Indiana Tribüne, Volume 21, Number 202, Indianapolis, Marion County, 10 April 1898 — Page 3
1 mm. (nn fröhlicher Stauern von Wi!he!m Hrzclcr. (10. Fortsetzung.) Bei Nelly aber waren nun die Wiln schc lawinenartig c-ngeschwollen. Sie ging WZ Sch-uhgesS)äft und bestellte den Meiste: zu sich damit er ihr noch einige Paare anniese. Sie kaufte für sich zwei Sonnenschirm? und zwei Negenschirme nit silberner Krücke, für ihre Zofe einfachere Schirme, das Stück zu zwanzig Francs. Sie nahm im Handschuhgeschäft die Handschuhe pec Dutzend. (Das war eine bedeutende Ersparnis.) Sie wählte noch zwei Hüte (der Kleider wegen). Sie kaufte ein goldenes Uehrchen. Sie konnte an einem Juwelierladen nicht vorbeigehen, ohne sich ein ganz einfaches Armband und eine ganz, ganz simple Brosche auszusuchen, die trotz dieser Einfachheit oder vielleicht gerade deshalb zusammen tausend Francs kosteten. Nachdem sie so die nothdürftigsten Einkäufe erledigt hatte, fuhr sie wieder in's Hote! zurück. Ihr Zimmer hatte sich mit Kasten, Schachteln,Tuchballen angefüllt. Auf dem Gangwar:en vier Mamsells. Im Salon selbst barrten ihrer der Zuschneider und der Damenschuster, beide sehr vornehme Herren. Nelly ersuchte sie, einen Augenblick sich zu gedulden, und ging in ihr Kabinet, uzn die weißseidene robe-soleil anzulegen. Unterdeß trat noch ein dritter Herr ein, der sich beim Oberkellner nach Fräulein von Wacht erkundigt hatte. Nummern 3 und 4," sagte Jean. Wohnt sie nicht auf Zimmer 96?" .'Ja. ja. früher mal. Wir hatten leider keine Räume frei. Die Baronesse begnügte sich. . Geh'n Sie nur hinauf! Was bringen Sie denn?" Ich? Nichts." (Und in seinem Innere fügte der Herr hinzu: Ich bringe mich selbst. Hoffentlich ist das genug.") Mit klopfendem Harzen stand Wilde vor der Thür. Babette öffnete, bat um seine Karte und ließ ihn eintreten. Verwundert blickte er um sich. Hier konnte doch Nelly unmöglich wohnen! Und dann diese merkwürdigen Herren im Zimmer. Er stellte sich vor. , Peter Wilde." Valette. tailor of ladies." Auguste Semelle, Professeur en reveternents des pieds de darnes." Peter drehte sich um mit einemBlick, der auch den Abgehärtetsten beleidigt hätte und setzte sich mit dem Rücken nach ihnen auf eine Chaiselongue. Als Nelly gestern Morgen abgereist war. hatten seine Gedanken auf eine unsinnige Weise nach ihr getobt und sie begehrt. Er war auf den Bahnhof gegangen, um ihr nachzureisen. Was für sein Leben entscheidend war, wollte er gleich wissen. Jede Stunde Aufschub schien ihm eine Ewigkeit. Uebrigens war er ohnehin ein unbrauchbarer Mensch, so lange die Zweifel dauerten. Aber der Gedanke, daß er nichts thun konnte gegen diese Gewalt, die ohne seinen Willen, aus seinem Innern und doch von ihm unabhängig, über ihn gekommen, der Gedanke, daß er nicht mehr Herr seiner selbst, sondern einem übermächtigen Triebe unterworfen war, hatte seinen ganzen Trotz emPort. Er biß wüthend die Zähne aufeinander und dachte: Ich will doch mal sehen, wer stärker ist. Ich, der dernünftiq.e, zweckmäßig handelnde Mensch, oder diese Unvernunft! Ich, der gesunde, geistig und körperlich gesunde Mensch, oder diese Krankheit!" Obgleich er schon ein Billet gelöst hatte, kehrte er nach Hause zurück. Und das beinahe Uebermenschliche gelang ihm; er brachte sein Stück zu Ende. Vom Mittag bis zum Abend, dann nach kurzer Unterbrechung vom Abend bis zum frühen Morgen hatte er geschrieben. Als er fertig war. als er mit krausen Buchstaben Ende" gekritzelt hatte, und ihm dann der FederHalter aus der Hand fiel, da erfüllte ihn das unbeschreibliche Bewußtsein, daß sein Werk gut geworden war. Er warf sich irgend wohin und dachte lanze Zeit überhaupt nichts mehr. Da.in ließ er feine Vorstellungen zu der Geliebten wandern. Aber zusammengeschnürt und zu Boden gepreßt, wie sie von seinem derben Willen waren, hatten diese Vorstellungen etwas seltsam Weiches bekommen. Er träumte, wie er still und ohne Worte mit ihr den Weg nach einem Walde .einschlagen würde. Dort würden sie unter leis flüsternden Blättern liegen, 'sein müder Kopf ruhte in ihrem Schooß. und er war glücklich glücklich. Oder sie lagen an einem Bach, beugten die Gesichter über das schwarze Wasser und lasen ihre innersten Getanken aus den in der Fluth zerrinnenden Spiegelbildern. Immer aber in all seinen Vorstellungen hatte er Nelly in dem schwarzen Kleid gesehen, das sie gewöhnlich trug, mit ihrer anmuthigen, fast verborgenen Schönheit, die nur das Auge desjenigen entdeckte, der sie liebte. Da öffnete sich die Thür, und die Erwartete trat felöer ein. Sie ergriff rasch seine Hand, lächelte und sprach kein Wort. Sie hatte die robe-soleil angelegt. Das goldgestickte Bolerojäckchen von weißer Seide bedeckte straff das schwellende Fleisch ihres Busens. Darunter spannte sich ganz eng der nach unten sich bauschende Rock, üUx dessen Goldstickerei Valencienn?? Spitzen wie Kasladen Hinflossen. Lächelnd. - in ganz neuem Glanz hob sich von der weißen Seide das rosige Gesicht ab, dessen Reinheit nicht der leisesteFlecken trübte. Ihr hcchgekämmtes Haar fiel in unzähligen Lockchen auseinander.
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Peter stand in sprachloser, taumelnder Verwirrung. Ihre ganze Gestalt, die dön dem Kleid geschmeidig wie von einer schil-len-den Haut umgeben war. t?ug ein so schlankes Ebenmcß, eine so rockende Verführung, daß ihr Anblick jedem Mann das Blut erhitzt hätte. Wie sie feine Bestürzung sah, exblaßte ihr Gesicht unmerklich. ab:x sie begrüßte ihn mit keinem Wort. Dann hieß sie in ganz natürlichem Ton die beiden Leute nebenan gehen. Allein mit ihrem Freund, blickte sie ihn wieder an und erhöhte das Feuer in ihren Augen. Ein weiches, räthselHaftes Lächeln legte sich um ihre Livpcn, schien das ganze Gesicht, den ganzcn Körper zu durchrieseln. Ein Lächeln, das auf ihn betäubender wirkte als der stärkste Orchesterschwall, berauschender als die sinnlichste Musik, das alle Wonnen in ihm wachrief. Einen Augenblick standen die beiden sich gegenüber, sie an ihrem Sieg sich weidend, er in dumpfer Starrheit. Endlich aber fragte er: Sind Sie Nelly?" Sie lächelte noch weicher, nun ganz befriedigt, und sagte einfach: .Ja." Dann aber brach sie in wilden Jubel aus: Peter, ich bin nicht arm. Ich bin fürchterlich reich. Ich hab' anderthalb Millionen, vierzigtausend Mark im Jahr. Denken Sie! Sie umpreßte seine Hand, während ihre Augen leuchteten, und ihre Locken bebten wie rieselndes Gold. Denken Sie: vierzigtausend Mark!" Er aber, den ihr erster Anblick einfach geblendet hatte, der aus dem weichen Traum in einen Wirbelsturm, in die tollsten Gedanken und unerhörtesten Vermuthungen geschleudert war, er fand sich nun plötzlich auf zwei geraden festen Beinen. Er war völlig ernüchtert. Ihre jubelnde Wildheit berührte ihn entsetzlich. Sein Gesicht hatte den Ausdruck kalter, vollendeter Höflichkeit. Und dieser Ausdruck war nicht gemacht, sondern kam wirklich aus seinem Innern. Die Seelenporen hatten sich bei ihm geschlössen wie die Haut eines Menschen, der plötzlich in eisiges Wasser fällt. Ein einziger Gedanke beherrschte ihn: Welch eine Lächerlichkeit war es, sie zu lieben. Nun.... Sind Sie noch immer sprachlos?" Gewiß nicht." Was sagen Sie denn dazu?" Es ist eine sehr erfreuliche Nach richt. Ich gratulire Ihnen herzlich. Woher stammt denn das Geld?" Von meinen Eltern. Ich hab's immer gehabt. Und ich Schäfchen wußte nichts davon. Das ganze Hotel hat's eher gewußt als ich. Drei Anträge hat man mir gemacht. Das war entsetzlich." Ah. gleich drei! Nun. es läßt sich denken. ... Ich gratulire herzlich." Sie müssen so nicht reden, Peter," sagte sie mit dem Ton der alten Herzlichkeit. Aber Peter ließ sich nicht rühren. Ich mag gar nicht mehr daran
denken. ... Vor Allem setzen Sie sich." Da alle Stuhle voll gepackt waren, schob sie sorglos einige Wäschepackete auf die Erde und bot ihm Platz an. Vom Tisch nahm sie eine Schachtel mit Süßigkeiten. Essen Sie?" Danke." Ja, was sagen Sie nun zu dieser ganzen Geschichte?" Nichts." Wieso nichts?" Er zögerte, dann sagte er, an ihr oorbei in's Zimmer blickend: Jedenfalls ist es keine Trauernachricht. Und Sie haben allen Grund, sich darüber zu freuen.? Darauf fuhr er fort, die Augen aus dem Fenster gleiten lassend: Es ist wieder ganz klar geworden. Als ich Genf verließ, war der Himmel ziemlich bedeckt. Nun hat sich's aber gemacht." Ja, ja es hat sich gemacht." Ihr Sinn war ganz verwirrt. Sie wußte nicht, was sie von ihm denken sollte. Warum empfand er nicht eben solchen Jubel wie sie. War das denn solch eine Bagatelle, die sie ihm d? mitgetheilt? -Und er er sagte nichts?! Sie empfand ein peinigendes Verlangen, auf ihn Eindruck zu machen, j Warum loben Sie mich denn nicht ein bißchen? Dies Kleid müßte Ihnen doch gefallen." Er machte eine leicht anerkennende Verbeugung. Es gefällt mir auch ausgezeichnet. Es war gewiß sehr theuer." Du lieber Gott." versetzte sie gekränkt, billig war's nicht. Das alles hier hat überhaupt ein unmenschliches Geld gekostet. Ich hab' nachher selbst einen Schreck gekriegt. . . . Aber glauben Sie nur nicht" sein Lächeln empörte sie noch mehr daß ich meine Million leichtsinnig verplempern werde. Wer so lange sparen gelernt hat wie ich, vergißt es nicht so leicht. Ich habe die größten Pläne vor. Reiten will ich lernen, alle möglichen Sprachen. Theater besuchen, Galerien studiren. . . Man kann ja so viel Gutes thun, wenn man reich ist." Allerdings." Aber sagen Sie mir, wie geht's Jhnen? Vor Allem, was macht Ihr Stück?" Mein Stück ist fertig." Bravo! O das ist ja samos. Wo wird's denn gespielt?" Er zuckte die Achseln. Zuerst muß es ein Direktor nehmen." O, das wird er schon!" Wissen Sie das so genau?" Sie war vom Stuhl aufgesprungen und lief aufgeregt zwischen Kisten und Kasten umher. .Wenn's nicht geht, dann helfe ich Ihnen. Ich reise nach Berlin. Wir geben eine Riesengesellschaft, laden alle Theaterdirektoren, überhaupt alle berühmten Leute von Berlin ein. Sie
lesen dann Ihr Sruck dor. und es müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn's keiner nahm." Wirklich! Wenn Sie 5 protegiren." Gerade wollt: Nelly noch mehr (agen, als Babeite hereintrat und mcldete. d:r Tailor könne nicht länger warten. Einen Moment, xocdon!" Und rasch den opf noch einmal umwendend, daß ihr Blick und ihr Lächeln ihm durch alle , Glieder gingen, verschwand sie hiuter der Thür. Peter blieb einen Augenblick wartend stehen, ohne daß sein Gesicht sich veränderte. Dann holte er aus der Brieftasche seine Karte, schrieb unter dem Namen ein Wort, setzte seinen Hut auf, schob den Regenschirm leicht unter seinen Ellenbogen und ging mit den langsamen Schritten eines sehr eleganten, sehr blasirten Dandys zur, Thür hinaus. Er ging bis Vevey. Dort lag an der Chaussee eine höchst gemeine Fuhrmannskneipe. In das von Tabaksgestank, vom Stimmengewirr schwadronirender Arbeiter gefüllte Lokal trat er ein und ließ sich eine Canette Bier geben. Als er ansetzte, hielt er, von seinen Gedanken abgelenkt, das Glas vor dem Munde. Jhm.fiel ein, weswegen er nach Genf gekommen, wie frei und schön und einfach seine Träume gewesen, und wie anders das. was wirklich geschehen. . . . In leiser Melancholie, in leisem Ekel vor dem Leben ließ er das Glas sinken und dachte: Wie geschmacklos ist doch die Wirklichkeit!" Nelly hatte den unglücklichen Zuschneide? maltraitirt, weil er es nicht rasch genug machte. Sie wollte Peter um keinen Preis lange warten lassen. Ein bißchm freilich mochte er sich gedulden. Als sie dann wieder m's Zimmer trat, war sie ganz verblüfft, ihn nicht mehr zu finden. Sie schickte Babette hinunter. Diese kam zurück und meldete. der Herr hab schon vor einer Weile das Hotel verlassen. Da bemerkte Nelly auf dem Tisch die Visitenkarte, und als sie unter feinem Namen nur das eine hohnische Wort: Addio!" las. dies Wort, das: Auf Nimmerwiedersehen!" zu heißen schien, blieb sie in Bestürzung stehen und vermochte sich nicht zu fassen. Warum war er denn gegangen? Warum? Warum? Was hatte sie denn Schlimmes gethan? Womit hatte sie ihn beleidigt? War er böse auf sie. weil sie ihn warten ließ? Aergerte es ihn. daß sie plötzlich reich geworden? Das hätte ihn doch freuen sollen. Denn sie selbst freute sich über ihre Millionen am meisten für ihn. Und nun war er fort!!! In plötzlichem Zorn warf sie die Karte auf die Erde. Dann meinetwegen, mag er gehen und bleiben, wo er will. Ich laufe ihm nicht nach!" Babette meldete, Monsieur Jemelle
könne unmöglich länger warten. Aber Nelly wollte von Niemand etwas wis- i
fen. Und während sie allein war, kam es plötzlich wie eine Ahnung über sie, warum er wohl gegangen fei. Zugleich aber erfüllte sie ein tödtlicher Schmerz, eine trostlose Verzweiflung inmitten des verschwenderischen Reichthums, erfüllte sie mit aller Kraft der Gedanke, daß ihr Geld todt und nichts und nur eine Last sei. wenn sie ihn verlor, ihn, um dessentwillen sie sich schön gemacht mit dem sie den Lurus genießen wollte! Sie warf ein Tuch über, und achtlos ihr goldgesticktes Kleid durch den Straßenstaub schleifend, eilte sie zum Bahnhof. Der nächste Zug ging in einer Stunde. Geduldig wartete sie. Aber er kam nicht. Sie kehrte zurück. Niemand hatte ihn gesehen. Er war fort. Da warf sie sich auf's Bett und preßte die Augen zu, um die verhaßten Dinge, die zerstreut lagen, nicht mehr zu sehen. Alle ihre Millionen, den ganzen Plunder. hätte sie gegeben, um ihn wieder zu haben. Aber er kam nicht. XIV. Er kam nicht. Sie schrieb nach Genf. Keine Antwort. Sie reiste selber hin. Der Herr war fort, hieß es. Da suchte sie sich mit ihrem Geld zu trösten. Die Millionen kamen nun in's Rollen, und Nelly rollte mit. Hatte das Geld sie, oder hatte sie das Geld? Es war schwer zu sagen.- Aber soviel Genüsse und .Freuden sie sich auch verschaffte, zu keiner Zeit ihres Lebens hatte sie sich unglücklich gefühlt, wie in den Monaten, die nun kamen. Nachdem Tante Jda sich wieder erholt hatt?, kündigten die beiden und reisten nach Luzern. Einen Monat blieb Nelly dort. Aber weder die wundervollen Ufer des Vierwaldstätter Sees, noch die rosigen und krystallklaren Gipfel, die man vom Rigi aus überschaut, konnten sie glücklich machen. Sie miethete eine Yacht. Aber das Segeln langweilte sie. Sie ging nach Venedig. Aber dort regnete es, und die Gondoliere waren fade Gesellen, die nur italienisch sprachen. Sie ging nach Rom. Aber in der ewigen Stadt war es glühend heiß, die Saison war längst, zu Ende, und alle anständigen Leute hatten die Stadt verlassen. Sie kehrte nach der Schweiz zurück und reiste in's Engadin. Aber dort gab es wieder nur die ewig gleichen Schneeberge, deren sie längst überdrüssig war. Sie schwamm wohl in einem großen Gesellschaftstrubel, lernte eine Unmenge Menschen kennen, wurde bekurt von. den elegantesten Herren. Aber diese glichen einander noch viel mehr als die Schneeberge, und da sie ganz genau, wie der Arzt den Verlauf einer gewohnlichen Krankheit, berechnen konnte, wann eZ zu einem Antrag kam, so wurde ihr auch dieser Zeitvertreib bald um UeberdM.
AuS dem Gold, das sie sinnle? herstreute, stieg immer erdrückender, immer niederschlagender, mit fadem Gesicht und faulem Lächeln, das G:sper.st der Langeweile ycraf. Als schließlich die alte Tante krank wurde' von diesem Leben und ihre Nichte beschwor, sie möchte um der Barmherzigkeit willen sie nach Hause reisen lassen, in ihrem alten Bett, in dem ihre Mutter, Großmutter und all ihre wollenen Vorfahren gestorben wa ren. wollte sie selbst auch ihr letztes Stündlein erwarten, da schließlich cntschloß Nelly sich.nach Kirchhasel zurückzukehren. Vielleicht, daß sie dort die alte Fröhlichkeit wieder fand, die sie so jäh verloren. Gleichmäßig jagte der Zug den endlosen Schienensträngen nach. Wenn er anhielt, genügte die kurze Svanne Zeit kaum, um neuen Athem zu holen. Dann ging's weiter. Und zu beiden Seiten dieses fliegenden Gefängnisses lagen alterthümliche Städte, grüne Fluren, lockende Waldwinkel. Aber wenn das Auge an diesen Bildern sich erfreuen wollte, waren sie schon vorbei. Ein schnelles Hinschauen, das schon den Abschied in sich trug, war alles. Und der athemlose Flug ging weiter. Nelly von Wacht saß mit ihrer Zofe ganz allein in einem Eoupee erster Klasse. In leiser Trauer hatte sich das junge Mädchen zurückgelehnt. Ihre feine behandschuhte Rechte ruhte auf einem Buch. Es war die Heimath" von Sudermann. Sie hatte einen Blick hineingethan und es geschlossen als die Sache tragisch wurde. Ihr kleiner Hut mit Neiherfedern, die lange Schlange um ihren Hals aus. feinen Reiherfedern, die sich wie ein Gefieder um ihre weiße Haut schmiegte,, gaben ihr das Aussehen eines zarten, müden Vogels. Behutsam traurige Gedanken schli--chen wie durch ein Krankenzimmer mit leisem Flüstern durch ihre Seele. Aus dem gleichmäßigen gedämpften Rollen des Wagens, aus diesen unzähligen kleinen Stößen bildete sich eine Melodie. Immer dasselbe Wort, immer der gleiche Klang. Das war alles? Das war alles? Das war alles? Das war alles, waö einem das Leben bieten kann, wenn man reich ist? Das war alles, was es an Freuden auf der Welt gibt, wenn man jung ist und hübsch und unabhängig und sich keinen Genuß entgehen läßt? Das war alles? Sie überblickte die bunte Reihe der Tage, die verflossen waren, seitdem sie reich geworden, und ihre durstige Seele öffnete sich weit wie nach frischem Wasser, um die Erinnerung einer einzigen reinen Freude aufzufangen, an der sie sich erquicken konnte. "Aber all das Glänzende und Abwechselungsreiche, das diese Tage gebracht, sank zusammen. wenn sie danach greifen wollte, in todten Staub, der ihrer wunden dllrstenden Seele nur noch weher' that. Es war, als wenn sie von dem Moment an, wo sie reich geworden, und wo- der Gedanke sich ihrer bemächtigt hatte, daß sie nun sich alle Freuden kaufen könnte es war, als hätte sie von diesem Augenblick an alle ihre Genrchkraft verloren, als wären ihre Augen blind geworden gegen das Schöne, das sich vor ihnen aufthat, als waren ihre Ohren taub geworden für das Schmelchelhafte und Freundliche, das man ihr laut und heimlich sagte, als wäre ihr Herz unfähig geworden zu fühlen. Es war, als hätte das Gold ihr selbst und allen Dingen, die sie angriff, die Seele genommen. Und in Wahrheit hatte der Reichthum ihr ganzes Leben ent werthet. Wie ein todtmüder Vogel, der feine Schwungkrakt und feine Lieder verlo ren. kehrte stf nun nr3 heimathliche Nest zurück, ach weitem Flug, nach langer Unrast, mit dem einen sehnsüchtigen Wunsch: dort auszuruhen. ... Das junge Mädchen blickte nach der Zofe, die ihr schräg gegenüber saß. Seit einer halben Stunde hatte Babette den Blick von ihremBuch nicht abgewandt. Während der langen vier undzwanzigstündigen Fahrt hatte sie in einem fort gelesen.blind gegen alles, was draußen sich abrollte, abwechselnd einen Roman über Liebe oder einen Krimmalroman. Bei dieser Beschäftigung war sie vollkommen glücklich geWesen, und ohne die geringste NachWirkung hatten sich in ihrem Kopf die unerhörtesten Geschichten aneinander gereiht, die zu einander paßten wie Milchsuppe und saurer Hering. Dann ließ Nelly den müden Blick aus dem Fenster gleiten, in die braune Dämmerung des Herbstabends. Auf den leeren Feldern brannten Kartoffelfeuer, deren lange Rauchstreifen mit dem dunstigen Himmel zergingen. Es dunkelte allgemach. Schon hufchten hier und da Lichter vorbei. Gleich mußte der Schnellzug in Großheringen einlaufen. Fi?, Babette, holen Sie die PlaidS herunter! Packen Sie Ihr Buch ein. Haben Sie sich denn glucklich ge-kriegt?-Ach nein. Fräulein. Sie haben ihn gekriegt. Es war ja ein Kriminalroman." In Großheringen war eine Viertelstunde Aufenthalt. Dann ging es auf der Saalbahn weiter. , Die ältesten Veteranen, wahrhafte Ruinen von Eisenbahnwaggons waren angespannt und rumpelten schwerfällig, bald gegeneinander taumelnd, bald auseinandet fliegend, von Station zu Station, von Dornburg nach Rothenhain. von Rothenhain nach Kahla, von Kahla nach Uhlstädt, und wie sie alle heißen mögen, diese weltvergessenen Nester, über die mit fernem Flügelschkag die Neuzeit hinftreicht. und denen sie lächelnd zuraunt: schlaft weiter! Aber je langsamer die atten Wag aons rollten, desto schneller , begann
Nelly! Herz zu schlagen. Gleich yoÄrde
sie die fitirnalr) wirsehen.. Da!
Pfarrhaus mit rothem Ziegeldach, von einem Storchnest gekrönt, das nun wohl leer sei. Ihr kleines Zimmer mit - de: blauen Kornblumentapete würde sie wieder betreten. Und die lieben, guten, alten Leute würden sie umarmen. ; Bei dem Gedanken daran lehnte sie sich lächelnd zurück. Und etwas von der alten Eitelkeit wachte in ihr auf. Sie hatte in der Heimath" die Heimkehr der großen Sängerin gelesen. Und glich dieser Heimkehr im Triumph mit Pauken und Trompeten nicht auch ein bischen ihre eigene? O, wie die Pastorsleute staunen würden, das alte Pärchen und die zwölf Penstonäre.diese Reihe Orgelpfeifen vom Sekundaner in den Flegeljahren bis zum kleinen Guckindiewelt, der kaum auf feinen Beinen stehen konnte. Wie all die biederen braven Menschen, denen Kaviar und Austern leere Begriffe waren, die nichts wußten von Pariser Chick und Kostümen tailor-mndo, wie sie die Augen aufreißen würden, wenn sie strahlend hereinkam und dann aleich die Toilette wechselte. Wie sie gerührt sein würden über die kostbaren Geschenke die sie auspackte. Wie sie an ihrem Munde hängen würden-, wenn sie vom Montblanc, von Venedig,, von Rom erzählte. ES war eine Frende, gemischt aus Rührung und Eitelkeit, womit sie sich' dies Wiederfehen ausmalte. Dcr that es einen gewaltigen Ruck, daß Herrin und Zofe einander in die Arme flogen, dann einen zweiten noch gewaltigeren, daß in Hagel von Hutschachteln. Plaidrollen. Schirmbündeln auf sie niederprasselte und Kirchhasel war erreicht. Nelly sprang hinaus.. Da stand der alte Pastor und' schaute, stillvergnügt auf seinenEichenknüttel gelehnt, in den klaren SternHimmel mir Augen, die selbst sa klar wie Sterne- waren. .Onkel!.... Guten Abend!"' .Guten Abend, mein liebes Kind!-' rief der cMt Herr. Dann nahm er sie in seinen Arm. drückte einen Kuß auf
jede ihrer Backen und beschaute si: oeini bajtiss der einzigen Laterne. Bist noch aanz die alte!" meinte er beruhigt. Das sagte er stets, wenn er lerne früheren Pensionare wieder sah.. Babette schleppte unterdeß Hutschachteln, Plaidrollen und Schirmbllndel heraus. Sieb mal an. das ist ia ein auter Gedanke. Dir eine Freundin mitzuormgen. Es ist meine Zofe, Onkel.Der alte Herr fchaute Nelly etwas verwundert an. Dann gab er Babette die Hand. Willkommen!" Diese knickste und kletterte wieder in den Waggon, um neueGeaenstände berauszubefördern. Aber Ihr beiden Weltumseglerschleppt ja eine Gepäckladung mit Euch! Da wird der Hannes was zu tragen haben. . Ach. Onkel, das eigentliche Gepäck kommt erst noch. Wenn's Dir recht ist. wollen wir mal eben nach vorn aehen." Dort am Gepäckwagen- herrschte große Aufregung. Das aesammte Zugpersonal nebst allem, was an männlichen Kräften auf dem kleinen Bahnhof vorhanden war, hatte sich zusammengerottet. um die enormen- Le-der-und Rohrplattenkoffer auszuladen. Es nrüssen neun Kolli5 und zwei Bicycles sein." rief Nelly- die sich unter die Leute drängte, um Acht zu geben, daß diese nicht zu wüst mit ihrenSachen umgingen. Du meine- Güte."' sagte Ver-Paftor:. Wenn ich das gewußt hätte! Ohne-Möbelwagen-läßt sich das überhaupt' nicht nach Hause schaffen."' Und indem er listig mit zusammengekniffenen Augen das junge Mädchen befrachtete, meinte er: Ich dachte, Du würdest die Hauptfache fein. Aber- nun verliert nrarr Dich sa beinahe zwifchen Deinen- vielen Kisten und Kasten.Nelly ordnete an, daß sieben Koffer für die eine Nach! im Güterschuppen bleiben konnten, zwei aber müßte sie zum allermi'ndesten mitnehmen, denn es wären lauter nothroendsge Dinge darin. Als man dann glücklich znnr Aufbruch bereit war, bestand die ganze Gesellschaft aus folgenden Personen: Nelly und der Pastor, befoe uribevackt. Babette schleppte vier Hutschachteln und ein Paar vergessener Pantoffelchen. Hannes Klotz hatte sich hinten und vvrn se ein Packet Schirme umgebunden und trug außerdem noch drei Plaidrollen unterm Arm. die er abwechselnd fallen ließ. Im Hintergründe warteten noch zwei Bauern, die jeder einen enormen Koffer auf ihren Handkarren geladen hatten. Na!" meinte dcr Pastor, indem fein Auge von diesem Trupp auf die gli-. tzernde Saale schweifte, an Dir mein liebes Kind, erfüllt sich das Wort der Bibel: da ich über diesen Jordan ainq. hatte ich nichts als einen Stab. Und nun bin ich zwei Heere worden.Nelly lächelte ein wenig geschnrcichelt. Dann könnten wir wohl sehen, Onkel." Hm! Ja. wenn Du fs gut sein willst, liebe Tochter, so mochte ich noch einen Augenblick warte. Denn gleich muß unser Herr Kandidat ankommen." Höchst sonderbar berührt, baß außer ihr noch Jemand anders erwartet w:irde, fmq Nelly etwas spitz: . Was ist denn daZ für'n KandZtot?" Ei. Kind, das weißt Du nicht? Da kann man doch seyen-, tote lanze Du fort warst. Ja. ier uns sind große Dinae passirt! .... Wit dem ffrühlina k-abe ich m!e x'intn Kandidaten nehmen müsse... Meine ffute ftnu.
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eine Gehilfen brauche. So bin ich denn ihrem Willen gefolgt. Heute nun kommt unser Kandidat aus Jena zurück, wo er sein zweites Examen gemacht hat. Hoffentlich hat der Herr ihm glücklich durchgeholfen. Aber unfer aller Aufregung kannst Du Dir denken!" Während der Pastor noch, sprach, rollte der Zug ein. Mit ganz fügendlichem Eifer sprang der alte Herr voran. Nun, wie sieht's?" schrie er schon, von Weitem. Examen ex, Amen? Aus der engen Thür einer dritten Klasse zwängte sich ein bärtiger Riese mit breitem Schlapphut und vollblutigem Gesicht, der noch ganz verwirrt von seiner Weisheit war. umweht von Brerdu.nst und vom Qualm miserabler Cigarren, und der, als er glücklich unten war. im tiefsten Baß antwortete: De: Herr hat auch diesmal gcholfen." Worauf es denn ein mächtiges Händeschütteln gab. Ncllv war während dieser Zeit sich selbst und ihrem Troß überlassen. Nun aber stellte der Pastor vor. Unsere Pflegetochter Fräulein' von Wacht und ihre Fräulein " Nennen Sie mich nur Babette,' Hochwürden," sagte die Zofe und knickste artig. Der-Herr Kandidat schaute vollkom--men confüs die beiden an. drückte ihnen die Hand, daß es knackte,, gab dann' dem Hannes Klotz die Hand' und einen' Zcugkofser, der feinen Frack und sein durchgeschwitztes Hemde barg, und' schüttelte' schließlich noch den' beiden' Bauern die Fäuste. Dann- erst brach die Karawane auf. An- der dunkeln Schieftrwand dösPfarrhauses' hingen zurFeier- des Empfangs einige-Stalllaternen und Kürbisse mit Lichtern. Und als man an-' kam, schrie'ein Durcheinander von hel-' len und heiseren' Stimmen:' Hoch Tante Nelly! Hurrah Fraulein Nelly!' Hurrah Herr Kandidat!! Hat er's gemacht? Ist er durch, der. Herr Kandidat? Hurrah!" ' Es gab ein Drängen und' Stoßen,, daß jeder sich beinahe selbst verlor. Nelly wurde endlich von der Frau-Pa-storin ergriffen und l!eß sich von ihr abküssen und in aller Elle ausfragen.. Dann ging's gleich zu Tisch. Beim Abendessen aber war der-Herr' Kandidat' der große Mann. Er zählte bunt' durcheinander. Er- fbrach' von Jena wie von der ulttina, Tliule. Er sagte seine ganze Probepredigt noch einmal auf, die alle schon kannten.'. Aber das that nichts, man lauschte seiner Rede mit ungetheilter Andacht und Bewunderung. Die Jungen wollten wissen,', ob ein theologisches Examen schwerer als das Abituriüm sei? Ob's einen Kommers gegeben habe? Alles Mögliche woMensie wissen. Der alte Beerenbusch aber war ganz in Feuereifer. Er disputirte über Exegese, citirte Moses und' die Propheten und conjugirte- die- schwersten hebräischen Verben. Und Nelly? Nelly saß ziemlich unten am Tisch und hörte zu. Sie langweilte sich' nicht einmal,' scrndenr war nur ganz- verblüfft, daß' sie nicht dew Mittelpunkt bildete. Ihr Nachbar, der kleine Guckindiewelt: hatte sie gleich wieder erkannt. Er legte Vertrauensvoll' seinen Flachskopf' an- ihreBlüfe und fügte: Du.. Fräulein Nelly.. streich nur meine Bemmen, Du kannst, das so. gut." Darauf strich Nelly Bemmen:, Nkrr einmal, als die Herren-beildeoKirchen-geschichte angelangt waren und Romerwähnten, glaubte sie, daß nun- ihre Stunde: gekommen sei' und rieft. Ich war auch in Rorrr!"' Sr?"' meinte der Pastor-, gemuthlich weiterkauend. Hast: Du: denn auch den Papst gesehen?" Nein, den Papst nicht."', Was, Du warst in Nonr unwhast den'Papst nicht gesehew. ... .. Was' hast Du denn gesehen?" Sie dachte nach, unalS sie Ämerkte, daß alles sie anstarrte, wurde sie scrverwirrk.daß ihr schien, als Halle: sie überHaupt nichts gesehem Von da an blieb sie sein- nräüschenstill und kramte weder den Montblanc, noch die Geschenks, noch irgend' was aus. Nach zwei Stunden ging: sie dann zu Bett. Immer- noch ganz verwundert und unwillig daß von ihr so wenicr die Rede gewesen war. Sie trat in ihr altes, Zimmer. Es hatte den Sommer über als Fremdenkannner gedient. Trotzdem stand alle? genau so wie früher. Nichts hatte sich, verändert. Selbst ihr Kcrlender hing', Koch an der bluu aebMmten Wand. ein. kleiner Dammkalender-mit rosa Band-, chen. Und als' sie näher zusah, stanv er noch genau' auf den Tag ihrer Abreise. Zehrr Monate waren Hingegangen. aber der Kalender hatte sich mcht bewegt. ! ? Nelly zupfte ein wenig. Als sie- die beiden Bättdchen kaum eine Handbreit vorgeschoben hatte, war die ganz dazwi'schenliegende Znt überbrückt:. Und das. war alles? DcK war alles? Nachdem euria.e Tage vergMJ waren hatte Nelly sich vollkommen wieder emgelebt. vxnigstens äußerlich, und mtfichm! war ihr sogar, d3 hatte sie Kirchhasek niemals verlassen. In dieZem großen Hause, das ne Welt für sich bildete, wo der alte Herrgott all stiller Meister über allem waltete, fcw man in seinem Nam aufstand, in seinem Namen sich, zu Tisch setzte, in seinem Namen sich schlafen legte: da war das Leben, woren alle Gewöhn heiten deö Lebens so fest gefügt, daß man sich ihnen abpassen mußte. Und da dem zunaen Madchen ds Leben wohl that, da fein zerrüttetes Innere Frieden datx! fand. füa eS sich leicht. ' (faUfcfcMcUtftf.). L
Jür die Mlsie. Benedictinerfuppe. Etwa ein Pfund Hecht löst man von denGräten und schneidet das Fischfleisch fein. Die Gräten werden mit zwei Quart Wasser aufgesetzt, zwei Zwiebeln, zwei Wurzeln und cin: halb: Knolle Sell.'ttz daran gethan und nebst dem nöthigen Salz eine Stunde gelocht; dann streicht man die Blühe durch. Das Fi,ch,l:isch wird in Butter mit etwas gewiegter Petersilie gar gedünstet, die Grätenbrühe mit gerösteten Semmelkrumen leicht sämig gekocht und mit einem Eigelb und einem halben Theelöffel Citroncnsaft abgezog-en.' Man thut das Fischfleisch in die Suppenschüssel und gießt die Brühe darüber. Advokat. Ten aus?',e!ch5ten holländischen Eicrschnaps (Advokat) kann man mit wenig Mühe selbst hz stellen. Um etwa acht bis zehn GläZchen voll zu erhalten, üopst man das Gelbe von drei frischen Eiern u.d schlägt das Weiße zu Schnee. In daZ Eigelb rührt man langsam gestoßenen Zucker, etwa drei Kaffeelöffel, toll auf ein Ei gerechnet.. Dann gießt man vnu ter beständigem Rühren guten Brannt wein odcr Rum dazu, ungefähr fünf Gläschen voll zu obiger Portion, und giebt in die jetzt ziemlich dünnflüssig: Masse. den Eierschnee, so daß.eir.e diüe Creme entsteht., S e i l e r i e. - G e m ü s e. Eine Knolle Sellerie, ein Quart Wasser. 300 Gran Mehl, Unze Butter, et. was, Zucker, und Citronensaft. Salz, zwei. Eigelb. 90 Gran Fleisch-Extract 60 Gran Fleisch-Pcpton. Der Sellerie,'. so. lange. gebürstet. bis er voll ständig gesäubert ist, wird langsam in schwachem Salzwasser.weich gekocht, daß er sich mit. einem spitzen Gegenstände gut' durchstechen läßt;-nachdem die braune' Schale vorsichtig entfernt worden, schneidet man ihn in Scheiben. Nun' werden Fleisch -'Extract und Pepton in drei '.Achtel Quart SellerieWasser aufgelöst, unter Rühren zu dem in der Butter. hell gerösteten Mehl gegössen und' noch 5 Minuten langsam gekocht, dann' mit Citronensaft und Zucker abgeschmeckt, mit Eigelb verdickt und die Selleriescheiben hinzugefügt. Das übrig gebliebene Wasser kann zu einer Suppe verwendet werden. Geb-r'a-tene Kalbsleber. Die Leber-häutet und entsehnt man gut, schneidet sie schräg in Scheiben.die man mit Salz und wenig Pfeffer bestreut und in Mehl wendet.' Man brät' die Leberscheiben in Butter.lichtbraun, bis sie innen nicht mehr roth sind, nimmt sie aus dem Bratensatz, gießt in dieses etwas kochendes Wasser, in welchem ein halber Theelöffel voll Fleischextrakt aufgelöst wurde, fügt nach Geschmack' Citronensaft hinzuy kocht die Sauce gut durch und' giebt sie nehst Salzkartoffeln zu der Leber. Gebackene Ka-lbszung Eine Kalbszunge, Suppengemüse, drei'
Viertel' Quart gesalzenes Wasser. 90 Gran Fleisch - Extrakt, ein Ei, 75 Gran Mehl, zwei Theelöffel geriebene Semmel,' 90 Gran Butter- zwei Sardellen. ein- Theelöffel Kapern. Dr: Zunge' witd überbrüht, gereinigt, in' dem gesalzenen Wasser,-in-welchem da Fleisch - Extrakt aufgelöst worden, unter Hinzufügen des-'Suppengemüses. gar gekocht. Nachdem- sie - enthäutetschneidet man die Zunge' der- Länge? nach durch, wendet sie in-denr-zerschla-genen-Er'und m den-Semmeln-um.. brät sft'in der vorher gut' gebräunten Butter-von allen Seiten-h'errnn-braurr und legt sie auf eine erwärmte-Schuf-sel. Die eingedickte Vruh'e wrrd zu der Butter-gegossen, zwer'Minuten durchgekocht, dann m:t emer- Messerspitze Mehl" sämig gemacht 'undd diese Sauce' über die Zunge gegossen: welche man mit Kapern, Sardellen oder-auch mrr in Wasser gar gekochtem-Blumenkohl garnirt. 5H e i n e 3 1 ei schsv-o-l st er.. Man- wiegt Bratenreste- mit etwas Schinken fein, mischt fein geschnittene, in Butter geschmorte- Zwiebel, einige Eier. Salz. Pfeffer,- Muskatnuß, so-wie-etwas Reibbrod.- Inzwischen hat man dünne Eierkuchen' hellgelb gebacken, bestreicht sie auf einer Seite-mit der Fleischfarce...rollt' die Kuchen cmf, schneidet sie in- schräge- Scheiben und backt Ne, mit Ei'besirichen und mit Reibbrot bestreut.- iw reichlicher Butter bräunlich. Hat man-nur wenig Fleisch, sv mischt man das Füllsel gleich zwischen den flüssigen- El'erkuchenteig. Bohnerrsu-pp-Q. Ein hcckbes Pfund weiße-Bohnen- werden qbgekocht
und abgegossen: Dann setzt man etwas Schinkenabfalle,, ein Stück' Sellerre, eine Porree und ewe Mchrrube mit iz Quart Maser aufs Feuer, fugt, wenn die' Brühe geschainnt ist und focht; das' nöthige Salz und die Bohnen hinzu und dünstet diese langsam in VerrBMe roeich. Dl'e Suppe wird dun -durch trtt Sieb gerieben, ein Theelöffel' VM Fleischeztrakt' zugesetzt und fitste- gekochte Kartoffeln fowie Rauchwürflchen beim AuMn hineingelegt. In . derselben Werfe wird auch Linsensuppe bereitete - Ilng'krrrscher Kaffee. Man bereite-aus? ermm halberr Pfund guten Kaffeebohnen und drei Viertel Quart Wasser-Kaffce, dem mr 5 Unzen Zuckr beigiZebt und welchen man dann auf EiF siellt. Indessen wird ei Quait beste SchlacLahne mit einem Viertek Pfund Zucker vermischt, schaam$ geschlagen und kurz vor Gebrauch sorgsältZg unter den kalten Kaffee gerührt. Er wird sofort zu Tisch ge. bracht und ist außerordentlich fri. schrd Vererbung. Frau: Ich weig gar nicht, wo unser Frih das lu benswitrdige Wesen her hatT Mann: Sa, doch nur vo? Dir ich bin ja noch im Besttz dez einigen!Auf das Tsdtschlagen der Zeit ist keine Strafe setzt, weUch ' daz UM bestraf
