte sie in ganz eigenthümlicher Weise getroffen haben. Maggie fprang auf die Greisin zu und umklammerte ihren Arm mit eisernem Griff. Was willst Du damit sagen," zischte sie, hast Du etwas gesehen, kannst Du etwas beweisen?" Laß mich los." sagte die alte, Frau, Du thust mir weh." Ich will Dir weh thun, hörst Du, ich will, weil Du eine Spionin bist. So frage Du sie doch, William, mir antwortet sie nicht. Rede, sprich gestehe, was hast Du gesehen?" O Gott. Du brichst mir den Arm!" stöhnte die Unglückliche, die von der herzlosen Furie bis in die Mitte des ersten Zimmers gezerrt worden war. Ich frage nicht lange," rief der Lithograph mit heiserer Stimme, ich drohe auch nicht lange, ich sage nur, daß ich jeden kalt mache, der sich um meine Angelegenheiten kümmert oder zu anderen darüber spricht." Das wird sie längst getyan haben. Was hast Du dem Doctor erzählt, zu dem Du jetzt immer hinhinkst. Da kann sie laufen, da kann sie ihr Bein brauchen, aber nicht arbeiten, mir im Hause helfen was hast Du dem Doctor berichtet von uns, oder dem blassen, hochmüthigen Weibsbild, das Dich in's Krankenhaus hat bringen lassen?" Ja, was hast Du geklatscht. Alte? Meine Frau hat ganz recht Du bist eine Spionin, vor der man sich in .Acht nehmen muß." Hör' ihn nicht, lieber Gott," jammerte die Dulderin, vergieb ihm. wie ich ihm vergebe o web, mein Arm mein Arm!" Zurück, ihr elenden, erbärmlichen Menschen, zurück von der schwachen Frau oder die Polizei ist im Augenblick hier ich .rufe das ganze Haus zusammen. Mutter, Mutter was haben sie mit Dir gemacht, Mütterchen?" Suschen SuZchen!" Mit glückseligem Ausschrei sank die

Greisin an die Brust M 5?Aen Madchens, das urbemerkt eingetreten war und nun die Arme weit geöffnet hielt, sie zu- empfangen. Mit feindfeligen Blicken starrten der Lithograph und seine Frau auf die Eingetretene, welche der gemarterten Frau zu Hilfe kam, doch rmigten sie nicht, sie zu hindern, als sie die fast ohnmächtige Greisin zu einem Stuhl führte und fanft darauf niederließ. Was ist hier vorgefallen?" fragte sie dann, das Ehepaar Strohbach verächtlich musternd. Ich glaube beinahe, Ihr habt Euch an der Mutter vergriffen. Zutrauen könnte man es Euch schon, obwohl es ungeheuerlich scheint, daß ein Sohn sich so weit vergessen kann." Nein, Suschen, nein," versicherte die alte Frau, es war nichts von Vedeutung. Und jetzt, da Du bei mir bist, ist alles gut und alles vgessen." Läßt sich die Prinzessin doch einmal sehen," nahm William das Wort, ich glaubte schon, wir wären ihr nicht mehr fein genug." ' Ich kam nicht zu Euch, fondern zu ihr." site Susanne mit rücksichtsloser Offenheit. Und die noblen Kleider, die sie trägt," ließ sich Maggie vernehmen, da muß sich Unsereins natürlich verstecken." Jedenfalls haben meine Kleider den Vorzug, sauber zu sein." Das moderne helle Jackett und der Hut mit den schwarzen Straußfedern na. Dir scheint es ja recht gut zu gehen." Ja, Gott sei Dank, es geht mir gut, weil ich arbeite, bei Euch ist, wie ich sehe, noch das alte Elend kein Wunder! Komm, Mutter," fuhr sie dann fort, laß uns in Deine Kammer gehen, Mutter. Stütze Dich auf mich lieber Gott, wie mühsam Du noch gehst. Will's denn gar nicht hesser werden mit dem Bein?" He, Susanne, auf ein Wort! Der Lithograph winkte seiner Pflegeschwester zu. mit ihm beiseite zu treten, als diese schon die Schwelle der Kammer erreicht hatte. Was willst Du?" fragte Susanne kurz. Da Dir's so gut geht," murmelte William Strohbach mit vertraulichem Augenzwinkern, da wär's, meine ich, nicht mehr als recht. wen Du Deinem armen Bruder einmal unter die Arme greifen thätest." Du willst Geld?" Kein Brot im Hause. Es geht uns schandbar schlecht." Warum arbeitest Du nicht? Du bist ein großer, starker Mann, wenn es auch vielleicht in Deinem Beruf äugenblicklich keine Arbeit für Dich gibt. Leute, die anfassen können, werden immer gesucht." Du redest, wie Du es versiehst. Was habe ich nicht schon angefangen, wo habe ich nicht schon nachgefragt! Frauenzimmer finden leichter ein Unterkommen." Schon gut. Ich verdiene auch nicht viel und muß mich einrichten. Hier hast Du einen Thaler, aber kaufe keinen Schnaps dafür." Danke fchön, Suse. Am Ersten gebe ich Dir das Geld zurück, und wenn Du dann vielleicht was brauchst " Laß nur, wegen der Wiederbezahlung brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen, und Deine Gefälligkeit werde ich schwerlich in Anspruch nehmen." Na dann nicht, liebe Seele." rief der Lithograph, warf den Thaler bis zur Zimmerdecke in die Höhe, fing ihn geschickt wieder auf und drückte ihn dann seiner Frau in die Hand. Hol Madeira, schnell." lachte er, und was zu essen, mir knurrt der Magen." Die Z?rau warf sich ein gestricktes, an mehreren Stellen zerrissenes Tuch um die Schultern und ging, den Madeira" herbeizuholen, sie . wußte, was ihr Mann darunter verstand und theilte seine Leidenschaft für das gebrannte Gift. Susanne war indessen zur Mutter in die Kammer getreten und schob hastig den Riegel von Innen vor die Thür. Welche Menschen!" rief sie dabei aus. Sie haben auch den letzten Rest von Scham und Ehre verloren und sind jetzt nicht besser als Thiere." Darum ist es unrecht, daß Du noch einmal in dieses Haus zurückgekommen bist", sagte Frau Strohbach. Hattest Du mir nicht mit Hand und Mund versprochen, daß Du niemals wieder die Schwelle überschreiten würdest?" Ich vermochte meinem Versprechen nicht treu zu bleiben, Mutter. Wußte ich Dich nicht in ihrer Gewalt? Und Deine versprochenen Briefe blieben aus." Ja, ich schrieb Dir nicht, weil ich glaubte, es sei besser. Du hörtest gar nichts mehr von uns ; was hätte ich Dir auch mittheilen sollen, was Dein Herz nicht tief bekümmert hätte! Hier ereignen sich nur häßliche und traurige Dinge." Susanne hatte sich auf die Fußbank niedergelassen, nachdem sie Hut und Jackett sorgsam auf das Bett niedergelegt. Sie nahm jetzt beide Hände der Greisin in die ihren und drückte sie zärtlich an ihre Lippen und ihre Brust. Dabei schaute sie bittend zu ihr empor. Mutter", flehte sie, komm mit mir. Mein Stäbchen ist klein, aber für uns beide hat es schon Platz. Du gehst hier zu Grunde, und ich bin täglich und stündlich deinetwegen in Sorgen. Und sieh, es ist ja auch nicht gut, daß ich allein, so ganz allein bin. Auch mir würde manches dadurch erleichtert, wenn .ich dich zurSeite hätte." Die Greisin schaute sinnend vor sich nieder, sie überlegte, sie kämpfte mit sich. .Es seht nicht, Kind, eö darf nicht

sein", entschied sie. Wie gerne ich noch das bißchen Sonnenschein einheimsen möchte, das mir ein Zusammenleben mit dir auf meine alten Tage gewähren würde! Du weißt ja, wie mein Herz Dir gehört und mich zu Dir zieht. Aber Suschen, ich habe eine Pflicht zu erfüllen, und die hält mich hier fest. Er ist ja doch mein Sohn, ich habe ihm das Leben gegeben in Schmerz und Hoffnung und Schmerz und Hoffnung sind es, die mich auch jetzt noch an ihn fesseln der Schmerz, daß es so weit mit ihm gekommen ist, und die Hoffnung, Gott möge ihn erleuchten und auf den rechten Weg zurückführen. Das eine aber weiß ich gewiß: wenn ich von ihm ginge, dann wäre fein letzter fchwaeher Halt dahin, und das Weib würde ihn ganz hinabführen in Sünde und Verderben." Mutter", rief Susanne, mit Thranen kämpfend, Du bist eine Heldin!" Das ist jede Mutter, wenn sie um ihr Kind kämpft", klang es von den Lippen der Greisin zurück, ich darf von meinem Posten nicht weichen, bis auch ich wie unser Herr und Heiland in seiner Noth ausrufen darf: es ist vollbracht!" Schweigen herrschte einige Minuten lang in dem kleinen Raum, die beiden Frauen hatten sich tiefbewegt kbtNicht wahr. Suschen", begann die Greisin wieder, nun bittest Du mich auch nicht mehr, daß ich mit Dir gehen soll?" Nein, Mutter." Und nun, Kind, erzähle mir von Dir. Bist Du noch in deiner Stellung?" Ja, beim GeheimenJustizrath Doctor Friedrich Gallus, oder wie er sich viel lieber schlechthin nennen hört, beim Doktor Gallus. Ach, Mutter, das ist ein Mann! Zu dem kann man nur emporsehen, und jeder sollte streben, ihm ein wenig ähnlich zu werden." Sieh einmal an," lachte Frau Strohbach, ganz Feuer und Flamme! Das bin ich ja von meinem überlegten, scharf prüfenden Suschen gar nicht gewöhnt. Wie alt ist denn der Doctor Gallus?" Das Mädchen lachte auf. Du bist zur Diplomatin nicht geboren, Mutter, Du fällst zu schnell mit der Thür ins Haus. Nein, Du brauchst gar keine Furcht zu haben, daß deine Susanne ein anderes Gefühl für ihren Chef hegen könne, als Ehrfurcht, wahre, tiefe Ehrfurcht, die ihm von allen Seiten entgegengebracht wird. Doctor Gallus ist wohl an die fünfzig Jahre, sein Bart ist grau, und leider ist er ein wenig verwachsen. Aber weißt Du, Mutter, die hohe Schulter, die bemerkt man schon am zweitenTage nicht mehr, wenn man den Genuß hat, mit diesem geistreichen, so weitgehend unterrichteten Mann zu verkehren. Er ist unverheirathet, und das begreife ich ganz gut, daß ihn keine Frau erobern konnte, er hat eben keine gefunden, die ihm an Seele und Geist ebenbürtig gewesen wäre." Ist er gut gegen Dich, Kind?" Er ist gegen alle Menschen gütig", rief Susanne mit leuchtenden Augen. Solange ihn jemand nicht getäuscht hat, vertraut er blindlings, doch ebenso abweisend und streng kann er denjenigen behandeln, der ihn einmal hintergangen." Worin besteht denn Deine Thätigkeit?" Ich bin seine Stenographin, bediene die Schreibmaschine, die er auf meinen Rath aus Amerika bezogen hat, ab:r ich bin ihm dadurch besonders nützlich, daß ich die englische Correspondenz erledigen kann, da Doctor Gallus einige hervorragende Londoner und New Jorker Handelshäuser vertritt." Bist Du mit deinem Gehalt zufrieden?" Ich kann ganz gut damit auskommen und von meinen großen Schulden ein weniges abtragen." Frau Strohbach schob ihre Brille mit schnellem Ruck auf die Stirne, ihr ehrliches Gesicht verrieth Bestürzung. Schulden?" stieß sie hervor, ich habe doch nicht recht gehört, Du hast Schulden?" O, s5 unendlich hohe, daß ich sie nie im Leben bezahlen kann, es gibt auch eigentlich keine Münze, in welcher man diese Schulden tilgen könnte, und das hier. Mutterchen, das dumme goldene Ding hier bildet nur einen schlechten, schwachen Ersatz." Susanne hatte sich erhoben und hastig ein Zwanzigmarkstück hervorgezo gen, und während sie jetzt die Münze in die Hand der Greisin drückte, überzogen sich ihre Wangen mit holdem Roth, welches Freude und Scham in ihr aufglühen ließ. Frau Strohbach wollte die ihr zugedachte Gabe zwar durchaus nicht annehmen, aber das junge Mädchen schmeichelte und bat so beharrlich, daß die alte Frau schließlich' nachgab und mit dem Versvrean, sich Erfrischungen und stärkende Nahrungsmittel kaufen zu wollen, das Goldstück behielt. Du bist noch in deiner alten Wohnung?" fragte sie, während sie das Geld in ein Papier wickelte und sorgsam in ihrer Matratze verbarg, eine Vorsicht, welche Susanne mit beifälligem Kopfnicken begrüßte. Ja, Mutter, ich wohne immer noch Prenzlauer Allee 6, aber ich werde wohl meine Wohnung wechseln müssen." So, bist Du mit deinen Wirthsleuten unzufrieden, oder was ist es sonst? Du lobtest doch letzthin dein Stübchen sehr, es sei behaglich, sauber. undDu genössest eine herrliche Aussicht aus den Botzowberg?" Mein Stübchen besitzt auch heute noch diese Vorzüge, und der Schneider-

meiste? Grün und seine Frau, bei denen ich wohne, sind drollige Leute und brav obendrein, aber es ist eben zu weit nach dem Bureau, das in der Kronenstraße liegt." Genügt Dir der Omnibus denn nicht?" Doch schon hatte Susanne sie umschlungen und flüsterte ihr lachend zu: Ich habe Dich soeben belogen, Mutterchen. ?s ist ja ein anderer Grund, der mich aus meinem gemüthlichen Heim vertreibt." Ein anderer Grund? Hm, hm also ein Mann?" Das ist so kurz nicht zu beantworten. Doch räume ich Dir ein, daß Du so ziemlich das Richtige getroffen hast. Ich will Dir alles erzählen. Komm, laß uns hier auf deinem Bett nebeneinander Platz nehmen, ich lege meinen Arm um Dich, und nun höre." Was werde ich da zu hören bekommen," feufzte FrauStrohbach, wenn's nur nicht eine neue Sorge ist." Es war an einem der letzten Sonntage", erzählte Susanne ihrer Pflegemutter weiter, der frisch ' gefallene Schnee lag noch auf den Straßen, als ich Lust bekam, einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Wenn man die ganze Woche im Bureau arbeitet und nur Aktenluft zu schlucken bekommt, wird man am Sonntag von einer geradezu krankhaften Sehnsucht ins Freie getrieben. So sehnsüchtig wurde mir gegen Mittag plötzlich ums Herz. Mit drei Sprüngen war ich angekleidet und hinaus. Der Omnibus brachte mich unter die Linden, wo die WachtParade soeben mit klingendem Spiel aufzog, ich aber wanderte weiter und war bald im Thiergarten. Du weißt, ich liebe nicht die abgetretenen Pfade, ich schlug mich daher ein wenig in die Büsche und befand mich bald auf einem prächtigen Seitenweg in der Nähe des großen Sterns. Es war eine Lust, so einsam zu wandern, die Luft krystallklar und frisch, der gefalleneSchnee fest gefroren und die Bäume von Millionen weißer Corallen besäet so schien es wenigstens. Lange blieb ich allein, dann kam mir ein Herr entgegen." Alt?" fragte die aufhorchende Frau Strohbach. Alt! Aber Mutter, wenn einem jungen Mädchen an einem fo herrlichen Sonntag auf einem so einsamen Wege ein alter Herr begegnen sollte das müßte ja gar nicht mit rechten Dingen zugehen oder ein Unglück bedeuten. Nein, alt war er nicht, doch auch kein junger Mann mehr, aber vornehm und intelligent sah er aus. Ich wollte an ihm vorüber, doch als er noch drei Schritte von mir entfernt war, blieb er plötzlich wie angewurzelt stehen, heftete seine Blicke auf mich, als habe er einen Geist gesehen, und er mußte wirklich heftig erschrocken sein, denn Leichenblässe bedeckte sein Gesicht. Als ich das wahrnahm, fragte ich ihn theilnehmend, ob ihn ein plötzliches UnWohlsein befallen habe, und ob ich ihm beistehen könne. Der Fremde aber schüttelte den Kopf, und ohne auch nur einen Blick von mir abzuwenden, lüftete er artig den Hut und sagte mit einer Stimme, der ich eine tiefe Erregung deutlich anhörte: Vergeben Sie mir mein ungewöhnliches Benehmen, mein Fräulein, und auch die Freiheit, mit welcher ich für einige Augenblicke Ihren Weg behinderte. Eine seltsame Aehnlichkeit, die ich in Ihren Zügen zu finden glaubte, die Aehnlichkeit mit einem Gesicht, welches ich soeben im Gedanken zu fehen wähnte noch einmal, feien Sie mir nicht böse es war ein Irrthum." Er grüßte tief und ehrfurchtsvoll, trat zur Seite und ließ mich an sich vorübergehen. Aber kaum hatte ich einige Schritte zurückgelegt, als der Herr wieder an meiner Seite war. Da er sich artig und taktvoll benahm, duldete ich seine Begleitung, und wir gingen zusammen wohl eine halbe Stunde lang. Sein Gespräch war angenehm, anregend und belehrend, ich vergaß ganz, daß er mir ein Fremder fei, mit dem mich ein Zufall foeben erst zusammengeführt, und plauderte lebhaft und rückhaltlos mit ihm. Nur vermied ich es auf das Peinlichste, irgend einen Gegenstand zu berühren, der meine eigenen Verhältnisse betraf, oder auch ihm meinen Namen zu nennen. Vielleicht wäre ich auch noch weniger befangen gewesen und hätte nicht so sorgsam darauf geachtet, mein Jncognito zu bewahren, wenn es mir nicht unangenehm aufgefallen wäre, daß mein Begleiter mich beinahe beständig von der Seite betrachtete mit Blicken ja, du wirst es kaum für möglich halten, Mutter mit Blicken, die ein tiefks Interesse bekundeten. Trotz seiner liebenswllrdigen Conservation wurde mir der Herr doch ein wenig unheimlich, und ich war recht zufrieden, als wir die Charlottenburger Chaussee erreicht hatten, wo ich mich mit Anstand verabschieden konnte. Ich danke Ihnen, mein Fräulein", sagte er sich verneigend, für den reizenden Spaziergang, den Sie mir an Ihrer Seite gewährten. Wenn er Ihnen auch nur einen kleinen Theil des Genusses verschafft hat, wie mir, so würden Sie den. Wunsch hegen, ihn an irgend einem Tage dieser Woche zu wiederholen." Ich bedaure, diesen Wunsch nicht hegen zu dürfen," antwortete ich, da ich während der Woche unausgesetzt thätig sein muß." Gut, dann also nächsten Sonntag." Werde ich nicht in Berlin sein," gab ich nach einiger Vorbereitung für die kleine Nothlüge zur Antwort. Lassen Sie uns also unser Wiedersehen auf den zweiten Sonntag von heute festsetzen," bat er. Da bin ich von einer Freundin ein geladen

Er schüttelte unmuthig den Kopf. Sie verzichten also auf eine Wiederholung unserer Begegnung?" Und ehe ich ihm ein offenherziges Ja" erwidern konnte, fügte er hinzu: Ich begreife, weshalb Sie mich durch beharrliche Ablehnung bestrafen, ich verfäumte bisher, mich Ihnen vorzustel--len. Ich bitte dieserhalb um Entscvuldigung und hole es nach: Baron Hans v. Rheden." Jetzt stand ich am Scheidewege. Nannte ich ihm meinen Namen, so wandelte ich selbst die flüchtige Begegnung in eine Bekanntschaft um. Ich neigte daher grüßend das Haupt und wandte mich mit einem leisen Lebcn Sie wohl, Herr Baron", zum Gehen. Da rief er in leidenschaftlich erreg tem, beinahe flehentlich bittendem Ton: Nein, gehen Sie nicht fo von mir, Fräulein. LassenSie mich wenigstens, wenn ich mich dieser Stunde erinnere, wissen, mit wem ich sie ver lebt habe. Ich gab Ihnen meinen Namen und bitte herzlich um den Jhrigen." Aber ich blieb fest. Es ist besser, Herr Baron," rief ich, daß ich Ihnen unbekannt bleibe." Und ich eilte davon. Er aber blieb stehen und schaute mir lange, lange nach." Also ein Baron?" sagte Frau Strohbach nachdenklich. Hast ' klug und recht gethan. Suschen, daß du die Sache kurz abgebrochen hast. Ss ein vornehmer Herr was kann der von einem armen Mädel wollen? Da ist ein Unglück immer nahe." Siehst Du, Mutter, etwas Aehnli ches habe ich mir auch gedacht. Zwar, er sah nicht aus, als ob er schlecht und herzlos sein könne, dafür hatte er viel zu gute, treue Augen, aber wozu sollte es führen? Der Ruf eines alleinstehenden Mädchens ist schnell dahin und , der Seelenfrieden noch rascher. Und was hätte nur Doctor Gallus gesagt, wenn er jemals erfahren nein, nein, es ist so am besten! Aber einer großen Gefahr bin ich dabei entgangen." Einer Gefahr?" fragte die Greisin. Ja, Mutter, denn um ein Haar hätte der Baron meinen Namen ersahren. Nur ein Zufall hat das verhin dert. Denn, denke Dir, der Herr muß mir an jenem Sonntag, nachdem wir voneinander geschieden, gefolgt sein und zwar fo weit, daß er meine Wohnung ermitteln konnte. Ich habe ihn nicht hinter mir gesehen und vermag mir kaum zu erklären, wie er es cngefangen. Aber es ist Thatsache, daß zwei Tage später ein eleganter Hmeinen Wirth, den Schneidermeister Grün, besuchte, einen theuren Anzug bei ihm bestellte, und dabei den kleinen Mann so ganz unter der Hand über mich auszufragen suchte. Der kleine Herr Grün ich habe ihn Dir ja schon beschrieben: er ist kaum größer als ein zwölfjähriger Junge und dabei von urkomischer Gelenkigkeit war zunächst auf's höchste entzückt über den fo ganz von ungefähr in's Haus geschneiten Kunden, dem nur dasFeinste gut genug war, der gar nicht den Preis zu hoch fand und fofort im voraus erlegte, aber als er merkte, worauf der vornehme Herr hinaus wollte da wurde der gesprächige Herr Grün doch sehr zugeknöpft und schickte seinen famosen Kunden mit einer anstän digen Lüge heim." Gott verzeih sie dem braven Mann, er wurde in Deinem Interesse zum Lügner." Ja, er ist ein braver Mann, der kleine Schneider; as er mir beim Vermiethen seines Zimmers versprach, das hat er redlich gehalten. Damals erzählte ich ihm auf Deinem Rath, Mutter.offen und frei meine Familien Verhältnisse, und gestand ihm den Grund, der mich aus dem Hause mei nes Bruders fortzugehen veranlaßte. Da ich nun von William und seinem Weibe nicht aufgefunden werden woll te, jedoch sicher war, daß sie mir nach spüren würden, bat ich Herrn Grün, niemand, der nach mir fragen würde, ohne meine vorherige Einwilligung meinen wahren Namen zu nennen. Und das hat mein vortreffliches Schneiderlein auch streng durchgeführt. Als der Herr Baron von ihm fortging, wußte er nur, daß ich Hedwig Schultz heiße und in einer Blumenfabrik auf der Friedrichstraße beschäftigt sei." Wie der aber lügen kann, der kleine Schneider!" Er that es, weil er und seine Frau mich gern haben." Nun, und beruhigte sich der Herr Baron mit dieser Auskunft?" Nein, er kam vor drei Tagen wieder und bestellte einen Ueberrock. Natürlich hatte er es so eingerichtet, daß er gerade um die Zeit, in welcher Arbeiterinnen heimzukommen pflegen, in der Werkstatt des Meisters saß. Der arme gute Herr mußte sich jedoch mit der Gesellschaft des Grünschen Ehepaares begnügen, denn ich kam erst gegen neun Uhr aus dem Bureau. Jetzt aber habe ich beschlossen, um den Nächste!lungen des Barons zu entgehen, die Wohnung zu wechseln, wovon die Grüns natürlich nichts hören wollen. Ich bin ganz unglücklich, daß ein soleher hochstehender Mann, Millionenreicher Bankier, nichts Besseres zu thun weiß, als ein armes Mädchen in einen falschen Verdacht und um ihr bißchen Ruf und Ansehen zu brin gen. Woher weißt Du denn, daß Herr v. v. " Rheden," ergänzte Susanne schnell, Baron Hans v. Rheden." Daß er Bankier und Millionär ist? Hat er Dir das auch im Thiergarten erzählt?" . (Fortsetzung folgt.) -Unseren Dichtern geht es zetzt meist gut, aber den Musen meist schlecht. ...

Aür die Kuchc.

Suppe von Hühnerresten. Man zerstößt den ganzen Ueberrest, lochen, Fleisch- und Füllungstheilchen fein im Mörser, bräunt die Masse dann mit Butter oder Rindsfett und einer Zwiebel scharf an und füllt mit kochendem Wasser (drei bis vier Teller voll auf ein Huhn, gerechnet), worein noch etwas Suppengrün, Gelbrübe und Sellerie gegeben wird. Nach zweistündigem Kochen schüttet man die Brühe durch ein Haarsieb, richtet sie über einem Eigelb an und gibt geröstete Semmelschnitten dazu auf den Tisch. Junge Erbsen nach französischer Art. Die ausgebrochenen Erbsen werden in frischem Wasser gewaschen, in einem anderensauberen Wasser mit einem Viertel Pfund süßer Butter in einer Kasserolle mit einem zusammengebundenen Salatlopf. einer kleinen Zwiebel. Nelke, kleinem Lorbeerblatt, ein wenig Zucker und einem kleinen Schöpflöffel guter, weißer Bouillon weich gedämpft, auf einen Seiher geschüttet und die abgelaufene Brühe mit weißer Sauce (Allemande) ziemlich dick eingekocht. Zwiebel, Nelke, Lorbeerblatt sowie Salatkopf werden herausgenommen und letzterer nudelartig geschnitten, mit den Erbsen in die Sauce gethan. 2 Eigelb mit einem Eigroß süßer Butter darunter gemischt und nach Geschmack gesalzen, dann servirt. Büchsen-Erbsen werden, wenn sie heih und abgetropft sind, in die fertig gestellte und legirte Sauce gegeben. Warme Resterschüsfel. Hierzu können Bratenreste aller Art verwendet werden. Ein halbes Pfund Reis wird in Wasser ausgequollen, doch nicht zu weich. Dann schüttet man diesen in eine tiefe Schüssel, giebt 3 4 gut gewässerte, fein gewiegte Heringe und alle Bratenreste sowie eine in Butter gedämpfte, feingeschnittene Zwiebel dazu, und verrührt alles mit einem Ei und etwas Milch. Die Masse schüttet man in eine gut ausgebutterte, mit Semmelbröseln ausgestreute Blechform, legt obenauf Butterstückchen und Parmesankäse oder sonstige geriebene Käsereste und läßt das Gericht 1 Stunde bei mäßiger Hitze goldig gelb backen. Gebrate nesSuppenhuhn. Man richtet das- Huhn wie eine Gans zu, d. h. man hackt die Flügel bis auf kurze Stümpfe ab, schneidet den Hal5 möglichst tief heraus, die Füße über den Kniegelenken ab. Kopf und Füße werden sauber zugerichtet, Snabel und Krallen abgehackt, die Augen ausgestochen. die Haut von den Beinen durch Abbrühen entfernt. Dieses Kleinwild mit Herz, Magen und Leber in einem Töpfchen extra gekocht, ohne weiteren Zusatz als Salz und einen halben Kaffeelöffel voll Fleischextrakt. Die Henne legt man in einen Schnellbrater und kocbt sie zwei Stunden in SalzWasser, das sie nur knapp bedecken darf. Alsdann wird sie herausgenommen und in gebräunte Butter gelegt, in welcher man ihr von allen Seiten Farbe gibt und sie noch eine Stunde braten läßt. In das Innere schiebt man ein Sträußchen grüner Petersilie; auf die Brust sind zwei Speckscheiben zu legen. Etwas gestoßener schwarzer oder weißer Pfeffer erhöht ganz wesentlich den Gefchmack. Zum Zugießm nimmt man die Brühe vom Klein", welche die Sauce ebenso kräftig wie feimig erscheinen läßt. Nöthigenfalls verdickt man sie mit einem Löffelchen Mehl. Die Brühe, worin das Huhn zuerst kochte, verwendet man nach Hinzufügen von etwas Suppengewürz zu einer Reis- oder Nudelsuppe. Kalte Meerrettichsauce mit Eiern. Diese Sauce paßt sehr gut zu Fisch, gepökeltem und geräuchertem Rindfleisch. Pökelzunge und so weiter. Von zwei hartgekochten Eiern zerdrückt man die Dotter mit einem Holzlöffel und verrührt diefelben nach und nach mit 3 4 Eßlöffeln Weinessig und einer Prise Salz. Zuletzt mengt man drei Löffel fein geriebenen Meerrettich darunter. Kartoffelpudding. 13 Unzen geriebene Kartoffeln werden mit zwei Eßlöffeln Mehl. 6 Eigelb, etwas feingeschntttenen Mandeln, 4 Eßlöffeln Zucker und 3z Unzen Butter schaumig gerührt, bann wird die abgeriebene Schale ein.'r halben Citrone, ein wenig Salz uni) zuletzt der Schnee der 6 Eiweiß darunter gerührt. Die Masse füllt man in eine mit Butter ausgestrichene Form, kocht sie ca. 1 Stunde und giebt sie mit einer Obstoder Vanillensauce auf den Tisch. Sardellenbutter. Ein halbes Pfund Sardellen werden gut abgewaschen, nicht gewässert, entgrätet und gereinigt, dann zu einem ganz feinen Brei verwiegt und durch ein feines Sieb gestrichen. Nun verrührt man dies mit einem halben Pfund guter Butter, füllt in ein hübsches Gefäß und verwendet es nach Bedarf. Natürlich läßt sich vom Ganzen auch irgend ein Mehr oder Weniger nehmen. Feine Kalbsvratensauce. Nachdem man je ein Viertel Pfund feingchacktes Rindfleisch, Kalbfleisch und Schinken mit genügend Butter, einigen Zwiebeln, etwas Pfeffer, Lorbeerblatt und einigen Nelken fest zugedeckt längere Zeit gedünstet hat, gießt man ein Quart frische Sahne auf und läßt kochen. Einige Kapern und ei Glas Madeira sind nicht unbedingt nöthig, verfeinern aber den Geschmack. Zuletzt seiht man die Sauce 'durch und schmeckt mit dem nothigen Salze ab. Um zaheö ; Fleisch bald weich zu kochen gießt man nach dem Abschäumen des Fleisches etwas Rum (auf 8 Pfund einen Löffel voll) hinzudas härteste Fleisch wird hierdurch erweicht, ohne im Geringsten nach Run tu schmecken.