Indiana Tribüne, Volume 21, Number 209, Indianapolis, Marion County, 17 April 1898 — Page 7
Weiße Voscgeroe Kose. AuZ dem Schwedischen deS Hedenstierna. DaZ schöne Gretchcn Schwcrtfeld meinte nie schönere Rosen gesehen zu haben, als diese duftigen Kelche, die sie an ihr glühendes, thränenüberströmtes Eesichtchen drückte. Fähnrich Helmschild hatte gestern Abend mit bebenden Lippen gebeten, sie möge heute in aller Morgenfrühe in den Garten kommen. Ihre Lippen hatten ein leises Nein" gehaucht, aber in ihren aufflammenden Augen hatte er gelesen, daß sie zur bestimmten Stunde dennoch dort sein würde. 'Und als von ungefähr Pferdegetrappel an ihr Ohr schlug, hätte keine Macht der Erde sie in ihrem Kämmerchen zurückhalten könum. Ein unbestimmtes, banges Ahnen erfüllte ihr Herz, so daß es stürmisch pochte Sie wußte, daß ihr der F'ähnrich etwas zu sagen hatte, wenn nicht heute, so doch morgen oder ein anderes Mal. Sie wußte es, denn das Beben seiner Stimme und die Gluth seines Blickes hatten ihn verrathen, und sie zitterte davor, daß, wenn er heute wieder bittend zu ihr ausschauen würde, ihre Lippen wohl ein kaum hörbares .Nein" flüstern werden, indeß ihr Herz leidenschaftlich rufen wird: .Ja!" Indeß die kleinen Füßchen den Park entlang trippelten, überlegte sie hundertmal ihre Lage. Ihr Oheim hatte sie aus Mitleid zu sich in's Haus genommen. Der Vater bankerott, die Mutter krank, die Geschwister sehen einer trostlosen Zukunft entgegen wenn wenn Ach, und sie braucht ja nur die Hand auszustrecken, so gehört ganz Stromsund mit seinem Park, seinem Schwanenteich. seinen Reichthümern und sammt dem Kämmerer Sternenflug ihr, ihr allein. Heute, morgen, wann sie will! Ach und sie hatte doch den Fähnrich so lieb, so lieb! Wie sie einander zuletzt gegenüberstanden im strahlenden Morgensonnenschein, Deide so jung, so feurig Gretchen!" Gretchen!" wiederholte er mit bebender Stimme. Er sprach wenig und sicherlich nicht in schön gewählten Worten; er war ja noch so jung und sie seine erste Liebe. Aber sie hörte nickt mit dem Verstände, nur mit dem Herzen; hatte sie ja doch all' dies schon im Traum ört. oft. sehr oft auch heute Nacht. Ihr Herz pochte laut und sie bebte an allen Gliedern. Sie wagte die Augen nicht aufzuschlagen, um feinem Blicke zu begegnen, aber sie wagte auch nicht, das vernichtende .Nein" hervorzubringen. Fähnrich Helmschild wußte wohl, 1)aß selbst die verliebtesten jungen Dämchen nicht gleift .Ja" sagen" und wollte sie an sich ziehen, um die Antwort von dem purpurübergossenen Gesichtchen zu lesen, da entwand sich Gretchen so iodtenblaß seiner Umarmung, daß er erschrak. Seine Rechte ließ den Strauß weißer Rosen fallen, den er ihr gebracht, und als er sie von der Erde aufhob und ihr sie übergab, flüsterte er reumüthig: .Verzeihen Sie mir, Fräulein Gretchen, wenn ich Sie beleidigt habe, oder wenn meine Frage aufdringlich gewesen. Aber wollen Sie mir einen Hoffnungsschimmer gewähren auf die Frage, die ich heute zum ersten und letzten Mal an Sie richte, so stecken Sie heute Abend eine dieser weißen Rosm in's Haar. Leben Sie wohl, Fräulein Gretchen." Und sporenklirrend eilte er davon. Die Gartenthür knarrte, dann ward Alles still. Gretchen stand noch immer regungslos auf derselben Stelle und in ihren Augen Uitzte.i verrätherische Tropfen. War's Thau oder waren's gar Thränen? Gleich einer Nachtwandlerin kehrte sie in ihr Zimmer zurück und starrte traumverloren vor sich hm, bis Pferdegetrappel und Räderrollen, sie aus ihrem Sinnen aufscheuchten. Der Kämmerer, Excellenz Sternenslug, war mit seinem herrlichsten Vierergespann vorgefahren und Gretchen fühlte das Blut in denAdern starr werden, als ihre Tante sie mit lächelnder Miene in den Salon rief. Sie wußte, was nun folgen würde. Der Kämmerer war ein wohlcottservirter Fünfziger und ein viel routinirterer Freier, als der arme Fähnrich 'Helmschild. Auch wußte er seine Worte viel zierlicher zu setzen. ' Gretchen aber war scheu und schüchtern und konnte kaum zwei Worte sprechen. In ihrer Verlegenheit aber war sie so reizend und anmuthig, daß sein Entzücken sich zu heller Begeisterung steigerte und er der Tante, der G retchens Zurückhal iung arg mißfiel, gar begütigend zuflüsterte: .Oh. meine Liebe, machen Sie sich nichts daraus! Gretchen ist in Engel, und man darf sie nicht erschrecken. Lassen wir ihr Zeit! Sie ist zu charmant, sehr charmant! Auf Ehre, sehr charmant! Aber jetzt muß ich mich empfehlen! Auf Wiedersehen heut' Abend!" Und im Vollgefühle seines Sieges verabschiedete er sich von Gretchen auf so eigenthümlich verliebte Weise, als wäre sie schon seine Braut. Ja selbst ihr Onkel munte darüber lächeln. Dann rollte seine elegante Equipage mit ihm davon, nachdem er vorher die Erlaubniß erbeten, reichen inen Strauö der schönsten gelben Rosen zu Füßen legen zu dürfen. Um 6 Uhr war Gretchen ballbereit. Auf ihrem Tische dufteten die schönsten gelben und die schimmerndsten weißen Rosen. Gelbe oder weiße? Ihr war, als bedeuteten die gelben Kelche ihr Todesuri'heil. Wenn nur der Andere nicht käme! Wenn ftin ganzes Herz, sein aanzeZ Leben nicht an dieser Hoffnung hinge! Schon wollte sie mit bebender Hand ach einer der gelben Rosen preisen, da
zuckte ihr plotzNch eine Idee durch'S Köpfchen. Annette! Das Stubenkätzchen erschien. Ich kann die Arme nicht heben, An nette, stecken Sie mir eine Rose in's Haar, aber schön, hören Sie, Annette?" Eine weiße oder eine gelbe, Fräulein?" 23a was für eine Sie wollen!" Annette warf einen prüfenden Blick auf die Rosen, griff nach einer halbgcöffneten gelben Knospe und steckte sie in Gretchens Haa?. Ach, verzeihen Sie, Fräulein, hab' ich Sie gestochen?" Gretchen war zusammengezuckt. ' Nein, ich danke, es ist gut so, ganz gut," stammelte sie. Kalter Schweiß bedeckte ihre Stirn und ein Schüttelfrost durchfuhr ihre schlanke Gestalt. Als sie die Treppe hinabstieg, zitterten ihre Knie. Die Gäste waren schon vollzählig versammelt und der Kämmerer strahlte vor Befriedigung, als Gretchens anmuthige Gestalt auf der Schwelle erschien. Aber aus dem Rahmen der gegenüberliegenden Thür starrten zwei große braune Augen sie todttraurig an und in diesen Augen las sie eine so unendliche Verzweiflung, fo unerträglichen Kummer, daß Armuth, Reichthum. Furcht und Zwang nur zu winzigen Nichtigkeiten zusammenschrumpften diesem trostlosen, qualvollen Leid gegenüber. Halb bewußtlos kehrte sie auf der Schwelle um, riß die gelbe Rose aus den Locken, drückte einen heißen Kuß auf die weißen Blüthenkelche und steckte mit fieberisch zitternden Händen eine davon in ihr Haar. Komme, was da kommen mag! Ihr war, als schwebte sie hoch über allem Irdischen. Sie kehrte in den Salon zurück, und den Kämmerer mit so gleichgiltigem Blick streifend, als wäre er eine Porzcllanfigur, ging sie schnurstracks auf den Fähnrich zu und reichte ihm die Hand: Willkommen. Herr Helmschild!" Sag'. Gretchen. warum bekommst Du an dem Jahrestage Eurer Hochzeit immer weiße Rosen von Deinem Mann?" fragte eines Tages die Oberstin Gralsö, sich neuqierig an die Majorin Helmschild wendend. Weil die weiße Rose das Symbol unseres Liebesglückes ist." erwiderte der Major, der die Frage gehört hatte. Und nach langen, langen Jahren, als der Tod den Major längst hinweggerafft hatte und Großmama Helmschild um den geliebten Gatten trauerte, legte sie ihren Kindern und Enkeln an's Herz: Wenn's mit mir zu Ende geht.Kinder. so mögt ihr auf mein Grab pslanzen, was Eure Liebe Euch eingibt, aber in die Hand und auf's Herz, auf's stille, erkaltete Herz, legt mir nur weiße Rosen. damit Papa im Himmel oben sein einziges Gretchen erkenne." . Gin eifersüchtiger Gatte. Sir Spencer Smith, während des Wiener Eongresses englischer Gesandter in Wien, hatte eine auffallend schöne Frau, auf die er sinnlos eifersuchtig war. Wenn sie zum Beispiel etwas langer, als es ihm zulässig erschien, mit einem Herrn gesprochen hatte. so gab es zu Hause Scenen, bei welchen sich Smith bis zu Gewaltthätigleiten vergaß. Einmal hörte er einen jungen Mann ihre schönen Haare bewundern; am folgenden Morgen stellte er sich bei ihrer Toilette ein und befahl der Kammerfrau, ihr die Haare abzuschneiden. Ein andermal kam ihn sein Spleen theuer zu stehen: er sah in demSchaufenster eines Juweliers mehrere Dosen mit einem weiblichen Porträt, in dem er eine Aehnlichkeit mit seiner Frau zu entdecken vermeinte. Wüthend schlug er die Scheiben des Schaufensters ein, warf die Dosen auf die Straße und zerstampfte sie mit den Füßen. Trotz seines krankhaften Mißtrauens hielt er aber seine Gattin keineswegs vom! geselligen Treiben ferne, sondern er liebte es. mit ihr zu glänzen und sah deshalb darauf, daß sie in möglichst eleganten Toiletten und prachtvollem Schmuck in der Oeffentllchkeit erschien. Größer noch als seine Eifersucht war nämlich seine maßlose Eitelkeit. Als König Friedrich von Württemberg, welchem Smith bei den CongreßVerhandlungen gute Dienste geleistet, ihm zur Anerkennung dafür eine goldene Dose schenkte, deren Deckel die königliche Namenschiffre in Brillanten zierte, zeigte sich bei der nächstenSoiree die Gesandtin in einer Art Turban aus rothem Sammet, an dem der Dosendeckel vorne als Agraffe befestigt war. Noch auffälliger war die Art der Schaustellung seiner Auszeichnungen durch seine Frau gelegentlich seiner Ernennung zum Ritter des Hosenbandordens. Er sann lcnge darüber nach, auf welche Weise er die neueDekoration am sichtbarsten zeigen könne, und verfiel endlich auf die originelle Idee. seine Gattin auf dem nächsten Balle ein weißes Seidenkleid tragen zu lasse. welches das blaue Devisenband dieses hohen Ordens als Gürtel umschlang. Die Ballgesellschaft las nun zu ihrem nicht geringen Ergötzen aus dem Gürtel der schönen Dame die bekannte Devise dieses Ordens: Ilonny soit Qiii mal y ponso. (Gin Schelm, der schlecht davon denkt.) Autoritätsglaube. Was hat Gott am sechsten Tage erschaffen? (Alles schweigt.) Nun, was ist das vornehmste Geschöpf?- Der kleine Fritz (aufspringend): Der Herr Aurgermeester!" Sicher. Nein, nein, mein Herr, ich ng're mich den Dreißig.Ach, Sielvc.oen sich schon wieder entfernen!- .......
Auf der Hasenjagd. Humoreske von E. Zimmermann-Hirschfeld. Obwohl er sehr eifrig auf die Hasenjagd ging, nie etwas schoß und seiner bessern Hälfte stets gekauftes Wild nach Hause brachte, war der Rentier Hahnemann doch kein Sonntagsjäger; denn trotz seiner Jagdpartien jagte er eigentlich gar nicht, wenigstens unternahm er keine Jagden auf das vielerlei Gethier, das im Herbst und Winter den mancherlei büchsentragenden Menschenkindern willkommene Beute sein muß. Seine Büchse und Jagdtasche waren nur für seine liebe Gemahlin Auguste da. der er damit keineswegs nach dem Leben stellte, sondern wenn er jene nothwendigen Attribute eines Jägers umhing, und das geschah in der Jagdzeit sehr oft, sollte seine Gemahlin nur den Glauben bekommen, er ginge wirklich zu einer stundenlangen Streife durch Feld und Busch. In Wahrheit machte Herr Hahnemann das nie; anstatt nach Feld und Wald richtete er dann seine Schritte von seiner Vorortsvilla nach der Stadt zu seinem Freunde, dem Herrn Uhrmacher Bläulich, der in gleicher Weise wie Hahnemann sich bepackte, und dann girg die Fahrt zu Herrn Fröhlich, der wie Hahnemann Rentier und wie seine beiden Freunde ein alter Knabe, dazu aber auch noch Junggeselle war, ein Vorzug, den er nach der Meinung der Herren Hahnemann und Bläulich gar nicht genug zu schätzen wußte. Bei Herrn Fröhlich warfen die beweibten der Freunde Büchsen und Jagdtaschen in eine Ecke; die Wirthin Fröhlichs bekam den Auftrag. Jagddeute beim Wildh'ändler einzukaufen, und dann begaben sich die drei Freunde auf eine lustige Spritzfahrt von Kneipe zu Kneipe, die ihnen luftiger dünkte als das langweilige Herumschlendern in Feld und Wald. Die Zeit der Jagd war so die rechte Erholung besonders für Herrn Hahnemann, dessen Gemahlin die Kneipfahrten ihres Gatten durchaus nicht dulden wollte, aber gegen eine Jagdpartie nichts einwendete. Im Gegentheil sah sie es gern, wenn ihr Alter" zur Jagd ging, dabei käme er wenigstens nicht auf Kneipgedanken, meinte sie. So hatte jahrelang schon Herr Hah-. nemann seine ahnungslose Gattin betrogen; aber die Wahrheit des alten Spruches: der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht, sollte sich endlich auch an ihm bekunden. An einem schönen Oktobermorgen war's, als Herr Hahnemann wieder zu Büchse und Jagdtasche griff und mit dem Vorgeben, er ginge auf die Rebhühnerjagd, zu seinen Freunden schlenderte. Er hatte sich ein rundes Sümmchen von zwanzig Thalern auf die Seite zu bringen gewußt, von dem seine Gemahlin nichts wußte, und das sollte nun ein Tag werden! Herr Hahnemann war ganz außer sich vor Freude! Wie gewöhnlich gmgs nun vom Vormittage an bis zum Abend von Kneipe zu Kneipe, und Herr Hahnemann . hatte, wie man so zu sagen pflegt, schon einen ganz gehörigen Zacken, als er um neun Uhr sich erinnerte, daß es Zeit wäre, von der Jagdpartie nach Hause zurückzukehren. Man ging demnach zu Herrn Frühlich; die Herren Bläulich und Hahnemann packten ihre Jagdbeute" ein, die in je einem halben Dutzend feinster Rebhühner bestand, und nun konnte es nach Hause gehen. Herr Fröhlich begleitete die Herren noch ein Stück Weges, und da machte Rentier Hahnemann, dem die reichlich genossenen Getränke anfingen in den Kopf zu steigen, noch den Vorschlag, eine kleine, aber lustige Weinkneipe aufzusuchen, in der die reizendsten Käfer bedienten, die er je gesehen hätte. Der Vorschlag wurde natürlich mit Begeisterung angenommen, nach zwanzig Minuten saßen die Freunde im gemüthlichen Lokal, und Herr Hahnemann vergaß Rebhühner und seine liebe Auguste über einer großartigen Fla sche Markobrunner. . Der ersten Flasche folgte eine zweite; Hahnemanns gute Laune ging in Begeisterung über, und bei der dritten Flasche begann er sich dermaßen in die Reize der einen Hebe zu vertiefen, daß er nicht mehr merkte, was um ihn vorging. Seine Freunde nahmen schnell diese Gelegenheit war, um sich einen, wie sie meinten, großartigen Witz zu leisten. Sie machten mit dem Wirth ab, daß derselbe Hahnemanns Rebhühner sollte braten lassen; gemeinsam wollte man sie verzehren, und die Ueberreste vom Mahl sollten dann in Hahnemanns Jagdtasche an Stelle dr sechs Hühner gepackt werden nebst einigen alten Semmeln und verschimmelten Vroilinden. Der Wirth that, wie die Herren verlangten. Hahnemann that sich mit gut lich an dem lecker zubereiteten Braten, und als man eine Stunde nach Mitternacht aufbrach, hing er ahnungslos seine ganz anders denn vorher k-.crilllte Jagdtasche um. : Es war gegen zwei Uhr Morgens, als Hahnemann wie ein Segle: im Sturm in seiner Villa ankam. Schon von draußen sah er, daß noch Licht brannte, dab also seine liebe Auguste" ihn erwartete. Zagend trat er ein, abe? seine schlimmsten Erwartungen wurden ubertrofsen. Frau Auguste wünschte stch den Tod. daß er sie tos einem Manne befreie, der Schmach und Schande über sie bringe, befreie von dem Wüstling, dem Sodomiter, der.r Nachtschwärmer, dem Saufaus, dem dem . Hier brach Frau AugustenS Stimme und ging in anhaltendes Schluchzen 'über. - Herr Hahnemann bat und schmei .öelte. er lallte Entsckmldiaunaen. und
dann öffnete er seine Jagdtasche, um durch die sechs Hühner seine Frau zu versöhnen. Entsetzt prallte er aber zurück. Knochen, einige Federn, blutige Köpfe und Füße lagen da mit alten Semmeln und Brotrinden in holder Eintracht. Frau Auguste kreischte vor Wuth laut auf und fiel beinahe in Ohnmacht; Herr Hahnemann aber faltete die Hände über dem Magen und stöhnte auf: Die verd Kerle! Mein schönes Geld!" Seine Frau horchte auf. Dem Geld?-. . . Ein fchrecklicher Verdacht kam ihr. Wo sind die Hühner her? . . . Was, selbst geschossen?. . . So. . . so, selbst geschossen. . . sieh' doch, ek, sieh' doch. . Dann aber richtete sie sich hoch aus, und mit flammenden Augen donnerte sie dem ganz Zer--knirschten zu: Das schwöre ich Dir. Du Lügenwicht; das nächste Mal gehe ich mit zur Jagd." Roch einmal sah Frau Auguste mit einem niederschmetternden Blicke den Sünder an, und dann rauschte sie hocherhobenen Haup tes hinaus, indem sie die Thür krachend hinter sich ins Schloß fallen ließ. Herr Hahnemann hatte eine schreck' liche Nacht; er träumte, seine Frau schleppe ihn an den Haaren durch Busch und Moor, und alle Augenblicke war er wach. Er zweifelte keinen Augenblick daran, daß seine liebe Ehe Hälfte ihre Drohung wahr machen würde, denn er kannte sie. Hahnemanns Stimmung wurde nicht im geringsten gebessert, als er am nächsten Morgen beim Frühstück auf sein zaghaftes: Guten Morgen, liebe Auguste!" ein dumpfes Brummen zur Antwort erhielt, daß er ebensowohl mit: Guten Morgen! als auch mit: Verfl Säufer! übersetzen konnte. ' Ganz und gar niedergeschlagen schlich er Nachmittags zu seinen Freun-' den und klagte denen seine Noth. Anfangs lachten die, als aber Hahnemann betheuerte, daß seine Frau ihr Wort wahr machen würde, daß es mit den Bummelfahrten nun aus sein müßte, da trösttete ihn Fröhlich, er sollte sich nur beruhigen, er würde die Sache schon machen. Schließlich verabredete man sich, am zweiten Abende darauf sich wieder am Stammtisch zu treffen, und da wollte Herr Fröhlich seinen Plan vorlegen. Am zweitnächsten Abende entwickelte er denselben folgendermaßen : Hahnemann sollte frech für den nächsten Dienstag seiner Gemahlin eine Hasenjagd ankündigen. Er, Fröhlich, würde zwei Treiber" besorgen, die an gezeichnete Plätze zwei gekaufte Hasen niederlegm sollten, und die sollte Hahnemann dann schießen". Deine Frau hat ja leine Ahnung von einem frisch geschossenen Hasen; solch ein Ding hat sie wohl noch nie zu sehen bekommen," meinte er noch ironisch zu Hahnemann. Hahnemann ging auf den Plan ein, erlegte vorläufig vier Thaler für Hasen und Treiber, und mit dem Versprechen, am nächsten Dienstag zur Hasenjagd zusammenzukommen.trennte man sich. Herr Fröhlich bereitete alles aufs Beste vor. Seine Wirthin besorgte die Treiber", zwei feiernde Maurer, die ihr verwandt waren, und die gegen je einen Thaler Entgelt und das nöthige Essen nebst einigen Groschen zu Schnaps den Auftrag ausführen wollten. Die Hasen kaufte Herr Fröhlich am Montag Abend ein, möglich frisch, und am Dienstag früh sechs Uhr zogen die Treiber mit der Jagdbeute dem Jagdorte, einer Waldwiese, zu. Die Maurer hatten' ein tüchtiges Stück Weg. zudem war es recht frisch, und es war ihnen nicht zu verdenken, daß sie unterwegs tüchtig einen auf die Lampe gössen. Geld zu Schnaps war auch da, denn auf ihre Vorstellungen hin hatte ihnenHerr Fröhlich amAbend vorher einen halben Thaler im Voraus gegeben. Um ein halb acht Uhr schon waren die Leute in dem Kruge angelangt, in dem die Jagdgesellschaft zn ihnen stoßen wollte. Erst um zehn war dieselbe, zu erwarten.zwei und eine halbe Stunde hatten sie noch Zeit, und so beschlossen denn die Beiden, im Gasthofe bei einem Glase warmen Grogk sich niederzulassen. Auf das erste- Glas folgte ein zweites; die Maurer wurden redselig, und bald fingen sie an, stch laut über den Zweck ihrer Sendung zu unterhalten und über die Sonntagsjäger ihre Glossen zu machen. Sie hielten sich auch nicht im mindesten zurück, als zwei Förster in die Gaststube traten und an einem der Tische Platz nahmesi, So kam es denn, daß die Waidmanner gar bald wußten, um was es sich handelte, sie zwinkerten sich lustig mit den Augen zu, nahmen am Tasche der Maurer Platz, gaben noch einige Runden und ließen sich erzählen. Darüber verlief die Zeit ; , es war schon über neun Uhr geworden, als der eine der Treiber" sich mit dem Bemerken erhob, er müßte nun die Jaadbeule an Ort und Stelle bringen sie auch b!s zum Beginn der Jagd überwachen. Man redete ihm das Letztere aus ; es würde in dieser Frühe Niemand die Hasen wegstehlen, und als der eine dtt Förster noch etwas besonders Gutes bestellte, da ließ der Mann, sich auch überreden und versprach sofort wiederzukehren. Er ging; eine weitere Runde kam. die Förster erzählten Schnurren,- und als der eine sich mit dem Bemerken erhob, er hätte noch etwas Wichtiges zu besorgen, fiel das dem zweiten Maurer nicht weiter auf. Man dachte auch nicht weiter an den Geschiedenen, als der Maurer, der die . Jagdbeute" an Ort und .Stelle Macht hatte, wiederkam
und der zweite Forster noch nicht zurück
war. Es wurden noch Einige getrunken ; lachend schied gegen zehn Uhr auch der zweite Waidmann, und bald darauf kam auch die Jagdgesellschaft an in Begleitung von Frau Auguste Hahnemann. Der zweite Treiber, dem die Aufgabe zugefallen war, die Jagdbeute zu , bewachen, hatte sich schon beiZeiten fortgedrückt. Nach einem schnell noch eingenommenen Frühstück ging es dann zur Jagd. Die Herren waren Zuversichtlich und bester Laune, und Frau Auguste bat schon im Stillen ihren Gemahl um Verzeihung wegen des schmählichen Verdachtes, den sie gegen ihn gehegt hatte. Nur einmal noch war ein Argwohn in ihr aufgestiegen; sie hatte immer. gehört, daß ein Hund zur Jagd gehörte; aber schnell war der geschwunden, nachdem Herr Fröhlich ihr bedeutet hatte, daß, da man heut mit Treibern jagte, man doch keines Hundes bedürfte. Die J-agd" begann also. Die drei Herren und die Treiber machten einen Höllenlärm; man knallte in die Luft und that so wüthend, daß ein Fernstehender auf den Gedanken hätte kommen müssen, eine wilde Jndianerhorde sei auf die friedliche Waldwiese losgelassen. Am wildesten gebärdete sich Herr Hahnemann: er schrie und hantirte dermaßen mit seiner Büchse herum.daß seine Frau einen Heidenrespekt vor ihm bekam, und daß es als ein Wunder bezeichnet werden mußte, daß er Niemand anschoß. Wie es verabredet worden war, schrie da plötzlich einer der Treiber": Has'!", und dann brachte er sich so schnell wie nur irgend möglich aus dem Bereich der Büchse des Herrn Hahnemann. Auf den Ruf stellten die anderen UU den Herren das Schießen ein, Hahnemann stellte sich in Positur, und dann knallte er los. Getroffen!" heulte da Alles im Chor, und schnell stürzte man auf die Stelle zu, wo der Hase liegen sollte. Der eine der Treiber sprang zu, hob das Thier auf, dann ließ er es aber sofort fallen und kratzte sich verlegen den Kopf. Na. was ist denn los!" schrie Herr Hahnemann, indem er nähertrat; auch Frau. Auguste kam neugierig herzu. Herrjeh, 's is schonst 'n abjezogener Hase!" sagte der Treiber. Frau Auguste stemmte den Arm in die Seite: Ja, und da im Baume hängt das Fell", bemerkte sie in eigenthümlichem Tone, willst Du das: vielleicht auch noch schießen. Ferdinand?" Herr Hahnemann und seine Freunde, sowie die Treiber blickten auf, und wirklich: in einer jungen Tanne hing das kunstgerecht abgezogene Fell des Hasen. . , Der Anblick war so komisch, daßHerr Fröhlich durchaus lachen mußte. Das versetzte Frau Hahnemann in, Wuth. Sie Mte sich breit vor ihren Gemahl hin: Na, schieß nur weiter. Du Pampe. in abgezogenen Hasen; ich lasse mich nicht veralbern!" Giftig sah sie hierauf die Freunde Hahnemanns an, und dann machte sie sich wirklich von dannen. Hahnemann blickte nur vorwurfsvoll auf seine beiden Freunde. Ich schwöre Dir; wir thaten das nicht!" sagte Herr Fröhlich, und dann setzte er der Frau seines Freundes nach -und suchte sie zu versöhnen. Das gelang endlich auch halb und halb; man kam zu der Ansicht, daß sich ein Dummköpf" einen albernen Witz" gemacht haben mußte, und schließlich wurde die Jagd fortgesetzt. Man hoffte noch auf den andern Hasen, und Herr Fröhlich glaubte mit Recht hoffen zu dürfen, weil Herr Bläulich, der in dem Wirrwar nach der gekennzeichneten Stelle hingelaufen war, wo die Treiber" das zweite Thier niedergelegt hatten, berichten konnte, er hätte etwas Graues dort liegen sehen, also keinen abgezogenen Hasen. Man lärmte wieder und rannte umher; wieder schrie der Treiber: Has'!" diesmal aber nicht so laut wie vorhin; wieder schoß Herr Hahnemann, und dann schritt man der Stelle zu, an der der Hase liegen sollte. Ja, da lag etwas Graues; aber Herr Hahnemann glaubte, ihn müßte der Schlag rühren, als man den Hasen" aufhob. Gin mit Stroh gestopftes Hasenfell!" lachte Herr Fröhlich grimmig loö; Frau Auguste wurde kreidebleich vor Wuth und rannte davon, als ob sie selber angeschossen wäre, Herr Hahnemann aber warf mit einem Fluche das Fell xvl Boden, kehrte mit dem Ruf Sie konnten ihm gestohlen bleiben! seinen Freunden den Rücken und eilte seiner Gemahlin nach. Auch die HerVA Fröhlich und Bläulich , blieben nicht müßig, sie schimpften mordsmäßig auf die Treiber - los, die in der Zwischenzeit sich daran gemacht' hatten, den- abgezogenen Hasen vom Baume herabzuholen, der zur Abwechselung diesmal in , den Zweigen hing, und die Treiber blieben nichts schuldig. Sie drohten schließlich gar, sie wollten den ganzen Schwindel der Frau Hahnemann erzählen, und man mußte ihnen, damit sie nur ruhig waren, die versprochenen Thaler schon geben. ' Somit hatte die so fröhlich begonnene Jagd" einen ganz unerwarteten Ausgang ..genommen.; Schweigend nahm man im Gasthause das schon bestellte Mittagsmahl ein, und schweigend kehrte man nach Haus. - Herr Hahnemann söhnte sich schließlich mit seinen Freunden wieder aus, die ihm heilig versicherten, daß sie ihm keinen Streich gespielt und auch keine
pi Kr MmmV!
Jas merkwürdigste Mittel des Zeitalters für verlorene Irast. Ein freies Probepacket per Post gesandt an ättt, welche darum schreiben.
Jf i ffi 25SS-J" 3 1 i'llP
Freie Probepackete eines außerordent lich merkwürdigen Mittels werden von dem State Medical Institute, Fort Wanne, Ind., ausgetheilt. Sie haben so viele Männer geheilt, welche jahrelang gegen geistiges und Physisches Leiden infolge verlorener Manneskraft angekämpft hatten, daß das Institut beschloss sen hat, freie Probepackete zu vertheilen an alle, welche darum schreiben. Es ist eine Hausbehandlung, und alle, welche irgendwie an geschlechtlicher Schwäche infolge jugendllchen Leichtsinns, vorzeitigen Verlustes der Kraft und des Gedächtnisses, Rückenschwäche, Varicocele oder Abmagerung von Korpertheilen leiden, können sich nun zu Hause selbst curiren. Das Mittel hat eine eigenthümlich angenehme Wirkung von Wärme und scheint direkt auf die gewünschte Stelle zu wirken und Kraft und Entwickelung da zu gewähren, wo solche noth thut. Es curirt alle Uebel und Beschwerden, welche Jahre des Mißbrauchs der natür lichen Funktionen herbeigeführt haben, und ist in allen Bällen ein absoluter Er folg gewesen. Ein Gewcö an das State Medical Institute. 321 First National (taA.fc IbtttixiH Oll .u. rxv i Äant Bmivmg, Fort Wayne, Ind., um eines ver freien Prove-Packete, wird berücksichtigt werden. Das Institut wünscht die große Klasse von Männern, welche nicht gut abkommen können, um behandelt zu werden, zu erreichen, und das freie Probepacket wird ihnen zeigen, wie leicht es ist, von geschlechtlicher Schwäche geheilt zu werden, wenn die richtigen Mittel in Anwendung kommen. Das Institut zieht keine Grenzen. Jrgend Jemand, der darum schreibt, wird eine freie Probe zugesandt bekommen, sorgfältig versiegelt in einfachem Packet, sodaß der Empfänger keinerlei Unannehmlichkeit oder Veröffentlichung dadurch haben wird. Die Leser werd ersucht, ohne Verzug zu schreiben. Ahnung hätten, wie das mit den Hasen hatte geschehen können, auch zu seiner Gemahlin wurde nach und nach das Verhältniß ein besseres; aber zur Jagd" durfte er nie mehr gehen. Das wäre nun für den armen Alten sehr traurig gewesen, wenn er nicht noch auf andere Art stch freie Bummeltage zu verschaffen gewußt hätte. Mit Jagdtasche und Flinte ging Herr Hahnemann freilich nie mehr aus; aber oft noch machte er mit feinen Freunden dm gewohnten Bummel, und wenn er dann recht lustig war, dann gab er's wohl auch zum Besten, wie er einst auf die Jagd gegangen war. E i n S ch l a u ch e r l. Vatta, Zeh' bin ? zum dritten Mal da, hoam sollst D' komma !- .Gltt'komm'i'.Iackttl.glei'!Vatta, gelt, wannst D' gehst, na' gehst D' hinten rnfei!" Ja. warum denn?" Weil vorn d' Mutta mit an Stecka wart't!" Sakra warum sagst D' denn dös net glei' Nesl, zahl'n!" Kleines Mißderständn i ß. Welcher Unfug! Ich glaube gar. derClavierlehrer spielt mit unsrer Karline Karten!" Aber Moritz, was fällt Dir denn ein!" Nu'. hab' ich doch eben gehört, wie er hat gesagt: Fräulein, spielen Sie AS!"
Es ist ganz natürlich, daß, wenn ein. Mann von solch plagenden Uebeln geheilt worden ist, er darüber enthusiastische, sein sollte und nicht länger die freudige Neuigkeit für stch behalten kann. So kommt es denn, daß Tag für Tag Le weise, wie die solgenden zu ihnen gelangen, zum Dank für das Interesse in ihr Wohlergehen: Geehrte Herren!' Ich hoffe, Sie haben Zeit zuzuhören, während ich Ihnen den Dank aussprcch?. für Ihre Güte gegen mich. Ich gebrauchte Ihre Probe. Sie weckte mich auf. Ich ließ mehr davon kommen, undso wahr wie der Tag, ich habe meinefrühere körperliche Kraft und mannhafte Rüstigkeit wieder. Nichts ist mir je bekonnt geworden, das mir auch nur an nähernd so viel Gutes gethan hättet' Geehrte Herren! Das war eine rnerk-' würdige Probe von Medizin, welche Sie? mir zusandten. Sie ging direkt an dw richtige Stelle. Ich konnte es suhlen. Ich war ganz vertrocknet und ausgemagert, aber heute bin ich so lebhast wie ein Knabe, und so hoffnungsvoll in Be zug auf die Zukunft, wie nur je ein Mann fein konnte." Geehrte Herrenk.'
Lassen Sie mich nicht Ihre Bekanntschaft : rr " nr . r r . verlieren. Die Probe, welcke Sie fandten, hat mich gar bald wieder in Ord nung gebracht, und ich will alles haben was zu einer vollständigen Kur nöthig ist. Ich habe 12 Jahre lang gelitten und ich lege den Betrag bei für Ueberfendung der vollen Behandlung, besonders für die Entwickelung der Theile." Als Regel hat eine Medizin-Probe den Zweck, die Form und ihren Werth im allgemeinen bekannt zu machen, aber diejenigen, von dem State Medical Institute ausgesandt, haben Hunderten von' Männern Freude bereites wegen der schnellen Wirkung des Probe-MittelS ES ist es wohl werth, sich es kommen, zu lassen. Bescheiden. Ich muß Ihnen sagen. HerrBaron: mir imponiren die fcelf-niaile men, die gewissermaßen aus Nichts zu colossalem Vermögen gelangt sind!" W.Zs wollen Sc?! Ich hab' auch als. einfacher Millionär angefangen!" Kasernenhofblüthen. Sergeant: Müller, machen Sienicht solch dummes Gestcht - wie eine dementirte Zeitungsente!" Unterofficier (zu den Rekruten): Wie man doch im Verkehr mit Euch seine naturgeschichtlichen Kenntnisse bereichert!"
i&K 'MSMvV m'F lv mifi jvß ck s0LJi j ßi M rJ jLi-
Unterofficier (zu einem Soldaten der im Privatleben ScZer ist): Na,. Meier. Sie sind zweifelsohne Specia--list für Druckfehler." Im Gerichtssaale. Rich. ter: ,Sie geben also zu, in das Comptoir des Stellenvermittlers Meier nächtlich eingebrochen zu haben?" Angeklagter: Jawohl, Herr Richter. det'jeb ick zu. ick wollte mir aber bloö 'rial seme Vakanzen Liste durHlesen weil ick nämlich Uxtzt u
