Indiana Tribüne, Volume 21, Number 237, Indianapolis, Marion County, 15 May 1898 — Page 2
Wodcrnc Euren. ; "" Von E.PSHl. ' u In dürres Nachsinnen versunken, sak Herr Mathias Junghans am Fensrer. während ihm seine Frau beruh!gend mit ihrer weichen Hand überKopf und Wangen strich. Draußen blinkte der Frühlingssonnenschein und erwärmte die köstliche Lust, die durch die geöffneten Fensterflügel strich. Jetzt ist mir wieder ein bissel besser." antwortete Herr Junghans leise auf den ängstlich forschenden Blick seiner Frau. Aber früher. . . ich hab' rein geglaubt, ich muß ersticken von Um Druck. . . so ist's mir auf der Brust gelegen. Mein Gott, mein Gott, hab' ich mich dazu vom Geschäft z'rückgezogen, daß ich schon als Mann mit fünfzig Jahren sterben soll? Jetzt, wo wir so sorgenlos, rein nur zu unserem Vergnügen leben könnten? Ich sag' Dir, Tini, ich bin ost ganz der zweiselt." Aber Matz'l. nimm' Dir doch nit jede Kleinigkeit so zu Herzen. Schau', Du bist halt in der letzten Zeit ein bis sei zu stark word'n und das macht die Beschwerden. Dann weißt, im Frühjähr spürt fast jeder Mensch was. Wirst seh'n, wenn ich Dich noch ein paarmal mit Franzbranntwein einreib', so vergeht Alles. Der Franzbranntwein brennt jede Krankheit lus'n Körper 'naus. Aber wnns D' kein Vertrauen mehr zum Franzbranntwein hast, na so lass'n m'r halt unsern Doctor hol'n; ich hab' Dir's ja längst antrag'n." Der Patient schüttelte traurig den Kopf. Ja," sagte er, wenn die Untersuchung nicht wär'! Wer weiß, was ich da zu hören krieget! G'wiß hab' ich ein' Herzfehler oder so was. Nein, ich hab' die Courage nicht, mich untersuchen z'lassen. Nein und tausendmal nein!" Aber. Patscherl, Du brauchst Dich ja net untersuchen zu lassen vom Doctor. Sag' einfach. Du bist zu kitzlich dazu. Probir's übrigens einmal bei dem Naturarzt, der gleich um's Eck wohnt, der soll schon recht schöne Euren gemacht haben ; der hilft Dir vielleicht auch, ohne Untersuchung. Geh', Matz'l, geh' thu' mir's zu Lieb'!" Herr Mathias Junghans begab sich zu dem Naturarzte umd schilderte diesem seinen Zustand auf das Genauesie. Kenn' ich," sagte der Naturarzt, brauche Sie gar nicht weiter anzusehen. Ihr ganzer Organismus ist verpesteä mit Leichengift." Der Patient schnappte fast zusammen vor Schrecken. Seme Beklemmungen traten stärker auf als je und mit Mühe brachte er die Worte heraus: Um Himmelswillen, wie komm' ich zu Leichengift?" Weil Sie täglich KalbsleZchen, Ochsenleichen, Fischleichen und dergleichen verzehren. Oder," fuhr der Naturarzt in strengem Tone fort, wollen Sie etwa leugnen, daß Sie unter dem Namen Schnitzel. Rindfleisch. Schöpfernes und so weiter Tag für Tag Bestandtheile eines Thiercadavers derzehren? Ja, noch mehr, Sie nehmen, in Form gesottener Milch gewisserma ßen auch Milchleichen zu sich, durch geZochtes Gemüse und Obst Pflanzenleichen und dergleichen naturwidriges Zeug mehr. Die einzige natürliche Diahrungsweise aber ist die Rohkost, verstehen Sie mich, rohes Gemüse, rohes Obst, rohe Milch. . ." , Du mein Gott!" seufzte der Patient tief auf. Ja, da kann ich Ihnen nicht helfen, dieses Regime müssen Sie einschlagen, sonst wird Sie der Teufel holen!" polterte der Naturarzt. Es scheint, daß zu den sonstigen Rohheiten dieser Cur auch eine rohe Behandlung gehört," dachte HerrJungHans, hütete sich aber wohl, dies auszusprechen. Und das ist nicht AlleZ," vollendete der Naturarzt. Was glauben Sie denn eigentlich von Ihrem Unterleib? Meinen Sie, daß sich der menschliche Unterleib auf die Dauer die BeHandlung gefallen läßt, die ihm zu Theil wird? Wie lange hat Ihr Unterleib die Sonne nicht gesehen?" Die Sonne?" fragte Herr JungHans ganz verblüfft. Ja, die Sonne." Nun, seit dem letzten Donaubade bei Holzer, also seit August vorigen Jahres." Und Sie Verblendeter glauben, daß diese andauernde Lichtentziehung nicht endlich zur Entartung Ihres Unterleibes führen muß? Hat nicht jedes Geschöpf auf Erden das Bedürfniß nach Licht? Konnten Sie leben, wenn Sie mit Ihrem Haupte nicht im Lichte wandelten? Aber der arme Unterleib soll sich die ewige Finsterniß unter Ihren zwei Paar Hosen, unter Hemd, Unterjacke, Gilet und Rock bieten lassen, ohne dagegen aufzumucken? Denken Sie nach, Mensch, ob Sie gerecht waren bisher gegen Ihren Unterleib, den Sie seit Ihrer frühesten Jugend schuldlos im Dunkel eines Kleidergesänqnisses gehalten haben!" Aber Herr Doctor, ich kann doch nicht. . ." Sie können nicht? Sie müssen. Sie werden Ihren Unterleib von jetzt an belichten. Herr, belichten durch Sonnenbäder bei Tage, und bei Nacht durch starke Strahlen elektrischen Lichies, die Sie unter die Decke Ihres- Bettes auf Ihren Verdauungsapparat leiten. Das wird Sie oben im Schlafe durchaus nicht stören." Wir beleuchten aber unsere Wohnung blos mit Petroleum." Dann lassen Sie die Elektricität so bald als möglich einleiten." Ein Nachtlicht mit einem Scheins werfe? that's nicht, Herr Doctor?" Zum Henker, nein! Und essen Sie zrohe Kartoffel, rohen Salat, rohe
Kohlrüben und dergleichen leicht verbauliche Gemüse. Etwas Anderes kann ich Ihnen nicht rathen. Aber das wird Ihnen helfen, weil es die Rückkehr zur Natur ist. Ich empfehle mich!" Als Herr Junghans seinerFrau von diesen Rathschlägen Mittheilung mach, te, nannte sie den Naturdoctor einen entmenschten Vieharzt und drang darauf, daß ihr Mann (nach einer Einreibung mit Franzbranntwein, die sie ihm angedeihen ließ) allsogleich einen berühmten Kneipparzt aufsuche. Johann, bringen Sie den Bauchguß!" befahl der Kneiparzt, als er aufmerksam die Krankengeschichte unseres Patienten bis zu Ende verfolgt hatte. Der Diener erschien mit einer flachen Wanne und einem Wasserkübel. Herr Junghans mußte sich entkleiden und der Kneipparzt sagte humoristisch: Wohl, nun kann der Guß beginnen," indem einen kalten Wasserschwall über des Neulings Unterleib ausgoß. Mit einem jähen Aufschrei sprang der Patient aus der Wanne, rang nach Luft und stöhnte, auf einen Sessel nieverfallend: Ah weh. . . ah weh. . . mich trifft der Schlag. . . aber so erschrecken, Herr Doctor, aber so kalt!" Das ist nur das erste Mal," lachte der Kneipparzt; wir haben einSprichwort: Das kalte Wasser, wenn man 's kennt, ist ganz wie warm's, weil 's g'rad so brennt. Sie werden sich schon daran gewöhnen. So, und jetzt bleiben Sie gleich so, ich werd' Ihnen den Bauchwickel geben." Er wickelte ein großes Leintuch zusammen, befeuchtete es und drehte den Patienten hinein, daß diesem schier das Schnaufen verging. Den Bauchwickel müssen Sie Tag und Nacht tragen. Und wenn Sie Gelegenheit haben, machen Sie gleichzeltig die Nusticalcur: Stall ausmisten, Holzhacken, Steineklopfen, Raufen u. s. w., wird Ihnen gut thun. Aber den Bauchguß nicht vergessen, der ist das wichtigste!" Mehr todt als lebendig kam Herr Junghans zu Hause an. Der BauchWickel trieb ihm fast die Augen aus dem Kopfe heraus und steigerte seine Brustbeklemmungen derart, daß nichts übrig blieb, als ihn aus dem Leintuch eiligst herauszuschälen. Frau JungHans rief durch Franzbranntwein mit Salz die Lebensgeister des verunglückten Kneippnovizen wkeder zurück, erklärte aber zugleich: Jetzt gehst zu ein' Specialarzt, Matzl, ich kann das Elend nicht mehr anschau'n!" Der Specialarzt prüfte mit kritischem Blicke die Leibesfülle seines Patienten. der in feister Stattlichkeit vor ihm stand. Dann sagte er, auf jedes Wort Nachdruck legend: Mann, Sie sind ja halb verhungert!" Ich?" rief Herr Junghans mit bitterem Lachen aus, ich verhun-' gert? Mit meinen neunzig Kilo? Sie machen sich einen Spaß aus mir, Herr Doctor." Ein kaltes Lächeln erschien auf dem Gesichte des Specialarztes. Sie sind nicht der erste, der so naiv daherredet. Sie mögen ja nach Ihrer laienhaften Ueberzeugung genug essen, aber Sie essen nicht das Richtige, nicht zur rechten Zeit und nicht unter den richtigen Umständen. Sie werden Ihre Hauptmahlzeit um Mitternacht halten, weil Sie dann Zeit zum Berdauungsschlafe haben. Nie darf Somatose auf Ihrem Tische fehlen. Um Mitternacht essen Sie Fisch und drei Fleischspeisen und trinken saure Milch dazu, mindestens Zwei Liter. Um zehn Uhr Vormittags stehen Sie auf. essen fünf Salzgurken und eine große Schachtel Sardinen. Dann schlafen Sie wieder bis fünf Uhr Nachmittags, um welche Zeit Ihnen eine Hammelskeule oder eine ähnliche Kleinigkeit vorgesetzt wird, die Sie mit zwei Gläsern Leberthran würzen. Verspüren Sie in der Pause bis Mitternacht Hunger, so essen Sie getrost einige' Paar gefüllte Schwalbennester mit Rothkraut oder sechzig bis siebzig nackte Austern in Essig und JDel pour la bonne bouche. Nur auf diese Weise werden Sie sich rationell ernähren und können Ihre Beschwerden verlieren. Ja, aproPos, bald hätte ich vergessen: Waschen dürfen Sie sich während der ganzen Cur absolut nicht. Auch das Gesicht nicht, Herr Doctor?" Auch nicht, gewiß nicht. Sie müty sen nämlich eine sanfte Schmutzkruste bekommen, welche die Ausscheidung kostbarer Säfte verhindert. Sie sind so ausgehungert, daß jede überflüssige Absonderung verhindert werden muß. Wasser ist das Schlechteste für Ihren Zustand. Verlieren Sie keinen. Augenblick.damit Sie nicht noch mehr herabkommen, denn das wäre fatal. Adieu, nuin Herr!" Nach der ersten Mitternachtsmahlzeit mit saurer Milch bekam Her? Mathias Junghans so betrübende Ansälle, daß der Specialarzt sicherlich diagnostizirt haben würde, es sei bei dem Unglücklichen der Hungertyphus ausgebrochen. Allein Herr Junghans vermied es weislich, ihn hierüber nochmals zu befragen, sondern eilte am Morgen spornstreichs zu seinem frü deren Hausarzte, nun fest entschlossen, sich lieber mit einem Fleischpracker abklopfen zu lassen, als noch eine der modernen Euren an sich zu erproben. Lieber Herr Junghans, Ihnen fehlt gar nichts, Sie sind vollständig gesund," versicherte der'Hausarzt nach sorgfältiger Untersuchung. Ziehen Sie sich ruhig wieder an, gehen Sie nach Hause und beruhigen Sie Ihre Frau.- .
Herr JunghanS, im Begriffe, ob dieser Votschaft eine strahlende Miene anzunehmen, ward während des Ankleidens plötzlich wieder düster. Er schöpfte tief Athem und entaegnete: Da, im Moment hab' ich sie wieder, meine Beklemmungen. Sehen Sie, Herr Doctor. hier. . . hier drückt es mich so, ich kann nicht frei Athem holen. Was das nur ist!" Er wies zag haft auf feine Brust. Der Hausarzt that einen Griff unter die Weste des Patienten. Ein Lachen verbeißend, nahm er sodann ein Instrument vom Tische und sagte zu dem bestürzten Patienten: Kehren Sie sich einen. Augenblick um : da kann nur das Messer helsen!" Und ehe der geängstigte Mann noch wußte, wie ihm geschah, trennte das Messer des Arztes knarrend die Naht vom hintercnTheile der Weste, bis diese weit auseinanderklaffte. Nun, Herr Junghans, verspüren Sie jetzt noch Beklemmungen?" fragte der Arzt heiter. Nein, meiner Scel' nein," antwortete der Patient, erleichtert den Brustkorb dehnend. Nun, sehen Sie, wie rasch die Ope-' ration gewirkt hat. Aber Sie müssen die nämliche Operation auch an allen Ihren anderen Westen vornehmen lassen, die Ihnen zu eng geworden sind. Auf die Klinik brauchen Sie deshalb nicht zu gehen, Ihr Schneider wird's auch treffen, Sie unverbesserlicher Hypochonder, Sie!. . ." Waus. Der Spaß war zu Ende! Mit gebrochenem Fuße trugen sie ihn fort. Er hatte die Wette verloren, die er leichtsinniger Weise gestern'im Club angenommen. Mit etwas verdutzten Gesichtern folgten die jungen Männer dem Verunglückten, der vor Schmerzen stöhnte. Wer hätte das gedacht! Kaum zwei Meter breit war der Graben, und der gewandte Turner hatte ihn verfehlt. Schade! wie schön hätte jetzt das Sektfrühstück geschmeckt. Nun war ihnen der Appetit vergangen; freilich daran, daß der Arme anstatt des Beines den Hals hätte brechen können, und daß statt eines Verunglückten die Männer da vorne auch einen Todten hätten tragen können, dachte keiner. Nun lag Harry Krohn in der Klinik, das Bein im Gipsverbande, mit der tröstlichen Aussicht, einige Wochen in ruhiger Beschaulichkeit in dem kahlen Krankenhauszimmer zubringen zu müssen. Jede Anstrengung war ihm untersagt, da der Bruch, ein doppelter Knöchelbruch. .die größte Schonung und Ruhe erforderte. Er lächelte unwillkürlich als ob er sich je angestrengt hätte! Er hatte Zeit, über sein Leben nachzudenken, zum ersten Mal ernstlich nachzudenken, und er war ehrlich genug, sich einzugestehen, daß er auf das Fazit dieser Betrachtungen nicht gerade stolz zu sein brauchte. Er war reicher Leute Kind, die alles thaten, was ihr Junge wollte, und nichts im Sinne hatten als sein Glück. Ob es auch immer zu seinem Glücke war? Heute kamen ihm zum ersten Male Zweifel daran. Die braven Alten hatten es gut gemeint, und er hatte ihnen, als sie starben, aufrichtig nachgetrauert. Freilich hatte diese Trauer bei seiner oberflächlichen, zum Egoismus erzogenen Natur nicht allzulange vorgehalten. Heute vermißte er sie. die kleine zärtliche Mutter, den stets hilfbereiten Vater. Er wäre nicht so allein, seine Krankheit nicht Allen so gleichgiltig. Er hatte studirt, wie das so der Brauch ist. nicht allzuviel, nur um durchzuschlüpfen, bei der Prüfung, und um nach dieser alles wieder schleunigst zu vergessen. Und zu einer Zeit, wo für 'die anderen Menschen die Arbeit, der Kampf ums Dasein beginnt, hatte er sich auch ins Leben gestürzt, aber nur um es zu genießen: im Club, am Rennplatz und an anderen fashionablen Orten, wo sich elegante Lebe-! männer ein Stelldichein geben. In der Krankenstube kam es ihm jetzt immer mehr zum Bewußtsein, wie verödet sein Leben sei, denn wie er auch sein Hirn zergrübelte, er fand niemand, der ihn wirklich liebte! Alle Menschen, so schien es. hatten ihn vergessen, und die Theilnahme zeigten, empfanden sie nicht. Manchmal tauchte vor seinen Sinnen ein blasses Gesichtchen mit großen, lachenden Kinderaugen auf. . . Ob ihn die Kleine geliebt hatte? Vielleicht doch! Jedenfalls war sie die einzige, die ohne eigennützige Gedanken ihm ihr Herz geboten hatte. Wie zärtlich und sanft sie stets war, wie geduldig sie seineLaunen ertragen und wie sie vor Glückseligkeit gestrahlt h-atte, warn er si: seiner Liebe versicherte! Sie war eine kleine Schauspielerin mit wenig Talent an einer Vorstadtbühne; ihre unbedeutenden Rollen spie'te sie mit großer GeÄissenhaftizlei! und sah allerliebst aus. Das fanden die anderen jungen Männer auch, und mehr als einer hatte sich ihr genähert, aber stets erfolglos. Sie liebte Harry. und sie bewies ihm diese Liebe in vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die ihn oft rührten, ihn aber doch nicht hinderten, als er ihrer überdrüssig war, sich ihrer auf schnelle, herbe Weise zu entledigen. Sie schien wirklich unter dem Abschiede zu leiden, er achtete nicht allzusehr darauf, sie war ja jung und würde sich wohl getröstet haben. . . Merwürdig! Jetzt, da er so verlassen lag, mußte er an sie denken. Was wohl aus ihr geworden war? Es klopfte. Der Wärter trat ein. 'Eine Dame möchte den Herrn sprechen," meldete er. Harry erhob sich überrascht, so weit er konnte. Eine Dame? Hat sie ihren Namen nicht anannt?"
Doch. sie sagte Maus'.Der Wärter schmunzelte über den drolligen Namen. .Maus?! Wär's möglich, wäre sie es? So hatte er sie stets genannt, wenn er bei guter Laune war. Wenn sie es wäre? Lassen Sie die Dame herein." sagte er, sich zur Ruhe zwingend. Der Wärter aing hinaus. Gleich darauf öffnete sich die Thür und herein schlüpfte eine kleine, zierliche Gestalt im einfachen Kleide. Sie hob den Schleier auf und l'ächelte unter Thränen den Kranken an. Maus'!" rief er und streckte ihr beide Hände entgegen. Sie eilte an das Bett, seine Hände flüchtig berührend, strich ihm dasKopfkissen zurecht und drückte ihn sanft darauf nieder. Sie strich ihm liebkosend über das erregte Gesicht und sagte heiter: Da bin ich, ich denke. Du kannst mich brauchen. Erinnerst Du Dich meiner letzten Worte noch?" Er nickte, obwohl er sich im Innern beschämt eingestehen mußte, daß er sie lange vergessen hatte. Siehst Du." fuhr sie fort, ich habe erfahren, daß Du hier krank liegst.und da bin ich, schicke mich nicht fort, ich gehe doch nicht! Ich habe Urlaub und daher Zeit. Ich will Dich Pflegen. Wenn Du gesund bist, gehe ich wieder meiner Wege." Sie sagte es lächelnd und hielt tapfer seinen forschenden Blicken Stand. Sie hatte sich sehr verändert, ihre zierliche Figur war jetzt hager zu nennen, ihr Gesicht war noch blasser geworden und vor der Zeit verblüht. Nur die schönen großen Kinderaugen und das liebliche Lächeln um den kleinen, schöngcformten Mund erinnerten an die süße kleine Maus von ehedem. Diese Veränderung that ihm weh, er maß sich plötzlich eine Schuld bei an diesen vergrämten Zügen. Es war, als erriethe sie seine Ge-.' danken, sie faßte nach seiner Hand und sagte leise: Rege Dich nicht auf, um Dich zu erheitern bin ich gekommen." Er emPfand die Güte dieses einfachen Mädchens tief. Erzähle mir von Dlr!" bat er. Nein, nein," wehrte sie ab, später, wenn Du gesund bist." Als er aber nicht nachgab, und um ihn nicht zu erregen, begann sie: Das Theater gab ich bald auf, die Kunst hat nichts an mir verloren. Du weißt es, Harry. Ich trat in ein Geschäft ein. und da ich das Rechnen verstand, bekam ich die Bücher, ich lernte in den freien Abendstunden die Buchführung und bin nun wohlbestallte Buchhalterin in einem großen Geschäft. Mein Gehalt reicht für meine geringen Bedürfnisse vollkommen aus, ja, ich .kann meiner verheiratheten Schwester, die es knapp hat, noch manches für die Kleider zustecken. Vier Wochen Urlaub hahe ich im Jahr. Ich habe sie jetzt statt im Sommer erbeten, weil ich von Deiner Krankheit hörte und dachte, daß Du mich vielleicht brauchen könntest." Sie hatte schlicht und einfach gesprechen, wie das so ihre Art war. Harry war ganz still, er wollte seine Bewegung ihr nicht zu sehr zeigen. Maus, küsse mich, ich danke Dir." Ohne sich zu zieren gab sie ihm den Kuß, ihr Gesicht erglühte und ihre Augen lachten dabei, so daß sie um Jahre verjüngt erschien. Nun empfand er sein Leiden nicht mehr so schwer. Sie Pflegte ihn aufopfernd, so daß der Wärter fast ganz entbehrlich war. und dieser ließ sich die Hilfe gerne gefallen. Auch der Arzt hatte seine Freude an dem flinken, tüchtigen Gehilfen, wie er das junge Mädchen oft scherzend nannte. Harry hatte sie ihm als seine Braut vorgestellt, und mochte der alte Herr auch seine eigenen Gedanken haben, wenn er das einfache Mädchen und den verwöhnten, eleganten jungen Mann verglich; er ließ es gelten und behandelte sie liebenswürdig. Maus schämte sich Harrhs Lüge und war doch innerlich beglückt davon. Der letzte Abend in der Klinik war gekommen. Morgen sollte Harry nach seiner Wohnung zurück. Der Bruch war gut geheilt, der Fuß mußte nur noch ein wenig beim Gehen geschont werden. Maus saß traurig an Harrys Seite, Zie hielt seine Hand und kämpste mit ih:en Thränen. Sie hatte sich entschieden dagegen erklärt, ihn auch in seiner Wohnung zu besuchen.und er konnte dieGründe ihrer Weigerung bei ehrlicher Prüfung nur gutheißen. Ja, sie imponirte ihm sogar. die kleine Maus. Aber er war sehr verstimmt, und das Trennungsweh ging ihm näher als er je für möglich gehalten hätte. Er wird sie sehr vermissen. Aber warum? Ist er nicht frei? Hat er einem Menschen Rechenschaft abzulegen? Warum mußte er sich von ihr trennen, die ihm unentbehrlich geworden war, die ihn mehr liebte als ihn je ein Mensch, seine Mutter ausgenommen, geliebt hatte. Maus." begann er und seine Stimme klang zärtlich wie noch nie. Maus, ich lasse Dich nicht mehr, sei mir in Wahrheit das. was ich Drcb gei nannt habe, meine Braut, bald meine kleine Frau." Harry!" Wie Jubel klang's. Dann legte sie ihr Gesicht in die 5)ände und schluchzte. Dem Schmerz konnte sie widerstehen, das Glück fand sie fassungslos. Er streichelte ihr das lockige Köpfchen. Willst Du?" Sie sah ihn an, es war ein rathselhafter Blick, den er sich nicht zu deuten wußte. Dann sagte sie mühsam mit verschleierter Stimme:
ch danke Dir." Die Sache war abgemacht. Einen Auaenblick war es ihm, als müßte er ihr danken, aber sie ließ ihm nicht lange Zeit zum Nachdenken. Früher als sonst stand sie auf und sagte ihm Adieu. Er h::lt sie nicht zurück, jetzt wo sie zu einander gehörten, war der Abschied nicht mehr schwer. Auf Wiedersehen morgen, Maus!" Sie nickte. Wie seltsam kalt ihre Hände waren, und wie sie der Thür zuschwankte, nne eine Trunkene. . . Maus!" rief er erstaunt über ihr Gebühren. Sie antwortete nicht und sah auch nicht zurück, es ging beides über ihre Kräfte. Draußen fan! sie an der Thür nieder und küßte dasHolz der Schwelle, die er morgen, ein Gesunder, überschreiten würde. Dann verließ sie lautlos das ernste Haus. Am nächsten Tagr, als ihn wieder der Luxus seines Heims umgab, erhielt er folgenden Brief: Mein lieber Harry! Wir sehen uns nie mehr wieder, forsche nicht nach mir, denn Du wüidest mich doch nicht finden. Ich danke Dir für Deinen großmüthigen Antrag, nie würde ich ihn annehmen, denn .ch liebe Dich zu fehr, um Dich unglück.'.'h zu machen. Wir passen nicht zu einander. Sollte Dir dieser Brief Leid verursachen, so verzeihe mir. die Zukunft wird mir Recht geben. Leb' wohl. Du wirst bald vergessen Deine Maus." Der Brief sank ihm aus den Händen, er starrte vor sich hin, nach langem Sinnen strich er über die Stirn?, las noch einmal den Brief durch und flüsterte vor sich hin: Wie sie mich kennt!" Merkwürdige Gewohnheiten.
Die Gewohnheit ist eine grausame Tyrannin diese Erfahrung haben gewiß schon die meisten Menschen an sich oder Anderen gemacht und so leicht man sich dies oder jenes angewöhnen kann, so schwer, ja bisweilen unmöglich erscheint es oft, die betreffenden Gcwohnheiten aufzugebcn. Mit welcher bewundernswerthen Treue selbst große Geister häufig an nichtigen Aeußerlichkeiten hängen, darüber ließe sich ein ganzes Buch schreiben. Der große engtische Staatsmann Salisbury kann beispielsweise keine Rede halten, wenn sein linker Ellenbogen nicht auf einer ganz bestimmten Anzahl Bücher ruht, die sich stets an seinem Platz befinden. Als vor Kurzem eines dieser Bücher fortgenommen war, blieb der sonst sehr redegewandte Mann gleich im Anfang seiner Rede stecken und konnte nicht eher wcitersprechen, bis man schleunigst das fehlendeEzemplar herbeigeschafft hatte. Von Heinrich Ibsen behauptet man ebenfalls, daß er einige ganz merkwürdige Gewohnheiten habe. Eine Schriftstellerin, die den norwegischen Dramatiker kürzlich in seinemHeim aufgesucht hat und der es vergönnt war, einenBlick in das Allerheiligste das Aröcitszimmer des berühmten Mannes zu werfen, erzählt, auf feinem Schreibtisch eine ganze Sammlung wunderlich geformter Thiere bemerkt zu haben, die dort in genialster Unordnung durcheinander liegen und stehen. Da sieht man groteske kleine Katzen. Kaninchen und andere Erzeugnisse geschickter Modellirer. Die Gesellschaft dieser Vierfüßler sporne ihn an und inspirire ihn behauptete Ibsen und er legt dem Vorhandensein seiner stummenFreunde einen so großen Werth bei. daß er. wie er lächelnd erklärte, kein einziges Stück mehr schreiben könnte, wenn sie ihm verloren gingen. In ähnlicher Weise soll auch CharlesDickens gearbeitet haben. Auf seinem Schreibtisch befand sich eine große Anzahl von zierlich ausgeführten, winzig kleinen Bronzefigürchen; waren diese alle an ihrem Platze, so schien sein Geist Zauberflügel anzulegen und er konnte stundenlang ununterbrochen arbeiten. Außer diesen seinen Fetichen mußte auch stets blaue Tinte vorhanden sein, da Dickens mit schwarzer nicht schreiben zu können sich einbildete. Jules Michelet, der berühmte französische Geschichtsschreiber, der während seines langen Lebens ein überaus fleißiger Arbeiter gewesen ist, besaß eine sonderbare Vorliebe für große Kisten und Kästen, in denen er seine Papiere aufzubewahren pflegte. Sie standen 40 Jahre in seinem Studirzimmer, ohne daß er jemals daran dachte, sie durch neue zu ersetzen, was thatsächlich inzwischen nothwendig geworden war. Ein Blick auf diese treuen Gefährten seiner Arbeit das Bewußtsein ihrer Gegenwart allein schien seinen Gedankenflug zu beschleunigen. Vornehme Damen machten sich einVergnügen daraus, ihn in dieser Eigenthümlichkeit insofern zu bestärken, als sie ihm zierliche, kunstvoll gearbeitete und bisweilen sehr werthvolle Kästchen als Geschenk übersandten, die Michelet jedoch ohne Weiteres zurückschickte oder unbenutzt umh'crstehen ließ. In gleicher Weise blieb er der mit Löcbern und unzähligen Tintenklecksen versehenen Decke' auf seinem Arbeitstisch treu. Joseph Haydus Talisman soll ein einfacher Ring gewesen sein, den er stets am Finger trug. Hatte er ihn einmal verlegt, so konnte er beim besten Willen nichts schaffen. Er selbst hat oft erklärt, daß er sich ohne den Ring eigentlich dumm vorgekommen wäre; wenn er sich an das Instrument setzte und er sah das Kleinod nicht an seiner Hand, so hatte er die Empfindung, als sei jede schöpferische Kraft in ihm total lahmgelegt. Im Scherz äußerte er einst zu einem seiner Freunde, daß alle seine Werke nur dem Ringe ihre Entstehung verdankten. Kindermund. Fritz (der gekochte Krebse sieht, zur Mama): Du, Mama, sind die auch geschminkt r
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Das Errötkien. Es giebt wohl kaum einen holderen Anblick, als das schamhafte Erröten des Antlitzes eines jungen Menschenlindes: es zeugt von der Unerfahrenfiit des jungen Herzens, der Zartheit der Empfindungen. Es verschönt und geistig! selbst gewöhnliche Züge. Es ist wie der goldige Sonnenstrahl, der, zwischen Gewölk hervorbrechend, über die stille Landschaft hinhuscht und sie beleb!. Das Erröthen verleiht der Unbeholfenheit einen Schein von Zierlichleit und ist der schönste Schmuck der Schüchternheit. Auch Frauen, die sich ein empfindliches Seelenleben in die Ehe hinübergerettet haben, erröthen noch; aber sie brauchen sich desscn nicht zu schämen, oder sich gar darüber zu ärgern, daß sie noch erröthen. Mit dem Alter verliert sich diese Eigenthümlichkeit. Die Physiologen erklären die Schamröthe ganz prosaisch als eine Wallung des Blutes nach den Hauptgefäßen, besonders nach denen des Gesichtes. Es wird dabei die Thätigkeit gewisser zarter Nervenfäserchen, die in den feinen Blutgefäßen unter der Haut enden, umgestimmt, so daß sich diese Gefäße ausdehnen und mehr Blut aufnehmen; doch müssen die Naturforscher zugeben, daß das Erröthen ein seelischer Vorgang ist. Indessen ist das Erröthen nicht das ausschließliche Erbtheil der Damen; auch bei Jünglingen und Männern findet es sich und bildet oft eine Urfache der Qual und der Selbstpeinigung. Das Erröthen gilt nun einmal als unmännlich. Deshalb sühlen sich die Männer, die ihm unterworfen sind, unglücklich, und weil sie sich bewußt sind, daß sie erröthen, verlieren sie ihre Sicherheit und erröthen von neuem. Sie begnügen sich nicht mit der Erklärung, daß das Erröthen eine Thätigkeit des Nervensystems ist. sondern erblicken darin eine Unzulänglichkeit, ein Zeichen mangelnderMännlichkeit, und werden menschenscheu. Sie denken fortwährend daran, und schon die Erinnerung, daß sie in der Gegenwart anderer erröthet sind, treibt ihnen auch in der Einsamkeit, die Schamröthe in's Gesicht. Diese Unglücklichen sind von der Furcht vor der Schamröthe besessen, die zu einer wirklichen Krankheit ausarten kann, und der Eindruck, den sie machen, ist ganz verschieden von dem, den erröthende junge Mädchen hervorbringen. In ihrer Hilflosigkeit sind sie bedauernswerlh, und ihr Unglück wird dadurch noch vergrößert, daß sie das Uebel herannahen fühlen. Die Furcht vor dem Erröthen ist eine ebenso wirkliche und unangenehme Krankheit, wie die Platzfurcht. Nach der Schilderung der Erröthenden fühlen sie es vom Inneren des Körpers wie eine Schwäche bis zu den Schläfen aufsteigen, das Blut geräth in Wallung, und sie fühlen ein leichtes Prickeln, als' ob es durch leise Nadelstiche hervorgebracht würde. Die Furcht vor dem Erröthen findet man häufig auch bei Frauen; sie fällt jedoch beim zarteren Geschlecht nicht so auf und nimmt auch keinen so heftigen Charakter an. wie beim Manne. Bei den Frauen ist es mit dem Aerger abgethan. Die Witterung ist von großem Einfluß .auf sie. Trockenes Wetter kräftigt sie. bei Regenwetter dagegen sind sie ihrem Uebel sehr stark unterworfen, und sie hüten das Zimmcr. Sie fürchten sich, eine belebte Straße zu überschreiten aus Furcht, die Leute könnten ihnen in's Gesicht sehen, worüber sie erröthen müßten, so daß sie in Verwirrung gerathen würden. Ein Wort, die Begegnung mit einem Unbekannten, selbst das Gerausch eines hcranrollenden Wagens setzt sie in Verwirrung und treibt ihnen die Schamröthe in's Gesicht über ihre Schwäche, wegen der Geringfügigkeit erröthet zu sein. Interessant sind die Mittel und Auswege, welche die Erröthenden anwenden, um ihre Schwäche zu verbergen. Auch bei jungen Mädchen kann man schlaue Manöver zur Verdkckung ihres Gesichtes beobachten. Bei den Männern dagegen sind diese Mittel einfach possirlich. Der eine drückt sich den Hul tief in die Stirne und giebt sich das Aussehen eines übermüdeten Menschen, der andere öfsnet seinen Regenschirm, auch wenn es nicht regnet; ein dritter spielt den Verschnupften und sührt fortwährend das Taschentuch zum Gesicht, oder er trinkt, damit die Weinröthe die Schamröthe bedecke, oder aber er greift zur Puderquaste. Diese nervöse Krankheit ist neuerdings von den Aerzten öfter beobachtet und studirt worden, doch sind sie. wie es scheint, über die Heilung noch nicht einig. Die einen schlagen die BeHandlung durch Hypnose vor. Daß nervöse Erkrankungen durch diese Hypnose kurirt werden können, ist längst festgestellt, und da es sich beim Erröthen immer um Nervöse handelt, scheint der Erfolg nicht ausgeschlossen zu sein. Doch ist der natürlichere Weg der Stärkung des gesammten Nervensystems und der körperlichen Abhärtung wohl der sicherere, wenn auch der längere. - - DerAlarmruf. Feldwebel: Meter, denken Sie sich. Sie stehen eines Abends auf Vorposten. Plötzlich jaucht eine Gestalt hinter Ihnen auf und sie fühlen sich von zwei kräftigen Armen umsck'lungen; was werden &. rufen?" Meier: ..Geh, Ma:;:, laß mi aus!" Fester Glaube. Lehrer: TLffel, welche Gestalt hat die Erde?" TLffel: Eine runde!" Lehrer: Und woher weiß man das?" Töffel: Sie baben's ia neulich selbst a'saat!" Zwei fatale Möglich, leiten. Junger Arzt (der endlich einen Patienten bekommen): Wenn er iedt nur nicht stirbt oder gesund wird!'
?u sollst ihr Zierr lernt Münchener Eerichtöscene.) Gegen einen Strafbefehl hatte der Kaufmann Julius ?). Einspruch erhoben. Herr g.. ein großer starker Mann, Mitte der dreißiger Jahre, läßt seinem Aeußeren nach durchaus nicht vermuthen, daß er zu jenen Vielen gehört, die unterm sonst als süß bezeichneten Ehejoch seufzen müssen, weil es ihren usurpatorischen Gattinnen ohne viel Mühe gelungen ist, die Vorherrschaft im Haushalte zu erringen. Trüben Sinnes sitzt der Bedauernswerthe auf der Bank, hinter ihm die bevorrechtete Gattin, ein grob', knochiges starkes Weib mit harten mit-' leidlosen Zügen und einem finsteren Ausdruck, als wenn sie bereits den Prozeß verloren hätte. Richter: Sie haben wegen nächtli. cher Ruhestörung eine Strafe von neun Mark erhalten und sich damit beschwert erachtet; wollen Sie auf einer VerHandlung noch bestehen? ES wäre' besser, wenn Sie den Einspruch zurücksieben würden. Ängeriagier: 32, Herr Staolrtchter, Sie red'n leicht, aber bei mir da steht's anders. Sehn 's mei Frau b'steht auf der Verhandlung und na gibt's nix mehr. Sie will seh'n. wer wieder amal recht hat und wenn i verurtheilt werd, na komma die Hundstag vor den Sommer, 's geht not anders im Eh'stand. Richter: Sie sind, wie mir scheint, nach einer eigenen, wenn auch nicht gerade ungewöhnlichen Faon verheirathet. Im gegenwärtigen Fall handelt es sich aber um Ihre männliche Jntegrität und Ihre Frau hat hier gar nichts zu sagen. Wollen Sie auf dem Einspruch bestehen? Der Angeklagte drehte sich schüchtern um und warf einen fragenden Blick auf seine Frau, die energisch den Kopf schüttelte und mit ihren geballten Fäusten einen Handschuh zerknüllte. Daraufhin erklärte er. auf einer VerHandlung bestehen zu müssen. Richter: Sie sind nun beschuldigt, am 31. December vorigen Jahres nach Mitternacht in und vor Ihrer Wohnung ruhestörenden Lärm verursacht zu haben. Was haben Sie zu Ihrer Vertheidigung vorzubringen? Angekl.: 's war zum "ersten Mal, daß i wieder lusti und fidel war, und zwar weil 's d' Neujahrsnacht gewes'n ist und weil Jeder sagt, dös wär' a Freinacht. E' ganze Jahr durch verweigert mir mei Frau 'n Ausgang, wenn sie nicht dabei sein mag oder kann. Meine Freunde und Kameraden spotten deswegen über mi und i laß mir dös g'fallen, weil i weiß, daß d' Nachgiebigkeit a ganz vorzügliche Tugend is, aber am Sylvesterabend da wird ausgegangen, da hat mei Haushaltungsvoistand nix z'sagen. Ich geh' also zu meine Freund in's Dingsbräustüberl, urs die empfangen mi geradezu großartig. Der Wirth schreit: Uijegerle a seltener Gast. I thät an Ofen z'sammaschlagen, wenn mer eahm iefet net so nothwendig brauazcn lyal. xit cicujchast stimmt meincrwegcn a schneidige Wehr an, der breite Verwalter hält an Vortrag über Mannesmuth und den Werth der Frauen, all's wär wunderschön gegangen, da bemerkt der spitzfindige Sekretär: Das dicke End kommt nach, wenn er heimkommt. Mindestens auf'n Holzscheit! muß er knien." I verbitt' mir solche anzügliche Redensarten und werd' damit ausg'lacht. Nun proponirt der Melber, der mir gegenüber wohnt, eine Wett zu zehn Flaschen Schampes gegen vier Paar Kreuzerwürstl, wenn i mir heimzugehen trauet und in die Hausschuh' wieder kommen wollt'. Diese Aufzttickereien wurden mir z'dumm, und obwohl die Sach' ihre faden Seiten hat, bin i nach Haus. Mei' Frau hat mi' wirklich recht anständig empfangen und hat g'meint, i war' krank. Wie x, ohne den Hausschlüssel abz'liefern, wieder fort hab' woll'n, ging's aber los schweig' mer dervon, es war'n Familienangelegenheiten. I komm' in's Bräustübl z'rück und die Anderen ham gschaugt wte die Schwalbeln. Der Melber behaupt', daß i entweder von meiner Frau ausg'jagt oder daß mei' Frau eines sanften Todes verblich'n sei, und verweigert d' Bezahlung der Wett'. I will g'rad wild werden, da geht d' Thür auf und mei' Frau war ieibhafti' da. Der Melber ruft: alle guaten Geister loben Gott den Herrn! Der Kramerfritz will nach, der Rettungsgesellschaft telephoniren. der Sekretär fragt, bissig, ob's im Kalender verdruckt wär, daß heute d' Walbur-gis-statt d' Sylvesternacht sei. I mach' den G'scheidteren und lad' mei' Frau ein, Platz z'nehmen. Dös wär'' recht g'wesen, aber mei' Frau is eben a sonderbare Heilige und schreit auf meine Liebenswürdigkeit: Elender Mensch! Miserabler Kerl! Die Anderen straft s' mit Verachtung und verlangt von mir, i sollt' sie augenblicklich heimbringen, sonst gäbet's a gräß lich's Unglück. . . . Richter: Und weil der Vernünftigenachgiebt, so brachten Sie die Frau heim. Und nun zur Sache. Anglkl.: Eigentlich bin i von der Frau heimg'bracht word'n und wia eben oan Wort 's andere gibt, so san mir etwas laut g'wesen, i aber weniger. wie die Frau, obwohl 's sich bei mir um zehn Flaschen Sekt g'handelt hat. 5'ihörerraum rief die Frau des 2' , . .ten: Na wart. Du elender 5 . )eut gibt's was. wenn d' heim. . D : ! klagte, von schlimmsten Ahn :. ' .rfüllt, brachte kein Wort wei ' - us, seine Frau wurde wegen V ihr aus dem Gaal gewiesen D, ::' ht erkannte gegen den armen Mr;n ::.f Freisprechung in der Anna:,:r?. :aß die Frau der schuldigere2 UW st.n müßte, gegen diese aber dir icV: verjährt wäre. Ungeachtet die-.
i. '''.' .n Trostes war der Weggancc . , , e t . w. -a.ttiao.len niozr zreuolg. ,
