Indiana Tribüne, Volume 21, Number 181, Indianapolis, Marion County, 20 March 1898 — Page 2

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gin Studctttcnstrcich. Humoreske von E. H. v. Zagory. Vom alten Thurme der ehrwürdigem Äirche in?? kleinen Universitätsstadt, die in Deutschland den Ruf hat. ein Paradies für Studenten zu sein.schlug c3 zwei Uhr Langsamen SchrMes machte derHüter der Nacht sctaftunve; seine stattliche Leibesfülle eilsubte ihm nur langsamen Schritt, 'Da horchte er auf; der Pfiff seines College klang roie ein Hilf-ZschreZ durch d stille Nacht und so rasch er tonnte, folgte er diesem Rufe. Schwcißgebadet tarn er am anderen Ende der bergigen Stadt an. und txaj seinen Collegen und eine. Swdenten--schacrr um ihn herum inoem sie san' gen: Wir. winden, dir' den Jungsein Zranz mit poteV.ftnb Kanonen? -Der Umringte Kar so ußer sich, daß er sei- ' nen Collcgen zur Hilfe pfiff. . V.'Der kam irnb sein Anblick 'schien die ."jungen Herren-energisch nüchtern zu machen denn sie niachten keine Wippchen mehr sondern folgten fcen beiden Herrschern des 'Nachtreiches gutwillig ' ' in's . AmtsKkal Auf &em Wege ober hattensie "6tV zu lachen 'und zu raunen. Endlich kam .der Zug auf dem Amtslokal, einem kleinen Häuschen in iem die Nachtwächter die ' Arretirten immer bis zum Morgen '?insperrken, an. Der rine Nachtwächter schloß die Thur aus 'und 'trat in das Häuschen, er machte Wcht und sein College befahl den Herren, ?asch einzütreten. Die Trohlerzvyenen Blüthen ter Wissenschaft aber sträubten sich und erklärten, sie könnten unmöglich vor 'dem Obere Häuptling "der Stadt in das Häuschen eintreten, tt müßte ihnen vorangehe?, sie hätten viel zu viel gute Erziehung rnd Lebensart, um ihm nicht den Vortritt zu lassen. Der Mann sah ein, daß tx so niminer zum Ziele kam und entschloß sich ivirklich eiuzutreten. Kanm war er zwj, klatsch flog die Thüre hinter ihm zu; das Schloß knirschte und die beiden Hüter der Nacht saßen in gutem Gewahrsam. Sie baten, sie schimpsten, sie Ilopften; keine Hilfe. Dir Thür ttar fest verschlossen, und kein Rütteln und Schütteln half sie öffnen. Kein Laut war draußen zn hören, und beide dachten sich ihre listigen Füchslein über alle Berge. Als sie nun einsahen, toß ihnen von nirgendsHilfe tarn, da nmrden sie schließlich still; sowie sie abe? still waren, klang es so zärtlich und liebevoll, wie man nur einer Flcnnme ein Ständchen bringt vor ihrem Hänschen klar und hell durch die Nacht: All -Abend bevor ich zur Ruhe geh, Alick', ich hinaus in die Nacht Und wenn ich ein blinkendesSternlein" n. s. w. Das Gute Nacht du mein herziges Kind- zum Schluß klang geradezu sinnverwirrend. Die beiden Gefangenen schnaubten vor Wuth. Nein, diese Unverschämtheit ging ihnen doch zu weit, sie schwo?en hoch und theuer, die Studenten, die sollten aber an sie denken. Dann aber fiel ihnen ihre Lage wieder ein, und rathlos brüteten sie vor sich hin. Der Morgen kam und die beiden saßen immer noch fest. Verzweifelt ?i'.ttelten sie an der Thür und schrieen um Hilfe. Dies hörte ein Milchmann, der gerade vorüberkam, schnurstracks lief er auf die Polizei und zeigte den Vorfall an. Das gab eine' gewaltige Aufregung. Die Polizeimacht des Städtchens zog in einem Trupp nach dem Ort. wo der Mann den, Hilferuf gehört hatte. Natürlich verbreitete sich diese Thatsache mit Blitzesschnelle -in der ganzen Stadt. Von allen Seiten strömten Neugierige herbei. Und schließlich war ine für das kleine Städtchen riefengroße Menschenmenge am Ort der That versammelt. Kopf an Kopf standen die Menschen und erwarteten gespannt den Augenblick, wo der Oberhäuptling der Polizei, wegen seiner Körperfettmasse Fettauge .des Gesetzes" genannt, die Thür des kleinen Hotels offnen würde. Ja. die war aber fest verschlossen und erst ein Schlosser öffnete sie. Alle Welt sieht neugierig nach der Thür. Da geht sie auf und wie ein paar hungrige Wölfe stürzen die beiden Nachtwächter der UniversitätZftadt mit dem Rufe: Die versl Studenten", heraus. Wuthentbrannt rzahlen sie der .lautlos horchenden Menge ihr ganzes Abenteuer. Erst fing einer an zu lachen, schließlich lachte die ganze Menge, selbst die wohllöbliche Polizei schmunzelte, und die Menge meinte zufrieden: Ja, unsere Studenten, das sind echte Kerle. Die classischen Sänger sind aber nie rmittelt worden, und sie freuen sich. Llngenehme Eröffnung.

Dichter (seine Gedichte in Goldschnitt am Salontische liegen sehend): Gnädige Frau, ich bin glücklich, daß Sie den Kindern meiner Muse ein so reizendes Plätzchen in Ihrem trauten -Heim gegönnt haben und sogar die gebundene Ausgabe. Nicht überall hat man so warme Verehrer!" Dame: Sie haben ganz recht! Wir haben früher auch immer Broschüren gekauft; aber seitdem einmal das Studenmädchen so einen Band nicht aufgeschnitten hat und daraus eine recht fatale Situation entstand, beschloß ich immer nur gebundene Bücher zu kaufen. ES macht sich gut und erspar! einem Verlegenheiten." Entschuldigung. Hab' ich Dir nicht schon wiederholt gesagt, es ist unschicklich, wenn sich eine Dame nach einem Herrn umdreht?" Aber Mama, ich hab' mich ja nur umgeschaut, um zu sehen.ob er sich umschaut, -ir. zu seh:n, ob ich mich umschaue."

Stemennacht. Von ftnna Seyffert. Ein Leuchten, ein Klingen ging durch die warme Märznacht, ein. sehnsüchtiges Erwarten des Frühlmgsglanzes. , Fast schien es Berthold Winkler. als töne das Rauschen des Wassers, das sich rechts von dem schmalen Fußsteig zu Thal stürzte, heute beredter als sonst, und der einsame Wandern meinte, abergläubische Seelen könnten recht wohl helle Stimmen, deren Aufjubeln in wehmuthsvollen Seufzern erstirbt, heraushören, oder auch ein leises Mahnen, das langsam anschwillt zum drohenden Grollen, zum verurtheilenden Richterspruch! Frühlingsahnung", sagte Berthold leise vor sich hin, aber es lag ein quälendes Weh dabei um seinen Mund. 3)te Vergangenheit mit ihren Kämpfen,' ihrer Schuld, stand an diesem Abend," wo die Nawr so machtvoll ihr: .Es werde Frühlmg!" predigte, unabweisbar vor Bertholds Seele. Langsam ließ er sich nieder auf dem moosüberwucherten Gestein. Er konnte den Erinnerungen nicht entfliehen. - Damals war es auch über ihn gekommen, wie Frühlingssturm! Unlust zur Arbeit, aber ein heißes Sehnen nach neuem Leben, einem neuen Leben! Die Freiheit erschien ihm als das einzig begehrenswerthe Gut des Mannes. Die friedlichen Geister am häuslich: Heerd verwandelten sich vor seir.en überreizten Sinnen zu Fratzen, weiche nur vorhanden sind, um den Mann täglich, stündlich voll Hohn ihre Macht fühlen zu lassen! Und da war er gegangen, hatte Weib, und Kind einem ungewissen Schicksal preisgegeben! Er selbst stürzte sich in den Strudel des Genusses und der Schuld, deren Wogen bald hochbrandend über ihm zusammenschlugen. In jener Zeit waren ihm oft Briefe zugegangen, die eine Fülle unsagbar zärtlicher, heiß beschwörender Worte enthielten, welche in krauser Ungereimtheit den unsäglichen Jammer eines um das Heiligste betrogenen und doch in banger Liebessehnsucht pochenden Frauenherzens verriethen. Diese Briefe kamen von Bertholds verlassener Gattin. Doch zwei fremde Augen hatten sich in sein Leben gedrängt, begehrlich funkelnd vielverheißend Berthold berauschte sich an dem trügerischen Glanz dieser Augen, aber er fürchtete sie auch. Und deshalb ließ er es willenlos ge'chehen, daß eine fremde, böse Zunge ein Weib verhöhnte, daß die funkelnzen Augen sich voll Spott auf. die Buchstaben , senkten, die eine zitternde, kleine Hand zu so beredten Worten geformt , hatte, dazu bestimmt, das Herz des bethörten Gatten zu rühren. Aber der Rausch währte nur eine bestimmte Zeit, und als Berthold aus demselben erwachte, erkannte er mit Schaudern, daß er einer eingebildeten Gefangenschaft entflohen war, um in Wirklichkeit ganz unwürdige Fesseln dafür einzutauschen. Mit dieser Erkenntniß begann die Zeit der Sühne für den Mann. Er befreite sich energisch von Jener, welche Zwietracht säend zwischen ihn und sein Weib getreten war und widmete er sich von nun ab ganz strenger Arbeit. Nunmehr stieg das Bild seines Weibes klar in seiner bezaubernden Lieblichkeit wieder vor dem Manne auf. Anfangs widerstrebend, dann aber mit überfließenden Augen gab er sich der Reue hin, der Reue um sein verlorenes Glück, das er einem Schemen, einem Trugbilde geopfert hatte. Im Wachen, im Traum sah er nur noch die liebe, schlanke Gestalt vor sich, den trostlosen Blick der dunklen Augen und neben dem blonden Haupte seines Weibes tauchte immer noch ein zweites Köpfchen auf, von reizenden Kraushärchen umwallt, mit großen, unschuldsvoll lächelnden Blauäugen, um den rosigen Kindermund ein süßes, zärtliches Lächeln. So war die kleine Käthe, sein einzigeö Kind, ihm stets entgegen gesprungm, wenn er von seinen Ausgängen heimkehrte. - Ja, sie konnte ihm damals sogar schon die Thür ösfnen. Hurtig, mit wichtiger Miene, trug sie dem Papa Hausschuhe und Zeitungen herzu. , . Solche Vorstellungen steigerten seine Sehnsucht nach dem blühenden, herzigen Kinde, nach dem theuren Weibe, mit welchem ihn ungezählte Jugendermnerungen verknüpften. ,, Und eines Tages überwand er seinen trotzigen Stolz. Er wollte Martha kniefällig um Verzeihung anflehen wie seine Augen aufleuchteten in Hellem Glanz er wußte es ja, daß ihr weicher, hingebungsvoller Sinn ihm, dem Vater ihres Kindeö vergeben werde. Berthold sprang auf von dem feuchten Waldboden ein Aufstöhnen entrang sich seinen Lippen das weiche Flüstern des Lenzodems that ihm wehe. Das gigantische Schauspiel dort vor ihm, welches die magischen Strahlen des Mondes und die fluthenden Wasser schufen, bereitete ihm Pein. Seit jenem Tage, da er so siegesfroh zu seinem Weibe geeilt war, in dem festen Glauben, daß es nur seines kühnen Willens bedürfe, um über den Abgrund Hinwegzugleiten, der zwischen ihnen Beiden gähnte, als er aus fremdem Munde das Neue erfuhr, daS so bedeutungsvoll in Martha's Leben getreten war, seit jenem Tge erst, hatte er die Verzweiflung kennen gelernt. Vor Martha's Thür war er umgekehrt. Das Schicksal selbst schien ihm ein Zurück" zuzurufen. Von da ab trieb es ihn rastlos umher, nirgend fand er Ruhe. Sein Hirn schmerzte, und wo er in harmonischer Eintracht Eltern und Kinder vereint sah, da packte ihn glühendes Weh, die ganze

Qual eines aus dem Paradiese Verstoßenen. Auch jetzt witder hatte es ihn hinausgetrieben in die großartige Naturschönheit des Gebirges, wo er einst mit Martha so unvergeßlich schöne Stunden durchlebt hatte sein junges, thöricht seliges Eheglück. . Wie damals, so leuchteten auch heute die Sterne in wundersamer Pracht, aber niemals zuvor hatte Berthold die Worte des Philosophen Es ist alles objektiv" so anerkannt, wie an diesem Abend, wo der Zauber, den die Natur entfaltete, das Schmerzgefühl des schwergeprüften Mannes zu einem unerträglichen Grade steigerte. Wie von bösen Geistern verfolgt, nicht rechts noch links sehend, eilte er den Pfad hinab. Am Fuße des Felfens befand sich ein kleines Gasthaus, in welchem Berthold Unterkunft für die Nacht zu finden hoffte. Dort schimmerte schon einladendes Licht durch die Hollunderbllsche, die im Halbkreis das Haus umschlossen. Hier unten sproßte bereits schüchtern das junge Laub. Berthold ging schnell um das lichtgrüne Buschwerk herum, blieb aber dann betreten stehen, verlegen grüßend, unentschlossen über sein ferneres Verhalten. So unvermuthet stand er einem älteren Ehepaare, seinen Schwiegereltern, gegenüber, daß seine tiefe Bewegung, feine Rathlosigkeit' wohl gerechtfertigt war. . Die Beiden dort hatten es bereits gelernt, außergewöhnliche Vorlommnisse mit äußerer Ruhe entgegenunehmen, sie erwiderten höflich den Gruß und schickten sich an, schweigend an dem Manne vorüberzugehen, welcher durch seine Treulosigkeit ihr elterliches Herz tief verletzt hatte. Da aber kam es wie der Muth' eines Verzweifelten über den einsamen Mann. Jetzt oder nie!" so fuhr es ihm durch den Sinn. Stumm flehend streckte er seine beiden Hände aus. In seinem wirren Blick offenbarte sich die unaussprechliche Qual seiner Seele. Vergieb mir doch, Mama! Mein lieber Papa, zürne nicht länger!" Ein stummer, fester Händedruck antwartete ihm. Ernst prüfend schauten ihn vier Augen an. O, ich habe so schwer gebüßt laßt eö genug sein damit gebt mir wieder einen Platz in Eurem Herzen!" Erschüttert gewahrten sie die tiefen Linien in seinen Zügen, die Verzweiflung und Reue dort hinein gegraben hatten, und ein schönes, frauenhaftes Mitleid trieb der Mama heiße Thranen in die Augen. Wo ist Martha?" Seine Stimme klang rauh vor innerer Bewegung. Da ihm nun die Vergangenheit mit leisem Lächeln ihre ..Pforten wieder öffnete, wurde er ', ungeduldig und schwer ging sein Athem., Darf ich darf ich noch hoffen ?" In diesem Moment begann eine ktare. feelenvolle Altstimme drinnen in dem kleinen Saal das schlichte VolksIied zu singen: Es blickt so still der Mond mich an, es fließt so still der Rhein " Wehmüthig, tief empfunden schwebten die Töne, durch die vollen Akkorde des Pianos begleitet, in den stillen Abend hinaus, und als die Sängerin die Strophe beendet hatte: Wärst du nicht dort, ich säß' nicht hier, so mutterseelenallein " Da hielt es Berthold nicht länger, er flog die Treppen zum Altan hinauf. An der Schwelle des Zimmers zögerte er noch einmal, da er die süße, reizende Gestalt so greifbar nahe vor sich fah. Die frauenhafte Fülle war geschwunden. In Marthas Erscheinung lag etwas Mädchenhaftes, und jetzt erst kam es ihm ganz zur .Kenntniß, wie grausam er sein Weib beleidigt hatte. Noch ahnte sie seine Nähe nicht. Sie preßte die Hände vor das Gesicht, und ein stummes Erschüttern ging durch ihren Körper Schmerz, der nicht die Erleichterung der Thränen kennt. Martha!" rief Berthold. Martha!" Er wagte es nicht, sie zu umfassen, aber er lag zu ihren Füßen und küßte den Saum ihres Gewandes. Sie war fo tief betroffen, daß sie nur. wortlos niedersah auf feine Gestalt. Doch wie es auch ringen mochte in dem Herzen der jungen Frau, ein Gefühl überfluthete all das Andere, den Zorn, den Stolz und die Befangenheit das war die fchrankenlose Seligkeit, die sie empfand, in dem Bewußtsein, daß er zurückgekommen war zu ihr, daß sie nur die Hand auszustrecken brauchte, um sein Haupt zu berühren. . . , Martha," sagte Berthold, ich will mich nicht wieder in Dein Leben drängen, ich bin es nicht werth, daß Du auch nur ein gutes Wort für mich hast, aber, ich mußte Dich doch einmal um Verzeihung anflehen. Jede . Schuld rächt sich, unbarmherzig an dem Frevler das, was ich Dir gethan, habe ich zehnfach gebüßt, und werde daran zu tragen haben bis an mein Ende." Und nun legte er seinem Weibe eine umfassende Beichte ab. Er schonte sich nicht. Wie in einem Buche las sie in seiner Seele. Und sie las darin, daß sein Herz ihr gehörte. Sie war ganz still. Und hätte es ihre Seligkeit gekostet, es wäre kein Wort über ihre Lippen gedrungen. Ihr Herzschlag stockte, aber ihre kleine Hand stahl sich schüchtern vor und berührte leise, leise sein dunkellockiges Haar. Ihr Blick irrte unsicher hinauf $am Sterncnmeer, das ihr so friedlich entgegenleuchtete noch mehr Leid? Sie war mit ihrer Kraf am Ende. Als ich erfuhr, daß Dir eine so bedeutende Erbschaft zugefallen sei. da wagte ich es nicht, mich Dir zu nähern. Du hättest glauben können, ich komme nur deS Geldes wegen zurück zu Dir. Dieses CtVb trennt uns, .Martha cite sprich in gutes versöhnliches

Wort zu mir. ehe ich auf immer von Dir gebe." Da flog zum ersten Male ein Blick feierlicher Dankbarkeit aus den dunklen Frauenaugen hinauf zum Firmament, und dann fenkten sich ihre Lippen liebkosend auf ihres Mannes Haupt. . . Martha Martha " Berthold!" Männerthränen haben etwas Erschlitterndes für ein sanftes Frauengemüth. , Als Berthold wie von schwerem Bann erlöst, laut ausschluchzte, da legten sich zwei weiche Arme fest um seinen Hals. Sie zog ihn still mit sich fort. Eng umschlungen, geräuschlos betraten sie ein Stübchen, m welchem das Kleinod ruhte, das ihnen Beiden, gehörte, ihr liebes, kleines Töchterchen. Es dehnte die Glieder in den schneeigen Kissen, die Wangen waren vom Schlummer geröthet, wie ein zarter Spitzenaufsatz legten sich die seidenen Wimpern über die festgeschlossenen Blauaugen. An dieser Stätte sank das .junge Ehepaar in tiefer Andacht nieder'. Das Glück, die wundersame Liebesseligkeit, die nicht aufhören wird, so lange es sehnsüchtig pochende Menschenherzen giebt, es war ihnen wiedergekommen, und die Frühlingsnacht weihte es ein mit ihrem Sternenglanz! Lluö der Schlinge gezogen.

Neben den äußerst verwickelten dienstlichen Obliegenheiten war es vornehmlich das Beschwerdebuch, wel ches dem Stationsvorstande Reiner in der mit Anschlußbahnen gemeinschaftlichen Station Kreuzberg das Leben sauer machte. Brachte es der große LZerkehr mit sich, oder waren wirkliche Uebelstände die Ursache, genug, es verging kein Tag. an dem nicht von "Fahrgästen das Beschwerdebuch verlangt worden wäre. Bei den dienstlichen ReVisionen der vorgesetzten Organe gab es dann immer Rügen in Hülle und Fülle, welche oft genug noch schriftliche Vermahnungen im Gefolge hatten. Trotz sner Schlauheit wollte Reiner nicht einfallen, auf welche Weise sich das Beschwerdebuch unschädlich machen ließe, bis ein kleiner, eines Abends im Bureau ausgebrochener Brand ihn auf eine erhabene Idee brachte. Wahrscheinlich durch ein weggeworfenesZllndhölzchen hatte der Papierkorb Feuer gefangen, und. da man dasselbe rechtzeitig entdeckte, waren nur der Papierkorb selbst, sowie einige unwichtige Schriften und Schmierbücher vernichtet worden. Reiner aber benlltzte das kleine Malheur, indem er dem Berichte hierüber an feine vorgesetzte Direction bedauernd beifügte, es sei auch das Beschwerdebuch mitverbrannt, und um die unverzügliche Zusendung eines neuen Exemplars ersuchte.' Da man die Sache plausibel fand, erhielt er auch nach einigen Tagen ein neues Beschwerdebuch. Frohlockend empfing er dasselbe und versenkte es tief in sein Prlvatfach. Jetzt sollen sie kommen, die ewig unzufriedenen Engländer, die cholerischen Professoren, die griesgrämigen Ehemänner und die keifenden Tanten!" lachte er. Und sie kamen auch, nach wie vor. Uollen Sie mir das Besuerdebuk geben!" Das ist mir noch nicht vorgekommen Herr Vorstand, ich bitte um das Beschwerdebuch!" Das ist doch eine Rücksichtslosigkeit! Herr Stationsvorstand, wo ist dasBeschwerdebuch?." Was? Kein Damencoup6? Ersuche sofort um das Beschwerdebuch!" Reiner aber händigte ihnen allen freundlich grüßend und mit einer auffallenden Bereitwilligkeit das Beschwerdebuch ein, selbstverständlich das alte. Da mochten sie hineinschreiben, was sie wollten. Kam nun eine'Revision, von welcher er stets in collegialer Weise von einigen Freunden aus der Centrale verständigt wurde, dann verschwand das alte Beschwerdebuch tief imPrivatfache, und das neue, rein wie die Unschuld, wurde aufgelegt. Ja. ja, Herr Oberinspector staunen, nicht wahr? Habe jetzt ein eisernes Regiment eingeführt, und soweit es auf mich ankommt, soll daS Buch auch rein bleibm!" pflegte er jetzt zu fagen. Und es blieb auch rein dank feiner Pfiffigkeit, welche ihm ein für allemal Ruhe verschafft, ja später sogar eine außerordentliche Beförderung eingetragen hatte. Landfcuerttehr. Bezirksamtmann: Aber Hofbauer, was war denn schuld, daß Ihr, als nächste Feuerwehr, bei dem gestrigen Brand Euerem Nachbardorf nicht zu Hilfe kamt?" Hofbauer: Ja, wissen S', Herr Be. zirksamtmann, dös is a fo: Der Wurfchtlbauer hat si'. das Mundstück! vom Spritzenschlauch zum WUrschtmacha z'leiha g'nomma, und da hamm ma' halt gestern koan Mundstück zu unsrer Spritz'n g'-habt!" P a r i r t. Mann: Wie man nur so eitel sein kann, vor Gericht nicht sein wahres Alter angeben zu wollen!" Frau:. Na, ich möchte nur sehen, was Du für ein Gesicht machen würdest, wenn man Dich vor Gericht fragte, wieviel Glas Bier Du täglich trinkst." Natürlich. Lieutenant (beim Photographen): Aeh, machen Sie mein Bild auf Papier, das sich nicht so leicht durchküssen läßt!Mancher Gedanke erscheint uns gesucht", weil wir ihn nicht gefunden. Bei der Erreichung erweist sich ein vermeintliches Endziel oft als Etappe.

Der Vaum des Hkückcs. Ein Märchen von Frieda Brauer. Fern im sonnigen Süden liegt, umspült von blauen Meereswellen eine einsame Insel. Sie ist sehr fruchtbar. An der Küste zwar ziebt sich ein zerklüftetes Felsengebirge in, dann aber folgen grasreiche Ebenen und im Mittelpunkte,' gleichsam im Herzen der Infel, liegt em Hain von wunderbarer Schönheit. Schlanke Palmen spielen mit immergrünen Blättern im Sonnenlichte, geheimnißvolle Quellen sprudeln singend und rauschend hervor wie das Minnelied einer überseeligen Braut und Veilchen und Lotosblumen senden ihre duftenden Grüße in die Luft nur manchmal, wenn der Nachtthau gefallen ist, haben sie große Thränen in den Augen, als könnten sie das Glück nicht ertragen, das der Sommerwind ihnen in's Herz geküßt hat. Mit dieser Insel hat es eine eigene Bewandtniß. Vor vielen hundert Jahren hat sich hier einmal eine seitsame Geschichte zugetragen? seitdem liegt ein Segen über ihr, der alle Keime zum Blühen und Reifen bringt. Wer die Geschichte hören will, mag die Augen schließen ; ich will sie ihm erzählen. Vor langer, langer Zeit stand auf der Insel statt des duftenden Haines, nur einziger Baum. Er hatte die wunderbare Eigenschaft, Blüthen und Früchte zu gleicher Zeit zu tragen. Die ersteren waren wie Sterne geformt und leuchtend weiß, die letzteren gluthroth und süß und berauschend. Der Baum hieß Der Baum des Glückes" und gehörte der Königstochter, welche die Insel beherrschte. Die hatte ein golizenes Gehege um ihn ziehen lassen, das ihn vollständig einschloß. Nur em einziger Ast ragte darüber hinaus und warf zuweilen einen Streifen kühlen Schattens in die damals noch dürre Ebene, die jenseits des goldenen Ringes lag. Die Königstochter aber beachtete denselben nicht. Mit glückseligem Lachen ließ sie sich die weißen Blüthensterne auf Haupt und Schultern regnen, als wären es Küsse der Liebe. Der Baum gab ihr Schatten, Schutz. Stärkung und das berauschende Gefühl des Glückes. Sie verdiente dieses alles aber auch, denn sie war rein und schön und edel wie ei? Engel; nur Flügel hatte sie noch nicht die sollte sie erst später bekommen. Da ereignete es sich eines Abends, daß die Königstochter auf den weichen grünen Matten, die sich unter dem Baume ausbreiteten, eingeschlafen war. Die untern Zweigen streichelten liebkosend ihr süßes, traumumfangenes Gesichtchen, während die höher stehenden ein schützendes Zelt über ihr bildeten. , So merkte sie nichts von den grellen Blitzen, die jenseits des goldenen Geheges niederzuckten, sah auch nicht, wie sich auf dem schmalen Pfade, der unweit des Gartens vorüberführte, eine Frauengestalt mühsam fortbewegte. Der Weg mochte der Wandernden nicht leicht werden. Dornen zerrten an ihren Gewändern, die Füße schienen bereits wund zu sein; dazu lag links von dem Pfade ein steiniger Äbgrund, rechts aber nach dem Baume des Glückes zu tanzten auf moorigem Grunde Hunderte von Irrlichtern ihren nächtlichen Reigen. Die Leute auf der Insel wählten ungern diesen sogmannten Pfad der Pflicht. Jedenfalls gehörte eine besondere Kraft dazu, ihn ununterbrochen zurückzulegen und gerade diese Kraft schien dem armen Mädchen zu versagen. Da zuckte aufs neue ein Blitz hernieder und beleuchtete den Riesenbaum im Goldringe mit seinem kraftstrotzenden Stamm, seinen wundersamenBlüthen und lockenden Früchten er zeigte dem zusammenbrechenden Kinde das Glück das Glück. Solch ein einziger Augenblick des Glücks - Erkennens" ist so viel werth wie ein ganzes langes Menschenleben oder auch wie einige Königskronen. Er wirkt wie ein Jungbrunnen und füllt mit einer Kraft, die im Stande ist. Berge zu versetzen. Wie das blasse Mädchen über das trügerische Moor gekommen, hätte Niemand zu erklären gewußt. Jedenfalls stand es nach einer langen, bangen Nacht im Frühlichte unter dem Baume des Glückes, zitternd vor Erwartung und Furcht und Seligkeit: eine Bettlerin. Der ernste Baum aber, der sich weder seiner Größe noch seiner geheimnißvollen Zauberkraft bewußt war, schüttelte verwundert seine Krone und fprach: Was begehrst Du von mir?" Da sah ihn die Bettlerin an sekundenlang und nun wußte er es : sie wollte eine Blume des Glückes. Die Kömgstochter schlief noch immer. Ihre holdeGestalt war ganz überdeckt von den weißen Blüthen und hundert neue waren im Begriff, auf sie herabzufallen. Bei diesem Anblicke durchbebte es den Baum heiß und er sprach: Geh fort. Du blasses Kind, ich habe nichts für Dich übrig. Siehst Du denn nicht, daß wir Beide (er deutete auf die Schläferin) zusammengehören für alle Ewigkeit! ' Willst Du wie eine Diebin ?" Da schwieg er plötzlich still. Das gescholtene Mädchen hatte ihn bei dem letzten Worte mit einem irren, herzbrechenden Blick angesehen und sich zum Gehen , gewandt. Aber selbst diese stumme Art zu . gehorchen trug noch daö rührende, Gepräge heißester Sehnsucbt, unbewußter Reinheit und entwaffnender Demuth. Und im Gefühle deS aufwallenden Erbarmens schüttelte der Baum des Glückes . den Zweig, welcher über den GoldrinJ hwauSragte und ein pzax

leuchtende Blüthensterne fielen der Bettlerin auf das gesenkte Haupt: die ersten und einzigen in ihrem ganzen Leben. Ein Trunk Wasser gill dem Verdurstenden mehr denn ein funkelnder Weinpokal dem Schwelger; ein Lichtstrahl ist deul Blinden in seiner Nacht werthvoller als dem Sehenden ein ganzer Lenz voll rosigem Sonnenlichte. So wirkten auch die paar Blüthensterne auf die Bettlerin wie ein großes Gnadengeschenk. Erschauernd in Dankbarkeit warf sie sich auf die Knie und stammelte ein so jauchzendes Gebet, daß ein blutjunges Engelein aus dem Himmel geflogen ' kam, um sich dasselbe auf einem Lilienblatte aufzuschreiben. Es hatte dergleichen noch nie gehört. Die Königstochter aber vermeinte, es fei ein Vogel aus der blauen Sommerluft. Eine Weile lauschte sie noch traumumfangen, dann richtete sie sich auf, streckte den weißen Arm wie grüßend in die Zweige ihres Baumes und stand nun da: ein Bild der Jugend, der Kraft und des Glückes. So trafen ihre Augen die Gestalt des blüthengeschmückten Mädchens, erst in namenloser Bestürzung, dann mit dem großen, stummen Vorwurf eines tiefverletzten Weibes. Und nun öffneten sich auch ihre Lippen. Weißt Du nicht, daß die Blüthen mir gehören?" Ich weiß es." So fühlst Du auch, daß Du eine Sünde begangen, die Du nie wirst sühnen können?" Der Bettlerin wurden die Augen feucht. Verzeih' mir, aber was ich that, empfinde ich nicht als Sünde. Würde ich fönst wohl so freudig dem Herrgott zujauchzen können?" Die Königstochter schwieg betroffen. Dann fragte sie leise: Warum aber hast Du mir das gethan?" Da kniete das erglühende Mädchen vor ihr nieder, küßte ihr Gewand und fprach: Weil ich sonst vor Sehnsucht nach Glück gestorben wäre. Sieh, edle Prinzessin, Du in Deinem gesicherten Heim mag es auch tausend Pflichten in sich schließen hast doch wohl keine Ahnung von der trostlosen Wanverfahrt einer Heimathlosen. Auf dem dürren Pfade, der durch die Fremde führt, giebt es keinen Quell und keine Blume. Am Rande blühen wohl ein paar brandrothe Blüthen, aber sie duften nicht und wer sie pflückt stürzt in den Abgrund.. Ich habe nie die Hand nach ihnen ausgestreckt. Manche meiner Gefährtinnen hatten es trotzdem gut. Sie kannten nicht die Sehnsucht, die nimmerrastende, die den Schlaf von den Augen scheucht und die Geißel aufhebt, welche der Pflicht entfunken. Ich aber hatte in früher Jugend den Baum des Glückes einmal rauschen hören; seitdem ging die Sehnsucht mir zur Seite. Sie nahm den Glanz aus meinen Augen und die Räthe von meinen Wangen und hat mich zu dem gemacht, was ich bin zur Bettlerin. Ich habe die Blüthen genommen, Prinzessin, weil ich den Baum liebe, von dem sie stammen!" Die Königstochter hatte, mit einer innern Bewegung kämpfend, zugehört. Bei den letzten Worten aber schrie sie auf, wie in namenloser Angst: So wirst Du mich elend und arm machen. Du wirst " Da hob die Bettlerin die rechte Hand zum Himmel. Es war das Zeichen des bindenden Eides. So heilig wie meine Liebe, so unantastbar sei mir die Deine und das göttliche Recht!" Und was wirst Du mit Deinen Blüthen machen?" Ich werde sie an mein Herz drücken und es wird lernen, ruhig zu schlagen. Ich werde sie an meine Lippen pressen und ihnen werden Lieder entströmen von ergreifender Innigkeit. Ich werde sie dem Schmerz als Freibrief entgegenhalten und er wird nicht den Muth haben, mich zu verwunden. Ich werde sie zu der Pflicht legen und sie wird ihre Schwere verlieren. Und wenn ich einmal sterbe, will ich sie dem Herrgott mitnehmen und sprechen: Die sind vom Baume der. Liebe auf mein Haupt gefallen und die Hüterin desselden hat sie mir gelassen aus Erbarmen!" Da weinte die Königstochter laut vor Rührung, neigte das holde Köpfchen und sprach: So ziehe hin in Frieden! Mein Segen soll Dich begleitm!" Und in diesem Augenblicke war eS, als ob alle Sterne vom Baume fielen. Blüthenweib standen sie nun beide da, die Königstochter und das Bettlerkind. Aber als sie in die Höhe schauten, hatten sich tausend neue Blüthen in leuchtender Pracht erschlossen und am Morlenhimmel stand in glänzenden Farben ein Regenbogen. Da zog die Bettlerin wieder in's Land singend und jauchzend wie eine Lerche. Die Worte, die sie in Bezug auf ihren künftigen Lebensweg gesprachen, gingen alle in Erfüllung: die Pflichten wurden ihr leicht und der Schmerz ging ihr ehrerbietig aus dem Wege. Die Königstochter aber weilte in unwandelbarem Glücke unter ihrem Baume. Die Leute erzählen, daß ihr nach jenem Tage Flügel gewachsen seien. Seit jener Zeit aber liegt ein Segen über der Insel, der alle Keime zum Blühen und Reifen bringt. C o l o s s a l. (Im Wintergarten): Sehen. Sie, Herr Lieutenant, das ist eine Mimose! Wenn man ihre Blätter berührt, rollt sie sie ein!" Freund von mir hatte 'mal Mimose die war noch empfindlicher! Kam . . .1 c r r

ein Fremder in Jtmmer, rrvo? i ,o- , i i ns:,

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Der gute Yaiy. Humoreske von H. Sch. Der Buchhalter Federkiel' war in seinen freien Stunden lyrischer Dichter. Leider verhallten die Töne seiner Leier ungehört. Die Redaktionen belletristischer Journale weigerten sich entschieden, die dichterischen Thaten Federkiels der Nachwelt zu übermitteln und versenkten alle sang- und klanglos in die unergründlichen Tiefen des Papierkorbes. Doch die Erfolglosigkeit seiner außergeschäftlichen Thätigkeit konnte unseren Dichter in feinem Schaffen-nicht aufhalten. Er schrieb Tag und Nacht und überschwemmte die Redaktionen Mit seinen sifeiftr?hrnVm?n ft42. H

, I .... . iittfc gleichem Resultate. Eines Tags machte er die Bekanns--schaft des jüngsten Redaktionsmitolie, des des X - Anzeigers" und bald ent-' spann sich eine intime Freundschaft zwischen den beiden. Es dauerte nicht lange, und Korbmann mußte eineAuslese der im Manuskript gesammelten Werke Federkiel's anhören. Nun," fragte Federkiel seinen Freund, wie . sinkst Du das ewige Stillschweigen Deiner Vorgesetzten? Ist es nicht himmelschreiend?" Nun." erwiderte Korbmann ruhig. Deine Gedichte verrathen wohl Talent, allein es ist wenig dichterische Ueberzeugung darin vorhanden. Man vermißt darin ein starkes Gefühl." Ja woher nehmen und nicht steh--len?" fragte Federkiel. Sag mal." hub Korbmann wieder an. hast Du noch nie wahrhaft geliebt?" Niemals!" rief Federkiel betheuernd. Dann trachte Dich zu verlieben, je unglücklicher, desto besser. Eine unglückliche Liebe wird Dich inspiriren, sie wird Deine schwache Muse erstarken lassen." erwiderte Korbmann. Du hast recht, freund, ich danke Dir von Herzen," und dem Freunde die Hand drückend, verschwend Federkiel. Ja, jetzt mußte es gelingen! Er staunte, daß er nicht schon früher auf den naheliegenden Gedanken gekommen war. Es war ja allgemein bekannt, daß die herrlichsten Werke unserer Dichter aus jener Epoche stammten, in der sie bis über die Ohren verliebt waren. Und so stürzte er sich in das Gewühl der Bälle, Concerte. Theater, stellte sich auf die exponirtesten Punkte, passirte die gefäbrlichsten Klippen, in der festen Absicht, sein Herz zu verlieren, koste es, was es wolle. Lange schien es, als ob sein Bemuhen vergeblich wäre; lange .irrte er gleich dem Fliegenden Holländer umher, ohne die gewünschte Erlösung durch ein Weib zu finden. Doch endlich nahte sie heran in Gestalt eines schönen, blonden Kindes, welches er auf dem letzten Balle kennen gelernt hatte. Sein Schicksal vollzog sich schnell. Er kam, sah und wurde besiegt. Nun war sein Dichterruhm besiegelt, nun mußte es werden. Noch halb berauscht vom Anblick seiner Schönen, taumelte er in jener verhängnißvollen Ballnacht nach Hause. Wirre Träume umgaukelten ihn im Schlafe. Er befand sich in festlicher Toilette auf dem Marktplatze inmitten einer großen Menschenmenge, die ihm laut zujubelte. Vor ihm stand der Bürgermeister, der ihn in einer Ansprache beglückwünschte 'und ihn den Stolz und die Zierde der Stadt nannte. Dann drückte er ihm einen Lorbeerkranz auf die Stirne und geleitete ihn zu einem von zwei Pagen gehaltenen geflügelten Rosse, auf welches er sich mit edlem Anstand hinaufschwang. Doch kaum oben angelangt, erlebte er etwas Entsetzliches. Die Flügel des edlen Thieres wurden immer kleiner, die Ohren dagegen immer länger, bis sie jene Länge erreicht hatten, welche dem ehemaligen Flügelrosse die unstreitige Ähnlichkeit mit einem wegen seiner geringen Klugheit sprichwörtlich gewordenen Thiere gaben. Und unter dem allgemeinen Gelächter der angesammelten Menge erwachte unser Dichter, mit dem unbestimmten Gefühle, etwas Unangenehmes geträumt zu haben. Die Bureau-Arbeit wollte nun nicht recht von Patten, doch was lag ihm, dem Gottbegnadeten, an der BureauArbeit! Bald mußten seine gesammelten Werke in anderen als Copirbücher erscheinen. So vergingen vierzehn Tage. Unser Poet hatte seinen Freund schon längere Zeit nicht gesehen. Halt, wohin so eilig?" rief ihn plötz. lich Jemand auf der Straße an. Es war Korbmann. Du bist es!" sagte Federkiel, aus seinem Nachdenken aufgeschreckt. Ich bin im Begriffe, einen Besuch zu machen." . Wie befindest Du Dich sonst, was macht Deine kranke Muse?" Ich danke der Nachfrage, sie befinbet sich besser." Doch Du selbst," forschte Korl mann weiter. Du machst ganz den Eindruck eines Verliebten." Das bin ich auch. Freund," erwiderte Federkiel, ich habe Dein Recept befolgt. Ich bin unglücklich verliebt unglücklicher, als Du vielleicht denkst, denn ich habe mich verlobt. Zum Dichten habe ich natürlich keine Zeit mehr übrig." HerbeKritik. A.: Nunr wie finden Sie das große, neue Bild des Malers X.?" B.: Das ist das. reinste umgekehrte Medusenhaupt" das heißt, beim Anblick von diesem wurden die Menschen zu Stein unv beim Anblick jenes großen, neuen Bildes werden alle zu Lft sie verduft ten." Vom Gelehrten zum Narren izt oft nur ew Schritt.

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