Indiana Tribüne, Volume 21, Number 216, Indianapolis, Marion County, 24 April 1898 — Page 6

Föcrglauöe im Kaufe. von Julius Rößler. In dem Treiben des alltäglich? 2e ßen und in dem regelmäßigen Gange der HauZwirthschaft bemerkt der aufinerksame Beobachter oftmals Sitten -und Gebräuche mit einem geheimnißvollen Beigeschmack, die von den meisten Menschen mechanisch geübt werixn, die ihnen gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen sind; man könnte afcon mit voller Berechtigung sagen: Es erben sich Gebrauch und Sitte wie !ne ewige Krankheit fort." Wenn sich z. B. in der Familie zufällig eine kleine Gesellschaft zusam?nen gefunden hat und die Hausfrau überzählt ihre lieben Gäste, dann beniächtigt sich ihrer eine arge Verlegenheit, wenn der Zufall dreizehn Personen zusammengeführt hat, denn diese ominöse Zahl von Gästen darf keine Tischgesellschaft haben; weshalb das weiß die Hausfrau selber nicht! Wenn nun die Kinderstube nicht lushelfen kann, dann muß die Hausfrau dem Gesellschaftstisch unter eintm nichtigen Vorwande fern bleiben; denn Dreizehn dürfen nicht zusammen speisen, weil sonst diesen Gedanken .Wagt man gar nicht auszudenken! Wenn man diesen Aberglauben natürlich erklären wollte, dann könnte man auf den Gedanken kommen, daß sich die Sterblichkeitsziffer der Menschen im Durchschnitt wie eins zu drei zehn verhält. Die Statistik weist aber tin ganz anderes Resultat nach. Wenn nun die Statistik den Liebha, bern ein Tafelrunde eine Beruhigung gewähren kann, da Zweijährige und Siebzigjährige doch da geringste Coniingcnt hierzu stellen, so bleibt dennoch die Frage, warum gerade eine Tischge sellschaft von Dxizehn.dem Orkus inrierhalb von Jahresfrist ein menschli ches Opfer bringen soll? Der verstorbene Professor Dr. Paulus Gaffel, dieser gelehrte Forscher, welcher mit son'derndem Stäbe durch die Runenschrift der sagenreichen Vorzeit wanderte, führte diesen Aberglauben auf Joh. 13 zurück, aus die von Christus an seinen Jüngern vollzogene Fußwaschung. Dreizehn Personen saßen dabei zu 2isch. und weil sich einer zum Verrarher machte, hat die christliche Legende der Zahl 13 ein böses Omen beigelegt, und der Volksmund hat im Laufe der Leiten daran gemodelt und gedeutelt. Was früher einen religiösen Inhalt besaß, das hat nun menschliche Schwäche, Aberglaube und Furcht in die Alltäg.Iichkeit übertragen und auf das eigene .liebe Ich bezogen; der Sinn und Ursprung ist dabei ganz vergessen worden. Wenn der Tisch gedeckt wird, und es kommt zufällig ein Messer auf den "Rüden zu liegen, öann tritt gewiß irgend einer schweigend und verstohlen Heran, um das Messer umzukippen; denn ein Messer darf nicht auf dem Rücken liegen! Die Leute, welche dieses Verbot aufgebracht haben, waren sehr weise und haben damit schon viel Unglück verhütet. Wenn man aber nur sagt: Ein Messer darf mit der Schneide riicht nach oben liegen, damit Niemand hineinfasse und sich beschädige, so achtet der Leichtsinn der Jugend oder die 'Sorglssigkeit desAlters nicht auf solche Warnung und man mußte politisch das Stück Aberglaube benutzen, welches in jeder Mensch mit auf den Lebensweg bekommen bat, um eine weise Vorftchtsmaßregel von Jedermann unbe.wußt üben zu lassen. .O weh! Da sieht ja das Brot mit der angeschnittenen Seite vom Tisch herab, und das darf wiederum nicht sein! Hiermit sollte aber nur eine weise Sparsamkeit gepredigt werden; bei unseren Altvorderen bestand der Fußboden nur noch aus gestampftem Estrich oder die Dielen wurden mit weißem Sande bestreut. Sah nun das Brot mit der angeschnittenen Seite vom 'Tisch und fiel herab, so würde in den meisten Fällen die oberste Scheibe des Vrotes damit verdorben gewesen sein; wenn dagegen die Rinde vom Tische sieht und das Brot wird unversehens herabgestoßen, dann fällt es zumeist mit der Rinde auf; diese läßt sich aber abwischen und es geht nichts von dem Arote 'crloren! Ein guter, vorsorglicher Hausvater Pflegt das Brot höchst eigenhändig zu schneiden. Man könnte nun meinen, daß hierdurch die Würde des HausHerrn symbolisch ausgedrückt werden .soll, weil ein guter Hausvater das tägliche Brot für seine Familie auch herbeischaffen muß. Der wahre Grund ist dagegen ein sehr realer und sanitärer. Die Frauen haben meist die Gewöhnheit, das Brot beim Schneiden an die Arust zu legen, und dieses soll aus Rücksicht für diesen edlen und empfindlkchen Theil des weiblichen Körpers, "welcher für das Gedeihen der kommenden Geschlechter von so großer Wichtig?eit ist, vermieden werden. Möge also jeder sorgsame Hausvater mitBewußtsein das Brotschneiden als seine Pflicht üben-; von der Hausfrau sagt dagegen sckon Psalm 68. 13: Und die Haushre theilet den Raub aus." was in unsere moderne Sprache übersetzt heißt: J&k Mutter füllt die Suppe auf!" Zu dem Brot gesellt sich das Salz, -und diesem alltäglichen Nahrungsmittel hat die Menschheit eine tiefe und mannigfache symbolische Bedeutung, ge

geben. Wenn bei Tisch ein Ungeschickter das Salzgefäß umstößt, dann springt die Hausfrau schnell herbei, um mit dem Messer das verschüttete Salz bis uf das letzte Körnchen auszuschaben, denn das Salzfaßchen darf bei Tische nicht umfallen, sonst gibt es Zank. Aber auch hierin spricht sich nur eine Welse Lehre aus. Das Salz, dieses wichtige Mineral, welches die Erde in Angemessenen Mengen birgt, ohne welches aber kein Mensch und kein Thier leben kann, soll uns lehren, daß auch das Geringste einen unschätzbaren Werth haben kann, daß eigentlich nichts iind mag es nur ein Salzkorn tia

verachtet oder sorglos !n den Starö getreten werden darf. Wer sich ab.-r nicht verdrießen läßt, einige SalzkiKner wieder einzusammeln, der wird auch in anderen wichtigeren Fällen gleichen Sammelfleiß üben, zu seinem und der Seinen Nutzen und Frommen. Wenn eineMahlzeit beendet ist, dann muß sogleich das Tischtuch abgenommen werden, denn der Volksmund spricht: So lange wie der Tisch gedeckt ist, müssen die Engel im Himmel dienen!" Dieser Ausspruch will aber auch nur eine gute häusliche Ordnung lehren, und man soll die lieben Engel im Himmel ebenso wenig wie seine Mitmenschen auf Erden in unnützer Weise und mit überflüssiger Arbeit belästigen. Wenn das Tischtuch gleich nach der Mahlzeit von den Krümeln gesäubert und in den Tischkasten gelegt wird, dann bleibt es länger rein, und die nächste große Wäsche wird durch einige Tischtücher erleichtert. In Deutschland hört man häufig die Rede: Nun hat man mir das Kind wieder verrufen!" und zwar, sobald der Säugling unruhig wird oder zu schreien anfängt, wenn kurz vorher Je mand seine Freude, seine Bewunderung oder dergleichen über das Kind ausgesprochen hat. Die alten, klugen Frauen vom Dorfe, welche dieses Verrufen" erfanden, haben aber ganz genau gewußt, was sie mit ihrer Rede bezwecken wollten. Kaum hat ein Menfchenkind sein erstes Unbehagen in diesem Jammerthal mitZetergeschrei kund gethan, dann wird der Neugeborene einer genauen Oeularinspection seitens aller älteren, weiblichen Familienglieder unterworfen, mit lauter Bewunderung über seine Dicke, nebst obligater Prophezeiung, und wie er den Herren Eltern so ganz aus den Augen geschnitten sei. Später kommen wieder die jugendlich überschwänglichen Tanten, um ihre theilnehmende Freude und ihre praktischen Anlagen für den Ehestand kund zu geben. Sie bewundern den hübschen Jungen, wie er schon so klug aussieht und schon so Pramm aufrecht sitzt! Das Kind wandert von Arm zu Arm, es wird geherzt, geküßt, gedrückt. Die ungeübten Hände der jugendlichen Tanten thun dem Kinde aber geradezu wehe, und da es sich ihrer nicht erwehren kann, beginnt es schließlich zu schreien. Einem jungen Kinde ist aber nichts nöthiger, als ungestörte Ruhe. Eine Belehrung oder ein bloßes Verbieten würde die Tanten aber nicht zurückhalten oder doch beleidigen, deshalb haben die altklugen Frauen das Verrufen der Kinder" erfunden, um die unberufene Weiblichkeit mitFurcht und gelegentlichem Gruseln zu verscheuchen und damit dem Säugling Ruhe und Schutz gegen unangemessene BeHandlung zu verschaffen. Unzählige Male findet man die Thürschwellen von Geschäftslocalen mit ganzen oder selbst zerbrochenen Hufeisen benagelt. Auch dieser Gebrauch läßt sich wohl in letzter Instanz auf die christliche Legende zurückführen, welche namentlich durch Goethe's meirische Bearbeitung allbekannt geworden ist:

Als noch verkannt und sehr gering. Unser Herr auf der Erde ging" u. s. w. Der smstere Glaube und die Afterbildung des Mittelalters haben dem Hufeisen dann besondere, glückbringende Kräfte beigelegt. Von dem GutbeschlagenseX der Pferde hing wohl oft das Wohl und Wehe der Ritter und Reisigen ab; ein verlorenes oder gefundenes Hufeisen hatte einen ganz anderen Werth in jenen Zeiten, wo man noch nicht in jedem Orte eine Schmiede antraf, und die eigene Form des Eisens, die keinem anderen Geräth ähnelt, hat es zum Substituten des Pentagramms erhoben. Wenn das Hufeisen also heute auf der Schwelle prangt, dann soll es alle bösen Geister abhalten; seine offene Seite soll aber den Kunden freien Eintritt zum Laden gestatten, dagegen soll die geschlossene Seite Jedem den Ausgang wehren, wenn er nicht gleichsam die Lösung in Gestalt der gekauften Waare mit sich trägt. Noch zwei weniger verbreitete Arten des Aberglaubens sind uns bekannt geworden, zu deren Räthsel wir aber die Lösung nicht finden können. Wir theilen diese Versionen mit, nicht aber zum Glauben oder zur Nachahmung, sondern damit eine der geehrten Leserinnen dieser Blätter uns vielleicht Aufklärung verschafft. Es soll nicht gut sein, wenn eine jüngere Schwester der älteren zur Hochzeit den Brautkranz bringt. Weshalb? Und ferner: Bei einer Taufe darf eine ledige Jugendfreundin der Kindtaufsmutter nicht den Tisch decken, sonst blüht der Freundin wenn selbst einmal verheirathet der erste Familiensegen in Gestalt von Zwillingen! Die kleinste Heeresmacht. Als Kaiser Karl . V. in Italien kämpfte, ließ er auch den regierenden Grafen von Oldenburg Johann XIV. auffordern, sein Heeres - Contingent zu stellen. Johann aber bestritt seine Lehnsverbindlichkeit gegen Kaiser und Reich und sandte weder Truppen noch Reichssteuern. Hierauf verhängte Karl über den kleinen nordischen Herrn im Jahre 1523 die Reichsacht. Unter dem Druck des kaiserlichen Zornes, erklärte sich ein Jahr später der Geächtete bereit, seinen Truppentheil zu stellen, und es wurde nach der Größe seines Landes und seiner Einkünfte berechnet, welche Stärke das oldenburgische Äruppencontingent haben müsse. Die stattliche Schaar, welche nach gegenfeitiger Vereinbarung dem Kaiser zur Verfügung gestellt wurde, betrug genau acht Mann zu Roß und zwölf Mann zu Fuß. Hierauf erfolgte am 13. Januar 1525 die Lossprechung von der Reichsacht. U n t e r der Flagge der Wahrheit segelt der. Grobian am liebsten.

Wanzcr im Hefecht. Seit der Seeschlacht von D'alu am 17. September 1394. in welcher die Japaner, dank der Feigheit der Chinesen, den Sieg errangen, sind keine modernen Kriegsflotten im Kampfe geWesen und aus diesem Grunde hat es den Fachmännern an Gelegenheit gefehlt, manche Probleme des Seekrieges in zufriedenstellender Weise zu lösen. Aber selbst diese Schlacht, die einzige, in welcher moderne Panzerkolosse mit den neuesten und schwersten Geschützen gegen einander in Action traten, kann im Hinblick auf den Charakter der kämpfenden Gegner weder für den Officier noch für den Constructeur als eine erschöpfende Quelle der nformation angesehen werden; der Äusganz der Schlacht wäre wohl ein anderer geWesen, wenn in derselben kriegstllchtige Abendländer gegen einander gekämpst hätten. In Ermangelung eines anderen Beispiels erscheint die EntWickelung und der Verlauf der Seeschlacht von Vlu gerade jetzt von besonderem Interesse, da sie immerhin annähernd richtige Schlüsse auf die Widerstandsfähigkeit der modernen Panzerkolosse und die Zerstörungskraft der heutigen Riesengeschütze zuläßt. Die japanische Flotte bestand aus 12 Fahrzeugen, während die chinesische deren nur 10 zählte, und unter diesen befanden sich Schlachtschiffe, gepanzerte und ungepanzerte Kreuzer, Kanonenund Torpedoboote. Der japanische

sl 's""! t hOv . IK$raiföeS& fäi'sAiJi Aia?

Klarmachen des Decks. Oberbefehlshaber Admiral Jto war an Bord der Natsushima", während dem chinesischen Admiral Ting Ju Chang die Ting Iuen" als Flaagschiff diente. Admiral Jto hatte ferne Flotte in zwei Geschwader formirt, und zwar bestand das erste aus den Schiffen Yoshino", Takashino", Akitsushima" und Naniwa", das zweite aus Natsushima", Chiyoda", Jtsukushima", Hashidate-, Hivel", Fuso-und Akajl-. Als Admiral Ting, im Uebrigen einer der wenigen tapferen Officiere der chinesischen Flotte, am Morgen des verhängnißvollen Tages Meldung von dem Nahen des Feindes erhielt, dampfte er demselben mit seinen en echelon formirten Schiffen langsam entgegen: dabei befanden sich Ting gucn" und Cha Auen" in der Mitte und neben ihnen auf beiden Seiten die Schwesterschifse Chmg Yuen" sowie Cht Men" oezw. Lai Auen- sowie King Nuen", während die anderen, minderwerthiaen Fahrzeuge die Flanken bildeten. Schon :n der Entfernung von 6000 Meter eröffneten die Chinesen Feuer, aber ihre Gegner erwiderten dasselbe erst, als sie auf 3000 Meter herangekommen waren; dann aber begannen die gesammten Batterien der japanischen Flotte zu gleicher Zeit das Feuern und dasselbe wurde wahrend der ganzen Schlacht ohne Unterlaß aufrecht erhalten. Durchschntttllch waren die felndlichen Schiffe während der Action nur 2000 biö 3000 Meter von einander enttfernt. Während des Kampfes gelang es den Japanern, die chinesische Flotte in die Mitte zu nehmen und mit Wasser in die Batterien. einem so furchtbaren Feuer zu überschütten, daß dieselbe zersprengt wurde und einzelne Schiffe ihr Heil in der Flucht suchten. Chen Iuen" und Ting Fuen" wurden zu gleicher Zeit von 5 der stärksten japanischen Schiffe attackirt. Nach der Darstellung des Ensign Frank Marble von unserer Kriegsmarine wurde der chinesische Admiral Ting etwa 20 Minuten nach dem Beginn der Schlacht verwundet, während er auf der Commandobrücke stand, und darauf übernahm Commodore Liu Tai Tsan den Oberbefehl. Bald wurden auch alle 4 schweren Geschütze der Chen Juen" außer Action gesetzt und ihr blieben nur zwei Sechszöller. Gegen 2 Uhr 30 Minuten wurde der Thurm des Flaggschiffes Matsushima" von einer 'iLzöllig -n Granate getroffen, die großes Unheil anrichtete, das Deck in Brand setzte, aber den Panzer nicht durchbohrte. Ein anderes Geschoß, das auf dem Deck der Matsushima" explodirte, demontirte ein 4.7-zölliges Schnell-feuer-Geschütz und schleuderte dasselbe (itx über das Schiff. Der Capitan wie der erste Lieutenant wurden getödtet und imGanzen fielen 120 Mann von der Lesatzung. Admiral Jto mußte das Schiff verlassen und begab sich an Bord der Hashidate-. Aber auch die japanischen Geschütze blieben uiZzi miifcia. ' Wie sväter festaestellt. wurde das chinesische Flaggschiff .Ting

Duen" von nicht weniger als 200 Projectilen getroffen, doch litt der Panzer nur geringen Schaden, denn kein Loch war tiefer als 3 Zoll. Dagegen wurde das Oberdeck vollständig zerstört und die Secundarbatterien wurden rxmontirt, aber die Maschinen blieben unverletzt. Die Chen Yuen" wurde nur 120 Mal getroffen, aber sie wurde schwerer beschädigt; die Lai Auen" litt am meisten von Feuer und ih. Deck wie Schloten waren zeitweise rothglühend. Von der ganzen chinesischen Flotte kamen nur 3 Schiffe, Ching Fuen", Chi Auen" und Kuanz Ting" .verhältnißmäßig heil davon; freilich hatten die beiden letztgenannten auch schmählich die Flucht . ergrif-

sen. Der Gesammtverlust der Chmesen wird verschieden auf 1000 bis 1500 Mann beziffert, -während die Japaner 94 Todte und 160 Verwundete verloren; den größten Verlust erlitt das japanische Flaggschiff Ma!sushima". Welches sind nun die Vorbercitungen für einen so furchtbaren Kampf, wie er in einem Rcncontre schwimmender Kolosse ausgefochten wird? In erster Linie muß die Besatzung der Schiffe, vom Befehlshaber bis zum letzten Mann, aus vorzüglich geschul ten Seeleuten bestehen, welche mit der Bedienung der complicirten KriegsMaschinen durchaus vertraut sind und IN der Hltze des Gefechts sich die nothige Besonnenheit bewahren. Zur Gefechtsbereitschaft des Schiffes gehört vor allen Dingen das Klarmachen des Verdecks, so daß bit freie Bewegung der Besatzung durch Nichts bchindert wird und Geschütze wie Tor pedos ein freies Schußfeld erhalten. Batterien und Munitionsmagazine werden fertig. gemacht, besondere Vorsorge zum. Schutze der Schrauben und Steuerapparate werden getroffen, da bei schweren Beschädigungen der letzteren das Schiff absolut hilflos werden würde. Unter Deck muß Alles bereit sein, um Locher, die etwa unter oder nahe der Wasserlinie von feindlichen Projectilen verursacht werden, sofort zu verstopfen und Feuerloschapparate müssen zur Hand sein, um einen Brand erfolgreich bekämpfen zu könIm Gefechtsthurm. nen. Gewöhnlich werden auch alle Boote entfernt und diejenigen, welche in den Davits verbleiben, werden mit Segeln umwickelt, um zu verhüten, daß Splitter der Bemannung gefährlich werden. Ueberhaupt wird Alles, was von einem Geschoß zersplittert werden könnte, von Deck geschafft, denn gerade die Splitter verursachen die schlimmsten Wunden. Neben den Geschützen werden Werkzeuge behuss Vornähme nöthiger Reparaturen placirt, die Schnellfeuer- und Maschinenkanonen mit einem gewissen Vorrath von Munition versehen, die Vorrichtungen zum Heranschaffen der schweren Proiectile und dieHilfsmaschinen bemannt. An den Batterien werden Eimer mit Wasser zum Trinken für die Mannschaften und zum Auswaschen der Geschützrohre aufgestellt und nackt bis zum Gürtel nehmen die Theerjacken ihren Plat an den Geschützen ein, harrend des Commandos Feuer!- mit dem alle Furien der Hölle entfaltet werden. Recht tröstlich. IITTsl U Frauchen, ich glaube, der neue Hut, den Du Dir wünschest, wird Dich nicht kleiden.Das thut nichts, Männchen, ich will ihn ja auch nur ganz kurze Zeit tra-gen!-GuteChancen. Heirathsvermittler: Die Dame kriegt zehntausend Dollars mit; das heißt, wenn der Alte nicht inzwischenPleite macht!" Und wenn er Pleite macht?- Heirrathsvermittler: Dann kriegt sie natürlich noch mehr!" VerunglückteProbe. Onkel: Neulich hatte ich meinem Nef sen einen Hundertmarkschein . in ein Studienhest gelegt: hat er den aesun den?" Hauswirthin: Natürlich! Wie er Nachts heimkam, da hat er den aan zen Studirtisch umgeschmissen, und da :st der Hundertmarkschem herausgeslo fitti"

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Weit drauken an der Munduna der Elbe, wo die tobenden Wogen derNordsee gegen das letzte Stückchen deutschen Festlandes rollen, lieat der Äafen von Cuxhaven. Vom Hafen aus zieht sich längs deS Ufers bis zur Elbe ein lanaer Steindämm, welchen zum arönten Tbeile die Franzosen Anfang des Jahrhunderts erbaut haben, um den Engländern den Einaana in den Strom zu schweren. Die alten Festungswerke wurden dann Ti"L. cm.t. 1 ? j. ipaicr zur nioic umgeoaui. vscmico, auf dem Deich, erhebt sich der im Jahre 1803 erbaute Leuchtthurm, das Wahrzeichen Cuxhavens. Mitten auf dem Steindamm befindet sich ein originelles Gerüst. Ein stärker Mastbaum trägt an einem Kreuzbolze zwei, aus Eisen beraestellte Windrosen mit 5Zeiaern. An der Spitze des Mastes sind je sechs Flügel an zeder Seite angebracht, welche. ähnlich den Telegraphenflllgeln der Eisenbahn, horizontal gestellt werden Mole mit Semaphor. . können. Der ganze Apparat heißt der Semaphor. Er gibt die Windstärken und Windrichtungen bei Borkum und Helgoland an. und es ist erstaunlich, wie verschieden jene auf der Höhe der beiden, doch nicht allzu weit aus einander lügenden Inseln fem können. Weiter zurück nach dem Hafen zu befindet sich das Telegraphengebäude, vor dem sich der schlanke Thurm mit dem Zeitball an der Spitze erhebt. Der Steindämm läuft dann schließlich in den hölzernen Molenkopf die Alte Liebe" aus. Ein Gewirr von mächtiaen. tief eingerammten Pfählen trägt den originellen Bau. Nach dem Wasser zu bietet ern starkes Bollwerk mit breiter Plattform eine prächtige Promenade. Darüber erhebt sich em niednger Aufbau, welcher Raum für Lotsenzimmer und sonstige Kammern, sowie Gänge zum Schutz bei Regenwetter enthält. Das Dach dieses Aufbaues bildet wiederum eine Promenade und wird gekrönt durcht einen kleinen Leuchtapparat. dessen rothes Feuer den Hafeneingang bezeichnet. Der ganze Molenkopf wirkt ungemein malerisch. Das alte Pfahlwerk ist unten über und über mit sattfarbenen Moosen und Algen bedeckt. Die oberen Theile sind hell gestrichen, schillern aber durch Verwitterung in allen möglichen Farben. HimAlte Liebe." mel und Wasser zeigen ihre stets wechselnden Stimmungen. Der feineDunst, der über den Nordseeküsten lagert, bringt die zartesten Lichteffecte hervor. Dazu kommt das Leben und Treiben im Hafen und auf der Elbe. Unaufhörlich fluthet der Weltverkehr an der .Alten Liebe" vorbei. Das Auge kann sich nicht satt sehen an der Fülle der weißen und bunten Segel, der cinkommenden und auslaufenden Schiffe jeder Art und Größe. Tagsüber und Abends lustwandeln die vielen m Cuxhaven weilenden Badegäste auf dem Deiche, dem Steindamm und dem dreiten BollwerZ. Wenn der Mond auf dem in Ebbe und Fluth dahinrausehenden Wasser Millionen von Reflexen hervorruft, wenn die Hafenund Schiffslichter herürblinzeln und der alteLeuchtthurm seine hellenStrahlen nach der See zu wirken läßt, dann sammeln sich die lebensfrohen Menschen dort zu inniger Andacht. Wie oft hat auch die Alte Liebe" den Anknüpfungspunkt zu neuer, junger Liebe gegeben. Für ein glücklichesPaar klingt ja auch das heisere Kreischen der Möven ebenso schön wie das schluchzende Lied der Nachtigall. ZS-TAW Auf dem Ausguck. ' In den Gängen des alten Bollwerks Hausen bei Tag und bei Nacht ine Anzahl Bootsleute, meist schon recht bejährte Männer, welche den Dienst hinsichtlich des Verkehrs mit Schiffen, Ausguck und Meldungen versehen. Richtige alte Seebären, mit prächtigen Köpfen und oft recht malerischemAussehen, scheinen sie noch von alters her überkommene Wesen zu fein. Der Dienst hat an dieser Stelle wesentliche Einschränkungen erhalten. In früherer m fmhftnfifti das einkommende Schiff hier bei Cuxhaven tint Anzahl von Leuren, weieye aue mogiicoen eistungen kaufmännischer oder seemänmsar Art anboten. Heutzutage fährt der Schiffer stolz vorüber und gepat-

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iet nur dem Zollbeamten oder demLotsen an Bord zu kommen. Noch ein Jahrzehnt, und die Einrichtung des Lotsendienstes von dieser Stelle us wird aufgehört haben. Bisher haben die alten Seeleute von Cuxhaven ihre Fahrzeuge in alter überkommener Weise gehandhabt. Schwere Boote, fortbewegt durch schwere Riemen oder niedrige Segel, standen zur Verfügung. Es war ein hartes Stück Arbeit, bei schwerem Wetter in Schneetreiben und Hagelschlag an und von Bord des signalisirenden Schiffes zu gelangen. . Mancher Bootsmann, den dieWellm aller Oceane geschont hatten, ist hier im heimathlichen Gewässer zu Grunde gegangen. Der Meldedienst für einkommende Schiffe ist weniger anstrengend, doch spielt der böse Rheumatismuö den alten, jedem Wetter auSgesetzten Herren oft schlimme Streiche, und es würde vielen schwer werden, eine militärische Haltung anzunehmen. Die Bootsleute kennen fast jedes Schiff, welches in die Elbe einläuft. Die jahrelange Uebung im Fernsehen hat ihre Augen so geschärst, daß sie meist Namen und Art des Fahrzeuges kennen, wenn letzteres kaum über die Kimme deS Horizontes aufgetaucht ist. Da der schwere Dienst mehr und mehr abnimmt, so führen die alten Seebären im allgemeinen ein beschauliches Leben. Ewig rauchend schlendern sie, die Hände in den weiten Taschen des Peajakets verborgen, durch die Gange des Molenkopfes. Für die Badegäste sind die alten Herrn die einzigen wahren Repräsentanten der Seemanschaft, trotzdem manche von ihnen Verhältnißmäßig recht wenig Salzwasser der Tiefsee zu sehen bekommen haben. Gerade diese verstehen am besten zu erzählen, und wehe dem Badegaste, der gläubigen Ohres ihnen lauscht, die grausigen Seegeschichten werden ihn für die Dauer seines Lebens nicht mehr ruhig schlafen lassen.

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Bootsdienst. Zu den Obliegenheiten der Bootsleute gehörte auch bis vor Kurzem noch die Hilfeleistung beim Bugsieren der Helgolanddampfer an das Bollwerk. In eiliger Fahrt kommt einer der prächtigen Dampfer. Prinzessin Elifabeth" und Prinzessin Heinrich" die Elbe herab. Kurz vor der Alten Liebe" stehen die mächtigen Schaufelräder still und schlagen dann mit voller Kraft rückwärts, bis das schlanke Fahrzeug sich bewegungslos in den Wellen wiegt. Jetzt werden starke Taue nach dem Bollwerk hinüber geworfen und dort an den Pollern befestigt. Die Schiffswinden setzen sich in Bewegung, worauf sich das Schiff langsam, aber sicher längsseit des Pfahlwerkes heranzwängt. Ein Strom lustiger Badegäste ergießt sich dann von Bord auf die Promenade der Alten Liebe." Berge von Koffern speit die geöffnete Luke aus. und die Bootsleute haben alle Hände voll zu thun, um in dem Menschengewirr' das Schiff wieder vom Bollwerk zu lösen. Dann setzen sich die Räder wreder in Bewegung, die Musik spielt ein entsprechendes Leitmotiv, die Neulinge auf See, deren Ziel Helgoland ist, bereiten sich still aus die zu erwartende Seekrankheit vor. Von der oberen Promenade der Alten Liebeaus aber werden die Ankömmlinge mit kritischen Blicken seitens der schon längere Zeit ansässigen Badegäste betrachtet. Z oll acht. In nächster Zeit wird der bisherige Bootsdienst mittels Dampfers besorgt werden, dann ist der alte Bootsmann auf den Aussterbeetat gesetzt. Wenn erst der Capitän mit wenigen Worten vorwärts, rückwärts, langsam, stopp" das von selbst laufende Fahrzeug regirt. dann wird der letzte Rest seemän.ischer. Poesie von der Alten Liebe" verschwunden sein. Die südliche Mole des Hafens, gegenüber der Alten Liebe", ist gleichfalls ein malerisches altes Bollwerk. Hier hausen in einer kleinen Bude die Zollbeamten des preußischen Staates. Sie mahnen den einkommenden Schifser eindringlich an seine Pflicht, die verborgensten Geheimnisse seines Fahrzeuges zu enthüllen, auf daß er nicht krumme Wege wandele. Der Zollbeamte ist eine , Landratte, die nur ein widriges Geschick auf die Decksplanken setzt. Er tritt immer vornehm auf, trägt sogar an Bord weiße Handschuhe und erlangt - erst durch lange Uebung die Fähigkeit, beim Anbordgehen nicht über den zur Seite hängenden Degen zu stolpern. Seine seemännischen Kenntnisse sind nicht weit her, auch interessirt ihn im Gegensatze zu dem alten Seebären da drüben mehr die Unterhaltung über Dienstzulagen und Avancement, . als über Salzwassergeschichten. Auf dem Vollwerk mahnt ein alt:Z Ccfcüt, welches wahrscheinlich noch crl l:i :it Störteieckers stammt, f.:r eine bevasfnttk -.",t f.:.:i Cli cu:

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schlagen hat. Die Tage de5 &iin Haseneinganges von Cuzhaven sind gezahlt. Wenn auch noch manches Jahr dahingehen wird, bis die alten Pfähle einem modernen Bau weichen werden, so ist es doch sicher, daß in absehbarer Zeit die Verkehrsmittel einen solchen erheischen. An dem Fleck aber, wo dereinst ein Neubau stehen wird, wird noch lange die Erinnerung haften bleiben an die Alte Liebe."

Das Värcnwcib. Die Anssiellunz von Krüppeln U7Ä Mißgeburten, nur zu dem Zweck, mn die profane Neugier zu befriedigen läßt sich vom ästhetischen Standpunkt aus in keiner Weise rechtfertigen. Das Mitleid, der Gedanke, daß diese bedauernswerthen Ausstellungssubjecte durch die Ausstellung Geld verdienen und ihre Lage verbessern, kcmn uns wenigstens zum Theil über die ästhetischen Bedenken hinwezbringen. In noch höherm Maße ist dies der Fall, wenn sich durch eine solche Ausstellung für die Wissenschaft irgendwie interessantes Material ergibt. Speciell die Anthropologen interessiren sich für allc zur Schau gestellten Abnormitäten und auch Prof. Virchow in Berlin veNnstaltet wissenschaftliche Untersuchungen an solchen menschlichen Sehenswü.?digkeiten", so auch an dem sogen. Bärenweib, das längere Zeit in Castan5s Da8 Värenweib. Panoptikum zu Berlin ausgestellt warDie Berliner Anthropologische Geselle schaft, in deren Sitzungen das Bärenweib wiederholt vorgeführt wurde,, hatte Gelegenheit, sich mit dem eigenthümlichen Gliederbau dieser Abnormität zu beschäftigen. Es wurde- jüngst durchAnwendung von Röntgen-Strah-len nachgewiesen, daß der Knochenbau ein abnormer sei und die sogen. Phokomelie aufweise. Es fehlen nämlich bei dem Bärcnweib fast ganz die Unterschenke! und die Unterarme, so daß die Hände fast direct an die Ellenbogen und die Füße an Vit Knie angewachsen sind. Die Gliedmaßen sehen dadurch denen der Robben ähnlich, und deshalb nennt man diesen Zustand Robbengliederigkeit" (Phokomelie). Das Fehlen der Unterarme und der Unterschenkel ist durch Verkümmerung entstanden; es sind nur noch oeringe Reste derselben vorhanden. Diese Erscheinung ist schon mehrfach von Männern der Wissenschaft beobachtet worden; bisher nahm man an, daß solcheWesen nicht lebensfähig seien. Das, Bärenweib liefert zum ersten Mal den. Gegenbeweis. Gemüthlich. Richter: Nach dem von mir persönlich vorgenommenen Augenschein ist es mir geradezu unerfindlich, auf welehe Weise Sie in dieses Haus einge-, stiegen sind!" Angeklagter: Turne' muaß ma" halt könne', Herr Gerichtshof, turne'!" - Ausklärung. Aber, Mann, können Sie denn in Ihren alten Tagen noch solch' schwere Stiefel ertragen?" Ja ja. fan schon schwar; aber wenn s' amal in Schwung kemma, rena s' von selba dahin!" Unbegreiflich. -Backfisch-chen (als ein Regiment mit klingei'dem Spiel vorüberzieht): Unbegreiflich, daß es Menschen gibt, die über Militärlasten klagen!" Gerechte Entrüstung. . . .Sag', Arthur, würdest Du Dir Wirklich das Leben genommen haben, wenn ich Dir damals einen Korb gegeben hätte?" Ach. Unsinn!" , Das wäre aber eine Gemeinheit gewe sen! Ich hatte es schon allen meinen Freundinnen erzahlt!" Dankbar. Junge Dame: Geben Sie mir eine Aard blaues Band. Aber habe ich Sie nicht schon vorher einmal gesehen?" Commis: Gewiß, mein Fräulein; ich habe Ihnen ja im Sommer in Newport das Leben gerettet; haben Sie denn das ganz vergessen?" Junge Dame: Nein, gewiß nicht! Und um Ihnen zu beweisen, dah ich nicht undankbar kö7.7.:n Sie mir . jetzt auch 2 5):rd U-u:) O-nd cen."

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