Indiana Tribüne, Volume 21, Number 174, Indianapolis, Marion County, 13 March 1898 — Page 3
Achs Mionell. (sin ftöhlicher Roman von Wilhelm 'pcgcicr. (6. FortjeSung.) Ei blickt: oen Maler an, Der verächtlich jeinc Fingernagel poUrte. Und Qls wenn lym ci dejien ittuhe seine eiyne uurde wielertame, lugte er hinzu: 'idikllch hat sie keine Millionen. 5)cc )lrecwr hat uns iblech vorgeredet und muß jicy dieOyren besser waschen." Alsean oann gleich daraus eintrat, sagte er lachend: myJla, (sie alter Fuchs, da haben Sie uns was Weites ausgebunden!" Xtx Birector warf sich in die Brust. Ja, wenn ich's blotz einmal gehört Halle, dann wollte ich sagen, irren ist menschlich . . . Aber hier mit meinen Ohren habe ich's mindestens zehnmal geyört. In diesem Augenblick sitzt 97 und 83 gerade über uns, und wenn die Wände nicht so dick wären, könnten sich die Herren selbst überzeugen." Er solle erzählen, hieß es. Beweise antreten! Tas that er denn auch. Uno wirklich, er wußte haarklein Bescheid. ' Tante Jda wäre , nicht wenig er-1 schrecken gewesen, wenn sie gehört hätt?-, wie er alle ihre Renten und Papierchen aufzählte. Der Unqlauben der Herren wich an dern Gefühlen. Es war feierlich still. Nur der Neferendar schlug manchmal auf den, Tisch. Donnerschlag, wer hätte das ge glaubt?" Dann aber warf Ren6 Basch, dessen Augen flackerten, ein Pst! Weiter! ..." dazwischen. Kalderhot ließ mit halbem Ohr die enormen Ziffern an sich vorübergleiten. Aber um so lockender stieg ihm das Bild des zierlichen Mädchens auf. Sie war ihm immer sympathisch geWesen, schon ihres Namens wegen. Nun aber bekleidete ihre feine Gestalt ein bezaubernder Schimmer wie Staat von glänzender Seide. Jean genoß seinen Triumph. Wäh rend er seine Freunde einzeln ansah, meinte er: Das war doch wirklich 'ne Neuigkeit, 'ne feine Nummer, was?" Großartig! !..." versetzte Schmitz. (Ihn hatte diese Mittheilung vollends berauscht.) Wahrhaftig, Director, Sie sind'n Columbus. Im Namen der Freier, tiefgefühlten Darf!" Damit reichte er ihm seine Hand über den Tisch hin. Eine Weile schwiegen die vier, wäh rend jeder auf andere Weise QualmWolken hervorstieß. Plötzlich aber fing Schmitz wieder an: Ich hab 'ne Idee! Auf das hm müssen wir Sect trinken. Die Miflio nen müssen begossen werden und die Millioneuse dazu." Dann brach er in ein rauhes Gelächier aus. Herr Gott von Bentheim! Zwei Millionen! Und heut' Morgen begegnet das Mädel mir, da Hot sie 'nen Hut auf, der kostet keinen Fra.ic. Ist das eine Verrücktheit!" Als Jean von Sect gehört hatte, war er wie verjüngt aufgesprungen. Welche Sorte befehlen der H::r Doctor?" Ruhig Blut. Anton!" sagte dies'.r. Lassen Sie mich nur ausreden. Ueber die Sorte werden wir uns nicht streiten. Aber... was ich sagen wollte... Also!... Ich bestelle den Sect, und bezahlen thut ihn der, der die Millioneuse erwischt... Das heißt man gerechte Justiz." Der Director wiegte leicht die Schultern und meinte: Der Ordnung halber muß ich ihn doch einem der Herren auf Rechnung setzen." Kreiden Sie ihn mir nur auf... wenn noch Platz da ist!" sagte Schmitz großmüthig. Der Lieutenant hatte hinaufgehen wollen. Doch schien ihm gerade der Augenblick jetzt schlecht gewählt. Um den Referendar nicht zu beleidigen, und weil er überhaupt kein Spielverderber war. beschloß er ein Glas mitzutrinken. Man stieß an. Auf No.96!..." sagte Jean. Die Herren lachten, nur Schmitz trank mit feierlichem Eri.st. Der Sect schimmerte in den breiten Schalen und trieb unzählige Bläschen empor. Kalderhot sah wie so oft sonstdiesem hurtigen Treiben zu, und wie so oft sonst kam ihm der fromme Wunsch, wenn's doch Goldstücke wären, diese hurtigen Bläschen! Aber zugleich schoß ihm der Gedanke durch den Kopf: es könnten ja welche sein! Wenn du dies Mädchen bekämst, hättest du Geld. Geld in Masse, viel mehr als dort Schaum aufsteigt . . . EineSiedehitze lief durch seinen Kor per, als er merkte, wie der Leichtsinn mit ihm durchging. Auf einen Zug trank er das Glas leer. Nun waren keine Bläschen mehr da. Aber in ihm selbst perlte es um so mchr! Sein Blut lief rascher. Ein waghalsig:? Muth machte ihn fröhlich. Die ganze Gesellschaft erschien ihm riesig sidel . . . Schon schenkte Jean ihm von Neu?m ein, und er zog das Glas nicht weg. Das Mädel weiß also nichts von ihrem Geld?" fragte der Maler. Sie hat keine Ahnung." Welche Chancen!" lallte Schmitz. 2)a muß man . .. Beine machen." Als aus der Flasche die letzten Glaser eingeschenkt wurden und man tolt der anstieß, sagte Ren6 Basch lauernd: Wir trinken wohl zum letzten Mal, Herr Lieutenant?" Warum?" Weil Sie doch morgen reisen." : Mensch, Sie reisen ab!"... schrie btz Referendar und wollte ihn umar-inen.
Dem Officier schoß daS Blut in den Kopf. Davon habe ich nichts gesagt... Jean, noch eine Flasche!" Eine merkwürdige Aufregung kam nun über die drei. Mit jedem Glas, das sie tranken, schössen tollere Gedanken ihnen durch den Kopf. Die beiden dachten im Stillen dasselbe, was Schmitz in seiner Betrunkenheit offen aussprach. Zwei Millionen flimmerten hinter dem goldenen Wein, mit einem Schlag zu erreichen, mit einem einzigen Wort! Nur manchmal taumelte durch ihre verwirrten Sinne der Gedanke, daß vielleicht dies alles Wahnwitz sei. Traum und Rausch, zerstoben über Nacht wie der Schaum in den Gläsern. Aber sie tranken darum nur desto wilder, als tränken sie mit dem Wein selbst das Gold. Und der Wein erhöhte noch ihren verzehrenden Durst nach den Millionen, die vor ihren Aug.'n flimmerten. Während unten die Jäger pokulirten und auf fröhliches Waidwerk anstie ßen, lag in der kleinen Kammer das edle Wild und wußte nichts von der Gefahr. Nelly konnte nicht schlafen. In süßem Sinnen durchkostete sie noch einmal den Tag. den sie mit Peter verlebt. ' Merkwürdig waren diese Stunden gewesen. Voll Wolken und Sonnenschein... Aber ein Wort wollte ihr nicht aus dem Kopf. Dies Wort, das Peter scheinbar so aus dem Grund seiner Seele gesagt: daß einKünstler reich sein müsse.und daß, wenn er an in armes Weib sich bände, ihm ein böses Schicksal beschicken sei. Es half nichts, daß Nelly sich sagte, sie habe selbst so oft das gleiche gedacht. Es half auch nichts, daß sie sich die Wahrheit des Wortes bewies. Ihrem Gefühl that feineMeinung darum nicht minder weh denn sie verlor dadurch ja ihn selbst. Niemals empfand sie ihre Armuth so bitter wie in diesem Augenblick. Mit dem Kopfende berührte ihr Bett fast eine Ecke des Fensters, so daß ihr Auge den nächtlichen Umkreis weit umfassen konnte. Die Berge lagen in schweigender Dämmerung. An dem unsichtbaren Frühlingshimmel blitzten und blinkten die Sterne und spiegelten sich tief in dem See. Während sie hinausblickle. löste sich eine leuchtende Sternschnuppe und fuhr mit glänzendem Strahl auf schwarzem Grunde hin. Da krampste sich ihr Herz zusammcn in plötzlichem freudigen Schreck und aus ihrer Seele stieg im selben Augenblick der heiße sehnsüchtige Wunsch, der ihre Lippen beben machte: Ich möchte reich sein... reich... reich!" Dann sank ihr Kopf auf tas Kissen zurück. Aber ihre Seele perlte noch immer und trieb Bläschen wie eiskühler Champagner. Wunsch, auf Wunsch stieg empor. Aber je müder sie wurde, desto bescheidener wurde sie auch. Zuletzt war es nur noch ein Kuß, den sie begehrte. Und diesen Wunsch erfüllte ihr ein neckischer Traum wohl an hundert Mal.
IX. Als Nelly gestern Abend auf ihr Zimmer gegangen war, 'hatte kein Mensch nach ihr geschaut. Nun sie heut Morgen erwachte, besaß sie drei glühende Verehrer. Doch da sie von diesem Umschlag der öffentlichenMeinung nichts wußte, konnte .sie sich auch nicht darüber freuen. Beim Frühstück versuchte sie die Tante zu bewegen, mit ihr eine Reise nach Genf zu machen. Aber die dicke alte Dame, die sich nicht mal entschließen konnte, das theure Hotel gegen eine billigere Pension zu vertauschen, da sie aus lauter Vorsicht dort festklebte, wo sie sich einmal niedergelassen, würd von einem solchen Vorschlag ganz außer Athem gebracht. Ich hab's ja gewußt, dachte Nelly mißmuthig. Wenn man die Tante um etwas bittet, fängt sie eine lange Strafpredigt an. Sie putzte sich ihre rothen Lippen blank, wickelte hurtig die Serviette zusammen, machte ihrer Tante einen Knicks und sagte: In die Kirche brauche ich nun nicht mehr. Meine Predigt hab' ich ja weg." Dann lief sie mit einem Tralala in den Garten. Die alte Jungfer schaute ihr köpfschüttelnd nach. Ganz die Mutter! dachte sie seufzend. Und sie' wird auch noch mal so enden mit einer Mesalliance. Nachdem sie dann gefrühstückt, zog sie sich in ihr Zimmer zurück und schrieb einen Brief an ihren Freund, den Rector Strim, worin sie unter anderm anfragte, ob er vielleicht einen Neffen habe, der in Genf lebe und Schriftsteller (besonders für die reifere Jugend) sei. ' Lieutenant von Kalderhot saß vor halb gepacktem Koffer, das ganze Zeag betrachtend, womit sein Diener ihn für die Reise bedacht. Ein Dutzend Wintersocken, ein Paar Reiterstiefel, eine Unmenge Uniformkragen, ein Pistolenkästen ... Und die ganze Bescheerung mußte er wieder in den Koffer zwan gen. Schönes Sonntagsvergnügen ! ... Er wollte reisen. (Denn er hatte es sich ja vorgenommen!) Aber ihm fehlte die Lust dazu. Ueberhaupt was war das für 'ne Wirthschaft? Draußen schien die Sonne. Kleine Böte schaukelten sich auf den blauen Wellen, mit flotten Ruderern und hübschen Mädchen gefüllt. Und er saß hi, barmte wie ein altes Weib! Herrgott, ohne ein bissel Leichtsinn ging's nun mal nicht, und wenn man als flotter Officier geboren ist, muß man auch die Courage haben, einer zu sein. Und lockend stieg ihm daS Bild d:S
netten Mädchens auf. Ein verfluchter Streich wär's doch, wenn er plötzlich heimkäme mit einer Braut zwei Millionen schwer. Die Kameraden würden ihn höllisch anstaunen. Sie hatten ihn ohnehin immer getröstet, er würde sich. noch mal mit einer reichen Partie aus aller Noth reißen. Und zuletzt siel ihm etwas ein, waS ihm sozusagen moralischen Hinterhall gewährte. Wenn er das Mädel nicht bekam, so bekam sie einer von den beiden, Ren6 Basch oder der Referendar. Und besser als diese war er immerhin. Vergnügt steckte er sich eine schwere Jmportcigarre in 'den Mund und schaute auf seine halbgepackten Koff:r. Nachdem er verächtlich die Spitze der Asche hatte hineinfallen lassen, ging er die Treppe hinunter. Aber auch jetzt war er noch nicht ganz mit sich einig und dachte, sein Kopf sei doch ein rechter Taubenschlaz, worin die Gedanken ein- und ausgingen wie's gerade kam. Sollte er, nun reisen oder nicht?... Der Zufall mochte die Sache ausknobeln . Wenn ihm zuerst eine alte Dame begegnete, wollte er reisen, eine junge aber sollte ihm gute Vorbedeutung sein, sein Glück zu wagen. Mit diesem Vorsatz ging er im Garten auf und ab, vorsichtig um sich spähend, damit er, wenn ihm eine allzubejährte Dame in den Weg liefe, schleunigst Reißaus nehmen könnte. Als er in einen schmalen Kiespfad einbog, sah er auf einer Bank Nelly. Einen Augenblick starrten beide sich an und Kalderhot sagte sich, wie auf höheren Befehl: Also bleiben!... Er zog den Hut und wünschte Guten Morgen. Als sie förmlich wie immer dankte, fuhr er fort, mit ein?m warmen zutraulichen Blick sie liebkosend: Welch' ein Glück, gnädiges Fräulein, daß ich Sie hier treffe!" Warum?" Darum!" versetzte er lebhaft und setzte sich an ihre Seite. Ich war nämlich unschlüssig, ob ich abreisen sollte oder nicht. Das Leben ist hier ein bissel theuer. Also ich wußte weder ja noch nein und wollte es ausknobeln. Die erste Dame, die du siehst, soll's entscheiden, dachte ich mir. Ist sie all, reist du. Wenn du aber 'ne hübsche und junge siehst, kannst du noch ein bissel bleiben... Na, Gott sei gelobt und gepfiffen, daß ich Ihnen begegnet bin." Während er vergnügt lachte, war Nelly. verlegen erröthet. Aber dies aufrichtige Compliment klang ihr wie eine süße Musik. So wäre ich also schuld, daß Sie bleiben?" Jawohl, jawohl! Sie allein!... Ich bin ja riesig froh. Zwei Wochen geht mein Urlaub noch. Warum soll ich da eher in den alten Commiß ge hen? Wenn man jung ist, soll man sich die Welt ansehen. Hab' ich recht?Er Plauderte munter in einem fort, bald paradirend wie ein Pferd in der Arena, bald einschmeichelnd und dersteckte Huldigungen einfließen lassend. Und so viel Absicht auch bei dieser Art war, sie kam ihm doch ganz natürlich heraus. Es fiel ihm nicht schwer, den Liebenswürdigen zu fpielen. Denn seine Augen, geblendet von dem Glanz der zwei Millionen, sahen nicht mehr das von der Kirchhaseler Schneiderin verunstaltete Mädchen. Er kleidete sie sozusagen um. Für ihn rauschte sie schon in Seide. Er prüfte ihre Gestalt und fand die Büste tadellos. Die schlanke Taille hatte keinen Centimeter zu viel. In eleganter Toilette würde sie eine brillante Figur machen! Die beiden waren im besten Gesprach, da tauchte die kurze Gestalt des dicken. Schmitz auf. Sein grauer Sonntagshut flog in weitem Bogen vom Kopf, und mit noch heiserer Stimme rief er schon von weitem: N' Morgen! Morgen, gnädiges Fräulein!" Etwas überrascht durch diesen enthusiastischen Gruß sagte das junge Mädchen auch: Guten Morgen". Denken Sie, Fräulein von Wacht, ich war heute Morgen in der Kirche . . . Ihretwegen!" Meinetwegen?" .Ihretwegen!" Er war näher gekommen, machte 'noch einmal eine Verbeugung und bat um die Erlaubniß, Platz nehmen zu dürfen. Auf mein Wort, Ihretwegen ! Gnädiges Fräulein riethen mir doch mal, ich sollte wieder in die Kirche gehen. Oder haben Sie das nickt gethan?... Als getreuer Knecht bin ich denn hingestiefelt. Leider hatte ich nicht das Glück, Sie dort zu treffen. Wie fanden Sie's denn in der Kirche?" Na," meinte er ehrlich. Offen gesagt, man muß sich erst wieder daran gewöhnen. Er schneuzte sich und holte Athem. So siegesbewußt er seine schöne Nachbarin auch anzuschauen bemüht war, in seinem gelbgrauen Gesicht brummte doch ein grimmiger Kater. Anfangs berührt die Geschichte einen etwas sonderbar," sagte er heiser. Namentlich wenn man nicht ausgeschlafen hat. Die Bänke waren sehr hart. Dann saß ich zwischen lauter alten Damen. Fräulein Taube bot mir ihr Gesangbuch an und wollte absolut, ich sollte mitsingen. Aber das Schlimmste war die Predigt. Der alte Herr auf der Kanzel fing eine Bußpredigt an . . . mir wurde ganz zerknirscht zu Muthe." Das war doch recht gut," meinte Nelly. Ich danke schön. Ich habe gar keine Lust Buße zu thun . . . Nach meiner Meinung sollten die Pastöre ein Programm ihrer Predigt an die Kirhenthür nageln, damit man doch orientirt ijt. I Theater weiß ich doch
auch, ob ich ein Lustspiel oder 'ne TragLdie zu hören kriege." Während Nelly so zwischen zwei Feuern saß. war Ren6 Basch damit beschäftigt, auf sein weißes Vorhemd einen Schmetterling und Blumen zu malen. Dies war seine eigne Erfindung. und wenn er so, in dem tief ausgeschnittenen braunen Rock, der vorne nur einen einzigen Knopf hatte, an der Table d'hote erschien, erregte er allgemeine Bewunderung. Uebrigens war er vortrefflicher Laune. Die Sectpartie war ihm aus gezeichnet bekommen. Er gehörte zu den glücklichen Menschen, denen Sect nur dann schlecht bekommt, wenn sie ihn selbst bezahlen müssen. Munter tuschte er seinem Schmetterling die buntesten Farben an und schmiedete dabei weitgehende Pläne. Plötzlich aber trieb ihn eine dunkk Ahnung an's Fenster, dieser Instinkt, der die Raubthiere schon von weitem die Beute wittern läßt. Er hörte hel les Gelächter und bemerkte die Gruppe auf der Bank. Bassama apatescli!" (Das hieß soviel wie: Hol'S der Teufel!) Dann eins, zwei, drei, die Toilette beendet und hinuntergestürzt. Aber im Garten selbst schlenderte er träumerisch den Weg hinunter: ganz Eavalier und Künstler. Sein Malerauge war in's Spiel der Sonnenfleckchen -vertieft, die mit grünlichem Schimmer auf dem Boden tanzten. So bemerkte er die drei erst, als er ganz nahe vor ihnen stand. Da fuhr er auf und küßte mit einer tiefen Verbeugung Nelly's Hand. Dann überflog er sie mit einemBlick. Ha, Sie haben einen neuen Hut auf. Wirklich ausgezeichnet!... Pariser Modell, was?" I wo! Es ist ein ganz billiger Hut. Ich habe ihn selbst aufgeputzt." Aber mit einem Geschmack ! Ausgezeichnet . . ." Im Künstlereifer nahm er das verdutzte Mädchen ganz ungenirt beim Arm und postirte es gegen einen Busch. Bitte mal einen Augenblick stehen zu bleiben! . . . Ein theueres Bild." Er trat drei Schritte zurück, während Nellys Gesicht aus dem Blattgrün wie eine Nelke hervorglühte. Ein theueres Bild! ... So möchte ich Sie malen. Dieser zarte Fleischton gegen das frische Laub. Dazu der Hut und Ihr Gesicht! Dies Profil unter dem röthlichen Haar, ah, dieses noble Profil ä la . . . ä la Van Dy5. wollte ich sagen. Ein sehr theueres Bild . . . Mein verehrtes Fräulein. Ihretwegen möchte ich wieder ein Porträt malen. Obgleich ich es mir abie-. schworen habe. Aber Ihretwegen! Da sank Nelly von bodenlosem Erstaunen überwältigt auf die Bank. Und mit ersterbender Stimme sagte sie: Was-ist denn heut Morgen los ? . . . Erst sagt mir der Herr Lieutenant, daß er meinetwegen noch bliebe. Dann erzählt mir der Herr Referendar, er wäre meinetwegen in der Kirche gewesen. Nun kommen Sie und wollen meinetwegen wieder ein Porträt malen ... Da schlag denn doch 'ne Bombe 'rein!" Aber gnädiges Fräulein!" Es herrschte eine kleine verlegene .Pause, die drei Freunde warfen sich wüthende Blicke zu, wie drei Wölfe, 'die merken, daß sie es auf dasselbe Schaf abgesehen haben. Wahrhaftig, meine Herren, ich glaube, Sie wollen sich über mich lustig machen . . . denn früher waren S!e doch nicht so zu mir!" Da reckte Schmitz, so hoch es ging, seinen kurzen Hals aus dem Kragen und sagte: Wenn gnädiges Fräulein meine stille Verehrung bis' jetzt noch nicht & merkt haben, so kann ich nichts dafür, auf Ehre!" Von nun ab konnte sich Nelly über die Gleichgültigkeit der Herren nicht mehr beklagen. Einer war zuvorkommender als der andre. Und diese Liebenswürdigkeit erstreckte sich nicht bloß auf sie, sondern auch auf ihre Tante, sogar auf Fräulein Taube. Gleich bei 'der Table d'hote . sing Ren6 Basch mit Fräulein Felsche ein Gespräch über Wollsachen an. Von da kam er aus die Kunst zu sprechen und bat um die Ehre, ihre Nichte malen zu dürfen. Ach nein." sagte diese erschrocken. Warum soll das Kind denn gemalt werden? Wir in unsern bescheidenen Verhältnissen wollen das doch lieber reichen Leuten überlassen." Doch als der Maler beharrlich in sie drang, versprach sie schließlich, die Sache mit ihrer Freundin näher zu bereden. Es gab nun viel Kopfwackeln zwischen den alten Jungfern. Aber Ren6 wußte so viel vom Sächsischen Hof zu erzählen, daß die Bedenklichkeiten schwanden. Nelly wurde also würdig herausgeputzt. Fräulein Taube, die an ihrer Lieblingsidee noch immer festhielt, suchte dem jungen Mädchen möglichst den Ausdruck einer barmherzigen Schwester zu geben. Das schwarze Kleid umgab ein weißes Halskräuschen. Ein goldenes Kreuz, das schon etwas bleich schimmerte die Tante hatte es ihr zur Confirmation geschenkt hing auf ihrer Brust. Das Haar war mit viel Pomade glatt gescheitelt. Ein Neues Testament sollte sie fest an sich drücken und die Augen zu Boden schlagen. . In dieser Haltung wurde Nelly von Wacht dem Pinsel des Malers überantwortet. Selbst das dürftig entwickelte, Künstlergewiffen Renös krampste sich beim ersten Anblick zu sammen. Tante Jda überwachte die Sitzungen. indem sie die beiden mit leis wackelndem Kopf wie ein Uhu anstarrte. Die sonst so muntere Nelly
aber machte bei all' dem ein Gesicht zum Gotterbarmen, denn das Stillsitzen war ihr ein Greuel. Inzwischen machte Schmitz sich an Fräulein Taube. Eigentlich kamen die beiden sich auf halbem Weg entgegen. Seitdem sie nämlich den Referendar mit so zerknirschtem Gesicht in der Kirche beobachtet hatte, wandte sie ihm ihre ganze Theilnahme zu. Der junge Mann vertraute ihr an, daß er in Glaubenssachen etwas verwildert sei, und mit innerlichemSchauder vernahm die alte Jungfer,, er sei in fünf Jahren zweimal in einer Kirche gewesen ... - Er versprach jetzt jeden Sonntag zu gehen. Clementine gab ihm ihre trockene knöcherne Hand, indem sie sagte, sie wolle seine mütterliche Freundin sein und Abends für ihn beten. Täglich führten sie erbaulichere Gespräche. Eines Morgens ließ er mit einem Seufzer einfließen, daß er nun zwar auf dem rechten Wege sei, vor der Zukunft aber doch noch ein bischen bange. Er war ja ein guter Kerl. Aber es gab doch noch fo viel Versuchungen! Das beste wäre, wenn er eine ordentliche Frau bekäme. Denn sein Herz verlangte nach Liebe. Da aber blickte das alte Fräulein ihn mit thranendenAugen an und sagte feierlich, indem sie unheimlich nahe rückte: Zu jung, lieber guter Freund! Sie sind zu jung. O, viel zu jung!" Jeden Morgen wurde nun LawnTennis gespielt. Abends gingen die Herren nicht mehr wie früher gleich in den Rauchsalon, sondern vergnügten sich noch mit kindlichen Spielen" . . . Wenn die Table d'hote abgedeckt war, ging's in wilder Jagd durch den Speisesaal. Und die drei waren wie verjüngt. Sie begeisterten sich, sür Plumpsack geht rum" und fanden ihr Glück bei Blindekuh". Wenn man aber des Laufens müde war, wurde ein kindliches Jeu arrangirt: eine Art von Vingt et im, wobei der Point ein Streichholz war. Zehn Streichhölzer galten einen Sous. Wenn's hoch kam, konnte man am Abend einen Franc verlieren. Nelly besaß ein ungeheures Portemonnaie aus schwarzem Leder. Wenn man das öffnete, sah's aus, als thäte eine Kuh ihr Maul auf. Inwendig aber war's wüst und leer. Einige Nickelstücke wurden von grobenKupfersous ganz verdeckt. DieHerren konnten kaum ein Lächeln verkneifen, wenn sie dieses großeMarktweiberportemonnaie hervorzog. Und doch mit wieviel Angst holte sie daS Geld jedesmal heraus! Als sie in einem verzweifelten Spiel einmal zehn Sous verlor, mußte sie Bankerott ansagen und eine Anleihe bei ihrer Tante versuchen. Diese aber schlug über die Leichtfertigkeit ihrer Nichte dieHande zusammen und schickte sie mit Schimpf und Schande in'Z Bett. Die Herren stellten täglich mit heißerem Bemühen der begehrenswerthen Parthie nach. Aber das Schlimme war: einer stand dem andern im Wege. Wenn es dem einen gelang, einige Minuten mit ihr zusammen zu sein, so kamen die beiden andern gewiß gleich hinzugelaufen . . . Sie entwickelten dabei den Scharfsinn von Spürhunden und waren bessere Tugendwächter als eine ganze Compagnie von alten Jungfern. Da eines Morgens traf Lieutenant von Kalderhot Nelly ganz allein. Sie saß am See und zeichnete das Schloß Chillon. Der Officier sprach sie ruhig an, aber wirbelnd fast bis zur Unklarheit schössen ihm Gedanken durch den Kops, wie er sie fortführen könnte, um ganz ungestört mit ihr zu sein. Sie schien in Gedanken und gab zerstreute Antworten. Als er ihr über die Schulter in's Buch guckte, klappte sie es zu und sagte verdrießlich: 's wird doch nichts. Ich bin zu weit entfernt. Wenn ich ein Boot nehmen könnte und hinausfahren, ließe sich die Geschichte schon machen." Ich fahre Sie auf den See. Kommen Sie mit!" Sie war gleich dabei. Eine famose Idee! Aber wir müssen uns vorsichtig davon machen, damit meine Tante nichts merkt." Frohlockend ging er voran... Es war freilich eine famose Idee! Und an Vorsicht würde er's gewiß nicht fehlen lassen. Auf der Landungsbrücke saß ein alter Schiffer in weiten Seemannshosen, mit einem wetterharten Gesicht, dem Regen, Sturm undSchnaps einen seitsamen Glanz verliehen hatten. Als er die Herrschaften kommen sah, ließ er sein Kätzchen vom Arm springen. Mit diesem Kätzchen vertrieb er sich die Zeit, wenn kein Dampfschiff in Sicht war und die Sonne schien, so daß die . Fische nicht anbissen. Kalderhot - wählte die Fliege". Rasch sprang er hinein und holte Nelly nach. Darf ich rudern?" fragte sie. Nachher!" Zugleich warf er mit den zierlichen Riemen die blauhellen Wassermassen zurück, als wären sie Lust. Und die Fliege" schoß über die zerschnittene Spiegelfläche hin. Im Nu hatten sie drei oder vier Hotels, deren lange Gärten an den von Millefleurs grenzten, hinter sich und waren dem Kursaal gegenüber. Der Officier frohlockte. Am liebsten wäre er bis an's Ende des See's gefahren und hätte sich mit dem Mädchen unter das 'dichte Schilf geborgen. Doch Nelly rief: Halt! Stopp! Hier habe ich den besten Blick." Dann zog sie die Knie an und stutzte ihr graueS Skizzenbuch darauf. Jetzt schnaufen Sie mal Luft, Herr Lieutenant . . . Haben Sie aber aerudert!" ' .
Ihm lies der Schweiß in Strömen herunter. Aber was that das? . . . Nun war sie doch allein mit ihm, ganz allein in diesen engen vier Brettern, und ringsum Wasser, daß sie nicht entfliehen konnte. Er fah nicht die wunderbaren Ufer vor ihm, diesen Glanzpunkt des ganzen See's: unten das sagenhafte Shillon mit seinen massigen Thürmen, die uralter Epheu umrankte, dahinter jenseits der glatten Straße den grünen Waldhügel, aus dem die reizenden Anlagen des Mont sleuri hervorragten. Und noch höher in grauer Unwirthlichkeit die riesigen Steinklüfte der roclier de Kaeye, bic ihre nackten Arme zum unendlichenBlau aufreckten. Das alles sah er nicht. Er sah nur ringsum die leere Wasserfläche und das kleine Boot, die Wiege seines Glücks, in der er' ganz allein mit ihr saß. Er horte die starken Schläge seines Herzens und fühlte die dunkeln Wallungen seines Blutes. Er war kein Mensch, der mit langem Ueberlegen dem kecken Willen Zügel anlegte. Aber hier stockte er d)ch einen Augenblick. Wie im Strudel schössen die Blutmassen durch sein Hirn und trieben wirre Trümmer zerstückelter Gedanken mit. Daß hier ein Augenblick war, wie nie sonst, der entscheidende seines Lcbens, begriff er in dunkler Ahnung. Und wenn das Wort heraus tst, ziehe ich sie an mich, küsse sie wild, wahnsinnig, daß sie nicht anders kann als ja sagen, überwinde sie mit Küssen, wenn ich's mit Worten nicht kann Und wenn sie dann mein ist, ach, dann ...dann reise ich in acht Tagen ad, mit einer doppelten Millionärin verlobt. Wie die Kameraden staunen, wie. ich beim Oberst lieb Kind sein werde ! Zwei Millionen, fünfzigtausend Marl im Jahr, das sind Pferde und Wagen und Diners, bei denen die Tafel in Sect schwimmt. Wenn ich sie habe laß ich mich zur (Kavallerie versetzen, werde Adjutant, mache Carriere... Ist tas ein tolles, tolles Glück I Ich wußte ja, daß ich nicht untergehen würde... Er blickte Nelly an und hätte auflachen mögen, wie sie da saß, gleich einer eifrigen erglischen Miß in ihre Arbeit vertieft. Wie närrisch war diese Ahnungslosigkeit! Da saßen sie sich gegenüber, Fuß an Fuß und hunderttausend Meilen lagen zwischen ihnen... Aber ein Wort wird diese hunderttausendfache Weite überfprui-. gen. Wir werden aneinander liegen. Arm in Arm, Wange an Wange, Mund an Mund ... Plötzlich gab er die Zügel frei, und seine Gedanken schössen hin wie Pserd? durch eine Rennbahn. Gnädiges Fräulein . . . Haben Sie?..." Pst!!- machte sie. Jetzt nicht!. Sie hob ihr Gesicht, das in seiner Seelenruhe so spiegelglatt wie der See war. Einen Moment- still! Ich muß noch eben... den Thurm -fertig machen." Und den Kopf neigend, daß er hinter 'dem Busch verschwand, zog sie mit sicherer Hand einen langen geraden Strich. Vor diesem kleinen Wortchen: Pst ... gleich!" war der Officier gescheut und gestolpert. Ich kann sie nicht so überrumpeln, sonst ist ihr Schreck zu groß," dachte er. Ich will warten, bis sie fertig ist. und dann wird sich schon eine passende Wendung finden." Aber wie er ernüchtert und unzufrieden sich umsah, wäre ihm beinahe ein Wuthschrei entfahren da, ganz nah' schon, aus der nächsten Bucht, tauchte in Boot auf, und an dem carrirten Rücken erkannte er den Referendar Sckmitz. Er wollte die Riemen in's Wasser treiben und davon jagen. Aber verzweifelt zog er die Hand zurück . . . Was konnte das nützen! Sie waren nicht mehr sicher. Und der andere wühlte das Wasser auf, als gälte es das Leben, vorwärts zu kommen. Nun bemerkte auch Nelly das ankommende Boot. Achtung, Achtung!" schrie sie aus vollem Hals. Sie werden uns ansahren. Wir kippen um . . ." Aber schon flog es an, daß ihr eigenes .Boot ganz auf die Seite geneigt, sich im Kreise drehte. Ho, sieh da! Ich bitte tausendmal um Entschuldigung!" rief der Referendar. Donnerwetter, was thun Sie denn hier?" Ich gondele ein bischen spazieren." Dann brauchen Sie doch nicht wie ein wildgewordenesDampfschiff d'rauf los zu fahren und andere Leute anzurennen. .Damit drehte der Officier den Kahn bei und ruderte nach Haus. Was wollten Sie- vorhin sagen?" fragte Nelly. Ich hab's vergessen." So sagen Sie was Aehnliches!" Der Referendar grinste mit Puterrothem Gesicht. Kalderhots Miene verfinsterte sich. Nelly aber schaute verwundert die Herren an. Es war, weiß Gott, merkwürdig, wie unfreundlich sie manchmal zu einander waren! . . . Lieutenant von Kalderhot trug sich den ganzen Tag mit Reisegedanken. Doch kam er wieder nicht dazu. Abends ging er. mit, dem Maler in den Kursaal zum Baccarat. Dort erging es ihm sehr schlecht. Aber es war ihm ganz egal. Ein Mensch, der Morgens zwei Millionen verspielt hat, macht sich wenig daraus, ob er Abends noch tausend Francs mehr los wird. (Fortsetzung folgt.) Kindlicher Scharfblick. Die kleine Elly: Heinzi, geh' nicht hinein zur Tante, sie ist wüthend ." Heinzi: Warum denn?" Elly: Sie kann sich heute wieder 'mal nicht hübsch bekommen!"
Jür dke Suche.
Englische Steert-Sup-p e. Ein Ochsen- und ein Hammelschwänz werden gut gewaschen, im Ge lenk eingekerbt oder zerschnitten, mit kaltem Wasser angesetzt, bis fast zum Kochen gebracht und in kaltem Wasser abgefrischt ; dann thut man sie in ein großes Casserol nebst einer Rindsniere und einem Pfund Rindfleisch, übergießt sie mit 6 Quart Wasser, schäumt während des Kochens gut ab und thut einen Eßlöffel Salz hinzu. Hierauf macht man in einem anderen (Casserol ein Viertel Pfund Butter gelb, schwitzt ein Pfund würflig geschnittenes, mage reö Rindfleisch eine Stunde darin, bis 'es auf allen Seiten gelb ist, streut dann kleingeschnittenes Wurzelwerk und Zwiebeln zwischen das Fleisch und dünstet auch dieses unter beständigem Umrühren gelblich, worauf man es mit einem Pint Fleischbrühe verkocht uni mit zu der Suppe thut, die noch 2 Stunden damit langsam weiter kochen muß. Man seiht nun die Brühe durch, nimmt das Fett davor: ab, läßt sie nochmals aufkochen, legirt sie mit eirrem Löffel Arrowroot, der in einem GlasePortwein glatt gerührt ist, würzt die Suppe mit einer Prise Maas und etwas weißem Pfeffer und richtet sie mit Farceklößchen an. Barsch oder Hecht mit Meerrettich. Die Barsche werden geschuppt, ausgenommen und gereinigt. Die, kleineren läßt man ganz, die großen schneidet man 12 Mal durch. Hat man Hechte, die nicht ganz klein sind, so reißt (spaltet) man sie und schneidet jede Hälfte in Portionsstücke. Sind die Fische völlig gereinigt und gewaschen, so bringt man sie mit kaltem Wasser, Salz, englisch Gewürz und Lorbeerblatt, aufs Feuer und läßt sie unter gehörigem Abschäumen gar kochen. Alsdann gießt man fast alle Brühe ab. rührt Mehl, recht viel gute süße Sahne, sehr wenig geriebenen Meerrettich und einen Theelöffel voll feinen Zucker klar, gießt so viel von der Fischbrühe dazu, als die Sauce Salz -vertragen kann, ersetzt die noch fehlende Flüssigkeit durch heißes Wasser, gibt alles nochmals über die in derCasserolle gebliebenen Fische, ein gutes Stück frische Butter dazu, und läßt unter fleißi dem Schütteln, um das Anbrennen zu verhüten, das Gericht durchkochen. Vor dem Anrichten hat man natürlich abzuschmecken, ob noch etwas fehlt und zuzufügen ist. Dieses Fischgericht ist sehr schön. Man gibt Kartoffeln dazu, Bratenhering. Zwei gehackte Zwiebeln dämpfe in Butter weich, vermische sie mit gleichen Theilen Bratenresten und Hering, beides feingehackt, und füge einen Löffel voll Kapern und geriebene Semmel dazu. Dann verrühre zwei Löffel voll Butter mit zwei Eidottern, dem Saft und etwas Schale von einer Citrone, einer Tasse Fleischbrühe und einer Tasse saurem Rahm, gieb das Fleisch- .und Hering-Gemisch hinzu, auch Salz und Pfeffer nach Geschmack und lasse sie in Butter heiß werden. Schmeckt mit Kartoffeln vor züglich. Gebeizte Kalbskeule mit Kartoffelbällchen und En-divien-Salat. Eine gut geklpfte und gehäutete Keule wird dicht mit feinen Speckstreifen gespickt, mit Salz eingerieben, in eine Pfanne oder ein großes Casserol gelegt; w Scheiben geschnittene Zwiebeln.. Wurzeln, zwei Lorbeerblätter. 2 Nelken, einige Pfefferkörner und ein wenig Citronenschale werden hinzugethan. Dann wird entweder bloßerWeinessig oder halb Essig, halb Weißwein darüber gegossen. Man läßt dieKeule 24 Stunden unter mehrmaligem Umwenden in dieser Marinade, brät sie dann am Spieß oder legt sie in ein Casserol auf Speckscheiben, gießt die Marinade nebst etwas Kalbfleischbrühe darüber, dämpft sie unter häufigem Begießen langsam darin weich, seiht den Fond durch, kocht ihn ein, entfettet ihn und giebt ihn als Sauce, während man Kartoffel - Bällchen und Sellerie Salat noch nebenbei servirt. Roastdief. Ein schönes Nierenstück (Rindfleisch) wird von den Knochen befreit, gesalzen, gepfeffert, zusammengerollt und mit Bindfaden festgebunden. In die Bratpfanne kommt Butter, darauf der Braten, der oben wieder mit Salz und Pfeffer bestreut und mit einer Zwiebel schön braun gebraten (je langsamer, desto besser) wlrd. Ist der Braten gar. nimmt man einen kleinen Kaffeelöffel voll Mehl und zwei bis drei Löffeb voll sauren Rahm und läßt das in derPfänne aufkochen. Rollbraten wird gerade so bereitet, nur muß das Nierenstück Kalbfleisch sein. Kalbfleisch in Gelee. Ein Stück gutes Kalbfleisch nebst etwas Bein wird mit Salz und wenig Salpeter eingerieben und mehrere Taqe unter Zugabe von einigen geschnittenen Zwiebeln. Nelken. Pfeffer. Lorbeerblatt und je einer Prise Thymian und Petersilie in abgekochten Essig gelegt. Hiernach kocht man das Ganze in einer bedeckten Kasserole völlig durch, füllt aber zuvor nothigenfalls soviel Fleischbrübe auf, daß das Fleisch 3 4 Finger hoch da mit bedeckt ist. Sodann nimmt man Bein und Fleisch heraus, schneidet letzteres in Scheiben, arrangirt diese mit Kapern und Sardellen auf Schüsseln und gießt schließlich noch warm das zu-z vor durchgeseihte, und wenn erfordere'. ,lich noch mit weißer oder rother Gela tine gesteifte Gelee darüber. Der Ausputz geschieht mit Kapern, geschnittenen Gurken und Petersilie. Käsemuscheln. Man reibt ein Viertel Pfund Schweizerkäse und ebensoviel Parmesankäse. Nun rührt, man ein Viertel Pfund Butter leicht,! fügt drei Eidotter und den geriebenen i Stät bei und zeleht den Schn der Tier. Diese Masse füllt man in Mu schein und bäckt dieselbe im Ofen 15 bis 20 Minuten.
