Indiana Tribüne, Volume 21, Number 153, Indianapolis, Marion County, 20 February 1898 — Page 6

Indisches Irattcnscoen. Von Marie Lülling. Den Weitaus größten Bestandtheil 'der Bewohnrr Vorderindiens bilden "bie -rischen Inder oder Hindus, wie sie Heiken. Sie sind Bekenne? des Brahinaismus, so genannt nach ihrem ober fkn Gott Brahma, und seit uralten Zeiten in streng von einander getrennt gehaltene Gesellschaftsklassen oder Kasten eingetheilt. Es ist ein eigenartig es Volk, das Volk der Hindus, und s klingt fast unglaublich, was ich über tolt Sitten und Gebrauch seines rauenlebens sagen will, ist aber doch itle Wirklichkeit. Nicht selten werden in den vornehm sten Familien die Mädchen schon mit itm 8. Jahre einem vielleicht nur um wenige Jahre älteren Knaben verrn'ählt. Die Horoskope des kindlichen Ehepaares sind von den beiderseitigen W'atern auf das sorgfältigste mit einander verglichen, und diese haben daraus die Ueberzeugung gewonnen, daß "die Verbindung das Glück von Sohn und Tochter begründen werde. Nach der Vermählung bleibt das Mädchen, "der Landessitte gemäß, noch bis zur Gauna das ist die Einführung der 'Frau in das Haus ihres Mannes im Elternhause. Die Einführung er folgt in ifacm 12. oder 13. Jahre, und bis dahin sehen sich die. jungen Eheleute nur selten ; erst nach derselben lernen sie sich näher kennen, und vielleicht werden dann die äußerlich Vereinigten -auch durch die Liebe näher verbunden. Ist dieses aber nicht der Fall, sondern bleiben sie sich fremd und gleichgültig, -so ist zwar das Loos der Frau beklagenswerth, aber ungleich trauriger ist sollte sie das Unglück haben, jung Zur Wittwe zu werden. Wißt Ihr, tua es heißt, eine indische Wittwe -sein, eine Wittwe-der höheren Stände? Es heißt, allezeit auf Achtung. Liebe und Frohsinn verzichten! Es ist gerade,zu unglaublich, mit welcber ausgesuchten Grausamkeit die indischen WittTütn behandelt werden. Die englische 'Negierung hat sich zwar bemüht, den .augenfälligsten Beweis dieses Martyliums. die Wittwenverbrennung, auszurotten. aber trotzdem findet hier und 'da in aller Heimlichkeit noch manches '.Frauenopfer statt, und im Ganzen hat 'sich das Loos der Wittwen nicht menischenwürdiger gestaltet, als ehedem. Die hindostanische Satzung lehrt: "Die Frau ist der Schatten des Manms; wo er ist, da muß auch sie sein, , sowohl im Diesseits, wie im Jenseits. 'Es ist deshalb Pflicht der Frau, ihrem Manne freiwillig in den Tod zu fol -gen. Ist sie von rechter Art. so marfjt auch sie, sobald der Leichnam ihres Gatten auf dem Scheiterhaufen verbrannt ist, ihrem Dasein ein Ende. Ihre Seele schwebt dann mit der seinigen gen Himmel; und wären seine Sünden noch so zahlreich, um ihrer "2reue willen würden sie ihm vergeben werden. So hoch schätzen die Götter den Werth der Frauenliebe. Kann eine Wittw es. aber nicht Äber sich gewinnen, ihrem Gatten in tan Tod zu folgen, so muß sie ihr ganLeben hindurch mit Fasten und 'Äußübungen ihr Versäumniß sühnen, um so die Götter zu bewegen, der '(BttU des Verstorbenen gnädig zu sein. Sie darf nie mehr lachen, nie fröhlich sein, sich an keiner Festlichkeit betheiligen. Täglich giebt man ihr nur eine .Mahlzeit und zwar nur so viel, als sie -rur Erhaltung ihres Lebens unbe'.dingt bedarf. Zwei Mal in jedem Mojxal muß sie 24 Stunden fasten. Auch Nrankheit entbindet sie nicht hiervon. Fluch dem. der ihr auch nur die ge.lingste Erquickung zur Hebung ihrer .sinkenden Kräfte bietet! Die vornehmen Hindostanerinnen tragen mit Vorliebe farbige Seidenge rvänder. und an funkelnden Edelsteintn und Geschmeiden haben sie ihre Freude. Dies alles muß eine Wittwe entbehren. Sie hat keinen Schmuck, sie muß in einem groben Gewände einHergehen, selbst ihr Haar wird bis auf die Wurzeln wegrasirt. Soll doch ihr ihäliches Aeußere sie und ihre Umgebung beständig daran erinnern, daß sie in Schandfleck für ihre ganze Familie sei, weil sie ihrem Gattin nicht in den .'Tod gefolgt ist. Ueber die strenge Befolgung der 'Ausübung der Wittwentrauer wachen . 'die weiblichen Mitglieder der Babi:r!kaste. In früheren Zeiten pflegten diese Frauen die ganze Fülle ihrer Bedtsamkeit aufzubieten, um die Wittroc zur Nachfolge in den Tod zu bewe gen. Dies ist ihnen aber jetzt seitens der englischen Regierung auf's strengste -untersagt. Letztere hat auch in SiaU Zutta ein Frauenheim" errichtet, welches grausam behandelten Brahmanenwittwen ein; ihren Gewohnheiten angemessene Zufluchtsstätte bietet. Imrnerhin wird diese von verhältnißma fzig nur wenigen aufgesucht. Die gro fee Masse der Wittwen lebt im tiefsten Elend dahin, und wie viele mögen nicht in der Verzweiflung den Tod suchen, Don denen die Statistik nichts meldet!

Ein Zeugniß der Reife. 'Sängerin: Nun, Herr Intendant, habe ich die Rolle der Walküre nicht glän zend durchgeführt? Intendant: Allerdings; zu dem Erfolg kann man Ihnen gratuliren. Sängerin: Dann bin ich wohl auch berechtigt, einen Wunsch nach Gehaltserhöhung auszusprechen? Intendant: Es ist in ver 'That erstaunlich, wie schnell Sie sich in 7)t Rolle der Wunschmaid gefunden aben! Theorie und Praxis. Besucher: Was machst Du denn da?Hausherr: Ach. meine Frau hält diesen. Abend im Volksverein einen Vortrog über .die Pflichten der Ehe stau" und da nähe ich ihr eben in Paar Knöpfe an die Taille!"

Zm Gcöict des Schingu. In dem centralbrasilianischenWaldgebiet an den oberen Zuflüssen des Schingu, eines der größten Nebenflüsse des Amazonas, lebt eine Reihe von Jndianerstämmen, die dort, der Welt entrückt, ohne jede Berührung und zum Theil auch ohne Kenntniß der, Weißen, ein idyllisches Dasein führen. Sogar das Eisen ist ihnen noch unbekannt, nur Stein und Knochenwerkzeuge stehen ihnen zur Verfüqung. Erst vor zehn Jahren ist durch die Reise der Vettern v. d. Steinen die erste Kunde von einigen dieser Stäm me zu uns gelangt. Die Stämme -ge nauer zu untersuchen, die Forschungen weiter in's Innere auszudehnen und auch in die noch fast unbekannten geo graphischen Verhältnisse einige. Klar heit zu bringen, war das Ziel einer Expedition, die Dr. Hermann Meyer aus Leipzig 1895 ausrüstete, und für die er Dr. Karl Ranke aus München als Arzt und Anthropologen mitnahm. Die Expedition brach im Mai 1896 von Euyaba im brasilianischen Staat Mato Grosso auf, überschritt das nördlich der Stadt gelegene Hochplateau und schiffte sich auf einem Quellfluß des Schingu, dem Rio Jatoba, ein. Nach langen mühevollen Fahrten. auf denen zahlreiche Indianerstämme besucht und untersucht wurden, kehrte die Expedition im December

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Dr. Hermann Meyer. 1896 nach Euyaba zurück, und im Frühjahr 1897 trafen beide Herren mit großen Sammlungen und reichem wissenschaftlichen Material wieder in Deutschland ein. Dr. Ranke hatte lei der das Unglück gehabt, unterwegs durch einen Unfall ein Auge zu verlieren. Von einer großen Anzahl Photographieen, die Dr. Meyer unterwegs aufgenommen hat, sind hier einige wiedergegeben, zu denen er als Erläuterung schreibt: Des Tages Last und Arbeit ist vorüber. Nach langem Marsch durch die Buschsteppe, durch deren trockenes hohes Gras die große Maulthierkaravane nur mit Mühe sich hindurcharbeitet. während glühende Sonnenstrahlen die Kräfte erlahmen, ist endlich ein mit schönem Waldsaum umgebenes Bächlein erreicht, wie geschaffen zum Lagerplatz. Bald sind die vierzig Thiere ihrer Lasten befreit, und munteres Lagerleben entwickelt sich allenthalben. Am Lagerfeuer brodeln die Kochtöpfe, und saftige Stücke frischerlegten Wildes braten am Spieß, unter den hohen Bäumen schaukeln die Hängematten, und das geräumige Zelt, das uns sieben Monate lang beherbergte, ist im Nu in ein ganz trauliches Gemach verwandelt. Auch das Lagerleben hat seine Poesie. Wenn wir nach der Mahlzeit uns gemüthlich um das flackernde Lagerfeuer schaarten und beim Kreisen des kleinen Kürbisses mit Paraguaythee, der von allen mittet desselben Saugrohrs genossen wird, unsere Tageserlebnisse besprachen, Pläne schmiedeten und der Heimath I m L a g e r. aedachten. wir hätten dieses Idyll mit nichts vertauscht. Sechs Wochen dauerte die Wanderung durch die Steppe, dann war ein Quellfluh des Schingu, der Jatoba, erreicht, den wir nun hinabfuhren, während die Karawane zurückblieb. Aus langen abgekeilten Rindenstücken wurden Eanoes hergestellt, dieselben im Gerüst durch Feuer getrocknet, und bald entwickelte sich eine ganz stattliche Flottille auf dem Fluß. Allerdings wurden an die Rindenfahrzeuge große Anforderungen gestellt. Mehr als hundert Wasserfälle und Stromschnellen waren zu passiren, in denen wir zehnmal Schiff bruch erlebten und viel Ladung verlo ren.' bis wir nach 23tägiger Fahrt in den Ronuro einliefen, einen Strom von 300 bis 400 Meter Breite. ' Dort trafen wir die ersten Indianer. Von aller Cultur weit entrückt, leben die Stämme noch in ganz diluvialem Zustand, und den meisten von ihnen ist sogar das Eisen unbekannt. Namentlich für die Ethnopsychologie ist das Studium dieser ftatuiimder von höchster Wichtigkeit. In einzelne Ge meinden getrennt, führen sie in ihren Dörfern ein beschauliches Dasein. Der nahe Fluß liefert ihnen gute Fische, und in dem mit Steinbeilen abgerode ten Waldstück pflanzen sie Mandioka wurzeln, die ein sehr nahrhaftes grobes Mehl geben. In den großen, sauberen, aus Holzgerüst und Strohbelag gefertigten Hütten, die riesigen Bienenkörben ' gleichen, leben stets mehrere Familien zusammen; gruppenweise sind die Hängematten ausgespannt, bei denen stets ein kleines Feuer flackert. Es sind oft Prächtig

gewachsene Menschen mit ganz edeln Zügen, namentlich die Männer, breit schulterig und muskulös die glatte, hell bronzefarbene Haut häufig mit kunstvollen Malereien bedeckt oder wenigstens mit rother öliger Farbe eingerieben, das schlichte schwarze Haar

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AufdemRioJatoba. über dem. Ohr glatt abgeschnitten und auf dem Scheitel ausrasirt. Besonders im Festputz zu Empfängen oder Tänzen mit Federschmuck gekrönt, sehen die Schingu Indianer recht stattlich aus. Ihre Tänze, stets Gruppentänze von eigenthümlich monotonem Gesang begleitet, dienen zur Verherrlichung bestimmter freudiger Ereignisse, eines vollendeten Hausbaus, einer reichen Ernte, eines erfolgreichen Fischzuge, des Festes der Durchbohrung der Ohrlöcher der Kinder u. dergl. mehr. Einen eigenthümlichen Anblick gewährt ein Javari - Tänzer der Kamayura mit dem Wurfbrett und den dazu gehörigen Pfeilen, die früher eine gefährliche Waffe bildeten, jetzt aber, durch den Bogen verdrängt, nur noch in einer Art von Turnier mit Tanz gebraucht werden, zu dem sich mehrere Stämme zusammenfinden. Stets kommt bei den Tänzen irgendwelcher Schmuck in Anwendung, sehr häufig aber auch die merkwürdigen TanzMasken aus Holz oder bemaltem Geslecht oder Gewebe. Während der sechs Monate, die die Expedition im Quellgebiet desSchingu arbeitete, ist eine Reihe geographischer Eingeborene.. Entdeckungen gemacht worden; es liegen auch von zehn Stämmen genaue anthropologische und ethnologische Aufzeichnungen vor, und eine große ethnographische Sammlung wurde nach Deutschland mitgebracht. Im August dieses Jahres wird eine weitere Erpedition nach dem Schingugebiet aufbrechen, um die Arbeiten dort fort zusetzen. Das Hauptziel bildet diesmal der Paranayuba. ein noch uner forschte? Nebenfluß des Schingu, an dem eine große Reihe noch ganz unbekannter Stämme wohnen soll. Tcr Elscnbcinhandcl. Zu den wichtigsten Ausfuhrartikeln aus Afrika gehört das Elfenbein, und es ist namentlich Zanzibar der Haupt fächlichste Stapel- und Verschiffung platz für diese Ausfuhrwaare. Das von hier zur Versendung kommende Material wird zu dem sogenannten weichen Elfenbein gezählt, m der Han delssprache auch todtes Elfenbein oder Milchbein genannt, im Gegensatz zu dem harten (lebenden, durchsichtigen Glasbein). Nach Zanzibar kommen als afrikanische Handelsplätze für Elfenbein Mosambik und Kilimane, Port Natal und Kapstadt in Betracht, welche Häfen nur weiches Elfenbein liefern. Elfenbein - Karawane. Die größte Sendung Elfenbein, die bis jetzt von Zanzibar verschickt worden ist, findet sich in unserm Bilde wiedergegeben. Sie wurde durch das Segel schiff Madeira" nach Aden geführt, um von dort nach New Aork befördert zu werden. Es waren im Ganzen 355 prächtige Stoßzähne im Gewicht von 22,307 Pfund (englisch), im Werthe auf nicht weniger als 13.300 Pfund Sterling (566.500) geschätzt. Die Firma, die sich diese kostbare Sendung sicherte, war die von Arnold, Cheney & Co. in New York. Das kennt sie. Baron: .Ich' schwöre Dir, daß ich Dich liebe.Ballerine: Schwören thu' ich selier." ErweißVescheid. Freund: Den schwarzen Anzug will ich Dir schon leihen, aber Sonntag muß ich ihn unbedingt zurück haben schicke mir also wenigstens den Pfandschein!" . Existenzbedingung. Richter (zumAngeklagten): Wie könn ten Sie nur den Jörge so arg schlagen, er hat Ihnen doch gar nichts in den Weg gelegt?" Sepp: Unseraner rast halt a gern amo! a bissel. Herr.Rich tnl"

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Haschenspiererkünste. Mit Staunen und Bewunderung verfolgt man gewöhnlich die Kunst stücke des Taschenspielers, die scheinbar die Grenzen der Möglichkeit überschrei ten, in Wirklichkeit aber aus ganz natllrlichen Ursachen beruhen, welche dem Auge des Zuschauers jedoch entgehen. Ein beliebtes Kunststück ist das Tanzenlassen von Taschentüchern, Eiern u. s. w. Der Taschenspieler läßt sich aus dem Zuschauerkreise ein Taschentuch geben, wirft es in die Höhe und fängt es mit dem oberen Ende seines Zauberstabes auf, den ev schnell in der Hand herumwirbelt. Das Taschentuch entfaltet sich und beginnt, den Bewegungen des Stabes folgend, zu tanzen. Das ganze Geheimniß besteht darin, daß am oberen Ende des Stockes eine scharfe Nadel etwa einen Viertel Zoll herausragt, welche das Taschentuch am Stocke festhält. Will man ein Ei tanzen lassen, so muß dasselbe vorerst hart. gekocht werden, da bei einem rohen der SchwerPunkt infolge des hin- und Herschwankenden Dotters beständig wechselt. Das harte Ei wird mit seiner schmalen Spitze auf ein flaches, lackirtes Prasentirbrett gesetzt und letzteres leicht in einem kleinen Kreise gedreht, entgegengesetzt der Richtung, in welcher das Ei tanzen soll.' Das Ei dreht sich nun, so lange die Bewegung des Brettes an-hält.

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Das tanzende Tuch. Das Balanciren eines Eies auf einer Spielkartenecke ist ein anderes Kunststück, das dem Uneingeweihten fast übernatürlich zu sein scheint, aber, näher besehen, sehr einfach ist. Der Taschenspieler ergreift einen Stab aus Ebenholz oder einer anderen dunklen Holzart und ein aus Holz täuschend nachgemachtes Ei. Das Ei hat an seiner schmalen Spitze ein Loch, ebenso der Stab ein solches, etwa 3 Zoll von seinem Ende entfernt. Die zur VerWendung kommende Spielkarte ist aus zwei Karten zusammengeklebt und trägt im Innern einen feinen Stahldraht, der an zwei gegenüberliegenden Ecken der Karte Zoll hervorsteht. Das künstliche Ei wird mit anderen natürlichen auf einen Teller und die Karte auf ein Spiel Karten gelegt. Der Kartenspieler nimmt den Stab in die. eine Hand. die. Karte in die andere und stellt letztere auf den Stab, sie scheinbar frei auf demselben balancirend. In Wirklichkeit steckt das Ende des in der Karte angebrachten Drahtes im Loche des Stabes. Jetzt reicht ein Gehilfe dem Taschenspieler das Ei, welches dieser sorgfältig auf der oberen Ecke der Karte in's Gleichgewicht bringt, d. h. er setzt das Ei mit seinem Loche auf das obere Ende des hervorstehenden Drahtes. Balanciren von Ei und Karte. Ein Kunststück, das meistentheilZ zum Schluß einer Vorstellung vorgeführt wird und nie seine Wirkung verfehlt, besteht darin, daß der Taschenspiele? zunächst auf der Hand, dann auf der Kehle seines Gehilfen eineKar tosfel mit einem scharfen Schwerte zerspaltet, ohne auch nur die Haut des Mannes im Geringsten zu ritzen. Unter einer Anzahl auf einem Teller liegenden, mittelgroßer Kartoffeln befinden sich zwei, die in der Weise hergerichtet sind, daß man von oben herab bis dicht an das untere Ende der Kartoffeln eine Stahlnadel quer hineingedrückt hat. Nachdem der Taschenspieler, um das Publikum von der Schärfe der Schwertschneide zu überzeugen,.zunächst Paplev in .kleine Fetzen geschnitten und mehrere der anderen Kartoffeln gespalten hat, nimmt er eine der beiden hergerichteten Kartoffeln und legt sie in die Hand des Gehilfen. Die Kartoffel will jedoch nicht die Lage einnehmen, wie sie der Taschenspieler wünscht, und so schneidet dieser das untere Ende der Kartoffel bis dicht an die Nadel ab. Nachdem er dann noch einige Lufthiebe mit dem Schwert aus geführt hat. läßt er die Waffe auf die Kartoffel herabsausen, daß diese, in zwei Hälften zerspaltet, auseinanderfällt. Der Taschenspieler hat seinen Hieb so bemessen, daß er mit demselben die Nadel kreuzweise gerade stark genug trifft, um diese den Rest der Kartoffel durchschneiden zu lassen. Diese wenigen Beispiele mögen ge nllgen, um darzuthun, daß Alles, auch in der Welt' der Taschenspieler, mit natürlichen Dingen zugeht. Kurssteigerung. Frau Nachbarn, haben S' schon gehölt, d Huberin ihr Mann, von dem s' alleweil g'sagt hat, er sei kein'n Schuß Pulver werth, der - is überfahren . worden." Ja. .i hah's gehört, und daß sie jetzt die Eisenbahn verklagen will auf zehntausend Mark Schadenersatz."

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Ceschlcchtsbcstinnlluug. Dem Wiener Professor Dr. Leopold S. Schenk ist es, seiner eigenen Be hauptung zufolge, gelungen, die Geschlechtsentwicklung künftiger Jndividuen im Voraus zu bestimmen und künstlich zu beeinflussen. Man zählt schon manche werthvolle Studie in dieser Richtung, so daß die Entdeckung Prof. Schenk's, deren Werth die Wissenschaft erst noch zu beurtheilen haben wird, nur ein Glied der langen Kette interessanter Arbeiten ' verschiedener Forscher bildet. In einem größeren Werk zusammengefaßt, gedenkt Prof. Schenk im Herbst dieses Jahres seine Untersuchungen der Wiener Accdemie zu unterbreiten. Prof. Dr. Leopold S. Schenk ist ein Ungar von Geburt und steht gegenwärtig im 58. Lebensjahre. Als Professor d'er Embryologie an der mediciNischen Facultät veröffentlichte er zahlreiche in das Gebiet der Anatomie, Physiologie und Bakteriologie einschlagende Abhandlungen und größere Werke; auch trat er wiederholt als populärer Schriftsteller hervor. Er selbst

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Prof. Dr. Schenk. betrachtet feine Leistungen keineswegs als abgeschlossen, -sondern nur als einen Fortschritt auf dem bisher bereits von anderen bearbeiteten Gebiet. Um so erstaunlicher erscheint es, welch starke Bewegung für und gegen die ersten Mittheilungen über Schenk's Entdeckung in der ganzen Welt, namentlich in Deutschland und Oesterreich hervorgerufen haben. Angeregt durch die Berliner Wissenschaftliche Correspondenz", haben sich die bedeutendstenVertreter der medicinischen Wissenschaft über Schenk's Entdeckung geäußert, so die Professoren Virchow, Gusserow, Munk. Born, Pflüger. Roux. v. Win ckel u. a., von denen einige schon selbst Versuche zur Lösung der Frage beigesteuert haben. Während sich manche dieser Gelehrten sehr mißtrauisch über die Möglichkeit einer willkürlichen Bestimmung des Geschlechts äußerten, wie sa das Fehlschlagen aller bisher!gen Versuche beweist, halten es andere für möglich, daß dies thatsächlich gelungen ist. Tic Lage in Kreta. Der Aufstand in Kreta hat die Bewohner dieser Insel einer vollständigen Anarchie überliefert und diese hat bei der Unbildung der Kretenser und der Fülle von religiösem Fanatismus, der in ihnen lodert, die traurigsten Folgen gehabt. Wie überall im Orient bildet auch in Kreta das die Einzelnen verbindende Band nicht die Nationalität, sondern die Religion. Nur die Christen resp, die Muhammedoner betrachten sich untereinander als zusammengehörig, und das Bewußtsein gemeinsamer griechischer Abstammung wirkt auf den gegenseitigen Haß nicht etwa mildernd, sondern nur noch schürend. Die dem Christenthum treu gebliebenen Kretenser können es ihren muhammedänischen Volksgenossen nicht verzei hen, daß ihre Vorfahren sich einst unter dem furchtbaren Druck der Türken bewegen ließen, ihren Glauben aufzugeben. Die Träger der Revolution, die den Anschluß der Insel an GriePrinz Georg. chenland bewirken sollte, waren deshalb auch von vornherein entschlossen, die Muhammedaner bei dieser Gelegenheit für alle Zeit zu vertreiben. Gelungen ist ihnen dies freilich nicht. Nach dem Friedensschluß zwischen der Türkei und Griechenland haben sie sich zwar entschlossen, vorläufig- auf den Anschluß an Griechenland zu verzichten, verlangen aber eine absolute Unabhängigkeit von der Türkei und wollen deren Oberherrschaft nur noch rein formell weiter bestehen lassen. Die Insel soll deshalb einen General Gouverneur erhalten, der von den Großmächten vorgeschlagen und von dem Sultan bestätigt wird. Nun hat Zar Nikolaus den Prinzen Georg von Griechenland, den am 12. (24.) Juni 1869 geborenen zweiten Sohn t!s Königs Georg I. von Griechenland, als General Gouverneur in Vorschlag gebracht und besteht, allen Widersprüchen des Sultans zum Trotz, auf dessen Bestätigung. Freudige Voischaft. Denk' Dir, lieber Mann, unser Fritzerl hat heute das erste Wort gesprochen. Ei! Wieso? Als ich ihm im Thier, garten den großen Pavian gezeigt hab', hat er plötzlich gelscht und ausgerufen:. Papal

Im Maggiathal. . Am Nordende des großartigen Lago rnagiore liegt Locarno wind geschützt, in herrlicher Lage und bekannt als angenehmer Wintercurort und Uebergangsstation. Von hier aus zweigen in nördlicher Richtung verschieden? Thäler, welche trotz ihrer unvergleichlichen Schönheit noch zum Theil wenig besucht werdendes sind dies die Thäler von Qnsernone, Centovalli, Verzasca und vor Allem das Maggiathal. Letzteres theilt sich nordlich von Vignasco wieder in mehrere kleine Seitenthäler, welche, immer höher ansteigend, sich in den Hochalpen verlieren und einzelne Pässe zum Gotthardt führen. Welch' einen Genuß bietet dem Reisenden eine Wanderung durch diese Thäler! Hübsche Gärten m südlicher Pracht, Rebhäuschen, Kirchen, Kapellen, Landhäuser und versteckt in einer Vegetation, welche an die nahen Gefilde Italiens erinnern. An der

DieProcession. Maggia aufwärts erreicht man in etwa zwei Stunden den ersten, größeren Ort Maggia, mit hochgelegener Kirche, später an Coglio und Giumaglio vorbei zum Hauptorte des Thales, nach Cevio. Am 16. August findet hier eine Kirchenfeier statt und zwar zu Ehren des heil. Rochus, des Schutzpatrons gegen ansteckende Krankheiten. Es soll einmal die Pest hier gehaust haben, und man versprach, wenn dieselbe die Verbindung des Maggia und Rovana unterhalb Cevio nicht überschreite, den Gedächtnißtag feierlich zu begehen. Sobald der Gottesdienst zu Ende ist, wird in der Kirche und um dieselbe eine kleine Procession veranstaltet; Frauen, in weiße Leinentücher gehüllt, schreiten voran, einige davon tragen das Bild der Muttergottes. Nachdem sie wieder zur Kirche zurückgekehrt, entledigen sich die Frauen ihrer sonderbaren Verkleidung und erscheinen alsdann in ihrer sonntäglichen Tracht. Diese Tracht ist gerade keine kleidsame zu nennen, blauer Rock, weiße Hemdärmel, rothes Kopftuch und der Gürtel wird fast unter den Armen, oberhalb der Brust befestigt, so daß man keine Taille bemerkt. Ist die kirchliche Feier zu Ende, so erfreut sich Alt und Jung am Mora- oder auch am Ballspiel. Doch wird den Armen des Thales auch ein Opfer gebracht. Allerlei Gegenstände, wie D i e V e r st e i g e.r u n g. Halstücher, Schürzen, Heiligenbilder, Schirme u. dergl. m. werden dem heil. Rocco geopfert und ein Kirchendiener versteigert nun diese Gegenstände an die Meistbietenden. Der Erlös fällt, wie schon erwähnt, den Armen zu und manchmal auch zum Schmuck der Kirche. Bei Cevio zweigt sich noch ein Seitenthal ab, welche? in's Val di Campo führt und später in's Val di Vosco. In diesem Thale befindet sich die einzige, deutschredende Gemeinde des Canton Tessin, Vosco, zu deutsch Gurin. Es sind eingewanderte OberWalliser, welche bekanntlich die deutsche Sprache reden und mit rührender Liebe und Zähigkeit an ihre: Mundart hängen. Auch die Hausindustrie in diesen Thälern soll nicht unerwähnt bleiben, neben der Seidenraupenzucht auch das Strohflechten im Val Onsernone. Ueberall sieht man die Frauen flechten, in der Kirche, im Freien, zu Hause verfertigen sie die bekannten Strohbänder für Hüte und leichte Strohwaaren. Der Absatz ist ein ziemlich bedeutender. Eine Frau ist alt, wenn ihr di: Toilette gleichgiltig zu werden beginnt. Nicht zu verblüffen. Mein Fräulein, darf ich Sie begleiten?" Aber . ich kenne Sie ja gar nicht!" Nun, das ist gerade die beste Gelegenheit, Bekanntschaft zu machen!" Schlaue B e scheid enh e i t. . Hast Du's gehört, Auronleben, ich will mich noch einmal so weit herablassen und tausend Mark von Dir borgen. Du wirst hoffentlich die Ehre zu schätzen wissen!" Die Ehr' weiß ich zu schätzen sehr, Herr Baron, aber ich werd' mich nicht versteigen' so hoch, sie anzunehmen!" Ein Schlauk o Pf. Jean, sieh', zu. ob die Gnädige, zu Hause ist!" Jean (zurückkehrend, , nachdem er vom Mädchen Bescheid erhielt): Die gnädige Frau ist heute für Niemand 'zu sprechen -r Maul halten!" hat sie ge. sagt.",'

Der GlobuL.

i i . Die alte Christel (als sie beim Scheuern im Pfarrhause in der Studirstube des geistlichen Herrn zum ersten Male einen Globus gewahrt): .Jesses, Jesses. zetz' hat jo der Hochwürdig' ah noh e' uffgeblosenc Landkart'!" Ein gutes Geschäft. Du, Huberbauer, ich verkauf' Dir mein Roß. Was gibst D' mir dafür?" A' große Fuhr' Heu!" Ja. was mach' ich denn nacher mit dem Heu, wenn ich kein Roß mehr hab'?" Dessentwegen mach' Dir koane Skrupel. I' leih' Dir dann das Roß so lang, bis die Fuhr' Heu ausg'fressen is!" O diese Kinder! Ä iraif HanS und Aennchen (zu Papa und Mama, die als Weihnachtsgeschenk von der , Großmutter eine Garnitur moderner Möbel bekommen haben): Gelt. Mama, da dürfen wir zuschauen, wenn Ihr Euch d'raufsetz't?" Verfehlte Wirkung. Du mußt jetzt schlafen. Fritzchen komm', ich will Dich in den Schlaf singen!" Ach nein! Du nicht, liebe Tante da werd' ich immer wacher!" Kein Fehler. .Ihr Pferd hat nur einen Fehler: es bleibt bei jedem Wirthshaus stehen! ßtmü Sie das nicht?" Nein, durchaus nicht Zn'sWirthsäus geh' ich immer gern!" Gewohnheitsfrage. Arzt (zu einem Bauern, der früher ?ein Patient war): He, Hans, hilf ir meine Chaise aufstellen!". Hans (zögernd): Herr Doktor üost't 's was?" . Empfehlenswert h. Warum sind Sie von Ihrem letzten Platz ausgetreten? Eine Dummheit, gnädige Frau. Der gnädige Herr hat mich geküßt. Und Sie haben das übel genommen? Ich nicht, aber die gnädige Frau. '

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