Indiana Tribüne, Volume 21, Number 188, Indianapolis, Marion County, 27 March 1898 — Page 6

Worpßium.

Von G. Gerhard. Der Landrath ,von Schmieden lauschte einen Moment an der Schlaf.Jimmerthür seiner Frau; dann als er keinen Laut vernahm, klopfte er und titf halblaut: Liebe Anna, mochtest Du nicht Toilette machen, falls Du Dich wohl genug fühlst, der Wagen ti m einer halben Stunde bestellt. Sofort!" klang's ihm entgegen. Während er sich entfernte, erhob sich tie junge Frau von der Chaiselongue ; -ein Ausdruck grenzenloser Erschöpfung lag auf dem anziehenden Gesicht, in ttn verschleierten Augen. Nach kaum ein halben Stunde trat sie in den Salon, wo der Landrath, eine Cigarre -rauchend, ihrer harrte. Ein Ausruf -freudigen Erstaunens entschlüpfte ihm. Seine Frau hatte noch bei Tisch so leidend ausgesehen, und jetzt bot sie mit dem sanften Roth auf den Wangen, dem strahlenden Glanz der tiefen Augen ein Bild blühendsten Lebens. Gottlob, Irma, daß Dir besser geZvorden!" sagte er warm. Man wird mich heute wieder mit Elogen über die Blendende Erscheinung meiner Frau Gemahlin unterhalten." Armer Erich!" lächelte sie, welch' langweiliges Thema!" Die Zofe stand mit dem Abendman'hl bereit. Einen Augenblick, Lena, ich .tritt noch Herbert adieu sagen." Gleich darauf beugte sich die stolze Gestalt über ein Kinderbettchen. Magere Aermchen legten sich schmeichelnd uim ihren Hals, mit einem Gemisch von Zärtlichkeit und Mitleid drückte sie ihre Kippen auf das blasse Mündchen, das elende Gesichtchen des zweijährigen Änaben. Schlaf wohl, Herbert. Mama bringt Dir auch etwas Schönes mit." Auf dem Ball beim Oberpräsidenten Toax Irma von Schmieden eine der gefeiertsten Damen des großen Kreises. Ihre Unterhaltung sprühte von Geist -und Witz, ihre Füße berührten beim 7!anz kaum den Boden. Der Landrath lehnte in oer Thür und seine Augen folgten seiner Frau. Es lag etwas Äachantisch - Aufgeregtes in ihrer Art -sich zu bewegen, zu sprechen, das ihm peinlich war. Wie sehr hatte sie sich doch -in den sechs Jahren ihrer Ehe verän'fort! An dem Mädchen hatte ihn ge--rade das schöne Gleichmaß des Wesens entzückt, aber bald nach dem schweren Äyphus, den Irma im ersten Winter nach ihrer Hochzeit durchgemacht, war lllmälig dieser häufige Wechsel von tiefster Niedergeschlagenheit zu ausge?assener Fröhlichkeit, von herbster Kälte zu leidenschaftlicher Zärtlichkeit, von jäh aufflammender und dann wieder nachlassender Sorge um sein Wohl -eingetreten. Er hatte den alten Hausrz't darauf aufmerksam gemacht, dieser aber lachend geantwortet: Launen, nichts als Launen, bester Landrath; die hat jede Frau." Er aber konnte sich mit dieser Auffassung nicht befreunden, sondern hielt Irma für nervös überreizt, doch sie Ivies jede Frage nach ihrem Befinden, ast schroff zurück. Der Landrath eufzte; er wurde von so vielen benei?et, aber wohnte das Gluck m semem .Hause? Am Tage nach dem Balle badete Jrma ihren Knaben; plötzlich entfärbte ;ftch ihr Gesicht auf seinem magerenKörperchen zeigte sich ein beulenartiger 'Ausschlag! An demselben Leiden waren -.ihre ersten Kinder, ein Zwillingspär.hen zu Grunde gegangen! Mit zitternVn Händen bettete sie den stöhnenden kleinen und schickte zu einem jungen Arzt, da der greise Medicinalrath seine Wraxis aufgegeben. Dr. Hasse untersuchte Herbert genau, ließ sich den Verlauf des Siechrthums Hans und Gretchens schildern und stand dann sinnend da. Ich darf Sie wohl kaum fragen", wandte er sich ein Irma, ob Sie und Ihr Herr Geniahl gesund sind, gnädige Frau. Sie bieten Beide das Bild vollster Frische." Und sind auch gesund", bekräftigte Irma. Der Arzt gab einige Verordnungen und ging. Aber er kam häufig wieder, beobachtete das Kind und sandte zuZveilen einen scharf prüfenden Blick auf 'die Landräthin, der ihr unbequem war. Er schien noch zu keiner Klarheit in der Diagnose gekommen zu sein. Eines Morgens erschien er., ungeniöhnlich früh. Irma befand sich noch 3m Negligö; sie sah bleich und abgespannt aus. Während sie dem Arzt die Medicinfflasche von der Etagre reichte, fiel der Äermel ihrer Jacke weit zurück, und enthüllte den schönen Arm. Ohne daß fit es'gewahrte, sah Dr. Hasse auf den.selben hin; dann nickte er, all fände er ine Vermuthung bestätigt. Ehe er sich verabschiedete, bat er mit einem Blick auf Lena: Ich bitte um einige Worte unter vier Augen, gnädige Frau." Sie ließ ihn in den Salon treten und rief dann angstvoll: Es sieht schlecht mit Herbert, er ist in Gejcihr? Sie wollen mich wohl darauf .vorbereiten?" Das Kind wird sein gegenwärtiges Leiden wohl überstehen, aber eine Gefahr droht Ihnen, meine gnädige Jrau!" Mir?" Sie trat erbleichend -zurück. Sie irren!" Er führte sie gelassen zu einem Sessel und sagte mit großer Bestimmtheit: (Sie sind auf dem besten Wege, sich zu Grunde zu richten! Nein, bitte, fahren 3ie nicht auf! Ich errieth ihr trauriges Geheimniß! Sie huldigen einer Leidenfchaft, der leider viele zum Opfer falta, Sie sind Morphinistin, gnädige Jrau!" Wie, können Sie das behaupten!" lef sie. nun dunkel erglühend, und totx heißt Sie. mir Ihre mußigen Be rnerwngen mitzutheilen?" Die Menschlichkeit und meine Pflicht, gnädige Frau. Es wäre Sünte, jemand seinem Verderben zueilen jju sehen, ohne den Versuch zur Ret-

tung zu machen. Auch hätte ich dieAnklage nicht erhoben, wäre ich nicht genau informirt. Heute gaben mir die Stiche an Ihrem Arm, die ich entdeckte, den letzten Beweis. Gnädige Frau, ich warne Sie; dieses Gift, das fo verführerisch lockt, das anfangs so berauschend wirkt, den Elenden, den Kranken seine Schwäche, seine Leiden vergessen läßt, es vernichtet allmälig Körper und Geist!" Irma schauderte zusammen, sie fand keinen Widerspruch mehr. Ich war so elend nach einem schweren Typhus, der Arzt verordnete mir Morphium für die schlaflosen Nächte, so " So gewöhnten Sie es sich an. Eine gleiche Ursache, wie bei den Meisten. Aber noch ist es nicht zu spät zur Umkehr. Entsagen Sie dem Gift! Ich will Ihnen helfen im Kampf wider Ihre Begierde!" Er sprach warm, eindringlich. Ich hab's versucht." flüsterte sie, aber es ging nicht" Und schließlich." fügte sie hinzu, kann ich mit mir wohl thun, was ich mag!" Da wurde seine Miene strenge. Und Sie bedenken nichi. daß Ihr Zustand allmälig Ihrem Herrn Gemahl auffallen, ihn unglücklich machen wird? Und ferner es wird mir schwer, es Jhnen zu sagen, Ihr Blut ist bereits vergiftet; Ihre Kinder bringen dieses Erbtheil mit auf die Welt. Der arme Kleine leidet, die Zwillinge krankten, starben an den Folgen des Morphiums!" Nein, nein, nein!" schrie sie auf. Ich bin keine Mörderin! O, meine Kinder!" Bewußtlos fiel sie zurück. Fast ergriff's den Arzt wie Reue, doch nein, ein scharfer Schnitt allein kann in manchen Fällen heilen. Schon kam die Unglückliche wieder zu sich, sie wimmerte leise. Sie wußten nicht, was Sie thaten", suchte er sie zu trösten. Aber nun versuchen Sie des Dämons Herr zu werden. Wollen Sie?" Sie nickte mit thränenfeuchten Augen. Wie ein Hauch kam's von ihren Lippen: Verschweigen Sie es meinem Mann, und retten, o retten Sie mein Kind!" Der Vorwurf hatte eine einschneidende Wirkung auf Irma geübt; mit dem Rest ihrer Energie kämpfte sie gegen ihre böse Neigung. Der Arzt unterstlltzte sie treulich, mehr noch that es unbewußt der kleine Knabe, dessen Gesundheitszustand sich zu bessern begann. Oft - freilich glaubte sie die Schwäche nicht ertragen zu können, oft zuckte ihr die Hand nach der kleinen Spritze, aber immer noch überwand

sie sich. Der Sommer brach an: Irma ging mit dem Knaben und Lena auf das Land. Sie hätte es vorgezogen, wie alljährlich, ein Modebad zu besuchen, aber der Landrath hatte soeben sein Vermögen durch den Sturz emesBankHauses verloren und sem Gehalt gestattete keine außergewöhnliche Ausgaben. Es war traumhaft still in dieser ländlichen Abgeschiedenheit. Irma lag fast den ganzen, Tag in der Hängematte unter den schattigen Bäumen des Parkes und dachte über ihre Lage nach. Sie liebte das Wohlleben, Glanz und Geselligkeit, und nun würde' sie manchem entsagen, sich immer einschränken müssen! Ihre ungezügelte Phantasie malte ihr bereits eine dürftige, ode Zukunft. O, und wie einsam war, sie hier! Ihre Bekannten waren zum größten Theile verreist, ihr Gatte hatte selten Zeit, sie zu besuchen. Von Ferne drang das Jauchzen des Kindes an ihr Ohr; ein triumphirendes Lächeln schwebte um ihren Mund. Dr. Hasse hatte sich doch geirrt, Herbert war gesund. Und ihr eigenes Blut war sicher auch nicht vergiftet. Wie hatte sie sich durch dieses Wort nur erschrecken, einschüchtern lassen können. Lächerlich! Die Hitze stieg; Irma fühlte sich so matt, so erschöpft! Warum diesem unleidlichenZustand nicht entfliehen? Das Mittel war zur Hand, Dr. Haffe nicht zu erwarten, und einmal konnte doch nicht schaden. Ach! wie leicht ihr zu Muth wurde, wie froh sie war! Sie jagte sich mit dem Kleinen durch den Park und schlief danach wundervoll. Von dem Tage an widerstand sie nicht mehr der Versuchung, und da die kleinenDosen nicht mehr wirkten, nahm sie immer größere,' die ihre Nerven aufs äußerste erregten. Ost fuhr sie mit klopfenden Pulsen und lautem Schrei vom Lager empor, oft sah sie, selbst in der Mittagssonne, seltsame Gestalten,Gesichter an ihrenAugen vorüberziehen. Zuweilen schwankte sie blaß wie ein Geist durch das Haus, zuweilen war sie von fieberischer Röthe überhaucht. Ihre Befehle waren manchmal so widersprechend, daß Lena sie besorgt ansah; das Kind begann sich vor der Mutier zu fürchten; bald überhäufte sie es mit stürmischen Liebkosungen, bald stieß sie es rauh von sich. Als die ersten Herbststürme wehten, erkrankte Herbert abermals, Depeschiren gnädige Frau nach dem Arzt!" rieth Lena. Nein. nein, es ist nur ein vorübergehendes Unwohlsein", wehrte Irma hastig, morgen ist er wieder munter." Doch in der Nacht steigerte sich das Fieber; unruhig warf sich der Kleine in seinem Bettchen umher. Irma saß neben ihm, den starren Blick auf sein zuckendes Gesichtchen geheftet, zuweilen unverständliche Worte murmelnd. Gnädige Frau!" bat das treue Mädchen wiederholt, lassen Sie mich den Arzt rufen. Herbert stirbt!" Und immer ein gleich angstvolles: Nein, nein!" Da Lena das direkte Verbot ihrer Herrin nicht zu ubertreten wagte, telegraphirte . sie an den Landrath. ' Schon nachweine Stunde langte er mit dem Arzte an. Irma erschrak als die beiden Herren eintraten. Dr. Hasse untersuchte daö Kind.

warf aber der Mutter einen so prüfen den. vorwurfsvollen Blick zu, daß sie bebte. Der Kleine bedarf sorgsamster Pflege, ich schicke sofort eine Diaconissin; Sie, gnädige Frau sind zu . erregt." ' Er ging mit dekn Landrath in das nächste Zimmer, sie sah ihm mit irrem Ausdruck nach. Er hat's errathen, nun wird er es Erich erzählen!" flüsterte sie: Graut Dir vor Deiner Frau?" Mama", rief der Kleine stöhnend. Du. mein Liebling, hast mich lieb und sie wollen mich Dir nehmen! Aber ich lasse es nicht! Du gehörst zu mir und ich hab' Dich lieb, ach, so lieb!" Sie hob den Fiebernden aus dem Bettchen und trug ihn, in die seidene Decke gehüllt, umher. Höre nur auf zu weinen, mein Kind! Jede Deiner Thränen fällt anklagend auf mein Herz. Wir werden beide erst Ruhe haben im ewigen Schlummer. Schlaf, Kindchen, schlaf!" Plötzlich hörte sie Schritte der Thür nahen, die Stimme des Arztes. Sie wollen'Dich mir rauben!" rief sie gellend Fort, fort!" Sie riß die Verandathür auf und flog wie gehetzt die Nußbaumallee hinunter. Ihr Mann, Dr. Hasse, Lena stürmten ihr nach. Irma, Irma!" hallte es verzweifelnd hinter ihr her. Da lag der See, von weißen Nebelschleiern umwallt. Ihren verstörten Sinnen erschienen sie wie winkende Gestalten. Wir kommen, wir kommen!" rief sie fast jauchzend. Hoch auf spritzten die Wasser über ihr und dem Kinde. Kleidsame Aarven. t Die Zeiten, wo manBlondinen rieth, niemals Gelb zu tragen, den Vrünetten das Blau verbot und ähnliche Dinge mehr, sind längst vorüber. Die moderne Färbekunst mit ihrer unabsehbaren Anzahl von Farbentönen hat alle derartigen Theorieen auf den Kopf gestellt. Es giebt von alleu Farben Töne, die sich für Brünetten eignen und solche, die den Blondinen zu Gesicht stehen. Außerdem ist auch für Alles, was an Haar- und Augenfarbe zwischen dem Schwarz und dem Aschblond, zwischen nachttraurigen und wasserhellen Augen liegt, eine fast unbeschränkte Auswahl vorhanden. Es kann vorkommen, daß ein und dasselbe Blau oder Roth eine Blondine und eine Brünette gleich gut kleidet; eine Brünette sieht in Trauerkleidern sehr schlecht aus, die andere wieder zieht sich zum. Tanzkränzchen ganz schwarz an, ohne auch nur ein Pünktchen Farbe und sieht ganz königlich darin aus. Ihre Züge sind nämlich so groß und fest gezeichnet, daß sie durch den schroffen Gegensatz zum Schwarz gleichzeitig geschlossener und verfeinert erscheinen; dazu hebt das glänzende Jett, die schimmernde Seide den .bräunlich italienischen Ton in ihrer Hautfarbe heraus; ihr Wuchs erscheint, vornehmer in der knappen " Linienführung des Schwarz kurz, man findet sie niemals schöner, als in diesem Anzüge. Die andere Brünette aber ist von bleicher Gesichtsfarbe, mit der Neigung, ins Graue überzugehen; ihr Wuchs ist überschlank, da wirkt denn das schwarze Kleid hart und unvortheilhaft. Wahrscheinlich würde man unter den vielen Tönen von Dunkelblau einen herausfinden ' können, der die Neigung zum Grau in der Gesichtsfärbe verwischt sie Heller erscheinen läßt. In der Schnittform eines solchen Kleides wären dann alle Härten zu meiden, denn auch Dunkelblau giebt knappe Linienführung. Das Blau muß vor dem Spiegel sorgfältig gewählt werden, denn manches Blau giebt der Haut einen bläulichen Ton, der in diesem Fall sehr unvortheilhaft wirken würde. Wo die Gesichtsfarbe zu lebhaft gefunden wird, wäre aber gerade ein derartiges Blau am Platze. Von Grün sagt man häufig, daß es bleich macht, doch kann es vorkommen, daß das Roth in der Hautfarbe dadurch gehoben wird. In diesem Fall spricht das Gesetz der Ergänzungsfarben mit; die Ergänzungsfarben . (grün-roth, blau-gelb, violett-orange) geben in ihrer Mischung weiß. Daher kann ein blühend gesundes Gesicht in grünem Kleide zart aussehen. Es ist aber auch das Gegentheil möglich, denn der Kaufmann, der ein verschlossenes Grün für frisch verkaufen will, legt Roth daneben, damit es das Grün hebt und umgekehrt. Das Gesetz von den Ergänzungsfarben ' gilt nämlich nur von den prismatischreinen Lichtfarben des Regenbogens bedingungslos. Wo es sich um Farbenpigmente, d. h. um an Stoff gebundene Farben handelt, ist es immer eine Frage des Zufalls, der Entscheidung von Fall zu Fall. Das geübte Auge des Kenners entscheidet schneller, als das ungeübte der Käuferin. Will diese sich vortheilhast kleiden, so muß sie ihr Auge schulen. Es kann ihr auf keine andere Art gehalfen werden. Die großen Kaufhäuser tragen diesem Umstand ja auch Rechnung, indem sie Spiegel und Abendbeleuchtung stets in Bereitschaft halten. Der Stoff wird vor dem Spiegel über die Schulter und dicht an das Gesicht gelegt; man hat Zeit genug zu überlegen und zu prüfen. Nur sehr wenige Damen machen von dieser vortheilhaften Einrichtung.theils wohl aus übelangebrachter Besorgniß, für eitel gehalten zu werden, theils auch wegen der hergebrachten Gewöhnheit, jede Mode um der Mode willen mitzumachen. Die Modedamen aber werden denSpiegel je länger je weniger entbehren können, denn auch in den Modefarben ist die Auswahl 0 groß, daß man nothwendig die einzelnen Töne vor der Entscheidung prüfen muß. Alle Spiegel haben die Eigen

schaft. Haut- und Stoffarbe ein wenig zu verändern; da es aber bei beiden die gleiche Veränderung ist, macht dieser Uebelstand wenig aus. Besser ist es natürlich eine sehr 'zuverlässige Freundin oder eine Schwester, Mutter u. s. w. als Rathgeberin mitzunehmen. Ein treffliches Mittel, den Farbensinn zu schulen, bietet die Kunst des Stickens; man darf freilich nicht angefangene Arbeiten in Geschäften kaufen, sondern muß die Farbenstellung:n selbst erfinden und jede Gelegenheit benützen, um Anregungen dazu aus Museumsstudien. Kunstschulen u. s. w. zu entlehnen. Nützlich ist es. Flickenteppiche zusammenzustellen, die Natur zu beobachten und die Kleidung der Gefährtinnen zu studiren. Hübsch wäre es, das Studium ' Farbenstellungen zu Kränzchenaufg. ben zu gehalten; Flecht- und Knöpfarbeiten Mit bunten Wollfäden könnten da vorgenommen werden; Legespiele mit Würfelchen aus Stoffen u. dergl. m. Auch Glanzpapier, SeidenPapier u. s. w. wäre zu brauchen. Vom Malen wäre wenigstens im Anfang abzurathen. weil die Farbenwirkunz

gewebter Stoffe sehr verschieden davon ist. Man könnte auch den Mitgliedern aufgeben, von schönen Farben, stellungen. die sie sahen, zu. berichten ; kurz, es ließe sich viel Unterhaltungsstoff für derartige Farbenkränzchen finden. . Am häufigsten werden in der Far-i benwahl die Unterschiede zwischen ialten und warmen, zwischen harten und weichen, zwischen gebrochenen und reinen Farben übersehen werden. Man glaubt genug zu thun, wenn man beim Ausputz der Kleider auf Schattirung hält. Sehr oft begegnet man unleidlich harten Contrasten, die namentlich dann unerträglich wirken, wenn die Gesichtszüge sehr klar und scharf gezeichnet sind. Kalte Töne stehen haufig den Frauen mit verschwommenen Zügen gut; warmherzige Frauen mit beweglichem Temperament werden immer unbewußt zu den wärmeren Tönen greifen. Unter Berufung auf Aussprüche von Künstlern wird bisweilen versichert, man sollte entweder die genaue Farbe des Haares oder diejenige der Augen tragen. Es hält aber meistens schwer, den genauen Ton zu sinden, denn Augen und Haar werden vom Licht anders beeinflußt, als gewebte Stoffe. Es hat auch schon manches blauäugige Mädchen seine Augenfärbe durch ein blaues Kleid todtgemacht; Braun ist so ziemlich die schwierigste Farbe für Brünetten. Auch für Blondinen ist es nicht leicht, das richtige Braun zu finden; oft aber kleidet es sie gut. Alles, in Allem aber: es giebt keine einzige festeRegel über kleidsame Farben und wer sie tragen will, muß sich der Mühe unterziehen, sich genau mit ihren Eigenthümlichkeiten bekannt zu machen. Morgenlied. Von Richard Zoozmann. Schlaflose Nacht Schon bröcktlt sacht Das letzte Stück Vom dämmernden Dunkel. Und fernher leuchtet meinem Blick Blasblaues Gefunkel: Die Sonne kommt! Auf denn! Was frommt Das Liegen, mit Quälen Die Stunden zu zählen? Auf das Fenster! Leid und Jammer, Ihr Nachtgespenster, Flieht aus der Kammer! Was dann ist's, das dich traurig macht? Horch! Wie die ersten Lerchen schlagen. Quält dich ein Schmerz? Harre, mein Herz Dunkelster Himmel wird wieder blau. Hoff und vertrau'! Willst du zagen, Wenn Zweifel nagen? Auch nach der längsten Nacht Muß es ja tagen! ffrüh krümmt sich ! Der kleine Jsaakche soll allein per Bahn nach Jnowrazlaw fahren. Da er aber des Schreibens noch nicht kundig. gibt ihm der Täte ein mit Adresse und Briefmarke versehenes leeres Couvert mit, welches er bei seiner Ankunft sofort in den nächsten Briefkasten stecken soll, um auf diese Weise seine glückliche Ankunft zu melden. Jsaakche reist das Couvert kommt richtig an aber ohne Marke. Der Täte muß zwanzig Pfennig Strafporto bezahlen und wartet erregt der Wiederkehr seines Sprößlings. Nu wie haißt, main Sohn fo empfängt er ihn wo is geblieben de scheene, rothe deutsche Reichspostmarke il 10 Pfg. daß jach hob' bezahlen müssen zwanzig Pfennig zur Straf?" Haißt ä geseires Täte," erwidert Jsaakche, indem er dem Alten die sauber abgelöste Briefmarke hinhält, hättste darauf geschrieben Annahme verweigert" und hä'tt'st nicht genommen das' Couvertche hätt'st auch gewußt, daß jach bin angekümmen und hätt' mer gespart zehn Pfennig." . Selbstbewußt. Sagen Sie aufrichtig, Herr Meier wer war gestern die strahlendste Schönheit des Balles?" Bitte, gnädiges Fräulein, erlassen Sie mir gütigst die Antwort!" ;), ich verstehe Sie Schmeichler." . . Der Pantoffelheld. Vater: Warum brummt denn Mama so?" Söhnchen: Die kann denHausschlüssel nicht finden!" Vater .(er.leichtert): Gott sei Dank, das ist wenigstens ein Gegenstand, den ich nicht verleat haben kernn I"

Strcitliräfte zllr See. Die natürliche Lage der Vereinigten Staaten und Spaniens bringt es mit sich, daß ein kriegerischer Conflict beider Mächte nur auf der hohen See seine Entscheidung finden kann,' und deshalb erscheint es wohl zeitgemäß, die Kriegsflotten beider Länder Revue Passiren zu lassen. Vorausgeschickt seien einige erläuternde Bemerkungen über die verschiedenen Schiffstypen, aus denen sich die Streitkräfte zur See zusammensetzen. In erster Reihe sind selbstverständlich die Schlachtschiffe zu nennen, schwimmende-Ungeheuer auö Stahl und Eisen, mit Geschützen des schwersten Kalibers armirt, deren Bestimmung durch ihrenNamen angedeutet ist. Nehmen wir beispielsweise ein Schlachtschiff von demTypus der In diana", Massachusetts" bezw. Oregon." Die Besatzung eines solchen Kolosses besteht aus 500 Mann und seine Maschinen vermögen ihm eine Geschwindigkeit von über 15 Knoten pro Stunde zu geben; seine Kohlen'capacität beträgt unter normalen Gefechtsbedingungen 400 Tonnen, doch kann dieselbe nöthigenfalls auf 1600

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I n d i a n a. Tonnen erhöht werden. Die Armirung eines Schlachtschiffes von diesem Typus besteht aus 44 Geschützen, deren Kaliber zwischen dem riesigen Dreizehnzöller mit einem Projectil von 1150 Pfund und der SechsmillimeterGatlingkanone, deren Geschosse nur 0.0186 Pfund wiegen, variirt. Für dieses Arsenal führt das Schiff genügende Munition mit, um selbst nach einem längeren Kampfe noch wohl versehen zu sein. Die schweren Geschütze und die Bemannung, die Fortbewe-gungs-und hauptsächlichsten HilfsMaschinen sind durch Panzerplatten, von 18 bis 4 Zoll Dicke geschützt. Die Structur des Schiffes muß absolut seetüchtig und stark genug sein, um die gewaltige Last tragen zu können, ohne daß ein Theil mehr in Anspruch genommen wird. Die Dimensionen eines Kolosses dieser Art sind 350 Fuß Länge, 69 Fuß Breite und 43 Fuß Tiefe; die Wasserverdrängung beträgt 10.200 Tonnen. Zum Küstenschutz dienen eisen- oder stahlgepanzerte Schlachtschiffe von dem Monitortyp wie die Miantonomoh," Monterey" Vorderdeck der Jndiana. und Terror." Gepanzerte Kreuzer haben einen doppelten Zweck: sie sollen dem Feinde die Stirne bieten, und zugleich schnell genug sein, um seine Handelsschiffe kapern zu können. Sie haben längs der Wasserlinie einen Panzer zum Schutze der Maschinen. Zu dieser Klasse gehören die Brooklyn" und New York." Andere Handelszerstörer von dem Typ der Columbia" haben ein inneres Stahldeck von 2 bis 4 Zoll Dicke zum Schutze der Maschinen. In Kanonenbooten und ungepanzerten Kreuzern fehlt dieses Stahldeck und sie sind mehr für die Action auf Flußmündungen u. s. w. bestimmt. Zu einer besonderen Klasse unserer Kriegsmarine gehört das Rammschiff Katahdin" und der kleine Kreuzer Vesuvius", der pneumatische Dynamitkanonen führt. Die Bestimmung der Torpedoboote ist durch ihren Namen angedeutet und bedarf keiner näheren Erläuterung. Minneapolis. Ueber die relative Stärke der Kriegsflotte unseres Landes und Spaniens sind diametral entgegengesetzte Mittheilungen veröffentlicht worden. Auf der einen Seite hieß es, daß die Vereinigten Staaten Spanien auf der See weit überlegen sind, wäh.rend andererseits gesagt wurde, daß Spanien uns in einem Seekampfe einfach erdrücken könnte. Thatsache ist. daß Spanien doppelt so viel Schiffe hat wie wir. aber nur auf dem Papier. Soweit die wirklichen Gefechtsschiffe d: h. gepanzerte Fahrzeuge in Betracht kommen, sind beide Mächte ungefähr gleich stark. Die Vereiniaten Staaten haben mehr unbeschützle Kreuzer, dagegen Spanien in 'Torpedo Kanonenbooten starker ist. Aber wir sind im Vortheil, was die gewöhnlichen Torpedoboote anbelangt, da wir alle Fahrzeuge dieser Art zur Verwendung bringen können und die lpanijchtn Boote den Atlantischm

Ocean nicht leicht zu kreuzen km I CL . C i t , n i

oianoc nno. spannn oeuVl nur em einziges Schlachtschiff erster Klasse, Pelayo," das es mit unserer Indiana" aufzunehmen vermag; wir haben von diesem Typ drek Fahrzeuge. Schlachtschiffe zweiter Klasse besitzt Spanien neun, nämlich Jnfanta Maria Teresia", Almirante Oquendo," Vizcaya." Carlos V.". Primessa de Katahdin. Asturias," Cardenal Cisneros." Cataluna." Numancia" und Vitoria". Die beiden letzteren sind aus Eisen gebaut, mit Vorderladern armirt und veraltet. Alle anderen sind moderne Fahrzeuge, führen elfzöllige (23 Centimeter) Geschütze und gleichen hinsichtlich ihrer Panzerung und Armi rung unserer Texas"; soweit ihre Geschwindigkeit in Betracht kommt, kommen sie unseren gepanzerten Kreuzern gleich. Seit dem Verlust der Maine" haben wir nur ein Schiff dieser Klasse. Um den Kampf mit Spaniens activen Gefechtsschiffen der zweiten Klasse aufnehmen zu können, stehen uss 4 Monitors, zwei gepanzerte Kreuzer, New York" und Brooklyn" sowie die Texas" zur Verfügung und ist die Armirung dieser Schiffe der zweiten Klasse ungefähr gleich; Fahrzeuge wie die New Aork" und Brooklyn" besitzt Spanien nicht. Auf die Effectivität seiner 8 Panzerschiffe muß sich die letztgenannte Macht in einem Kriege verlassen. Der Mehrzahl nach sind sie, welche Spaniens neue Marine" reprasentiren. in l P elayo. Zeder Beziehung modern. Am ältesten ist die Jnfanta Maria Teresia," die im Jahre 1890 vom Stapel gelassen tourU, alle anderen sind jünger und der Mehrzahl nach erst seit dem Jahre 1895 vollendet; ihre Geschwindigkeit beträgt rechnungsmäßig 20 Knoten. Von ungepanzerten Schiffen wie unsere Baltimore" (ca. 4500 Tonnen) besitzt Spanien nur zwei, nämlich Alfonso XIII." und Lepanto". Auch diese Schiffe, die erst ca. 4 Jahre im Dienst sind, haben eine Geschwindigkeit von 20 Knoten und sie führen achtzöllige gezogene Geschütze. Drei Fahrzeuge von demselben Typ sind zur Zeit im Bau begriffen, doch werden noch mehrere Monate verfließen, ehe sie in activen Dienst gestellt werden können. Die Zahl der ungepanzerten Kreuzer zweiter Klasse von ca. 3500 Tonnen beläuft sich in der spanischen Marine auf drei, Alfonso XII.". Rein Christina" und Rema Mercedes"; diese sind durchaus modern. Außerdem weist das spanische Marineregister noch drei andere Schiffe derselben Klasse, Castilla," Aragon" Barbette der Pelayo. und Navarra", auf, allein diese sind aus Holz gebaut und können für einen Kampf mit Fahrzeugen, die mit modernen Geschützen armirt sind, gar nicht in Betracht gezogen werden. Spanien besitzt ferner ein Dutzend kleine Kriegsschiffe von dem Typ der Kanonenboote und von annähernd der gleichen Größe wie unsere Castine"; ihrDeplacement beträgt ca. 1100 Tonnen. Zu dieser Klasse gehören Marquis de la Ensenada," Jsla de Cuba." Jsla de Luzon". Velasco." Jnfanta Jsabel." Jsabel II.", Conde de Venadito," Don Juan de Austria", Don Antonio de Ulloa.." Dona Maria Molina." Marquas de la Victoria" und Alvaro Bazan." Einige von diesen kleinen Schiffen haben während des Aufstandes in kubanischen Gewässern Dienst gethan und vornehmlich besteht ihre Aufgabe darin, auf Flibustier Jagd zu machen. . Die geringen Erfolge, welche sie erzielten, läßt wohl einen Schluß auf ihre Effectivität in einem wirklichen Seekriege zu; dieselbe ist gleich null. Diesen 17 ungepanzerten Schiffen können wir beinahe ebensoviele gegenüberstellen, aber die unsrigen sind sämmtlich sehr gut. Dazu gehören San Francisco," Cincinnati," Raleigh," Montgomery," Detroit." Machias" und Marblehead", die sofort verwendbar sind; außer diesen können aber nöthigenfalls Schiffe von der Pacificküste herbeigezogen werden, wie Bennington," Concord", Yorkii T..s. OTV? " löiuii, ..yuntsivii, wtit"1 "'s frv-"v r ss (vtafl 1W( "f i '

Philadelphia" und andere, cne unsere hölzernen Schiffe zu err:7.:n, V.i für Wat- und end:ren l:i!:n

Schlachtschiff Oregon und dke Monitors Monterey" und Monadnock", die an unsererWestküste stationirt sind. Verhältnißmäßig stark ist Spanien in Hochsee - Torpedobooten. Es sind dies Boote von 500 bis 700 Deplacement mit einer Geschwindigkeit von ca. 20 Knoten und mit Schnellseuer-Ge-schützen von kleinem Kaliber armirt. Dazu gehören nach den neuesten Berichten Filipinas," Temedario",

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'K WIM Almirante Oquendo. Nueva Espana," Martin Alonso," Vincente Yanez Galicia." Marouis de Molino", Destructor" und Audaz." Die Sorte dieser Klasse sind ungefähr unsererTorpedoflotille gleich, doch befinden sich unter der letzteren einige Fahrzeuge von größerer Geschwindigkeit. In den Listcn der spaNischen Kriegsmarine werden ferner noch 30 bis 40 andere Fahrzeuge geführt, allein diese werden in Vrassey's Naval Annual" einzeln gar nicht genannt und von dieser Autorität als kleine Dampfer" von 80 bis 350 Tonnen Deplacement bezeichnet. In wenigen Tagen werden wir ca. weitere 10 gewöhnliche Torpedoboate zur Verfügung haben, doch ist kein einziges Hochsee - Boot darunter. So viel über die Zahl und die Stärke der verschiedenen Schiffstypen beider Kriegsflotten. Nun darf aber nicht vergessen werden, daß die Esfektivität der modernen Kriegsschiffe tiefer liegt, als Geschütze, Panzer Munition und Bemannung; sie liegt in den Kohlenbunkern d. h. in dem ZQuantum Kohle, das leicht zur Verfügung ist. Die Beweglichkeit der unter Dampf gehenden Schiffe wird dadurch bedingt und das stärkste Schlachtschiff ist ohne Kohlen hilflos. Keine Kriegsflotte darf sich daher zu weü von ihrer Kohlenstation wagen und wenn sonst alle anderen Bedingungen gleich sind, wird in einem Seekriege der Vortheil stets auf der Seite derjenigen Macht liegen, welche sich in der Defensive befindet. Das elektrische Bad. Sowie auf allen Gebieten der Wissenschaft und des Lebens hat sich die Electrizität auch in der Medizin emen hervorragenden Platz errungen. Außer Im Jade. der verschiedensten Anwendung des elektrischen Stromes zu Heilzwecken, giebt man in letzter Zeit elektrische Wannenbäder, bei welchen die Elektrizität dem Kranken im Wasserbade zugeleitet wird. Dabei kommt der positive Pol einer Batterie mit dem Körper des Kranken direkt in Berührung, während der negative Pol an die Wanne angeschlössen ist. Oder es wird auch, indem nur beide Pole in das Wasser tauchen, der elektrische Strom dem Körper deö Kranken durch das Wasser zugeführt. Die Erfolge sollen bei den verschiedensten Leiden überraschende gewesen sein. - Aha! Sind-Sie verheiratet?" Ach ja " Ein sonderbares Muttermal. De. schwarze Fleck an Ihrem Halse ist wohl ein sogenanntes Muttermal?" Jawohl, ich hab's aber von meinem Vater geerbt." N i ch t g e s ch e n k t. Freundin: Schon wieder schickst Du Deinem Bräutigam im Briefe tausend Küsse mit, bist Du aber verschwenderisch." Braut: O nein, die muß er mir spater alle mündlich wiedergeben." AusderRedeeinesVertheidigers Endlich bitte ich zu bedenken, meine Herren Geschworenen, daß mein Client das dreizehnte Kind seiner Eltern ist er ist also schon als Unglücksmensch geborrn." Das Werthvollere. Maler: Kaum hatte ich das s-' Stillleben vollendet, da war auch ( .chon der Gerichtsvollzieher bei mir. . ..Freund: ... und hat das Bild gepfändet?" ?aUr: Das Oild nicht .... aber d: CZ&Un und die Wurst, die ich c:th2ttil'

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