Indiana Tribüne, Volume 21, Number 230, Indianapolis, Marion County, 8 May 1898 — Page 7

ZZer Hummer. VuS dem Ungarischen, von JenS Binder. Die Familie Galambos hat einen Hummer zum Geschenk bekommen von einem guten Bekannten aus Fiume. Eö war eine Freude ihn anzusehen, so fcchbn und so groß war er. Eine Znt lang betrachteten sie ihn und dachten daran, welch' schmackhafte Bissen er liefern werde, aber dann kalkulirten sie folgendermaßen:Wenn der Mensch den Hummer verzehrt, so ist's eben aus mit dem Hummer. Es ist dasselbe, als wenn man eine gebratene Kartoffel oder eine gelbe Rübe gegessen hätte. Hingegen wenn wir ihn denBognars senden, derpflichten wir sie uns durch ihn. Dieser Bognar ist ein großer Gourmet. er liebt die feinen Bissen außerordentlich und könnte mein wohlwollender Protektor sein, wenn ich demnächst um Avancement einkomme." Franz Galambos war Assistent dritter Klasse im Finanzministerium und hätte schon längst gewünscht, Assistent zweiter Klasse zu werden. Der RechimngsrathJosephBognaraber war im Amte sein unmittelbarer Chef, von dessen Berichterstattung das Schicksal Franz Galambos' abhing. Sie sandten also den Hummer dem Herrn Rechnungsrath Bognar in Begleitung eines höflichen Briefchens, in welchem der Assistent Franz Galambos um Erlaubniß bittet, seiner besonderen Hochachtung in dieser Weise Ausdruck zu verleihen. Galambos ist ein sehr braver juner Mann," bemerkte der Rechnungsrath, nachdem er den Hummer einer sachverständigen Prüfung unterzogen hatte. Ein schönes Exemplar. Wirklich ein schönes Exemplar." Die Gedanken desHerrn RechnungsTaths weilten schon beim Abendbrot, bei welchem dieser prächtige Hummer ihm vorgesetzt werden sollte da begann seine Frau plötzlich: Joseph, weißt Du, woran ich gefocht habe? Wie wäre es, wenn wir diesen Hummer dem Sektionsrath Kurucz senden würden? Du weißt, er ist em sehr einflußreicher Mensch. Er ist in der Präsidial - Abtheilung. Der könnte etwas thun in Deinem Jnteresse. Es wäre doch schon an der Zeit, daß sie Dich um eine Rangklasse avanciren ließen. Und wenn der Mensch mit einem Hummer etwas erreichen kann, warum sollte er demselben nicht entsagen?" Freilich, freilich. Du hast recht", bekräftigte Joseph Bognar seufzend. Der Mensch entsagt nicht gern tU nem guten Bissen, auf den er sich schon im vorn hinern gefreut hat; aber eine Rangklasse vorwärts zu kommen, ist denn doch mehr werth, als einen Hummer zu verzehren. Sie verpackten rhn also säuberlich und sandten ihn dem Herrn SektionsNlth. Beim Herrn Sektionsrath wuroe der Hummer ausgepackt, und Herr und Fran riefen angenehm Überrascht cius: Sieh da, ein Hummer. Na. das ist wkklich eine liebe Aufmerksamkeit von Bognar. Und wie groß er ist! Wie mächtig! Er müßte genügen, ein Dutzend Gäste zu bewirthen." Die Frau Sektionsrath dachte schon daran, wen man einladen könnte ; dem Herrn Sektionsrath kam jedoch etwas anderes m den Sinn: Ei, meine Liebe, ich sage Dir etwas Gescheidtes. Wenn wir Hummer essen wollen, können wir solche auch im Geschäft kaufen. Aber dieses prächiige Exemplar, das direkt aus Fiume kam, könnten wir den Terenyeys senden. Eben dieser Tage habe ich Anbreas Terenyey sagen hören, daß sein liebster Leckerbissen ein Hummer sei. Er würde sich über diesen aewiß freuen. Und weißt Du, solche Heine Gefälligkeiten kräftigen am meisten dieFreundschaft. Andreas ist ein einflußreicher Abgeordneter. Wenn er dem Minister in paar gute Worte sagt, erhalte ich gewiß den Titel eines Ministerialraths." Daraufhin begann auch die Frau ihren Mann in seinem Vorhaben zu bestärken: Es wäre wirklich eine Dummheit, wenn wir den Hummer essen würden, wo wir ihn doch so gut perwerthen können. Senden wir ihn nur üb." Anderen Tages bekam Andreas Terenyey ein sehr freundschaftlich gehalkeues Schreiben vom Sektionsrath Kurucz. und als Beilage zum Briefe den Hummer. Na. das ist einmal eine Freundschaft", sagte ,d:r Abgeordnete mit dankbarer. Begeisterung. Sie bekommen einen Hummer und senden ihn mir. Es sind wirklich liebenswürdige Menschen." Doch die Frau des Herrn AbgeordneUn ist bereits seit zwei Wochen auf dem Lande und der Herr Abgeordnete ißt weder zu Mittag noch am Abend zu Hause. Was soll er nun mit dem Hummer beginnen? Aber er verfiel auf einen glücklichen Gedanken: Wahrlich, das trifft sich gut. Ich kann die günstige Gelegenheit benutzen und den Hummer dem Staatssekretär senden. Ohnedies will ich ihn dieser Taqe um etwas bitten." Andreas Terenyey setzt sich also an den Schreibtisch und schreibt dem Staatssecretär die Dedikation: Hochgeborener Herr! Verehrtester freund! Ich würde mich außerordentsich glücklich schätzen, wenn Du gnädig anzunehmen geruhtest u. s. Und er sendet dem hochgeborenen Herrn den Hummer, den er gar-nicht aufpackte. Prächtig eingepackt gelangt er bei dem Herr Staatssecretär an. Seine Hochgeboren geruhen die Sendung gnädigst anzunehmen, gn

der Hummer wird gleich Abends servirt. Die hochgeborene Frau betrachtet ihn etwas mißtrauisch: Dieser Hummer hat einen so schlechten Geruch." Das ist Meergeruch.- erklärt der hochgeborene Herr. Nach langem Zuredm kostet ihn die hochgeborene Frau, aber er mundet ihr nicht. Du hast noch immer einen solchen Provinzgeschmack" scherzt der Herr Staatssecretär mit ihr. Er selbst packt gehörig ein, obwohl es ihm gleichfalls so scheint, als ob der Hummer einen verdächtigen Geruch hätte. Aber das ist ja gewiß nur Einbildung. Die Frau trägt die Schuld daran. Nach zwei Tagen erscheint Andreas Terenyey im Ministerium, aber er findet den Herrn. Staatssecretär nicht. Der hochgeborene Herr ist krank. Nach einer Woche si:ht.Herr Andreas Terenyey wieder im Ministerium nach. Der Herr Staatssecretär war bereits dort, schlich aber nur so umher. Sein ohnehin bleiches Gesicht war noch bleicher geworden, und es schien, als ob er während der inen Woche erheblich abgenommen hätte. Er empfing den Abgeordneten sehr kalt, so daß dieser sich nicht ge-t traute, seine Wünsche zur Sprache zu bringen. Was fehlt dem hochgeborenen Herrn?" fragte er einen Schreiber. Man erzählt, daß er sich mit irgend einem Hummer den Magen derdarben habe. Aber man flüstert sogar noch verdächtigere Dinge. Sie wissen ja, wie viele Feinde der hochgeborene Herr hat. Ich bitte Sie. heutzutage ist alles möglich. Es giebt Menschen, die ihre eigenen Frauen vergiften." Aber ich bitte, das ist ja ein Unsinn", sagte der Abgeorvnete. Er traute sich nicht energisch zu widerreden. Der Mensch kann sich noch in irgend einen dummen Verdacht verwickeln. Nur soviel bemerkte er, daß der Hummer eine schwere Speise sei, mit der man sich leicht den Magen verderben kann, wenn man viel davon ißt. Wozu hatte er auch diesem kränklichen Menschen den Hummer gesandt? Jetzt ärgerte er sich Kur vergeblich. Das fehlte noch, daß er in den Ruf eines Giftmischers gelangt. Der Herr Staatssecretär hat zu viel gegessen, das ist das Ganze. Oder möglich, daß der Hummer auch bereits verdorben war. Freilich in dieser warmen Jahreszeit. Möglich, daß auch Kurucz ihn deshalb ihm verehrte. Möglich ist es. Gefräßig, wie Emerich ist, und geizig wie seine Frau ist, hätten sie ihn gewiß selbst verzehrt. Aber er war bereits verdorben, und sie dachten bei sich, daß er gut genug sei, um ein Geschenk damit zu machen. Na, Emerich Kurucz soll ihm nur vor die Augen treten. Emerich Kurucz wunderte sich sehr, was wohl Andreas Terenyey haben möge, daß er sich so kalt benehme? Er reicht ihm kaum die Hand und redet mit ihm nur so über die Achsel. Es ist wahr, daß die Abgeordneten zuweilen sonderbar stolze Herren sind, besonders, wenn man sie um eine Gefälligkeit bitten mochte. Der Sectionsrath thut aber, als wenn er nichts bemerkte, und plaudert freundlich weiter. Er erkundigte sich sogar, wie ihm der Hummer geschmeckt habe. Ich danke," antwortete Andreas Terenyey kurz. Aber als Emerich Kurucz noch einmal auf den Hummer zurückkommt, kann sich Andreas Terenyey nicht mehr zurückhalten und sagt: Lieber Freund, wenn dem Menschen etwas verdirbt, so ist es nicht nöthig, dies dem guten Freunde zum Geschenk zu machen." Aber Du wirst doch nicht denken?" verwahrte sich Emerich Kurucy. Zu Hause wurde die Sache besprochen. Der Herr Sectionsrath erzählte entrüstet: Denke Dir nur, der Hummer war verdorben. Wir sind compromittirt. Was ist das nur für eine Unverschämtheit von den Bognars, uns dergleichen zu senden?" Und als der Nechnungsrath Joseph Bognar bei der ersten Gelegenheit seine Aufwartung bei dem Herrn Seetionsrath Kurucz machen wollte, empfing ihn der Sectionsrath mit den Worten: Nur schnell, wenn ich bitten darf, denn ich habe viel zu thun. Womit kann ich dienen?" Er nöthigte ihn nicht einmal Platz zu nehmen, wie sonst, und sprach nur stehend mit ihm. Joseph Bognar stotterte bestürzt etwas und ging fort wie einer, den man mit heißem Waster begossen, ohne zu wissen, tvas er verschuldet. Aber die Frauen können nichts bei sich behalten, und Frau Kurucz konnte es nicht über sich gewinnen der Frau Bognar zu sagen: Der Hummer ist eine ausgezeichnete Delikatesse, aber nur so lange er nicht faul ist." Als ihm das seine Frau erzählte, wurde der Rechnungsrath Bognar schrecklich zornig. Seine Ehre so zu Grunde zu richten! Und eben vor dem einflußreichstenSections'rath. Na, Herr Franz Galambos, wir werden abrech nen. Er wartete nicht erst, bis er vor ihm erscheint, sondern ließ den Sürn) denbock sofort rufen: Wie unterstehen Sie sich. Ihre Vorgesetzten zu verspotten? Glauben Sie mich. mit Ihrem faulen Hummer zu bestechen? Ich verbitte mir dergleichen. Verstanden?" Franz GalamboZ Hort, aber versteht die Sache nicht. Er ahnt nur, daß mit demHummer irgend ein Malheuer vorLkfallen. Ausführlicher zu erkundigen

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zraui er stcy aver nicyr. Traurig schleicht er nach Hause. So viel sieht er bereits, daß es mit der Protektion des Rechnungsraths Bognar ein Ende habe. Gott weiß, wann nun aus ihm ein Assistent zweiter Klasse wird? Wird er es überhaupt jemals? Dieser Hummer hat nur Unglück auf sein Haupt gebracht. Hätten wir ihn doch gleich selbst gegessen." seufzte er traurig. Miirtcrbude Von Franz Hetzen. Ich bin oft an Wärterbude 96 vorübergefahren Nicht als ob etwas Besonderes daran gewesen wäre, durchaus nicht; aber das, was drinnen lebte und webte, das war's! Sie lag hoch oben auf der Böschung, gerade an der Stelle, wo die Steigung der Bahn ibren höchsten Punkt erreichte; 1 : 67 stand an dem im Winkel geneigten Arm, der die Steigung und das Gefälle anzeigte. Und mitten im Walde lag sie. Die Bahn machte an dieser Stelle einen tiefen, tiefen Einschnitt, und oben auf der Höhe, da lag die Bude, von der eine lange, schmale Treppe mit einem Holzgeländer zu den Geleisen herabführte. Neben der Bude aber stand eine Laube von wildem Wein mit Aristolochien dazwischen, ganz dunkel und kühl. Und rechts und links waren kleine Gärten angelegt mit großen Büschen von Thränenden Herzen" und Löwenmaul" und tellergroßen, gelben Sonnenblumen. Und dahinter etwas Ackerland. Darauf wuchsen Kartoffeln, und in der einen Ecke etwas Mais und große Bohnen, und wenn man im Sommer amAbend daran vorüberfuhr, dann duftete es, wenn der Wind gerade richtig wehte, ordentlich stark und süß betäubend zu Einem her. Der Wald aber, mächtiger alter Buchenwald, mit buschigem Unterwerk, umschloß wie ein Rahmen das ganze Bild, in dessen Mittelpunkt die kleine Bude stand, aus deren verdecktem Schornstein leichte Rauchwölkchen sich traulich hervorkräuselten. Und in der Bude, da lebte ein Mann, ein Mann von fünfzig Jahren, groß, breitschulterig, mit einerAdlernase und einem schwarzen' Vollbarte, der ein scharfgeschnittenes, echt männliches Geficht umrahmte. Und ein Kind, ein Mädel von siebzehn Jahren, Rosel genannt, so hold, so licht und süß, daß ich noch heute vermeine, nie etwas Lieblicheres gesehen zu haben. Die Mutter aber war todt, schon lange; lange siebzehn Jahre: des Kindes Leben hatte ihr das ihrige gekostet. Und da hatte es der Vater aufgezogen mit Hilfe der Muttersdbwester aus dem nahen Dorfe. Das Mädel aber war sein Augapfel geworden! Oft stand sie neben ihm in kurzem Kleidchen und wehendem, krausem Haar, wenn er den Dienst versah, und iwnn ich mich dann am Fenster erhob und ihr zuwinkt und ihr eine KußHand zuwarf, dann drehte sie wohl halb verwirrt, halb schelmisch lachend dem Vater das Köpfchen zu. der mit leuchtenden Augen auf sein Kind herniedersah. Oft aber, wenn er gerade auf dem Ackerstllck arbeitete, gab sie wohl auch selbst das Signal: Strecke frei!" Und dann sah sie besonders reizend aus, wenn sie mit großen Augen dem Zuge nachguckte, ob der letzte Wagen auch vorschriftsmäßig die rothe Schlußscheibe zeige. Es war an einem Juliabend', ein heißer, schwüler Tag ging zu Ende. Der Nschtschnellzug hatte schon gemeldet und auf der Strecke, da, wo die Bahn die scharfe Kurve beschrieb, zeigte der Signalmast schon weißes Licht: Freie Durchfahrt!- Rosel saß auf dem hölzernen Bänkchen vor der Thür. Der Vater war zum Dorfe und noch nicht zurück. Tiefe Stille herrschte überall; nur die Heimchen und Grillen zirpten, die Fledermäuse huschten und flatterten lautlos vorbei, und vomWalde flüsterte leise das geheimnißvolle Weben der nie rastenden Natur herüber. Jetzt wurde auch in der Ferne der Zug hörbar, er hatte Verspätung und fuhr mit gesteigerter Geschwindigkeit. Rosel stand auf und nahm die Signallaterne zur Hand. Da kam er auch schon über die Kurve herangebraust: die blendenden Lichter der ersten Locomotive, deren Strahlen über die Geleise zuckten und huschten, vergrößerten sich schnell; leise und dann immer lauter begannen die Schienen zu klirren und zu singen; der zitternde Widerschein der erleuchteten Fenster glitt windschnell heran; weit beugte sich der Führer der VorspannMaschine heraus, er winkte einen Gruß zu Rosel hinauf. Da war der Zug auch schon vorüber. Rosel blickte den verschwindenden Wagen nach. Da leg ten sich plötzlich zwei Hände über ihre Augen und schlössen sie fest. Tödtlich erschreckt zuckle sie zusammen, mit einer raschen Wendung entrang sie sich den sie haltenden Armen und wandte sich um. Vor ihr stand lachend ein junger Mann. Einige Sekunden sahen sie sich wortlos an, dann zog der Fremde seinen Hut und sagte leicht, aber mit ehrerbietigem Tone: Vergebung, daß ich es wagte, Sie so zu erschrecken, aber ich konnte dem Zauber des Augenblicks nicht widerstehen. Ich bin erst seit einigen Tagen auf Gut Hohenhausen als Verwalter angestellt, noch völlig unbekannt in der hiesigen Gegend, habe ich mich gründlich verlaufen. Seien Sie, bitte, so freundlich und sagen Sie mir den Weg nach dem Gute!" Rosel beschrieb ihm denselben: er müsse den großen Fahrweg hinuntergehen, bis er an den Forellenteich im Thalgrunde käme, dann rechts durch die jungen Fichten den Fußpfad verfolttn bi zum Waldrande, dann würde & r. . njc rz

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' 'Während sie sprach, hatten seine Blicke wie geistesabwesend an ihrem Antlitz und ihrer Gestalt gehangen: er hatte offenbar keine Silbe gehört von dem, was sie zu ihm sagte. Noch immer sah er sie an, Rosel wurde roth. Da trat er mit raschem Schritte auf sie zu und' faßte ihre Hand: Darf ich Dich wiedersehen?" flüsterte er. Seine heißen Augen suchten die ihrigen. Das Mädchen riß sich los und trat in's Haus. Der Fremde verharrte noch einen Augenblick auf der Stelle, wo er stand, dann ging er langsam dem Walde zu, die Blumen am Wege mit flachen Hieben köpfend. Am Waldrande blieb er stehen und sah zurück, aber das erglühte Gesichtchen, daö mit so wundersamem Ausdruck ihm nachschaute, das sah er nicht Als am anderen Tage die Sonne unterging und es Abend ward, da sah die Rosel merkwürdig oft den Waldweg hinunter, als erwarte sie etwas. Und als sie nachher mit dem Vater auf der Bank vor der 'Laube saß, da war sie still und einsilbig. Aber als sie dann dem Vater Gute Nacht" sagte, da hatte sie ihre Arme so fest um seinen Hals geschlungen und sich so innig an ihn geschmiegt, als wollte sie ihn nie. nie wieder loslassen. Drei Tage später war es gewesen. Rosel hatte auf dem Ackerstllck gearbeitet, da hatte er plötzlich neben ihr leise ihren Namen geflüstert. Und dann hatte er sie mit starken Armen jäh umfaßt und sie in den Wald hineingerifsen und ihr Augen, Mund, Haar, Busen und Wangen mit lodernden Küssen bedeckt. Leidenschaftstrunkene Worte hatte sein Mund gestammelt, und sie hatte in seinen Armen gelegen, ohne sich zu wehren, ohne Willen, ohne Kraft. Und dann hatte er sie angefleht um ein Stelldichein unten im Waldgrunde. Und sie hatten sich getroffen! Ich bin noch oft an Wärterbude 96 vorübergefahren, seit sie die Rosel eines Abends unter den Rädern des Schnellzuges hervorgezogen hatten. Sie war vollständig zermalmt und verstümmelt, und der ganze Schnee war blutrot!) gewesen. Ich bin noch oft daran vorübergefahren, aber es sah Alles so öde und verwildert aus seit jenem Tage. Nur die Thränenden Herzen" wucherten üppiger denn je zuvor. Awegen der Gerechtigkeit. Von M. Schefranek. Zur Zeit meines Aufenthaltes in einem oberösterreichischen Gebirgsorte machte ich die Beobachtung, daß die meisten Bauern der Ortschaft der Trunksucht ergeben waren. Dies veranlaßte mich, über den Alcohol und seine Folgen" einen Vortrag zu halten, der auf die zahlreich erschienenen Vewohner des Dorfes und seiner Umgegend nicht ohne Wirkung war. Auch fehlte es nicht an- Anerkennung, welche der Pfarrer, der Schulmeister und der Ortsvorsteher meiner Bemühung zollten. Eine wirkliche Freude aber emPfand ich über die Nachricht, die mir der Lehrer des Dorfes im darauffolgenden Winter nach Wien sandte. Sie betraf einen Bauern, der als ein ganz besonderer Trunkenbold bekannt war und ob dieser Eigenschaft der Ortsbehörde schon viel zu schaffen gemacht hatte. Die Nachricht lautete nun, daß der Mann in sich gegangen fei und jetzt einen rechtschaffenen Lebenswandel führe. Das erfüllte mich mit wahrer Genugthuung, so daß ich beschloß, den Ort auf meiner Ferienreise wieder aufzusuchen. Der Zufall fügte es, daß ich auf dem Wege in's Dorf als ersten meiner Bekannten den Michelmann, eben diesen Bauern antraf., Er saß am Wegesrand auf einem Meilenstein und war gerade im Begriff, die letzte Neige auS einer thönernen Flasche in denSchlund zu gießen. Als ich ihm näher kam, erhob er sich und begrüßte mich, worauf sich zwischen uns folgendes Gespräch entwickelte: So hast Du es doch nicht aufgegeben, Michelmann?" Aufgegeben?" fragte er mit einem schlauen Augenzwinkern. Was denn?" Du hast wohl schon vergessen, wovor ich Dich im vorjährigen Sommer so eindringlich gewarnt habe?" Ah, vergessen hab' ich's net, Herr Doctor haben ja langmächtig g'redt damals. Ueber's Weintrinken war's ich weiß, ich weiß." Meine Warnung scheint aber wenig genützt zu haben." Was ist denn das da?" fragte ich und jmes auf die Flasche. Das? Das ist kein Wein, das ist ein Schnaps! Herr Doctor haben damals nur vom Wein geredt!" erwiderte er mit einem listigen Blick. Du hast mich aber ganz gut verstanden." Freilich wohl, hab' ich auch a Zeit lang nix trunken, bis mir die Sach zu dumm worden ist. Da hab' ich wieder zu trinken angefangen und bin wieder lustig und munter worden und hab' die Welt und die Leut' und das Viech leben lassen, und Sie auch. Herr Doctor, Sie hab' ich auch leben, lassen. Denn, hab' ich mir gesagt, Sie sein a kreuzbraver Mon und recht haben's auch, aber einseh'n. daß recht haben, wenn's mich vor'm Saufen verwarnen, einseh'n kann ich's halt allemal erst, wenn ich mein' Rausch g'habt hab'." Und habe ich Dir nicht die Folgen dieser 'unseligen Leidenschaft geschildert?" fragte ich nach einer Pause. Ach ja, die schlechten Sachen haben's alle herzählt, die guten aber net." Weil sie keine guten hat." Oh, oh, oh! Sie kennen kein Rausch net!" betheuerte er mit einem tiefsinnigen Lächeln. Nun legte ich los.. Der Eifo für

die gute Sache zu wirken, ergriff mlch. Ich redete lange und eindringlich und führte all die tausend Gründe in's Feld, welche gegen diesen verderblichen Hang sprechen. Er hörte mich ruhig und aufmerksam an, bei manchenWorten nickte er zustimmend, doch vermied er es, mich anzublicken. Als ich geendet, fragte er: Sind's verheirat'?" Nein", erwiderte ich. Warum fragst Du?" Er antwortete nicht?, sondern Machte nur eine Bewegung, als ob er sagen wollte: Aha. hast leicht reden." Wieder verstrich eine längere Pause. Dann fragte er: Haben's schon einmal ein recht ein schweres Leid mitgemacht?" Ja. den Tod meines Vaters." Er sah mich einen Moment lang an, als ob meine Antwort nicht recht auf seine Frage paßte. Jst's Ihnen nah' gegangen?" fragte er. Gewiß, sehr nahe." Und wie haben S' sich denn getröst'?" Ich habe es als etwas Unabänderliches aufgenommen und getragen." Freilich wohl. So ist's halt. Es muß a so auch gut sein. Aber schwer ist's und langweilig und man bringt's lang net weg. Mich hat's gerissen, bis ich mein' Rausch g'habt hab'. Net beim Sterben von mein' Vätern; wie mir der Stadel abgebrennt ist und wie mir die Kuh beim Kalben d'raufgegangen ist. Ich hat's net verwunden, bis ich mein Rausch gehabt hab'. Aber das ist's net allein, daß mir mein Weib mir'm Zetern kein Ruh geben hat und daß mir dabei nix besser geholfen hat als a rechtschaffener Rausch, das ist's net. Zwegen der Gerechtigkeit war's, daß ich mir's Rauschwerden angewöhnt hab', zwegen der Gerechtigkeit." Gerechtigkeit? Was hat die Gerechtigkeit damit zu thun?" fragte ich erstaunt. Ohne auf meine Frage zu achten, fuhr er fort: Ich war damals noch a junger Vua, der seine sechs Maßl hat trinken können, ohne daß Einer mir's angemerkt hätt'. Der Holzerkarl war auch a junger Vua, aber bei der dritten Maß hat er schon sein rechtschaffenen Rausch gehabt. Da sein wir einmal im Wirthshaus gesessen. Der Holzerkarl in sein Rausch fangt mit mir zum Streiten an. Ich sag: Sei stad, Du hast ein' Rausch!"" Da packt er's Maßkrügel und haut mir's am Schädel, daß' zerspringt. D'rauf steh ich schön stad auf, pack ihn fürsichtig mit der ein' Hand beim Gnack, mit der andern beim Fuß und schmeiß ihn durch's Fenster. Das hat aber in die Kuchel geführt. In der Kuchel war net viel Platz. Da ist er halt am Herd in die Reindl inig'fallen. Drauf sein wir alle zwei eingesperrt worden. Das heißt, ich bin eingesperrt worden, er net. Wie ich außkimm, frag ich halt. warum denn er net auch eingesperrt worden ist. Da krieg' ich die Antwort: Weil er ein' Rausch gehabt hat." Ja. sag ich. er hat ja den Streit angefangen, ich hätt' ihm ja nix than, wann er mit net das Maßkrügel am Schädel geHaut hätt!" Drauf hat's geheißen: Er hat in sein Rausch net gewußt, was er thut!" Damit Habens mich weggeschickt. Die Gerechtigkeit ist mir net recht eingegangen. Ich hab langmächtig nachdenkt, wo da die Gerechtigkeit steckt bis ich's heraus gehabt bat. Halt, hab' ich mir gesagt, es ist schon recht a so. es ist schon ein' Gerechtigkeit, nur ist's halt dem Holzerkarl zu gut kommen. Jetzt muß halt schauen, daß die Gerechtigkeit auch Dir zu nutz kimmt, und seitdem hat's kein rothen Kalendertag mehr gegeben, wo ich net zwegen der Gerechtigkeit mein' rechtschaffenen Rausch gehabt hätt'." Und ehe ich noch Zeit fand, ihm etwas zu erwidern, lüftete er die Mütze und sagte mit seinem schlauen Augenzwinkern Pfüt Gott derweil!" Als ich Abends im Kreise der Honoratioren in der Laube des Pfarrhofs saß und das Erlebniß zum Besten gab, da ging ein behäbiges Lächeln über, das breite Gesicht des hochwürdigen alten Herrn, und während er daranging, eine neue Flasche zu entkorken, meinte er: Herr Doctor haben bei Ihrem Vortrage damals den modernen Ansprüchen nicht Rechnung getragen, indem Sie eben vergessen haben, mit unseren guten Ottenthalern über Ihr Thema" hier schenkte er mein Glas voll eine Diskussion zu eröffnen." Die Sühne. Humoreske von Fido. Er trank kein Bier. So sonderbar diese Thatsache auch sein mag, wenn man in Erwägung zieht, daß er ein Jünger der Musen war, es war einmal so. Er trank eben keins und erklärte es für unbegreiflich, daß Jemand Vergnügen daran finden konnte, seine Kehle mit einer Flüssigkeit, die bitter schmeckte, in Berührung zu bringen.' Aber dessenungeachtet war er ein gauz guter Kerl und seine mit chronischern Brand" behafteten Kollegen, welche in demselben Atelier mit ihm den Musen Leinewand und Oelfarben opferten, hatten ihn trotz seiner natur widrigen Veranlagung gern, und da sie Mitleid mit ihm, dem Turstlosen. hatten, gaben sie die Hoffnung nicht auf, ihn noch zu bekehren. Immer von neuem unterzogen sie sich der Mühe, ihm ein Verständniß für den Begriff .Durft" und den edlen Sport des Trinkens beizubringen. Umsonst! Vergeblich wiesen sie auf feine Ahnen, die alten Deutschen hin, die bekanntlich .immer noch einö" tranken, vergebens citirten sie die feuchtfröhlichen Barden, welche Gambrinus zu Ehrenihre Sri

ten erklingen ließen. Der Erfolg aller gütigen Vorstellungen und wohlgemein ten Lockungen scheiterte an seiner ver stockten Philisterkehle. Tie Freunde waren trostlos, ihn nicht als heiteren Kumpanen ihrer nächtlichen Gelage gewinnen zu können, und als er sich eines Tages hinreißen ließ, ihr bierseliges Treiben als Unfug und den Ausfluß brutaler Gesinnung zu bezeichnen, da war ihre Geduld zu Ende und sie beschlossen, ihn für seine Hartnäckigkeit zu bestrafen. In aller Stille schmiedeten sie einen höchst rafsinirten Plan und sein bevorstehender Geburtstag sollte die Ge legenheit zur Ausführung desselben geben. Es bestand nämlich unter den bicrkrzundlich Gesinnten der Ateliergcnossen die Abmachung, daß jedesmal an seinem

Geburtstage der Betroffene ein Achtel" zum besten geben mußte, und sie waren fest entschlossen, sich m diesem Jahre nicht wie an demselben Tage des Vorjahres mit einem Pflaumenkuchen, wel ches Gebäck der übrigens auch vegetansch angekränkelte, bierfluchtige Kollege leidenschaftlich gern aß, abspeisen zu lassen. Sie hatten sich vorgenommen, im Nothfalle durch Verwirklichung des teuflichcn Plans den Schmiß" des Achtels zu erzwingen. Wie vorauszusehen war, blieben alle ihre diesbezüglichen gütlichen Anbohrungen erfolglos. Selbst Schmeichelcicn wie Knacker", Kaffer", Knauser" glitten an seinem aalglatten Gewissen ab. Er hatte eben keine Bier ehre im Leibe. Mit der Trockenheit der Kehlen wuchs euch die Erbitterung und als beim Eintritt der Dunkelheit das Geburtstags lind, ohne das entscheidende Wort gesprachen zu haben, das Atelier verließ, um ein vegetarisches Speisehaus aufzusuchen, da war der Entschluß der Verschwörer zur Reife gediehen und sie schritten zur That. Wenige Minuten später waren sie in ihrer Stammkneipe versammelt, wo bedeutsame Worte mit dem Wirth gewechselt wurden, welcher unter der Versicherung, das alles bestens besorgt würde, nach den Kcllerschlüsseln griff und dem Knecht des Hauses winkte. Diesen, obwohs nicht aus dem Nubierland stammenden, aber dennoch zu jeder Kraftleistung mit lebenden und todten Objekten stets bereiten Muskelgewa!t?gen sah man denn auch kurz darauf mit einem geschulterten Fäßchen Bier auf daS Haus zusteuern, in welchem unser unglückseliges Geburtstagskind als möblirter Herr bei der braven Wittwe Treulich wohnte. Tie Verschworenen hatten den dunklen Hausflur des gegenüberliegenden Hauses als Beobachtungsposten besetzt, von wo sie mit hoher Befriedigung dem ersten Auftritt der von ihnen ersonnenen Tragikomödie zuschauten. Ter Hausknecht hatte inzwischen mit dem Fäßchen, dessen Inhalt fröhlich gegen die Holzplanken plätscherte, den dritten Stock erklommen und betrat, als die sanstmüthige Frau Treulich auf sein Klingeln geönnet hatte, die Wohnung mit den Worten: Ich bringe das Bier für Herrn Spachtel." Nanu?" fragte erschrocken Frau Treulich, der Herr trinkt ja gar kein Bier." .Es ist für Herrn Spachtels Geburtstagsgäste, die er für heute Abend eingeladen hat, und hier ist auch die quittirte Rechnung. Sie möchten den Betrag solange auslegen." So, so," sagte. Frau Treulich, welcher diese Erklärung einleuchtete, ließ das Faß auf einen Küchenstuhl in Herrn Spachtels Zimmer zum Anzapfen bereitlegen und bezahlte die Rechnung im Betrage von sechs Mark. Die Rückkehr des von seiner Last befreiten Hausknechts wurde im gegenüberliegcnden Hausflur mit freudiger Erregung bemerkt, und man erwartete mit Spannung den zweiten Austritt. Dieser vollzog sich programmmäßig durch das Erscheinen des vegetarisch gesättigten Kollegen, der gemessenen Schrittes seinem sriedlichen Heim zustrebte. Nachdem er die Treppen erstiegen und ihn Frau Treulich, wie allabendlich, begrüßt hatte, sagte sie nebenhin: Das Bier ist auch gekommen, Herr Spachtel." Was für Bin:?" fragte der junge Künstler erstaunt." Run. das Achtel, welches Sie bestellt haben." Ich? ein Achtel bestellt? Wo kommt es her?Hier auf der Quittung steht's." Was? Quittung? Sie haben doch nicht etwa . . ?" Bezahlt, ja, sechs Mark, wie Sie gewünscht haben." Aber liebe Frau, Sio wissen dich, daß ich niemals . Und hinaus war er und in großen Sätzen die Treppe hinab. Weit schneller als er es betreten hatte, sahen die schadenfrohen Kollegen ihn das Haus verlassen. An der nächsten Laterne blieb er stehen und las auf der Quittung die Adresse des Kneipiers, der das Achtel geliefert hatte, dann sauste er mit Windeseile die Straße entlang. Jubelnd traten seht die vier Freunde aus ihrem Versteck hervor und zur nächsten Straßenecke, wo sie einen Dienst mann engagirten. Geben Sie schleunigst zu Frau Treulich, hier gleich Nr. 8. 3 Treppen, sagen Sie, Sie seien von Herrn Spach tel geschickt und sollen das Faß Bier abholen. Verstanden?" Bald kam der Absandte zurück, welchem Frau Treulich ohne Weiteres das Faß ausgeliefert hatte, und nun gings im Triumph, an der Spitze der mit dem edlen Stoff belastete Tienstmann, zum Atelier, wo auf das Wohl des unfreiwilligen Spenders eine solenne Kneiperei eröffnet wurde. Als der so schnöde geprellte Maler bei seiner Heimkehr von der erfolgten Abholung de5 FasseS durch einen Dienst

mann erfuhr, durchschaute er der? Streich, den ihm seine Kollegen gespielt hatten. Außer sich vor Acrger raste er in den Straßen umher, um derselben habhaft zu werden, bis er schließlich zum Atelier gelangte, wo gerade ein Hoch auf ihn ausgebracht wurde. Die Ausdrücke der Wuth und Entrüstung welche er auf seine ungebetenen Geburtstagsgäste hermederhageln liefe, wurden von dem Jubel derselben üta tönt, und er mußte es sich gefallen?, lassen, daß sie ihn als gefeierte Größe.im Atelier herumtrugen. Als er am' nächsten Morgen in'S Atelier kam, wurde ihm zu seiner nicht geringen Freude ein großer Pflaumen luchen ttbcreicht. Selig im Borge schmack des seiner harrenden Eenussc wollte er die leckere Lieblingsspcisesofort anschneiden, doch da entpuppte sich diese als ein mit Pflaumen garnir--ter Lierfilz. Er mußte sich daher mit dem Genuß der Pflaumen begnügen, die er ja leidenschaftlich gern aß. Aber an seinem nächsten Geburtstag, hat er freiwillig ein Achtel geschmissen".

Hinnerk in Bremen. Vcertig Mark willt se mi marr geben for 100 Pfund, nee, dafor doh ick et nich; denn föhr ick mit mine Swine nah Bremen", so resölvirte sich HinnerkMüller aus M., als ihm neu--lich für feine 4, Schweine, die zusam men 1600 Pfund wogen,, das nette Sümmchen von 640 Mark geboten. War. Gedacht, gethan. Hinn:rk fuhr mit seinenSchweinen nach Bremen unts wurde sie zu 41 Mk. pro 100 Pfd. los, er hatte also gegen die heimischen. Preise'einen Profit von 16 Mk. erzielt. Im Begriff nach Hause zu fahren, trifft er vier alte Bekannte, die einen Freund nach Bremerhafen auf'sSchiff gebracht hatten und noch in der Ab schiedsstimmung waren. Man untere nahm eine kleine Bierreise; es wurdeBier und Wein getrunken, es wurde gut gegessen. Hinnerk kostete es kci--ucnPfennig, er ließ sich von denFrcunden tüchtig traktiren; wenn's nämlich nicht für sein Geld geht, dann kann er was leisten; wenn er aber selber ein mal in di- lasche greifen foll. dannc behauptet er, er könne absolut nichts, vertragen, er habe es so am Magen"" und sei jedesmal 14 Tage krank, wenru er auch nur drei Schlucks (dru GlaSSchnaps) trinke. Das wußte auch der.dicke ZZritz, einer der Begleiter, und erbeschloß, Hinnerk einmal einen Streich zu spielen. Als Hinnerk itärn lich Adieu" sagen wollte man war, grade in dem Stadtviertel, wo, die sei--nen Hotels liegen da meinte der Dicke: Hinnerk, nu schast Du aber ot: een'n utgcben. ton Afgew'öhnen". und, steuerte gleich auf eins der feinsten Hotels los. Was sollte Hinnerk machen?' Er konnte sich denn doch nicht blamiren und folgte den Freunden. Fri ging stramm in das Portal des Hotels hinein, etwas besonnener folgten die ankeren. Unser Hinnerk war .der letzte. Der Portier machte einen Die ner. Da is'n stündlichen Mann", meinte Hinnerk. In Gedanken rechnete er schon: 5 Cognacs 5 Groschen, na. das konnte schließlich schon auf den Schweineprofit gehen, und erhalte sich doch vorher auch schon gratis satt gegessen und getrunken. Die Freunde nahmen Platz, und Hinnerk rief dem herbeistürzenden kleinen Piccolo zu: ), bring us doch mal fies' Conjacs!" Aber go'e!" fchrie Fritz, hinter dem kleinen Kellner her. Drni nerwär. wat is dat hier fien!" meinte Hinnerk und befühlte den sammetner Sitz seines Sessels und die Marmor tischplatte. Je, mien Junge, dat is anners as in'n Smeerigen Läpel" in juen (Eurem) Dörpe". Der Piccow kam nun mit den fünf Cognacs und' präsentirte sie auf dem silbernen Tablett. Da kann sick jo noch nicht mal'i Fleige in versupen." meinte Hinnerk als er sein zierliches Gläschen ausge trunken hatte. Na. denn lat doch, noch'n Runne kamen," meinte der dicke Fritz. Und wirklich. Hinnerk gabseiner Natur einen Stoß und bestellte noch eine Runde und dann noch eine dritte: ja, er ließ zuletzt sogar noch, fünf Cigarren kommen. In so'n steilen Hotel mut'n doch ok wat vertehren." meinte er. Als' die Cigarren brannten und der letzte Cognac ausgc. trunken war. da zog Hinnerk seinen Beutel und zählte von dem Schwede--gelde die Zeche ab: 15 Cognacs 15. Groschen, 5 Cigarren i 5 Pf. Groschen, zusammen 174 Grosch:n. Kellner!" Der Piccolo kam und besah bald das Geld und bald unseren Hinnerk. Na. wat kiekst Du denn?" Mein Herr ich bekomme 12,M Mk." Wat. bist Du unklaul?" Der kleine Piccolo rechnete nun vor: 15 Cognacs & 75 Pf. 11.25 Mk.. 5 Cigarren t 25 Pf. 1.25 Mk.. zusammen 12.50 Mk." Nun ab:r ur.ser: Hinnerk. Er schlug auf den Marmzr tisch und fchrie: Ji Röwerbannedt. is ja Bedre:gerie!" Der dicke rch und seine Kumpane verbissen sich vor Lachen, der Piccolo rief den Herrn Oberkellner, und dessen vornehme Er. scheinung mit dem süffisanten Lächeln, dem blüthenweißen geglätteten OberHemd, der weißen Kravatte, .denr schwarzen Frack und der schweren galdenen Uhrkette machte auf unsern tn nerk einen so imponirenden Eindruck, daß er kleinlaut wurde und berappte. Fünf Minuten später saß er wieder auf seinem Schweinewagen undtrottete der Heimath zu. Fiefun säbentig (75) Pfennige för so'n lutl--jen Sluck" murmelte er in den Bart un wenn't noch wat godet wäsen wär! aberst nee nsen Weerthmann sin Fiefpennijes - Sluck. de brennt doch ganz anners!" Zu viel! Chef: WaS, zw TageUrlaub Herr wollen SlQ 5ie Welt umsegeln?"