Indiana Tribüne, Volume 21, Number 174, Indianapolis, Marion County, 13 March 1898 — Page 7
ö
r
Die Aicöesfasse. l Humoreske ron W. L. Alden. I Eines Taoes erwärmte ich im Gesprach mit Professor Van Wagener die Konstruktion eines neuen EinbrecherMelders, den ich für mein Haus gekauft hatte, und der eine Glccke an meinem Bett in Bewegung zu setzen versprach, sobald ein Einbrecher ein Fenster oder eine Thüre meines Hauses zu öffnen versuchen sollte. Van Wager verurtheilte jeden Versuch, den HQUseigenthümer zu alarmiren und ten betreffenden Dieb dadurch zu verscheuchen, als unwissenschaftlich-, und sobald er einer Cache dieses Prädikat beilegte, konnte sie semer tiefsten Verachtung sicher sein. Alle diese DiebeZ - Melder, rnd ich habe Dutzende der verschiedenen Construkiion gesehen," erklärte Van Wagen, haben nur den Zweck, die Einbrecher in verscheuchen Was würd Sie z.B. von einer Mausefalle halten, die, anstatt Mäuse zu fangen, die Thiere Abschreckte? Wurden Sie dres nicht iu unwissensckÄftliche Methode zur Bekämpfung des MausNebels benennen, wie? Und genau b?xso ve.ält es sich nui den Einbre chern. Mer Hausbescher sollte daS Ziel verfolgen, so viele Einbrecher als irgend möglich zu fanden, um sie dann Itx Gettchtigkeit zu rÄerliefern." Sie sollten lieb etwas erfinden, 3a Einbrechen und Stehlen überhaupt aus der Welt schafft bemerkte ich sar kastisch, denn bisher war noch reine -einzige der zahllosLN Erfindungen WM Wagners geglückt. Indessen er wa? -ein 'so harmlos Mensch, daß er Pch bei 'mir für viefc Idee bedankte, Öhne rnetne Ironie carch nur zu ahnen. 'Unqefähr ein Monat war serr 'diesem Gespräch 'verflossen, da schien 'eines Tages Vnn Wagener beiinirund sagte: Colorril, Sie erinnern slchdoch Ises Gespräcksi, das wir kürzch über 'Diebe und Diebes - Melder sührten? 'Ich habe nun' die von Ihnen angeregte Idee ausgebaut und eine Methode ersfun'oen, um ein Haus sicher vmEinbrechern zu bewahren." Hoho. 1?as muß ja ewmZ-noch nie 'Daqewesenes sein," spottete ich. Das Ist es auch," eichsegnete Van Wagener unbeirrt; dann suhr er fort: Wie ichJhnen schon neulich 'sagte, sollte ieder Mensch das Bestreben haben, Einbrecher zu fangm, anstatt sie zu verjagen. Nun, diese Bedingungen erfüllt meine Erfindung anz genau. Ich stelle eine Falle in meinem Hause auf, ziehe die Diebe durch "Silbersachen und herumliegende Portemonnaies an, mache es ihnen aber zugleich unmöglich, mein Haus wiedrr zu verlassen, 'sondern übergebe sie em-nachsten Morgen der Polizei. Ans diese Weise 'schütze' ich nicht nur niich und mein Haus vor Diebstahl, 'fondern trage noch dazu bei. die AnzUhr-der Diebe in der Gegend stetig zu Dermindern. Das ist was ich eine wissenschaftliche Meihode nenne, und Sie werden mir zugestehen müssen, daß die Sache auch außerordentlich praktisch ' ist." Da ich dies nicht 'soohne Weiteres -einsehen wollte, lud niich Van Wagener zur Besichtigungsewer Diebesfalle 'in' seine Wohnung e'w. 'Er'führte mich 'in' das Speisezimmer, das -nach dem Hintergarten zu ebener Erde lag: ein Zimmer allerdings, ttrie -ausgesucht für einen Einbrecher, der unauffällig zu arbeiten wünscht! Die'Fenster waren weit geöffnet, und ich "bemerkte eme be'sonders reiche AuswüHl von silbernen Schalen, Leuchtern rtc.'aüf'dem großen Speisetisch in der'Mitte. Allein von der Falle, die der Professor construirt haben wollte, konnte ich keine Spur entdecken. .Ein recht nettes Zimmer -zum Ein.brechen bemerkte ich; aber wo ist dmn die Falle, in Yit der Bösewicht .hineingehen soll?" .Der Boden des Zimmers -war mit emrm persischen Teppich bedeckt, der jeIrach föie die meisten Teppiche zu klein war und mithin den äußeren Rand des Zimmers frei ließ. Dort-nuy, wo der Teppich aufhörte, lag, etwa dreiviertel Meter in der Breite, 6n 'leichter Stoff. Diesen hob Van Wanener 'jetzt in die .Höhe -und zeigte mir, daß m ebenso breitn .Metallstreifen -rings 'um den Teppich herumlief, versteckt '.durch den leichten'Stoff. Dann machte "der Profeffox inich auf zwei ffchnrckle Drähte (nusmttksam, die von dem. .Metallstrei'fen ouHgingen und anscheinend in den .Hausflur geleitet waren. Sobald ich .dlest Mähte erblickt halte, loußte ich. imfc 'die Elektricität bei Ines sErfinfcitira, nicht unbetheiligt war. .nffes Zimmer ist meine 'DKbesfaNe erklärte mir der Hausherr. Wie G scheu. '.habe ich es mit S.W:tüch. tig umgefüllt und außerdem .stehen Tag und Nacht Äie Fenster offen. Zo'dab es Jede? bequem hat, hier herernznsteigen. Nachdem er ',in das Zimmer ngestiegen, ist natürlich sein erst Gang zu dem silberbedeckien Büffet, dabei inuß er aber den MetaUstreifen betreten, der durch Jnnuction mit einem - starken elektrischen Strom versehen ist, und dieser wird dem Einbrecher, wenn er rnit Silber bepackt das Zimmer verlassen will, einen so heftigen Schlag versetzen, daß er, Anfähig, sich zu uhren, wie angewurzelt stehen bleibt. Da Schlag ist nicht so stark, um einen Menschen zu todten, über doch stark geittia, um ihn zeitweise zu lähmen, schließlich wird er sich soweit zusaminnraffen. um sich's wenigstens auf der Erde so bequem als möglich zu machen, und dort wirk er wie ein 5)äufchen Elend liegen bleiben, bis ich am Morgen den Strom abstelle und meinen Gefangenen der Polizei über-gebe.-Und während der ganzen Nacht bleibt das Fenster offen?- wandte ich ein. Wenn nun zufällig ein zweiter Einbrecher ankommen joÜti, dann würde der Erste ihm die Situation erklären und der Zuletztgekommene pürde Mittel und Wege finden, ihn zu ,
1 VltVlVil V 1 v v7... . wunde Punkt in Ihrer Erfindung iU sein!" Durchaus nicht." gab Professor mit größter Seelenruhe, rüd. Ihr Einwurf. Colonel, mXt wie wenig Sie die rnenffyVch Natur verstehen! Wenn ein Mwcher in meine Falle gegangerc ist. dann wird er nur zu gern einen Äameradcn nach sich ziehen und dies'er wieder einen und so fort ad infini'aim! Wenn nämlich ein Zweiter, sich am Fenster blicken läßt, dann wird ihn der Erste, unter dem Hinweis auf das viele Silber, sehr dringend einladen, näher zu kommen. 7- denn er will doch nicht der einzige 'Hereingefallene sein! Es sollte mich gar nicht wundern, des Morgens eine ganze Herde von elektrisirten Dieben vorzufinden!" Des Professors Diebesfalle leuchtete mir nun allerdings als hervorragend ingeniös und praktisch ein, obgleich ich für mein Theil entschlossen war. auch fernerhin die Einbrecher von meinem Hause lieber abzuschrecken als sie anzuziehen und der Polizei ruhig das Vergnügen, die Kerle einzufangen, allein zu überlassen. Dennoch war ich gespannt darauf, wie sich der Apparat in der Praxis bewahren würde. Ich brauchte nicht lange zu warten. Gleich in der ersten Nacht, in welcher die Falle funktionirie, fmgen stch nicht 'weniger als fünf Einbrecher! Die. beiden ersten waren zusammen gekommen und hatten die drei Einzelnen, die später kamen, so freudig begrüßt, wie der Professor es prophezett' hatte. Am Morgen ließ er einen Schutzmann hölen und dieser ruchm die Gesellschaft in Empfang. Nun fetzte Van Wagener seinen Apparat allnächtlich in Thätigkeit und fing während 'der folgenden sechs Wo chen durchschnittlich drei Einbrecher pro Woche, wobei elegentlicheStrolche, die nur em Nachtquartier fuchten, noch nicht mitgerechnet sind. Nach und nach wurden natürlicher Weise die Diebe sckeu und ZteUten'ihre Besuche ein, aber demungeachtet ließ Van Wagener jeden Abend ferne 'Falle in Thätigkeit setzen. Dies besorgte 'ein' Diener, den der P fessor für besonders zuverlässig hielt, bis er emesages die Entdeckung machen MNWe. daß besagter Diener sei nem besten Champagner noch mehr ZUgethan war als ihm, dem Herrn. Na türlich sollte er'sofort entlassen werden, doch erlaubte ihm der Professor m Anbetracht fter 'langen Jahre. wLhrend deren er 'ihm 'treu gedient hatte, noch einige Tage bis zum Ende des Monats im Hanle'zu'bleiben. Nun ragte gerade zu dieser Ze'rt rr gend rin wissenschaftlicher Congreß, und zn nessen Ehren gab Professor Van Wngener den zugereisten Leuchten der Wissenschaft, sowie deren Ehehälften ein 'splendides Diner in seinem schönen 'großen Speisezimmer. Um Peben Uhr nahm man rm der reichgedeckten Tafel Platz, aber das Essen war so vorzüglich und die Anterhalrung so angeregt, daß es neun Uhr wurde, bis Mrs. Van Wagener die Tafel aufheben konnte. Sie war naturgemäß die Erste, die sich erhob, um ihre Gäste in die anstoßenden Zimmer zu 'führen, wo irgend ein deutscher Professor der Chemie einen ?wrtrag halten sollte. Als Jit gerade im Begriff stand, die Hand uuf die Thürklinke zu legen, stieß sie plötzlich einen lauten Schrei aus und fril zur Erde, wo sie. lartt 'lvrmmernd und 'sich krampfhaft beweyend, liegen blieb. Maw Wilkins. ein besonders traftiger. schwerer Mann, eilte der FraS Professorin zu Hilfe, allein schon n?ar auch er gestürzt und wand sich mit verzweifelt herumgeworfenen Armen irnd Beinen -neben der Wirthin ans der Erde. Des Professors Schwiegermutter, eine a&e Dame, die stets eine offene Geringschätzung für die wissenschaftllchen Arbeiten ihres Schwiegersohnes zur Schau ürug. und drei berühmte Professoren, die alle wie wüthend niederfielen. waren die nächsten Opfer der unheimlichen Erscheinung. Professor Ban Wagener hatte in zwischen rrkannt, daß seine Diebesfalle, die sonst .erst in der Nacht m Funktion gesetzt zu werden pflegte, an Allem schuld sei. Er rief also den Gefallenen" zu,rs fei kein Anlaß vorHanden, sich zu angstigen, der Diener müsse aus Versehen den Strom, den er, der Prozessor eute früh abgestellt habe, wieder Hierher geleitet haben! er werde die Sache .nber sofort in Ordnung bringen. Allein diese Erklärung rief nur geringe Beruhigung hervor. Die auf der "Erde liegenden Personen wurden nicht müde zu jammern, daß ihr letztes Stündlein gekommen sei und die, die sich noch in Sicherheit in der Mitte des Zimmers befanden, drängten sich rn großer Erregung um den armen Professor nnd überhäuften ihn mit den heftigsten Vorwürfen. Vergebens bewahrte Van Wagener seine philosophische Heiterkeit, vergebens betheuerte er seine Unschuld an diesem Vorfall, es half ihm Alles nichts, kein Einziger aus der aufoeregten Gesellschaft schenkte ihm Gehör. Nur als er wiederholt flehentlich bat, ihn doch an die Thür zu lassen, damit er den Diener herbeillmgeln könne, da löste man den Kreis, in den man ihn gedrängt hatte, ein wenig, um ihn durchzulassen, aber in demselben Momente, da er sicheren Ganges und heiter kachelnd die kritische Stelle mit einem ezroßen Schritte überschreiten wollte, fiel auch er, genau wie die Anderen, bebend und fluchend nieder. Er faßte sich sedoch bald so weit, um sich mit Aufttetuna sewer ganzen Willenskraft nach der Mitte deS Zimmers hinzurollen, welchem Beispiel nach vielem guten Zureden die anderen Gefallenfolgten. Nach kurzer Zeit war esAllen gelungen, wieder zur Mitte des Zim. meri zurückzurollen, wo sie sich nun in
Frtn! 55?,s,L sifiMTtt rrnr Vw I
einer für den Professor wenig schmeichelhaften Weise über das erlittene Unglück ausließen. Da es nun unmöglich war, an die Klingel zu gelangen, begann die ganze Gesellschaft aus Leibeskräften zu schreien, aber auch das war erfolglos, denn es befand sich, wie sich später herausstellte, außer der Köchin, die in der entfernten Küche das Rufen nicht hören konnte, kein einziger Dienstbote in dem ganzen Hause. Der diabolische Diener hatte, nachdem er die Diebesfalle" in Funktion hatte treten lassen, das Haus verlassen und fest verschlossen, nicht ohne sämmtliche Schmucksachen von Mrs. Van Wagcner und ihrer Mutter mitgehen zu heißen. Zwei Stunden hatten die Aermsten in der Gefangenschaft geschmachtet, da nahte ihnen ein rettender Engel in Gestalt der Köchin, die die Gesellschaft schon im Salon glaubte, und nun kam, um die Weinreste an sich zu nehmen. Allein auch die in die Köchin gesetzte Hoffnung erwies sich als trügerisch, denn bei dem ersten Schritte, den die erstaunte Küchensee in das Zimmer hinein that, fiel auch sie nieder und vergrößerte nur die Zahl der Gefangenen. Es erübrigt, zu berichten, daß die Gäste des Professors bis zum nächsten Morgengrauen bei ihm ausharren mußten. Dann endlich gelang es Van Wagener, einen Arbeiter im Garten anzurufen, dieser holte einen Schutzmann herbei, der seinerseits mit Hilfe eines der berühmtesten Einbrecher der Stadt die Hausthür erbrach und nun den elektrischen Strom abstellte. Trotz der herzlichen Aufforderung Van Wagener's. doch wenigstens noch daS Frühstück bei ihm einzunehmen, konnten die endlich befreiten Gäste nicht eilig genug das unheimliche Haus verlassen, nachdem sie ihrem Wirth in nicht allzu liebenswürdiger Weise für die 'freundliche Aufnahme" gedankt hatten. Noch nie aber habe ich Jemand so geknickt" gesehen, als den Professor, da er mir am nächsten Tage diese Geschichte erzählte. Auf eine kleine Enttauschung sei er ja vorbereitet gewesen, meinte er. aber daß Männer der Wissenschaft solche kleine persönliche Unannehmlichke'rt nicht des großen wissenschaftlichen Zweckes wegen in Kauf zu nehmen verstünden, das war ein tiefer Schmerz für ihn. Das Schlimmsie an der ganzen Geschichte aber war Mrs. Van Waaeners energischer Protest, die Diebesfalle noch länger im Hause zu behalten! Dem armen Prosessor half keine Widerrede: binnen 'vierundzwanzig Stunden war feine schone wissenschaftliche Diebesfall:" 'aus 'seinem Hause verschwunden. ZZiwer aus Tanger. 'Von KnrI Eugen Schmidt. Aus der Straße. Denken Sie sich eiq Gewirr Don en--gen Gäßchen, theils steil der Berg hinauf-, theils längs den Abhängen ihinführend, gepflastert mit rundenKieseln und tiefen Schlammlöchern, zur Aegenzeit wahren Bächen mit .seichten umd tiefen Stellen, eingeengt von weißgetünchten Häusern ohne Fenster, nnd Sie haben ein ungefähres VUd von Tanger. In den Nebenstraßen begegnen Sie nur von Zeit zu Zeit einem in seinen Capuzenmantel gehüllten Mouren, aber die Hauptstraßen sind bis zum Abend mit abenteuerlichen Gestalten ngefüllt. Mauren und Juden in blauen, .weißen, grauen und braunen Mänteln, den rothen oder schwarzen Fez auf dem Kopf, gelbe Schlappschuhe an den Füßen, schlürfen dieGassen entlang, Spanier mit ärmellosen Mänteln. Franzosen, Deutsche und besonders Engländer in mehr oder weniger bizarren Reisecostumen, hochbepackte Esel und Maulesel, deren Ladung auf beiden Seiten die Häuser streift, hier und da em Maure oder Engländer auf einem zierlichen, hübschen Pferdchen arabischer Nasse, nnd ein Durcheinander von arabischen, spanischen und deutschen Guttural- und englischen und französischen Nasallauten, wie man es sich schöner nicht wünschen kann. In der Hauptstraße reihen stch Kaufläden an Kaufläden, wo jüdische Händler maurische Pantoffeln, Ledertaschen, Gewehre, Pistolen, Dolche, geschnitzte Holzsachen und getriebene Metallwaaren feilhalten. Die rechtgläubigen Mauren . scheinen den Handel für ein verächtliches Gewerbe zu halten und überlassen ihn deshalb fast gänzlich den Juden, die wohl den vierten Theil der Bevölkerung ausmachen. Juden gehören auch die nur von Touristen besuchten Bazare, worin man allerlei Curiositäten, wie sie von Tanger fc nach Konstantinopel in allen afrikanischen und kleinasiatifchen Hafenstädten verkauft werden, zum dritten Theile des Anfangs verlangten Preises haben kenn, wenn man stch auf den Handel versteht. Damit man ihre Herkunft sofort kennen möge, unterscheiden sich die verschiedenen Rassen durch ihre Kopfbedeckung: Der rechtgläubige Maure trägt den rothen Fez, der dem Riff entstammende, seit Jahrhunderten als Seeräuber von stch reden machende, hier Zn Tanger aber die Rolle desHausknechts spicle.'de Eingeborene bedeckt den Kopf nur zur Regenzeit mit der Kapuze seines braunen Gehabs" und ist daran kenntlich, daß auf dem rasirten Kopfe nur über dem rechten Ohr eine Art von Scalplocke von der entschwundenen Pracht des Haupthaares zeugt, der Jude trägt einen schwarzen Fez oder irgend eine europäische Mütze. Das weibliche Geschlecht ist nur durch Jüdinnen dntreten, zum Theil in weiße orientalische Gewänder gehüllt, zum Theil mehr oder weniger europäisch gekleidet. . Wer nicht barfuß geht, und das thun Viele, hat an den Füßen schlappende baduckus, und nur die allerwenigsten tragen Strümpfe. Die Hofe ist ein sonderbareZ Kleidungsstück mit engen
Beinlochern, das ringsum und besonders hinten weit' herabhängt und dem mit nackten Unterschenkeln herumstelzenden Tangerianer etwas Vogelähnliches gibt etwa eine Schaar watschelnder Enten mit kurzm Beinchen und lang herabhängendem Steiß. Der Fremde wird in diesem Gewimmel weit weniger belästigt von Gaffern und Bettlern als in den spanischen Städten. Zwar gibt es auch hier Bettler genug, aber sie verstehen ihr Geschäft lange nicht so gut wie ihre spanischen und italienischen Zunftgenossen und lassen gewöhnlich nach der ersten abweisenden Bewegung von ihrem Opfer ab. Die Mauren selbst werden von den Bettlern nicht weniger angesprachen als die Fremden, was ebenfalls einen großen Unterschied gegen Spanien und Italien bedeutet, wo der Ausländer in dieser Hinsicht weit mehr zu leiden hat als der Einheimische. Neben der Hauptmoschee in Tanger ist ein bedeckter Gang, welcher das Kran kenhaus von der Moschee trennt, und in diesem Gange schlafen des Nachts die Obdachlosen, denen im KrankenHause zweimal täglich Nahrung gereicht wird. Der professionelle Bettler sitzt entweder still an der Ecke und wartet mit seiner klagenden Bitte, bis ein Mensch mit anscheinend gutem Herzen vorüberkommt, oder er durchzieht die Gassen mit lauttönender und nimmerendender Bitte, einen Metallteller zur Aufnahme der Gaben in der Hand haltend. In der Hauptstraße befinden sich außer den Läden die europäischen Caf6s, Geschäftshäuser und Restaurants. Die europäische Gesellschaft, welche man im Caf6 trifft, ist sehr gemischt: Die Engländer und Deutschen stnd zumeist nur vorübergehend hier, oder halten sich mehr ihrer Gesundheit oder ihres Vergnügens wegen hier auf. als um Geschäfte zu machen. Die Geschäftsleute sind spanische Engländer von Gibraltar, Spanier und Franzosen, und besonders vertrauenerweckend sehen diese Leute nicht gerade aus. Da die Msuren sich um Geschäfte nicht kümmern, die Juden aber nur vom Kleinhandel etwas zu wissen scheinen, liegen alleVankgeschäfte in europäischen Händen, und man kann sich fein Geld twx Franzosen, Englandern. Deutschen der Spaniern wechseln lassen. Ebenso kann man etwaiger Vorliebe für bestimmte Nationen bei der Wahl eines Hotels oder beim Frankiren eines Vrie.fes folgen. Eine maurische Post gibt es nicht, und so haben die Engländer ihre po8t - officev die Franzosen ihre j)08te und die Spanier ihren corres hier eingerichtet; nach Belieben kann man seine Postsachen von Tanger mit englischen, französischen und spanischen Marken frennachen. Auf dem Markte. Die Hauptstraße von Tanger fangt am Hafen QN und führt mit einigen 'Windungen durch die Stadt durch, immer ansteizend, bis wir den an der Stadtmauer gelegenen bedeckten Markt erreichen, dem sich vor dem Thore der offene Marktplatz, der 60k, anschließt. Das Gewimmel, das uns schon in der engen Gasse manchem Stoße aussetzt, verzehnfacht sich auf dem Markte, wo sich die Packesel und Maulthiere durch die dichte Menge drängen und mit ihrer auf beiden Seiten weit vorstehcuden Ladung Püffe und Stöße austheilen. Auf beiden Seiten sitzen in engen Buden Männer und Weiber und verkaufen Fisch rnd' Fleisch, europäische und süße Kartosfeln, varns, garbanzos. Rettiche und fönst allerlei den Gaumen und Magen des Mauren, Juden und Christen erfreuende Dinge. Zwischen den Verkäufern durch zieht stch die Menge der Käufer zu Fuß und zu Roß, 'und um sich feinen Weg zu bahnen, darf man nicht blöde sein, sondern muß hier einen in Sackleinenwnd gekleideten Riffianer, dort einen im dunkelblauen Gehab einherschlürfenden Mauren beiseite schieben, bald muß man einen ganzenEsel wegdrücken, bald ein Pferd am Zügel fassen und' aus dem Wege führen. Alles dies machen die Eingeborenen mit großem Geschrei und Vielen Bewegungen ab und mitunter kreischen sie einander so wüthend an und packen sich auch wohl gegenseiiig an Rock und Hand mit so mörderischen Geberden, daß man bald krumme Dolchklingen blitzen zu sehen erwartet. Diese Erwartung wird wohl nicht zum wenigsten durch die grimmigen schwarzen Bärte und Augen der Streitenden Veranlaßt und man wundert sich einigermaßen, aß Leute von so blutdürstigem Aeußern sich mit einigem Schimpfen zufrieden geben und nicht daran denken, den feindlichenLeib in Wurstfleisch oder Gänsegefllllsel zu verwandeln. Kommen uns schon die Straßen schlecht gepflastert und schmutzig vor, so suchen wir auf dem Markte vergebens nach passenden Worten für den Zustand des Pflasters. Wahrscheinlich ist es nicht schlechter als in den Straßen, aber dort kann man doch den schlimmsten Löchern ausweichen, während hier in dem dichten Gedränge durch Dick und Dünn durchgepatscht werden muß. ' Was da aus Schuhen und Hosen wird, will ich nicht beschret,ben, aber sehr gewundert habe ich mich über die Thatsache, daß nicht eine einzige dadncda in diesem Dreck stecken blieb. Wie es die Bewohner von Tanger bewerkstelligen, ihr Schuhwerk in dieses knöcheltiefe Schlammbad hinein und wieder herauszubringen, weiß ich nicht, aber sie thun es. und für' diese Leistung kann ich ihnen meine Beldunderung nicht versagen. Durch, einen breiten Thorweg gelangen wir' vom Marktplatz auf den Lok, eine Gegend, wo Schweinen, Enten und Fröschen trefflich zu Muth sein müßte, wenn man ihnen den Aufenthalt hier gestattete. Aber die von der Natur für diesen gründ- und uferlosen Schlammteich bestimmten Bewohner hat man vertrieben und nun sitzen mitten in dem
Koth Weiber und Männer auf niedrigen Schemeln unhalten' Gemüse feil, welches .sie nuf einem Brette vor sich ausgebreitet haben. Die Gegend riecht wie ein Stall und steht auch so aus, denn auch der Pferde- und Efelmarkt wird hier abgehalten. Nun denken Sie sich ein paar Tage Regenwetter, und Sie können stch die Bescheerung vorfiellen. Bei jedem Tritte quatscht und spritzt es nach allen Seiten, und die Rettiche und Kartoffeln der Marktweiber liegen zum Theil in einer nicht im geringsten den Gaumen kitzelnden Sauce. Zieht inan aber den Schmutz ab, so bleibt Malerisches und Jnteressantes genug in diesem Durcheinander von Händlern und Käufern in ihren seltsamen Trachten, von Prachtthieren und Reitern, von Zeltea und Buden. Auf einer Seite stehen einige zwanzig mit Lumpen und Säcken bedeckten Zelte und in jedem dieser Zelte sttzen zwei oder drei Schuhflicker, ein Zeichen, daß das holprige Straßenpflaster wenigsiens dem ehrsamen Handwerke nützlich ist. 4
Der Garten der deutschen Gesandtschaft. Durch diesen Sumpf des 80k muß 'man durchwaten, wenn man dem deutschen Gesandten seinen Besuch machen oder den Garten der Gesandtschaft besichtigen will. In einem maurischen Thore am Eingang kauerten ein paar bärtige Mauren, die ich zuerst ignoriren zu können glaubte, aber dies ließen diese Königsmohren, wie die Soldaten hier genannt werden, nicht so ohne Weiteres zu. Jedem Vertreter einer fremden Macht werden in Marokko als Leibwache einige moros del rey zugegeben, und ohne Backschich lassen diese Kriegsknechte selbst den friedfertigsten Menschen nicht durch das Thor der Gesandtschaft. Einen von ihnen erhob stch und sagte etwas, das aus lauter Kehllauten bestand und mir fast wie schweizer Deutsch vorkam. Um ihm zu zeigen, daß ich das auch kann, entgegnete ich: Ach, ech, ich, och, uch, berechichach", wobei ich Alles ganz hinten und unten aus dem Halse holte. Dies hatte die Folge, daß der Mann mich eine Weile ernsthaft prüfend anschaute, um dann fragend zu sagen: Tu Aleman?" Ich setzte mich weltmännisch über das vertraute Du hinweg, antwortete bejahend und fuhr fort, ich möchte gerne den Garten sehen. Dabei gab ich mir die unnöthige Mühe, spanisch zu radebrechen, während der Mann mein Deutsch gewiß ebenso schlecht verstanden hätte. Er glaubte, ich wolle zumGesandten, und führte mich an das mitten in einem prächtigen Garten gelegeneGebäude, aus welchem ein anderer Königsmohr trat, der etwas mehr spanisch verstand und mit gleichgiltiger Handbewegung den Besuch desGartens gestattete. In diesem Garten mit seinen fruchtbeladenen Orangen- und MandarinenbkPmen, seinen Beeten voll prächtig blühender Sträucher und Büsche, seinen dunkeln Laubgängen und sauberen Kiesgängen ist es gut sein, doppelt gut, wenn man vorher glücklich denSumpf durchgepatscht hat, wonach dann der Garten wie em aus den Gefilden der Seligen geschnittenes Stück aussieht. Ich schlenderte also unter den Pinien, Orangen und sonstigen südlichen Bäumen herum, ohne auch nur einen Augenblick zu bedauern, daß meine botanischen Kenntnisse nicht bis zur Nennung all' dieser Pflanzen reichten. ein Bedauern, das ich erst jetzt fühle, wo ich den deutschen Garten im Mohrenland schildern möchte. Indessen kommt es so sehr nicht darauf an: mögen die Pflanzen da oben heißen, wie sie wollen, ja mögen sie gänzlich namenlos sein, es läßt sich gut zwischen ihnen herumspazieren und wenn ich nicht Zeitungsschreiber wäre, so mochte ich wohl deutscher Gesandter in Tanger sein. Auf der Kasbah. Den höchsten Punkt von Tanger nimmt, wie es sich gehört, die Kasbah ein, eine alterthllmliche Festung mit wirklichen Kanonen, die trotz dieser kriegerischen Zuthaten, trotz Wällen, Mauern und Thürmen, so aussteht, als ob ste mit einem starken Sturmbock umgerannt werden könnte. Wäre ich der Sultan von Marokko, so würde ich diese Kanonen als altes Eisen verkaufen und mich im Uebrigen auf den Schutz Allahs, des Propheten und der Engländer verlassen. Vielleicht wirken Allah und sein Prophet insgeheim mit, öffentlich aber hat Marokko seine Selbständigkeit nur den Engländern zu verdanken. DieSpanier hätten schon vor Jahren das Beispiel der Franzosen in Algier befolgt und auf der Kasbah von Tanger das gelbrothe Banner gehißt, wenn nicht der auf dem uneinnehmbaren Felsen von Gibraltar sitzende britische Löwe zu brüllen begänne, so oft Don Quijote dem Mohren an den Kragen will. Und wenn Sancho Pansa das Brüllen hört, bekommt er Angst und zieht sich zu gart)anzosi und gazpacho zurück, was Don Quijote schließlich- nachmachen muß. Diese englische Beschützung Marokkos erinnert mich an eine Anekdote, die gewissermaßen Hierherpaßt. Zu tinem Bankier kam ein Freund und sagte ihm: Es thut mir leid, aber ich habe die Gewißheit, daß Dein Eassier Dich bestiehlt.- Darauf erhielt er die Antwort: Ich weiß es, daß der Hallunke stiehlt, aber ich behalte ihn trotzdem, denn er paßt verdammt gut auf, daß sonst Niemand in meinem Geschäft stiehlt. So geht es auch den Engländern, sie stecken zwar selbst viel ein, aber ste passen scharf auf, daß sonst kein Land in ihrer Nachbarschaft was einstecke. Mitunter können ste es nicht hindern, aber unangenehm ist es ihnen immer. Es nützt also den Spaniern nichts, daß ste immer wieder betonen, die frechen Riffpiraten könnten nur durch Annexion der ganzen Küste gebändigt werden, John Bull will
nicht, daß Marokko in Sanchos Mantelsack gesteckt werde, und dagegen hilft Don Quijote's Säbelrasseln nicht. Oben auf der Kasbah steht der Palast des Gouverneurs, ein Gebäude, dessen Besuch sehr enttäuscht, wenn man ein Seitenstück zu der Alhambra von Granada oder zum Alcazar von Sevilla erwartet. Für einTrinkgeld gestatten die wachhabenden Soldaten den Eintritt in die theils verwahrlosten, theils modernistrten Höfe und in einige Säle, von denen keiner etwas Bemerkenswerthes bietet. Das Interessanteste hier oben ist das Gefängniß, ein feuchter, schmutziger und demgemäß übelriechender Raum, worin einige zwanzig halbverhungerte, an den . Füßen mit schweren Eisenketten gefesselte arme Teufel herumkriechen, die hoffentlich fest an vie Paradiesesfreuden glauben, um so über ihr bejammernswerthes Dasein hinweggetröstet zu werden. Von der Regierung bekommen die Gefangenen fo wenig zu essen, daß ste alle in kurzer Zeit verhungern müßten, wenn ihnen nicht eine wohlthätige englische Familie seit einigen Jahren täglich ein paar hundert Laib Brod schickte. Ob freilich dieses Brod wirklich die Gefangenen erreicht oder von dem Aufseher verkauft wird, ist eine andere Frage. Die Jammerhöhle macht uns die vielen Bemerkungen über die Gefangenschaft der Christen in Marokko, die im DonQuijote" enthalten sind, erst recht verständlich, und auch der komische Jammer des Corporals Tim im Tristram Shandy" über das Unglück seines Bruders Tom bekommt hier ein anderes Gesicht. Beim Heraustreten
aus der durch ein kleines Guckloch mit dem Gefängniß in Verbindung stehenden Vorhalle wird uns zum Glück ein Anblick zu Theil, der die oben geschauten Schreckensbilder vergessen macht. Jetzt haben wir die ganze Stadt mit ihren weißen Häusern, woraus die mit bunten Apulejos geschmückten Minarets der Moscheen aufsteigen, zu unseren Füßen 'liegen; zur Rechten zieht sich in weitem Bogen der -Strand mit seinem gelben Sande, den grünen Bergen und weißen Villen, und da unten liegen im Hafen die Schiffe vor Anker, fein und zierlich mit Masten und Segeln wie Kinderspielzeug. , Weiterhin dehnt es sich in blauer Unendlichkeit, hie und dn ein weißer Punkt: das Segel eines Fahrzeugs, oder ein schwarzer Wolkenstreifen: der Rauch eines Dampfers. Das ist schön, und es ist gut, daß es schön ist, denn wir. staken knöcheltief im Kothe, neben uns jammern die Gefangenen und da wenden wir uns gerne ab von dieser nahen Umgebung, um einzig dieses herrliche Gemälde wahrzunehmen, das stch zu unseren Füßen ausbreitet. Vielleicht halten Sie das für hartherzig, aber wer kann gegen seine Natur? Elend, Krankheit und Noth sind mir unangenehm und ich gehe ihnen gern aus dem Wege, zumal wenn ich nicht helfen kann. Könnte ich helfen, so gäbe es diese unangenehmen Dinge nicht, da ich es nicht kann, drücke ich die Augen und Ohren zu und fluchte mich zu anderen fröhlicheren und schöneren Schauspielen. , m m m Warum er nie lachte! Eine traurige Seemannsqeschichte. Als wir uns heute Morgen zur Arbeit bereit hielten, kam der Steuermann und verkündete uns,' auf Befehl des Kapitäns würde heute nicht gear beitct; aber der Kapitän ließe uns bitten, keine Musik zu machen. Das war merkwürdig! Tcr Alte hielt sonst strenge darauf, daß tüchtig gearbeitet würde, und nun gab er uns einen Feiertag, aber ohne Musik! Die Handharmonika ruhte, es wurde we der gesungen, noch getanzt und wir brauchten auch nur den Kapitän anzu sehen, um alle Lust zum Fröhlichscin zu verlieren. Am Abend, auf der ersten Wache, fragte ich Jensen: Weißt Du, was dem Alten fehlt und weshalb er uns frei giebt?" Jensen, ein biederer Hanscate, hatte die Angewohnheit, mit mir immer Hochdeutsch zu reden und wurde jedesmal tief beleidigt, wenn ich ihn bat, doch Plattdeutsch mit mir zu sprechen. Glaubst Tu," sagte er dann wüthend, ich könnte nich Hochdütsch reden, wo, was mein Vater gewesen war, von Natur eenen gebornen Hochdütschen aus Sachsen gewesen is; aberst in seine frühste Jugendzeit mit seine Oellern nach Hamborg vertrokken is. So lasse ich ihn in seiner Weise erzählen. Ja, mien Jung, dat könnte ich Dich woll allens verzählen von wegen weil ich ja sülbst mit dabei gewesen bünn. Wat Kaptein Schröder is, un ser Alter, der hat mit twee und twiniig Jahren gefreit und hatte denn auch nach der nöthigen verflossenen Zeit eine Söhn. Dunnemals nun. nu zu der Zeit, dat is lange vor dem Kriege gewest, fuhr he die Blankeneser Bark Hero", un ick war auf das Schip als Leichtmatrose geheuert. Sein Sohn war mittlerweile sechzehn Jahre alt geworden un wat den Jungen seine Mutter is, die wollte partutemang nich, daß er Seemann werden sollte. Aberst er mußte tro destoweniger un als se nun den letzten Dag in' Ham bürg an Bord von dat Schip gekommen is, da hett se gräulich gcwecnt und hat gesagt to Kaptein Schröder, wat ja se ehren Mann west is, hat se gesagt auf Plattdütsch, von wegen weil sie ziemlich ungebildet in Hochdütsch is; Ick hev sonne Dodesangst, dat den Jungen wat pasieeren dei't. Kri schan, lat mi mien Söhn hier, he is ja unsen Eenzigsten. Mutting." hat de Kaptein gesagt, wes man still, ick bün ja bei ihm un ick bring cm Dir zurück." So sünd wir denn weggesegelt von Hamborg nach Valparaiso, und dann nach Antefugasta un waren schonst im Begriff, auf der Heimreise nach Hamborg to segeln, un das wäre ja allens
cht schön un recht gut. AlS wir aberfl auf der Höhe von Bahia gewesen sünd, da kriegten wir einen düchtigen Sturnr un unser großer Mast ist dabei tom Teurel gegangen. So is dat gekommen, dat wir nach Vahia hineingemußt haben, damit dat wir dat Schip zurccht timmern konnten. Dat Alles hätte ja mit der Ahnung von de Mutter von unsen Walther nichts zu thun; aberst mein Junge die Hitze in Bahia war für einen vernünstiaen
Christenmenschen een beeten to deel, rm so is dat denn gekommen, dat wir un5 in dat Water da gebadet hatten. DaS war an Sundag dem veerundtwintig sten Mai, da lagen viele Schiffe um uns rum un alle thäten si: baden. Wir wären so, bei der Klok zehn herausgewesen un hätten begunnen uns antotrecken. Dunn sagt mit eens der Gottlieb, was ein Preuße aus Berlin war : Gott verdamme mir ! aberst wo ist der verflüchtigte Bengel geblie ben ?" So nannte er dem Kaptein seinen Jungen, weil er ein fixer Jung war un wir ihm alle gerne leiden thäten. Aberst das war nich so schlimm, denn was der Jung war, der war mittlerweile un unterdeffen nach dat Bremer Schip .Ella" geschwommen un sprung just mang Zn dem Augenblick tnt ÄLater un schwamm zu uns herüber. Dunn haben wir uns dann weiter angetrocken, abersd der twcete Steuermann, was ein richti gen Hochdütschen gewesen is, steht auf das Hinterdeck m hat miteens gesrieen Tcr Tcuvel soll mi halen, da is einen großen Hai un der Bengel is noch int NNv VUlb. Mein Junge, ick hatte gerade mein Hemd antrccken wollen un stak mit beide Arme in it, aberst als ich dat schreckliche Wort hören thäte, dunn hab ich vor in wendigen Schreck dat ganze neue Sün dagshemd för drei Mark stfti entwciree ten. Wat unse Kaptein is, der war justcmang von Land gekommen, wo he zur Kirche gegangen gewesen is un war: nu dalgegangen in der Kajüte, um V. umzutrecken. Nun hatte er den Spe!takel gehört un kummt auf das Verdeck." sAi AM A A X . im iuuu itujiui uiju in Water uu hört das ein groter Menschenfreeter bei's Ship is. Er sreit seinem: Söhn zu: Wes man nich bang mein M fittv it V!Jftf fivt rttt'Ä uuyj, iuiu Huu viuyitt ittttt Schip!" Te'Jung, welcher Kourageför twce hatte, schwamm straks aus dat: Schip too, aberst wat dat gräuliche Un diert wäre, der hatte ihm nun auch gestehen. Der Jung wär nich weit vont Schip, aberst de dreieckige Flösse von den Fisch war dicht um ibn herum Wir schmeten mit Steinköhlen un fyölX,. um den Hai wegtojagen. he ging ol: weg, aber Gott verzieh mir, he ging blots tiefer ins Water. Ter Kaptain sprung in die Kajüte, um sien Schieß gewehr zu holen un ick stunn in die Wtftrn ntt her 9snt!nfit hnn VV V pvi I VftV W 4 Vfc Schip un wollte dem Walther meine Hand reichen,, damit auf datz .er-beter c ...!.. . fr. i . rr . -v . yeruplvuliiieil iiuinic. -e jai uwir nich 'ZU sehen, unser Schmeißen mit' Steinköhlen hatte ihm vertrieben, ick bük mir herunter, der Jung griebt nach meiner Hand un ik will ihm herauf trecken dunn in dcmselbigten Augen blicke seh ik was Wittes von unner' dati Schip herauskommen, das war daSverdammte Beest, un er hatte sich schonst auf dem Rücken geworfen, in dem selben Augenblick steht der Vater ober mir un indeß daß er sehen thut, wie ik den Jungen bei der Hand habe, -aberst den Hai thäte er nich sehen, . sreit he: Gott sie Dank, he is gerettet' halte ihm gut fest, Jensen!" Aberst die Annern, was der Timmermann UN die Matrosen sind, die freien: Hol em wiß, Jens, dat verfluchte Diert." Ja, ick hatte ihm ja gewiß bei der, Händen un wollte ihm ja ok wohl so gerne heraufziehen, aberst der Hai, der gottverfluchten Menschenfreeter, hielt ihm ja fest bei den Beinen, er hatte ihn mit sein verdammtes Gebiß biß z den Knieen ins Maul. Dem Jungen sein Gesicht kunnte ich nich sehen, ik kunnte ja überbauvt nick seben von tut gen der inneren Aufregung un den schrecklichen Gedanken an d?n Jungen seinen Bater, ick weiß nur, ick schrie: Kaptein, schceten se doch! be hat enr ja!" Ich hörte was knirschen öber mir als wenn der Alte seine Tähne im Mund entzweibeißen thäte. Miteens, ganz plötzlich hör ick einen fürchterlichen Knall gerade . über mich ick seneg Blood vör mie, ' und wenn das nich so West wär, dat Paul mir zu fasten gekriegt hätte, dann wäre idb nachgefallen achter dem Jungen un dat Beest! Dann hörte ich den Kaptein sagen: Gott vergev mi, ick kunnte nich an ners." Un de Mutter? De Kaptein fchree ihr von Bahia, daß ihr Söhn vertrunken sei, indem daß er über Bord gefallen wäre un er hätte einen ehrlichen Seemannstod gehabt. Dn meenst woll, als wir nu nach Ham bürg gekommen sünd und die Fran wäre an Bord gekommen und hättecn ? . rv , geqeutit nee, mien unge: ie yai den Kaptein angesehen un sah fieneschneewitten Haare un hat gefegt: Krischan, las uns nich vergeeten, dat unser Söln jetzt in'n Himmel is die nnsea Herrgott." Siehst Du, siet de Tied hat Kaptein Schröder nie nich gelacht und wenn de veerundtwintigste Mai kummt, dann wird bie ihm an Bord nich gearbeitet. Wär' ihm lieber. Stut Schneid: Hier bring' ich Dir ein Passepartout zu Biermanns Garten Concerten." Stud. Spund: .Ein 5?auvartout wär' mir lieber!" Liebevoll. Junger aom mis: Nun, hat Ihnen der Chef Zuläge gemacht?" Alter Buchhalter: Nein!" Junger Kommis: Auch nicht, als Sie ihm sagten, Sie hätten in sei nem Dienst graue Haare bekommen? Alter Buchhalter: Selbst da nicht; er hat mir nur ein gutes Haarfärbemittel empfohlen!" ,
