Indiana Tribüne, Volume 21, Number 250, Indianapolis, Marion County, 29 May 1898 — Page 2
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ßontraltc. Non Ecyn Waldau. ' Vor dem säuleng:tragenen Voibau rr Kirche hält eine endlose Wagen bürg von leganten Equipagen und windet sich wie eine dunkle Niesenschlänge schrittweise vor Eine fco: nehme Trauung. Der Bräutigam ein eleganter Cavalicr mit verlebten Zugen. Die Braut eine stolze Schönheil, nicht ganz jung mehr, aber ieder Zoll cn ihr die große Dame, Sie hat sich in der Ganser Vension jenen Schliff ngeeignet, dessen Nichtvorhandenscin ihren Eltern stets den Eintritt in exclusive Kreise verwehrt hatte. Schon längst hätte sie sich verheircühen kön?ien, aber sie wollte nun einmal einen Namen", und so wartete sie, bis der Mann mit dem alten Adelsnamen erschien. Und ihr Herz? Wußte es nichts ton der Liebe? J2 doch. Vor langer Zeit einmal war ihr eine Ahnurg dieses Gefühles aufgegangen. Da hatte auch sie ihren Roman" gehabt. Sie hatte den flo:im, fröhlichen Studenten beim Eislaufen kennen gelernt. Sie besitzt noch heute Briefe von ihm. in denen er schwört, sich erschießen zu wollen, Penn sie sich von ihm wendet. Der gute Junge, Das ist, wie gesagt, lange $tz drei Jahre! Die vornehme, feierliche Ceremonie ist zu Ende. Des Beglückwünschens, Küssens und Händeschüttelns ist lein Ende. Das Gesicht des Brautvaters strahlt Don Genugthuung. Er hat es herrlich weit gebracht, er, der ehemalige Schlächter, Armeelieferant, Conuuissionsrath. Er hat jetzt einen Schwi;gersohn, dessen Stammbaum bis in die Zeit der Kreuzzüge hineinreicht. Ein schönes Stück Geld hat es übrigens gekostet, den Schwiegersohn aus den Händen der Manichäer zu befreien, itz man hat's ja dazu! Die Thüren werden geöffnet und die Wagen rollen vor. Die spalierbi!dende Menge reckt die Hälse. Bewun dernde und hämische Ausrufe fliegen hinüber und herüber. Die Wagenthüren fallen in's Schloß, die Pferde ziehen an. Gefährt auf Gefährt eilt davon, dem Kaiserhof" zu. Eine Viertelstunde später. Eine schlichte Droschke klappert heran. Noch duften die Blumen um der: Altar, noch stehen die Stuhlreihen aufgepflanzt; man hatte eben noch keine Zeit gehabt, sie fortzuräumen. Aber die Lichter sind bis auf zwei Altarkerzen erloschcn, die Orgelklänge, der Gesang verstummt. Nichts mehr von der glänzenden Gesellschaft. nur wenige Menschen sind da. Mit beklommenen Mienen durchstreben sie das mächtig aufstrebende Gewölbe. Zwei von ihnen wollen ebenfalls den Segen der Kirche für ihren Bund erbitten. Die Braut in dem glatten, schwarzseidenen Kleide ist längst nicht mehr jung. Aber ihr Herz ist es. Die bleichen Züge sprehen von dem Kampfe um's Dasein und durchwachten Nächten, durchwacht bei der Arbeit um's tägliche Brot. Aber ein Stern hat ihr vorgeleuchtet in diesen Nächten 'des Kampfes und der Arbeit, eine Stunde hatte sie ersehnt in diesen langen Jahren des geduldig: Harrens und des unentwegten Hoffens. Und der Stern hatte sich in ihr Dasein herabgesenkt, die Stunde war gekomrncn sie stand vor dem Altar. War auch ihre Jugendblüthe verwelkt darüber, ihr Herz war trotzdem noch nicht gealtert, lind das war doch am Ende die Hauptsache. So meinte sie, und so meinte auch er der Bräutigam. Der Vräuticxim! Er hatt so gar nichts Festliches an sich mit seiner grofccn, hageren Figur, mit dem bartlosen, sommersprossigen Gesicht, den flachLblonden Haaren und den hellblauen Augen. Er war bisher Diätar im Bureau eine: großen Lebensversicherungs - Gesellschast gewesen. Nun endlich war er fest angestellt worden, allerdings mit einem lächerlich kleinen Gehalt. Da wagten sie denn den großen Schritt. Sie wird mit ihrer Nähmaschine das Einkommen vergrößern, und sie werden glücklich miteinander leben. Die Trauungsceremonie dauert nicht lange, die Rede des Geistlichen ist kurz. Draußen stehen keine Neugierigen. Niemand beachtct dies Paar, wie es jetzt wieder die Droschke besteigt. Ihr Ziel ist die Vorstadt, wo die letzten Häuser" stehen, in einer MansardenWohnung, zunächst dem Himmel, haben sie sich ihr bescheidenes Heim hergerichtct. So fahren sie dahin durch den dämrnernden Abend, umdröhnt von dem tausendsältiqen Lärm und Gewoge des Großstadtlebens. Sie brauchen ihr Glück nicht zu erjagen sie führen es mit sich! Nur ein Wort.
Von K. E. Knodt. Mit einem einz'gen Wort der Liebe Hat Mancher schon ein Menschenherz Vielleicht ganz im Vorübergehen Erlöst aus einem langen Schmerz 1 Den Seglern gleich, die auf den Inseln Der Südsee eines Kernes Keim Ganz ahnungslos zurückgelassen; Als sie nach Jahren kehrten heim: Da waren die einst kahlen Flächen Mit zaubervollem Grün bedeckt. So hat ein Gruß an die Enterbten Oft auch schon eine Welt erweckt. . . Aus d e r I n st r u k t i 0 n sfiunde. Unterosficier: Rekrut Huber, mit was ohne darf der Soldat nicht am Pulverkasten vorbei oehen?" Rekrut Huber (schweigt). Unter. osficier: Sie Kameel! Mit einer Vleife ohne Deckel.-
$ie Waricnkammcr. Von B. Schoebel. Zehn Jahre waren vergangen, seit
der Senator Gehrenbeck, ein Mann von stattlicher Erscheinung und macht vollem Reichthum, die verwittwete Frau Brigitte von Sarre als sein Weib über die Schwelle d:r clematisumrankten Villa draußen am AlsterBassin geführt hatte. Ader dos Glück, das echte, rechte, das Machende Glück schien gezögert zu frUn, mit über diese Schwelle zu treten. Wohl blickte die noch immer schöne, wenn auch nicht mehr von erstem Jugendglanz umflossene Frau den Gatten dankbar an, wenn er sich stets auf's neue bestrebt zeigte, ihr Leben zu schmücken, ihren Weg zu ebnen, wohl mühte sie sich um den complizir ten Haushalt, daß er wie auf Rädchen ging aber etwas Verschleiertes, Unaufgelöstes haftete ihr an, ein gequälter Aug prägte sich täglich tiefer um ihren Mund. Langsam breitete sich um das Paar tjent schwere, unbewegliche Atmosphäre , aus. wie wir sie in Häusern finden, die kein Kinderjauchzen durchschallt, kein froher Lärm, durch dessen Räume niemals eiligere kleine Füße lustig trippeln. Der Senator sand endlich eine tröstliche Erklärung für das seltsame We sen seiner Frau. Sie sehnte sich nach Mutterglück! Nach einem holden Gegenstand für Zärtlichkeit und Liebe, nach rosigen Kinderlippen, nach tiefen, großen, unschuldvollen Augen ! Ihr Sohn erster Ehe. ihr einziges Kind, war durch einen Unglücksfall das Kentern eines Schiffes früh dahingenommen worden. So kam Gehrenbeck dazu, Brigitte eines Tages den wohlübersonnenen Vorschlag zu machen, ein Pflegekind in das einsame Haus zu nehmen, dem legitime Elternfreuden versagt sch:enen; doch mit unverholenem Entsetzen wies die Frau das Anerbieten zurück. Abwehrend erhob sie beide Hände. Nie!" stieß sie heftig empor. Niemals!" Und ohne weitere Begründung dieser schroffen Ablehnung eines so freudig ausgesprochenen Vorschlags zog sie sich zurück. in einen Raum zurück, der der stillste des prächtigen Hauses war, ihr Lieblingsaufenthalt, ein geweihter Raum, die Marienkammer. Kühl und feierlich war es hier, der gothische Schwung der Fenster, der Paneele, des Gefühls mahnte an das Innere einer Kirche, und doch durchsonnte der Strahl der Mutterliebe das hohe Gewölbe. An den mit dunklem Leder verkleideten Wänden hingen Madonnen, nichts als Madonnen. Kopien jener Abbilder der heiligen Frau, die Rafael einst geschaffen. Süß, bezaubernd und fromm blickten sie aus ihren Rahmen herab. Hie? war es, wo Frau Brigitte taglich in schmerzlicher Versunkenheit, in tiefem Sinnen und Grübeln weilte. Worüber sie sann ? In Thränen blickte sie auf zu all den milden, verklärten Augen, und über ihre Lippen zitterten heimliche Gebete. Da gab es eines Morgens eine bewegliche Scene im Frühstückszimmer. Die sonst so gelassene Stimme des, Hausherrn klang aufgeregt und scharf. Einer der bewährtesten Diener des Hauses hatte sich desjenigen Vergehens schuldig gemacht, das der Senator am härtesten verdammte und niemals ungestraft ließ; der Lüge. Unnachsichtlich wurde der Mann entlassen. Mit zitternd erhobenenHänden legte grau Brigitte Fürsprache ein. Gehrenbeck stützte sich schwer auf den Rand des Tisches. Wer lügt, trägt eine faule Stelle w sich. steht auf der ersten Stufe zum Verbrechen." Er blickte düster vor sich hin. Brigitte erschrak; sie wagte nicht, weiter zu sprechen. Der Senawr fuhr nach Hamburg hinein. Mit bebenden Knieen schlich die Frau zur Marienkammer. Da brachte man ihr einen Brief, einen weitgereisten, überseeischen Brief. Antheillos öffnete sie den Umschlag, gleichgültig senkte sie den Blick auf die Schrift nieder. So seltsam bekannt erschien ihr diese Schrift. . Ein gewaltiger Ruck ging durch ihre Glieder, sie fuhr aus dem Stuhl empor, als habe ein Schuß sie getroffen, sank wieder zurück preßte den Brief sn ihre Lippen, an ihr Herz. Sie lachte, sie weinte. ein Paroxismus der Freude hatte sie ergriffen. Doch plötzlich entsank das Vriefblatt ihren Händen. Sie zuckte zusammen, ihre Augen wurden weit, starr, dann deckte sie die Hände darüber. Sie, stöhnte .... Mit bleiernen Flllgelschlag zog die Zeit an ihr vorüber, es berührte sie kaum. Sie wartete auf ihn, ihren Gatten ihren Richter! Endlich klangenGehrenbecks Schritte fon Gang. Mit seiner gewohnten stillen Miene trat der Senator ein; doch er erschrak vor dem Anblick, der sich ihm bot. Was bedeutet das?" fragte er mit' erzwungener Gelassenheit auf seine Frau zugehend. Du sollst alles erfahren sagte sie nach Athem ringend, den Blick am Voden. mit verdunkelter Stimme .... Mein Kind, mein Sohn, an dessen Tod durch einen Unglücksfall Du bis her glaubtest " sie befeuchtete die ausgedörrten Lippen mit der Zunge, .mein Sohn ist nicht todt, war nur verschollen Er lebt, lebt!Durch alles Weh und alle Furcht brach der Jubel des Mutterherzens. Der Senator trat einen Schritt näher. Eine tiefe Blasse lag auf seiner Stirn. Und auö welchem
Grunde verschwiegst Du eS mir? lebtest in einer Lüge an meiner Seite ? aus welchem Grunde. Brigitte?" Gleich einer Anklage schleuderte er ihr die Worte zu. Sie sank zu seinen Füßen nieder. Um mein Kind zu schonen, sein Andenken zu retten!" Ich verstehe das nicht!" Schweigen erfüllte den hohen Raum. Die Liebe, der er geweiht war, schwebte hindurch, die Mutterliebe. - Brigitte, immer noch knieend, begann: Ich liebte meinen einzigen Sobn über alles, abgöttisch! Selber fast noch ein Kind, verzog ich ihn, statt ihn zu erziehen. Aber schwer sollte sich meine Schwachheit rächen, an ihm, an mir unbändig wurde er, als er zum Knaben heranwuchs, Niemand hatte Gewalt über ihn. Ich versuchte es. mit verspäteter Strenge, ihm Einschränkungen aufzuerlegen er kam so weit, sich an an fremdem Eigenthum zu vergreifen." Ihre Stimme erlosch. Gehrenbeck stöhnte. ' Kaum hörbar fuhr Brigitte fort: Da wurde meinHerz hart,versteinerte. Ich übergab ihn dem Schicksal zur ErZiehung. Aus meiner süddeutschen Heimath brachte ich ihn hierher nach Hamburg. Ein Ostindienfahrer nahm ihn als Schiffsjungen an Bord. In finsterem Trotz schied der Liebeverwohnte von mir Halbgebrochen, wie ich war, vermochte ich es nicht, mich von der Stadt zu trennen, in der ich meinen Sohn zuletzt gesehen, zum letzten Male vielleicht. Ich blieb in Hamburg. Da lernte ich Dich kennen, Johannes, Dich, die Wahrhaftigkeit, die Mannesstärke und Mannesgröße selber. Ich faßte eine tiefe, starke Neigung zu Dir Du batest um meine Hand. Johannes, kannst Du es mir verzeihen, wenn ich es nicht wagte. Dir das Verbrechen meines Sohnes zu gestehen? Wenn ich den für todt ausgab, der fortan verschollen für mich blieb?" Da seufzte Gehrenbeck tief. Er gedachte einer finsteren Stunde seines Lebens. Steh' auf. Brigitte," sagte er mild, ich verzeihe Dir." Er nahm sie in seine Arme und küßte ihre Stirn. Wir alle erleben wohl unser Golgatha, wir Menschen. Du hast meine eigene Geschichte erzählt. Nur ist mein Vergehen ", er zögerte, als er fortfuhr, zitterte seine Stimme: Meinem strengen Vater hab' ich einmal einmal ein kleine Summe genommen, um sie nach drei Tagen von Gewissensbissen gefoltert, wieder in seine Kasse zu legen nur ist mein Vergehen, ein Gehmniß geblieben zwischen mir und Gott. Mein Fall wurde meine ErHebung." Wie sie ihn anblickte! Voll von Verehrung, von Dankbarkeit! Auch mein Sohn wurde ein gebesserter Mensch, ein nützliches Mitglied der Gesellschaft. Er steht auf eigenen Füßen. Und nun fleht er mich an, zu mir zurückkehren zu dürfen." Schreib' ihm, daß er kommen soll. Deinem Sohn ! Er wird einen Vater in mir finden." Sein Gesicht trug wieder den stillen friedlichen Ausdruck. Die Madonnen schienen von den Wänden niederzulächeln, die kleinen Engel zwischen den Wolken, ihre Flügelchen zu regen Die mc Fcrsclttc. Humoristische EkizzevonB. Hermi. Ich war Tage lang in gehobene? Stimmung feit dem Moment, wo ich sie gemiethet. Vorher hatte ich eine Zeit der Depression durchlebt, es war, als ob ein böser Geist in meine Küchemegionen eingezogen und darin umginge. Von Zeit zu Zeit der Zwischen räum dauerte nie lange mußte ich dafür sorgen, daß die Luft rein wurde. Der Consum von Ab- und AnMeldeformularen mehrte sich bedeutend, und der in der Nähe unserer Wohnung stehende Dienstmann nickte mir schon immer verständnißvoll zu, fast dankbar, da ich ihm recht häufige Beschäftigung verschaffte. Manch Straßen passtrte ich mit eigenthümlich fatalem Gefühl, ich war dort wie zu Hause in den zahlreichen Miethsbüreaus. bei den hilfreichen Agentinnen,, die ihr ganz vortreffliches, stets höchst empfehlenswerthes Personal das sie nicht einmal von Ansehen kennen an den Mann, oder vielmehr an die Frau zu bringen versuchen. Ich ging sogar zeitweise mit der Idee um, selbst solches Büreau einzurichten, denn abgesehen von dem lukrativen Geschäft der prompten Doppelbezahlung hätte ich doch das erste Aussuchen gehabt, ob ich aber, selbst dann mein Ideal gefunden hätte, ist allerdings auch noch fraglich. Eines Tages kam es nun zu mir ins Haus das Ideal. Es zog ziemlich heftig an der elektrischen Glocke das Ideal. Angethan war es mit einem hellcarrirten Leinwandkleide, einem Umschlagetuch darüber, altmodisch, durchaus nicht an die Küchenfeen sin do-sicle erinnernd. Es trat sehr bestimmt auf, mit einer Empfehlung der Frau Präsident, der es nicht in die Versetzung nach oberwärts" folgen wollte. Nur mir hätte die Frau Präsident die Male gegönnt". So bestellte die Male. Ich fragte der Ordnung wegen nach den Kochkünsten. Nun, das Repertoir.das sie mir aufrollte verblüffend wirkte es und be zwingend; wie hatte ich es denn nur mit ihren Vorgängerinnen aushalten können, wo etwas Derartiges eristirt. Ich koche perfekt-", wiederholte sie im Brustton der Ueberzeugung; aber weiße Häubchen, Madame, trage ich nicht, das sage ich Sie gleich, das sieht so ammenähnlich auö.- Dabei schüttelte. sie energisch den grauen Kops, dessen Scheitel von Pommade glänzte.
Ich brach das heikle Thema ab und
fragte zaghaft nach der Hohe des Loh nes. worauf ich eine Antwort erhielt, bei de? sich meine Gesichtsmuskeln krampfhaft verzogen. Da gab es aber auch kein Rütteln, denn solche Per fektrn haben das eben zu beanspruchen. Sie bemerkte mein Schwanken, da begann aber auch schon die Kuchen schlänge ihre Verführung bei mir. Wie sie es verstand, mir das Real Turtle Ragout, die getrüffelten Wach teln, die Gelees von Mandarinen zu beschreiben, wie sie mich mit dem Eis, das sie in hundert Arten zu bereiten wußte, köderte, wie die Krebssuppe es mir endlich anthat. . ich sah sie vor mir. . . seimig, mit feinen Klößen, hell ziegelroth. . . ich nahm mir vor, ganz heimlich, im Stillen, ohne daß sie es merkte, einen Curfus bei ihr durchzu machen. Dafür konnte ich mir dann das Lehrgeld, das außer dem Hause sehr kostspielig ist, vom Lohn abrechnen, . . . überdies ersparte ich dann Köche und Conditoren, die nicht mehr in mein Haus zu kommen brauchten. Blitzschnell addirte und subtrahirte ich ... da wurde mir ja die Male eigent lich erstaunlich billig kommen. . . Ich stellte noch bescheiden einige Fragen. . . Remmacherei . . Putzen betressend. Wie ein Generalfeldmarschall. der die Uebergabebedingungen diktirt, sagte die Perfekte: Das Speisezimmer übernehme ich, mem Kupfer, mem Messing, mein Blech, weiter nichts." Ob nicht die Messer und Gabeln . . . vielleicht mit dem Hausmädchen ? Mich traf ein niederschmetternder Blick. Darauf ein kategorisches: Ich möchte mein Zimmer sehen." Es überlief mich eiskalt. Eiskalt war freilich das richtige Wort; der lange, schmale, unheiz bare Raum verursachte schon Frösteln bei der Besichtigung. Kein Ofen!" constatirte Male gleich. Das Zimmerchen ist allerliebst", lobte ich. nur ein bischen warm, eben die Nähe der Küche, aber man kann ja das Fenster öffnen. . ." Liebe ich nicht sehr" sagte sie wegwerfend . . . also warm . . . auch im Winter?" Jetzt war's Frühling. Ich log darauf los. Sehr warm . . . ia wohl, liebe Male!" Mem Gott, was konnte bis zum Winter nicht alles passirt sein! Außerdem ging mir so etwas wie Wärmflaschen und doppelte Betten durch den Kopf . . . Na. sie nahm Miethsgeld. . . Schon, um nicht insBllroh zu gch'n. Madame, so'n Sklavenhandel mit öffentlicher Abfragerei gefällt mir nicht man hat sich bis jetzt noch immer unter derHand um mir gerissen. . . Die Meinen behaupteten, ich wäre seit diesem Moment in sonderbar gehobener Stimmung gewesen. Jch-be-schäftigte mich in der That viel mit der neuen Ausgestaltung der Küche, damit die künftige Beherrscherin keine defekten Schüsseln, keine Schrubber ohne Borsten und nicht einmal den ausgefranzten Holzkorb vorfinden sollte. Ich hatte fabelhaften Respekt vor ihr. Nach einigen Tagen zog sie ein mit Koffer. Kommode, Bettsack und Korb. Ich ordnete an. baß Einiges davon nach dem Boden geschafft werde. Das verbat sie sich dringend. Ich muß mein mühsam Erworbenes unter Auaen haben, ich habe jetzt von so viel Bodendiebstählen gehört . . . und wenn gar Feuer ausbricht. . ." Meine Beruhigung, daß auch der Leute Sachen bei uns versichert seien, half nichts. Wenn von Unsereins 'was brennt", meinte sie resolut, so wird doch nichts von , der Versicherung bezahlt." Es half also nichts ich mußte Verschiedenes umpacken und einen Schrank sowie eine Truhe, die ich nothwendig gebrauchte, nach dem Boden befördern. Dann führte ich sie in das Küchenparadies ; auch hie Speisekammer glänzte. Sie prüfte Alles mit Kennerblicken. Es fehlt sehr viel", tadelte sie. Zum Beispiel, liebe Male?" Zum Beispiel Soya und Tomatenextrakt zu den Suppen und Saucen, die bekommen dann erst die feine Kraft . . . auch Fleisch-Pepton sehe ich nicht, ist unentbehrlich in der Küche wie Salz. . ." Hier ist Liebig's Fleisch-Extrakt, liebe Male." Das versteht sich von selbst. gnädige Frau", kam es mitleidig heraus. aber Pepton muß auch sein. Ist denn kein Kochwein da?" Kochwcin?" fragte ich. Natürlich Frau. Madeira. Burgunder, Mosel,. . . ich war mal kurze Zeit wo. da nahm man Essig und Cognac zur OxtailSuppe . . . natür lich blieb ich nicht . . . sind Sie schon mit dem Menu für morgen einig, gnädige Frau?" Menu! O du mein Himmel; Erbsensuppe sollte es geben mit Brockchen, dann gebratene Leber ... es kam mir plötzlich wirklich ärmlich vor. Deshalb begann ich: Erbsensuppe mit Croutons, Kalsleber mit Kartoffelpüree ond Salaten. . ." Natürlich fiehnserbs". schaltete sie ein. Ja, ja gewiß, aux flnes herbes", bejahte ich . . . dann etwas Süßes, vielleicht eine Omelette. . ." Ei", riefen die Kinder, die mir nachgekommen waren, Omelettes mitten in der Woche. . . feinchen!" Das ißt der Junker wohl gern?" fragte Male herablassend. Junker?lachte Otto, Mama, warum sagt sie Junker?" Sie antwortete statt meiner: So nennt man die kleinen Kna-' ben ja immer in altadligen Häusern." Wie um Entschuldigung bittend, fügte sie hinzu: Ich bin eigentlich fast nie in bürgerlichen gewesen." Fast genirte ich mich in dem Moment, daß wir nicht ein Bischen adlig sind. Bis dahin hatte ich den Mangel gar nicht so sehr emPfunden. Am andern Morgen trat ich in's Speisezimmer, als sie noch mit Aufräumen beschäftigt war. Auf den Flügel warf sie bitterböstBlicke. D gehört doch in'S Musikzimmer", brummte sie. Mit meinem Mann hatte sie es gleich verdorben; denn die Pflaumenweichen" kamen steinhart" auf den Tisch. Haben Sie denn nicht
nach der Uhr gesehen?" Bewahre, nein, so etwas Einfaches mache ich immer nach Gutdünken." Wir werden Sonntag e!n Mittagessen haben", sagte ich nachher in der Küche zu ihr. So, so, ein Diner", verbesserte sie. Zur Vorsicht frage ich doch 'mal, ob Sie sich fünf bis sechs Gänge übernehmen?" .Gnädige Frau", antwortete sie, halb gleichgiltig, halb anmaßend, mein Kuhm steht fest zu Oberpräsidents; ich fühle mich nicht beleidigt, wenn Sie es mir nicht anvertrauen, natürlich Hilfsköchin will ich nicht spielen." Wir besprachen darauf das Menu nichts war ihr zu kostspielig. Später ging ich noch einmal in die Küche; ich wollte gern sehen, wie eine Perfekte" die Omeletten machte, auch die fines herbes interessirten mich. Sie pflanzte sich breit vor dem Küchentisch auf und wehrte mir das Beobach-' ten. Ich liebe das nicht in meiner Küche", sagte sie mit malitösem Tonfall. Betrübt ging ich hinaus, denn es war mir, als ob ich meine Kochcursus - Illusionen soeben begraben hätte. Unser Mittagessen kam am ersten Tage eine halbe Stunde später auf den Tisch als gewöhnlich. Endlich war die Terrine erschienen. Ich hob den Deckel . . . 0 weh. . . denn ich merkte es sogleich und die Andern einen Augenblick später:, die Erbsensuppe war angebrannt, dafür fehlten aber auch die besprochenen Croutons: die hatte Male einfach vergessen. Mann und Kinder sahen mich mitleidig an. Einer Vision gleich tauchte der hilfreiche Dienstmann von der Ecke auf. Ja ich bin es eben anders gewöhnt", meinte sie . . . so die simple Hausmannskost." Ach. nun liegt mir das Diner am Sonntag furchtbar in den Gliedern. Wohin ist meine Glückseligkeit? Ein Stein lastet mir auf dem Herzen, denn Gesellschaften geben wir doch nur ein. zwei Mal im Jahre und simple Hausmannskost haben wir täglich. Wie werde ich meine Perfekte wieder los? Ein Blume im orsct.
Der französische Naturforscher Cuvier, der von Karl X. zum Baron und Mitglied des Oberhauses gemacht worden war, besaß 'unter den Damen des Hoscs sehr viele Freundinnen und die schönsten Mädchen von hoher AbZunft besuchten ihn häufig in seiner Wohnung im Jardin des Plantes. Zu diesen holden Besucherinnen zählte auch die bildhübsche Prinzessin de Penthiövre, die regelmäßig erschien, um ihre botanischen Studien zu vervollkommnen. Cuvier war ein aufrichtiger Bewunderer dieser jungen, halberblühten Schönheit, doch konnte er nicht umhin, die Blässe des schmalen Gesichts und die tiefen dunklen Ringe unter den melancholisch dreinschauenden Augen zu bemerken. Er wußte auch bald die Ursache dieser krankhaften Symptome, doch wagte er nicht, mit dem jungen Mädchen darüber zu sprechen. Trotzdem sann er viel darüber nach, wie er dem blassen Kinde zu frischen rothen Wangen verhelfen könne, ohne dessen Zartgefühl zu verletzen. Eines Tages zeigte er der Prinzessin eine eben entfaltete, Prachtvolle exotische Blüthe, deren große rosarothe Blätter durch ihre wunderbare Frische und Schönheit unter allen anderen Pflanzen auffielen. Die jungeDame äußerte laut ihrEntzücken, doch im nächsten Augenblicke flog ein trüber Gedanke durch ihr zierliches Köpfchen. Wie herrlich!" rief sie im ersten Enthusiasmus und fügte dann wehmüthig hinzu: Ach, welch ein Jammer, wenn man bedenkt, daß so viel Schönheit so bald vergehen muß" Lachend entgegnete Cuvier: O nicht doch, diese prächtige Blume ist ebenso schön wie zäh und lebenskräftig; wenn ihr nicht etwas ganz Unnatürliches und Seltsames zustößt, kann sie sehr lange blühen und das Auge des Menschen durch ihren Farbenglanz erfreuen." Drei Tage später wünschte die Prinzessin, ehe sie mit ihrer Lektion begann, die fremdländische Blume wiederzusehen. Wie erschrak sie aber, als sie kleine gelbe Streifen auf den rothen Blüthenblättern bemerkte, deren Schönheit dadurch bereits beeinträchtigt- wurde. Auf den Ausruf des Bedauerns von den Lippen seiner jungen Freundin meinte Cuvier mit schalkhaftem Augenzwinkern, daß er sich garnicht erklären könne, aus welchem Grunde die schöne Blume schon zu verwelken beginne. Nach kaum einer Woche war die köstliche ausländische Blüthe völlig abgestorben. O wie schade!" rief Mademoiselle de Penthievre entsetzt; und Sie sagten doch, daß die Blume ungewöhnlich lange frisch bleibe. Was ist nur geschehen?" Nur dieses hier," antwortete Cuvier mit ernster Miene, und zeigte dem jungen Mädchen ein Stückchen Seidenband, das ziemlich fest um den fleischigen Stiel der Blü-the-gebunden war. Die Prinzessin blickte verwirrt in das Gesicht des Gelehrten und als sie sah. daß dessen Auge ihre überschlanke Taille streifte, nröthete sie und senkte schweigend den Kopf. Voila, das ist Alles," fagte der kluge Mann langsam und bedeutungsvoll und dann wurde die Sache nicht mehr erwähnt. Als das reizende junge Mädchen- einige Tage später zur Stunde kam. sah Cuvier zu seiner großen Freude und Erleichterung, daß Mademoiselles Taille weiter geworden war und sich ihr schlanker Körper viel gewandter zu den kleinen Blümchen, die sie augenblicklich nähu kennen lernen wollte, hinabbeugen konnte. Entsprechende Vari ante. Der Dtrector hat Dir also ein glänzendes Engagementsanerbieten gemacht und Du?" Balletteuse: Ich habe dem Glucke ven Fuß geboten."
r Aer ßinörcchcr. Humoreske von Wilhelm Herbert. Rolf Schmitt war seit einem halben Jahre Rechtöanwalt. Seine reizende schwarzäugige Frau, die er als Referendar kennen gelernt und bezaubert hatte, wollte nicht all' die Fährlichkeiten abwarten, die der heiße Kampf um eine Staatsstellung mit sich bringen konnte; sie wollte bald mit ihrem geliebten Rolf vor dem Al-. tar stehen, und da ihre Mitgift ihm eine freie Berufswahl gestattete, war er in die Fußstapfen Ciceros getreten und hatte sich eine Robe, ein Sammtbarett und ein elegantes Messingschild gekauft, auf welch' letzterem seine Würde in einladender Form unten am Hause angeschlagen.war. Nun wartete er auf den ersten Clienten. Anfänglich ruhig und siegesgewiß dann mit unmuthigem Erstaunen über dessen langes Ausbleiben zuletzt mit nervöser Verbitterung. Sein ganzes Geistesleben concentrirte sich um den einen Punkt. Ob er Nachts träumend im Bette lag, ob er mit seiner allerliebsten Frau in der Oper saß oder mit ihr eine Spazierfahrt unternahm, immer sinnirte und grübelte er dem Unbarmherzigen nach, der da nicht kommen wollte dem ersten Clienten. Er versuchte verschiedene standesgemäße Reclameformen, er knüpfte auf den- Gerichtsgängen in leutseliger Weise Gespräche mit Personen an, die vertretungsbedürftig oder vertheidigungswerth aussahen. Alles umsonst. Es war gerade, als wären die CivilProcesse wie mit einem Schlage verglichen und die Strafdelicte abgeschafft worden. Naturgemäß litt auch Frau Hermine entsetzlich unter der ungestillten Sehnsucht ihres Mannes. Sie, die noch vor einem Jahre von der Streitsucht der Welt und von ihrer Schlechtigkeit nichts gewußt hatte, erblickte jetzt mit Vorliebe in den harmlosesten Menschen Proceßhansel" oder gar Verbrecher, nur damit diese bei Rolf Schmitt die Klingel ziehen und eines der vielen unbenutzten Vollmachtsformulare hätten unterzeichnen können; sie las fast nur mehr die Localnotizen, freute sich, wenn wo eingebrochen war, weil sie schon ihren Mann mit einer fulminanten Rede die Einbrecher heraushauen sah; ja zuletzt ertappte sie sich gar über der Gefühlsentartung, daß sie es heimlich in tiefster Seele ganz gern gesehen hätte, wenn plötzlich ein Raubmörder in den Salon getreten wäre und gefragt hätte: Bitte, kann ich vielleicht Herrn Dr. Schmitt sprechen?" Verwandte und Bekannte blieben natürlich nicht uneingeweiht in den Jammer der Dynastie Schmitt. Die Einen lachten laut, die Andern leise; die Besten darunter zuckten die Achseln und ein gutmüthiger Onkel erklärte kürzlich beim Gehen mit freundlichem Schmunzeln: Wißt Ihr, Kinder, es ist ja sehr nett bei Euch das kleine Frauchen kocht sogar, was ganz wider die Mode ist, ausgezeichnet aber Eines ist doch recht unbequem: Um bei Euch gern gesehen zu werden, müßte man mindestens immer unterwegs Einen todtgeschlagen hgben und für die beste Portion Rehschlegel oder Forellen ist mir eben doch meines Nächsten armes Leben nicht feil! Also gehabt Euch wohl, ich komme erst wieder, wenn Ihr mal einen dauerhaften und leistungsfähigen Klienten besitzt!" Die Sache war noch immer ertraglich gewesen, so lange Dr. Müller, SchmittsJugendfreund, der sich gleichzeitig als Arzt niedergelassen, keinen Patienten hatte. Getheiltes Leid ist halbes Leid und es that dem Schmittschen Ehepaare außerordentlich wohl, wenn es der Leidenschaftlichkeit lauschen konnte, mit der sich die Müllerschen Leutchen gegen die boshafte Gesundheit der heutigen Generation äußerten. Nun war aber auch hier das Entsetzliche, lange Gefürchtete eingetreten: Ein unglückseliger Leberleidender hatte sich zu Dr. Müller verirrt und war dort mit ausgesuchtesterHöflichkeit aufgenommen worden. Dr. Müller machte ihm nach halbstündiger begeisterterUn-
tersuchung die freundliche Eröffnung, daß es auch um seine Milz bedauerlich und um seine Nieren nicht zum Besten stände, daß er aber an die rechte Schmiede gekommen sei und auf Heilung unbedingt rechnen könne, daß übrigens mindestens ein halbes Jahr darüber hingehen müsse. Nun kannten sich Müller's natürlich vor Hochmuth nicht mehr aus. Frau Dr. Schmitt fühlte sich auf's Blut gepeinigt, fo oft sie mit denselben zusammenkam, und warf sick eines Dienstags Abends nach einem Kaffeekränzchen schluchzend an ihres Mannes Brust und stöhnte: Rolf, ich halt's nicht mehr aus nun hat sich auch noch eine Kochin, die sich im Mörser den Finger quetschte, die Wunde bei Müllers verbinden lassen die kleine arroaante Person redet jetzt schon von zunehmender Praxis und wir haben noch immer keinen Klienten es ist- unsäglich!" !" knirschte er. Als ob sich das Schicksal gegen mich verschworen hätte!" Da, am andern Morgen geschah das Ungeahnte. Frau Dr. Schmitt schrieb eben einen Jammerbrief an ihre Mutter, worin sie dieser ihr Leid in den lebhaftesten .Farben schilderte. Plötzlich ging die Thüre auf und ibrMann stürzte herein kirschroth im Gesichte. Ich hab' ich hab'" rief er, nach Luft schnappend. Um Gotteswillen, Du wirst doch keine Stahlfeder verschluckt haben?" stammelte sie entsetzt. Einen Klienten hab' ich!" rief er jubelnd. Da da " Sie bekam Herzklopfen vor Entzücken und Stolz. Na warte, Frau
Müller! Dann eilte sie mit ihm ans Fenster. Wo wo?Dort!" Aber es geht ja Niemand auf der Straße!" Niemand?" wiederholte er im Tone schwersten Vorwurfs. Ist mein erster Klient Niemand?" Aber dieser abgerissene, herunterg:kommene Mensch kann doch nicht" murmelte sie, als sie jetzt bei scharfem Zusehen ein wenig Vertrauen erweckendes Individuum an den Häusern hinschleichen sah. Und das ist Dein erster Klie.it?" fragte sie sehr betreten. Den hak,' ich mir allerdings ganz anders vorgcstellt!" Ja, Kind," lachte Schmitt, Commerzienräthe werden nicht als Einbrccher verdächtigt!" Er ist also ein Einbrecher?" frug sie interessirt und betrachtete ihren Mann schon mit einer gewissen Lcwunderung. Und was für Einer!" fuhr es diesem heraus. Das heißt," setzte er sofort hinzu, er wird eines höchst kecken Einbruchs bezichtigt, den er aber zweifelsohne nicht begangen hat 0, ich sage Dir, das wird eine großartige Verhandlung ich werde eine glänzende Rede halten ich werde den Staatsanwalt vernichten!" Und Du halst ihn also wirklich sm unschuldig?" fragte sie und ihre Wan. gen begannen sich lebhast vor Freude zu röthen. Unschuldig?" rief er. Für einen Ehrenmann halte ich ihn, für eine brave Seele durch und durch! Meine Hand lege ich für ihn ins Feuer! O, ich sage Dir, wir haben ein Alibi zusammengebracht " Zusammengebracht? Du wirst doch nicht " Du mißverstehst mich!" meinte er ärgerlich. Der Klient der unerfahrene Mann aus dem Volke ist natürlich unbewandert, unbeholfen im Krlminal man muß ihm an die Hand gehen man muß aus der Masse dessen, was er vorbringt, dc.s Treffende, das Einschlagende ausleftn und cn einander reihen " Wie Du das Alles versiehst!" rief sie jetzt in heller Begeisterung. Ich gratulire Dir. Rolf, zu unserem Einbrecher! Aber jetzt muß ich fort! Ich muß zu Müller! Die werden eine Wuth haben!" Er nickte ihr freudig zu. Wir gehen mitsammen!" sagte er. ich will doch auch im Vertrauen mit ein paar Freunden über den Fall sprechen! Ein Menschenleben darf man nicht so auf die leichte Schulter ney men!" Mittags kam er spät mit den deutlichen Spuren eines animirten Früh schoppcns heim. Aber Hermine verzieh ihm jetzt Alles. Die nächsten Wochen verflogen im Taumel der Freude. Der große Tag rückte heran. Ein ausgewähltes Auditorium füllte den Gerichtssaal. Schmitt stand vorne am Vertheidigertisch nach außen triumphirend, siegesgewiß. innerlich aufs Aeußersie beunruhigt; denn feit gestern war ihm das Concept seiner Rede auf spurlose Weise verschwunden; er beherrschte sie auch nicht mehr im Gedächtniß aber sei's d'rum. die Inspiration, die Begeisterung für die gute Sache würde sicher die Gedächtnißlllcken leicht ausfüllen lassen! Seine Frau saß bei ihrer besten Freundin Frau Dr. Müller in der ersten Reihe; na. was die Müller heute ausstehen mochte! Hundert Leberkranke wogen ja doch einen Einbrecher nicht auf. - Nun trat der Gerichtshof ein. Es wurde feierlich still. Angeklagter, treten Sie vor!" sprach der Präsident. Da zeigte sich plötzlich, daß der Angeklagte fehlte. Mein Klient wird sicher erscheinen!" betheuerte Schmitt. Er war noch gestern bei mir!" Man hätte den Verbrecher gleich verhaften sollen!" bemerkte derStaatsanwalt. Schmitt fuhr auf. Die Ehre eines Unschuldigen rief er. Da wurde dem Vorsitzenden em Schreiben überreicht. Dieser winkte. Soeben." sagte er. empfange ich einen Brief des Angeklagten, den ich hiermit verlese: Werther Herr Gerichtshof! Die schlechten Erfahrungen. welche ich schon mehrmals'bci Sie gemacht habe, verhindern mir am persönlichen Erscheinen ich sehe mich die Sache lieber aus sicherer Ferne an. wo mir der hochgeschätzte Herr Staatsanwalt auch nicht finden wird! Dem Herrn Vertheidiger seine Rede habe ich gelesen; ich fand sie in dem Ueberzieher. den ich qestern. als ich ihm besuchte. aus Versehen anzog! Die Rede hat mir sehr gerührt, weshalb ich sie ihm anbei zurücksende; denUeberzieher kann ich leider nicht beilegen, weil der Bries sonst Strafporto kosten würde. Mit den höflichsten Grüßen Simon Schlauberger. Einbrecher." Herr Vertheidiger." sagte der Vorsitzende, bitte, hier ist Ihre Rede!"
Schmeichelhaft. A.: Was ist denn aus der entzückenden kleinen Wittwe geworden, mit der Sie vor mehreren Jahren so häufig tanzten? V.: Die ist jetzt verheirathetl A.: Oh das thut mir leid; aber ich weiß. Sie hatten immer Unglück mit Ihren Liebesgeschichten." B.: Ja. da haben Sie recht!" A.: Apropos.' wen hat sie denn geheirathet?" B.: Mich!" Ein guter Schwiegersohn. Mann: Donnerwetter, was ist das sür'n Wein. . Der ist ja zum Davonlaufen." Frau: Nun, das ist eine von den Flaschen, die Du separat aufbewahrst." Mann: Ja. so. Der sollte ja für den Besuch von Deine, Muiter aufbewahrt weiden . . .
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