Indiana Tribüne, Volume 21, Number 146, Indianapolis, Marion County, 13 February 1898 — Page 6
Die weiße Weste. LumoreSIe von Th. Müller.
W!r befinden uns m den Räumen Hof-, Wäsch- und Bügelanstalt, des ersten Etablissements ' dieser ranche in der Stadt. An einer langen Tafel sind circa znxlnzig hübsche junge Mädchen mit Platten be chästigt. Der Ton der zwischen denselben geführten Unterhaltung belehrt uns so fort, daß mir es nicht mit gewöhnlichen Bedlensteten, sondern mit jungen Da n-.en zu thun haben. Alles Töchter aus guten Famltten, d:e mer unter suchn aer Oberleitung die Behandlung der Wäsche von der gröbsten bis zur feinsten aus dem Fundament erlernen. Die ganze Skala von Bügeleisen, Couvner zangen u. s. w. wird hier mit Eleganz gehandhabt natürlich fehlt dabei aber auch hie und da em klemeres oder größeres Malheur nicht. Soeben mußte wieder eines Passirt sein und zwar ein großes, denn es ertönte ein Schrei, aus dem man deutlich den Schrecken heraushören konnte. Wie auf ein Signal eilten die jungen Damen, nachdem sie ihre heißen Werkzeuge versorgt hatten, insgesammt der Unglücksstelle zu, das heißt, sie scharrten sich um diejenige, welche den Schrei .ausgestoßen hatte. Es war eine hübsche Blondine, deren ohnehin große brauneAugen, durch den Schrecken noch mehr erweitert, fassungslos auf eine weiße Herrenweste starrten. Was da passirt war, war allerdings schon ein grand malhenr ! Auf dieser tadellos gewaschenen, blendend weißen Herrenweste zeigte sich in schärfsten Conturen der braune Abklatsch des zu heiß verwendeten Plätteisens, deutlicher gesagt, sie war durch dasselbe total versengt. Tls erwähnte Fräulein vergoß Thränen, während die übrigen jungen Damen schauderten. Wenn das die gestrenge Lehrmeisterin sah, dann konnte es wieder schöne Vorwürfe geben, Vorwürfe, die man um so mehr fürchtete, als sie sich dabei absolut kein Blatt vor ten Mund zu nehmen bemühte und den Nagel auf den Kopf traf. Aber Helene." fragte ein feines 'Stimmchen, wie ist denn das zugegan gen?" Ach," schluchzte Fräulein Helene, .ich weiß es eigentlich selbst nicht, ich dachte gerade über etwas nach . . ." So, so!" meinte eine andere der Damen, aus deren Stimme man den .unbezähmbaren Schalk heraushörte, . schon wieder? Hör mal Helene, Dir passirt dieses tiefe Nachdenken in der letzten Zeit aber häufig, ich glaube im?ner . . . " Was?" brauste Helene auf. Nun", meinte die andere so recht sanft, ich glaube immer Du, . . . nun ja! . . . Du bist verliebt!" Fräulein Helene wurde unter dem Gekicher der übrigen blutroth. Es ist schlecht von Dir.Malwine". rief sie entrüstet, mich bei einem solchen Unglücke auch noch zu verspotten. Du solltest Dich schämen!" Nun so sei doch wieder gut, alte Helene. Du kennst doch meine rasche Art; verzeihe mir und ich helfe Dir sicher aus der Patsche ... da den Versöhnungskuß . . . und nun her mit dem Unglücksgilet. Du bist doch zu aufgeregt um es fertig zu machen! Ich will es fertig plätten u. dann, ich schwöre es Dir, schmuggle ich es in das richtige Packet, chne daß unsere gestrenge Lehrmeistexin das geringste davon ahnt. Wird '.dann reklamirt, so kann sie uns alle Zwanzig auszanken, auf eine kommt dann nicht viel!" Bravo Malwine!" rief die Corona. Du hast eben immer das Herz auf htm rechten Flecke!" Wie diese Weste einen richtigenFleck uf dem Herzen!" kalauerte der unverbesserliche Kobold, dann stoben sie auseinander und begaben sich wieder an ihre Arbeit, denn man hatte aus dem Nebengemache das hohe Organ der nahenden Directrice vernommen. Frau Fröhse . . . Frau Frööööhe! Wo stecken Sie denn?" Hier bin ich ja schon, Herr Assessor, was soll's denn?" Was es soll?" Meine Weste will ich haben oder neunundneunzig Schock...!" Aber so beruhigen Sie sich doch, ich habe ja schon das Hausmädchen und auf Ihren Befehl auch noch dreiDienstmänner in die Wäscheanstalt geschickt, s muß ja alle Augenblicke eines von ihnen kommen!" Donnernd warf der Assessor Meng. den die Thüre seines Chambre garnie zu und raste innerhalb dessen vierWänden weiter in Hemdärmeln umher. Auf Ehre, diese Situation ist schauderhaft, im höchsten Grade schauverhaft! Unten wartet der Wagen, mit dem ich meine Brautjungfer zur Hochzeit des Amtsrichters abholen soll und mir fehlt noch die Weste, die weiße Weste, die bei solchen Anlässen unbedinzt nöthige, frischgewaschene weiße Weste! O ich Thor, der ich mich auf die sonst sprichwörtliche Pünktlichkeit diefes vermaledeiten Institutes verließ. das mich nun so aussitzen läßt, wo ich mir doch so leicht hätte eine neue besorgen können . . . Himmelbombenelement, wo ist meine Weste, meine weiße Weste -will ich haben . . .!" In diesem Augenblick ösfnete sich die Thüre und das schwitzende Hausmädchen brachte das Packet aus der Wäsche--anstalt. Der Assessor that einen JubelschreZ und riß es rasch auf um im nächsten Augenblicke ein Wuthgebrüll auszustoöen. Er hatte seine weiße Weste aber in welchem Zustande! Versengt war sie, schmählich versengt! Ein ganzes Bügeleisen war auf der Stelle abgedruckt, wo ihm das Herz im furchtbärsten Zorne schlug! Frau 'Fröhse. welche ebenfalls hereingekommen war. schlug die Hände über dem Hopse zu
sammen und ihr Gesicht drückte das
tiefste Mitleid aus. Herr Assessor einen Augenblick, ich hole Ihnen das Beste fallt einem doch immer zuletzt ein die weiße Wette meines seliaen Ebrittian!" m Handumdrehen war sie wieder da, aber der Assessor donnerte sofort: Hinaus, sage ich Ihnen, augenblicklich hinaus, die kann einem Nilpferde passen, nicht aber mir!" Frau Fröhse entfernte sich tiefgekränkt, statt ihrer erschienen nach und nack die drei Dienstmänner, welche den Bescheid brachten, daß das Packet schon hier sein müsse der Assessor konnte nichts anderes mehr thun als die geballten Fäuste in unendlicher Wuth zum Himmel zu strecken. Ganz kaput ließ er sich auf einen Stuhl nieder und rief auf erneutes Klopfen mechanisch herein !" Es war der Lohndiener vom unten harrenden Wagen, der ihm erklärte, daß nun kein Bruchtheil einer Sekunde mehr zu verlieren sei, wenn man noch einigermaßen recht zum Standesamte kommen, die Hochzeit nicht unmöglich machen wolle. ' Aber ich bitte Sie, wie kann ich denn in dieser Weste . . Der Lohndiener betrachtete sich diese anfangs ganz erschrocken, schließlich zeigte sein Gesicht aber wieder das obligate, angenehme" Grinsen. . und er sagte: Es geht doch. Herr Assessor wir knöpfen den Frack eben einfach zu!" Der Assessor stand einen Augenblick wieerstarrt, dann machte er eineMiene, den Helfer in der Noth zu umarmen,' aber er besann sich, daß keine Zeit mehr dazu übrig war flugs wurde die Toilette vervollständigt, flugs ging's zum Wagen hinab und flugs führte ihn dieser vor das Haus seiner Brautjungfer. Man saß beim Hochzeitsmahle und der Assessor Mengden war sicher der fröhlichste Gast. An seiner linken Seite, an seiner Herzseite, saß die von ihm schon so lange heimlich Verehrte u. Geliebte! Sie war zum Entzücken heute. Dieses wundervolle blonde Haar und diese herrlichen, aroßen, braunen Augen er konnte sich nicht satt sehen. Anfangs hatte sie freilich geschmollt, weil er sie erst so spät abgeholt hatte; sie hatte geglaubt, sein Herz triebe ihn über dieser Gelegenheit alles andere zu vergessen er hatte sich nämlich in seiner Verlegenheit recht ungeschickt entschuldigt. Nun war sie aber wieder unendlich lieb und gut! Er nulßte an sich halten, um sie nicht vor allen Leuten an seine Brust zu ziehen, das Champagnerglas zu erheben und den Anwesenden zuzurufen: Da seht her, da ist wieder ein glückliches Paar, das au bald Hochzeit machen möchte!" .denn daß ihm das herrliche Mädchen neben ihm auch herzlich gut war. das sah heute deutlicher als je aus ihren schönen Augen leuchien. Warum also zögern und das Glück ihr Jawort zu besitzen nicht schon heute genießen? Dem Assessor ward heiß zu Muthe er eröffnete den Frack. Im selben Momente ertönte aus dem Munde des Fräuleins ein Wehlaut. Erstaunt folgte der Assessor ihrem Blicke, der starr auf die linke Seite der Weste gerichtet war. ' O dieser verdammte Fleck, an' den er nicht mehr gedacht batte, nun sah sie ihn doch! Er ward roth und verlegen und erzählte ihr in fliegender Eile die Leidensgeschichte der weißen Weste" und schloß seine, wie er glaubte, humoristisch gefärbte Expectoration mit den schneidigen Worten: ... ich sage Ihnen, Fräulein Helene, ich könnte diesesScheusal. das mir diese Schmach anthat, noch jetzt mit meinen eigenen Händen erwürgen; wenn ich je in meinem Leben ein Frauenzimmer gehaßt habe, so ist es -diese . . ich . ." Toderschrocken hielt er inne; seine Nachbarin lehnte, bleich wie einWachsbild, mit schlaff herabhängenden Armen im Sessel, die Lider waren schwer über die schönen Augen abgesunken und unter dieselben hatten sich tiefe Schatten gegraben. Er fuhr elektrisirt vom Stuhle aus was war denn passirt? Auch die Gesellschaft hatte den Zwischenfall bemerkt, von allen Seiten eilte man herbei. Aber derAssessor ließ niemand nahe kommen; mit starken Armen hob er sie empor und trug sie in ein Nebengemach, wohin die Eltern der jungen Dame erschrocken folgten. . Das Plötzliche Unwohlsein war vorüber, aber ein nicht zu , dämmender Thränenstrom war gefolgt.- Es war den Eltern sowohl als auch dem Assessor ganz unmöglich. Licht in die Situation zu bringen. Letzterer konnte nichts anderes thun, als dieMama. auf ihr Verlangen hin auf das " genaueste von dem Vorhergegangenen zu unterrichten, wobei natürlich die Leidensgeschichte von der weißen Weste" wiederholt wurde, es fehlte kein Tipfelchen, auch nicht der dramatische Schluß. '' Wie Sonnenschein ging es über das. Gesicht der klugen Mama; sie hatte eine Frage: Sagen Sie. Herr Assessor, wo lassen Sie Ihre Wäsche waschen?Nun in der Hoswasckianstalt von Meier selbstverständlich!" ' Ahhh! Dacht' ich's doch . . . Helene ...?" i ; Ach ja. und nun bin ich für ihn ein Scheusal, das er erwürgen will ... . er haßt mich ... er, er, ahhh!" Der Assessor war ganz perplex. Doch die Mutter klärte hn über den Zusammenhang auf da sank er freilich m die Kniee und stammelte Entschuld!gungen, von denen jede begann: Wenn Du Engel mir nicht verzeihst, dann. Aber sie verzieh ihm! SchwereWahl. Verheira. thete Schriftstellerin (am Vormittag): Jetzt weiß ich nicht, soll ich mein Epos vollenden oder Knödel kochen."
Ier Simplotturchstich.
Die 140 Kilometer langc Straße über den Simplon, die das Rhonethal mit dem Lago Maggiore und Mailand verbindet, ist eine der interessantesten Alpenrouten. Bereits 193 n. Chr. unter Septimius Severus als Passage, benutzt und mit zahlreichen Stationen (niansiones) und Relais für den Postdienst (mutationes) versehen, wurde sie in ihrer gegenwärtigen, vollkommenen Gestalt erst von Napoleon l. 1801 bis 1806 mit einem Kostenaufwand von mehr als 17 Mill. Frs. erbaut und als Schlußstein die Porta del Sempione in Mailand errichtet, die heute noch wegen ibrer classischen Form und ihres prachtvollen Sculpturwerkes Bewunderung erregt. Die Straße ist 8 Meter breit, steigt nirgends über 3z Proc., zählt 10 Schuhhauser. 7 Galerien, 22 große und 590 kleine Brücken, sodaß sich imposante Kunstbauten und großartige Natursceneri:n aus dieser Route die Hände reichen. Die bevorzugte Tour von Brig im Wallis bis Domo d'Ossola in Italien im eidgenössischen Postwagen, der die Strecke in neun Stunden durcheilt, zurückzulegen, ist außerordentlich anregend. Weit genußreicher und instructiver gestaltet sich die Fußreise. Mit eigenthümlich erhebenden Gefühlen tritt der Wanderer in der Morgenfrische, wenn die aufgehende Sonne die Kuppen der Alpen vergoldet, in diese Bergund Gletscherwelt ein, die sich bald hinWintergalerie. ter Brig dem Auge offenbart. Die Straße beginnt sofort zu steigen und zieht sich in Kehren zwischen Bettlihorn und Glishorn zur Napoleonsbrücke hinan, bei der der Weg von Glis, in dessen Kirche der Ritter Supersaxo mit Frau und 23 Kindern begraben liegt, einmündet, umkreist dann den Weiler Schlucht, setzt über die Ganterbrücke, unter der ein Wildbach tobt und braust, und erreicht Berisal, ein inHöhe von 1526 Meter malerisch gelegenes Dorf mit Poststation; hier zweigt das mineralreiche Steinenthal ab, in dessen Hintergrund der Steinengletscher glänzt und gleißt, während in der Perspektive sich Bortelhorn, Furggenbaumhorn und die Kette des Monte Leone präsentiren. Weiter führt die Straße durch Wald und den 30 Meter langen Schallbergtunnel in rauhe Gegend mit kümmerlicher Vegetation. Hier häufen' . sich die Naturwunder und Kunstbauten. Ein Bild von ergreifender Größe, starren, weit auseinandergerissen, die wilden, ungeheuern Riffe des 3565 Meter hohen Monte Leone, des Schönhorns, Wasenhorns und Fletschkorns (4001 Meter) auf. schroff wie die Riesenkämme eines klippenreichen, plötzlich versiegten Meeres, während im Rückblick das erhabene Dreigespann, Bietschorn, Jungsrau und' Aletschhorn, vor dem der riesige Aletschgletscher herabhängt, hoch über dem Rhonethal emporstrebt. Es folgen die 60 Meter lange, mit zehn Felsenfenstern versehene KaltwassergletscherGalerie, über der sich der Kaltwasserbach in majestätischerCascade donnernd herabstürzt, dann die Wintergalerie mit 18 Bogenlucken und endlich die Paßhöhe (2010 Meter) mitKreuz; tausend Schritte weiter erhebt sich das stattliche Simvlonhospiz, wo man, wie das dem Großen St. Bernhard, unentgeltlich verpflegt und beherbergt wird, als Wohlhabender jedoch den ungefähren Betrag in den Opferstock legt. Das Hospiz umschließt eine schöne Kirche Simplonhospiz. und mehrere mit Bildern ausgeschmückte Säle; zur Rettung im Schnee Verunglückter sind einige der berühm-' ten- Bernhardinerhunde vorhanden. Nun sinkt die Straße, zieht an. zwei kleinen, in melancholischer Geb'rgseinsamkeit schiummerndenSeen, am bläulich schimmernden Rautgletscher und' am thurmähnlichen, ältern Hospiz Stockalper vorüber, durcn das Felsen-' d6fil6 Engloch zu den mit Felsbrocken und braunen Sennhüten besäetenMatten des schluchtartigen Tiefthales nach dem Weiler Gaggenne und zum Dorfe Simpeln mit Poststation, gelobtem Gasthof, alterthllmlichenGebäuden und zerfallenem Römerthurm, wildroman-' tisch angesichts von Fletschhorn, Weißmies und Schönhorn und in unmittelbarer Nähe von sechs Firnströmen gelegend als 'deren bedeutendsteRoßbodenund Bodmergletscher gelten. Nach der öden Algaby mit, Capelle bilden Laquinbach und Krummbach vereinigt die Doveria, die fortan die Straße begleitet. Diese tritt bald in die wundervolle von mächtigen Felswänden eingeengte Gondoschlucht ein. passirt die 65 Meter lane Galerie von Algaby, dann die Trümmer einer Kaserne und den 220 Meter langen Tunnel von Gondo, an dessen Zllusgang der Wildbach Fressmone sich in graziösem Bogen herabsenkt, ei bezauberndes Esfectstück bil-
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j teiv--'r i i i 1 1 1 I . raaamm4fenr-r7sm jjjj Lyj
dend. Im Rückblick erglänzt der stolze
Weißmies im Schneetalar. An der im grausigen Schlund tobenden Doveria, an drohenden Felsenmauern und an Zrenzbesestigungen entlang geht es durch den letzten Schweizerort. das ärmliche londo, mit altem, wehrhaftem Stockalperthurm. am schleierartigen Zwieselbergfall vorüber zum Weiler San Marco jenseit' der schweizer Grenze und nach der italienischen Zollstation Jsella am Beginn des Val di Vedro. Die Straße dringt dann in einen düstern Engpaß em, der von thurmhohen, mauerförmigen Felsen flankirt und vom Gebrause derDoveria erfüllt wird. Und immer wilder. grö ßer und schauerlicher gestalten sich diese Formen, je tiefer die Schlucht sich hinabsenkt. Wie ungeheuere Crystallgebilde schießen die senkrechten Felspfeiler auf, Thalkammern und Spalten zwischen sich, die, mit Schutt überworfen, einem Labyrinth von eingestürzten Riesenburgen gleichen. Aus dieser unheimlichen, einsamen Kluft führt der Tunnel von Crevola zu jener begnadeten Stelle, wo sich plötzlich dem überraschten Auge das von der Tosa durchströmte, beitere, mit blühenden Dörfern, leuchtenden Kirchen'und Capellen geschmückte Val d'Ossola öffnet, in dessen prangenden Gefilden die Straße in weiten Curven hinabführt, zunächst nach Crevola und dann über die Herrliche Doveriabrücke nach Domo d'Osvia, einer wohlgebauten, echt italienichen Stadt mit schönem Municipalge?äude und originellen Straßencascaden, inmitten der üppigen südlichen Vegetation an der Tosa gelegen. Hier endigt die Postroute, und eine vor einigen Jahren eröffnete Bahn führt über Orta und Mailand, die Simplonstraße dagegen nähert sich bei Gravellona den zauberischen Gestaden des Lago Maggiore und zieht an diesen und an der weltbekannten Gruppe der Borromeischen Inseln, an Baveno, Stresa und Arona entlang nach Mailand. In wenigen Jahren wird die Simplonstraße mit allen ihren Reizen, wie heute der Gotthardpaß, verödet liegen. Nach langen Präliminarien wird sich endlich das Project verwirklichen, auch den Simplon mittels eines 19.731 Meter langenTunnels zu durchbohren und dadurch eine für die Verbindung Lon-don-Brindisi über Paris, Dijon, Lausänne, Mailand und Piacenza um 25 Kilometer kürzere Linie herzustellen als die bisherigen durch Montcenis und Gotthard. Conform dem neusten, sowohl von der schweizerischen Eidgenossenschaft als auch von der italienischen Regierung genehmigten Plan wird der Tunnel 2 Kilometer östlich von Brig Alteö Hospiz. in einer Meereshöhe von 687 Meter !eginnen, im Innern biö 705 Meter ansteigen und bei 634 Meter über dem Meer unterhalb der Ortschaft Trasquora nahe Jsella endigen, sodaß die Höhendifferenz zwischen beiden Portalen nur 53 Meter betragen würde. Von dort soll die projectirte Simplonbahn durch die Val di Vedro. als offene Bahnstrecke geführt werden und in Domo d'Ossola an die bereits vorhandene Linie anschließen. Der Tunnel würde unter Berisal, den Gletscherfeldein des Wasenhorns. Monte Leone und des Furggenbaumhorns sowie unterm See vonAvino hindurchgehen und sich vor andern Riesentunnels nicht allein durch größere Länge (19.731 Meter, gegen Montcenis 12,849 Meter, Gotthard 14,984 Meter, Arberg 10.240 Meter), sondern vor allem auch durch seine geringe Meereshöhe (750 Meter, gegen 1200 bis 1300 Meter der eben erwähnten drei Tunnels) auszeichnen. Während jedoch bei den Arbeiten z. B. im Gotthardtunnel eine Wärme von ejwa 30, im Moncenistunnel von 29 und im Arlbergtunnel von 18 Grad Celsius herrschte, wird dieselbe nach der Berechnung der Masse und Höhe des Monte Leone im Simplontunnel wohl im Maximum 40 Grad betragen. Die Bohrgesellschaft hat sich verpflichten müssen, die Temperatur in den Arbeitsräumen durch Ventilatoren und Zerstäubung kalten Wassers bis auf 25 Grad heraozumindern. Der Tunnel wird vorerst nur für eine eingleisige Bahn hergestellt. Obgleich von der Gesammtlänge des Tunnels 8330 Meter, auf 'italienischem Boden liegen, so wird dennoch nach dem zwischen der Schweiz und Italien geschlossenen Vertrag die Gesellschaft der Jura - Simplonbahn den Bau und den gesammten Betrieb der Bahn bis zur Station Domo d'Ossola in, die Hand nehmen. ' ' .. Der Tunnel wird nach neustem Sysiem mit Vrandt'schen hvdraulischen Drehmaschinen gebohrt. Für die. Installationen am Nordportal und den Betrieb ihrer, gewqltigen Maschinen steht die'Rhone durch die Massa, die vom Aletschgletscher zu Thal stürzt) und die Saltine, die die Wasserläuse des Simplons sammelt, verstärkt, zur Verfügung. Diese Wassermenge' wird oberhalbBrig gefaßt und jn einer 9800 Meter langen eisernen Rohrenleitung zum Tunnelportal gebracht, woselbst etwa " achthundert " Pferdekrafte . zum Betrieb der Pumpen für 'die Drehbohrmaschinen, Ventilatoren- Werksiätten' u. s. w. verwandt ' werden können. ' Diese Kraft reicht aus, um die Stollen 5 Kilometer tief vorzutreiben ; alsdann' ist eineVermehrung nothwendig, und diese wird dem Steinenbach bei Berisal entnommen, der vom Steinengletscher niederbraüst und durch ein abzuteufendes, 700 Meter tieseZ
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Bohrloch unier großem Druck direct in
den Tunnel geleitet wird. Am Sudende des Tunnels wird die nothwendige Kraft dem Bergstrom Doveria und dem Wildbach Lairasna entnommen, die den Arbeiten die gleichen Dienste leistet wie bei jenen am Nordportal. Die Methode,' nach der die Unternehmer den Tunnel zu bauen sich verpflichteten, ist eine vollständig neue. Statt eines zweispurigen Tunnels werden zwei einspurige, parallel miteinander in einem AbiSiÄ ''"TN lUU ' 1--h ; fi-X'fW' llvvrPCf iiMy4fÄ7i 'imsMK Jsella. stand von 17 Meter laufende Tunnels hergestellt und in Entfernungen von 200 Meter durch Querstollen verbunden. Der eine Tunnel wird sofort ausgebaut, der andere erst dann vollendet, wenn der Bahnverkehr im erstern, der in der Mitte eine Ausweichstelle zur Kreuzung der Züge erhält, nicht mehr bewältigt werden kann. ' Die Unternehmer dieses colossalen Werkes, Ingenieur Brandt aus Hambürg, Erfinder der hydraulischen Drehbohrmaschinen, Ingenieur Brandau aus Kassel. Gebrüder Sulzer in Winterthur, die Bank daselbst und Locher und Co. in Zürich, bilden eine Commanditgesellschaft unter der Firma Brandt. Brandau und Co. und haben sich contractlich verpflichtet, die Jnstallationen für 7 Millionen, den ersten eingleisigen Tunnel mit Parallelstollen für 47 Millionen und den zweiten Tunnel für 15 Millionen herzustellen ; der erstere muß in fünf Jahren acht Monaten vollendet sein. Marktscgelschlittcn. Die kleinen Städte - am Unierlauf der Oder von Schwetz bis Stettin stehen im Sommer durch Fracht- und Personendampfer mit Stettin in V bindung. Im Winter vermitteln die Eissegelschlitten den Marktverkehr mit dem großen Handelshafen. Gewöhnliche große Schlitten sind durch Anbringung eines Mastes segelfähig gemacht worden und werden nun mit 20 bis 30 Centner Kartoffeln, Getreibe, Erbsen und dergleichen Marktfrüchten in Säcken beladen. Hinten am Schlitten sind zwei gabelförmig auslaufende Hölzer senkrecht aufgesetzt, in denen fest verschnürt ein langer starker Holzbaum wagerecht ruht. An Auf der Fahrt. ihn fassen nun die Begleiter desSchlittens, je nach der herrschenden Windstärke drei bis zehn Mann, an und steuern den Schlitten, indem sie sich bald rechts, bald links an dem Holzbäum vertheilen und, auf Schlittschuhen lausend, bald den Gang desSchllttens hemmen und dann wieder durch Nachschieben beschleunigen. Fahren sie mit starkem Rückenwind, so halten sich alle nur am Holzbaum fest und richten ihr Augenmerk lediglich darauf, daß der Schlitten nicht in eine der vielen Lumen geräth, die sich meist in der Nähe des Ufers zeigen. Bei heftigem Sturm kommt es zuwejlen vor, daß solche Schlitten mit der gesammten Ladung im Strom verschwinden. , D a s B e st e. Lehrer (einer Damen - Malschule entsetzt die Arbeiten seiner Schülerinnen betrachtend): Meine Damen, heirathen Sie!" Abwehr. Bemoostes. Haupt: .Da soll ich nun ein unregelmäßiges Leben führen! Derweil besauf' ich mich jeden Tag!" Der größte Weib erkenner darf bei seiner eigenen, Frau sein Studium nochmals von vorne beginnen. Nothwehr. Richter: Und warum haben Sie auf den Zeugen mit dem Revolver geschossen?" Angeklagter: Aus Nothwehr, er zwang mich dazu." Nichter: Zwang Sie?" Angeklagter: Ja, er wollte halt partout seine Börse, nicht herausgeben!" Verdächtig. Wirth (der mit einem Arzt, welcher bei ihm verkehrt, in Gegenrechnung steht): Ich sehe wohl, schlecht aus, Doctor?" Arzt: Warum?" Wirth: Na, ich meine weil Sie heute schon die dritte Flasche Wein trinken!" . ; ' Verzicht. Haben Sie es schon gehört: Der Commerzienrath Goldsteiner hat Bankerott gemacht!" Wie? Der reiche Goldsteiner? Das ist ja schrecklich!" ' Ja und vor acht Tagen hat er mir noch etwas versprochen. Unter den obwaltenden Umständen verzichte ich aber darauf,' daß er sein Versprechen einlöst . . ." Das ist sehr edel von Ihnen! Was hat er Ihnen denn versprochen?" Die Hand semer Tochter!" .
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Aas Köfele-Kaus. .
Es ist noch nicht allzu lange her, daß sich die jährlichen Touristenströme nicht nur in die Schweiz, sondern auch in die herrliche AlpenweltTirols ergießen; und doch hat in dieser kurzen Zeit der gesteigerte Fremdenverkehr große Umwälzungen selbst in den kleinsten Orten hervorgebracht und manchem altehrwürdigen Städtchen eine ganz neue Physiognomie gegeben. Dieser stets wachsende Strom der Fremden hat auch das Verschwinden vieler hochinteressanter. uralter Bauten im Gefolge, an deren Stelle große Hotels mit allem Comfort der Neuzeit erstehen. Im burgenreichen, weingesegneten Südtirol finden wir diese für den Alterthumsfreund so betrübenden Umwandlungen besonders in der alten Hauptstadt Bozen. Die vielen großen Hotels, die in den letzten Jahren dort erstanden sind, genügen nicht mehr, um die Zahl der Fremden aufzunehmen, und immer wieder muß ein altes Haus weichen, um einer Hotelvergrößerung Platz zu machen. Aus diesem Grunde wird in nachster Zeit auch eines der interessantesten und geschichtlich verthvollsten Gebäude Bozens, das Bernard - Köfele - Haus in der Weintraubengasse, verschwinden. Aeußere Ansicht. Westseite. Wer Bozen kennt, der hat wohl hinter dem mächtigen Hotel Schwarzer Greif das uralte Gemäuer jenes Hauses gesehen. Selten kann man den Contrast zwischen dem Modernsten u. dem Mittelalter so unvermittelt finden wie hier, wo gleich neben der Front des RiesenHotels und dem Schlot der elektrischen Beleuchtungsanlage das schlichte wehrhafte Haus, der Ansitz Niederhaus" mit seinem Bergfried, den Schießscharten, Zinnen und Pechnasen recht verwundert in das moderne Getriebe schaut. Abgesehen von dem malerischen und künstlerischen Werth, den namentlich die Interieurs besitzen, ist das Haus besonders für jeden Oesterreicher von hohem Interesse, denn von seinem noch ziemlich gut erhaltenen Balkon aus hat der Ueberlieferung nach die vielgeliebte Margarete Maultasch im Jahre 1363 die Abtretung Tirols an Oesterreich dem unten versammelten Volk verkündet, nachdem vorher die Abtretungsurkunde in dem noch heute erhaltenen damaligen Stadthaus in der Bindergasse unterzeichnet worden war. Ueber den Zeitpunkt der Erbauung sowie über die Geschichte dieses wohl über 800 Jahre alten Gebäudes wissen uns die Chronisten so gut wie nichts zu erzählen. Der um die Erhaltung tirolischer Kunstwerke so hochverdiente Conservator K. Atz in Terlan hat im Das Stiegenhaus. , Verein mit dem als Specialforscher für tirolische Geschichte .bekannten, nunmehr verstorbenen Historiker Forstmeister Neeb in Bozen Untersuchungen angestellt, aber ohne das gewünschte Ergebniß. Neeb deutete drei steinerne Kugeln, die neben dem Haupteingang eingemauert sind, dahin, dak das Haus ursprünglich dem Domcapitel inTrient gehört habe, das drei Kugeln in seinem Wappen führt. Andere meinen, die Kugeln bedeuten ein freies, öffentliches Gebäude. Das würde wohl auch den Umstand erklären, daß Margarete Maultasch gerade von hier aus die Urkünde dem Volk .vorlas. Wie aus einigen Urkunden noch ersichtlich,' war das Haus im Laufe der Jahrhunderte im Besitz verschiedener ritterlicher Familien, so der Herren von Küepach, Neuhaus u. s. w.; zu Ende des vorigen Jahrhunderts besaßen es die noch jetzt in Bozen ansässigen Herren v. Larcher. Die Nachkommen - Bernard Köfele's, nach dem es noch heute genannt wird, besaßen es bis vor wenigen . Jahren, worauf Hotelier Staffier dasselbe . ervarb. um auf dem Gartengrund, der zu dem Hause gehörte, den neuen ZudaU'ZU seinem Hotel aufzuführen. : Wenn einer eine Reise -thut, so kann er 7vas' erzählen,. besonders nach einer Hochzeitsreise. T r o st l i ch. Pardon, Herr Prosessor, Sie sitzen., auf .meinem. Hut." 'O, das kann erst seit einer '.halben Stunde sein." . ' ;-!' ,. : '. ' Ermahnun g.' Bäuerin (zu . ihrem Mann, der , am Kirchtag . in's Wirthshaus geht): : Sepp. rauf nur heute aenu der Doctoriist uns noch Geld s'chuldig!-
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Herr: Fräulein, mit Ihnen ginge ich freudig bis ans Ende der Welt . . Fräulein: Gut! Aber damit wir die Sache bequemer haben, lernen wir's Radfahren und dann radeln wir zusammen dahin." Ein naiver Duellant. Der Bankier Blütenstein bekommt Streit und wird auf Pistolen geforbett. Seiner gesellschaftlichen Stellung zuliebe acceptirt er das Duell, welches aber resultatlos verläuft. Nur Blütensteins Cylinder wird von einer Kugel durchbohrt. Nachdem die übli chen Formalitäten beendet sind, naht sich Blütenstein dem Baron v. StollWitz und spricht: Herr Sekundant, .muß er mer jetzt kafen einen naien Cylinder?" Ein pflichtgetreuer Gatte. Sie haben ja heut' immer zwei Maß zu gleicher Zeit vor sich stehen?Ja, fehenSie, ich hab' meiner Frau fest versprochen, heut' um neun Uhr zu Haus zu sein, und da muß ich mich beeilen, daß ich zu meinem Quantum komm"!" - Drohung. 'rCsrX ;?Sasft v 1 n- -v t Studiosus (zu seinem Sazneider, der ihn auf der Straße ' attakirt): Wenn Sie es noch einmal wagen, mich auf der Straße anzusprechen, dann lerne ich Radfahren!" Eine ordnungsliebende Hausfrau. Er: Da schau', Weiberl. eine Haarnadel in der Suppe!" Sie: Jetzt weiß ich erst, wohin unsere Sachen kommen ein Stiefelknecht fehlt auch!" Un nöthig. Aber Sie haben ein nettes Dackerl! Wie heißt er denn?" Namen hat er keinen; braucht auch keinen folgen thut er ja doch nicht!" ' U begreiflich.' Unterofficier (einem ungeschickten Rekruten zuschauend): Und so einem Kerl sind nu' auch Weisheitszähne gewachsen!" i Widerlegt. Grenadikr'(zu seiner Köchin): Jette, det is heute mal ne Wurst! Nu' sag' mir noch eener, die heutige Zeit kenne keene J.deale!" .
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