Indiana Tribüne, Volume 21, Number 209, Indianapolis, Marion County, 17 April 1898 — Page 6
Die Hase Mslira.
1 Die Hauptstadt des algerischen Dasenlandes ist Biskra am Nordrand 'der Wüste Sahara. Gleichmäßige, milde Wintertcmveratur (68 Grad F.), reine Luft, äußerst wenigeSturmund Regentage und die Schwefelquelle jammern Salahin (115 Grad F). sind Vorzüge, die den guten Ruf von Aiskra als eines klimatischen Winter.curortes begründet haben und KrankSeiten der Luftwege, Athmungsorgane, Vieren sowie Rheumatismus werden hier geheilt. Die Oase, welche die Franzosen mit berechtigtem Stolz die Königin der Oasen" nennen, ist unter lllen ihresgleichen am schnellsten und leichtesten zu erreichen. Von Marseille bringen die Dampfer der Compagnie Transatlantique den Reisenden in 23 Stunden nach Philippeville und von hier legt man die ca. 193 englische Meilen lange Bahnstrecke über Constantine nach Biskra in 12 bis 13 Stunden zurück. Verläßt man das primitive BahnHofsgebäude und schreitet die schnürgerade breite Straße auf die moderne Stadt zu, so entsprechen die Veobach--tungen keineswegs den Vorstellungen, die man sich von der Wüsteninsel ge.macht hat. Zur Linken erblickt man -neben einem Palmenwald das schmucklose Fort Saint-Germain mit wehender Tricolore Ein geräumiger Exercierplatz liegt davor und die hier übenden Fremdenlegionäre, ein Theil der starken Besatzung, vergewissern den 'Ankömmling, daß die Sicherheit der .Oase völlig gewährleistet ist. Längst Hotel de l'Oasis. ' . sind die kampfesmuthigen WüstenPämme gedemüthigt und die gefürchte-.-ten Berberlöwen ausgerottet. Zahlreiche Equipagen sowie die Hotels Victoria, Terminus u. s. w. belehren :den Fremden, daß er eine der cultivir--testen Oasen zu Vetreten im Begriff ist. Nach fünf Minuten ist das Centrum Zder Stadt, der Stadtpark, erreicht. Aeppige Palmen, Mimosen, Eukalyptu, Cäsalpinien, Johannisbrotbäume ?und balsamisch duftende Ziersträucher 'legen von der Fruchtbarkeit beredtes .'Zeugniß ab. Doch auch menschlicher Zsleiß hat hier dasSeine dazu beigetra$en. Von dem hinter der Stadt von Nord und Süd fließenden Biskrafluß ist ein Hauptcanal längs der Nordund Westseite des Ortes gezogen, sodaß dieser thatsächlich von Wasser--armen eingeschlossen ist. Von ihnen führen zahllose kleine Wasseradern das erquickende Element durch die wohlgepflegten Anlagen, um sie unter stetiger -Bewässerung zu erhalten. Mit Glück und Geschick sind überdies von Ingelernen noch artesische Brunnen angelegt worden, sodaß man selbst im Hochsommer, wenn das Thermometer tli auf ca. 130 Grad F. steigt, keinen Wassermangel zu fürchten, braucht. 'Mitten im Stadtpark liegt ein trotz seiner fremdartigen Umgebung an die Heimath erinnerndes schmuckes Kirch--lein. In der Nähe des Stadtparks 'liegt das Hotel de l'Oasis. Das Ge'.bäude ist hinsichtlich seiner Bauart im '.Typus der vornehmeren Häuser. 'Anten in den Arcaden nimmt man Mahlzeiten ein, oben auf dem Gange Rath haus. schläft man in warmen, mondhellen 'Nächten, um die reine, balsamische 'Luft einzuathmen, während .bet Wüstenwind flüsternd im gegenüberliegenden Palmenhain ein Schlummerlied '.singt. - Das bunteste Volkslebe'n'kann man Quf dem Marktplatz beobachten, wo .sich eine schmucklose viereckige luftige Halle erhebt. Hier hocken "auf den Steinfliesen die Gemüse-, Getreideund Dattelhändler hinter ihren Kisten und Säcken, desgleichen Negerweiber, die mit Vrotfladen. Siern und Geflü drt handeln. Fleischer. Sattler, Schuhmache? und Schneider vollziehen ihr Handwerk an Ort und Stelle; Neger, Berber, Beduinen. Mauren, Tuareg schreiten in der ihnen eigenen majestätischen Würde im zerrissenen Burnus -einher, Karawanen lagern vor der Halle, und ein beständiges Schreien und Toben betäubt das Ohr. Von "den Neubauten der Stadt ist das Mathhaus (Hotel de Ville) durch seine sonderbare Architektonik auffällig. Es wird von einer Kuppel gekrönt und ist Ähnlich den Moscheen in Kairo weiß -und roth quergestreift. Die Vorderseite ist mit Colonnaden versehen, innerhalb deren zwei Löwen aus Terracotta sichtbar sind. Eine alte Karawanenstraße, führt Don der Stadt aus nach Süden. Sie schneidet die an Jagdgründen und landschaftlichen Schönheiten reichen Ncmdgebirge und führt über die Oase Touzourt in's Herz der Sahara. An dieser Route liegen vor.der Stadt das Hotel Royal, das Casino und der Garren des Grafen Landon. Der Garten nimmt einen Flächenraum von ca. 25 Acres ein und ist durch seine üppige
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Veaetation, sein sinnreiches Bewasse
rungssystem, den Reichthum an Arten sicher einer der herrlichsten Gärten der. Erde. Ein ausgedehnter Palmenwald V-Ä . h MMV &y,5wvvvs;. v7v- w f;czxzt& V 1 siCffr .A''SM o 3ää'& WeberimZrlte. liegt dem Garten gegenüber, und hier trifft man die nomadisirenden Zeltbewohner in ihrer beneidenswerthen Be dürfnißlosigkeit eben mit Weberei beschäftigt. Eine Pferdebahnlinie führt hinaus nach Alt-Biskra' Unterwegs kommt man am Hospital der Weißen Schwestern von .Afrika" vorüber. Dasselbe würde vom Erzbischof Lavigerie gegründet und befindet sich völlig auf der Höhe der Neuzeit. Die Schwestern, unter ihnen vier Deutsche, vollziehen ihren schweren Beruf mit bewundernswerther Opferfreudigkeit. In Alt-Biskra mit seinen Lehmhütten kann man das Leben der Eingeborenen beobachten. Ueberall an der Wand klebt ein Zettel mit einer Beschwörungsformel gegen die Skorpionen, denen alljährlich viele Eingeborene, die viel auf bloßem Erdboden schlafen, zum Opfer fallen. In dem schmutzigen Negerdorf sowie in den nicht minder unsauberen Weilern der Oase bilden. wie überall im Orient, die Kinder mit eiternden Augen und mit fliegenbedeckten Gesichtern die ständige Stafsage der staubigen Dorfstraßen. Die beispiellose Unreinlichkeit und Nachlässigkeit der Eingeborenen, das sorglose Gewährenlassen der zahllosen Fliegen, die den Ansteckungsstosf verbreiten, sind die Ursache der. vielen Augenkrankheiten; Einäugige und Blinde trifft man in großer Zahl. Der auf dem Gebiet der Augenheilkunde als Autorität geltende Herzog Karl Theodor von Bayern, der jüngst in Biskra weilte, hat dort an einem Scheich der Tuareg eine Staaroperation vollzogen und dem Beduinen das Augenlicht wiedergegeben; sein Ruhm ist dadurch bis in das Innere von Afrika gedrungen. Anton Seid!. In der Vollkraft seines Schaffens ist Anton Seidl, der bekannte Dirigent und Wagner - Interpret, in New Iork von einem jähen Tode ereilt worden. Anton Seidl wurde am 7. Mai 1850 zu Pest geboren, war 1870 bis 1872 Schüler des Leipziger Coaservatoriums, kam dann zu Wagner nach Bayreuth und war einer der jungen Musiker, welche die letzten Partituren und Nummern des Meisters herstellen halfen. Im Jahre 1873 wurde er auf Wagner's Empfehlung von Angelo Neumann als Kapellmeister nach Leipzig berufen, blieb bei Neumann an dessen Wagner - Theater und folgte ihm auch nach Bremen, leistete aber, nachdem Neumann Bremen mit Prag vertauscht hatte, 1885 dem Rufe nach New Iork an die Spitze der durch Damrosch's Tod 'verwaisten jungen deutschen Oper Folge. Dort war er Anton Seidl. Director der philharmonischen Gesellschaft, des Metropolitan Orchesters und der Seidl Society in Brooklyn. Im vorigen Jahre war er als Operndirigent im Coventgarden in London und auch in Bayreuth thätig. Eine ihm von der königlichen Oper in Berlin im vorigen Jahre angebotene Stellung lehnte er ab. Zur Zeit seines Todes war er Director des permanenten Orchesters, welches im Waldorf Astoria concertirt. Einsach. Dame (der ein Lieutenant ein afrikanisches Reiseabenteuer erzählte): Und haben die Kannibalen Sie nicht verspeisen wollen?" - Lieutenant: Natürlich; aber einfach jesaqt: gibt's nicht!-" Verböserte E va. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie boshaft meine Frau ist! Von der hätt' Adam einen Gallapfel bekommen!" Im Restaurant. Gast: Also nichts da wie Eier und Eierkuchen; wozu rathen Sie mir?"' Kellner: Hm, Eier würde ich nicht nehmen, die sind gewöhnlich schlecht; nehmen Sie Eierkuchen, da sind keine Eie? drin!" Hilfsbereit. Dame: Ich kann Ihnen leider kein Almosen geben, ich kann nicht in meine Tasche." Bettler: Ich könnt' es ja auch herausnehmen." Modern. Was ich füx ein Glück habe! Gestern wollte ich dem Pumpe die fünfzig Mark, die ich ihm schuldig bin, zurückgeben; heute ist er schon im ConcurS da braucht er sie nicht mehr!"
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Die Hauptstadt Ungarns, die den an New Fork und Berlin gemahnenden Aufschwung genommen hat. besitzt so manche Specialitäten, die ihresgleichen in der Welt nicht haben. Eine, der merkwürdigsten und culturgeschichtlich interessantesten Einrichtungen ist wohl die Telephon - Zeitung, die bisher keine Nachahmung in einer anderen Weltstadt gefunden hat, obschon heutzutage unter dem Zeichen des Verkehrs alle nützlichen und originellen Ersindüngen und Entdeckungen Gemeingut der Menschheit zu werden pflegen. Eine sprechende Zeitung! Sie besteht schon seit zehn Jahren, aber erst seit den letzten zwei Jahren hat sie einen außerordentlichen Aufschwung genommen, sodab die Leiter des Instituts daran denken konnten, dieses Phantasiebild Bellamy's auch in anderen unqarischen Städten, wie z. B. Arad, zur Wirklichkeit werden zu lassen. Die budapester telephonische Zeitung, die sich in der Kerepeser Straße 22 befindet, und deren Redacteur en chef Bela Virag und deren AdministrationZleiter Geza HorvatH ist, hat die Eigenthümlichkeit, daß sie von 8 Uhr Morgens bis Abends 11 Uhr ununterbrochen redet. Das Abonnement auf dieselbe ist sehr billig, und nicht allein alle öffentlichen Institute. Bibliotheken. Cafes, Restaurants u. s. w. sind auf die zwei kleinen Telephonhörmuschein abonnirt.sondern auch zahlreiche Private. Was spricht nun diese telephonische Zeitung? Ihr Programm ist ein sehr reichhaltiges und mannigfaltiges. Man höre nur die durchschnittliche Tagesordnung. Zuerst werden den Abonnenten die in der Nacht eingetroffenen Depeschen, die Wiener Nachrichten und die Mittheilungen des Amtsblattes übermittelt; dann folgen Börsennachrichten, Lokal-, TheaterCentralleitungs - Z i m m er. und Sportberichte, Provincial- und auswärtige Meldungen, Hof-, politische und militärische Informationen. Gegen Mittag wird für diejenigen, die Vormittags keine Zeit haben, alles kurz recapitulirt, eine Operation, die sich auch Abends wiederholt. Am Nachmittag redet die telephonische Zeitung von den Sitzungen des Reichstages.den Vörsencursen. städtischen Neuigkeiten, resumirt die Mittheilungen der Wiener Zeitungen und meldet die neuesten Vorkommnisse auf künstlerischem, literarischem und Modegebiet. Um 8 Uhr bekommen, die Abonnenten entweder eine Oper, ein Schau- oder Lustspiel, bezw. eine Posse oder auch ein Concert oder eine Vorlesung zu hören, chacun ä, son gout. Die Zwischenpausen werden durch die Bekanntgabe der neuesten Depeschen und Nachrichten ausgefüllt. Da das Programm stets genau eingehalten wird, brauchen die Hörer der sprechenden Zeitung nicht alles zu genießen das wäre des Guten etwas zu viel sondern sie bedienen sich des Apparats nur dann, wenn sie Nachrichten erfahren wollen, die sie interessiren; überdies gibt es genug Leute, die gern auf die Zeitungslectüre verzichten, denn so rasch und präcis, wie sie die actuellen" Ereignisse . hier zu hören bekommen, functionirt keinBlatt der Welt. Dies ist besonders der Fall, wenn es eine interessante Reichstagssitzung gibt oder wenn eine stürmische Wahl. bezw. Volksversammlung stattfindet. Daß die Abonnenten auch gute Geschäfte machen, versteht sich von selbst. Sie können Theatervorstellungen.EDncerten. Vorlesungen u. s. w. beiwohnen, ohne daß sie für diese Genüsse etwas zu bezahlen brauchen. Während des Diners veröffentlichen" die namhaftesten Dichter und Schriftsteller ihre neuesten Werke, bezw. Erzählungen. Für den Dilettanten bildet es einen wahren Ohrenschmaus, die Heldsn der Literatur zu hören und so dieselben nicht bloß gedruckt, sondern auch gesprochen zu genießen. wobei auch hier der Vortrag des Redners Glück macht. Die geistreichsten. Poeten und die berühmtesten Künstler und Künstlerinnen setzen ihren Ehrgeiz darin, sich durch die Telephon - Zeitung" Gehör zu verschaffen. Das redende Blatt hat nicht nur einen Text, sondern auch, wie jede andere Zeitung, Inserate. Von Zeit zu Zeit, wenn eine Pause eintritt, ja manchmal selbst im Verlauf der Mittheilungen. hört der Abonnent plötzlich eine Re'ie der verschiedensten Reklamen, wie z. B.: Reisen Sie nicht ohne die automatische Erfindung des Ingenieurs I." Oder: Wollen Sie eine reiche Partie machen, schreiben Sie sofort an Frau Z., LumpensammlerWittwe" u. s. w. ' Die Redaction der Telephon Zeitung" setzt sich aus etwa 40 journalistischen und schriftstellerischen Kräften zusammen; hierzu gesellen sich noch als Mitarbeiter zahlreiche Reporter,Musikund Theaterkritiker, deren Aufgabe es ist, die Schauspiel-, Opern- und Con certaufführungen des vorigen TageS kritisch zu beleuchten. Durch eine sehr geistvolle Einrichtung, einen 300 Kilometer langen Draht, wird das Hauptamt der Zeitung mit ihren zahlreichen Mitarbeitern verbunden. Eine Reihe v Mikrophonen, passend vertheilt,
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erlaubt den Abonnenten, die entfernte sten Geräusche und die feinsten Nuan cen der Stimme zu hören. Die Hörröhre sind an einem genügend langen Draht befestigt, so daß man sich ihrer bequem und mühelos bedienen kann.
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Sängerin am Apparat. Man sitzt am Kamin oder ruht Abends auf dem Lager, den Schlaf erwartend. Durch Compositionen von Johannes Brahms oder einenStrauß'schen Walzer, von einem waschechten ZigeunerOrchester gespielt, wird man sanft in den Schlaf gelullt. Der Erfinder der Telephon - Zeitung", Theodor Puskas, war ein Ungar; wesentlich verbessert wurde sie durch den Techniker Emil Szvetics. dem es zu verdanken ist, daß man Chorgesänge. Quartette und Quintette in die Zeitung singen kann, ohne daß ein einziger Ton verwischt würde. Wie beim Phonographen, so werden auch bei der sprechenden Zeitung die Stimmen berühmter Sanger, Sängerinnen. Schauspieler. Schauspielerinnen und Vortragsmeister festgehalten. Für gewisse Kreise der Bevölkerung, wie z. B. die. Börse, ist die TelephonZeitung" fast unentbehrlich und jedenfalls von unschätzbarem Werth, da es den Betreffenden auf diese Weise ermöglicht wird, den Börsenvorgängen in der Hauptstadt wie in anderen großen Börsenmetropolen rechtzeitig und fachgemäß zu folgen. Eine wahre Wohlthat ist diese Erfindung für die Kranken und die an das Zimmer Gefesselten. In den Hospitälern sind überall solche Apparate angebracht, und den Patienten, die nicht lesen können oder dürfen, gewährt das gesvrochene oder gesungene Wort großes Vergnügen. Auf Abwegen. Das Sprichwort Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" scheint die Prinzessin Louise von Belgien, die Gattin des Prinzen Philipp'von Sachsen - Coburg, zur Wahrheit zu machen. Eine Tochter des Königs Leopold von Belgien, dessen erotische Extravaganzen weltbekannt sind, hat die Prinzessin sich jüngst durch einen simpeln Husaren - Lieutenant entführen" lassen, trotzdem sie bereits über 40 Jahre alt undMuttcr von zwei erwachsenen Kindern ist. Ihre Tochter Dora, Prinv zessin von Sachsen - Coburg. ist mit dem Prinzen Günther von SchleswigHolstein verheirathet. Nachdem die Prinzessin Louise schon früher durch ihre Escapaden viel hatte von sich reden machen, trieb sie es mit dem österreichischen Lieutenant' Mettachich Prinzessin Louise. ' Keglevitsch so toll, daß es zwischen diesem und dem Prinzen Philipp zu einem Duell kam. Dann brannte die Prinzessin mit ihrem Liebhaber nach Nizza durch, und von dort ist das Pärchen neuerdings wieder verschwunden, angeblich nach einem Schlosse des Lieutenants Keglevitsch in Kroatien. Durch den von der Prinzessin Louise hervorgerufenen Skandal wird übrigens auch das oesterreichische KaiserHaus betroffen, ist sie doch eine Schwester der Kronprinzessin - Wittwe Stephanie, deren Gemahl Erzherzog Rudolf am 30. Januar 1889 durch eigene Hand fiel oder, wie andererseits behauptet wird, von dem Bruder seiner adeligen Maitresse erschossen wurde. ' m m m Günstige Gelegenheit. Kolporteur: Sie seufzen. . vielleicht ein Liebesbriefsteller gefällig?" . Aberglaube. Schuster: Ich glaube nun doch. Herr Bummel, daß Sie mich demnächst bezahlen wer-den!-Student: Aber, Meister, wie kann man im neunzehnten Jahrhundert noch so. abergläubisch sein!" Der Eindruck. Dame des Hauses: Nun, HerrBaron, wie haben Sie sich beim Hausball deS Geheimen Commerzienrath Levy amusirt?" Baron: Danke, ausgezeichnet." Dame .des Hauses: Welchen Eindruck hat die Tochter deS Hauses gemacht?" Baron: Lady lik" Dame deS Hauses : Und der Commerzienrath?" Baron: .Levy lUm .
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Stimmungsbild von E.W. Ein trüber Märznachmittag. In der feuchtwarmen Luft liegt es wie ein Mahnen des Frühlings; in den' Gärten und öffentlichen Parkanlagen hängen an Erlen und Weiden gelbliche Blüthenkätzchen, aus dem üppig sprießendenGrase duftet das Märzveilchen, in den knospenden Zweigen der Pappel flötet der Staar. Durch die Straßen der ungeheuren Stadt fluthet der nie versiegende, gewaltige Strom des Lebens. Kein Stillstand, kein ruhiges Verweilen: ein Rennen. einJagen, ein Hasten nach Gewinn nach dem Glück. Auf dem weiten Vorplatz der Kirche, deren schlanker Thurm sich wie ein Riesenfinger über . das umliegende Häusermeer hinaus in die Lüfte hebt, hält eine große und glänzende Wagenbürg. Die müden Pferde sind in Decken gehüllt; die Kutscher in langen, formlosen Röcken und kokardengeschmückten Cylinderhüten stehen in kleinen Gruppen plaudernd bei einander. Auf ihren Gesichtern liegt die Vorfreude kommender Trinkgelder. Zu beiden Seiten des Portales, über die Granitstufen der Treppe hinweg, bildet eine schwatzende und gaffende Menge Spalier. Sie üben weidlich ihren Witz an den Ankommenden den aus Neid und unwilliger Bewunderung zusammengesetzten Witz, den die Armuth für die öffentlichenSchaustellungen des Reichthums stets bereit hält. Der letzte Wagen ist vorgefahren. Der glattrasirte Kirchendiener schließt mit feierlicher Miene die massiven, eichenen Thürflügel. Die Menge geht auseinander, hierhin, dorthin. Nur die Frauen aus der Nachbarschaft halten noch Stand. Mit unendlicher Zungenfertigkeit analysiren sie die intimsten Familienverhältnisse der Hauptbetheiligten. Sie kennen bis auf den Pfennig die Mitgift der Braut, die Schulden des Bräutigams. Sie wissen es genau, daß sie" ihn nur wegen seines Namens, daß er" sie nur wegen des Geldes nimmt". Und sie stellen der jungen Ehe ein Horoskop; und ihr Spruch ist so kalt und trübe wie der Märzwind, der über den freien Platz fegt und sie fröstelnd zusammenschauern läßt. Im Innern der Kirche, im Palmenund blumengeschmückten Altarraum welch' ein glanzvoll berückendes Bild! Knisternde Seide und bauschender Atlas; schimmernde Frauennacken und leuchtende Edelsteine, glänzende Uniformen und ordengeschmückte Fracks vereinigen sich zu einem farbensprühenden Totaleffekt. Und der berauschende Wohlgeruch der Blüthen vermischt sich mit dem Duft der verschiedenen Parfums, und die dicken Wachskerzen auf den goldenen Kandelabern bringen mit ihren gelben, ineinanderfließendenFlammen wundersameLichtreflere hervor. In der vordersten Reihe sitzt das Brautpaar. Die Braut ist eine süße, blonde Madonna mit den Augen einer Ophelia. Auf der weißen, bleichen Stirne liegt der trübe Schatten seelischer Entsagung. Wie geistesabwesend schweifen ihre Augen über die geputzte Menge. Die Geschichte des Bräutigams, dessen schlanke, biegsame Gestalt mit dem blasirten Aristokratengesicht hochgradige Erschlaffung zeigt, ist nicht neu, aber lehrreich. Einige Dienstjähre bei den Garde-Dragonern; Hoppegarten und Westend; Bakkarat und Pharao; kleine intime Soupers mit Circusdamen und Operettensternen m den eleganten Lindenrestaurants; Wucherer va banque Ruin, Abschied. Heirathsvermittler, Verlobung. Die Orgel erbraust in mächtigen Akkorden, die Sänger fallen ein markige Männer- und himmelaufjauchzende Knabenstimmen. -Der Gesang verstummt; in leise verhallenden Vibrationen durchzittem die Orgeltöne das hohe Schiff. Sie ist nun eine glückliche junge Frau. Glücklich? Räthsel. Es ist ein kleines Wunderding, Ein enger Raum schließt's' ein, Geschäftig ist es immerfort Und kann nie ruhig sein. Bald hüpft's und springt's, bald weint's, bald lacht's, . Bald grollt's wie's eben mag; Es beißt zwar nicht und sticht auch nicht, Doch schlägt es Nacht und Tag. Es glüht und brennt, wenn's Feuer fängt. Und doch verbrennt es nie, Verschlossen fest, kann's nie heraus. Doch ist's bald dort, bald hie. Wenn's Einer stiehlt, dann geht's erst recht Mit seiner Unruh' an; Es stürmt und tobt und ist dem - Dieb Doch innig zugethan. Sobald's nicht mehr sich selbst gehört. Dann erst wird's froh gemacht, Und weint sein Herr, so weint es mit, Und freut sich, wenn er lacht. Erriethet Jhr's? Das Räthsel war Ja wunderleicht gestellt Doch ist das Ding ein Räthsel selbst, Das größte von der Welt! . . . Ein Zw eifler. Baron: Johann, schaff' reine Luft!" Diener: Herr Baron, soll ich die Fenster offnen oder die Gläubiger auö dem Vor zimmer hinauswerfen?" .
Tynannt-Nakcteru Schon im Jahre 800 n. Chr. wurden Raketen zu Kriegszwecken verwendet, aber es fehlte ihnen die Rotationsfähigkeit und damit eine Hauptbedingung der Treffsicherheit. Verschiedene Verbesserungen haben diesen Uebelstand nicht zu beseitigen vermocht und deshalb schafften die europäischen Großmächte sie allmälig ab. Nun hat der Rear-Admiral I. A. Howell von unserer Bundesmarine eine Erfindung gemacht, welcher der Rakete eine neue Zukunft verheißt. Howell verleiht dem Raketengeschoß bereits im Geschütze selbst die Rotation, aber nicht nach dem Vorbild der gezogenen Kanonenrohre, sondern, indemer das Geschützrohr, welches das Projektil enthält, selbst in rasche Drehungen. 1200 bis 3000 in der Minute, versetzt. Das Geschützrohr besteht aus drei Haupttheilen: der drehbaren Röhre, dem Verschlußstück und dem mit letzterem verbundenen, die Drehröhre einschließenden Stahlmantel, der über die Röhre hinausgehend, vorn die Geschützmündung umfaßt. Die bewegliche Röhre wird , durch ein System von Rädern mittelst Transmission gedreht, etwa so, wie man die Bicycleräder dreht. Die Bewegung des Hauptrades kann mit der Hand oder durch Maschine geschehen. Der Rückstoß bei diesem Geschütze entfällt beinahe ganz und gar, so daß die Lafette sehr leicht gebaut werden kann. Ein Zzölliges Raketengeschütz wiegt beispielsweise kaum 400 Psund. Durch besonders einfache Construktion zeichnet sich der nach dem Schraubensystnn geformte Verschluß aus.
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DasHowell-Gefchlltz. Das Abfeuern geht folgendermaßen vor sich: Nachdem das Projektil in die bewegliche Röhre geschoben, die Zündschnür an ihm angebracht und der Verschluß geschlossen ist, wird die Röhre in rotirende Bewegung versetzt. Hat man die gewünschte Schnelligkeit erreicht, so wird die Zündschnur abgerissen, und so durch das FriktionsBrandel" die Zündmasse am hinteren Ende der Rakete zur Explosion gebracht. Ein Theil der Treibgasc kann rund um das Projektil entweichen, wodurch der allzustarke Druck vermindert wird. Was an Triebkraft so verloren geht, wird reichlich durch die Entwicklung der Gase im brennenden Zündsatz ersetzt, wenn die Rakete erst einmal die Geschützmündung verlassen hat. Das Gesagte gilt von Feldgeschützen, bei schweren Festungsgeschützen ist der Drchapparat wesentlich verschieden und viel leistungsfähiger. Das Projektil selbst, die Rakete, wiegt bei dem 10zölligen Festungsgeschütz 300 Pfund, hundert Pfund hier-' von entfallen auf die Sprengladung. Letztere wird beim Aufschlagen des Geschosses durch einen Perkussionszünder zum Explodiren gebracht. Zwei dieser Geschütze sind bei der Driggs-Bea-bury Gun & Ammunition Co." in Derby, Conn., in Arbeit gegeben. Binnen wenigen Wochen schon sollen sie von der Regierung übernommen werden. Entschuldigung. A.: Wie. Sie sind Vegetarianer und essen Schweinefleisch?" V.: Ja. aber mit Widerwillen!" Stoßseufzer. Und da fagt' ma: e' Königreich für e' Pferd!" ' Ae Wunderkind. Wie, Herr Commerzienrath, Ihr Neugeborenes ist ein Wunderkind?!" Nu, ist es kein Wunderkind, wo es noch kein Wort sprechen kann und doch schon sein eigen nennt 'ber 'u Millun?!" . '
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Nachhilfe. .
jurnuR) 1KANCI Freunder!, 'nausg'schmiss'n bin i' wor'n nobel sag' i'. auf a' ganz o.f neue Manier!" .So. wie denn?" Z'erst hab' i' vom Kellner a' Kar ten kriegt, und wie v rni so b'sonna hab', was los is, bin i' scho' 'r.ausg'flog'n aa'!" Und was ist auf der Karte gestanden?" Bitte, das Lokal ohne Aufsehen zu verlassen!" Aufklärung. Lieschen: Sag', Onkel, warum nennt man Wohl dies Blümchen Gänse, blümchen?" Onkel (grantig, da er in seiner Arbeit gestört wird): Weil Gänse ein Orakel d'raus machen!" Gemüthlich. ä2 Major: Kehrt Euch! (der Hubermetzger bleibt ruhig stehen) No, Huber, warum bleibst stehn?" Huber (schlau): No; drahn sich do' die andern eh gleich wieder um!" Großartiges Resultat. i Krautbauer: Na, ist Dein' Resel aa a rechte Dam' in der feinen Stadtpension wor'n?" Bergbauer: I' sag' Dir, die hat mit ihra Bildung scho' unsa ganz's 5)aus auf'n Kopf g'stellt!" Immer derselbe. AI! Wohin, Herr Lieutenant s jftch Braut will mit mir ausgehen bißchen ihr Glück präsentiren!" Im Zweifel. Jetz' weiß i' net: hab' i' so an' Mordsrausch, oder sitzen da wirkli' drei Radler drobe?!" Immer derselbe. Profes. sor: Ich soll sür meine Frau ein Pfund grüne Seife mitbringen." Kaufmann: Grüne ist leider nicht mehr da." Professor: Dann aeben Sie mir irgend eine andere passende Farbe.-
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