Indiana Tribüne, Volume 21, Number 216, Indianapolis, Marion County, 24 April 1898 — Page 9

Zudwns Tribüne.

9 Ts Auferstehung. Novelette von Margarethe Mirsch-RicciuS. Ein Zsiger Wind pfeift durch die Straßen. Unbarmherzig zieht sich die Sonne hinter dichte Dunstschleier zurück und legt um daS sehnsüchtig Hofsende Menschenherz wieder einen tröstlosen Bann. ES soll nun doch noch nicht Frühling werden. AehnlicheS stans wohl auch in den Augen deS armen, frierenden Knaben zu lesen, der die ersten Boten deS Frühlings in den kalten, rothenHändchen bang die Worte stammelte: Bitte, kaufen Sie mir den Strauß ab!" Wie viele mögen wohl achtlos an ihm vorüber gegangen sein, bis endlich der alte, freundliche Mann, der sinnige, geistvolle Poet und Musikschriftsteller N., angezogen von einem Etwas in dem kindlich-seelenvollen Blick der Augen, auf den Knaben aufmerkam wurde und mit gütigem Zuspruch ihn einlud, ihm nach seinem gemüthlichen Heim zu folgen. Freundlich nahm hier der Kinderfreund den Knaben an der Hand und leitete ihn zum wärmenden Ofen. Kopfschüttelnd und über die Schnurre ihres Herrn murrend, einen Bettelknaben" ins Haus u nehmen, bereitete die alte Hannah die gewünschte Tasse Thee für den Jungen. Dieser selbst saß da wie Hans im Glücke 'unb wagte kaum zu athmen. Iß und trink', mein Junge, damit Du Dich wärmst, dann nenne mir Deinen Namen und erzähle mir etwas über Dich und Dein Leben. So sprach der Musikschriftsteller ermunternd. Zaghaft folgte der Knabe der freundlichen Aufforderung. Er hieß Felix. Was die Geschichte seines Lebens betrifft, so war sie ziemlich alltäglich, freilich aber darum nicht weniger für einen Knaben von zehn Jahren schwer ernst. Die Seuche, die im vergangenen Jahre das Land durchzogen, hatte den Vater und die Geschwister hinweggerafft. Kran! und elend lag die Mutter zu Hause und er selbst hatte mit kleinen Handfertigkeiten und dem Verkauf der ersten Frühlings - Boten kümmerlich genug für den gemeinsamen Unterhalt gesorgt. Als der Knabe nach beendeter Erzählung sich erhob, um nach Hause zurückzukehren.sagte der freundliche Alte: Warte Kleiner, ich komme mit und wir wollen sehen, was sich für Deine Mutter thun läßt. Durch verschiedene enge Gassen führte der Knabe seinen Begleiter. Endlich blieben sie vor einem dürftig aussehenden Hause stehen. Ueble Dünste entstiegen dem Pflaster der Gasse und eine schmale Treppe hinunter in eine Kellerwohnung mußten sie steigen. Feuchte, modrige Luft schlug ' . ; );;- , ' . s , ; ' - muth grobe vtemttchkeil. yiiii mußte sich das Auge erst an die Dunkelheit gewöhnen, denn nur schwach gestatteten die vergitterten Fenster den Zutritt des Lichtes. Die Ankömmlinge traten durch eine Thür in einen zweiten Raum. Die Luft schien hier fast noch drückender zu sein. Hier lag die Kranke auf kargem Lager, von Fieberfrost geschüttelt. Bang fragend ruhten die Augen der Leidenden auf dem fremden Herrn, aber ihre Lippen brachten nur noch ein undeutliches Gemurmel hervor, nur ihre Augen suchten die Blicke des Knaden und fielen dann zurück auf den Unbekannten, als wollten sie fragen: Wirst Du für ihn sorgen? Verständnißvoll nickte der Fremde mit dem Haupte und strich der armen Waise liebevoll über das Lockenhaar. Ein letzter, kurzer Dankesblick und das Auge der Armen erlosch, ihr Herz stand Pille. Sie läuteten just daS Osterfest ein. Auferstehung! Was es für Dich bedeutet, armer Knabe, verstehst Du noch nicht! Der freundliche, alte Mann nahm den weinenden Knaben Iti der Hand, und führte ihn unter iröstend'M Zuspruch in sein behagliches Heta. Es sollte fortan auch sein Heim sein. . . Der Professor wandte- sich seiner Hausgenossin zu: Hannah! der Knabe ist fortan mein Pflegesohn. Wasche ihn und bringe ihn bald zu Bette, morgen kannst Du ihm alles, waS er an Wäsche und auch Kleidern nöthig hat. besorgen. Kopfschüttelnd ging die Alte hinaus, mit scheuem Blick ihren Herrn und den weinenden Knaben von der Seite be trachend. Doch .wagte sie keinen Einspruch. Auch dauerte si im Grunde der arme, hübsche Knabe. Denn ihr Herz war gut.' Am Abend desselben Tages schob der alte Musikschriftsteller sich seinen Lehnstuhl zurecht, setzte seine schärfste Brille auf und vertiefte sich in seine Arbeit. Doch es wollte heute nicht recht gehen, immer und immer wieder zogen die wechselnden Eindrücke des Tages an seinem inneren Auge vorüber. Er legte sich das Leben des Knaden nn Geiste zurecht. Seine eigene .Kindheit kam ihm dabei in den Smr'. jwie elend hatte auch er es gehabt, wie mühsam war es ihm geworden, bei harter Tagesarbeit 'noch Zeit zu er. übrigen und von seinem. kargen-Ber-dienst Geld zurückzulegen, um so die größte Sehnsucht Z eines Lebens erfüllen. Musik studiren zu können. Endlich konnte er beim Lehrer des Dorfes die ersten Anfangsgründe lernen, dann was aber auü bild zu Ende mit des-

sen Weisheit. In der Stadt würde es besser werden. Durch einen früheren Schulgenossen erhielt er eine Stelle als Schreiber bei einem Notar. Der Verdienst war auch hier nicht bedeutend, aber doch ermöglichte er es ihm, sich einige Bücher anzuschaffen, und darin bis. spät in die Nacht hinein zu studiren. Doch noch weit mehr dem warmen Interesse eines ihm wohlgesinnten Mannes hatte er eö zu danken, daß sein Talent entdeckt wurde und er durch fördernde Fürsprache bei einem tüchtigm Musiklehrer lernen durfte, um sich schließlich ganz der Kunst zu widmen. Rastloser Fleiß und harte Entbehrungen gehörten wohl dazu, dem sonst ganz mittellosen jungen Manne endlich zu dem erstrebten Ziele zu verhelfen, daß er zur Prüfung zugelassen wurde und ein glänzendes Ezamen bestand, welches ihm die Stellung eines LehrerS an einem sehr giv ten Musikinstitute eintrug. Nun endlich hieß es: Adieu, du trockener Aktenstaub! Dreißig Jahre zwar zählte er schon und von seinem Leben hatte er noch nicht viel gehabt. Auch damals, als er sein Anstellungsdecret erhalten, war'S ein Oster sonnabend gewesen und für ihn ein wahres Auferstehungsfest. Heute waren eS gerade 25 Jahre her. MaS lag nicht alles zwischen dieser Spanne Zeit. Einen sehr angesehenen Namen hatte er sich nach und nach errungen in der Musiker- und literarischen Welt. Leicht war der Kampf nicht gewesen, aber der Sieg dann um so schöner. Die Unterrichtsstunden an dem Institut gab er spater auf, da er selbst vroduciren wollte. Glücklicherweise sprachen seine Arbeiten an, er wurde verstanden und stieg in der allgemeinen Achtung. Am anderen Morgen lugte die helle Ostersonne schon warm in die Stube herein, als der Knabe nach langem, gesundem Schlaf erwachte. Glückstrahlend über die schönen neuen Kleider, die er an seinem Bette fand, erhob er sich, kleidete sich rasch an und stand bald darauf im Wohnzimmer vor seinem treuen Gönner, der ihn freundlich willkommen hieß und zum mitfrühstücken einlud, wozu sich der Kleine auch gar nicht nothigen ließ. Dann brachen die Beiden noch einmal auf, die todte Mutter zu besuchen. Laut aufschluchzend kniete der Knabe an der Seite der theuren Berstorbenen. und hielt ihre kalte, starre Hand umklammert, als wollte er sie nimmer wieder von sich lassen. In diefem Augenblicke erst empfand das Kind die ganze Größe seines Berlustes. Liebevoll beugte sich der Professor zu dem Knaben herab und geleitete ihn wieder hinaus. Eine gutmüthige Nachbarin übernahm den Schlüssel der Wohnung, wogegen der Professor sich mit dem Versprechen entfernte, daß er für alles Weitere Sorge tragen würde. Am anderen Morgen in aller Frühe erschien ein einfacher Leichenwagen; ein

zwar schlichter, aber hubscher Sarg nabm die Todt ?' . ! V' r c .zo " r .. ' fit u? ...MftUl gen Habseligkeiten aus der kleinen Wohnung entfernt waren, beruhigten sich die müssigen Zungen. Jahre waren seit dem Eintritt dieses Wendepunktes im Leben des Hei' nen Felix vergangen; dieser besuchte eine gute. Schule und sein Gönner erlebte viele Freude an ihm. In Betreff der musikalischen Anlagen des Jungen hatte sich der Professor Nicht getäuscht.' denn er machte unter seiner Anleitung große Fortschritte. Mit Leichtigkeit bewältigte er alle sich lhm entgegenstellenden Schwierigkeiten, und so währte es auch gar nicht lange, bis er eines Tages den Pflegevater mit einer eigen:n Composition erfreute. Liebevoll ging dieser auf die Ideen des nun zum Jüngling herangereiften Knaben ein, doch ohne ihn in Betreff seines schon jetzt nicht unbedeutenden Könnens zu hochgehenden Hoffnungen zu ermuthigen. Sein älteS Augenäbel vorschützend, brachte er Felix bei einem anderen Lehrer unter, um ihn so unbefangener überwachen zu können. Zehn lange Jahre .sind verstrichen und wiederum ist eS Ostersonnabend. Der ernste Knabe von ehedem, mit dem träumerisch sinnenden Blick der Augen, ist zum stattlichen Jüngling herangereift und hat die gute That seineS edlen Pflegevaters durch Fleiß, Liebe und Dankbarkeit reichlich gelohnt; auch dje alte Hannah blickt mit Stolz auf unsern Jungen-, wie sie ihn mit Vorliebe nennt und eS will ihr gar nicht zu Sinn, daß dieser sein Zweites Elternhaus wieder verlassen soll, wenn auch blos auf einige Jahre, um bei einem berühmten Organisten sein schönes Talent zur vollsten Reife gelangen zu lassen. Endlich aber ist die Stunde der Trennung da, noch ein warmer Händedruck, ein Behüt' Dich Gott! Schreibe sofort, wie Du angekommen und aufgenommen bist und traurig winken die Zurückbleibenden dem Zuge nach, der ihren Liebling entführt. Stumm kehren die beiden Alten der Bahnhofshalle den Rücken und keiner von Beiden wagt dem anderen in'S Auge zu sehen. Professor N. betritt sein Zimmer, läßt siü) dort in den Lehnstuhl fallen und geventt des Osterfestes vor zehn Jahren, an dem er seinen jetzigen Liebling von der Straße aufgelesen hatte. Bis jetzt sind seine Pläne und Wünsche von damals ja in Erfüllung gegangen, und wie er seinen Fel kennt, so ist er auch darin beruhigt, daß die fremde Welt da draußen, in die er nun ganz allein tritt, den Jungen sicher nicht auf Abvege geleiten wird. Ein Seufzer der Erleichterung entringt sich der Brust deS treuen Mannes. Wie einstmals, toi zehn Jabren. so tritt tt stua beute au

seinem Harmonium und Gedanken, die noch unklar und zweifelnd in seinem Innern wogten, haucht er in Accorden aus und ein stiller Friede liegt auf seinen Zügen. Der Abend kam und man rüstete zur Ruhe. Den Professor floh für heute noch lange der Schlaf, da eine Jugenderinnerung ihn lebhaft beschäftigte. Seine längst entschwundene Jugend-

zeit tauchte in der Erinnerung auf und , ein blonder Madchenkops erschien neu-j gleng an einem epheuumzogenen Fenster. Es war des Dorfschulmeisters Töchterlein. Sie zwölf Jahre alt damals und er sechszehn. Aber sie hatte es ihm angethan mit ihren Veilchenaugen und der arme Junge mißfiel auch ihr nicht. Die Jahre gingen und das Kind erblühte zur Jungfrau. Der Vater bildete zwar den Knaben etwas in Musik vor, nach seinen eigenen schwachen Kräften, aber er war sehr bald mit seiner Weisheit zu Ende, so daß bis zur Übersiedelung in die große Stadt eine unglückliche Zeit für den strebsamen, musikalischen. jungenMenschen eintrat. Klein Liesbeth war die Stütze des Vaters und sein tüchtiges Hausmlltterchen, da die Mutter schon früh gestorben war. Den Kinderschuhen nicht lange entwachsen, sollte sie der harte Schicksalsschlag treffen, auch ihren Vater zu begraben. Der Jugendfreund war damals schon in derStadt, durch einen Bekannten erfuhr er die Hiobspost. Sosort wandte er sich schriftlich nach dem Dörfchen, aber von Liesbeth kam keine Antwort, nur der kurze Bescheid des Schulzen, daß eine Tante das verwaiste Mädchen mit nach ihrem Wohnort genommen hätte, wohin, wußte er nicht zu sagen. Also für ihn Verschollen!- Einmal, nach vielen Jahren, las er in der Zeitung von ihrer Vermählung und schmerzlich empfand er, der noch mit Liebe und Treue an seinem Jugendideal hing, daß er sie nun erst inWirklichkeit und für immer verloren hatte. Doch der jetzige Name der einst Heißgeliebten war feinem Gedächtniß entfallen, nur ein treues Gedenken an sie war zurückgeblieben. Erst sehr spät fand der Professor in dieser Nacht die gewünschte Ruhe und ein unterbrochener Schlaf, in dessen Verlauf die Gestalten von Felix und Liesbeth ihn fortwährend umgaukelten, ließ ihn frühzeitig sein Lager verlassen. Eine Postkarte, die von Felix eintraf, war zwar nicht sehr mittheilsam, unterrichtete ihn aber doch über da? Nöthigste, so u. a. auch, daß er seine Wohnungsangelegenheit in Ordnung gebracht habe. Felix schrieb, daß er das Anerbieten, bei dem Herrn Organisten A. selbst zu wohnen, gern angenommen hätte. Zwar sei dieser Wittwer, aber seine einzige Tochter führe den Haushalt;" da der betreffende Herr auch kränklich sei, wäre es ihm erwünschte?, wenn der Schüler in seinem Hause wohnte, da sich dann der Unterricht nach seinem Befinden einrichten ließe, auch hoffe Herr Organist A. an u . l! anstrengenden Kirchen- . J iütze zu gewinnen. , Bescheid war namentlich otein vom Herzen gefallen, denn so war ihr Prachtjunge doch nicht bei theilnahmslosen Leuten, die ihm durch Eigennutz leicht an Leib und Seele hätten Schaden bringen können. Die Tage gingen hin und brachten fleißig Nachrichten über daS Thun und Treiben des jungen Mannes. Linde Lüfte strichen schon liebkosend über die Fluren, der Mai in all' seiner Jugendherrlichkeit erfreute der Menschen Herzen und endlich kam auch der ersehnte Tag für die beiden Alten, an dem ihr Liebling Felix wiederkehren sollte. Blank geputzt und gescheuert von oben bis unten hatte Hannah das Haus, und war todtunglücklich, als ein warmer Frühjahrsregen die klaren Scheiben wieder trübte. Jedoch, es wollte fast scheinen, als stimme auch die Natur mit ein in den großen Jubel, der die Herzen der beiden treuen Menschen mit jeder Minute höher schlagen machte, je naher die Stunde der Ankunft ihres Jungen" rückte. Ein lauter Wonneschrei ließ den Professor eiligst auffahren, da stürmte aber auch schon der fröhliche Felix zur Thür herein und hing still selig an dem Halse des alten Freundes. Im Thürrahmen erschien das überglückliche Gesicht Hannah's und beinahe hätte sie den Willkommsbraten verbrennen lassen, vor lauter Freude, ihren Goldjungen wieder zu haben. Beim traulichen Mahle und dem darauf folgendem noch gemüthlicheren Kaffeestündchen, erzählte nun der junge Mann so u. a. auch, daß sein Meister sich sehr anerkennend geäußert und ihm das Versprechen gegeben habe, schon im kommenden Winter, für ein Herauskommen an die Öffentlichkeit Sorge tragen zu wollen. Die verschiedenfachen musikalischen Anregungen, die er theils im Hause seines Lehrers selbst, theils unter dessen Anleitung empfangen, n?aren nicht ohne günstigen Einfluß auf den fleißigen Jünger der Kunst geblieben und mit Freude gewahrte der Professor aus den öfteren Gesprächen mit seinem ' Pflegesohn, daß dessen geistigerHorizont sich schon ganz hübsch erweitert hatte. So verginakn die Stunden und Tage unter ernsten, aber auch heiteren Gesprächen zwischen dem Professor und Fclir, daß die Stunde des Abschiedes wieder da war, schnel. ler, als man es gedacht oder gewünscht hatte. Dieses Mal aber nahmen beide Theile ein fröhliches -Lebewohl von einander. - Noch oft wiederholte Felix seinen Besuch im Hause des Pflegevaters, und deckte jetzt auch weißes Haar das" Haupt des alten Gönners und wurde die gute Hannah auch schwerfälliger in ihrem Wesen, so schlug doch Beider Herz in alter Jugendwärme, bei jeder .Wiederkehr .des theuren Pflege

k indes, diesem ' entgegen. Da eryien eines Tages der Professor ein Telegramm feines Felix, worin dieser ihm kurz mittheilte, daß sein hochverehrter Meister plötzlich seinem alten Herzleiden erlegen sei, mit der Bitte, die Beschwerden der Reise, ihm zu Liebe, nicht zu scheuen, und ihm mit Rath und That beizustehen. Die Stadt hätte ihn, als öfterem Stellvertreter des Verblichenen, zu dessen Nachfolger ausersehen und auf feines theuren Freundes Rath käme alles an. Wenige Stunden darauf folgte noch ein kurzer Eilbrief, in dem .Felix unter anderem auch zum ersten Male des jungen Mädchens, der Tochter des Verstorbenen, Erwähnung that; da konnte man wohl zwischen den Zeilen lesen, daß eine innige, wenn auch-un-ausgesprochene Herzensneigung die beiden jungen Menschenkinder verband. Der nachstpassende Zug brachte den Professor nach seines. Pslegesohnes Aufenthalt. Stumm drückten sich beide Männer die Hand und in Erinnerung verloren an seinen geliebten Meister, geleitete Felix seinen treuen Freund zu dem trauernden Mädchen. Leise klinkte der junge Mann die Thüre auf und ein wehmüthig ernster Blick des ProfessorS glitt dort über den zarten, blonden Kopf der jungen Gestalt hin, deren feine Erscheinung sich seltsam abhob von der dunklen Epheulaube am Fenster. Ein Thränenflor ließ nur schwer die veilchenblauen Augen erkennen, mit denen sie so dankbar zu dem Professor aufschaute. Dieser war im Anfang sprachlos, denn nicht anders meinte er, als in Trugbild seiner Phantasie gaukle ihm da sein so früh verlorenes Jugendideal vor Augen. Sie war es und doch wieder nicht, diese Lieöbeth war schlanker und größer, als seine Jugendliebe; das Mädchen mußte die Tochter derselben sein. SeltsameS Zusamentreffen! Das Begräbniß verlief mit vielen Ehrenbezeigungen seitens der Stadt, und unmittelbar darauf hatte Felix bereits dasAmt seines Vorgängers angetreten. Der Professor verblieb vorläufig noch einige Tage bei seinem Pflegesohn. Das stille geschäftige Walten . des jungen Mädchens in dem nun ihr ganz allein unterstellten Hauswesen verfehlte die günstige Wirkung auch auf ihn nicht, und erhöhte nur noch die schon anfänglich gehegten Sympathien für Liesbeth. Der Professor hatte sie lieb gewonnen und zog sie gern und oft in seine Gespräche mit Felix hinein. Ihr Urtheil war oft recht zutreffend, dabei gepaart mit weiblicher Milde und Feingefühl. Eines Nachmittags, als Felix nach der Kirche gegangen war. um einen Schüler in die Geheimnisse des Orgelspiels einzuweihen, erfaßte der Professor die günstige Gelegenheit, um. mit Liesbeth zu reden. Er bat sie. ihm, doch Einiges über ihre Vergangenheit und auch über ihre Mutter zu erzählen. Gern ließ sie sich neben ihn nieder und nun erlangte der Professor die Gewißheit, daß diese junge Mädchenknospe thatsächlich die Tochter seiner Jugendgeliebten sei. Leider wußte Liesbeth aber nur wenig aus dem Leben der Mutter zu erzählen, da sie selbst ja noch als sehr junges Kind der mütterlichen Pflege entzogen ward. Mit fremden bezahlten Leuten war sie aufgewachsen und nur in seinen wenigen Musestunden hatte der vielbeschäftigte Vater sich ihr zu widmen vermochte. So war sie zur anmuthigen Jungfrau erblüht, der durch des Vaters Kränklichkeit schon zeitig der Ernst des Lebenö sich offenbarte. Innig und stumm drückte der alte Professor die Hand der Kleinen und da gerade Felix ins Zimmer trat, winkte er ihn zu sich heran mit der Frage: ob er der armen Liesbeth ine Stütze sein wolle für alle künftige Zeiten, vorausgesetzt natürlich, daß er bei ihr auf keinen Widerstand stieße. Da lagen sich zwei glückliche Menschen in den Armen und gelobten sich ewige Treue. Der alte Mann aber stand als stummer Zeuge daneben. Hier war er mit seinem Pslegeamte zu Ende. Ostern kam heran und mit ihm ein grünes Hochzeitsfest. Fröhlich läuteten auch heute die Osterglocken den Feiertag ein und ein kleiner, aber stillseeliger Zug war es, der zur nahe gelenen Kirche schritt. Ein junges Menschenpaar, um aufzuerstehen zu einem neuen, gemeinsamen Leben und ein alter Mann, dessen einstige, edle That reichlich schöne Früchte trug. Er ist alt geworden, der warmherzige Professor N., und seinen sanften Tod im hohen Greisenalter beklagten mit seinen Kindern aufrichtig alle, die ihm einst nahe gestanden. Aus üx "ft'a m i l i . Commer'zienrä'thin (zum Gatten): Nrnt, Moritz, wie gefällt Dir unser Schwiegersohn in spe?" Ausrichtig gesagt, er kommt mir unbescheiden vor; wie ich ihm sagte, daß unsere Rosa 300,000Dollars mitkriegt, hat er auch noch gefragt, wie alt sie W ' -In Verhüte Ein Frühes Oxaf W oft hören wir daß ein frühes Grab durch eine vernachlaßigte Erkältung herbei geführt wurde, tdv denke dieö und gebrauche Dr. Lull'ö Husten Syrup, welcher sofort alle HalS und Lungcn-Lcidcn kunrt. Herr W. H. Mahoney, Lowcll, Mass. schreibt: "Ich war schr krank mit einem schlimmen Husten. Doctcrcn konnten mir nicht helfen und jedermann saate daß ich die Schwindfucht hatte. Em Verwandte? empfahl mir Dr. Bull'S Husten Syrup und nachdem ich zwei ßlaschen davon gebraucht hatte war lch kun'rt. Es war wunderbar! Ich werde Dr.Bull'S Husten Syrup immer meinen Freunden empfehlen denn ich weiß daß er ein unfehlbares Mittel ist." Dr. Bull'6 Husten Syrup wird übeZör C5 QzM vkrkLsk.

Sa,ojedischer Carneval.

Auch die Samojcden haben ihren Carneval; doch feiern sie denselben nicht wie wir am Ende, sondern am Anfang des Winters ! Ein russischer Schrift, steller, der Sibirien bereiste, war überrascht, eines Tages auf der Halbinsel Jalmal in ziemlich einsamer Gegend eine große Hütte zu finden. Sein Begleiter erklärte ihm, daß diese das Vergnügungölokal oder Clubhaus der Samojcden sei. Unser Reisende trat ein und sah einen ziemlich großen Saal vor sich. Baumstämme stützten statt Säulen die Decke, an den Wänden standen Bänke, in einer Ecke lagen Kü chengerüth und Säcke und oben an der Decke befand sich eine weite Oeffnung. In diesem Raume nun versammeln sich alljährlich mit dem ersten Schnee die Samojeden der Umgegend zu Sang, Tanz und anderen Lustbarkeiten. Um diese Zeit, wo kein Russe mehr in der Gegend sich aushält und die Fischer alle fort sind, sieht man sie von allen Seiten in ihren mit Rennthieren bespannten Schlitten herbeieilen. Die jungen Leute haben ihre besten Kleider angelegt. Alles, was zur guten samojedischen Gesellschaft gehört, nimmt an dem Feste theil, auf welchem zahlreiche Sänger, Spielmänner, Geschichteneyähler, Tänzer sick Produziren. Die jungen Frauen und Mädchen bringen allerlei Leckerbissen mit, welche sie während des Sommers zubereitet haben. Leckerbissen, die allerdings unserem Gaumen nicht immer zusagen würden, denn neben dem Kaviar wird Leberthran, allerlei Fett und mehr dergleichen aufgetragen! Sofort nach der Ankunft geht alles an die Arbeit. Zuerst werden große Feuer angezündet, für welches die jungen Männer das Holz herbeischaffen, während die Mädchen den Jestsaal Herrichten und schmücken und die älteren Frauen die Eßwaaren auspacken und für die Küche sorgen. Gleich am ersten Abend ist alles fix und fertig. Die ganze Gesellschaft versammelt sich im Festhause. Schalen mit Fett dienen zur Beleuchtung. Man schaart sich gruppenweise zusammen, macht mit einander Bekanntschast, erzählt sich Geschichten, gute und schlechte Witze ganz wie bei uns. Hin und wieder nimmt einer sein Instrument mit den kupfernen Saiten und spielt eine Melodie zum Entzücken der Anwesenden oder die Greise erzählen Legenden und Märchen, welche die ganze Gesellschaft zu Thränen rühren. Tann werden die Instrumente wieder zur Hand genommen und der Tanz be. ginnt, ein wilder, ungeordneter Tanz, bei dem die Tänzer und Tänzerinnen bald durch einander umherspringen, bald sich auf einem Bein herumdrehen oder auf die Erde werfen. Und wenn der Ball seinen Höhepunkt erreicht hat, treten die Masken in den Saal. Die sonderbarsten Kostüme kommen da zum Vorschein. Der Eine erscheint mit iinem Rennthierkops, ein Anderer mit irgend einem anderen Thierkopf, die ganze Fauna Sibiriens ist bald vertreten und ein schreckliches Geheul und Geschrei erfüllt den ganzen ' Raum. Diese Vergnügungen dauern die ganze Woche. Täglich treffen neue Besucher ein. Das Fest nimmt erst ein Ende, nachdem der Branntwein und Leberthrän ausgetrunken, die Leckerbissen verzehrt und ein Dutzend Rennthiere geschlachtet worden sind. Natürlich benutzt die junge Welt die gute Gelegenheit, Bekanntschaften anzuknüpfen, und so schließt der samojcdische Carneval meistens mit einer Anzahl mehr oder weniger glücklicher Ehen, hin und wieder aber auch mit einer lecht blutigen Schlägerei. Der letzte König von Polen. Am 12. Februar waren es hundert Jchre. seit der letzte König von Polen, Stanislaus II. August, gestorben ist. Er war als Sohn des Grafen Stams laus Poniatowski und der Fürstin Constantia Czartoryska am 17. Ja nuar 1732 in Wolczyn geboren. - In seiner Jugend besuchte er Paris. 1752 wurde er Landbote des Reichstags, m dem er sich durch seine Beredsamkeit auszeichnete. König August III. sandte ihn an die Kaiserin Elisabeth nach Petersburg. wo er sich die Gunst der Grotzsürstin. der spateren Kaiserin Katharma' II., erwarb. Durch ihren Einfluß wurde er nach dem Tode Au. qust's III. im Jahre 1763 auf dem Reichstage zu Warschau zum Könige gewählt. Ein Freund der Wissenschaften und Künste, verstand er es nicht, das Wohl seines Vaterlandes zu fördern, da es ihm an Kraft fehlte, den Adel zu zügeln uü sich von der russischen Politik frei zu machen. Der unzufriedene Adel trat daher mehrfach zu Verbanden zusammen und erklärte den Thron für erledigt. In der Nacht zum 3. November 1771 wurde Stanislaus von Verschworenen aus Warschau entführt; doch gelang es ihm. nach Warschau - zurückzukehren. Als im Jahre 1772 die erste Theilung Polens vollzogen wurde, erhob er vergebens Einspruch. Durch die Annahme der Verfassung vom 3. Mai 1791 gewann er zwar die Achtung seines Volkes wieder und schien entschlossen, dem Zorne der russischen Kaiserin Trotz zu bieten; aber schnell durch Preußens und Rußlands Drohungen entmuthigt. trat er der neuen Conföderation zu Targowitz bei und empörte dadurch den besseren Theil der Nation, ohne doch, was er wollte, Polen mit Rußland zu versöhnen. Sein Widerspruch qeqen die zweite Theilung Polerö im Jahre 1793 hatte zur Folge, daß ihn Katharina nach Grodno bringen ließ, wo er den dritten Theilungsvertrag unterzeichnen und am 25. November 1793 abdanken mute. Nach dem Tode Katharina's berief Paul I. ihn nach Petersburg, wo er bis zu seinem Tode mit einem Ruhe gehalte von 200M) Ducatm lebte. ;' Man schickt sich in mancheö, was sich nicht schickt. l

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