Indiana Tribüne, Volume 21, Number 243, Indianapolis, Marion County, 22 May 1898 — Page 3
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Zer Hodte von Korror-Islclnd,
Slmr.an von Harry Chcss. G. Fortsed?mg.) ' Es war acht Uhr, als Baron Nhcden sein Zimmer verlief Er begab jlch zunächst in das Bureau des Hotels, beglich seine Rechnung und ordr:ete an, daß man ihn am nächsten Morgen vm fünf Uhr wecke. Die Gampams" dampfte um acht Uhr in See, da konnte er bequem Toilette ma chen. frühstücken und nach dem Landungsplatz der Gimard Linie" sahren. Sein nächster Weg galt dem Verschönerungskünstler", der an der Front des Astorhotels einen eleganten Laden innehatte, hier ließ er sich frist?en. das leicht gewellte Haar sorgsam scheiteln und den seidenweichen, gepflegten Schnurrbart ein wenig kräusein. Als er sich, nachdem noch ein stark duftendes Parfüm auf ihn ausgeschüttet worden, im Spiegel betracht tete, bot er mit seiner schlanken und doch kraftvoll gebauten Figur, seinen klaren grauen Augen und dem glänzenden blonden Haupt- und Barthaar ein echtes Bild männlicher deutscher Kraft und Schönheit. In dem Augenblick, als er, mit AnZiehen seiner Handschuhe beschäftigt, den Friseurladen verließ, sprang cm elegant gekleideter Herr, der bis dahin mit dem Rücken zur Ladenthür gestanden und den Eingang des Hotels beobachtet hatte, blitzschnell zur Seite und verlor sich im Gewühl. Nur eine Sekunde hatte Hans die Gestalt zu sehen Gelegenheit, aber sofort wußte er, an wen sie ihn erinnerte. Wenn ich nicht wüßte, daß Gerfaut in Chicago sich befindet, so würde ich glauben, ihn soeben gesehen zu haben. Doch gleichviel, es ist gut, daß er es nicht war und nicht sein kann, denn er roürde mich nur bei meinem heutigen Besuch stören, und im Uebrigen ist er mir unsymphatisch, und ich bin zufrieden. daß ich ihn los bin." Eine Stunde später befand sich der junge Deutsche in Harlem, wie der nördliche Theil der Stadt New York genannt wird. Nur mühsam gelang es ihm, sich hier zurecht zu finden. Die Straßen waren damals bei weitem noch nicht vollkommen bebaut, der ganze Stadttheil erst im Entstehen, und weite Strecken lagen noch wüst, dunkel und unbenützt da. Die wenigen Fachwerkhäuser, die er vorfand, waren einstöckige Gebäude, vier oder fünf nebeneinander errichtet, und dann folgte bis zur nächsten Gruppe wieder brachliegendes Gelände. Heute sind diese Straßen und viele neuere, weiter hinaus gelegene, in ununterbrochener Reihe mit prachtvollen Wohnhäusern bedeckt, aber damals begann erst die Besiedelung des zwischen Harlem- und Hudson - River sich ausdehnenden Landstrichs. Rheden empfand etwas wie Unbehaglichkeit, als er die schlecht beleuchiete, ungepflasterte Straße durchschritt, auf welcher ihm nur wenige Passanten zu Gesicht kamen. Ein feiner Sprühregen schlug ihm in's Gesicht und erschwerte ihm noch seine Aufgabe, aus der Zahl der ganz unregelmäßig lausenden Hausnummern die gesuchte herauszufinden. Endlich glückte es ihm, er stand vor einem kleinen Hause, an dessen Thür ein Schild angebracht war, mit den Worten: MaggieBrown, Zlleidermacherin." Das Häuschen sah armselig genug aus, aber es unterschied sich von manchem anderen in diesem Straßengewirr in wohlthuender Weise, da seine Fenster wenigstens mit Gardinen und Vorhängen bekleidet waren, hinter denen im Erdgeschoß freundlicher Lampenschein erstrahlte. Nachdem Rheden eine Minute an der Thür gelauscht und nichts vernom-men-hatte, was ihn im Geringsten hätte befremden können, zog er die Glocke, die mit schrillem Ton seine Anwesenheit meldete. Fast äugenblicklich ließ sich ein elastischer Schritt im Innern des Hauses vernehmen, dann wurde ein Riegel zurückgeschoben und die Thür geöffnet. In ihrem Rahmen stand eine junge Frauengestalt. hielt die brennende Lampe in der Hand und musterte mit schnellem Blick den vor ihr stehenden jungen Mann. Miß Maggie Brown?" fragte Rheden verbindlich. Die bin ich. Und Sie der Herr, welcher die Nachforschungen in 347 Eldridgestreet angestellt hat wie war doch der Name?" Baron Hans v. Rheden. ' Treten Sie ein. Herr Baron so. bitte, aber Sie können Ihren Begleiter doch nicht auf der Straße lassen, der mag nur auch in das Haus kommen." Meinen Begleiter?" fragte Rheden. der den Flur betreten, erstaunt, ich besitze keinen, ich bin ganz allein." Ist es möglich, sich so zu täuschen," lachte Maggie Brown, ich hätte geschworen, daß dort drüben an dem Baum noch ein Herr steht, aber jetzt sehe ich, es ist nur der Schatten des Baumes selbst. Auch erwartete ich nicht, daß Sie allein kommen würden, diese Gegend ist so einsam hat man Sie nicht gewarnt, hat man Ihnen nicht abgerathen, der Aufforderung einer Unbekannten zu entsprechen und in der Nacht die Vorstadt aufzusuchen?" Rheden und die Bewohnerin des Hauses waren während dieses Gespräches in das Zimmer im Erdgeschoß getreten, das er vorher von der Straße aus erleuchtet gesehen hatte. 2(ch habe Niemand um Rath gefragt, ob ich gehen solle oder nicht," erwiderte Rheden, die Angelegenheit, welche mich zu Ihnen geführt hat. Miß Brown, bedingt gewisse Vorsicht und Diskretion, und Niemand außer mir
kennt den Inhalt Ihres Schreibens." Die junge Dame lächelte. Dann lud sie Rheden durch eine Handbewegung ein, auf einem schwarzen Ledersopha Platz zu nehmen, und setzte sich ihm elbst auf einem Holzstuhl gegenüber, o daß der Tisch, auf dem die Lampe tand, sich zwischen ihnen befand. Jetzt erst war es Rheden möglich, die Briefschreiberin genau zu betrachten. Sie war kaum zwanzig Jahre alt, vielleicht jünger, aber doch besaß ihr hübsches, regelmäßig geschnittenes Gesicht nicht mehr die erste Frische der Jugend, die Augen wenigstens, so schön sie unter ihren kühn geschwungenen Brauen auch waren, zeigten eine gewisse Müdigkeit. Maggie Brown trug sich einfach, ein grauer Hausrock, der in der Taille von einem türkischen Gürtel gehalten wurde, umschloß ihre schlanke Gestalt, das reiche blonde Haar war in einen kunstlosen Knoten gewunden und durch einen Pfeil hinten befestigt. Einfach und sauber wie die Besitzerin erschien auch die Einrichtung, in welcher eine Nähmaschine, ein Rohrgeflecht zum Anproben der Kleider und verschiedene Modejournale auf die Thätigkeit der Bewohnerin des Zimmers hindeuteten. Sie haben die Dame und dasKind. welche in 347 Eldridgestreet gewohnt haben, persönlich gekannt?" eröffnete Rheden das Gespräch. Ja. gewiß ich kannte sie, die Unglücklichen," erwiderte Maggie Brown, welche ein tadelloses Englisch sprach, vorausgesetzt natürlich, oaß Sie eben diejenigen suchen, welcke ich kenne." Das ließe sich leicht feststellen," meinte Rheden, würdenSie die Dame wiedererkennen, wenn ich Ihnen eine Photographie zeigte?" Mit Sicherheit würde ich das ?. die Arme besaß ein Gesicht, das man nicht vergißt, sobald man es einmal gesehen." Wann wurden Sie mit ihr bekannt?" Vor vor einem halben Jahre etwa." Wo wohnte sie damals?" Wo sie wohnte? Sie meinen, wo sie sich mit dem Kinde aufhielt? Nun. hier in New York." Gewiß, aber in welcher Straße?" Ah sie sie wohnte o, verzeihenSie einen Augenblick, ich glaube, ich vergaß die Thür ordentlich zu schließen, ich will nachsehen Sie verlieb das Zimmer und !rat auf den Gang hinaus. Rheden hob das Haupt und lauschte mit schärfster Aufmerksamkeit. Er vermochte es sich selbst nicht zu erklären sein Verdacht war plötzlich erregt worden. Obwohl - die Erscheinung und Umgebung der jungen Dame selbst einen entschieden günstigen und soliden Eindruck machten, so hatte ihn doch ihre Befangenheit, ihre Zurückhaltung bezüglich der Mittheilungen, welche sie zu machen versprochen, besremdet und seinen Argwohn erregt. Und jetzt war es nur eine Folge seines einmal erwachten Verdachtes, nur ein Trugspiel seiner erregten Sinne, oder täuschte er sich nicht? Rheden glaubte unterdrücktes Flüstern im Hausflur zu vernehmen. War Maggie Brown nicht allein? Verbarg sie eine Person im Sause? War es
vielleicht auf einen Ueberfall abgesehen? Ehe Rheden sich recht Antwort geben konnte auf diese Fragen, welche mit Blikesschnelle sein Gehirn durchzuckten, trat Maggie wieder ein. Du Thür ist geschlossen, sagte sie aufathmend, und nun können wir fortfahren. Natürlich wohnte dieFrau schon in der Eldridaestreet.- Welch erbärmliches Wohnen! Haben Sie das feuchte, dunkle Kellerzimmer gesehen r Ich habe es gesehen." erwiderte Rbeden. mit. seinen Blicken Maaaie fixirend, um eine verdächtige Bewegung sofort wahrzunehmen und tot gebührend zu begegnen, aber ich kam bierber. um Neues zu erfahren, und möchte Sie bitten, damit nicht länger zurückzuhalten. Sie sollen alles erfahren," sagte die Kleidermacherin, Sie müssen nämlich wissen.daß ich damals die einzige war, welche die Aermsten unterstützte." . WohntenSie in demselben Hause?" 5!ein, aber ich kam öfter hin, da ich für eine Familie arbeitete, die dort wohnte." Für welche Familie?" ' Den Namen habe ich vergessen, meine Kunden wechseln schnell, und ich kann nicht jedes einzelnen eingedenk sein." Also Sie erwiesen der DameWohlthaten. Liehen Sie ihr Geld?" Das wohl auch, aber hauptsächlich waren sie mir dankbar, weil ich ihre sehr mitgenommene Garderobe auffrischte, ohne Entgelt zu beanspruchen. Zum Dank schenkte mir die Dame " Wie war doch der Name der Unglücklichen?" warf Rheden schnell dazwischen. Ich habe ihn niemals erfahren, diesen Namen," entgegnete Maggie so unbefangen, daß der Deutsche von seinem Argwohn wieder ein wenig zurückkam, sie liebte nicht, danach gefragt zu werden. Doch ich zeige Ihnen einige kleine Geschenke, die ich von ihr ZUM Dank für meine Hilfe empfing." Die würden mich allerdings sehr interessiren. Was für Geschenke sind es?" . O, Gegenstände, welche an sich kaum einen Werth haben. EinSpitzentaschentuch, das sie selbst gearbeitet " Ein Taschentuch? Zeigt es einen Namen, Initialen?" Sie können es selbst sehen. Ich bewahre es hier in diesem kleinen Kasten unter anderen mir lieben Andenken auf." Das junge Mädchen hatte sich erhoben und war an ein Wandschränkchen getreten, das sie öffnete. Die ' Blicke Rhedens, die ihr aufmerksam gefolgt . trfil 3 snrVÄ( 4tt2 waren, cwu uy uvvuts ,i, skäben. Als sieb Maaaie dem Mck wieder zuwandte, hatte sie einen kleinen, ebenholzfarbenen Kasten in der
Hand. Mit erhobenem Haupt, als hätte sie die Zweifel ihres Besuchers längst errathen und könne ihm den Beweis bringen, wie gänzlich unbegründet sein Argwohn sei, stand sie einen Augenblick vor ihm. Dann ließ sie sich anmuthig neben ihm auf dem Sofa nieder. Wir können die Gegenstände so am besten gemeinsam betrachten," sagte sie. Sehen Sie her das ist das Spitzentuch." Der Kasten sprang, dem Druck einer Feder gehorchend, auf, und Rheden sah ein weißes Tuch vor sich liegen. Zu gleicher Zeit bemerkte er, daß dem Kasten ein scharfer, süßlicher Geruch entstieg. Welch ein widerwärtiges Par fllm," dachte er, dann warf er mit schneller Bewegung den Kopf zurück, denn ein furchtbarer Gedanke hatte ihn erfaßt. Im nächsten Moment stieß er einen Schrei aus und fuhr mit beiden Hän den nach seinem Gesicht, um sich das Tuch von Mund und Nase herabzureißen, welches das junge Weib mit unwiderstehlicher Gewalt darauf preßte. Der Körper des Ueberfallenen richtete sich auf, um sofort langsam wieder auf das Sofa zurückzusinken. Unzu sammenhängendes, unverständliches Lallen drang unter dem Tuche hervor, und auch dieses erstarb nach einigen Sekunden. Maggie, die sich während des Kampfes über ihr Opfer geworfen und es mit Aufgebot aller Kräfte unter dem
Bann des Betäubungsmittels gehalten hatte, richtete sich erschöpft aus. Andre, Andre," flüsterte sie keuchend. Die Thür bewegte sich, und der Schatten einer Männeraestalt fiel in'Z Zimmer hinein. Verlösche die Lampe," klang es gebieterisch von der Thür her. Maggie kam diesem Befehl nach, und tiefes Dunkel herrschte in dem kleinen Raum. Dann näherten sich schleichende Schritte dem Sofa, auf welchem Rheden leise stöhnend lag, eine dunkle Gestalt beugte sich über den Körper des Bewußtlosen, und eine weiße Hand versenkte sich tn seme Kleider über der Brust. Als diese Hand wieder zum Vorschein kam, hielt sie eine alte lederne Brieftasche mit festem Griff umklammert. Darf ich das Tuch jetzt fortnehmen?" flüsterte das Weib, ich fürchte, er erwacht sonst überhaupt nicht mehr." Er schlä t fest fort mit dem Tuch und verbrenne es auf der Stelle sammt dem Kasten. Vorher aber ziehe ihm die Ringe von den Fingern und durchsuche ihn nach Geld." Ich glaubte, es s Dir nur um die Brieftasche zu thun willst Du ihn ganz berauben? Dummes Frauenzimmer, ich muß ihn plündern, damit der Verdacht eines Raubanfalles bestehen bleibt." Holen die Manner, welche die Mobel wegfahren, auch den schlafenden Mann?" Das ist alles geordnet. Sie sühren ihn von hier fort, und man wird ihn in einer ganz anderen Gegend der Stadt auffinden." Hier, Andre, zwei Ringe und eine Börse." Behalte das für Dich, ich brauche es nicht. Jetzt mach Dich schnell fertig und komm, wir müssen noch heute New York verlassen." Ich danke Dir tausendmal. Andre, daß Du Wort hältst und mich mit Dir nimmst. Du sollst es niemals bereuen, niemals, ich will Dich auf Händen tragen, ich will für Dich arbeiten Deine Sklavin sein. Nur stoße mich nicht wieder von Dir. Du siehst ja, ich bin bereit, alles, alles für Dich zu thun." Schon gut. Wir bleiben zusammen. Morgen Abend befinden wir uns bereits in Canada." Und dort werden wir ganz sicher sein?" Ganz sicher. Bist Du angekleidet? Gut. Komm, hilf mir, den Mann auf den Teppich niederlegen. Dann kann er nicht fallen, und meine Leute wissen Bescheid. So Teufel, Du hast ihn eine ordentliche Dosis schlucken lassen! Man wird beinahe selbst betäubt, wenn man seinem Gesicht zu nahe kommt. Da liegt er. Nun, Herr Baron, schlafen Sie Ihren Rausch aus. Erinnern Sie sich Ihres Freundes Andre Gerfaut, dem Sie die Dokumente des Todten von HorrorIsland nicht zeigen wollten. Jetzt wollen wir sehen, wer von uns beiden diese Geheimnisse benützen wird Sie oer ich?" Ginij: Minuten später verließen ein Herr und eine Dame Arm in Arm das Haus und schritten schnell der dritten Avenue zu, der großen Verkehrsader, auf welcher trotz der vorgerückten Stunde noch reges Leben herrschte. Die Dame schmiegte sich mit unverhüllte? Zärtlichkeit an ihren Begleiter an, der eine Opernmelodie leise pfiff und sich den angenehmsten Gedanken hinzugeben schien, wenn man seinem lächelnden Gesichtsausdruck glauben durfte. , Die Abendausgabe der New Forker Staatszeitung" vom 29. Oktober 1874 brachte, gemeinsam mit fast allen in englischer Sprache erscheinenden Blättern der Stadt, folgenden Aufsehen erregenden Artikel in dem üblichen sensationellen amerikanischen Zeitungsstil: Chloroformirt und beraubt!!! Ein deutscher Baron bewußtlos im Centralpark aufgefunden. Bedauert nicht den Verlust des Geldes und seiner Brillanten, sondern nur den gewisser Papiere. Ein geheimnißvollerVorfall besch'aftigt gegenwärtig unsere Polizei. Sie dürfte auch besonders in deutschen Kreisen berechtigtes Aufsehen erregen.
da es sich um einen vorübergehend in New Jork weilenden vornehmen Deutschen handelt. Als heute Morgen um fünf Uhr der Milchhändler John MacKean, von Morrisiania kommend, am Saum des Centralparks dahinfuhr, stieß er an der 99. Straße auf den Körper eines scheinbar leblos daliegenden Mannes. Auf MacKeans Hilferufe eilten der Parkpolizist William Dussing und ein gerade vorübergehender Mann herbei, und stellten fest, daß der am Boden liegende Fremde nur bewußtlos war. Der Polizist durchsuchte sosort seine übrigens sehr elegante Kleidung und entdeckte, daß er , weder Geld noch Werthgegenstände bei sich trug. Auch wurden keinerlei Wunden an seinem Körper gefunden. In der Annahme, es mit einem Schwertrunkenen zu thun zu haben, versuchte der Polizist mit Hilfe der beiden Männer, den Fremden zum Bewußtsein zurückzubringen; als ihm dies jedoch nicht gelang, telegraphirte er nach einem Sanitätswagen und bewirkte die Ueberführung des Mannes nach dem Deutschen Hospital". Hier stellten die Aerzte sofort eine Chloroformnarkose schwerster Art fest, und nur ihren unausgesetzten, energischen Bemühungen gelang es, die Lebensgefahr zu beseitigen und den Patienten in's Bewußtsein zurückzurufen. Als er vernehmungsfähig war, unterzog ihn Inspektor Wight vom Hauptquartier einem Verhör, welches folgendes Resultat ergab: Der Fremde behauptet, der deutsche Baron Hans v. Rheden, Chef des bekannten Berliner BankHauses Rheden & Compagnie zu sein, er erklärte, daß er sich aus einer Weltreise befinde, seit etwa drei Tagen in New York weile und im Astorhause logirt habe. Heute Morgen habe er mit der Campania" nach Europa reisen wollen. Am letzten Abend sei-er jedoch durch einen Brief unter falschen Vorspiegelungen in ein Haus nach
Harlem gelockt und dort chloroformirt worden. Er vermisse etwa zwanzig Dollars in Banknoten, einige kleine Münze, zwei Brillantringe, deren Werth er auf fünfzehnhundert Dollars schätzt, goldene Uhr und Kette und eine Brieftasche mit wichtigen Papieren. Nur an der Wiedererlangung der letzteren sei ihm gelegen, versicherte er dem Capitän. und er werde, sobald er völlig genesen wäre, und das Hospital verlassen könne, alle Hebel m Bewegung setzen, um jene Papiere nebst Tasche aufzufinden. Da sie für den Räuber absolut werthlos seien, so hoffe er sie zurückzuerhalten. Baron Rheden scheint das Opfer emes frechen Raubanfalls geworden zu sein. Der deutsche Konsul bestätigte alle Angaben des Barons, soweit sie sich auf seine Persönlichkeit und seine Reise beziehen, und bewirkte am Nachmittag die Ueberführung des Kranken aus dem Hospital nach seiner Privatwohnung im Konsulatsgebäude. Kurz vor Redaktionsschluß ersahren wir noch einige Einzelheiten bezüglich dieses sensationellen Verbrechens. Das Haus in Harlem, welches Baron Rheden als Schauplatz des Verbrechens bezeichnet, ist gänzlich unbewohnt und liegt ziemlich isolirt, so daß die Leichenfledderer" ungestört darin arbeiten konnten. Zuletzt hat eine Negerfamilie das Haus bewohnt; sie verließ es jedoch vor sechs Monaten, mn glaubt auch nicht, daß diese Leute mit dem Verbrechen in irgend einer Verbindung stehen. Um drei Uhr Namtttags wurden dem Baron eine Anzahl PhotographZen aus dem Verbrecheralbum vorgelegt, doch vermochte er das Frauenzimmer, welches ihn narkotisirte. nicht darunter zu entdecken. Die bewährtesten Detectivs beschäftigen sich mit dem Falle, und es sieht zu hoffen, daß es ihnen gelingt, das Dunkel zu lichten und die Schuldigen ihrer Bestrafung entgegenzuführen. Inzwischen ist der Cunard LinieDampfer Campania" heute morgen nach Liverpool in See gegangen. Es gelang nicht mehr, die bereits an Bord befindlichen Effecten des Barons v. Rheden zurückzuhalten." 7. Capitel. Karte zweiundzwanzig!" Durch das Empfangszimmer des Geheimraths Doctor Busch ging es war an einem klaren Wintertage des Jahres 1887 ein leises Rauschen, eine flüchtige Bewegung, welche die tiefe Stille dieses Raumes für einen Augenblick unterbrach, als der Diener mit gedämpfter Stimme diese Nummer ausrief, und so einer der hier harrenden Personen die Nachricht überbrachte, daß für sie der Moment der Erlösung von qualvollem Warten gekommen sei. Um so deutlicher prägte sich die Ungeduld auf den Gesichtern der anderen aus, welche im Vorzimmer des berühmtesten Arztes der Residenz harrten, bis die Reihe an sie käme. Und die Kundschaft des Geheimraths setzte sich doch aus Personen zusammen, denen das Warten sonst in ziemlich unbekannter Begriff war, und die für gewöhnlich selbst die Erwarteten zu sein pflegten. Ihnen wäre sicherlich zu anderer Zeit und an anderem Ort nicht eingefallen, ihren Willen dem eines anderen Menschen unterzuordnen, denn nur die oberen Zehntausend" konnten sich den Luxus einer Consultation des als Autorität ersten Ranges anerkannten Arztes leisten. Hier aber mußten sie sich wohl oder übel dem streng befolgten Hausgesetz fügen, welches jede Bevorzugung von vornherein ausschloß. Karte zweiundzwanzig!" Der junge, in anspruchslose Livree gekleidete Diener mußte diesmal seinen Ruf wiederholen, dann erst wurde es in der, der Ausgangsthür zunächst befindlichen Ecke lebendig, und eine einfach, ja sogar ärmlich gekleidete alte Frau erhob sich von dem damastüber
zogenen Sessel, auf dessen äußerster Kante sie bisher gefessen hatte. Ich?" fragte sie leise und schaute sich verlegen um. Der Her? Geheimrath lassen bitten," meldete der Diener, ohne auch nur durch das leiseste Lächeln anzudeuten, daß zwischen dieser Patientin und den anderen Versammelten irgend ein Unterschied existire. Der Mann kannte zu gut seine Instruktion und die Anschauungen seines Gebieters. Er öffnete die Thür, welche zum Sprechzimmer des Geheimraths führte, und die Frau mit dem altmodischen schwarzen Umhang, demCapotHut, dessen Bänder verbleicht waren, den baumwollenen Handschuhen und dem krankhaft blassen Gesicht, in das die. grauweißen Strähnen' fielen, hinkte, auf ihren Stock gestützt, hinein. Die Thür fiel hinter der Greisin lautlos in's Schloß. Während manche der Anwesenden voll Mitleid und Theilnahme der Unglücklichen nachschauten, erhob sich eine mit fürstlicher Eleganz gekleidete Dame, zog ihre Zobelcape fester um die Schultern, und befahl den Diener durch eine Bewegung des Hauptes zu sich heran. Uebergeben Sie dem Herrn Geheimrath diese Karte," sagte sie im Tone ungeduldiger Gereiztheit, ich verspüre keine Lust, länger zu antichambriren. Ich bin die Gräfin FelsKrakowska und halte mich . auf der Durchreise von Petersburg nach Paris nur noch bis morgen Mittag in Berlin auf. Ich ließ den Herrn Geheimrath ersuchen, mich im Laufe des heutigen Vormittags im Hotel Kaiserhof zu besuchen, aber er benachrichtigte mich durch eine Depesche, daß ihm dies nicht möglich, und er heute nur in seinen Empfangsstunden für eine Consultation zu haben sei. Ich warte nun hier bereits zwanzig Minuten. Das ist unerhört! Das ist ein Skandal!" Bitte um Verzeihung, gnädige Frau," entgegnete der Diener, es ist strenge Vorschrift des Herrn Geheimraths ich würde meines Dienstes verlustig gehen, wenn " Schon gut," unterbrach ihn die Dame, man hat mich vor diesen Schrullen des Herrn Geheimraths vorher gewarnt, indessen der Ruf seiner Kunst bestimmte mich, mich ihnen dennoch auszusetzen, und ich trage jetzt die Consequenzen. Immerhin bitte, überbringen Sie dem Herrn Geheimrath sofort meine Karte und theilen Sie ihm mit, daß ich auf derDurchreise hier bin und Eile habe." Ich mache mich zwar eines Verstoßes gegen meine Instruktion schuldig," sagte der Diener, indem er sich verneigte, aber ich bin glücklich, der Frau Gräfin einen Dienst leisten zu dllrfen." Ueberrascht blickte die stolze Frau auf. Im Wesen und in der Sprache dieses jungen Mannes lag etwas, was
sie befremdete, mteressirte. Ich danke Ihnen," sagte sie, und hoffentlich haben Sie Erfolg." Nach einigen Minuten kehrte der Bote zurück. Der Herr Geheimrath lassen um Entschuldigung bitten. Wenn es Jhrer Excellenz genehm ist, werden der Herr Geheimrath um sieben Uhr im Kaiserhof vorsprechen." Ein Lächeln der Befriedigung überflog das immer noch schöne Gesicht der Gräfin, auf dem freilich nur sorgsam angewendete Toilettenkünste die Vorboten des Alters verdeckten. Sie scheinen mir ein geschickter Mann zu sein," flüsterte sie noch etwas leifer als vorher, wie heißen Sie?" Franz Bartels." Sind Sie zufrieden mit Ihrer Stellung bei dem Herrn Geheimrath Busch?" Das Interesse, welches Ihre Excellenz an meiner geringen Person nehmen, beglückt mich. Der Herr Geheimrath ist ein wenig streng, und schließlich möchte jeder Mensch gern vorwärts kommen." Ich versiehe. Lassen Sie sich heute Abend um zehn Uhr im Kaiserhof bei mir melden. Wenn es möglich ist, werde ich Sie einem Herrn vorstellen, der Ihnen sehr nützlich werden kann." Meinen unterthänigsten Dank, tExcellenz. Darf ich Ihre Excellenz zum Wagen geleiten?" Ein leichtes Neigen des Kopfes der Dame gab Franz die erbetene Erlaubniß. Er glitt auf leisen Sohlen zur Thür und öffnete sie. dann ließ er die Gräfin hinausrauschen und folgte ihr in respektvoller Haltung. Schleunigst aber eilte er gleich darauf wieder auf seinen Posten zurück, um dort nicht vermißt zu werden. Als er das Wartezimmer betrat, deutete ihm ein alier Herr, der ebenfalls schon längere Zeit hier verweilte, an, daß er ihn zu sprechen wünsche. Dieser Patient des Geheimraths mochte ein Mann in den sechziger Iahren sein, er wer groß und wohlbeleibt, sein glaitrasirtes, faltenreiches Gesicht strahlte in den gesundesten Farben und drückte unendliche Güte aus. Dabei lag in seinen Augen und um die Lippen das Sonnenleuchten der Klugheit und des Humors. . Die Kleidung des alten Herrn war modern und sorgfältig gewählt, die Brillanten, die er im Vorhemd und an den Fingern trug, verriethen den wohlhabenden Mann. Sie wünschen, mein Herr?" fragte Franz Bartels unterwürfig, da seinem Kennerblick der Glanz dieser Steine nicht entgangen war. Jch wünsche von Ihnen zu ersahren. wer die Dame war, welche soeben hineinging." Der gnädige Herr meinen, welche hinausging?" Nein, nein, ich frage nicht nach der Dame im, Zobelpelz solche Gewächse können den Botaniker auf diesem Boden nicht befremden, sondern nach jener Frau, die dem soliden FrostWetter zum Trotz nur emeiv leichten Umhang trug und hinkte."
Ah, Sie meinen die Frau Srcoh bach?" Ist das ihr Name? Nun, es scheint eine recht arme Frau zu sein." Das ist sicher, der Herr Geheimrat behandelt sie natürlich kostenlos, sie war schon einige Male hier, seit sie wieder gehen kann." So war sie bettlägerig, die Aermste?" Drei Monate sogar. Hüftgelenkscntzündung infolge eines Sturzes. Die wäre gewiß nicht mehr unter den Lebenden, wenn Herr und Frau Geheimrath Busch sich nicht so wohlthätig gegen sie bewiesen hätten." Also Frau Geheimrath auch? Bethätigt sie sich öfter an den Liebeswerken ihres Gatten?" Sie kennen, wie ich merke, dieFrau Geheimrath nicht," lächelte Franz, sie wird ja der Engel der Berliner Armen genannt und, das muß ihr der Neid lassen, sie treibt es nicht wie so' viele andere reiche Damen, welche ebenfalls Wohlthätigkeit üben, aber hübsch geräuschvoll, daß auch Jedermann gewahr wird, was sie thun. Nein, so ist Frau Geheimrath nicht, Gott bewahre! Zwar ist sie auch Mitglied von einem Dutzend Wohlthätigkeitsvereinen, und sogar Präsidentin und Ehrenmitglied, aber das thut sie nur. weil es die Stellung des Herrn GeHeimraths so mit sich bringt. Die wahren Samariterdienste leistet sie ganz in der Stille, da sucht sie die Kranken und Nothleidenden in ihren Wohnungen auf und fürchtet keine Ansteckung und keine Gefahr. Und sie hilft niemals halb: Medizin und NahrungsMittel und Geld trägt sie in's Haus, und der Assistent des Herrn Geheimraths, der Herr Doctor Neumüller, muß die Patienten behandeln, kostenlos natürlich, und wenn's ganz schlimm kommt oder eine Operation auf Leben und Tod nothwendig ist, da thut's der Herr Geheimrath selbst seiner Frau zuliebe, das versteht sich!" Und da sagt man immer, es gäbe keine guten Menschen mehr," meinte der alte Herr, der die Mittheilungen des Dieners mit beifälligem Kopfnicken begleitet hatte. Unsereiner muß sich ja schämen, daß 'er sich zeitlebens eingebildet hat, mit ein paar hundert Thalern jährlich sei die Verpflichtung gegen die leidende Menschheit aufgewogen, wenn man von einer so prächtigen Dame hört. Auf die kann der Herr Geheimrath stolz sein, wie sie andererseits auf ihren Gatten. Das ist gewiß eine wirklich glückliche Ehe?" So eine gibt's gar nicht mehr." versicherte der gesprächige Diener, wie die beiden miteinander leben, das liest man sonst nur in Romanen. Da hört man das ganze Jahr nur gute Worte, niemals eine Uneinigkeit, niemals einen kleinen Streit, und so was kommt doch sonst in den feinsten Familien vor." Sind auch Kinder im Hause?" Leider nicht. Das ist vielleicht der einzige Kummer, den die Frau Geheimrath hat, und ich glaube auch, das ist es, was sie zuweilen recht traurig, förmlich melancholisch macht. Sie wissen, mein Herr, ein Diener sieht manches " Was er nicht sehen soll," unterbrach ihn der alte Herr scherzend. Nun, lassen Sie nur den Kummer der Frau Geheimräthin und erzählen Sie mir wieder von der Frau Strohbach. um welche ich Sie vorhin, befragte." Da diese Aufforderung von einem harten Thaler begleitet war, den der wißbegierige Patient unbemerkt seiner Tasche entnommen und diskret in Franzens Hand hatte gleiten lassen, war der letztere natürlich gern bereit, die im Flüsterton geführte Unterhaltung fortzusetzen. Je, die Frau Strohbach! Sie gehört auch zu den Schützlingen derFrau Geheimrath. Sie ist eine Wittwe und lebt bei ihrem Sohn, einem Lithographen das heißt, er behauptet, einer zu sein, und das Metier mag er ja wohl auch gelernt haben, aber in Wahrheit ist er ein Tagedieb und Trunkenbold und noch Schlimmeres. Einmal, gleich nachdem der altenFrau das Unglück zugestoßen war, hat mich die Frau Geheimrath nach der Koppenstraße geschickt, da wohnen oder, besser gesagt, da Hausen die Strohbachs im Hinterhause einer schrecklichen Miethskaserne. Ich brachte einen Korb mit Erfrischungen für die alte Frau, aber ich machte, daß ich schnell wieder fortkam eine Höhle. Herr, eine schmutzige, finstere, verpestete Höhle, aber keine menschliche Wohnung! Nun. die FrauGeheimrath wirkte der Frau aud) bald darauf ein Frelbett im katholischen Krankenhaus aus, besonders nachdem ich ihr erzählt hatte, was ich von den Nachbarn gehört Pfui, daß so etwas möglich ist." Sie sind ja ganz entrüstet. War's denn so schlimm, was Sie über die Strohbach's erfahren haben?" (Fortsetzung folgt.)
Das Glück. Hab' das Glück am Arm gefaßt: Warum willst enteilen? Bist mir ein gar lieber Gast, Bitt' dich, zu verweilen!" Sah's mich an mit strengem Blick, Blieb ein Weilchen stehen, Sprach: Ihr wißt ja mit dem Glück Gar nicht umzugehen!" Im Rathsieller. Morjen Bummwitz, Sie hier, das ist eine Seltenheit! Was trieb Sie hierher?" Vor Mädels Flucht ergriffen!" Ein witziger Prinzipal. Comptoiristin: Mit diesem kleinen Salair kann ich keine Sprüngt machen." Prinzipal: Habe Sie ja auch nicht als Ballettänzerin engg. tfxtV
Für die MHe. Kartoffel - Suppe mit Schwarzbrot. 3 4 rohe Kartoffeln werden geschält und in dünne Scheiben geschnitten, desgleichen eine gelbe Rübe, ein Stückchen SellerieWurzel und zwei Petersilienstengel, sammt den Blättern von den beiden
letzten Zuthaten und ein wenig Lauch (Poree) nebst einigen zerschnittenen Wirfina - Alättern. Nachdem alle Zuthaten gewaschen, werden sie mit . l . w w . rsrx einer anovou schwarzen Äroiiaznilten, dem nöthigen Satz, etwas Muskatnuß oder einer kleinen Messerspitze Pfeffer mit gutem Fett bedeckt, gedünstet.. bis sich die Masse anleaen will. Dann wird heißes Wasser darauf gegojien und die Suppe so lange gekocht, bis das Wurzelwerk weich ist, hierauf durch den Seih:r getrieben, mit einem zerquirlken Ei, welchem 3 bis 4 Eßlöffel gute saure Sahne beigegcben wurde, alatt gerührt und mit Schnittlauch zu Tisch gegeben. Klops mit SardellenBeiaun. Ein Vwnd Rindfleisch. ein halbes Pfund Schweinefleisch werden nebst einer Zwiebel und einem Viertel Pfund entgräteten Sardellen sehr fein gehackt, mit einem in Milch geweichten und einem geriebenen Weißbrödchen, etwas Pfeffer und gewiegter Citronenschale nebst 2 Eiern vermischt und zu runden Klößen geformt. Aus ö Unzen Butter und einem Löffel Mehl macht man eine hellbraune Einbrenne, verkocht dieselbe mit Fleisch brühe und einem Viertel Pfund gehackten Sardellen, legt eine Anzahl Klops in den Beiguß, worin sie langsam gar dämpfen, und fügt zuletzt noch einen Löffel Kapern hinzu. Kalbsherz, gespickt. Aus mehreren Kalbsherzen schneidet man. die Röhren, wässert sie eine Zeitlang, trocknet sie ab und spickt sie mit Sveckstreifen. Diese müssen in Salz, Pfeffer und. wenn möglich, in gepulverten Kräutern umgedreht werden. Run dünstet man die Herzen in reichlich Butter mit Zwiebel und Wurzelwerk weich, nimmt sie sodann heraus und verrührt die Brühe mit etwas Mehl. Man kann sie mit guter Fleischbrühe oder etwas Wein verdünnen und giebt sie durchgeseiht über die Herzen. Tauben mit Reis. Die Tauben werden gereinigt und in Wasser mit etwas Suppenkraut weich gekocht; dann zerlegt man sie und löst das Fleisch von der Brust ab. Etwas Schinken, eine Zwiebel setzt man mit einem Stück Butter zu Feuer, gibt Mehl daran und Bouillon von den Tauben, läßt es eine Weile kochen, gibt die Sauce durch das Sieb und legt die Tauben hinein. Reis wird, nachdem man ihn blanchirt hat, in Bouillon, gar gedünstet, mit etwas Curry gewürzt, in einen Reisrand gegeben und gestürzt und in der Mitte das Fleisch mit Sauce angerichtet. Kalbfleischfülle. Uebriger Kalbsbraten, auch etwas Schweinebraten, wird fein gewiegt, ebenso etwas Zwiebel und Citronenschale. Eigroß Butter wird leicht gerührt und mit zwei in Milch eingeweichten und gut ausgedrückten Weißbrötchen vermengt. Mit zwei Eiern, dem nöthigen Salz, Muskatnuß und demFleisch wird alles zu einer breiigen Masse verrührt, der man noch einige Löffel süßen Rahm beifügen kann. Will man mehr Fülle bereiten, so rechnet man auf jedes weitere Ei ein Brötchen und entsprechend mehr Fleisch. Kalbfleisch - Frikassee. Man schneidet die gut geklopfte Brust in kleine, viereckige Stücke und brüht das Fleisch ab. Darauf lege man die Stücke in einen Topf, worin reichlich frische Butter ganz heiß gemacht ist, und lasse sie bei einmaligem Umwenden, fest zugedeckt, 15 Minuten lang sam fchmoren, aber nicht gelb werden, gieße dann soviel kochendesWasser hin zu, als man Sauce zu haben wünscht, yebe auch Salz, in einen Zoll lange Stückchen geschnittene Petersilienwur zeln und. nach Belieben. Champignons hinzu, sowie einige Schwarzwurzeln, und lasse das Fleisch, fest zugedeckt, langsam mürbe, doch ja nicht zu weich kochen, wobei man etwa auf 1$ Stunde rechnen kann. 16 Minuten vor dem Anrichten kann Folgendes hinzugefügt werden: Midder (Kalbsmilch), halbgar gekochte Spargelköpfe, kleineSaucissen, einige Citronenscheiben. Muscatblüthr, und zum Sämigmachen der Sauce ganz fein gestoßener, ungesüßter Zwie. back. Beim Anrichten rühre man die Sauce mit 1 Eidotter ab, lasse auch Wohl 1 Glas Weißwein damit verkochen, richte das Frikassee mit feinen Fleisch- oder Weißbrot - Klößchen, die in gesalzenem Wasser gekocht sind, an und fülle die sämige Sauce darüber hin. Zwiebelsuppe. Man bereitet und zerschneidet etwa ein Pint weiße Zwiebeln und drei Stück große sparn sche und schwitzt sie mit 3 Unzen- Butter und einigen Würfeln rohen Schinkens auf gelindem Feuer langsam weich, doch so. daß sie völlig weiß bleiben. Dann streut man einen gefüllten Eßlöffel voll Mehl darüber, gibt die Masse in eine Kasserolle mit 2 Quart Wasser und 1 bis 2 Theelöffel Fleisch. extrakt und läßt die Suppe gehörig so chen. Dann treibt man die Masse durch, ein Haarsieb, läßt sie nochmals aufkochen, verquirlt sie mit zwei Ei dotiern, schmeckt sie mit Salz ab, rich iet sie an und gibt gut gekochten Reiz dazu. Apfelsinenbusserln. 4Z Unzen Zucker, auf dem die Schale eine? Apfelsine abgerieben wurde, stößt man in einem Mörser, siebt ihn, rührt den Schnee von zwei Eiern, eine halbe Unze feines Mehl und eine Hand voll abgezogener und ' gestoßener Mandeln darunter, sticht mit einem Theelöffel kleine Bällchen davon ab, setzt sie auf Oblaten und backt sie bei sehr mäßig Hitze.
