Indiana Tribüne, Volume 21, Number 216, Indianapolis, Marion County, 24 April 1898 — Page 1
o A M fVO s r AY rlC fiY fvO m V v y v w y y yy V Office : No. 18 Sud Alabama Straße. Telephon 1171. Indianapolis. Zndiana Sonntag, den 24. April 898 Jahrgang 31 NlUSI
i
f ff s '
B$
IX I II II
Einbrecher ! Diebe !
Die Dielen Einbrüche, welche in lehter Zeit in dieser Stadt vorkamen, M2öt eö wünsüknSwerth einen Platz zu haben, der volle Sicherheit gewährt für die Ausdewayrung von Briefen, sonstiaen Vavieren. Andenken, Schmucksachen. Erbstücke, Silbeiwaaren und Wttthsachen aller Arten. Vie Sicherhetts Gewölbe der Indiana . . . Trust Company bieten absolute Sicherheit. Die größten und stärksten Gewölbe im Staat. Die beste Einrichtung. Besondere Bequemlichkeiten für Frauen. Abtheilungen $3 däö Jahr und aufm. Einsichtnahme erbeten. Ossice : Indiana Trust (S.baude tWILÄSMfW fclvU Matbans PeterS im Alter wlUlU J.hren. Em,ta, acht 10 hr 10 Minute. Die Zelt der keerdkgung alrd spitet Wannt gemacht. Tie traucrnZen Hinterbliebenen, Wf Y" I il n m UaiiLi JHHi HHIIHUPVIM mämiMm t' ' i in iiiiiiiii tmtg& LsichsnösftstteV, Off. : 6 Sud Delawareftk. Mf.2? : 120, 122. 126, 123 Oft Pearlftr levbsn 11. Offe ?aa und NaS. VrchiZMisljkll. Die Armee-Reorganisa-t i o n. Washington.23. April. Die Armee-Neorganisationöbill wurde vom HauS passirt. Staatssekretär Sherman W a s h in g t o n, 2Z. Apr. Staat, sekretär Sherman wird sicherlich auS seinem Amte scheiden, denn e ist zu befürchten, daß er der Regierung große Verlegenheiten bereitet. ES scheint, daß er geistig und körperlich schwach wird. Vor einigen Tagen nahm er Seiten de spanischen Gesandten einen Vorschlag zur Vermittlung Seiten der europäischen Großmächte an. Glücklicherweise traf Hilfsekretär DaY den Gesandten und hörte zu seinem Elstaunen wa vorgegangen. Er machte dem Präsidenten Mittheilung und dieser machte allen weiteren Unterhandlungen ein Ende. Der Präsident ist deshalb entschlossen, Sherman um seine ResigNation zu ersuchen. Nachrichten vonPortoRieo. New I ork. 22. Ap.il. Nachrichten von Porto Rico sind sehr mager. Die Zustände find derart, daß im Intiern der Insel Brodkrawalle zu befürchten find. Die Arbeiter haben kein? Beschäftigung unb die LebenStuittel find furchtbar im Preise ge stiegen. DieKriegSfteuer. W a s h i n g't o n, 22. April. Die republikanischen Mitglieder deS Comite für Mittel und Wege haben die Kriegöst.'uer.Bill fertig gestellt und zum Druck beordert. Am Mittwoch wird sie wahrscheinlich dem vollen Comite vorgelegt werden, mehrere Fragen find aber noch offen gelassen. Man erwzrtet. daß die Bill 95 bi 100 Millionen aufbringen wird. Heute beschloß man keine der dorgeschlage uen Subst:tute, wie Cisenbahnticket und Petroleum zu besteuern. Reschlossen wurde aber, Kaugummi mit 1 Cent, Mineralwasser, Ginger-Ale, und au ländische und einheimische Weine mit 2 Cent per Pint und 4 Cent per Quart zu besteuern. Zu dem Stempelsteuerese von 1866, welche wieder in Kraft gesetzt werden soll, treten mehrere Modifikationen ein. Eine Tonnen steuer soll 52,200.000 aufbringen. Der Aufschlag von ZI per Faß auf Bier
l'M4v ijMrMd .5 e - - "-A?. : 'h-lv-':Cv'';'iw j ! rP fMWrifWÜ lx - . - -i-S -Hs -Ti . TiÄ--JuÄj5.vw' t", . - v -V -i, tf iV-if i .Tyrr----"
soll 35 Millionen aufbringen, ob der
Rabatt auf Biekstempel bewilligt werden soll, ist noch zweifelhast. Durch die Verdoppelung der Tabakssteuer und die Bestimmungen über eine Retail Lizen von $4.89 will man 30 Millio nen und durch die Bestimmungen über die Stempelsteuer über 20 Millionen aufbringen. -.- Da fliegende Geschwader. Keine Freibeuterei. Washing ton, 23. April. Nach sorgfältigen Erkundigungen von maß gebender Stelle ist e wahrscheinlich, daß Capt. SchleyS fliegendes Geschwader aus seinem ObservationSPosten in Hampton Roadö so lange bleiben wird, bi Eommander HowellS Patrollflotte bereit ist. den Schutz der atlantischen Hasenstädte zu übernehmen. Im Lause de Tage richtete da Staatsdepartement eine identische Note an alle Vertreter der ausländischen Mächte in Washington, worin eö die Politik darlegt, welche die Regierung bezüglich der Freibeuterei und der Neutralität befolgen wird. Daran knüpften sich Kabeldepeschen gleichen Inhalts cn alle amerikanischen Botschafter und Gesandtschaften im AuSlande. Die Erklärungen ensprechen im Prinzip dem Pariser Abkommen von 1866. Die Blockade. 33 affinsten, 23. April. Die Blockade der nördlichen Küste von Cuba wird Gomez und den Znfurgenten Gelegenheit gegen, energisch gegen die Svaniee vorzugehen. Vom Süden her kann Blanco keine Hilse erwarten. Die östlichen und westlichen Vroninzen befinden sich in den Händen der Jnsurgenten, nur der mittlere Theil CubaS ist von den Spaniern besetzt. Dagegen kann, unbelästigt von den amerikanischen Schiffen den Jnsurgenten vom Süden aus) Hilfe zugeführt werden. Die Spanier haben zur Bewachung der Küsten bloß wenig Schiffe. Ihre großen Schiffe find fort, wohin weiß man ebensowenig, wie man die Pläne der Spanier kennt. Man weiß indeß, daß die Spanier keine großen Vorrathe von Lebensrnitteln haben und sie dürften sich in schlimmer Verfassung befinden, sobald die vorhandenen Vorräthe aufgezehrt sein werden. - Die Freiwilligen-Armee Washington, 23. April. Der Präsident und die Beamten deS Kriegsdepartea'.entS fühlen bereits den Druck der Politiker in Bezug auf die Ernenung der Offiziere für die FreiwilligenArmee. Allein eS wird ihnen nicht viel nützen. Unter dem Gesetze steht die Ernennung der Offiziere der Regimenter den Gouvernören der verschiedenen Staaten zu. Da haben der Präsident und daS Kriegsdepartement nichts zu sagen. Der Gouvernör kann wenn er will einen Offizier der regulären Armee als Oberst ernennen, dann wird derselbe vom Dienste in der regulären Armee zeitweilig befreit. DaS Kriegsdepartement ist jedoch im Besitze vertraulicher Berichte über die Qualifikation der Milizoffiziere und es kann vorkommen, daß den Goudervören vom Krieaödepartement au Winke betreff der Ernennung der Ofsiziere gegeben werden. - Der Mensch in seinem Wahn. K a n s a S City. Mo., 23. April. Der Schuhmacher Thomas CollinS in KansaS City ist einer von denjenigen, die sich nicht für einen Krieg zwischen den Ber. Staaten und Spanien zu begeistern vermögen und als die Nachricht eintraf, daß die Feindseligkeiten jeden Augenblick beginnen könnten, schloß er seinen Laden, hing ein Trauerzeichen an die Thür und befestigte folgende Notiz daran: Geschlössen zum Andenken an eine christliche Nation, die sich zur Barbarei eines Krieges erniedrigt." Zehn Minuten spater aber hatte sich schon eine gewaltige Menschenmenge vor dem Hause angesammelt; die Thüre wurde eingeschlagen und CollinS wäre wahrscheinlich in der nächsten Minute an einen Telegraphenpfoften aufgehängt
worden, wenn nicht gerade noch zur
rechten Zeit eine Abtheilung Polizei auf der Bildfläche erschienen wäre und den friedliebenden Schuhmacher gerettet hätte. Demonstration in Prineeton Princeton. N. 3.. 23. April Die größte Studenten-Demonstration seit dem Burgerkriege wurde hier gestern von etwa 1000 Studenten veranstaltet, welche in Parade durch die Stadt und schließlich vor .Präsident ClevelandS HauS zogen, welcher ihnen eine Rede halten mußte, die mit EnthufiaSmuS aufgenommen wurde. Unter Anderem sagte der Redner : Ich vermuthe daß diese Demonstration ein Beweis EureS Patriotismus in dieser kritischen Stunde derGeschichte unserer Nation ist, und ich freue mich. ihn zu sehen. Steht zu dem Lande, wenn eS im Recht ist, und ich bin nicht so ganz sicher, daß wir DaS nicht auch thun sollten, wenn eS im Unrecht ist. Laßt uns hoffen, daß in dieser Krisis, in welcher wir unS befinden, unsere Armeen ihren Ruf bewähren werden, und daß sich nach Jahren zeigen wird. daß wir im Recht waren. Ernste Pflichten harren deS amerikanischen VolkeS, laßt unS hoffen, daß e diese Pflichten so gewissenhaft erfüllen wird, wie wir sie in den Vorstadien dieses ConflikteS erfüllten. Der spanische Gesandte. Niagara Fall, 23. April. Tenor Polo y. Bernabe erklärte heute Nachmiteag, die in einer Zeitung gebrachte Nachricht, er habe sich gefürchtet, auf dem Zage, der ihn nach hier brachte, Speise zu sich zu nehmen, für lächerlich. Trotzdem meinte er, habe er gerade so guten Grund zu befürchten. dzß man ihn vergiften werde, alö die Amerikaner zu der Annahme hätten, daß die Spanier die Maine" zerstört hätten. Als er auf die gute Vertretung Spaniens in Washington aufmerksam gemacht wurde, sagteer: Die Vertreter waren jedenfalls Gentlemen." Senor Palo begiebt sich von hier, nach Toronto, um einige GesandtschaftsGeschäfte noch zu erledigen und wird dann entvecer über Halifax oder Montreal nach Spanien abreisen. Waö man in Deutschland denkt. B erlin, 23 April. Die antiamerikanische Haltung der Presse wird immer schärfer, nur venige Blätter sympathifiren mit Amerika, unter diesen die Frankfurter Zeitung". Die Berliner Neuesten Nachrichten" erklären, eine direkte Kriegserklärung Amerikas wäre ehrlicher und rechten!sprechender gewesen. Die Vossische Zeitung" schreibt : Die Abreise WoodsordS auS Madrid hat Spanien wieder auf der Höhe seines vielgerühmten Nationalstolzes gezeigt. Der Bör-sen-Courier" sagt : ES verlohnt nicht, ein Wort über die Washingtoner Phrase, daß Spanien für den Kriegszustand verantwortlich sei, zu sagen DaS Tageblatt" sagt : Ausgeprägte Rauflust und Händelsucht find die hervorstehendsten Eigenschaften deS NationalcharakterS der Amerikaner. MeKinley, schwächer a!S Cleveland, war außer Stande, dem chauvinistischen Zogenprall einen festen Damm entgegenzusetzen; er ist ein mehr getriebever, als treibender Führer deS Krieges. Möge er sich seiner Verantwortung bewußt bleiben. Der Local-Anzeiger" schreibt : Die JankeeS haben vor der stolzen Haltung Spaniens Angst bekommen. Spanien hat das anmaßende Ultimatum wie einen Droh- und Bettelbrief in den Papierkorb geworfen und da wirkt auf die Amerikaner wie ein eisigeS. Sturzbad. Die Jubelfeier in Dresden wird morgen mit einer Art Fürftencongreß schließen. Der deutsche Kaiser und Hohenlohe und Golukovöki, werden dem Sachsenkönige ihre Gratulationen persönlich überbringen. Heute ist der yrinzregent von Oayern eingetroffen. SS hieß, derselbe werde wegen deS GefundheitSzuftandeS Otto München nicht verlassen. AuS der persönlichen Theilnahme der Majestäten und der beiden Kanzler schließt man daraus,
daß internationale Fragen besprochen
werden. Wie bereits früher gemeldet, find die Wahlen für den Reichstag definitiv auf den 16. Zuni fkstgesetzt. Spanien Rüstungen. Madrid, 23. April. Ein königlicheS Dekert wird soeben publizirt, welches 30,000 Mann Reserven deS Jahrgange 1L97 einberuft. m . i r r n uas v a ! m a s, anarr qe Inseln, 23. April. Der spanische Dampfer Montserrat" ist von hier am 13. April mit einer werthvollen Ladung nach Havana abgegangen und wird für einen amerikanischen Kreuzer eine schöne Prise bilden. Demonstration in Madrid. M a d r i d, 23. April. Eine enorme Menschenmenge sah der Militärparade vor dem Schloß heute Morgen zu, und der riefigste Enthusiasmus entwickelte sich, als ter junge König auf einem Balkon erschien. Heute Abend wird eine große Demonstration auf dem Platz vor dem Militär-Club ftattsinden. Madrid, 23. April. 11 Uhr 45 Abends. Heute Abend zogen 6000 Mann mit Flaggen'unter den Rufen ES lebe Spanien", Wir verlangen den Krieg", Nieder mit den Saakeeö" durch die Straßen und verbrannten eine amerikanische Flagge vor dem Hause des Premiers Sagasta, welchem eine Ovation dargebracht wurde. Dann zog man vor das Haus des französischen Botschafters Patenotre, und verlangte, daß er sich zeige, er war jedoch nicht zu Haufe. Die Königin. - 'Regentin konferirte während deS ganzen Abends mit den politischen Führern. Waö die Spanier planen. L o n d o n, 23. April. Man glaubt hier in unterrichteten Kreisen, daß die spanische Flotte nicht nach Cuba gehen, sondern in östlichen Hasenstädten Contributionen erheben wird, um auf diese Weise die amerikanische Flotte zu veranlassen Cuba zu verlassen. - Der Waffenstillstand endet. London, 23 April. Der Correspondent der Daily NewS in Madrid sagt, die Negierung habe GeneralGouverneur Blanco angewiesen, den Waffenstillstand in Cuba für beendet zu erklären. Ein Gerücht. London, 23. April. ES wird hier berichtet, daß die Spanier daS amerikanische Schiff Shenandoah, Capitän Murphy, gekapert haben. DaSselbe ging am 5. Jan. von San FraneiSko nach Liverpool ab. ES ist ein dreimastigeS Segelschiff. Der Dampfer Paris". Falmouth, Engl., 23. April. Der Dampfer Paris" passirte gestern Abend Lizzard. L o n d o n, 23. April. Man glaubt hier, daß die Berichte von der Wegnähme deS Paris" durch einen fpanischen Kreuzer bloß Wiederholungen deS gestrigen Berichtes find. Der Bericht ist bis jetzt nicht bestätigt worden. Philadelphin, Pa., 23. April. Die Beamten der International Navigation Co theilen nicht die Befürchtung, .daß der Dampfer Paris" genommen werden könne. Sie sagen in der ganzen spanischen Marine sei kein Schiff, daS e mit der Paris" an Geschvindigkeit aufnehmen könne. Wenn das Wetter klar ist, kann man ein Schiff auf zwanzig Meilen Entfernung sehen. ES ist außerdem nicht wahrscheinlich, daß die PariS" einem spaNischen Kriegsschiffe begegnen wird. Die auffallendsten Heilungen von Scrofeln, die man kennt, sind mittelst Hood'S Sarsaparilla erzielt. Dieses Mittel sucht seine Gleichen bei Blutkrankheiten. Gebraucht nur H o o d'S. - Hood'S Pillen find mit der Handgemacht und völlig gleich anSröße xnd Geviöt. 25. 1
Ghne Zlcbcrlegung. Von ff. v. Kapff.Essenther. Mein armer Mann dachte Margarethe. als sie den Brief schloß, wie w!rd er es aufnehmen? Er liebt mich so schr." Und während sie die Feder in der Hand hielt, um die Adresse zu schreiden, überlegte sie nochmals, was sie geschrieben. War es nicht ungeheuerlich, einem Manne, mit dem man ein Jahr, sage ein Jahr, verheirathet, von dessen Liebe man überzeugt ist, der einem nichts zu Leide gethan, lakonisch zu schreiben: Ich liebe Dich nicht, und ich schlage Dir darum vor, daß wir uns besser jetzt trennen, anstatt einer mehr oder minder unglücklichen Ehe entgehen zu gehen?" . Das war hart, aber dennoch, es mußte sein. Margarethe dachte an Nora, die eines Tages Hut und Mantel nimmt, um Mann und Kinder zu verlassen, weil ihre Ehe eine Lüge ist. Unzählige solcher Ehen, wie Nora sie abschüttelte, werden stumpfsinnig oder elend weiter geschleppt, weil keiner der beiden Theile den Muth hat. ein Ende
zu machen. Sie aber wollte es, sie stand aus einer höheren Stufe der Erkenntniß. Nochmals erwog sie. ob sie wirklich Richard nicht liebte. Eigentlich war er ein guter Kerl, ein bischen unbeholfen, in der Rede ohne gesellschastllche Gewandtheit, aanz erfüllt von seinem ärztlichen Berufe, ehrlich, ein bischen naiv, aber ein Charakter. Nur leider! er war verliebt und dabei recht abgeschmackt, tölpisch, ja lächerlich. Sie, Margarethe, wollte ernst genommen sein und seine altmodischen und kindischen Mätzchen stießen sie ab. Sie wollte nicht plump getätschelt und Miesekätzchen. nicht einmal Engel" genannt werden.' Nein, sie liebte Richard nicht, wie man den Gatten lieben muß. Wie auch konnte er im ersten Jahre der Ehe gleich auf Monate fortgehen? Allerdings, es war em sehr ehrenvoller Ruf gewesen, die Einrichtungen verschiedene? ausländischer Krankenhäuser für Jnfektionskrankherten zu studiren. Er glaubte diesen Ruf nicht ablehnen zu dürfen. Auch versicherte er, daß gerade bei einer Ehe, wie es die thre war, eine Trennung gar nichts bedeute: trotzdem war es sonderbar, daß dr verliebte, junge Gatte sich dazu entschloß. Als ernste Natur mußte sie ihm beistimmen.-den-noch trug sie ihm die Sache ein wenig nach. Auch die Briefe hatten kein rechteS seelisches Verständniß gebracht, keinen wirklichen Austausch von Gedanken und Empfindungen. Also besser ein Ende, und zwar gleich, auf der Stelle. Er verstand sie nicht." Richard sollte diese Nacht von Hambürg eintreffen. Er erwartete sie in der ehelichen Wohnung zu finden, obgleich sie die ganze Zeit hindurch mit ihren Verwandten in Thüringen gewesen war. Jedoch sie war von der Ankunft ihres Mannes unterrichtet. Statt ihrer sollte er diesen Brief vorfinden, auf den ihn ihre Abwesenheit im erstenAugenbsick vorbereiten mußte. Er mußte wohl errathen, daß sie hier draußen in der Villa ihrer Verwandten wohnte. Sie malte hier im Atelier ihres Vetters. Aber sie wollte sick ja auch vor Richard nicht verbergen, sondern sich mit ihm vernünftig und lei denschaftslos, wie eme moderne Frau, im besten Sinne auseinandersetzen! Vergebens versuchte sie eö heute, zu malen. Und eö hätte doch so gut yehen müssen. Das Licht war günstig. der Vetter, der sie durch sein lautes Wesen störte, wieder einmal nicht da. Es war ein leichtsinniger, verdummetter Mensch, wenn auch begabt. In diesem Hause war die Lüge permanent, denn Mutter und Sohn tauschten den braven, tüchtigen, fleißigen Vater über daS Talent und die Leistungsfähigkeit deS jungen Malers. Gewiß war der Kunstiunger nach Berlin gegangen, um in einem Weinrestaurant zu frühstücken. Natürlich sagte man dem Vater, er mache Studien im alten Museum. Nein, nur nicht lugen. DaS
vergiftet das ganze HauS. Man rief sie ab, es sei Besuch gekommen. Wie ärgerlich! Sie war ganz und gar nicht in der Stimmung dazu, unbefangen zu plaudern. DaS Nora - Problem beschäftigte sie, sowie Gregers auS der .Wildente-. Sie vermuthete den Besuch im Salon und wollte sich in ihrem Zimmer die Haare ordnen. Wer ihr da entgegentrat, war ihr Mann. Noch lag der Brief an ihn auf dem kleinen Schreibtisch. Das Mädchen hatte ihn noch nicht besorgt. Margarethe konnte ihren Schreck nicht verbergen. Sie wußte nicht gleich, was zu jagen. Außerdem war sie höchlichst erstaunt, daß Richard so ruhig blieb. Kein Miesekätzchen". keine tappende Liebkosung, kein Kuß, er reichte ihr nur die Hand. .Wieso wolltest Du mir denn noch einen Brief nachfeuern, Margarethe? Du wußtest doch, daß ich selbst komme. Ich hatte inzwischen Aufenthalt in Hamburg gestrichen, verschoben. Ich darf ihn doch lesen, Deinen Brief ?" ,2 i a mein lieber Richard s
oas yelyt ich za. es ist wohl am besten. Du liest ihn gleich!" Zitternd, mit neu erWachter Gewissensangst, beobachtete sie ihn. wie er
las. Er mutzte, wie sein verändertes Wesen verrieth, etwas geahnt haben. Woher nur? Merkwürdiger Weise zeigte sich in seinem guten, klaren, etwas vollen Gesicht weder Schreck noch grotzer schmerz. Hm Hm." sagte er nur. Und da i, entsetzt über seine Gleichgiltigt seit, nicht gleich Worte fand, setzte er hinzu: Aber weißt Du. mir nur so den Stuhl vor die Thür zu stellen, das ist stark. Es handelt sich doch nicht um vierhändig Spielen, um eine Partie Piquet, sondern um eine um unsere Ehe!" Es ist mein heiliger Ernst, Richard!" stammelte sie, ich will Dich nicht unglücklich machen glaube mir Du wie Du das sagst," er schlug auf das Papier. Du liebst mich nicht. Na. warum hast Du mich aber geheirathet?" Damals, lieber Richard." ihre Stimme bebte, glaubte ich ganz bestimmt, ich werde Dich lieben lernen. Der Fehler ist. wir haben ganz ohne Ueberlcgung geheirathet. Das ist unverzeihlich. Wir kannten uns wenig mehr als eine Woche, als wir uns damals beim Aerztetag verlobten, und waren während unseres Brautstandes selten zusammen." Ja, mein liebes' Kind," er stotterte ein wenig. Du warst doch einverstanden. Und nimm's nicht übel so was man sagt, geliebt geliebt habe ich Dich eben auch nicht." Aber, um's Himmels Willen, Richard. warum hast Du mich dann geheirathet?" Warum? Es war für mich auch Zeit zu heirathen. Als Arzt besonders. Man genießt da mehr Vertrauen; Dein Vater war mir auch sehr nützlich. Man ist nicht umsonst Geheimrath. Davon hast Du nichts erfahren. Dein Vater und. ich verschwiegen es mit Absicht. (Die Lüge", dachte Margarethe.) Dabei hattest Du Alles Bildung. Anmuth. Charakter; und ich sagte mir: es wäre ein Skandal, wenn Du diese Frau nicht lieben würdest." Jetzt sprichst Du ja schrecklich vernünftig. Sonst hast Du immer so verliebt gethan. Warum denn?" Ich dachte ja was dachte ich denn eigentlich? Nun, ich wollte es Dich natürlich nicht merken lassen, daß daß die Sache doch nicht ganz in Ordnung war. Aber ich habe es wohl ungeschickt gemacht, was?" Er sah eigentlich konisch aus bei dieser Frage. Sie saß da wie versteuert. Man hätte leicht glaubn k'önnen, sie fühle sich unglücklich. Sie sagte' Nicht eigentlich ungeschickt, denn ich habe ja geglaubt. Du liebtest mich wirklich " Und ich habe ganz dasselbe von Dir geglaubt. Jedes ainüX U sich vom An dern geliebt! Da? zzt ein beidersei tiger Irrthum. Äun i's herausgekommen. Mir ka:r. r, immer so vor, daß Du zu hoch übe: mir ständest. Du hast so eine Würde an Dir etwas Feierliches Beklommenes Ernstes. Auch verstehe ich gar nichts von der Kunst. Na da ist. nun Dein Vetter " Laß mich mit dem Vetter in Ruhe. Der ist mir viel zu oberflächlich und unmännlich. Aber Du, Richard, sei aufrichtiq. vielleicht hast Du irgend ein anderes Interesse?" Ich?" rief er in komischem Ersiaunen. ich?" Wie käme ich dazu? Ich verstehe es so gar nicht, mich mit Damen anzufreunden!" Darum auch." sagte sie mit leichtem Lächeln, bist Du so blind in Deine Ehe hineingefallen." Aber, ich bitte Dich, Margarethe, ich weiß Dich zu schätzen " . Ich Dich auch. Habe ich Dir nicht auch Alles von den Augen abgesehen?" sagte Margarethe vorwurfsvoll; sogar um die 5iüche habe ich mich bekümmert, und Deine Lieblingsspeisen studirt! Besinnst Du Dich nicht auf die Löffel?rbsen mitSpeck Deine Gourmandise aus der Studentenzeit? Siehst Du. über das Kochen hatte ich mich immer erhaben gefühlt. Aber ich hatte, doch immer gehört, daß junge Frauen sich in diesem Punkte um die Zufriedenheit ihres Gatten bemühen müssen. ..." Und ich war Dir dafür auch schauderhaft dankbar." unterbrach er. Uebrigens. habe ich Dir nicht auch jeden Wunsch erfüllt? Denke an die gothischen Kirchen, die mich sehr langweilen, und an das Geld, das der Oswald Achenbach mich zu Weihnachten kostete. Es that mir sehr leid um das Geld, denn ich fand, man kann sich derlei in den Ausstellungen ansehen, das genügt " Ich war auch sehr gerührt über die Weihnachts - Ueberraschung," versetzte sie. abermals verschweigend, daß sie die italienischen Landschaften gar nicht liebte. Und dennoch." fuhr sie fort, fühlten wir uns nicht wohl mit einander?" '
Nein, gar nicht eyrlich gestanden." Und Richard athmete ordentlich auf vor Erleichterung. Ihm schien ganz wohl; sie, welche die Initiative
ergriffen, fühlte sich bedrückt, konnte sich nicht darein finden, so leicht aufgegeben zu werden. Also, lieber Richard." sprach sie bewegt, haben wir nun weiter nichts zu thun, als Abschied zu nehmen. Ich werde eben weiter malen und Du wirst eine neue Expedition antreten. Nach Rußland, sagtest Du?" Die Sache ist noch nicht spruchreif," versetzte er, ks bleibt also nur als positives Ergebniß, daß Du weiter malst. Das könntest Du überall thun, sogar auch in Rußland, wo es auch Haideblumen und anderes malerisches Zeug geben wird. ..." Er machte eine Pause. Sie saß mit gesenkten Wimpern da und gewahrte nicht, wie theilnahmsvoll er sie aus seinen scharfen, ruhigen Augen beobachtete. Du sazrest vorhin, wir hätten uns ohne Ueberlcgung verheirathet? Findest Du nicht, daß wir uns jetzt eben so trennen wollen? Wir könnten uns dieSache doch noch gründlich überlegen! Nur nichts übereilen in so wichtigen Dingen. Zum Ausemanderlauftn ist es-noch immer Zeit. Eigentlich steht doch gar nichts zwischen uns " Als daß wir uns nicht lieben,- ergänzte sie trübe lächelnd, nur diese Kleinigkeit!" Aber das kann ja wirklich noch kommen." rief er zuversichtlich, wir können doch ganz gemüthlich ohneLiebe bei einander bleiben." Das ist eine Idee, Richard!" Sie war erleichtert aufgesprungen. Nur keine Lüge, keine Komödie. Ein Jedes von uns gibt sich, wie man ist." Man rief zu Tische. Wie gut, daß die Trennunasqeschichte hinausgeschoben ist." schrie er fast jubelnd. Nun gib mir doch einen ordentlichen Kuß " Sie ließ sich lachend küssen. Dann gingen sie Arm in Arm zu Tische. Ihr seht ja aus. als ob Ihr Euch eben verlobt hättet." rief die Tante, welche eben ihrem Manne das Ausbleiben des Sohnes erklärte. Wir wollen auch ein Glas Wein auf Euer Wohl trinken!" Alte Banken. In Deutschland zählt man sieben Bankhäuser, die noch auö dem 17. Jahrhundert stammen; vier von diesen haben ihren Sitz in Frankfurt a. M.. das emst der Mittelpunkt des centraleuropäischen Geldverkehrs war; die Firmen D. u. I. de Neufville, das älteste deutsche Bankhaus (gegründet 1607), Johann Mertens (1615), Johann Goll u. Sohne (1674) und Benjamin Metzler sel. Sohn uZConsorten (1674). Mit Ausnahme der dritten dieser vier Firmen sind sie alle noch im Besitze von Nachkommen der Gründer. Die anderen noch aus dem 17. Jahrhundert stammen Bankfirmen sind die folgenden: Seb. Plchler sel. Erben m München (gegründet 1634). Johann Alexander Krebs in Freiburg (gegründet 1666) und G. v. Packalys Enkel in Breslau (gegründet 1679). Von den im 18. Jahrhundert errichteten Bankhäusern bestehen noch 86, ' und zwar 9 davon in Berlin, 7 in Hambürg, je 3 in Leipzig und Frankfurt a. M., je 2 in Köln, Breslau, Braunschweig, Elberfeld. Konstanz und Mannheim. Die bekanntesten unter diesen 86 sind die Firmen L. M. Bamberger in Berlin (errichtet 1750), Gebrüder Bethmann in Frankfurt a. M. (1748). Job. David Herstatt in Köln (1720), Eichhorn u. Co. in Breslau (1728), von der Heydt - Kersten u. Söhne in Elberfeld (1764). Die Fürstin! Es aina im trauten Zwiegespräch Der Geist mit dem Geschmack; Ein Weib naht ihnen angethan Mit buntem Schabernack. Ein herrliches Philisterpaar!" Die Dame höhnend spricht Dabei schlägt sie mit kecker Hand Die Beiden in's Gesicht. Geist und Geschmack sind ganz empört:. Madam' ich werd' Sie klagen!" So rufen sie; es ist brutal, Uns in's Gesicht zu schlagen!" Das Dämchen schaut sie lustig an : Ihr amllsirt mich Beide" Spricht sie und schüttelt sich dabei Vor Uebermuth und Freude. .Ihr droht mir? 's ist ein Götter- - Witz! Ich lach' mich noch zu Tode! Die Herren kennen mich wohl nicht? Ich bin die. Fürstin Mode. ..." . Schlaumeier. Junge Frau: (welche ihrem Manne auf die Redouie nachging): Aber, daß Du mich sofort erkannt hast. Eugen?" Kunststück ! So ein Wesen wie Du, gibt's nur ein.mal!"
