Indiana Tribüne, Volume 21, Number 202, Indianapolis, Marion County, 10 April 1898 — Page 7
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?ie Amtyor-ZZcrglZasin. Bei einem Vergleich zwischen der Veikehrsentwickelung der östlichen 211 penländer und derjenigen der benach faden, unstreitig in vielen Dingen vorangeschrittenen Schnxiz, wo der Bau kühner Hochgebirgsbahnen als modernste Specialität der Verkehrsieefjmf die großartigsten Erfolge erzielt, erscheint das Auftauchen ähnlicher Pläne im Gebiete der Ostalpen nur als natürlich: Folge der aufstrebenden Interessen an der Erschließung immer neuer Anziehungspunkte für die große Touristenwelt. Unter all diesen Plänen hat jener einer elektrischen Bahnanlaye von dem bekannten Luftcurart Gossensaß an: Brenner auf die 2751 Meter hohe Amthorspitze den großen Vorzug, seiner Verwirklichung bis jetzt am nächsten gekommen zu sein, ganz abgesehen davon, daß es sich um inen Ausstchtsgipfel allerersten Ranges handelt, der auch dank seiner überaus leichten Zugänglichkeit schon seit langer Zeit als lohnendes Ziel zahlloser Alpenfreunde in weiten Kreisen bekannt ist. Es dürfte aber auch nur wenige Alpengipfel geben, die bei gleich bequemer Zugänglichkeit und unmittelbar an eine Hauptlinie sich lehnend ein solch' mächttzes Ausstchtsbild zu bieten im Stande sind, wie es bei der centralen Lage der Amthorspitze gewissermaßen imHerzen Tirols sich erschließt. Nach Normen beherrscht der Blick die zackigen Ketten der Kalkalpen, nach Süden die bizarren Stöcke der Dolomiten, dazwischen, hier in nächster Nähe, die
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'Gossensaß. Gletscherwusten der Mzen zilleithaler Eisgipsel,'dort über drm tiefen Eisa!thal die n.ächtigen Zinnen der schneeund eisunhüllten Niesen der stubaier und ötzth:ler Gebirgsgruppen und in weiter Ferne die schimmernden FirnHäupter ter Adamellv nn der lombardischen Erenze. Diese! herrliche Plmorama, das der Gipfel &r von Gossensaß (1100 Meter) übe: die im Sommer bewirth-sckxi.-Amchr - Hütte (etwa 2800 Meter) für rllsttFGänaer in vier Stunden zu ersteigend Amthorspitze bietet, h.ll nunmehr durch die Anlage einer Drahtseilbahn -mit elektrischem Vetriebuch jenem Theilder Reisenden zugänglich gemacht werden,' . der den körperlichen Anstrengungen einer solchen Beigtour nicht gewachsen ist ode? diese fürchtet. Eint :mtt Profilen, Plänen' und Karten ausgestattete Vercffentlichung des Jnzenieurs Frhr. n. Tröltsch über die technische und Wirthschaftliche Gestaltung der geplanten Bahn Ibelehrt uns öngehend über die mannizfachen Vortheile des zn Grunde gelegten Betriebssystems crt der Hund der bei ähnlichen Unternehmungen gesammelten Erfahrungen. Es soll demnach die Bahn in drei, je durch Drahtseile mit elektrischer Kraft betriebenen Streckentheilen von dem Ort Gossensaß bis knrz unterhalb des Gipfels emporgeführt' werken, wo da Ende in einer Höhe von 2685 Meter gedacht ist; der Rest des Weges führt von da bis zum höchsten .Punkt leicht .ansteigend über den ziemlich schmalen Bergscheitel, dessen Grunb für d Endstation und ein zu erbauendes Vergholelmicht mehr geeignet ist. Da, Bahnlinie. Jro die Bahn auf der fogen. Hühnerspiel - Alm unweit der jetzigen Am-thcrr-Hütte aus dem Hochwald dn unteren Berghänge heraustritt, soll dann eine Höhenluftcuranstalt (Hotel Hühspiel - Alm) angelegt werden, in unvergleichliche? schöner Lage, etwa 2000 Meter hoch und in Terrainverliältnissen, die sich zur Anlage herrlicher Spazierwege und Promenaden für die Curgäste vorzüglich eignen. 'Das Anlagecapital für das BahnProjekt ist auf 680.000 Gulden berechr.tt und für die Bergfahrt der Preis von 4 Gulden und für die Thalfahrt von 2 Gulden in Aussicht genommen. Eine erhöhte Bedeutung gewinnt das Projekt dadurch, daß es nicht allein den einzelnen Gipfel für die AllGemeinheit, sondern auch das Hinterland desselben in einer für die zahlreichen Bergwanderer und nicht zum wenigsten für die Gilde der passionirten Hochtouristen äußerst angenehmen Weise erschließt. Denn eine Prachtvolle Gratwanderung führt von der Amthorspitze aus auf dem markirten Weg dr Alpenverelssectlon Lands Hut über die ihsier Nähe kühn und schneidig r 2778 Meter), : -Grat der Daxj felsige Schlucht Dattel des unn. Vr?nnerpaß liege. Mde Rollspitze dem zerhackten bei durch eine ium breiten über dem 'chlüsseljochs (2230 Meter), von w Zolfendorn 2772 Meter) lcick: u ersteigen und
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nach der Vollendung des Psades zum Wildseejoch der vielbegangene Paßweg über das Pfitscherjoch in kürzester Zeit
5 Viv .- v-x - v rwjsn MxstDIMM WlhilAh k Kliiiw. ;yÄ Arnthor - Hütte. erreichbar ist. Damit ist aber auch der nächste Zugang zu den Hochgebirgen des Zillerthals und seinen vielbesuchten Unterkunftshütten eröffnet, und gerade der exclusive Hochtourist, dem die langen Thalwege zu den zillerthaler Bergen ein Greuel sind, würde nach Vollendung der Bahn auf die Amthorspitze in der halben Zeit und im Genuß einer unvergleichlichen KammWanderung seinen erhabenen Zielen in der Gletscherwelt entgegeneilen können, wie auch umgekehrt derjenige, dessen Zeit abgelaufen ist, fast bis zum letzten Moment des Heimwegs den Reizen des Hochgebirges sich hingeben könnte, die in dem wunderbaren Rundblick von der Amthorspitze ihren Abschluß sänden. m t " Ju Halb-Asicn. Da, wo die ostwärts der Donau zuströmende Save zur Länderscheide geworden ist zwischen Slawonien einerseits und Bosnien und dem Königreich Serbien andererseits, hat de? Strom nicht nur wenig Gefäll, sondern ändert auch seine Strömung so oft, daß die zahlreichen Wassermühlen des getreidereichen Gebietes oft ihren Standpunlt wechsele müssen. Die schwimmenden Mühlen suchen stets die stärkste StrZmung uf. um sich die größte Wassrrkraft es Flusses dienstbar zu machen, und schern sich ihren Platz durch VerONimrng auf beiden eifern mittels finrfrr Taue von oft beträchtlicher Mnge. deren Enden cm die Stälime ttrn Bäumen oder um andere den nötbigen Halt gewährende Gegenstande geschlungen werden. Diese Tik haben einen nicht unbedeutenden Werth, ihr Verlust oder ihre Beschädigung würde zudem die Mühle gefährden; daher gilt es Tag und Nacht, ein wachffames Auge darauf -zu haben. Der Schwimmende Mühle. Mechanismus solch einer schwimmenden Mühle ist von einer unvergleichlichen Urwüchsigkeit; das Aeußere der ganzen Anlage ist nichtsdestoweniger in hohem Grade malerisch. Die ganze Anlage ?uht cuf drei ungeschlachten Pontons, zu denen ebenso viele ausgehöhlte Stämme der Weißpappel das Material geliefert haben. Aufrechtgestellte oder herabhängende Büsche an dem Stangenwerk nahe den großen und breiten Schaufelrädern künden in die Frne, ob die Mühle stark, wenig oder gar nicht in Anspruch genommen ist. Diesseits lagt über der Wasserfläche der mit Netzwerk reich behangene Fischerbalken weit hinaus, während drüben mehrere Angelruthen sich die Versorgung der Küche angelegen sein lassen, deren Vorhandensein das der Bedachung aufgesetzte pittoreske Kaminthürmchen verräth. Das von den Savemühlen erzeugte Mehl nimmt zwar, was die Feinheil anbetrifft, begreiflicherweise keinen hohen Rang ein, doch, mundet das hieraus gebacken? Brot (kraclm") nicht inur der anspruchslosen einheimischen Bevölkerung. sondern auch den Fremdlingen, die ihren Fuß in dieses von Touristen nur selten aufgesuchte Gebiet setzen. Fortschritte. Sie üben sich mit Ihrem Herrn Bräutigam auf dem Tandem, wie geht's denn?" D, jetzt können wir uns bereits im schnellsten Fahren küssen! Widerlegt. Da sagt man alleweil, daß es in der Stadt so viel Taschendieb' giebt! . . . Meine zwei Handkäs' sind alleweil noch drin!" . M a l i t i ? s. ' Herr Doctor, woher haben S'e diese prachtvolle Busennadel?" O, die habe ich .von meinem ersten Patienten!" Testamentarisch?" - Nascher Proceß. Wie sind Sie eigentlich so schnell zu Ihrer Braut gekommen?" Einfach so: Sie stürzte in's Wasser ich ihr nach sie umklammerte meinen Hals mit den Worte?,: Ewig Dein! und ihre Mama sprach vom Ufer aus den mütterlichen Segen dazu!
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I Ein Aprilscherz, von Franz Eberle. Er war Oberlehrer, der Dr. Franz Eckardt, und sie, sein Weibchen, Paula, hatte auch nichts. Wie das so oft sich trifft. Sie lebten dabei aber sehr behaglich und vergnüglich und machten keine Schulden, nur dnfc am Quartalsschlüsse das spärliche Gehalt stets vollständig aufgebraucht war. Eckardt hatte nicht immer sobescheiden gelebt. Früher, als er sein Gehalt allein verbrauchen konnte, war er Mitglied eines hauptsächlich aus College bestehenden Junggesellen - Stammtisches gewesen. Er war der Erste gewesen, der die Fahne des Hagestolzenthums schnöde verlassen hatte; er hatte sich aber bemüht, die Collegen dadurch elwas zu versöhnen, daß er sie in sein Haus zog. Besonders der Dr. Paul Günther, der an demselben Gymnasium, an dem Franz angestellt war, den Mathematik - Unterricht ertheilte, verkehrte sehr viel bei ihm und kannte die kleinen Freuden und Leiden des Eckardt'schen Hausstandes ganz genau. Auf diese Sachkenntniß baute Günther seinen Plan, als er die Collegen von einem Aprilscherze in Kenntniß setzte, mit dem sie Eckardt's beglücken" sollten. Günther wollte Eckardt's einmal gründlich in Verlegenheit bringen, denn er hatte seinem Freunde noch imm:r nicht seine Fahnenflucht ganz verziehen ur.d es machte dem au sond gutberzigen. .aber etwas hypochondrischen Junggesellen Spaß, sich an der Verlegenheit anderer zu weiden. Am Abend d:s 1. April saß Eckardt neben seinem Frauchen behaglich auf dem Sopha. Er hatte sich eben ein paar Stunden mit dem Ausschreiben der Ostercensuren abquälen müssen und war nun in der Stimmung, sich etwas anzuthun. Geh, Weibel." sagte er. laß etwas Nettes von Jda zum Abendessen einholen." Er zog dabei ein Fünfmarkstück aus der Tasche und setzte hinzu: Dies ist unser letzter Mammon, abn morgen -wird ja das Gehalt ausbezahlt. Weißt Du, Weibel," fuhr er dann in verändertemTone fort, das wäre doch schön, wenn man mal so den Kapitalisten spielen tonnte, und am Ende des Quartals noch einen blauen Lavpen hätte." Pfui, Franz," sagte das kleine blonde Frauchen schmollend, Du bist habgierig. Franz Machte und klemmte daZ Fünfmarkstück wie ein Monocle in's Auge Da klingelte es draußen so stark, daß zx zusammenfuhr und ihm das Geldstück aus dem Auge siel. Fünf Sekunden später trat Dc Paul Günther in's Zimmer, in tadellosem schwarzem Gesellschaftsanzuge, den CrzTinder in der Hand, mit feiersicher Miene. Was nrachst Du denn für FUmatenten?" rief Franz lachend dem Freunde entgegen, Warst Du bei einem Begräbniß vder wohe? ftanrmt sonst die Feierlichkeit?" Dr. Günther schüttelte erst derHaus frau, dn sich sein seltsames Gebahren nicht erklären konnte, ceremoniell die Hand, dann zog er eine Karte aus der Brusttasche, auf der geschrieben stand: Dr. Franz Eckardt und rau geben sich die Ehre, Herrn Dr. Paul Günther auf Donnerstag, den I. April, Abends 8 Uhr zum einfachen Abendessen einzuladen. Bitte schwarzer Rock." Wäh rend Eckardt die Karte überflog, setzte Günther hinzu: Die Collegen werden wohl auch bald kommen." Paula's blaue Augen sahen hilfesuchend von einem der Männer zum andern. Franz aber hatte sich rasch gesaßt: er hatte einen gewissen Zug um Paulas Augen bemerkt, der eine Schelmerei ankündigte. Er kannte diesen Zug von zahl reichen Stammtischneckereien ganz genau. Wie er aus dem Dilemma herauskommen sollte, wußte er noch nicht. Nur ruhig Blut hieß es behalten und den Tückebold, den Günther, nicht siegen lassen. Nun ging die Klingel jeden Augenblick, bis das Stammtischcollegium, aus acht Herren bestehend, vollzählig erschienen war. Selbst der dicke Bäuchle, den das Schicksal von den sonnigen Gestaden des Neckars hierher nach dem Norden verschlagen hatte, war gekommen, trotzdem er die drei steilen Treppen, die zu Eckardt's Wohnung führte,' sonst zu scheuen pflegte. Während der Begrüßung der einzelnen Collegen hatte Eckardt Zeit gehabt, seinem Weibel rasch zuzuflüstern: Sei nur ruhig, ich werd's schon machen." So saß denn die kleine Paula gehörsam stille auf dem Sopha. äußerlich ruhig, innerlich aber voll banger HauSfrauensorge. Man unterhielt sich. Eckardt war reich an guten Einfällen, konnte aber doch nicht verhindern, daß die Gesellschaft nach und nach etwas stiller wurde. Es herrschte jene etwas gedrückte Stimmung, die sich in einer Gesellschaft immer geltend macht, wenn das Abendessen sich zu lanae verzögert. Der dicke Bäuchle hatte schon wiederholt nach der Uhr gesehen. Eckardt fuhr unbekümmert in seinen Scherzen fort, die allerdings immer weniger Wiederhall fanden.' Plötzlich verdüsterte sich auch sein Gesicht; er sprang auf und rief: Es kann nicht so bleiben; tl muß geholfen werden." Alle stutzten und Frau Paula sagte mit zitternder Stimme: Aber, liebstes Männchen, was hast Du denn?" Habe ich Dir's denn noch nicht erzahlt. Kindel? Nun. Ihr sollt's Alle hören, ich kann das Bild nicht vergessen. .das sich mir heute dargeboten hat. Denkt Euch, ich habe heute ein h'.?ngerndes Ehepaar getroffen, der Kleidung nach den besseren Ständen angehörend. Einen noch tieferen Eindruck aber als die Eheleute hat auf mich die unglückliche Familie gemacht, die um sie herum saß. Ihr könnt Euch das gar nicht vorstellen, diese schlaffen Gesichter, diese düsteren verzweifelten Mienen, diele wisse Stupidität,. di,
JUt hungernde Familie.
immer in dem 'Gesichtsausdrucke eines Menschen liegt, der lange gehungert hat und die ihn einem Thiere ähnlich erscheinen läßt, diese " Um Gottes Willen, hör' auf. Männchen," bat die gutherzige Paula, die -Thränen in den Augen hatte, die armen, armen Leute." Mein liebes, gutes Weibel." sagte Franz mit bewegter Stimme, indem er sie an sich zog. ja. hier muß geholfen werden, und sofort." Er zog aus seiner Tasche das Paula so wohlbekannte Fünfmarkstück und legte es auf den Tisch. Schon hatte Bäuchle. dem die Erzählung von hungernden Menschen ein anz eigenthümliches Gefühl um den Magen gemacht hatte, den Beutel gezogen und ein Zehnmarkstück daneben gelegt. So ist's recht," lobte Eckardt. ein Junggeselle kann mehr geben, als ein armer Ehemann." Auf diese zarte Anspielung hin setzten denn auch die anderen Collegen ihr Portemonnaie in Bewegung und leaten jeder eine blanke Krone auf den Tisch des Hauses nieder. Ja, Günther, der immer ein nobler Kerl war, verstieg sich zu einem Zwanzigmarkstück. Habt Dank, Ihr lieben Freunde." rief fröhlich Eckardt, den Leuten soll noch heute geholfen werden. Ich iverde sofort durch Jda das Nöthige veranlassen. Er ging in die Küche hinaus und kehrte nach einigen Minuten zurück. Das Gefühl, bei einer guten That mitgewirkt zu haben, regte die Stimmung bei Allen an. Eckardt vor allen Dingen war jetzt bei so sprudelnder Laune, daß die Gäste kaum merkten, wie rasch die Zeit verging. Erst als nach einer Stunde Jda hereinkam und meldete, es sei angerichtet, erinnerte man sich des Abendessens und des Hungers. Paul. Du gibst meiner Frau d:n Arm." commandirte Eckardt. Günther ging mit Frau Eckardt voran, die Anderen folgten paarweise in das Eßzimmer. Ein Ausruf der Ueberraschung löste sich von Aller Lippen, als man das Zimmer betrat. So nobel waren Eckards noch nie gewesen. Da streckten einige Hummern, freuderoth über den ehrenden Besuch, den Gästen freundlich ihre breiten Scheeren entgegen, dort lachte sie der Caviar mit großen, grauen Augen an. hier prangte ein mächtiges, saftiges Schweinsfilet,rothbäckige Aepfel leuchteten verheißungsvoll dem Obstfreunde entgegen. Zwischen all diesen Herrlichkeiten stand eine ziemlich Batterie von Flaschen mit edlem Weißwein und Rothwein. Man saß bei Tische. Die Collegen hieben wacker ein und vergaßen darüber auch das Trinken nicht, denn was ein guter deutscher Schulmeister ist, der ist w allen Dingen gründlich. Aber was für windige Gesellen waren sie doch Alle gegenüber dem biederen Bäuchle. Den essen zu sehen, das war doch noch ein Vergnügen. Er aß nicht rasch, aber ohne jegliche Pause. Selbst mit dem Athemholen ging er so sparsam um. wie eine künstlerisch ausgebildete Sängerin. Wenn er ein Glas köstlichen Mosel schlürfte, so ging ein leises Tremolo über seine Lippen, und wenn er eine besonders saftige Hummerscheere geschluckt hatte, schnalzte er mit der Zunge, wie der Postillon von Loniumeau mit der Peitsche knallt. Nur der hypochondrische Günther war mißvergnügt. Erstens weil ihm sein Streich mißglückt war; zweitens aber, weil es durch eine besondere Tücke des Zufalls nur Speisen gab, denen er bei seinem schwachen Magen nicht zuzusprechen wagte. So knabberte er an einem Brötchen und hing seinen Gedanken nach. Hatte der verdammte Glückspilz Eckardt eine Erbschaft gemacht, oder hatte er in der Lotterie geWonnen? Selbst der dicke Bäuchle war endlich gesättigt. Angeregt von den gehabten Genüssen erhob er sich und sagte schnaufend: Moine Herre. 's isch nur richtig, wenn wir denne Leute, denne Eckardts. die uns so groschartig ausgenomme han. Dank sage. Mer wolle ahn stoße und rufe: Der Spender " Sie Spender." unterbrach ihn Eckardt trocken, denn, liebe Freunde, wir alle sind die Spender. Das hungernde Ehepaar, für das wir Geld gegeben haben, sind wir, die hungernde Familie mit den schlaffen. stupidenGesichtern seid Ihr. Dies ist mein Aprilscherz. Aber wir wollen auf unser wohlthätiges Herz einen Schluck mit etwas Edlerem trinken!" Er schellte, und Jda trat mit einem mächtigenEiskübel. aus d?m einioe Champaanerflaschen neugierig ihre Hälse herausstreckten. ein. Diesen Sekt." erklärte Eckardt, während er die erste der Flaschen entkorkte. hab:n wir Günthers Munifizenz zu verdanken; sonst hätte es nicht gereicht. Komm, alter Junge, laß uns anstoßen." ' Nie wieder mache ich einen Aprilscherz," jammerte Günther. Sekt hat mir ja der Doctor verboten." Armer Junge, wenn ich das geahnt hätte." erwiderte der heuchlerische Franz ' Gerade darum. iHeN Herr Kassirer. Sie ließen den Schlüs sel an der Kasse stecken." Kassirer: Ist ohnehin nichts darin!" Chef: Gerade deswegen darf der Schlüssel nicht daran bleiben." Der kleine Menschen, freund. Fritzchen rutscht mit seinem guten Anzug fortwährend auf einem Treppengeländer herauf und herunter. .Fritz!" rust die Mutter ärgerlich, was machst Tu denn da?" Hosen für arme Buben!" Kaum glaublich. Erster Herr (mit einem kolossal dicken Bauch ,u einem andern Herrn): Sie, die Posse müssen S' seh'n! Ich hab' mir vor Lachen den Bauch halten müssen! Zweiter Herr: Haben S' denn da allein fertig 'bracht!
Ein Sonntagzvcrgnügcn. (Münchener Gcrichtslccn:.) Der Zimmermeister Lorenz 36., ein Münchener in den fünfziger Jahren, nach feiner Angabe mit so viel Neligion ausgestattet, wie ein ehrlicher Mann in das Haus braucht, verbeirathet, im Besitze eines soliden dreistöckigen Hauses, hat sich wegen eines 'Vergehens der Körperverletzung vor Gericht zu verantworten. Am 12. Februar kam er in der X-Brauerei mit mehreren Gästen in einen Streit, der zuletzt in Thätlichkeiten ausartete, und hat sich hierbei gegen eine Anzahl von Männern und Frauen als derart schlagfertig erwiesen, daß seine Gegner nicht nur zum Theil sogar erhebliche Verletzungen erlitten, sondern auch da Feld räumen mußten, so daß er den Platz behauptete und furchtlos eines neuen Angriffes gewärtig sein konnte. Die 'Verlesung der Anklageschrift wie der Aufmarsch von fünf Männern und drei Frauen waren Herrn X. anscheinend sehr spaßhaft, weil er dazu lä-
! chelte. Richter: Nun, Sie werden, wobl nicht leugnen, am kritischen Tage den Schneider Maier, den Tapezierer Müller, den Schuhmacher Braun, den Handschuhmacher Weiß, den Schreiber Huber, sowie die beiden Frauen der letztgenannten Männer durch Schläge mit einem Zeitungshalter verletzt zu haben? Angeklagter: Schneider. Schuster. Schreiber. Maier, Müller, Huber? Erlaubkn Sie! is net wenigstens no' a Schmied oder a Schreiner dabei g'wesen! meinetwegen dürft er Oberniedermaier oder Vorderhinterhuber heißen? Da is ja gar net a mal a Ehr dabei, so a windige G'sellschaft umanander Z'lass'n! ' Richter: Geben Sie Obacht, damit Ihnen der Scherz nicht etwa zu theuer kommt und erklären Sie vor Allem, was die Veranlassung zu diesemStreit war. Sie hätten in Ihren Jahren nicht mehr nothwendig zu raufen und Skandal zu machen, dafür haben wir genug junge Bengel. Also machen Sie die Sache kurz und ohne Umschweife. Angekl.: Sie werden schon erlauben, daß ich die ganze Sach' erzähl, wie sie war. denn die Schläg waren eigentlich der Schluß der Vorstellung und ob sie nöthig g'wesen sind, werden Sie nachher schon herausfinden. Ich bin also a täglicher Gast in der Dingsbrauerei seit zehn Jahren und hab mein g'wissen Krueg, mein gewisses Platzerl, der Wirth grüßt mich gnädigst in eigener Person, die Kellnerin wenn mein Essen b'stellt rueft in d' Kuchl eina: an Nierenbraten für'n Herrn .! Nacher schneidet d' Köchin no' die Hälfte davon weg. weil ich ja doch alle Tag kimm und a Stammgast bin, außerdem hab ich a freie Eintrittskarten für den Saal und die gilt nixn, wenn der Eintritt etwas kostet, desto mehr aber bei die berühmten Freikonzerter, wo der Eintritt auf'n Preis vom Bier 'schlagen wird. Wie Sie bemerken, bin ich also a Gast Numero eins.. An Sonntagen aber g'hör i nimmer unter die Leut und deswegen wird an koan Sonntag mehr ausgegangen. An dem kritischen Tag aber war a recht schönes Wetter und i mach a Spaziergänger! und will am Hoamweg no' a Maßl oder zwoa in meinem Stammlokal zu mir nehmen, was ganz in der Ordnung is .... Richter: Ich muß bitten, daß Sie sich so kurz wie möglich fassen, denn Wir haben heute nicht weniger als zweiundzwanzig Falle anberaumt, was Sie einsehen müssen. Angekl.: Aber Herr Staatsanwalt! Wer nimmt sich denn mehrer Kraut 'raus, wie er essen kann? A altes Sprüchwort sagt: A Lump, der mehrer thuet, wie er kann! Da müssen's mich schon a wengl mitkemma lass'n. sunst san's verlesen, wenn die G'schicht zum Reichsg'richt kimmt. Appellir'n thua i auf alle Fäll'. Richter: Warten Sie nur vorerst ab. ob Sie verurtheilt werden. Nun weiter. Angekl.: Also, mei Stammplatzl war von fremde Leut besetzt, g'rad daß i noch zum Tisch hab beikommen können. Endlich steht Oaner auf und i rück' für eahm ein. Zum Unglick kimmt der Betreffende wieder und verlangt sein früheren Platz. Ich beHaupte, daß dies mein täglicher Platz wäre und darüber hat's an Mordsfpektak'l geben. Moanst, weil i blos a Arbeiter bin. deswegen kannst DuProtz mein Platz wegnehmen? An Arbeiter fein Geld iS fo viel werth, wia Deines. Du Knallprotz Kurz, in d:m Ton is unser Unterhaltung Weitergangen, nur bin ich dazu g'sessen und der Andere hat im Stehen die Bergpredigt a'halten. Wie ich nun durchaus ' den Platz behalt', da fangt oane von de Weiber an: Erlauben's Herr Nachbar! Sie haben net um zwoa Pfennig Bildung im Leib. Mir wenn Sie meinen Platz net räumen thäten,' nachher derlebeten's was! Der Herr da ts nur a dummer gueter Kerl, sunst that e: Eahna raußschmeißen. Halt's Maul, alte zittergreane Nießwz'n, sag' i darauf, und da springt die Furie in d' Höh und wirft a stoanernes Bieruntcrsatzl nach meiner. I tauch a wengl nieder und die gebildete F'au wirft richtig zwoa Fensterscheiben durck. Der Wurf is genau auf 3 Mark sufzge kemma und der Herr Gemahl und Schneider hat dipfeln müeß'n. I sitz aber immer noch auf mein Platzl und dieVande spöttelt und stichelt ohneEnd. Z'letzt wirft Oaner sogar mein Krug um und jetzt war's mir genügend. I fang zum Ausräumen an und wer net verschwunden is momentan, der hat an Deuter mit an Zeitungshalter kriegt. Dös war ganz natürlich, daß i die ganze G'sellschaft g'staubt hab', wenn's solchen? Leut gegen meiner betrachten, wo der Beste kaum 's Schneiderg'wicht erreicht. Net a mal der alte Spruch:
Mei fm Mmr!
Jas merkwürdigste Mittel des Zeitalters für verlorene Jrast. Ein freies Probepacket per Post gesandt an aUe welche darum schreiben.
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Freie Probepackete eines außerordentlich merkwürdigen Mittels werden von dem State Medical Institute, Fort Wayne, Ind., ausgetheilt. Sie haben so viele Männer geheilt, welche jahrelang gegen geistiges und Physisches Leiden infolge - verlorener Manneskrast angekämpft hatten, daß das Institut beschlossen hat, freie Probepackete zu vertheilen an alle, welche darum schreiben. Es ist eine Hausbehandlung, und alle, welche irgendwie an geschlechtlicber Schwäche infolge jugendlichen Leichtsinns, vorzei tigen Verlustes der Kraft und des Gedächtnisses, Rückenschwäche, Varicocele oder Abmagerung von Körpertheilen leiden, können sich nun zu Hause selbst curircn. Das Mittel hat eine eigenthümlich an. genehme Wirkung von Wärme und scheint direkt auf die gewünschte Stelle zu wirken und Kraft und Entwickelung da za gewähren, wo solche noth 'thut. Es curirt alle Uebel und Beschwerden, welche Jahre des Mißbrauchs der natür lichcn Funktionen herbeigeführt haben, und ist in allen Fällen ein absoluter Erfolg gewesen. Ein Gesuch an das State Medical Institute. 321 First Nationa anr Bmlvmg, Fort Wuyne, Ind., um eines der freien Probe-Packete, wird berücksichtigt werden. Das Institut wünscht die große Klasse von Männern, welche nicht gut abkommen können, um behandelt zu werden, zu erreichen, und das freie Probepacket wird ihnen zeigen, wie leicht es ist, von geschlechtlicher Schwäche geheilt zu werden, wenn die richtigen Mittel in Anwendung kommen. Das Institut zieht keine Grenzen. Jrgcnd Jemand, der darum schreibt, wird eine freie Probe zugesandt bekommen, sorgfältig versiegelt in einfachem Packet, sodaß Ler Empfänger keinerlei Unan nehmlichkeit oder Veröffentlichung dadurch haben wird. Die Leser werden erZucht, ohne Verzug zuschreiben. müt Hunde san des Hasen Tod" hat mehr zugetroffen, Jeder is ausg'rissen und a Schmalzlerglasl, a Schleier und a Handschuh mit fünf zerrissene Fin ger is am Platz blieben. Das war mein Sonntagsvergnügen der Tag des Herrn. Die Zeugen bestätigen genau die geschilderte Schlacht, .d:r sie trotz aller Uebermacht unterlegen sind. en X. wurde zu zwanzig Mark Geldstrafe verurtheilt, hatte aber die Genugthuung, daß die gebildete Schneidersfrau wegen des Werfens mit fyav.m Gegenständen zu einem Tage Haft verdonnert wurde. Saendi noch a mal! bemerkte Herr gleich an Tag kriegt dös brave ffrauerl und unbezahlbar is er noch dazua. Säh den tbums an einem Sonntag, oder wenn's möglich is an eabnern Geburtstag abbrummen, nacher hams a stilles Vergnüacn. Niemand kann Sie ärgern, die Platzfrage wird nicht amal erwähnt und nixn steigt eabna in Kopf, weil nach der neuesten Verordnung der Bi:rausschank in Stadelheim aufgehoben sein sollt. - Hätte die Schneidersfrau einen bandlichen Geaenstand in der Nähe gehabt, dann würde sie den Spottvogel diesmal kaum verfehlt haben, selbst auf die Gefahr bin. eine entsprechende Zuläge zu riskircn. so mußte sie es bei einer grimmigen Fratze bewenden lassen. Die braven Sä.ckser. Bekanntlich weilte Napoleon I. vr der Schlacht bei Leipzig vom 10. bis 14. October in Düben. Am 12. Oetober richtete er inen Aufruf an die fächsischen Truppen. Dieser war französisch niedergeschrieben, und sein Dolmetscher, der Großstallmeister Coulaincourt. verlas vom Pferde herab die deutsche Uebersetzung. Sie lautete wie folgt: Brave Säckser! Ihr 'abt aewesen viel Unalück in den letztenAffairs,
Es ist ganz natürlich, daß, wenn ein: Mann von solch plagenden Uebeln geheilt worden ist, er darüber enthusiastischsein sollte und nicht länger die sreudige Neuigkeit für sich behalten kann. Sa kommt eS denn, daß Tag für Tag Beweise, wie die folgenden zu ihnen ge--langen, zum Dank für das Interesse in. ihr Wohlergehen: Geehrte Herren!.' Ich hoffe, Sie haben Zeit zuzuhören, während ich Ihnen den Dankaussprcche für Ihre Güte gegen mich. Ich ge--brauchte Ihre Probe. Sie weckte mich auf. Ich ließ mehr davon kommen, irnfr so wahr wie der Tag, ich habe meinr frühere körperliche Kraft und mannhaste Rüstigkeit wieder. Nichts ist mir c bekannt geworden, das mir auch nur an ädernd so viel Gutes gethan hätte."' ..Geebrte Scrrcn! Das war eine merk
würdige Probe von Medizin, welche Siemir zuwandten. Sie ging direkt an dierichtige Stelle. Ich konnte es fühlen. Ich war ganz vertrocknet und ausgemagert, aber heute bin ich so lebhaft wieein Knabe, und so hoffnungsvoll in Bezug auf die Zukunft, wie nur je einMann sein konnte." Geehrte Herren !' Lassen Sie mich nicht Ihre Bekanntschaft verlieren. Die Probe, welche Sie sandten, hat mich gar bald wieder in Ord nung gebracht, und ich will alles haben, was zu einer vollständigen Kur nöthig ist. Ich habe 12 Jahre lang gelitten, und ich lege den Betrag bei für Ueber sendung der vollen Behandlung, beson ders für die Entwickelung der Theile.' Als Regel hat eine Medizin-Probe denZweck, die Form und ihren Werth izt allgemeinen bekannt zu machen, aber diejenigen, von dem State Medical Institute ausgesandt, haben Hunderten von: Männern Freude bereitet, wegen der schnellen Wirkung des Probe-Mittels Es ist es wohl werth, sich es komme' zu lassen. ; irotz Zepl6ernent Eurer Courage jetzt sind gekommen die maj?8t6, die Kaiser, sick zu setzen auf Eure Kopf und Euck- anzuführen zur Reparatur der Ehre. Diejenigen von Euck, waö voll Verdrutz wollen überlaufen zum Feind oder sick übergeben, werden bim' gen viel Malheur für Euer SackserLand und ganzen Pöbel. Wer nix davon seiend überzogen, da sagen es fret lich heraus, da gilt besser, datz er geHerr nack sick. Wer aber tapfer sick will 'auen für Eure König, der laufen mit dem Kaiser die Straße für den Sieg.Die braven Säckser" verbissen sich mit Mühe das Lachen bei dieser merkwürdigen Ansprache und blieben stumm. Sie hauten" sich tapfer für die Ehrebei Taucha; als sie aber die Kaiserstatt auf der Straße für den Sieq" nach Leipzig laufen sahen und sich überzogen", daß das Anführen zur Reparatur der Ehre" vorbei war. yingen und standen sie zu sich" und zu den Preußen. Entlastung. Pf 4 Z'tegisZ. i'j a xr:?' r 1 1 Der alte Graf (zum Sohn, der sich mit einer Schauspielerin verlobt hat) z Ich bin sehr traurig. Kuno, daß Du uns eine Schauspielerin in's Haus bringst!" Der junge Graf: Aber, lieberPape sie spielt ja fo schlecht l" .
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