Indiana Tribüne, Volume 21, Number 202, Indianapolis, Marion County, 10 April 1898 — Page 2
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AieZayrcszciten. Con Paul t. SchSntlzan. Frühling.
Flieder sieht in voller Blutfr Auf einer Vant des Lelvederegar. lens sitzt ein Student an der Seite eies jungen Mädchens, das noch nicht lange über die Backfischepoche des Frauenlebens hinaus ist. S haben sich nicht zufällig -getrof fen, 1 ist ein richtiges, vielleicht ein erstes Rendezvous." Man kann es ihnen anmerken, S und stehen im Banrre einer gewissen Befangenheit, einer Verrätherischen Verlegenheit. Wenn im Vorübergehen ein Spazier. Länger den Kopf nach dem Pärchen wendet, schweigen sie. und das junge Mädchen läßt mit gesenkten Augen die Ecken des dicken Notenheftes, das auf ihrem Schooß ruht, durch die Finger gleiten, und er rollt den Studentenstock mit dem tellerartigen weißen Knopf ouf den Beinen, oder er zeichnet damit . Striche in den Wegsand. Gegenüber, wo die Treppe zu bim Rasenbanquet hinabführt, halten zwei steinerne, weibliche Sphinxyestalten Wache, vor ihnen braucht mau sich nicht zu geniren. Die milde abendliche Frühlingsluft ist erfüllt von dem Duft der überall ausbrechenden BlüthenPracht, ics glänzenden, saftigen Wiesengrün; da unten breitet sich die große Stadt aus mit ihrem rastlosen Treiben, mit ihren Schmerzen und Sorgen, und dort in der Ferne verschwimmt die Silhouette der Berge. Die eigentliche Saison dieses allehrwürdigen Gartens, mit seinen kantig zugestutzten Laubgänzen und den zopfigen Sandsteinfigurcn, zwischen denen man gepuderte 'Damen .m den Reifröcken der Rococozeit und zierliche Herren mit dem Galantericdegen an der Seite suchen möchte, ist noch nicht angebrochen. Man könnte keinen günstigeren Rendezvous - Ort wählen. Die Unterhaltung des Pärchens ist nicht recht im Geleise. Er erzählt ihr Dinge, von denen cr nicht weiß, wie wenig sie sie interessiren und ihre Zwischcnbemerkungen: An. wirklich?" oder Ah, ist es wahr?" heucheln nur ihr Interesse für Studentengeschichten, für die Richtigkeiten, die er, unsicher im Verkehr mit dem weiblichen Geschlecht, auf's Geradewohl zum besten gibt. Er weiß, daß man die Damen unterhalten muß, und sie hört ihm ja auch zu. Sie lächelt und lacht sogar über Dinge, die nichts Komisches haben, und dreht rrn ihrem LlpaccaSonnenschirm .und zupft ,un ihrem Gesichtsschleicr. um eine Beschäftigung zu haben. Wenn sie weiß, daß er flicht hersieht, blickt sie ihn von der Seite an; sie findet ihn hübsch, und das keimende dunkle Värtchen über der Lippe erscheint ihr wie die Besiegelung seiner stolzen Männlichkeit. Ein Mann! Der Erste! ... . Wenn tz tin Weilchen geschwiegen Hat, drückt (ti .aus Verlegenheit den Kneifer fester auf den Nasenrücken und sie seufzt leise. Wenn sie fragt: Warum -seufzen' Sie denn, Fräulein Mizi?" wird sie ?oth bis zu den sorgsam gebrnnnten Stirnlöckchen hinauf und sie antwortet: Ich seufze, ja gar uicht, das ist so eine dumme Gewohnheit.'" Und dann wissen sieBeide nichts wnter. Sie bleiben eine Weile swmm, wie jene beiden Sphinxe dort. Sie Qhnen st das Mysterium der Liebe, mit den gewaltigen Aubrüchen der Leidenschaft, seinem herzzersprengenden Jubel, seinm kindischen Schmnzen. seinen unerschöpflichen Zärtlichkeiten, seiner brennen denSehnsucht ... And die leise Ahnung erschreckt sie -vielleicht tm tiefsten Innersten, laßt sie um Worte verlegen werden; abe?siesühsen, daß da waskroßes, was Gewaltiges sich vorbereitet. Sie stehen cm Eingang zu jenem ewigen, räthselvollen Zauberreich und -em heimliches süßes Schaudern, ein roortloses Staunen überkommt sie, wie Einen, der das Meei zum ersten- Male sieht. Und sie wollen Dor einander den Aufruhr in ihrem Innern verbergen. Sie mit der Aengstlichkeit der jungsräulichen Verschämtheit, er mit der Zurückhaltung des Jünglings, der sem Ideal" gefunden hat. Wenn nur die lästigen Spazierganzernicht waren! Diese indiskreten Männer, die neugierigen Bonnen und Kindermädchen, die lieber ihre kleinen Schützlinge m den Teich fallen ließen, ehe sie an einem Liebespaar ohne lang andauernde Augenverschiebung vorübergehen. . Ja, dann konnte man vielleicht etwas wagen, aus die Gesahr hin. sie für ewig" zu erzürnen, ihre Hand er fassen, vielleicht sogar einen flüchtigen Kuß. Aber so muß es bei dem Versteckenspiel der Augen, der Empfindun, gen, des Verlangens bleiben. Wenn auch. Diese halbe Stunde erscheint ihnen doch ein Himmelsgeschenk und Beide trcmmen mit wachen Augen, mit pochendem Herzen von einer Seligkeit ohne Ende. Ueber ihnen, in jenen zarten Wolkchen, die am hellen AbendHimmel sanft ineinander schmelzen, umarmen sich ihre jungen Seelen in keuscher Liebeslust. Und die beiden steinernen Spinze sind stumme Zeugen ihres Glückes. Sie sind delikat und diskrel. Seit ein paar Menschenaltcrn halten sie an dieser Stelle Wacht und sie haben ein Schauspiel wie dieses hundertmal mitnqesehen, sie kennen die uralte thorichte, verwünscht ernsthafte Komödie der Liebe. Sie bewahren einen uverbrüchlichen Ernst und zucken mit keiner Wimper. Sommer. An der 'Abnd-Table d'hote beS bayerischen Landhotels tauchten zwei neue Gestalten' auf. Ein Herr und eine Dame. Er ist. gioß. faett wst
stämmig, wie ein GardereZter in Civil, das lichte Haar ist kurzgeschoren und ein vernarbter Schmiß, der von der Wange zum Kinn herabreicht, verräth die studentische Vergangenheit. Die junae Dame, mit der Fülle und den Gesichtszügen einer vielleicht Vierundzwanzigjährigen, bleibt w der Größe nicht weit hinter ihm zurück. Ein Weib. keine blutarme, schmalhüftige Pnstonatsblume aus der Großstadt. Sie entstammt einem Neckengeschlecht des mecklenburgischen Adels. Gesundheit und Kraft sind mit der Anmuth des Weibes harmonisch vereinigt. Man sieht zu den Beiden hinüber. Die breiten, blanken Goldringe an ihren Händen verrathen das Geheimniß der Hochzeitsreise. Aber sie nehmen, nachdem sie sich stumm grüßend niedergelassen, von keinem der Table d'hote-Genossen Notiz. Zwischen ihren Tellern liegt das Reisehandbuch, in dem sie gleichzeitig blättern und lesen. Dabei sehen sie sich ganz nahe in's Gesicht und sie tauschen Bemerkungen aus. Das Paar kommt von Verchtesgaden, und vom Königssee. Sie scheinen noch ganz erfüllt zu sein von den Eindrücken des herrlichen Sommertages. Die UnterHaltung wird in gedämpftem Ton geführt, aber ohne Heimlichkeit. Die Erinnerung an ein drolliges Vorkommniß bei der Einfahrt in's Berchlesgadener Bergwerk bringt sie zum Lachen. In ihrer Unterhaltung tritt leine längere Pause ein, und sie bestreiten sie vollständig aus Eigenem; wie es scheint, existiren die übrigen Leute an dem langen Speisetisch für sie gar nicht. Die fchlanke Rheinweinflasche, die vor ihnen steht, ist fast geleert. In den vollen Wangen des jungen Weibes beginnt ein sanftes Roth aufzusteigen, die Augen werden lachender und glanzender und das Gespräch verliert sich zeitweise in ein kurzes, scherzendes Geflüster. Die Beidcu lassen einander keinen Moment aus den Augen, aber sie verrathen nichts von der ehelichen Zärtlichkeit, von der jungen, feurigen Liebe, bt hinter diesem wohlerzogenen Verhalten lauert. Dann betrachteten sie eine photographische Momentaufnahme aus Verchtesgaden. die sie. Arm in Arm. im plumpen Bergmannskostüm, darstellt, und sie freuen sich im Voraus, wie sich die Alten daheim, in der Gegend von Rostock, über das ulkige Bild amüsiren werden. Der junge Ehemann hat eu:e Eigarre in Brand gesteckt, während sie eine Ansichtskarte beschreibt. Sie muß ihn sanft verweisen, da er sie in der ernsthaften Beschäftigung durch neckende Zwischenbemerkungen verwirrt. Zuletzt überlesen sie gemeinsam, mit nothmendigerweise dich genäherten Gesichtern, die nach der Heimath adressirte, vergnügte Ansichtskarte, die er noch mit einer übermüthigen Nachschrift versieht und sie amüsiren sich über thr wohlgelungcnes Elaborat. Die übrigen Tischgenossen schweigen, oder sie führen eine etwas schleppende Unterhaltung über die Wetteraussichten für den nächsten Tag. über Reisepläne und die kürzeste Zugsverbindung da- und dorthin; manch Einer sieht inzwischen auf die Uhr, die kaum neun zeigt. Das Hochzeitsreisepaar wecbselt einen Blick des Einverständnisses, dann heben sie sich gleichzeitig und mit eiuem höflichen Nickgruß nach rechts und links verlassen sie den Tisch. Er folgt der stattlichen, schönen jungen Frau, die Hände in den Taschen seines nagelneuen Loden Saccos, den Kopf ein wenig zurückgelegt und vergnügt in 'den Rauch der zu Ende gehenden Cigarre blinzelnd. Und nachdem dieSaalthüre sich hinter ihnen geschlossen, tritt er an ihre Seite und legt seinen Arm in den ihn gen. Langsam, im gleichen Schritt, durchmessen sie das Vestibül, schreiten sie die Treppe hinauf. Herbst. Sie wohnten unter einem Dache, in einem der alten Vorstadthäuser, deren Tage gezählt sind, und an deren Stelle über kurz oder lang ein neues elegantes Miethsgebäude erstehen wird. Wenn er am Abend aus dem Bureau heimkam, sah er sie vom Treppenfenster aus. in dem Hofkabinet an einem Tisch sitzen, vor den Aufgabeheften ihrer Schülerinnen, oder über einem Buche, sich zur Lektion für den nächsten Tag vorbereitend; im Winter bei einer kleinen Petroleumlampe mit einem transparenten Papier schirm, an den Sommerabenden bei vssnem Fenster, an dem ein Vogelbauer mit einem leise zwitschernden Zeisig zu stehen pflegte. Er kannte ihr Gesicht fast nur dem Profil nach; so sah er sie zumeist und bei ihrer ersten Begegnung auf der dämmerigen Treppee'rkannte er die Lehrerin kaum. Sie war, wenn auch im Verblühen begriffen, noch immer ein Mädchen, an dem man nicht ganz achtlos vorübergeht, und als er sie an einemSommerabend mit herabgelassenem Haar, einer aschblonden wenigen Fluth, am Fenster sitzen sah. sie hielt sich für unbeachtet, denn ' das Treppenfenster lag fast außerhalb ihres Gesichtsfeldes. blieb er eine Minute lang stehen und mit zufriedenem Kopfnicken gab er ein halblautes Großartig!" von sich. Das etwas angejahrt: Mädchen hatte Eindruck auf ihn gemacht. 4 Ihr Anblick, der Gedanke, daß sie beide Hausgenossen waren, nun schon seit ein paar Jahren erzeugte bei ihm eine gewisse Schwärmerei und wenn er dann oben in der Zelle des einsamen Jungesellen bei seinem Cello saß, und ein schmachtendes Lied spielte, dachte er dabei: Ob sie eS wohl hören würde? Und. dann lächelte er wieder über den romantischen Studenten Einfall, stellte das Instrument in d!e Ecke und
ging inZ Gasthaus, in die angestammte Gesellschaft einiaer verdrießlicher Hagestolze aus seiner Alterssphäre. Aber wenn er wieder heimkehrte, sah er zu jenem Hoffenster hinüber, und es war ihm lieb, wenn er noch den Lichtschimmix durch das herabgelassene Rouleaux erkennen konnte. Er kannte die Zeite'mtheilung ihres regelmäßigen Tagewerks ; sie führte ein Pflichtlebcn, ungefähr wie er, das Da-, sein einer Einsamen in der großen Stadt. ' Er richtete sich sogar danach ein. Nachts zu der Stunde heimzukommen. wenn sie noch Licht hatte, und verfehlte er diesen Zeitpunkt, so war er unzufrieden mit sich, es war ihm ein unerfreuliches Gefühl, an ihrem dunklen Fenster vorüberzugehen. So war gewissermaßen eine Bezi:hung des Gemüthes zu diesem Mädchen bei ihm entstanden, von der sie nichts ahnte. Ihre Begegnungen auf der Treppe, und im Flur des Hauses waren flüchtig und selten. Sie sahen sich an und gingen an einander vorüber. Wenn er allein war und an sie dachte, hatte er sich mehr als einmal vorgenommen, sie zu grüßen, wenn er sie wieder sehen würde und dann unterließ er es doch wieder. Mit welchem Recht konnte er ihr einen Gruß bieten? frug er sich. Und doch beschäftigte er sich mit ihr in seinen Gedanken, er sah ihr verstohlen nach, wenn ihre, hohe, kräftige Gestalt an ihm vorüberschritt. Sie mußte einmal sehr schön gewesen sein, als junges Mädchen. Warum mochte sie diese Einzelexistenz erwählt haben, warum hatte sie nicht geheirathet? fühlte sie sich jetzt glücklich? Es hätte ihn interessirt, etwas mehr von ihrem Leben zu wissen. Und so kam er auf den. ihm selbst etwas lächerlich erscheinenden Ausweg, sich mit der ältlichen Frau, die sie bediente, und die er häujig vor der Thür der Lehrerin Kleider reinigen sah, anzufreunden und vom Grüßfuß zu kurzen Gesprächen überzugehen. Die Dienerin kam ihm auf halbem Weg entgegen und fühlte sich durch das liebenswürdige Wesen des Herrn aus dem zweiten Stock geschmeichelt! Wer kümmerte sich denn sonst um sie! Durch die Schenkung ausrangirter Kleider aus seinem Vorrath, die er ihr für ihren Mann gab, verpflichtete er sie vollends und so erreichte er allmählich und unauffällig seinen Zweck, über die Hausgenossin etwas zu hören. Die Dienerin wußte nur Gutes von ihr zu sagen, sie wäre so lieb und nachsichtig, und besitze das beste Herz von der Welt. Ja wenn die einer gekriegt hätte das wäre eine Frau geworden! So häuslich und gebildet!" pries die alte Frau. Nun. sie ist so vielleicht zufriedener!" sagte der Herr aus dem zweiten Stock, indem er Frau Rest prüfend ansah. Mein Gott, hm,- erwiderte diese achselzuckend, sieht gerad' nicht darnach aus. Ihr Auskommen hat sie wohl, und sie ist überhaupt aus einem guten Haus, ihr Vater war Hauptmann... Aber so recht glücklich ist sie wohl auch nicht," seufzte die Vertraute, manchmal hat sie ganz verweinte Augen, na und in der Schule, da muß sie wohl auch ihren Aerger hinunterschlucken. Schad um so eine Dame, wenn ich ein Mann wäre .... hm, so eine, ja!" ... Das waren die intimstenAufschlüsse. die er über die Hausgenossin empfangen hatte. Sie gaben ihm zu denken. Er hatte Frau Resi zur Pflicht gemacht, ihrerGebieterin gegenüber nichts von diesen Unterredungen zu verrathen und Frau Resi gelobte es; aber sie widerstand der Versuchung nicht lange und eines Tages, als ihr der Gönner einen noch ganz schönen Winterpaletot geschenkt hatte, fing sie an, unten" von oben" zu sprechen, und sie rühmte die Tugenden des soliden, ernsthaften und gutherzigen Herrn, der es auch nicht verdiente, daß er so einsam dahinlebe; wie eben solche Leute immer den Glücksbegriff mit der Ehe in Verbindung bringen. Das Fräulein hörte ihr Anfangs kaum zu, dann blieb aber doch manche Aeußerung haften. So wurde allmälig durch eine dritte Person ein gewisser Zusammenhang hergestellt. Sie wußten Beide voneinander, ohne es sich gegenseitig zu verrathen; noch immer gingen sie wie Fremde an einander vorüber, so oft oder so selten sie sich begegneten. Und als er eines Abends aus dem Bureau kam, stand Frau Resi unten im Hausflur. Sie hatte auf ihn gewartet, ohne es zu gestehen. Nach der üblichen deVoten Begrüßung rückte sie heraus: Morgen ist ihrGeburtstag" und dann that sie. als hätte sie das nur so beiläufig bemerkt. Morgen ist ihr Geburtstag! Der Herr aus dem zweiten Stock überlegte: Hm, man könnte, zwar mit welchem Recht? Aber hat nicht Jeder das Recht, dem Andern eine Freude zu machen? Und sie braucht's ja gar nicht zu wissen, daß er ... . Am andern Morgen machte er sich ungewöhnlich früh auf den Weg. Er kehrte in einem Blumenladen ein, es war vielleicht seit zehn Jahren wieder das erste Mal, daß er ein solches Geschäft betrat. Er ließ einen hübschen Strauß aus weißen Rostn an langen Stielen binden, und auf einem kleinen Umweg durch Seitengassen begab er sich wieder nach Hause. Er kam sich ein wenig komisch vor mit dem verrätherischen zarten Packet in der Hand. Vor der Thür stand Frau Resi und bürstete den dunklen Rock der Lehrerin. Er beauftragte die Vertraute, die Blumen, noch ehe das Fräulein ihr Schlafzimmer verlassen hatte, im Hofkabinet aufzustellen, beileibe aber nicht zu verrathen, von wem die kleine Aufmerksamkeit herrühre. Sie versprach den delikaten Austrag genau nachVorschrift auszuführen. DaS that sie denn auch. Nur in Bezug auf die em-
pfohlene Discretion ?rwies sie sich als nicht ganz zuverläßlich. Als der anonyme Spender amAbend in seine Behausung zurückkam, erblickte er den Strauß in einer Vase am Fenster stehen und noch am nächsten Tag paradirte er da. und auch am dritten Tag; so lange hatte er sich bei uter Pflege frisch erhalten. Er war im innersten Herzen erfreut und gerührt. Ein paar Tage später standen sich die Beiden mit verlegenen Gesichtern bei einer zufälligenBegegnung vor , dem Hausthor aeaenüber. srins linbnrWr
eschene ereignete sich. Die Lehrerin iftrnrh ifir h vfi. : c. , , r -f .7,. uuv vuuuc lyrn jur cic Geburtstagsrosen, er leugnete halb im Scherz und bat sie dann um Verzeihung. weil es sich doch eigentlich nicht geschickt hätte, aber. 7.. ' Sie standen ein paar Minuten lang beieinander und als sich die Lehrerin verabschiedet hatte, sagte er sich: Zu albern., ich hätte ihr doch meine Begleitung bis zur Schule anbieten können, warst Du immer so schüchtern, alter Freund? Aber dann tröstete er sich mit der Hoffnung: Wir haben uns ja wohl nicht das letzte Mal gesehen! Uebrigens, Frau Resi hat nicht übertrieben. überlegte er weiter, ein sehr sympathisches, 'angenehmes Wesen; schade, warum begegnet man so was nicht früher?! Dann schloß er mit einem Seufzer: Man ist vielleicht daran vorübergegangen. und hat die Vorzüge nicht erkannt. Aber zum DonnerWetter, ist es denn schon zu spät? Hm, darüber hätte schließlich Niemand zu entscheiden, als sie. man könnte durch die Blume anfragen.' Schlimmstenfalls ein Korb. meiner Seel, ich laß es darauf ankommen! Winter. In einem kleinen Salon, der sich auf den ersten Blick als Bestandtheil eines Jungesellenheims charakterisirt, ruht ein Herr auf der Ehaiselonque. Zu seiner Rechten, auf einem niedrigen Tischchen, brennt eine Lampe unter einem großen bunten Seidenschirm. Ein Diener geht schweigsam umher, räumt Bücher und Zeitschriften auf, dann in der Gegend der Thüre bleibt er stehen und sich an seinen Gebieter wendend, fragt er: Befehlen Sie noch etwas?..Ja, Sie müssen morgen ein bischen mehr einzeizen. es ist ja hundekalt hier. Verstehen Sie, Karl?" Ter Diener wirft einen mißbilligenden Blick auf den Majolika - Ofen in der Zimmerecke und sagt: Der verflixte Ostwind!" Sodann zieht er sich zurück. Der alte Junggeselle hat die Chaiselongue - Decke über die Beine gezogen bis zu den Hüften, und, den Kopf, mit einer weit vorgeschrittenen Glatze, auf einen Arm gestützt. mustert er den Inhalt einer Schatulle, deren Deckel auf der Innenseite die Inschrift trägt: Ungelesen zu verbrennen." Alte Briefschaften: goldgeränderte Billets, farbige und weiße Blätter mit Wappen, Monogrammen,Blumen oder Figuren in den Ecken, man könnte daran den Wechsel der Mode in der Lu. xuspapier - Industrie studiren. Ab und zu entfaltet er eine dieser galanten Reliauien. Die Blätter sind durchaus mit Damenschriftzügen bedeckt, sie ent. halten verliebte Zärtlichkeiten, Betheu. erungen, lockende Verheißungen, wohl euch einmal schmollende Vorwürfe mit längstgetrockneten Thränenspuren und aus ein paar Briefen fällt ein morsches, entfärbtes vierblätteriges Kleeblatt heraus, und eine verdorrte, zerfallene Rosenleiche. Sein Blick daftet minutenlang auf mancher dieser Erinnerungen. . .Mein Abgott! Ich fühle, daß ich mit allen Fasern meines Herzens an Sie geknüpft bin . . ." "Mein inniggeliebter Freund, mein Schatz!" In alle Ewigkeit die Ihre.- Herzliebster Hans! Deine Dich vergöttern, de Melanie." Heute und für alle Zeiten. Ihre kleine Hedi . Die zärtliche Beredtsamkeit liebender Frauen, Run schweigen sie alle! Was ist aus den Briefschreiberinnen geworden? Wo sind sie hingerathen? Er kennt keine mehr, bis auf den Namen vergessen, wie sie ihn vergessen haben! Ein paar sind jetzt wohl schon alte Frauen, oder vielleicht nicht mehr am Leben und was er damals geliebt und besessen, zerfällt in einer finstern Erdgrube. Ob auch nur eine einzige von den Lebenden noch seiner gedenkt, eine einzige unter denen, die sich damals in Versicherungen unendlicher, ewiger Liebe erschöpften? Sie haben es da mals wohl selber geglaubt; dieseBriefe stammen ja nicht von leichten Damen her derlei bewahrt man nicht auf. Es sind die Belege zu seriösen Herzensangelegenheiten. Wenn auch! Das Eine vergeht so gut wie das Andere wenn man es nicht festhält. Er war ein Liebling der Frauen, ein hübscher Mann, heiter und gewandt, klug und delikat, diskret und dankbar, er hatte Glück in der Liebe. Aber er war so -unklug, immer ein paar Nummern zu besetzen, stattEiner, und so kam zuletzt keine. Er schließt die Schatulle und bedächtig abwägend hebt er das Schachtgrab seiner Liebesbriefe ein wenig in die Höhe. Dann lächelt er mit hochgezogener Stirn wehmüthig vor sich hin: .Schafskopf! Mindestens ebenso viel Briefe hast Du geschrieben, in alleWelt verstreut, in die stille Kammer junger Mädchen, in das verschwiegene Boudoir unverstandener Ehefrauen. Ein paar Pfund Liebesbriefe. Wie sich das zusammenläppert! Schade um die vergeudeteZeit! Man 'hätte sie besser verwenden können. Schade, daß man st so spät gescheidt wird, so tröst, los gescheidt! So klug, um zu erkennen, daß die Liebe Unstnn ist! .... Zeitvergeudung. und überhaupt die Weiber:" ... Schopenhauer hat ganz
Recht! Es ist nichts mit ihnen anzufangen, zuletzt sitzt man da, wie Figura zeigt " Der Raisonneur erhob sich mit einem Seufzer des Ueberdrusses von seinem Lager, die wärmende Felldecke siel zur Erde. Vrr hundemäßig kalt ist es." sagte er vor sich hin, und dann ging er zum Ofen, prüfend eine Hand daranlegend. Im Geist setzte er den Monolog fort: Natürlich. eiskalt. der Karl, der Faulpelz, es ist nicht auszuhalten mit ihm ... ich muß ihn davonjagen. , Am Ersten wird ihm gekündigt, das geht nicht mehr so weiter . . . und der Kaffee, den er am Morgen zusammenbraut ... Hm, hm, ich werde mir eine Wirthschafterin nehmen, eine alte. hin ganz alt braucht sie nicht zu sein . 1 . ." . Wo sind die größten Frauen.
Die schottische Schriftstellerin Mary Tennyson, welche an der Universität zu Brüssel den Grad eines Doctors der Medicin erlangte, aber bisher ihre Kenntnisse meist zu volker-physiologi-schen Studienreisen verwandte, hat soeben, der Post" zufolge, ein Buch veröffentlich:, worin sie die Lebensfähigkeit und die körperlichen Eigenschaften der Frauen der einzelnen Länder Europas mit einander vergleicht. Sie hat außer den britischen Ländern Skandinavien. Deutschland, Frankreich und die Mittelmeerstaaten bereist und sich überall ein reiches statistisches Material zu verschaffen gewußt, aus welchem sie ihre Schlußfolgerungen zieht. Mehrere Abschnitte des Buches widmet sie der Frage, welches Land im Durchschnitt die größten Frauen habe, und kommt hierbei zu folgendem Ergebniß: Es gibt gegenwärtig kein Volk in Europa, welches sich rühmen kann, im Allgemeinen größere Frauen zu besitzen, als ein anderes Volk. Nicht einmal die althergebrachte Meinung, daß die Frauen des nördlichen Europas durchschnittlich größer seien, als die des südlichen Europas, kann wissenschaftlich als richtig zugelassen werden. Während ihrer Abstammung nach Engländer, Schotten und Iren sehr verschiedene Völkerstämme sind, so ergeben doch die eingehendsten Berechnungen über die an Mädchen und Frauen vorgenommenen Messungen im Durchschnitt eine völlig gleiche Körpergröße, und nicht einmal zwischen der Stadtund Landbevölkerung läßt sich auf dem britischen Jnselreiche ein Unterschied in der Größe der Frauen nachweisen. Nur einzelne Gegenden machen hierbei eine Ausnahme, indem sich bisweilen kleinere Ortsbezirke durch ein körperlich rüstigeres und größeres Frauengeschlecht auszeichnen. Meist sind dies Gebirgsgegenden, aber auch in ganz ebenen Gegenden kommen solche Orte vor. Ganz dieselben Beobachtunqen bat die Verfasserin in Skandinavien und Deutschland gemacht. In Schweden fand 11c ewige Bezirke mit großen Frauen ganz im ebenen Lande, ähnlich wie auf einigen dänischen In seln in Holstein; dicht daneben gibt es Orte undBezirke. wlxFrauen mit einer Größe von 165 Centimeter schon zu den Seltenheiten gehören. Im Durchschnitt stehen die Frauen Skandinaviens an Größe den Frauen des mittleren Frankreichs gleich. In Deutschland fällt der Verfasserin auf. daß einzelne Gebirgsgegenden am Harz, am Mittelrhein und am Schwarzwalde große Frauen haben, während in den schlesischen. sachsischen und fränkischen Gebirgsländern die Frauen wesentlich kleiner sind. Auch die Alpenländer haben meist kleine Frauen, während in den Karpathen Gegenden mit überwiegend großen Frauen angetroffen werden. Im östlichen Südfrantreich sind die brauen kleiner als im westlichen. den Pyrenäen zuliegenden Theile Frankreichs. Im nordlichen und im südlichen Spanien sind die Frauen et was größer als im mittleren Spanien, und auf Sicilien findet man Jtalienerinnen, welche an Größe den Frauen in pommerschen und holsteinschen Landbezirken völlig gleichstehen. Auf der Balkanhalbmsel findet man unter den Albanesen sehr große Frauen; auch die unteren Donaulander haben Landre zirke mit stattlichen Frauengestalten; während jedoch das russische Flachland meist kleine Frauen zeigt. Auch in dem nördlichen Rußland sind die Frauen klein, und nur die Frauen der balti schen Länder und des Weichselaebietes erreichen die Durchschnittsgröße der deutschen Frauen. Hochwohlgedorcn. Ueberall in der Welt werden die Menschen auf dieselbe Weise geboren, nur in Deutschland nicht. Im Geburtslande Kants sind die Geburtsarten verschieden: die Frau Gräfin gebiert anders, als die Frau Regierungsrath, die Frau Regierungsrath anders, als die Frau Schlächtermeister. Die Folge: auf der.Straße balgen sich hochgeborene, und bloß wohlgeborene Rangen herum! Aber der Bube desSchlächtermeisters bringts vielleicht auch ein--mal zum Regierungsrath; dann fällt ein Abglanz dieser gewaltigen Würde auf den Geburtsakt der Mutter zurück. Ein Irrthum wars, die Frau Schlächtermeister, die ihren Gatten mit zwölf pausbackigen Kindern beschenkte, hat ausnahmsweise beim sechsten Mal nicht wohl, sondern Hochwohl geboren! .-Angenehme Zerstreuth e i t. D Herr Professor ist wohl ein guter Kunde von Ihnen, Herr Wirth?" Freilich sowie der gegessen hat, hat er's in der Regel auch schon wieder vergessen und bestellt noch eine Portion!" E s ist oft leichter, eine glänzende Rede zu halten, als das rechte Wort zu sindm.
Wurllmaric. . Berliner Bild von Alfred Friedmann. Langgestreckt lag das Lokal da. gleißend in seiner neuen Pracht und im Schein des elektrischen Lichteö. Gleich wenn man eintrat, die braunrothen schweren Portieren zurückschicbend. hatte man zur Linken die hellgekleideten Brötchenmävchen", zu denen aus unterirdischer Küche, von ganz hinten her, stets sich erneuernde, mächtige Proviantplatten auf einem kleinen Rollfahrstuhl emporstiegen. Zur rechten war die blanke Bar", von Männern bedient. An der Marmorwand hinter ihnen staken wohl hunderte von Hölzern, über welche die leeren Biergläser gestülpt waren. Der Plafond glänzte weiß und goldig; gelbblaue Lambrequins rahmten die hohen Glasfenster ein. Hellbraune Holzvertäfelung wurde von weißer Wandbetünchung überbaut, und in dem Raum nach der ersten Stufe gab's zweimal vier Kreuzgewölbe, anmuthig mit Arabesken und Spielereien bemalt. Da, wo den Vorraum und diese Tonnengewölbe eine Stufe trennte, steht in der Mitte ein Tempelchen von blankem Spiegelglas, ein sechseckiges Riesen - Ciborium, in dem an Stangen drei Reihen Toppelwürstchen duftend hängen und wo Cigarren, Cigaretten nebst besagten Würstchen von der Wurstmarie" verkauft werden. Sie und das moderne kleine Tabernakel Passen ausgezeichnet in die Umgebung. Die Wurstmarie ist aber auch zu nett. Des Morgens Punkt halb Reun erscheint sie, versieht ihren Dienst bis Eins, nun hat sie zwei Stunden Urlaub, und dann heißt's wieder Würst-
chen in dem siedenden, brodelnden Kessel kochen, bis weit über Mitter nacht. . Die Wurstmarie wer sie so getauft, bleibt unergründet ist ein an ständiges Mädchen. Sie ist aus einer Arbeiterfamilie und hat eine große Anzahl von Geschwistern. Obwohl sie früh und spat allem den weiten Weg ins Geschäft und nach Hause zurücklegen muß, allen Anfeindungen roher Menschen ausgesetzt, kann sich doch kein Bevorzeugter rühmen, daß sie mit ihm gehe!" Die Gäste belästigten sie niemals. Sie sitzt zu fern und unnahbar in ihrem Wursttempel. - Aber einmal 'kamen ein paar betrunkene Burschen herein, stürzten sich auf das Heiligthum des gehackten Fleisches, wollten sich Würstchen selbst herauslangen und streiften mit ihren Händen auch den blonden Haarflaum an Ohr und Nacken der Verkäuferin. Da stand sie auf wie eine beleidigte Löwin m ihrem Käfig. Mit einem scharfen Messer freilich nur mit der breiten Kllngenselte schlug sie den Burschen auf die Finger, sah sie mit den hellen Augen zuerst vernichtend, drohend, dann mit so rührend kindlichcr Bitte an, daß die Ruhestörer es gar nicht merkten, daß sie bereits draußen in der Friedrichstraße standen. Dann sah ich allabendlich einen jungen Mann, den Ellenbogen auf den blanken Wurstkessel gestützt, in Marie hineinreden. Das wollte mir gar nicht gefallen, denn mir machte der Elegant, der einem Wiener Pülcher" wie ein Ei dem andern glich, durchaus keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Wie viel Paar Würstchen verkaufst Du so täglich. Marie?" hörte ich den Courmacher eines Abends fragen. An die 300 bis 400!" sagte sie stolz. So viele Küsse möchte ich Dir geben, Ma::e!" flüsterte er. Das würden Sie so satt bekommen, als ob Sie die 3400 Paar Würste täglich allein verzehren müßten!" In der That ein gräßlicher Gedanke. Ja, ein bischen Glück macht glücklich. Allzuviel verdummt! Dann sah ich Mariechen an einem Frühlingsabend, als der Flieder duf-i tete an der Potsdamerbrücke. Ein Schutzmann hatte sie gerade aus dem Wasser gezogen. Sie war etwas weiter droben hineingesprungen aber wir retteten sie noch rechtzcitig. Nach einer Viertelstunde erkannte sie mich und wisperte: Ach. hätten Sie mich doch drin gelassen. Ich war schon so gut wie todt und es schien mir gar nicht s? schlimm!" . O. Marie, warum haben Sie das gethan?" fragte ich. Warum?" Natürlich aus Liebe!" Aus verrathener Liebe. Der Wicht hatte eines von den zwei lichtgekleideten Brotmädchen geirathet. Am Ufer. Ueber der Berge Kranz Leuchtet der Abendstrahl, Lieblich im letzten Glanz Lächelt das Thal. Jetzt durch die gold'ne Fluth Leise ein Schifflein zieht, Süß. voll geheimer Gluth. Klingt mir ein Lied. . Flieht, wie die Wellen fliehn. Kehrt nicht zurück . . . Schifferin, Schifferin. , Warst Du das Glück?. Kindliche Naivetät. Klein Lieschen (nachdenklich): Ich weiß nicht, ob, ich nicht doch lieber ein Junge hatte werden sollen?Durch die Liebe hat Mancher den Verstand verloren, durch den Jerstand ar.:rdi?Li::e, .
Die Kunst, schön zu bleibe.
Alle Diejenigen, welche Geleaenbeit hatten. Adelina Patti in letzter Zeit zu sehen, waren überrascht, von der Jugendlichkeit und Frische der Diva. Die Sängerin, die heute beinah: fünfundfünfzig Jahre zählt, macht den Eindruck einer Frau von kaum dreißig Jahren, und alle Welt fragt erstaunt: Wie war es möglich, daß eine Frau wie Adelma Patti. die Jahrzehnte hin. ourcy den Korper und Geist ausreibenden Beruf einer reisenden Gesanavirtuosin ausgeübt, sich so jugendlich erhalten hat? Ein Interviewer hat das interessante Geheimniß gelüftet und cr- . zählt Folgendes: Um schön zu bleiben, muß man das günstige Temperament der Patti mitbringen, das sich nichts nah:g:hcn läßt, jede Aufregung fernhält und das gr??e Dasein auf eine aleichmäßige still: Fröhlichkeit gestimmt ist. Ferner muß man diesem Zweck: entsprechend seine ganze Lebensweise einrichten, dcrcn peinliche Regelmäßigkeit eine uncrläßliche Voraussetzung und weit werthvoller als alle kosmetischen Hilfsmittel ist. Darum hat Adelina auch immer nach der Uhr gelebt und selbst das Geringfügigste der ewigen Frage untergeordnet, wie es ihrer Schönbeit bckommen könnte. Sie erhebt sich des Morgens um neun Uhr. taucht unverzüglich in ihr Bad und nimmt dann das erste Frühstück, das aus klarer Hühnersuppe und etwas Gemüse besteht. Manchmal wird ein El oder eine Frucht: Aepfel, Trauben oder Pflaumen anderes Obst ist als schönheitsgefährlich verpönt hinzugefügt. Nach dem Frühstück überläßt sie sich den Händen ihrer New Jorke? Masseuse, die ihr nach einer besonderen Methode Gesicht und 5)als knetet. Die Gesichtspfleqe ist natürlich der wichtigste Theil der Toilette, und die Pat:i wendet auf sie dieselben reiflich erprobten Grundsätze an wie die Prinzessin von Wales, mit der sie in fortwährendem Gedankenaustausch über diesen Gegenstand steht, und die sich bekanntlich ebenso jung zu erhalten wußte. Diese Grundsätze lassen außer der Massage nur noch Einreibungen mit gewissen Oel:n zu. deren Recept die Diva nur sehr wenigen Au-erwahlten mittheilt. Die Einreibung nimmt sie selber vor. Ueberhaupt darf, die amerikanische Masseuse ausgenommen. Niemand sie berühren, so zahlreich ihre weibliche Dienerschaft auch ist. Nicht einmal frisiren läßt sie sich, und während ihrer Bühnenlaufbahn zog sich fo mancher Zwischenakt zum Verdruss? des Publikums ungebührlich in die Länge, weil sie selbst im Theater nicht von der Regel abwich, sich das Haar selber zurechtzumachen. . Doch sehen wir. wie di: Patti den Tag weiter verbringt und für ihre Schönheit sorgt, was für sie ein- und dasselbe ist. Sie luncht" um halb Eins: Bouillon. .Austern oder einen Fisch, Salat, ein bischen grünes Gemüse und Milch. Nach der Mahlzeit eine Tasse Coca oder ein Glas Sect. Nie kommt ein gewürztes Gericht oder eine Sauce auf den Tisch, auch um sieben Uhr Abends zur Hauptmahlzeit nicht, die aus einer legirten Suppe, kaum gebratenem Rindfleisch und wiederum frischen Gemüsen besteht. Den Beschluß macht gezuckerter Reis od:r ein süßer Käse oder Creme. Eis nimmt sie nie. der Stimme wegen: Rothw:in nie. des Teints wegen. Ebensowenig kommen Brod und Wasser über ihre Lippen. Hingegen trinkt sie an den Tagen, wo sie singt, einige Schluck Kaffee hinter den Coulissen. Täglich und in größeren Mengen genoß sie den Kaffee nur, wenn sie sich durch eine neue Rolle oder ein etwas fccirtes Gastspiel erschöpft fühlte. Dann nahm sie wie Voltaire. Balzac und Napoleon zu diesem' Nervenwecker Zuflucht, um gegen den unzeitigen Schlaf anzukäm- . pfen. Das ist auch eines ihrer Ta- ; lente: Sie schläft nach Bedarf und ' Laune, wie. wo und wie lange sie will, zu Hause, unterwegs, im Waggon, im Freien, in ihrer Theatergarderobe, am liebsten natürlich in ihrem Schlafzimmer, dessen Fenster den Tag über sperrangelweit offen und des Nachts hermetisch geschlossen sein müssen. Beim Schlafenaeben und beim Aufstehen benetzt sie sich Hals und Nacken mit Alkohol.. Sie behauptet, daß sie es dieser Uebung verdanke, nie von einem Schnupfen heimgesucht worden zusein. Fügen wir hinzu, daß sie weder reitet. noch rudert, noch radelt, noch sonst einen Sport treibt. Ein einstündiger Spazieraanq oder eine Kalbe Stunde Billard genügen ihr als tägliche Bewegung vollauf. Und damit sind auch alle 'kosmetischen Geheimnisse Adelina Patti's enthüllt. Sie bestehen, wie man sieht, mebr in unverrückbaren Lcbensgewchnhcitm als in irg nd welcken Zaubereien. Ein aufmerksamer Sohn. Du hast, während ich im Bade war. meinen ganzen Weinkeller ausgetrunken!" Student: Sag'est Du nicht vor der Abreise. Du brauchtest bald leere Flaschen, weil Du eine neue Sorte Wein bestellt hättest!?" Aha! Na. wo fehlts denn EM?" Ach ick, habe furchtbare Kopfschmerzen!" Kein Wunder, bei den riesigen Hüten der neuen Mode!" Aber ich besitze doch noch gar keinen!" Na eben deshalb!" Tröstlich. Junger Autor: Ist das nicht eine Gemeinheit! Der Löwenstein sagt, meine Posse wäre schlecht!" Freund: Aber darauf werden Sie doch nichts geben. De? Löwenstein spricht ja. immer nur das nach, was die anderen Leute sagen! Verblümt. HanS (zu Jörg, der niedergeschlagen vor seinem abge brannten Hause steht): Ja, j, Jörg, Necht hast Du g'habt. daß Dir Dein HauS abrbrannt istj"
