Indiana Tribüne, Volume 21, Number 209, Indianapolis, Marion County, 17 April 1898 — Page 2
Zm eigenen Seim. S ! Die Natur hat Gegensätze geschaffcn, die nach steter Vereinigung streUn und eine für das Weltganze zweckmäßige und vernünftige Vermittelung finden. Solche Gegensätze sind Mann und Frau, die in der Ehe die Vermitrelung und Ausgleichung der von Natur ihnen innewohnenden Verschiedenheiten durch die gegenseitige Ergänzung finden. Erst durch das gleichbe-.' rechtigte Zusammenwirken beider Geschlechter kann sich die Menschheit gefund und segensvoll entwickeln. Das Haus ist der Resonanzboden, auf dem elfe Melodien des gemeinsamen Lebens ertönen, bald heiter und rauschend, bald ernst und trübe. Im eigen Hause findet die Familie ihr Funda ment, ihren Kern- und Stützpunkt Ohne die schützende Heimstätte ist ferne gesittete Familie, kein gesittetes Volk denkbar. Die Häuslichkeit ist der ZauAnkreis, in den der müde Mann sich aus dem Kampfe der Leidenschaften, us dem Markte des Lebens flüchtet, nach welchem der einsame Wanderer sich sehnt, wie der Fremdling nach seiTier Heimath. Und wer ist die Seele dieses Zauberreichcs. welches uns das wahre Glück, die wahren Tugenden erschließt, ohne die weder das Wohl des Einzelnen, noch das der Gesammtheit gedacht werden kann? Es ist die Frau! Ohne liebende, ordnende, pflegende Frauenh.md giebt es kein wohlthuendes Heim! Wer fühlte nicht die anheimelnde Wärme und das trauliche Behagen, die vom häuslichen Herde segenbringend ausströmen, und wer spürte nicht den Friedenshauch, der über wahrem Eheglück gleich einem Himmelszruß ruht? Wohl uns, daß trotz des rastlosen Kampfes ums Dasein, trotz des unablässigen Jagens nach Ehre und Gewinn, sich doch unter den Dornen der Sorgen und des Genießens, still verborgen und sonnig lächelnd jenes echte Glück einnistet, welches vom verlorenen Eden der süßeste Traum ist. Im eigenen Heim gleichviel ob Palast oder Hütte im harmonischen Beisammensein und völligen Jneinanderaufgehen wurzelt es und wächst und gedeiht unter Liebe und Vertrauen, Treue und Hingebung, Selbstverleugnung und Sanftmuth, bis es sich im Laufe der Jahre zu jener idealen Blüthe entfaltet, die mit ihrem Duft und Glanz alle Räume des Haufes und des Herzens durchdringt und allen Stürmen standhält. Bleiben diese doch mögen sie nun Stürme des Schicksals oder der Seele sein in keiner Ehe, auch der glücklichsten, ganz aus, und muthig und tapfer, als feines Weibes Stütze und Halt, soll der Gatte mit fester Hand, mit klarem Blick und klugem Sinn das Schiff an Klippen und Tiefen vorbeilenken, dem Leitstern der Liebe folgend. Wenn es aber vor Allem dem Manne gebührt, das Hüteramt zu führen, so ist auch der Frau, welche ihm zur Gehilfin und Gefährtin geschaffen, eine gleich wichtige Aufgabe gestellt! Und zwar erstreckt sich dieselbe auf das Innere des Hauses und des Herzens. Die rechte Frau wird auf der einen Seite all' die tausend kleinen Mühen, die ungezählten nichtigen und doch oft so wichtigen Kernigkeiten, die vielen scheinbar unbedeutenden, und doch im Getriebe der Wirthschaft fühlbar eingreifenden Sorgen mit Treue und Kraft des guten Willens zum Behagen und zum Wohlbefinden der Ihrigen zu über-' winden wissen und dabei doch auf der anderen Seite, durch liebevolles Eingehen auf die Interessen ihres Gatten, durch richtige Selbstleitung und geistige Fortbildung, sich ein in seinem inneren Zusammenhange wohlgegliedertes Wissen erwerben oder erhalten, .welches sie zur Freundin und Mitarbeiterin des Mannes, zu semem zweiten Ich emporhebt. Als seine liebste, treueste Gefährtin trägt und theilt sie dann die Lasten und Mühen seines Verufes, richtet den Müden auf und trostet den Verzagenden; sie wacht als ein Schutzengel seines Hauses und schmückt es mit Friede und Freude, daß er kerne liebere &läüt und Zuflucht als sein Daheim kennt. Tragen zarteFrauenhände ans diese Weise die soliden Grundsteine zum ehelichen Glück zusammen, und baut der Mann mit Um ficht und Verstand daraus sein Haus, so müssen aus dieser Pflanzstätte für alleö Gute und Schöne, aus der reinen, gesunden Atmosphäre von Eheglück und Elternliebe charaktervolle, brauchbare Sohne und liebenswürdige, körperlich und geistig wohlgebUdete Töchter hervorgehen, die in ihrem Innern einen unzerstörbaren Schatz aus dem Familienkreis mit hinausnehmen ins Leben
Allerdings. Ein Pantosfelritter, der von seiner Frau stets schlecht behandelt wird, erhält von seinen Freunden den guten Rath, sich von seiner Xanthippe doch scheiden zu lassen. Beim iachhause kommen erklärt er auch seiner besseren Hälfte kurz und bündig, daß er dazu entschlossen sei; sie aber stellt ihm tüchtige Schläge in Aussicht, falls er seinen Plan verwirklichen sollte, was ihn wieder wankend macht. Nach mehreren Wochen begegnet er tirtm Freunde. Nun," fragt dieser, bist Du geschieden?" Ach nein," entgegnet der tapfere Held, scheiden thut weh!" Das böse Gewissen. Professor: Kommen Sie einmal in mein Laboratorium, Jean, ich werde Sie einmal mitRöntgenstrahlen durchleuchten!" Diener (stotternd): Ich ich habe aber ganz gewiß den Cognac nicht ausgetrunken, gnä' Herr! Natürlich. Aber, Ihre Fräulein Braut stottert ja, Herr Lieutenant!" I v?o! Js blos Jlücksjestammel!" , .
IieHattin.
Von Oskar v. Krücken. Frau Anna dehnte sich gähnend auf dem Divan und schloß dann ihre müden. schläfrigen Augen. Es herrschte eine beängstigende, erregende Dunkelheit in dem Zimmer. Die Einsamkeit lastete bedrückend auf der jungen Frau, cr erschien ihr, als bedrohe sie in dieser Dunkelheit ihr Gewissen mit entsetzlichem Grauen. In der Hand hielt sie einen Brief krampfhaft zusammengepreßt. Sie begann zu zittern. Dann drängte sich in ihrer Erinnerung der ganze Verlauf ihrer unglücklichen Ehe zusammen. Sie hatte ihren Gatten schon seit Monaten nicht gesehen. Als sie mit ihm zum letzten Mal gesprochen, war sein Gesicht eingefallen und seine Augen standen voll Thränen. Er bat, er flehte sie an, sie möge ihn doch nicht verlassen, sie möge ihm verzeihen. Sie blieb indessen hartherzig bei ihrem Entschlüsse. Cie vermochte an nichts anderes zu denken, als daß er sie verdächtigt, verletzt und bis auf'ö Blut beleidigt habe. Und dennoch war er früher der höflichste und rücksichtsvollste Mann gewesen. Erst als man ihn auf die Untreue seiner Frau aufmerksam machte, wurde er so furchtbar eifersüchtig. Hatte er sie doch so sehr geliebt. - Bei diesen maßlosen Eisersuchtsscenen erwachte in der jungen Frau der Haß des beleidigten Weibes. Sie, die ihren Gatten bisher treu geliebt, wurde von ihm für eidbrüchig gehalten. Das konnt sie ihm nicht verzeihen; sie mochte ihn nicht mehr sehen. Und nun lagen die Verhältnisse schon vollends ander? Sie hat in der langen Zeit der Trennung ihren Gatten endlich vergessen und sie trägt sogar schon im Geheimen den Veite bungsring eines Anderen. Der betrübte Mann durchstreifte indessen, Vergessenheit suchend, einsam die Welt. Er liebte seine Gattin noch immer. Er versuchte es auch, sie mit kosenden und klagenden Worten wieder zurückzurufen. Allein sie lachte nur seiner Qual. Sie zerriß und verstreute seine leidvollen Briefe. Sie haßte ihn und dieser Haß schien ihr unbesiegbar. Dennoch fühlte sie in einsamen Stunden, daß sie sein Benehmen schon zu vergessen begann. Sie bedauerte den kranken Mann, der sich vor ihr so demüthigte, der vor ihr auf den Knieen lag. Der wievielte Brief ist das schon, den sie in ihrer Hand jetzt zusammengepreßt halt? Frau Anna überkamen allerlei Gedanken. Wie wenn sie ihr Gatte dennoch mehr liebte als jener andere Mann, dessen Verlobungsring sie trug? Die süßen Wochen der jungen Liebe werden verfliegen und dann werden die düsteren, langweiligen Tage folgen, wo die Liebe schon schwindet und nichts vor ihnen sein wird als das grausame lange Leben mit seiner schablonenhaften Einförmigkeit. Wenn die Honigwochen entschwunden sind, entschwindet aber auch die Höflichkeit des Mannes. Er wird sich Rohheiten erlauben, vielleicht gar die Hand gegen sie erheben? 2)s würde sie nicht zu ertragen vermögen ... Es fiel ihr ein, wie rücksichtsvoll, zart und höflich ihr erster Gatte gewesen. Seine Liebe hatte lange gewährt. Er liebt sie ja selbst jetzt noch! Da ist sein Brief! Sicherlich fleht er sie wieder an, sie möge ihm verzeihen. Es war schon ganz finster im Zimmer. Frau Anna ließ die Lampe anzünden. , Sie ließ sie zum Divan hinstellen. Dann erbrach sie fast schüchtern den Brief. Ein kleines verwelktes Rosenblatt fiel aus dem Briefe ihres Gatten heraus. Dies Rosenblatt stammte von jenem Balle her, an welchem ihr Gatte um ihre Hand angehalten. Die süße, herrliche Zeit! ' Sie begann den Brief zu lefen. Die Zeilen flössen vor ihren Augen zusammen. Sie vermochte ihn nur mühsam zu entzisfern. Mein geliebtes kleines Weibchen! Du kannst Dir nicht vorstellen, wie bitterlich meine Tage dahinfließen! Das Leben ist so öde, so eintönig, ich habe ja Niemand, der mich tröstete. In den durchwachten fieberischen Nächten perlt schwerer Schweiß auf meiner Stirne und es will sich kein Schlaf auf meine brennenden Augen niedersenken. Wfe oft habe ich es schon bereut, daß ich Dich verletzte, daß ich Dich verdächtigte. Ich muß nun dafür furchtbar schwer leiden! Ich büße dafür mit höllischen Qual?n! Was mache ich noch ein ganzes Leben hindurch? Ich jage meiner verlorenen Seligkeit nach, bis mich böse' Geister den Orgien in die Arme treiben werden. Alle Schrecken des Gewissens fallen mich an und ich stehe mit müdem Leibe, mit gebrochener Seele, mit ausgebranntem Herzen, allein vereinsamt da! Zwischen verlorenen Illusionen ungebrochenen Hoffnungen steht mir ein schauderhaft ödes Leben bevor. Habe ich dies verdient? Bin ich denn zu allen Strafen Gottes verdämmt geworden?. Diese wenigen Monate haben mich krank gemacht, zu einem schwer leidenden siechen Manne. Mein liebes, kleines Weibchen, der-, zeihe mir, verzeihe mir endlich. Du straftest mich und ich fiel vor Dir auf die Knie. Du verfluchtest mich! Erlöse mich nun endlich von dem Fluche. Verzeihe mir, Anna! Verzeihe Demenz . demüthig darum flehende, fchuldaebeugten Gatten. Der Brief entsank den Händen der hingen Frau, Sie versuchte zu lachen.
Sie wollte ihre weibliche Eitelkeit befriedigen; doch ihre Augen füllten sich mit Thränen. Sie faßte sich. Sie trocknete das verrätherische Naß. sprang von dem Divan auf und brachte ihr Kleid in Ordnung. Im Vorzimmer ließ sich eine kräftige Männerstimme vernehmen. Frau Anna überlief es kalt. Leise flüsterte sie dem eintretenden Stubenmädchen zu: Ich bin nicht zu Hause! Sie wollte mit ihrem Bräutigam jetzt nicht zusammentreffen. Der Brief ihres Gatten hatte sie zu fehr niedergedrückt. Wenn ihr Gatte stürbe, so wäre dies für sie etwas Entsetzliches. Wie reuevoll sein Brief ist? Wie wunderbar ist es auch, daß der starkeMann, der ihr einst durch seine machtvolle Persönlichkeit imponirt hatte, sich nun vor ihr, dem schwachen Weibe, so demüthigte. Sie hätte ihm gern in's Auge schauen mögen und ihn fragen: ob das was er schrieb, auch wahr sei? Sie wollte dem Briefe keinen Glauben schenken. Wie groß müßte dann die Liebe dieses Mannes sein? Diese paar Zeilen hatten sie sehr erregt. Mit verstörtem Gemüthe ging sie in ihrem Zimmer auf und ab. Ihre Wangen glühten fieberisch. Sie war eine noch junge schöne Frau. Sie stellte sich vor den Spiegel hin, als ob sie daran zweifelte, daß sie noch erobern könne; doch sie fand sich bezaubernd. Das nachtschwarze Haar war auf der Stirne lässig gescheitelt, ihre herrlichen Augen strahlten in träu. merischer tiefer Bläue und ihre statuenhafte Gestalt zeigte das edelste Ebenmaß. Lange blieb sie so vor dem Spiegel stehen und weidete sich mit 'weiblicher Selbstgefälligkeit an ihrem Anblicke. Dann warf sie sich wieder auf den Divan hin. Sie vermochte ihr Gewissen nicht zu beruhigen. Sie bedauerte den kranken Mann, der ihretwegen die Nächte schlaflos, in trübem Wachen verbrachte, ihretwegen ein Raub wahnsinNiger Verzweiflung war. Sie begann sich in ihren Gatten auf's Neue zu verlieben. Sie hätte sich in feine Arme werfen und seine Lippen mit glühenden Küssen überschütten mögen. Ich verzeihe Dir Alles und nun verzeihe auch Du mir! flüsterte sie vor sich hin. Auch ich bin ja schuldig, denn ich trotzte; auch ich bin schuldig, denn ich machte Dich krank! Aber noch bäumte sich der Widerspruch in ihrer Seele auf. Da bemerkte sie neben, dem, Divan das zu Boden gefallene Rosenblatt. Sie hob es auf. legte es an die Lippen und küßte es mit heißer Leidenschaftlichkeit. Du meine süße kleine Blume! Auch Du gehörtest ihm. Dann setzte sie sich an den Tisch und schrieb, wie es ihr das Herz diktirte: Mein liebes gutes Männchen! Zürne Deinem trotzigen Weibchen nicht mehr! Ich habe es schon sehr bereut, daß ich Dich verließ. Verzeihe mir! Es umarmt Dich vielmals Deine reuige Gattin. Sie küßte das Vriefchen und sandte es ab. Eine Woche darauf erhielt der Rechtsanwalt Frau Annas von ihr folgende Zuschrift: Geehrter, Herr Doctor! Wir befinden uns auf der Hochzeitsreise nach Venedig, ich und mein Gatte. Ich bitte Sie, den Scheidungsprozeß einzustellen. Leben Sie wohl! Ihre A. N.
ßm Keiratysmttrag. Von H. Waldemar. Das Feuer im Kamin brannte hell und lustig. Sein rosiger Schein fiel auf dieGestalt eines jungen Mädchens, das träumend im Sessel saß. Sie hatte die Ellenbogen auf ihre Knie gestützt und ihr feines blasses Gesichtchen ruhte in ihren Händen. Mit offenem Munde, hastigem Athem und entzückten Blicken gab sie sich ganz dem Genuß ihrer Träume , hin. Und glänzende Bilder stiegen vor ihrer Seele auf. Sie hätte alle, alle festhalten .mögen, zu verweilen, ihr' wieder und wieder zu erzählen, was das Pochen ihres jungen Herzens ihr nur zu oft verrieth. : . Vor Tagen, ehe sie iauf Wunsch ihres Vaters bei ihren Verwandten einen kurzen Aufenthalt nahm, hatte dieser ihr gesagt: Jch.will Dich nicht. bestimmen, mein Liebling, aber : es ist mein größter Wunsch, Dich mit HanS vereint zu sehen. Er ist Dir gut. ich weiß es. Ruth, aber ob Du - 'Und dann hatte der Theure ihre Stirn geküßt und gütig gemeint: Uebereile nichts, mein Kind. Hans kehrt erst in zwei bis drei Wochen wieder, unterdeß maast Du Dich und Dein Herz prüsen." . Noch war nicht die Hälfte der Frist abgelaufen. Aber bedürfte sie ihrer ,derrn überhaupt? War sie sich denn nicht bewußt, daß sie ihn liebte liebte von ganzem Herzen und aus innigster Seele.so lange sie zurückdenken konnte? Ruth versank wieder in glückliches Träumen! Welche Bilder des Glücks zauberten die helllodernden Flammen hervor! Sie mußte vor dem blendenden Glänze der ihrer wartenden Zukunft die Augen schließen. ... Noch lag ein seliges Lächeln auf ihrem holden Gesichtchen, als ein kurzes Klopfen sie in die Gegenwart zurückrief. Die Thür ginq auf, und " HanS, Du!" rief das junge Mädchm. Sie sprang auf, . aus ihren Wangen wich jede Farbe, nur in ihren dunkien Augen vertiefte sich der über- ' selkae Ausdruck. War er früher ein- . . 7 r '
getroffen, weil ihn die Sehnsucht zu ihr trieb? War er gekommen,- um das entscheidende Wort zu sprechen, um ihr zu sagen, daß sie sein Alles sei und ihm endlich angehören solle? Freust Du Dich nicht, mich zu sehen, Ruth?" sagte er befremdet, als ihre mächtige innere Bewegung ihr die Lippen schloß. Welche sanfte Stimme er doch hatte! Wie Musik erschien sie ihr heute. Noch nie war ihr dies so sehr aufgefallen als gerade jetzt, da es sie fast üb:rwältigte. daß der Held ihrer Träume und ihres Herzens so unerwartet vor ihr stand. Du weißt es, Hans, Warum fragst Du erst?" Er nahm ihre ausgestreckte Hand und preßte sie sanft zwischen seinen Fingern, dabei sah er ihr forschend in das blasse Gesicht, auf dem, wie es ihr schamvoll dünkte, ganz deutlich alles Sehnen und Hoffen, alle Gedanken und Wünsche zu lesen waren. Dann zog er sie auf ihren Sitz zurück und setzte sich neben sie. Mir scheint. Ruth, daß Du Dijch hier ganz gut amüsirst, während Dein Vater einsam zu Hause ist und ich verurtheilt war. aeschäftlich abwesend zu sein. Nun beichte, was Du in den Wochen getrieben, wie viele Herzen Du gebrochen hast!" Ich breche niemals Herzen, Hans. Das vermöchte ich gar nicht. . . . O ja, ich hatte eine herrliche Zeit, aber ich vermißte Dich sehr!" Ho, ho, wer das glaubt! Denke nur. Kleine, sechzehn Jahre lebe ich schon in Eurem Hause, und da sagst Du. Du vermißtest mich?" ' Sechzehn Jahre? Ist's wirklich schon, so lang?" Freilich. Neun Jahre war ich, als mich Dein Vater nach der Beerdigung des meinigen zu sich nahm. Ich war ein Waisenkind, Ruth, hatte weder Vater noch Mutter mehr, auch keine Geschwister. Und Du warst ein winziges Geschöpfchen damals und empfingst uns in der Halle, als wir ankamen. Da sagte Dein Vater: Hier, Ruth, bringe ich Dir einen lieben Bruder. Gieb ihm einen Kuß!" Und Du stelltest Dich gleich auf die Fußspitzen und hieltest mir das gespitzte Mäulchen hin. Ja. das weißt Du wohl nicht mehr, hm?" Ruth schüttelte leise lächelnd den blonden Kopf. Sechzehn Jahre sind seither vergangen," fuhr Hans fort. Aus den Kindern wurden junge Leute. . . . Gestern Abend, nachdem ich zu Hause angekommen, sprachen Dein Vater und ich von Dir. . . . Dabei theilte er mir seinen sehnlichen Wunsch mit. uns beide vereint zu wissen. . ." Hans schwieg einige Augenblicke, dann fuhr er fort: Ich möchte so gern diesen Wunsch erfüllen und mich dadurch dankbar erzeigen " Du willst? O, Hans!" Aber ich sagte ihm, daß wir beide uns nicht so lieben, wie es sein muß, um einen Bund für's Leben zu schließen. Junge Leute, die zusammen aufgewachsen sind, wie wir beide, sind sich als Kameraden lieb und. werth, als Geschwister, weiter aber auch nicht." Das Feuer im Kamin brannte mehr und mehr herab. 'Es war Ruth, als schwinde mit ihm alles Licht aus ihrem jungen Leben. Dein Vater meinte: Sagt sie nein, so bin ich beruhigt. Frage sie, mein Junge!" Denn siehst Du, ich konnte und wollte ihm doch nicht sagen, daß ich Ellen Ascher liebe, um ihn nicht zu kränken. Und darum nahm ich mir vor. Dir gleich nach Deiner Rückkehr einen regelrechten Heirathsantrag zu machen und Dich zu bitten, als meine geliebte Schwester nein" zu sagen." . Er ergriff ihre Hand, aber Ruth entzog sie ihm rasch. Sie mußte durch diese Bewegung sich erst versichern, daß sie nicht träumte. - Oder hatte sie geschlafen vorhin, als sie vor dem Kamin saß und sich in so rosigen Farben die Zukunft und das Leben an seinerSeite ausmalte?.... Sie hob den müden Blick und sah sich um. Dort war das Fenster, hier der Tisch, an dem sie sonst arbeitete und schrieb, drüben hatte sie die Bilder ihrer Eltern und das von Hans aufgestellt, das sie immer Morgens früh zuerst und des Abends zuletzt begrüßt hatte, immer mit demselben seligen Glücksgefühl im Herzen, das sie vor einer Viertelstunde noch empfunden? Und nun? Wie aus weiter Ferne drang seine weiche Stimme an ihr Ohr und sie faßte es kaum, als er sagte: Das Gute dabei ist. daß Du nicht erst zu versprechen brauchst, mir nur eine Schwester zu sein, denn Du bist es seit lange. Und nun, also. Kleine, willst Du mich haben? Du sagst nein, nicht wahr?" , . Mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft raffte sie sich auf, und sie wunderte sich felbst, daß es ihr gelang, ihre Fassung zu bewahren. Natürlich. Hans, sage ich nein. Wir lieben uns doch nicht nicht so, um , nicht wahr?" Alles Licht in ihren Augen war erloschen. Sie sprach sehr langsam, zuletzt, klang es wie ein Schluchzen. ! Betroffen sah er sie an, aber sie schien zu lächeln. So fuhr er lachend fort: Nachdem Du mich also so grausam zurückgewiesen hast. Ruth, werde ich mich zu Ellen begeben, die, ich weiß es. mich mit liebevolleren Augen an sieht und empfängt. Deinem Vater aber werde ich heute Abend erzählen, daß, ich mir bei seiner Tochter einen extra großen Korb geholt habe," schloß er heiter, sprang auf und .reichte Ruth zum Abschied die Hand. Sie legte die ihre hinein ' dann hörte sie dirThür in's -Schloß fallen. Ruth erschauerte. Wie kalt es war in ihr und um sie!..... , .... r , ;.Au03 das Feuer war ausgegangen.' 7 -r. . t . . . 4 ;
Ike Föwenöraut.
Von Eignor Saltarino. Wir aren in Trauer und Verzweiflung. Miß Welda". unsereLLwenlönigin, war gestorben. Der Stern und die Hoffnung der kleinen Menagerie Sturm, mit der ich nun fchon feit zwei Jähren die deutschen Länder durchzog. Sie starb nicht auf dem Schlachtfeld der Arbeit", wie es so schön in den Tagesblättern heißt, wenn irgend ein Unfall registrirt wird, nicht unter den Pranken der Bestien, nein, sie. bekam erst einen ganz gewöhnlichen Schnupfen in unserer kleinen Budcnstadt zog es mörderlich, den sie weiter nicht beachtete, der sich aber leider zu einer veritablen Lungenentzündung entwickelte, der die Löwenkönigin nach nur achttägigem Kranksein erlag. Und sie war erst 19 Jahre alt und ein Urbild von Gesundheit. Kühnheit und Kraft! Sie verband mit der Geschmeidigkeit der Katzen die Stärke des Bären und wenn ihre Peitsche auf die Löwen niedersauste, so gab es einen Pfiff, der fo klang, wie der einer Schnellzugsmaschme, wenn diese in einen Tunnel einfährt. Kurz, warnend, drohend. Ein Dichter würde sagen, daß ein rauher Nordsturm eine feurige Granatblüthe in die Weißen, kalten Höfe der Alhambra geweht habe, wo sie zertreten worden und verdorrt sind. Miß Welda war nun aber nichts weniger denn eine Granatblüthe, sondern ein rechtes und echtes Vagantenkind, mit Horn an den Händen und hohen Schaftstiefeln. Desto mehr trauerten wir um unsern Star", denn einen Ersatz zu finden war schwer, fast unmöglich. Löwendompteusen laufen nicht auf den Straßen herum wieConfectionsdamen und Bonnen; es ist ein großer, glücklicher Zufall, wenn einem Material in die Hände kommt, aus dem man eine Bändigerin formen kann. Und darum waren wir so traurig, denn mit Miß Welda war unser Glück v 1 dahin. Herr Sturm kaute sich den Schnurrbart ab und Madame hatte geröthete Augen. Diese hatte sie sonst nur, wenn Herr Sturm mit dem Inhalt der Cafette in die Stadt gegangen war und eingehende Vergleiche des Tropfens im Königreich Sachsen mit dem zu Bacharäch am Rhein angestellt hatte. Aus diesem romantischenStädtchen stammte die gloriose Bändiger - Dynastie der Sturms und auch Herr Emanuel Sturm war mit Rheinwasser getauft worden. Daher seine Sachkunde in Allem, was mit Traube und Trestern zusammenhing. Den meisten Schmerz bereitete Herrn Sturm sein süßes Ehegespons, seine geliebte Laura, wenn diese nach seiner nächtlichen Wanderung durch die menschenleeren Straßen derStadt, in denen einen sicheren Port nur eine mattrothe Laterne ankündigte, eine Visitation seiner Taschen vornahm. Solche Manipulationen konnten den Principal auf's Tiefste kränken, und darum zog er es vor, sein Lager nicht im grünen Wagen, sondern im Centralkäfig mitten zwischen den Löwen zu nehmen, wo er vor den Liebkosungen der Madame Laura sicher war. Doch seit dem Tode der Miß Welda hatte der Prinzipal Studien über den Rebensaft des Rheines, wie er dort gekeltert und in Sachsen verkauft wird, nicht Mehr unternommen. Er fürchtete für das Geschäft und diese Furcht hielt ihn von seinen gewöhnlichen Weinreisen ab. . Wir hatten unsere kleine Menagerie in T. bei Leipzig aufgestellt, ohne sonderliche Geschäfte zu machen. Wie gesagt, mit Miß Welda war unser Glück dahin. Ein heißer Sommertag sah mich mißmuthig auf der staubigen Landstraße nach Leipzig dahinschleudern. Mir gefiel es nicht mehr bei den Sturms und da ich gehört hatte, daß in Leipzig der Circus feine Pforten geöffnet habe, beschloß ich, dort um Engagement nachzufragen, ganz gleich, als was man mich beschäftigen würde. Nach einem ermüdenden Marsch durch eine . häuserreiche Vorstadt gelangte ich an eine Promenade, wo zwischen Zierbäumen eine Fontaine ihre Strahlen in die heiße Luft warf. Ich bückte mich und schöpfte mit der Hand aus dem Wasser des Bassins, um meinen Durst zu stillen. Da klopfte mich Jemand auf die Schulter und verwundert drehte ich mich um. Sieh' da", sagte eine bekannte Stimme, auch einmal in Leipzig?" In dem Sprecher erkannte-ich einen Doctor G., einen Mann, der. unserer Familie zu großem Dank verpflichtet war. " ' Ich war froh, einen Menschen gefunden zu haben, dem ich erzählen konnte, in , welche Calamität ich - gerathen, nur dadurch, daß es beiSturms nicht mehr zum Aushalten war, seitdem Miß Welda gestorben. Auf einer Bank der Promenade schüttete ich dem Manne mein Herz aus. , ... Na", sagte dieser, wenn es weiter nichts ist! Ich glaube, ich kann Ihnen eine neue Thierbändigerin verschaffen." . - ' Ich riß die Augen auf. Sie, Doctor?" Ja, ich. Es kommt nur auf eine Probe an." Wie kommen Sie aber um Himmelswillen zu einer Löwcnbraut?" Das ist meine Sache. Wollen Sie mich begleiten?" Wir verließen die Promenade und der Doctor schlug mit mir den Weg nach der Arbeitervorstadt L. ein. Nach halbstündiger Fahrt mit der Pferde.bahn waren wir am Ziele: einer modernen Miethskaserne mit keifenden Frauen, schreienden Kindent undMüll- ; geruch. . v . , - ., -
Folgen Sie mir", sagte Dr. indem er sich einen Weg durch die an der Hausthüre herumlungernden Kin der bahnte und dann drei Treppen em porkeuchte. Er klopfte an eine der Thikren und auf ein .Herein!" betraten wtr die Stube. Ein graziöses, dunkeläugiges Mädcheir sprang behend von der Küchendank auf und dem Arzte entgegen. Bon jour, Herr Doctor", rief sie mit klarer Stimme und etwas fremdländischem Accent, wie schön, daß Sie .uns wieder einmal besuchen. Mama ist Gott sei Dank recht wohl, nur mit dem hier sie rieb Daumen und Zeigesinger an einander haperts knapp und Mama ist nicht gewöhnt, hauszuhalten. Da muß denn ich die Wirthschaft führen, um nur einigermaßen durchzukommen." Von dem Gespräch angelockt, erschien jetzt auch die Frau Mama auf dem Plan, eine dicke, watschelnde Malayin mit haßlichem, gelbem Gesicht und wulstigen Lippen. Sie radebrechte Deutsch, und Holländisch durcheinander. "Velkom, mijne heeren, waa raan heb ih het genoegen van Uw bezock te danken? 'abe die Herr Doctor goet geflapen?" G. lachte. Danke, Frau Stark, ich bin schon seit heute Morgen 7 Uhr auf den Beinen und jetzt bereits wieder müde." Oh. ich sein immer muid, ich kann flapen die ganze Taag." Und damit verschwand die Dicke wieder, um im Nebengemach auf dem Sopha Platz zu nehmen. Ja, die Mama," meinte die Tochter, die kann das Klima nicht vertragen. Hätten wir nur das nöthige Geld, ich bin überzeugt, wir wären längst wieder in Soerabaja. Sie paßt eben nicht nach Europa." Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, junger Freund", wandte sich der Doctor an mich, daß der Vater des Fräulein Angelique 14 Jahre lang als Unterofficier in Diensten der holländischen Colonialarmee stand daher auch die kleine Pension von der Mutter und Tochter jetzt leben. Später war er Bediensteter in einer großen Menagerie, die in Indien und Australien reiste und vor fünf oder sechs Jahren nach England kam, wo sie aufgelöst wurde. Wie heißt der Director nur gleich, Angelique? James Hamilton!" Ganz richtig, Hamilton! Also, die Familie Stark ging dann nachDeutschland, wo man einige Jahre von der Pension und dem ersparten kleinen Capital lebte. Dann starb der Vater plötzlich und nun ist hier manchmal Schmalhans Küchenmeister. Als Sie mir nun heute morgen die Geschichte von Ihrem Star" erzählten, dachte ich sofort an dieses junge - Mädchen hier, daö, wie ich während meiner Besuche in diesem Hause früher erfahren, mit Menagerieverhältnissen recht gut Bescheid weiß. Also, Angelique höre gut zu: Dieser junge Mann gehört zu einer Menagerie, deren Löwenbraut" gestorben und für die ein Ersatz gesucht wird. Ich habe sofort an Dich gedacht. Hast Du den Muth, die Löwen vorzuführen?" In das schlanke Mädchen kam Leben und Bewegung. Pah", rief Angelique blitzenden Auges, wenn es weiter nichts ist! Wie oft bin ich bei Hamilton mit Papa im Käfig gewesen! Ich fürchte die Thiere nicht wo sind sie?" Nicht hier in Leipzig in einem kleinen Orte, etwa drei Meilen von hier." Dann wollen wir doch gleich hin!" So schnell geht es nicht. Kleine," antwortete Dr. G. Zuerst müssen wir auch hören, was Deine Mutter zu dem Plane sagt." Oh. Mama ist mit Allem einverstanden, was ich thue; außerdem dürfte sie sehr froh sein, aus dieser Bude hinauszukommen." Und so war es auch. Die dicke Malayin wunderte sich gar nicht weiter über den abenteuerlichen Plan ihres schwarzäugigen Töchterchens und-sagte zu Allem Ja und Amen. Herrn Emanuel Sturm aber konnte ich telegraphiren, daß ich einen Ersatz für Miß Welda gefunden habe. Als wir am anderen Tage Mittags in T. ankamen, war die erste Frage des Fräuleins Anglique, nachdem sie nur flüchtig Herren und Frau Sturm begrüßt hatte: Wo sind die Thiere?" Ich werde sofort die Ehre haben, Mademoiselle", antwortete der Herr Prinzipal und griff nach seiner Peitsche. Wir gingen zum Käfig, dessen Infassen aufsprangen und unruhig hmter den Traillen auf- und abliefen. Schöne Thiere, auf Ehre, Herr Sturm!" rief das Mädchen, bcwundernd die Bestien betrachtend, Gehe, mit Madame Sturm eine Tasse Thee zu trinken, Mama, ich will mir einmal den Käfig von innen besehen". Die Alte watschelte davon. Aber Mademoiselle, Sie müssen sich doch erst mit den Thieren bekannt machen", meinte der Menageriebesitzer, sonst könnte der erste Besuch schlecht ablaufen." Pah, ich bin bei Hamilton zu fremden Tigern gegangen, ohne daß. mir etwas passin wäre. Und diese lieben Kerle hier" Na, Fräulein, wenn Sie durchaus wollen, dann will ich einmal den Käfig offnen. Ich gehe aber mit." ' Ganz wie Sie wollen, HerrSturm; nöthig ist es aber nicht," erwiderte die couragirte Halb - Malayin und hüpfte hinter dem vorausschreitenden Dompteur her. ; Die Thüre wurde geöffnet und fiel hinter den Beiden wieder in's Schloß. Draußen stand ich mit einer langen eisernen Gabel und zwei Holzbarrieren, fr lang, wie der Käfig breit war, und
die dazu dienten, die Löwen einzuschließen, wenn Gefahr im Verzug wäre. Die riesigen Katzen hatten sich beim Nahen der beiden Leute in eine Ecke zurückgezogen und blickten unwillig auf die ihnen noch völlig fremde Weibliche Person. Angelique lehnte sich mit dem Rücken an die Traillen und blickte furchtlos und lange auf die Thiere. Die Peitsche, Herr Sturm!" Ich erschrak, denn ich wußte, daß die Thiere beim Erblicken der Peitsche unruhig würden. Herr Sturm." schrie ich, geben Sie ihr die Peitsche nicht!" Da lachte der kleine Sprühteufel mit seinen weißen Zähnen und riß dem Prinzipal die Peitsche aus der Hand. Mir war, als wollte das Herz zu schlagen aufhören, als Angelique dem großen, wilden Nero" mit der Nilpferdpeitsche einen Hieb über die Schnauze zog. Das Thier stieß ein Geheul aus, daß der ganze Wagen zitterte und die alte Malayin die Theetasse vor Schrecken zur Erde fallen ließ. Da war aber auch schon das tolle Mädchen weiter zu den Bestien vorgedrungen, während der Prinzipal an der Thüre zum Vorsetzkäsig stand, um im Falle- der Noth das Mädchen schnell aus dem grimmen Behälter zu lassen und den Rückzug zu decken. Hieb auf Hieb sauste jetzt auf die fauchenden, wüthenden Thiere nieder, ununterbrochen, mit sich immer erneuernder Kraft. Das Mädchen schien einen Arm' von Stahl zu haben. Attention, Fräulein, die Thiere werden Sie in Stücke zerreißen!" schrie ich. In demselben Augenblicke geschah etwas Unerwartetes. Das Mädchen warf die Peitsche weit hinter sich, verschränkte die Arme und hielt Waffenlos vor den wüthenden Thieren ein zwei drei Sekunden. Dann trat Angelique einige Schritte zurück, lockte mit der Hand die Löwen, wie man ei nen Pudel lockt, und siehe da: die Bestien kamen langsam herangekrochen und blieben vor den Füßen des Mädchens schmeichelnd und furchtsam liegen. Wie sperrte da Herr Sturm, der immer auf dem Sprung zum Eingreifen gestanden, die Augcn auf, nicht minder sein liebes Ehegespons, das bei dem Brüllen der Thiere herbeigeeilt war, während die Malayin wieder ruhig ihren Thee schlürfte, als ginge sie die ganze Geschichte nichts an. Beim heiligen Kreuzberg. Fräulein Angelique, Sie sind eine Dompteuse par excellence!" rief er in wahrer Begeisterung. Künststück, HerrSturm!" lachte der kleine Satan, die Thiere da die kenne ich ja! Der da" sie kraute dem großen Löwen Nero" das Fell ist jetzt vielleicht zehnJahre alt, Brutus" und Cäsar" mögen acht Jahre zählen, während mir das Alter der Löwin unbekannt ist die habe ich noch nie gesehen. Aber die drei männlichen Löwen stammen von Hamilton, der sie vor fünf Jahren an die Menagerie Wombwell verkaufte." Teufel, das stimmt die Löwen sind von Wombwell Na. also. Ich habe die Thiere, bei denen ich früher mit dem Vater wohl hundert Male im Käfig gewefen, so-.
fort wieder erkannt, die Löwen m:ch auch. Em:ge Hleoe waren aber nothwendig, um die lieben Kerls nicht gleich von Anfang an zu verwöhnen. Ich werde aber mit ihnen gut auskommen, auf mein Wort, Herr Sturm." Daran zweifelte nun der ehrenwerihe Prinzipal durchaus nicht. Er fuhr noch an demselben Tage nach Leipzig und . klopfte sämmtliche Weinkneipen ab. Mochte auch seine Alte krakehlen er war froh, daß er eine neue Löwenbraut" gefunden hatte. ; Solche Mädels entdeckt man nicht alle Tage am allerwenigsten in einer Miethskaserne, vier Treppen hoch! Ehemannöreftexiontn. Bekommst Du eine anspruchsvolle Frau oder viele Kinder, dann denke mit Shakespeare's Jago: .Thue Geld in Deinen Beutel!" -.. Der erste schwache Schrei des Neugeborenen wirkt wie die süßeste Musik auf das Ohr seiner Erzeuger, bei dem späteren Schreien möchte man so oft gerne darauf verzichten. Man kann der liebendste, aufopferndste Gatte sein, ohne einen Pantoffelhelden aus sich machen zu lassen. Aber das ist nicht leicht. ' Erst in der Todesstunde weiß ein Jeder, was er an dem Anderen gehabt hat oder auch nicht. Ueberflüssig. Dame: Wie, den heruntergekommenen Baron mit der dunkeln Vergangenheit soll ich heirathen? Der befindet sich ja nicht einmal im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte." Heirathsvermittler: Nu', was hat er nöthig bürgerliche Ehrenrechte, . wo er is e Baron?" Durch die Blume. A.: Na, was sagen Sie zu dem Cognac, schmeckt er Ihnen?- B.: Ach ja, ist ganz gut; aber ich glaube, es ist sehr schwierig, Cognac nach einem Glas zu beurtheilen!" . . Unter . Freundinnen. Warten Sie nur, warten Sie nur, Ihnen will ich einmal ungeschminkt die Wahrheit sagen!" Ha. ha, ha, Frau Assessor, dann müßten Sie aber heiter aussehen!" Verrätherische Steigerung. Besucher: .Sie fürchten sich wohl vor Ihrer Frau?" Pantosfelheld: Ich waö fällt Jhneir' ein! Nicht im Entftrnteüenl Am we,ni2?:n heute, wo Besuch da ist!"
