Indiana Tribüne, Volume 21, Number 257, Indianapolis, Marion County, 5 June 1898 — Page 2

Der Kachl'-Blng. Ton Oscar Geller. Im -Haufe tes reichen BäckermeZ, stcrs Wlabimfr Andrejewitsch Jers koi war große Gesellschaft. WaS in Moskau nur etwas galt, Namen und Rana hatte, hatte sick bei dem Millio-

när und Armeelieferanten eingefun' oen. Diesmal war die Gesellschaft besonders groß und besonders vornehm, wartete ja aller die Ueberraschung, daß sich die Tochter des Hausherrn, die reizend: Olga Marianowna, mit dem Grafen Osiep Krynowitsch Kazkow verloben sollte. Der Millionenreiche Bäckermeister durfte sick schon den Scherz gestatten, sich einen Grafen eis Schwiegersohn zu nehmen, wenn dieser Graf auch weiter nichts hatte, als eine sehr bewegte Bergangenheit. seinen Titel und die dazu gehörigen Schulden. Während die Damen im kleinen französischen Salon gezuckerte Mandeln knusperten und durch lanae Strohhalme Limonade sogen, hatten es sich d:e Herren im Rauchzimmer des Gastgebers bequem gemacht. In der Gruppe befand sich auch ein kleiner, weißbärtiger Herr in langem, schwarzem Rock, irgend ein Gelehrter, correspondirendes Mitglied vieler Gesellschaflen und Präsident einiger Vereine, die sich mit Numismatik. Alterthumsforschungen und ähnlichen gelehrten Dingen befaßten. Eben hielt er inigen jungen Herren, die ihn durch seine Gattin, eine junge Schönheit, die er vor kaum zwei Jahren geheirathet hatte, kannten, eine Vorlesung über altpersische Kunst. Da näherte sich der Gesellschaft der Herr Graf. Er hatte im Spiele verloren, sehr viel verloren, er wollte nun eine kleine Pause eintreten lassen. Der Professor begrüßte ihn sehr ehrerbietig und fragte dann: Was 'haben Sie da, Herr Graf, für einen prächtigen Ring?" Habe ihn von einer schönen Frau bekommen", warf der Graf leicht hin. Von einer schönen Frau?" wiederholte der Professor langsam gedehnt, den Grafen anstarrend. Hm, sehr merkwürdig. Auch ich hatte einen solchen Ring denselben herrlichen geschnitzten Türkis. Dieser Ring ist ein echter Türkestaner, ein sogenannter Rachering. Die Türkestaner pflegten diese Zauberringe jenen Personen zu schenken, die sie von den Göttern verderbt sehen wollten." Sehr interessant, wirklich interessant", murmelte der Graf und wandte sich wieder zu den Spielern hin. Aber die Gedanken und Erinnerungen ließen ihm keine Ruhe. Vor seinem Geiste tauchten längstvergessene Bilder auf. Er sah das blutjunge, schöne Weib vor sich, das an den alten Mann gefesselt war, der es nicht verstcnd und nicht begriff, denn er lebte ein Leben jenseit der Empfindungen der verlangenden Jugend. Die Entfremdung zwischen den Gatten wuchs von Tag zu Tag, denn sie verstanden sich immer weniger, bis schließlich der häßliche Riß da war. daß der Dritte durch das Hinterthürchen in das fremde Gluck schlüpfte wie ein Dieb in der Nacht. . Dieser Dritte war der Graf ! Er riß das fremde Weib an sich, er bestahl den ahnungslosen Gelehrten um das Glück, um die Ehre seines Hauses und erfüllte die Gedanken der thörichten Frau fo mit Abenteuerlichleiten, daß sie sich in seine Arme warf und erglühte in sündhafter Liebe. In solch einer Stunde steckte sie den turkestanischen Zauberring an seinen Finger. Ich habe diesen Ring von meinem Mann", sagte sie, er ist ein Racherinz aus Turkestan, ein fürchterlicher AlChari. Wenn Du mich je verlässest, dann möge er mich an Dir rächen. Dich verderben. . ." Der Graf lächelte und besah genau den merkwürdigen Ring. . . Aber jetzt, an seinem Verlobungstage, inmitten dieser glänzenden Gefellschaft, ßeim Wein und Kartenspiel, muß er fort und fort an jene dumme Scene denken, an den drohenden Fluch des Ringes. ... Es wird ihm ganz schwül zu Muthe, so beklommen. . . . Unwillig streift er den schrecklichen Aauberring vom Finger ab. Er will ihn zitternd in die Tasche stecken, aber der Al-Chari entgleitet ihm und rollt über den Boden hin. Einige Diener wollen sich rasch bücken, der Graf stößt sie wüthend zurück, er selbst will ihn aufheben, ... er sieht ihn ja sehr genau, wie er groß wird, 'wie er wächst, und wie er hart rollt, da. . . zum Bslkon. . . er will ihn haben, er will ihn zertreten, zerbeißen, vernichten. . . Der Ring wird ihn nicht mehr narren. Er -sieht ihn ja d?ullich, wie er vom Balkon niederschwebt, in Nacht, in's Leere. . . Der Graf stürzt ihm nach, lautlos. in die Tiefe, wo er mit zerschmetieeien Glieder liegen bleibt. .. Im selben Augenblick trat lächelnd und glücklich der Bäcker in den Salon, um die Gäste zur Tafel zu bitten. Nur seine Tochter wartete auf den Bräutigam. Im Restaurant. Stammgast: Aber, Herr Oberkellner, das war heute wieder eine kleine Portion! Ich habe doch sonst immer zwei Stücke bekommen!" Oberkellner: Ganz richtig da m:ß die Köchin rein vergesseit habcn, das tück durchzuschneiden!" FataleFrage. Wir Deutschen," donnerte Herr Bierschlucker, fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt!" Ei, Herr Bierschlucker, warum ziehen Sie denn," ertönte eine freundliche Stimme aus dem Hintergründe, immer die Stiefel aus, wenn Sie spat heimkommen?" .

Wouches und Schminken.

Eine cnlturhistorische Plauderei. Sie sind wirklich und wahrhaftig wieder da. die kleinen, niedlichen Drn ger, die Mouches,, an deren Wiederkey? wohl kaum icmand ernstlich noch ge dacht hat! Aber was ist nicht alles möglich :m,Aeltalter der Gesichtsmas sage, der rothen Hüte, der grünen Schuhe! Im Antlitz rechts nahe dem Auge und 'links am Kinn, nicht weit von der Stelle, wo im kleinen Grübchen der Schalk sitzt, sowie am linken Oberarm emer jungen Schon heit haben sie Gelegentlich eines der jüngsten Bälle der Berliner Hofgesellschaft ihre Auferstehung gefeiert! Und so reuvoll nahmen sich die klemen, schwarzen Flecken an den ihnen ange wiesenen Plätzen aus, so scharf hoben sie den klaren, welchen Flaum der zar ten. weißen Haut hervor, daß wohl bald genug dieser allerneueste Besehl der launischen Herrscherin Frau Mode ebenso nur allzu gehorsame Gefolg schaft finden wird, wie vor Jahren und Jahrzehnten, als sie, zum Entsetzen der Männerwelt, den Reifrock, die Stockelschuhe, den Cul, den Chignon aus den Truhen der Urgroßmütter hervorgeholt hatte. Warum auch nicht ? Alles wiederholt sich hier im Leben . . .Waren also die Schleier, deren Tupfen dem Antlitz der Trägerin aufliegen, noch dazu ganz willkürlich und oftmals an recht unpassender Stelle, demnach nur die Vorläufer der Mouches, dieses jüngsten Kindes der Mode fin de sicle? Und wenn gar diese Mode wieder so allaemem und so dauerhaft werden sollte, wie sie es nach ihrem letzten Auf treten zu Beginn des 17. Jahrhunderts gewesen, so könnten wir uns darauf gefaßt machen, daß das 22. Jahrhun dert heran käme, bis die kleinen Schönpflästerchen wieder von der Bildfläche verschwunden waren. Indessen, heut und morgen lebt die Welt schneller, als gestern und vorgestern; oft genug auch verrauscht eine Mode schon wieder, noch ehe sie allgemein geworden. Und wer weiß, ob bis dahin, wenn wagemuthige, findige Gesazaftsleute diese Zierlichen Folien eines schönen Teints fabrikmäßig hergestellt auf den Markt dringen werden, das Gefallen daran nicht längst schon wieder geschwunden ist! Es ist wahr, die Mouches haben eine Vergangenheit. Aber wer wollte aus diesem Umstand den voreiligen Schluß ziehen, daß sie auch eine Zukunft haben? Die eigentliche Heimath der Mouches, zu deutsch Fliegen, so nannte man nämlich die Schönpflästerchen bei ihrem Wiederauftauchen in Frankreich ist das Wunderland Ostindien. Der einzigen Tochter des Kaisers Augustus, der holden Julia, wurden einst von Inderinnen kleine Thierchen zum Geschenk gemacht, welche übrigens völlig harmlos die merkwürdige Eigenschaft besaßen, unbeweglich da haften zu bleiben, wo man sie hintupfte. Die eitle, gefallsüchtige Römerin fand, daß diese niedlichen, tiefschwarzen Insekten, auf ihre Wangen gesetzt, die Zartheit und Weiße der Haut ganz besonders hervortreten ließen. Was Wunder, daß Julia von nun an sich stets der Thierchen zu diesem Zweck bediente? Die Kalsertochter fand bald Nachahmerinnen, die nicht ' minder schön. auch nicht minder eitel waren. Der Verbrauch der vielbegehrten Käferchen stieg bald ins Ungeheure. Natürlich stieg auch der Preis bald dermaßen, daß eben nur noch die Reichsten und Vornehmsten sich diesen Luxus erlauben konnten. Und schon damals nahm, wer gleiwohl dieses fragwürdigen Schmuckes nicht entarten mochte, seine Zuflucht zu schwarzen Stosffleckchen. Nachdem dann Julia zweimal verwittwet, zum drittenmal vermählt mit TiberiuS wegen ihrer Sittenlosigkelt und ihren Ausschweifungen tm Jahre 2 vor Christus nach der Insel Pandatoria bei Neapel verbannt und endlich auf Befehl ihres Gatten dem Hungertode preisgegeben ward, er losch allmählich die kuriose Mode, das Gesicht in der erwähnten Weise zu bekleben. Es ist nicht bekannt, ob es zum tu sien Male war, daß Frau Mode mit ihrem Scepter in das graue Alterthum zurückwinkte, um die kleinen Taffetstuckchen zurückzuholen, zur gleichen Verwendung wie ehedem, als sie am Hose Heinrich des Vierten von Frankreich wieder auftauchten. Die Allgewältige hatte nämlich am zierlichen Näschen und dem niedlichen Kinn einer ob ihrer Schönheit melgefelerten Marquise je ein kleines, dunkelbraunes Mal bemerkt. Schleunigst machte sie sich diesen Umstand zu nutze; und bald trugen, kraft ihres Befehls, ihre getreuen Unterthaninnen kleine, runde, schwarze oder braune Taffetfleckchen an denselben Stellen, wo in dem lieblichen Antlitz der jungen Marquise die reizvollen Wärzchen sich angesiedelt haiten. Unleugbar vermag ja nun eine solche Berichtigung der Natur, geschickt angebracht, manchem schönen Gesicht noch einen recht eigenartigen Reiz zu verleihen. In Frankreich aber begann die Geschmacklosigkeit sich sehr bald breit zu machen. Sie verwandelte die winzigen, runden Taffetstllckchen in die normen von Halbmonden, Sternen. Insekten, Vögeln und zu sonst allerlei zwei- und vierfüßigem, wildem oder zahmem Gethier, und die Schönen beklebten mit diesen Gestalten unzählige Stelle des Gesichts, sowie der Arme. Endlich ging man gar so weit, Perlen und Edelsteine auf den Mouches zu befestigen. . . Von Frankreich aus verbreitete sich die Mode in Deutschland und gewann auch hier eine große Schaar Anhängerinnen, welche sämmtlich die zugleich dort geltenden bezüglichen Regeln ge-

horfam befolgten. Nun ja: Eitelkeit will Zwang haben!Als erstes und wesentlichstes Gebot galt es, niemals eine Mouche" in den kleinen Grübchen an Kinn und Mangen anzubringen; dem Schelm, dem losen, sollte sein Sitz nicht geschniälert werden. Ferner galt es für unfein, das Gesicht mit allzu vielen Pflästerchen zu besäen ; zwei, höchstens drei genügten. Aber man besaß reichlich Spielraum, diese wenigen in der mannigfaltigsten Weise anzubringen und obendrein noch ähnlich wie durch den Fächer eine zwar stumme, aber desto sinnreichere Sprache durch dieselben zu reden. Hatte doch nicht nur jede Mouche ihre besondere Benennung und Bedeutung an und für sich, sondern es erlaubte auch noch die jeweilige Anordnung zweier oder dreier im Antlitz jedesmal ine gewisse Ausle gung. Im linken Augenwinkel saß die verliebte, sie sollte den Glanz eines schönen Auges noch erhöhen. Die kecke, herausfordernde hatte ihren Platz auf der Nase, die eroberungssüchtige zunächst den Livven. Die auf die Mitt? der

Wange hingetupfte Mouche hieg die gesalllge, die am Mundwinkel angebrachte die leidenschaftliche. Die bezaubernde saß in den ffalten der Wangen, die sich beim Lächeln bilden. Die (Äesallsuazt kielte eine Mouche aus die Unterlippe, - die Verschwiegenheit brachte sie auf der Oberlippe an. Dann gab es noch die zierlichen, die verlangenden, die verführerischen, die unzertrennlichen. die verberaenden. Lektere dienten dazu, irgend einen kleinen Makel der Haut fremden Blicken m ent ziehen. Die majestätische Mouche, mitten aus der Strrn, durste, nein mußte an Umfang stets ein wenig die andern überragen. Ein Schminkpflästerchen. wie man sie aucb nannte, welches der Dame von einer geliebten Person aufgeklebt worden, bezeichnete man als ein sympathisches und entfernte es unter keinen Umständen gewaltsam; es mußte von selbst abfallen. Und für desio inniger galt die Zuneigung, je länger es festsaß. Natürlich eiferten die Geaner der Mouches, darunter Künstler, Dichter, Gelehrte, Aerzte, vor allem aber die Geistlichkeit, in Wort und Sckrikt dawider. Aber wie sehr sie sich auch erhitzten, die Sitte nahm immer mehr überHand. Man habe, erzählt ein Chronist, oft Weiber aesehen. deren Gesiebter ausschauten, als ob sie geschröpft wären. oder als ob sie einander mit Nageln auf Wangen, Nase, Stirn und Busen herumgefahren seien; denn allerorts, wo sie gern wollten beschaut sein, hätten sie sich mit schwarzen Pflästerlein behängt, und mit schmalen. stumpfen, spitzen, runden und eckigen Mücklein- und andern aar fikierlicken Maussellengestalten geputzt, da man muH hmgucken, man möge nun wollen oder nicht." Die Übertreibungen und Auswüchse verloren sich jedoch nach und nach wieder. Man kehrte zu den einfachen. runden, ovalen oder Kalbmondförmigen, möglichst klemen Tupfen zurück. Diese mit Geschick und Anmuth zu tragen, galt geradezu für eine Wissen schaft. und man durfte sich aetrolt erlauben. Rückschlüsse zu ziehen auf die ge ellschastliche Stellung einer Dame aus Art. Umfang. Form und Anzahl der Schönpflästerchen, welche sie trug. Endlich aber wurde man der Spielerei völlig überdrüssig, und dieser Umstand trug mehr dazu bei. sie abzuschaffen. als alles Schimpfen und Schmähen der Männer. Die kleinen Mouche-Dös-chen. welche die vornehmen Damen an zierlicher Kette am Gürtel trugen, vericywanden, und die Chronisten konnten ihren Folianten zu Nuk und ??rommen der Nachwelt die Thatsache anvertrauen, daß nunmehr die schattierpflästerigen Fliegen, Käfer, Esel, Bären. Schafe. Rinder. Schweine, damit die Jungfern ihre Fratzen beklebet-, ihr tassetenes Leben m Frieden ausgehaucht hätten. Unmerkllch hatte sich mittlerweile eine andere Thorheit Bahn gebrochen. Die Mode verlangte von der vornehmen Welt, im Gegensatz zu dem rüstigen, gesundheitstrotzidenAusfehen der arbeitenden Klassen, eine blasse Gesichtsfarbe. Mit Schminken war der richtige Ton nicht zu erzielen, nämlich, die Haut geradezu durchsichtig erschein nen zu lassen; man rieb also Nachts die Wangen mit Kamphor em, wusch sich mit bleichenden Wässern, trank Essig. ja, man scheute sogar nicht Aderlajse und Hungerkuren, um die gewünschte Schattieruna zu erreichen. Daß man Bernsteinperlen, welchen gleichfalls eine bleichende Wlrkuna zugeschrieben wurde, um den Hals trug, war noch von allen Unsinnigkeiten, mit denen man das krankhafte, schmächtige Aussehen zu erzielen strebte,' die unschädlichste. ?.u schminken verstanden fich übri gens schon die Frauen des alten Testaments. Esther und Herodias maltet sich Augenbrauen und Wimpern mit angebrannten Mandeln. Bei verblühten Römerinnen fanden namentlich aus Mineralfarben bereitete Schminken Verwendung. Damit aber die schädliche Wirkung dieser in der Regel bleihaltigen Salben und Pulver wieder aufgehoben würden, legte man Nachtsauf das Gesicht Masken von weichem Leder, ja, sogar von rohem Fleisch, oder einem aus Bohnenmehl oder ähnlichem Stosse hergestellten Teig. Viele wilde Völker und hier nicht allein die Frauen, sondern auch die Männer bemalen und färben sich bekanntlich das Gesicht, auch Arme und Brust so bunt als möglich, aber ich so dauerhaft als möglich, indem sie die Farbstoffe in die geritzte Haut eindringen lassen.sich tätowieren. Diese Vorrichtung ist schmerzhast; eö werden

als? der Eitelkeit thatsachlich Opfer ge bracht. So hat das an sich durchaus berech

tigte Bestreben, schön erscheinen und die vorhandene Schönheit ins rechte Licht setzen zu wollen, oftmals mißver standen oder bis zur Eitelkeit übertrie ben. von ieher zur Benukuna eiaen thümlicher Mittel geführt, um diesem Äiele naher zu kommen. Schön ist, wer gesund ist. Daher sollten eiaentlich alle, die schön zu sein wünschen, und w:r wollte das nicht? mit Elfer ihre Gesundheit pfleacn WaS hilft doch die auserlesenste Kleidung, der kostbarste Schmuck einem siechen Korper? Was hilft es, wenn erborgte Rosen und Lilien aus den Wangen der Bleichsüchtigen blühen, wenn nur Arsenik und Belladonna es noch vermögen, den infolge allzu vieler vurchschwarmten Nachte matten Augen Glanz zu verleihen? Alle jene Mittel der Kunst, die momentan eine fast zauberhafte Wirkung hervorzubringen vermögen, sind ohne Ausnahme dem Organismus nicht nur einfach schädlich, sondern m ihrer Mehrzahl geradezu in hohemMaße ververbuch. . . Wie manches iunae Leben ist schon als Opfer der Eitelkeit dahin-' gegangen! Aas ZZurgsräurcin. Von Th.v. Liöka.' Es war wieder Frühling, und die junge Gräfin ließ die Fenster des alten, grauen, verwitterten Schlosses öffnen. Der alterthümliche Bau hatte eine wunderbare Lage am Ufer der Maas, nicht fern vom Dörfchen Argenteau. Es krönte, umrauscht von grünen Eichenwäldern, einen hohen, dem Flusse zu steil abfallenden Felsen. Was das alte Schloß noch seltsamer und wunderlicher erscheinen ließ, war, daß eine hohe Bogenbrücke den rechten Flügel mit einem anderen Felsen verband, auf dem sich ein weitläufiger Ziergarten mit stillen, lauschigen Terrassen, blühenden Hecken und plätschernden Brunnen befand. In dem umfangreichen Parke, der sich an die Gartenterrassen schloß, stand eine kleine Kapelle, ein neuerer Bau, der freundlich in's Thal hinabblickte. Wie eine verzauberte Burg erschien das alte Gemäuer, und eine Art verzauberte Prinzessin bewohnte es. Es war der letzte Sprößling der Grafen von Hermalle, deren finstere Gestalten von den alten Bildern in dem gewölbten Ahnensaale herabblickten. An der Seite eines alten, grämlichen Vaters war das junge Mädchen in der Einsamkeit aufgewachsen. Als Gräfin Rosemonde etwa zwanzig Fahre alt und ein Wunder an Schönheit geworden war, fanden sich mancherlei Freier ein; doch sie zogen alle wieder verstimmt und bedauernd ab. Der Alte mißtraute Allen, beargwöhnte Alle, und selber ein Geizhals, der die Mitgift der Tochter sparen wollte, schob er allen Herren, die um sie warben, eigennützige Beweggründe zu. Langsam, ohne daß sie es recht merkte, nahm die Tochter den Gedankengang des Vaters an. Auch sie glaubte, es sinne Jeder nur auf das Geld und das reiche Gut der Gräfin von Hermalle. Ob sich auch Manche in ihre hübschen Augen vergafften und feurig ihre Werbung vorbrachten, ihre Worte rührten nicht ihr Herz und kein Pfeil des kleinen Gottes konnte es treffen; denn es war umschlossen von emem festen, klernen Panzer, einem Panzer aus Gold. Der Vater starb, das Mädchen blieb allein. Doch ihr Sinn änderte sich nicht. Verschlossen und zurückgezogen lebte sie auf ihrem einsamen Schlosse, stark in Anspruch genommen durch eine Glasfabrik, die sie drüben in Argenteau gebaut und die ihre Einkünfte beträchtlich vermehrt hatte. Die Freier blieben schließlich aus. Nur ein armer Vetter warb immer wieder um sie, so oft er auch abgewiesen wurde diesen Morgen erst hatte sie verächtlich sein neuestes Schreiben zur Seite geworfen . . . Nun war es wieder einmal Fruhlmg geworden, für Jene, die sein Kommen und Weben nicht beachten, sörmlich über Nacht. Annette." sagte die Gräfin zur Zofe, öffne alle Fenster. Ich gehe in den Garten." Sie schritt die Treppe hinab, durch den Hof. über die Bogenbrücke, auf die Blumenterrasse, wo sie eine Weile still stand, mit ihrem Blick das herrliche Maasthal umfassend bis weit in die Ferne, wo die sagenumsponnenen Ardennen im blauen Nebel ihre Häupter zum Himmel erheben. Da aber die Sonne immer heißer niederbrannte, ging sie bald weiter durch den Park und öffnete mit einem Schlüsselchen eine kleine Pforte in der Mauer! um in's Freie zu treten und im grünen Eichenwald sich zu ergehen. Sie hatte da aber kaum inige Schritte gemacht, als sie plötzlich still hielt, gefesselt durch eine neue Erscheinung. Vor ihr auf dem Rasen, im Schatten der Gebüsche nächst der Mauer lag ein Mann in ärmlichem Gewände und schlief. Eine Harfe, die an einem Baum in der Nähe hing, verrieth, daß er ein Spielmann war, wie sie singend durch die Dörfer ziehen. Wenig mehr als ein Bettler, dem man ärmliche Heller zuwarf. Das bewies auch das schlechte, abgenutzte, stellenweise zerrissene Gewand. Aber ein hübscher Junge war er trotz Alledem. Etwa zwanzig bis zweiundzwanzig Jahre alt. ein junger Riese mit gebräunter Haut, schwarzem Kraushaar, das tief in die Stirn hineingrisf, und vollem rothem Munde, den das erste Värtchen schmückte. So sehr fesselte daS Fräulein der Anblick, daß sie sich auf die alte verWitterte Steinbank nächst der Parkmauer fallen ließ und starr den ruhendea Mann betrachtete. Er schnarchte

ganz. plebejisch; Nichts verrieth an dem

zuriazen, vatz er von fernerer Sitte irgendwie angekränkelt war. und doch konnte die junge Gräfin ihre Augen nicht von ihm wenden. Wie lange sie so saß. sie hätte es selbst nicht sagen können. Aber plötzlich schlug der Mann die großen dunklen Augen auf. blickte sie einen Moment starr an und wollte sich rasch zu einem Bücklina erheben. Sie hielt ihn durch eine Handbewegung zurück. Bleibt, bleibt," sagte sie dann. laßt iruch nicht stören. Die Stimme klana gütig, sanft, melodisch, das Auge blickte voll Gunst, sie lächelte. kachelte sie wirklich? In der That, ein Lächeln laa um den sonst so ernsten Mund und gab dem Gesichte einen neuen, fremdartigen Ausdruck. Verzeihen Sie. anädiaes fträii lein, sagte der Bursche devot, ich bin eingeschlafen " Ihr seid ein Spielmann auf der Wanderung?" Ein armer Spielmann. Das ganze Jahr auf der Wanderung, durch alle Dörfer, von Maastricht bis Lüt tich. von Lüttick bis Maastricht." Ich habe Euch in der Gegend nie gejeyen 3ch hatte nicht das Glück, dem anä digen Fräulein zu begegnen," sagte er. unv uoermutyig fetzte er ymzu: Sonst wäre ich wohl öfter hierher gekommen." Eine flüchtige Rothe huschte bei der naiven Huldigung dieses Naturkmdes uver iyr Gesicht. Könnt Ihr auch singen?" fragte sie. Natürlich!" rief er. Darf ich etwas vortragen? Ja, ich will Euch hören." Rasch ariff er nach seiner Äarfe. Soll ich Ernstes oder Heiteres fingen?" WaS Ihr wollt." Er griff schnell in die Saiten, und nach einem kurzen Präludium scmg er nach einer schlichten, volkstümlichen Melodie ein Lied, mit dem er den jungen Frauen gern kam, weil es auf die meisten paßte: Die schönsten Mädchen im ganzen Land Find't man in Brügge, das ist bekannt, Tirili. tlnli, tm! Da giebt es viele, blond, schwarz und braun, Bei Gott, 's istFreude, sie anzuschau'n. Tirili, tirili tirili! Das ist die Schönste, die Liebste. Kleinste. Ja, ja! in Brügge selbst wär's die Feinste! Tirili, tirili. tirili!" Er hatte eine kleine, frische Tenorstimme, die einen seltsamen Reiz auf sie ausübte. Sie hielt den Athem an, so länge er sang. Das ist mein Lieblingslled. Soll ich noch etwas singen?" fragte er. Nent, es ist genug," sagte sie leise. Sie athmete tief auf und wandte sich nach einer kleinen Pause wieder an ihn: Seid Ihr mit Eurem Lohn zufneden?" Zufrieden?" Er lachte und zeigte dabei zwei Reihen starker, weißer Zähne. Warum soll ich nicht? Es ist schon besser, als sich m den Kohlengruben oder in den Gläsereien vergifen. Ich bin doch immer m frischer Luft." Ist Euer Verdienst gut?" Mein Gott, es langt auf Brot und Käse. Sonst brauch' ich ja nichts. Im Winter Schlaf ich in den Scheunen, im Heu, im Sommer in den Wäldern." Und habt Ihr keinen Wunsch?" Ach ja . . . Eine Kapelle möcht' ich gern bilden nur drei, vier Mann stark dann könnt' ich auch in den Wirthshäusern spielen o. das' wär' glänzender Verdienst, denn es giebt viele Wirthshäuser aber das kostet Geld, mehr als ich habe " Und wenn Euch Jemand das geben wollte?" O, man giebt nicht." Wenn es aber doch wäre?" Ja, schön wär' es schon!" sagte er. Ach dann " Nun dann? Was würdet Ihr thun, wenn es geschähe?" Was? Wenn mir ein so seltenes Glück geschähe, so würde ich gleich meine Liebste heirathen " Eure Liebste?" O, ein prächtiges Mädel! Da sehen Sie, gnädiges Fräulein!" Er langte hinter den Busch und zog seinen zerknitterten Hut hervor, auf dem eine herrliche, große, dunkelrothe Sammetrose prangte. Diese Blume schenkte sie mir heute al.i Morgen, als wir Abschied nahmen ist's nicht eine schöne Rose? Ach, das ist ein prächtiges Mädel!" Er starrte verliebt lächelnd vor sich hin. Die junge Gräfin fröstelte es plötzlich. Sie wandte den Blick von ihm und starrte hinaus in's Thal. Dann erhob sie sich. Wollen mir gnädiges Fräulein für mein Lied nichts schenken?" rief der Bursche bittend und eilig, als fürchtete er. um seinen Lohn zu' kommen. Sie nickte nur, .ohne ihn anzusehen. Dann suchte sie in der Tasche und warf ihm in den Hut, den er ihr entgegen hielt, das Goldstück, das sie fand es war die erste verschwenderische Gabe ihres Lebens. Er jubelte auf. Schönen Dank, gnädiges Fräulein ! Für solche Münze singe ich hundert Lieder! Schonen Dank! Sie hörte Nichts mehr. Sie war in den Park zurückgeeilt und hatte den Schlüssel im Schlosse der kleinen Parkthür zweimal umgedreht. Dann ging sie langsam dem Schlosse zu, mit finsterem Auge zu Boden blickend. Am Abend aber sandte sie dem verliebten Vetter ine Karte, die eine Einladung enthielt nach Schloß Hermalle .... j

Brunnen Roman.

Von Hugo Klein. Sie wog 148 Kilo, und vor eine? woqe, als sie m Marienbad eingetroffen, war sie fogar 149z schwer gewesen. Als sie an diesem Morgen die Kurliste überfloa. fiel ibr tm T?n ins Auge: Alfred Sollmus. MetallWaarenfabrikant aus Leivzia " Und als sie diesen Namen las, wurde sie roth und dann ganz nachdenklich gestimmt. Wie seltsam, dak aerade iekt. aegen Ende ihrer Wittwentrauer, dieser Mann wieder vor ihr auftauchen mußte: Älsred ollmus war ihr Ju gendgespiele. ihre erste starke Liebe oe Wesen. Kaum hatte er ein Bißchen Stellung gefaßt in der Welt, so hielt er um ihre Hand an, denn er erwiderte ihre zärtliche Neigung. Wie so oft, trat auch diesmal das leidige Geld der Vereinigung der liebenden Herzen hinvernv entgegen. Ihr Bater, em reieher Bankier in Wien, wollte von dem Habenichts, der eine bescheidene Correspondentenstelle m emem aronen Er porthause inne hatte, nichts wissen. In lemem Grolle wanderte dann der zurückgewiesene Freier aus und ging nach Leipzig, wo er Verwandte hatte. Ach, da hatte es viele Aufregung, Thränen, Verzweiflung gegeben. Gestarben war keines der beiden daran. Beweis dafür, daß sie 148 Kilo wog (vor einer Woche noch 149z) und er 'er auch nach Marienbad kam. Wie viel er wohl wieaen mochte? Er war. wie fie aebört. ledia aeblieben. Sie hatte ein, zwei Jahre um ihn getrauert, und da sie ibn nun einmal doch nicht haben konnte, ließ sie licy dann überreden, emem andern Manne die Hand zu reichen, dem viel beschäftigten, reichbegüterten Vrokuri sten eines großen Kredit - Instituts. Auch das war ein wackerer Mann, sie hatte ihn mit der Zeit lieben gelernt, und als er nach siebenjähriger Ehe starb, beweinte sie ihn aufrichtig. Ihr Trost war ein fünfjähriges Söhnchen, das aus dieser Ehe hervorgegangen war, der hübsche blonde Junge, der da an ihrer Seite safe. Alfred Sollmus war für sie immer eine schöne, sonnige und doch schmerzliche Erinnerung geWesen. Nun mußte sie ihm wieder begegnen. Sie war roth geworden, als sie seinen Namen gelesen und ihr Herz hatte höher geschlagen. O du schöne Jugendzeit, m der das Leben nur eitel Licht und Wonne, schone Jugendzelt, da sie beide schlank gewesen, tauchst du wieder vor dem aeistiaen Auae der üvpigen Dame auf? ob er sich auch r rr.. i. - i fin 10 .... 10 icqi veranoeri yali . ... . Wie viel er wohl wiegen mag? Richtia traf sie ihn schon eineStunde spater beim Kurhause, wo man sich wägen läßt. Ach du mein Gott! Der hatte im Gram um die verlorene Jugendgellebte auch em paar hubscheKüo Kummerfett angesetzt im Leben! .... 174 zeigte die erbarmungslose automatische Wage. Jemand lachte leise hinter ihm. Er wandte sich um und sah eine schöne stattliche, aber auch ziemlich üppige Dame vor sich, die wahrlich keinen Grund hatte, sich über anderer Leute Umfang lustig zu ma chen. Wo hatte er aber schon dieses Lachen gehört? Nochmals blickte er in die dunklen Augen. . . . Therese!" rief er aus. Und so rasch und gewandt, als es bei seiner derzeitigen Leibesbeschaffenheit überHaupt möalich war. stiea er von der Waage und schüttelte herzlich dieHand, die ihm entgegengestreckt wurde. Auch ihn erregte die Erinnerung, die der Anblick der einst Vielgeliebten in ihm hervorrief. Therese . . wiederholte er nochmals, wie für sich. Und da sie noch immer schwieg, weil sie nicht Herr ihrer Bewegung war und fürchtete, sie durch den Ton der Stimme zu verrathen, sagte er stotternd: Verzeihung . . . gnädige Frau daß ich Sie mit Ihrem Taufnamen ansprach ... aber aus alter Gewöhnheit .... ich werde Nicht mehr . . . Sie dürfen schon, Alfred . . .' sagen Sie nur Therese zu mir ... es thut gut ..." Es thut gut wiederholte er nisch.Dann faßten sie sich gewaltsam und suchten möglichst unbefangen zu erscheinen. Sie gingen langsam nebeneinander her allzu leichtbeweglich waren sie eben nicht mehr musterten sich gegenseitig und erzählten, wie es ihnen ergangen. Daß sie geheirathet, hatte er erfahren, daß sie Witwe geworden, wußte er noch nicht. .36r SLbnchen? ... ein hübscher Kleiner . . . wirst Du den Onkel lieb haben? .... wer so ein Kind haben könnte!... Sie sind Junggeselle geblieben?" Ja!" Ju sehr scheinen Sie sich doch nicht gegrämt zu haben." Und wieder tönte das leise Lachen. Lachen Sie Nicht, eS hat damals sehr geschmerzt . . . Allerdings, im begreife, ein Seladon, der von seinem Liebesgramerzählt und 174Kilo wiegt, macht inen komischen Eindruck Es hat damals doch geschmerzt. Später richtet man sich so em, so gut es geht, so behaglich, wie nur möglich .... da ist es dann kein Wunder ... Wer uns gesagt hätte, Therese, daß wir einmal so neben einander her wandeln werden, wie zwei Drei-Eimer-Fässer, was? Klingt es nicht lächerlich, wenn man da von seinen Gefühlen spricht. die noch jung und schlank geblieben? Ja, das Leben ist unbarmherzw . . . was man erlebt, bis man dick wird!" Und wm man es geworden, sieht man aus wie eine lebendige Satire auf seine eigenen Empfindungen . . . trmken Sie auch Kreuzbrunnen V Ja. Ich habe schon 1$ tto verlom m ren. Wenn wir nocy scylanr wuroen, Alfred? Ich gebe die Hoffnung nicht auf." ' Schlank, wohl möglich. Aber wieder jung? Das geht nicht mehr."

Nun gar so alt sind wir doch noch nicht. Ich stehe erst vor den dreißig. Und Sie ?" Einige darüber. Vor den dreißig .... und Sie Sehen noch jünger aus, Therese. bitte, ich schmeichle nicht .... Sie sind eine schöne Frau und werden noch heirathen." Und wollen Sie als Junggeselle sterben?" Er wollte gerade erklären, daß das nicht unerschütterlicher Vorsatz sei, da kam ihnen der alte Kurarzt entgegen und erkundigte sich lebhaft um das Besinden der üppigen Wittwe. Ich möchte Ihnen gern meine kleinen Leiden klagen, Herr Doktor, aber ich wage es nicht. Sie sagen auf alles nur: Trinken Sie morgen einen Becher mehr!" Sie haben leicht verordnen. Sie empfinden nicht, was das be-' deutet!" . Der Arzt lachte. Alfred Sollmus hatte die Kur noch nicht begonnen und verstand nicht, was das bedeutet und warum der Doktor lachte. Doch auch Sollmus sollte es erfahren, besonders an einem Tage . . . . Es war der Tag, an dem er, wie er sich fest vorgenommen, Therese fragen wollte, ob sie nicht doch noch die Seinige werden wollte. Mehr als drei Wochen waren sie schon treue Kurgeführten. Zusammen tranken sie den Kreuzbrunnen, zusammen mächten sie die weiten Dauermärsche, zusammen schwitzten und ächzten sie beim Beste!gen der Berge, eines zügelte den gesegneten Appetit des andern. Sie waren in Liebe und Diät verbunden. EinesTatzes gingen sie sogar zusammen auf den Ball. Herrlich ist es, nach den rauschenden Musikklängen mit einer schönen Tänzerin durch den Saal zu fliegen in Marienbad wird nur wegen der erschöpfenden Strapazen getanzt. Darum gibt es hier auch vie ausdauerndsten Tänzer. Nicht müßig, stehen sie in der Mitter des Saales, die Fliegen auf der Decke zählend. In tollem Wirbel stürmen sie schwerfällig dahin, ächzend in der doppelten Anstrengung. die gewichtige Tänzerin und sich selbst vom Flecke zu bringen. Auch mit unserem Paare war's nicht anders. .Ach. Therese," flüsterte Sollmus ungalant, als ihre dahinwirbelnden Gestalten wieder einmal eine breite Gassein die Schaar der Tanzenden rissen, was waren Sie einmal für eine leichtfüßige Tänzerin!" Bin ich gar zu schwer geworden?" fragte sie ängstlich. Für mich nicht," sagte er zärtlich. Wohl kann ich nicht mehr versprechen, Sie auf den Händen zu tragen eS wäre Aufschneiderei. Doch möchte ich Ihnen eine Stütze sein für's Leben, Sie süße Last, die Sie sind . . ." Es war der große Moment. Ihre Augen schimmerten feucht und ihr gesundheitsstrotzendes Gesichtchen nahm trotz der Fülle einen schmachtenden Ausdruck an. Wie meinen Sie das?" flüsterte sie. Er wollte antworten, wollte ihr fagen, welche Wonne es wäre, sie durch's Leben zu fchleppen, da Da lagen sie eben. Der Saal erzitterte und drohte zusammenzustürzen, als sie niederfielen. Drei Paare rissen sie mit und sechsMänner bemühten sich, erst Frau Therese, dann ihren Unglücklichen Tänzer aufzurichten. Ihr Kleid war zerrissen und er hinkte am rechten Fuße. Er hatte sich als schöne Stütze für das Leben bewährt, und ihre süße Last war doch zu stark gewesen. Und

im schönsten und entscheidenden Augenblicke erfolgte der Sturz aus allenHimmein auf das Tanzparkett. War es nicbt ein böses Omen? Wird er nicht in seinen Entschlüssen wankend werden. wie im Dreivierteltakt? Hat er nicht ihr Herz verloren, wie das Gleichgewlcht? w w Meine Braut bat neun Kilo verloren," schrieb Alfred Sollmus an seinen Eomvaanon in Leivzia. aber schade um jedes Kilo von einer so schönen Frau. Wir beide haben zwar nicht mehr in der kleinsten Hütte Platz, aber wir sind doch ein glücklich liebendes Paar." Liebe Mutter, hieß es m emem Briefe Tberesens. .ck wäre ihm bei der ersten Begegnung am liebsten an den Hals geflogen leicht yalle icq es bei meinem damaligen Umfang allerdinas nickt ausführen können. Jetzt geht das schon viel leichter. Ich habe neun Kilo verloren und einen Mann funden kann es eine glücklichere Frau geben?!" Die kluge Katze. Die Familie üuber hatte eine ganz merkwürdige Katze, aus der sie nicht klua werden konnte. Die Katze hatte nämlich so eigenthümliche Gewohnheiten. Wenn es' schönes, klares Wetter war, kroch sie immer nach oben, sie saß dann unbeweglich auf dem Schornstein über dem Dach. Aber wenn es schlechtes Wetter war. kroch sie in den Keller hinunter, und hätte sie nur gekonnt, . r- i . r - - t vCi wäre ? nocy uejci gcnocjcn. vjnuuuj starb diese merkwürdige Kake. und die Familie Huber ließ sie untersuchen. Die Katze hatte emen Barometer ütu schluckt. Schrecklich. Arzt: Hm: Commerzienrath leiden an periodischer Zerstreutheit?" Commerzimrath (erst . ..V v. n r f . geaoeu): a, es iji jcgrcaucg manchmal vergeh' ich sogar das von vor meinem Namen!" Aha. Frau: Du bist doch em Dummkopf; wie konntest Du erzählen. dak ick schon dreißig Jahre alt sei?Mann: Aber Liebchen, ich dachte es doch gerade recht gut zu machen!" BorGerlHt. Nichte? (zum Dieb): Merkwürdig ist, daß Sie wohl 200 Mark aus der Kasse nahmen und die vier Tausendmarkscheme liegen ließen!" ' Dieb: .Sakra, bin ich eiu

Esel gewesen!" ....