Indiana Tribüne, Volume 21, Number 160, Indianapolis, Marion County, 27 February 1898 — Page 7
Untergang der Veendam. In frischer Erinnerung ist noch die heldenmüthige Rettung der schiffbrüchigen Bemannung des englischen Dampfers Dctgo" durch den LloydDampfer Aller" und schon wieder baben brave Seeleute die gesummten Passagiere sowie die ganze Mannschaft eines dem Untergange geweihten Schiffes, im Ganzen 212 Menschen, unter eigener Lebensgefahr gerettet. Das Rettungswerk ist von der Mannschaft des Dampfers der American Line, St. Louis," Capt. Rändle, vollbracht worden und die Schiffbrüchigen befanden sich auf dem niederländischen Dampfer Veendam", Capt. Sienger. Zweihundert und zwölf Menschenleben dem sicheren Wellengrab: entrissen, wahrlich, das ist eine That, die selbst dem hartgesottensien Egoisten einen Ausruf der Bewunderung und Hochachtung für den Seemannsberuf entlocken muß. In Sturm und Wetter kreuzten beide Dampfer den Ocean, ein jeder im harten Kampfe mit den schäumenden Wogen. Doch der erfahrene Seemann fürchtet für die modernen Riesendampfer die Stürme kaum, so lange er sich uf hoher See befindet, die Küste und ihre Untiefen und der Nebel sind seine schlimmsten Feinde. So herrschte denn auch aus der $3cenbam", welche am 3. Februar mit 9 Kajüten- und 118 Zwischendecks - Passagieren von Rotterdam die Reise nach New Jork anaetreten hatte, keine Besorgniß, als schon in den ersten Tagen der Fahrt Sturzseen über das Deck schlugen. Es war klares Wetter, man hatte den gefährlichen Kanal passirt und fühlte sich nun sicher auf dem offenen weiten Meere, nicht ahnend, daß auch dort unter den Wogen das Schicksal
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Capt. Rändle, lauerte. Am 6. Februar erfolgte die Katastrophe. An diesem Tage um 5 Uhr Nachmittags befand sich das Schiff unter dem 43.35 Längen- und 30. Breitengrade, als es in voller Fahrt mit einem furchtbaren Krach auf em unter der Oberfläche der See treibendes Verkehrshindernis, zweifellos das Wrack eines gesunkenen Fahrzeuges, rannte. Eine sofort angestellte Untersuchung ergab, daß nicht allein die Schraube gebrochen war, sondern daß der Damvfer an der Steuerbord - Seite ein schweres Leck erlittM hatte, durch welches das Wasser unaufhaltsam in den Lagerraum des Dampfers strömte. .Unverzüglich, wurde die Mannschaft an die Pumpen beordert und, da der Dampfer am Stern bald darauf zu sinken begann, die Rettungsboote verproviantirt und für den .Nothfall klar gemacht. All' diese Vorkehrungen steigerten die Todesangst der Passaaiere und nur die Besonnenheit der Mannschaft verhinderte eine furchtbare Panik. Die Nacht brach herein und mit ihr verschlimmerte sich--, die recht verzweifelte Situation. Zoll um Zoll sank der Dampfer, und alles Pumpen, an dem sich schließlich auch tue männlichen Passagiere betheiligten, erwies sich als erfolglos, denn das Leck war Erster Officier Selgrave. zu groß. Alle Menschen an Bord wa. ren dem Untergange .geweiht, wenn nicht von außen Hilfe kam. In kurzen Zwischenräumen ließ Capt. Stenger Noth - Raketen aufsteigen, aber es schien kein anderes Fahrzeug im Gesichtskreise u sein. Endlich gegen 2 Uhr früh kam das Mastlicht eines großen Dampfers in Sicht. Wieder wurden Raketen abgefeuert, bis der Dampfer seinen Kurs änderte und der Veendam" zusteuerte. Etwa drei Viertel Meilen von der Veendam" legte die St. Louis" bei und sofort wurden die Rettungsboote bemannt, um die Schiffbrüchigen zu retten. Obgleich der Sturm sich lm Laufe der Nacht gelegt hatte, rollte dieSee schwer und nur mit der größten Vorsicht konnten die Rettungsboote herabgelassen werden. Eines derselben wurde trotzdem von einer Sturzsee gegen den Rumpf des Dampfers geschleudert und zerschellte. Das erste Rettungsboot war von dem ersten Officier der St. Louis", T. S. Selgrave, commandirt und als dieses ., sich der sinkenden Veendam" nahte, vernahm man bereits das 'verzweifelte Klagen und Jammern der Frauen und Kinder. An Bord herrschte . furchtbare Aufregung. und nur den ernsten Mahnungen hl Capitänö Stenger und der
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vorzüglichenDisciplin der Mannschaft war es zu danken, datz trotz aller Pa nik die Rettungsarbeitcn in b:sonnener Weise vor sich gehen konnten.
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Capt. Stenger. Dem Seemannsbrauche gemäß wurden erst die Kinder in Rettungskörben hinabgelassen, und dabei spiel ten sich herzzerreißende Scenen ab. Manche Mutter wollte sich nicht von ihren Lieblingen trennen, denn das Rettungsboot wurde von den Wogen wie eine Nußschaale hin und hergeworfen: es konnte zerschellen und dann hätten die Kleinen vor den Augen der Mütter ihr Wellengrab ' gefunden. Doch beruhigendeWorte halfen schließlich, und so wurde als erstes ein 6 Monate altes Kind hinabgelassen. Das arme Wurm schrie erbärmlich vor Kälte und wurde, in Decken gehüllt, so .geschützt wie möglich im Stern des Bootes untergebracht. Es folgten dann weitere 19 Kinder, deren ältestes 12 Jahre zählte, und das Boot trat nun mit diesen seine erste Rückfahrt nach dem rettenden Dampfer an. Das Transferiren der Kleinen auf den Dampfer ging ohne alle Unfälle von Statten, und dort nahmen die weib lichen Passagiere sie vorläufig in sorgsame Pflege. Mit den nächsten Booten wurden dann die Frauen gerettet und dieses Mal spielten sich auf der St. Louis" rührende Scenen ab. Unbeschreiblich war die Freude der Mütter, ihre Kleinen wohlbehalten wiederzusehen. Um das Rettungswerk zu beschleunigen. wurden nun noch zwei Boote der Veendam" bemannt, und zwar unter Führung des 1. Officiers C. G. Metz und des 2 Officiers A. Last. Das letztere Boot kenterte jedoch sofort, und nur mit Mühe konnte die Mannschaft desselben gerettet werden. Immer wieder traten die Boote der St. Louis" und das von dem sinkenden Dampfer bemannte Rettungsboot die gefährliche Fahrt zwischen den beiden Dampfern an. Die männlichen Passagiere wurde in Sicherheit gebracht und schließlich die Mannschaft, die bis zum letzten Augenblicke an den Pumpen thätig war, um den Dampfer wenigstens so lange über Wasser zu halten, bis die Passagiere gerettet waren. Als Letzter verließ Capitän Stenger sein sinkendes Schiff, nachdem man dasselbe an verschiedenen Stellen in Brand gesteckt hatte, damit das Wrack nicht etwa - anderen Schiffen gefährlich werde. Nach einer Arbeit von 3'Stunden und 10 Minuten war das Rettungswerk vollbracht. Die Ueberschwemmung. Dorfpolizist: Harr Vorsteher d'r Wulkenbruch hot's holbe Dorf iberschwemmt!" Vorsteher: 'n Wag ins Wirthshaus aa?" Erster Gedanke. Denk' Dir Tante, gestern Abend ist mir Jemand auf meine Brille getre-ten!-Aber, Mensch, wo bist Du denn da wieder umeinander gekugelt?" Natürlich. Wie. Herr Lieutenant, ich höre. Sie wären beinahe ertrunken beim Schlittschuhlaufen?" Kein Wunder, war eingebro-' chen. und Wassernixen, dolle Weiber, wollten mich festhalten!" Die armen Radfahrer. Es is scho' schreäiich, wie 's bei Gericht die armen Radfahrer seckir'n; jetzt Zs wieder einer zu acht Monat schweren Kerkers verurtheilt word'n!" Ja, was Sie net seg'n! Wen hat denn der niederg'führt der Unglückselige ?" Niederg'führt ? Niemanden : aber Fahrräder hat er g'stohl'n!" .Ah ol
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Ein M im Alpscc. Humoreske von Figaro. Zwei junge Männer stiegen rüstig den Pfad zum Mondjoch hinan. Ich freue mich hauptsächlich auf das Bad im See oben, der so weitabgeschieden, meergrün und feierlich in den Einschnitt zwischen die beiden Gebirgsstöcke gelagert ist!" sagte Ingenieur Eberhard Merz. Sonderbarer Schwärmer!" entgegnete sein Freund Architekt Fritz Blume lachend. Ein Anderer an Deiner Stelle würde sich oben in's Gras legen und im Anblick der Herrlichen Alpennatur von seiner Liebsten träumen oder aber seine Wurst und seine Feldflasche vornehmen und dem ehrwürdigen Alpsee-Aegir mit seiner ganzen Nymphenschast einen kräftigen Schluck zutrinken Du aber kennst nun einmal kein höheres Ideal als da oben im Wasser herumzuplätschern und die Krebse aus ihrem idyllischen Rentierdasein aufzustören" Ich habe noch nie in einem solchen Alpsee gebadet und in Folge dessen eine riesige Sehnsucht danach!" sagte Merz. Uebrigens apropos Kapitel Krebse betreffend die liebe ich auch kolossal wenn wir ein halbes Dutzend erwischen können " Na. Du bist ja ein praktischer Idealist!" lachte Blume. Naturfreund und Gourmand zugleich! Ich danke schön ich fürchte das Zwicken! Gerade solche Bergsee - Krebse sollen Scheeren haben, wie sie der schneidigste Redakteur nicht besser schwingt! Wer da nicht Uebung besitzt und die Kerle mit gewandtem Griff unter der Taille saßt, dem wird statt eines lockeren GeWichtes eine kleine Daumenschraubentortur zu Theil, die nicht angenehm sein soll!" Wir werden ja sehen!" meinte Merz, der den Gedanken an eine Portion selbstgesangener Krebse nicht so rasch aufgab. Bald hatten die jungen Bergsteiger die Jochhöhe erreicht und sahen nun in der eigenartigen majestätischen Lieblichkeit solcher Alpenseen die spiegele glatte tiefdunkle Wasserfläche vor sich gebreitet, in welche ringsum hoheBergwände zumeist in schroffem Absturz sich niedersenkten. Ein Bergfalke kreiste über den Wassern und hin und wieder schnellte mit einem fröhlichen Luftsprung ein Silberfischlein daraus hervor. Wo giebt's nun das im Panoptikum?" rief Merz, als beide Freunde sich niedergelassen hatten, um entzückt das schöne Schauspiel zu bewundern. So in Panorama malt Dir einer dieser Friede dieser gedämpfte Sonnenglanz diese satte Farbenpracht und dazu dies Duften, Kräftigen und Heiterstimmen in der Lust, daß man ordentlich fühlt, wie die Seele rund, dick und pudelwohl wird im Leibe und jauchzt wie ein Frosch. der eine jette Mücke verschluckt hat! Ach. hier ist gut sein!" Er legst seinen Kopf zurück, fuhr aber eine Minute später sich schüttelnd auf. Ich glaube gar", sagte er und wühlte entsetzt mit allen Fingern in seinen üppigen Haaren ich habe da mein theures Haupt in einen AmeisenHaufen einquartirt die Knirpse scheinen mich nun zu bevölkerwandem!" Wer eine Reise machen will, nimmt ?ben keinen überflüssigen Ballast mit!" lachte Blume behaglich und strich sich mit der Hand über den frühzeitig ziemlich kahl gewordenen Kopf. Auf meinen Gletscher wagt sich keines von diesen kühnen Thieren!" . Sie verlegten ihren Ruhesitz um einige Meter' weiter aufwärts, wo eine nackte Felsenrippe sich als willkommene, wenn auch nicht allzu üppige Rücklehne darbot. Uebrigens eine Art historischer Boden, auf dem wir sitzen!" meinte Merz. Gerade hier über den Berg herunter quer durch den See und drüben wieder in's Gewände hinauf geht die Landes- und Reichsgrenze! Wir rasten hier mit einem Fuße im Herrlichen Oesterreich, mit dem anderen im gesegneten Deutschen Reiche!" Aber wer rastet, der rostet!" rief er und erhob sich. Ich denke, wir sind genügend abgekühlt, um uns in dieses feuchte Bett zu wagen! Auf denn zur Meerfahrt! Im Angesichte zweier 'Weltenreiche laß uns Vater Aegirn einen Besuch abstatten!" Du thätst Dir ja doch vor ungesiillter Sehnsucht ein Leid an", lachte sein Freund, wenn ich Nein sagte! Unter feierlichem Protest gegen alle etwa daraus entstehenden Rheumatismen, Zollstrafen und sonstigen Ungelegenheiten willige ich ein!" Wenige Minuten später plätscherten die beiden Bergbesteiger vergnügt in den Fluthen. Der See erwies sich hier in seinem oberen Theile bei vorsichtiger Prüfung sehr seicht, so daß man ohne Gefährde weiter hinein schwimmen und dann wieder theilweise auf dem sammetweichen Boden dahinwandeln konnte. Prost. Blume!" rief Merz und schickte diesem mit der Hand einen Wasserstrahl über den Kops. Lachend cab der Andere mit beiden Armen eine mächtige Sturzwelle zurück, rief aber dazwischen: Prüfe nur Schritt für Schritt es stürzt oft plötzlich in ungeheure Tiefen ab!" Der Ingenieur schien denn auch auf etwas Verdächtiges gestoßerr zu sein. Er blieb stehen und lauschte mit so komisch verdutztem Gesichte in's WasUx hinein, daß sein Freund ihn la chen'o fragte: WaZ haft Du denn plötzlich?" Glaubst Du, daß Einem in einer, halben Minute große schwere Hühueräugen wachsen können?" fragte der Andere ernsthaft. Das wäre doch wohl ein Natur wunder!" meinte Blume nähnkommend. .Aber wie kommst Du denn
hier mitten im Wasser, wo Dich Deine Schuhe, die drüben an der Bergwand liegen, kaum drücken können, zu dieser wissenschaftlichen Frage?" Mir hat sich eben plötzlich." entgegnete Eberhard bewegungslos und noch immer nach unten lauschend, etwas Schweres 'Selbstbewußtes, Unheimliches auf die Zehen gesetzt und hockt jetzt so eingebildet dort, als ob's den ganzen Fuß gepachtet hätte!" Au!" schrie er im selben Augenblick heftig und riß das Bein herauf! Herrjeh!" rief Blume laut hinauslachend und schwamm mit ein paar eiligen Sätzen in sichere Entfernung. Er ist in ein Krebsennest getreten!" Was er nun sah. war schaudererregend und zum Todtlachen zugleich. Merz riß unter dem Wasser mit der rechten Hand ein paar Mal unter Mienen des Abscheus und Schmerzes heftig am Bein dann fuhr er mit der Hand hoch in die Luft und that einen wider willen drolligen Wassersprung: der große grauschwarz schimmernde Krebs, den 'er sich vom Fuße losgezerrt hatte, hing jetzt an seinen Fingern, die Merz nun so heftig in der Luft herumschleuderte, als ob er sich seiner Hand für Lebzeiten entledigen wollte. Blume trabte da denn doch wieder, um helfend einzugreifen, näher und kam gerade noch recht, um eine noch entsetzlichere Qual zu enden. Der Krebs, dem das heftige Schütteln offenbar nicht gut bekam, hatte nämlich die Hand losgelassen. Im Fliegen, das wohl auch nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehörte, haschte er aber nach einem anderen Halt und erwischte dabei unseliger Weise Eberhards Nase, an die er sich erschrocken klammerte. Der Ingenieur schrie laut über diese unerwartete Verzierung seines Gesichtserkers. Doch schon hatte sein Freund den Krebs mit unsanftem Griff fest unter den Schultern gepackt. daß das Thier über diesen neuen Angriff die eroberte Nase freigab, worauf Blume es weit hinaus in's Wasser schleuderte. Seines Freundes erste Bewegung war. daß er unwillkürlich nach dem Taschentuche griff, wobei er allerdings rasch den Mangel jsglicher Tasche entdeckte. Dann kühlte er das verattentatete Riechorgan mit Wasser, floh schleunigst von der Stelle des Verbrechens und sagte aufathmend: Hör' mal, so ein Alpsee hat doch auch so seine schlechten Gewohnheiten. Das wär' mir nun in einer Badewanne kaum passirt! Ich sage Dir: Der Schuft hatte Race; das muß ein Vollblutkrebs gewesen sein!" Er drohte nach der Richtung, in der das Thier dahingeflogen, und rief pathetisch: Rache an Dir und Deinem Geschlecht, verruchter Nasenpirat!" Du siehst, mein Lieber", schmunzelte sein Freund, wie's oft so anders kommt: An eine Kneippkur dachtest Du und eineKneipkur wurde daraus!" Inzwischen hatte sich von Beiden noch unbeobachtet ein anderer Vorfall eingeleitet. Hoch oben im Gewänd wurde es lebendig. Ein aufmerksames Ohr hätte ein vorsichtiges Knacken hören können, und es war, wenn man schärfer zusah, als bewegte sich dort etwas eilig, aber möglichst geräuschlos abwärts. Nach ein paar Minuten konnte man in den mit kühner Gewandtheit niederkletternden Gestalten zwei Mc'nner in verwitterter Bergtracht erkennen. Jeder trug ein mächtiges Bündel auf dem Rücken. Es waren. Schmuggler aus der Flucht vor den Grenzern". Das unter ihren Tritten niederrollende Gestein und das Krachen der Aeste machte nun auch die Badenden auf den Vorgang aufmerksam. Da sieh!" sagte Merz. Ein Par Bergsteiger oder Jäger!" Blume's Züge wurden ernster. Nein, mein Lieber", sagte er, die Augen mit der Hand vor dem Strahl der Abendsonne schützend, bei denen geht's zu rasch und zu leise, sieh nur. sie haben auch geschwärzte Gesichter das sind Wilderer oder Schmuggler!" Merz machte ein sehr bedenkliches Gesicht. Wie wär's, wenn wir untertauchten!" murmelte er und bückte sich zusammen. . Die Zwei drüben, welche nun den Boden erreicht hatten, schienen auf eine Idee gekommen zu sein und eifrig zu berathschlagen. Sie sahen dabei auf den See hinaus, bemerkten grinsend die Badenden und ergriffen plötzlichEberhard, unsere Kleider!" schrie Blume auf. O Gott!" stammelte sein Freund. Sie rauben uns aus!" Nee!" rief der Andere wüthend. Sie ziehen uns an! Die Kerle verlauschen, um sicherer zu sein, ihre Lumpen mit unseren neuen Touristenanzügen! He, hollah, Ihr Strandräuber, wollt Jhr's wohl bleiben lassen!" Er stürzte sich in's Wasser und begann eifrig zu schwimmen. Aber Merz eilte ihm nach und erwischte ihn bei einem Fuße, an dem er ihn krampfhaft festhielt. Um Gotteswillen! stammelte er. Halt an Dich, sie ermorden und ersäufen uns sonst!" Die beiden DiebSkerle schienen auch keine üble Lust zu haben, so was derartigeZ auszuführen. Denn einer von ihnen nahm kaltblütig seine Flinte vom Boden auf, schwang sie herüber und rief halblaut: Kommt's net z' nah her sunst brenn' i Euch a paar auf'n Buckel!" In ohnmächtiger Wuth mitten auf dem See mußten die beiden Freunde mit ansehen, wie sich die Kerle rasch umgekleidet hatten. Sogar meinen Feldstecher ' nimmt der Schurke mit!" murmelte Blume. Und sieh nur, meinen Bädecker mit dem Brief von Louisen!" stammelte Merz und schnatterte vor Erregungsfrost. Gar kein Gemüth hat die Bande!"
Mit einer gewissen Freudlgkett schwenkten die beiden Kerle die flotten, gestohlenen Touristenhüte herüber, riefen vertraulich Servus!" und verschwanden. Was jetzt thun?" sagte Merz, faltete unter'm Wasser rathlos die Hände und starrte verzweifelt vor sich hin. Für's Erste gestatte mir." meinte der Andere mit einem gewissen Galgenhumor, daß ich Dich in Anerkennung Deiner großen Verdienste um uns zwei Beide zum Allerweltsesel erster Klasse ernenne dann aber laß uns rasch heraussteigen, in Gottesnamen, da wir sonst doch etwas zu luftig gekleidet wären, in die liebenswürdig" hinterlassenen Verggewänder fahren und die Verfolgung aufnehmen! Im Alpsee gebadet hast Du ja wohl jetzt genug?!" O!" sagte Merz und schlug sich an die Stirne. So ein KameelZ" ' Der Andere nickte: Du weißt, widersprechen ist nicht meine Sache!" Wohl oder übel mußten sie in die nicht gerade besonders niedlichen Gewänder, die ihnen hinterlassen, kriechen. Mit einem sauren Lächeln betrachteten sie sich. Scheußlich!" murmelte Merz. Da war der Krebs noch nicht so perfid wie die Beiden!" Allerdings!" sagte Blume. Wenn Dich Louise so sähe, reklamirte sie jeden um Dich geseuszten Seufzer als falsch adressirt! Weißt Du. vielgeliebte? Freund und Unheilsmensch, wenn der Spaß nicht so verteufelt theuer wäre, gut ist er besonders, wenn er Anderen passirte!" Sie brachen auf; aber der Abstieg ging in den rauben weiten Bergschuhen nicht eben rasch. Plötzlich polterte was seitwärts aus dem Gebüsch, ein Geschrei, ein Ringen und beide Freunde waren nach verzweifelt Gegenwehr gefangen. Haben wir Euch endlich?" donnerte einer von den drei Grenzjägern dem Ingenieur in's Gesicht. Aber erlauben Sie mir, verehrtester. Herr!" sagte Merz, an allen Gliedern zitternd. Es ist mir unbegreiflich, warum Sie so ungestüm sind! Wir sind doch keine Verbrecher! Mein Name ist Merz aus " Die drei Grenzjäger lachten laut auf. Du wärst der rechte Ingenieur! rief einer. Der Banditenwastl aus'm Mondscheinthal bist'!" Der Banditenwastl aus'm Mondscheinthal!" murmelte Merz verblüfft. Wenn Sie gestatten, ich werde Ihnen meine Legitimationskarte " Er fuhr in die Brusttasche, brachte aber zu feinem Entsetzen statt der Brieftasche nur ein großes Gefäß mit Schnupftabak ein sogenanntes Schmalzlerglas" heraus. Ach so!" stammelte er. Meine Joppe hat ja der Andere!" Die Grenzjäger lachten wieder. Gelt, jetzt leugnest nimmer?" sagten sie. Wir leugnen garnichts!" entgegnete Blume mit stoischerRuhe. Komm, verehrter Banditenwastl, halten wir unseren Einmarsch in's Dorf die Gesellschaft in der Post" wird entzückt sein, uns so wiederzusehen!" Nach einem nicht eben allzu behaglichen Abstieg erreichten die Freunde denn auch mit ihre? Eskorte und einer ungebetenen Begleitung zahlreicher Dorfjugend das Gasthaus zur Post", in dem sich zugleich ein Wahllokal befand. Allerdings klärte sich dort das MißVerständniß auf und ein fideler Abend, zu dem man auch die wackeren Beamten lud, vereinte alle Anwesenden. Die beiden Freunde, welche sich, so gut es ging, ein menschliches Aussehen von den anwesenden Touristen zusammengeborgt hatten, fanden die Sache aber doch, da ein Aufgreifen der fchlauen Schmuggler kaum zu erwarten war, ein wenia kostspielig und Merz flüsterte heimlich in Blume's Ohr: Das versprech' ich Dir bei Louisens schwarzsammtenen Wimpern: Alpseebad steht in meinem Lebensprogramm keines mehr!" ?cr portrag. Von Jakob Wassermann. Eineö Tages fand ich, daß ich berühmt genug sei, um in meiner Heimath als Dichter zu fungiren. Jeder Mensch, der dies Gefühl einmal evfpürt hat. weiß, was das heißt. Man wird so stolz, daß man Goethe mit Du anreden würde, wenn man ihm begegnete. Das' kommt plötzlich und unerwartet wie eine Pfändung. Ich schrieb in diesem Gefühle einem Buchhändler und dachte, die ganze Stadt, die mich hervorgebracht, mit Einschluß aller Dörfer, die sie umgeben, würde von einer Art Rebellion ergriffen werden. Ich rieth dem Buchhändler, tausend Eintrittskarten und tausend Programme drucken -gu lassen. Dieser wohlwollende Mann beauftragte feinen ersten Eommis, ein Feuilleton über meine Leistungen zu schreiben. Ich erinnere mich an dies Feuilleton. Der Schluß hieß: Er ist ein Dichter das genügt!" Und das genügte mir in der That. Denn was ein Dichter ist, braucht nicht weiter auseinandergesetzt zu werden: ein vollkommenes Lebewesen in jeder Beziehung. An einem nebligen Drcembermorgen kam ich in meiner Vaterstadt an. Meine Enttäuschung war groß genug, als ich Niemanden gewahrte, zu meinem Empfange bereit. ,Jch hatte eine Deputation mehrerer Vereine erwartet. Wie fchon wird die Heimath, wenn man sie mit dem Gefühl der eigenen Bedeutung betritt. Wie glänzend erscheint Alles und wie frohgestimmt! Wie heiter erscheinen uns die Kamin kehrer und selbst die Majestät eines Oberkeynerö erhält einen leutseligen, ja sogar theilnahmsvollen Anstrich. Man geht in eine Kneipe und bestellt ein Glas Biev. Neben dir sitzen, ungenirt.disputirend. zwei wackere Büraer.
Du denkst: ach, wußten sie, wen sie zum Nachbar haben wie anders gestaltete sich die Situation, um wie viel besser würden sie ihre Worte wählen, wie viel vorsichtiger würden sie mit der Aeußerung ihrer Meinung sein! Ich ging nicht zu meinem BuchHändler, weil ich mein Jncognito wahren wollte, weil ich am Abend vor dem Auditorium auftauchen wollte, wie der Engel vor den israelitischen Heerschaaren. Und es wurde Abend. Ich beendigte meine Toilette fünf Minuten vor acht Uhr. Dann betrachtete ich mich lange Zeit vor dem Spiegel, ließ mein Gesicht abwechselnd hell und düster werden, bis es ein viertel nach acht Uhr war. Als diese Viertelstunde der Vornehmheit verflossen war, schickte ich mich an, den Schauplatz meiner sicheren Triumphe aufzusuchen. Als ich in den Saal trat, fand ich den Diener, der zugleich Kassirer war, damit beschäftigt, das Programm auswendig zu lernen. Weil ich darüber sehr entrüstet schien, wurde der Mann herausfordernd und zeigte auf die geordneten Reiben leerer Stühle vor uns. Um 9 Uhr kam der erste Zuhörer. Ich stellte mich ihm vor. Er sagte, er heiße Schmidt. Ich sagte, das freue mich sehr. Er sagte, es sei etwas kühl im Saale. Ich sagte ja und schielte nach seiner Eintrittskarte, die ein Freibillet war. Darauf würdigte ich ihn keines Blickes mehr, fondern ging ein wenig auf die Straße' hinaus, um nach Menschen auszugucken. Dort gab es viele Menschen. Ich kam in den Saal zurück und sah, daß mein einziger Zuhörer mit dem Kassirer Bruderschaft zu trinken im Begriffe war. Der Saaldiener, von roher Gemüthsart, behauptete, ich sei gar kein Dichter, weil keine Leute kamen. Darauf fchoß mir das Blut zu Kopfe, aber ich zwang mich zur Ruhe durch die Ueberlegung, daß dieser Mann mir von Nutzen sein könne. Ich wurde wirklich ganz ruhig, und um auch den Mann zu besänftigen, gab ich ihm zwei der programmmäßig festgesetzten Gedichte zu lesen, was einen sonderbaren Eindruck auf ihn hervorbrachte. Ich gehe darüber hinweg. Mein erster Zuhörer beschäftigte sich indeß damit, sein Bild im Spiegel zu betrachten, als könne er nicht aufhören, sich übev seine Anwesenheit zu verwundern. Fünf Minuten nach dreiviertel neun kam ein Mann, der die Gasflammen vermehren wollte. Ich fagte: Guter Mann, lassen Sie das. Der melancholische Ton meiner Stimme, das Verzweifelte meines ganzen Wesens rührte den einfachen Menschen. Er klopfte mir auf die Schulter und zwinkerte mit den Augen. Ich lud ihn ein, dazubleiben und zuzuhören. Darauf erschrak er sichtlich, erblaßte und entfernte sich. Punkt neun Uhr kam der zweite ZuHörer und wie ungestüm mein Herz schlug! kaufte sich eine Karte. Ich fragte ihn mit einer förmlich glühenden Höflichkeit, ob es zu regnen angefangen habe. Darauf umarmte mich dieser Mann und küßte mich auf den Schnurrbart. Er entpuppte sich als ein entfernter Verwandter von mir. der sich von meinem Ruhm persönlich überzeugen wollte. Ueber sein Benehmen war ich sehr erfreut, besonders da ich den Saaldiener beschämt wissen wollte, der jedoch schon wieder in Schlaf gefunken war. Sein Gesicht grinste im Traum. Ich weiß nicht, warum dies Gesicht etwas in so hohem Grade Verletzendes sür mich hatte. Mein Verwandter fragte: Wann geht's los? Ich erwiderte: Bald. Er sagte, eine ganze Menge Leute stünden draußen. Ich erwiderte frech, das sei eine Deputation des Vereins zur Hebuna der Sittlichkeit. Sie erwarteten mich. Darauf weckte ich den Saaldiener und flüsterte ihm zu. er solle das Hotelpersonal von gegenüber zum Zuhören holen. Ich würde jeder Person zwanzig Pfennige zahlen.. Er sagte, so billig thäten sib's nicht. Bei einem Modernen schon gar nicht. Inzwischen entfernte sich mein erster Zuhörer, Herr Schmidt, ohne Gruß. Ich fürchtete für mein Renommee und gab Auftrag, die Saalthllren zu schließen, damit mein Verwandter nicht entrinne. Die Thränen flössen meine Wangen herunter und ich verwünschte mein Vaterland, meine Vaterstadt. Ich beschloß, Kellner oder Kirchendiener zu werden, und Gott weiß, wie finster es in meinem Innern aussah. Alle Ideale, die in uns roohnen, hilflos vor unbesetzten Stühlen verglühen zu sehen.' das ist viel. Einsam ging ich davon, schlug meinen Mantel um die Schultern und ging in die dunkle Nacht hinaus. Ging und dichtete jenes gigantische Gedicht, das da beginnt: Sind denn fruchtlos alle Qualen? Hat der Mühlstein meiner Noth' Mich noch immer nicht zermahlen? Immer noch kein Morgenroth? O nein, im Gegentheil, es war tiese, kalte Nacht, jene Nacht, die andauern wird, so lang die Lungenkräfte schreien können und die Duckmäuser das große Loos gewinnen. So lange auch werden die Dichter vor, unbesetzten Stühlen ihren einzigen Zuhörer, Herrn Schmidt, entfliehen sehen.
S i.e k e n n t i h n. Was. Sie wollen bereits abreisen, meine Gnädigste; ich denke, Sie wollenJhren Aufenthalt hier um zwei Wochen verlängern?" Ja, wollte ich, doch hat mir mein Mann das dazu von mir verlangte Geld so schnell und ohne zu murren geschickt, daß ich doch lieber nach Hause reisen werde." Unverfroren. Gläubiger: Zehnmal war ich schon bei Ihnen, und noch immer habe ich kein Geld!" Schuldner: Ja, ja, Meister, Sie sind ein rechter Pechvogel!" Im Dilemma. Student: Scheußliches Wetter! Einmal kalt, den andern Tag warm; man weiß absolut nicht, was man versetzen soll!"
Anknüpfung.
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Darf ich Ihnen meinen Schirm an bieten, gnädiges Fräulein?" Danke, ich habe ja selbst einen!" Ja aber der ist doch zu klein. . . sür zwei Personen!" Schlagfertig. Hausfrau (zu ihremDienstmadchen) 5 . . .Das muß ich Ihnen sagen, die Frau Eommerzienrath, die Frau Professor, die Frau Amtsrichter, bei welchen Sie gedient haben.sind alle schlecht auf Sie zu sprechen!" Dienstmädchen: Ach. gnädige Frau, viel Femd' viel Ehr'"!" Ein moderner Junge. Die Schulaufgaben, Hans, kann ich Dir heut' nicht machen das Zeug versteh' ich nicht!" Aber Vater, wie konntest Du da nur heira then?!" So wird's kommen. Studentin (einem hübschen jungerr Manne nachblickend): Reizender Käfer!" Denk' n o ' ! Denk' no' dui U'verschämtheitk Kei' i' dean Kerle d' Stiag' na', dafr e' moi', er müaß' Hals und Boi' brecha. und dear stoht miar nex diar nex auf. schwätzt nex und goht hi' unr verklagt mi'!" Mancher Kritiker tadelt das Werk nur, weil er beim Lob seinen. Geist nicht zeigen kann. Seitdem der Naturalismus regiert, trinken die Musen nicht mehr aus der Kastalischen Quelle, sondern aus der Schnapsflasche. Gleichgiltigkeit schärst das Auge für die Fehler der anderen, Theilnahme stumpft es ab, und Liebe macht es blind. Ein schwerer Fall. Freund: Wohin so eilig? Junger Arzt: Zum Bankier Meyer die Tochter ist krank. Freund: Schwer? tfat: Eine halbe Million, sagt man.
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