Indiana Tribüne, Volume 21, Number 153, Indianapolis, Marion County, 20 February 1898 — Page 2
Acr WoraNst. Von E. M. Tanzer. Karl toax ein strenger Moralist. Muter Natur hatte ihm nämlich bei seiner Geburt die Nase etwas schief in's Gesicht gesetzt. Darum sahen die Frauen stet an ihm vorbei. So war er .ein Weiberfeind und Moralist geworden und predigte Entsagung. Es war ein Spätsommerabend. Karl war auf den großen Korso ge gangen, wo die schöne Welt sich nach des Tages Last und Arbeit" jeden Abend traf. Und jeden Abend mu sterte Karl hier durch seine Brille die Gesellschaft und ärgerte sich nach Herzenslust über ihre Schlechtigkeit. Das weiche Rauschen eines Frauenkleides weckte Karl aus seinen Betrachtungen. Vor ihm verschwand xm Gewühl eine hohe, schlanke Gestalt. Wie mit unsichtbaren GeisterHänden" zog es ihn hinterher. Bald unterschied xx sie wieder, und krast seimz starken Ellenbogen hatte er sie bald erreicht und folgte ihr auf dem Fuß. Sie war schwarz gekleidet und hatte ein kokettes Hjitchen auf. Jetzt bog sie nach links in einsamer5 Gassen ein. Karl immer hinterher. Mehrmals hatte er es schon vergeblich versucht, sich zu einer kühnen Anrede aufzuschwingen. Endlich faßte er sich doch ein Herz und sprach sie also an: .Mein Fräulein, gestatten Sie, daß ich Sie ein Stückchen begleite?" Werrn's wollen. Hab' nix dage- " gen. Karls moralisches Gewissen begann sanft einzuschlummern. Er sprach vom Wetter, von Frauenschönheit und Xotä derlei amüsante Dinge mehr sind. Was glauben's wohl, daß i bin?" unterbrach das Mädchen seine Redefluth. Nun, anseh'n kann ich Ihnen das nicht gerade. Vielleicht eine Putzma cherin." .Na. na! So was thu i netz mit die Händ' arbeit' i scho garnet! A Modell bin i. Das is doch a schön's G'schäst? Net?" Ein Modell? So? Aber doch wohl blos für den Kopf?" Na, wias halt kommt." Und fidel plauderte sie mit ihrer etwas schrillen Stimme weiter und müsirte sich über sein Staunen. Und bald genug hatte ihre ungezwungne Lustigkeit Karls moralisches Gewissen wieder sanft eingelullt. Das Mädchen an seiner Seite, dem er so blind lmgs nachgelaufen war, gefiel ihm. Er wurde sogar witzig und lachte herzhaft über ihre krausen Einfälle. Plötzlich blieb sie stehen. An der Lcke einer kleinen Seitengasse. Adje! Da in der Näh' bin i z'Haus." Aber Fräulein Mitzi", er hatte ihre Hand noch nicht losgelassen, wir werden uns doch wieder treffen?" Na ja, also g'schwind! Wo denn? Wann denn?" Nun. morgen. Morgen natürlich. Um sechs Uhr. Ja? Bei der großen Uhr vor'm Rathhaus? Einverstan. den?" Vollkommen. Adje." Und fort war sie. An diesem Abend kam Karl erst fünf Minuten nach elf, fünf Minuten nach elf, in's Vett. In Angstschweiß gebadet, wachte er am nächsten Morgen auf. Wenn es beute schlechtes Wetter würde! Dann kommt sie heute nicht. Ich weiß nicht. wie sie eigentlich heißt. Wir sehen uns nie wieder. Und alles ist aus! Doch der Himmel hatte ein Einse hen. Es war ein herrlicher Tag und wurde ein köstlicher Abend. Karl stand bei der großen Uhr vor dem Rathhaus und wartete. Schon seit halb sechs wartete er. Und es wurde dreiviertel sechs und sechs, es wurde ein Viertel sieben und sieben. Karl stand noch immer und wartete. Und je länger Karl stand, desto heller wurde es in seinem Geist. Und als die Uhr droben auf dem Thurm sieben schlug, da war Karl wieder der Moralist geworden, der er noch gestern war und von jeher. Da auf einmal sah er sie. Sie war eiligen Schrittes dicht an ihm vorbei gegangen. Er sah ihr nach. Kein Zweifel, sie war es. Er stürmte hinterher. Und so schnell sie ging, er war noch schneller. Jetzt hatte er sie erreicht. Noch zwei Schritte, und er sieht vor ihr und zieht seinen Hut. Nun, schönes Fräulein Ausreißerin?" Ach. Sie san's? Adje. mit Ihnen geh' i überhaupt nimmer." J ? V Ja. gestern bin ausg'lacht word'n. Sie, Sie Herr, haha! mit Ihrer schiefen Nas!" Sei! diesem Abend ist Karls moralisches Gewissen nicht wieder eingeschlafen. D i e guten Freundinn e n. Ich hab' mich vorhin in die Zunge gebissen. Unmöglich dann wären Sie 1a vergiftet. Zweifelhafter Trost. Tourist: Aber ist denn dieser Abstieg hier nicht zu gefährlich, könn!: man denn da nicht am Ende gar abstürzen!" Führer: Gefährlich ist's allerdings ; aber wenn S' ja abstürzen sollten, liegt jetzt weniger mehr d'ran. nachdem Sie 's Schönste bereits doch schon alles g'sehen hab'n. EineLiebeserklärung. Heute finde ich endlich den Muth. Ihnen, verehrtes Fräulein, meine Liebe zu erklären. Das ist überflüssig. Nach den Auskünften, die mein Vater bei Ihren Gläubigern eingezogen, kann ich sie mir schon selbst er-klären.
2fr. 5.
Geschichte eines Handschuhs, von Theodor v. Liska. Es war auf einem Balle unserer Tage. Die elektrischen Lichter verbreiteten ein Meer von Helle, seidene Roden rauschten, die Musikkapelle spielte wiegende, sinnbelhörende Weisen, zarte Wangen glühten, schöne Augen leuchteten. ... Der Ball war ziemlich vorgeschritten, die Uhr zeigte eine Stunde nach Mitternacht. Ein junaer Dichter, der nicht viel getanzt, sich hingegen sattsam an dem schönenBild:, der in Jugendlust erglühenden Paare ergötzt hatte, dachte daran, die Stätte der Freude zu verlassen. Er trat in das Antichambre, wo die großen SpienI standen, in denen sich die Ballfeen musterten, bevor sie den Saal betraten, und das mit exotischen Pflanzen reich ausgeschmückt war. . Eine der Thüren führte nach dem Ausgang, eine zweite in den Saal, wo das Büffet untergebracht war. Sein Blick streifte diese letztere Thür und was erblickte er da? An einem Palmblatte hing ein langer, weißer Handschuh. Eine der Damen mochte ihn verloren haben, als sie vom Büffet in den Saal zurückkehrte ... Der Zunge Mann trat näher, und seine Rechte hob den Handschuh prüsend empor. Es war einer der feinsten seiner Art, ein echter schwedischer. Er reichte wohl weit über den Ellenbogen hinauf, um einen schönen weichen Arm. eine seidene Haut zu bedecken. Und die Hand! Ach, diese Hand! . . . Nummer ö . . . ine KinderHand! ... Der junge Poet strengte einen Augenblick sein Hirn an (ja das geschah manchmal, ob auch die bösen Kritiker beharrlich behaupteten, das sei ihm unmöglich), um sich an irgend eine ffreundin zu erinnern, deren Handschuh je diese niedrige Nummer aufgewiesen. Alle Handschuhe, mit deren Einkauf er in seinem jungen Leben betraut wurde, waren größer gewesen: 6Z, 6, 6j ja, es gab sogar . einen Handschuh semer Bekanntschaft, der ihm errathend eingestanden, daß er Nummer 6Z trage. Schnell hatte sich der Poet beeilt, zu sagen, eine FrauenHand müsse nicht klein, sondern nur schön sein. Das hatte ihm damals einen dankbaren Blick eingetragen, so süß, als hätte er sein Geschenk von einem Dutzend zu 6Z schon überreicht im Laden hatte er sich beinahe genirt die Nummer zu nennen, und die Mamsell die ihn bediente, lächelte eigmthümlich. . . . ' No."'5 . . . die"Nummer entfesselte die Phantasie des Dichters. Das Weib mußte er kennen, das diese Hand besaß! ... Jeden Augenblick konnte sie wiederkommen, um den verlorenen Handschuh zu suchen. . Rasch verbarg er ihn in der Brusttasche seines Fracks und trat dann zu einer Gruppe bekannte? Herren im Ballsaale, in nächster Nähe der Thür. Bon seinem Standplätze konnte er die ganze Borhalle überblicken. No. 5... Es war unglaublich. Selbst gesetzt den Fall, daß der Handschuh um eine Nummer zu klein war. Um eine Nummer ist jedoch jeder Damenhandschuh kleiner, als er sein sollte! ... Wer sie wohl sein mag? Eine Minute später kam sie am Arm ihres Ritters einher, um den Handschuh zu suchen. Erst im Bus fet. wo sie sich Appetit haben sie Alle! am längstm aufgehalten hatte, dann im Antichambre . . Der Handschuh war nicht zu finden. Sollte er hervortreten und ihn als ehrlicher Finder überreichen? Sich als Belohnung einen Tanz erbitten? Dann war es mit einer kleinen Tour abgethan, die Weiber sind nicht dankbar . . . Nein, vielleicht konnte der Handschuh bessere Dienste leisten. Er kannte sie nur zu gut. die Besitzerin der kleinen Hand und des kleinen Handschuhs. Seltsamer Zufall, daß er gerade ihr gehören mußte . . . Im Stillen bewunderte er das junge Mädchen lange schon. Sie wohnte ihm gegenüber, in einem palastartigen Hause, wo ihre Familie die ganze erste Etage in Miethe hatte. Tochter eines venetianischen Bankiers, der an der Börse Millionen gewonnen haben sollte. Ettore Pala. Je kleiner die Hände, desto schwerer sind sie gewöhn lich zu erringen. Und diese da, eine so kleine Hand galt als ganz aussichtslos; lag doch, so winzig sie auch war, eine Million darin. Nicht, daß ein Poet, so schwierig dies auch sein mag, einer Million keine poetische Seite abgewinnen könnte; doch die Millionen haben gemeinhin kein Verständniß für Poesie. Selbst nicht, wenn- sie in einem Händchen ruhen, das an alle alten poetischen Sagen erinnert. Eine Hand No. 5, das war wie der kleine Fuß Aschenbrödels. Aber Aschenbrödel war schon Prinzessin, noch bevor sie den Prinzen kennen gelernt, Tochter eines Geldkönigs ... Indessen war ihr Verehrer nicht auch einer von Gottes Gnaden, ein Fürst der Poesie? Wenigstens bildete er sich's ein. Warum sollte man nicht wenigstens den Muth haben, diese kleine Hand erobern zu wollen? Besonders, da in solcher Hand leicht ein glückliches Schicksal zu lesen war? Wo ich nur den Handschuh verloren haben mag!" sagte das junge Mädchen. Ich kann doch nicht ohne Handschuh tanzen! Nun muß ich dem Vergnügen der Anderen' zuschauen oder den Ball verlassen . . ." .Ach nein." sagte der Herr, nach 1 Uhr Nachts sieht man auf den Bällen nicht so sehr auf die Etikette! Und dann, mein Fräulein, Ihre Hand ist so klein, daß man sie garnicht bemerkt!..." Und lachend ging der galante Tän zer mit seiner Dame dahm. Der Dieb des Handschuhs stand daneben und verzog keine Miene. Er
wollte sein Spiel erst beginnen, wenn die gefährliche Concurrenz dieser gefälligen Witzlinge nicht zu fürchten war. Wie das Spiel beschaffen sein würde? Das wußte er im Augenblick selber nicht . . . In seinem stillen Kämmerlein nahm der Dichter wieder den Handschuh vor, und was der junge Mrn in dem Ballsaale nicht gemerkt, der' mit Düften geschwängert war. kam hier zum Vorschein: das zarte schwedische Leder hauchte ein Parfüm aus, das die Sinne berauschte und das ganze Zimmerchen' füllte. Vielleicht im Rausche kam dann auch dem Poeten der Plan, bis zur Prinzessin Aschenbrödel vorzudringen. Der entwendete Handschuh sollte ihm die Thüren öffnen. Und dann warf er sehnsüchtige Blicke über die Straße, hinüber zu den Fenstern der dunkeläuaigen Tochter des Ettore Pala. Gegen Mittag wollte er selbst dort seine Vorstellung machen. Eine Stunde verbrachte er, um seiner Dichterlocke - den nothwendigen kühnen Schwung zu geben. Dann ging er dem Geschick entgegen. . Er wollte eben das stolze Haus betreten, als im Thore eine rundliche, rothbackige Frauengestalt mit munteren Augen erschien. Er kannte sie wohl, es war Fräulein Thekla Werner, eine talentvolle junge Lehrerin, die in vornehmen Häusern Musikunterricht gab. Kaum hatte si: ihn erblickt, so ergoß sich über ihn der gewohnte Schwall von Worten . . . Ach, daß man Sie auch einmal sieht! ... Was treiben Sie denn immer in Wolkenkukuksheim? Und warum sieht man Sie nicht manchmal bei dem prosaischen Wurstfabrikanten, der eine so gute Tafel führt und bei dem es so gemüthlich ist? Und was macht denn die Muse? Giebt Sie Ihnen noch immer nur klingende Reime ein? Doch wohin gehen Sie da? Vielleicht zu den Pala's? Daher komme ich ja! . . . Sie interessirt wohl auch die schöne Marietta, was? Das kann ich mir denken ... Ich könnte Ihnen viel von ihr erzählen, ich komme ja eben von ihr, wir spielten vierbändig auf dem Klavier . . . Aber Sie müßten mich begleiten, denn Sie wissen ja, ich habe nicht mehr Zeit zwlschen einer Lektion und der anderen, als ich brauche, um den Weg zu machen . . . Dieses Mal eht es übrigens nicht weit, nur bis m die nächste Straße ... Also die Signorina richtig! Sie kennen sie gar nicht? Nun, so genaue Aufklärungen wie ich kann Ihnen kaum Jemand geben ... Ein welsches Gänschen, sage ich Ihnen und eingebildet, das läßt sich nicht beschreiben! Sie wissen, ich könnte ein Lied singen vom Protzenthum in dieser Welt! ... Mit Geld werden Viele geboren, mit Bildung und Erziehung aber Keiner ... Nun. dieses Haus übertrifft Alles, was ich bisher in der Sorte gekannt! ... Und Ihre Marietta, mein Gott! Sie weist alle Freier ab, weil sie glaubt, sie kommen nur ihres Geldes wegen ... So, jetzt bin ich an Ort und Stelle. Ich danke für die freundliche Unterhaltung, ich freue mich immer, Sie zu sehen, Ihre Unterhaltung ist so geistreich,... Sie sind mir doch nicht böse, daß ich Ihre Marietta wahrheitsgetreu geschildert habe? Sie ist ja nicht übel, das G:sichtchen, ist ganz nett . . . Aber die Hand! Die Hand ist einfach schrecklich!' Sie kann kaum ine Octave greifen ... Adieu, adieu! ..." Fort war sie . . . Der junge Mann athmete auf und schlich dann gesenkten Hauptes von dannen . . . Der Werth der kleinen 5ände wurde nicht überall gleichmäßig gewürdigt, das mochte hingehen. Aber die Kerze, die der Madonna geweiht wurde das war bös! Das war ein Hieb, der festsaß ... . Bitte, wen soll ich melden?" Einen Herrn, der Fräulein Pala einen Gegenstand überreichen will, den sie gestern Abend auf dem Balle verloren hat. Hier ist meine Karte." Einige Minuten später überreichte er der jungen Dame feierlich ihren Handschuh. Ich fand den Handschuh, und man sagte mir, daß Sie. verehrtes Fraulein, einen solchen verloren und gesucht hätten. Ich ließ es mir nicht nehmen, ihn persönlich zu überbringen, und gebe nun den Flüchtigen seiner Besitzerin wieder. Ich ' sehe, es ist der Jhnge!Woraus ersehen Sie das, mem Herr?" Weil sich sobald keine zweite Hand finden ließe, der er paßte, keine Hand wie die Ihrige. . . Bitte, mein Fräulein, es ist kein leeres Compliment. Man hat auch Bekanntschaften unter schönen H'änd?n, aber eine Hand wie diese, habe ich noch nicht gesehen ... Als ich gestern den Handschuh fand, war ich ganz begeistert. Nummer 5! das sagt Alles ... Als ich den Handschuh fand, wurde in mir das alte Märchen vom Aschenbrödel lebendig... Ich wünschte, ich wäre ein Prinz und wünschte weiter, die .Besitzerin dieses Handschuhs sei das ärmste Mädchen im Volke . . . Dann wäre ich umhergezogen im Lande und hätte Jene zu meiner Prinzessin gemacht, der dieser Handschuh an die Hand gepaßt . . . Leider bin ich kein Prinz, sondern nur ein armer Poet. Und Sie sind kein armesAschenbrödel. sondern ein Goldkind im Glücke. Schade, daß ich eS nicht früher gewußt, denn ich verliebte mich in Diejenige, der der Handschuh gehörte, ohne sie zu kennen. Was wollen Sie, eS ist Dichterart. . ." Er hörte in seiner Rede auf, denn das Fräulein konnte ihn wohl nicht hören. Sie lachte nämlich, sie lachte, daß ihr die Thränen über die Wangen liefen. .Nein, daS ist zu ... zu drollig . . . dsö ... ist zu drollig ..."
Nur mit Mühe konnte sie in ihrem
Lachen die Worte hervorstoßen. Er erhob sich beleidigt. Ich bedauere sehr, mein Fräulein, daß meine ernste Geschichte so sehr auf Ihre Lachmuskeln wirkt . . . Abcr id fühle mich nicht veranlaßt, Ihre Heiterkeit weiter zu mehren. Ich habe die Ehre! ..." Hahahaha! ... Hahahaha! ..." Er hörte das Gelächter noch im Vorzimmer, wo er seinen Ueberrock anlegte. Dann ging er heim.' in das bewußte Dichterkämmerlein. Es hatte ein Fenster auf die Straße, wenn auch in der vierten Etage. An diesem Fenster saß er lange und starrte hinüber auf das stolze Haus, wie Ritter Toggenburg, ob sich die Liebliche nicht zeigte . . . nicht zur Kirche ging, um der Madonna wieder eine Kerze zu weihen . . . Wuth und Schmerz kochten in seinem Herzen. Abgewiesen zu werden darauf war er gefaßt gewesen. Daß sie ihn aber verlachte o, daS war zu viel! ... Es war. spät am Abend, da brachte ein Diener ein Briefchen und einen in Seidenpapier gehüllten Gegenstand. Er öffnete vor Allem das Briefchen und las: Mein Herr! Ich schreibe Ihnen diese Zeilen, um Sie zu bitten, daß Sie mir meine Unart von heute Morgen verzeihen. In der That, es war kein Grund vorhanden. Sie zu verlachen. Ihre Geschichte gab mir zu denken, und ich muß Ihnen sagen: Sie sind der einzige Mann, der mich überzeugte, daß Sie mich meiner selbst willen lieben. Das ist viel, das hat bisher noch Keiner bel mir erreicht... Ich hoffe. Sie am nächsten Dienstag, an unserem Jour, zu sehen. Inzwischen sende ich Ihnen ein Angebinde .... Cenerentola." Er faltete darauf das Seidenpapier auseinander: eine rothe vollausgeblühte Rose lag darin ... Der Poet drückte die Blume verklärt an die Lippen. Sie sagte so viel! . . . War die Zeit der Märchen doch noch nicht vorüber?!... Sarotta's Sochzcit. Von Stefan Szomahazy. Kaum drei Uhr Morgens ist es, als die Lampen der im Erdgeschoß befindlichen Küche angezündet werden. Die weißen Vorhänge der übrigen Schloßfenste? sind noch tief herabgelassen. Verschlafen hantirt der Küchenjunge in der grauen Dämmerung. Unter Lärmen und Lachen erhebt sich der Schwärm der Köchinnen und Küchenmädchen. Wenige Minuten nach drei erscheint auch der Küchenchef, Herv Dominique, auf der Schwelle. Seine Augen blicken etwas verschlafen in die Runde, denn gewöhnlich pflegt er erst um 10 Uhr die Stätte seiner Wirksamkeit zu betreten, und seit er aus der Normandie, wo er im Schlosse der Herzogin von Tf ortete zwanzig Jahre gewirkt hatte, auf diesen ungarischen Edelsitz gekommen ist, hat er keinen Sonnenaufgang mehr gesehen. Herr Dominique ,' vertauscht seinen eleganten Straßenanzug mit dem weißen Piquörock und der weißen Mütze, während das Feuer unter den spiegeln den Kasserolen schon lustig prasselt. Um 1 Uhr findet die Hochzeit Fräulein Sarolta's in der Kirche des Dorfes statt, wo der Onkel der Braut, der Titularbischof, das Paar feierlich einsegnen wird. Das Schloß ist vollev Gäste. Der Bräutigam, und mit ihm fast fämmtliche höhere Beamte und Officiere des Comitats, sind am Tage vorher schon eingetroffen. Alle wollen gern und mit Freuden der Hochzeit des beliebten Obergespans beiwohnen. In den Zimmern drängten sich gestern glänzende Uniformen, blitzten Ordenssterne und rauschten seidene Roben. Auf den Corridoren flogen die Zofen der schönen Damen hin und her, und die fremden Diener befreundeten sich mit dem Hauspersonal. Als gegen Mitternacht die Brüder des Bräutigams mit dem Triesttt Schnellzuge eintrafen, gab es im ganzen Hause kein ruhiges Plätzchen mehr. Beim Morgengrauen legte man sich nieder, und nach 3 Uhr prasselte in der Küche schon wieder das Feuer. Für das große .Gastmahl war Alles vorbereitet und es bedürfte nur noch der letzten glättenden Hand Meister Dominique's. Seit Tagen lieferte die Post unaufhörlich aus Wien, Pest und Trieft Fische. Delikatessen und aromatisch duftende, Früchte. Seltsam geformte Sülzen, Geldes und Eisspeisen kühlten in der ' Eiskammer. Eilig rupften die Küchenmädchen feiste gelbliche Fasane und fette Kapaunen. Herr Dominique ging mit der Unruhe eines Künstlers von Herd zu Herd, um jede Strophe des zu dem Mahle aufzutragenden glanzvollen Gedichtes denn ein wahres Gedicht konnte das Menu genannt werden noch einmal zu prüfen und durchzufeilen. Eben kostete er den Chiantiwein. durch den einer neu erfundenen Sauce ein eigene?, pikanter Geschmack gegeben werden sollte, als sich die nach dem Hofe führende Thür. leise öffnete. Herr Dominique schob seine Mütze verwundert empor, denn aus dem sahlen Lichte der Morgendämmerung trat, in feines, duftiges NegligSe gehüllt, Fräulein Sarolta. die Tochter des Hauses. Müde lächelnd begrüßte sie ihn: Guten Morgen, Herr Dominique. Nicht wahr, Sie wundern sich, mich hier zu sehen? Aber ich konnte nicht schlafen und bin aufgestanden, um ein wenia mit Ihnen zu plaudern." 0, gnädigste Comtesse," stammelte Dominique verwirrt, das ist ja zu viel Ehre, heut' an Ihrem Hochzeitstage!" Fräulein Sarolta war Herrn Dominique's erklärter Liebling und nur auf
ihre besondere Bitte hatte der berühmte
Koch die Stellung in dem gräflichen Hause angenommen. Die Comtesse fühlte sich ebenfalls zu dem alten Manne hingezogen und diese Freundschaft übertrug sie auch auf seinen Sohn. Wenn dieser, ein angehender junger Arzt, die Ferien bei dem Later verbrachte, war sie mit dem schlanken, heiteren jungen Menschen stundenlang lachend und plaudernd in Garten und Dorf umhergestreift. Seitdem aber die Comtesse den Verlobungsring am Finger trug und mit ihrem aristokratischen Bräutigam üben die kiesbedeckten Wege des Parkes dahinzuwandeln pflegte, war Andrd Dominique nicht mehr in der Nähe des Schlosses gesehen worden. Sarolta ließ den Blick über all' die Prachtwerke Herrn Dominique's schweifen und lauschte still seinen Erklärungen. Sie mußte die Burgunder, Suppe kosten und trank einen Schluck von dem Chiantiwein. Als ihr jedoch der Koch die Eiskammer mit den verschiedenen prächtig geformten Sülzen zeigen wollte, fragte sie rasch: Wo ist denn Ihr Sohn. Herr Dominique?" Er ist gestern Abend in die Gömerer Berge gefahren. Ich wollte ihn gern über das Fest hier halten, aber es war nicht möglich," sagte er traurig. Sarolta wandte sich nach der Küche zurück. Sehen Sie, wie schön die Sonne schon die Spitzen der Bäume vergolbet," sagte sie träumerisch. Wie schönmuß es jetzt am Teiche sein. Ich werde rasch noch einen letzten Spazievgang im Parke machen " Grüßend eilte sie in's Freie. Dominique blickte ihr nach. Ein unerklärliches Gefühl preßte sein Herz zusammen und unwillkürlich sagte er zu dem Personal: Arbeitet nur fix weiter, Leute, in einev halben Stunde bin ich wieder zunick." Dann schritt er ebenfalls dem Parke zu, zwischen dessen Bäumen eben die schlanke Gestalt des Mädchens in eiligem Lause verschwand. Keuchend, athemlos suchte Dominique sie zu erreichen. Umsonst, die jungen Füße waren schneller als die seinen! Schon blinkte der Teich herüber, auf dessen von den ersten Strahlen der Morgensonne beschienenem Spiegel schneeweiße Schwäne dahinzogen. Nuv wenige Schritte noch und sie stand, die Hände gleich einer klassischen Statue ausgebreitet, auf dem schmalen, japanischen Brückchen und dann Heiliger Gott. Comtesse, was thun Sie?" rief der Koch verzweifelt. Zu spät! Hoch auf spritzte das Wasser und die Wellen verschlangen die leichten Gewänder. Doch im nächsten Augenblick war auch Dominique in der dunklen Fluth verschwunden. Er wav im südlichen Frankreich am Meeresstrande geboren und mit dem feuchten Elemente auf's Innigste vertraut. Ein kurzes Strudeln unter Masser. dann tauchte er mit der leblosen Gestalt am Ufev empor. Behutsam legte er Sarolta auf den weichen Rasen nieder, holte schnell aus dem nahen Gärtnerhause ein Glas starken Branntwein, mit dem er Stirn und' Schläfe der Bewußtlosen einrieb und Ihr einige Tropfen durch die festgeschlossenen Zähne träufelte. Da 'öffnete das Mädchen langsam die Augen und flüsterte wie im Traume: Dominique, lieber Dominique!" Mein armes, kleines Vögelchen! sagte der Alte, sie kummervoll betrachtend. Sarolta gewahrte den Blick und sich schnell aufrichtend, sagte sie. tief erröthend und reuevoll: Fürchten Sie nichts! Ich schwöre Ihnen, daß ich nie mehr etwas Derartiges begehen werde. Was geschehen ist, bleibt unser Geheimniß, nicht wahr?Dominique führte sie vorsichtig in's Schloß zurück, wo Alles noch in süßer Ruhe lag. Traurig lächelnd, winkte die Comtesse zum Abschiede mit der Hand und verschwand lautlos in ihren Zimmern. Um 1 Uhr brauste die Orgel durch die Kirche des Dorfes und blumengeschmückte Galawagen hielten vor dem Portal. Eine glänzende Menge durchfluthete die Gänge des ehrwürdigen Gotteshauses. Der Bräutigam, umgeben von einer Suite in kostbare, ungarische Magnaiencostllme gekleideter Herren, führte die bleiche Braut, die der Bischof - Oheim am Altare erwartete. Gerührt ertheilte er dem Paare den priesterlichen Segen und heiligte dann in längerer Rede bei der kein Auge trocken blieb den schönen Bund, in dem sich zwei Herzen für ein ganzes langes Leben in Liebe vereinigen sollten. Der Geschäftsrechner. Lehrer: Nun, Ernst, sag mir einmal, wenn eine Stahlfeder, zwei Pfennig kostet, was kosten dann zwölf Stück?" Ernst: Vierundzwanzig Pfen, nige." Lehrer: Ganz recht. Warum hebst Du die Hand, Jsidor?" Jsidor: Herr Lehrer, sie kosten nur zwanzig Pfennige, mer kriegt ja Rabatt. wenn mer nimmt gleich e Dutzend Uebergangsstadium. Vertrauter: Nun, wie weit hat Dich denn Deine Frau eigentlich schon unter dem Pantoffel?" Ehemann: Cs ist gerade noch vor den Leuten zu verheimlichen!" Anerkennung. Ich wundere mich doch, daß Sie sich niemals an die 100 Mark erinnern, die Sie mir schuldig sind." Aber, mein Lieber, gewiß, daS gehört zu meinen schönsten Erinnerungen." D a h e r. ... Etwas Unbeiiandizkeit in der Liebe läßt man sich ja gefallen; Du aber, Oskar, bist doch zu flatterhaft!" Liebe Tante, habe eben einen Herzfehler!"
Aie Kkapperschkange. . Von K. Tüsterhoff. Ich reiste durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika, um einem Professor im äuIten Westen einen Besuch abzustatten. ' Unterwegs hatte ich Gelegenheit, eine prachtvolle KlapPerschlange zu erwerben, die, während sie schlief, gefangen worden war. Sie war sechs Fuß lang und maß über den Rücken neun Zoll. Da dies das angenehmste Gastgeschenk war. das ich meinem Professor mitbringen konnte, so machte ich mich in aller Eile daran, für das schöne, aber gefährliche Geschöpf eine passende Wohnung herzurichten. Ich trieb eine kräftige Kiste auf und versicherte die offene Seite statt durch den Deckel durch kreuzweis übereinandergenagelte Latten, die Luft und Licht eindringen ließen und doch dicht genug zu sein schienen, um ein Hindurchschlüpfen des Thieres unmöglich zu machen. Um alle Einwendungen zu vermeiden, gab ich die Kiste auf dem Dampfer, den ich zur Reise benutzte, als gewöhnliches Passagiergut auf. Der Schlangenkäsig wurde mit den übrigen Gepäckstücken auf Deck untergebracht leider in allzu großer Nähe des Schornsteins, was dem Thiere doch wohl als ein ungemllthlich tropischer Aufenthaltsort erscheinen mochte. Der schöne, sonnige Tag ging in eine jener herrlich klaren Herbstnächte über, in denen keine Wolke den Prachtvoll gestirnten Himmel trübt. Die zauberische Schönheit dieser Nacht hatte die meisten Passagiere auf Deck zurückgehalten. Unter denen, die am meisten zu unserer Unterhaltung beitrugen, beand sich ein Matrose, der, wenn man seinen eigenen Mittheilungen Glauben schenkte, in Indien wahrhafte Heldenthaten verrichtet haben mußte. Seine letzte war die gewesen, daß er eine Cobraschlange erwürgte, die sich in seine Behausung geschlichen hatte. Er schloß seine aufregende Erzählung mit der Erklärung, daß er sich vor Schlangen überhaupt nicht mehr fürchte. Ich fragte ihn, ob er bei seinem Aufenthalte in Amerika jemals mit einer Klapperschlange zusammengetroffen sei. . . Klapperschlangen?" fragte er mit der vernichtendsten Geringschätzung. Zu Hunderten. Ich bin erpreß nach Georgia gereist, um sie zu schießen." Indem der Mann diese Worte aussprach, beschrieb unser Schiff eine Biegung'des Flußlaufes, und von einem Holzplatz am Ufer fiel der Schein eines hellbrennenden Feuers gerade unter den Stuhl des Ruhmredigen. Dort erblickte ich zu meinem äußersten Entsetzen die zusammengerollte Gestalt meiner Klapperschlange! Der unerhörte Schrecken beraubte mich der Sprache sowohl wie der Bewegung. Ich hatte das Reptil' wohlverwahrt in seinem Käfig verlassen, und nun lag es hier frei und los in seiner natürlichen Ringelung. und seine Augen glühten wie sprühende Kohlen. Der Lichtschein hörte aus. Der Matrose mußte eineBewegung gemacht haben; denn auf einmal ließ das Thier sein warnendes Klappern ertönen, aber langsam und regelmäßig, ein Zeichen, daß es noch nicht völlig aufgestört war. ' Was war das?" rief ein Dutzend Stimmen auf einmal. Es hörte sich verdächtig wie eine Klapperschlange an", bemerkte ein anderer Mitreisender. Wir nafoi ja aber doch wohl keine Doktoren an Bord, die sich das Vergnügen machen. Klapperschlangen in der Welt spazicren zu führen." O ja, so etwas passirt", nahm ein starker, stattlicher Mann das Wort. Ich fuhr einmal den Mississippi auf wärts, als eine Klapperschlange, die auch solch ein Medicinstudirender bei sich führte, sich freimachte und einen der Passagiere biß. Der arme Burscke lebte keine zehn Minuten mehr, und der Eigenthümer der- Creatur auch nicht viel länger, kann ich Ihnen sagen." , - Sie haben ihn doch nicht gleich umgebracht?" fragte ein Zuhörer. O nein, nicht gerade umgebracht" war die kühle Antwort,' wenigsten nicht todtgeschossen oder' todtgestoßen; da wären wir ja mit den Gesetzen in Conflict gerathen. Aber wir. zählten ihm 500 Hiebe auf. . die nicht von Pappe waren, und setzten ihn auf einem niedrigen JnselchenZ aus. wo ihm das -Wasser - bis an. den Mund ging. Und dabei stieg es einen Fuß in der Stunde." ' n Mir standen die Haare zu Berge. , Der Matrose mußte wieder eine Be-
wegung mit dem Fuße gemacht haben. 01c lyn Dlt vuiuuyc uuici uvuuyic, uis ihr lieb war, denn das entsetzliche Rasseln fing von Neuem att. Diesmal aber war es ganz klar, laut und zusammenhängend und zeigte deni , erfahrenen Ohr die allergrößte , Gefahr an den im nächsten Moment bevorstehenden Sprung. .' Jetzt endlich gelang es mir, meine Lethargie abzuschütteln., In einem förmlichen Gebrüll stieß ich die Worte hervor: Bewegen Sie sich nichtrvenn Ihnen Ihr Leben lieb ist! Schnell ein Licht! Schnell, schnell! Eme Sekunde länger, und es ist zu spät !" Kein Mensch regte sich. Mehr als einer hatte ein verständnißvolles Lächeln auf den Lippen. Jeder nahm an, ich spaße nur, um den prahlerischen Matrosen in Angst zu setzen. Dieser selbst war überzeugt davon und sagte, überlegend lächelnd: Mein Herr.wenn Sie weiter nichts wollen, als mir mit einer Kinderklapper bane machen, da kommen Sie an den Unrechten. Brinqen S nur mal Ihre Klapperschlange zum Vorschein!" i
In diesem Moment stürzte ein alter irischer Matrose herbei mit einer brennenden Fackel. Schlange Schlange!" schrie er auf und wies mit der Fackel aus das gefahrdrohende Ungethüm. Wo denn. Du Schafskopf?" fragte der Matrose. Gerade unter Deinen Füßen", rief der Jrländer. Der Matrose schaute unter seinen Stuhl und erblickte die Schlange. Mit einem gellenden Aufschrei schnellte er empor und lief davon. Ich höre sie jetzt noch alle die Ausrufe, die da in Zeit von einer halben .Sekunde durch einander wirbelten. Klar zu unterscheiden aber, wenigstens für mein vom Entsetzen geschärftes Ohr. erhob sich über all die Verwirrung das fürchterliche Klappern der Schlange, die sich auf dem Deck umherwand, nach jedem erreichbaren Gegenstand schnappte und förmlich sich an dem Aufruhr zu ergötzen schien, den sie angerichtet hatte. Ein Schuß ertönte. Die Windungen wurden schlaff.das Klappern hörte auf. der Unhold lag todt da. Die Aufregung all der stark gefahrdeten Menschen legte sich allmälig. Nun aber wurde mit doppelter Entschiedenheit die Frage laut: Wer brachte das Reptil an Bord?" Den Kerl lynchen wir", hallte es durchein, ander. Als diese Frage an mein Ohr schlug und ich sah, wie die Leute nach dem Raum beim Schornstein stürzten, wo das Gepäck verwahrt wurde, siel mirs lähmend aufs Herz, daß ja auf der Kiste mein Name stand! Diesmal hing alles von meiner Geistesgegenwart ab. Das muß die Kiste sein", rief ich, auf die verhängnißvolle, vergitterte Kisie deutend, die zum Glück meinen Namen aus der Kehrseite trug. Werfen wir sie über Bord! Wer weiß, ob nicht noch mehr drin stecken. Ick hatie nicht nöthig, den guten Rath zu wiederholen. Im nächsten Augenblick befand sich, die Kiste im Wasser. Ich war gerettet. Vorsicht! Schutzmann !
Unter dieser erbaulichen Mahnung bringen die Lustigen Blätter" aus den Memoiren eines Berliners" Folgendes: Ick bin von Natur nich furchtsam, wenn et aber wahr is, wat ick jestern erzählen hörte, det die Deutschen in China und Haiti ne Flottenexpedition ausrüsten wollen, um den Berlinern gegen gewisse Schutzleute zu Hilfe zu kommen, soll et mir freuen. Denn vor Schutzleuten hab' ick ne Heidenangst un wenn ick eenen sehe, rufe ick immer laut nach'n Schutzmann, worauf denn ooch jleich noch'n zweiter Schutzmann kommt. Wenn ick den se he, rufe ick dann wieder von Angst Schutzmann!", worauf dann der dritte erscheint. Man sieht also, et kann Zar nich jenug Schutzleute in Berlin jeben. Da ick et vor Angst in der Stadt nich mehr aushielt, kam ick schließlich auf die Idee, mir den janzen Tag in'n Jrunewald herumzutreiben. wo et ja am sichersten sein soll, weil dort öfters was Passiren dhut. Un wo im Jrunewald etwas passirt. jiebt et bekanntlich nie Schutzleute in der Nähe. Wie ick da so eines Tages in der Gegend von Hundekehle hinschlen. dere. hör' ick et in't Jebüsch verdächtig knacken un kriege eenen Todesschreck. Ja, Jott sei Dank, et war kein Schutzmann, sondern blos ein Sltxl mit 'ner langen Pistole, die er mir ooch jleich uff die Brust setzt. Um ihn los zu werden. schreie ick laut Schutzmann!", indem ick annehme, daß er schon bei dem Namen erschrecken un ausreißen wird. Da knackt et wieder in't Gebüsch und mir loost et noch jetzt kalt Lber'n Rücken ein Schutzmann tritt auf uns Beide zu. Die Angst, die ich empfand, mochte sich auf meinem Gesichte wiederspiegeln. Ah. ich verstehe schon", meinte er zu dem Strolch. Er hat Sie angefallen un Sie haben ihm die Pistole wegjenommen?'7 So is et, Herr Wachtmeister", meint der Kerl. Nu konnte ick. mir für verloren halten. Jetzt wird er mir jleich packen und auf die Wache schleppen, denke ick; da iommt 'mir ein rettender Gedanke. Wie heißen Sie?- schnaubt er mir an. Mch entschuldigen Sie", sagt: ick. demüthig wie 'ne geknickte Lilie, daß Ick mir noch nicht vorgestellt habe. Ick in nämlich der Raubmörder Gonjzi." Aha", meint er darauf. Sie kamen mir jleich verdächtig vor. Danken Sie Ihrem Schöpfer, baß das nicht mein Revier ist." Für dies Mal war, ick jerettet. Er ließ mich stehen undjing weg. Der Strolch hatte sich schon vorher jedrü.t. und so war die Ordnung auf die musterhafttste Art wieder hergestellt." , . ' Sie Schlittschuhläuferin. Von A. v. Bi?berstein. ; Stolze Linien auf dem Eise Ziehst du. schlanke Läuferin, Ich verfolge deine Kreise Aa und leise Ninmst du mir das Herz mit hin! ?' Sieh! Zu welchem schönen' Bunde Sich hier Kraft mit Anmuth paart Staunend Wort aus Männermunde n der Runde ; ,o5 und Beifall offenbart. v . Aber du. af ahlesschwingen. Eilst ha!d h:i .nd bald zurück: Also . uch Sehnsucht ringen, Nachzu' :l Nahten : und flieht das Gluck!
Fliege '. , ,lang' die Fläche. ' Sich . : schimmernd spannt,. Ueber d: l-.?' or'nen Bäche , '-, Und Dache . . ' V2tm v aiehr Weib genannt! . ' '
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