Indiana Tribüne, Volume 21, Number 181, Indianapolis, Marion County, 20 March 1898 — Page 3
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Ach5 Mionell. i Ein fröhlicher Sioman von Wilhelm Hcgclcr. (7. Fortsetzung.) X. Die Zeichen und Wunder mehrten sich. Nelly wurde es ganz unheimlich bei all' den Liebenswürdigkeiten. Eines Tages kam sie von einem kurzen Wege nach Hause und sah Jean vor dem Hoteleingang stehen. Mit der milden Gelassenheit eines Mannes, der lle Ueberraschungen des Lebens hinter sich hat, schaute der brave Oberkellner euf die menschenbelebte Etrahe. Nelly fühlte eine gewisse Scheu, so unter den Augen des Würdenträgers die Treppe hinaufzusteigen, denn für gewöhnlich unterzog er sie einer strenceit Musterung, die zu sagen schien: Sie mit Ihrem Hut gehören auch nicht hierher! Heute machte er einen tiefen Bückling, fragte, ob das gnädige Fräulein einen Spaziergang oder eine Commission gemacht habe, wie es ihr hier g:fiele und nach vielen Dinaen mehr. Schleierhaft!..." dachte Nelly. Absolut schleierhaft!Dann trat sie in ihr Zimmer. Als sie den Hut abgelegt hitte. blickte sie zufällig aus dem Fenster. Unten :m Garten stand ein Herr. der. sobald sie auftauchte, sich einen Krimstecher vor die Augen setzte. Es war Herr Schmitz. Was mochte der denn da oben haben? . . . Sie drehte ihren Kopf in die Höhe. Nichts als blauer Himmel! Und als sie sich umwandte, hielt er das Glas noch immer starr auf sie gerichtet. Sehr komisch! Der Mensch stiert mich an. als wenn ich eine Aussicht mit drei Sternen wäre." Ihr fielen noch andere Seltsamkciten ein. Renö Basch durchbohrte sie bei 'den Sitzungen förmlich mit seinen steinkohlenschwarzen Augen, dann stöhnte er oft fürchterlich, als wenn er schlechte Verdauung hätte. Und der Lieutenant hatte beim Plumpsen! geht ihm", als sie alle die Hände auf den Rücken hielten, ihre Hand ergriffen und sie leise gedrückt. Das war schon ziemlich unverschämt. Man sollte sich wirklich darüber wundern, dachte sie. Aber vielleicht ist es nur meine Einbildung. Und da sie keine Lösung des Räthsels fand, ging ihr rascher Geist zu andern Dingen über. Sie schrieb einen langen Brief an ihren Vormund, dem sie auseinandersetzte, daß sie Gouver nante werden wolle. Gründe hatte sie dafür wie Heu. Als sie das Schreiben nochmals durchlas, wurde ihr Himmelangst, wie viel Entsagung und heiligen Eifer sie sich für die kommend Zeit zugedacht. Sie wechselte ihre Schuhe. Als sie den linken anzog, fühlte sie etwas Ärauses dann. Sie holte es hervor: ein Billet, worauf stand: Mein Herz liegt zu Ihren Füßen!! Erwarte Sie hete Punkt zwei vor der Taverne Zum Krokodil". Nelly war starr. Wessen Herz laz ihr zu Füßen? Die Taverne Zum Ärokodil" war ganz in der Nähe. Die Herren gingen öfters hin. Aber wer hatte das geschrieben? Sie sann hin und her. Ihr Herz pochte zum Zerspringen. Schließlich zerriß sie das Billet und warf die Schnitzel aus dem Fenster. Dann trug sie den Brief hinunter. Da sie sich wegen des Herzens, das ihr da draußen vielleicht, zu Füßen liegen würde, nicht auf die Straße wagte, sagte sie dem Liftjungen, er solle den Brief in den Kasten tragen. Aber die ser grinste sie höhnisch an. drückte auf den Knopf seines Lifts und fuhr ihr an der Nase vorbei in die Höhe. Dann rief sie Charles, den unterirdischen Piccolo. Aber Charles war vollständig taub und stolzirte. ohne sich umzudrehen, mit seiner Serviette unter'm Arm in den unendlich großen Speisesaal. Diese Jungen wenigstens waren noch immer so unverschämt wie früher. Das tröstete Nelly einigermaßen. Nach dem Abendessen ging sie bald zu B?tt. Aber sie blieb noch lange wach, ohne ein Auge zu schließen. Und !n der Dunkelheit stellte sich derselbe Gedanke bei ihr ein. der ihr während der ganzen letzten Tage im Sinn gelegen hatte: wie war es möglich nach Genf zu kommen? Welches Mittel gab es, da Tante Jda zu einer solchen Reise niemals ihre Einwilligung geben würde, dorthin zu gelangen? Es war für Nelly absolut nothwendig (wenigstens glaubte sie es) möglichst bald nach Genf zu reisen. Denn erstens wollte sie sich dort um einen Gouvernantenposten bewerben, zweitens aber, und dieser Grund gab den Ausschlag, mußte sie Peter wieder se hen. Ihr war zu Muth wie einem armen Fischlein, das im weiten See schwim mend, sich in eine Angel fcstgebissen hat. Nun mag, es. wollen oder nicht, wenn der Fischer an der Schnur zieht, hilft ihm kein Sträuben, er muß an's Ufer . . . Und der Fischer in Genf am andern Ende des Sees, an dessen Angel Nelly's Herz sich gefangen hatte, mußte wohl tüchtig an dem Haken zie hen. denn das arme Madchen hatte vor Sehnsucht keine Ruh'. Aber wie. aber wie kam sie dorthin? Ihr erster Gedanke war natürlich, sich früh Morgens aus dem Hotel zu stehlen und in ihren doppelsohligen Stiefeln, die für einen solchen Marsch wie geschaffen waren, solange am See entlang zu laufen, bis sie nach Genf gelangte. Aber sie fürchtete sich davor, in einem fremden Hotel zu übernachten, und wenn sie dieseAngst auch überwunden hätte, denn die Liebe überwandet ja alles, fo besaß sie doch keinen Centime zu? Zehrr.ng. Und der Wkg war lang!
Da mußte sie schon mehrere Tage lau fen. Ihr zweiter Gedanke war, plötzlich eine schwere Krankheit zu bekommen. Diese Krankheit mußte so schwer sein, daß kein Montreurer Arz sie kurir:n konnte. Sondern man schickte sie nach Genf in's Hospital. Dort lag sie bleich und elend, und Peter saß an ihr:m Bett, pflegte sie und bat sie mit rührenden Worten, doch ja recht bald wieder gesund zu werden, damit sie dann gleich Hochzeit feiern konnten . . . Für solch' eine Krankheit wäre Nervenfieber oder eine tüchtige Lungenentzündung wohl das beste gewesen. Aber so leicht es ist. daß man sie bekommt, wenn man sie nicht haben will, so schwer ist es doch, sie hervorznrufen, wenn man sie gerade braucht. Deshalb verfiel sie auf etwas Anderes und zwar auf einen höllischen Plan, an dessen Ausführung sie nur mit Furcht und Zittern dachte. Aber hatte nicht auch Julie für Romeo ihr Leben gewagt, als sie den Kräutergeist trank und sich lebendig begraben ließ? Es muß geschehen," sagte Nelly sich. Heut' Nacht noch!" Und wenn ich morgen früh nicht mit der Tante im Zuge nach Genf sitze, dann will ich als alte Jungfe? sterben, und nie in meinem Leben soll ein Mann mich küssen." Wahrhaftig, als Jean am nächsten Frühmorgen noch ganz verschlaf?n durch den Speisesaal ging, trat No. 96 mit einem in graue Tücher gehüllten, wackelnden gebeugten Wesen ein, das sich als ihre Tante entpuppte. Bestürzt kam der Direktor angelaufen und fragte nach dem Begehr der Damen. Hihe. weihe sie. Uli Hanschi!" Das war alles, was Fräulein Felsche hervorbrachte, und zwar in einem Ton, und mit einem Ausdruck im Gesicht, das einen wirklich auf- 'merkwürdige Vermuthungen bringen konnte. Ein Gemisch von kindisch Blödem und von Greisenhaftem lag in ihren Zügen, so daß man nicht wußte, ob sie überNacht um fünfzig Jahre jünger oder um zwanzig älter geworden war. Die Kiefer waren eingesunken, und dort schien sich der geistige Verfall am deutlichsten auszuprägen. Beruhige Dich, Tante, ich werde schon für Alles forgen," fagteNelly liebevoll. Dann wandte sie sich an den Direktor: Wir wünschen zu frühstücken. Vielleicht haben Sie ganz welches Brot, auch möchten wir ein E', ebenfalls ganz weich. Und sehr eilig, wenn ich bitten darf, da wir fort wollen." Fort?" fragte Jean mit fchmerzlichem Erstaunen Nur für einige Tage nach Genf. Bitte, besorgen Sie uns schnell das Frühstück.". Sehr wohl." murmelte der Direktor. Daß er sich auf seine alten Tage noch so wundern würde, hätte er ' nie gedacht. Ein Kellner brachte das Gewünschte. Nelly band dem gebrochenenWesen ein; Serviette vor, schnitt von dem Brod die Rinde ab. und schließlich, da die Ruine, die einst ihre Tante war. noch immer kopfwackelnd dasaß und verstör: die Augen rollte, fütterte sie sie wie ein Wickelkind. ' Direktor. Kellner und sämmtliche Piccolos betrachteten aus einer Ecke des halbdunkeln Saales dies räthsel hafte Paar mit unverhülltemEntsetzen. Kaum hatten die Beiden etwas ver zehrt, als Nelly eilig aufstand und sich wieder an Jean wandte. Der Hausknecht bringt das Gepäck auf die Bahn, nicht wahr? Ist der Omnibus angespannt? Wir müssen nämlich sori." Sehr wohl." stotterte Jean. Und mit scheuer Neugier fragte er: Die Dame ist wohl sehr krank?" .Sehr." Wünschen Sie vielleicht, daß eine sichere Person mitreise? Ein Wärter, der auch eine Zwangsjacke Was? Was meinen Sie?" Ja. die Dame ist doch..." Dabei fuhr Jean sich diskret über die Stirn, während er gleichzeitig hinzufügte: Ich wußte das übrigens schon längst." . . Nelly aber brach in ein beinahe fri voles Lachen aus und sagte: O. es ist durchaus nicht das." Dann lief sie zu ihrer Tante zurück, packte sie wieder in graue Tücher und führte das zwei Centner schwere Wrack zum draußen wartenden Omnibus. Auf der Treppe machte die alte Dame noch einmal den Mund auf. mit einem unbeschreibliches Ausdruck, und murmelte krauses Zeug.' Der Direktor schaute dem davcnrolsenden Wagen nach. Pauvre imbe eile," sagte er. Conime a xe fait vite!" i Aus dem Bahnhof zog Nelly mit Grandezza ein paar Goldstücke aus Tantes wohlgespicktem Portemonnaie, warf sie dem Schalterbeamten hin und befahl: Zwei Billette ersterKlasse nach Genf!" Der Zug fuhr fort und trug sie am lachenden Seei.fer vorbei zu der ersehn, ten Stadt hin. Fräulein Felsche saß ganz gebrochen in einer Ecke und arübette noch immer über das Entsetzliche, das ihr geschehen war. Sie hatte in der Nacht ibce Zähne verloren! Gleich beim Erwachen hatte sie das leere Glas bemerkt. Ihr Gebiß, dies ängstlich gehütete Geheimniß, war ver. schwunden. In ihrer Angst waate sie sich zuerst nicht zu rühren, denn unterm Bett mußte naturlich der Dieb liegen. Es dauerte lange Zeit, bis sie auf den Gedanken kam, daß Jemand anders mit ihren Zahnen nicht viel machen könnte. Da durchsuchte sie alle Winkel aber die Zähne waren nicht zu finden. Sie lagen nämlich vier Stockwerke tief unter grünem Epheu begraben, too kein Auge "sie so leicht entdeckte. Endlich vertraute sie sich ihrer Nichte qk. Bekm ersten Anblick schlug diese
blt Hände zusammen. Tanke, Dir sind ja alle Zähne ausgefallen!" Als die alte Dame ihr die Sachlage dann auf ein Zettelchen geschrieben hatte, fuhr sie wie bei der Entdeckung von etwas ganz Ungeheuerlichem auf. Falsch? Du hast falsche Zähne. Tante? Und dabei sagtest Du mir immer, DeineZähne wären so schön weiß, weil Du nie Süßigkeiten gegessen hättest. O Tante, wie hast Du mich beschwindelt!" Tante Jda sagte zum ersten Male in ihrem Leben keinWort, sie war ganz geknickt. Und geknickt war sie noch im. mer, wahrend sie in der Ecke des Coupes kauerte, den zahnlosenMund angst, lich vor den Mitreisenden verbergend. Nelly blickte derweil fröhlich zum Fenster hinaus. Nur manchmal reg. ten sich in ihrer arglistigen Seele einige Gewissensbisse, während sie daran dachte, wie sie angezogen gleich einem echten Hoteldieb ins Zimmer nebenan gekrochen war und das - Gebiß zum Fenster hinausgeworfen hatte. Armes. zahnlosesTantchen." dachte sie, Du thust mir schrecklich leid. Aber, ging's denn anders? Und Peter mußte ich wiedersehen!" Ihr Herz schlug im Sturmschritt, als sie an Peter dachte. Sehnsüchtig schaute sie hinaus, ob denn am Enoe dieses blauen Spiegels nicht bald die Stadt auftauchte, die sie fo oft auf Bildern und im Traume gesehen. Am nächstfl lgendenMorgen des Tages, an dem Peter nach Montreaux zurückkehrte, war er durchaus zufrieden erwacht. Von dem, was er befürchtete, verspürte er nichts. Dagegen trug er etwas an sich, das nach jungem Wald und frischer Erde duftete. Beim Anziehen warf er einen Blick auf seinManuskript. Sogleich fiel ihm Alles ein, was er sich schon im Kopf zurechtgelegt hatte, ohne es niederzuschreiben. Er war gewiß, einen guten Arbeitstag zu haben .... So war sein Plan denn gelungen. Er hatte die petite kille wiedergesehen. (Sie war ihm nicht gefährlich geworden.) Er hatte gut dinirt. Nun wollte er weiter arbeiten. Bis zum Mittag brachte er eine Seite fertig. Das war nicht viel, doch immer etwas. Aber während er zum Essen ging, überkam ihn die Angst, seine Gedanken hätten heute das, was sie schon vor zwei Tagen geschaffen, vielleicht nur mechanisch reproduzirt, ohne es neu zu gestalten. Ich werde mich doch nicht ablenken lassen?" dachte er. Nach dem Essen machte er, anstatt seinen Schreibtisch wieder aufzusuchen, einen großen Spaziergang. Auf dem Hinweg dachte er an fein Stück und knetete wie ein BäckerSätze und Worte. Da er aber nur den alten Teig von heute Morgen vorfand, so knetete er di: alten Phrasen immer von Neuem um. Im Grund eine nutzlose Arbeit Auf dem Heimweg aber, nachdem er einige Schöppcben Wein getrunken, dachte er an gestern, an Montreux, an Nelly und zugleich schwangen sich seine Gedanken in einem weiten Sprung über ein Dutzend Jahre hin und langten bei der Kirchhaseler Kindheit an . . . Er achtete nicht mehr auf den Weg und fühlte eine Trunkenheit in Kopf und Herz: kam das von dem Wein oder von den Erinnerungen, deren Duft so betäubend und süß war? Er schlief gut und hosfte am nächsten Morgen die Versäumniß wieder einzuholen. Aber als er sich vor den Schreibtisch setzte, erschrak er. denn, was da auf denBlättern stand, war über Nacht hundert Jahre alt geworden, vergilbt, verdorrt, vermodert. Ein Abgrund trennte ihn von dem Leben dieser Menschen der Abgrund, .den Nelly übersprungen hatte. Er liebte sie .... Er liebte sie .... Diese düstere Gewißheit, die all seine Pläne über den Haufen warf, kam plötzlich über ihn und erfüllte ihn mit bitterem Schmerz. Er bäumte stch auf und kämpfte. Es half nichts. Den ganz! großen Sack in seinem Hirn voll verschrobener Ansichten, voll Theorien, aus denen er sein Leben formen zu können glaubte, voll Eitelkeiten und Unwahrheiten öffnete er und säte Hohn und Spott und kalte Berechnungen und starre Vorurtheile, daß er nur ein reiches Weib gebrauchen könne, aber statt dieser Saat ging ihm der junge Frühlingswald auf. die stille Wiese, auf der seine Liebe geboren war. ging dieGestalt des Mädchens ihm auf, die ihm. je mehr er gegen sie wüthete, desto schöner und siegreicher erschien. Jeden Morgen begann er denKamvf von Neuem, jeden Abend wurde er von Neuem besiegt. Seine Krankheit (er betrachtete seinen Zustand als eineKrankheit) machte reißende Fortschritte. Die Keime dazu mußten schon lange in ihm gelegen ha. ben. .. In unbewachten Augenblicken war ihm. als habe er das Mädchen geliebt und begehrt, seitdem er sie zum ersten Mal geküßt. Es war ihm. als sei er damals, nur damals, ein fröhli. cher, gesunder Mensch gewesen, als seien die zwölf späteren Jahre ein Herumtappen in grauen Nebeln, als habe er sich jetzt erst wiedergefunden in seiner ursprünglichen Gesundheit. Er sühlte sich gesund und wußte doch, daß er krank war. Er war nicht mehr Her seiner selbst, sondern etwas GewaltigereS hatte seine Wurzeln in ihm aufgeschlagen, das ihn beherrschte, das, auf ihm lastete und deshalb war er krank. Aber er fühlte sich lebensfreudiger und hoffnungsvoller als je. Er führte ein vollendetes Bummler leben.' strich durch die' Berge und über den See, oder lag stundenlang träumerisch auf'dem Sopha. Er konnte nicht eine Zeile schreiben, jeder Gedanke an seine Arbeit war ihm verhaßt, und doch war. ihm niemals die Welt und se:n ganzes Thun so dichterisch verklärt erschienen wie jetzt. ' ; An dem Tage, als Nelly nach Senf fuhr, hockte er zur Abwechselung wieder vor dem wurmstichigen alten Söreiö ' ' i .... . .
tisch. Aber mit der Arbeit ging es nicht. Die guten Gedanken huschten gespensterhast in alle Fernen, wenn er sie ergreifen wollte. Schließlich sank timc.it zurück. Für heute hatte er den Kampf satt. Er sagte Bankerott an. Er warf sich auf's Sopha und fing am helllichten Tage zu träumen an. Aber bald wachte der alte Raisonneur wieder in ihm auf. Er eiferte gegen die Liebe, gegen die unvernünftige Macht, die den Menschen aus seinen gewohnten Geleisen schleudert und ihn am Fortkommen hindert. Wie konnte Jemand, der soviel wie er über ihr Wesen, ihre Bedeutung und Nichtigkeit nachgedacht, der sie in allen Formen undFarben, rosig, blutig, glücklich, ünglücklich beschrieben hatte: wie konnie der sich wohl selbst verlieben und dann hilflos dastehen gleich einem neugeborenen Kinde? War das nicht wider alle Natur? .... Er führte all die Waffen an, die er selbst und seine Freunde an den Marmortischen der litterarischen Cafes so fein geschliffen hatten. Damals hatten sie dem einfältig greisenhaften Ding, das sich Liebe nannte, wohl hundert tödtliche Dolchstöße versetzt. Aber nun, wo er die Dolche brauchen wollte, bogen sie sich um und waren stumpf wie aus Papiermache. Er liebte .... und dagegen .war kein Kraut gewachsen. Ja ja, ja, ja," .... brummte er. wie ein geschlagener Mann. Meinetwegen! Ich will ja lieben. Ich will zufrieden fein, nichts sagen und lieben . . . Aber warum denn gerade die?" Eine solche Wuth, daß es gerade die sein mußte, die Alleruntauglichste, überfiel ihn, daß er, wenn Nelly jetzt eingetreten wäre, ihr die größten Grobheiten gesagt hätte. Und da er ihrer in Wirklichkeit nicht habhaft werden konnte, nahm er sie wenigstens in Gedanken vor. Er wollte diese ..... Kirchhaselerin, diesen grünen Backfisch mal gründlich tranchiren, mal beiLicht betrachten. Aber da sah er sie, wie sie über den Abgrund sprang. O, das war ein Anblick, so furchtbar und so schön, daß er ihn nie vergaß. ihn nie wieder los ward! Wie sie hinübersprang, die freien Füße über der gähnenden Leere und das ' leichte Lächeln um die Lippen, als wäre dieser Sprung nichts da liebte er sie! Sie hatte sich ihm in die Arme geworfen, sie war ihm an die Brust gzfunken, und sein Herz tobte nun wie ein wüthendes Thier an den Gittern seines Käfigs und begehrte nach ihr. Eine Weile lag er so tief in Gedanken versunken wie auf dem Grund eines Sees. Dann stand er auf, trank einen Schluck Wasser und fand etwas Klar heit wieder. - Sofort fing er leis von neuem an zu räsonniren'. .... Er wollte ja nicht aufmucken! Um keinen Preis. Pscht! Pscht! Er winkte seinem grollenden Herzen ab . Nur keine Aufregung wieder! Ich liebe sie. Das steht fest. Ich bin krank. Und ich beuge mich. Aber könnte man eö nicht mit ein paar lyrischen Gedichten abmachen? Mit einem rührenden Roman? Ich brauch' sie doch nicht zu ... heirathen! Es muß doch nicht gleich ein fo schrecklichesEnde nehmen! Sie hat nichis, ich habe nichts und wenn wir heirathen, gibt's zehn
Kinder." . Er malte sich nun die schrecklichsten Bilder aus. Sehr viel Zwillinge kamen darin vor. Auf jedem Arm hielt er ein nacktes Wurm, das er in Manuscriptpapier wickelte, da keine Kleide: da waren. Sie zu heirathen war unmöglich. Und sie zu lieben, war, da sie arm war, im Grund auch eine Geschmacklosigkeit. Aber wenn Wilde sich aufs Gewissen frug, so mußte er sich sagen, daß er sie wohl gerade darum so sehr liebte, weil sie arm war. Was ihn an ihr entzückt hatte, war ihre unbändige Lebenskrast. ihr fröh. licher Leichtsinn. Das war dieser trotzigeStolz, der sagte: Arme Leute sind mir lieber. Die sind wenigstens amüsant! ..." Ihn. den von der Kunst überfeinerten Menschen, der sich vor den rauhen Berührungen des Lebens oft scheu verkroch, der Häßlichkeit und Armuth fast übertrieben fürchtete, ihn hatte ihr Wagemuth, ihr Drang nach Freiheit hingerissen. Und nun liebte er sie nicht nur. sondern er begehrte mit aller Sehnsucht, sie zu seinem Weib zu machen, sie bei sich zu haben, in seinen vier Wänden, auf seinem Schooß. Zn seinen Armen. Gegen, dies Gefühl nützten alle Sophistereien nichts. Auch er saß fest, fest wie ein Fisch an der Angel. . Und wenn er zappelte und sich befreien wol, te. packte ihn der Stachel der Liebe nur um so melr. In dem Kreislauf seiner Gedanken war er gerade bei dem Wunsch angclangt, sie möchte herkommen, damit er ihr sein Stück vorlesen könnte, als es draußen klopfte. Er rief herein. Da stand Nelly vor der Thür. Sie lachte über sein Erstaunen und sagte: Guten Tag. Sie wundern sich wohl?" Sie ... sind da?- ' Ja. ich." Ganz verblüfft, ganz starr und ganz der Dramatiker ' im Augenblick, sagte er: Wissen Sie. wieSie hereinschneien? Gerade als ich an Sie dachte! Das ist denn doch der abgebrauchteste Theatercoup, den man sich denken kann. Weiß Gott, die Wirklichkeit ist eine echte Birch - Pfeiffer!Da Sie an mich dachten, so komme ich hoffentlich nicht ungelegen. Oder haben Sie etwa im Bösen an mich g dacht?" Fast kokett blickte sie ihn dabei an, in dem naiven Wunsch eine schmei
chelhafte Antwort zu hören. Aber er murmelte, zu Boden blickend: Das werde ich Ihnen gerade sagen, wie ich an Sie gedacht habe. (So schwachköpfig bin ich doch nicht", fügte er in Gedanken bei.) Aber wo kommen Sie her? Wie sind Sie nur Ihre Tante losgeworden? Der alte Drache wartet doch nicht unten?" Nelly trat ein und berichtete. Da bei betrachtete sie ihn mit Wohlgefallen. Etwas wüst und verwildert, sah er jetzt ganz so aus. wie sie ihn sich immer vorgestellt hatte, und wie sie ihn liebte. Er stand noch immer in großer Verwirruna. Dann faßte er sich an seinen bloßen Hals und fuhr in die Höhe. ,- Ich habe ja keinen Kragen an! ... . Ich habe auch keine Jacke an ... . Und eine Weste habe ich auch nicht an. Herr gottsakrament!" Wenn es Ihnen nicht unbequem ist, könnten Sie sich das Alles ja anzieh;n. Ich möchte Sie nämlich bitten, mich zum Essen zu begleiten. Denn ich weiß in Genf nicht Bescheid." Ist recht!" sagte er. Man könnte sich das Alles anziehen." Ich warte derweil vor der Thür. Also bis gleich." ' Sie nickte und ging mit einem Lächeln wieder hinaus. Wilde blieb einen Augenblick, den Kopf ganz dumpf und schwer von'Gedanken, stehen. Dann machte er sich langsam fertig. Als er seine Jacke anzog, fiel ihm ein, daß er sich in dieser Jacke verloben würde. Wie lange wird der Anzug halte::? Ein,' zwei Jahre. ' Aber was ich vorhabe, wird mich halten, bis an mehr Lebensende, wird Consequenzen haben über meinen Tod hinaus. Es ist was Unheimliches um eine Verlobung, Wie habe ich nur den Muth dazu? . . . Aber man thut es eben." Und daß sie gerade heute kommen mußte! Hätte ich zu ihr reisen müssen so würde ich's mh noch zehnmal überlegt haben. Aber fo .... So geht das Schicksal eben seinen Weg. Man spricht das Wort aus. Vielmehr der Augenblick läßt es einen sprechen. Und Alles ist vorbei." Wann wird dre Guillotine fallen? In ein. in zwei, rn drei Stunden? Aber bis heute Abend wird Alles zeschehen sein. Den Trost habe ich."' Er kämmte sich und blickte schwer müthig aus dem Fenster. Da stand Nelly unten auf der Straße, nr der Hand eine Tüte mit: Kirschen. O Ironie!" dachte er. Ich habe Verlobungsgedanken, Ich läute meine Freiheit zu Grabe. Und sie ... Sie spuckt Krrschsteine rn die Lust." Er ging hinunter und begrüßte sie mit Leichenbitteimrene. Sie fragte: Wohin?" Fast hätte er dumpf geantwortet: Zur Ehe hin!" Sie vcrabrederen, in einem kleinen billigen Cafe zu speisen, denn sie hatten beide nicht viel Geld. Auf dem Wege erzählte rhmNelly (die sehr munter und redselig war), daß sie bei einem englischen Ehepaar, welches eine Gouvernante suchte, gewesen ser. Sie mußte noch einige Empfehlungsbriefe einschicken. Vielleicht ginge sie schon in zwei Wochen als Governeß- über den Kanal. Was er dazu sagte? Sie werden nicht nach England op hen." Warum nicht?" Sie werden in Deutschland bleiben." Aber warum? Warum?" Sie blickte ihn ganz verwundert an. Weil ... weil ... weil Sie doch gar kein Englisch können." Das werde ich lernen." Warten wir! Warten wir!" dachte Peter. Warten wir bis nach dem Es sen! Noch einmal mochte ich als freier Mann mein Mittagbrod verzehren." Das Cafe Zum guten Landweia" (der aus dem Land der Blaubeeren stammte) war wirklich winzig. Da fast alle Tische besetzt waren, mußten sie sich in der Nähe des Billards niederlassen. Ein eifriger Spieler brachte sie öfters in die Gefahr, ihnen die Nasen einzustoßen... Das war kein passender Ort, um sich zu verloben. Was haben Sie nach dem Essen vor?- fragte Peter. Wollen Sie spazieren gehen? Sollen wir rudern? Sollen wir ein Museum ansehen?" (Bei einer von diesen drei Gelegenhei.ten wird das Verhängniß sich , dann wohl erfüllen.) Mir ist Alles recht, was Sie vorha ben.- Nur möchte ich Sie bitten, daß Sie mir heute Nachmittag Ihr Drama vorlesen." , . . , ? " So wird's also in meinem Zimmer geschehen! Das ist am Ende auch das Vernünftigste. Was einem Heim und Herd verschafft, thut man am besten zwischen vier Wänden. Nachher ritzen wir. dann unsre Namen in' die Fensterscheibe und machen ein Herz -darum. Dos gibt einen würdigen Abschluß Nachdem sie also das Cafe unversehrt verlassen hatten, gingen sie nach Peters Wohnung. ' Hier stand Nelly eine neue Prüfung bevor. Denn ihr Freund hatte es sich in den Kopf ge setzt. Kaffee zu kochen. Er besaß eine jener vertrackten Kaffeemaschinen. die von Frauen erfunden zu sein scheinen, um den Jungges?ll?n ihr Leben nach Möglichkeit zu verbittern. Man wußte bei ihr nie recht, ob sie wirklich Kasfee kochen oder ezplodl ren würde. , ; ' Es dauerte eine Viertelstunde, bis er mit den Vorbereitungen fertig war. Sie haben das Zeug zu einem famofen Hauspapa sagte Nelly. : ; Er fuhr auf und starrte sie an mit bebenden Lippen. War das nicht das Zeichen, auf das er wartete? War daS nicht der Funke ins Pulverfaß? .... Das Zimmer begann sich langsam, dann schneller und schneller um ihn zu drehen. Aber im nächsten Augenblick schien eS ihm unmöglich, an' ein so triviales Wort eine-Liebeserklärung zu
knüpfen, und er ließ den Kopf wieder sinken. Es verging noch eine halbe Stunde (er schaute oft. auf die. Uhr), wahrend er den munteren Reden Nelly's zuhörte und sich wunderte, daß die Entscheidung noch immer nicht gefallen. Abtt sie bewegte sich in Gesprächen, die himmelweit von all dem, was er dachte entfernt lagen. Ob sie wirklich so arglos war. wie sie schien? Er betrachtete sie mit argwöhnischen Blicken.- Aber seine Augen wurden sehr bald zahm. Er fand sie wunder-, wunderhübsch. Die Sonne lag auf ihrem Haar, und jedes Härchen schien ein 5?aden von lauterem Gold. Sein Herz fing hastig an zu schlagen. Ihm wur de glühend heiß. Seine Augen erweiterten sich. Er hätte die Arme ausbreiten mögen: Sei mein Weib! Sei mein! Sie stockte im Gespräch, sah ihn an, als wenn ihr nicht recht geheuer wäre, und setzte sich in die Nähe des Fensters. Das ganze Zimmn ging in Flammen auf. Die beiden jungen Menschen wußten nicht, wie ihnen war. Sfc lasen einander die Gedanken von den Augen ab und wagten nicht zu arhinen. In diesem Augenblick stieß das alte Thier von Kaffeemaschine einige schwere hohle Seufzer aus, drehte sich um und um und goß die ganze Brühe, auf die Erde. f Nelly stürzte hinzu und wischw rnsch die Tischdecke ab. Peter half ihr dabei,, indem er seine besten Taschentücher, ruinirte und bei dieser' Gelegenheit den. halben Fußboden aufwusG. Sie tranken nun den Kaffee, d:r.' übrig geblieben war. Dann wiederholte Nelly ihre Bitte, das.Dramo7vo?-'. zu lesen. Aber er weigerte sich' plötz--lich, da ihm inzwischen Verschiedenes' emgefallen war. Doch sie-ließ, nicht, locker, legte das Manuskript aufge--schlagen vor ihn hin und commandirte:: Vorhang hoch!" , So sing er denn an vorzulesem.Zuerst ging s recht gut. Aber dann, kam er an eine Stelle (es war am Schluß des ersten Aktes), wo sein Held. ein. Mädchen um ihre Liebe bestürmte. Wilde sah mit wachsendem Ent--setzen, daß die Worte, welche dieser' Mensch im Stück aussprach,, genau dznen glichen, die er selbst aussprechen, wollte und wieder nicht aussprechen konnte. Als er an diese Stelle kam. wurde seine Stimme blechern und eintönig wie die Stimme eines alten Dorfgendarmen, wenn er die Bekanntmachungen des Schulzen herunterleiert. Tief über das Manuskript gebeugt, suchte er die Leidenschaft der Worte nach Möglichkeit zu ersticken, jagte mit fliegendem Athem über die Zeilen hin, so viel verschluckend als nur irgend möglich war. Viel zu lang! Striche nothwendig!" murmelte er, als ihm die Stimme umzuschnappen drohte. Ich finde nicht," warf Nelly ein. Er las weiter. Der Schweiß perlte ihm von der Stirn. Es langweilt Sie kolossal?" Aber durchaus nicht!" Immer weiter ging die Rasere! dieses Mannes, der mit der Geliebten rang wie Jakob mit dem Herrn, der in ihr Herz seine Gluthen hineinströmte, daß es zu flammen begann, mochte es vorher auch noch so kalt gewesen sein. Schließlich konnte er nicht mehr. Seine Kraft war erschöpft. Er warf die Blätter hin und sprang auf. Nelly blieb scheu sitzen, ohne ein Wort zu erwidern. Sie glaubte ihn zu verstehen und wagte es doch nicht. Kommen Sie!" befahl er. Das Zeug langweilt mich. Wir wollen fpazieren gehen." Draußen lag die Stadt vor ihnen wie das Gebild eines Traumes. Sie gingen, ohne zu wissen, wohin? Sie sprachen kaum, und wenn sie es thaten, waren es gleichgültige Worte.. Manchma! blickte Nelly um sich, und was sie sah. war alles wunderbar, fremdartig und schön. Aber sie sah es nur wie im Traum. Sie überschritten eineBrllcke, unter der die Rhone pfeilschnell hinschoß an alterthümlichen hohen Häufern vorbei. Von einem mächtigen. Thurm schlug eine Uhr cchk Da fuhr Nelly auf. Ich habe meiner Tante versprochen,, daß ich um sechs spätestens im Hotel sein wollte. Ich muß umkehren." - Der Weg war ziemlich lang. ' Aber
auch jetzt sprachen sie tem Wort von. Bedeutung. Dann standen sie vor dem Hotel, und Nelly sagte Adreu. . Wenn's geht und wenn Sie Lust haben, hole ich Sie morgen wieder ab." ' Er nickte und hielt nachdenklich ihre Hand in der seinen. ' Blaue -Abend dämmerung hüllte s beide ein. ' ' Er ließ ihre Hand noch immer nicht. ' Gute Nacht!" flüsterte sie und der. suchte sich sanft loszumachen. " - Da schrie's auf einmal in ihm auf: Waö. ist denn das? De? Tag ist zu Ende. "und du hast ihr's nicht gesägt. Du sollst heimgehen ohne sie! Du sollst die Nacht schlafen ohne ihre Liebe? Ohne daß du weißt, vb sie dein ist. Du willst sie gehen lassen ohne ein Pfand? Und nimmst nichts mit pon ihr ' für die lange, schlaflose schreckliche Nacht!" ' Da riß er sie zurück, preßte seinen Mund auf ihren, küßte sie-und fühlte den fußen und brennenden Schauer wie beim erstenKuß seine? ersten Lieb?. Dann eilte er davon, unbekümmert darum, was sie denken mochte. '; ' ; (Fortsetzung folgt.) - i i i : . D i e G r a t u l a t i o n. Ich gratulire Ihnen, junger Freund, heute, der glücklichste Tag Ihres Redens... Vardon. Hochwürden, unlcre Trau ung findet ja erst morgen . statt. 7' Ich weiß, zunger Mann, q &! ! P ietätvoll. Herr: Haben Sie von Ihrem : verstorbenen ersten Gatten gar keine '. Photographie?? ; m N. c . je : r.: Hrau: ytcin; zuarum yave ita zu nen . Bruder geheirathet. weil der .ihm o außerordentlich Ähnlich sieht!- .
Kür die Küche. Knochensuvv e. Zwei Schei
ben roher Schinken, zwei große Zwiebeln, drei bis vier Wurzeln, Sellerie und Lauch schneidet man alles m kleme Stucke und bratet es :n einem Viertel Pfund Butter braun. Nun schlägt man beliebige Knochen recht fein auch solche von Geflügel, Wild und so weiter rohe und gebratene dürfen darunter sein, und gibt sie zu dem Wurzelwerk, bedeckt alles mit Wasser, salzt und laßt die Suppe drei Stunden langsam kochen. Vor dem Arrrichten gießt man dieselbe durch ein feines Haarsieb, würzt mit Maggi. als Ein läge können kleine Klöße, geröstet5 Schnitten und so weiter genommen werden. Rees mit Hammelfleisch. Ein halbes Pfund Reis wird gut abgewaschen, dann zwischen wem reinen Handtuch abgetrocknet, in einen Topf gethan, mit Fleischbrühe angegossen, so daß es ein ziemlich dicker Brei wird, und läßt ihn kochen. Dann schneidet man viereckige kleine Stückchen Hammelfleisch, vom Nrerentheil, und thut dieselben in den kochenden Reis; etwas Pfeffer unv Salz, Rosinen und, Werks liebt, fein gehockte Zwiebeln und Knoblauch werden hinzugegeben, sowie der Schnee' von zwei Eiern. Alles das läßt man wieder kochen. Wenn der Reis anfängt, garzn werden, legt man das Ganze' heraus, mischt ein Viertel Pfund Butter und' elne Tasse. Sahne darunter, legt es in eine Form, die mit Butter ausgestrichen worden.- und läßt es' 25 Minuten backen. Wer das Gericht trockener liebt, lasse es 40 Minuten backen, doch achte.-mandaß derReis nicht anbrennt. Rind s l en d e: Eine- schöneRindslinde spickt' man gut und brät sie in Butter beinaffe gar. Indeß bereitet man die nachfolgende pikante Masse. Man schwitzt in ein ViertelPfundMehl eine gewiegte Schalotte, zwei Trüffeln und vier Champignons, gibt eine Unze Mehl hinzu rührt dies gar, fugt vier Eigelb, Salz und so viel! sirnre Sahne an, daß man' eme dicke-,, cremeartige Masse erhalt' die man fingerdick über die Rindslende' streicht. Man streut alsdann' etwas' Parmesankäse darüber und stellt'die'Lende noch fünfzehn Minuten in' einen heißen Ofen, damit die Merfläche Farbe annimmt. Der Bratensatz wird hierauf entfetter.mit brauner Mehlschwitze, etwas Madeira und einigen Trüffelscheiben verkocht und zu der Lende gegeben, die man ringsherum in gefälliger Weise mit Kartoffelkrusteir umgibt. L e b e r p a st e t e. Mir Pfand feingehackte Schweineleber- ein-Pfund feingehacktes, mageres Schweinefleisch, ein Pfund in kleine Würfel geschnittener, frischer Speck werden mit vier Eiern, einem Tassenkopf Milch, einem Tassenköpf Wasser, Salz, .heißem Pftffer, Muskatblüthe und vier trocken gelösteten gemahlenen Brötchen tüchtig gemengt und in- eine mit geräuchertem Schinkenfett ausgelegte Pastetenform gleichmäßig eingedrückt. In der zugedeckten Form bei mittelgroßer Hitze zwei Stunden gebacken, wird sie, erkaltet. als Aufschnitt oder, mit pikante? Sauce gegeben.. S a u r e E i e r. Die frischen Eier werden über nicht zu- schwach kochendem. mit Salz'.und etwas Essig vermischtem Wasser abgeschlagen, drei bis vier Minuten- langsam weitergekocht, mittels eines Schaumlöffels behutsam in kaltes Wasser gelegt, etwas beputzt und angerichtet. Das Eigelb muß noch weich unv vollständig von dem Weißen umschlossen sein. Von in kleine Würfel geschnittenen? magerem Speck, welcher ausaebraten wird, läßt man einenLöffel.Mehl braun rosten, schwitzt einige feiir gehackte' Schalotten darin und kochte mit- der- nothigen leichten Bouillon- oder auch Wasser, Essig, Salz. Pfeffer- unv etwas Zucker eine wohlschmeckende sußsäuerliche Sauce und gibt sie über- die Eier. Apfers'inecncompot. Sechs schone Früchte werden geschält und in Scheiben getheilt-, aus denen man die Kerne- entfernt-. Von einer Apfelsine wirv die Schale auf Zucker abgerieben und der Saft darüber ausgedrückt. Dann kocht man 10 Unzen Zucker in 2 Obertassen Weißwew, fügt den abgenebenen Zuckerund den Saft, hinzu und läßt dies zur Syrupdicke verkocherr. Erkaltet gibt man dies über die Apfelsimnfcheiben. h FranzofZscheApfelsveise. Von feinen Aepfeln kocht man mit Wnv Zucker und Citronen ein Apfelmns, das man mit etwa einem halben Pfund warm gerührter Aprikosenmarmelade vermischt, in eine Gefrierbüchse thut und zu einem steifen Gefrorenen verarbeitet. Wenn die Masse fest genng geworden ist, mengt man ein halbes Pmt fest geschlagene Sahne, ein Glas Curacoa und ein halbes Pfund eingemachte, gut abgetropfte rothe Kirschen darunter und füllt sie in die vorher Zn gesalzenes Eis gestellte Eisform. Man bedeckt die Eisspeise oben mit Papier, schließt die Form und läßt sie zwei Stunden in gesalzenem Eis stehen. Die Speise wird dann gestürzt und mit der folgenden ausgezeichneten Sauce servirt. Man zerrührt sechs Eigelb mit 3 Unzen Zucker schaumig, gibt dann iz Pint Sahne hinzu, stellt alles in ein Wasserbad und quirlt es darin heiß, worauf man drei Löffel Ananassast und ein Glas Maraschino dazu gibt. Wenn die Sauce auf Eis erkaltet ist. zieht man ein Viertel Pint steife Schlagsahne darunter und richtet sie dann baldmöglichst an. Meerrettich. Als Beigabe zu warmen Würstchen oder kaltem Fleisch schmeckt der geriebene Meerrettich sehe fein, wenn man etwas Mandeln da runter mengt. Diese müssen abgezogen und nicht zu fein gewiegt sein, und werden mit Essig. Oel und Zucker unter den Meerrettich gemischt, bei ofte rem Versuchen.
