Indiana Tribüne, Volume 21, Number 195, Indianapolis, Marion County, 3 April 1898 — Page 10

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.... (cwllßt. aö?r er i)atte nicht den Muth, eine Aenderung zu schaffen. Er sah in Gedanken das Erstaunen in seinen Kreisen, wenn er ihnen die alte Mutter vorführen würde, die er so anders geschildert hatte. Auch seiner Braut gegenüber hatte er einen vornehmen Nimbus um sie gewoben, als sie ihn fragte nach derjenigen, die er in seiner Novelle Eine Mutter- verHerrlicht hatte. Wer konnte diese edle vornehme ZZrau auch wohl sonst sein als seine Mutter? Es war bitterkalt. Der Doctor lehnte sich tiefer in die Wagenecke zurück und schloß die Augen. Der Wagen hielt vor einem eleganten. hcllerleuchteten Hause am Kursürstendamm. Die Räume erstrahlten in festlichem Glanz und waren mit verschwenderischer und doch vornehmer Pracht ausgestattet. Der Doctor fühlte sich plötzlich wie ein Eindringling. Gleich einer Vision tauchte ein schmuckloses Wittwenstübchen vor seinem geistigen Auge auf. Dieser Brief, wie hatte er ihn nur so um alle Stimmung bringen können! Er war einer der letzten man hatte schon nach ihm ausgeschaut und wurde gleich umringt von Herren und Damen, alles Vertreter der Ge-burts-und Geldaristokratie; er war ja die neueste Berühmheit, war in der Mode! Liebenswürdige Schmeicheleien umschwirrten ihn, das Gefühl des Unbehagens wich allmälig von ihm. er fühlte sich gehoben, befriedigt, ein stolzes Glücksgefühl durchwogte ihn. Und da war auch sie, seine süße Mieze, schöner als je in der duftigen weißen Seide, mit den zarten Blüthen im lockigen dunkeln Haar. Brautltch schon, dachte er und tauschte einen strahlenden Blick des Einverständnisses mit ihr. Während des Tanzes zog er sie mit sich in eine lauschige Plauderecke. Sie lehnte das heiße dunkle Köpfchen glückselig an seine Brust, und er küßte leidenschaftlich den süßen, verlangenden Mund. Wie schön du wieder bist, Mieze!" flüsterte er; was hat die Liebe gemacht aus dir in diesen wenigen Stunden! Schweb' mir nicht davon! Weißt du, daß du überirdisch schön bist, Mieze? Und du willst wirklich mein werden, willst mich armen Sterblichen so namenlos seng machen, du? Er küßte sie wieder und wieder und trank in vollen Zügen das Bekenntniß ihrer Liebe von den frischen Lippen, die d:e seinen suchten rn seliger Wonne. Meine Mutter weiß unser Geheimniß, mein Walther; ich mußte ihr's gestehen, die Mutteraugen sahen zu scharf! Und sie ist glücklich über metne Wahl, Geliebter! Sonntag! Wal ther, Sonntag! Welche Seligkeit wird das sein, dann bist du mein vor aller Welt! Hast du deiner Mutter auch schon geschrieben von deiner kleinen Ärout. Sefak?" Nein, noch nicht Mieze, ich war zu beschäftigt, ich". . . Halt, halt du qui s excuse, s'accuse, du weißt'S doch? Gleich heute Abend noch mußt du's nachholen, damit sie zum Sonntag hier sem kann. Sie muß bei uns wohnen. Walther. du trittst sie mir ab. läfzt sie mir dies eine mal, nicht wahr? Ich will ihr auch noch heute ein paar Worte schreiben. Deine liebe Mutter! Uhe sieht sie nur aus? Hast du kein Vild von tyrr Ich. nein, Mieze sie lst nicht zum Photographiren zu bringen, sie"... Aber, Walther. wie hältst, du's nur aus ohne Bild von ihr! Du bist doch lhr Einziger, sollte sie dir nicht das Kleine Opfer bringen können? Wir wollen sie nachher zusammen blttep, nicht, Schatz? Und dann muß sie mich gleich mitnehmen in dein Heimathsstädtchen, Walther,damit wir uns ganz ungestört kennen lernen können, dei.i? Mutter und deine Mieze: Du. Schatz, wie klingt das zusammen: deine Mutter und deine Mieze!" Alle Farbe wich aus seinem Gesicht bei ihren zärtlich fragenden Worten. Da kroch es wieder langsam an ihn heran, das Gespenst der Furcht vor diesem Kennenlernen. War er denn ein Feigling? Warum war er nicht offen in dieser Stunde? Warum belog er sie noch in diesem geheiligten Augenblick sie, die da so zärtlich fragend zu ihm aufschaute? Wenn sie abnte, wie und wer seine Mutter war, ob sie dann wohl so ge sprachen hätte? Wohl nicht. Sie war zu sehr vornehme Dame, sie würde sich trotz aller Liebe zu lhm rncht hinweg setzen können über das Fehlen alles dessen.waö zu ihr gehörte wie ein Theil ihres eigenen Selbst. Und ihre Mutter erst! Blitzschnell durchzuckten ihn diese Gedanken, aber mit dem Liebesblick des Weibes hatte seine Braut doch den Zug der Verstimmung in seinen Zügen gelesen und schmiegte sich fester an ihn. ' Hab' ich dir wehe gethan. Walther? Was hast du. sag's doch!" Er wehrte ihr ab und versuchte unbefanaen auZzuseben.

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Nein' nein, Mieze, wie könntest du wohl! Eine unangenehme Erinnerung kam mir plötzlich in den Sinn, aber laß nur. Kleine, sie ist schon abgeschüttelt. Komm jetzt nur, man ver-

' mißt uns sonst!" Uns? Schmeichler du! Dich wird i-man suchen; was hätten sie wohl an mir unreoeutendem Dmg? Du traust mir einen schlechten Geschmack zu, Mieze. Würd' ich in unbedeutendes Ding - wohl zu meiner Frau wählen?" Sie lachte leise und glücklich und schloß sich mit ihm wieder den Tanzenden an. Als Doctor Elaußen zu vorgerückter Stunde heimkehrte, übergab der Diener ihm ein dringendesTelegramm. Es war ihm unmöglich gewesen, das wichtige Blatt seinem Herrn nachzubringen, denn dieser hatte ganz gegen seine Gewohnheit versäumt, ihm eine genaue Adresse für den Abend anzugeben. Hastig erbrach Walther die Depesche, eine schon lange erwartete Nachricht von seinem Verleger vermuthend. Aber sein Gesicht wurde aschfahl, seine Hände zitterten, und die kräftige Gestalt wankte beim Lesen der wenigen Worte. Er klingelte nach dem Diener. Wie konnte er nur so erschrecken! Der alte Pastor Paulsen pflegte von jeher ein wenig schwarz zu sehen. Schnell meinen Koffer mit dem Nöthigen packen, Friedrich, ich mich noch fort mit dem letzten Zug!" Er hatte seine besonnene Ruhe wiedergefunden. So also mußte es kommen! Das war ja fast wie eine Vergeltung! Deine Mutter .todtkrank. Komm so fort. Paulsen." Einen Augenblick schwankte er jetzt schon wieder. Sollte er wirklich reisen? Und Mieze? Wie würde es mit seiner Werbung? Aber m der nächsten Minute schon war sein Entschluß fest gefaßt. Er mußte dem Rufe folgen, er wollte sich spater keine Vorwürfe zu machen haben, wenn es wirklich so schlimm stand um seine Mutter. In aller Eile schrieb er semer Braut einige aufklarende Zellen. Wie hatte es in ihm gejubelt, sie nun bald öffentlich sein nennen zu dürfen! Und nun wieder dieser Ausschub! Die Verbindung mit der hochangesehenen Familie seiner Braut würde seine gesellschaftliche Stellung auch noch mehr gefestigt haben. Wie würde es nun kommen? Aber vielleicht hob ihn der Tod der alten Frau hinweg über alle Befürchtungen? Der Gedanke beruhigte ihn einen Augenblick.aber im nächsten schon erschrak er vor sich selber. Es war ein Schnellzug, und doch verging dem Doctor die Zeit schleichend langsam. Eine peinigende Unruhe hatte sich semer bemächtigt. Das Licht flackerte und machte ihm das Lesen unmöglich, er hatte auch nicht die nöthige Sammlung dazu gehabt. Er versuchte zu schlafen, aber die Gedanken ließen ihn Nicht zur Ruhe kommen; sie schweiften zurück in die Vergangenheit, als er sich nach zwei Jahren nun wieder auf dem Wege zur Heimath befand. Sn Vater war Eantor gewesen m einenk kleinen mecklenburgischen Landsiaolchen ; nach l .U7.i, c re:jayrlger uye war er plötzlich chxtt epidemischen Krankheit erlegen, die dem Städtchen viele Opfer gekostet hatte. Die geringe Wittwenpension schützte seine Mutter zuerst zwar vor materiellen Sorgen, aber allmälia wuchs der einzige Sohn heran, und die Bedürfnisse wurden im"f c 1 " k? .'! i mer großer; otc nerne Pension gcnuic nicht mehr, sie mußte sich Nebenverdienst schaffen und war unermüdlich thätig für em Handarbeitsgeschast m der nächsten größern Stadt. Wenn der Doctor jetzt zurückdachte, konnte er sich seine Mutter kaum anders denken, als emsig über eine Handarbeit geneigt. Pastor Paulsen hatte den begabten Jungen bis Tertia vorbereitet, dann ging er aufs Gymnasium nach der Residenz. Später kamen dann die Universitätsjahre und mit ihnen wieder gesteigerte Kosten. Er war zwar bescheiden gewesen, lächerlich bescheiden, dünkte ihm jetzt, aber es sollte doch auch alles, bezahlt werden. Und seine Mutter hatte eö immer möglich gemacht wie, darum hatte er sich nicht gekümmert, hatte sorglos hingenommen, was sie ihm pünktlich am ersten schickte. Seine Gefühle für sie hatten schon damals leicht gewogen gegenüber ihrer abgöttischen Liebe zu dem Einzigen. Das war ihm bald bewußt geworden und hatte ihn m frühern Jahren na menlos gequält ; später war er leichter darüber hinweggekommen. Ihre e benssphären waren ja so grundverschieden, sie die einfache Cantorswittwe, er der Mann des reichen Wissens, der gefeierte Schriftsteller, später, den ein glänzender Kreis mit Ehren und Anerkennungen überhäufte. . Das -Unnatürliche seines Empsin dens konnte und wollte er nicht hinweg leugnen. Er suchte sie zu entschädigen für den Mangel an Liebe durch monat liche Gelosendungen, die allerdings kaum im Verhältniß standen zu seinen reichen Einnahmen. Aber sie hatte ja keine Bedürfnisse! Und die alte Frau dankte ihm überschwenglich, rechnete ihm als un i vergieicyilcye iroßmuiy an, wassul . . .!?JL. T r 1. . oCY ti'.X. 1 war. Zuerst sonnte er sich in ihrer naiven Bewunderung, später wurden ihm diese Lobgesänge lästig. Er bat sie. sich nicht so oft mit dem Schreiben bogenlanger Briefe anzustrengen ; er wurde ihr doch nicht ausführlich antworten können bei seiner Arbeus t-n

Im nächsten Brief vetherrlichte sie seine zarte Fürsorge um die alte Mutter. Da war es tfm zu viel of-w. Er überlas ihre Briefe nur noch fluch tig und erachtete sie des u,ycoeuö nicht mehr werth. Es tagte allmälig. Gespenstisch glitten die endlos scheinenden Schneefelder, die verschneiten Dörfer und Waldstrecken an dem schnell dahinsausenden Zuge vorüber. Doctor Claußen sah zum Fenster hinaus, aber das derschwommene Halbdunkel über den weißen Flächen blendete ihn. Er schloß die Augen, eine bleierne Müdigkeit lähmte sein Denkvermögen. Kaum eine halbe Stunde hatte er leicht geschlummert, da wurde die

Coupethur aufgerissen. Station R. Fünf Minuten Aufenthalt, aussteigen, mein Herr!" rief der Schaffner in seinem breiten mecklenburger Dialekt. Der Doctor richtete sich schlaftrunken aus seiner Ecke auf und rief nach einem Gepäckträger. Es war aber niemand da zu so früher Stunde. Das verdroß ihn. Man spürte gleich die Kleinstadt. Es war noch immer sehr empfind lich kalt, dazu ein feines Schneegeriesel, das den weiten Weg von der Station zum Städtchen doppelt ungemüthlich machte. An einzelnen Stellen lag der Schnee fußhoch, der Doctor mußte sich förmlich hindurcharbeiten. Allmälig kamen die ersten Häuser. An jeder Straßenecke brannte eine trübe Laterne, deren Schein gelblich fahl schimmerte in der ungewissen Morgendämmerung. Die grünen Fensterläden waren fast überall noch geschlossen. Alles war wie einst, nur er war ein anderer geworden. Niemand begegnete ihm um diese Zeit außer einem vermummten kleinen Bäckerjungen, der ihm ein verschlafenes Guten Morgen, Herr" zurief. Er ging weiter, ohne den Gruß zu beachten, da kam der Junge ihm nachgelaufen und legte die Hand auf das Köfferchen. - . Soll ich das 'n bischen tragen. Herr?" Ja, hast du denn Zeit dazu. Junge?" Wenn's nicht zu weit ist, Herr." Zu der Frau Cantor Claußen. schrägüber der Kirche; wir sind in fünf Minuten da." Der Junge nahm das Gepäckstück und trottete voran, mit . seiner kleinen Laterne den Weg so gut, wie es ging, beleuchtend. Der Herr war wohl der Herr Doctor, der Sohn der Frau Cantern? War der aber fein geworden! Solchen schönen Pelz hatte der Herr Bürgermeister ja gar nicht mal! Endlich waren sie am Ziel. Der Doctor gab dem kleinen Kofferträger ein überreichliches Trinkgeld und stieg schnell die ausgetretenen glatten Steinstufen hinan. DieHausthür war nicht verschlossen; sie hatten ihn wohl schon erwartet. .In der Flur kam ihm die wchlbannt? alteKohlern entgegen, em Kastchen mit Asche zum Streuen unterm Arm. Sie prallte erschrocken zurück. O. Herr Doctor. Herr Doctor! Weiter kam sie nicht; ein thränenreiches Schluchzen erstickte ihre Stimme. Na, was ist denn. Kohlern, ist die Frau Cantor noch so krank?" Die Alte antwortete nicht, sie wem nur leise in die Schürze und zeigte auf die Schlafstubenthür. Na, so reden Sie doch, Köhlern!" Gehen Sie man da rein, Herr Docvor, da rechts. Das Licht brennt noch, der Herr Pastor ist noch da." Eme furchtbare Ahnung durchzuckte den Mann; er taumeltefast die paar Schritte zur Thur und dann stand er vor dem Lager seiner alten Mutter. Der greise Seelsorger erhob sich aus dem Armstuhl, der am Kopfende neben dem Bett stand. Sie ist vor einer Stunde hinubergegangen, Walther, ganz leicht und ruhig und schmerzlos ; sie grüßt dich und segnet dich. Ich habe hier auf dich gewartet und deine Stelle vertreten, nun will ich dich allein lassen mit ihr." Ein dumpfes Schmerzgefühl durchzuckte den Sohn; seine Lippen zitterten, aber er brachte kein Wort hervor. Der alte Freund strich ihm sanft über die Wangen und ging leise hinaus. Da lag sie, die alte Frau, so recht ein Bild seligen Friedens. Der Schein des kleinen Nachtlichtes auf dem Betttischchen flackerte über das blasse eingesun. kene Greisenantlitz, über die magern, gefalteten Finger, die ein Bild hielten sein Bild. . Mutter", stöhnte er auf. Mutter. Mutter!" und legte den Kopf auf die kalten Hände der Todten. Du alte Frau, du liebe alte Mutter, kannst du dem eigenen Fleisch und Blut verzeihen, das so gesündigt hat an, dir? So friedlich liegst du da. mein altes Mutting. und der Sohn, dein einziger Sohn hat keinen Theil an deinem Frieen!" Er küßte die starren Finger, er nahm das greise Haupt m seine lebens warmen Hände. O, diese marmorne, unerschütterliche Ruhe, dieses undurch dringliche Schweigen! Warum nur hatte er zu spat kommen müssen, wa rum? Ein süßer Veilchenaeruch machte sich ihm plötzlich bemerkbar. Er richtete sich aus und sah um sich. Da stand ja der Veilchentopf auf n Kommode, von dem sie geschrieben hatte m ihrem letzten Brief, und cane ben lag ein zerbrochenes Kinderspiel zeug und eine weiße Schülermütze mit einem vertrockneten Eichenzweiglein in der Goldraupe seine Primanermuve. Die er vor ebn ..raoren zur

Heimkehr nach ,dem Abiturientenexamen mit einem grünen RerZ geschmückt hatte. Er wandte sich ab und ging hinauf in sein Knabcnstübchen, in dem noch alles war wie einst. An Mieze schickte er ein Telegramm, an die Zeitungen eine Anzeige vom Tode seiner Mutter. Dann schrieb er einen langen Brief an seine Braut und beichtete ihr und schonte sich nicht. Ob sie NUN noch die seine weroen wolle, fragte er sie. da sie einen Blick getd.an hatte in die tiefsten Tiefen semer Seele. Das Bekenntniß hatte sein Herz leichter gemacht ; der furchtbare, quälende Druck war von ihm gewichen. Als Pastor Paulsen am Nachmittaa

wiederkam und neben ihm auf dem lederbezogenen alten Sofa im Wobn.stllbchen saß. da überkam ihn etwas L2 ? 1 t P . . wie eiinaiysgciuyl. ur vruclte oem alten Mann dankbar die Hand und hörte ihm ruhig zu. Von seiner Mutter sprach er zu ihm. wie so bitter sie seine Entfremdung gesuyil yave und sich doch undankbar und ungerecht genannt hatte, weil sie an dem Sohne zweifeln konnte. Ich bin ihm zu einfältig", hatte sie einmal zu dem alten Freunde . gesagt, er schämt sich wohl der alten Mutter.- die nichts weiß, und kann als ihrer Hände Arbeit." Der alte Pastor wischte sich die Augen bei der Erinnerung. Ich will nicht rechten mit dir. Walther; das sieht mir nicht zu. der da oben hat's schon gethan und so bitter gethan! Sie hat dir auch verziehen: weiß Gott, sie konnte nichts nachtragen. das Verzechen wurde ihr leicht wie allen denen, die reinen Herzens sind. Und damit du deine alte Mutter zeit ledens schauen sollst mit einem Heillgenschein um das liebe Haupt, sollst du ein Geheimniß wissen zwischen der stillen Frau da nebenan und mir und einem dritten, der hochherzig geschwiegen und nie gemahnt hat. Als du damals aufs Gymnasium kamst, da ging's noch, sie schaffte ja auch von früh bis spät mit ihren fleißigcn Handen. Dann kamst du frohgemuth heim als junger Abiturienj und fielst ihr um den Hals und flehlest, sie mochte dich studiren lassen. Und sie konnte nicht nein sagen, sie hätte es nimmer übers Herz gebracht. und wußte doch, daß sie die Mittel nickt würde erarbeiten können. Sie gab dir. und du nahmst, ohne zu fragen, woher es kam. An dem Tage, da du ihr das Versprechen abgerungen hattest, besuchte sie mich gegen Abend in meiner Studirstube. wie sie's häufig that, denn wir waren ja gutt Freunde, und einPlauderstündchen , mit der frommen alten Frau war mir Erbolung. An jenem Abend aber merkte ich gar bald, daß etwas ihr das Herz abdrückte, und ich fragte sie nach ihrem Kummer. Da kam sie auf, mich zu, nahm meine Rechte in ihre zitternden Hände und beichtete, mir, was sie gethan hatte, ohne mich um Rath zu fra. gen, wie sonst immer. Sie war am Nachmittag hinübergegangen zu vem reichen alten Lowenthal und hatte sich eine große Summe von ihm gclie hen, UM dir deinen Lebenswunsch nicht versagen zu müssen. Der alte Mann hatte keinen Augenblick gezögert, als er ihr in die bittenden Augen ae schaut hat. Hier, nehmen Sie, Frau Canter", hat er freundlich gesagt, nehmen Sie. ich stehe ja allem in der Welt, und Gott hat mir des Mammons viel gegeben. Sie haben nur den einen, und er ist ein aufgeweckter Jung, der es zu etwas bringen wird in der Welt. Wir sollen beide mal stolz sem auf ihn; Sie. weil er Ihr Fleisch und Blut ist. md der alte Löwenthal, weil er eir Bischen mit geholfen hat. Und mi: dem Abzahlen hat's keine Eil, das wird er schon selber mal besorgen." Nun kam sie zu mir, ihrem alten Be. rather, denn sie machte sich Vorwürfe über ihre Voreiligkeit. Da bin iu, noch einmal mit ihr hinübergegangen zu dem alten Juden, der ein erbarmendes Chriflenherz in der Brust trug und eines Edelmannes Gesinnung hatte. Wir mußten ihr beide versprechen. dir gegenüber zu schweigen, und Haben's gethan, denn sie wollte uns ihr Wort nicht zurückgeben, auch spater nicht, als es dir ein leichtes gewesen wäre, ihr die Sorge zu nehmen. Als du dann von demen Einnahmen schicktest, da hat sie alles immer getreulich hinübergebracht zu ihrem großmüthigen Glaubiger und tyre Schuld abgetragen bis auf ein geringes. In ihrer letzten Stunde nocy vruaie sie die kleine Summe; da hab ich versprechen müssen, daß du deiner Mutter Ehre fleckenlos erhalten würdest und quitt werden mit dem alien Manne da drüben. Das hat sie beruhigt. Sie hat noch einmal dein Bild an die erkaltenden Lippen drückt und ist mit einem Segenswort für dich herübergegangen Der alte Geistliche schwieg tiefer, schüttert und beugte sich liebevoll nieder zu dem Sohn, der den Kopf auf den Tisch geleat hatte und bitterlich weinte, zum ersten mal weinte seit seinen Knabenjahren. . ; Der Doctor nahm Abschied von seiner Mutter. 5lhre zierliche kleine Gestatt verschwand fast unter den kostba ren Blumen und Kränzen, die von nah und fern für die Mutter des Dichters gesandt worden waren in verschwenoe riscker Vrackt und Fülle. - Im Leben nur von wenigen gekannt, demüthig und bescheiden und einsam zuletzt ihren Pfad wandelnd, im 2ooe plötzlich berühmt, mit einem unsichtbaren Lorberkranzi um die erkalteten Scbläfen eine Dicdtermutter.

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fühlte das Ätttere diese5 ÄergleichS und lächelte schmerzlich. Alte Mutter du. bist du zufrieden mit der Sühne? Dein Tod ist ein i'etztes gutes Werk gewesen, du hast lxn Sohn sich selber wiederfinden lassen durch deine namenlose Güte, die dich weit über ihn erhebt liebe alte Mutter!" Er war in trübes Sinnen versunken und hatte nicht bemerkt, wie die Thür leise geöffnet wurde und eine schlanke, schwarzgekleidete Gestalt mit einem ernsten, süßen Antlitz neben ihn getreten war. Ein leises, schmerzliches Schluchzen weckte ihn aus seiner Versunkenheit, er sah auf und glaubte zu träumen. Im nächsten Augenblick sank er mit einem Aufschrei hin zu den Füßen des jungen Weibes und umklammerte ihre

wankenden Kniee. Verzeihung. Marie!" stöhnte er. Da beugte sie sich zu ihm und zog ihm empor zu sich und hielt ihn fest umschlungen. Sie hat verziehen. Walther deine Mutter!" Und dann neigte sie sich auf das stille, blasse Frauenantlitz und drückte die jugendfrischen Lippen auf. die durchfurchte Stirn. So sahen sie sich zum ersten mal. seine Mutter und seine Mieze. . Die geheime Frau eines Souveräns Die Wittwe eines deutschen Souveräns und als soche anerkannt zu sein, ist ein berechtigter Anspruch der Freifrau Magdalene von Hochstädten., Der Großohcim des Großherzogs von .Hessen, Grotzherzog Ludwig III. war osficiell" von 1861 77 Wittwer und doch war er in feinen letzten neun Lebensiahren gesetzlich vermahlt. Es gehört eine Entsagung und Bescheidenheit dazu, der Öffentlichkeit neun Jahre lang vorzuenthalten, daß man die Gemahlin eines Großherzoqs,' eine Frau und Baronin ist. und nicht ein schlichtes Fräulein Appel! Am 20. Juni -1868 heirathete heimlich der zwemndsechzigiahrigeGroßherzog Lud wig III., der erstehelich ein Schwager des bayerischen Regenten Luitpold geWesen war, die Freifrau von Hochstädten, das war das elf Tage vorher hieru gemachte Fraulem Appel, damals :ine angehende Zwanzigerin. Heute lebt die Baronin in Wiesbaden, ihre Verehelichunq wurde erst bei dem Tode des Großherzogs ,publicirt und ihre Aufnahme in die großherz oglich hessicye Genealogie erfolgte erst in den acktziger Jahren. - Er hat rech t. Zecher (aus dem Weinkeller taumelnd): Es ist nicht wahr, was die Aerzte sagen. daß ein Glas Wein und ein Ei einen Menschen vierundzwanzig Stunden lang aufrecht erhalten können; ich habe sechzehn Eier gegessen und einige drelßia Gläser Wein getrunken und habe nun alle mögliche Mühe, mich nur einen Augenblick aufrecht zu erhalten." 3 n. ä u c i e 1 1 e n-E baiü.. t e r i st i k. Laura (bet einer Soiree): Ver verr von muß noch ledia sein !" Emilie: Woraus schließen Sie das?" Laura: Weil er nur Frauen den Hof macht!" Ursache und Wirkung. Mann: Unser Zimmerherr, der Student Spund, singt ja heute so lustig rrn: Ver kann auch singen. derGeldriefträger hat Ihm heute einiae Noten gebracht!" Spruch. N a ch und nach im Leben lernen Wir das Leben selber kennen. Und wie wir aus falschen Wegen Oft nach unserem Glucke rennen; Bis im Alter wir erfahren. Was der Jugend Räthsel waren. Jedermann sagt so. EaöearetS Candk Catbartie. hit wundervollste medizinische Entdeckung deS Zeitalters, angenehm und erfriend lm GelSmacr. wirkt santt und sicher auf Nieren, Leber und Eingeweioc, oas ganze ystem reinigend, entfernt Erkältung, kurirt Kodfdek. ftu. ber, anhaltende Verstopfung und Un. Verdaulichkeit. Kaufen und versuchen Sie eine Schachtel von . &. &. beute; 10, 25, und 50 Cents. Verkauft und veuung garanttrt don allen Apotbere. Conrad Baner, Noch auf dem alten Platz, No. 250 Nord Capitol Avenue. Daö beste Ochmalz n. geräucherteFleisch im Markt. Telephon 2008. ÜT?r v uur uuvtni rcS)) berger CanariemFän s ger, Weibchen zur Zucht, V FTmVma0. singend SvottvLgtl. Davageitn und andere Erten ögel. somi äsig, quaria, Fischalobr. ldftsch, Spotwogelfutter, ischfutter, vogelsaamia und oüH wa zum Vsgklgkschast edört, in bester eahl und , dtiiigstrn Pretl. empftthlt C. F. Klepper, 433 Wassachufet mu. wische Vermont und ich,a Etraj,. ::Wirthschaft:: von Will. Gechter, (früher t der Mau' Vrauerei) 630 Ost Washington Straße Nur die besten Union'Waaren.' Feiner Lunch'de ganzen lkg. UuterstSSt die H U.MSSS, bttrietre-INxtk c:jtfCC 9. 1C3, 143 usb 142 Ctectata Cc

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