Indiana Tribüne, Volume 21, Number 209, Indianapolis, Marion County, 17 April 1898 — Page 3
Achs Miom.
Gin fröhlicher Roman von Wilhelm Hcgclcr. (U. Fortsetzung und Schluß.) Und doch konnte Nelly das Gefühl nicht los werden, daß zwischen ihr und ihren Pflegeeltern eine Kluft bestünde. Sie war nicht gerade überflüssig in depi großen Getriebe. Die Frau Pa storZn überließ ihr gern die kleinen Ar beiten des Haushalts, wenn es ihr manchmal m den Stirn kam, sich darum zu kümmern. Aber doch herrschte zwischen ihr und der stillen gebeugten Frau nicht mehr die alte Vertraulichkeit wie früher. Wenn Nelly manchmal von Montreux erzählte, von ihren Reisen und Erlebnissen, dann hörte die andere schweigend zu und gab kurze, weder zustimmende noch abweichende Antworten. Sie schien sie ruhig ihrer Wege gehen zu lassen und sie dabei im Stillen zu beobachten. Ueber die große Veränderung ihrer ganzen Lebensverhältnisse hatte Nelly weder mit ihr noch mit dem Pastor gesprechen, der meistens in seinem Zimmer arbeitete, und den sie seltener als früher zu Gesicht bekam. Darum fühlte sie sich vereinsamt. Und in einem gewissen Trotz spielte sie sich manchmal als die große Dame auf. obgleich sie wußte, wie wenig ihr das stand. Aber keiner d?r beiden alten Leute schien das zu bemerken, und sie erregte weder Bewunderung noch Mißfallen. Doch eines Tage? ergab sich eine Geleaenheit zur Aus sprach. Nachmittags pflegte Nelly nämlich mit ihrer Zose Rad zu fahren. Für Kirchhaseler Verhältnisse waren die beiden Mädchen hierbei ziemlich pikant gekleidet: in kurzen Pumpböschen und schwarzen Strümpfen, die ihre wohlge rundeten Waden vortrefflich zur Gelhing brachten. Wenn sie abfuhren, stand jedesmal der Herr Kandidat hinier der Gardine seines Fensters, heftig an der langen Pfeife qualmend. Bei der Rückfahrt aber hatten die Mädchen immer einen Schwanz von Bauernjungen hinter sich. Eines Tages nun traf Nelly den Pfarrer, der auf dem Hofe stand und nachdenklich die endlose Reihe ihrer Sommerkleider betrachtete, die dort zum Auslüften hingen. Nelly stieg ab und übergab ihr Vicycle an Babette. Während sie durch das Thor trat und den alten Herrn begrüßte, blieben die Burschen gaffend in der Ferne stehen. Er musterte sie und fragte leichthin, ob es ihr nicht unangenehm sei, ein solches Aufsehen bei den Leuten zu erregen. Ach Gott, Onkel, ich bin schon gewohnt, daß mir die Männer nachblicken. Und was gehen mich diese Bauern an?!" Oho. meine liebe Tochter!" sagte der alte Herr, und sein Auge wurde stahlblau vor Zorn. Dick mögen Sie nichts angehen, aber mich sehr viel. . . . Ich bin für jede Seele in meinem Dorf verantwortlich und kann nicht dulden, daß Du mir die Bauern scheu machst. Siehst Du" er lächelte, wie um sie von ihrem Schreck zu beruhigen und sich selbst zu besänftigen meine guten Kirchhaseler kennen nicht die feinen Unterscheidungen der Mode. Sie sehen nur Deine bloßen Beine, und das dünkt ihnen greulicher Unfug. Sie sagen, wer das thut, thut auch vieles andere. Und das möchtest Du doch rnch. daß Jemand solches von Dir dächte, wenn's auch nur ein einfältiger Bauer ist." Lieber nicht!" antwortete Nelly und wurde roth. Dann verstehen wir einander ja." Er reichte ihr seine Hand. Mit der andern aber wies er auf die Kleider, die, an den Wäscheleinen im Winde flatterten. Sage mir mal, als ich das sah. glaubte ich. eine Kunstreitergesellschaft hätte ihren Staat hier ausgebreitet. Meine Frau aber sagte mir, daß alle diese Kleider Dir gehören." Jawohl, Onkel, ich habe sie nach und nach gekauft." Nun, gestohlen wirst Du sie freilich nicht haben.... Aber, brauchst Du, kleiner Dreikäsehoch, denn wirklich so viel hundert Ellen Stoff?. ... Als Du erfuhrst, daß Deine Eltern Dir ein großes, sehr großes Vermögen hinterlassen hatten, mußtest Du da wirklich gleich hinlaufen und Dein Geld für solches Zeug verthun, das die Winde fortblasen und die Motten fressen. War Deine Eitelkeit wirklich so groß, daß Du darüber alles andere vergaßest? Ich will nicht schelten" fuhr er milder fort, als er sah, wie Nelly mit blassem Gesicht zu Boden blickte ich kenne Dich zu gut, liebes Kind, als daß ich glaube, der Reichthum hätte Dein Gemüth verhärtet. Ich glaube fest, daß, als Du davon erfuhrst, Du auch an die vielen. Arm:n und Hungrigen dachtest, die nichts habcn, womit sie ihre Blöße bedecken. Aber Nelly, das ist nicht genug. Der Gedanke an das große Vermögen, daS Dir in den Mund flog. Du wußtest nicht, wie. der hätte Dich demüthig machen sollen. -Der hätte Dir die Frage eingeben sollen, wie komme denn gerade ich zu diesem Gelde? Und wenn Du etwas nachgedacht hättest, so würdest Du gefunden haben, daß es eigentlich gar nicht Dir gehört, sondern denen, die schon in tiefen Grabern schlummern, und die es mit dem Schweiß ihrer Hände sauer verdient haben, und auch denen, mein Kind, die, so Gott will, nach Dir kommen, und die dann mit Recht einst fragen: Wo blieb das Geld?" . Lieber Onkel erwiderte das junge Mädchen. Ich habe auch nie zu viel gebraucht, sondern die Zinsen waren so furchtbar hoch, daß ich sie kaum auf-Uhfr..
Nun, das heiß ich thöricht geantwortet! Das konnte auch der Protzenbauer antworten, als t sich in seinem Kornfeld herumwälzte, anstatt das Korn zu mähe:', &tl die Scheuern zu voll waren. Du &xt noch vieles lernen und viel verleenm müssen. Aber das eine tröstet mich, Kind, daß Du aus der großen Welt voll Freuden und Versuchungen wieder -u uns in's einfache Pfarrhaus kamst. Das beweist, daß Du das. was wir Dich gelehrt, nicht vergessen hast." Und darf ich bei Euch bleiben, Onkel. Denn da draußen hab' ich nur Unglück erlebt. Wollt Ihr mich wieder lieb haben wie früher?" Der alte Mann ließ seine ruhigen, milden Augen auf dem kleinen Mäd chen ruhen, das den Kopf zur Seite geneigt, ihm vertrauensvoll die Hand bot. ' Komm nachher auf mein Zimmer, Nelly, dann wollen wir noch einStündchen miteinander plaudern." Als sie eine Weile später nach dem Umkleiden bei ihm eintrat, zündete der alte Herr selbst die Lampe an, zog die Tüllgardinen vor, hinter der draußen die Kleider flatterten und wehten, sehte seine lange Pfeife in Brand und bot ihr den Platz auf dem Sopha an seiner Seite an. Nun schütte mir Dein Herz aus, Du viel gereistes und auch viel geprüftes Menschenkind. Wenn die Lampe brennt, dann läßt sich gut plaudern. Dann sammelt sich der Geist im engen Lichtschein, das Auge wird nicht abgelenkt, und die Gedanken können ungehindert ihren Weg ziehen." Was soll ich Dir erzählen, Onkel?" Was Du gesehen, was Du erlebt Es war nicht viel." Aber es war etwas. Und wenn Du es treu bewahrst, wird es ein kleiner Schatz. Ich war ein einziges Jahr mal in Berlin, und daran zehre ich als sparsamer Mann mein ganzes Leben." Onkel, was ich erlebt habe, möchte ich nicht behalten. Ich bin glücklich, wenn ich es vergessen kann. Die Wen sieht so anders aus, als ich mir dachte." Erinnerst Du Dich, wie Du als kleines Kind die Vilderbibel von Dor6 besahst? Wie Du stauntest über den Tempel Salamonis. Damals wolltest Du nicht glauben, daß es eine größere Kirche gäbe als die von Kirchhasel.
Und als Du gehört hattest, es gäbe größere Kirchen, es gäbe viele Städte und Dörfer, die Du nicht kanntest, da weintest Du vor Ungeduld und wolltest nicht zu Bette, ehe Du sie gesehen. Und spater maltest Du Dir dann all die Herrlichkeiten aus." Aber es ist in Wirklichkeit ganz anders. Ich glaube, die Herrlichkeiten da draußen sind nicht weit her. Oder wenn sie es sind, so fehlte mir das Auge, um sie zu sehen, und der Führer, der sie mir hätte zeigen können." Hast Du nichts mitgebracht, Nelly? Das kann ich doch nicht glauben. Nichts als diese paar Fetzen?" Er zeigte auf die Kleider, die wie eine lange Gespensterreihe im Abendwind flatterten. Nichts antwortete sie leise und senkte beschämt ihren Kopf. Nichts der Erinnertkng werth. Ich glaube, Onkel, das Geld kam zu plötzlich für mich." Der alte Mann nickte. Das habe ich auch geglaubt, mein Kind. Als Deine Tante mir auseinandersetzte, daß sie Dich so weiter, also für's gerade Gegentheil, erziehen wollte, da bangte mir um Dich. Da dachte ich, der Augenblick, wo Du es erführest, würde Dir großes Unglück bringen." Tante hat recht.... Es Ware wohl besser gewesen, wenn ich es nie erfahren hätte. Das Geld bringt nur Unglück." Eine Welle herrschte beklommenes Schweigen. Der Pfarrer blickte sie ernst und forschend an. Dann aber schüttelte er den Kopf. Das ist eine oft wiederholte Vehauptung: das Geld sei die Quelle w . c r . . C . - alles ungmas. mo, icd giauoe, oas ist nicht wahr. Sieh es Dir an! Jedes Goldstück hat eine doppelte Präqunq. Auf der einen Seite trägt eS einen Adler, einen König auf der anderen. Laß Dich von den Krallen des Adlers nicht ergreifen, damit Du Dich nicht selbst verlierst, damit das Gold nicht Macht iVber Dich gewinnt, mit seinen bösen Lüsten. Werde em König über das Gold. Brauch es zum Guten! Und es wird Gutes bringen." Onkel, ich bm erst wieder zusneden geworden, seitdem ich vergessen habe.' daß ich reich bin. Laß mich hier! Ich habe Angst vor da draußen. Laß mich hier! Hier bm ich glücklich." Er streichelte sanft ihren Kops. Ich stoße Dich nicht fort, das weißt Du. Bleibe hier, bis Du ganz wieder genesen bist und Deinen Fneden wieder hast. Aber dann, siehst Du, dann sage ich Dir: Flieg! .... Hier ist ein enges Leben, ein rauher Boden. Ich bin hier alt geworden und habe die Scholle lieb gewonnen. Du aber, Kind, Du brauchst andres Erdreich. Deshalb, weil Du die Gefahren fürchtest, darfst Du auf das Große nicht verzichten. das Du erlangen, und das Du ankern geben kannst.... Also, nicht wahr?!" Er ergriff herzlich ihre Hand. Bleibe hier! Erstarke hier! Gewöhne Dich daran, daß Gott Dich zum Verwalter großen Gutes gesetzt hat, der Gott, Nelly, an den ich immer ge glaubt habe, und an den zu glauben ich auch Dich gelehrt habe, der nicht nur steinigen Boden und Mühsal und Nöthe, sondern der auch die lachenden Fluren und den Frühling geschaffen, und der den Menschen den Sinn sür alles Große und Schöne in die Brust gelegt hat Seit dieser Unterredung hatte Nelly das alte herzliche Verhältniß zum Pfarrer und auch zu dessen Frau wieder gefunden. . Auch Babette lebte sich vortrefflich
ein. Sie war bei den täglichen Abendandachten eine geschätzte Kraft und verursachte mit ihren Taubenaugen nur dem Herrn Kandidaten ernste &e wissensbeschwerd:n. Wenn's imHause nichts zu thun gab, verschlang sie eifrig Bücher. Jetzt nt. kleine Missionsheftchen, die von den Unmenschlich!-' ten der Fidschi - Insulaner und Karaiben handelten. Allerlei schönes: etwa wie ein frommer Missionar den Wilden in der letzten Stunde vor seinem qualvollen Martertode das Chrifienthum beibrachte, so eindringlich, daß sie sich wirklich schleunigst bekehrten. So verging die Zeit. Der Wald verfärbte sich. Die Kartoffelfeuer erloschen. Die Abende wurden kürzer. Die Burschen und Mägde verfammelten sich in den Spinnstuben, schmiedeten dort Keim? und Till-Eulenspiege-leien. Im Pfarrhaus fang man Volksthümliche Lieder. Und rund um das alte Haus brausten die Novemberstürme ihre wilden Choräle. Nelly war nun wirklich wieder ganz im alten Geleis. Die Correspondenz
mit ihrem Vormund, die eine Zeitlang so lebhaft gewesen, schlief ein. Die Welt da draußen hatte sie fast vergessen, sie war in Nebel gehüllt. Und manchmal konnte sie kaum glauben. daß all die Merkwürdigkeiten, die sie erlebt, wirklich geschehen seien. Nur Abends, wenn sie ganz 'allein in ihrem Bette lag und den gewaltigen Melodien des Windes lauschte, dann stieg der ungestüme Wunsch in ihr auf, sich forttragen zu lassen in die dunkle, weite, stürmische Nacht, sich forttragen zu lassen in's offene, fluthende, brandende Leben. Und wenn sie dann am Morgen in ihrem blaugeblümten Zimmerchen erwachte, klopfte die Frage bei ihr an: Und das ist alles? Das soll alles sein? Aber emeö Tages, als sie beim Spaziergang in einer Schenke einkehrten, .las Nelly in einer Berliner Zeitung folgende Notiz: Am 14. findet die Premiere von Peter Wildes Drama Sonnenwende" statt. Die Hauptrollen u. s. w." Diese kurze Nachricht blies ihren Gleichmuth vollkommen um. Zwei Tage später nahm sie Abschied von den Pfarrersleuten rmd reiste nach Berlin. XV. Nelly kam Mittags in Berlin an. fiebernd vor Aufregung. Der Novembersturm jagte Regenschauer nieder. Aber sie lief den ganzen Tag durch die Straßen. Wenn sie bis auf die Haut naß war, ging sie in ihr Hotel, zog sich um, dann eilte sie wieder hinaus. Sie mußte ihn sehen. Und sie sah ihn, hatte ihn zehn-, zwanzig-, hundertmal gesehen. Auf allen Litfaßsäulen stand sein Name. Und jedesmal, wenn sie die Anzeige las, durchschauerten sie Freuden, als wäre er bei ihr, schüttelte ihre Hand, blickte ihr in's Auge. Am Abend war sie die erste im Theater. Es lag noch im schläfrigen Halbdunkel. Todtenstill und todtenleer. Nur hinterm Vorhang wachte Tnz vtbm mit evttlnninvollem ittii ZI 4 U moren. Dann begann es langsam Menschen zu tröpfeln. Von ihrer Loge aus konnte Nelly sehen, wie im Parkett bald hier, bald dort ein schwarzer Fleck sich niederließ. Plötzlich flammte das Licht im Kronleuchter auf, als wenn hundert Augen zugleich sich offneterl. Die Menschen kamen nun gruppenweZs. Nellys Aufregung wuchs. ' Sie schloß die Augen, und der Regen, der den ganzen Tag ans sie niedergeprasselt war. ratschte in ihrem Geist noch immer nieder. Da ging der Vorhang auf. Sie erschrak, als wenn sie mitverantwortlich für das wäre, was sich dort unten abspielte. Sie verfuchte alles rechte lebhaft zu begreifen. Aber die Vorgänge glitten wie ferne Traume an ihr vorüber, getrübt von jenem feinen Regen, der unaufhörlich rauschte. Dann sank der Vorhang. Einige Hände links und rechts, und unten in der großen Masse und über ihr auf den langen Gallerien klatschten Beifall. Das klang vor ihrem Ohr wie eine noch betäubendere Art von Regen. Unmerklich theilte sich der Vorhang, und ein blasser Mensch stand davor wie ein heraufbeschworenes Gespenst. Sie fuhr zurück und verbarg sich im Dunkel ihrer Loge, um nicht gesehen zu werden. Dann verschwand das bleiche Gespenst. Das Klatschen ließ nach. Dasselbe Spiel wiederholte sich. Als sich dann aber der -Vorhang öffnete und wieder schloß, schien das ganze Theater, nicht die Bühne, sondern der Zuschauerraum, Leben zu bekommen. Es war ein verschleiertes Wogen, gedämpftes Flüstern, rasches Kopfneigen. Es war wie eine von Mund zu Mund, durch alle Gänge, alle Reihen gleitende Meinung, noch unbestimmt, noch fraglich, noch dunkel, aber immer mehr würde etwas Einheitliches : daraus. Als der Vorhang aber zum drittenmal fiel, brauste der Beifall in einem breiten Strom. Und dies Brausen, in dem der Schall ihrer eigenen Hände verschwand, wie ein Tropfen im Meer, jagte Nelly plötzlich Schrecken ein. Das Gefühl der Furcht überkam sie, als wenn die Sturmfluth dieser wogenden, vielköpfigen und doch von einem Willm getragenen Menge ihren Freund mitreißen würde. Er würde darin untergehen. Er gehörte nicht mehr ihr, er gehörte dieser Menge.. Was sie ihm sagen wollte, wurde übertäult von den Worten dieser Tausende. Sie verließ ihren Platz und sagte dem Diener, daß sie den Autor sprechen wollte. Sie gab ihm einen Thaler, und der Mann führte sie zum Inspizienten. Der Inspizient war ein witziger Herr. Er meinte, am Pre mierenabend sei ein Autor überhaupt nicht zu sprechen. Da sei er bissig wie ein Kettenhund, und eö sei gut,. ihm nicht iu nahen
Aber Nelly versetzte in höchster Aufgungsie müsse ihn unbedingt sprechen. Gleich, gleich! Wo ist er?" Ich weiß wirklich nicht, wo er steckt. Die Herren Autoren haben alle ihren eigenen Spleen. Der eine jammert auf der Scene, der andere im Publikum, der 'dritte verkneipt seine Angst. Das thun die, die die Geschichte kennen." Aber wo ist Herr Wilde? Was heißt das. daß man mich hier zum Narren hält? Ich muß um jedenPreis mit ihm sprechen." Dann versuchen Sie mal. ob sie ihn auf der Straße finden. Er treibt sich irgendwo im Regen herum. Geben Sie nur Acht, daß er Sie nicht beißt." m Nelly nahm ihren Mantel und lief hinaus. Draußen herrschte ein Regen, in dem die Gasflammen fast ertranken. Die Straße war ganz leer. Nur Droschken hielten vor der Thüre. Die mageren Gäule sahen in dieser triefenden Nässe wie seltsame Seepferde aus. Sie wagte sich ein paar Schritte vor. Da schoß eine dampfende Gestalt an ihr vorbei. Ein Mensch, gejagt wie ein Dieb. Sie wollte ihn anrufen. Er war schon vorüber. Sie wollte Hilfe schreien, um feine Aufmerksamkeit zu erregen. Da war er verschwunden. im Regenmeer versunken, vom Sturmwind fortgerissen, weggeschwemmt von den Gießbächen. Sie wollte in eine Droschke springen. ihm nach!... Aber die Hzffnung hielt sie zurück, daß er wieder käme. Der Regen peitschte die Straße. Die aufprallenden Tropfen spritzten in die Höhe, daß es schien, als regne es auch von unten her. Die Flämmchen unter den dünnen Glasscheiben zuckten und tanzten, tanzten einen wilden, angstverrückten Tanz um ihr Leben, klammerten sich an den Brenner wie an einen Strohhalm inmitten dieser Wasserfluthen. Inmitten ihrer rasenden Angst klammerte Nelly sich an den einen Strohhalm Hoffnung: vielleicht kommt er wieder! Da war er. . . . Noch ganz undeutlich. Die schwarze Gestalt sah in der Ferne wie ein zusammengeballter Klumpen Regen aus. Vielleicht war's Jemand anders. Aber so gehetzt rannte nur er. Jetzt schoß er ihr entgegen, schoß schon an ihr vorbei.. Da stürzte sie sich in die schwarzen Wasser und schrie wie eine Ertrinkende: - ' Halt! Halt! Peter!! Peter!!!" Er stutzte. Was ist los?" keuchte er. Muß ich 'rein? Ist's durchgefallen?" Sie watete ihm entgegen. Peter, ich bin's!" sagte sie flehent
lich. Er starrte sie an, beugte semen Kopf, um ihr Gesicht deutlicher zu sehen. Sie!... Fräulein von Wacht?" Ja, ich bin's. Peter. Ich habe Ihr Stück mit angesehm." ' Sie nahm seinen Arm und versuchte ihn sanft auf die Treppe zu ziehen. Um Gotteswlllen, nem! Kommen Sie mit! Ich muß Bewegung haben. Ich muß laufen rennen. Wenn ich stillstehe, gefriert mir das Blut. Ach, so eine Premiere! So eine Premiere!" Seien Sie doch still! Es gibt ja einen großen Erfolg." Was?" schrie er. Einen Erfolg... inen Durchfall gibt's!" Aber die ersten Akte...Wenn die ersten Akte gefallen, so fallen die letzten fcuch. Alles hängt am letzten Akt. Und der letzte Akt taugt nichts. Der ist miserabel. Beim letzten Akt war ich verliebt. Hol mich der Teufel! . . . Laufen Sie mit, oder ich laufe allein!" Aber sie hielt ihn fest. In der Angst vor den tausend Menschen, die ihn ihr entreißen würden, vor diesem immer mehr anschwellenden Strom da drinnen. der ihn verschlingen wollte, in dieser rasenden Angst, ihr Glück wieder zu verlieren, hielt sie ihn krampfhaft fest. Und wie sinnlos siammelte sie: Peter, hören Sie! Ich komme zu Ihnen. ..." Sie wurde todtenblaß. Unter sich fühlte sie eine gähnende Leere. Er war ihr einziger Halt. Sie sank ganz an seine Brust. Und wenn er sie nicht gehalten hätte, wäre sie im Schlamm der Straße niedergekniet. Ihre Lippen bebten tonlose Worte, nur ihre Augen flehten: Nimm mich hin!" ' Er hatte sie aufgerichtet und blickte sie an. Der Schirm war ihm aus der Hand geglitten. Auf die beiden Menschen schüttete der Himmel seine ganzen Fluthen. Seine Augen bohrten sich bis in ihr tiefstes Innere. Seine Lippen zuckten und brachten kein Wort heraus. Ein langes banges Schweigen. ... Dann sagte Peter leise: Komm." Da schlug sie die Augen zu ihm auf, und er zog sie fester an sich. Ich liebe Dich, Nelly! Ich liebe Dich mit meinem ganzen Herzen. Ich will Dich lieben mein ganzes Leben lang. ..." Sie gingen Arm in Arm, ihre Wangen berührten sich. Oft ruhten Lippen auf Lippen. Ob sie auf Wolken gingen, am schwindelnden Rand thurm-' hoher Häuser, ob unter ihnen die Erde bebte, oder Feuer loderte sie hätten eZ nicht gemerkt. Die Welt um sie her war versunken, alles, alles war nichtmehr. Nur noch sie beide, die eins geworden. ' Im Theater aber schrie und klatschte unterdeß das Publikum,' tobte der Inspizient, raste der Kassirer, jammerten Schauspieler und Schauspielerinnen: wo blieb der Autor? Wo blieb er? Was ist das für eine Lodderwirthfchaft!" schrie der Directsr. (Er schrie am allerlautesten.) Seit drei Minuten applaudiren die Leute und verlancta nach dem Dinier, und diesn
pflichtvergessene Mensch, dieser Esel, der sein Glück, nicht zu würdigen roeiß, kommt nicht. Er kommt nicht! Minbestens sechs Hervorrufe hätten schon gemacht sein können. Am Morgen hätte es in allen Zeitungen gestanden: sechs Hervorrufe! Das Stück wäre durch, die Saison wäre gereitet. Und nun bleibt dieser Halunke aus! Wo steckt er? Ich setze einen Preis auf feinen Kopf. Man bringe ihn mir, todt oder lebendig." Der ganze Schwärm hinter denCoul'ssen, Schausp el r, Schausp: lerlnn n, Statisten. Garderobiers. Friseure.alles wälzte sich auf die Straße, suchte, rannte, schrie nach Pet Wilde. Endlich entdeckte man ihn in einer dunkeln Seitenstraße mit einer Dame am Arm! Himmel und Hölle, der Aufruhr. . . . Einen Augenblick später erschien der glückliche Dichter vor dem Vorhang, verbeugte sich und trat ab. Dasselbe wiederholte sich mehrere Male, bis die Leute zufrieden waren. Sie sind doch ein ganz anständiger Mensch!" sagte der Director gerührt. Wenn Ihre nächste Sache Erfolg hat, trinken wir Brüderschaft." Nelly sollte den Geliebten sobald nicht wieder allein haben. Als das Theater sich entleert hatte, wurde Peter von seinen Freunden umringt und beglllckwünscht. In großer Gesellschaft wurde bei Dressel der Erfolg des Abends gefeiert und auf die Verlobung eine Unzahl Toaste ausgebracht. Aber bei der ersten Gelegenheit, die sie erspähen konnten, schlichen die Liebenden sich heimlich fort. Sie waren beide in ernster, feierlicher Stimmung, und die Ruhe der Nacht that ihnen wohl. Der Regen hatte aufgehört.' Geballte Wolken jagten in seltsamen Formen über die enge Himmelsbreite, die zwischen den Häusern sichtbar war. Nelly schmiegte sich enger an die Brust
des Gellebten. Bist Du müde, KrndF O nein, wir wollen noch zusammen wandern. Ich könnte doch nicht schlafm. Sie gingen eine lange menschenleere Straße hinunter, die von spärlichen Laternen erhellt war. Die beiden sprachen von ihrer Liebe. Wie sie ihn immer geliebt, wie sie in einsamen Nächten und an stillen Tagen nur an ihn gedacht und wie bei ihm das Kräutlein Liebe, dessen Samenkorn so lange geschlummert hatte, aufgegangen war, wie es plötzlich nach der weichen Frühlingsnacht einen so mächtigen Schuß gethan hatte, daß er glaubte, der ganze Mensch würde aus den Fugen gesprengt von 'der Gewalt dieses einen großen Gefühls.... Und dann erzählte er, wie er, nachdem er sie verlass en hatte, so verändert gewesen war, daß seine Freunde ihn nicht wiedererkannt. Wie nichts ihm Freude gemacht habe, alles ihm gleichgrltig geWesen sei, während der eine Gedanke an die Geliebte ihn ganz verzehrte. Und doch hatte ich . schon auf Dich verzichtet. Denn siehst Du," sagte er und lächelte beinahe verlegen, es ist ein furchtbarer Gedanke für einen Mann, ein reiches Weib zu nehmen. Früher hätte ich mir das nie so denken können. Aber seitdem ich Dich liebte und erfuhr, daß Du reich seiest, ist mir diese Erkennmiß aufgegangen. Für einen Mann, der arbeiten will und kayn. verstehst Du, der stolz auf seine Fäuste ist oder auf die Kraft seines Hirns, der sein Weib ganz allein, los von aller Welt, nur sie, dies Weib haben möchte für den ist es umrträglich, zu denken, daß dies Weib ihm alles mitbringt, was er selbst für sie erringen mochte. ... Nun!" fuhr er fröhlicher fort, wir haben uns ja doch gefunden. Und da wir das, was man so des Nothigste nennt, schon besitzen, so muß ich alle Kraft auf die wahren Güter verwenden, die man mit Gold nicht abwägen rann. Während sie sprachen, waren sie durch viele winklige und düstere Gäßchen gekommen. Plötzlich blieb Peter vor einem alten Haus stehen, so tief in Gedanken versunken, daß er die Geliebte an seiner Seite fast zu vergessen schien. 23a hast Du, Liebster?Dort hab' ich mal gewohnt. . . In diesem alten Haus. Gerade da, wo jetzt ein Fenster offen sieht. Und aus diesem selben Fenster habe ich hmausgeblickt verzweifelnd, hungernd ja wahrhaftig, hungernd. Ich glaube, damals starrte ich auf die Straße und hätte in's Pflaster beiden mögen, so elend war mir zu Muthe.... Und jetzt stiert mein Doppelgänger, mein früheres Ich, der bleiche, magere Kerl mit leerem Magen und brennendem Hirn, mich an, grinst mir zu: wie bist Du fett geworden und sauber und hübsch. Du Glückspilz. Wie bist Du erzgewohnlich geworden, mit all Dnnem Geld!" Nelly schauderte. Was hast Du, Peter. Warum sprichst Du so?" Ich will Dir sagen, was ich habe. wenn ich auch nicht weiß, ob Du mich verstehst! Die Tage, wo ich so arm war. daß mich hungerte, warm die allergräßlichsten, die allermerkwürdigstendie allerschönsten meines Lebens. Nie ist mir die Stadt, nie ist mir das Leben so ungeheuer, so voll Symbole, so voll Wunder, so voll Erbabenem erschienen, wie in dieser Zeit. Und ich selbst, ich fühlte mich auch thurmhoch über allen Menschen. Der Hunger ließ mich sozusagen .sieigen. Ich wuchs empor zu einem Riesen, meine Phantasie hatte Flügel, mein Wille Kräfte wie em Orkan. Ich war ein Gott in meinem Hunger, und so reich. so reich war ich wie ich jetzig ew Bettler bin Nelly hatte sich ängstlich en ihn ejt schmiegt, und zärtlich sagte sie: . Warum machst Du Dir Gedanken veaen deö Ctlhl? - Wir wollen nnz
still und glücklich leben, als wenn 5 gar nicht da wäre."
Da wären wir schöne Wichte! tn.Ttt- ' JT- C C rmv i nelly, iaj muß an oie Millionen senken, weil sie da sind, weil sie Dir gehören und auch mir! Nie, nie dürfen wir vergessen, daß wir reich sind. In diesen Tagen, wo der Reichthum beinahe als Verbrechen gilt, da soll man unsern Reichthum segnen. O, mit der glücklichen Stille, mit der dunklenEinsamkeit, wo Niemand auf uns Anrecht hatte, ist es nun vorbei. Tausend neidische Augen sind auf unö gerichtet, wir müssen uns über den Neid erheben. Nelly, wenn Du bei mir bleiben willst, wenn Du Dein Gut mir andertrauen willst, dann mußt Du mit mir kämpfen, dann mußt Du mit mir wachsen, dann mirßtDu mit mir schaffen in großer, fruchtbringender Arbeit. Willst Du?" Führ Du mich, Peter!" subelte sie. Ich gehe mit Dir, wohin Du willst. Ich weiß, ich hätte mit Dir arm sein können, mit Dir hungern und frieren können. Ich glaube, ich lerne auch, mit Dir reich zu sein." Da schlang Peter ganz fest den Arm um die Geliebte, und mit lachendem Auge führt: er sie voll Glück undMuth dem strahlenden Morgen zu So hatten Nelly von Wacht und Peter Wilde sich denn gefunden, und die Millionen, über die Tante Jda sich so den Kopf zerbrochen, waren endlich zur Ruhe . gekommen dahin gekommen, wo sie nach ihrer Meinung (und vielleicht auch nach der Meinung der Welt) nicht schlechter hätten ausgehoben sein kennen: in die Tasche eines Literaten. Aber die Welt ist bunt, alles dreht sich, verändert sich, und Niemand kann sagen, daß' er morgen da noch stehen wird, wo er gestern gestanden hat. Als Nelly mit ihrem Bräutigam nach Leipzig gefahren war und ihrer Tante die Verlobung mitgetheilt hatte, war diese zuerst in Ohnmacht gefallen vor Schreck".. Das sei ihr letzter Schlag, meinte sie. Nun möge nur gleich der Himme? einfallen, oder ihr Bankier Bankerott machen, das wäre alles eins. Aber schließlich ergab sie sich in das Geschehene, und mit der Zeit begann sie sogar die Dinge in ziemlich freundlichem Lichte- zu- sehen. Ihr verehrter Rektor Strim war ja auch eine Art von- Dichter und zugleich ein- Muster voir Sparsamkeit. Außerdem aber schmeichelten Peters Erfolge noch ein wenig ihrer Eitelkeit. Im Laufe des Winters wurde sein Stück in Leipzig aufgeführt, und viele Damen besuchten sie, um sie zu der Verlobung ihrer Nichte mit dem gefeierten Autor zu beglückwllnschen. So geschah- denn das Wunderbare, daß Tante Jda nicht nur selbst zur Hochzeit des Pärchens nach Kirchhasel' reiste, sondern auch noch ihre Busenfreundin, ElementineTaube mitzukommen bewog:. In der kleinen Dorfkirche- verklangen die letzten Orgeltöne. Peter Wilde und Nelly von Wacht hatten sich von, dem Altar, vor dem sie gekniet, erhoben als Mann und Weib: Während sie langsam dem- Ausgang zuschritten, sireckten sich viele Hände ihnen entgegen, zarte Kinderhande und schwielige Hände von Bauern, um ihnen Glück und Segen zu wünschen.. Nnd dieser Wunsch, von so vielen Lippen gemurmelt, kam auch allen ausdem Herzen: Denn jeder hier; der die beiden kannte, hatte sie liebgewonnen.. Zuletzt gab ihnen der Pfarrer dieHand, und während er ihnen tief in's Auge schaute, lag in den hellen Augen des alten Mannes seine ganze- Seele offen, da. Und leise sagte err Ich freue mich über Euer Glück,, als wäret Ihr meine eigenen, leiblichen Kinder. . . ." Dann- sprangen die-Kirchenthüren-auf. und strahlender Sonnenglanz flu--thetc herein, über das junge Paar sich: ergrchenk. Der Hochzeitszug setzte sich' in Bewegung-, voran die Musikanten., die auf ihrerr Trompeten-einen so fröhlichen Lärm vollführte als wenn alle Hähne des Dorfes verswnmelt um die.Wette krähten. Es war ein heller Maiensonntag-.. Auf dem Gottesanger auf den Fluren blühten Apfel- und Kirschbäume. Der kaue Südwind tändelte in ihren Zweigen unv streute den Blüthenschnee durch die blaue Luft. Unterm klaren Himmel kreisten die Schwalberr. die gestern hrimgekommm. Die Wiesen standen- im Schmuck der gelben Himmelsschlussel. Die Saale glitzerte, ihre Well hüpften und überkugelten sich schier, als wenn sie sich freuten-, daß Enterich und Entewreder in fröhlichem Haschespiel sich tummelten. Oben auf dem Dachfirst des alten Pfarrhauses aber siolzirte Frau Storchin. Als sie den Zug heranpilgern sah, begann sie munter zu klappern und den Schnabel' zu wetzen, wie wenn sie schon ahnte, daß mit diesem Hochzeitsparchen sich noch große Dinge. Dinge, die Frau Storchin aus's höchste interessirten-, vollziehen würden. Während im Haus sich die Gesellfchaft zum Mahl versammelte, eilten Peter und Nelly noch einmal in den Garten. Der erste Augenblick ihrer jungen Ehe sollte der Erinnerung geweiht sein. Sie lehnt sich an den alten Gravensteiner, der seine knorri oen Aeste über sie breitete. Alles war noch so wie vor den vielen Jahren, wo sie als Kinder hier gespielt.... Eine tiefe Dankbarkeit erfüllte tt für den Boden, auf dem sie groß geworden, für das Haus, das ihnen eine zweite Hei math, und für den alten Pfarrer, der ihnen em zweiter Vater geworden war. Sie sahen sich an, und während sie in einem langen Kuß einander sich gaben, kam das alte M'archenglück aus den Kinrjahren wieder übn sie. und wie in seligem Traum halten sie sich umschlungen: Ptkr Wildt und Nelly. sein Weib. ': : BZnde.)
Für die Mche. Buttermilchsuppe. Daß die kohlensäurehaltige Buttermilch in der verschiedensten Zubereitung ebenso billig, gesund wie schmackhaft ist, dürfte nicht allen Frauen bekannt sein. Die folgende Suppe, gut zubereitet, wird als Weinsuppe gegessen. Eine dicke Schnitte Schwarzbrot wird mit Wasser aufgeweicht, dann soviel frische Buttermilch hinzugegossen, wie Suppe erforderlich ist. Einige Stückchen Anis, Zucker. Salz und Zimmet geben das Gewürz. Nachdem die Suppe eine halbe Stunde stark gekocht hat, rührt man sie mit einem oder zwei Eigelö ab und richtet, sie. an. Kalbfleifchwürstchen. Man schneiet ein Pfund' Kalbfleisch in Stücke und klopft es mit dem Holzschlegel so lange, bis es als feineZ Wurstfllllsel ver'-ocndet werden kann, sodann klopft man 90 Unzen SpeZ auf die gleiche Weise, gibt beides in eine Schüssel, fügt Salz. Pfeffer, ein wenig fein gewiegte Citronenschale und ein halbes Weinglas Wasser oder Bouillon dazu, mischt alles gut unter einander, füllt die Masse mit einer Wurstspritze in dünne Därme und siedet die Würstchen langsar.r gar, so daß sie nicht aufspringen. Man ißt sie warm mit süßem Senf. Heringe in Gelee. Recht zarte Heringe wässert- man eine Stunde. Nachdem sie geputzt und in kleineStücke geschnitten sind, legt man dieselben in eine.' tiefe Platte, zierlich geordnet. Nun hat man., am besten Tags zuvor, aus zwei bis drei Kalbsfüßen eine Gallerte gekocht, mit. halb Wasser, halb Essig, dem nöthigen Wurzelwerk und Salz. Ist die Brühe kurz eingekocht, so gießt man-dieselbe durch ein-Tuch und läßt sie erstarren. Um die Platte fertig zu machen, wiegt- man nun die Gallerte, so daß sie wie- ausgequollener Sago aussieht, und füllt die Zwischenräume der Heringsstückchen dicht damit aus. Nun rührt man etwas Oel in Essig glatt,' begußt' die Speise damit- und verziert das Ganze mit Kapern, Zwiebelrädchen, Citronenscheibchen und frischer Petersilie nach Geschmack. S ch i n k e n s p e i s e. Vier Eidot-ter-rührt man mit Salz und einem Theelöffel Mehl gut durch, giebt den steifen Schnee der Eiweiße dazu und gießt diesen Teig in eine Pfanne mit heißer Butter. Ist der-Kuchen auf einer. Seite-schön goldgelb und oben leicht überlaufen, , fo giebt man-feinge-wiegten Schinken nebst einigen Kapern darauf. schlägt den Kuchen über dem Schinken zusammen, läßt ihn noch einige Augenblicke in der Pfanne und servirt ihn dann sofort. H e ch t k n ö d e l. Man schneidet tu nen halben zugerichteten Hecht roh zui sämmen, darnach rührt man eine bis zwei. Unzen Butter zu Schaum, giebt ein von zwei Eiern hergestelltes Rührei hinein, rührt es. auf, giebt den Heät, fein geschnittene Petersilie, eine ixt Milch geweichte, dann' ausgedrückte Semmel, Salz und Pfeffer dazu,, der rührt alles, schlägt naa) und nach ein ganzes. Ei -und drei Eigelb darunter, rührt sie-gut ab, vermischt ein weniz säueren Rahm damit, giebt Semmel krumen nach Bedarf hinzu, macht kleine Knödel daraus, siedet sie in Salzvas ser und. giebt sie dann in gute Erbsensuppe. E i e.r. - Fr i r a s s e e von g e -s'ch n i:t:t e n en E i e r n. Auf eine Person nimmt-man gewöhnlich zwei Eier, siedet sie hart-und läßt sie kalt werden.. Dann schält' man auf sechsEier eine mittelgroße Zwiebel und schneidet'siec ganz-fern; serner vird eine Hand, voll gewaschener Petersilie ebenfalls so? fein wie möglich aeschnitten und beides, die Zwiebel und die Pe-tersilie,-dann in zwei ' Unzen frischer Butter gedämpft, bis sie rechr weich sind, ein kleiner Löffel feines Mehl daranf'aestreut und' mit einem-halben
Quart' guter Fleischbrühe aufgefüllt. wie auch Pfeffer, Salz und Muskat blüthe: daran- gethan, und nun laßt maw es noch eine? Viertelstunde kochen. Die Eier werden unterdessen geschält, das Gelbe herausgenommen und das WeißenachBelieben (in die Hälfte oder Viertel), gefchnittm. Das Gelbe nimmt marr zw der Sauce, läßt eS recht heiß werden- und richtet es zusammen an. Man kann auch nach Belieben ein wenig Essig und Kapern dazu thun und mitkochen lassen. Zur Wveazsmng können auch- Morcheln und Spargeln: dazu gethan werden;, einige Eigelb kann man zerhacken und um den Rand streuen-, wenn angerichtet ist, es giebt ein hübscheres Ansehen. Einfacher Napfkuchen. In ein Vftmd erwärmtes Mehl macht man eine Vertiefung und giebt zwei Eßlöffel Hefe, welche man mit VJUiq angerührt hat, hinein, vermengt mit dem zunächstliegenden Mehl, nnd laßt es an einem warmen Ort des Herdes oder Ofens gehen. Nun derrührt man 3 Unzen Butter mit zwei Eiern und etwaZ Zucker und mengt dieses unter dcrs Mehl, ebenso d halbe Schale ei. ner Zitrone, fein gewiegt, eine Hand voll Weinbeeren und Rosinen, eine Messerspide Salz nnd eine Tasse war me Milch. Nu schlagt man vien Teig eine Viert6stunde recht fein, bis er sich von der Schüssel löst, unte füllt denselben in cÄe. mit Butter gut ge schmierte Napfform, etwa halb voll. Er muß in heißem Ofen gebaüen werden und ist in einer halben AS drei Viertelstunden fertig. GestÄzt wird der Kuchur. noch warm, mit Zucker be streut. UmKaninchen auf Wildart zu zubereiten, legt man das gespickte Ka ninchrn mit Gelbrüben, Zwiebeln und Wacholderbeeren einen Tag lang (ode? ttich länger) in Essig und brgtet es, dann auf gutem, doch nicht zu starkem Feuer. Wenn eö hübsch gebraten ist. giebt man reichlich saure Sahnt SZU und kaufet c5 recht fkibik t .
