Indiana Tribüne, Volume 21, Number 202, Indianapolis, Marion County, 10 April 1898 — Page 9
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9 ts Ctl Jusiin mdZnstinc. Wo!l Emile Richebourg. Er war zwölf Jahre alt. sie noch nicht zehn. Man nannte ihn Justin, sie Justine. Sie waren in demselben Dorfe geboren, und ihre Eltern bewohnten zwei benachbarte Häuser. Justine war Gänsehirrin. und Justin führte Morgen für Morgen die Ochsen und die Kühe seines Vaters auf die Weide. Das kleine Mädchen ermangelte niemals, ihre Gänse nach der Wiese zu führen, auf der sich Justin befand. Während die Schaar geflügelter Zweifüßler über die Brachfelder hüpfte,, setzten sich die beiden Kinder in das Gras und plauderten. Was erzählten sie sich? Jene hübschen Nichtigkeiten, die einzig und allein ein mit der Lüge noch unbekannter Mund aussprechen kann, und die mit Vergnügen nur von einem anderen Kinde angehört werden Von nen. Justine sang reizend; Justin hatte eine ziemlich angenehme Stimme, und so sangen sie häufig zusammen. Sie lehrte ihn ein Liedchen oder eine Romanze, die er noch nicht kannte. Dafür brachte er ihr anderes bei. Manchmal betheiligte sich eine Lerche, eine Grasmücke oder ein Hänfling an dem Concert, ob auch die Insekten misch Ita sich hinein. Das war eine richtige Symphonie in freier Luft. Man begegnete ihnen oft auf den Wegen, wie sie Hand in Hand neben einander herschritten. Wenn sie so durch die Felder und Wiesen gingen, dann hielten sie eine reiche Ernte unter den Blum.n. b'.sond rs un'er derKo nblumen; sie hielt ihre kleine Schürze ms, und Justin füllte dieselbe. In die Kornblumen, die sie 'zuKränzen wand, wob sie einige weiße Astern mit goldenen Herzen hinein; dann setzte sie ihrem kleinen Freunde einen Kranz lachend auf den Kopf und nannte ihn ihren König. Manchmal hielt sie ein Gänseblümchen in den Fingern und vergaß die angefangene Krone. Liebt er mich?" fragte sie die Vlume und warf die Blätter in den Wind. Das Gänseblümchen antwortete bald: Mit Leidenschaft," bald: von Herzen," bald mit: gar nicht." Trotzdem aber'wurden die beiden Kinder nicht böse auf die Blume, sondern lachten herzlich über das Orakel. ... Sie lachten stets und stets sah man sie zusammen. War einer ohne den anderen, so waren sie traurig. Sie suchten sich und irrten umher wie derdämmte Seelen. Wenn es sich durch Zufall ereignete, daß Justine ihre Gänse nicht durch's Feld trieb, so waren Justins Kühe an diesem Tage schlecht behütet und fraßen, ohne daft unser junger Held sie darin störte, das Gras von der benachbarten Wiese. Die Vögel sangen allein, und ihre Lieder klangen viel trauriger als aewökmlick. Sahen sich die Kinder dann aber am nächsten Tage wieder, welche Freude! Das Federvieh bekam auch seinen Theil davon, es lies aus die Wiesen und be freundete sich mit den Kühen und Och sen. Eines Tages wurden sie von ei nein Gewitter überrascht. Fahle Blitz zerrissen die Wolken nach allen Seiten iici -üuiuicc xduic. uno ne lumien nm ter einer Hecke Schutz. Die Hecke war Wrt-,Tn frM Krts - . ,' . ; : Justine hatte den Utomcm von Äernardin De Samt - Pierre" nicht gelesen, trotzdem hatte sie denselben Gedanken wie Virginie; sie verbang ihren Kopf und den Justins unter ihrem KattunI rocke. ' Trotz alledem froren sie. Der Regen rann über ihre blau gefrorenen Hände, und ihre Zähne klapperten laut. Um sich zu erwärmen, drängten sie sich an einander, wie kleine Vöglein in einem JCtl. Sie tallThfn nrnher nft? fiifivr 4 ... a'uv w iy 1 1 1 die Ochsen seines Vaters nicht mehr ' ..c v: m.:v. c fv.n . i r uui wie uciüc, llno uiline yorie aus, Gänse zu hüten. Ihre Eltern ließen sie die Schneiderei erlernen. Die juugen Leute sahen sich nicht mehr so viel wie früher, doch sie dachhtr fM2 rtn ?rrrtnhr s?2 IM Z V u v.tw. lil CCV Vergangenheit Erinnerungen, die nichts auslöschen kann. Wenn sie sich begegneten und Justin das Wort an sie s richtete, so wurde Justine roth wie eine Moutmorency - Kirsche. Sie ' hatte ;das Erröthen gleichzeitig mit dem NäIhen gelernt. Sonntags holte sie Justin ab, um sie .zum Tanze zu führen, und sie machte 'sich seinetwegen schön.- Er fand sie reizend und sagte es ihr, und Justines 1 J- Pl . P . c yerz yupsie sormiill) vor reuoe. Niemand war anmuthiger und leichtfüßiger als sie beim Tanze. Alle Burschen bewunderten sie und forder?ten sie zum Walzer auf. Sie, verschmähte Niemanden, doch stets fand sie :ein Mittel, häufiger mit Justin als mit vbcn andern zu tanzen. Si Eine Tages war sie achtzehn Jahre alt. Sie war ein schönes, blondes Mädchen mit der Taille einer Snljprjibe. Jhre Augen, welche so bläu tüCLZtn wie das Wasser des Meeres, hatten den Blick einer Andälusierin. dhr Mund war eine halb geöffnete Rose. Ihre zarten und schneeweißen Zahne glichen feinen, !n Korallen eingefaßten Perlen. Sie hatte einen kleinen Fuß und die Hände einer Prinzessin.
aue.
Man svrach von ihrer Schönheit auf
zehn Meilen in der Runde, und wer sie gesehen hatte, ermangelte nie. sie als ein wahres Wunder zu preisen. Gron war die 3aM ihrer Anbeter. und die Kühnsten begehrten sie zur Frau. Sie aber wies alle zurück, uno keinem gestattete sie. ihr den of m machen. Trotzdem ermuthigte die Verzwelslung der emen wieder andere, und ; statt abzunehmen, wurde die Zahl ih-! rer Bewunderer immer größer. Sie aber erinnerte sich an die Zeit, wo sie die Gänse gehütet und dachte an ustin. Eines Moraens. als sie sich m em kleines Dorf begab, wo sie ein Kleid nähen sollte, traf sie Justin auf der Landstraße. Er machte ein verlegenes Gesicht und schlug, was sonst nicht , seine Gewohnheit war, die Augen zu i Boden. Was hast Du denn?" fragte sie ihn. Er stieß einen Seufzer aus und antwortete: Meine liebe Justine, ich werde mich vcrheirathen. mein Vater will es." Sie wurde sehr bleich, und er fuhr fort: Ich hätte Dich rn vorgezogen, das weißt Du." Und Du nimmst doch eme andere Frau!" ries sie. ,Es muß sein, denn mem Vater will es, er findet. Du seiest nicht reich ge- . "Ug. Ja, ich bin m der That sehr arm. Wen heirathest Du denn?" Meine Base, die einzige Tochter des Bruders meines Vaters, der denPachtHof zu Charmes besitzt." Du machst da eine gute Partie, Justin, ich wünsche Dir Glück." Nach diesen Worten entfernte sie sich schnell. Als sie eine kurze Strecke gegangen war, wandte sie sich um. Justm war an derselben Stelle stehen geblieben; er hatte nicht gewagt, ihru folgen. Nun fing sie an zu schluchzen und setzte, heiße Thränen vergießend, ihren Weg fort. Justin war verheirathet. Er hatte die Gegend verlassen und wohnte in Charmes. Sein Schwiegervater hatte ihm die Verwaltung des Pachthofes übertragen. Justine hatte ihre Fröhlichkeit und ihre frischen Farben verloren. Das Alles war mit den schönen, lachenden Illusionen ihrer Jugend entschwunden. Die Erinnerungen ihrer Kindheit waren ihr jetzt nur noch schmerzlich. Sie sagte der Freundschaft, der Zukunft und allen erträumten Freuden der Jugend Lebewohl. Es gab für sie kein Vergnügen mehr und kein Lied (am mehr über ihre Lippen. Nachdem sie in vollem Lichte erblüht, stieg sie in die Nacht hinab. Die Stunden. in-denen ihre Altersgenossinnen sich amüsirten. brachte sie mit Weinen hin. Es gibt Thränen, die in goldnen Urnen aufgefangen werden sollten. Nach Verlauf von zwei Jahren hatte sie ihn noch nicht vergelten: die, ihrem Herze:' geschlagene Wunde blutete noch immer. Doch da sie gleichzeitig stolz war. so schien sie'getröstet. Ein junger Mann aus der Gegend, den sie schon einmal zurückgewiesen, wagte einen zweiten Heirathsantrag. Diesmal nahm sie ihn an. und von Allen, die sich um Justine's Hand bewarben, war dieser junge Mann ihrer am wenigsten würdig. Trotzdem verheirathete sie sich, doch nie erfuhr man recht, weshalb! Kurze Zeit darauf sah sie Justin wieder. Er trug einen Flor um den Hut; seine Frau war eben gestorben. -Ab. Justine!" sagte er zuihr. wa. mm hast Du Dich so sehr beeilt? I , : : . 4 t - i . . . . . i . er sie geopfert hatte und erwiderte traurig: Das ist wahr!" ' " So hast Du mich also nicht vergessen?" Nein." ' O. ich hasse Deinen Mann, er ist ein Trunkenbold, ein Verschwender. Er macht Dich gewiß nicht glücklich!" Justine seufzte. Ich habe gehört, er soll Dich schlagen?" Justine schlug die Augen zu Boden. Der Elende!" rief Justin mit dumpfer Stimme. ' Er ist mein Gatte," versetzte sie. und ich bin seine Frau, ich habe es so gewollt." Das ist wahr; aber sage mir, Justine, wenn Du Wittwe wärest, wurdest Du Dich dann mit mir wieder verheiratben?" J." Du versprichst es mir? Es ist gut. ich werde warten, bis Du Wittwe bist." Mein Gatte hat keine Lust zu sterben." sagte sie lächelnd, und Du wirst lange warten müssen." Ich werde vierzig Jahre warten, wenn es sein muß!" rief er. Damit trennten sie sich. Justin blieb seinem Versprechen fünf Jahre hindurch treu. Als er nach dieser Zeit merkte, daß Justines Gatte sich noch immer einer ausgezeichneten Gesundheit erfreute, dachte er daran, sich wieder zu verheirathen. und führte diesen Gedanken auf der Stelle aus. Er war noch keine acht Tage vermählt. als er erfuhr, daß Justines Gatte bei einem Zechgelage vomSchlao getroffen worden war. Das Unglück verfolgt uns!" rief er anZ, es fcheint Bestimmung zu sein, wir sollen nicht glücklich werden." Dabei packte er seinen Kopf mit den Händen und raufte sich die Haare aus. Als sich feine junge Frau am Abend darüber beklagte, daß er traurig und wenig liebenswürdig zu ihr war, wurde er .von einem heftigen Wuthan-
fall ergriffen und gab ihr eine'Qyrfeige. Das war die erste, aber nicht die letzte. Eines Tages erhielt Justin folgenden Brief: Mein Mann ist todt. Der Unglückliche ist dafür bestrast worden, daß er den Weiss und den Schnaps zu heftig liebte. Du wirst diese Nachricht schon erfahren haben, ebenso wie ich selbst die Deiner zweiten Ehe erfahren habe. Ich zürne Dir nicht, daß Du Dein Versprechen nicht gehalten. Du hast fünf Jahre gewartet, das ist genug, und meine Eigenliebe ist befriedigt. Ich bedauere nur, daß Du nicht einen Monat länger Geduld gehöt hast. Ich trage schwarze Kleider, das muß der Welt wegen so sein; aber ich bin keine trostlose Wittwe, im Gegentheil. Ich überlasse es meinen Kleidern. um den Verstorbenen zu weinen. Morgen reise ich nach Paris, po ich bei einer Schneiderin arbeiten werde, die mir vortheilhafte Anträge gemacht hat. Mein armer Freund, jetzt sind wir für immer getrennt und werden uns wahrscheinlich nie wieder sehen. Ich habe das Land nicht verlassen wollen, ohne Dir Lebewohl zu sagen, und ohne Dir meinerseits zu versprechen, ewig Wittwe zu bleiben. Ich habe beim ersten Mal zu viel Pech gehabt, und habe keine Lust, dasselbe noch einmal zu erleben. , Justine."
Fünfzehn Jahre später begrub Ju stin seine zweite Frau. Er war da-1 mals dreiundvierzig Jahre alt, und ; seine Qaare svielten in's Graue. Er : hatte Justine nicht vergessen, aber er hatte keine Ahnung davon, was aus ihr geworden war. Sie war in der Gegend nicht wieder erschienen, und man konnte ihm über ihr Schicksal nicht das Geringste mittheilen. Sein Entschluß war gefaßt, er steckte Geld in die Tasche und fuhr nach Paris. Nach langem Suchen fand er seine Justine verheirathet und als Mutter von vier Kindern. Er erkannte sie kaum wieder, und sie mußte ihm mehrere Male wiederholen: Ich bin's, ja, ja, ich bin's." Da fielen seine Arme schlaff hernieder, und er stieß einen tiefen Seufzer auS. Ja. es war Justine. aber sie hatte inzwischen acht Zähne und so ziemlich ihre sämmtlichen blonden Haare verloren. Vergeblich suchte Justin in dieser dicken Frau die schlanke, schmiegsame Taille des jungen Mädchens, das ihn einst seinen Kör.ig genannt hatte. Ihre einst sanfte und melodische Stimme glich jetzt der eines Tambourmajors. Von Justine, der Gänsehirtin, war nichts übrig geblieben als der Blick. Wir haben uns ein wenig verändert, mein alter Freund," sagte sie, ja, wir sind alt geworden. Was führt denn Dich nach Paris?" Ich habe.dieReise ausdrücklich Deinetwegen gemacht, ich bin Wittwer'und kann O. Justine, warum bist Du verheirathet?" Ja. ja. Du hast recht, eS war eine Dummheit." Bist Du glücklich?" Glücklich! Svrich nicht davon; mein Zweiter ist kein so großer Trunlenbold, wie der erste, aber er behandelt mich noch schlechter. Tr Andere schlug mich alle Abende, wenn er betrunken nach Hause kam, während dieser mich Morgens und Abends mit Schlägen bedenkt. O. ich denke oft an Dich, mein armer. Justin. Ja, ja, früher war noch eine schöne Zeit, ie sehne ich mich nach ihr!" Du hast mich also nicht vergessen?" Nein." - Das ist seltsam." dachte Justin, als er Justine verließ, sie ist. weit weniger hübsch, man könnte sogar sagen, sie ist es gar nicht mehr, und doch fühle ich etwas für sie in meinem Herzen." :- ! r s-we Heimath zurück .: ,rC Justin lebte mit seiner dritten 20 Jahre, ohne daß er sie mehr, geliebt hätte, als die erste und die zweite. Er hatte bereits seine beiden ältesten Söhne aus zweiter Ehe verheirathet. und es blieb ihm nunmehr nur' noch übrig, zwei Töchtern und einem Jungen aus dritter Ehe ein'Heim zu schaffen, was er in einem Zeitraum von zwölf Jahren that. . . Da er trotz der schonen Mitgift, die er seinen Kindern gegeben, noch reich war, so dachte er daran, sich einen an genehmen Lebensabend zu verschaffen. Obgleich er schon 73 Jahre zahlte und seine Haare fast weiß geworden waren, so lebte doch in ihm noch eine so große Kraft und Frische,, daß er sein Alter nicht fühlte. Ich werde über 100 Jahre alt werden,", sagte er zu seinen Bindern-an dem Tage, als er seine letzte Tochter verheirathete. . Da der Greis nichts zu thun hatte und sich langweilte, so wollte er sich in die Angelegenheiten seiner Kinder misehen. DaS war ein wenig sein Recht; doch man behandelte ihn als altenNar ren. nannte ihn einen. alten .Schwätzer und legte , sich keinerlei Zwang auf, um ihn zu demüthigen. Als der alte Mann sich so zurückqe. stoßen, so allein und einsam sah,. dachte er an Justine, und reiste eines .schönen aaes. olne Jemandem ein. Wrt iu sagen, mit wohlgespickter Brieftascht nach Paris. Er war' 80 Jahre alt. . Justine war seit langer Zeit Wittwe. Ihre Kinder waren'alle todt, und - sie hatte in Paris nur das Elend kennen gelernt. Trotz ihres hohen Alters arbeitete sie noch für ihren Lebensunter, halt. Sie besserte, so gut es ging, alte. Hosen, und alte Ueberzieher aus und hatte unter den kleinen Handlunzsdie.nern, den Farbenreibern und" Flakerkutschern ihre Kundschaft. Als 'sie Justin wiedersah, . fiel -sie beinahe' in Ohnmacht. Er . drückte sie in seine Arme, und eine Viertelstunde 'lang weinten !Ze vor ffreude. .
Du hast Dich also meiner noch erinnert?" sagt sie zu ihm. Du siehst es ja, denn ich bin doch hier." Das ist recht liebenswürdig von Dir, daß Du mich besuchst." Ich komme, um Dich zu heiraihen." Sie begann laut zu lachen; er aber blieb vollständig ernst und sagte: Wir müssen doch einmal glücklich werden." Du scherzest also .nicht, Justin?" Sieh her." fagte er, und öffnete seine Brieftasche, hier sind alle nöthigen Papiere und außerdem noch 20,000 Francs in Banknoten." Die erloschenen Augen Justines glänzten hinter ihren Brillengläsern, und sie fragte: Ist dieses Geld für mich?" .Ja.- 4 " Du wirst eö mir kontraktlich verschreiben?" Nein, ich werde eS Dir am Hochzeitstage in die Hand geben." Ich mochte es lieber kontraktlich haben; aber meinetwegen gehen wir zur Manie." Am Hochzeitstage verlangte Justine die 20.000 Francs, und Justin weigerte sich, sie ihr zu geben. Es entspann sich ein Streit, der mit Vorwürsen anfing, und von den Vorwürfen ging man zu groben Worten über. Justine kratzte ihrem geliebten Justin mit ihren alten Nägeln in's Gesicht, und
diefer nahm einen Stock, den er auf dem Kopf und, den Schultern seiner ebenso geliebten Justine tanzen ließ. . Die erschreckten Nachbarn holten die Ponzel, und die Ebegatten wurden vor den Polizeicommissär geführt. Einen Monat spater svrach daö Gericht die Trennung der Ehe aus. Dieses Urtbeil ist die Moral dieser wahren Geschichte. Aeim Warterkreuzk, Eine Hochlandsgeschichte, von Josef Maertl. In der Ehehaltenstube des reichen Lohnerbauern spitzten die Knechte und Mägde heute in gespannter Erwartung die Ohren. Der Bauer hatte im Verlauf des Vormittags mit dem ebenfalls wohl begüterten Hallthurmwirth eine lange Unterredung gehabt, deren Endergebniß darin bestand, daß er seinen Sohn und Erben vom Mittagstisch hinweg zu sich m die Bauernkammern hinem rief, woselbst er gewöhnlich jene Sa chen zu verhandeln pflegte, die nicht für die Ohren seiner Dienstboten waren. Stumm saß er dortselbst seinem Er ben -gegenüber, und in dem bartlosen Gesicht arbeitete es, als ob der Lohner alle Mühe hatte, seine innere Erregung niederzukämpfen. .Also, Franz:?', es bl.itt dabei." fing er nach kürzerer Pause Tvieder an, die Liabschaft mit der Traudl muaß a End' hab n. Heunt noch fahr' i zum Notar!, damit er morgen 'rauskommt, um dein' Heirathsvertrag mit derHallthurmsnannerl abzuschließen. Die und keine andere wird Lohnerbäuerin, am wenigsten aber eine, der ihr Vater als Spitzbub in's Wasser gesprungen is. I müßt' mich schämen, so oft i oben im Pselsergrab n beim Marterkreuzl vor beiging, wenn eö hieße: Du, Lohner bauer, schau, da liagt der Lump unten, dem sei' Dirndel dein Bua g'heirathet hat'." Franzei, ein bildhübscher, brünetter Bursche von etwa fünfundzwanzig Jahren, dessen offenes Antlitz durch emen wohlgepslegten Schnurrbart el nn ungemein interessanten Zug 'erhielt, seufzte bei den Worten des. Va ters tief auf und vergrub für einen Augenblick sein Gesicht. in beide Hände. .,Er. schien sichtbar einen schrecklichen ? Am Vif m?f stA Aitmf . I mi . tu uusßUvuyvvi r.hfbaft ath ''!) . .1 .. '. ml eines Leiden... Plötzlich sprang er mit uurmiim ti Heftigkeit' empor. Die zitternde linke Hand in dem zerzausten Lockenhaupt vergraben, die Rechte wie zum' Schwur vor sich hingestreckt,' so stand' er da, den Erzeuger mit verächtlichem Blick mes.send. . Vater, i bring' das Opfer, das Du von mir verlangst kam eS dumpf 'aus seinem. Mund. . I reiß' das. Heiligste aus mein' Herzen, um Dein' Stolz zu' befriedigen, i mach' a Dirndel Unglücklich. a unschuldig's 'schöpf, das, fo treu an mir 'hängt ist wie a Edelweiß am , Felsg'wänd guat. i,opfer' sie und mich aber Du verantwort's, Vater, vor unserm Herrgott. Du verantwort's vor der Welt, daß i a Weib nehmen muß., vor dem i ausspei'n möcht', weil i weiß, daß sie bloß unser, Geld und nit mich heirathet., ,So,' das 'iö mei' letztes Wort, und' bevor wir. auseinander gehn, sag' ! Dir noch ewS, waS i seit meiner frühesten Ju-, gend auf als Geheimniß in mein' Her-, zen rrag'n hab': Der Lehrer. TraudlL Vater, .ist unschuldig in's' Wasser g'sprungen. und es aibt ' Menschenc?in Unfehlbares Mittel. DaS Feld der Wirksamkeit des be-: xühmten Dr. Vull's Husten Syrup wird immer fortbestchm, denn, wenn eine Mutter einmal dieses unfehlbare Mittel gcaen 5)ustcn,Erkältung,Bräu-' ne oder Keuchhusten gebraucht hat, so wird sie.m'e eine andere Medizin ver, suchen. Jch gebrauchte Dr..Vull'S Husten Syrup seit 15 Jahren in der' Familie gcgcn Husten, Erkältung und Hals-Lcidcn und fand ihn in ausgezeichnetes Mittel.". Frau D.T.Clarke, ' 163 Congrcß Str.,Clevcland,O. -Dr. ' Vull's Huste Syrup wird überall für25 Centö verkauft und man darf-sich , nicht von Verkäufern überrcderr lassen einen anderen .'oder etwas billigeren Artikel zu nehmen, denn nur der. ächte Dr. Vull's Husten Syrup giebt wracr utrkdc2de Resultate.
ittV aus der Wett, die diö zenk aud Liebe zu mir g'schwieg'n hat, 'und .die iö 'Traudl. dasselbe Dirndel, das. Du
veracht'st. Lohnerbauer, weißt Du. wer die wahren Schuldigen sind?"' Der Gefragte prallte bn den letzten Worten seines Sohnes erbleichend zuruck, und entsetzt starrte er m das bleiche Antlitz Franzeis, der wie in fürchterlicher Rachegott vor ihm stand. Franzei Bua." stotterte er. glaubst Du vielleicht gar. was g'wisse Leut' sag'n. daß i dran schuld bin. daß daß Er konnte nicht weiter. Der Blick seines Kindes, der ihm bis in das Innerste der Seele zu dringen schien, raubte ihm zedes wettere Wort derBertheidigung. I glaub, was nur mer Traudl g'schwor'n hat," entge'gnete der junge Mann mit fester Stimme, was sie weiß, hat sie mir bis jetzt noch nicht g'sagt, aber was Fürchterliches muß's sein, Vater, was Furchtbares in dem auch Du und der Hallthurmwirth mit verwickelt sind." I und der Hallthurmwirth?- versetzte der Lohnerbauer halb, stöhnend, halb s pottend. Ja, ja, die Leüt'. gewisse Leut' sagen's, aber ehrliche Manner wie wir wir mach'n uns nix draus. . Es ist der blasse Neid, der aüö solchem 'red' .spricht,, weil wir .reich sind und es mit die Jahr' zu waS 'bracht .hab'n. Ja, das is der Grund. Nu, b'hüat Dich Gott. Franzei. ti bleibt dabei, was. i'glagt.hab'. I geh' zum Notar! z'weg'n dem Testa-ment!-Mit einer gewissen Hast, gleichsam als gelte es. so bald wie möglich aus der Nähe seines erregten Sohnes zu kommen, verschwand des LohnerbauerS gebückte Gestalt aus der' Kammer, und langsam folgte ihm Franz:!, nicht wissend, was. er beginnensollte.'um den Schmerz , zu betäuben, der seine Seele zermarterte. , Hoch oben, wo die Vorberge deö sagenreichen Untersberges sich zu - dem eigentlichen Felsgebirge anschließen, dort braust der Wildbach in schäumender Eile durch den Pfeifergraben. Ein kle'ner Holzst g fükrt denAhenjäger und den Touristen über die wohl an achtzig Klafter tiefe Kluft, und auf diesem Steg ist am-jenseitigen Ende ein Marterl aufgerichtet,. .'das einen Mann bildlich darstellt,, wie er sich kopfüber in den gähnenden Abgrund stürzt. Der fromme Senn, der auf diesem einsamen Weg vorübergeht, bekreuzt sich in heiliger Scheu . bei diesem Bild und schickt ein Vaterunser für die arme Seele eines bedauernswerthen SelbstMörders 'zum Himmel ' empor vor siebzehn Jahren hatte sich dort der Lehrer und Gemeindeschreiber Xaver Eichthaler aufc Furcht vor der zu erwartenden Strafe wegen großer Unterschlagungen den Armen der irdischen Äerechtigkeit entzoqen. So sagte die , sogenannte Mehrheit der Gemeinde', uno nur wemge waren es, die an diesem Eeruchte 'zweifelten; waren doch die Schuldbeweise fürten sonst ungemein beliebten, Jugenderzieher so erdrückende gewesen, daß selbst die damalige Gerichtscommission von dem Verbrechen des Lehrers überzeugt war. Dorthin mußte Franzei.Heute seine Schritte lenken, um Traudl von dr furchtbaren Wandlung ' der Dinge zu unterrichten. Das junge Mädchen war hinaufgepilgert, um das Marterkreuz mit '.frischen Blumen zu schmucken . 'war doch heute der Gedenltag,.wo ihr armer Vater sich vor Zeiten den Tod gegeben. , Nach einem mühsamen Äufftieg.'don zwei Stunden sah er den schäumenden Wildbach und den verhangnißvollen Steg vor sich, und. sein scharfes Htaj erkannte deutlich ' aus dererne 'die ' ""' ? schlanken Frauengesialt. i - l, sein armes Lieb. .-. : war, diese kaum zwanzchengestalt, in der ersten Blüthe' des '.zu? ' Jungfrau era'n'gereiften Weibes! ' Goldigblondes Haar, das im 'Schein der Sonne einen noch gelleren Manz erhielt und w langen Strähnen iiber den Rucken ' fiel, - zwei - große, sanfte Taubenaugen, die herzinnige Liebe und Unschuld sprachen, , ein sein geschnsttenes, rosig angehauchtes Madonnenge-, sicht. so stand sie in kurzer Vntfernuns vor ihm und , warf ihm eifrigst Kußi.. . y i.'. lf.i. "u.V. yanoe zu - acy, o ietzien, vie er 'von ihr. verlangen durfte und annehmen konnte. Endlich war er bei ihr angekommen. Franzei, mei' herziger Bua, -Du bist's?" rief sie ihm' entgegen-und' flog an seinen Hals. ; .Was führt denn Dich heut 'rauf zu mir? .Und 'wie Du ausschaust. 'JessuS Maria, wäZ kZDir denn? Du zitterst ja am ganzen Leib und d' Auq'n hast voll Wasser. "WaS iö denn passirt?- . In fliegender Hast stotterte sie. beim' Anblick des Geliebten diese Fragen, und dann zog sie ihn vom Steg. hin-', weg zu einer 'Rasenbank, die 'sie mit' vieler Mühe vor Jahren selbst errichtet.' Seufzend und willenlos ließ sich der also Begrüßte von dem Mädchen auf daS weiche MooZ herniederziehen, und' sein 'thränenumflorter Blick schweifte wie hilfesuchend zu den blauen. Berg-' gipfeln empor,' die unter dem Kuß deö niedersinkenden Sonnenballes -in' farbenprächtigem Purpur erstrahlten. . Traudl." stammelte er nach einer. Pause kurzen Schweigens und lehnte müde seinen' Kopf an ihre'- Schulter, Traudl. Du guats Dirndel, i wollt', i läg' unten bei Dein' Vater es is. aus mit mir. i kann-Dir's nit sag'n, mir druckt's schier 's Herz br ' Mit dem dem Weib innewohnenden Scharfsinn hatte sie schnell das Richtige errathen. Also Dein Vater will mich nit haben als ferömi-ft-Hnffit-r" 'feitfatV '-üv (Fortsetzung aus "der NüSseite.)
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