Indiana Tribüne, Volume 21, Number 250, Indianapolis, Marion County, 29 May 1898 — Page 3

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Der Todte von Sorror-Island.

Roman von Harry Shcff. (6. Fortjetzung.) 3$ soll's denken. Man erlebt manches, wenn man bei einem berühmten Arzt dient, aber das war doch das Höchste. Denken Sie nur, die alte Frau hatte Ux Frau Geheimrath gegenüb:r hartnäckig behauptet, daß sie beim Scheuern der Treppe einen Fehltritt gethan und sich durch diesen Fall die Verletzung an der Hüfte zugezogen habe. Ich wiß es besser. Der eigene ohn. dieser ewig betrunkene Un niensch. und seine Furie von Weib ha ben die arme Alte die Treppe hinab gestoßen, daß sie regungslos liegen geblieben ist. Vorher hatte es einen mächtigen Zank gegeben. Die Nachbarn, die natürlich immer die Ohren rn den Wänden haben mögen, wenn's bei Strohbach's losgeht, meinen, der ganze Tanz sei dadurch entstanden, la die Alte durchaus nicht die Adresse ihrer Pflegetochter angeben wollte, eines jungen Mädchens, das sich ehrlich ernähren soll und wegen des Lithographen, ihres Stiefbruders, aus dem Hause gegangen ist. Na, der rohe Kerl soll sich hüten, denkt vielleicht, hier geht's so wie in Amerika, wo man gleich schlägt und sticht und schießt hier gibt's Gerichte und Zuchthäuser für solche Patrone." Smd die Leute denn aus Amerika herübergekommen?" Sie haben viele Jahre drüben gewohnt man weiß nichts Genaues darüber doch da kommt sie, und auch der Doctor Neumüller, der Herr Assistent." Die Thür zum Consultationszimmer war von innen geöffnet worden, und ein junger, höchst intelligent aussehender Mann führte die Alte langsam hinaus. Die Greisin weinte hin ttx dem vorgehaltenen Taschentuch, und das Gehen schien ihr jetzt noch schwerer zu werden als vorher. Noch hatte sie nicht die Mitte des Zimmers erreicht, als eine hohe, breitschulterige Männergestalt auf der Schwelle, die sie soeben überschritten, sichtbar wurde. Der Herr Geheimrath," flüsterte der Diener dem Wißbegierigen zu. Ein Zeuskopf." murmelte der Herr mit den Brillanten vor sich hin. Und dieser mythologische Vergleich war in der That berechtigt, so sehr glich Geheimrath Busch in diesem Augenblick dem Donnerer" Zeus, der mit gerunzelter Stirn seine Blitze herniederschleudert. In seinen großen blauen Augen loderte der Unmuth. als er seiner armen Patientin nachrief: Noch einmal, Frau Strohbach, fürchUn Sie nichts, sagen Sie ihnen nur, daß ich sie der Polizei übergeben werde, wenn diese erbärmlichen Menschen auch nur im geringsten Ihren Frieden stören." Die alte Frau wandte zitternd das Haupt. Auf ihrem thränenfeuchten. hageren Gesicht malte sich die bange Furcht, der Geheimrath könne mehr sagen, einen Namen nennen, und sie streckte bittend die gefalteten Hände nach ihm aus. Eine Mutter." dachte der alte Herr, der von seinem Posten am Kamin die kleine Scene mit größter Aufmerksamkeit verfolgt hatte, sie schützt den Sohn, der sie mißhandelt hat. Ja ja, eine Mutter!" Dann hörte er, daß der Diener seine Nummer aufrief, nahm den CylinderHut und die Handschuhe vom Kaminsims und betrat zugleich mit Doctor Neumüller, der die Alte der Fürsorge Franzens übergeben hatte, das Allerheiligste des berühmten Arztes. Wie der Mann selbst, so war der Raum, in dem er arbeitete und wirkte. Kein Prunk, keine Modethorheiten, keine Excentricität der Farben oder Formen in seinem Arbeitsgemach. Einfache Ledermöbel, Bücher und Jnstrumente in Menge, ein paar gute Gemälde an den Wänden und auf dem eichengeschnitzten Schreibtisch die Büsien Goethes und Bismarcks. Gestatten Sie. daß ich mich Ihnen vorstelle," sagte der alte Herr verbindlich, indem er mit zwangloser Verbeugung vor dem Geheimrath trat, mein Name ist Ludwig Oberländer, Prokurist der Firma Rheden & Compagnie." Sehr angenehm, Herr Oberländer. Bitte, nehmen Sie Platz." Der Geheimrath ließ seinen Vesucher im Erker niedersitzen und nahm für sich den benachbarten Armstuhl, er liebte es. seine Patienten in dem sonnenbeleuchteten Erker zu empfangen, da ihm hier die Lichtverhältnisse die schärfste Beobachtung gestatteten. Dociox Neumüller hatte am Schreibtisch Platz genommen und machte eifrig Notizen in einem dickleibigen Buch. Es enthielt die Krankengeschichte jedesPatienten, dessen Behandlung Busch angenommen hatte. Zahlreiche Papiere und Zeitschriften bedeckten denSchreibtisch, und auf dem oberen Theil zwischen Goethe und Bismarck lag eine stattliche Anzahl Goldstücke, die während der heutigen Sprechstunde eingenommenen Honorare. Der Geheimrath pflegte sie achtlos dorthin zu werfen, und Lfier war es sogar schon vorgekommen, daß er die immerhin erhebliche Summe Geldes später einzuschließen vergessen hatte. Sie sind leidend, mein Herr?" eröffnete der Geheimrath die Vesprechung. Oberländer lehnte sich mit behaglichem leisem Lachen in seinen Sessel zurück. ?fch leidend?" antwortete er, ich bin Gott sei Dank der gesündeste Mensch in Berlin. Kann mich auch gar nicht erinnern, jemals in meinem Leben krank gewesen zu sein. Nein. HerrGeheimrath. um mich werden Sie sich vorläufig nicht zu bemühen brau-

chen, aber ich komme zu Ihnen, um Ihren Rath für einen Freund einzuholen, der mir große Sorge bereitet. Es ist mein Freund und mein Chef zugleich, Baron Hans v. Rheden." Ich glaube diesen Namen schon gehört oder gelesen zu haben," bemerkte der Geheimrath. Vermuthlich. Da Sie ein Philanthrop sind, Herr Geheimrath, und Baron Rheden gleichfalls vieles für die Armen der Stadt thut, so dürsten Sie einander auf dem Gebiete des SamariterthumI begegnet sein." Baron Rheden ist krank?" Krank? Nun, ich darf es kaum so nennen, denn Krankheitserscheinungen, wie sie der Mediziner sehen will, um eine Diagnose zu stellen, sind eigentlich nicht vorhanden. Körperlich befindet sich mein junger Freund ganz wohl, er fiebert nicht, ißt und trinkt mit ApPetit und sein Kräftezustand läßt nichts zu wünschen übrig. Aber ich fürchte " Ein seelisches Leiden," ergänzte Busch, da das Wort dem alten Herrn nicht über die Lippen wollte. Oberländer neigte bejahend das Haupt. Keine acute Geisteskrankheit," fuhr er fort. Gott bewahre, der Baron ist der klarste Mensch unter Gottes Sonne, und wenn ich heute meine Augen schließen müßte, was ich für durchaus verfrüht ansehen würde, wäre er ganz und gar im Stande, sein Weltgeschäft allein zu leiten und weiterzuführen also sein Gehirn ist sicherlich gesund, aber die Nerven, die Nerven da liegt's, und das ist es, was mich besorgt macht." Wie äußert sich dieses Leiden, geben Sie mir Symptome an." Eine Melancholie, eine tiefe Verstimmung befällt den jungen Mann zuweilen, er ist nämlich noch jung, der Baron, kaum sechsunddreißig Jahre. Da sollte man doch noch Freude am Leben haben, den Genuß suchen, fröhlich unter den Fröhlichen sein können, nicht wahr, Herr Geheimrath? Besonders wenn man reich, unabhängig, ein hübscher, liebenswürdiger Mann ist, der in jeder Gesellschaft mit offenen Armen willkommen geheißen würde. Man sollte leben, lachen, meinetwegen selbst tollen und wenn man genug gelacht und gelebt hat. ein hübsches, liebenswürdiges Weibchen nehmen, damit Leben und Lachen noch einmal anfangen kann." Baron Rheden ist also unverheirathet?" Oberländer seufzte. Das ist es ja eben. Er könnte die großartigsten Partien machen, könnte unter den liebenswürdigsten, begehrenswerthesten Damen wählen, könnte aber was spreche ich da. Ihre Zeit ist zu kostbar., und ich muß mich kurz fassen. Darum hören Sie, wie alles gekommen ist. Als des jungen Barons Vater starb, war er kaum volljährig geworden, ein lieber. unverdorbener, vollsaftiger Jüngling, der Feuer und Begeisterung besaß und für alles, was edel, schön und gut ist, erglühte. Der alte Baron, dem ich dreißig Jahre hindurch nicht nur ein erprobterMitarbeiter, sondern, ich darf es N?ohl aussprechen, ein wahrer Freund gewesen war, hatte mir auf seinem Sterbelager die väterliche Fürsorge um den Sohn an's Herz gelegt, und der junge Mann hatte seine Hand in die meinige legen müssen, zum Zeichen, daß er den Willen des Vaters ehren und mich als seinen väterlichen Freund ansehen werde. Ich meinte nun, daß der junge Baron sich erst einmal ein paar Jahre nach Herzenslust in der Welt umsehen, sich amüsiren und Erfahrungen sammeln solle, ehe er den Ernst des Lebens kennen lernte, und bestimmte ihn, eine Weltreise zu unternehmen. Es ging auch alles gut bis der Baron nach Amerika kam. Seine Briefe, die er regelmäßig an mich schrieb, strömten über von Entzücken und Freude an den Schönheiten der Gotteswelt, und dabei waren sie von einer Reife des Urtheils und einer Besonnenheit der Kritik, daß ich ordentlich stolz auf meinen gescheiten Einfall, meinen jungen Freund in die Fremde geschickt zu haben, wurde. Und dann plötzlich das Unglück." Ein Unglück auf der Reise?" fragte der Geheimrath theilnehmend. Ja. in Amerika, in New York. Baron Rheden war Verbrechern in die Hände gefallen, man hatte ihn chloroformirt und beraubt." Chloroformirt!" rief Busch, für welchen jetzt die Erzählung des alten Herrn pathologisches Interesse bekam. AuchDoctor Neumüller blickte auf und fchob das Buch beiseite. Ja, die Elenden drückten ihm ein Tuch vor das Gesicht, und nachdem sie den Diebstahl vollzogen, setzten sie den Schlafenden in der regnerischen Nacht in der Nähe eines öffentlichen Parks aus. Da lag er bis zum Morgen. Die Aerzte konnten ihn kaum noch in's Leben zurückrufen." Wie lanae ist das her?" Etwa dreizehn Jahre. Meine Vesorgniß ist nun, daß der Baron davon eine Nervenkrankheit zurückbehalten hat. Wäre das möglich, Herr Geheimrath?" Eine Narkose pflegt keinen dauernden Nachtheil für die Nerven zu hinterlassen. Das gilt freilich nur für die sachgemäße Handhabung des Betäubungsmittels seitens eines Arztes. Anders kann es sich verhalten, sobald das Narkotikum in ungeübter und verbrecherischer Weise im Uebermaß bei siebracht wird, dazu müssen wir die Erschütterung der Nerven durch den Schreck, die schwere Erkältung infolge des Liegens auf feuchter Erde zur Nachtzeit rechnen es wäre immerhin möglich, daß das Nervensystem des Barons Schaden gelitten hat. Und dreizehn Jahre sind darüber hingegangen? Da wird er doch seinen Hausarzt darüber zu Rathe gezogen haben." Das hat er nicht gethan. Er selbst fühlt sich ja auch nicht leidend, gesteht es nicht ein. Nur ich bin heimlich um

ihn besorgt, wett ihm seine fixe Idee den frohen Muth und die Lebensfreudigkeit raubt." Ah. eine fixe Idee?" Nun, das ist nicht so wörtlich zu nehmen. Der Baron hat sich damals in Amerika in eine eigenthümliche Familiengeschichte eingelassen, die ihn im Grunde genommen gar nichts angeht, ihn jedoch mit einer gewissen Weltverachtung und tiefem, nachhaltigem Schmerz erfüllt hat." Steht diese Angelegenheit mit dem verbrecherischen Ueberfall in irgend einem Zusammenhang?" Ich weiß es nicht, glaube es aber verneinen zu dürfen. Ueber jene Erfahrungen, die mein Freund damals leider gemacht, kann ich wenig sagen, da Rheden fast niemals darüber spricht, und auf das Wenige, was er mir mitgetheilt, habe ich ihm noch mein Ehrenwort bezüglich tiefer Verschwiegenheit geben müssen. Ich tveiß nur und kann nur verrathen, daß er während der ersten Jahre nach jener unglücklichen Reise gewisse Personen suchte, die er nicht fand, und daß die Gewißheit, seine Bemühungen in dieser Richtung gescheitert zu sehen, der eigentliche Grund seiner Zurückgezogenheit und periodisch auftretenden Melancholie ist. zum mindesten wesentlich dazu beigetragen hat. aus dem lebensfrohen Jüngling einen stillen, in sich gekehrten Mann zu machen." Ich denke mir, daß da eine Dame im Spiel ist," meinte der Geheimrath. Das beweist auch zur Genüge die AbNeigung des Barons, sich zu vermählcn. Im Uebrigen. verehrter Herr, kann ich absolut kein Urtheil abgeben, so lange ich den Herrn Baron nicht gesehen und zu beobachten Gelegenheit gehabt habe. Können Sie ihn nicht veranlassen, mich zu besuchen?" Schwerlich, Herr Geheimrath," erwiderte Oberländer. Er würde mich auslachen, wenn ich ihm ärztliche BeHandlung empfehlen würde." Ja, dann ist guter Rath theuer. Dann werden Sie der Sache ihren Lauf lassen und sich darauf beschränken müssen, den Baron durch Zerstreuungen und Anregungen von seinen dllsteren Gedanken und Erinnerungen abzubringen." Verzeihen Sie, meine Herren." mischte sich Doctor Neumüller hier in die Unterhaltung, sollte sich nicht in diesem Falle eine völlig geheime, dem Patienten selbst natürlich ganz verborgene Beobachtung empfehlen? Man könnte sie vielleicht in Form einiger gesellschaftlicher Begegnungen ausüben." Das würde schnell zum Ziele führen," rief der Geheimrath, und wenn Sie selbst, Herr Doctor, es übernehmcn würden, so könnten Sie mich über Ihre Beobachtungen auf dem Laufenden halten." Meine Zeit ist allerdings sehr in Anspruch genommen Sie wissen, Herr Geheimrath, meine große Arbeit über " Sie sollen sich nicht überarbeiten, bester Neumüller," wandte sich Busch mit gewinnendem Lächeln an seinen Assistenten, Sie werden den Tempel der Berühmtheit noch schnell genug erreichen. Der Fall scheint nicht uninteressant zu sein, und ich möchte gern Herrn Oberländers Besorgniß zerstreuen helfen." Sie haben zu befehlen, Herr Geheimrath." sagte der junge Arzt mit verbindlichem Neigen des Hauptes, ich übernehme den Auftrag." Es ist natürlich," versicherte der alte Herr erfreut, daß ich Ihre Zeitversäumniß ganz nach Ihrem eigenen Ermessen honorire, und Sie, Herr Geheimrath, empfanden Sie meinen ergebensten Dank für Ihre liebenswürdige Theilnahme. Was schulde ich für diese Consultation?" Es war mir ein Vergnügen. Sie kennen zu lernen," lächelte Busch, schuldig sind Sie mir nichts. Nein, unbedingt nichts, ich habe Ihnen ja nichts geleistet." Dann geben Sie mir wenigstens die Erlaubniß," entgegnete Oberländer, Ihrer Frau Gemahlin ein paar Blumen senden zu dürfen." Im Namen meiner Frau acceptire ich die Blumenspende. Sie ist nicht zu Hause, sonst würde ich ihr das Vergnügen Ihrer Bekanntschaft verschaffen. Ich kann sie Ihnen nur im Bild vorstellen." Der Geheimrath nahm eine in silbernem Rahmen befindliche KabinettPhotographie von einem kleinen Tischchen und wies sie Oberländer. Es war ein selten schönes Frauenantlitz, welches Oberländer sah, die dunklen Augen waren schwärmerisch emporgeschlagen, und ihre Blicke schienen sich in weiten, überirdischen Fernen zu verlieren. ' Nachdem ich das Bild Ihrer Frau Gemahlin' gesehen," sagte der alte, weltgewandt: Herr, weiß ich, welche Blumen ich zu wählen habe weiße Rosen, Maiglöckchen, Veilchen." Dann wandte er sich an den Assistenten: Herr Doctor, ich hoffe, Sie in den nächsten Tagen bei mir zu sehen, damit wir das Nähere verabreden konnen. Hier ist meine Karte mit Angabe meiner Wohnung. Meine Herren, ich habe die Ehre!" Er ging, um einem anderen Besucher des Arztes Platz zu machen, welcher der Beendigung der langen Unterredung gewiß mit Ungeduld ntgegegesehen hatte. Endlich war die Sprechstunde beendet, der letzte Patient war abgefertigt, und Franz Bartels ordnete und säuberte im Empfangszimmer die Möbel. Dann öffnete er die Fenster, daß die frische trockene Winterluft den Raum durchwehte, auch er selbst lehnte sich an die Brüstung und sog mit.Behagen den erfrischenden Hauch ein. Dabei schaute er schmunzelnd auf das Leben und Treiben des Potsdamer Platzes hernieder. Es war fechs Uhr, die Laternen brannten, die elektrischen

Lichter erstrahlten, vor den eleganten Laden der Leipziger Straße funkelten

und flimmerten die buntfarbigen Transparentschilder, und einer endlosen schwarzen Schlange gleich wälzte sich der Strom der Fußgänger und Wagen durch die belebteste Straße der Hauptstadt auf und nieder. Das gefällt mir," ging es ihm durch den Kopf. Leben. Verkehr, Handel und Wandel. Ich bin nun einmal ein Mensch, der für die große Welt geboren ist und in ihr ohne Zweifel sein Glück machen würde. Hier, im Hause des Geheimraths na ja, ich kann nicht klagen, es geht mir ja ziemlich gut, aber die Leute sind doch nicht nach meinem Geschmack. Zu viel Grundsätze, zu wenig Unternehmungsgeist. Da scheint mir die Gräfin, vor deren Augen ich heute Gnade gefunden, aus anderem Holz geschnitzt zu sein. Wollen sehen, am Ende nimmt sie mich selbst in ihre Dienste. Um zehn Uhr sagte sie, im Kaiserhof Franz Bartels wird pünktlich fein und sehen, welche Vortheile da zu holen sind!" Indessen saßen der Geheimrath und sein Assistent beim Lampenschein im Sprechzimmer und besprachen bei einer Cigarre die Fälle der heutigen Praxis. Sie waren gerade dabei, zu erwägen, ob eine vor so langer Zeit erfolgte Chloroformnarkose wirklich noch immer nachteilige Folgen für das Nervensystem hervorbringen könne, als nach leisem Pochen die Thür sich offnete und eine mit vornehmer Einfachheit gekleidete Dame eintrat. Sie kam von der Straße, denn ihre schlanke Figur wurde von einem langen, enganschließenden Mantel bedeckt, der am Kragen und den Aermelaufschlägen durch reichen Persianerpelz geschmückt war. Ein kleiner, an schwarzen Seidenbändern getragener Muff und ein Barett aus gleichem Pelz vervollständigten die Straßentoilette. Beate!" rief der Geheimrath und stand auf, um seiner Frau beide Hände entgegenzustrecken und die ihrigen warm zu drücken, das ist schön, daß Du jetzt schon zurückkommst; wir können auf diese Weise noch ein halbes Stündchen bei einer Tasse Thee plaudern? da ich leider um sieben Uhr noch einen Besuch abzustatten habe." Du Vielbeschäftigter.- antwortete die Gattin des Arztes. Du- findest nimmer Ruhe. Wie magst Du Dich heute Nachmittag wieder angestrengt haben. Besten Dank, Herr Neumüller, legen Sie den Mantel nur auf jenen Sessel. Sie nehmen doch den Thee in unserer Gesellschaft?" Der junge Arzt lehnte die Einladung mit Dank ab. Er habe heute noch an seinem Werke zu arbeiten. Den hast Du auch schon ganz und gar verdorben, Eberhard," lächelte Beate, während sie den Arm um die Schultern ihres Mannes schlang und mit leuchtenden Augen zu ihm aufschaute. Ja, wer in Deiner Nähe lebt, der lernt die Pflicht über alles setzen und den Inhalt des Lebens erst richtig verstehen." Man kann seinem Dasein nur den Inhalt geben, den man in sich selbst, in seiner Seele trägt. Aus Empfindüngen und Gedanken baut sich die That auf, wo diese fehlen, kann diese niemals geschehen. Und wenn dieses vortreffliche, kleine Weib, das ich hier in meinen Armen halte, nicht das Material zur Erfüllen der Pflichten menschlicher Barmherzigkeit in sich getragen sie würde sicherlich niemals gelernt haben, gütig, opferfreudig und theilnehmend zu sein." Beate wiegte zweifelnd das Haupt. Du irrst, mein Freund," flüsterte sie, die guten Eigenschaften, die wir in uns tragen, bilden nur den Boden, auf welchem die goldenen Früchte eines nützlich angewendeten Lebens gedeihen, aber dieser Boden bedarf des Pfluges, der ihn umarbeitet und zur Aufnahme der Aussaat bereit macht. Und weißt Du. wie dieser Pflug, der rücksichtslos und mit scharfem Eisen das Erdreich aufwühlt, heißt? Die Erfahrung!" Die Erfahrung!" widerholte Busch mit leiser Stimme, er hatte seine Frau verstanden. Doctor Neumüller empfahl sich mit einem halblauten Guten Abend" und ging geräuschlos hinaus. Sieh. Eberhard." fuhr die schlanke Frau fort, sich innig an den großen bärtigenMann schmiegend, leben nicht Tausende von Frauen, deren Instinkte und Gefühle die besten, die edelsten sind, aber ihre Augen sind geschlossen, ihr Bewußtsein schlafumfangen. Sie haben keine Fühlung mit der Welt, in der man von gedeckten Tischen und warmen Kleidern nur träumen kann, in der man hungert und friert, krankt, ohne Heilung suchen zu können, und hinsiecht, ohne Zeit zu finden, sich nach Rettung umzuthun. Sie ahnen nicht, diese Kinder der Sonne, daß es ihnen so nahe einen Abgrund gibt, in den nur selten ein Strahl des Lichtes fällt, das sie selbst nicht einmal besonders beachten und schätzen, weil sie gewohnt sind, es beständig zu haben. Ich aber ich habe diesen Abgrund kennen gelernt, ich habe im Dunkel getastet und geirrt ich fühle nicht nur. ich weiß und wie schwer auch dieses Wissen erkauft sein mag wie schwer wie unaussprechlich theuer jetzt, nach so vielen Jahren, da alles alles hinter mir liegt, ist die Erinnerung an das Entsetzliche mein unsichtbarer Gefährte auf meinen Wegen in die Stätten des Elends und der Verzweiflung!" Eberhard hob sanft ihr Haupt empor und . küßte die Thränen von den langen dunklen Wimpern. -, Laß das vergessen sein, mein Lieb." bat er, Du hast gelitten, und Deine Leiden haben geendet. Darfst Du nicht die einzig wahre Genugthuung empfinden, die der Mensch aus derartigen Prüfungen in den sicheren Port hineintragen kann? Die Wogen haben Dich umbraust und Du mußtest mit ihnen rinaen und kämpfen, aber

als Du an's Land stiegst, hallen Dich die Wasser reiner, weißer gemacht der Tang, der Schlamm, den sie mit sich führen, er hatteDich nicht erreicht." Nein er hatte mich nicht erreicht!" sagte Beate einfach, doch mit fester Stimme. Was Du in jenem Lande zurückgelassen hast." fuhr Busch fort, das geliebte Weib fester an seine Brust ziehend. das war ja nur ein Todter. Bist Du Nicht zufrieden mit dem Lebenden, für den Du jenen eingetauscht?" O Eberhard! Lieber, geliebter Mann!" Du kannst vergessen, Beate; jene Zeit darf für Dich nicht mehr existiren, sie ist ausgelöscht. Der Mann, dem Du nach der Neuen Welt folgtest, mit dem Du Dich drüben vermähltest, er ist todt. Du selbst hast ihm die Augen zugedrückt Du hast es mir erzählt Du zitterst, mein armes Weib. Du verbirgst Dein Gesicht, o. ich errathe Deine Gedanken. Du weinst, weil Du nicht mir die erste, ungetrübte Neigung schenken durftest. Ich will Dich an Deine eigenen Worte von vorhin, erinnern: auch die Liebe wird oft durch die Erfahrung veredelt, die reine Gluth, die der lodernden Flamme folgt, sie strahlt mehr Wärme aus als jene und es läßt sich behaglicher in ihrer Nähe , weilen, weil Rauch und Qualm verschwunden sind. Nein, wirklich, könntest Du in mein Herz schauen, Du würdest Dich überzeugen, daß ich jenen Mann, der so schnell nach so kurzer Zeit des Glücks von Dir scheiden mußte, bedaure und bemitleide, fast nicht weniger, wie Du es wohl thust. Sieh, wäre fein Grabmns nicht fo fern, ich würde Dich zu feinem Hügel begleiten, und wir würden vereint dort seiner gedenken doch er ruht jenseits des Meeres wo war es doch, wo hast Du ihn in die Erde gesenkt?" In in New York." hauchte Beate. Und auch Dein Kind liegt dort begraben?" Mit seltsamer Starrheit war ihr Blick m's Leere gerichtet, ihre 'Hände umschlangen mit krampfhaftem Druck die seinen. Mein Kind," kam es kaum hörbar von ihren Lippen, ich ja ich begrub es auch dort." Und im nächsten Augenblick warf sie sich mit leidenschaftlichem Ungestüm an Eberhards Brust und preßte ihre Wange an die seimge: WirstDu mich immer, immer lieben?" rief sie, und eine unausgesprochene, die Seele folternde Furcht zitterte in ihrer Stimme. Sag es mir, Eberhard schwöre es mir o laß mich niemals daran zweifeln!" Thörichte Frau, weißt Du nicht, daß Du meine Seele bist, heute wie vor sieben Jahren, da ich Dich fand, umgeben von Tod und Verderben, Du denkst doch noch daran?" Sie nickte bejahend, doch ihre Gedanken weilten nicht bei den Bildern, die ihr Gatte mit feuriger Veredsaru--keit entrollte. Das Blatternhospital in Neapel. Welch ein trauriger, schreckensvoller Platz! Die preußische Regierung hatte mich hingeschickt, die furchtbare Krankheit, die einer Gottesgeißel gleich das sonnige Land durchzog, zu studirm und zu beachten. Ich erfüllte meine Pflicht ohne eine Spur von Besorgniß. Wir Aerzte sind gewöhnt, die Vernichtung in ihrer abschreckendsten Gestalt zu sehen; doch den Jammer, das grauenvolle Elend, das sich hier den Blicken bot, vermochte kaum der Arzt zu ertragen. Viele von den italiemschen Kollegen flohen, andere brachen erschöpft nach einigen Tagen und Rächten aufopfernder Arbeit zusammen, einige starben wie Helde auf dem Schlachtfeld den Ehrentod die Epidemie hatte auch sie erfaßt. Angesichts dieses großen,Herrscher und Volk, Arm und Reich, niederbeugenden Unglücks vergaß ich die Grenzen meines Auftrags, ich vermochte nicht den müßigen Beobachter zu spielen, ich wurde ein Mitarbeiter, ein Helfer!" Ein Gottgesandter, den man an. betete vergötterte." rief Beate. Ein Mensch, der sich glücklich schätzte. Menschenelend lindern zu helfen. Und ich hatte ja eine Mitarbciterin für meine schwere Aufgabe, eine Bundesgenossin, die mit mir Schulter an Schulter kämpfte, ein junges Weib " Jung? Du unzuverlässiger Erz'ähler! Fast dreißig Jahre alt war jene Frau und krank und weltmüde dazu." Sie besaß die Schönheit und die siegende Kraft der Jugend, sie that mehr, als alle Männer um sie her, und die Kranken küßten ihr die Hand, die ihnen ein Labsal reichte. Nun, der Schluß der Novelle ist doch ganz selbstverständlich? Der Arzt-und die Pflegerin, die in bangen Nächten die Mühen und Gefahren theilten, sie sehnten sich danach, auch im Sonnenschein zu sammm tu leben, zusammen das Glück kennen zu lernen. Sie waren beide frei und unbehindert in ihren Entschließungen Frei und unbehindert," widerholte Beate leise. Und als der Arzt wieder über die Alpen zog. der Heimath entgegen, da führte er fein Weib mit sich heim sein stilles, ernstes Glück." Eberhard hatte längst das still gewordene Weib m die Nische am Fenster gezogen, er saß in seinem Armsessel und sie kniete vor ihm. das Haupt in seinem Schovß bergend. Jetzt, als er geendet, fühlte er seine Hand, auf die sie ihre Augen gedrückt, feucht werden. Du weinst?" fragte er weich. Freudenthranen!" flüsterte sie, ohne zu 'ihm emporzuschauen, Freu-denthränen!-8. C a p i t e l. . Die Höhte", in der, wie der Diener Franz Bartels versichert hatte, die Failie Strohbach in der Koppenstrabe

hauste, und aus der selbst er nach kur, zem Aufenthalt entsetzt geflohen war, bestand aus zwei Räumen, einer auf den dunkeln, unsauberen Hof hinausgehenden Stube und einem Alkoven. Hätte der Diener des Geheimraths den letzteren gesehen man hatte ihn nicht so weit kommen lassen, sondern ihn in der Stube abgefertigt wer weiß, ob er nicht sein Urtheil ein wenig gemildert hätte. Während nämlich das Zimmer von dem Lithographen und feinem Weibe bewohnt wurde und thatsächlich ein Bild der wüstesten Unordnung und ' jeder Vernachlässigung bot, welche die Armuth noch um ein gut Theil ärmer erscheinen läßt, während hier außer einem kleinen eisernen Kochherd, einem zerbrochenen Tisch und nicht viel besseren Stühlen, einer mit Lumpen bedeckten Bettstelle und einigen alten in der Ecke aufgethürmten Kosten fast nichts, was als Mobiliar bezeichnet werden konnte, zu bemerken war, machte die daran stoßende Kammer den Eindruck peinlichster Sauberkeit, die den geringen, hier b:kindlichen Habseligkelten einen Anstrich von Wohlhabenheit verlieh zumal im Vergleich mit dem Hausstand" des benachbarten Raumes. Hier wohnte die alte Frau Strohbach, oder vielmehr, sie wurde hier geduldet, so lange es ihrem Sohne und seinem Weibe so gefiel. Die Greisin war, soweit ihr lahmes Bein es ihr gestattete, ängstlich bemüht, ihr kleines Stübchen in Ordnung zu halten. Ihre Lagerstatt wurde von einer sauberen geblümten Decke verhüllt, an dem Fenster prangte eine weiße Gardine. Tisch, Fußbank und Stuhl waren mit Sand blitzblank gescheuert wie der Fußboden, ja sogar einen schwachen Versuch, ihr Heim ein wenig zu schmücken, hatte die Alte unternommen, hing doch über ihrem Bett an der weißgetünchten Wand eine Kreidezeichnung ihres seit gen Karl Strohbach, ihres in Amerika verstorbenen Mannes, und über dem Tisch, an welchem sie zu arbeiten pflegte sie übernahm kleinere Repcrraturen an Kleidern und Wäfchestücken war in Glas und Rahmen das Vaterunser angebracht, färbenprächtig mit Schnörkeln und kunstvoll verschlungenen Initialen verziert und von einer Fülle paradiesischer Blumen umrankt. Unter diesem frommen Wandschmuck saß Frau Johanna Strohbach auch heute Abend, kurz nachdem sie von ihrem Besuch bei Geheimrath Busch zurückgekehrt war. Sie trug die große Stahlbrille, welche sie schon seit Iahren beim Arbeiten und Lesen brauchte, und stopfte verschiedene Löcher eines wollenen Strumpfes, wobei sie- sich eines pilzförmigerr Holzes bediente. Ihr Gesicht drückte Sorge undKümmerniß aus, und turn Zeit zu Zeit, hob ein leiser Seufzer ihre Brust., Dann fielen ihre Blicke, von unsäglicher Traurigkeit erfüllt,, auf die Thür die. zum Zimmer ihrer Kinder führten Hinter der ginoä lebendig genug- zm. Harte streitende Stimmen begegneten, einander in den niedrigsten Ausdrücken, Verwünschungen unk Dro--hrmgen, unk Faustschläge aus den Tisch, das Klirren der Teller, und zorniges Aufstampfen der Füße auf den Boden bildeten die Begleitung desunerbaulichen Textes. Das Strohbach'sche Ehepaar: war m einem regen Gedankenaustausch be. griffen, und die arme Alte wußte zu gut, auf wessen Kosten später wieder der eheliche Friede geschlöjseA zu wer--den Pflegte. Warum hast Du mich geheirathet. wenn Du nicht einmal Brat schaffen kannst," zeterte eine hohe weibliche Stimme, die sich der deutschen Sprache nur unvollkommen und mit start eng lischem Accent bediente, hättest mich drüben lassen sollen in Amerika, da war ich eine Lady, verstehst Du mich eine Lady und konnte Champagner trinken, so viel ich wollte." Eine schöne Lady." schrie der Lithograph, an der Bowery wärst Du zu Grunde gegangen, wenn ich Dich nicht aus dem Schlamm gezogen hätte. Sei froh, daß Du ?inen Mann bekommen hast. Du Du " Einen Mann? Ein deutsches Vieh, das mich verhungern läßt. Ha, ich könnte mir die Haare ausrcißen, daß ich mich betölpeln ließ ich, die schöne Maggie Brown, deren Hände die vornehmsten Männer gedrückt haben. O, ich Närrin ich Närrin! Was bin ich denn jetzt? Du. Du Schuft, sieh Dir meine Schuhe an, keine Sohle, und die Zehen sehen durch das Leder, und meine Kleider Lumpen, zerrissen, beschmutzt und dabei nicht einmal ein paar Groschen im Hause! Du Müßiggänger, Trunkenbold, Lüg ner und Betrüger was hast Du aus mir gemacht?" Schweig!" brüllte Strohöach. Schweig, oder ich schlage Dich zu Boden. Wer hat denn die Strohbachs zu Grunde gerichtet? Wer hat denn ihre schöne Farm, ihr Vieh, ihr Geld, ihr Haus verlumpt und vertrunken? Wer hat uns so weit gebracht, wie wir jetzt sind wer, frage ich, wer? Du Du elendes irisches Weibsbild, Du und ganz allein Du! Wenn ein Deutscher auf Erden zur Hölle fahren- will, geht er hin und heirathet eine Irische, sagen sie drüben. Mir ist's gut bekommen! Bin ich ein Trinker von Dir hab ich's gelernt; ein Müßiggänger Du hast es nicht anders gewollt; verkommen wir in Schmutz und im Elend das ist kein Wunder bei einem Frauenzimmer wie Du bist. Gefällt Dir's nicht mehr bei mir lauf in's Wasser, es wird keinen zweiter: Esel geben wie mich, der Dich davon zurückhielt, als Du tizw der Brooklvner Brücke heruntersp'rin gen wolltest damals, als der feir Franzose Dich im Stich gess:? hatie." . . (Fortsetzung folgt.)

Aür die Mchc. Kräftige Fleischbrühe. Man muß vor allem danach trachten, allen Saft aus dem.Fleisch zu ziehen und der Brühe einzuverleiben; deshalben zerschneide man das Fleisch, welches sehr frisch sein rntß, in kleine Stücke, lege es in kaltes Wasser und lasse es so langsam als möglich zum Kochen kommen, schöpfe den sich auf der Oberfläche der Brühe bildenden aus Eiweisflocken bestehenden Schaum sorgfältig ab, füge das nöthige Salz in sparsamem Maße und etwas Wurzelwerk hinzu und koche auf diese Art nach und nach das Fleisch so vollständig aus, bis es jeden Nahrungsstoff gänzlich abgegeben und alle nahrhaften Bestandtheile in die durchgeseihteBrühe übergegangen sind. RestevonKalbsbratenin Majonnaise. Man bereitet eine gute Majonnaisen - Sauce von fünf hartgekochten Dottern, mit einem rohen Dotter verrieben, 2 Eßlöffel Oel. etwas Pfeffer. Salz. Zucker, Essig und gehackter Petersilie, gießr diese über den in Würfel geschnittenen Kalbsbraten und richtet den Salat mit Petersilie zierlich garniri an. ebrigens kann man zu diesem Fleischsalat auch Rin-der-und Hammelbraten verwenden. Kalbsgulasch. Eine Kalbsbrüst wird sammt Knorpel und Rippen in kleine Stückchen geschnitten und beifeite gestellt. Indessen läßt man eine große, feingeschnittene Zwiebel mit Speck gelb anbraten und giebt nun die Flcischstückchen dazu nebst einer Messerspitze Paprika. Man läßt das Fleisch im eignen Sast dünsten, bis es Farbe hat, worauf man es mit etwas Brühe und saurem Rahm aufkocht. Hammelbraten in Ma d t x t a Eine gespickte Hammelkeule schlägt man in ein mit Essig getränktes Tuch und hängt sie' einige Tage an einen kühlen Ort, während deren man das Tuch wiederholt wechselt. Hierauf wird die Keule leicht gesalzen, zwei Stunden im Ofen gebraten und mit folgender Sauce fervirt: Einige in Fleischbrühe undMadeira weichgekochte Trüffeln schneidet man inScheiben, die mau sammt der Brühe zu dem Bra tenjus gießt und, sie mit diesem sowie einer braunen Mehlschwitze zu einer Sauce verarbeitet; zu welcher außerdem noch ein Gläschen Madeira, Salz und etwas Citronensaft gehört. Nichtig zubereitet, hat diese Sauce einen außerordentlich angenehmen und kräftigen Geschmack. Zubereitung einer guten B u t t e r sa u c e: Dieselbe wird zu Spargeln, Blumenkohl, Kalbfleisch, Hühnern und so weiter gegeben. Ein Stück frischer Butter läßt man zergehen und giebt einige kleine Löffel Mehl hinein, ebenso eine kleine, mit' einer Nelke besteckte Zwiebel. Hat das Mehl etwas angezogen,, so füllt man mit der betreffenden Fleisch-, Fisch- oder Gemüsebrühe auf, würzt mit Muskatnuß und salzt. Nun verrührt man zwei Eidotter mit zwei Eßlöffel frischem Wasser und einem' Eßlöffel zerlassener Butter und mengt dieses vor dem An richten unter dir durchgeseihte Sauce. Es ist von ganz-besonderer Wichtigkeit, daß man das Eigelb nicht zum Kochm kommen läßt; auch darf die Sauce we-der-zu dick noch dünn und läpperig fein. Butte rnrrlchk u ch e x Wie alle mit Buttermilch hergestellten Speisen, sind auch diese Pfannkuchen sehr leicht verdaulich. Zu einem Tassenkopf voll Buttermilch wird Mehl hinzugerührt, bis der Teig steif ist, dann -eine Messerspitze voll Natron hinzugegeben. Die Kuchen werden mit dem Löffel in der Setzeierpfanne mit Fett gebacken und warm mit Fruchtsauce oder Mus gegeben. Klops mit Sardelle nbe? g u ß. Ein Pfund Rindfleisch, ein hak. des Pfund Schweinefleisch werden nebst einer Zwiebel und ein Viertel Pfund entgräteter Sardellen sehr fein gehackt, mit einem in Milch geweichten und einem geriebenen Weißbrötchen, etwa Pfeffer und gewiegter Citronenschale nebst 2 Eiern vermischt und zu runden Klößchen geformt. Aus 4 Unzen Bat. ter und einem Löffel Mehl macht man eine hellbraune Einbrenne, verkocht dieselbe mit Fleischbrühe und 5 Unzen gehackten Sardellen, legt eine Anzahl Klops in den Beiguß, worin sie langsam gar dämpfen, und fügt zuletzt noch einen Löffel Kapern hinzu. Kraftbier suv'pe. 2 Quart leichtes Bier mit einigen Gewürznelken, etwas Zimmet, Citronenschale und 1 Unze Zucker werden aufgekocht. Ein halbes Quart dicke süße Sahne wird mit 6 Eigelb im Wasserbade heiß gequirlt, das Bier durchgeseiht und unter fortwährendem Quirlen zu der Sahne geschüttet. Die Suppe muß sofort angerichtet werden und ist ebenso wohlschmeckend wie nahrhaft. Kleine Zwiebäcke reicht man dazu. Erbsen in Milch. Junge Erbsen werden ausgekernt und in einer Kasserole in reichlich Butter 15 Minuten gedämpft., dabei fest zugedeckt. Es muß auf schwachem Feuer geschehen und ist es am besten, eine irdene Kasserole zu benutzen, um das Anbrennen zu verhüten. Nun gibt man etwas gute Milch hinzu, schmeckt nach dem Salze und läßt d!e Erbsen vollends weich kochen, macht sie dann mit etwas Mehl sämig und schwenkt sie kurz vor dem Anrichten mit etwas Puderzucker und mit Petersilie, welche man mit einigen Salatblättern fein hackte, um. Beefsteak von geschabten! F l e i s ch. Ein StückOchsenfleisch vom Hinterviertel fchneidet man in Scheiben und fchabt es mit dem Stiel von einem starken Blechlöffel ganz fein aus allen Häuten und Sehnen. Nun salzt und pfeffert man es, mengt einige Lösfel kaltes Wasser dazu, formt fingerdicke, runde Beefsteaks daraus und brät sie sehr rasch in heißer Butter...