Indiana Tribüne, Volume 21, Number 223, Indianapolis, Marion County, 1 May 1898 — Page 2
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Aie -Datcnt.Mcrn'.
?on N. Rauchennegzer. Hören G' mir auf mit den neuen -findungcn! Die taugen g'n?öhnlich Erfind nix einer r7iuöer rontir.:, cer 'was d'raus macht. Ich bin erst kürzlich einsangen mit einer solchen G'schicht'. Mtim liebste Erholung ist nämlich das Serglraieta. Ich kann'S auch; mir steigt so leicht Keiner nach. Natürlich halt' icy 'was cus eine gute Ausrüstung Allcs nur prima! Wie ich neulich in dem alpinen G'schäft ein: Kleinigkeit kauf', zeigt mir das Fräul'n etwQs ganz Neu's eine PatentLcüern', die dasGroßartigste sein sollt', ttas man sich denken kann. Ich schau' das Laternerl an. und es hat mir g'fallen. Man kann's in der Lrusttasch'n einstecken wie ein Notizbücher!: wenn uran's 'rauszieht, thut's einen Schnackler dann ist's schon fix und fertig. Ein'glast ist's mit einem Glas, wo 's Licht so schön matt durchscheint, daß man aus vierzig Schritt Alles ganz deutlich sieht, chne daß'ö einen llcnd't. Das Laternerl hat mir g'fall'n; lch laus's und denk' mir dabei, das ist ine Erfindung die für mich von großem Vortheil ist. Ich hab' mir die Sach' nämlich so ausg'rechnet: Mit dem Laternerl kannst d' bei der Nacht ufsteigcn. brauchst V nimmer inen halben Tag früher sortz'reisen und den halben Samstag zu opfern, wenn i' am Sonntag eine Bergpartie machen willst. Bei der Nacht steigt sich'L viel angenehmer, man schwitzt nicht so und kommt in einer viel besseren Verfassung Hinaus. Für den letzten Sonntag hab' ich mit Kameraden eine Partie aus einen Berg in der Näh' von Kussiein verabred't. Die haben sich förmlich aun dert, wie ich g'sagt hab', sie sollen nur vorausfahren; ich käm' bei der Nacht sicher auf die Alm. Alle haben s' in mich hineing'rcd't. ich sollt' doch so 'was nicht thun, es wär' ein Unsinn, in dcr Dunkelheit da hinaufziehen ober ich hab' g'sagt: Ich wett"wa5. idaß ich bis um halb zwölfe bei Euch auf der Katzalm bin. trotzdem man sich leicht vergeh' kann!" Wir wetten drei Liter Tiroler; ich lach' dazu und denk': Die werd'n schauen, wenn ach um II Uhr komm' mit meinerPatent-Latern'! Die Ander'n fahren also richtig um 2 Uhr ab; ich bin in's G'schäft 'gangen und um 6 Uhr Abends nachg'fahrm. Um 8 Uhr hab' ich'den Berg an'gangen. Der Mond war am Himmel, und ich hab' noch keine Latern' 'braucht. Nach etwa anderthalb Stunden ist's finster 'worden und ich hab' 'denkt, zetzt ist's Zeit, das Laternerl herausz'thun. Ich zieh's aus der Taschen, ritsch-ratsch fix und fertig war's! Ich will's anzünden da kommt das Malheur! Ich such' alles aus und find' keZnZüudhölzel.! ! Jetzt steh' ich da mit der Patent-Latern' ! Ich hab' g'fluchi wie zehn Heiden, aber das hat nix g'holfen. s . - l . l und tcö yao' mein lernen wleoer einstecken und so weiter tappen müssen. Es ist stockhagelfinster 'worden; ich verlier' den Weg und weiß zuletzt mmmer, wo ich bin. In meiner Noth fang' ich zu zuchezen an und krieg' wirklich ne .Antwort. Wir zuchezen uns z'samm' und wie wir so bei'nander sind, frag' ich den Unbekannten, der zu nur Her'gangen .ist, wo er hingehen that . Der sagt, daß er auch aus rne Katzlalm wollt' aber den Weg verfehlt hätt', weil's gar so stockhagelfinster wär'. Wenn's blos 'das ist, Herr Nachbar", sag' .ich, da wär' gleich g' holfen. wenn S' ein Zündholz'! hab'n ; ich hab nämlich ine Patent-Latern' bei mir!" Dös hamm mir scho'!" sagt er und kommt zu mir. Ich z:ey das Laternerl 'raus ritsch-ratsch wars fix und ,fertlg! -Er streicht das Holz'l an, .ich mach' 's Laternerl auf und will s anzünden da 'denken S Ihnen meine Wuth! Ist mir ?uerst. loie ich's offen gehabt hab' und wie xäfZ nachher wieder einstecken bab wol len, das Wachs! 'raus g' fallen also war's erst recht iur! Der Unbekannt lacht recht spöttisch und sagt: So, dös is a' Patent-Latern' dös is a' schön's Qluxapl Ich hätt' bersten können vor Zorn, aber es hätt' doch mx g halfen. Wrr berathen nun, was wir anfangen sollten und schließlich ist uns nix überblieben, als zu warten, bis es ein UU licht 'worden ist. Gegen 6 Uhr !u der Früh sind wir auf die Alm hinauf' kommen, und ich bin natürlich gleich um Jöie drei Liter ana'fordert worden. In ler Klausen bei Kusstein hab' ich's nachher zahlen müssen, wie wir Nachmittags hin'kommen sind. Ich Hai? die G'schicht vom Patent-La-ternerl erzählt und da haben s' mich noch ausglacht .und 'Einer hat zu mir g'sagt: Und das soll eine Patent-La-lern' sein? Da haben S' Ihnen schön us schmieren lassen'! Wenn ich ein Zündhölz'l und ein Wachs! hab', thut's jede Stall-Latern' a'ad' so gut!Das hat mir einrleucht't; ich bin am ander'n Tag zu dem Kaufmann 'ganJen und hab' ihm die Patent-Latern' zurückgeben wollen. Der hat s' aber nicht ang nommen.sondern 'hat mich zu letzt gar einen dummen Menschen g'heißen. Ausnahmefall. Äuchhalier: Wollen Sie dem Müller wirklich den erbetenen Vorschuß bewilligen? Chef: Ja, es liegt hier ein Ausnahmefall vor ... . seine Schwiegermutter, die zum Besuch hier war. will wieder abreisen, und er muß ihr das Reisegelb geben!" 2) er Hausdrachen. Bekannter: Warum haben Sie sich denn eingeschlossen?" Hausherr: Is, wissen Sie. ich habe gestern meiner alUn Haushälterin schriftlich gekündigt und eben ist der Brief angekommen! lintex Backfischen. Emmi (zu ihrer Freundin): Ach geh' mit diesem faden Klavierlehrer, der raubt Einern ja nicht einmal einen tfufcl
Warum starv Zsaura ?
Hnmoreöke von Franz Hereze ünast traf ich die Tochter meines Onkels, meine kleine Cousine Luza in Thränen. Sie saß aus einem kleinen Schemel in der Fensternische hinter dem Vorhang und schluchzte so heftig. daß ihre hübschen Augen m Thränen schwammen und ihre Lippen manchmal zuckten, wie von verhaltener Bitterkeit, Eine dicke, kleine Nlooe, wie ausgeloht in dem unendlichen Ocean ihres Schmerzes Tim übrigen war mir das Schauspiel nicht neu. Ich kenne meine Luza. Ich scch sie schon mit cusgelostem Haare wehklagend im Hause umherlausen. weil die Kochin das Bugelnsen der gescheckten Katze hatte auf den Schwanz fallen lassen, und ich war Zeuge ihres herzzerreißenden Jammers, als der Canarienvoae! an einem Hanskorn den Pips" bekommen hatte und sich wie in unendlicher Weltverachtuna aufblies, bis er einer Kuael glich. , Ich glaube, Luza's Gesundheit erfordert es. daß sie sich wenigstens txn mal wocyeniiicy gimumaj au&rccinc. Findet sie keinen anderen Rechtstitel v r . c r? je . n , . dazu, so sucht sie die altestenJayrgange der Jllustrirten Blatter" hervor unö liest wer weiß zum wievielten Male! Die letzten Stunden des Kaisers von Mexico" oder Den Untergang der Elbe". ; t Ihre sensible Seele hindert sie aber durchaus nicht, bei Tisch einen ganz geivQltiaen Appetit zu entwickeln, ja selbst mit den Knaben hie und a einen - i r jti .rjt i lerne re toiraun nicgi zu oerimiitxn. Das aber nur so nebenbei. Also wie aesaat, ich fand Luzä tori nend in der Fensternische. Ich fragte auch Nicht erst, denn ich wußte sofort, daß nichts anderes als zenes rothem gebundene Buch, das auf ihren Knieen laa, die Ursache ihres Schmerzes sein konnte. Die letzte Seite war aufgeschlagen. Ich nahm es auf und überflog das letzte kurze Capitel. LVII. Capitel. Ein Jahr später... Wir sind wieder un alten Schlosse der Grafen Roboz ... Im Thurm 'der Dorfkirche erklangen aus's neue die Pfingstglocken. Ihre schwermuthigen Accorde glitten leise, Taubenschwärmcn gleich, über die sonnenbeglänzte. blumznduftendeFlur, bis an die Spitzbogenfenster des Schlosses. Friede und Ruhe allüberall! Nur in dem zauberhaften Dunkel des mcergrünen Boudoirs ist kein Friede und w dem Herzen des schlanken, bleichen Madchens, das dort unter Facherpalmen in hitzigem Fieber liegt, ist keine Ruhe . . . Gräfin Jsaura! Nein, nicht Jsaura nur Jsauras Schatten . . . :hr Antlitz lst wachsbleich und durchsichtig wie die Apfelblüthe, die der Reif getroffen: 'der Nnf der Enttäuschung . . . Der Klang der Glocken erweckt sie aus ihren fieberhaften Träumen. Ein schmerzvolles Lächeln erschien auf ihren feingeschnittenen Lippen und leise flüsterte sie: Ziemer! Elemeir In diesemAugenblicke ging- die Thür und auf der Schwelle erschien ein sonuengebraunter stolzer Mann. Jsaura!" rief er, verzeih' mir!" Die Antwort war ein leise ersterbender Seufzer, leicht wie der Flügelschlag eines Schmetterlings: Ich verzeihe dir !" Jsaura !" Jsaura war nicht mehr. Ihre schöne Seele schwebte bereits in lichten, Höhen. Der stolze Mann warf sich auf die , V pjtr.-jt.i. r , -v nnice uno cyiucyzie siig. um ersien Mal in seinem Leben, weinte er. Hell klangen die Pfingstglocken. Auf der Kuppel des Grafenschwsses aber erschien ernst und feierlich die seidene Trauerfahne, wie ein ungeheure? ittave ... Es war Pfingsten... Friede und Ruhe allüberall .. . Nur der Mann. der in dem meergrünen Boudoir auf V rr'f'' rv r oem isoarcnseu imeie, frug sich un ier herzzerreißendem Schluchzen: Warum?" Ende. Wahrhaftig, das war mebr als Lina vertragen konnte. Alles ließ sich so schön an! Pfingsten . . . Sonnenschein . . . Blumendütt . . . errswattllcke Parke mit schnurgeraden Baumalleen, carmorgottern. und hohen Schlossern . . . Herzöge. Markarafen und aewöbnliche Grafen, die reiten, um hundert Flaschen Champagner wetten und ihr 2Um als iövelmann gaben . . . Dann er! Graf Elemör! Eben wa? er anS Afrika zurulkgekchrt. Um eine Kopfes Zange überragt er die übrigen und wenn er spricht, so röthet sich die Narbe aus i einer me. Herr Baron. Sie sind Ufal" svrack er oder .Am Ende des Vrkes ni& ich einen ruhigen Platz, wo wir ein paar uaeln wecy eln konnten - Dann trifft er Jsaura! Der stolze Elemör die eiskalte Jsaura! So feindliche Blicke werfen sie sich zu und so kalt sprechen sie und doch merkt man gleich,' daß sie sich lieben. Dann kommt iraend etwas dazwischen. Elemr geht nach r T rf . m . . ' ' lsrila. Jjaura geht m ihr meergrünes Boudoir Luza aber lächelt still vor sich hin. Denn Luza ist trotz' des multerlicyen Verbotes eme erfahrene Romanleserin und wein. datV wenn auch das Antlitz Jsauras von Tag zu ,az vleicyer und bleicher wird, Clemör Za dcch zurückkommt, vielleicht gerade wieder am Pfingsttage und dann röth?n sich bald wieder die Wangen Jsavras ... Und da plötzlich! Was ist das ? Äy. ytr.tx klltz aus heiterem Himmel. Erst b?gann sie entsetzt den Deckel des Buches aufzukratzen, ob nicht vielleicht t:i paar Blätter dort kleben dann sank sie erschüttert, vernichtet und wie q:broch:n zusammen. Gräfin Jsaura stab! - Starb, als der Roman am interessantesten zu werden versprach. S.tarb 0s gen zden Brauch und jede Ue,
berlieferung, starb wirklich und unwi
derruflich, starb, ein schmerzvolles Lacheln auf den feingeschnittenen Lippen... Und Graf Elem6r kniete jetzt dort in dem meergrünen Boudoir, Luza aber in der Fensternische und beive fragten schluchzend: Warum? Jetzt verstanden sie beide erst den Titel des Romans, jenes unscheinbare und doch so inhaltsschwere: Warum? . Luza, sei gescheit! Du mutzt mt Dummheit nicht ernst nehmen. Das ist ja alles nicht wahr der Verfasser hat das einfach so zusammengeschrieben. Wenn er es zusammengelogen yai warum hat er nicht anders gelogen? Warum hat er's nicht so zusammengelogen, daß sie glücklich werden ? Warum?Luza, meine kleine, dicke Luza, hör' mir zu, ich will dir erzählen, warum Gräfin Jsaura starb, ein schmerzvolles Lächeln auf den feingeschnittenen Lippen". " Der Schriftsteller, der Verfasser von Warum?" dinirte einmal bei seiner Tante und nach dem Kaffee sagte er: Ich will schreiben!" Im Zimmer wurde es plötzlich mäuschenstill, die Alten sahen sich vielsagend an, Mariska aber sprang aus und sagte: In meinem Zimmer!" IN fünf Minuten hatte sie alles vorbereitet. Auf den kleinen Schreibtisch legte sie zwanzig Blatt feines weißes Papier und einige neue Aluminiumfedern. Auch ein Glas frischen Wassers stellte sie hin und in ixt Maiollkavase, neben der Büste Joseph Eötdös', steckte sie einen blühenden Fliederzweig. Die Kinder wurden in derNachbarschaft ge trieben und der Vogelkäfig Mit einem Taschentuch bedeckt. Eine so heilige Ruhe herrschte im ganzen Hause, daß man das Summen jeder Fliege, ja selbst die leisen Schritte der Muse hätte hören können.. Der Schriftsteller setzte sich nieder, dachte ein wenig nach und schrieb: Lieber Herr Löwy! Wenn Sie glauben, mich mit der Licitation zu schrecken, so irren Sie sich gewaltig. Wenn Sie aber noch sechs Wochen warten wollen, bekommenSie Ihr Geld bis zum letzten Kreuzer. Ich sagte Ihnen bereits, daß ich an einem Warum?" betitelten Romane arbeite, von dem die Hälfte auch bereits fertig ist. Mein Verleger, die Firma Fuchs & Co., beharrt leider darauf, nichts zu bezahlen, bevor der Roman nicht beendet ist. Dazu brauche ich aber noch circa sechs Wochen. Warten Sie also geduldig, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten,-dann bekomme ich mein. Geld und Sie das Ihre." Den Brief schloß er in ein Couvert und schob ihn in die Tasch?. Mariska wartete mit vor Neugier glänzenden Augen in der Thür. Schon aus? So wenig hast du auf meinem Tische geschrieben?" Sie hätte gern gehabt, wenn ihr Cousin einen ganzen Roman aus ihrem Tische geschrieben hätte. Dieser aber meinte: Ich hatte nur einen Einfall, den ich auszeichnete . . Ein Apercu!" erklärte Mariska den Alten. Die Kinder begannen später vor den Nachbarskindern zu prahlen: Unser Onkel kann Apercus schreiben, eurer nicht." Luza, willst du wissen, was für ein Mensch dieser liebe Herr Löwy war ? Er toc- weder lieb" noch Herr". Ein kaum vier Fuß hoher alter runzeliger Kerl, der immer in Schwarz ging. Sein rechtes Bein war um einen Zoll kürzer als das linke, deshalb trug er am rechten Schuh eine zolldicke Sohlz. Sein Kopf war ganz Stirne, daö G: sicht ' war ihm irgendwie bis zum Kragen herabgerutjcht und wo andere Leute den Mund haben, dort hatte er die Augen; wo andere das Kinn h.iben, dort trug er den Mund. Das Apercu hatte bei Herrn Löwy die Wirkung, daß er am nächsten Tag in Begleitung einiger amtlicher Per fönen mit seiner klappernden Holzschle in die Wohnung des Verfassers von Warum" hinauskam und die Licitation hielt. Dem Schriftsteller war von allen seinen irdischen Gütern nur sein Frack leid. Nicht als ob er von seinen übn gen Habseligkeiten stiefmütterlicher ge dacht hätte, nur weil er den Frack mit Rucksicht auf den nahen Fasching drin gend brauchte. Herr Löwi? aber war unerbittlich und versprach nur, den Frack erst zuletzt dranzunehnren. Die Licitation dauerte eine Stunde, bis da hin konnte man sich nach Geld um sehen." . Luza du fragst, was den Frack der Tod der Gräfin Jsaura angehe? -Luza der Frack tödtete Gräfin Jsaura! Als der Schriftsteller mit finsterer Miene so auf- und abging, nahm er das unfertige Manuskript von War um?" in die Hand. Ha wenn man jetzt den Roman rasch beenden könnte . . Damals kam ihm, die Idee, Jsaura zu tödten und so kurz und bündig den Roman abzuschließen. Er , kampst lange mit sich. Wen sollte er opfern Gräfin Jsaura oder den Frack? Er liebte beide. Jsaura war jung, schön und edel. Aber auch der Frack war noch ganz gut, wenn auch Nicht neu, be sonders das Futter war schon etwas abgewetzt. . Luza, der Frack siegte. . Während gerade die alten Hausirer" um den carirten Regenmantel handelten, setzte sich der Schriftsteller nieder und schrieb das LVII. Capitel. Dann nahm er einen Wagen, fuhr zu Fuchs & Co. un5 überreichte ihnen das Manuskript. Die Herausgeber staunten zwar ein wenig, daß der Roman so kurz geworden, dann aber rechneten sie aus, wie viel ihm für jeden Bogen komme und bezahlten daS Honorar. Luza, die sich für litterarhistorischk Daten sehr interessirtc, fragte:
Und rettete er den Frack noch?
Kam er noch zurecht?" Luza. arme Luza, sei auf das Schlimmste gefaßt. Als der Schriftsteller das Geld in der Tasche spürte. ging er gar nicht nach Hause, sondern meinte bei sich: Was brauche ich den alten, schäbigen Frack? Im Winter lasse ich mir einen neuen machen . . . fem und elegant, aus glänzendem Kammgarn mit Atlassutter." Als aber der Fasching kam. hatte der Schriftsteller keinen Frack, weder einen neuen noch einen alten, der Verleger hatte einen schlechten Roman und Löwy -hatte nicht einmal die Llatationskosten eingetrieben. Die arme Gräfin Jsaura aber mußte sterben, m der Blüthe ih res Lebens, em schmerzvolles Lachein auf den feingeschnittenen Lippen, und niemand wußte, warum?" Zahnpflege. Nach seinem berühmten Rencontre mit den Schafhirten, das ihm mehrere Zähne gekostet hat, läßt der tapfere Ritter Don Quizote de la Mancha von feinem Diener Sancho Pansa seinen Mund untersuchen; und als Sancho das betrübende Ergebniß seinemHerrn, der Leuchte der Ritterschaft, mittheilt, bricht Don Quixote in die Worte aus: O. ich Unglücklicher, lieber hätte ich meinen linken Arm verloren, denn ein Mund ohne Mahlzähne ist wie eine Mühle ohne Mühlstein, und ein guter Zahn in einesMenschen Mund ist mehr werth als ein Diamant!" Das war zwar nur der Ritter von der traurigen Gestalt", aber er war von der Wichtigkeit guter Zähne überzeugt. Anders wie dieser Held der satyrischen Erzählung Cervantes' denken heute viele Menschen: sie legen ihren Zähnen und deren Pflege nur geringe Bedeutung bei und betrachten sie als nothwendige Uebel, die man unter Schmerzen erhält und unter Schmerzen wieder los wird. Und doch sind die Zähne diejenigenOrgane, welche die Ernährung des Körpers vermitteln und allein ermöglichen und bei deren Erkrankung häufig der ganze Organismus in Mitleidenschaft gezogen wird. Dem Laien mag es freilich unbegreiflich erscheinen, in welcher Weise ein erkrankte? Zahn seinem Gesundheitszustand nachtheilig sein soll; ihm scheint die schlimmste Folge der Zahnerkrankung der Schmerz zu sein. Aber bei anatomischer Betrachtung sieht man. wie das irrthümlich Zahnnerv genannte Zahnmark, und wie das Cement der Wurzel und die Zahnwurzelhaut don außenher durch Nerven und Blutgefäße versorgt wird und wie speziell die Wurzelhaut selbst so vielfach mit Nerven, Blutgefäßen und Knochen des Gesichts zusammenhängt, daß man überzeugt sein muß, wie die benachbarten Gebilde und schließlich das ganze System bei lange bestehender Zahnerkrankung angegriffen werden können. Der Zahnschmerz, dieser gräuliche Quäler der Menschheit, treibt zwar viele Menschen zum Zahnarzt, in dessen Behandlung sie häufig noch die Erhaltung ihrer Zähne zu gewärtigen haben. Aber es gibt auch eine Kategorie von Menschen, deren Zähne schmerzlos zu Grunde gehen, und die sind am schlimmsten daran. Sie kommen meist erst dann zum Zahnarzt. wenn ihnen selbst die cariösen Defekte auffallen, und zwar in einem Stadium des Zahnverfalles, in dem es unmöglich ist, die erkrankten Zähne zu erhalten. Da der erwachsene Mensch 32 Zähne besitzt, so denken die meisten, bei so dielen Kauwerkzeugen einige entbehren zu können. Der Sieg, den die Heilkünde über den Schmerz davongetragen, macht es ihnen überdies leicht, ihre Zähne in der Betäubung zu opfern. Wenn dann nicht mehr ordentlich gekäut und infolgedessen schlecht verdaut werden kann, oder wenn die Zahnlücken gar zu sehr in's Auge fallen, wird an einen künstlichen Ersatz gedacht. Infolge der zu späten und dann meist nicht mehr schmerzlosen Behandlung der Zähne ist die Furcht vor dem Zahnarzte entstanden, der ja meist an sich ein ganz harmloser Mensch ist und dennoch viele seiner Mitmenschen in Angst und Pein versetzt. Aber diese Furcht ist wirklich unbearündet. wenn man nur darauf bedacht ist, seine Zähne in gewissen, nicht allzulangen Mlschenraumen untersuchen und schadhaste Stellen füllen, xulzo plom bieren zu lassen; denn dann handelt es sich meist nur um kleine Defekte, deren Behandlung fast stets ohne Schmerzen für den Patienten vorgenommen werden kann. Speziell den Zähnen der Kinder sollte öfters eine zahnärztliche Untersuchung zu Theil werden. Denn während die Caries, dieser chemischparasitäre Prozeß der Zahnzerstörung, beim erwachsenen Menschen nur verhältnißmäßig langsam fortschreitet, geht sie in jugendlichem Alter mit einer Schnelligkeit vor sich, die eine rechtzeitige Untersuchung und Behandlung der Kinderzähne durchaus nöthig macht. Denn abgesehen davon, daß der Zahnschmerz dem Kinde seine nothwendige Nachtruhe raubt, daß er ferner nur mangelhaftes Kauen gestattet und die Verdauung und damit die Allgemeinernährung des jungen Körpers stört, so besteht auch stets in einem ungepflegten Kindermunde eine gewisse Gefahr für die theils vor, theils zwischeu, theils hinter den Milchzahnwurzeln liegenden, zarten Keime der bleibenden Zähne. Außerdem aber haben in der ohnehin schon von Microorganismen, d. h. kleinsten Leb:wesen, wim,melnden - Mundhöhle, zufällig einwandernde, krankheitserregende Balterien. wie der Diphtherie- und Influenzabacillus und der Pneumoniecoccüs (der Erreger der Lungenentzündung) den denkbar günstigsten, feucht-
warmen Nährboden zur kräftigsten Entwickelung. Ueber das Aussüllen der Milchzähne sind die Meinungen getheilt. Nach der Ansicht guter Zahnärzte soll nicht jedcr erkrankte Milchzahn gefüllt werden, sondern es ist häufig viel besser, kranke Milchzähne zu entfernen, um die bleibenden in ihrer Richtung nicht zu beeinträchtigen. Andererseits tragen zu früh entfernte Milchzähne erst recht zu einer schlechten Stellung der bleibenden Zähne bei. Ist der Mund des Kindes von einem verständigen Zahnarzte in Ordnung gebracht worden, so darf eine regelmäßige Pflege nicht m:hr versäumt werden. Aber leider kommt es nicht gar zu selten vor, daß Kinder, denen die Eltern die kostbarsten Kleider und die
theuersten Spielsachen kaufen, nicht einmal eine Zahnbürste besitzen. Das Kind soll schon von klein aus dazu angehalten werden, sich die Zähne mit einer mittelharten Bürste und ein wenig fein geschlemmt Kreide rein zu halten. Nach jeder Mahlzeit sollten eigcntlich die Zähne gebürstet werden; am nothwendigsten aber ist deren Reinigung am Abend vor dem Schlafengehen, denn in der Nacht sind die KauWerkzeuge außer Thätigkeit gesetzt und die während des Tages angesammelten Speisereste zersetzen sich nun sehr leicht. Die Lieblingsnahrung der Kinder, der Zucker, schadet als solcher bei gründlieher Reinigung der Zähne denselben gar nicht; er wird nur dadurch erst zu einer , krankmachenden Ursache für die Zähne, daß er sich bei ungereinigtem Munde in Säure umwandelt, welche die Zähne angreift. Ist das Kind zu jung, um seine Zähne selber bürsten zu können, so muß das mit Vorsicht von seiner Pflegerin geschehen; bei ganz kleinen Kindern soll man den Mund mit einem Schwämmchen und etwas lauwarmem Wasser öfters auswischen. Wenn gewissenhafte Eltern ihr Kind schon von frühester Jugend auf zur Zahnpflege ordentlich anhalten, so . i r i ..e tl. wiro es aucy in ipaier ai aus oic Pflege seiner Zähne bedacht sein, und wird neben vielem Werthvollen, was ihm die Erziehung gegeben, auch den Vortheil haben, ein zahnschmerzloses Dasein führen zu können und gesunde Zahne zu besitzen, und sagt Cer vantes, ein guter Zahn in eines Menschen Mund ist mehr werth als ein Diamant . Brüsseler Tpitzc, Die Fäden, welche dazu verwendet werden, um' Brüsseler Spitzen herzustellen, müssen so sein sein, daßMaschinenarbeit hier ihre Dienste versagt. Doch gibt es selbst in Belgien nur Weniae, die im Stande sind, den Faden herzustellen, der so zart ist, daß schon die trockene Lust genügen würbe, ihn unbrauchbar zu machen. Er muß daher in dunklen, unterirdischen Kellern macht werden, in denen d Klöpplerinnen ihre besten Jahre zubringen. Eine belgische Spitzenarbeiterin kann selten mehr als zehn Jahre ihrem Berufe oblieaen: denn dann Pflegt ihr Augenlicht zumeist schon so schwach zu sem. daß sie Nicht mehr im Stande ist, das feine Gewebe herzustellen. Neuerdings fall ein Ingenieur eine Maschine erfunden haben, welche das Werk der r. t r i . mencyiicyen ano zu erieen vermag. Gedankensplitter. Heu t z u tage . fagt mancher, er kenne eine Gegend, wenn er an ihr vorübergefahren ist. Vorübergehende Erscheinungen lassen oft die tiefsten Spuren. während das Bleibende und Gewohnte t T -v. -C" j. - " A ncy nur in vit jocijiacgc prugi. Wie durch die Länder, so auch durch das Leben reisen viele Menschen beute nur noch per Dampf, ohne aus die schönen Fußwege neben draußen zu achten. Viele Menschen sind kein Umgang für sich selbst. Jeder Zahler ist den Frauen angenehmer, als ein Schönheitsfehler. Man muß sich schätzen, da man aus die anderen mcht rechnen kann. Was ist der Grund der meisten Feindschaft? Gekränkte Eitelkeit. Der Kleine braucht, um zu schaffen ves Lobes, der Große des Tadels. Wenn ein Pessimist auf die Welt schimpft, mache ihn aufmerksam, daß auch er dazu gehört. Kleine Geister aleichen einem leeren Wagen. Je weniger darauf ist, desto mehr rasselt er. Protzig. 21.: Nun, Herr Commerzienrath, haben Sie schon für Ihren Sohn ein Weihnachtsgefchenk gewählt?" B.: Noch nicht!" A.: So schenken Sie ihm doch ein Fahrrad." B.: Ist doch schon zu alt; werd' warten bis. erfunden ist der lenkbare Luftballon. dann kauf' ich ihm den." Aha! Frau A.: Schriftstcllcrt denn Ihr Mann immer noch?" Frau B.: Leider, ich sag' Ihnen, wenn der von einem Spaziergang nach Hause kommt, bringt er immer einen ganzen Papierkorb voll Gedanken mit!" Prognostikon. Student: Ich kenne meinen Fehler, Herr Professor. ich bin nämlich etwaS zu hochmüthig." Professor: Haben Sie reiche Eltern?" Student: Nein, das gerade nicht." Professor: Nun, dann wird Ihnen der Hochmuth schon vergehen."
Wayrßeit. Won Oscar Geller. Aus dem Kurparke klanaen die abac-
rissenen Melodien irgend eines Walzers herüber, wie sie der Wind gerade herüberwehte Reminiscenzen an Ballnächte in hohen Sälen, da im Schimmer von tausend Kerzen decolletirte Nacken elfenbeinweiß, sammetweich und vom Puder matt leuchten, da es schwirrt und flimmert, verstohlen und heiß, aus glühenden, brennenden Augen, von hochrothen Lippen im vielsagenden Lächeln und betäubender, entnervender Duft lagert sich schwul über die Menge und druckt die Seelen nieder, daß sie sich verzehren in brennendem Sehnen. Die Mütter aber neigen das Haupt und flüstern einander Recepte gegen Gicht zu, empfehlen sich gegenseitig eine neue Masseurin mit eisernen Fäusten, während ihre Gedanken in Wirklichkeit die eine ewige Frae blos leiern: Wird er endlich mit mir sprechen? Zwei junge Männer, die am Eingange des Parkes standen und in das wirre Getriebe der Curgäste blickten, unterhielten sich damit, derlei Reflexivnen anzustellen. Bald war das leuchtende Kleid einer unbekannten Ballerine der Ausgangspunkt ihrer philosophischen Durchhechele!, bald das pausbackige, rothwangige Kind einer interessanten Wittwe, die täglich dreimal die Toiletten wechselte, stets allein speiste und doch von allen greisenhaften Jünglingen aus der Curliste gegrüßt wurde. Weißt Du," begann der Jüngere, während er mit seinem Stäbchen durch die Luft falsch tactirte, es ist eigentlick, wahnsinnig langweilig hier. Man mag vom Märchen Bade - Idylle" noch so sehr schwärmen, ich finde es höchst eintönig. Diese alltäglichen Gestchter langweilen mich bereits. Da hast Du mal diesen dicken Herrn mit dem Hamstergesicht und den kleinen, wässerigcn Augen, ich kenne ihn, ohne ihn je früher gesehen zu haben, er ist Director einer Versicherungs - Gesellschaft, nebenbei Actionär bei sechs Unternehmungen und sonst mehrfacher Millionär. Er macht eine Entfettungscur durch, stellt seinen Magen wieder her, nimmt Moorbäder gegen Podagra und zerbricht sich den Kopf, wie er mit irgend einer kleinen Schauspielerin bekannt werden könnte, ohne dabei Gefahr zu laufen, sich irgendwie in Gefahr zu begeben. Diese Dame wiederum, die solch' auffallenden Hut trägt und den hohen Sonnenschirm mit goldenem Griff, sie ist die Gattin eines armen Schluckers. Sie ist hierher gekommen " Genug," unterbrach ihn der Aeltere etwas rauh, keine Jndiscretionen, die durch gar nichts bewiesen sind. Ich frage Dich nicht um Deine Vermuthungen, behalte die Kunst, Menschen zu studiren. für Dich!" Oho, was ist denn das? Wehrst Du Dich auch gegen die Wahrheit ?" Wahrheit? Du prahlst mit etwas, das Du nicht kennst! Du bist jung und lebensfroh. worin steckt da Deine Wahrheit? In einem mehr oder minder aufregenden Abenteuer, in irgend etwas Neuem, Merkwürdigem, das Deiner Eitelkeit schmeichelt und das ein Weib Dir wieder einmal in einem Lichte zeigt, das doch nur beschämend sein kann. Glaube mir, mein Theurer, es gibt nur eine Wahrheit, nur eine absolute Wahrheit und die ist der Tod! Und an die darfst Du bei Deiner glänzendcn Jugend nicht denken!" Der junge Mann lachte laut auf. Wie Du Dich in Dein neues Amt dreinfindest," begann er, Du bist wahrhaftig der geborene Anwalt! Nein, mein lieber Adolf, meine absolute Wahrheit ist das Leben und Alles, was mit dem Leben zusammenhängt!" Der Anwalt blickte ihn von der Seite an, während seine schmalen Lippen sich leise, unmerkbar fast, nach unten herabzogen, als wollte darüber galliger Hohn huschen; dann schob er beide Hände in die Taschen, spitzte den Mund und psiff gleichgiltig vor sich hin. Der junge Mann hatte mittlerweile eine importirte Cigarre in Brand gesetzt, während er nun mit ruhigem Behagen dem Anwalt den Rauch vor die Nase blies, musterte er die vorbeipromenirende Menge. Plötzlich blieb sein Auge an einer Gruppe vor dem MusikPavillon haften, er hatte da eine neue Gestalt entdeckt, eine junge Dame in einfacher, anspruchsloser Kleidung. Das war in diesem fashionablen Kreise etwas Neues. Aber in dieser gesuchten Einfachheit lag Raffinement, lag Kunst und Geschmack: wie erschien diese ganze Gestalt so üppig und doch so zart, so keusch als webte und flirrte ein wurmer Hauch voll Innigkeit darüber, als lache aus den.hellen Augen naive Zurückhaltung, süßes, inniges, bebendes Verlangen. Der junge Mann, der in der Gruppe einige bekannte Herren fand, riß sich vom Anwalt los und stürmte auf jene zu, um sich der Neuen" vorstellen zu lasfen. Er wich dann nicht mehr von ihrer Seite., Der Anwalt lächelte fein und zuckte die Schultern, was war aus seinem jungen Freunde geworden? Der reiche Gutsbesitzer war nicht mehr zu erkennen, die neue" Frau, Gattin eines kleinen Provinzialbeamten, . hatte es ihm angethan, ihm, dem die Mütter nachliefen, der in den Träumen junger Mädchen wie ein Halbgott erschien, der in der Gesellschaft das große Wort zu führen gewohnt war und der berufen war, das schönste Mädchen der ganzen Gegend vielleicht , einst heimzuführen. Umsonst hielt ihm das Alles der Anwalt vor, er wollte von nichts wissen, denn sie" füllte jetzt sein ganzes Wesen aus. Er dachte nur an sie, an ihre träumerischen, fragenden Augen, an ihre schmale Hand mit den länglichen Fingern und das duftige, wellige Haar, das in röthlichen Ringeln um die
Schläfe, um das winiiae. rosiae Obr
ihr kosig schmeichelte!. Ware sie doch frei!" zammerte und klagte er. Auf meinen Händen wollte ich sie tragen! Wie ist sie doch so anmuthig, so feinfühlend und so unendlich Z - T fi f .v maI'! miLiiiu iivu u; liym wui(iii;ui( uuiui Vi&tn Art! 5cn kielt sie ani'anas für eine Komödiantin, wie hab' ich diesem Weibe Unrecht gethan! Sie ist ein Engel, ein Engel, den man vergöttern muß " Der Anwalt machte eine unwillige, heftige Bewegung. Du sollst Dich selbst überzeugen,unterbrach ihn lebhaft sein Freund, ich werde Dich mit ihr bekannt machen " Der Anwalt wich erschrocken zurück, seinen Freund groß anstarrend. Du bist wohl toll?" Aber er ließ sich doch vorstellen. Und als ihm die junge Frau desProvinzialbeamten die längliche, schmale Hand reichte, da 'ourchfluthete eine Blutwelle sein Gesicht und er beugte sich tief nieder, die schmalen, länglichen Finger leise mit den Lippen zu berühren. Sie leben in .", begann er. so hat mir mein Freund mitgetheilt; da werde ich wohl im Winter öfter das Glück und die Ehre haben, ich komme in die neue Kreisstadt." Seit diesem Tage wich er nicht mehr von ihrer Seite. Nach einer Woche schon suchte der junge Gutsbesitzer seinen Freund, den Anwalt, auf. Höre mal," hub er unvermittelt an. das kann fo nicht bleiben. Du hast die Frau in's Gerede Gebracht." Der Anwalt zwinkerte mit den Ausen und sah seinen Freund mit überlegenem Blicke an. Was ficht Dick, an?" antwortete er. Sie ist ja eine verheirathete Frau Eben deshalb " Unsinn! Weder sie noch ich bin Jemandem Rechenschaft schuldig " Aber Ihr Mann?" Der bist Du nicht. Uebrigens, was kümmert's Dich? Noch weißt Du nicht die Wahrheit von dem, worüber Du moquirst Wahrheit? Wahr ist nur der Tod sagtest Du doch " Oder auch die Sünde Der junge Gutsbesitzer prallte zurück, dann richtete er sich langsam auf, daß er groß und herrlich dastand, unbeugsam, ungebrochen wie aus Erz Ich verachte Dich schleuderte er dem Anwalt entgegen, denn Du bist ein Erbärmlicher, wie Deine Lügen, wie Dein Leben wie Deine Freundschaft Schweig!" donnerte der Anwalt, die wuchtige Faust erhebend. Meine Zeugen werden Dich finden " 55 Vierundzwanzig Stunden darauf gab es im Curorte eine sensationelle Skandalgeschichte: Der bekannte Anwalt N. war mit der Frau eines kleinen Provinzialbeamten durchgegangen. Als man dem jungen 'Gutsbesitzer diese Neuigkeit brüh'heiß mittheilen wollte, fand man ihn mit zerschmettertem Schädel in seinem Zimmer. In der Rechten hielt er noch krampfhaft den Revolver. Auf dem Tische lag ein Briefbogen, aber er enthielt blos einige Zeilen? . Das Leben ist die Lüge, wahr ist nur der Tod. Darum suchte ich ihn!" Die Presse berichtete dann: Der unerklärliche Grund für den Selbstmord ist' in einem plötzlichen Anfall von Wahnsinn zu suchen Derbe Ncplik. Auf Einladung seiner Excellenz des Herrn Regierungspräsidenten hatten sich die Mitglieder des Landrathes zu dem herkömmlichen Abschiedsdiner vereinigt. Mderfr, ein schlichter Bürgermeister vom Lande, kam neben den rechtskundigen Bürgermeister der Stadt N ... zu sitzen. Dank dem leutseligen Eharacter des allverehrten Chefs der Kreisregierung war die Stimmung der Anwesenden eine recht animirte, die Gläser klirrten und man unterhielt . sich vortrefflich. Auch Gemeindevorsteher Makerle, sonst weniger gesprächig, folgte dem allgemeinen Beispiele und gerietj mit seinem schon erwähnten Tischnchbar in eine lebhafte Conversation. w-obei er denselben stets, jedoch ohne Absicht, als Herrn College titulirte. Qb dieser Nichtberücksichtigung des doch so gewaltigen Rangunterschieds etwas pikirt, konnte es sich der verhältnißmäßig junge Stadtvertreter nicht versagen, auf die beiderseitige persönliche Stellung näher einzugehen und schließlich die ironische Frage aufzuwerfen: Na. Herr Collega!" hätten Sie keine Lust, mit mir zu tauschen?" Erst verblüfft, aber schnell gefaßt, erwiderte der alte, langjährige Gemeindevorsieher in seiner ehrlichderben Weise: Tauschen, Herr Collega!" das ging wohl schwerlich, weil mei' G'meind 'n erfahrenen Bürgermeister braucht, der in all' den Sachen schon recht kundig ist; bei Ihnen aber, wo's 'n tüchtigen Stadtschreiber leid't, da, denk ich, werd'n ' auch mit einem jüngeren, rechtskundigen Herrn auskommen." Genialer Vorschlag. Timmins: Ich bin immer noch unsicher, ob ich wirklich Geist besitze und mich als gottbegnadeten Küastler frtrachten darf oder nicht Simmons: Das kannst Du leicht erproben. Betrage Dich in Gesellschaft wie ein ganz ordinärer Flegel, und wenn Du" ein genialer Künstler bist, werden Dich die Leute bewundern und in den Himmel heben, im anderen Falle aber Dir die Wahrheit sagen und Dich an die Lust fci."
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