Indiana Tribüne, Volume 21, Number 195, Indianapolis, Marion County, 3 April 1898 — Page 6
Fie HeZs. Kermandad in Hester.-Zlngarn. Die Einrichtungen zur AusrechterHaltung der Ordnung und zum Schutze des Lebens und Eigenthums, welche in den meisten Staaten ein ziemlich einheitliches Gepräge aufweisen, sind in Oesterreich-Ungarn und den Occu ixltionsländern sehr mannigfaltig. Die Verschiedenheit der SicherheitsEinrichtungen ist begründet durch die -eigenthümliche Völker- und Länderneinandergliederung der Lsterrei-hisch-ungarischen Monarchie. In Cisleithanien wird der Sicherheitsdienst außerhalb der Städte durch die K. K. Gendarmerie ausgeübt. Dieses Corps wurde nach den Revolutionsjahren 184349 unter dem Ministerium Bach durch Freiherr von Kempten errichtet und war anfangs rein militärisch organisirt; auch jetzt noch wird sie von Officieren befehligt; ihre einzelnen Abtheilungen heißen .Flügel", und der betreffende com-
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I u st i z w a ch e. Gendarm. (Oesterreich.) nandirende Osficier . Flügelcommanbant; der Hauptmann führt den Titel Mittmeister; derFeldnbel heißt Wachtmeiste?. Diese Bezeichnungen rühren iaber, weil zur Zeit der Errichtung des Iendarmeriecorps auch berittene Gendarmen aufgestellt wurden; heute hat Cisleithanien nurGendarmerie-Mann-schaften zu Fuß. Die Adjustirung der Gendarmerie toax in den fünfziger Jahren der russischen ziemlich ähnlich, namentlich die hohe Pickelhaube; letztere würde aber als weithin sichtbar abgeschafft und dafür der Jägerhut eingeführt, welcher in den sechziger Jahren durch einen kleineren, leichteren Hut, so wie ihn un1'ere Abbildung zeigt, ersetzt wurde. 'Der Hut hat an der linken Seite eine Messinggranate und einen Busch aus Hahnenfedern ; das Lederzeug ist schwarz, und die Patronentasche trägt aus dem Deckel eine Messinggranate; 'der Wafsenrock (Bluse) ist stahlgrün ih&fi:iw Ung. Gendarm. mit krapprothen Aufschlägen, die Pantalons sind dunkelgrau mit rothem Passepoil. Die Bewaffnung der Gendarmen bestand bis vor Kurzem aus dem Fruthwirth'schen Repetirgewehre -mit Stichbajonett und einem kurzen -Säbel mit Messinggriff und Lederscheide, jetzt ist die Gendarmerie mit Manlichergewehren mit Dolchbajonett bewaffnet; der Säbel wurde unverändert beibehalten. Der Dienst der Gendarmerie ist ein sehr beschwerlicher, äuerst verantwortlichem, namentlich in Bezug auf den Gebrauch der Waffen. Die Dienstinstrultion ist eine sehr comvlicirte, da der Gendarm nicht nur von seinen militärischen VorgesetztenBefehle entgegenzunehmen hat, sondern auch von den Gerichtsbehörden, welche die 3endarmerie zur Ausforschung und Verhaftung von Verbrechern auf dem flachen Lande verwenden kann, sowie euer) von den politischen Behörden, welche die Gendarmerie zu allen in ihren Wirkungskreis fallenden Erh?'Sicherheitswachmann. (Serajewo.) Bungen und Dienstleistungen heranzieht. Es können daher in das Gen darmereiecorps nur verläßliche, inte!ligente Leute aufgenommen werden ; zumeist sind es ausgediente Unterofsiciere des Heeres. In Ungarn wurde nach Schaffung deS Dualismus die königlich ungarische Gendarmerie errichtet, von welcher ein Theil, der örtlichen Verhältnisse wegen, beritten ist. Die Adjustirunz der ungarischen Gendarmerie ist der cisleithanischen ziemlich ähnlich, nur die Abdeichen sind andere; statt der Granate hält am Hute das Stephans-
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Wappen aus Messing den Federbusch, und der Waffenr;. resp, die Bluse, zeigt an .den Aermeln und am Krage
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Herz. Streifcorps. rothe ungarische Verschnürung. Die Bewaffnung der ungarischen Gendar merie ist das kurze Repetirgewehr (System Kropatschek), mit Stichbajonet ; die reitende Gendarmerie trägt statt der kurzen Säbel in Leiderscheide einen leichten Cavalleriesäbel in Stahlscheide, der an die Kuppel kurz angehakt werden kann, um den Mann beim Dienste zu Fuß nicht zu hindern. Die militärische und dienstliche Organisation ist ähnlich wie bei der cisleithanischen Gendarmerie. Die Occupationsländer, welch: ebenfalls reitende Gendarmerie habn, erhielten 1878 ihr Gendarmeri:co?pS. Die Ausrüstung und Adjustirung ist ähnlich 'der cisleithanischen, nur trägt die Mannschaft im Dienste Feldkappen; die Mohammedaner unter ihnen jederzeit den Fes. Im Jahre 1882 wurden anläßlich des Aufstandes der griechisch-nicht-unirtenBevölkerung sogenannte Streifcorps errichtet, die sich aus Gendarmen sowie der Landessprache mächtigen Infanteristen und Panduren zusammensetzten; letztere waren zumeist KaBosn. Gendarmen. tholiken und Türken und leisteten werthvolle Kundschafterdienste; sie wurden mit Hinterladern älteren Systems ausgerüstet und trugen als Abzeichen eine schwarzgelbe Binde am linken Arm. Auch nach der Niederwerfung des Aufstandes leisteten die Streifcorps wichtige, erfolgreiche Dienste durch Zersprengung von zahlreichen Räuberbanden, die sich an der montenegrinisch - herzegowinischen Grenze herumtfieben. Um die Errichtung und zielbewußte Verwendung dieser Streifcorps hat sich der damalige Leiter des politischen Bezirks von Mostar, Oberstlieutenant von SauerWald, das größte Verdienst erworben; es gelang ihm, dem Räuberunwesen ein Ende zu machen. Die Streiscorps wurden vor Kurzem aufgelöst, Vorbehaltlich ihrer Wiederaufstellung im Bedarfsfalle. In den größeren Städten der öfterreichisch - ungarischen Monarchie wird der Sicherheitsdienst durch eigen: SiSicherheitswachmann. (Wien.) cherheitswachen, ' die in Cisl:ithanien mit Ausnahme von Wien, Przemysl, Lemberg und Krakau von oer Gemeinde aufgestellt werden, versehen. Ihre Dienstesorganisation ist im Allgemeinen ziemlich gleichartig; Wien allein hat reitende Sicherbeitswache. In Galizien wurde aus lokale 1 Rück, sichten das K. K. Sicherheitswachcorps in den drei oben genannten größeren Städten errichtet. In den fünfziger Jahren hatten alle Städte Oesterreichs solche Wachcorps mit militärischer Organisation; sie wurden im Jahre 1860 aufgelöst und dafür die städtische Sicherheitswache, so wie sie heute noch besteht, eingeführt. Alle Sicherheitswachcorps in Cisleithanien sind in den Proöinzstädtei. ziemlich ähnlich adjustirt und unterscheiden sich von der Wiener Sicherheitswache, die Pickelhauben trägt, nur durch den Federhut (der aber nur in Parade getragen wird) und durch die Farbe der Aufschläge, sowie durch die Bewaffnung. Eine Ausnahme hiervon macht die Sicherheitswache inPola, deren Mann schaften vor einigen Jahren ebenfalls Pickelhauben als Paradekopfbedeckung erhielten. Die städtischen Sicherheitswachen in Ungarn Constabler genannt sind ähnlich dem Budapester Wachcorps adjustirt. aber Schnitt und Farbe der Uniformen unterscheiden sich wesentlich von den cisleithanischen Wachleuten. Ei runder Filzhut mit breitem Leder-
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Die Ausstellung in Amaöa.
Erbaut im franz'ösischenRenaissanceStyle wird sich das Gebäude der freien Künste der Trans - Mississippi und Internationalen Ausstellung inOmaha hinsichtlich der harmonischen und proportionellen Verhältnisse jenen der --5NL I Das Gebäude übrigen Hauptgebäude auf dem Ausstellungsplatze würdig anschließen. Die vier Ecken des Gebäudes enthalten Pavillons mit cbaralteristischem Säulenund Figurenschmucke, durch welchen diese besonders hervorgehoben werden. Die Außenwände werden in Farben gehalten sein und dadurch einen bände und wehendem weißem Roßbusch. sowie die roth-weiße Armbinde sind die am meisten in die Augen springcntxn Unterschiede; die Wachleute zu Fuß haben als Bewaffnung ungarische Säbel in Stahlsch:ide, die reitenden Constabler haben Cavalleriesäbel. ihre Pferde rothe Schabracken mit schwarzer Schafwolldeäe. Zu den Sicherheitseinrichtungen gehört in Cisleitha nien auch die K. K. Justizwache bcim K. K. Landesgerichtsbezirke von Wien; dieselbe ist als Compagnie formirt, dunkelgrün, mit violetten Aufschlagen und Jnfanterietschako, der im Dienst mit Leder überzogen getragen wird. Ihre Bewaffnung besieht in dem ganz kurzen Eztracorps-Gewehre (System Werndl) mit Stichbajonett, und lurzcm Säbel in Lederscheide und Messinggriff: dieselbe Bewaffnung fuhrt Constabler. (Budapest.) auch das oben erwähnte Militärpolize! wachcorps Galiziens. Die Justizwache ist dienstlich dem K. K. Land-sgerichte unterstellt, besorgt die Escortiruna von Verbrechern undSträflingcn und führt Angeklagte in den Gerichtssaal; bei letzterer Dienstleistung erscheinen die Wachleute ohne Gewehr und Bajonett. . Bei den Landesgerichten Cisleithaniens in der Provinz gibt es ebenfalls Justizwachen (Gefangenenaufseher) ; selbe haben für den lokalen Dienst kein Gewehr, werden aber anläßlich der Escortirung von Sträflingen, die zu LffentlichenArbeiten (zum Beispiel Wildbachverbauungen in Verwendung kommen, mit Hinterladern und Bajonetten älteren Systems ausgerüstet. ZZilder aus'Fcking. Durch die neue Gebietserwerbung dtf Deutschen Reichs an der KiaotschuBucht unweit Peking in der chinesischen Provinz Schantung ist das Reich der Mitte" und seineResidenz- und Hauptstadt wieder in den Vordergrund unseres Interesses getreten. So dürften denn die nachfolgenden Schilderungen und die beigefügten Bilder aus Peking vielen Lesern willkommen sein. Peking ist die Residenz eines Kaisers, der den Namen Sobn des Himmels und Bruder der Sonne führt und unumschränkter Beherrscher des ältesten Reiches der Erde ist; eines Reiches, das schon vor Jahrtausenden, zu einer Zeit, da die Europaer überhaupt noch kein menschenwürdiges Dasein hatten, hohe Cultur besaß. Aber vergeblich sieht man sich in Peking, das übrigens nicht mehr als eine halbe Million EinB!&IsfosfeAizJ .,.u...,,it,..!.4...i.,e. 1 n n n lfefeWIW Tempel des Himmels. wohner zählt, nach Denkmälern hoher Kunst um, wie sie die Hauptstädte anderer alten Culturländer so zahlreich aufzuweisen haben. Peking gleicht eher der Hauptstadt eines Nomadenvolkes, das seine Zelte au; Holz und Ziegel erbaut hat. Die Stadt liegt am Nordostrand des Mongolenreiches, an kei nem Fluß, an keinem Meer, sondern in einer staubigen, keinen 'fruchtbaren Ueberschwemmungen ausgesetzten Ebene. Fünfzig Fuß hohe Mauern, verstärkt durch mächtige Bastionen, umschließen die Stadt, zu der nur verwahrloste, grundlose .Wege führen.
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hübschen Eindruck machen. Der Zweck, welchem das Gebäude dienen soll, wird angedeutet durch reichliche Anwendung von Statuen und ornamentale Dekoration, an dessen Außenseiten. Auch in Hinsicht auf die ornamentale Dekoration wird vom Farbenschmuck, wo
ktmm iK Ü der freien Künste. immer thunlich, Verwendung gemacht werden, wodurch der Allgemeineffekt des Gebäudes bedeutend erhöht werden durfte. Das Gebäude der freien Künste wird 246 Fuß lang und 130 Fuß tief werden. Die Haupteingänge am Gebäude werden sich auf der Ost-, Westund Nordseite desselben befinden. Innerhalb dieser ungeheuren Ringmauern werden noch weite Strecken von Gärten. Feldern und unbebauten, wüsten Ländereien eingenommen, und nur die mittleren Theile sind mit Häusern und ganz regelmäßig abgezirkelten Straßen bedeckt. Chinesische Droschke. Peking besteht aus zwei von genau rechteckigen Umfassungsmauern eingeschlossencn Städten; der geräumigen, weiten, aber stillen Tatarenstadt mit den niedrigen Wohnhäusern der Prinzen und Mandarinen, und der belebten, engen Chinesenstadt mit den zahlreichen Kausbuden inmitten der Straßen, zwischen denen sich Tausende langbezopfter Chinesen drängen. Das Pflaster der Straßen ist arg vernachlässigt, und nur in der für gewöhnliche Sterbliche verbotenen Stadt der Palaste", der Kaiserresidenz, in brauchöarem Zustand. Die Namen mancher Straßen sind recht drollig. So heißt eine Straße in der Nähe der Gesandtschaften die Straße der glücklichen Spatzen" von den zahlreichen frechen Sperlingen, die hier im Verein mit Hunden. Raben und Tauben die einzigen Straßenreiniger sind. Eine andere, von Europäern vielbesuchte Straße heißt Barbarenstraße".' und die belebteste aller Verkehrsadern heißt sonderbarer Weise die Straße der ewigen Ruhe". L a n d l e u t e. Viel interessanter als der äußere Rahmen ist das Leben und Treiben, besonders in der Chinesenstadt. Auf den Fahrwegen in der Mitte der Straßen lärm! und drängt sich das Vok; endlose Reihen kleiner Wägelchen, von Maulthieren gezogen oder von Kulis geschoben, fahren auf und nieder; alle Augenblicke stockt der Verkehr; unter viereckigen Sonnenschirmen betreiben ambulante Handwerker, Barbiere. Restaurateure u. s. w. ihr Geschäft; zwischen ihnen kauern zahlloseBettler; auf freien Plätzen werden allerhand Thierkämpfe veranstaltet; kurz, ein ungeme'n belebtes, farbenreiches und seltsames Bild, das stch hier entrollt. Der Trieb zum Leben, zum Erwerben steckt eben in den Chinesen, und dennoch sind tue Tataren die Herren der Stadt und des ganzen Landes. M u t h i g. Herr: Diese Artikel. die man jetzt so häufig in den Zeitungen liest, daß das Küssen ansteckend sein soll, sind wirklich aufregend. nicht wahr?" Dame: Ja. aber es giebt doch noch recht viele muthige Märmer! F rech. Baron (zu seinem Diener. der eineDummheit begangen hat): Du bist der größte Esel, Jean, der ezistirt!" Jean: Gestern hatte der gnädige Herr eine andere Meinung; ich hörte ganz deutlich, wie der gnädige Herr zur gnädigen Frau sagten: Ich bin der größte Esel gewesen, daß ich Dich geheirathet habe!" Liebe auf dem Lande. Hörscht. Alter, der Klachelholipperl Hot unserer Lisei beim Tanzen 'n Oarm varrenkt! Ahm! A Heahneraug' Hot er ihr a otreten! Ahm! Und an Zahn Hot sa si' ausbissen an an lebzelternen Herz, das er ihr 'kauft hat! Ahm! Moanst? Na, so geb'n ma's halt z'samm. dös soakrische Paarl. sonst is ja der Bader bold net zon derzahl'n!
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8ZonE.ließ. Tempi passati!" seufzte die schöne Baronin und schob das Album bei Seite. Graf Ferdinand erhob bittend die Hände: Sie sind grausam, Gabriele! Ich weiß gewiß, in diesem Album sind einige Portraits von Ihnen enthalten, die ich noch nicht kenne! Sie wissen. Theuerste, wie ich Sie anbete! Wollen Sie mich um das Glück betrügen, Ihre lezaubernde Gestalt so oft als möglich bewundern zu dürfen! Bitte, bitte!" Die Baronin hielt das begehrte Album mit ihren kleinen Grübchenhänden fest; aber das zärtliche Lächeln, mit dem sie ihren getreuesten Courmacher eben ansah, verrieth ganz deutlich, daß es ihr mit der Weigerung ebenso wenig ernst war, wie mit ihrem bisherigen Widerstande gegen das Liebeswerben des jungen Grafen. Gabriele!" bat Ferdinand wieder leise und küßte die weichen, süßduftenden Hände, die sich langsam von dem bis dahin sorgsam gehüteten Album lösten. Der siegreiche Cavalier öffnete den Verschluß und blätterte in dem nicht allzu starken Buche, das die Photographien der Baronin aus ihrer Mädchenzeit und den rasch entschwundenen Tagen ihres Ehestandes enthielt. Die Ausdrücke der Bewunderung verstärkten sich beim jedesmaligen Umwenden der Blätter, bis der Gras beim Anblicke eineZ kleinen Visitenkartenbildes geradezu in Ekstase gerieth. Die Photographie zeigte die Baronin in einem entzückenden Rccocokostüm. Schenken Sie mir dieses Bild, angebetete Gabriele!" bat der Graf, indem er eine Positur annahm, die mit einem Kniefalle eine verzweifelte Aehnlichkeit hatte. Der Erfolg war zuNächst ein ganz unerwarteter. Zum größten Erstaunen des Bittstellers verfinsterte sich das liebliche Gesicht der Baronin, als ihre Blicke auf das bewunderte Konterfei sielen. Sie entriß dem erschrockenen Courmacher das Album, klappte es heftig zu und schloß es in ihren Damensekretär. Ich beschwöre Sie, Gnädigste, was ist Ihnen?" bat der ganz konsternirte Liebhaber, hat meine Bitte Sie beleidigt? Sie wissen, wie ernst meine Bewerbungen um Ihre Hand sind, daß Sie mich zum Glücklichsten allerSterblichen machen können, wenn Sie ein einziges Wörtchen aussprechen!" Graf Ferdinand war am Schlüsse seiner Erklärung wirklich in die Kniee gesunken. Die Baronin schien ihre frühere Heiterkeit wiederzugewinnen. Sie reichte dem Knieenden die Hand: Machen Sie keine Thorheiten, Ferdinand! Wenn meine Zofe uns überrascht; Sie wissen, wie leicht der gute Ruf einer schutzlosen Dame befleckt werden kann!" Darum sollten Sie sich auf immer meinem Schutze anvertrauen!" Die Baronin lächelte den Cavalier ermuthigend an: Wollen Sie mein Ritter sein?! Eh bien! Ich nehme Sie beim Worte! Sie können sich mit einer einzigen kühnen That meinen Dank und die sichere Anwartschaft auf Erfüllung Ihrer kühnsten Wünsche erwerben!" Was muß ich thun, Gabriele?! Ich schwöre Ihnen " Schwören Sie nicht! Handeln Sie! Einstweilen setzen Sie sich dort artig hin und hören Sie mich geduldig an: Also das Rococobildchen hat eine kleine Geschichte. Ich trug das Kostüm auf einem Maskenbälle bei der Fürstin Doewenstein-Dentheim und machte Furore darin. Die ganze Männerwelt huldigte mir; auch er, der damals der Löwe der Saison war, der große Maler Merlin. Ein schöner interessanter Mann, dessen Eitelkeit freilich seine Kunst und seinen Ruhm bei Weitem überstieg. Er galt als unwiderstehlich; und ich leugne nicht, daß er auch auf mich damals Eindruck machte. An jenem Abend war ich die Königin des Festes; Merlin wich nicht von meiner Seite und schwur, mich mit seinem Pinsel verewigen zu wollen. Zu diesem Zwecke sollte ich zunächst heimlich hinter dem Rücken meines Gatten eine kleine Photographie anfertigen lassen. Ich that's. Das eine Bildchen kennen Sie; das andere Exemplar erhielt Merlin zugestellt, ich war so thöricht, auf der Rückfeite einige schwärmirische Widmungszeilen zu setzen. Wie mag der eitle Geck triumphirt haben, als er das Bild in sein Album steckte, in welchem er alle seine Eroberungen sorgfältig mit Namen und Datum versehen aufbewahrte und sie den indiskreten Blicken seiner Zechgenossen und seiner Freunbinnen" preisgab. Zu spät bereute ich meine Unvorsichtigkeit. Ich forderte das Bild schriftlich zurück, ohne eine Antwort zu erhalten. Kurz darauf starb mein Gatte. Die kleine Bildaffaire ist der einzige Vorwurf, den ich mir zu machen habe; um so schwerer lastet er auf mir. Schaffen Sie mir das Bild wieder. Ferdinand, und Sie gewinnen das Recht, mein alleiniger Beschützer für immer zu sein!" Mehrere Tage waren seit dieser Erklärung verstrichen. Graf Ferdinand war inzwischen zu der Einsicht gekommen. daß er in dieser höchst delikaten Affaire nur mit Hilfe einer kleinen Intrigue zu dem gewünschten Ziele gelangen konnte. Es galt daher zunächst das Terrain zu recognosciren und den Löwen in seiner Höhle" aufzusuchen. Der Graf begab sich daher in das Atelier des großen Portraitmalers, woselbst er zu seiner unangenehmenUeberraschung von dem Diener erfuhr, daß der Meister soeben verreist war. WohZn? vermochte der wohl geschulte Hüter des Ateliers nicht anzugeben; ebensowenig wann der Künstler zurückkehren würde. Der Graf sann einen Augenblick nach. Dann drückte n Ita
Thürhüter zu dem Sanktuarkum eine Doppelkrone in die Hand. Lieber Freund, ich bin in einer kleinen Verlegenheit. Ihr Herr und Meister hat vor einiger Zeit meine Braut gemalt. Die betreffende Photographie, deren er des Kostüms wegen benöthigte, befindet sich noch in dem Album des Herrn Merlin. Wenn Sie gestatten, nehme ich das Bild, an welchem meiner Braut sehr viel liegt, wieder zurück und benachrichtige Ihren Herrn davon!" Einen Augenblick zögerte der geriebene Jean, der sofort merkte, daß es mit dem von ihm begehrten Liebesdienst einen kleinen Haken hatte. Eine zweite Doppelkrone beschwichtigte seine letzten Bedenken. Er ließ den vornehmen Besucher in das Heiligthum eintreten und schleppte sämmtliche Albums und andere Behälter, die mit Damenphotographien gefüllt waren, heran. Der Graf begann seine Nachforschungen. Nach einer Stunde mühsamen Suchens mußte er zur Einsicht kommen, daß die gesuchte Photographie sich hier nicht befand. Können mir der Herr Graf nicht angeben wenigstens ungefähr , wann die betreffende Photographie meinem Herrn übergeben wurde?" fragte Jean respektvollst. Der Graf dachte einen Augenblick nach: Es können schon drei Jahre her sein!" Hier machte Jean eine entschuldigende Handbewegung: Ah Pardon, daß ich nicht früher daran dachte! Die älteren Jahrgänge sind kassirt. Jedes zweite Jahr räumt mein Herr mit den aufgesammelten Photographien auf." Und was geschieht damit?" , Hier wurde der Diener etwas verlegen. Hm hm diese Bilder werden dann an verschiedene Händler verramscht, die sie wieder weiter geben an kleine Buchhändler. Colporteure etc.'. die sie dann zur Ausstattung von Schaufenstern, Auslagen u. s. w. namentlich in der Provinz weiter vertreiben." Wie ärgerlich!" meinte der Graf kopfschüttelnd, erhob sich und verließ langsam den Schauplatz seiner erfolglosen Thätigkeit. Was that er nun? Gestand er der Baronin die Wahrheit?! Welch eine Caprice von ihr, denn um eine Weiberlaune handelte es sich schließlich doch nur. Womöglich konnte er jetzt in der Provinz umherreisen und bei allen Buchhändlern und Antiquaren Nachfrage halten! Unterdessen lief ihm ein anderer Freier den Rang ab! Das fehlte noch gerade! Graf Ferdinand war unter solchen Reflexionen bei der kleinen Villa 'der Baronin angelangt. Die Zofe geleitete den wohlbekannten Besucher in das Boudoir. Die gnädige Frau 'sind augenblicklich unabkömmlich; Toiletten - Angelegenheiten; wenn der Herr Graf einen Augenblick sich gedulden wollen!" Graf Ferdinand befand , sich allein. Er musterte die kokette Einrichtung:
sie kam ihm ohne die Gegenwart der angebeteten Dame langweilig vor. Plötzlich blieben die Augen des einsamen Kavaliers an dem Damensekretär haften. Paßte nicht der Schlüssel in dem Mittelfache, wo das Älbum mit dem ominösen Bilde lag? Vielleicht konnte er mit Hilfe dieser Originalphotographie den Sieg erringen! Das Uebrige fand sich nachher. Der Graf sprang auf, öffnete das Fach; riß das Album hervor, entnahm ihm das Rococobild und drückte sich in denFauteuil. Es war die höchste Zeit; die Portiere rauschte zurück, die Baroninstand im Salon und streckte dem Besucher beide Hände hin: Willkommen, lieber Freund! Sie bringen mir gute Votschaft? Spannen Sie mich nicht auf die Folter, geben Sie her!" Ehe Graf Ferdinand noch zur Besinnung gekommen, hatte die Baronin die Photographie an sich gerissen: Hab' ich Dich endlich wieder!" rief sie triumphirend, ohne das Bild einer Prüfung zu unterwerfen. Gott sei Dank! Du sollst kein Unheil weiter anrichten!" Ein leichtes Krachen ertönte; die beiden Hände zerrissen das steife Papier in drei Stücke und warfen die Fetzen in das Kaminfeuer. Graf Ferdinand lag zu den Füßen und dann in den Armen der schönen Geliebten. Drei Monate später befand sich das junge Paar auf der Hochzeitsreise den Rhein entlang. Es war im Mai. ein Honigmonat ohne Gleichen! Eines Abends war man in einem kleinen Städtchen angelangt, in dem gerade ein Kirmes stattfand. Gabriele, am Arme ihres Gatten, betheiligte sich mit ungebundener Jugendlust an allen den kleinstädtischen Vergnügungen, als wäre sie keine Dame des high life der Residenz, sondern ein rheinischesDorsmädel. Alle Pfefferkuchen- undKrambuden wurden geplündert; die Menagerie. das Caroussel, die Bude mit den wilden Männern wurden besucht und bewundert. Dann standen beide an einem kleinen Leinwandzelt, in welchem Planeten verkauft und den Burschen die Herzallerliebste und den Mädels ihr Schatz im Bilde gezeigt und verkauft wurden. Geh' 'rein, Ferdi," bat Gabriele, und schau, unter welchem Planeten Du geboren bist." Gehorsam betrat der Graf die Bude. Nach fünf Minuten kam er mit einem geschlossenen Couvert heraus. Gieb her!" lachte die junge Frau und riß das Couvert auf. In demselben Augenblicke 'stieß sie einen jähen Schrei aus und erbleichte. Was gibt's, Schah?" rief der Graf und blickte angsterfüllt auf Gabriele und dann auf das Konterfei: es war das Rococobild. dem Herrscher im Reiche der Farben und Frauen, dem großen Zauberer Merlin gewidmet!" Graf Ferdinand führte seine Frau in's Hotel zurück und beichtete. Die schone Gabr'.ele, die zuerst ein wenig aigrirt that, 'achte schließlich aus vollem Herzen
Sü ße Erinnerung.
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Was. macht denn der Herr Commercienratb draußen in der Garderobe?" Ach. wissen Sie. das ist so eine Reminiscenz aus früheren Zeiten: er schaut sich jetzt noch so gerne von Herrschaften abgelegte Kleider" an!" SchwierigeAufgabe. Oh, so nachdenklich, Herr Professor?! Arbeiten wohl an einem neuen Werk?" Ach, wenns nur das wäre! .... Aber ich soll für ein neues Mittel gegen Hühneraugen, das ein Freund von mir in den Handel bringen will, eine griechische Bezeichnung finden. '. weil das jetzt so üblich ist, und darüber zerbrech' ich mir schon seit 14 Tagen den Kopf!" Unnöthige Eile. Bei Nacht ist in einer kleinen Stadt ein Brand ausgebrochen, der erst entdeckt wird, nachdem er größere Dimensionen, angenommen. Feuerwehrmann Berschte geht gemüthlich nach dem Brandplätz. Als sein College in voller Eile an ihm vorüberrennt, ruft Berschte. im Hinblick auf den stark gerötheten Himmel: Was rennst Du denn so, dummer Kerl?! Das brennt noch lang!" . Beschwichtigung. e- ... Sagen Sie. Führer, glauben Sie wirklich, daß ich die Kletterspitze" besteigen kann? Jchbin nämlich sehr kurzsichtig!" O, das macht gar nichts! Bon der Kletterspitze sind schon mehrere Herren abgestürzt, die sehr gut gesehen haben!" Weiblich. Also, das flleid gefällt Ihnen nicht?! Da werden qnädige Frau wohl keine Bestellung mehr bei mir machen?" -Nein, aber ich werde Sie meinen Freundinnen empfehlen!" Erkannt. Tochter: Aber ich will noch nicht heirathen ich möchte lieber noch recht viel lernen!" Mutter: Das ist nicht nöthig die Männer mögen so gescheidte Frauen gar nicht!" Tochter: Ja, Du glaubst immer, es sind alle Männer wie der Papa!" Bestätigung: Förster: Meine Herren, ich muß Ihnen eine ganz neue Geschichte erzählen, die noch keiner von Ihnen je gehört hat." Apotheker: Ist sie wahr?" Forster: Buchstäblich wahr!" Apotheker : Dann erzählen Sie! Die haben .wir von Ihnen noch nicht gehört."
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