Indiana Tribüne, Volume 21, Number 237, Indianapolis, Marion County, 15 May 1898 — Page 7
Wenimm Dich anständig! Von Paul v. Schönthan. Erste Anknüpfung. Will man die Absicht zu erkennen ßibeii, in einem Hause zu verkehren oder Poker zu spielen, so macht man vorher Besuch; am besten zu einer Stunde, die von den Damen zu Besorgungen und Promenaden benutzt wird. Trifft man die Betreffenden dennoch zu Hause, so verberge man seinen Unmutb und erinnere, sobald man zu
Wort kommt, an jene Gelegenheit, bei der man das Vergnügen hatte, der betreffenden Familie vorgestellt zu werden; dies ist nothwendig, da sich die Damen gewöhnlich nicht besinnen könritn, woher die Bekanntschaft datirt. Dieser sogenannte Anstandsbesuch bildet für den gesellschaftlich Ungewandlen eine Klippe. Er findet selten gleich den richtigen Ton. Vor dem um jeden Preis Originellseinwollen ist nicht genug zu warnen; lieber betrete man die alten Wege, auf denen man bei Niemandem Anstoß erregen wird. Findet der Besucher zum Beispiel vom Wetter den Uebergang zur Unterhaltung, so mag er getrost damit anfangen. Nur darf er nicht nach der ersten Aeußerung stocken. Man kenn also ganz wohl beginnen: GnädigeFrau, ich wage nicht, Ihnen meine Hand zu reichen, denn sie ist wie ein Eiszapfen." Von den Eiszapfen ergibt sich dann leicht die Brücke zu einem anderen Thema. Der Eintritt einer längeren Gesprächspause bildet willkommene Gelegenheit, sich artig zu empfehlen. Vor der Wohnungsthür angekommen, überzeuge man sich noch einmal durch einen Blick auf dasThürschild, ob man wirklich Denjenigen den Besuch abgestattet hat, denen diese Artigkeit zugedacht war. Pokerkarten bringe man zu diesem ersten Besuch nicht mit da solche überall vorräthig sind. Vorbereitungen für den Geladenen. Bevor man sich in Gesellschaft beibt, versäume man nicht, vor den Spiegel zu treten. Das Hauptaugenmerk richte man auf das Haupthaar, too solches vorhanden. Man lasse sich Tiicht durch übel angebrachte SparsamZeit verleiten, mit der Pomade zu geizen, denn nichts gewährt einen so widerwärtigen Anblick, als ein struppiger Kopf. Ürunittebar vor dem Fortgehen stecke man ein reines Taschentuch zu sich. Auch auf die Handschuhe hat man wohl zu achten. Man zieht sie gewöhnlich erst auf der Stiege an und entledigt sich ihrer sofort vor der Begrüßung. 'da ihre Sauberkeit durch die HändedrÄcke leicht Schaden leidet. Damen dagegen entblößen ihre Hände nur auf Zureden. Wo am Anzug Knöpfe fehlen, ersetze man dieselben durch Stecknadeln; man nennt das h quatre pingles gekleidet fein Hat man sich in dieser Weise vorbereitet, so kann man sich getrost aus den Weg machen. Vor der Wohnungsthür des gastlichen Hauses angelangt, werfe man einen letzten Blick auf sein Aeußeres, ordne noch einmal sein Haar, wische mit dem Rockärmel über den Cylinderhut und mit dem Taschentuch über Fußbekleidung und Nase, sehe nach der Uhr und ziehe in froher Laune die Klingel. Sobald man eingetreten ist, kann man bei dem öffnenden Stubenmädchen einen kleinen Scherz anbringen. Wird die Thür durch die Hausfrau oder deren Töchter geöffnet, so unterlasse man es. Ueber die Conversation lassen sich keine allgemein giltigen Regeln aufstellen. Die Entführung geschieht am besten, wenn man an jüngere Damen im verkindlichen Ton die Frage richtet: Haben Sie schon viel mitgemacht?" Mit alteren Damen spricht man gar nicht. Wozu? Uebrigens empfiehlt es sich zur vortheilhaften Entrirung, ein gelungenes Witzwort in Bereitschaft zu halten. Man vergesse nicht, auf dem Weg noch ein Kaffeehaus zu betreten und einen Blick in die Fliegenden Blätter" zu werfen. Am sichersten ist es, wenn man sich mit einem kleinen Notizbuch versieht, in welchem die Schlagworte von Anekdoten aufgeschrieben sind. Man zieht sich dann nach Bedürfniß von der Gesellschaft zurück, wirft einen Blick auf seine Vormerkungen und erscheint wieder mit einem unbefangenen und heiteren Lächeln. Doch thut hierbei Vorsicht noth, denn nicht alle Scherze, die sich für die zarten Ohren der Damen eignen, sind auch für Herren passend. Nach Soupers und Diners in fröhlicher Weinlaune, wenn der letzte Gang servirt und das Eis gebrochen ist, darf man wohl auch eine Anekdote riskiren, mit der man vor Tisch dielleicht Anstoß erregt hätte. Jeder wird selber fühlen, wie weit er gehen dürfe. Es ist die Aufgabe der Damen, hierfür eine Grenze zu stecken und den losen Plauderer nötigenfalls durch ein kurzes Mein Herr, Sie werden gemischt!" zu ermähnen. Natürlich reicht auch die blendendste Unterhaltunasaabe nur für urze Aeit au. Bemerkt man, daß die Damen Durch Die vcat gähnen, wobei sich manch' schönes Auae mit Thränen süllt, so suche man, je eher, je lieber mit einer scherzhaften Gesprachswenl dung die Ausgangsthüre zu gewinnen nickt obne den tasten vorder ein fröb liches Auf Wiedersehen" zugerufen zu haben. WinkefürDamen. Gehört der Geladene dem weiblichen Geschlecht an, so wähle er für den Abend ein der Gesellschaft angemesse nes Kleid. Wird hinterher getanzt, so ziehe man von vornherein eine dekolle tirte Robe an. Die Tiefe des Ausschnittes richtet sich nach der Anzahl m üatt. Fühlt eine junge Dame, dan sie das Interesse eines Herrn erweckt hat, und welches weibliche Gemüth hätte dafür nicht die feinste Empfindung, so suche fit, ohne die Natürlichkeit aufzugeben.
durch Auf- und Zuklappen der Agen lider, sowie durch eine entsprechendc Verschiebung der Augäpfel, ferner durch ein schelmisches Kräuseln der Lippen und durch die Herstellung von Wangengrllbchen das einmal erregte Wohlgefallen zu steigern. Bei Tische darf sie dem Betreffenden gestatten.daß er eine Blume aus ihrem Menubouquet zu sich steckt, wobei sie ganz unbefangen zu fragen hat: Was werden Sie damit thun?" Der Herr antwortet hierauf: Die Blume wird heute Nacht auf meinem
Herzen mhTnr Hierauf errothet man leichthin. Es soll bei dieser Gelegenheit nur noch flüchtig eines Punktes gedacht werden, der m den meisten Anleitungen des guten Tones übergangen wird, obwohl gerade hier einige Winke noththun. Hat man nach Tisch das Gefühl, aus seine Nachbarin einen bedeutenden Eindruck aemacht zu haben. und sind ihre Vermögensumstände derart, daß man ohne sie nicht leben kann, so opfere man noch em Stundchen und bleibe in unmittelbarer Nähe seines Ideals. Die Englander haben hierfür das charakteristische Wort kürt erfunden. Man suche seinen ernsthasten Absichten durch beredte Blicke Ausdruck zu verleihen; selbst ein leiser Seufzer hat in dieser Situation nichts Unmännliches. Dann nehme man einen Anlauf, bemächtige sich einer Hand der jungen Dame und flüstere ihr recht schnell in's Ohr: Das ist der schönste Abend meines Lebens." Es ist die Pflicht der Mutter, diese Vorgänge aus entsprechender Entfernung zu beobachten und im gegebenen Moment herbeizueilen. Wie viele überaus glückliche Bündnisse sind nicht schon durch Zaghaftigkeit aus der einen, durch Saumseligkeit auf der anderen Seite verhindert worden! Der Jorir fix. Die Umständlichkeit besonderer Ein. ladunaen fällt hier wea. man Versendet an oberflächliche Bekannte Karten und bemerkt darauf txnvlklswene: zu den zweiten oder vierten Montag. Will oder muß man sich einschränken: jeden ersten und dritten Ostersonntag. Ist dies geschehen, so sorge man für eine aenüaende Anzahl von Cikmöbeln und bestreiche Alles nichlich mit Kavrnr, da die Bcwmhung Mit sogenannten Sandwiches und heißem Thee bei dieser Gelegenheit allgemein üblich ist. Guter russischer Thee vertragt auch eine zwei-, sogar dreimalige Abkochuna. und es herrscht der Gebrauch. daß man durch das Dllnnerwerden des Thees den Gasten die Beendigung dieser geselligen Veranstaltung in zarter Form zu erkennen gibt. Der HausHerr, der sich in rosigster Stimmung befindet, achte auf gute Weine, bei besonderen Anlässen servire man auch sogenannten Champagner. Eine oder zwei Flaschen genügen, durch die Abfeuerung einer Kinderpistole' in einem Nebmraum kann man die Täuscbuna erwecken, daß immer noch neue Flaschen entkorkt werden. Selbst geübte Weinkenner vermögen dies von echtem Champagner nicht zu unterscheiden. Ueber die Beendigung einer solchen Tischgesellschaft entscheiden eimia und allein die Gewohnheiten und Neigungen der Gastgeber. Nur soll diese Ankündigung in keiner schroffen Form geschehen, da dies zum Widerstand reizen könnte. Mehr und mehr findet die Sitte Eingang, daß der Hausherr in einer der Unterhaltungspausen die Bemerkung fallen läßt: Mein Arzt hat mir gerathen, vor dem Zubettegehen Speisenpuloer zu nehmen jetzt nehme ich Speisenpulver.Bei Tisch. Gespräche über Krankheiten und chirurgische Operationen vermeide man thunlichst. Auch unterlasse man eine laute Kritik der Speisen, selbst wenn dieselben gut gewesen sein sollten, ebenso unschicklich ist das ostentative Zusichnehmen von Natron und anderen Medicamenten. Eine nicht genug zu rügende Unsitte besteht beim Verzehren des Compots in dem Wiedervonsichgeben der Kerne. Da dieser Gang einer der letzten ist, wird jeder wohl für die kurze Zeit die paar Obstkerne verborgen bei sich behalten können, kleinere schlucke man lieber. Hat man das Unglück gehabt, Fette, Saucen und dergleichen aus das Kleid der Tischnachbarin zu gießen, so suche man die Sache mit einem gelungenen Scherz wort in's Komische zu ziehen, und man wird immer die Lacher auf seinerSeite haben. Gleitet einem die Serviette hinab, so vermeide man es, sich schnell danach zu bücken, da hierdurch, besonders erfahrene Damen, in Schrecken versetzt werden können. Man suche vielmehr ganz unauffällig die Serviette unter dem Tisch mit der Fußspitze in eine andere Gegend zu.befördern; doch kann auch dieses heimliche Manöver zu Mißverständnissen Anlaß geben, wenn nicht die größte Vorsicht dabei angewendet wird. Beim Essen darf das Messer nicht in den Mund geführt werden, weil dasselbe bei längerem Verweilen darin rostet. Eine gewisse Mäßigkeit bei Tisch ist eine f n L . . . 1 ' . 1 ieionveritanollqe Bedingung des guten Tones. Man lasse sich nur Nicht durch die Vorstellung, daß es nichts kostet, verleiten, mehr Speisen aufzunehmen, als man vertragen kann. Doctoren und Arzneien kosten binterhcr mehr, als man durch das Diner erspart hat. Insbesondere lasse man sich nicht hinreißen, den guten Weinen des Hausherrn zu viel Ebre anzutbun. Beginnt man zu fühlen, daß die unge schwer wird, so sistire man die weiteren Genüsse und warte ruhig ab, bis die Tafel ausgehoben wird. Man reicht seiner Tischnachbarin den Arm und bringt sie in einenNebenraum, wo man sie Vlati nebmen läftt. steckt einiae Ci. garren zu sich und verabschiedet sich in i. r:jc. crn.:r v..-. r:.t.M9u.::A! yCljllUCl XLClC UUU Util IICUCIIBIUUIUI gen Gastgebern. Der Wirthin pflegt
man M!7öhnllch zu sagen: Sie waren
die Königin des Festes. Sucht man uns zurückzuhalten, so entschuldige man sich höflich, aber bestimmt, mit dem Hinweis, daß man einen wichtigen Brief zu schreiben habe. Im Vorzimmer überzeuge man sich, ob inzwischen etwa Regenwetter eingetreten ist, und wenn dies der Fall ist, zieh man Ueberschuhe an, die man am andern Tag mit ein paar verbindlichen Zeilen zurückzusenden hat. Das sind nur einige kurze Beiträge zu dem Kapitel Benimm Dich anstänMg". Aber eder, der diese Regeln befolgt, kann sicher sein, daß er überall offene Thuren finden wird. Zyre'Fiache. Won G. I. Krauß. I. Der Hausherr, der eben die Postsachen durchsah, reichte ihr mit feinem Lächeln einen Brief über den Tisch herüber. Hier, Fraulern für Sie!" Sobald sie konnte, zog sie sich mit dem theuren Gut auf ihr Zimmer zurück. Mit ein wenig zitternden Händen rzß sie die Kante des Umschlages ab und entfaltete das Blatt, mit den Blicken schon die kraftvollen Schriftzllge liebkosend, ehe sie noch lesen konnte. Und dann las sie: Liebe Anna! Es wird mir aufrichtig schwer, Dir zu sagen, was doch endlich gesagt werden muß. Und ich habe das Bedurfniß, zu erklären, mich zu entschuldigen, obwohl nach dem Sprichwort sich anklagt, wer sich entschuldigt. Du hast keine Ahnung, Anna, wie schwer ein junger Arzt heute zu kämpfen hat. Und gar hier in Berlin, für einen Mann meines Berufes, der kein Vermögen, keine Verbindungen hat, ist überhaupt kaum noch eine schwache Möglichkeit offen, sich zur Geltung zu bringen, das heißt, ein Weg ist da, ein äußerst bequemer sogar, in den alle die Fußsteige schließlich einmünden, auf denen man sich anfanglich rechts und links durch das Dickicht kämpft: man muß das Vermögen, die Verbindungen heirathen. Was habe ich nicht Alles versucht. und was war nicht Alles umsonst! Ich bin klemmuthig geworden, Anna. Ja, wenn Du Dich mir nicht entzogen hattest, wenn Du nicht in unbegreiflicher Prüderie sofort nach dem Tode Deines Vaters Dich so weit von mir geflüchtet hattest, tn das Haus fremder Leute, es wäre vielleicht anders gekommen. Ich hätte in schönem Wahnsinn den Schritt gethan, den man ben nur im schonen Wahnsinn thun kann wir hat ten geheirathet, unbekümmert um das, was nach der Hochzeit und den FlitterWochen kommen mußte. So aber! Ich habe nicht Einbildungskraft genug, mich an einer Erm nerung, die seit mehr als einem Jahre durch nichts aufgefrischt wird, als durch ein paar Photographien, zu be thören und im Rausch zu erhalten. Dann kam eine Zelt, in der ich mit me:ner falschen Scham kämpfte. Ich mußte ja treubrüchig werden, wenn ich thun wollte, was für uns Beide des Beste, das Nothwendige war. Und Du würdest den Ehrlosen, der Dir sein Wort gebrochen, hassen, verachten Dann war auch das überwunden. Ich sah um mich und sah, was ich suchte Vor vier Wochen habe ich mich mit einer jungen Dame aus reichem Hause verlobt, m acht Tagen ist die Hochzeit. Es versteht sich, daß ich Dir zurück erstatte, was Dein guter Vater für mich ausgelegt hat, so wie die Mitgift meiner Braut flüssig ist. Die Beträge machen mit Zinsen und Zmseszinsen eine hübsche runde Summe aus, die es Dir ermöglichen wird, zu finden, was in dieser Welt einem armen Mädchen zumeist versagt bleibt, einen wackeren, tüchtigen Mann. Und nun zürne nicht zu sehr Deinem immer dankbaren Arthur. Sie hatte bis zu Ende gelesen, ohne daß auch nur eine einzige Thräne ihren Blick verdunkelte, die klaren, grausam festen und sicheren Schriftzüge vor ihren Augen verschwimmen machte. Als sie fertig war, fühlte sie allerdings eine sonderbare, weiche Schwäche sich ihrer Nerven bemächtigen. Ihr war, als müßte sie in Ohnmacht sinken, in einen tiefen, finsteren Schacht hinunterfallen, der sich vor ihr gähnend aufthat. Aber mit einer mächtigen Willensanstrenr f r- v . gung riy ne ncy empor. as durste Nicht sem. Henny und Klarchen war teten ja unten im Studirzimmer auf c -. ote eyrerm. Die beiden kleinen Mädchn saben Anna so sonderbar an, als sie zu ihnen ,n's Zimmer trat, daß sie suhlte, sie müsse sehr schlecht aussehen. Sie nahm sich zusammen und hielt ihre Unterrichtsstunde möglichst ruhig ab. Dann ging sie mit den Kindern spazie r?n, dann zu Tische, als ob nichts geschehen wäre. Es war a ihre Schul digkeit so. Nach dem Essen nahm die Baronin Anna auf die Seite. Liebes Fräulein," sagte sie theil nehmend, Klärchen machte mich eben aufmerksam, daß Ihnen etwas fehlen müsse. Ich hätte wahrscheinlich auch ohne das bemerkt, daß Sie sehr ange griffen aussehen. Kann ich Ihnen mit etwas dienen? Halb Wider Willen entfuhr es Anna: Ich habe eine sehr üble Nachricht bekommen. Ich ich möchte nach Berlin fahren. Dann fahren Sie, meine Liebe - heute noch! Die Kinder werden gegen -- crr jr. . r . t m rill paar iasocgen zerren niegis yaoen. n. Einige Stunden später fuhr Anna im Schnellzuge nach Berlin. Sie wußte nicht, warum sie hinfuhr.
was sie dort wollte. In ihrem schme? zenden, von dem ungeheueren Schlage
noch yalv vetauolen opse war nur ein dunkles Gefühl, daß sie in Berlin sein wollte, wenn das Unerhörte geschah. Dabei hing sie den Erinnerungen an längst vergangene Zeiten nach. Sie sah sich wieder im Hause ihres Vaters in Charlottenburg, sie hörte den alten, freundlichen Mann in liebevollem Tone von Ärtyur reden. 2cr Junge war kein Verwandter, nur der Sobn eines in Armuth verstorbenen Jugendfreunoes oes anen Herrn, nver oer mng doch an ihm wie an einem bluteigenen Sohne. Er , schwärmte geradezu von der Begabung, der Tüchtigkeit, dem Fleiß des Burschen, den er auf seine eigenen Kosten studiren ließ. Anna schwärmte mit. Sie betete den schönen, gescheidten. gewandten ötnaven mit zenemMsuylsuverscywanz an. der dem Alter der kurzen Kleidchen eigen ist. Sie sehnte sich nach ihm, . jci . tz. i ::c. wenn er rncui oa war, sie loai uyet glücklich, wenn er mit ihr durch den großen Garten lief, der zu dem Hause gehörte, und sie träumte des Nats von ihm. Sie hatte ja Niemanden sonst, an den sie sich so recht anschließen konnte. Ihre Mutter hatte sie kaum gekannt, der Vater las und :" dirte immerfort, Fnundinnen hatte sie nicht. Aennchens Kleider wurden immer länger. Vaters Saare immer weiner. Arthur immer größer und männlicher. tschltefclich war er gar ein Herr tudent an der Universität, hatte einen langen Schlägerschmik auf der linken Backe und redete vom Secirsaale. daß es ganz grauenhaft zu hören war. trotzdem aber liebten sich die Beiden von Tag zu Tag mehr. Dann kam ein wunderschöner Frühlingsabend. In den alten, juncz.belaubten Bäumen säuselte ein le'chter Wind, der Vollmond schien, und drüden im warten des königlichen Schlosses sang die Nachtigall. Die Beiden gingen Arm in Arm im Garten umher. sayen zu den yellen Fenstern von Vaters Studirstube empor und horchten auf die leisen Stimmen der Nacht. Äa fragte sie Arthur, ob sie sem: liebe ?7rau werden wolle, sväter. wenn er erst mit feinen Studien fertig wäre. teit sagte Ja. und dann küßten sie sich und gingen hinauf zum Vater und erzählten ihm, daß sie sich heirathen woll:en. welkyaarlge alte Herr freute sich, daß ihm die Thränen in den A::gen standen. Wieder ein paar Jahre und er starb. Er starb obne Sorae um sein Kind. Wußte er sie doch unter dem Schutze Arthur's, ihres Verlobten und Freundes. Vielmehr als Artbur blieb dem Mädchen auch nicht. Wie sich herausstellte, hatte der alte Herr mit allerlei gelehrten Liebhaberelen und mit den Summen, die der Herr Student ihm kostete, mehr verbraucht, als die Vension. die er vom Staate bezog, betrug. iwi W m. . w V- . jüü5 Meyr lanete als Hypothek auf Haus und Garten. Als die verkaust wurden, blieb gerade so viel, daß Anna ven Hausstand auslosen konnte. Was nun? Zu Arthur konnte sie doch nicht gehen, bevor sie verheiratbet waren, und heirathen konnte er noch nicht. Er hatte ja eben erst seine Prüfung abgelegt, verdiente noch sehr wenig und hauste in einem möblirten Zimmer. So konnte das junge Mädchen von Glück sagen, daß unter den in hin Blättern ausgeschriebenen Stellen, u.-n vie )it sich bewarb, die einer Erzieherin im Hause des Freiherrn von Rothberg war. er aron war ein ehemaliger Schüler von Anna's Vater und gab deshalb ihr, der unzureichend Vorzbildeten, sofort den Vorzug vor zweundzwanzig anderen mit Äeuanissen" und Referenzen bedeutend besser ausgerM:en Bewerberinnen. Mit Arthur lnterhielt sie von München aus. wo der Baron lebte, einen regen Briefwechsel. e?c. :c- c-rr r 1 " imp iyic ov, ,illllill.cn aus lyn zu oen Dingen gehören könnten, die sie bei dem Zusammenbruch ihrer bllraerlicken Existenz verlor, war ihr nie in den inn gekommen, bis Dieser Brief! 5e öfter sie ibn überlas, desto tiefer fraß sich der Ingrimm :n iyr ausgewuyltes Gemüth. Dieser feige, kalte, herzlos rechnende Schuft! Geld bot ihr der Elende, Geld! Die betrage, die der Vater für ihn aufge wendet, mit Zinseszinsen, aus der Mitgift seiner Braut! Dem Charakter. ver sich da vor ihr enthüllte, war es zu zutrauen, daß er von seinen Knaben jähren her eine genaue Liste über alles Empfangene geführt hatte, um spater bei seiner Verheirathung mit einem reichen Mädchen, diese Abrecknuna vornehmen zu können. Wie correct er sich xn semer eisig kalten Ruchlosigkeit of fenbar noch vorkam! Jetzt plötzlich wußte Anna, warum sie nach Berlin fuhr. Sowie sie au dem AnHalter Bahnhofe angekommei war, fragte sie nach dem nächsten Waf fenladen und kaufte dort einen Revol ver mit Munition. HI. Acht Tage später fand in der Kaiser Wilhelm - Gedächtnißkirche eine vornehme Trauung statt. Die alten Weiber und die Dienstmädchen aus der Umgegend, die sich lange vor Ankunft des Wagenzuges mit den Festgästen am Kirchenthore drängten, sahen mit scheuen Blicken auf das schöne, schlanke Mädchen mit den stclze.i Zügen und den brennenden schwarzen Augen, das an der Wand lehnte und unablässig in der Richtung ausspähte, aus der die Wagen kommen mußten. Die is coch nich blos um's Zukieken da " Da jibt's Skandal, paß uf, Rieke!" Der Herr Doctor soll ja 'n mächtiger Schürzenjäger jewesen sein." Anna hörte das Murmeln des neugierigen Volkes nicht. Jede Sehne spannte sich in ihrem schlanken Leibe,
die Hand umschloß in, der Kleidertasche krampfhaft den Kolben der Waffe, ihre Augen glühten. Da kamen sie ja. die Wagen! Aus dem ersten, der am Kirchenportal hielt, sprang ein großer, vornehm aussehender junger Mann und wandte sich mit eleganter Bewegung um, der in weißer Seide rauschenden Braut aus dem Wagen zu helfen. , Herrgott, wie wenig das Mädchen zu dem Manne paßte! Nicht mehr in der ersten Jugendblüthe, klein, mager und häßlich! Rothe Haare, Sommerspros-
sen, matte, wasserblaue Augen, einen welken Zug um den verkniffenen Mund Aus der dichten Masse der Gaffer erscholl plötzlich ein Lachen: ein helles, lautes, verächtliches Mädchenlachen Der Bräutigam fuhr zusammen und starrte die Lacherin einen Augenblick mit weit auftjerissenen Augen an, als sahe er tun strafende. rächende Schreckensgestalt. Dann wurde er über und über roth, faßte seine n weiße Seide gehüllte Braut am Arm und schritt hastig mit ihr in die Kirche. Das Schicksal war der Rache zuvorgekommen. Seit Anna das Geschöpf gesehen, an das sich jener Verhaßte für sein ganzes Leben verkauft hatte, fühlte sie, daß es ihre empfindlichste Rache war, ihn leben zu lassen. Der nächste Zug trug sie nach Mun chen zurück. MTchcn. Humoreske bon Rudolph Braune. Ich habe eine sehr gebildete Tante. Ueber die Altjungserthorheiten wie Katzen und Möpse ist sie thurmhoch erhaben. Dafür aber hält sie im Käfig einen Kreuzschnabel, den sie wegen seines drolligen Wesens in ihr Herz geschlössen hat. Wenn wir zu ihr kamen. uns nach ihrem Befinden zu erkundigen das war unsere Pflicht. denn wir wollten sie beerben: wenn es der Himmel fügte, möglichst bald mußten wir das mit Schnabels und Krallen kletternde grüne Thier jedes Mal bewundern. Nachmittags unterrichtete sie den Vogel, wie sie ihr Quälen nannte, und ließ ihn frei im Zimmer fliegen, damit er nicht etwa HerzVerfettung bekäme, ein Uebel, vor dem sie sick schrecklich fürchtete, weil an ihm mal ein Vetter ihrer Mutter gestorben war.Vergangenen Sommer reiste sie auf vier Wochen in's Bad, und wir bekamen das Thier in Pension. Unter Thränen nahm sie von Mäxchen" Abschied und knüpfte uns auf die Seele, ja gut für ihn zu sorgen. Ich mußte schnell einen Cognac trinken, als sie hinaus war, so. übel war mir von dem Brimborium geworden. Meine Frau aber, die sich nach dem Erbe noch viel mehr sehnt als ich, wollte in Thränen zerfließen. Den ersten Nachmittag ließen wir nach Vorschrift Mäxchen aus dem Käfig. Wie ein Wirbelwind fuhr er heraus auf die Gardinenstange. Dort tanzte er hin und her. Nun haben wir an der Wand einen Käfig mit zwei Finken hängen, einen grünen und einen Buchfink. Wie wird er sich zu denen 'stellen? Für's Erste ignorirte er sie. Er tanzte auf der Gardinenstange und hackte an den Vorhängen herum. Darob Zetergeschrei meiner Frau und energisches Protestiren meinerseits mit dem Staubtuche. Mäxchen räumte das Feld und schoß was haste, was kannste hinüber auf den Käfig der Finken. Die wollten sich vor Freude zerreißen, als sie Einen aus ihrer Verwandtschaft entdeckten. Mäxchen schirpte wie ein Sperling und fuhr mit seinem spitzen Schnabel zwischen die Stäbe des Käfigs. Er will hacken," schrie meine Frau auf. Bewahre, ermeint 's gut," erklärte ich, er will küssen." Du denkst natürlich nur an's Kllssen." Da hatte ich meinen Senf. Es war Zeit zum Kaffe. Wir setzten uns an den Tisch. Ich griff gerade nach dein Kuchenteller, als Mäxchen fchirpend über den Tisch wegflog, um wieder nach der Gardinenstange zu gelangen. Gerade über dem Tische angelangt, fühlte er sich bewogen, sich zu verewigen und das Zeugniß seiner Existenz fiel dicht neben den Teller. Wüthend fprang ich auf. Das ist eine Unverschämtheit. Die alte Schraube konnte dem Thiere auch bessere Sitten beigebracht haben. Gehört sich denn so was?" Alte Schraube?" fragte meine Frau pikirt. Es ist meine Tante." Ach was. Tante! Laß sie einsalzen sammt dem Kreuzschnabel." So. Aber erben willst Du von iljr " Du etwa nicht?" Wir mußten Beide lachen und kamen nun dahin überein, Mäxchen einzufangen und wieder in seinen Käfig einzuspunden. Das war leicht gesagt, aber schwer gethan. Mäxchen war uns zu schlau, cr ließ sich nicht fanzen. Zwischen Gardinenstange und Finkenkäfig ging's immer hin und her wir wurden schließlich ganz drehend. Halt." sagte ich zu meiner Frau, so wird's nichts. Wir müssen's anders anfangen. Wie machen's die Viehhirten in den Pampas? Sie bedienen sich des Lassos." Aber da erwürgst Du ihn." 's braucht ja kein Strick zu sein, ich kann in diesem Falle auch ein Tuch als Lasso verwenden." Sie brachte ein altes Concerttuch herbei und jagte den Vogel auf den Finkenkäfig. Ich hob mich auf den Fußspitzen und ließ das Tuch durch die Luft schwirren natürlich vergeblich. Auch das zweite und dritte Mal vergeblich, das vierte Mal hatte ich ihn: da klemmte er unter dem Tuche. Rpn schnell in seinen Käfig. Er schimpfte und hackte nach unseren Fin-gtixu
" Wie Deine Tante," sagte ich. Pfui," entgegnete meine Frau da schrie sie entsetzt auf. Ja . . . was ist denn das? Ich sprang hinzu, sonst wäre sie umgesunken. Mit Thränen in den Augen starrte sie mich an. Aber, Kind," sprach ich, Du mußt es Dir nicht so zu Herzen nehmen, wenn ich 'mal Deine Tante . . . ." jsch die Tante! Siehst Du denn nicht? Mäxchen hat ein Loch in die Gardine gehackt." Ich trat an's Fenster. Ja. da war in der Gardine ein ziemlich großes Loch. Das kann er nur vorhin gethan haben." sagte ich, als wir uns zankten. Siehst Du, liebes Kind, das kommt vom Zanken." Meine Frau aber hörte gar nicht, was ich sagte. Sie stand mit geballter Faust dor dem Kreuzschnabel und schimpfte ihn aus. Aber Mäxchen ließ sich nichts gefallen, er hackte nach ihr und schimpfte zurück zik, zik, zik." Den nächsten Tag mußte er im Käfig bleiben. Das schien ihm nicht zu gefallen. Er kletterte, turnte und tanzte nicht, schimpfte und hackte aber desto mehr, wenn wir an seinen Käfig traten. Den dritten Tag saß er aufgepustert auf der Stange. Meiner Frau, in deren Kopfe das Erben mal wieder spukte, that er leid. Ach guck doch nur," meinte sie, sieht er nicht schon aus, als litte er an Herzverfettung?" Na, na." Ein Wund:r wäre es Za nicht. Ihm fehlt die Bewegung. Sein Bauer ist auch etwas zu klein." Willst Du Dir vielleicht wieder Gardinen zerhacken lassen?" fragte ich. Ich werde mich hüten. Aber wir könnten ihn zu den Finken thun." So kam Mäxchen in den Finkenkäfig. Er schien sich darob diebisch zu sreuen, und die Finken begrüßten ihn mit fröhlichem Gezwitscher. Kaum aber war er im Finkenkäfig heimisch
geworden, schwand ihre Freude. Der Buchfink flatterteHängstlich hin und her. und der grüne quäkte Mäxchen setzte ihnen nämlich mit seinem starken, spitzen Schnabel ellig zu. Wir sprangen schnell hinzu und holten ihn heraus, aber da hatte er dem Buchfinken . . . r schon den halben Schwanz 'rausgerijsen und dem grünen ein tüchtiges Loch im Kopfe beigebracht. Meine Frau weinte, ich fluchte. Nun faß Mäxchen wieder in seinem Käfig, vusterte sich auf und kackte uns in die Finger, wenn wir ihm zu nahe kamen. Als acht Tage vergangen waren, saate meine Frau: Höre, so acht es nicht weiter. Der Vogel stirbt, und wir erben nichts. Aber Deine Gardinen . . Es muß ihn eben immer Jemand überwachen. So? Ich verzichte zu Deinen Gunsten. Vielleicht stellst Du für Mäxchen eme Bonne an? .Nein, das mache ich selber." Also durfte Mäxchen wieder jeden Nachmittag frei im Zimmer herumfliegen.. Meine Frau überwachte ihn oder vielmehr die Gardinen, daß denen nichts Böses geschah, sprach mit ihm. fing ihn von Zeit zu Zeit ein, hätschelte ihn und druckte ihn an die Wange. Ich satz unterdessen im Nebenzimmer und rauchte. Plötzlich hörte ich einen furchtbaren Schrei. Ich stürzte hinzu, da lag meine Frau auf dem Sopha und hielt beide Hände vor's Gesicht gedrückt. Märchen aber saß aus der waz dinenstange, schlug mit den Flügeln und schimpfte. Nanu, was ist denn los?" Zik, zik," antwortete Mäxchen. Märchen hat mich in die Nase ge tfi bissen." antwortete meine Frau. Ich mußte lachen. Das hast Du davon. Hätschle lieber Deinen Mann, der beißt Dich nicht in die Nase. Meine Frau war aufgestanden und drohte dem Kreuzschnabel: Na warte nur. ich revanchire mich. Willst Du ihn auch beißen?" fragte ich. Nein, beißen nicht, aber ich werde ihn furchtbar ärgern." Sie griff nach dem Lasso, ich eilte hinaus, denn ich hatte vom Kreuzschnabel nun wirklich genug. Eine halbe Stunde später bolt mich meine Frau. Willst Du 'mal 'was Komisches leben?" Warum nicht," antwortete ich und folgte ihr. Wie hatte sie den Kreuzschnabel geärgert? Sie hatte ihn auf den Kopf mit flüssigem Leim eine Tolle von kleinen Hühnerfedern geklebt. Mäxchen tobte mit dieser Tolle auf dem Kopfe in seinem Käfig herum und scheuerte den Kopf an den Stäben, um die lästigen Hühnerfedern loszuwerden.. Und das sah wirklich komisch aus. Zuerst mußte ich denn auch lachen. Dann aber sagte ich: Liebes Kind, das hättest Du nicht thun sollen, das ist Thierquälerei." Sie sah mich erschrocken an. O, daran habe ich nicht gedacht. Armes Mäxchen, hast Du Schmerzen? Warte, ich hole warmes Wasser, damit lösen wir die garstigen Hühnerfedern ab." Ja. die Huhnerfedern gingen ab, aber mit ihnen auch des Kreuzschnabels eigene Federn, so daß er nun auf dem Kopfe eine kahle Stelle hatte, eine förmliche Glatze. Das sah nun wieder so urkomisch aus, daß wir abermals lachen mußten. Aber unser Lachen dauerte nicht lange. Ein Gedanke hatte uns Beide durchschossen. Wenn die Tante zurückkommt, ihr Mäxchen zurückholt, und Mäxchen hat eine Glatze, was dann? Dann enterbt sie uns, das ist sicher. Sie darf nichts von Mäxchcns Glatze erfahren," erklärte meine Frau. Wie willst Du das anfangen?" erkündigte ich mich. Willst Du ihm eine Perücke machen lassen?" Was hast Du als junger Mensch gebraucht, als Dein Schnurrbart nicht wachsen wollte?"
Ich? Gar nichts." Sie wurde wild. Bei Deinen,
Seelenbeil beschwöre ich Dich, was hat Du gebraucht?" Ich dachte nach. Ich hatte wuHid? nichts gebraucht, aber ein Bekannter von mir hatte einen Haarwasselfabrikanten reich aemacht. Die Adresse deZ Fabrikanten konnte ich jeden Tag bekommen, erst wutzte ich sie nicht, ave? meiner aufgeregten Frau mußte ich eine nennen. Ich sagte ihr die erste: beste, die mir einfiel. Gut." meinte sie. laß sofort etwa? kommen!" Soll ich vielleicht lieber telearapbiren?" fragte ich. Denn vierzehn Taae ist eme kurze Zeit, da wachst um Schiribait, geschweige ein Kopf vcll. Federn.Gut. dann telegraphire lieber." Sechs Mark für Haarwasser, das xt Wahrlich kein Pappenstiel. Und dabei keine Spur von Erfolg. Ich tröstetemeine über den Wegfall der Erbschast. fast verzweifelnde Frau mit der Erklarunq, die Natur werde schon Federn. nachschieben, auch ohne Haarwasser. Aber meine Faru hatte all ihre Hoffnung auf das Haarwasser gesetzt. Sie badete Mäxchens Kopf täglich mehrere Male in der theuren Flüssigkeit, er durfte die Finken hacken und Löcher in die Gardinen beißen aber alle Mühe war umsonst, Federn kamen nicht. Nur die letzten Tage zeigten sich auf der Glatze schwarze Punkte. War's ein erdiger Niederschlag deSHaarwassers oder waren's die Spuren neuer Federn? Meine Frau behaupt tete das Letztere. Sie betete tägliche die Tante möchte noch vier Wochen im Bade bleiben. Aber die blieb nicht, länger. Pünktlich vier Wochen nach, ihrer Abreise trat sie in unsere Woh nung, um ihr Mäxchen abzuholen. Meine Frau sah wie der Kalk an der Wand aus. Ich stellte schnell noch ein Fläschchen Riechsalz auf den Tisch und drückte mich. Mannesmuth ist ja eineTugend, aber man darf ihn nicht am falschen' Orte und zu falscher Zeit zei gen das ist sonst Protzerei. Die Scene zwischen den beiden. Frauen kann und mag ich nicht U schreiben. Nur das Eine: das Riech salz haben Beide gebraucht. Als ich nach Hause kam. weinte meine Frau und unter die Erbschaft zogen- wir eignen dicken Strich. Wir würden auch,' ohne die nicht verhungern. Das Tollste aber folgt noch. Nach'vier Wochen ' kam die Tante, die sich' bis dahin fern von uns gehalten hatte. wieder zu uns und war die Liebe und Güte selbst. Mäxchen hatte den gan zen Kopf voll neuer Federn, und wir sollten nun wieder erben. Na, Anfangs habe ich meine Empörung nicht: gezeigt, aber als sie zum Hause hinauSund außer Hörweite war, na, da habeich ihr meine Meinung gesteckt. Daranwird sie für viele Jahre genug haben. Damit wir aber zukünftig nicht wieder in solch' scheußliche Verlegenheiten kommen, will ich mit einem findigen Kerl ein Thierpensionat auf Aktien gründen. Wir glauben, daß wir während der Reisesaison feine Geschäfte machen werden und hohe Dividende zahlen können. Japan's 2!cbcnöbäume. Wenig bekannt dürfte es sein, daßjeder Japaner seinen Lebms- oder vielmehr Heirathsbaum besitzt. An dem Tage nämlich, an dem im Lande der Chrysanthemen ein Baby zur Welt kommt, pflanzt der stolze Bater ein junges Bäumchen, das gleich dem zarten lebenden Wesen, dessen Namen eS theilt, die sorgsamste Pflege genießt. Geht das Bäumchen trotz aller Sorg salt ein, was jedoch nur höchst selten passirt, dann setzt man wenig Hoffnung auf das Gedeihen des Kindes. Gewöhnlich treibt der kleine Baum In stig empor und ist groß und kräftige bevor der japanische Mitbürger sehrin Jahren vorgeschritten ist. Sobald nun der Tag naht, an dem der jungeMann oder die junge Maid in das süße Ehejoch zu schlüpfen gedenkt, wirdder Heirathsbaum gefällt und aus seinem Holz ein Möbel gefertigt, welches das junge Ehepaar als das schönsteStück im ganzen Haushalt betrachtet und mit größter Pietät behandelt. Italischer Frühling. Won Alice v. Gaudy. Die Sonne dichtet ein Märchen Voll glühender Farbenpracht: Das ist der Frühling Hesperiens, Unter Myrthen und Lorbeer erwacht! Ein strahlender Liebling der Götter Durchzieht er singend das Land. Von Eros lieh er die Schwingen, Von Bacchus den Stab in der Handle In tausendjährige Trümmer Wirft er ein lachendes Grün, Und zwischen den Gräberruinen Läßt er flammende Nelken erblüht Er spielt im Haine Verstecken Und schüttelt den schlummernden: Baum, Da fallen die Goldorangen, Und Blüthen herab wie ein Traunn. Und zieht er an schattigen Lauben. Mit jauchzendem Gruße vorbei: So knospen die rankenden Rosen Und drinnen küssen sich zwei . . . . Bestimmte Aus sage. ! Zeuge (ein Pfalz) : Wer zuerscht zu. geschlache Hot von dene Zwee, des kann ich Jhne genau fache, Herr Präsident! De erste Schlack Hot der Mayer her I gegebbe, des is sicher, nor weeß ich als nit gewiß, ob er rnt zuvor schun vom Annere Eene nuffgekriecht geha't hat! Der poetische Gatte. Lyriker, seiner Gattin ein Gedicht vor lesend: .Hörst Du mir auch zu, meine-Liebe?-Oh gewiß'.- Aber 2)m -ahnst ja?- Ist das nicht Beweis ge -uz, dafc ich zr:h5Z i
