Indiana Tribüne, Volume 21, Number 230, Indianapolis, Marion County, 8 May 1898 — Page 9

Znöiima Tribüne.

ezinge.

Acr schöne ßde. Won Anna Ritter. Ach, das ewige Umsteigen und daS Herumliegen auf kleinen, schmutzigen Bahnhöfen! Frau Baumeister Käthe Menter legte übelgelaunt Reisetasche, Schirm und Decke rax Hand, während der Zug mit der übertriebenen Vorsicht und Langsamkeit der Lokalbähnchen in De. einfuhr. Aus der zweUen Klasse stieg Nie. mand weiter, um so besetzter schien die vierte gewesen zu sein. Frau Käthe sah sich einen Augenblick von einem Schwärm schwatzender Vauernfrauen umringt, dann stand sie allein auf dem Bahnsteig. Es lag wie Frühling in der Luft. Noch nicht der Lenz mit Vo gelsang und Blüthenduft, aber jenes heimliche Werden und Wollen, das die Gründe erschließt, die Knospen schwellen lafet und das Blut in schnellen, heißen Wogen durch die Adern treibt. Ein Schritt knirschte im Kies, ein fester, sporenklirrender Schritt. Frau Käthe blickte überrascht auf : ein Officier in diesem weltentlegenen Nest! Und dann stutzte sie plötzlich, blinzelte und zog die Stirn in nachdenkliche Falten. Wo hatte sie das Gesicht doch schon gesehen? Während er. die Hände in den Paletottaschen. langsam auf und nieder ging, ließ sie die Schaar der Marsjünger, die sie in ihrem Leben gekannt, an sich vorübergleiten. All die Herren, die zu Lebzeiten ihres Mannes in ihrem Hause verkehrt, die Tänzer aus der Mädchenzeit, dann die Jugend... Frau Käthes Herz setzte einen Augenblick aus sie hatte es: Der schone Ede." Unglaublich, daß ihr das Wort so laut entfahren konnte! Sie wurde sehr roth, nestelte am Schleier und warf einen erschreckten Seitenblick nach dem Officier hinüber. Der war mit plötzlichem Ruck stehen geblieben, that ein paar zögernde Schritte, lachte laut und herzlich, machte knapp auf dem Absatz Kehrt und stand vor ihr, die Hand ehrerbietig an die Mütze legend. Gnädige Frau," um die Mund. Winkel zuckte ein mühsam unterdrücktes Lächeln , ich hab' zwar von jeher den Namen zu Unrecht getraaen, aber er ward mir nun einmal zugelegt, und da gnädige Frau . . Also wirklich!" Sie streckte ihm, rn.Ädchenhaft befangen, die Hand hin. Wie er sie küßte und sich dann zu stattlicher Höhe aufrichtete, maßen sie sich mit dem scharf prüfenden Blick, der die spur vergangener Jahre in inst vertrauten Zügen sucht. Frau Käthe nickte unwillkürlich: fast dasselbe Gesicbt wie einst. Die energisch vorspringende Nase, die freie Stirn, die lustigen braunen Augen. Einen Schein dunkler, nachdenklich sind sie geworden, und zwischen den Brauen ziehen sich zwei feine, haarScharfe Falten aufwärts, aber der Äbfche, offene Ausdruck ist geblieben alles in allem der schöne Qbt" von einst. Zufrieden? Wie er ihreGedanken errathen hatte! Die dumme Schulmädchenröthe flog ihr wied:r um Wangen und Ohren, die Erinnerungen wurden gar so lebendig. Und es war da so manches zwischen ihm und ihr . . . Sie haben sich wenig verändert gab sie zu, ich erkannte Sie sofort, nur der Name wollte mir nicht gleich einfallen; es ist gar so. lange her. seit ich ihn zuletzt gehört. Sie aber wären ruhig an mir vorbeigegangen." .Ja. gnädige Frau, es ist auch schlechterdings unmöglich, das Kind von ehemals in Ihren Zügen wiederzufinden." Hoffentlich!" Sie lachte amüsirt. Es wäre auch keine Schmeichelei für mich, wenn Sie dasGegentheil behaupteten. Die Mauserzeit ist niemals vor. theilhaft, und ich mag damals nicht weniger als hübsch getoesen sein." Hübsch? Nein! Es war ganz etwas anderes. Ich hatte nie auf Sie geachtet . . . Sie waren mir noch zu klein . . . Und dann auf einmal . . . der Abend in der Ulmenecke ..." Er verstummte verlegen daran sonnte er sie unmöglich erinnern ! Und dann jagte ihm eine heißt kleine Blutwelle durch's Gesicht, wie er die schlanke Frauengestalt da vor sich sah. Zu denken, daß diese weichen Arme sich einmal um seinen Hals gelegt, daß er den rothen Mund dort geküßt, in lauer Sommernacht, im stillen, blühenden Garten ... Als tx htx Ulmenecke erwähnte, hatte sie sich nach der Reisetasche gebückt, die noch neben ihr im Sande stand. Nun sah sie nach der Uhr das kleine, blitzende Ding zitterte merklich in ihrer Hand. Noch fünf Minuten." Qnädige Frau fahren nach 23er Im?" Ja." Es lag wie Jubel in dem Wort, die concentrirte Sehnsucht langer, öder Wochen. Er überlegte blitzschnell. Mitsahren? Wenn das ginge! Allein mit ihr im Coups in diesen BummelZügen fuhr ja kein Mensch drei . Stunden ihr gegenüber- -in. engem Raum' alte Erinnerungen auskra, men zerrissene Fäden wieder anknüpfen. Aber der Dienst, der Dienst! Unmöglich! Wu dich mitkönnte!" Er hatte eö laut gesagt, und ö klang so viel ehrliches Verlangen, solch'

schwerer Verzicht hindurch, daß ihr Herz schneller schlug. Dann besannen sie sich, daß sie bW

armen fünf Minuten ausnutzen mußten. Sie plauderten hastig von vergangener Zeit. Seine Freunde. ihre??reundZnnen alle wurden durch genommen. Viele waren unteraetaucht im Meere der VerganHenheit, zu andern boten sich noch hie und da Beziehungen, mit wenigen war man vertraut geblieben. Wie's den Brüdern ginge? Die wären seit Jahren drüben in Amerika, hätten Weib und Kind. Sttcht möglich!" Frau Käthe streifte mit blitzschnellem Seitenblick seine Hand er trug keinen Ring. Nach allem fragte er, und ihr wurden die Augen feucht, während sie berichtete, daß der Vater schon ' lange,' lange todt und daö schöne Vesitzthum längst in andere Hände übergegangen wäre. Noch einmal, nach Jahren, sei sie im Garten gewesen, voll Sehnsucht, die Stätte der Kindheit wiederzusehen.' Es war aber eine bittere Enttäuschung gewesen. Alles verwahrlost und verwildert, die große Linde abgestorben, die Wege verwachsen ... Ach ja, der Garten! Sie schwiegen beide beklommen still, die Ulmenecke tauchte schwül, dämmernd vor ihnenauf. Hastig, fragte er nach ihrem Leben. Das Wesentliche wußte er schon von' andern, die ihr kurzeö Glück und dessen jähen Zusammenbruch miterlebt. Sie hatten alle theilgenommen damals, er auch. Ja, wahrhaftig, er auch! ES' klang treuherzig,' wie eS ihr versicherte. Wie sie sich ihr Leben hinterher eingerichtet habe? Du lieber Gott, da fei wenig zu erzählen! Ein einförmiges Dasein in kleiner Stadt, zwei oder drei liebe Menschen, mit denen sie plaudern könne, einoder zweimal im Jahre nach Berlin Yoilk tont. In die Gesprächspause hinein pfiff der Zug. es war Zeit, einzusteiaen. Sie lächelte dankbar, wie er sich bemühte, ihr im Coupö ein wenig Behaglichkeit zu schaffen. Dann beugte er sich rbschiednehmend' aus lyre Hand, und sie eß das Fenster herunter, ihm noch ein allerletztes freundliches Wort zu sagen.' . - Wie der Zug sich langsam in Bewegung setzte, hielt er mit leuchtendem Blick ihr Auge fest: Auf Wiedersehen!" Auf Wiedersehen," nickte sie und grüßte mit der Hand, solange sie die. Gestalt dS JizgendfreundeS . noch erkennen konnte. - Dann lehnte sie sich aufseufzend in die Kissen. - Vorüber!" . Wie ihr die Kindheit lebendig geworden war im Geplauder mit ihm! DaS Elternhaus, weit draußen vor der Stadt, der große Garten, in dem man sich so gut verstecken konnte, das wüste, hügelige Terrain dahinter, aus dem sie all' ihre tollen Streiche äuögeführt. Dort warteten in später Nach. Mittagsstunde die Freunde ' der Brüder, dort wurden gestriepste" Kartoffeln in der Asche gebraten und PulverMinen angelegt, dort spielten sich auch die grausamen Jnduinerkämpfe ab, in denen sie so oft als Squaw in den Wigwam irgend eines großen HäuptlingS, deS Springenden .Hirscheö" oder derPantherklaue", entführt worden war. Frau Käthe, blickte lächelnd an dem eleganten Reifekleidi nieder.' Wie verwildert sie damals war! Keine Mauer war ihr zu hoch, keine Hecke zu dicht, kein Wagniß zu groß sie that'S fast den JunoenS zuvor. Und um deS Ansehens willen, daö sie bei ihnen genoß, weil sie so gar nicht wie ein Mädchen" war, ließ sie sich' geduldig peiniaen. Dann auf einmal kam ine Zeit, da sie jedeö neue Kleid darauf prüfte, ob es ihr stehe", sich jeden Riß sorgfältig zustopfen ließ und an der Gartenthür heimlich die Zopfschleife in die Tasche steckte, damit eö Locken" würden. Damals tauchte zuerst der schöne Ede an ihrem Horizonte aus. Er poussirte ihre drei Jahre ältere Schwe. ster Mieze, die nicht wenig stolz auf die Eroberung war. Regelmäßig stellte er sich nun mit den andern im Drachenfelö" ein, kam Wohl auch einmal mit in den Garten, nachdem ihn der Vater als netten Jungen hatte gelten lassen. Wie hübsch er war! Unb schon siebzehn und so' groß, daß ihm b:t. schlanke Miez nur bis zum Oh? reichte. Sie hatten'S einmal lachend und neckend ausaemessen, während Käthe daneben stand und roth ward Über die zwei Ach. diese Abende, wenn die Rosen glühten und der Bach unterm Zaun in kleinen, schluchzenden Wellen vorüberschoß. Wenn über ihnen die Sterne ausblitzten, 'die Jungens ihre Zukunftsplane entwickelten sie wollten alle Seefahrer, Forschungsreisende werden und 4te seltsamsten Abenteuer bestehen und sie selbst, das Kind mit den unentwickelten Gliedern und den großen, begehrlichen Augen, hin. austräumte in eine wunderbare, schim-, mernde, märchenschöne Zeit. " Und dann, dann that sie den Schritt aus der Kindheit heraus. Früher als, andere Kinder, wie sie immer im Den ken und Fühlen ihren Jahren, voraus war. Die Ulmenecke da war'S. Wie, genau sie sich deS Abends erinnerte ! Sie könnte sich noch malen in dem to then Kattunkleidchen, das sie, wie alle Schulkinder, ber ' alter Gfa nachtragen" mußt, mit Uz Garn rnetband um den Halö und dem fctatn Zopf. Im Juli war'ö, so deS Abends um neun. Eben kam sie ml einem angebissenen

Knust" äüS der' Küche.'' Im' Kinderzimmer brannte schon die Lampe, und Mieze saß in ihrer LieblingSstellung, beide Zeigefingerspitzen in den Ohren, am Tisch und büffelte". Je serais 6t6." Tu serais 6t6." j'aurais 6t4l" schrie Kätoe von

Ix? Thür her. Miezes Kops flog, hochroth vor Zorn, herum, und thre Hand tastete nach irgend einem Gegenstand, ihn dem naseweisen Ding an den Kopf U werfen. Dann besann sie sich eineö Besseren: Willst du mir einen Gefallen thun?" Käthe schob muffig die Unterlippe vor : Was denn?" Ach, du weißt schon!" Mieze sah verheult aus. Ede wartet in der Ulmenecke, und ich darf nicht fort . . . daö greuliche Französisch!" Das Buch bekam einen ingrimmigen Knuff. Du könntest ihm das da bringen" ein kunstvoll gefaltete Brief flog über den Tisch laß dich aber nicht erwischen." Käthe schielte nachdemBriefe, rührte sich aber nicht. Erst als sich von drau-, tzen Schritte näherten, griff sie nach dem Blatt und ließ es in die Tasche gleiten.' , Ich . thu's aber nicht wieder, brauchst mich gar nicht wieder d'rum zu bitten ... eö ist daö letzte Mal." Damit war sie zur Thür hinaus. Dummes Ding!" brummte Mieze noch hinterher, dann nahm ' sie den Kampf mit den französischen Verben wieder auf. Käthe war mit katzenartiger Gewandtheit an der eben eintretenden alten Lehrerin vorüber die Treppe hinuntergehuscht,. d""l blieb sie plötzlich stehen und stieg Slufe um Stufe zögernd wieder hinauf,- schlich am Kinderzimmer vorüber in ihr eigenes Stübchen und schob den Riegel vor. Was sie dort wollte? Klar war's ihr selber nicht. Sie machte Licht und beleuchtete ihr Gesicht im Spiegel. Der greuliche Zopf! Mit einem Ruck hatte jic die verblichene Schleife herausgerissen und faßte das Haar hoch oben am Scheitel mit dem Sonntagsband. Dann hielt sie Miezes heimliche Brennscheere über's Licht. Wie ein paar Löckchen doch gleich verändern ! Käthe betrachtete entzückt ihr Spiegelbild. Nur die Figur schrecklich! Wie ein Bügelbrett! Aber da ließ sich nun einmal nichts d'ran ändern. Noch ein paar Tropfen von Miezes ängstlich gehütetem Heliotrop, dann legte sie den Weg über Vorsaal und Treppe noch einmal zurück, während ihr Herz klopfte, als wollte es zerspringen. Mit durstigen Lippen sog sie draußen dtt Nachttuft ein. Der Garten war schon tief dämmena. nur die Lmen leuchteten wie. Fackeln von den' Beeten, und auö den Küchenfenstern fiel ein breiter Lichtstreif über den Weg. Käthe umgina ihn in großem Bogen, dann lief sie hastig die abfallende Rasenfläche hinab, hie und da ihr Kattunkleidchen mit heftigem Ruck von den Büschen losreißend. Da war die Ulmenecke. Die Ulmenecke war der äußerste Winkel des GartenS, ein öder, auch am' Tage halbdunkler Raum, auf der einen Seite vom Nachbarstaket, auf der andern von einer runden Welßdornhecke begrenzt, deren Einaang im Laufe der Jahre fast zugewachsen war. Von den Großen" verirrte sich Niemand hierher, der Platz war deshalb als letzte Zuflucht in der Noth, als heimlicher Berathungs- und Aufbewahrungsort verbotener Schätze sehr beliebt. Um die Ulme herum,' die dem Winkel seinen Namen gegeben, lief eine verwitterte Holzbank, und darauf saß, ungeduldig den keimenden Schnurrbart zupfend, der schöne Ede. Du?"Er gab stch nicht die mindeste Mühe, seine Entäuschung zu verbergen, als sich, statt der Erwarteten, ''das Kind durch die Zweig! schob. Sie knitterte zornig den Brief in der Tasche, sagte aber. nichts. Warum kommt Mieze nicht?" Sie muß noch avoir und 6tre lernen!" Käthe lächelte höhnisch im Bewußtsein höheren Wissens, sie kriegt's nicht in den Kopf." Du kannst'ö. wohl schon?" Er fragte eigentlich mehr, um etwa? zu sagen, nicht aus Interesse an der Sache, aber sie criffö gierig auf. Ja, ich brauch'S zu Hause kaum anzugucken ick -lese eö in der Schule einmal durch, oann kann ich's schon!" Dann schämte sie sich, eS klang fo prahlerische Mieze kann aber besser zeichnen und singen." Richtig Mieze! Sie holte den Brief auS der Tasche und trat an Ede heran. . Da, das ist für dich, Mieze hat'S, mir gegeben!" . Wie er den Brief nabm. streifte er ihre Fmgerchen ' Wie heiß sie waren!f i" -i v. trt ' . . null) ging ein oelauoenoer ?erucy von ihr aus. und die Stimme klang seltsam verhalten ". .Es stieg ihm auf einmal schwül zu Kopf .Adieu sagte Käthe und schob mit dem Ellbogen die Zweige vom Eingang zurück. - . . Da faßte er sie am Arm und hielt sie M ' ' : Wie.alt bist du eigentlich Kleines?" .' Ich bin, kein Kleine,!" : Sistampfte zornig mll dem Fuß ZtJ -.f : V. wwpmiv ir zwei orennenoe ,2.yranen langsam die- Wangen hinunterrollten. .Latz mich aehen!" : Sie schluchzte, hörbar und riß sich loS, daß ihm ' die Zweige in'S GeNcht. schlugen.' - -Ihn aber lockte eS, ihr nachzujagen durcS'en' lebvelaenden Garten, und t ., . ,,,.. -'... .

am Pfirsichspalie?. wo der Weg stell aufwärts ging, erreichte er sie und griff mit der Hand in das lose hängende Haar. Küß mich, Kleines!" Sie rang mit ihm. aber er war stärker als sie. Drei-, viermal preßte zx seine Lippen auf ihren Mund, dann gab er sie frei. Sie war sehr blaß geworden, und die Arme hingen ihr schlaff am Körper nieder. Käthe 'raufkommen!" hallte Trinchens Stimme von oben her durch den Garten, und die helle Gestalt des Hausmädchens ward einen Augenblick im Schein der Küchenfenster sichtbar. Käthe schreckte auf, warf dem großen Jungen in leidenschaftlicher Bewegung die Arme um den Halö und küßte ihn.Dann ging sie mit kleinen, schleppenden Schritten dem Hause zu. Drinnen ward sie scheltend mpfangen; was hatte sie sich auch in der Dunlelheit im Garten herumzutreiben! Und dann schrie Mieze auf: Du bist an meinem Parfüm gewesen," und dzr Vater rügte das offene Haar. Du sollst dir hübsch ordentlich einen Zopf flechten lassen, wie sich das für ein Schulkind schickt." Käthe war froh, als sie Gutenacht wünschen durfte. Was hat er gesagt?" fragte Mieze, als sie beide in ihren Betten lagen. Wenig!" Käthe zieht die Decke hoch. Hat er nichts für morgen bestellt? Nein!" Mieze war nicht befriedigt. Du wirst's mal wieder oberschlau angefangen haben." Aber sie bekam keine Antwort mehr. Nach einer ganzen Weile, als Mieze längst schlief, kletterte Käthe mit verweintem Gesicht auS dem Bett, schlich sich zur Schwester hin und küßte sie leise und inbrünstig. Die junge Frau in der Wagenecke fuhr mit hellen Augen in die Höhe. Draußen huschten unzählige Lichter vorbei Berlin! Schon? Wie man die Zeit verträumen konnte! Während sie das Gepäck zusammenrückte und die Handschuhe wechselte, wanderten ihre Äedanken immer wieder in jene ferne, ferne Zeit zurück. Sie hatte den schönenCde kaum wieder gesprochen damals, so sehr er eö auch daraus anlegte, mit ihr zusammenzukommen. Svischen Mieze und ihm war seit jenem Tage eine Entfremdung eingetreten, wohl durch seine Schuld; Mieze machte ein böses Gesicht. wenn sein Name genannt wurde. Und dann ging er bald' darauf von C . . . fort, um sich zum Fähnrich vor zubereiten, für die Mädchen kam die Pensionözeit, man verlor sich gegenseilig aus den Augen. j Ein einziges Mal hatte sie ihn wiedergesehen in seiner schmucken Uniform, doch sie war lückliche Braut da-

mals und hatte nur einen flüchtigen Gruß sur ihn. Kaum, vay ihr eine Erinnerung an die Kindertage kam. Und nun heute wie wunderbar, dies Begegnen auf dem Bahnhof des Landstädtchens! Wie viel wunderbarer noch dies Drängen und Stürmen deö Herzens, das so kange still und regungslos in der Brust gelegen! Auf Wiedersehen!" War's mehr als die übliche Abschiedsphrase? Vielleicht das fehlende Glied der Kette, Vergangenbeit und Zukunft aneinander zu schließen? Hatte sie noch eine Zukunft? Frau Käthe strich leise über den Doppelring an ihrer Hand. Der sollte eigentlich alles umschließen. Bergangenheit, Gegenwart, Zukunft! Aber sie war noch so iuna! Und mit einem Glücksgefühl ohnegleichen blickte sie hinein in das blendende Licht, der Friedrichsstraße. Späte Nacht. In Frau Käthes Schlafzimmer warer die Fenster dicht verhangen, sie selbst aber stand vor dem Spiegel im offenen Haar kämmte drei widerspenstige Lockchen rn die Stirn und lächelte. Dann sprengte sie ein vaar Tropfen Heliotrop über die weißen Arme. Plötzlich löschte sie das Licht und suchte im Dunkeln ihr Bett. Lange noch lag sie so mit offenen Augen, und ihr war, als müsse sie wie einst zur Schwester schleichen, sie zu küssen. . Aber sie brauchte Niemand, mehr abzubitten, daß sie an den schönen Ede gedacht. Niemand mehr! Mehr als er konnte. Brautvater: Glauben Sie.' meine Tochter anständig ernähren zu können, ohne pleite zu machen?" - Bewerber: Ja!" Brautvater: Dann können Sie mehr als ich. Nehmen Sie sie, und werden Sie glücklich!" (5 3 gißt Menschen, die erst dann mit dir höflich werden, wenn du mit ihnen grob wirst. ' i, i. Oi Wahres Sprüchvort. "Nichts ist so erfotzrekch rvke,Sr folg." Diese Behauptung ist nie bes. str bewiesen als w:e durch .dm .Erfola von Dr. BuU'6 Husten Srrup. Diest wunderbare Medizin kuntt jedm Fall von Erkaltuna5)ustenund Bräunein der kürzesten Zeit und immer mit Er, folg. Frau ö. W. Richards, 2214 E, Cmnberland Str., Philadelphia, Pck schreibt: ch habe Dr. Bull'S Husten Syrnp seit 9 Jahren im Gebrauch und fand ihn ein sichcrcö Mittel gegen Bräune. Ich brauchte ihn in den Mrnrnstm Fällen und rätk'e allen' Müttern dasselbe zu thun." Dr.Vulrs Husten Syrup kostet nur 25 Cents. Versucht kein anderes Mittel sondern bleibt bei dem alten und bewährten Dr. BullS Husten Sprup und ilr ndtt ruejchtse.'

Schmetterlinge als Ltubengenossett ES gab eine Zeit, wo man stark bezweifelte, ob je ein Schmetterling in demKlima einer gemäßigtenZone überwintern könnte. Viele der Versuche, die man angestellt hat, um einzelne Exemplare jener zart.beschwingten Inselten vom Herbst eines Jahres bis zum nächsten Frühjahr am Leben zu erhalten, sind jedoch schon geglückt und NUN Wird gar von einer französischen Zeitschrift berichtet, daß in dem Städteben Orange im südlichen Frankreich eme junge Dame im Besitze einiger reizender lebender Falter ist, die sie wie ihre Kanarienvögel in. einem gleichmähig durchwärmten Zimmer hält. In einem großen ' gläsernen Käfig tummeln sich die Thierchen lustig zwischen den bunten, ihnen täglich frisch zur Verfügung gestellten Blumen umher. Ein rother Admiral und ein großer Perlmutterfalter sind sogar so zahm, daß sie zutraulich näher kommen, wenn ihre Gebieterin ein kleines .Schiebefensterchen.in dem Glashause, ihrer Lieblinge öffnet. Manchmal fliegt, auch der Admiral aus dem Fensterchen ins Zimmer und flattert zum grenzenlosen Erstaunen einer großen weißen Katze lebhaft hin und her,, um. nach einer Weile wieder ganz von selbst in, seinen gläsernen Palast, zurückzukehren., An trübenTagen verkriechen sich die Thier chen, denenSonnenschein und Blumenduft Alleö bedeutet, in die äußersten Winkel, wo sie matt,, fast, leblos swn-. denlang auf einer Stelle liegen. Sobald man jedoch' ein mit Lavendelduft getränktes Schwammchen in den Käfig schiebt, kommt Bewegung in die zarten Geschöpfchen und es dauert nicht langes dann haben sie sich alle um. den parfüWirten Gegenstand gruppirt 'und scheinen sich förmlich ' an' dem Wohlgeruch zu berauschen- Ein' anderes Parfüm oder einfach Eau de Cologne übte keine Anziehungskraft aus. ' Die einzige Nahrung dieser eigenartigen Pfleglinge besteht in feuchtgemachtem Zucker und in ganz schwachen Kirschlikör, den man vorsichtig in die Blumenkelche tropfelt. Das Schmetterlingshäuschen mit seinen lebenden Insassen, deren Flügel in der Gefangenschaft nicht im geringsten von ihrem wunderbaren Farbenschmelz eingebüßt haben, bildet das Entzücken aller Besucher: ein alter Herr kommt fast täglich, um sich ein halbes Stündchen an ' dem graziösen Spiel der reizenden Falter zu erfreuen. Auch die bewußte weiße Katze sitzt haufig vor dem 'Glaskäfig , und beobachtet mit gespannter Aufmerksamkeit jede Bewegung der kleinen bunten Gesellen mit denen' sie sich in die Gunst ihrer Herrin theilen muß.

Die Okatpflanze. Die Skatvflanze fecata decifolia) gehört zu den netten Pslänzchen. Vor 30 Jahren noch ziemlich unbekannt, ist e iekt überall an finden.' Die ersten Exemplare soll man im Altenburgischen entdeckt haben. Die ÄkatpZlanze acctt matisirt sich Überall sehr schnell. Sie würde nach Ansicht berühmter Autoritä ten noch auf dem Gipfel deS Popokätepetl fortkommen. Gewöhnlich findet man drei Exemplare (kleeblattsörmig) zusammen, seltener vier. 5todr Skat pflanze hat zehn Blätter von länglich viereaiger tfonn, vie sacyersormig an einem lanaen Blattstiel sitzen. Die Färbe derselben ist theils roth, theils grun. sie sauen gewoymlcy nacy emander ab, selten alle zehn auf einmal. Auffällig ist, das sie nicht wie bei anderen Pflanzen, dem Lichte zu, sondern von demselben abgekehrt sind. Nur die, Blätter ganz alter Pflanzen machen darin?zuweilen eine AuSnabme.' Manck mal werden einige dieser seltsamen Ge-j wüchse ganz schwarz, was von dem vi len Pech herrührt, womit sie behaftet sind. Solcher. Zustand ist zwar immer verhängnißvoll, führt aber nicht durchaus den muin yeroei. Me cata aecifolia ist eine Zimmerpflanze, gedeiht jedoch auch im'Freien, allerdings nur im warmen Sommer. Fleißiges Begießen, gehört' zn ihren LebenLbedingungen. Man verwendet dazu am besten reines Wasser, daö aber zuvor mit Hopfen und Malz abgezogen oder stark mit Rum' und Zücker verseht ist. In . letzterem' , c;o if r v r ' lauc lann es ois j &xao iuuuii jcin. T a5a!rauch schadet den Pflanzen durch-, aus nicht. Weibliche Exemplare kommen vor, sind aber ziemlich leiten. Nadeln ohne yntumatiN Die kettenlosen Zweiräder haben in den letzten paar Monaten genug von sich reden gemacht., ohne sehr schnell populär werden zu können. Wenig , , .i. ' Beachtung oar Dagegen .vis ieyr eme noch neuere' Erfindung gefunden: Zweiräder ohne Luftfüllung der Gum-, nurelfen. Selbige unterscheiden sich dem Aus sehen nach gar nicht' von Stahlrossen. , r i . r "r 1 cn ' r ma ..t. Mll lUslgesUllien. eisen. ZUll tttic, der letzteren 'aber ist. statt Luft, mit' Haaren vollgepfropft, welche einem jeV wissen .' Krauselungi I Versahren, ledoch ohne ' Heißmachen, unterworfen worden sind.- Wie , gewöhnlich, wird, versichert, daß sich diese. . Erfindung glorreich bewähre, und schon viele sol-' , n . .. -li a)t Hiveiraoer von qitx nacy au&mazu gew Ländern erportirt wurden. - ' Natürlich' wäre 'es. von gewaltigem Vortheil,-: wenn die- Pneumatik ganz entbehrt werdett' konnte. Radler könnten dann über Nagels GlaLsplitt u. w. fahren, ohne einen'Zusammen bruch" befürchten zu müssen; denn eine Durchlöcherung deö Radreifens - hätte' nichts mebr zu bedeuten.- - Ob aber sol ,che Radreifen, wie' die oben erwähnten, so schmiegsam unr wiegsam. wie luft"! gefüllte eisen, nicht nur find, sondern auch bleib e n, daö isttrotz aller Versicherungen nicht so schnell zu-glau k:n!

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