Indiana Tribüne, Volume 21, Number 160, Indianapolis, Marion County, 27 February 1898 — Page 2

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Znt Vmlstcwwarde.

Da. wo ZeKi die Fluthen der Nordund Ostsee rauschen, und von da noch weit nach Osten imb Westen hin, herrschte einstmals das rnUde Klima, dessen sich jcht die in das Mittelmeer liegenden Länder erfreuen. Wie jetzt dort, bedeckten hie? immergrüne Wäl der die Veiten Ebenen und Höher. Kiefern und Fichten bildeten m Hauptbeftand dieser Wälder. Ihr dunkles Colorik. -wurde noch höht durch andere Conifeien, besonders Thuja und E5öe. Zwischen und über ihnen breitete sich das Heller: Grün der Lauböäume us. Eichen reckten ihre tnorrizen Ate in die Lüste, besonders eine Art, deren BläUer.auf der Unterseite mit sternförmigen Haaren geziert waren. Wenn der Wind durch die Zweige rauschte und' die Blätter anein ander rieb, da lösten, sich diese Haare in sn ungeheurer Menge los. dafe die ganze Lu?t der Wälder von ihnen erfüllt war. Die Blüthen der echten Kastanie. leuchteten durch das dunkle Laub der immergrünen Lorbeergewachse. '.selbst der Zimmtbaum entfalUte seine bescheidenen Blüthen. PalMn brriteten ihr: Fächer aus. ransende Sträucheraus der Familie der Liliaceen wanden sich an den Stäminen .empor. Die Ufer' der Bäche und Flüsse schmückten die schwertförmigen Blätter und blüthenreichen Kolben des Kalmus. .Unter den Hochstämmen wucherte .reiches 'Niederholz. Durch des Grün der Deutzien schimmerten dieweiken Dolden"des Holunders und Waguolieublüthen. .Neben Vtechpalnrm mit , dornig gezähnten Blättern urd oleanderähnlichenSträuchen blüh tin (Schmetterlingsblütler und ' Ericackn. Hoch oben aberntn den Wipfeln der.Kiefern uüd Fichten führten mistelartige Pflanzen ein üppiges Schmarofcrfcascin. Doch das schienen nicht die einzigen Parasiten dieser Bäume zu sein. Am Stamme undauf den Wurzeln saßen hellgelbe, durchsichtige Ge bilde, von den Zweigen hingen sie senk recht in die Luft herab. Besonders bedeckten sie' drei Kieferarten mit Doppelnadeln..eine Art mit fünffachen Nadeln und eine Fichte mit flachen Nadeln. In Wahrheit waren sie Ausflüge aus dem Inneren '.der Bäume selbst. Es war das Harz, das eine spätere Nachwelt seiner leichten Brennbarkeit wegen mit dem Namen Bernstein oder Brennstein belegt hat. Wenn der Wind die Bäume des Vernsteinwaldes schüttelte, fiel manches Blatt und mancher Blüthentheil, besonders aber die Haare der .Eichenblätter auf das Harz, blieben-hier hafsen, neues Harz floß darüber und schloß sie ein. Aber nicht allen die Winde brachten Leben und Bewegung in den Wald. Tausende von Arten kleiner Thiere, die sich 'dereinst im Bernsteinharze gefangen haben und uns so erhalten geblieben sind. 'kleine Vogelsedern und Haare verschiedener Säugethiere sprechen deutlicher zu uns, als die gelehrtesten Hypothesen. Wir sehen ein Heer von Insekten die Wälder erfüllen; wir hören die.langgeflügelten, großäugigen Fliegen durch die Zweige schwirren und'sehen ihre Larven durch die Ritzen der Borken kriechen. Buntgezeichnete Käfer klettern an den Stämmen empor -und stecken prüfend ihre langen Taster aus. um den Gefangenschaft und Tod drohenden Harzflüssen uszuweichen. Prächiiae Falter aaukeln vonBlatt zu Blatt, Ameisen bevölkern den Boden und das niedere Gestrüpp. Langbeinige Spin, nen'huschm übn die Wurzeln. RingelWürmer entsteigen dem feuchten Bo--den und 'Schnecken mühen sich üb, ihre Läufer in luftige Höhen zu tragen. Krebse verlassen die Bächeund Flüsse, in denen die Larven der Frühlingssliegen Zhre lalkigenGehäilse aufbauen. Hochoben abn in den Zweigen schmettern gefiederte Sänger ihre Lieder; ein vierfüßiger "Räuber schleicht sich, dicht an den Stamm gedrückt, zu ihnen empor. Vom Weideplatz sich hörender Säugethiere 'tragen die Vögel Haun zum Nestbau herbei. Hufthiere :mit paarigen -und unpaarigen Zehen, Vrn fahren unserer Pferde. Wiederkäuer und Schweine; Raubgesindel, von dem unsere Hyänen, Bären, Hunde und Füchse abstammen, Nager, 'Insektensresser und 'Fledermäuse Pnd neben den Vögeln die beherrschenden Vewvhuer der Bernstemwälder. 'Furt -und fort wirft rrns das Meer Jerrgen uus jenen fernen Zeiten an das Land: die gelben, durchsichtigen Bernsteine. In der antiken Suge sind sie Thränen der in Baume verwandelten Töchter des Sonnengotts. Wir könnten 'hinzufügen, Thränen, fcie die Bäume rottn ten vor Schmerz, als das milde Klima von ihnen schZed. und die vor Frost erstarrten, als eisige Kälte sich vbtx Hie Erd: breitete. Vor des Forschers Auge aber müssen solche Phantasierebilde verschwinden. Die Geologie lehrt uns: die Bernstemformation des Samlandes ist das merkwürdigste Glied des deutschen Oligocäns. der zweiten Epoche des Alttertiärs. Und damit müssen wir uns begnügen. Neue Erfindung. Patentanwalt: Was haben Sie denn erfunden.mein Herr?" Student: Ich habe ein Pulver erfunden, wenn man das in das Meer streut, da wo die Härmte sich aufhalten, dann rollen sie sich von selbst zusammen und können gleich als Rollmöpse gefangen toerden!" Das Unzulängliche". Heiratbsverrnittler: Sagen Sie selbst, das Mädel hat ein gewisses Etwas l Freier: Was hilft mir das, wenn sie nicht diel hat!" Ebenbürtig. ....Graf Platen also ist Ihr Lieblingsdichter. Herr Commerzienrath?- Commerz!enrath (eben geadelt): Ja, wissen Se. er is mer hatt standttsemäß!-

Are! Vage ausZocs Leöcn Von Aerimee Hanoum. Zoe war eines der niedlichsten schlanken Griechenmädchen, die jemals die Straßen Konstantinopels mit leich ten Schritten durcheilten, kokett aus dem Jaschraack", mit dem eigentlich nur die Türkinnen ihr Gesicht verhüllen, nach den Effendis euschauend, die nicht ohne Wohlgefallr in Zoes bli tzende Auzen und atf die Reize des frischen, jugendlichen -Gesichtes blickten, die dann und wann der wie zufällig herabfallende Schwerer zeigte. Zoe hatte seit einigen Wochen die Dienste ihrer geschickten kleinen Hände der Herrin in einem der ausländischen Gesandtschaflshotels anbieten müssen, da 'das Glück in ihren Augen gleichbrdeulend mit einer guten Heirath ihr nicht so schnell in den Schoß hatte sal len wollen, wie sie es bei ihrer Abreise von der kleinen Jnselheimath, 'wo sie bisher gelebt, erhofft hatte. Nun war sie die bevorzugte Dienerin ihrer Lady geworden, schmückte sich mit deren Kleidern, sobald es unbemerkt geschehen kennte, brachte ihr eignes krauslockiges Haar mit den Schild pattkämmen ihrer Herrin vor deren Toilettenspiegel in Ordnung und hielt sich trotzdem für das treueste, zuverläs.sigste Kammerzöfchen. a Was wollen Sie Madame", erwiderte sie mit einer kleinen, geringschätzigen Achselbewegung, wenn hie und da in zu weit gehender Uebergriff leise ward, liegt nicht alles wieder pünktlich an seinem Platz, wenn Madame es .gebraucht? Nehme ich jemals ein Stück von Madames Eigenthum, um es zu behalten? Das ist mehr, als man von Anderen sagen kann!" Die. Herrin wußte, daß Zoe mit der letzteren Bemerkung recht hatte, und schwieg. Eines Tages aber war Zoe weder im Toilettenzimmer der Herrin noch in ihrer Arbeitsstube zu finden, auch nichtn den Bazars, wo sie so gern die Einkäufe für Mylady besorgte. Zoe war da, wo die ganze beau monde Stambuls und Peras versammelt war. an den süßen Wässern Europas. Der -erste 5östliche Frühlingstag, da die Sonne heiß herniederbrannte und alles duftete, blühte, glühte in der Natur, hatte alles hinausgelockt nach dem herrlichen Platz an den süßen Wässern, jenem mit so verschwenderischem Liebreiz geschmückten Thal am Ende des Goldenen Horns. Der Wasserstreifen selbst, der das .alte Stambul von dem Frankenstadt'theile trennt, war wie besät mit Fahrzeugen aller Art. mit Kaiks, Mouchen und großen Booten, die demselden Ziele zustrebten wie die Equipagen und Wagen jeder Gattung von der andern Seite auf dem LandWege. Freitag war's, btt Sonntag" der Muselmanen. An den süßen Wassern traf und sah sich alles, das sich frei machen konnte vom Stadtleben; alles, was zum Celamlik", dem Sultanritt zur Moschee, gekommen war, zog zu Pferde, zu Boot oder zu Wagen hinab ins schattige Thal, wo die Wiesen so hellgrün schimmerten, die Sonne so Hell leuchtete. Seit Menschengedenken haben sich crn den süßen Wässern Tausende von kleinen Romanen abgespielt. Mancher Effendi, der gleichgültig heruntergeritten war, hatte doch hinter den Gardinen ihres Coupes m die schönen Augen einer Türkin zu schauen vermocht, und Begehren nach dem Besitz 'der seltenen Menschenblume zog rn sein Herz ein. AuchZoes verlangende Blicke flogen hin irnd her ; sie hoffte Hier aus Erfüllung ihrer Wünsche, sie wollte nicht zurück auf ihre Insel zur ArbeU und Zwang ; chinaus wollte sie flattern in die schöne Gotteswelt,und dazu mußte und 'wollte sie auch iheirathen, dann allein blühit, wie sie meinte, ihr vollständige Freiheit. So saß sie denn rn einem schmalen, -nur zwei Personen fassenden Kaik. Das Fahrzeug schaukelte sich auf den 'hell schimmernden . Wogen; doch sie hatte keine Augen für diese strahlende 'Farbenpracht des Elements, dem sie sich anvertraut hatte, noch für die Schönheiten der Ufer, die, mit Platanen besetzt, tiefe Schatten auf das Wasser warfen; sie war versunken in das leise Geflüster eines jungen Manncs, der neben ihr auf den niedrigen Polstern ruhte, in der halb liegende Stellung, die durch die Banart jener kleinen 'Fahrzeuge bedmgt wird. Ihre biegsame, zierliche Gestalt nahm sich in dem eng anschließenden schwarzen Seidenkleide besonders vorteilhaft aus. die Spitze ihres Pariser Schuhes lugte ebenso kokett darunter hervor, wie hinter dem Ohr die rothe Nelke, mit der fcte Sprtzenmant'lle malerisch auf deia Kopse drapirt roar. Unter all den tief verschleierten Haremsdamen, die in weite Seidenrnantel von bunten Farben gehüllt und mit Gold und Schmucksachen übersät waim, siel die gesuchte Einfachheit der Toilette und das frei und keck umherschauende Gesicht unserer Zoe doppelt auf. Heute hatte sie den Jaschmack verschmäht; Bartolo, der junge Italic ner, der seit kurzem Portier im Gesandtschaftshotel war. und der sie zu der Fahrt eingeladen hatte, sollte bezaubert werden, ganz gefangen genommen und nicht eher den Kaik verlassen, als bis er ihr seine Hand angeboten! Ob mit oder ohne Herz, darauf kam es der kleinen Kokette nicht an. Bartolo hatte bisher seine Schuldig seit gethan. Die Bonbonniere mit Süßigkeiten, die fast in keinem der Fahrzeuge ringsum fehlte, war besonder? groß .und kostbar, als er sie dem Mädchn überreichte, dak im eifrlgen Naschen es den Türkinnen ringsum zuvorthat. Seine ttnaen waren nur

selten umhergeschweift, sondern hatten die Worte unterstützt, die er ohne Rücksicht auf den stumm und ernst mit seinem rothen Fez dasitzenden Muselmann, der das Boot lenkte, ihr zugeflüstert. Während sie nachlässig den großen Fächer auf und zu klappte, wie sie es den Damen im Salon der Herrill abgelauscht, ließ er die Manschettenknöpfe, deren AehnlichkeN mit denen des Gemahls ihrer Gebieterin sie sp'öttisch lächelnd beobachtete, in denStrahlen der untergehenden Sonne funkeln; beide waren mir sich selbst beschäftigt, beide, im Vollbewußtsein ihrer auffallenden Erscheinung, verfolgten eigene Zwecke und suchreu einander zu überlisten in der Hoffnung, daß einer die Pläue des anderen fordere, ohne es selbst zu ahnen. Die Sonne neigte sich zum Unter-

I c.'.nge; roth schimmerten Himmel und Wasser. Die meisten Boote waren verschwunden, denn keine Türkin darf nach Sonnenuntergang noch außerhalb ihres Harems sein. Leiser Abendwind fächelte Zoes Mühende Wangen und trieb ihr schlankes Fahrzeug in den Schatten der tief herabhängenden Zweige am Ufer, durch deren Laub der Mond hindurchblickte. Die weiche Stimme des jungen Italieners erzählte von den kleinen Trattorien, die in seiner Heimath das Glück so manchen jungen Paares begründen halfen. Wie würden die Forestieri in Schaaren kommen, wenn solche della Padrona ihnen den süßen Falerner Wein kredenzte!" flüsterte er, und Zoe ließ das Köpfchen sinken, um ihre Befriedigung nicht zu früh durch das Leuchten ihrer Augen zu verrathen. Als dann die Nacht sich auf daö Goldene Horn herabsenkte und das junge Paar am Quai von Pera ausstieg, um Arm in Arm durch die stillen Straßen zurückzukehren, war Zoe die Braut Vartolos. Ein triumphirendes Lächeln umspielte die Lippen beider; sie sprachen von Liebe aber Zoe dachte an das gute Geschäft, das sie gemacht zu haden meinte, und Bartolo berechnete im stillen, wie er die Leichtgläubigkeit des Mädchens am besten ausnutzen könne. Wenige Wochen später treffen wir Zoe vor der Thür des GesandtschaftsHotels, wo sie ihrer zu einem Feste sich begebenden Herrin half, die schweren, schleppenden Gewänder in der Portechaise unterzubringen, die sie wenig: Augenblicke später davontrug, begleitet von den Kawassen des Gesandten. Lautlos huschte dann die schlanke Gestalt der Griechin' die mit Teppichen belegten Marmorstufen hinauf, nachdem sie eine leise geflüsterte Berabrcdung mit Bartolo an der Thür der Portierloge getroffen hatte. Oben glitt ihr prüfender Blick über das leer stehende Boudoir der Gebieterin, rasch entzündete sie die Gaskandelaber darin und verschwand dann in dem daranstoßenden Toilettenzimmer, wo bereits die kleine, unter ihrem Befehl stehende türkische Dienern ihrer harrte. Schnell. Selina". lauteten die ungeduldig ihr zuguufenen Worte, hole den Karton aus meinem Zimmer, der dort bereit steht!" Und nun begann das putzsüchtige Dämchen Toilette zu machen. Heut oder nie",' murmelte sie vor sich hin, während sie alle kleinen Toilettenkünste, die sie der Herrin abgelauscht hatte, an sich selbst erprobte. Wenn es sein Herz nicht unwiderstehlich bczaubert, wenn er mich in dem reizenden Hochzeitsgewande vor sich sieht, das mich die ganzen Ersparnisse und so viel Fleiß der letzten Wochen gekostet, so erreiche ich nie mein Ziel bei ihm! Noch heute muß er den Hochzeitstag festsetzen, noch heute versprechen, daß unsere Verlobung öffentlich wird. Dann brachte sie mit dem erhitzten Brenneisen leichte Wellen in dem dicht auf der Stirn aufliegenden, kurzen Haar hervor, griff nach dem gelblichen Puder, den die Lady selbst nur gebrauchte, wenn der Eindruck, den sie zu machen gedachte, ein ganz bezaubernder sein sollte, und wußte mit den kleinen Elfenbeinutensilien. die sie dem blauen Plüschetui entnahm, auch die geringsten Unregelmäßigkeiten an den gepflegten Nägeln der kleinen Hand zu entfernen. Und nun legte sie das nach der neuesten Mode gearbeitete Kleid von weißer Brussa Seide an, das Selina bewundernd dem Karton entnommen, und betrat nach einem selbstzufriedenen Blick in den großen Spiegel das Boudoir. Hier saß bereits in bequemster Stellung Bartolo auf dem niedrigen kleinen Divan, in bläuliche Rauchwolken gehüllt, die den für die Gäste seiner Herrschaft bestimmten Cigaretten entströmten. Ein Laut der Bewunderung entfuhr seinen Lippen beim Eintritt der strahlend schönen Braut, und die nächsten Stunden konnte Zoe zufrieden sein mit den glühenden Versicherungen seiner Verehrung. Aber selbst nicht der zungenlöstndt griechische Wein, den sie ihm aus dem Büffet der Herrschaft reichte, brachte den schlauen Italiener zu der erhofften festen Bestimmung ihres Hochzeitstages; glatt wie in Aal wußte er allen Andeutungen zu entgehen. Leise die Falten des brautlichen Gewandes der Geliebten streichend, flüsterte er nur in bedauerndem Ton: Arrner Fratello! Anne Bionda! Was würden beide darum geben, wenn folch köstliches Kleid, von solch künstlerischer Hand gefertigt, nur für kurze Zeit in ihren Händen Ware! Wie dankbar würde ich selbst sein und keine Bitte dersagm können derjenlgen, die hochherzig genug wäre, ihr tu cnei Hochzeitskleid erst einer anderen.

weniger vom Glück Begünstigten zu borgen!" Fragend blickte Zce dem Geliebten in die Augen, deren lauernder Ausdruck durch die halb geschlossenen Lider verborgen war. Das Kleid ist schön, nicht wahr, mon ami?" fragte Zoe. Es ist von Seide und kostet die Gage von dreiMonaten! Aber ich habe es gern gezahlt, damit du dich meiner nicht zu schämen brauchst, wen? endlich derTag bestimmt. . ." Eine Fluth von Betheuerungen unterbrach die Anspielung. Ich weiß, welches Glück für mich in der Zukunft liegt, cara rnia!" schloß Bartolo. Es ist nur eine bequeme Eigenschaft meines Herzens, daß es sich nie voll und ganz des eigenen Glücks erfreuen kann, solange es noch unbefriedigte Wünsche, traurige Gesichter um sich weiß!" Und dann folgte eine rührende Erzählung von dem geliebten einzigen Bruder, der, als Dragomann angestellt, seit Jahren die Tochter eines unbemittelten Landsmannes liebe, der in Pera einen kleinen Laden eröffnet habe. Jetzt sind die Hindernisse überwunden, morgen soll die Hochzeit seiz, aber wie ärmlich, so ganz ohne den Chic und die unnachahmliche Grazie dieses Gewandes ist das schmucklose Kleidcher. es Mädchens, das mein Bruder heimführen will! Wie würde meine ganze Familie daheim in Sorrento, wie würde meine stolze Mutter, in deren Adern sogar edles venetianisches Blut fließt, entsetzt sein über das einfache Leinwandkleidchen Biondas, die meinen Bruder und sich morcn dem Gespött der Leute preisgeben wird!" seufzte Bartolo mit kläglichem Tone. Zoe hatte mit halbgeöffnetem Munde und lebhaftem Mienenspiel gelauscht. Wie weich, wie gut ist Bartolo". dachte sie, wie leicht wird er zu leiten sein, wenn ich nur erst seine Frau bin!" Ob es dem. Kleide wohl etwas schaden würde, wenn Bionda sich morgen darin trauen ließe mit dem Bruder Bartolos, von dem sie übrigens bis jetzt noch nie gehört hatte? Würde diese Bereitwilligkeit, sich der Familie gefällig zu zeigen, nicht ihre eigenen Pläne fördern, ihre Großmuth nicht endlich die ersehnte Festsetzung des eigenen Hochzeitstages herbeiführen? Als Bartolo sich spät am Abend verabschiedet?, den Karton mit dem wohlverpackten Kleide mit sich nehmend, blickte Zoe ihm triumphirend nach : Wenn er mir mein Eigenthum zurückbringt, hat er gesagt, wird er eine große Bitte an mich richten! Eine Bitte, bei der er an meine Herzensgüte und meinen Edelmuth appelliren will! Was kann das anderes sein als das längst von mir erwartete Wort? Worauf sollte sich seine Bitte beziehen, wenn nicht auf unseren eigenen Hochzeitstag?" Es war um die Mittagsstunde des nächsten Tages. Zoe, die wie fast alle Orientalinnen ihren Putz und Schmuck nur anlegte, wenn sie sicher war, gesehen und bewundert zu werden, stand in tiefem Neglige in ihrem Zimmer, hie und da eine leichte Arbeit aufnehmend, meistentheils aber in träumerischer Ruhe vor sich hinblickend ; höchstens einmal erhob sie die Hand, um die unordentlich in die Stirn fallenden Haarsträhnen zurückzustreichen. Eine lose Bluse von blauer Leinwand fiel über das unsaubere weiße Unterkleid; an den Füßen, die auf der Straße nur hohe Pariser Hackenschuhe zeigten, steckten heute ein Paar niedergetretene Pantoffeln, mit denen sie nachlässig zur Thür schlurfte, als sich dort ein leises Klopfen vernehmen ließ. Än verschmitztes, listiges Gesicht, umrahmt von krausen, abstehenden Haaren, blickte ihr halb verlegen, halb trotzig beim Oeffnen entgegen. Du, Marmiton!" rief Zoe erstaunt, was willst du hier zu dieser Stunde? Giebt's nicht in der Küche Arbeit für dich, mon sarcon? Ich muß wirklich den Chef do cnisine oder Signor Bartolo bijten, dich mehr zu beschäftigen, damit du nicht Zeit hast, imHause umherzuschleichen und die Damen zu belästigen!" Der Küchenjunge oder Marmiton, wie er In größeren Haushaltungen ge nannt wird, warf einen lebhaften Blick in Zoes hochmütiges Gesicht und zuckte geringschätzig die Achseln. Die Griechin hatte ihn oft gekränkt und beleidigt, indem sie seine kindischen Huldigungen vor dem übrigen Hauspersonal lächerlich gemacht. Jetzt war die Stunde der Rache gekommen. Signor Bartolo?" fragte er mit erkünsteltem Staunen, der wird heute schwerlich Zeit haben, auf Mad'mzells Klagen zu hören. Ich wollte eben Mad'mzelle Zoe anbieten, in mein bescheidenes Zimmerchen zu kommen, dessen Fenster auf den Munizipalitätsgarten gehen, damit sie von dort wenigstens das glückliche Brautpaar auf dem Rückwege zu sehen bekommt. Schade", fuhr er grinsend fort, während die kleinen Augen boshaft leuchteten, schade, daß Mad'mzelle den Zug nicht eben gesehen, wie er zur Trauung ging: Signor Bartolo so fein und schön, und seine Braut, daö schönste Mädchen Konstantinopels, mit einem kostbaren Kleid von weißer Brussa-Seide, wie für eine Prinzeß gearbeitet!" Auf Zoes Stirn lagerte eine Zorneöwolke, und plötzlich unterbrach sie die Beredsamkeit des Marmitons mit höhnischem Lachen. Die Braut von Signor Bartolos Bruder meinst du, raon garon ; ein andermal sperre die Augen auf, wenn du Bericht erstatten willst, wer der Lräutigam gewesen!" Damit machte sie den Versuch, die

Thür zu schließen, ungeduldig rufend: Jetzt würde ich dir im Ernst rathen, zu deinen Kochtöpfen zurückzukehren, damit dich der Chef nicht an den Ohren zaust!" Aber noch hatte der Marmiton seinen Vorrath von Bosheiten nicht erschöpft. Dunkles Roth flog über seine Züge, als er, den Fuß zwischen die Thür klemmend und so das Schließen derselben verhindernd.schnell ein Blatt Papier aus der Tasche zog und, es Zoe dicht vor die Augen hal'tend, mit fast überstürzender Rede herauspolterte: ! Der Chef kommt vor der Dienststunde heut Abend nicht zurück; hier ist seine Einladung zur Hochzeit des Signor Bartolo mit seiner Cousine, der schönen Bionda. ' Ich fand sie soeben in seinem Zimmer, wohin ich die Reste vom heutigen Dejeuner der Herrschaft tragen mußte' er scheint auf keine große Bewirthung zu rechnen im Hause des Schwiegervaters unseres Herrn Portiers. Sollte dennMad'mzell Zoe Wirklichnichts davon wissen?" fuhr er mit verstellter Unschuld fort, als er die Augen der Griechin wie versteinert auf dem Blatte ruhen sah. Signor Bartolo hat doch heut, dem ganzen Hause davon erzählt, wie großmüthig Mad'mzell ihr schönes Kleid seiner Braut geborgt hätte; er hat mich morgen früh zu sich bestellt, um es zurückzuholen, denn er hat heute seine Stelle hier gekündigt, um künftig dem Schwiegervater in dem kleinen Geschäft zu helfen, und ich hoffe, von den Süßigkeiten des Hochzeitsschmauses wird. . ." Weiter kam der geschwätzige Knabe nicht. Die Lähmung, die Zoe erfaßt zu haben schien.war plötzlich gewichen; mit kräftigem Stoß drängte sie den Unglücksboten zurück, und die Thür fiel hinter ihm ins Schloß. Sie war allein mit ihrer Enttäuschung, ihrer Beschämung, ihrem Zorn. Lassen wir einen Schleier darüber fallen. Der Hcxentusch. Das Wort Hexe" (altniederdeutsch: Iiao1!s8o oder Iiaz?eti88e) bezeichnet nach der wahrscheinlichsten Ableitung solche, die aus dem Hag" kamen oder für gewöhnlich im Hag wohnten. Dieser Hag ist eine .gehegte" Stätte, jener gehegte Hain der Todten, aus dem nach dem Volksaberglauben die Geister hervorkommen, und diese Geister selbst sind Hexm." Im Laufe der Zeit gewann dieses Wort dann eine doppelte Bedeutung, man verstand nämlich auch Menschen darunter, welche mit Hilfe solcher Geister zu ihrem Nutzen und dem Schaden anderer allerlei Zauberkünste verübten. Da es nach der Ausbreitung des Christenthums vornehmlich -alte Frauen waren, welche die heidnischen Bräuche bewahrten und ausübten, so kamen sie besonders häufig in den Verdacht der Zauberei. Es entstand die Meinung, daß solche Herrn im Bund mit dem leibhaftigen Bösen ständen und in seinem Dienst alles Usheil verursachten, das über Ortschaften, Familien und Personen hereinbrach ein Wahn, der leider bis auf den heutigen Tag noch nicht völlig sich hat ausrotten lassen. Es giebt nach dem alten Volksaberglauben allerlei Mittel, Hexen und Geister zu verscheuchen, die zu gewissen Zeiten sich besonders zahlreich einfinden. Viele Bräuche dienten ursprünglich diesem Zweck und werden noch heutigentags auf dem Lande ausgeübt, wenn auch zum Theil die Erinnerung an ihre ursprünglicheBedeutung längst verloren gegangen ist. So war beispielsweise in alten Zeiten das Feuer eines der Mittel, durch die man Geister zu verscheuchen wähnte, ebenso Lärm jeder Art und ein wirkliches Fegen. Jagen und Treiben. Wie nach dem Glauben unserer Vordater das Geisterreich sich zur Osterzeit immer wieder öffnete, so kamen die Geister auch am Pfingstfeste wieder unter die Menschen, und in verschiedenen Geaenden hat sich ihre Austreibung" auch zur Pfingstzeit noch in den infachsten Formen erhalten. In vielen tschechischen Ortschaften wird zu diesem Zweck jedesmal eine Stunde lang mit allen möglichen Gegenständen und Instrumenten ein Höllenlärm verübt. Auch in manchen Gegenden des Böhmerwaldes wird ein derartiges eigenartiges Concert gemacht, das der Hexentusch" heißt. Er wird nur mittels Peitschen ausgeführt, und die Burschen des betreffenden Ortes üben sich schon tagelang vorher darauf ein, um möglichst kräftig knallen zu können. Der Lärm, den sie dann auf diese Weise im Beisein einer stets zahlreich sich versammelnden Zuschauermenge zu Stande bringen, scheucht die Hexen aus Wohnungen. Ställen und Scheunen. Steht irgendwo ein armes altes Weiblein in dem Rufe, eine Hexe zu sein, dann wird dieser Hexentusch, natürlich unmittelbar vor der betrefsenden Behausung ausgeführt. Derselbe Brauch hat sich auch an einigen Orten der Mark Brandenburg erhalten. und ebenso hänat offenbar das Peitschenknallen am Pfingstvorabende in Kärnthen damit zusammen. Die ausführenden Burschen heißen dort die Klecker" und pflegen sich eine solche Kunstfertigkeit anzueignen, daß sie ordentliche Stücke!" mit der Peitsche abknallen können. A e'n g st l i ch. ' Dame: Hier in diesem Zimmer können wir uns ganz ungestört unterhalten!". Verehrer: Ich fürchte nur, Ihre Frau Mutter konnte unversehens mit ihrem Segen kommen." Aus der Mädchenschule. Lehrer: Wir kommen jetzt zu den Bindewörtern. Kannst Du mir in Bin dewort nennen, Elsa?- Elsa: .Ver-lobuua."

ßin äynlicher Aass. Bon Fritz Fcrnau. Ich war ein junger Rechtsanwali und zu jener Zeit sehr verliebt. Trotz jener Thatsache hatte ich schon eine ganz ansehnliche Praxis, und da zu eben dieser Zeit zwei größere Acticngesellschaften mich zu ihrem juristischen Berather machten, so wäre ich wohl im Stande gewesen, zu heirathen. Die Frage war nur: wie sollte ich ihr den Antrag machen? Ich fühlte mich wohl berechtigt zu der Hoffnung, daß Fräulein Flora Witzel den Antrag annehmen würde, doch wagte ich es nicht, ihn zu stellen. Verwandte hatte ich nicht, die ich um Rath fragen konnte, und meine unverheiratheten Freunde waren alle sehr zurückhaltend mit dem Bekenntniß ihrer Ersahrungen in diesem Punkte. Sie gaben mir alle denselben Rath; ich solle die erste günstige Gelegenheit benutzen, die sich biete. Dieser Vorschlag war gewiß von großem Werth für den, der die Gelegenheit entdecken konnte; ich war nicht der Mann. Die junge Dame, der mein Herz gehörte, lebte mit ihrem Vater, einem Wittwer, in meiner Nachbarschaft. Ich pflegte jeden freien Abend bei ihnen zuzubringen. Wir waren in der That alte Freunde; ich wünschte aber mehr zu werden in jenem Hause. Mein Besuch an jenem Abend war also nichts ungewöhnliches. Sie forderte mich wie gewöhnlich auf, bei ihr auf der Beranda zu bleiben, während ihr Vater sich wie gewöhnlich zurückzog, um die Abendzeitung zu lesen. Ich möchte Ihnen gern erzählen, wie wir den Tag verbracht haben", sagte die junge Dame, die ich. schon ganz als mein Eigenthum betrachtete. Wir haben nämlich ein ideales Leben entdeckt." Das suche ich gerade", sagte ich, lassen Sie mich davon hören." Nun gut", begann sie, wir waren in der Irrenanstalt." Und da fanden Sie es?" Eben dort. Nicht unter den Tiefsinnigen oder Tobsüchtigen, sondern unter den armen alten Geschöpfen, dcren Geist nicht so lange leben konnte wie ihr Körper, und die von Glück und

Liebe verlassen sind, ehe sie die Welt verlassen durften. Wir fanden unter ihnen einen fchönen weißhaarigen alten Herrn, dessen Leben einfach ideal zu nennen ist. In der Stadt, in der er lebte, ehe sein Mißgeschick ihn ereilte, lebte auch eine sehr schöne junge Dame, die er scheinbar sehr liebte, das heißt auch väterlich; verstehen Sie mich wohl, dies ist keine Liebesgeschichte. Er kannte keine größere Freude, als mit ihr und mit einem ihr befreundeten jungen Ehepaare Whist zu spielen. Eines Tages nun fuhren diese Vier in einen benachbarten Wald zu einem stillen kleinen Picnic. Jeder aus der kleinen Gesellschaft fühlte sich so vollkommen glücklich und zufrieden, daß man beschloß, den folgenden Tag in derselben Weise zuzubringen. An dem Abende wurde der alte Herr irre. War es eine Folge de5 überschwenglichen Glllcksgefühls? Vielleicht wer kann's wissen? Jedenfalls ist sein Leben, sein Erinnern bei jenem Tage stehen geblieben. Auch die übrige Vergangenheit ist verwischt; ihm ist nichts geblieben als die Erinnerung an jenen Tag und die Hoffnung, daß der nächste ebenso sein werde. Das ist das ideale Leben, das wir gefunden haben. Ist es nicht schön?" Es ist wirklich ideal", antwortete ich voll Enthusiasmus, und dann kam mir eine Eingebung. Auch ich kenne eine Geschichte", sagte ich, so schön wie die Ihre." Ich ich glaube, ich kenne Ihre Geschichte", antwortete sie. Lassen Sie mich sie nichtsdestoweNiger erzählen." Nun?" sagte sie und erröthete. Wie ich schon vorhin sagte", begann ich, auch ich suche ein ideales Leben. Es giebt eine schöne junge Dame, (doch verstehen Sie mich recht: ich liebe sie nicht nur wegen ihrer Schönheit), mit der ich schon viele glückliche Abende verlebt habe und 'ich einige glückliche Vor- und NachMittage. Ich wünsche mir die Gewißhni eil-'5 ununterbrochenen Reihefolge sicher ?;bende für die Zukunft zu verfchrjfcfc und möchte, daß dieses Glück s. c ich über diese Tage erstreckte. kur.m, ich möchte sie gern heirai ,.... . Ver ist denn die junge Dame?" -können Sie das nicht rathen?" Vielleicht aber nennen Sie mir wenigstens die Anfangsbuchstaben ihres Namens. Das können Sie wohl thun." Leicht gethan", antwortete ich: D. U, Du." Sie lächelte, erhob sich, ergriff meine Hand und führte mich zu ihrem Vater. Papa", sagte sie, indem sie sich über ihn beugte, hier ist ein junger Herr, der ein ideales Leben zu führen wünscht." Nanu", rief ihr der Vater, doch nicht etwa wie unser alter Freund in der Irrenanstalt?" Nicht ganz so schlimm wie das", sagte sie, er möchte sich nur verheirathen." Sag ihm nur. dazu wollten wir ihm gern eine hülfreiche Hand leisten", sagte der alte Herr lächelnd." Seit dem Augenblick weiß ich, was seliges Glück ist. Praktischer Standpunkt. Bist Du auch - für die Frauenbewegung?" O ja, ich gehe jeden Tag zwei Stunden spazieren!" Hyperbel. Unierossicier : Einjähriger, wie können Sie nach Stillgestanden" noch mit 'dem Kopfe wackeln, Sie Insurgent !"

Olitk in vle Zttknnse.

Won Heinrich Seife Rufe nicht vergang'ne Tage, Nicht entschwundene Zeit zurück; Leb' der Gegenwart und klage Nimmer um verlognes Glück! Liegt die Welt doch vor Dir offen. Lenke kühn des Schiffes Kiel, öu sollst kämpfen, dulden, hoffen Und erreichst das ferne Ziel. Weh dem Menschen, der verzagend Auf verfloss'ne Stunden schaut. Der. die Gegenwart verklagend, Nicht der eig'nen Kraft vertraut; Der mit Wehmuth und voll Bangen Rückwärts hält den Blick gkwandt! Glänzend liegt. Du mußt's erlangen, Vor Dir das gelobte Land! Vorwärts, vorwärts, immer weiter! Such' der Sehnsucht gold'nes Vließ, Dann erkämpfst Du. siegesheiter. Was die Tugend Dir verhieß. Rufe nicht vergang'ne Tage, Nicht entschwund'ne Zeit zurück; Leb' der Gegenwart und klage Nimmer um verlor'nes Glück! Lrangenblüthen. Ueber den in Dunkel gehüllten Ursprung der Sitte, als Braut Orangenblüthen im Haar zu tragen, hat ein spanischer Historiker wie man uns mittheilt unlängst eine interessante Entdeckung gemacht. In alten, vergilb- .... or, WAHsf n denen sich Aufzeichnungen befanden, die nock von der Hand des Urgroßvaters seines Ur14. u .na lyciiuiicu luocQien, siel tin Blick auf eine Sammlung uralter Legenden, die seine Aufmerksamkeit in hohem Maße fesselten. Unter Anderem enthielten nun die Blätter eine sehr hübsche Erzählung, nach welcher das schöneTLchterlein eines spanischen Hofgärtners die erste Braut gewesen ist, die einen Orangenblllthenzweig in ihrem Rabetlhaar getragen hat. Und zwar hatte es damit folgende ganz besondere Bewandtniß: Ein afrikanischer König schenkte einst einem spanischen Herrscher einen wunderbar schönen Orangenbaum, der damals im Lande der Kastanien noch völlig unbekannt war und dessen herrlich duftende, wie aus zartem Wachs gemodelte Blüthen die Bewunderung des ganzen Hofes erregten. Viele baten vergebens um einen kleinen Zweig des exotischen Gewächses. und ein ausländischer Gesandter, dem sehr viel daran lag, ine solche Seltenheit in seinem Lande einzuführen, versuchte es auf alle möglicheWeie, in den 'Besitz eines Ablegers zu aelangen. Doch als weder ehrliches Borgehen noch die rafsinirtesten Intriguen zum Ziele führten, gab er es endlich als hoffnungslos auf. Da sah er eines Taaes einen Zweig der heißbegehrten Blüthen in dem Haar der frönen Hofgärtnerstochter. Das junge Mädchen wurde von einem Künstler geliebt, dessen Familie aber die Einwilligung zu einer Verbindung versagte, weil die schöne Jnes nicht die gewünschte Mitgift besaß. Da passirte nun dem Vater des jungenMädchens, daß er versehenlich einen Zweig von dem kostbaren Orangenbaum abbrach. Gedankenlos aab er ihn seinem Kinde, das die schnee,gen Blüthen kokett in den dunkeln Locken befestigte. Zufällig siel der Blick des ehrgeizigen Gesandten auf die sel tene Haarzierde der ihm begegnenden Gärtnerstochter und sofort erbot er sich, für die mangelnde Mitgift zu sorgen, wenn sie ihm den Zweig überlassen und ihr Wort geben würde, nicht über die Sache zu sprechen. Die Hochzeit des jungen Paares fand bald darauf statt und auf dem Wege zum Altar -trug die strahlende Braut wieder einige der glückbringenden Orangenblüthen, die sie sich beimlich zu beschaffen gewußt hatte. Ob der arme Gärtner die verrätherische Handlungsweise seines Töchterchens mit seinem Kopf hat büßen müssen, davon berichtet die Legende nichts, doch soll der wunderbare Baum bald in anderen Ländern heimisch geworden sein, und als sich auch die Geschichte von der schönen Jnes weiter verbreitete, hielt man Orangenblüthen für den passendsten Schmuck im Haar einer Braut. Haarschneider und Perrückenmacher Daß der Existenzkampf einzelner Gewerbezweige gegen eine neu entstehende Technik oder Mode nicht etwa nur ein spezielles Merkmal unserer heutigen Wirthschaftsepoche ist. daran erinnert so recht die folgende Geschichte aus dem Jahre 1825. Damals, zur Zeit als die natürliche Frisur wie derum siegreich gegen das Perrückentragen vordrang, lebten in einem Dorf der südlichen Niederlande ein Perrückenmacher und ein Haarschneider, die beide ganz besonders merkwürdige Aushängeschilder hatten. Das des PerrückenmacherS stellte Absalon dar, welcher mit seiner langen Haarmähne in den Zweigen eines Baumes hängen .bleibt und dabei elendiglich umkommt, während sein Pferd unter ihnt wegga lopplrt. Dabei stand die Inschrift: So mögen Alle fahren, die keine Perrücken tragen." Nicht weniger christlich als ver Perrückenmacher war der Haarschneider gestimmt. Einen ertrinkenden Menschen sah man auf seinem Schild, ein Neufundländer Hund spingt zu, um ihn zu retten, er' beißt in die Perrllcke und schwimmt mit der an's Land. Der Mann aber ertrinkt, während seine Perrücke gerettet wird. Und als Moral unter dem erbaulichen Lorgang stand der Spruch: So'moen Alle fahren, die eine Perrücke traaen a Die Erinnerung ist bal Echo deö Glücks ot dai zweifache.