Indiana Tribüne, Volume 21, Number 230, Indianapolis, Marion County, 8 May 1898 — Page 2
gute Kadscrltt.
Von HUZ0 Klein. Unser R. F. C. machte einen AuZjsua, nach dein Deutschwalde. Er lieAt etwa zwei Stunden vo?r unserer Stadt. Tin R. F. C. gehören auch viele leibliche Mitglieder an, und so lag es im Plane, am Ende des Deutsch.aldes, wo ein verlockendes Wirthshäuschen steht, tas belebte Ausflugsziel städtischer Wanderer, ein klein-Z Tänzchen zu machen. - Die Bicyclisten erfreuen sich in der tanzenden Frauenwelt des besten Nuses und so war zu rwarten,'daß auch aus der Äillencslonie des nächsten Dörfchens die hübschen Mädchen kommen würden. So war es euch. Eine ganz allerliebste Schaar junger Damen fand sich ein. Aber die schönste unter ibncn. wenigstens jene, die mir am meisten gefiel, war eine Nadlerin, eine reizendeBrüiutte mit Blauaugen. Auf meine Erkundigungen erfuhr ich, daß sie verwittwet sei Frau Franzi nannten sie ihre Verehrer ganz kurz, und das genügte auch mir. Eine reiche Wittwe! Eine lustige Wittwe! Und eine Wittwe auf d?m Rade! Kas konnte ein Mitglied deZ N. F. C. Besseres wünschen? Ich ließ mich ihr vorstellen, ich schloß mich ihr an. Mit ihr tanzte ich zumeist. Sie ließ sich alle meine Huldigungen lächelnd gefallen, erwiderte mit verwirrender Wärme das Interesse, welches ich ihr bezeugte. Nach dem Tänzchen wurde im Wirsgarten ein kurzes Mahl eingenommen. Hier ist es schön, nicht wahr?" sagt: Frau ZZranzi mit einem schwärme:!schen Augenaufschlag. Sehr' schön doch heute ein dischen zu lärmend. Unter diesen hr.hen Bäumen muß es sich herrlich sitzen lassen, zu zweien, in stiller Stunde, ohne Musik und Gläscrklingen 41 Da haben Sie recht. Ich bin aus meinem Nade ein paar Mal schon ganz allein nach dem Deutschwalde herausgekommen und habe mich immer der entzückenden Ruhe gefreut. Aber wenn eine Dame ohne Bez'eitung in ein Gasthaus tritt, ss se'en einen die Leute scheel an. Ich habe immer rasch ein Glas Milch getrunken und dann wieder den Rückweg cngetreten." Gerne möchte ich Ihnen G:ftllschaft leisten. Wann gedenken Sie wieder allein einen Ausflug hierher zu machen?" Wann? .... Na, warten Sie einmal .... vielleicht am Mittwoch . . ." Am Mittwoch, wohl! Ich werde zur Stelle sein . . . Doch kann ich an diesem Tage erst so gegen fünf Uhr hier eintreffen." Ich werde wohl viel früher hier sein, aber ich will Sie erwarten. Wir radeln dann zusammen nach der Stadt." Wie liebenswürdig! O, es wird ein entzückender Tag für mich sein!" Ich suchte am Mittwoch so rasch wie möglich mit meinen Geschäften fertig zu werden, warf mich in Dreß und eilte auf geflügeltem Rade nach dem Teutschwalde. Hatte sich aber der Himmel gegen mein Rendezvous verschworen? Als ich durch die letzte Sommerfrische fuhr, brach ein so heftiger Gewitterregen cus, daß ich froh sein mußte, sammt meinem Rade von einem mir begegnenden Ochsenwagen aufgenommen und zurückgebracht zu werden. Ich war außer mir über mein Pech. Und wird die hübsche Wittwe mir verzeihen, daß ich das Rendezvous nicht eingehalten habe? Wie überrascht war ich also, als ich den nächsten Mittag meine Radlerin erblickte, die mir freundlich lächelnd entgegenkam, und mir die Hand reichte. als wäre nichts geschehen. Ach. meine Gnädige," rief ich, ich bin untröstlich " Sie verzeihen doch wohl, daß ich unser Rendezvous nicht eingehalten habe?" sagte sie mit der Miene einer Frau, die sicher ist, daß man ihr alles t verzeiht. Es ist eine Kleinigkeit da- ' zwischengekommen " .Ah!" Ja, ich habe nämlich einen Heirathsantrag erhalten. Und am Abend habe ich mich verlobt." 0!" Und denken Sie, was mein Brautigern für ein lieber, guter Mensch ist! Das Radeln ist mir auch weiterhin erlaubt - Bravo! Das ist wacker! ' Und da darf 'man ja hoffen " Natürlich! Ich darf radeln fo viel ich will fobald nämlich mein. Bräutigam das Fahren erlernt hat. Er be sucht jetzt eine Fahrschule. Diese einzige Beschränkung ist mir auserlegt ich darf nur mit ihm fahren. Aber allein zu radeln ist ja ohnehin nicht das rechte Vergnügen, nicht wahr?" Ich glaube selbst" Also auf Wiedersehen im nächsten Sommer im Deutschwalde!" O Frauen, trügerische Sirenen! Ihr seid auf dem Rade nicht anders geworden höchstens noch etwas pikanter, verführerischer. O Männer, hütet euch vor Radfahr - Wittwen wenn ihr könnt! Glänzender Bewe is. Also Du hast einen überzeugenden Beweis, daß Dein Gatte mit Dir glücklich ist?" Junge Frau: Ja gewiß, als wir die Wiederkehr unseres Hochzeitstages feierten, lud er dazu auch unsern Heirathsvermittler." Verlockend. Gattin: Emil, wenn Du mir den neuen Wintermantel kaufst, bringe ich Dir morgen den Hausschlüssel in die Kneipe nach und überreiche ihn Dir vz? allen Deinen Freunden." Deutlich. Herr: Gnädigsie, ich glaube, ich habe ein recht dummes Gesicht gemacht." Dame: .0vta fällt iei Ihnen nicht auf!"
Der Heöurtstag.
LonA. Hst!ncrGrefe. Er war kein flotter, junger Mars soon. ver sich mit seinen gesammelten Erfahrungen brüstet, kein Tänzer, kein Hnsbrecher; er war ein wirklicher Einjähriger" mit kurzen, drallen J:inÄen, einem rosigen Körper und eirem runden Gesicht, aus dem zwei goße, strahlende, unschuldige Augen ncgieri.i in die Welt hineinguckten. Das Köpfchen war voll goldener Haare, die sich vorne zu einem dicken Schöpf aufbäumten. Er war ein lustigcr Wicht, immer vergnügt und zufrieden. außer wenn es irgend eine besondere Ursache gab. ernstlich verstimmt zu sein. Heute jedoch sah der Einjährige Hansi noch einmal so befriedigt aus als sonst. Er hatte Geburtstag gefeiert, war von allen Familienangehorigen beglückwünscht und, was ihm weit lieber war, beschenkt worden und saß nun in dem mildenLicht desHerbsttages sehr brav in seinem Nestchen, um sich auszuruhen. So sagten wenigstens die Erwachsenen, welche drüben im Speisezimmer noch einige Gläser auf Hansi's Wohl leerten, aber je älter die Menschen werden, desto blinder sind sie! Sie hatten wahrhaftig alle keine Ahnung davon, daß das Geburtstagskind nun erst recht fröhlich war in lustiger Gesellschaft. Auch die alte Kinderfrau merkte kein Bischen, sondern nickte friedlich über ihrem Strickzeug. Auf Bubi's Deckchen aber und rings um das kleine Bett, da kribbelte und krabbelte es im wirren Durcheinander. Alle die winzigen Kameraden waren es, mit denen Bubi einst im Storchenteich gewohnt hatt;e er war dann fortgeschickt worden, auf die Welt, viele andere hatten seither den gleichen Weg gehen müssen, aber ungezählte Schaaren waren doch immer noch da unten beisammen, und alle jene, welche dereinst zu Hansi's Intimsten" gehört hatten, erinnerten sich an den Tag seines Scheidens noch aar wohl und hatten beschlossen, ihn zu besuchen. Nun waren sie da. lauter lustige Knirpse, und horchten aufmerksam zu, was Hansi, der Vielerfahrene, ihnen erzählte. Auch Papa Storch war mitgekommen; er stand in der Ecke auf einem Bein und sah höchst verständig herum. Hm!" sagte ein dickes, behäbiges Baby und ließ die Augen forschend umhergleiten. Hm! Eigentlich ist es ganz hübsch auf der Erde! Beinahe so hübsch als im Storchenteich!" Gewiß." entgegnete Bubi vergnügt, ist es sehr hübsch! Wird auch immer schöner! Weißt Du, aber erst, wenn man einmal etliche Zähne hat! Es ist abscheulich, bis sie durchgekrochen sind, aber dann immer schöner, wirklich! Man kriegt Gutes, man heißt großes Bubi", man darf Suppe haden und Fleisch und Süßes " Wer giebt's Dir denn?" unterbrach ihn einer der ehemaligen Genossen. Mama!" jauchzte Hansi. Liebe, schöne Mama! Sie nimmt Hansi auch immer auf den Arm, läuft mit ihm im Zimmer umher, streichelt ihn, giebt ihm Bussi, und in der Nacht, wenn Hansi munter wird und sich fürchtet vor der schwarzen Luft, dann kommt sie schnell und legt ihren Kopf auf seinen Polster nd streicht mit ihrer Hand über ihn hin, und bums! schläft Hansi weiter." Die Vabies zappelten mit den dicken Beinchen in der Idee, daß es ihnen auch einmal fo gut werden solle; im Storchenteich war es kühl und frostig, wenn sie diese Wärme und Liebe damit verglichen. Nur eines, ein naseweises Bürschchen, schüttelte den Kcpf. Mama," wisperte es, ja, Mama, das wäre schon recht! Aber da sind immer auch Papas, und die sollen eigentlich schrecklich sein. So strenge und " Hansi machte eine abwehrende Handbewegung und blickte höchst verschmitzt umher. Papa ist da," sagte er dann mit einem leisen Lachen, möchte auch durchaus nicht, daß er nicht da wäre. Ist nur so äußerlich schrecklich: groß und stark und hat einen mächtigen dunklen Haarschopf, aber innerlich ist er's gar nicht! Durchaus nicht! Man muß blos daraufkommen, wie man es zu machen hat! Papa sagt immer : Nur nicht verziehen! Erziehen muß man ein Kind! Damit kann man gar nicht früh genug anfangen." Er sagt das meistens und sehr bestimmt, wenn ich just ein bischen herumgetragen werden möchte oder noch Gutes essen oder so 'was. Und dann thut er mir nicht den Willen, absolut nicht. Aber ich kenne ihn! Erst weine ich ganz sanft und traurig, dann kommt es ärger und ärger, bis ich einen hochrothen Kvpf habe und dicke Augen; und dabei sitze ich in meinem Winkelchen und gucke immerzu nach Papa hin. Und auf einmal springtPapa auf, nimmt mich auf den Arm und läuft mit mir hin und her und küßt mich und sagt, daß ich sein lieber, kleiner Kerl bin und nur noch recht dumm, und daß ich nun wieder lustig sein solle. Und dann gictt er mir auch Gutes!" Du Schlingel!" sagte Papa Storch und schüttelte erbost den Kopf. Sehe Einer den Strolch!" Aber Hansi ließ sich nicht stören, sondern renommirte weiter. O und dann hebt er mich so hoch ich mag. und ich krabbelte in seinen Haaren umher und spiele mit seinen Augengläsern und gebe ihm Bussi mit weit offenem Mund, was man eigentlich gar nicht thun soll. " Warum?" fragte neugierig ein lltu nes Engelchen. Hansi zuckte die Achseln. Das haben sich die Menschen so eingetheilt," sagte er würdevoll; rfit thun ja überhaupt allerhand Merkwürdiges, aber wir sind die Schwächeren, wir müssen uns leider darin fügen. Hat es denn einen Sinn, daß ich alle paar Minuten zeigen fallen, wie groß ich bin? Brauchen mich doch nur anzuschauen. Und wenn Jemand kommt, da
heif.1's gleich: Diener machen!" Wenn ich dann ein bischen hopse, dann ist'S gut. Und Pah!" sagen muß man in einemfort. auch wenn kein Mensch fort geht. Wenn sie unse reinen irgend waö mitbingen, so muß man immer 'ist zehnmal: Bitte, bitte!" machen, the man es wirklich kriegt; früher lassen sie es uns blos vor der Nase herumtanzen. Das ärgert mich immer schrecklich. Nur Tante Helene ist nicht so ekelig. Garnicht!" Tante Helene?" fragte der Chor. Wer ist Tante Helene?" Da, da!" flüsterte Hansi und schloß schnell die Augen, als ob er schliefe, duckt Euch, sie kommt hierher!" ' Tante Helene kam wirklich. Eine schöne, junge Frau mit einem bleichen Gesicht und schwermüthigen Augen. Sie setzte sich still neben das Bettchen und sah wie in Gedanken verloren hinein in den Dämmerschein des scheidenden Tages. Hm! Ich kenne sie," sagte Papa Storch und nickte bedächtig, kenne sie gut! Brachte ihr vor einigen J.'chrcn ein kleines Baby. Lieber Kerl! Aber es konnte nicht vergessen, daß es von dem Storchenteich öfter hatte in den Hlmmel hineingucken dürfen, und daß hie und da die Englein kamen, um -mit ihm zu spielen. Wer zu lange in den Himmel schaut, dem bleibt die Sehnsucht nach seiner Herrlichkeit ewig im Herzen, und so ging auch das Baby von Tante Helene wieder dorthin zurück. Konnte die scharfe Erdenluft nicht vertragen! Und sie. die Mutter, geht nun wohl umher auf der Welt, aber ihr Herz ist bei dem Kleinen. Deshalb sieht sie so traurig darein!" Darf man gar nimmer seine Mama besuchen, wenn man einmal in den Himmel gegangen ist?" fragte Hansi. 0 ja, hie und da, das heißt so lange die Mutter noch die Erinnerung an ihr Kind im Herzen trägt. Ich habe aber niemals gehört, daß eine Mutter ihr Kind vergißt!" Papa Storch sah bei diesen Worten ernsthaft nach der jungen Frau hin, welche noch immer still in dem alten Armsessel saß. Geh." sagte anst und machte Bitte, bitte!" mit beiden rundenHänochcn, geh', mach' Du einmal einen Sprung hinauf zur Himmelsthür und bitte den heiligen Petrus, daß er den kleinen Engel wieder ein bischen herunter läßt. Du hast mir ohnehin nichts mitgebracht zum.Geburtstag!" Der alte Storch mochte nicht recht, aber es half ihm nichts. Die ganze winzige Sippschaft aus dem Teich kam heran und machte so lange: Bitte, bitte!" bis sein Herz gerührt war. Weit spannte er die Flügel aus und huschte zum Fenster hinaus. Es wurde ganz stille in demZimmcr. Hansi und seine Kameraden saßen chrbar und ruhig da, denn sie hatten einen großen Respekt vor dem Besuch. w:lcher nun kommen sollte. Sie wußten es, daß er ihnen weit, unendlich weit voraus war; er hatte ja schon so lange Erdcnluft geathmet und hatte dann die große Reise gemacht an dei Hand des sanften Engels, welcher Die Menschen hinaufträgt bis vor Gottes Thron. Und nun spielte er droben tot ewigen Lichte mit all' den anderen Engelein .... Fritz!" sagte da plötzlich die junge Frau, und ein Schimmer reinsten Glückes überhauchte ihr Gesicht. Fritz! Mein Liebling, mein Sonnenschein!" Sie hatte die Arme weit ausgebreitet nach dem blondlockigen Knaben, welcher auf dem Rücken des Storches soeben heranschwebte. Kommst Du wieder einmal zu mir?" Hansi jauchzte, als er sah, wie Tante Helene selig lächelte und dann ihrKmd an ihr Herz drückte. Sie saßen ganz ruhig, die Beiden, in dem alten Armstuhl eng aneinander gedrückt und hielten eine stumme Zwiesprache. Es giebt keine Worte für das. was eine Mutter zu ihrem todten. Kinde zu sagen hat. 'wenn es vom Himmel herabkommt zu ihr. Der Einjährige und die Freunde wagten nicht, sich zu rühren. Es war, als wenn der Athem Gottes durch den Raum wehte. Wie lange sie so gesessen, das wußten sie nicht; aber Alle schraken zusammen, als der kleine Engel nun auf einen der letzten, glühendrothen Abendsonnenstrahlen wies, welcher zum Fenster her einfluthete. Lebe wohl!" klang es wie ein Hauch. Ich muß fort, hinaus zum Licht, zur Klarheit!" Aber die Mutter -wollte ihn nicht lassen. Da vergaß Hansi alle Scheu und rief ängstlich: Bitte, bleibe da. bleibe da!" Um den Mund des Engels zog ein mildesLächeln. Er neigte sich und küßte Hansi auf die reine Kinderstirn, und dann neigte er sich nochmals und küßte auch einen von Hansi's Kameraden, einen pausbäckigen Lockenkopf, auf Augen und Mund. Der Kleine jubelte und strahlte den stillen Engel an mit seinen glänzenden Augen; da drinnen leuchtete nun ein Strahl wie von Himmelslicht. Möchtest wohl gerne auch einmal so warm liegen im Mutterarm?" fragte Papa Storch und deutete auf die junge Frau, die noch einmal ihr Kind umfing. Ja, o ja!" krähte der Junge. Sollst Du!" entgegnete der Storch, sollst Du!" Ueber's Jahr bringe ich Dich zu Tante Helene! Vielleicht merkt sie es, daß ihr Liebling im Himmel Dich geküßt hat und sie grüßt durch Dich!" Im Westen sank der rothe Sonnenball hinter eine Wolkenbank; auf den letzten Strahlen schwebte der kleine Engel wieder hinauf in die ewige Heimath. Die junge Frau fuhr jäh empor. Weder sie noch Hansi hatten bemerkt, daß ein ernster Mann leise in dasZim mer getreten war. Helene!" sprach er sanft; weinend Itait sie den Kopf an seine Brust.
Mir hat geträumt von unserem Frig. Aber er lächele und küßte mich und führte an seiner Hand ein süßes, winziges Menschenkind mit strahlenden Augen und seidenen Löckchen. Es ist traurig, daß Alles nur einTraum war, der vergeh! gleich eine'.n Schatten." Sie machte sich leise los und trat an Hansi'sBettchen.Er saß aufrecht darinnen, mit weit offenen Augen in ihr blasses verweintes Gesicht sehend; nun legte er seine runden Aermchen fest um ihren Hals. War ja kein Traum." wisperte ?r ihr in's Ohr, ist Alles wahr! Hansi hat sich's ausgebeten zum Geburtstag von dem alten Storch!" ' Tante Helene verstand Hansi's Sprache nicht, und sie sah es auch nicht, daß sein blonder Freund aus dem Storchenteich sich ganz nahe an sie heran gedrückt hatte und verstohlen über ihre Hand streichelte. Aber es wehte sie an wie Wärme und Fröhlichkeit; ein Abglanz davon lag noch in ihren Augen, als sie am Arme ihres Mannes das stille Zimmer verließ. Marsch! Wir brechen aus!!' sagte der Storch und machte dem Einjährigen ein Abschieds - Compliment. ,Es dunkelt, und wir haben weit yeim! Ich hoffe. Du bist mit Deinem Geburtstag zufrieden. Du vorlauter Knirps!" Sehr!" flüsterte Hansi, und dabei nickte er noch einmal dem Ettglein zu, das aus den rosigen Abendwolken zu ihm herunterlächelte, und schüttelte hierauf dem Jungen aus dem Stör. chenteich tüchtig die Hand. Komm' nur bald zur Tante Helene!" rief er ihm noch nach. Bald!" klang es zurück, bald!" Dann war Papa Storch mit seiner anvertrauten Schaar verschwunden, und Hansi saß allein in seinem Bett, wo er bald friedlich einschlief, ein glückseliges Lächeln um den kleinen Mund. Wahrscheinlich träumte er von seinem Freunde imHimmel und von dem künftigen Spielkameraden auf der Erde.
Vttl)ckoscs Kokd. Erzählung auS Klondtke. Aus der Grube Lehmanns drang ein Juchschrei ein Juchschrei aus vollster Brust, denn Lehmann hatte soeben einen Goldklumpen gefunden, der ihn voraussichtlich für immer 'der kleinlichen Sorgen dieses Lebens überhob. Aber der Schrei war an das Ohr Willi Brothers, eines baumlangen Canadiers, gedrungen, der in der nächsten Grube mit einem Spaten und wenigem Glück hantirte. Ersteren legte er nun bei Seite und eilte an Lehmanns Claim. Als er dessen Glück gewahrte, feuerte er aus seinem 12millimetrigen Revolver einen Freudenschuß ab der Lehmann ober dem rechten Ohre hinein und unter der kleinen Zehe des linken Fußes wieder hinausging und war eben im Begriff, in die Grube zu steigen, als er mit Be dauern bemerkte, daß zwischen seiner sechsten und siebenten Rippe eine zwölfzöllige Messerklinge zum Vorschein kam, dieJcmand von der anderen Seite hineingesteckt haben mußte. Dieser Umstand veranlaßte ihn blaß zu werden und nach vorne in die Grube zu sinken, in welche gleich darauf Tony Smith, ein rother Jrländer aus Birmingham. sprang, weil ihm soeben sein Messer hinabgefallen war. Nachdem Tony sein Messer an sich genommen, gewahrte er mit Ueberraschung einen Goldklumpen und hob ihn mit Entfaltung seiner ganzen nicht unbeträchtlichen Kraft auf den Rand der Grube als er plötzlich einen Schlaganfall (mit einem Spaten) bekam, infolge dessen er die Besinnung verlor. Ohne nach derselben zu suchen, fand er sie nsch zehn Minuten wieder, nicht aber auch den Goldklumpen, und konnte ihm auch Man Kraps aus San Francisco, welcher das Gold weggetragen hatte, keine Auskunft erthei-' len. weil er momentan nicht zur Stelle war. Allan Kraps faß vor feinem Zelte und schwitzte bei dem Versuche, seine hartgefrorenen Wasserstiefel anzuziehen, mörderlich. Vor ihm stand ein Schlitten mit einem großen Hunde bespannt und auf dem Schlitten lag der Goldklumpen, nebst einem Beutel Mehl, der ganzen Provision, die für schweres Geld aufzutreiben war. Eben hatte Allan seinen linken Fuß so weit in die Stiefelröhre aezwängt, daß er weder vor- noch rückwärts konnte und den Wadenkrampf bekam. Er bat deßhalb Watzlaw Klupati, einen Gentleman aus Böhmen, ihn von dem Stiefel zu befreien. Watzlaw sah kaum die NothAllans, als er sich hoch und theuer verschwor, den Schuster, der solch' unbrauchbaresZeug liefere, herbeizuschaffen, zu welchem Zwecke er um Allans Schlitten ersuchte. Angefeuert durch sechs Revolverschüsse Allans, machte er sich auf den Weg. Grau wölbte sich der Himmel über Alaska; schweigend glitt der Schlitten über den grobkörnigen Schnee. Es war ein Gefühl reiner Freude in Watzlaws Brust. Gold hatte er gesucht, Gold hatte er gefunden. Eben wollte er ein Liedchen trällern, als er Schlingbeschwerden fühlte und ein erhebendes Gefühl im Nacken verspürte. Dann war es ihm. als ob ein Jäger aus Buffalo. Bob Goner mit Namen, der sich mit Schlingenlegen befaßte, auf seinem Schlitten säße und davon führe; und so war es auch. Zweihundert Schritte weiter aber auf einem vereisten Felsen stand der berühmte Reporter Edgar Kritzling und schrieb in sein Notizbuch: Der Goldreichthum ist enorm; dasselbe sindet sich nicht nur unter der Erde oder dem Wasser, sondern auch frei zu Tage liegend. Heute sah ich einen Schlingenleger aus Buffalo. der einen Klumpen von 240 Unzen fand. Darauf schloß Kritzling das Notiz, buch und beschloß, den Mann zu inter-
viewen. Doch erst beim zweiten Schusse aus seinem Rifle gelang es ihm. Bob zum Verlassen des Schlittens zu bewegen. Nachdem er ihn um Entschuldigung ersucht, und als Ersatz für die durchlöcherte Weste einen Schluck Kirsche brandn geboten, verließ Bob, mit der Bitte, sich des verwaisten Gespannes anzunehmen, diese Welt und Edgar per Schlitten den Schauplatz. Vier Stunden mochte er gefahren sein, als er bemerkte, daß der Mehlbeute! nachlässig zugebunden worden sein mußte, denn ein feiner, gelber Streifen auf dem weißen Schnee verlor sich in der blauen Ferne. Das war ein schwerer Schlag. Knurli, der Hund, heulte vor Hunger und Edgars Magen knurrte dazu. Nachdem das Concert einige Zeit gedauert, dauerte Edgar der Hund, weßhalb er ihn erschoß, die Haut abzog und theilweise zum Nachtmahl verzehrte. Es war eine trübe Nacht, die nun folgte. Als der Morgen graute, graute auch Edgarn; ein eisiger Sturm peitschte ' über das Feld und benahm jede Aussicht. Mit Entsetzen bemerkte Kritzling das Fehlen seines Compasses, welcher ihm sammt Uhr und Kette von dem sterbenden Jäger aus Buffalo abgezwickt worden war. Schwer wie Blei waren ihm die Füße und die Hände so steif gefroren, daß sich die Finger einander so wenig nähern konnten wie die Zinken einer Mistgabel. Schon fürchtete er elendiglich erfrieren zu müssen, als ein Eisbär kam und ihn, den Hunderest und das Notizbuch verzehrte. Die Sonne des kurzen nordischen Sommers zerschmolz den Schnee, da fand Meco Meco, der springende Bock, aus dem Stamme der Gluck GluckIndianer den Schlitten mit dem Goldklumpen und eilte mit dem letzteren, so schnell ihn seine Füße tragen konnten, nach der 400 Meilen entfernten Bärenibai, wo, wie er wußte, " die Arme Seele", ein englischerWallfischschooner. vor Anker lag. dessen Capitän ihm seinen Fund für ein Faß denaturirten Spiritus abnahm. In dem nun folgenden dreitägigen Rausche verrieth Meco Meco den Matrosen den Fundplatz des Goldes, und als der Capitän am vierten Tage seinen Morgenfluch sprechen wollte, sah er gerade noch, wie ihm der letzte Matrose von einer Bodenwelle den Abschiedsgruß zuwinkte. Da beschlich ein gelber, häßlicher Neid die Seele der Seele der armen Seele"; sein Goldklumpen kam ihm erbärmlich klein vor; er sah im Geiste die Matrosen mit weitaus größeren zurückkehren und er stieg in's Schiff hinab. Mit einem sehr kleinen Spaten und einem sehr großen Fasse Rum bepackt, verließ er das Schisf und wurde nicht mehr gesehen. Auf der Armen Seele" aber tanzte der springende Bock sechs Monate lang im Branntweinrausch, bis er in einer bitterbösen Nacht an einer Segelstange anfror und elendiglich verhungerte.
DaS Gänseblümchen. In den stillen Heiden der Bretagne geht eine schöne Sage um: Da die heiligen drei Könige zum Stall von Bethlehem kamen, fanden sie dort die Hirten vor, die von den Heerden herbeigeeilt waren und die Krippe des Jesuslindes mit den schlichten Blumen ihrer Felder umschmückt hatten. Denn kostbarere Gaben besaßen diese Armen nicht. Als nun die heiligen Drei ihre reichen Geschenke ausgebreitet hatten und die Hirten sie staunend sahen, sprachen sie unter sich: Was sollen unsere armen Blumen noch neben diesen Wunderdingen aus Silber und Gold? Sie werden dem Kinde mißfallen müssen. Lat sie uns entfernen." Aber siehe, da schob der Iesuöknabe mit dem einen Füßchen die leuchtenden Kostbarkeiten behutsam beiseite, streckte seine kleine Hand gegen dieBlüthen aus und ergriff ein einfaches Gänseblümchen. Dann hob er sie zu seinen Lippen auf und drückte einen Kuß auf ihre Blüthenkrone. Seit jener Zeit baben die Gänse, blümchen, die bis dahin' völlig weiß geWesen waren, am Saum der Blätter ihre schöne Rosenfarbe, die wie ein Schimmer der Morgenröthe ist. In Wahrheit aber rührt sie von jenem Kuß der heiligen Lippen des Gottessohnes her. Das Gewitter. Von Emil Jakubowski. Siehst Du die Wolken hoch im Blauen?" .Was schadet es? Das Wetter ist so schön!-" Man soll den Wolken niemals trauen!" Ich bleibe fest: ich will spazieren geh'n!"" Er lacht aus übermüth'ger Kehle: Du bleibst zu Haus, ich will's. Dein Herr und Mann!" Und sie: Ich hör' nicht auf Befehle; Nun seh' ich, was Du bist: ein Haustyrann!"" Sie hockt in einer Sophaecke, Er brütet in der andern vor sich hin. Jetzt fegt ein Windstoß um die Ecke, Und seltsam singt und summt es im Kamin. Ein Blitz! Und dann ein Donnerrollen Sie fährt empor und schaut ihn ängstlich an. Doch nein! Sie will noch weiter schmollen, Denn dieses Ungeheuer ist ihr Mann. Da hört 'sie ihn so lustig lachen. Da lacht sie mit und denkt: Gott sei gelobt!" Mag draußen daS Gewitter krachen, Hier drinnen hat es längst schon aus- . . aetodt.
AasSchölchcitsattcr. Das höchste Glück, das herrlichste Hochgefühl des Weibes, heißt: Schönheit! Daran ist wenig zu rütteln. Keine andere äußere Bevorzugung des Schicksals, nichtGeburt noch Reichthum. können der beglückenden Empfindung, schön zu sein, gleich lcmmen! Selbst seltene, innere Vorzüge, feinste Bildung, Gelehrsamkeit, ?alent, verschwinden daneben höchstens das bedeutende Genie kann der Schönheit, bei Würdigung des Weibes, den Rang streitig machen! Sie ist fast Bedingung bei Anerkennung Ux Frau .. . Der Ausspruch der Frau von Staels den sie in Weimar bei einem Besuche Göthe's that, ist ziemlich allgemein bekannt, und lautet: All meinen Ruhm würde ich freudig eintauschen gegen das Glück, ein einziges Jahr schön zu sein!" Also auch ihr, der geistreichsten Frau ihrer Zeit, der Vielgefeierten, erschien die Schönheit des Leibes als die Krone des irdischen Frauenglücks! Sie beglückt nicht allein die Besitzerin, sondern alle denkenden und fühlenden Menschenseelen, denen es vergönnt ist, sie mit Äugen zu schauen. Und der Dank dafür wird beim Dichter und Künstler fort zeugend zur Begeisterung, aus der sein Genius Großes und Erhabenes schöpferisch zu gestalten weiß. Fast laßt sich von ihr sagen, was Portia im Kaufmann von Venedig von der Gnade sagt: Sie träufelt, wie des Himmels milder Segen, Zur Erde unter ihr, zwiefach gesegnet; Sie fegnet den, der giebt, und den, der nimmt!" Nicht die Naturempfindung war es. welche die Leyer der antiken Sänger erklingen ließ. Inmitten einer uneudlich großartigen Natur blieben die Römer und Griechen von ihrer Gewalt und Schönheit innerlich unberührt. Das, was sie in erster Stelle bewegte, war immer nur der Mensch, mit seinen Leidenschaften und Thaten auf's engste damit zusammenhängend war jederzeit Macht und Einfluß weiblicher Schönheit. Um eine Helena entzündete sich der trojanische Krieg, der die Hcldengedichte eines Home? schuf. Im Mittelalter war es nicht anders; der Troubadour hob Schönheit und Anmuth der Frauen auf sein Schild. Donna Laura, die Gemahlin des IIiiues de Sade, die im vierzehnten Jahrhundert in Avignon lebte, und als Geliebte Petrarkas unsterblich ceworden ist, war eine vielgefeierte Schönheit, deren Nichterscheinen unter Umständen Volksaufläufe hervorrufen konnte. Auf Befehl des Königs mußte sie jeden Sonntag auf dem Balkon erfcheinen, um sich dem Volke zu zeigen. Aber auch unser modernes, stark realistisch gefärbtes Zeitalter vermag sich nicht von der Macht der Schönheit zu lösen, und will es auch nicht. Stolz trägt es ihre Sklavenketten, ebenso wie der Idealist. . Der einzige Urtheilsspruch, dem uc Schönheit unterliegt, ist und bleibt immer der persönliche Geschmack. Selbstredend ist damit nicht der Geschmack der Mongolen, Indianer odir Neger gemeint, sondern allein der Geschmack des gebildeten Abendländers. Allerdings giebt es bestimmte, von höherer Erkenntniß vorgezeichnete Schönheilsregeln, aber solche sind, im Grunde c?enommen, mehr für den Laien als für den gottbegnadeten Künstler gemacht. Dieser trägt sein Ideal in sich, rnd richtet sich' dessen Verkörperung meist nach der eigenen schöpferischen Vecanlagung oder momentanen Geistesbeschaffenheit. Die sixtinische Madonna von Rafael, dies Urbild der Schönheit, konnte nur einer religiösen Begeifterung oder schwärmerischen Verzückung entspringen. Ob die Reinheit der Linien, die Vollendung der Formen, oder jener anmuthsvolle Reiz, den man zu lieben sich gezwungen fühlt, die höhere Schönheit darstellt, richtet sich einzig und allein nach persönlicher Anschauung. nach dem Geschmack." Die Dichter huldigen mehr der anmuthreichen, als der seelenvollen Schönheit; auch einzelne Jünger der bildenden Kunst, und darunter die fähigsten, lassen sich durch unregelmäßige Linien nicht beirren, wenn das Ganze zündet. Im Allgeminen sucht aber die bildende Kunst, besonders die Plastik, Reinheit der Linien und EbenMäßigkeit der Formen. Weil nun aber die Gesetze weiblicher Schönheit nicht mit dem Zirkel gemissen werden können, und selbst in der Kunst nicht feststehen, wird der Feingebildete und Denker auch über das eigentliche, höchste, weibliche Schönheitsa l t e r. den Culminationspnnkt der Schönheitsblüthe, im Zweifel sun. Wenn blühende Farben, blitzende Augen, Perlenzähne u. f. w. ein Idealbild schaffen könnten, würde die oedankenloseMenge recht behalten, welche die Jugend einzig und allein als Schönheitsalter ansieht. Sie schaffen allerdings die beaut6 du diable. Für den Kenner sind sie aber weiter nichts als einzelne gelungene Pinselstriche zu dem Bilde, das vor seiner Seele vorschwebt. In erster Linie verlangt der Kenner Harmonie, in zweiter Charakter, beides seltene, fast unmögliche -Eigenschaften der Jug:nd.
l nd doch richtet sich der Maßstab d rkenntniß bei der Beurtheilung des' Bildes nach der Thatsache der Uebereinstimmung der erforderlichen Faktoren. Alle höhere Schönheit erforoert Erkenntniß ihrer selbst. Zwar k.-.nn solche auch schon in früherJugend vorHanden fein, dann ist aber aus Gefahr, daß sie in mangelnder Einsicht, duich Eitelkeit und Koketterie das Bild der Reinheit und Unschuld, das sie darzustellen bestimmt ist. zerstört. Die denkende und fühlende Frau hwgegen erkennt vollkommen dro Wertb deö üimmelöaefcbenleS. und
wird nicht nur bestrebt sein, ihre Schönheit zu pflegen, sondern auch sie nicht zu entweihen. Die äußere Pflege gipfelt in einer peniblen Reinlichkeit. Wasser und Luft sind nicht nur durch die besten, gesundheiterhaltenden Mittel, sondern auch die vorzüglichste Kosmetik. Im Uebrigen ist sorgsamste Schönheitspflege nicht allein erlaudt, sondern von höherer Erkenntniß g:öoten nur wenn die Pflege zur absichtlich täuschenden Kunst übergeht, ist sie zu verwerfen. Gemachte" Schönheit vermag ab:r überhaupt nur einzeln: sogenannte Reize zu erzeugen. Echte Schönheit bringt, fast ähnlich dem edeldenkenoen Geiste, in ihrer Reinheit und Wahrheit etwas von göttlicher Abstammung zur Erscheinung, selbst noch bei kleinen Fehlern und Mängeln. Künstliche Schönheit aber ist ein Triumph der Lüge! Ueberdem ist Meisterin Natur wohl in Kleinigkeiten zu corriziren, aber niemals zu übertreffen. Darum thöricht die Frau, welche sich schminkt, das Haar färbt, oder durch Einschnüren zarte, jugendliche Formen erzwingen will. Race. Typus. Klima bedingen den Charakter der menschlichen Erscheinung, und ein kritisches Auge verlangt, daß das Bild solchen Bedingungen entspricht, damit die Harmonie nicht gestört werde. Im Allgemeinen gelten die Lebznsjähre als Höhepunkt der Schönheit, welche der Zwanzig" unmittelbar fclgen. Das Wachsthum ist vollendet, und der größere Kraftaufwand, welcher die Vleichsuchtsjahre schuf, gewöhnlich glücklicherweise überwunden. Es sind die Jahre der bewußten, sieghaften Schönheit, die mit Recht bcscnders hoch geschätzt werden; das achlundzwanzigste gilt als Gipfelpunkt. In dieser glücklichen Lebenszeit kommt es nur darauf an. sich weise an der natürlichen Huldigung genügen zu lassen, und das Glücksgefühl des Schönheitsbesitzes nicht durch Gefallsucht steigern zu wollen, um derSchönheit die Liebenswürdigkeit hinz:lzufügen, und sich damit der irdischen Vollkommenheit möglichst zu nähern. Um solcher Versuchung nicht zu crüegen, zu der die modernen gesellschaftlichen Verhältnisse selbst auffordern, indem sie oft genug .die Pikantere" über die Schönheit zu stellen versuchen, bedarf es vor allem reifer Einsicht, eines reinen edlen Sinnes und der Befchcidenhcit. Nun- giebt es aber auch eine g?nze Anzahl Frauen, und darunter viclleicht die besten, denen die dreißig erst die physische und psychische Blüthezeit bringen. Es sind jene durch und durch weiblichen Naturen, deren Bedeutung in der Mutterschaft gipfelt. In e sier Jugend unscheinbar, beginnen sie mit dem ersten und zweiten Mutterwerden sich körperlich und geistig auszuwachsen, zuweilen mit gesunder, ,twas robuster Fülle, unh jener sich auch im äußern determinirten Wesen ausprägenden Geistesklarheit, welche Vorzuglich geeignet ist. ein wohlwollendes, aber festes Hausregiment zu führen. Oder es entwickelt sich bei zarterer Constitution jener sanfte, madonnenhafte Reiz, welcher die stärksten Manner am widerstandlosesten in Fesskln schlägt.
WaS der Lcnz spricht! Von F. Oeschinger. ES lacht der Lenz, der blonde Held, ' Blauäugig in die Stuben: Heraus mit Euch in's freie Feld, Ihr Mägdlein und Ihr Buben! Herab nun mit dem Winterflaus, Und laßt die Locken wallen! Mein übermütiges Saus und Braus, Wem will es nicht gefallen? Süß fliegt des Staaren Jubelschrei Ob sonnighellen Giebeln, Und erste Blüthlein seht Ihr. hei, Mit ersten Faltern liebeln. Die Geige hängt zurecht der Fink, Der macht sich auf die Freite; Schon Abends flattert froh und flink Sein Schätze! ihm zur Seite. Drum wer aus echtem Schrot und Korn. Ein Junger oder Alter, Der schlürft aus meinem Freudenborn, Wie Blüthlein, Fink und Falter. Und glaubt getrost, was ringsumher In sonn'ger Schrift geschrieben: Zum Seligsein, was braucht es mehr. Als Lieben, Lieben, Lieben!" Terbe Sprache. .Simon Kaiser, der ehemalige Präsidtnt des schweizerischen Nationalrathes, war wegen seiner Derbheit bekannt. Er verkündete einmal vom Präsidentensitz herunter: Herr X. hat seinen Antrag zurückgezogen, um ihn in einer vernünftigeren Form wieder einzubringen", was ein ziemlich lebhaftes Intermezzo veranlaßte. Ebenfalls vom Präsidialsitze des solo,thurnischen Kantonsrathes herab geschah es, daß Simon Kaiser den Landammann .Vigier. als dieser während einer Rathsverhandlung einmal allzu laut hinter dem grünen Tische sich unterhielt. mit der Bemerkung meisterte: Landamme, heb 's Mul zue!" Von Kaiser stammt auch das einst im Unmuth über die einseitig ungestümen Zollforderungen der schweizerischen, namentlich bernischen Käsehändler gesprochene geflügelte Wort: Setzt doch einen Käs ins Schweizerwappen, statt des eidgenössischen Kreuzes!"
Verschnappt. Schüchterner Freier: ... Und . . . und glauben Sie, daß Ihre Frau Mama ja" sagen wird?" Angejahrtes Fräulein: Mama hat noch bei jeder meine? Lerlcbuneen .ia" cesatl" j I
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